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Full text of "Zentralblatt für Chirurgie"

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BOSTON  MEDICAL  LlBRAKt 

^  JN  THE 

|.    \FRANC1S "a.  COUNTWAY 

#      \  LIBRARY  OF  MEDICINE 


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Centralblatt 


fttr 


CHIRURGIE 


herausgegeben 


von 


Dr.  L.  Lissfir,  Dr.  I.  Sckeile,  Dr.  E  Tfllniaiiiis 

in  BerlU.  in  Berlin.  in  Leipzig. 


Zweiter  Jahrgang. 


Leipzig, 

Drnek  nnd  Verlag  yon  Breitkopf  nnd  Hftrtel. 

1875. 


OriginalinittlieUimgen. 


Bldder^  Auch  einige  Worte  über  den  MechanismuB  der  Brucheinklemmungen.  No.  8, 
p.  113. 

Bnins«  Zur  Simo naschen  Methode  der  unblutigen  Erweiterung  der  weiblichen  Harn- 
röhre. No.  33,  p.  513. 

Genner^  Versuche  za  H  fiter 's  mechanischer  Fiebertheorie.  No.  13,  p.  193. 

Untersuchungen  Qber  den  Hvalinknoxpel.  No.  17,  p.  257. 

Glnrdy  Mikroskopische  Untersuchungen  üoer  den  sogenannten  blauen  Eiter.  No.  50, 
p.  785, 

Eoekf  Ueber  das  Schwinden  der  Sensibilit&t  in  der  Narcose.  No.  1 1 ,  p.  162. 

Koeher,  Zur  Lehre  von  der  Brucheinklemmung.  No.  1,  p.  1. 

KolMiek,  Bacterien  im  normalen  Blute.  No.  13,  p.  197. 

LMseiy  Neue  Experimente  zur  Lehre  von  dem  Mechanismus  der  Brucheinklemmung. 
No.  3  und  4,  pp.  33  und  49. 

Lfieke,  Ueber  die  Eigenschaft  des  Durchscheinens  bei  festen  Geschwülsten.  No.  29, 
p.  449. 

Bänke*  Casuistischer  Beitrag  zur  Lehre  von  der  Brucheinklemmung.  No.  32,  p.  497. 

Messungen  des  intraarticulftren  Druckes  am  Kniegelenk  des  Lebenden.  No.  39, 

p.  609. 

Bieunger^  Zur  Aetiologie  der  Schenkelhalsfracturen.  No.  52,  p.  817. 

BoMn  Zur  Vertheidigung  der  Bruoheinklemmungsklappen.  No.  6,  p.  81 . 

Was  bedeutet  das  Fehlen  der  Himbewegung  bei  olossliegender  Dura.  No.  11, 

p.  161. 

Zur  Lehre  von  den  Ghranulationskrankheiten.  No.  27,  p.  417,  No.  31,  p.  481.. 

' Bippenresection  bei  Empyem.  No.  38,  p.  593. 

Nacntrag  zur  Rippenresection  bei  Empyem.  No.  40,  p.  640. 

TUlnuuuiBy  Ein  Wort  zur  Li  st  er 'sehen  nundbehandlungsmethode.  No.  28  und 
No.  29,  pp.  433  und  451. 

Untersuchungen  über  die  LymnhgeflUse  der  Gelenke.  No.  51,  p.  801. 

▼ogel,  Fall  von  Syndactyliß  geheut  durch  Dittel's  elastische  Ligatur.  No.  12, 
p.  177. 

Zum  Mechanismus  der  Tripperinfection.  No.  42,  p.  657. 

WenheTy  Chronische  vollständige  Dysphagie,  veranlasst  durch  Verdickung  des  Ring- 
knorpels. No.  30,  p.  465. 


Namenregister. 


(Die  mit  *  Teraehenen  Seitenzahlen  deuten  auf  Originalmittheilungen.) 


A^dams  144.  682.  686.  747. 

Aeby  262.  277. 

Aflre  478. 

Ahlfeld  12. 

Akinvieff  269. 

Albani  158. 

Albert  508.  767. 

Amory  HO. 

Amussat  fila  364.  413. 

Anderson  827. 

Andr6  138. 

Andrejew  779. 

Andrews  255. 

Anger  384.  448.  479.  735. 

Annandale  HO.   112.    128. 

246.  511.  585.  589. 
Arthur  128. 
Ashhurst  784. 
Ashton  496. 
Augier  544. 
Auapitz  41. 
d'Azambiga  604. 


830. 
Baber  792. 
Bachelder  431. 
Baelz  278. 
Baerensprung  680. 
Bahrdt  30. 
Bailey  780. 
Baker  288. 
Balch  495. 
Ball  475. 
Balmer  504. 
Banga  478. 
Bardeleben  A.  741. 
Barrow  384. 
Barsow  711. 
Barth  787. 
Barton  830. 
Bartow  414. 
Barwell  126.  288. 
T.  Basch  93. 
Battig  442. 
Baumgarten  56.  671. 
Beck  126. 
Becker  107. 
Beely  326. 
Bell  751.  800. 
Bellien  230. 


Benazzi  284. 

Benneu  448.  766.  816. 

B^renger-Feraud  140. 

Berens  134. 

Berger  155.  699.  749.  829. 

Bergeron  325.  698.  732. 

Berghman  820. 

Berglind  10. 

Bergmann  129. 

Berlinerblau  614. 

Bernard  192.  826. 

di  Bemardo  256.  320. 

Berndt  410. 

Berns  200.  745. 

Berthold  649. 

Berti  606. 

Beuck  669. 

Bianchetti  608. 

Bidder  79.  113.  507.  573. 

692. 
Bim  181.  ' 
Bigelow  234.  554. 
BiUroth  65. 
Binz  267. 
Biot  494. 

Birch-Hirschfeld  91.  278. 
Birkett  317. 
Birnbaum  687. 
Bizzozero  319. 
Blanc  471. 
Blozam  208. 
Bockenheimer  12. 
Boeckel  136.  816. 
Bohn  305. 
Boismarin  765. 
Boisnet  718. 
BoUinger  459.  494. 
Bonniöre  5. 
Bontemps  640. 
Borland  459. 
Borl6e  335. 
Böse  582. 
Bottini  58. 
Bouchut  584. 
Bouley  298. 
de  Bourilhon  30. 
Bouteiller  783. 
V.  Braun-Femwald  778. 
Braune  165.  545. 
Breisky  304. 


Bremond  188. 

Bresgen  718. 

Brickell  539. 

Briggs  256.  320. 

Broadbent  245. 

Broca  223. 

Brock  464. 

Brodowski  421. 

Browicz  43. 

Brown  382. 

Browne  575. 

Bruberger  75.  293. 

Bruehl  765. 

Bruns,  Paul  473.  513».  684. 

Bryant  173.  248.  255.  286. 

733.  736. 
Bryk  185. 
Byrd  831. 
Buchanan  603. 
Buchholtz  737. 
Bucholtz  720. 
Bück  A.  H.  246. 
Bück  G.  267. 
Buddenbeig  676. 
Budge  Ben.  588. 
Budm  280.  423. 
Bulko  622. 
Bull  715. 

V.  Buren  HO.  576. 
Burger  598. 
Burnham  560. 
Burow  jun.  206.  443. 
Burtonshaw  543. 
Bussard  687. 
Busch  W.  281.  374. 
Butcher  222. 
BuU  343. 

Oachet  189. 
Calastri  572. 
Callender  40.  283. 
Callmeil  416. 
Camison  368. 
Campbell  635. 
Capparelli  248. 
Carmichael  800. 
Cartaz  376. 
Caspary  794. 
Gasse  225.  358. 
Cayley  366. 


NuneBfegiiter. 


Caim  95. 

Ceiiaiy  550. 

Chadwick  291. 

Championni^re  768. 

Chance  511. 

Charcot  182. 

Chardin  380. 

Charies  780. 

De  la  Chataigneray  383. 

Chauvel  244. 

Chenet  784. 

Chesnay  190. 

CheTalier  144. 

Chiene  522. 

Chouppe  505.  672. 

Chrul  332. 

Chvoatek  743. 

Clarke  109.  798. 

Clemens  119.  429. 

Clemend  526. 

Coats  158. 

Cohnheim  812. 

Colin  148.  381.  483.  499. 

CoUey  699. 

Cdaon  496. 

Conrad  430. 

Corley  287. 

Cornii  471.  703. 

da  Costa  AlTaxenga  554. 

Conrty  367. 

Cousins  176. 

Coyne  280.  423. 

Cremonesi  287. 

Cripps  203. 

de  Uristofori 

Cuffer  480. 

Ckerny  70.  489.  493. 

I>s]nmann  518. 
Dansei  46. 
Danphin  767. 
Danscher  256. 
Da?id  546. 
DaTidson  221.. 
DaTy  208.  813. 
DawBon  189. 
DejMne  546. 
Deininger  654. 
Delens  295. 
Delstanche  332. 
D^marquay   31.   73.    127. 
148.  216.  217.  380.  447. 
Deneffe  66.  269. 
Denison  621. 
Deny  823. 
Descaznps  364. 
D^nneanx  239.  463. 
D^fes  314.  425.  447.  521. 
Desfes  270. 
Dietl  441. 
Dix  685. 
Dobson  522. 

Dolbean  62.  297.  317.  336. 
Dowse  96. 
Draper  128. 


Dreschke  509. 
Dubois  14.  125. 
Bubreml  215.  445. 
Dubrisay  624. 
Duckworth  799. 
Dnplay  520. 
Dupont  592. 
Durodi^  632. 

Ebennann  224. 
Eberth  425. 
T.  Ebner  670. 
Echeyerria  540. 
Eck  103.  108. 
Eckhard  664. 
Eidam  575. 
Eliaschewitsch  673. 
Eldridge  414. 
Elischer  312. 
EUiot  832. 
Emmert  556. 
Enchaquet  823. 
Englisch  80.  533. 
Ensor  303.  750. 
Erb  514. 
Erichsen  255. 
Escher  139. 
Esmarch  77. 
Essig  22. 
Evans  814. 
y.  Ewetzky  260.  790. 

S^agan  448.  592. 

Faucon  476. 

FayoUe  223. 

Fayrer  634. 

Fehling  461. 

Feltx  199.  487. 

F61ix  531.  831. 

F^lizet  366. 

Fergnsson  Me.   Oill    283. 

463. 
Femandes  141. 
Ferner  222.  798. 
Feser  180. 
Fick,  A.  708. 
Fick,  A.  £.  366. 
Fieber  285.  437. 
Fiedler  157. 
Fiensal  349. 
Figueira  302. 
y.  Fillenbaum  528. 
Fiorese  606. 
Fischer  H.  206.  404. 
Fitch  518. 
Fleck  737. 
Fleischl  630. 
Fleury  62. 
Fok  21. 

Fochier  172.  782. 
Foet  413. 
Foot  750. 
Forbes  718. 
Forlanini  564. 
Fomet  85.  276. 


Forster  Cooper  252.  701. 
Fester  348. 
Foucras  415. 
Foulis  565.  566. 
Fourcauld  479. 
Fouresti^  318. 
Franzolini  567. 
Fredet  384. 
Freund  679. 
Friedberg,  H.  45. 
Friedländer  55. 
Frisch  209. 
Fröhlich  11. 
Fuck  431. 

Farbringer  343.  495. 
Fürst  329. 

Gi-aethgens  531. 

Oallard  318. 

C^mgee  494. 

Oarbi  639. 

Garyens  569. 

Oascoyen  94. 

Gaule  680. 

Gay  746. 

Gayraud  782. 

Geber  311. 

Gehrung  224. 

Geissei  603. 

Gensmer  193*.  257». 

Gherini  222. 

Giacomini  27.  88. 

Gilbee  367. 

Gillette  336. 

Gilmann  72. 

Girald^s  204. 

Girard  785.* 

Glaeser  191. 

Goodall  575. 

Gosselin  64.    80.  774. 

Graefe  506. 

Green  176. 

Gr6hant  488. 

Griffini  124. 

Griyet  265. 

Grossmann  379.  608. 

Grube  650. 

GrOnfeld  732.  783. 

y.  Gudden  343. 

Gu6rin,  A.  600.  707. 

Guensburg  687. 

GueterbodL  219.  496. 

Guibout  315. 

Guillaumet  312.  573. 

Gurbski  831. 

Gurit  821. 

GuBsenbauer  448.  524.  692 

Guttceit  341. 

Guyon  537. 

Guyot  240. 

Haab  275.  805. 
Haag  623. 
Hack  828. 
Hafiter  125.  543. 


VI 


NamenregUter. 


Hagedorn  704. 

Hagen  142.  363. 

Hamilton  42.  797. 

Hannover  563. 

Hanot  298. 

Hanow  495. 

Hansen  806. 

Hardie  682. 

Hartmann  522. 

Hanrey  606. 

Hasse  745. 

Hatry  271. 

Hayem  149. 

Haynes  13. 

Heath,  0.  317.  590.  800. 

Heath,  6.,  574. 

Heaton  382. 

Heine  271. 

Heinze  159. 

Heinzel  712. 

Heitier  472. 

Heitzmann  25. 

Henke  156.  308.  407. 

Hennerici  270. 

Henocque  409.  604. 

Hertz  571. 

Hervieux  654. 

Heschl  708. 

Heurteloup  638. 

Hewett  288. 

Heydenreich  32.  77.  512. 

Heyder  173. 

Heyfelder  505.  569. 

Heymann  515. 

Hickl  648. 

Hül  Berkeley  96. 

Hildebrandt  297. 

Hüler  137.  696. 

Hirsch  668. 

Hirschberg  125.  422.   474. 

736. 
Hirschfelder  478. 
Hirschmann  681. 
Hirtz  575. 
His  502. 
HodRe  207. 
Hoffmann  763. 
Hofmann,  F.  26. 
Hofmokl  415. 
Hohenhausen  518. 
Holmer  625. 
Holmgren  613. 
Horff  677. 
Horteloup  729. 
Hoselitz  94. 
Hotz  190. 
Howe  590. 
Howse  700. 
Hueter  C.  86.  572. 
Hulke  124.  223.  303.  319. 

320.  414.  768. 
HuU  239. 
Humbv  126. 
Humpnry  240. 
Huppert  285. 


Hutchinson  239.  255.  447. 

576. 
Hyde  11. 

«Taccoud  543. 
Jackson,  A.  303. 
Jackson  R.  45. 
Jacobi  69. 
Jacobs  14.  326. 
Jacobson  86.  677. 
Jacoby  272. 
Jaesche  732. 
Jagetho  122. 
Jakowicki  602. 
Jakson,  W.  111. 
Jakubowitz  149. 
James  443. 
Jansen,  A.  111. 
Jastrow  831. 
Jenscher  54. 
Jerusalimsky  615. 
lUing  349. 
Johnson  671. 
Jones  799. 
Jourdan  430. 
Jüdell  224. 
JuUlard  462. 
Jung  829. 
Jurasz  364. 
Justi  269. 
ly&nchich  186. 
Jversen  115. 

ILalscheuer  681. 
Kaposi  13.  168.  375. 
Kappeier  131.  351. 
Karpetschenko  717. 
Karst  269. 
Kaulbars  730. 
Keith  360.  527.  556. 
Kerr  240.  588. 
Ketli  446. 
Keyes  537. 
Kirkwood  279. 
Kirmisson  480. 
Klebs  121.  470. 
Kleinschmidt  245. 
Klopotowsky  719. 
Knapp   61.   96.    253.   254. 

282.  285.  431. 
Knoener  191. 
Koch  17.  102*. 
Kocher  1*.  328.  425. 
Koehler  7. 
Koenig  529. 
Koester  675. 
Kolaczek  197».  441. 
Kolbe  740. 
Koller  38  t. 
Kondireff  237. 
Kostareff  175.  264. 
Kought  111. 
Kowalski  709. 
Krasnogliadow  238. 
Krasnopolsky  269. 


Kremnitz  59. 
Krieg  586. 
Krishaber  247. 
Kroenlein  581. 
Kronecker  628. 
Krongold  256. 
Krueg  717. 
Kruk  815. 
Krzykowski  78.  300. 
Kulischer  277. 
Kunze  759. 

I^abb^  296. 

Laboulb^ne  655 

Ladmiral  815. 

Lafont  607. 

Lailler  608. 

Landau  118. 

Landgraf  479. . 

Land!  288. 

Landsberg  490. 

Landsberger  740. 

Lane  557.  685. 

Lang  311.  469. 

y.  Langenbeck  47. 617.  807. 

Langenbeck,  M.  72. 

Langerhans  75. 

Langgard  827. 

Langton  334. 

Lannelongue  187.  464. 

Lansac  217. 

Laptschinski  123.  192. 

Laub  638. 

Laurent  430. 

Lawson  237.   365. 

Leblond  327. 

Lebouc^  330. 

Lecchini  28. 

Le  Dentu  247. 

Lederer  382. 

Lee  95.  557. 

Lees  106. 

Le  Fort  428. 

Lejeune  44. 

Leiter  331. 

Leopold  327.  461. 

Lupine  798. 

Lesser  135.  694. 

Letzerich  74.  431. 

Levis  719. 

Levschin  112. 

Lewin  157. 

Liebermeister  753. 

Liebman  566. 

Lieven  45. 

Lindner  520. 

Ljacho  witsch  142. 

Loen  447. 

Loewer  4S. 

Lolini  190. 

London  424. 

Lorenz  143. 

Loreta  145. 

Lossen  33*.  49*.  292. 

Lucae  794. 


Namenregiiter. 


vn 


Ludrik  379. 
Lacke  449». 
Luke  813. 
Luiid  202.  652. 
Lyaakowsky  157. 

Maas  111.  207. 

Maberly  574. 

Mac  Oarthy  47. 

Mae  Cormac  174.  41h  511. 

Mac  Ewen  781. 

MacchiaTeUi  607. 

Mackenzie  80.    377.    532. 

616. 
>Iackey  811. 
Maelaren  144.  350. 
Macleod  364.  751. 
Macrae  664. 
Madelung  150.  329. 
Malaaeez  40. 
Malherbe  349. 
Mann  11. 
Mannel  59. 
Marbouz  830 
Marcacci  317. 
Marcano  78.  155. 
Marckwald  772. 
St«.  Marie  576. 
Marquea  766. 
Marsb  208.  231.  656. 
Marshall  234. 
Martin,  R.  38. 
Martinez  del  Rio  829. 
Martini  46. 
Martins  143. 
Maschek  190. 
Maschka  654. 
Mason  542. 
Massei  31. 
Mathiews  415. 
Mäander  668.  720.  761. 
Maunoir  143. 
MaYxicos  335. 
Maver,  S.  53. 
T.  Mayer  740. 
Mayerhofer  32. 
Mazsoni  241. 
M^Donnell  831. 
Mears  15.  238.   815. 
M6hu  552. 
Merunowicz  16. 
Meusel  316.  333. 
Meyburs  632. 
Meyer,  Max  363. 
Michaelis  63. 
Michel  222.  808. 
Miffxiot  126. 
MiUingen  141. 
Milner  206. 
Minnich  159.  160. 
Miquel  430. 
Miramond  316. 
MitcheU 
M6  574. 
Mocquot  255. 


Model  623. 
Modnejewski  488. 
MoeU  773. 
Moldenhauer  80. 
Möller  747. 

MolUäre  159.  222.  299. 
Moncoq  169. 
de  Mooy  16. 
Mora  568. 
Moreau  220. 
Morice  477. 
Moritz  715. 
Moroni  608. 
Morosoff  617. 
Morris  317.  332. 
Morton  15.  208.  561. 
y.  Mosengeil  704. 
Mosler  591. 
Mougeot  191. 
Maller,  J.  141.  517. 
Maller  592. 
Manchmeyer  553. 
MulUer  580. 
▼.  Mundy  65« 
MuSoz  111. 
Marinoff  675. 

Nancrede  301. 

Nawrocki  758. 

Neill  303. 

Nepvea  275.  715. 

Neuffer  271. 

Nicaise  666. 

NicoUdoni   44.    300.   534. 

764. 
Nieden  686. 
Nitsche  775. 
V.  Nusshaum  235. 264.  759. 

Obali^ki  43.  77. 

Oberrit  62. 

Odebrecht  295. 

Oehme  757. 

Oertmann  654. 

O'Orady  Stamer  313.  766. 

Ohlemann  447.  585. 

O'Leary 

Ollier  262. 

Ollivier  346. 

Onimus  409. 

Or6  814. 

Ory  13.  352. 

Osowicki  14. 

Otis  560.  592. 

Paget,  J.  203. 
Pajot  360. 
Pamard  60. 
Pantier  544. 
Panum  457. 
PapUlaud  413. 
Parks  782. 
Parona  214. 
Paschen  218. 
Pasteur  483.  499. 


Pelliszari  223. 

Peltier  159. 

Pemberton  622. 

Pepper  184. 

Petersen  60.  795. 

Petters  119. 

Pflug  748. 

Pick  816. 

Pieni^iek  301. 

Pineas  251. 

Pippingsköld  108.  205. 

V.  Pitha  273. 

V.  Platen  776. 

Podrazky  87. 

Poggiale  483.  499. 

PoUak  413. 

Pollatochek  92. 

Pollitzer  175. 

Poncet  542. 

Ponfick  289. 

Poray-Koschitz  653. 

Port  646. 

Porter  14.  300.   447.    762. 

Poulet  318. 

Poupier  550. 

Powell  268. 

Pozzi  510. 

Prevost  546. 

Puglifese  78. 

V.  Puky  620. 

Quist  771. 

Rabe  410. 

Rabitsch  656. 

Rabuteau  440. 

Radek  366. 

Rajewsky  678.  760. 

Ralfe  351. 

Ranke  79.  207.  464*.  497*. 

609*. 
Rauber  122. 
Ravoth  651. 
Reder  61. 
Rednik  541. 
Regnault  781. 
Rehm  192. 
Reid  793. 
Reisland  527. 
Reiss  63. 
R6naut  86.   742. 
Reyher  117.  223.  308. 
Rheinstftdter  623. 
Richardson  124.  671.  799. 
Riebet  64.  142.  366 
Rickmann  559. 
Riedinger  817.* 
Riegel  267.  . 
Riemer  567. 
Rindfleisch  724. 
Rinteln  526. 
Risel  655. 
Riva  152. 

Rivington413.  519.750.810. 
Rixzoli  90. 


vni 


NtmgwtgMter. 


Robertson  285.  60». 

Kobens  652. 

Kobin.  A.  80.  703. 

Rochelt  383.  384. 

Roehlen  363. 

Rohden  814. 

Romi6e  365. 

Rondot  667. 

Rose  106.  761. 

Roser  81 M51  Mfif8. 417* 

481».  535»  593* 
Rosner  735. 
Rouge  8. 
Rouget  261. 
Roy  46. 
Ruehle  717. 
Rüge,  P.  304. 
Rupprecht  48. 

Saemisch  506. 

de  SainlrGenniifi  95.  191. 

543. 
SalkowBkv  551. 
Salomon  239. 
Salzer  752. 
Sander  595. 
Sandri  319. 
Sappe^  132. 
Sarrazin  708. 
Satre  216. 
Sawostitzky  175. 
Sayre  809. 
Scapari  29. 
Schede  154. 
Scheff  638.  807. 
Scheffer  94^ 
Scherzer  16. 
Scheuer  299. 
Schiff  21. 
Schklarewsky  749. 
Schmid  564. 
Schmidt  558. 
Schmiedeberg  718. 
Schneider  13. 
Schnepp  797. 
Schoeler  340. 
Schrauth  824. 
Y.  Schroff  568. 
Schtscherbinenkoff  294. 
Schuessler  28. 
Schuster  667. 
Schwalbe  591. 
Schwarz  554.  793. 
Schweninger  591.  769. 
SediUot  9. 
S^e  Marc  264.  666. 
SeeligmOller  509. 
Selinsky  653. 
Semmer  213.  490. 
SenfUeben  777. 
Servel  331. 
Servier  445. 
Shellenberger  367. 
Shilkin  774. 
Sidlo  558. 


Siedamgrotzky  549. 

Silbermann  811. 

Silvestri  29.  637. 

Simmons  570. 

Simon,  G.  577. 

Sims  Mafion  536. 

de  Sinety  697, 

Sinowieff  719. 

Sioli  601. 

Siredey  825. 

Smithi  Bl.  T.  43. 

Smith,  Lewis  591. 

Soborow  139. 

Socin  787. 

Solger  74. 

Solokoff  705. 

Sommerbi^dt  566. 

Sonnenburg  25.  572. 

Sotschawa  653. 

Southey  798. 

Spence  364. 

Spencer  219. 

Spiaggia  606. 

Spiegelberg  461. 

Spokeel  415. 

Spruyt  305, 

Stadtfeldt  636. 

Stern  123. 

Stetter  333. 

Steudener  401. 

Stewart  655.  698, 

Stimmel  142. 

Stoerk  31.  236«  833.  379. 

Siokes  248.  446.  769. 

Stolz  686. 

Stroganow  780. 

Stukowenkoffl40. 175.689. 

Sturm  346.  543. 

Suender  751. 

Surmay  512. 

Sydney,    Jones   174.   240« 

526. 
Szeparowicz  175.  682. 

rrairoff  331. 
Tapret  784. 
Tarchanoff  406.  532. 
Tamier  768. 
Taube  351. 
Taylor,  Bell  96.  672. 
Taylor,  Blair  D.  15. 
Teale  407.  432. 
Teeran  352.  412. 
Teissier  760. 
TeriUon  366.  440.  491. 
Thaden  587.  623.  688. 
Thamhayn  82.  97. 
Thierfelder  727.  755. 
Thiemesse  358« 
Thiersch  321.  3d8. 
ThUo  663. 
Thin  281. 
Thoma  182. 
Thomas  L.  822. 
Thomas,  M.  411. 


Thompson  61.  232.  428. 

Thomson  800. 

Thurn  300. 

Tillaux  127.  314.  825. 

Tillmanns  433».  451*.  801». 

Tillot  605. 

Tizzoni  680. 

Torsujeff  622. 

Tr^lat  127.  782, 

Tudinlann  602. 

Tuengel  342. 

TumbuU  61. 

XJhde  45.  366. 
UUersperger  176. 
Ubich  721. 
Ultzmana  187, 
Ulwersky  460. 
Urbantsehitsdh  156. 
Urdy  101. 

Vajda  515. 

Valerani  606. 

Valette  282. 

De  la  Vega  813. 

Veh  630. 

Veit  105. 

Verga  181. 

Verit^  760. 

Vernettil    146.    382.    446. 

572.  687. 
Vibert  299. 
Vidal  671. 
Viertel  645. 
Vincendon  215. 
Vogel,  M.  177».  657». 
Vogt  571. 
VoULmann,  R.  48.  353.  370. 

616. 
Voltolini  270.  460. 
de  Vos  816. 
Vulpian  229. 

T^ackerhagen  298.  335. 
Wacquez  559. 
Wagner,  J.  719. 
Wagstaffe  68. 
WSlberg  462. 
Walb  183. 
Walmsley  304. 
Walter  152. 
Walton  656. 
Warren  622. 
Warren,  Sawyer  76. 
Watson  778. 
Weber,  N.  572. 
T.  Wecus  330. 
Weichselbaum  679. 
Weigert  756. 
Weigmann  710. 
Weinlechner  350.  380.  509. 
Weir  463.  559. 
Weiss  352. 
Welcker  347. 
Wepp  288. 


Namenregister. 


IX 


Werdnig  376. 
Wemher  465. 
Wertner  351. 
Weet  607. 
Westohal  514. 
?an  Wetter  67.  269. 
White  205. 
Wüde  796. 
Wfldt  538. 
Wilhelm  349. 
Wilkes  672.  830. 
WiUard  575. 
Wilfiame  96.  751. 
Wilmart  272. 


Winiwarter  148.  547. 
Winternitz  41.  503. 
WiBSoiewski  238. 
Witt  94.  474. 
Wittmami  277. 
Wohlfarth  30. 
WojUnski  265. 
Wolff,  I.  23.  364.  689. 
V.  Wolkenstein  472. 
Woolverton  355. 
Wood,  H.  C.  266. 
Wood,  John  160.  270. 
Workmann  573. 
Worm  MflUer  641. 


Woroschiloff  418. 
Wreden  254. 
Wright  463. 
Wulckow  814. 
Wyschinsky  720. 

Zahn  429. 
Zaufal  272. 
Zech  728. 
ZeiBsl  108. 
Zenker  122. 
Zielewicz  336. 
Zsigmondy  73  J. 


Sachregister. 


(Die  mit  *  yersehenen  Seitenzahlen  bezeichnen  Originahnittheilungen.) 


A.bdomen  cf.  Bauchhöhle. 

Abscesse  der  Bauchhöhle  574.  698.  815. 

der  Knochen  774. 

des  Gehirns  350. 

des  Nasenrachenraumes  62. 

der  Leber  351. 

der  Niere  96. 

metastatische  425. 

Acne,  Behandlung  443. 
Adenocele  798. 

Adenom  der  Niere  346  (cf.  Tumoren). 

AderlasB  bei  Amputirten  29. 

Aerztliche  Erfahrungen  341.  437. 

Alealien,  Wirkung  550. 

Aleppobeule  311. 

Alopecia  chron.  251. 

Amputation  mittelst   elastischer  Ligatur 

637.  639. 
supracondyläre    des    Oberschenkels 

763. 

nach  Syme448. 

des  Qebärmutterhalses  295. 


Amputationen,  Technik  293. 

Amputationsneurosen  126.  233. 

Ami)utationsstatistik240.411.561  (cf.  Be- 
richte) . 

Amputationsstumpf,  konischer  219. 

Amylnitrit  bei  Facial-Neuralgie  814. 

Anaesthesie,  Beiträge  zur  85.  826. 

durch  gleichzeitiRe  Anwendung  von 

Chloroform  und  Chloral  276. 
Verhalten  der  Pupille  280. 


Aneurysmen,  Pathologie  und  Therapie 
43.  59.  173.  174.  2.05.  288.  303.  304. 
333.  334.  380.  414.  415.  430.  463.  489. 
494.  519.  657.  575.  607.  685.  701.  750. 
766.  768.  797.  827.  832. 

Angioma  racemosum  43. 

Angiome,  cavemöse  43.  336.  342.  442. 

Anheilen  gänzlich  getrennter  Körpertheile 
396. 

Ankylose,  knöcherne  (Kiefergelenk]  74. 

des  Kniegelenks  720. 

Anomale  Drüsensecretion  des  harten  Gau- 
mens 158. 

Anpassung  der  Oefässe  an  grosse  Blut- 
mengen 135. 

Anthrax,  Behandlung  316. 


Antiseptica,  Wirksamkeit  auf  niedere  Or- 
ganismen 148.  737. 
Anus  fistulosus  cong.  752. 

Eczem  760. 

Prolapsus  543. 

praeternaturalis  144.  216.  512. 

Aphasie,  traumatische  158.  332. 

Apparat  zur  schmerzlosen  subcutanen  In- 

jection  331. 

permanenten  Extension  336. 

Argyrie  567. 

Arnica-Tincturi  giftige  Eigenschaften  für 

die  Haut  205. 
Arsenvirkun^  531. 

Arteria  brachialis,  frühzeitige  Theilung  28. 
Arterien,  Uebergang  in  Venen  614. 
Arterienligatur,  Gangraen  76. 
Arterien  Vereiterung  590. 
Arthritis  deformans  576. 
Asphyxie  826. 
Aspiration  zur  Entleerung  der  Harnblase 

172. 

und  Thoracentese  335.  543. 

Astragalus,  Exstirpation  240. 

Atlas,  topographisch-anatomischer  165. 

Atre8iaani287.  672.  752. 

Atrophie  der  Muskeln,  progressive  504. 

546. 
Augenffrund,  Untersuchung  649. 
Augenheilkunde,  Handbuch  der  506. 
Axencylinder,  Beschaffenheit  des  630. 

Sacterien  549. 696.  737.  756  (cf.  Gährung, 
Fäulniss,  Antiseptica,  Carbolsäure,  Sa- 
lic}4säure  etc.). 

m  subcutanen  Flüssigkeitsansamm- 
lungen 275. 

in  Abscessen  325. 

in  Geweben  331. 

im  normalen  Blute  197*. 

im  Schweiss  425. 


Balg-  und  Schleimdrüsen,  abnorme  Secre- 

tion  378. 
Bauchhöhle,  Abscesse  574.  698.  815.  (cfr. 

Unterleib.) 
Becken,  Maass-  und  Neigungsverhältnisse 

329. 
Carcinom  679. 


Sachregister. 


XI 


Beiträge  sur  Chirurgie  353.  369. 

Geflchwulstlehre  441.  470  (cfr.  Tu- 
moren}. 

BeohachtnogeOp  chirurgische  131. 

Bensoes&ure ,  antiseptische  Wirkung  der 
551.  737.  740. 

Berichte,  chirurgische  12.  57.  105.  201. 
202.  214.  241.  279.  321.  337.  340.  353. 
363.  369.  398.  603.  709.  787.  806. 

Bienenstich,  Tod  nach«798. 

Bisse,  Einbringen  von  Flüssigkeiten  ohne 
Katheter  108 

ausgedehnte  815. 

Trichiasis  46. 

Myom  448. 

-  congenitales  Fehlen  62. 

Enueerung  durch  Aspiration  172. 

Injectaon  in  die  537. 

bei  Weibern  zugängig  zu  machen 

205.  380.  461.  513».  538.  577.  812. 
Blasenentzündung,  Behandlung  80. 
Experimente  über  Pathogenese  und 

Behandlunj?  60. 
Blasen-Uterusfisteln  152. 
BLssenhala,  Fissur  461. 
Blasen-Scfaeidenfisteln  281.  831. 
Blasenkrankheiten,  puerperale  191. 
Blssenpunction  80.  172. 
Blasenschnitt  «wegen  Myom  der  Harnblase 

448.  cf.  Lithotomie. 
Blasensteine  (cf .  Lithotomie ,  Lithotripsie) 

14.  26.  250.  313.  352.  384.  416.  623. 

656.  688.  736. 
BleikoUk,  Behandlung  527. 
Blutdruck  und  Pulsfrequenz  758. 
Blutkörperchen,  rothe ;  Entstehung  213. 

weisse  261.  388.  532. 

Zählung  bei  febris  recurrens  123. 192. 

Extravasation  774. 

Blutstillende  Mittel  277. 
Blutung,  intraoculare  253. 

tödliche  bei  Scharlach  830. 

Brechmittel,  experimentelle  Untersuchung 

über  die  Wirkung  der  505. 
Bromoform  als  Anaestheticum  440. 
Bruch  cf.  Hernie. 
Brucheinklemmung  (cf.  Hernien,  Darm- 

Terschluss),  zur  Lehre  von  der  1*.  33*. 

49*.81*.  113*. 127.  191. 230.  292.  497*. 

507.  535.  717. 
Bruchschnitt  cf.  Hemiotomie. 
Brustdrüse  s.  Mamma. 
Brustrerletzung ,   penetrirende  302.   527. 

654.  719. 
Bursitis  calcan.  381  (cfr.  Hygrome). 
der  Kniegegend;  Behandlung  797. 

Calcaneus,  Exstirpation  240. 

Callus.  Knochensplitter  im  64. 

Callusbildung  415. 

Carbolsfture,   Wirkung  und  Anwendung 

der  13.  54.  363.  396.  567.  572.  737  (cf. 

Antiseptica,  Wundbehandlung). 

Intoxication  813. 

Csibunkel  der  Lippe  83  0. 


Carcinom  (cf.  Tumoren  und  einzelne  Or- 
gane), Histologie  und  Behandlung  31 1 . 
443. 

des  Mundbodens ;  Exstirpation  139. 

332. 

der  Zunge  585. 

des  Oesophaous  351. 

des  Penis  339.  416. 

des  Schädels  606. 

des  Uterus  720. 

mit  Elephantiasis  Arabum  780. 

im  weiblichen  Becken  679. 

der  Mamma  203.  650. 

der  männlichen  Brustdrüse  270. 592. 

des  Omentum  und  des  Nabels,  eine 

Hernie  vortäuschend  252. 

auf  iupösen  Hautnarben  617. 

der  portio  vaginalis  566. 


Carcinomatöse  Geschwüre,  centrale  Ueber- 

häutung  bei  677. 
Caries  der  Wirbel  44.  592. 
Casuistik  chirurgische  371.  437.  558.  806. 
Catgut,  Experimentelle  Untersuchungen 

über  40.  473.  687. 
Centren  der  Gefössnerven  664. 
Chinin ,   Wirkung  auf  die  Contractionen 

des  Uterus  284. 

bei  Typhus  und  Septikaemie  267. 

Wirkung  568. 

Chirurgie,  Lehrbuch  der  speciellen  529. 

Compendium  der  operativen  598. 

Chloral-Anaesthesie  66.  269.  814. 

Intoxication  124. 

bei  Tetanus  430. 

locale  Anwendung  bei  Muttermunda- 

geschwüren  256.  32u. 

bei  acutem  Gelenkrheumatismus  584. 

Anwendung  in  der  Chirurgie  666. 


Chloralaethylen  571. 
Chloroform.  Anwendung  in  der  Chirurgie 
17. 

Anwendung  in  der  Oeburtshülfe  360. 

Vergiftung  30.  349.  363. 

Choroidealsarcom  96. 
Chylangioma  cavernosum  679. 
Circulation,  venöse ;  in  den  untern  Extre- 
mitäten 27. 

Clavicula  cf.  Schlüsselbein. 
Coccygodynie  560. 
Coloboma  bulbi  141.  221. 
Colon,  Strictur  830. 
Colotomia  lumbaris  559. 
Commotio  cerebri  5S4. 
Compression  der  medulla  spinal.  16. 
Contagien,  organisirte  Natur  696. 
Contuaio  cerebri  253.  584. 
Gontusion  des  Schädels  447. 

des  Perineum  830. 

Contra ctur  der  Finser,  Behandlung  735. 
Cornea,  Durchbruch  der  3S2. 

Fibroma  lipomatodes  125. 

Affection  nach  Durchschneidung  des 

Trigeminus  777. 
Corpora  cavernosa,  in  der  Schneider'schen 

Membran  554. 


xn 


Corpora  caTcmosat  Hypertrophie  24(^. 

Verktsung  191. 

Croton-Chloralhydrat,  Wirkung  615. 
Croup  des  LmryBX  und  der  Traebe«  814.  ef. 

Diphtheritis,  Tracheotoxnie. 
Cysten,  congenitale  &7d  (s.  Tumoren  und 

einzelne  Organe)«    • 
Cysticercus  cellulos.  398. 

Dammrisse  400.  539.  668.  782. 
Darm,  Myom  des  223. 

Fseudo-Einklemmung  282. 

Darmbewegung,  Hemmung  der  93. 
Darmcanal,  Einfühlung  gröwerer  Wasser- 

mengen  518. 

Diphtheritis  760. 

Darmperforation  63« 
Darmsaitenligaturen  673.  675. 
Daffmitenosen,  klappenförmige  535. 
Darmsteine,  Analysen  552. 
Darmverschluss  68.  78.  239.  270.  526. 5^7. 

622.  cf.  Invagination. 

Exploration  der  Bauchhöhle  bei  432. 

Darmwunden  und  Darmnaht  387. 

Deglutitionahindemisee,  sehne  465*.  555. 

Dengue  310. 

Dentingeschwülste  255. 

Dentitiondurankheiten  175. 

Dermoide  125  (cf.  Tumoren  und  einzelne 

Ornne). 
DesinKctionsmittel,  orffanische  515. 
Diagnose   metallener   rrojeotUe   mitteUt 

Electricitftt  190. 
Dickdarm,  Verdauung  u.  Resorptiottim772. 
IKgitaÜDWirkunff  am  Herzmuskel  718. 
Diphtheritis,  Behandlung  119. 

des  Larynx,  der  Trachea  814. 

des  Dannc.anals  760. 

künstliche  Respiration  bei  671. 

der  Impfwonden  431 . 

der  Tonsillen.  Abstossung  einer  Ton- 
sille 74. 

Distichiasis,  Operationsmethode  520. 
Distractionsmethode,  Experimente  617. 
Drainage  des  Douglas'schen  Ranaies  72. 

-  dar  Gelenke  154. 
Druck,  intraabdomineller  393. 
Drüsen,  vergrösserte,  Behandlung  686^ 
Ductus  stenonianus,  Fisteln  269. 
Duodenalgeschwüre  bei    Verbrennungen 

248. 
Dysphagie,  Tcranlasst  durch  Verdickung 
des  Kingknorpels  465  *, 

Kchinoeoecen  797. 

der  Leber  79.  191.  543.  655. 

des  Beckeneinganges  207. 

der  Knochen  645. 

Ectopia  Tesicae  656.  736. 
Eczem  des  Anus  760. 
Eierstock  s.  OTarium. 
Einkapeekung  von  Kugeln  190. 

Eisen,  Einflass  auf  den  Stoffwechsel  390. 
Eher,    Mikroskonische    Untersuchungen 
über  den  sog.  blauen  785  *. 


Eiterung,  Untersuchungen  über  389. 
Eiweisakörper,  Zersetzung  im  Vaouum  48& 
Electricitftt  bei  Geisteskrankheiten  176. 

bei  DrüseBffeachwfllstea  349. 

Electrolyee  bei  Hodentumoren  139. 
Eiectropunctur  des  Herzens  229,  409. 
Blectrotherapie  591.  728. 
Elephantiasie  Arabum  70.  634.  780.  831. 
Elfenbeinsonde,  biegsame  394. 
Embolieen,  traumatisoke  632. 
Emphysem,  tvamnatisches  686. 
Empyem  302.  811. 

Bippenresection  bei  593*.  640*. 

chinirgische  Behandlung  109. 

Enchondrom  591   (cf.  Tumoren  und  ein- 
zelnen Or^^ane). 

der  Speicheldrüsen  586. 

des  Fusses  272. 

multiple  719. 

Endoscopie  der  Urethra  732.  783. 
Enteroraphie,  Heilung  der  Darmwundem 

naeh  der  387. 

Entleerung  der  Harnblase  durch  Aspira- 
tion 172. 

Entwicklung  der  Extremxtftten  308.  401. 

der  Qefilsee  330. 

Entzündung,  eryeipelatOae  137. 

Entzündungsyersuehe  am  Knorpel  257*. 
260.  790. 

Epignathus  572. 

Epiphysentrennung  47. 

Epispadie  656.  736. 

Epithel,  Kittleisten  182. 

Erfahrungen,  ftrztliche  341.  437. 

Ergotin,   Physiologische   Wirkungen   7. 
266. 

gegen  vermehrte  Milchsecretion  und 

Entzündung  der  Brustdrüse  294. 

Injectionen  bei  Uteroefibromen  und 

Uterusmyomen  297. 

bei  Metrorrhagieen  793. 


Erysipel,  Behandlung  140.  149.  237.  349. 
554. 

265.  285.  305.  397.  591. 

Einflusa  auf  chron.  Hautkrankheitaii 

265. 

Aetiologie  813. 

Erysipelatöse  Enteflndung  137. 

Erythem  bei  acutem  Gelenkrheumatismus 
349. 

Esmarch'sohe  Blutleere  45.  78.299.392. 
628.  768.  793.  813. 

Inaensibilitftt  bei  244. 

Ezarticulation  des  Femur  47.  142  (cf.  Be- 
richte). 

des  Fusses  nach  Syme  448.  828. 

des  Humerus  399. 

Exostose,  subunguale  am  Zeigefinger  13 

(cfr.  Geschwülste). 
Exostosen,  multiple  829. 
Exatirpation  (ef.   Berichte)    der  Soapula 

13.  32.     . 

des  Oalcaneus  und  Astragalus  240. 

der  Zunge  711. 

' des  Kehlkopfs  807. 


SaflnMUjntV' 


xm 


EiteniioB,  Expenimeiite  aber  pen&an.  617. 
KrtenMiwwftp|»fat,  neuer  336.  621. 

bei  SdMuefiacturen  des  Ober- 

eehoikek  77. 

FasentoffbilduDg  im  Amptiibieii-   mui 

Vogeiblut  213. 
FüdflüBeigkeiteB,  Wirkung  klerfiltrirt.  630. 
Finbi»,  expeximentelle  UDtenadiungeii 

483.  488.  499.  630.  696.  737.  740. 
IjbdxlieaorgMiiflnen,  Verbreitung  209. 
Ferner  B.  Oberaebeiikel. 
FflineBle,  Wirkung  bei  chinirg.  Kxaak- 

beiten  600. 
Fene,  statische  Krankheiten  477. 
ISifoiiia  ( of .  Tumoren  und  einzelne  Organe) 

lipomatodes  der  Homhaut  125. 
Fibro-Molioseum  446. 
Rflber,  Philologie  und  Therapie  753. 
Fiebertheorie,  Versuche  193*. 
FiQger,  sdmeUende  749. 

überzahlige  222. 

verwaofaeene  832. 

,  Behandlung  735. 
409.  196, 

FSogerrerkrOmmung,  Dupnytien'sche329. 
FiMurdes  Blasenhaises  461. 
Fistehi  des  Mastdarms  90.  217.  698.  761. 

768. 831. 

der.  Vagina  90.  217.  281.  831. 

der  Harnblase  152.  281.  831. 

des  Uterus  und  der  Harnblase  152. 

der  Harnröhre  464.   560.  816.  efr. 

Stricturejs. 

congenitale  des  Haisee  509. 

des  Ductus  Stenonianus  269. 

des  Zahnfleisch  und  der  Wangen  807. 

Fhior  albus  315. 

Forciprecsiir  446. 

Fncturen,  Aneurysmen  bei  430  (ef.  Aneu« 

lysmen.) 
Lagenungsspparate  299. 

des  Schädels  9. 15.  30.  317.  365.  446. 

447.  475.  766.  781. 

der  Nase  747. 

der  Wirbelsäule  255.  587.  672.  782. 

des  Seknlterblatts  383. 

des  Larynx  395 

das  Bfeemum  559.  810. 

der  Clavicula  295.  445.  760. 

des  Beckens  224.  480.  544. 

des  Humerus  703 

des  EUbogangelenks  43.  655. 

des  Olecranon  253.  283. 

des  Vorderarms  655. 

-  des  Radius 
der  Uhia 

des  Schenkelhalses  $  Aetiologie  817*. 

der  Oberschenkeltrocbanteren  272. 

496. 

des  Oberschenkels  11.  42.  77.  222. 

•     272.  367.410.476.708.  784. 

der  Patella  220.  223.  283.  428. 

desUnterschenkels  475. 544.570.576. 

816. 


FraetuiMi,  des  CakaneuslNi. 

bei  Tabes  77. 

spontane  78. 

Fremdkörper  im  Gehörgang  222.  382.  78t. 

in  der  Orbita  270. 

im  (Miim  285. 

im  Larynx,  in  der  Traekea  und  im 

Bronchus  31.  24«.  253.  270.317.  364. 

365.  479.  782. 

im  Oesophagus  31.  126.  247.  495. 

**—  in  der  Lumbergegend  559. 
in  der  Harnröhre  256.  608. 

in  der  Blase  26. 

in  der  Vagina  752. 

im  Mastdarm  816. 

Furunkel,  Behandlung  816. 

Ursachen  490. 

Fuss,  doppeltgetheilter  714. 
Enchondrom  272. 

Exartieuiation  naeh  S  yme  448.  828. 

Fussamputationeu«  partielle  240. 

Oährung  undFäulniss483.  488.499.  630. 

696. 7 37 . 7  40 .  cf .  Bacterien,  Microeoocen . 
Galvanocanstik  bei  Tumocen  \ti.  Tumo- 

ran)  296.  364.  379.  442. 
GalTsskoeauetische  Apparate  704. 
Qalyanopunctnr    bei     Aortenaneurysmen 

827.  (cf.  Aneurysmen). 
Gangrän,  kliniiche  Beiträge  404.  6i08. 

senile  527. 

symmetrische  543. 

-— ^  .der  Finger  160. 

des  Voraerarms  bei  Mitralfehler  319. 

nach  Arterienligatur  76. 

Gastritis  phlegmonosa  608. 
Gastrotomie  69.  239.  629. 
Gaumensegel,  Function  des  794. 
Gebärmutterhals,  Amputation  295. 

■   Cansinom  566. 
Qeibimuttermaht  beim  Kaisenchnitt  105. ' 
Gefftsse,  Entwicklung  330. 
Anpassung   an  grosse  Blutmmgen 

135. 

Stichwunden  761. 

Gef&ssnerven,  Centren  664. 
Gef&sswände,  Widerstand  148. 
Gehirn,  Abscaese  350. 
Gehimbowegullg,  fehlende  161*.  198. 
Gehirnoommotion  584. 
Gehimcontusion  253.  584. 
Gehirnhautentsündung  tranmatieehe  183. 
Gehimmycose  478. 
Gehimverletzungen ,  Lungenveränderun- 

gen  bei  472. 
Gelenke,  congenitale  Bififormitäten  der  430. 

Lympfffefässe  801  * 

Entwie&elung  308. 

-«-^^  Drainage  154. 

^-^  und  Luftdruck  277. 

Bheumatismus  (der  29.  48.  188.  219. 

349.  522.  759. 

Histologie  der  223. 

patholog.  Histologie  755. 

Pathologie  218. 


XIV 


Sachregister. 


Gelenkkrankheiten,  Distraction  bei  277. 
Carbolsäureinjection  567.  572. 

Massage  bei  10.  474.  580.  820. 

GelenkmauB  528.  751. 
Gelenkmuskeln  38. 

Gelenk-wunden,  Lagerungsapparate  299. 
Genu  recurvatom  508 

valgum,  Behandlung  589.  700. 

Geschwülste    cf.    Tumoren   und  einzelne 

Organe. 

Eigenschaft  des  Durchscheinens  bei 

festen  449  ^. 

Metastasen  138. 

Geschwöre  des  Unterschenkels  699. 
bei  Herzkranken.  155. 

Behandlung  653. 

des  Muttermunds  256.  320. 

Glaucom  474. 

Glieder,  künstliche  293. 
Gliom  der  Retina  61.  (cf.  Tumoren). 
Glossitis  nach  Erk&ltung  159. 
Glottis-Stenose,  seltene  558. 
Gonorrhoe,  bei  Kindern  32. 

Behandlung  28.  816. 

Mechanismus  der  Infection  657  *. 

GranulationsentzQndung,  yascularisirte  86. 
Granulationskrankheiten,  Aetiologie  417* 

481*  (cf.  Wundkrankheiten). 
Gummiaderpresse  395. 
Gyps-Hanfschienen- Verband  326. 
Gypsverband,  modificirt94.  298.  731. 

Haare,   Transplantation  und  Implanta- 
tion 769. 
Haematocele,  eiternde  751. 

des  Samenstrangs  335. 

retrouterina  636. 

Behandlung  380. 

Haematoma  auris  605. 
Haematometra  bei  Uterus  bicomis  79. 
Haemorrhagieen ,  intrauterine,  Behand- 
lung 128. 

Haen^ozrhoiden,  Behandlung  685. 
Halscysten  719. 
Halsfisteln,  congenitale  509. 
Halsrippe,  flberzählige  719. 
Hand,  Wunden  414. 

Handbuch  der  kriegschirurgischen  Tech- 
nik 740. 

der  Krankenpflegerinnen  106. 

Harnblase,  s.  Blase. 
Haminfiltrationen  216. 
Harnröhre,  Stein  in  der  400.  688. 
Endoscopie  732.  783. 

Erweiterung  der  weiblichen  205.  380. 

461.  513»  538.  577.577.  812. 

Strictuien    110.  128.  187.  464.  495. 

560. 575.783. 800. 816.  cf.  Urethrotomie. 

Hamstoffbestimmung,  neue  Methode  765. 

Eisteln  464.560.81 0.cfr.  Urethrotomie. 

Hasenscharte,  Operationsmethode  494 .  799. 
Haut,  Tuberculose  56. 

Resorption  der  472. 

Sarcom  671. 

Function  der  503. 


Haut,  Schwangerschaftsflecken  125. 

Transplantation  96.  429.  648. 

venöse  Stauimff  in  der  41. 

Hautfunction ,    Einfluss  auf  die  Körper- 
temperatur 4 1 . 

Hauthor n  der  Sürne  128. 
Hautkrankheiten,  Behandlung  471. 

vasomotor.  Genese  479. 

Pulver  von  Goa  bei  471. 

parasit&re  40. 

Einfluss  der  Erysipele  auf  chron.  265. 

Hautperspiration,  Unterdrückung  der  705. 
Hautstörungen   bei  progressiver  Muskel- 
atrophie 504. 
Hemiplegie  829. 

Hemia  diaphra^atica  159.  239.  415.  622. 
Hernia  femorahs  mit  Hydrocele  334. 
Hemia  umbilical.  784.  800.  815. 

Operationsmethode  bei  eingeklemm- 
ter 73. 

Hernien,  Klappenmechanismus  bei  535. 
Radicalheilung  72.  271. 

Taxis  bei  eingeklemmten  271. 

incarcerirte  (cf.  Brucheinklemmung, 

Darmverschluss,  Herniotomie)  64.  144. 
248.  314.  319.  320.  346.  381.  383.  448. 
495.701.  702.  768.  800.  815. 

Casuistik  223.  256. 

Herniotomie  (cf.  Hernien)  319.  320.  381. 

495.  623. 

im  Kindesalter  231. 

Herpes  Zoster  13.  608. 

Herz,  Schussverletzung  78.  303. 

Electropunctur  229.  409. 

Herzmuskelbewegung  628. 

Herzreizung  53. 

Herzwunde  143. 

Hitzschlag,  Pathologie  des  675. 

Hoden,  Zwischensubstans  des  606. 

Tuberkulose  680. 

Hodenffeschwulst,    geheilt  durch  Unter- 
bindung der  art.  spermat.  187. 

Hodenkrankheiten,  328. 
Hodentumoren,  Electrolyse  bei  139. 
Hornhaut,  s.  Cornea. 
Hospitalbrand  759. 
Haftgelenk,  Form  und  Mechanik  564. 

Anatomie  des  347. 

Haftgelenksverletzungen,  Diagnose  248. 
Humerus  s.  Oberarm. 

Hydrocele,  Behandlung  176.  239. 

bei  Leistenhoden  400. 

bei  Spermatocde  479. 

Hydrophthalmus  681. 
Hygrome  223. 

der  Bursa  trochanterica  207. 

Hypertrophie  der  corpora  cavemosa  240. 
des  Knies  240. 

der  Oberlippe  317. 

der  vorderen  Muttermundslippe  416. 

Hypospadie  160. 

Hysterie,  Behandlung  285. 

männliche  413. 

Hysterotomie  101.  103. 


SachregisteT. 


XV 


Ichthyosis  Imgoae  463. 

InctrcentioD,  innere  537  (s.  auch  Darm- 

renchluss). 
Inciso^auterisator ,    thermo-gaWaaischer 

656. 
Infection,  srphilitiache  94. 

—  patriae,  experimentelle  Unterra- 
cbnngen  550. 

Infectio^krankheiten,  Mierococcen  168. 
Injection,  parenchymatöse  86.  94.  149. 

—  Apparat  mrschmenlosen  subcutanen 
331. 

Ton   Carbolsäure   bei  Gelenk-  und 

Knochenkrankheiten  567.  572. 

künstliche  Emibrung  durch  subcu- 
tane 717. 

von  Ergotin  622. 

Ileo-Sacralffdenk.  Verletsung  592. 

Beaa  beim  Neugeborenen  272. 

Impferysipel  305. 

Instrument  für  Recto- Vaginalfisteln  127. 

—  für  Blasen-Scheiden&teln  831. 

zur  Bestimmung  der  Färbekraft  des 

Wassers  583. 
Instrumente  und  Bandagen  813. 
Intercostal-    und    Bancnmusoulatur    der 

Wirbelthiere601. 
Intraarticulfirer   Druck,    Messungen  am 

Kniegelenk  609*. 
Invagination  526.  622  cf.  Darmyerschluss. 

fiauchschnitt  nach  239. 

Iridotomie  569. 

Iris,  Sarcome  der  285. 

Jaboiandi  267.  757. 

Alcaloid  825. 

lodtinctur  bei  Schw  angerschaftsflecken  der 
Haut  125. 

Kaiserschnitt  14.  105.  319.  687. 
KllberUdmie,  Aetiologie  459. 
Katarrh  der  Nase  1 1 . 

des  KehlkoDfs  236. 

der  Vagina  dl5. 

Kehlkopf,  Katarrh  236. 
Untersuchung  649. 

—  Exatirpation  807. 
KehlkopfschnittySelbstmordverauche  durch 

379. 
Kiefergelenk,  Ankylose  74. 
Kittleisten  des  Epithels  182. 
Klumpfuss,  156.  316. 

Behandlung  445. 

Kniegelenk,  Ankylose  720. 
Hypertrophie  240. 

—  Messung  des  intraartioul&ren  Drucks 
609». 

—  Wunden  816. 
Kniegelenkschüsse,  Behandlung  712. 
Kmeschmen,  cozitischer  366. 
Knochen,  Cohaesion  dar  122. 

Pathok»gie  der  218. 

—  elastisches  Gewebe  der  86. 

Widerstandsfähigkeit  im  todten  und 

lebenden  Zustand  262. 


Knochen,  pathologisches  Lftngenwachs- 
thum  275. 

Expansion  364. 

Entwickelung   und  Wachsthum  23. 

401.  689.  692.  805. 

locale  Atrophie  478. 

Architectur  der  spongiösen  75. 

Echinococcen  645. 

Kugeln  eingeheilt  in  den  87. 

Knochenabscesse  774. 

Knochenentsündungen  der  Perlmutter- 
drechsler 692. 

Knochengewebe,  Verhalten  im  polarisirten 
Lichte  670. 

SLnochenkrankheiten  510.  567.  572 

bei  Ataxie  182. 

Knochenreproduction  nach  subperiostaler 
Resection  122. 

Knochensplitter  in  Callus  eingebettet  64. 

Knochentranspiantation  235. 

Knochentrennung,  künstliche  524. 

Knorpel,  Entzündungsversuche  257^.  260. 
790. 

Structur  des  hyalinen  257*.  792. 

Knorpelverkalkung^proTisorische  727. 
Körpertemperatur,  Einfluss  der  Hautfunc- 

tion  41. 
Kr&mpfe,  cerebrale  nach  CarbolBiure-In- 

jection  13. 
Krankenhäuser,  Bau,  Statistik  der  595. 
Krankheiten  der  Ferse  durch  anhaltendes 

Stehen  477. 

des  Hodens ,  Nebenhodens  und  Sa- 

menstrangs  328. 

des  Warzenfortsatses  246. 

Kreislauf  in  der  Froschlunge  613. 
Kriegschirurgie,  Litteratur  11.  821. 
Kriegs  Verbandstudien  646. 
Kropf,  ef.  Struma. 

Künstliche  Ernährung   durch  subcutane 

Injection  717. 
Künstliche  Glieder  293. 
Kugeln  in  den  Knochen  eingeheilt  87. 

Einkapselung  290. 

Kuh-Kumys,  Bereitung  112. 

Xjagerungsapparate  für  complicirte  Frac- 
turen  una  Gelenkwunden  299. 

Lageveränderungen  des  Uterus,  Behand- 
lung 635. 

LaryngologischeMittheilungen  159.443. 526. 

Laparotomie  239.  cfr.  Kaiserschnitt. 

Leoer,  Punctioaen  der  140. 

Echinococcen  79.  191.  543.  655 

Leberahscess  351 . 

nach  Kopfverletsungen  651. 

Lebercysten  176.  521.  687. 
Leberentzündung  traumatische  460.  491 . 
Lepra  424. 

anaesthetica  664.  800. 

Leuchtgas- Ver^ftung  326. 
Liehen  syphiliticus  i24. 
Lidpincette,  verbesserte  254. 
Ligatur    (cf.    Aneurysmen)    der  Carotis 
communis  557.  638.  686. 


XVI  Saehrtgirttt. 

Ligatur,  der  &rt.  carotis  ext.  150.  Mastdarm,  Polyp  782  (cf.  Tnmoren) . 

der  Vena  femoralis  66S.  Fisteln  9Ö.  217.  698.  761.  768.  831. 

der  art.  spermatica  187.  Geschwidat  46  cfr.  Tumoren. 

-^—  der  art.linguaiis  bei  Zimgencareinom  Instrument  für  Fisteln  des  127. 

554.  Fremdkörper  816. 

Ligaturen,  animalische  134.  MeduUa  spinalis  ef.  Rückenmark. 

elastische  96.  177*.  367.  Methode,  ohne  Katheter  Flüssigkeiten  in 

temporäre  473.  die  Harnblase  zu  bringen  108. 

Lipome  366.  463.  493  (cf.  Tum<Hren  und  die  weibliehe  Harnblase  sugingig  su 

die  einselnen  Organe).  machen 205. 380. 461. 51 3*. 538. 577. 812. 

Lippe,  Carbunkel  830.  -^ —  Augengnind,  Trommelfell  oder  Kehl- 
Lippenmusculatur  407.  köpf  gleichzeitig  zu  untersuchen  649. 

Lithotomie  111.  416.  428.  448.  522.  528.  Methyianiiin  in  der  mikroskopischen  Tech- 

574.  751 .  (cf .  Blasenstein) .  nik  47 1 . 
acute   eitrige   Zellgewebsinfiltration  Methylen,  Tod  nach  Einathmen  Ton  363. 

nach  der  732.  Metrorrhagieen ,    Ergotininjectionen    bei 
lithotripsie  186.  297.  623.  798. 

Lungencavernen,  chirurgische  Behandlung  Micrococcen,  Beziehung  zu  den  Infections- 

184.  krankheiten  168.  550.  cf.  Bacterien. 

Lupus,  patholog.-  histoi.  Untersuchungen  Milch ,    chemische  Untersuchungen    ver- 

22.  281,  311.  330.  469.  schiedener  Arten  827. 

und  Tuberoulose  616.  Milzbrand  92.  632. 

Luxatio  manus  32.  Milzbrandbacterien  549. 

humeri  infraspinat.  222.  Milzruptur  46. 

humeri  255.  366.  425.  511.  Milzschwellungen  91. 

Luxation  der  Wirbel  397.  Morphium-Intoxicationen  157. 

des  Sternum  810.  Mundboden,  Carcinom  139.  332. 

^  oomplicirte     des     Ellbogengelenks  Muscul.  lerator  ani,  Function  588. 

271.  511.  655 .  Muskelcontraction ,      Wärmeentwicklung 

der  Ulna  735.  708. 

des  unteren  Endes  der  Ulna  447.  Muskeln,  der  Lippen  407. 

des     Metacarpo-Phalangealgelenks  progressive  Atrophie  der  504.  546. 

des  Zeigefingers  620.  Muttermundslippe,  Hypertrophie  416. 

des  Daumens  575.  795.  Mycosis  cerebn  478. 

der  Beckenhälffce  592.  Myeloid-Sarcom  des  Septum  narium  542 

des  Hüftgelenks  31 !!.  336.  367.  425.         (cf.  Tumoren). 

557.  Myom  des  Darms  223. 

der  Kniescheibe  208.  der  Harnblase  448. 

des  Kniegelenks;  angeboren  11 1.624.  des  Uterus  79. 297. 304. 461. 543.  831. 

762.  Myositis  suppurativa  111. 

des  Medio-Tarsalffelenks  384. 

des  Astragalus  448.  Nabel,  Neubildungen  814. 

des  Penis  80.  Hernie  73.  784.  800.  815. 


Lymphadenom  671.  Nachblutungen    nach     Arterienb'gaturen, 
Lymphangiectasie  und  Lymphonhagie  119.         Behandlung  203 . 

121.  Naht  94.  108.  384.673. 

Lymphdrüsen,  käsige  Entartung  747.  Narben,  eingezogene,  Behandlung  682. 

Lymphdrüsenschwellungen,  parenchymat.  Narben oontracturen  398.  621. 

Injectionen  532.  Nase,  Ulcerationen  126. 

Lympngefösse  der  Gelenke  801*.  Katarrh  1 1. 

LymphgeAsssyttem  132.  406.  502.  Nasenhöhle,  Tamponade  der  533. 

Lymphom,  malignes  547.  Nasenpolypen  12  i,  366.  382. 

Lymphome,  multiple  190.   m  spontane  Heilung  607. 

Lymphosareom  547.  Nasenrachenhöhle,  chron.  Erkrankungen 
Lyssa  509.  654.  31. 

Nasenscheidewand,  M^loid-Sarcom  542. 

IMCakrodactylie  62.  Nebenhoden,  Krankheiten  328. 

Mal  perforant  27.  28.  192.  684.  715.  Necrose  des  Felsenbeins.  222. 

Mamma,  Carcinom  der  männlichen  592.  Nervenverletsungen,  trophische  Störungen 

Carcinom  der  weiblichen  203.  650.  nach  672.  730. 

Cysten  255.  798.  Nervenzellen,  TheilungSTOigänge  441. 

Entzündung,  Behandlung  247.  294.  Neuralgie,  behandelt  mit  Phospnor  245. 

Mammillitis  431.  behandelt  mit  Oelsemium  364. 

Manägebewegungen  396.  — ^  behandelt  mitMorphium-Injectionen 
Massage  10.  474.  580.  820.  273. 


Sachregister.  XVIf 

NeDz^e,  de«  n.  fuskis  814.  Ftaotitis,  epidemieoiieB  Vorkomuea  413 

de»  nenr.  mfrMiimziUaru  176.  Penis,  Caranom  339.  416. 

j     ^  ?*^  •**•  "^  ^^^'  ^**-  Perforation  des  Wanenfortsatie«  48 

der  C^lenke  155.  «aes  Älteren  Duodenalgeschwürs  576. 

liZJT^^A  *'»™*^«  J*«-  ,  ,    ,,,  Perichondritis  laryngea  nacfi  Variola  238. 

Nearectonue  des  n.  mandibnlans  44.  333.  Pcrineorraphie  782.  cf.  Dammrisse. 

Aenmn  447  (n.  muMmlo-caUnens).  Perineum,  Contusion  830. 

Ifemroaen,  trophische  und  yasomotoriache  Periostitis,  Behandlung  204. 

^^-  ^  ^  phlegmon.  604. 

— —  nach  acuten  Krankheiten  829.  maligne  16.      , 

Niere,  oongenitales  Mnskel-garoom  812.  Perityphütis,  abscedirend  267. 

NIerenabacess  96.  >  Periepitheliom  703. 

iSÄSe  n^-  P-^equinus,  Zustand  des  Rückenmari^s  bei 

Oberarm,  Exarticulation  399.  Phimosis,  Circumcision  394. 

Oberkiefer,  Osteochondrome  573.  iirw"^*?^"  '^^K..  .  . 
congenitale  Geschwülste    733.  734.  ™ebarteriecta«ie  534.651.  764. 

735.  Phlebitis  smuum  durae  matris  154. 

Oberlippe,  HypertropWe  317.  varicöse  64. 

Oberschenkel,  Schussfractur-Wunden  77.  :^rr  ^^^^  ophüialmioae  541. 

528.  761.  Phlegmone  der  foasa  iliaca  415. 

ExarticuUtion  47.  142  (cf.  Berichte).  S^^'P^^'"?*^^«  ^^\ 

Ocdusiona- Verband,  antiseptischer  708.  Pnosphor-Veraaftung,  Sauerstoff  bei  358. 

Oedem,  acutes  purulentes  142  Pmcetten  «ur  Blutttüiung  823. 

Oesophagus,  Divertikel  509.  Plattenepithel,  Regeneration  385. 

Stncturen  318.  495.  526.  559.  S*"™?  l^^'J^K 

angeborene  Trennung  431.  PleuriUsche  Exsudate,  Behandlung  109. 

cScinom351.  ^^2.  302.  335.   543.   593*    635.  640». 

Ohrunterauchung  im  polarisirten  Lichte  ,>   V^\.    v  v   «  ...,^    . 

142.  PookenAhnluihe  Gebilde  in  parenchymatö- 

Ohri4j5pchen,  gespaltene  282.  •,  Jf "  Orp;anen  756. 

Sarcom  667.  "i*»®  vagmaha  cfr.  Gebirmutteihals,  Mut- 

Onychie  189.  192.  _    termund. 

Operationen  am  hängenden  Kopf  206.  ftae putislsteine  429. 

am  Oberkiefer  106.  Pfcol^»»  ani,  Bdiandlung  543. 

larfoffoscopische  222.  Prostata,  Stein  in  der  Proäata  und  Ham- 

Operationslehre,  chirurgische  822.  t».    •■f\®^^*        ..        «,      . 

Operationamethode   für   gespaltene  Ohr-   ™"tatahvpertrophie ,     Behandlung    58. 

Iftppchen  282.  ^1^-  ^i».  23«.  640.  656. 
Opium -Vergiftung  erfolgreich  behandelt  f^otoplasma,  Untersuchungen  Ober  25. 

mit  BellÄonna  382.  Pseudarthrose,  Behandlung  300.  3Ä7.  464. 

Opticus.  Tumor  431  (cf.  Tumoren).  ^^\'    „    ^ 

• —  Verletsung  237.  <**•  Vorderarms  112. 

OrbiU,  pulsirender  Tumor  413.  Pseudo-Einklemmung  des  Darms  282. 

Osteomalade  298.  Paendo-GelenlarhaaaMtiamus  bei   Tuber^ 

Osteome  350.  478.  eulöaer  Diathese  268. 

Osteotomie  48.  652.  Puher  yon  Goa  bei  Hautkrankheiten  471. 

Ostitis  neoralg.  774.  Pulafrequena  und  Blutdruck  758. 

Otitis  purulenta  520.  Punctionen  der  Leber  140. 

Owiencyaten  (cf.  Orariotomie)  623.  Pupille,  Verhalten  gemi  Curare ,  C&loro- 

Ruptur  715.  „   form  und  Chlorä  21.  280.423. 

— -  eiternde ;  Operation  360.  S?I?*  ^«P««^"*»-  "♦- 

Onriotomie  14.  ^5.   101,  189.  318.  366.   1°!*^  "Sfe»l*l- f  ^• 

399.  556.  702.  703.  767.  Pyimie  572  (cf.  Berielite). 

Ofariom,  Structnr  566.  ;^-^  puerperale  157.  245. 

Oiaena,  chirurgische  Behandlung  8.  604.  Sf*™  'SS^^iJ^' 
605.  Pylotus,  Stnetv  830. 

V^Sf^^^a^^^^ftf^'  »whitisohe        KnoehenaDfchireHungen 

raluadenwanner  494.  301  * 

l*2S^y"*?V'  ^^<»^  1 2*-  Reaction  auf  amTloid-degenerirte  Gewebe 

PapiilomderSt£imritw80(cfr.Tumoi»n).         708.  ^wowi^w^wwe 

—  derZuoge382.  Raotum ofr.  Maetdwm. 

rsnnhimose,  epikptiaohe  AnftUe   naoh  Befleiw  der  Sehnen  uid  Muskeln  514. 
**•  Reflezwirkung  126. 


«» 


XVIII  SaehngUter. 

Iteisiing,eleetn8cb6,  desSftugethierlienena  Scapula,  Exstirpation  13.  32. 

53.  Sch&del,  Carcinom  606. 

Beminiscenfen,  krieeachirurgische  603.  Schädelwachsthum,  experimentelle  Unter- 
Reflectionen  der  Gelenke  563.  625.  639.         suchungen  343. 

640  (cf.  Berichte).  Schädelwunden  15. 
Resultate  im  Kriege  129.  Scharlach,  acute  Verblutung  830. 

des  Hüftgelenks  15.  207.  496.  511.  Schenkelhals,  Bau  und  Pathologe  234. 

des  Kniegelenks  208.  253.  411.  511.  Schenkelhalsfracturen,  Aetiologie  817*. 

560.  Schichtstaar,  partieller  718. 

des  Fussffelenks  540.  571.  669.  SchilddrOse,  fizstirpation  778. 

des  Schulteigelenks  447.  Schlangenbiss,  Behandlung  73.  765. 

des  Ellbogengelenks  806.  Schlangengift,  Natur  und  Wirkung  393. 

—*  des  Handgelenks  398.  Schleimbeutel,  Kalkconcremente  60. 

partielle;  oeider  Oberkiefer  300.  Schlundkopf-Musculatur,  Function  808. 

des  Schulterblatts  206.  Schiasselbein,  vollständiger  Mangel  351. 

der  Tibia  und  Fibula  16.  111.  Schomsteinfegerkrebs  798. 

Resorotion  am  menschlichen   Zwerchfell  Sehreibekrampf  und  analoge  Zust&nde  796. 

678.  Schultergelenkverletzung,  seltene  750. 

Retinalgliom  61 .  Schussrerletzungen  542. 

Retropharyngealabscess  62.  des  Kopfes  349. 

Rheumatismus,  Behandlung  mit  Propyla-  der  Schulter  720. 

min  48.  des  Kniegelenks  280.  763. 

Rhinoplastik,  Tod  nach  238.  der  Tibia  368. 

neue  Methode  682.  des  Magens  und  der  Niere  799. 

Riesenzellen,  Ursprung  der  421.  des  Bediens  63. 

Ringknorpel- Verdickung  und  Dyrohagie  Schussyersudie ,  Mittheilungen  aber  374. 

465*,  391. 

Rippenknoipelwunden,  Heilung  der  749.  Schwefelkohlenstoff,  Anwendung  312. 

Rippenresection  bei  Empren  593*.  640*.  SchweissanomaUeen,  quantitative  676. 

cfr.  Thoracentese  und  Thoracotomie.  Scoliose,  Ursache  und  Behandlung  95. 215. 
RoU  742.  721. 

Rückenmark,  Verlauf  der  motorischen  und  Scorbut531. 

sensibl.  Bahnen  418.  des  Zahnfleisches  638. 

Compression  16.  Scrophulose  bei  phthisischer  Familienan- 

Rückenmarksaffection,  acute ;  durch  femun         läge  663 . 

cand.  gebeilt  239.  Sectio  caesarea  cf.  Kaiserschnitt. 

Rüdienmarksverletzungen,  hohe  Tempera-  Sehnennaht  94.  384.  S25. 

tur  nach  407.  Selbstmordversuche  durch  Kehlkopfbchnitt 
Ruptur  der  art.  poplitea  750.  379. 
der  art.  iliaca  784.  Senfteig,  Tod  nach  kunstwidriger  Anwen- 

der  vMia  popliCea  750.  ^^%  ^^' 

der  Milz  46.  Sensibißtät,  Schwinden  derselben  in  der 

der  Ovariencysten  715.  Narkose  162*. 

Septikamie,  Experimente  168.    199.  487. 
idalicyls&ure,  Alj^emeines  über  ihre  thera-        550.  cf.  G&hning,  Fäulniss. 

peutischen    Ißgenschaften    180.    343.  Septik&mische  Pleuritis  493. 

517.  551.  737.  740.  Pneumonie  518. 

793.  Seröse  Haute,  pathologische  Histologie  der 

als  Verbandmittel  321.  337.  755. 

gegen. Dipktheritis  465.  Shoc  145  (cfr.  Berichte). 

gegen  Kalarrhe  495.  Sita  der  Sprache  158. 

ffegen  Brandwuniden  622.  Sonde,  neue  462. 

Salicylsaures  Natron  als  Antifebrile  773.  Sonde  k  dard  413. 

Samen8trang,^HaemaiDcele  335.  Speicheldrüsen,  Enchondrom  586. 

Krankheiten  328.  Spina  bifida  476. 

Sarcome  (cf.  Tumoren  und  die  einielnen  Spondylitis,  Behandlung  215. 

Organe)  301.  302.  332.  490.  812.  831.  Spongiosa,  Architectur  75. 

teleangiectatische  638.  Sprunggelenk,  Mechanik  61 . 

•— ^  des  Obrltopchens  667.  Statistik ,  mathemat.  Grundlagen  der  me-^ 

der  Haut  67 1 .  dioinischen  422. 

-—^  der  Iris  285.  Steinrecidive    (cf.  Blasenstaine ,  lithoto- 
— — *  der  weichen  Schädeldecken  253.  mie)  710. 

Sauerstoff  bei  Phosphorvevgifhingen  358.  Steinschnitt  cf.  Lithotomie. 

Scalpimng  durch  Maschinen  ^  l^rktinng  8t«thodKop,  ein  neues  460. 

397.  Stichwuncfen  der  Oberschenkelgeftsie  761. 


Sachregister.  XIX 

Stoffwechsel ,  Einlluss  des  Auges  auf  den  Transportmittel  fflr  Verwundete  im  Oe- 

tfaierischen  776.  birgskriege  376. 

Strictnren  der  Hanup5hre  110.  128.  187.  Trennunir  des  Hinterhaupts  von  der  Wir- 

464.  495.  560.  575.  783.  800.  816.  bels&ule  206 

des  Oesophagus  318.  495.  526.  559.  Trepanation  bei  Schädelfracturen  9. 

des  Colon  830.  Tridiiasis  vesicae  46. 


«_    desPylonis830.  Tripper  cfr.  Gonorrhoe. 

Strama  238.  366.  377.  654.  Trommelfell,  künsüiche  Perforation  719. 

- —  congenita  748. Untersuchung  649. 

Succussionsgeräusch   bei   Abdominal-Tn-  Trokart,  modificirter  518. 

moren  055.  .    „,     ,     ,  Tuba  Eustachii,  Besichtigung  272. 

Sutoren,  galTsniache  108.  dr.  Wundnaht.  Function  794.  808. 

Sympathicus,  acute  traumatische  Reisung  Tuberculose  421.  724. 

o-^-  ,  V       ..       «.  ImpfbarkeitlSl. 

Symphysenspaltung  während  der  Geburt  künstliche  Erseugung  55. 

5 'S»  und  Lupus  616. 

Syndactylie  geheilt  durch  D  i  1 1 e  1'  s  elas-  der  Haut  56 

tische  Ligatur  177».  des  Genito-Ürinarapparates  480.  ' 

fy^OT^yrten  476.  des  Hodens  680. 

I^  Xt  y  V^^^^  «W.  Tu^«"^«! '  S^^^^  ^^d  Entwicklung  564. 

P«;f?ä[SSwt^«^r^^^  M««^.^>.u,m  Tumoren  (cf .  einzelne  Organe)  46.  1 59. 1 85. 
—-Epitheltrübungen  der  Mundschleim-         ^55.  286.  296.  365.  413.  431.  441.  447. 

SIk.«^!«««  7-IO  4«2.  470.  527.  568.  572.  573.  607.  7ü3. 
nistonseiie  otuaien  <7]. 


K!I!fi!5^.f:il,!  9-ft  XJcberzÄhlige  Finger  und  Zehen  222. 

d^r^aJInÄ  Uncipressur''446.    '^ 

oer  rateua  iw.  Unterkiefer,  congenitale  Geschwülste  733. 

Tetanus  traumaticus  78.   238.  312.  364.  „    °®*  ™-      , 

413.  430.  477.  572.  606.  622.  718.  ünterleibswunden  143.  144.  800. 

idiopathicus  798.  Unterschenkelgeschwüre,  Behandlung  699. 

Ilioracentese  und  Tho'racotomie  335.  593*.  Untersuchung  der  Schwanaeren  12. 

635.  640».  (cfr.  pleuiitische  Exsudate.)  H"^^^»''  ^?^^  gebheben  780. 

mit  Aspiration  335.  543.  Ureter,  Stncturen  399. 

Thrombosen,  traumatische  632.  Ureter,  Sondirun«  577 

Thrinensackerkrankungen ,     Behandlung  — -  Verschluss  der  Mündung  602.. 

554,  Ureterensteme  574. 

Tibia,  Sarcom  831.  Urethra,  cfr.  Harnröhre. 

Tonsillen,  Anatomie  und  Pathologie  der  Urethralfieber  313. 

$77.  Urethrotome  224. 

Tracheotomie  75.  317.  333.  682.  Urethrotomie  (cf.  Harnröhre)  575. 

bei  Opiumvergiftungen  108.  subcutane  412. 

Trachom  141.  interne,  EndoBcopie  463. 

Behandlung  681.  Urin,  blauer  703. 

Transfdsion  123.  169.  171.  190.225.269.  Ursachen  plötriicher  TodesftUe  494. 

289.  291.  300.  331.  363.  457.  505.  569.  Urticaria  553.       ^    ^     ,.      . 

602.  606.  686.  717.  718.  745.  829.  febnhs  nach  Apphcation  ron  Blut- 

mit  I^ammblut  123.  300.  717.  egeln  327. 

mit  Ziegenmilch  590.  Utero-Gastrotomie  536. 

arteriell  591.  Uterus,  Epithel  697. 

subcutane  666.  Lageveränderungen  635. 

bei  fieberhaften  Zuständen  200.  Carcinom  720. 

ihr  Werth  im  Felde  75.  duplex  224. 

-  und  Plethora  641.  bicomis  79, 

und  Autotransfusion  694.  Fistel  152. 

Transplantation  Ton  Haut  96.  429.  648.  fibro-cystische  Tumoren  des  527. 

und  Implantation  Ton  Haaren  769.  Flexionen  des  778. 

der    Kwiinchenbindehaut    in    den  Utarusfibroide,  Onerationsmethode  59. 304. 

Bindehauisack  des  Menschen  107.  Utarusfibrome  779. 

IVansport  der  im  Felde  Verwundeten  und  Ergotininjeetionen  297. 

Kruken  65.  Uterusfibromyom  79. 


XX  Sttchrcgiater. 

Uterusknakhaiten  belMudolt  mit  ferrvA  WAttoverband  dar  Wunden  262.  376.  576. 

candens  327.  707. 

Utenismyome  543.  831.  Wirbelcariet  44.  &92. 

kystiBohe  461.  Wirbels&olen- VerkrOmmungen ,   Paiholo- 

Enudeation  304.  cie  und  Therapie  95.  216.  721.  809. 

Injection  von  Ergotin  297.  Wirbeherletiung  587. 


Uteruspolypen  314.  512.  Wundbehandlung  136.  264.  581. 

Uterussarcome  287.  antiseptisohe  82.  97.  117.  264.  321. 

337.  392.  433*.  451*  582.  741.  816. 

Vaccination,  Tod  nach  653.  —  Bleifolien  bei  der  393. 

Yademeoum,  med. -Chirurg.  396.  Permanente  Irrigation  mit  Alkohol 

Vagina  duplex  224.  264. 

Fisteln  90.  217.  281.  831.  Contiauirliehe  Immenioa  5 

Verletzungen  687.  Wundheilung  552.  707.  708. 


I  -  Varicen,  Behandlung  699.  732.  Wundkrankheiten,  Aetiologie  86.  118. 

4 —  Operationsmetnode  234.  Zur  Lehre  ron  den  417*.  481*. 

Varicocele,  Behandlung  651.  Wundnadel,  neue  16. 

Varix  aneurysmaticus  der  Ellbogenbeuge  Wundnaht  94.  108.  299.  384.  673. 

806.  Wundverband,  Watte-WaMerglatTorband 
Venenelasticit&t  545.  264. 

Verbandlehre ,  Repetitorium  der  dürurgi-  Wundverb&nde,  yeraehiedene  264. 

sehen  556.  Wundvereinigung,  Methode  299. 
Verb&nde,  tmyenrückbare  824. 

Verblutung  acute,  bei  Schariach  830.  Zahnfleisch,  Scorbut  638. 

Verbrennungen  746.  775.  Zahnfleisch-  und  Wangen-Fisteln  807. 

Verdauung  und  Resorption  im  Dickdarm  Zahnschmerzen ,  Natron  bicarbon.  gegen 

772.  799. 

Zehen,  aberzihlige  222.  554. 

l^achsthumshemmung  780.  Zunge,  Oareinom  585. 

Wflrmeentwicklung  bei  der  Muskelcon-  Ezstirpation  711. 

traotion  708.  Ichthyosis  463. 

Wanenfortsats,  Krankheiten  246.  Pi^om  382. 

Perforation  48.  Zwerchfell,  Resorption  am  678. 

Watte-Re0piratear  653. 


Gentralblatt 


für 


CHIRURGIE 

heransgegeben 

])r.L.L«,  Dr.  K  Sckeile.  Dr.  I.  TUlmaii; 

in  Berlin.  in  Halle  a.  8.  in  Leipxig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgang«  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Pottanttalten. 

Hi*  1.  Sonnabendy  den  2.  Januar.  1876 1 


lakalt:  Kocher,  Zur  Lehre  von  der  BracheinUemmung.  (Original-Mittheilung.) 
BouMrOy  Behandlung  der  Wanden  mit  continuirlicher  Immersion.  —  Koehlar,  Phy- 
siologische Wirkungen  des  Ergotin  BonJean  und  des  Ergotin  Wiggers.  —  Rouge,  Chirur- 
gische Behandlung  der  Ozaena.  —  SldHIot,  Trepanation  hei  Schädelfractnren.  —  BargliiMly 
Massage.  —  FfdliCh,  Zur  Litteratur  der  Kriegschirurgie.  —  H|dt,  SUtistik  der  Ober- 
KhenkeU^»;taren.  —  Main,  Pathologie  und  Therapie  des  Nasenkatarrhs.  —  Beckea- 
htimer,  Bericht.  —  Ahlfald,  Technik  der  Schwangerenuntersuchung.  —  Kapoii,  Zoster 
reddivns. 

ScfcaaMar ,  Exstirpation  der  Scapula.  —  NayaM,  Cerebraler  Ursprung  der  Krämpfe 
nach  Iigection  von  Oarbolsaure.  -—  Ory,  Subunguale  Exostose  am  Zeigefinger.  —  Porter, 
Ädhaerenter  Blasenstein.  —  Jacobe,  Kaiserschnitt.  —  Ditboie,  Oeowickl,  Ovariotomieen. 
—  Norton,  Meare,  Casuistik.  —  Taylor,  Fall  von  Hflftgelenksresection.  —  Merunowici, 
Periostitis  maligna.  —  Compresslon  der  medulU  spinalis  mit  consecutiver  allgemeiner 
Atrophie.   —  de  Mocy,  Eine  neue  Wundnadel.  —  ScbortzOf,   Seeundare  Resectlon  der 

Tlbia  und  Fibula. 


Zur  Lehre  von  der  Brucheinklemmung. 

Von 

Prof.  Dr.  Eoeher  in  Bern. 

Aus  einer  Reihe  von  Versuchen,  welche  Herr  Cand.  med.  Kör- 
ber unter  meiner  Leitung  anstellt,  sei  es  gestattet,  eine  kurze  Mit- 
theUung  zu  machen. 

Da  die  schönen  Versuche  von  Lossen  so  leicht  nachzumachen 
nnd  physikalisch  so  wohl  begründet  sind,  so  zweifelten  wir  zunächst 
nicht  an  deren  Richtigkeit,  suchten  aber  die  Wirkung  der  vorge- 
schlagenen D Seitenbewegung a  iiir  die  Taxis  aufzuklären.  Für  diese 
schien  tuis  die  Lossen'sche  Erklärung  unzureichend.  Denn  wenn 
man  —  wie  Lossen  annimmt  —  nicht  im  Stande  ist,  den  Inhalt 
der  Schlinge  ins  obere  Darmende  zu  entleeren,  so  wird  von  einem 
»Abheben«  der  mesenterialen  Darm  wand  des  abführenden  Endes  von 

1 


-v* 


2  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  1. 

der  gegenüberliegenden  auch  nicht  so  ohne  Weiteres  die  Rede  sein 
dürfen. 

Wir  machten  Injectionen  mit  Wasser  und  Wachs  nach  Angabe^ 
sowie  BPiit  Gelatine,  welche  des  langsameren  Erstarrens  halber  besser 
zu  hfindhaben  ist.  Wir  mussten  uas  nun  bald  überzeugen,  daai  in 
der  Seitenbe^egimg  allein  nicht  clie  f^ug|kwirl||ing  clieier  Metiiode 
liegt.  Fasst  man  nämlich  die  Schlinge  au  der  Spitze  und  bewegt  sie 
sorgfältig  nach  der  zufuhrenden  Seite,  so  gelingt  die  Taxis  nicht 
immer.  Uebt  man  aber  an  derselben  zugleich  einen  Zug  aus  oder 
fuhrt  man  die  Bewegung  so  ai^^  dass  ms^  die  Scl^lin^e  von  der  ab- 
fuhrenden Seite  her  gegen  die  zuführende  herüberdrfickt,  so  gelingt 
die  Entleerung  sofort.  Dabei  ist  es  gleichgültige  ob  man  auf  die 
abführende  Seite  des  abführenden  oder  zuführenden  Darmtheils  drückt*) . 

Ganz  besonders  exquisit  aber  ist  die  Wirkung  der  i»Seitenbe- 
wQgunga^  w^nn  man  an  Därmen  experimentirt  (un^e  mei^tea  Ver- 
suche 8iii4  ^  menschlichen  Därmen  gc^macht,  einzelne  an  Schweins- 
därmen), bei  welchen  <d&8  Mesenterium  erhalten  ist.  Fixirt  man 
I^^t^tres  von  der  Bavtol^h^bliei&^it^  her,  $Q  enUeert  sich  bei  &|Bite1i- 
bewegung  die  eingeklemmt«  Schlinge  sofort.  Allein  man  hat  die 
Seitenbewegung  nicht  einmal  nöthig:  man  k^njp  auch  duJCph  blps^en 
Gegensug  an  der  Spitze  der  Schlinge  in  der  g^ebeben  Richteng  die 
Entleerung  herbeifuhren. 

Endlich  gelingt  die  Entleerung  der  Schlinge  ai^sh  ^hr  sicher, 
wenn  man  bei  einfacher  Compression  derselben  das  zuführende  Ende 
in  der  Bauchhöhle  nach  der  zuführenden  Seite  hin  bewegt,  resp. 
wenn  man  von  der  abführendoii  Seite  her  einen  Druck  auf  da«#«ibe 
ausübt.  In  letzterem  Falle  kann  wohl  von  einer  Abhebung  der  mesen- 
tejHf^^  Wand  des  abführenden  Darmenctes  keine  Rede  s^in. 

Vielmehr  eigiebt  die  Beobachtung  —  und  d«irch  rasche  Ersteming 
von  Wachspräparaten  Btsst  sich  dies  auch  demonstriren,  dass  die  Ge- 
radestreckuug  d€C  meseuterialeu  Wand  de&  zuführenden 

Darmtheils  im  Bereich  der  Bruchpforte  denjenigen 
Druck  a^fhebt^  welcher  die  Sinl^le^m^iung  verschuldet. 
Wenn  man  z.  B.  die  Seitenbewegung  der  Darmschlinge  macht,  so 
bringt  man  die  mesenteriale  Wand  des  zuführenden  Theils  ausserhalb 
der  Bruchpforte  in  die  Sichtung  deMclben  Wand  innerhalb  der  Bauch- 
höhle. Die  Seitenbew^ung  hat  aber  ihre  volle  Wirkung  nur,  wenn 
man  die  mesenteriale  Wand  dabei  durch  Zug  anspannt  oder  wennman 
sie  direct  im  Bereich  der  Bruchpforte  hinüberdrückt. 

Macht  man  die  Seitenbewegung  des  zufuhrenden  Schenkels  V^er- 
halb  der  Bauchhöhle,  so  wird  die  convexe  Ausbuchtung  desselben 
nach  der  abführenden  Seite  hin  in  die  Richtung  der  BerührungsUuie 
beider  mesenterialen  Wände  der  Schlinge  gebracht. 

Die    »Seitenbewegung«    wirkt    alßo   durch   Aufhebung   der   Ab- 


*)  lobi  spreche  der  Kürze  halber  einfack  \qjx  aJb^Qjxv^u^r  upd  zuführender  Seite 
der  ganzen  Dannschlinge,  was  wohl  ohne  Erklärung  verständlich  ist. 


CwitralblaU  fRi  Cbinirgie.   No.  1 .  3 

knickung  nach  der  ibfuhiende»  Seite  w  odei  Ui«wiind]i93g  dieser  in 
eine  ▲bkaiekuiig  x\$ch  der  aufUhjrendeii  Seile  zu.  Muse  seho^  die 
yon  Ivosaen  empfohleiie  Taxis  darauf  kinweiseii^  dass  die  altre 
Tbeoiie  tob  Busch  ihre  Geltung  hat^  so  lehren  einige  Versuche  mit 
CaoutBchok- Schläuchen  >  welche  wir  angestellt  haben  ^  dass  sie  ein 
wichti^eB  uvsäehücbes  Moment  bei  des  flinkleaunung  darstellt.  Läset 
man  unter  zieoalich  starkem  Druck  einer  Wasserleitung  Wasser  durch 
eine  annähernd  kleinfingerdicke  Caoutsehuk-Diainröbre  hindurch- 
liessen^  welche  in  Form  einer  Schlinge  durch  ein  3  Cm.  breites  Loch 
gesegea  ist,  so  fliesst  anfänglich  dos  Wasser  mit  Kraft  aus  dem  ab- 
fikarendei»  Schenkel  einfach  aus.  Hält  man  nun  Iietftren  an  seinem 
Eade  :m  (also  gleiohsam  in  dei  Bauchhöhle}^  so  fängt  das  lUihr  an 
sich  aufzublähen  j  erst  ziemlich  gletrhrnä^rig»  dann  an  einzelnen 
Stellnu  mehr.  Es  gelingt  aber  leiditj  die  Dehniu^  so  zu  regpüiren, 
dass  sie  gleichmässig  an  d^m  zufuhrenden  Schenkel  vor  und  hinter 
der  Bmcdipforte  eintritt  und  dann  erst  langsam  nach  dem  abfiihr^iden 
Ende  fortschreitet.  Wenn  nun  schon  die  Dehnung  innerhalb  und 
ausserhalb  der  Brochpfbrte  am  zuführenden  Schenkel  weit  über  den 
Duichmesaer  der  Bruchpforte  gediehen  und  die  Wand  praU  gespannt 
iat,  so  fliesst  bei  NacUaas  de»  Verscbhisses  stets  noch  das  Wasser 
kräftig  aus.  Es  ist  dies  leicht  erklärlich,  weil  ja  von  Anfang  an 
die  Waasersänle  und  mit  ihr  der  Druck  sich  durch  das  abfuhrende 
Ende  in  der  Bruchpforte  hindurch  bis  zum  Verschluss  fortsetzt  und 
der  neue  Zufluss  von  Wassmr  stetig  und  langsam  geschieht.  AUmälig 
indsss  wird  der  ausfliessende  Wasserstrahl  dünner,  bi&  von  einem 
geirissen  Augenblick  ab  nichts  mehr  ausfliesst.  Zu  dieser  Zeit  ist 
entweder  die  eingeklemmte  Schlinge  ganz  ausgedehnt  bis  ins  Niveau 
der  Bmchpiarte,  oder  nur  der  zuführejEKle  Schenkel  bis  zur  Spitze  der 
Schlinge» 

Bei  der  geschilderten  Form  der  Binklemmung  ist  der  Druck  im 
Ulfuhrenden  Schenkel  in  der  Bruchpforte  offenbar  ungenügend,  den 
abfuhreiiden  Schenkel  zu  verschliessen,  vielmehr  kann  man  sich  über* 
zengen^  dass  der  Verschluss  durch  Abknickung  zu  Stande 
kommt  und  zwar  in  der  Weise,  dass  die  der  Pforte  anliegenden  Theile 
des  zufuhrenden  Schenkela  sich  so  hochgradig  nach  den  Seiten  dehnen, 
dass  dear  abführende  Schenkel  innerhalb  und  ausserhalb  der  Bruch- 
pforte  nach  der  Seite  geschoben  wird,  bis  die  Knickung  am 
Rande  des  Bruchringes  das  Lumen  verschliesst.  Es  ist  sehr  leicht 
zu  demoaetriren,  welchem  kolossalen  Drucke  die  Knickung  eines 
Caoutschukrahres,  selbst  wenig  über  den  rächten  Winkel  Widerstand 
SU  leisten  vermag. 

Beilegt  jausi  nach  geschehener  Einklemmung  den  zufuhrenden 
Sdienkel  ausserhalb  und  namentlich  innerhalb  der  Bruchpforte  nach 
der  zufuhrenden  Seite  hin,  oder  drückt  man  von  der  abführenden 
Seite  hex  die  gedehnte  Wand  desselben  etwas  zusammen,  so  fliesst 
sofort  wieder  Wasser  ab:  die  Abknickung  mrd  ausgeglichen,  wäh- 
rend an  dem  Drucke  innerhalb  der  Bruchpforte  nichts  geändert,  der- 

1» 


4  ^  Centralblatt  fflr  Chirurgie.     No.  l. 

selbe  ja  im  Gegentheil  noch  etwas  vermehrt  wird. 

Es  ist  uns  noch  auf  andre  Weise  gelungen^  die  Rolle  darzathun, 
welche  die  Abknickung  bei  der  Einklemmung  spielt.  Wir  machten 
statt  eines  einfachen  Loches  ein  solches  mit  einer  dünnen  medianen 
Scheidewand)  wo  von  einem  Verschluss  durch  Druck  des  zuführenden 
Darmtheils  auf  den  abfuhrenden  innerhalb  der  Bruchpforte  nicht  die 
Rede  sein  konnte.  Auch  so  ist  uns  die  Einklemmung  gelungen  — 
wie  der  Durchschnitt  lehrte^  durch  Abknickung  des  abfuhrenden 
Endes  in  Folge  der  Blähung  des  zufährenden  Endes  inner-  und 
ausserhalb  der  Bruchpforte.  Freilich  gelingt  bei  einer  solchen  Dop- 
pelöfihung  die  Einklemmung  ungleich  schwieriger,  zum  Beweis,  dass 
die  Blähung  des  zuführenden  Schenkels  in  der  Bruchpforte  selber  die 
Abknickung  in  hohem  Maasse  b^ünstigt. 

Wir  kommen  in  Uebereinstimmung  mit  Busch*)  zu  dem  Schluss: 

1.  Die  Obturation  des  Bruches  beginnt  mit  dem  Ver- 
schlusse    des     ausführenden     Schenkels     der     Schlinge. 

2.  Dieser  Verschluss  erfolgt  durch  die  Abknickung  des 
Darmrohrs  am  Bruchringe.  Allein  wir  können  seinem  Satze 
3  und  4  nicht  beistimmen.  Darin  freilich  stimmen  wir  mit  Busch 
überein,  dass  bei  der  Anfüllung  des  abführenden  Schenkels  der 
Schlinge  die  mesenteriale  Berühningswand  wieder  nach  der  zu- 
führenden Seite  verschoben  wird,  so  dass  sie  schliesslich  ganz 
senkrecht  von  der  Pforte  aufsteigt,  während  sie  anfanglich  ^  als 
blos  noch  der  zuführende  Schenkel  der  Schlinge  sich  füllte  —  nach 
der  abführenden  Seite  hin  ausgebuchtet  war.  Auch  dies  kann  man 
an  sehr  elastischen  Caoutschukröhren  viel  besser  studiren,  als  an  Där- 
men, weil  bei  jenen  der  ganze  Vorgang  erheblich  verlangsamt  wird. 
Es  müsste  also  auch  im  Niveau  der  Bruchpforte  die  mesenteriale 
Berührungswand  von  der  abführenden  Seite  abgedrängt  werden ,  bis 
sie  in  der  Mitte  der  Bruchpforte  stehen  bliebe,  wenn  nicht  das  Vor- 
dringen des  Wassers  [resp.  Darminhaltes)  hier  noch  einen  anderen 
Widerstand  fände,  als  weiter  nach  der  Spitze  der  Schlinge  zu.  Los- 
sen  hat  nun  willkürlich  angenommen,  dass  dieser  Widerstand  ein- 
fach in  dem  vollständigen  Zusammengepresstsein  der  Wände  des  ab- 
führenden Schenkels  durch  den  im  zuführenden  vorhandenen  Druck 
innerhalb  der  Bruchpforte  liege.  Wir  haben  noch  einige  weitere  Ex- 
perimente angestellt,  um  zu  zeigen,  dass  dieser  Druck  allein  zum 
völligen  Verschluss  nicht  genügt. 

Zieht  man  über  den  zuführenden  Schenkel  innerhalb  der  Bauch- 
höhle ein  Rohr  von  unelastischem  Zeug,  so  dass  jener  bis  auf  i — V^  Cm. 
an  die  Bruchpforte  heran  nicht  erheblich  über  den  Durchmesser  der 
letzteren  sich  ausdehnen  kann,  so  kommt  es  nicht  zur  Einklemmung. 
Ebensowenig  gelingt  dieselbe,  wenn  man,  ohne  Berührung  des  in  der 
Bruchpforte  liegenden  Darmstückes  durch  ein  senkrecht  zur  Ebene 
der  Pforte   stehendes  Stäbchen  die  Bliihung  des  zuführenden  Schen- 


♦)  8.  Centralbl.  f.  Chir.  1874.  No.  34 


CentralblaU  fQr  Chirurgie.    No.  1.  5 

kels  (innerhalb  der  Bauchhöhle)  nach  der  abführenden  Seite  hin  un- 
mißlich  macht. 

Wir  kommen  demgemäss  zu  dem  Schluss :  3.  Die  Abknickung 
ist  Folge  der  Blähung  des  zuführenden  Schenkels,  welche 
innerhalb  der  Bauchhöhle  den  abführenden  Schenkel  im  rechten  Win- 
kel von  der  senkrecht  herabsteigenden  mesenterialen  Dannwand- 
duplikatur  der  Schlinge  abknickt. 

Hierin  liegt  der  Unterschied  unserer  Auffassung  von  derjenigen 
von  Busch,  dass  dieser  Autor  die  Knickung  ausserhalb^  wir  inner- 
halb der  Bruchpforte  finden,  wir  dieselbe  durch  die  Blähung,  resp. 
den  Druck  im  zufuhrenden  Schenkel,  Busch  sie  durch  die  Sireck- 
bewegung der  Schlinge  erklärt. 

Gegenüber  der  Auffassung  vonLossen,  nut  welcher  sie  freilich 
nahe  genug  verwandt  ist,  hat  die  unsrige  einmal  den  Vortheil,  dass 
sie  den  Nutzen  der  »Seitenbeweguug«  sofort  klar  macht,  es  auch  be- 
greiflich macht,  warum  ein  gleichzeitiger  Zug  oder  ein  solcher  allein 
die  Wirkung  erheblich  sicherer  macht  (indem  die  Streckung  der  mesen- 
fceiialen  Darmwand  auch  auf  den  geblähten  Darm  innerhalb  der  Bauch- 
höhle einen  Druck  auszuüben  vermag).  Sie  erklärt  auch,  dass  ein 
Druck  von  der  abfuhrenden  Seite  her  und  zwar  um  so  sicherer,  je 
weiter  man  den  Finger  in  «die  Bruchpforte  einsetzt,  die  Reposition 
bewirken  kann. 

Ein  zweiter  Vortheil  liegt  darin,  dass  in  dem  zuführenden  Schenkel 
nicht  der  ausserordentlich  hohe  Druck  angenommen  zu  werden  braucht, 
welchen  Lossen  nöthig  hat.  Zum  voUkonomenen  Verschluss  eines 
mehr  oder  weniger  elastischen  Rohres*  durch  Compression  braucht  es 
ungleich  grössere  Kraft,  als  zum  Verschluss  durch  Abknickung.  Es 
bleibt  demnach  bei  der  Abknickungstheorie  auch  die  einfache  Gom- 
piessionstaxis  zu  Ehren  bestehen,  deren  Werth  ich  noch  seit  den 
Lossen'schen  Publikationen  zu  demonstriren  Gel^enheit  gehabt  habe. 

Ich  darf  schliesslich  nicht  unterlassen,  beizufügen,  dass  bei  Ver- 
gleich der  Experimente  mit  den  Verhältnissen  am  Lebenden  mit  den 
engen  Bruchpforten  und  turgescenten  Därmen  nebst  Mesenterium 
man  zu  der  Ueberzeugung  kommt,  dass  verhältnissmässig  häufig  ein 
absolutes  Missverhältniss  zwischen  Inhalt  und  Bruchpforte  bestehen 
muss,  so  dass  unter  besonders  günstigen  Verhältnissen  Darminhalt  in 
die  Schlinge  gepresst,  aber  sofort  durch  Faltung  der  Darmwände 
(wenn  man  nach  Roser  lieber  will:  durch  Klappenbildung]  oder 
durch  baldige  Schwellimg  beide  Darmlumina  im  Bereich  der  Bruch- 
pforte verschlossen  werden. 

Bern,  15.  December  1874. 

Jl  Bonniere.      Du   pansement   des   plaies    par  rimmersion 
continue  dans  Teau  alcoolisöe  et  pheniquee  ä  30^. 

(Le  Mouvement  m^oal  1874.   No.  46.) 
Nach  günstigen  Resultaten,  die  B.  während  der  Belagerung  von 
Paris  mit  der  Irrigation  von  Schusswunden  und  complicirten   Frac- 


\ 


6  Centtalblaltt  für  Chirurgie.    Nö.  1. 

tuten  und  wählend  der  Cotomune  mit  der  Immemon  obiger  Ver^ 
letzungen  in  fliessendem  Wasser  erhalten^  führte  er  am  16.  September 
d.  J.  oineExarticulation  nach  Chopart  «ns,  wegen  Oadeft  der  Me- 
tatarsalknochen,  des  Kahn-  und  des  Würfelbein«  und  ^war  mit  Ab* 
tragung  der  Gelenkflächen  des  Talus  und  Calcaneus.  Die  Lappen  wur- 
den nach  Einfährung  einer  Charpiewieke  mit  vier  MetallligAturen 
vereinigt  und  der  Stumpf  in  einen  Kautschnkbeutel  gehüllt,  der  &ber 
den  Malleolen  eng  aüschliessend^  mit  einem  Zuleitungs-  und  einem 
Abflussrohr^  ebenfalls  aus  Kautschuk,  versehen  war.  Aus  einem 
etwa  i  Meter  hoch  über  dem  Stumpf  ^igebrachten  und  auf  ^0"  er- 
wätmrten  Reservoir  strömte  eine  Flüssigkeit^  die  10%  Alkohol  tind 
1  pro  mille  Carbolsäure  enthielt^  unaufhörlich  durch  den  Beutel^  um 
in  einem  untersteHteu  Gef&ss  aufgefangen  bu  werden.  Verf.  meinte 
man  könne  dies  Spfilwaisser  nach  Filtration  und  Erwärmung  noch 
mehrere  Tage  wieder  benutssen(!).  Klemmschrauben  an  den  Schlau- 
dien  regeln  Ab-  und  Zufluss  der  Flüssigkeit.  Mit  die^r  Methode^ 
die  als  eine  Combination  von  Immersion  und  Irrigation  besseiclinet 
wird ,  die  aber  besser  als  continuirliche  Immersion  in  fliessendem 
Wasser  zu  benennen  wäre,  erzielte  Verf.,  wie  viele  Andere  vor  ihm, 
einen  günstigen  Heilungsverlauf  des  Amputationsstumpfes :  fast  über- 
all Vereinigung  per  primam  intentionem,  keine  Eitersenkungen  und 
volle  Vemarbune  der  Wunde  bereits  nach  12  Tagen.  Weiteres  wiM 
über  den  Fat.  nicKt  mitgetheilt.  —  Die  Vorzüge,  welche  B.  diesem 
besonders  für  Traumen  von  ihm  empfohlenen  Verfahren  vindicirt, 
sind  nuir  bu  oft  hervorgehoben,  als  dass  sie  der  Wiederholung 
bedürften.  Es  mag  nur,  um  den  Standpunct  des  Verf.  bu 
präcisiren,  hervorgehoben  werden,  das^er  in  der  fortwährenden  Be- 
spülung  des  Stumpfes  mit  gekochtem  Wasser  einen  besseren  »Schutz« 
der  Wunden  vor  der  Luft  sieht,  als  in" der  Einhüllung  der  letzteten 
in  Wat^.  Der  Zusatz  von  Alkohol  und  Carbolsäufe  •  soll  die  Zer^ 
Setzung  der  Albtsminate  hindern  und  die  putride  ta^ction  unmög- 
lidi  machen.  Ferner  bedingt  die  strömende  BewegQA§  des  Wassers, 
dass  der  Eiter  fort  imd  fort  weggespült  werden  soll,  dass  es  also  zu 
keiner  Stagnation  desselben,  zu  keinen  Eitersenkungen  komme.  End- 
lich stellt  es  sich  Verf.  leidit  vor,  die  Temp.  des  Wassers  continuir- 
lich  auf  30^  zu  erhalten  und  empfiehlt  zu  dem  oben  angegebenen 
firehalt  des  Wassers  an  Antisepticis  nach  und  nach  aufzusteigen. 
Auch  die  Constrictton  des  Gliedes  durch  den  Kauts<^ukbeutel ,  da 
wo  er  anliegt,  sei  ohne  Gangrän  zu  bewirken,  genügend  um  die 
Gefasse  zu  comprimiren  und  secundäre  Hämorrhagieen  zu  verhüten. 
Also  Occlusiwerband  durch  Wasserabschluss  mit  Rieselung,  eine 
Methode,  welche  in  der  deutschen  Chirurgie  schon  seit  einer  Reihe 
von  Jahren  die  richtige  Wärdigung  ihrer  etwaigen  Anwendbar«- 
keit  geft&nden,  und  zwar  auf  Grund  eines  um&tsseftderen  Btatislischen 
Materials,  als  desjeviigen,  über  welches  Verf.  zu  gebieten  scheint. 

Leseer  (BeiüA). 


Oentfalblätt  füt  Chitürgfe.    No.  1.  7 

H.  Kdehtor.     V*r^«icheiid- experimentelle  Utitersuchtingen 
über  die  physiologischen  Wirkungen  des  Ergotin   Bonjean 

und  des  Ergotin  Wiggers. 

(Virch.  Archiv  1874.  Bd.  LX.  p.  384.) 

IMe  üh  »£tgotim  betiteltet!  Substanzen  äind  nichts  weniger  als 
rein  dargestellte  chemische  VerbindttUgen,  sondern  Mischungen.  Das 
Ton  Wiggers  daij^estellte  Eigotin  entspricht  der  Summe  aller  im 
Wasser  unlöslichen^  das  Ergotin  Bon  je  an  der  Summe  aller  im 
Wasser  ISsIichen  Bestandtbeile  dei  Mutterkornes.  K.  stellte  eine 
ter^Ieiehetide  Ulitersuchung  über  die  Wirkungen  beider  Extraote  an. 
Wir  verzichten  auf  ein  Referat  über  die  zahlreichen  mitgetheilteu 
Ejiperimente  und  fheilen  nur  im  Resum^  mit^  welches  K.  aus  seinen 
ÜMersuchungen  zieht.  Die  Grgotine  Bonjean  und  Wiggers 
differiren  nicht  nur  in  fiiren  LöslichkeitsyerhältniBsen^  sondern  '  auch 
in  ihren  physiologischen  Wirkungen  durchaus.  Ergotin  B.  reizt  die  im 
Hanen  gef^imen  Hemmnngscentren  und  das  vasomotorische  Centrum 
in  der  MeduUli  oMongata.  Pulsverlangsamuiig ,  Verengerung  des 
Lumefis  d<^r  Arteriofen  und  Blutdruokssteigerung  sind  die  Folgen 
hiervon.  Sehr  grosse  Dosen  bedingen  sofortige  Herzlähmung^  wobei 
auch  die  Herzmuskulatur  für  Inductionsströme  unerregbar  wird.  Dem 
Er^etin  W.  gehen  diese  Wirkungen  gllnzlich  ab.  Dagegen  äussern  die 
Besfandtlieile  des  I^zteteh  Wirkungen^  welche  denen  der  Narcotioa 
acria  an  die  Seite  zu  stellen  ^nd.  Nicht  nur  scheint  die  nach  grossen 
Gaben  MüH^kom  beobachtete  Reizung  der  muoosa  des  Magens  und 
Darilis  von  dieser  Einwirkung  abzuhängen,  sondern  die  mit  Ergotin  W. 
veigifteten  Thiere  verfielen  auch  in  tonische  Krämpfe  und  wurden 
durch  heftige  Ü<ynvulsi<men  ersehütliert  —  Erscheinungen,  welche 
nach  Einvedeibung  auch  sehr  gros^r  D<>sen  Ergotin  B.  nie  beobachtet 
wurderi.  Die  Teinpetatnr  setzen  beide  Ergotinspeeies  herab;  beide 
beifing^  Meh  Retardation  der  Respii^tion  (E.  W.  energischer). 
E.  B.  setzt  die  Erregbarkeit  der  peüpheren  motorischen  Nerven,  wenn 
es  Mehr  oder  weniger  direct  damit  in  Beriihrung  kommt,  herab;  £. 
W.  dagegen  erhöbt  ihre  En^egbarkeit.  Die  Papille  wird  durch  beide 
erweiten ;  doch  Wurde  auch  Myosis  beobachtet.  ^  Beide  Arten  Eigotiti 
vemthidetn  c^  Erregboikeit  der  peripheren  sensiblen  Nerven;  beide 
äussern  auf  die  «quergestreiften  Muskeln  keinerlei  deletiren  Einfluss. 
Wo  die  geftsscontrahitende  (hämosttitische) ,  polsverlangsamende, 
tempetatur-  und  reflexherabsetzende  Wirkung  des  Mutterkorns  thera- 
peufiseh  Indicirt  ist,  wird  man  sich  ausnahmslos  des  Ergotin  Bon- 
jean, in  Welches  keinetlei,  die  Eigenschaften  eines  Narcoticum  äcre 
zeigende  Bestandtbeile  der  Drogue  übergehen,  zu  bedienen  haben. 
Brgotin  Wiggers  ist  ak  Hätnostttticum  unbiuochbaf  und  steht  seiner 
wharf  nark^i^sch  wirkenden  Bestandtbeile  wegen  auch  als  temperatar- 
und  reflexherabsetzendes  Mittel  dem  Ergotin  Bonjean  nach.  Sofern 
^tUBeidit  die  erik^ltte  En^gbarkeit  der  peripheren  mK>torischen  Nerven, 
welche  die  in  Alkohol  übetgehenden  Bestandtbeih»  des  MutterkoriM 


8  Cenfcralblatt  far  Chirurgie.    No.  1. 

bedingen^  bei  der  wehenbefordemden  Wirkung  des  Mutterkorns  eine 
Rolle  spielt^  dürfte,  um  Wehen  hervorzurufen^  Mutterkorn  in  Sub- 
stanz dem  Ergotin  Bonjean  vorzuziehen  sein. 

Madelung  (Bonn). 

Bouge.    Nouvelle  methode  pour  le  traitement  chirurgical  de 

Tozene. 

(Bulletin  de  la  Societ6  medicale  de  la  Suisse  romande   1872.  No.  10  u.  11.     1873. 

No.  1.     1874.  No.  10.) 

Nach  Yerf/s  Ansicht  handelt  es  sich  bei  Ozaena  nicht  nur  um 
eine  putride  Zersetzung  stagnirender  Eiter-  oder  Schleimmassen ;  nach 
den  verschiedenartigsten  Operationen  in  der  Nasenhöhle^  bei  Variola-^ 
Typhus-  und  Rotzgeschwüren  habe  man  vielleicht  einige  Mal  üblen 
Geruch^  aber  nie  den  charakteristischen  Ozaenagestank  beobachtet. 
Dem  Uebel  liegt  stets  eine  Erkrankung  des  Knochengerüstes  der 
Nasenhöhle  zu  Grunde.  Verf.  hat  sie  auch  bis  jetzt  in  jedem  Fall 
nachweisen  können.  Demnach  ist  eine  radicale  Heilung  dieses  lästi- 
gen Zustandes^  wie  man  es  schon  vor  Celsus  wusste^  in  den  aller- 
meisten Fällen  nur  durch  einen  operativen  Eingriff  zu  erwarten. 

Zwei  Indicationen  müssen  aber  durch  die  Operationsmethode  er- 
füllt werden: 

1)  Die  weiteste  Eröffnung  der  Nasenhöhle^  um  eine  gründliche 
Besichtigung  derselben  und  eine  leichte  Entfernung  aller  kranken  Kno- 
chentheile  zu  ermöglichen. 

2)  Die  Vermeidung  jeder  Verunstaltung  durch  Narben  am  Gesicht. 
Diesen  Anforderungen  entspricht  folgendes  vom  Verf.  angegebe* 

nes  Verfahren: 

Man  spaltet  durch  die  rima  oris  die  Mundschleimhaut  in  ihrer 
gingivo-labialen  Umschlagsfalte  \md  zwar  in  der  Entfernung  vom  ersten 
linken  bis  zum  ersten  rechten  Backzahn.  Man  dringt  in  dieser  Breite 
bis  zur  Spina  nasal,  ant. ,  trennt  dann  mit  einer  Scheere  die  bei- 
den Nasenflügel  und  das  Septum  cartilagineum  vom  Oberkiefer  ab, 
bis  man  Nase  sammt  Oberlippe  nach  oben  auf  die  Stime  zurückklap- 
pen kann.  Jetzt  bekommt  man  durch  die  aufgespannte  Mundspalte 
den  freiesten  Einblick  in  die  Nasenhöhle.  Sollte  das  Septum  noch 
geniren,  so  kann  es  durchgeschnitten  oder  theilweise  entfernt  werden. 

Nun  nimmt  man  vorhandene  nekrotische  Knochenstücke  heraus ; 
cariöse  Stellen  müssen  gründlich  ausgelöffelt  werden;  häufig  ist 
man  gezwungen ,  grosse  Theile  des  Siebbeinlabyrinths  auszuräumen. 
Sollte  man  nicht  gleich  im  Anfang  auf  erkrankten  Knochen  stossen, 
so  wird  eine  recht  genaue  Untersuchung  doch  stets  den  Krankheits- 
herd auffinden  lassen. 

Die  Blutung  ist  gewöhnlich  massig  und  lässt  sich  durch  kaltes 
Wasser  stillen ;  ein  einziges  Mal  sah  sich  Verf.  zur  Tamponade  ge- 
nöthigt. 

Um  die  Patienten  ruhiger  chloroformiren  zu  können,  ist  es  auch 
rathsam,  die  Choanen  vorher  auszustopfen. 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  1.  0 

Nach  Beendigung  der  Operation  weiden  Lippe  und  Nase  in  die 
alte  Lage  zurückgebracht,  indem  man  darauf  achtet,  dass  letztere  recht 
genau  zu  stehen  kommt.     Es  wird  Nichts  genäht. 

Die  Reaction  nach  dem  Eingriff  ist  merkwürdig  gering;  die 
Wiederanheilung  der  Lippe  macht  sich  meist  per  primam. 

Die  Erfolge  sind  glänzend;  von  31  Fallen  (24  W.,  7  M.)  wur-- 
den  28  radical  geheilt,  trotzdem  einzelne  Patienten  seit  mehr  als 
20  Jahren  an  dem  Uebel  Utten.  Zwei  Mal  wurde  nur  Besserung 
eneicht,  wahrscheinlich  weil  nicht  alles  Kranke  herausgenommen 
vrurde.  In  einem  einzigen  Fall  hatte  die  Operation  den  Tod  zur 
Folge.  Das  Siebbein  der  rechten  Seite  war  so  sehr  erkrankt^  dass 
die  lamina  papyracea  durchgebrochen  und  somit  die  Orbitalhöhle  er- 
öffiiet  werden  musste.  Bei  der  Section  fanden  sich  Thrombose  der 
Vena  ophthalmica  und  eitrige  Meningitis. 

Verf.  hatte  jedoch  kurze  Zeit  vorher  einen  jungen  Mann  operirt, 
bei  welchem  die  ganze  lamina  papyracea  ausgeräumt  worden  war, 
ohne  dass  sich  darnach  die  geringste  B.eaction  zeigte. 

tiirard  (Strassbuig  !/£.). 

C.  Sedillot.     De    la  tr^panation    präventive  et  exploratrice 
dans  les  fractures  de  la  table  interne  ou  vitreei  du  ordne. 

(Comptes  rendus  1874.  T.  79.  p.  836—844.) 

Auf  Grund  seiner  reichen  Erfahrung  auf  dem  Gebiete  der  Schä- 
delyerletzungen  kommt  S.  bezüglich  des  Werthes  und  der  Zulässig» 
keit  der  primären  oder  Friihtrepanation  zu  Ergebnissen^  die  er  etwa 
in  folgende  Puncte  zusammenfasst : 

1)  Die  Friihtrepanation  hat  bei  allen  Splitterfracturen  der  inneren 
Schädeltafel  die  besten  Erfolge  aufzuweisen. 

2]  Die  Indication  zu  dieser  Operation  ist  bei  einer  äusseren  stern- 
förmigen oder  linearen  Schädelfractur  mit  Depression  geradezu  als 
absolut  zu  bezeichnen. 

3)  Dagegen  kann  man  von  der  Friihtrepanation  bei  einfachen 
linearen  Continuitätstrennungen  ohne  Knochendislocation  fiir's  Erste 
Abstand  ne&men. 

4]  Die  Diagnose  einer  Fractur  der  inneren  Schädeltafel  eigiebt 
sich  häufig  aus  der  Art  (les  Trauma  und  der  Gewalt,  mit  der  es  ein- 
gewirkt^ den  Symptom^D  der  Auscultation  imd  Percussion^  der  Ther« 
mometrie  und  der  Explorativtrepanation.  Aus  der  Auscultation  in 
sofern,  als  die  respiratorischen  Bewegungen  des  Gehirns  und  die  da- 
durch bedingten  rhythmischen  Erhebungen  der  dura  mater  beim  Vor- 
handensein von  I^ochensplittern  wahrnehmbare  Beibegeräusche  er- 
zeugen^ aus  der  Percussion^  indem  Veränderungen  in  der  Dicke  des 
Scl^els^  wie  sie  durch  Fracturen  der  inneren  Tafel  gesetzt  werden, 
den  Percussionsschall  modificiren.  Wenigstens  haben  Dolbeau  und 
Felix  et  beträchtliche  Schalldifferenzen  erkannt  zwischen  der  Seite, 
auf  welcher  die  Fractur  besteht  und  der  unverletzten,  und  auch  an- 


10  Centralbkn  ftbr  Chitürgie.    Nö.  1. 

d^te  Chitürgen  woll^  diiÄse  Erecheinung;  congtÄtkt  haben.  Femer 
ist  ib  der  Oegehd  d^  Ftactur^  wie  schon  die  ältere  Aetste  WusstM, 
eine  TemperaturerhBhüttg  naditreisbat.  8.  scfalfigt  als  ein  w^itet^M 
diagiloetiilched  Verfahti^il  <fie  Anwendung  des  E^plofativtrepans  vor. 
Findet  man^  nachdem  man  du)rch  die  tabula  externa  hindilttihgediiin- 
gen  ist,  Elnochenfragmente,  so  entfernt  tnan  diese,  attdereilfälls  lässt 
man  die  Glastafel  intact.  Man  katin  hietgegefl  anfUhf^n,  dass  dii^ 
Verlettmng  der  Diplo^  den  häufigsten  Atisgangsputr«  für  Pyteiie  utid 
Septkämie  abgM)e.  liidess  wird  man,  meint  6.,  dieser  CompUcätioft 
durch  antisi^ptische  Verbände  erfolgreich  begegnen  kennen. 

5)  Die  Anwesenheit  einer  äusseren  Practur  spricht  nicht  gcgön 
die  Möglichkeit  eltier  Fractur  der  Glastafei.  Wenn  die  Auscültatiofi 
nnd  Petcussion,  diö  GöWalt  und  die  Natur  des  Verlettenden  Kotpettl 
(insbesondere  kommen  Schusswtinden  hierbei  iU  B^tUcht)  hiebt  gt3- 
nügende  Anhaltspunkte  bieten,  um  auf  Grund  detselben  af;um  Explo- 
ratittrepan  2u  greifen,  do  muss  man .  sich  darauf  beschränken,  den 
Kranken  sorgsam  zu  fiberwachen  und  sobald  drohende  Symptome  auf- 
treten, ungesäumt  trepaniren. 

6]  Schon  die  vorliegenden  Erfahrungen  sprechen  unzweifelhaft 
zu  Guofilen  der  antiseptischen  Verbände  bei  Sohädelwunden.  HierawC 
bezügliche,  gewiss  höchst  interessante  Mittheiluugen  stellt  S.  weiter- 
hin in  Aussicht.  J.  Hank  (Strassburg  i/E.). 


A.  Qr.  Bergliiifd  (St.  Petersburg).     Ueber  die  Massage. 

(St.  Petersb.  med.  Zeitschrift  1873/4.  Bd.  IV.  Hft.  5.  p.  4Ö7.) 

Verf.  giebt  em^  begeisterte  Schilderung  der  Massage  nach  der 
neueren  Mezger 'sehen  Methode  >  decesi  »glänzende  Kesultatec  et 
physiologisch  zu  erklären  und  durch  eine  Anzahl  Krankengeschichten 
aus  seimer  eigenen  und  der  Mezger 'sehen  Praxis  zu  belegen  yersuoht* 
Es  werden  nach  der  französischen  Terminologie  4  verschiiedene  Arten 
von  Manipulationen  bei  der  Massage  unterschieden: 

1)  Bfflenrage^  bestoht  in  einem  leisen,  oberfläehliehen  und 
langsamen  Streichen  mit  der  flachen  Hand  in  centripetaler  RiGhinx^. 
Sie  wird  bei  acuter  Entzündung^  namentlich  acuter  Synovitii,  ange- 
wandt und  bezweckt,  »die  Aufnahme  von  Lymphe  und  Enizüiidung^ 
producten  in  die  Oirkülation  tmd  die  Wegsehafiung  derselben  durch 
das  GefiLsssystem  su  befördern«« 

2)  Massage  ä  frictian^  besteht  in  kräftigem,  citkuKireni  und 
eentripetalem  Beiben  und  eignet  sieh  besonders  für  chfonische  Syno^ 
Yitis,  Myositis,  Brguss  in  Sehnenscheiden.  Durolir  den  mechunicheil 
Druck  sollen  die  neugebiMeten  Ge^se  und  haiborganiMiten  Eni- 
Zrürndungsproducte  zerdrückt  und  ihre  Resorption  befördert  wetdeo. 

8)  Pitrissage,  besteht  in  der  Knetung  einer  Muskeipartie  hA 
entzündlicher  Muskelanschwellung,  acutem  und  ctooikisoliein  MusbsU 
rheutiMktisiiius. 


Oentralblatt  fttr  Chnrorgie.    No.  1.  il 

4)  Tapotement,    bedeutet   das  Schlagen    oder  Klopfen  eines 

Körpertheiles  mit  geballter  Hand  bei  Neuralgie  und  peripherer  Para);f  se. 

In  Betreff  der  Beweiskraft  der  mitgetheilten  günstigen  Erfolge 

ms6  a«f  das  Detail  im  Original  verwiesen  werden. 

P.  Bnins  (TaUnfan). 

H.  Frölich.    lieber  eine  die  Krieigschixurgie  des  Mittelalters 

betreifende  Entdecknng. 

^kKäic^B  militärärztl.  Zeitschrift  1874.  Hft.  11.) 

Aus  dem  uns  handschriftlich  überkommenen  und  erst  1868  von 
Haeser  und  Middeldorpf  mit  Erläuterungen  herausgegebenen 
•  Buch  der  Bfindth-Ert^nci,  von  Heinrieh  roti  ?fol- 
sprundt^  Bruder  des  deutschen  Ordens.  1460c^  der  ältesten  bis  jetzt 
bekannten  litterarischen  Quelle  deutscher  Chirurgie^  erfahren  wir  durch 
Verf.  aus  einigen  citirten  Stellen ,  dass  Verletzungen  durch  Feuer- 
waffen schon  um  diese  Zeit^  also  um  die  Mitte  des  15.  Jahrhunderts, 
(Gegenstand  der  kriegschiturgischen  Behandlung  waren,  während  be- 
kanntlich der  kriegerische  Gebrauch  des  Schiesspulvers  bereits  vor 
die  Mitte  des  14.  Jahrhunderts  fdllt  (Billroth,  Historische  Studien, 
p.  3).  Verf.  betont  diesen  Fund  gegenüber  der  ausdrücklichen  An- 
gabe der  beiden  Herausgeber  H.  und  M.,  dass  v.  Pfolsprundt 
die  Schusswrmden  in  seinem  Buche  nirgends  en^hne.  Die  litterarisehe 
Erstgeburt  deutscher  Kriegschirurgie  gehöre  somit  nicht  dem  Jahre 
1497  (der  Chiruigie  von  Braunschweig),  sondern  dem  Jahre  1460  an. 

An.  mil^  (Berfin). 

F.  SL  Hyde  (New  York).     A  comparison  of  the  results  of 
txeatmeut  of  308  cases  of  fracture  of  the  tbigh. 

(New  York  med.  Journal  1874.  No.  115.  p.  368.) 

Verf.  giebt  eine  sehr  dürftig  ausgeführte  statistische  Tabelle  über 
308  FäHe  Titti  Obencheiikdlfractuffen^  weUhe  tom  Jahr0  18f  ^*-*73  im 
BelleTue-Hospital  behandelt  worden  sind.  In  1 1 1  Fällen  sind  Messun- 
gen in  Betreff  der  Yerkür^sui^  des  Gliedes  bei  vollendeter  Heilung 
aotirt;  darunter  finden  sich  19  Fälle  (17%)  ohiM  Veckörsung  geheilt, 
die  durchschnittliche  Yerkün&ung  beträgt  bei  Ausschluss  der  ohne 
Veikürzung  geheilten  Fälle  %  Zoll^  bei  EinschluBs  der  letzteren  V} 
Zoll.  In  8  FälliBn  trat  keine  Vereinigung,  in  35  Fällen  der  tödtUohe 
ÄMSgang  ein.  P.  Bmns  (Ttbingen). 

S.     ttatm  (New  York).     N^sal  catarrh,  its  pathology  and 

treatment. 

(New  York  med.  Journal  1874.  No.  115.  p.  337.) 

Die  Besprechung  der  Pathologie  des  acuten  und  chronischen 
Nasalkatarrhs  enthält  nur  Bekanntes.    Die  Behandlungsmethode  des 


12  /  Centrolblatt  fdr  Chirurgie.    No.  1. 

Verf.'s  besteht  neben  der  Application  der  Nasendouche  namentlich 
in  dem  Eintreiben  von  Joddämpfen  in  die  Nasenhöhle  mittelst  eines 
eigens  hierzu  construirten  Apparates.  Derselbe  ist  aus  Hartkautschuk 
gefertigt  und  enthält  in  seinem  Innern  einen  mit  Jodtinctur  getränk- 
ten Schwamm^  durch  welchen  die  Luft  mittelst  eines  am  hinteren 
Ende  angebrachten  Kautschukballons  hindurchgetrieben  wird.  Da- 
neben wird  der  Gebrauch  eines  Schnupfpulvers  aus  fein  pulverisirtem 
Kampher  und  Zucker  zu  gleichen  Theilen  empfohlen.  Als  Belege 
für  seine  günstigen  Erfolge  theilt  Verf.  3  auf  diese  Weise  geheilte 
Fälle  mit.  P.  Bnuis  (Tübingen). 


Bockenheimer«    Bericht  der  chirurgischen  Klinik. 

Frankfurt  a/M.   1874.   30  p. 

Unter  1474  vom  1.  Aug.  1872  bis  1.  Aug.  1873  theils  ambula- 
torisch, theils  stationär  behandelten  Patienten,  von  denen  die  grössere 
Hälfte  an  Haut-,  Sexual-  und  inneren  Krankheiten  gelitten  hatte, 
befanden  sich  auch  Einzelne,  an  denen  Verf.  grössere  Operationen 
vorgenommen  hat  (7  Resectionen  grosser  Gelenke  [x  l],  1  totale  Ober- 
kieferresection,  1  Amput.  femor.  [f],  3  Amput.  mammae  [i  t],  2  Ova- 
riotomieen  [f  1],  2  Hemiotomieen  [f  ll>  t  Urethrotomie,  1  Tracheo- 
tomie,  1  Perineoplastik) .  —  Verf.  ist  mit  seinen  Operationsresultaten 
sehr  zufrieden  und  beschreibt  elazelne  Fälle  ausführlicher  (für  eine 
genauere  Beurtheilung  der  Heikesultate  sind  aber  die  gegebenen 
Notizen  meist  zu  dürftig,  Ref.] .  —  Bei  der  Nachbehandlung  der  Hüft- 
und  Kniegelenkresectionen  wendet  Verf.  die  Linhart'schen  Watte- 
verbände an,  »weil  Gypsverbände  nicht  nur  nichts  nützen  können, 
sondern  sogar  schädlich  seien  und  alle  übrigen  Verbände  an  Schwer- 
fälligkeit übertreffen«  (!  Ref.).  Krönlein  (Berlin). 


F.  Ahlfeld.     Die  Technik  der  Schwangerenuntersuchung. 

Sammlung  klinischer  Vorträge  1874.  No.  79. 

Verf.  schildert  die  Untersuchung  der  Schwangeren  getreu  nach 
der  Cred^'schen  Schule.  Dabei  berücksichtigt  er  meist  den  Stand- 
punct  des  praktischen  Arztes  mit  verschiedenen  Winken.  Hieran 
schliesst  sich  die  innere  oder  combinirte  Untersuchung  der  Weich- 
theile^  insbesondere  des  Muttermundes  und  des  kleinen  Beckens^  wo- 
bei auch  die  vom  Verf.  empfohlene  Messung  der  Frucht  mit  dem 
Baudelocque 'sehen  Tastercirkel  durch  Aufsetzen  eines  Knopfes  auf 
den  vorliegenden  Kindestheil^  des  anderen  auf  den  fundus  uteri  er- 
wähnt ist.  Ein  kurzes  Schwangerenexamen  zur  Berechnung  der 
Schwangerschaft  bildet  den  Schluss.  Leopold  (Leipzig). 


CentralblaU  für  Chirurgie.    No.  t.  13 

IL  Kaposi  (Wien) .    Zoster  recidivus,  Nachtrag  zu  »Ein  eigen- 

thümlicher  Fall  von  Herpes   zoster«. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1874.  No.  38.) 

Verf.  theilt  den  Fall  eines  recidivirenden  Herpes  zoster  mit^  ein 
Vorkommen,  das  bisher  nur  von  O.  Wyss  beschrieben,  nicht  aber 
von  ihm  selbst  beobachtet  worden.  Sonst  nahm  man  allgemein  an, 
dass  einmaliges  Befallensein  gegen  fernere  gleiche  Erkrankung  immun 
mache.  Die  Zwischenzeit  hatte  im  vorliegenden  Falle  8  Wochen  ge- 
dauert. Die  neuen  Efflorescenzen  traten  vielfach  auf  den  Narben  der 
alten  auf.  t.  Xosengett  (Bonn). 

Kleinere  Mittheilungen. 

B»  Schneider  (chirurg.  Abtheilung  des  städtischen  Krankenhauses  zu 

Königsbei^].    Exstirpation  der  linken  Scapula  wegen  eines  Sarcoms. 

(Berl.  kUn.  WocheoBchzift  1874.  No.  31.  p.  377.) 

Bei  eisern  Sjfthr.  Knaben  war  binnen  3  Monaten  auf  der  linken  Schulter  ein 
betrftehtlieher  Tumor  entstanden,  auf  deaaen  Ezatiipation  die  Eltern  erst  nach  Ver- 
flusa  von  ferneren  3  Monaten  eingingen.  Es  hing  mit  der  Scapula  fest  snsammen, 
nicht  mit  der  Haut.  In  die  Axillaigrube  sandte  er  einen  höckrigen  Ausläufer  und 
bedeekte  halbkugeif5nmg  die  ganze  Scapula.  Oberfläche  glatt,  Consistens  weich- 
elaatischr  schmenlos  bei  Druck,  Elevation  des  Armes  höchst  beeinträchtigt,  Drüsen 
nieht  geschwollen.  Die  totale  Eistirpation  der  Scapula  erfolgte  mit  Schonung  der 
deckenden  Haut  nach  t.  Langenbeck's  Methode,  Nachbehandlung  unter  Lister'« 
scher  Wundbehandlung.  Nach  6  Wochen  vollständige  Heilung.  Dennoch  hatte 
sich  das  Acromialende  der  Clavicula  nach  hinten  gelegt,  wogegen  sich  das  Caput 
hum«ri  stemmte.  Activ  ist  nur  geringe  Abduction,  passiv  bis  sur  horizontalen 
möglich.  Die  Untersuchung  ergab  ein  Granuladonssaroom.  Nach  einem  Viertel- 
jahr kamen  multiple  Reddive,  sowohl  öitlioh,  als  in  der  T&ia  und  Lunge,  und  es 
erfolgte  bald  der  Tod.  v.  MosengeQ  (Bonn). 

Haynea.    Are  the  convulsions  of  the  carbolic  acid  poisoning  cerebral 

or  spinal  in  their  origin? 

(Philadelphia  med.  Times  1S74.  No.  126.  p.  407.) 

2  Katzen  wurde  die  Säure  subcutan  injicirt,  nachdem  zuvor  das  Rückenmark 
in  der  Höhe  des  1.  und  2.,  resp.  4.  und  5.  Halswirbels  durchschnitten  war.  Die 
Krämpfe  blieben  in  denjenigen  Muskeln  aus,  welche  von  den  unterhalb  des  Schnit- 
tes abgehenden  Nerven  versorgt  wurden,  während  sie  sich  im  Gesicht,  an  den 
vorderen  Extrendtäten  u.  s.  w.  in  gewöhnlicher  Stärke  zeigten.  Daraus  folgert  H, 
den  cerebralen  Ursprung  dieser  Krämpfe.  Wllh*  Koch  (Berlin). 

Ory.     Subunguale  Exostose  am  Zeigefinger. 

(Bulletin  de  U  soci^t^  anatom.  de  Paris  1S74.  p.  239.) 

Unter  der  hinteren  Nagelhälfte  des  Zeigefingers  eines  17 jähr.  Mädchens  sieht 
man  eine  erbseng^osse,  harte,  unempfindliche,  angeblich  seit  4  Wochen  wachsende 
Geschwulst.  Tr^lat  hebt  nach  geschehener  Umschneidung  durch  2  elliptische 
seitliche  Schnitte  mittelst  eines  kleinen  Meisseis  dieselbe  hervor  und  trennt  die 
kleine  Insertionsstelle  an  der  Endpbalanx.  Die  mikroskopische  Untersuchung  er- 
giebt  ein  vom  Periost  aus  entstandenes  Osteom.  Tr^lat  macht  aufmerksam  auf 
das  seltene  Vorkommen  dieser  eigentlichen  supeiperiostalen  Osteome  an  den  Fin- 
gern gegenflber« dem  häufigen  an  den  Zehen  und  betont  gegenüber  Gornil  und 
Ran  vi  er,  dass  diese  Neubildungen  wirklich  Knochengewebe  enthalten,  vom  Periost 


gi^Aa^  weisen  \md  leicbA  ^^ostielt  out  der  Phalanx  zusammeaktagen ;  B^div« 
hat  Trelat  in  2  früher  von  ihm  operirten  Fällen  nicht  gesehen;  die  dieser  Exostosen 
wegen  vorgenommane  Enarttcwllitien  einar  Phalanx  fät  dtahalb  unstatthaft. 

Pilx  (Stettin). 

J.  Porter.    Adhärenter  Blasenstein^  Steinschnitt^  Genesung. 

(British  med.  Journal  1874.  Octbr.  31.  p.  548.) 

Bei  einem  24jähr.  Manne  mit  Blasenstein  gelang  es  nicht,  nach  geschehenem 
Seitensteinschnitt  den  der  Btasenwand  fest  adh&rirenden  grossen  Stein  im  Ganzen 
zu  entferfteit;  innerhalb  4B  Stunden  yraeten  IdlO  Qma  SteuifragmvftM  «ittlMrt.  13 
T^ge  Bpfttsr,  nach  BsOffnung  der  frahvren  Wuitdev  sdttiUir(o&  wme  Versuche,  den 
9t^  ifaiA  Htitfe  d«a  Fingeinag^,  $patste|  oder  der  Zange  «aA  Ii^ction  a ^  seiner  Vw- 
bindun^  9Vi  lösen;  es  wurden  138  Gran  Steinniasse  entfernt;  2  Tage  später  konnte 
erst  der  gelöste  Stein  h^ausbefördert  werden.  Die  Blase  zeigte  einen  mit  festen 
kalkigen  Massen  ausgekleideten  grossen  Sack ;  die  gesammte  Steinmasse  wog  201 8 
Gran  und  es  bestand  der  ovale  Kern  «tts  Tripol-Fboaj^liaten,  der  äussere  Mantel 
aus  phosphorsaurem  Kalk.  Pils  (Stettin). 

Jacobs  (Cöhi).  Kaiserschnitt  mit  Eifcaltnng'  der  Mutter  und  des  Kindes. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1874.  No.  42.) 
Verf.  hat  bei  einer  Mehrge<>ärenden  mft  OBteettialaolsckeitt  Bteken  den  Kaiser- 
■riiniEbb  awagi^firtiTt,  nachdem  inat  fititndeii  vorher  die  Scfctwangtr»  di^  letitea  Kin- 
dfisbewM^uagan  geapAzt  haifi^  diase  anieh«  wis  H«TSlCtoa  i»n4  Ptape^taiyirftmcfciS 
nioht  ndbr  sm  &ili  nacbweäibar  wttre».  B«w#rkeiis.wenh  bei  der  Ofraraiion  ww 
noch  «bfi  UmstiAd»  daea  bttm  UteFuaaebnitf  der  Operateur  auf  die  Plaoenta  slietA. 
Db0  Kind  was  asphyktisoh»  belebte  aieii  aJ^r  wieder.  I>te  Utaffucwunde  wiard« 
gen4fat,  dw  Operadonawundfi  keilte  oidil  per  primam,  toMMMk  blieb  die 
am  Leben.  SoMiearfich  echUlgt  Vezf.  iioah  vor,  um  das  nmh  (JhkNsofonü^ 
narkoaea  aa>  hiuige  und  ÜcHge  BnelMn  zu  wiTMeidcn,  lieber  aum  Kaiaeneknilt 
nidil  au  ddoroforoiisan.  T»  MlMMlif^l  (Bonn). 

C.  QijLl^oip.    Ca3e  of  normal  ovndotomy. 

(New  X9;tk  mA.  loßiimal  l^U.  p.  lai.) 
Bai  einuB  29||fthi;.  Kranken  wA  eintr  Jafaom  lang  bealelieiidMi  Sehmemhafti^ 
keit  dar  Qyatiaq^  walaita  immer  zur  Zeit  der  Menses  exacerbkte,  wurde  die  Diag- 
nose auf  chronische  Ovuriitis  und  Vergrösserung  des  linken  Ovarium  gestellt  und 
ven  Thomas  die  Bastirpation  beider  O^rlen  nad»  dam  geWdhtiliohen  IPaiMivea 
der  Oyariotomie  vorgenommef^  Es  ei^gte  mscl«  Hmlung  der  Operationswunde, 
jedoch  stellten  sich,  auoh  aa«hhei^  wieder  ien^  Sohmerzen  namei^lich  zur  Zeit  der 
Menstruatiou  ein*  Bei  der  Untersuchung  aer  exstirpirten  Ovarien  zeigten  dieselben 
normale  Grdsse  und  erschienen  »im  Zustande  fettiger  Degeneration  und  mtersti- 
tietier  Entzündung«.  Terf.  versichert,  dass  wenigsten«  die  Patientin  von  dieser 
»normalen  Ovarlotomie«  jfl  Ref.)  sehr  beftiedigt  sei!        P.  Bmiis  (Tübingen). 

OaowJWki  (Pilsen).     Zwei  Ovariotomieeii. 

(Przegl^d  lekarski  1874.  No.  32—34,  polnisch.) 

Der  erste  Fall  betraf  eine  38jftlmge  Frau,  d?e  6  Mal  ge^ren  kette  und  seik 
2  Jahren  an  Cystovarium  erkrankt  ist  Die  Frri>eptüiotiQsi  wurde  im  Februar  1 S74  ge- 
imakt  \md  'tine  unilocul&ie,  mit  der  BaHoh^and  nlokt  verwadhsane  Cyste  diagnoslycirt. 
Die  Of^eretien  ^wfde  £«»de  April  d»  J.  von  Prof.  Freund  (aus  Breslau)  auageführt 
u»d  der  Stiel  o»it  der  WelU'aohen  Klammer  behandelt  O.  überoehm  die  Nach* 
our.  t)en  3it  Tag  nach  der  OperafiLon  cfvnstatirte  er  Septicamie  und  de  er  \im  die 
HervorvMfuBg  derselben  die  im  cavura  Douglasii  angesammelten  8eerete  beschuldigtei 
•o  eelDftbloee  er  sieh  au  einer  PunotÄaa  an  der  genenntea  Stell«,  wobei  gegen  8 
Un«n  iftinkendfHT  Jaqphe  entf^nl  wurden*  Daa  DraÄnegerohr  konnte  nidit  ein- 
gefilhrt  werden»  Seit  Aar  ZeU  stetig  zuaetoende  Besserung.   Heilung  m  14  Tagen. 

IHe  iweite»  &Sjihr.'  PatientM,  die  8  Mal  geborea  ued  eeit  &  Ja^n  an  Cysto- 


nMnm  Mdet,  wuide  von  O.  opmüt ;  dit  Cyfte  var  9AuUiloci4%  uii4  i^t  im  fy^ebr 
irand  ferwficlwu»}  der  lang«  Stiel  vi^rda  in  die  Spencer  WalU'^h»  Klapm^ 
ai^ennonune«  vnd  P^ldnage  Q^^  Simsaiuigefahrt  Xiiater'flcheaYe^baQdmateriait, 
—  PurcJi  die  sirei  ent^o  T<^  n»cb  der  Operation  Seasi;  viel  roth^el^hte  Flüssigkeit 
dorch  das  Drqinflgerohr  ab»  am  3.  Taipe  stockt  das  Abdiesaen  dar  S^retej  Wass^« 
injeetioiien  Termitielst  eines  Iirigateurs  bis  reines  Wasser  abfliesst.  Die  anfangs  39^0 
b^tiagende  Temperatur  sinkt  bis  auf  ?70C;  steigt  aber  im  5,  Tage  bis  auf  39,50Q 
lüs  Vorbote  einer  Pneumonie»  4ia  auch  naob  2  Tagen  swm  Tode  fahrt.  —  Die  Sei»- 
tion  weist  keine  Fe4tonitis ,  sondern  Pneun^ome  nacb ;  die  Tbeile,  V(f  das  Drai- 
nagerobr  If^  ^9g^^  W^\A  krankhaft  ver&ndert. 

OballBskl  (Krakau). 

lEorton.     1.    Caae  of  Compound  comminuted  fracture  of  tlie  skull. 
Hean.     2.    Compound    comminuted  fracture  of  the  skull  involving 

botJi  tal)li^,  witk  depression. 

3.  !Qxtensive  woupad  of  tbe  skull,  produced  by  a  cifcular  saw. 
(Philadelphia  aw4  Times  1^74.  No.  153.  p.  1-3  u.  5.) 

M«iirioii's  Fall  bo^ifft  einen  47jAbr.  Kranken,  welcfa«i  mit  eiatr  Tttemet* 
fractur  des  linken  Scheitelbeins,  Zerreissung  der  dura  mater  und  zahlreichen  im 
@ehim  steefcei^n  KAoelMnapUttem  bewuestlos  Sn's  Hoe^tal  gebraolil  wiirde.  V^aeh^ 
dem  daa  Coma  in  8  Tagen  emtm  feirjese»  WojUbefode»  Plati  gemacht  hatte,  konnte 
man  (aus  im  Orifii^l  genauer  angeföhrten  S^n^^ton^en)  eine  X^bmung  des  1 .  bis 
1.,  wabracbainlich  auch  des  9.  Hirnnerven  diagnosticiren,  unterliess  aber  jeden 
Eingriff,  weil  weitere  bedrohliche  Symptome  fehlten.  D^r  Tod  erfolgte  am  91. 
T^  unter  Fieber  und  Coma. 

Section.  Hirnabsceas  im  linken  mittleren  Lappen,  im  hinteren  Theil  des 
vorderen  Lappens  und  in  den  linken  Seiten  Ventrikeln.  Die  Bruchlinie  verl&uft  vom 
iosseren  Gehörgang  durch  den  Carotiskanal  und  den  Körper  de^  Keilbeins  su^i 
foramen  optlcum,  durch  den  Grund  der  Augenhöhle  zum  grossen  Keilbeinflügel 
und  Wangenbein,  von  diesem  zur  linea  semicircularis  des  Scheitelbeina  und  im 
Bogen  zurück  zum  Gehörgang.  Das  so  umschriebene,  theilweise  zertrümmerte 
Segment  der  Schädelbasis  iat  nach  unten  und  einwärts  getrieben.  Alle  durch  das 
foramen  ovale,  rotundum,  sphenoideum,  opticum  und  stylo-mastoideum  tretenden 
Nerven  erscheinen  evwcbt,  viatettfljrt  otßx  von  ]Siterma#ien  nn^ebeiiu  -r^ 

2.  Fall  (Mears).  14jähr.  Knabe.  Weichtheilzerreissung  und  complicirte  Frac- 
tur des  Scheitelbein«  In  der  Cfegend  des  vorderen  oberen  'Winkele,  mit  Depression 
te  Fxwnente  um  Vi  %^ 

Aufatoesen  und  ^ßrbre«he^,  sehr  weite  Pupilten,  aber  %\^  ki^a  wahaltendn  Bf  «- 
vusstlpsigkeit»  keinfi  LAbmu^g- 

18  FragmW'ft  der  äusseren  Tafel  d^rcb  den  Elevetor  entfernt  ^  die  in  ein^w 
Stück  ^fi94pr«Qg^  WfA  seitwärts  verschoben^  Tabula  vitre^  musa  vor  dfT  SHk^* 
tion  esst  ^i;f|tilcl|i|)t^  ^rdfn.     Dura  mater  intact     Heilung  ohne  jede  Zufälle. 

3.  Fall  (Mears).  IBjähr.  Knabe.  Die  Kreissäge  setzt  im  äusseren  Drittel 
dfli  nehtfln  MargQ  snprao jbiirfia  ein,  gebt  teH^räg  iie^nvftrl»  (teodh  sutnm  eoHtu» 
ria  und  rechtes  Scheitelbein  ^^r  PCeib^al^t  \ind  wApli  einen  Zoll  davon  im  linken 
Scheitelbein.    Länge  der  Wunde  73/«  Zoll,  Breite  Vs  Zoll. 

Fat.  ist  bei  Bewuastsein,  klagt  über  Kopfsehmevaen,  irünseht  auf  der  Seite 
i»t  yerletmiiig  ^  tiegex^  ist  iirei  voA  Convulinonen  odfer  Läbmupgen  uimI  stirbt 
1  Stunde  nai^  der  Verlegung  an  Srsche^ung  itnfo)ge  starker  Alutwi^ .  Dia  Sendbs 
wies  necb,  dilf»  die  S^e  minde^t^ns  auf  i  Zoll  Tiefe  in  das  Gehirn  geidru^ge«  w*9* 

W4U|,  K#e)i  (3<yrlin>. 

Blair  B.  Ta^Fior  (New  York}.  Succesaful  caae  of  feseotioB  of  upper 
extremity  of  tke  femur  and  remayal  of  porticHifi  of  tlie  pelvio  bones. 

(New-York  med.  Journal  1874.  No.  ff5.  p.  4d3.) 
Der  Fall  betri£ft  einen  jungen  Mann  von  18  Jahren,  welcher  seit  14  Jahren  an 
Cozitiz  nnt  spontaner  Luxation  und  zahlreichen  Fisteln  litt.    Hüftgelenksresection 


16  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  1. 

im  October  1872;  wegen  completer  knöcherner  Verwachsung  des  Schenkelkopfs 
mit  der  Darmbeinfläche  war  eine  doppelte  Trennung  mit  der  Kettensäge  nothwen-\ 
dig ;  von  dem  oberen  Ende  des  Femur  wurden  31/2  Zoll  entfernt,  ausserdem  musste 
noch  von  dem  Darmbein ,  dem  Körper  des  Schambeines  und  dem  Tuber  oss.  isch. 
eine  grössere  Anzahl  nekrotischer  und  cariöser  Knochenpartieen  abgemeisselt  wer- 
den. Nachbehandlung  mit  Gewichtsextension.  Nach  21  Monaten  war  die  Ver- 
kürzung des  Gliedes  dieselbe  wie  vor  der  Operation,  die  Gebrauchsffthigkeit  sehr 
gut :  die  Bewegungen  in  der  Hüfte  vollkommen  frei  mit  Ausnahme  der  Abduction 
und  Botation  nach  aussen,  »Fat.  geht  ohne  Beschwerden,  klettert  auf  Bftume  und 
steigt  auf  Leitern«  (!  Ref.).  P.  Broiis  (Tabingen). 

J.  ICeranowics.  Periostitis  maligna  ohne  bemerkbare  locale  Symptome. 

(Przeglnd  lekarski  1874.  No.  20,  polnisch.) 

Ein  lojähr.  Gymnasiast  kam  (zu  Fuss)  in  die  Klinik,  wo  er  aufgenommen  und 
ein  Typhus  abdominalis  diagnosticirt  wurde.  Tod  nach  48  Stunden.  Bei  der  See- 
tion  werden  keine  Typhussymptome,  dafür  aber  pyämische  Infarcte  in  der  Lunge 
gefunden.  Bei  Ungerem  Nachsuchen  zeigt  sich  zwischen  der  linken  Tibia  und 
ihrer  Beinhaut  ein  ziemlich  grosser  Eiterheerd.  Oballnski  (Krakau). 

Hospital  general  de  Madrid.    Compression  der  meduUa  spinalis.    Tod 

an  allgemeiner  Atrophie. 
(Anfiteatro  anatom.  espaSol  1874.  No.  40.  p.  199.) 
Der  etwas  unklar  beschriebene,  durch*  Holzschnitt  erläuterte  Fall  betrifft 
eine  21  jähr,  weibliche  Person,  bei  der  man  während  des  Lebens  mehrfach  Resec- 
tionen  von  Rippenstücken  vorgenommen  hatte  (?)  und  die  schliesslich  im  obigen 
Hospital  an  allgemeiner  Atrophie  (?)  gestorben  war.  Die  Autopsie  ergab:  Atlas 
und  Hinterhaupt  mit  einander  knöchern  verwachsen  und  durch  Zerreissung  aller 
Ligamente  besonders  des  lig.  transversum  war  ersterer  so  dislocirt,  dass  der  proc. 
odontoides  des  Epistropheus  mit  dem  hinteren  Arcus  des  Atlas  verlöthet  erschien. 
Hierdurch  soll  das  Rückenmark  eine  dauernde  Compression  erlitten  haben  und  wird 
die  allgemeine  Atrophie  damit  in  Verbindung  gebracht  (?  Ref.). 

Ullergperger  (München). 

C.  de  Mooy.     Note  stir  nne  nouvelle  aiguille  k  suture. 

(Annales  de  la  soc.  de  m^d.  d'Anvers  1874.  Juillet.  p.  380.) 

Verf.  beschreibt  eine  von  ihm  erfundene  gestielte  Wundnadel,  welche  aus  einem 
Handgriffe,  einem  geraden  oder  gebogenen  Stiele  un<Jl  einer  lanzenf5rmigen  Spitze 
mit  offenem  Oehr  besteht.  Dieselbe  unterscheidet  sich  von  der  von  Bruns  an- 
gegebenen Nadel  nur  dadurch,  dass  das  Oehr  stets  offen  ist,  während  es  bei  letz- 
terer durch  einen  verschiebbaren  Draht  geschlossen  und  geöffiiet  werden  kann. 

P.  Brnns  (Tübingen). 

Bofaertaier*     Resection  of  the  tibia  and  fibula  at  the  junction  of  the 

middle  and  lower  third. 

(Philadelphia  med.  Times  1874.  No.  152.  p.  820.) 

In  der  Secundärperiode  wurden  von  einem  7  Zoll  langen  Hautschnitte  aus  47 
Splitter  und  ausserdem  die  4  Bruchspitzen  der  rechten  Tibia  und  Fibula  mit  einer 
Knochenzange  entfernt.  Der  gesetzte  Defect  betrug  mindestens  3  Zoll.  Heilung 
mit  nur  1  Zoll  Verkürzung  in  5  Monaten.  Wilh.  Koch  (Berlin). 

Originslmittheilnngen,  Monographieen  und  Separatabdrüoke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TiUmaamM^  lioipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlung, 
BreUkopf  und  Häiid,  einsenden. 

;:    ■■■    ■■■:■    .t...    :   ■  ..        s-s     i.i  i   ■     :j--..  3:ss=»ag.  .-r    i-r    .  ,   ■■asasaaas;         ■■■  i   ■■■■■;■  ■  a 

Druck  nnd  Verlag  von  Breitkopf  und  Hfirtel  in  Leipcig. 


Gentralblatt 


ftlr 


CHIRURGIE 

heransgegeben 

Br.  L.  Lii&er,  Dr.  L  Sckeie,  Dr.  E  TJUiaiuis 

in  Berlin.  in  Ha^e  •.  8.  in  Leipiif . 

Zweiter  Jahrgang« 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Freit  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prft- 
nnmeiBtion.     Zu  besiehen  dnrch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


■BSESaiSI 


N^  2.  Sonnabend)  den  9.  Jannar.  1875t 

Illttlt:  Koclly  Ueber  du  Ghlorofonn  nnd  seine  Anwendung  In  der  Chirurgie.  —  Foi 
vnd  MlW,  Das  Terhahen  der  Pupille  gegen  Curare,  Chloroform  und  Chloral.  —  EMif  ^ 
Pathologisch -histologische 'Untersuchungen  Über  Lupus.  —  Wolff|  Zur  Knochenwachs- 
thumsfrage.  —  Hel^mtim ,  Untersuchungen  über  das  Protoplasma.  —  Hofmtnn,  Ueber 
Entstehung  -von  Harnsteinen  durch  fremde  Kdrper  in  der  Blase.  —  GitCORiini,  Studien 
üher  die  venöse  Circulation  der  unteren  Extremitäten.  —  Someiiburgy  SdiUattor»  Mal 
perforant  du  pied.  —  Locchiniy  InJectionen  Yon  Chloralhydrat  bei  Ch>norrhoe.  —  Scar* 
pari,  Feste  Terbände  bei  acutem  Gelenkrheumatismus. 

SttfMtri,  Aderllsse  bei  Amputlrten.  —  Bahrdt  und  WoMfartll»  Chloroformvergiftung. 
*-  da  BaarilhOMy  Sternförmige  Schadelf^actur  mit  Depression.  —  Stoark,  Chronische 
Erkrankungen  der  Ifasen-Rachenhöhle.  —  Ddmarquay,  Fremdkörper  im  Oesophagus.  — 
■assal,  Fremdkörper  im  Larynx.  —  Heydanrelch,  Ueber  Exstlrpation  der  Scapula.  — 
■ayerkafar.  Ein  Fall  von  Luxatio  manus.  — •  Fournlar,  Urethrale  Blennorrhoe  bei  einem 

3jihrigen  Knaben. 


WUh«  Koch.     Ueber  das  Chloroform  und  seine  Anwendung 

in  der  Chirurgie. 

(Sammlung  klinischer  Vorträge  No.  80.) 

Verf.  hat  sich  die  verdienstliche  Aufgabe  gestellt  ^  die  ausser- 
ordentlich grosse  und  an  Widersprüchen  reiche  Literatur  über  das 
Chloroform  seit  der  Einführung  dieses  Mittels  in  die  Chirurgie  durch 
Simpson  1847  kritisch  zu  sichten  und  die  zahlreichen  experimen- 
tellen, zum  Theil  von  ihm  selbst  herrührenden  Ergebnisse  mit  den 
gewonnenen  klinischen  Erfahrungen  in  Einklang  zu  bringen.  Auf 
streng  physiologischer  Basis  entrollt  er  uns  ein  Bild  der  Wirkungen 
des  Chloroforms  auf  den  Organismus ;  aus  eben  dieser  Axt  der  Einwirk-» 
uog  leitet  er  dann  die  Gefahren  seiner  Anwendung  in  ungezwungener 
Weise  ab^  ohne  zu  gewaltsamen  und  künstlichen  Annahmen,  wie  sie 

2 


18  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  2. 

in    der  Chloroformliterfttur  nicht  zu  Mhkn  gerade  verzeichnet  sind, 
seine  Zuflucht  nehmen  zu  müssen. 

Zunächst    werden   die    elementaren  Einwirkungen    des    Chloro- 
forms  auf  das  Blut,  speciell  auf  die  rothen  Blutkörperchen  und  die 
quergestreifte  Muskulatur  besprochen  und  gezeigt,   daas  bei  der  jge- 
wohnlichen  Anwendungsform  (der  Inhalation^  bei  Thiexen  auch  durch 
Einbringung  in  den  Magen  oder  unter  die  Haut)  es  weder  das  kreisende 
Blut,  noch  die  lebendige  Muskulatur  anzugreifen  vermag,   dass  viel- 
mehr die  in  das  Blut  übertretenden  Chl.-Dämpfe  nur  als  solche  auf 
gewisse  nervöse  Centra  einwirken,  in  gleicher  Weise,   wie  wir  uns 
dies  von  allen  anderen  »N©rvengifiten«  vorzustellen  haben.    Weder  cere- 
brospinale  (sensible  und  motorische)  Fasern  sind  der  nächste  Angriffs- 
punct,   auch  nicht  die   Muskulatur,   vielmehr  die  nervösen  Central- 
Organe,  in  erster  Linie   das  Grosshlm,   welches  eine  mit  der  Dauer 
der  Einwirkung  sich  bis  zur  Lähmung  steigernde  Erregbarkeitsver* 
minderung  erleidet.     Lafolge  der  Ausschaltung  des  reflexhemmenden 
GehimeinfluBses  zeigt  sich  zuerst  eine  gesteigerte  Beflexerregbarkeit, 
difl  später,  wenn  auch  die  sensiblen  Büokeamarksganglien  sngegritku 
und  weiterhin  gelähmt  werden,  vollständig  erlöscht.    Dabei  bleibt  es 
allerdings  unverständlich,  weshalb  der  Gesichtstheil  des  Kopfes  (Cornea» 
Nase,   Schläfengrube)    länger  seine  Sensibilität  bewahrt,   als  Rumpf 
und  Extremitäten.     Jedenfalls  ist  die  Narkose  als  genügend  tief  an- 
zusehen,  wenn  auch  von  der  Cornea  aus  sich  keine  Reflexe  mdbtr 
auslösen   lassen.     Nach  den  schönen,    auch  anderweitig  bestätigten 
.Versuchen  von  Scheinesson   erfolgt  durch   das  Chi.  ein  Absinken 
des  Blutdrucks,  bei  ti^ister  Narkose  \xm  ^/^  bis  fast  ^4  des  Mittel- 
drucks.   Diese  Erscheinung  hängt  einerseits  von  der  Beeinträchtigung 
der  vasomotorischen   Ceiitren   ab,   wofür  die   erhebliche  Erweiterung 
der  Ohrgefasse  in  der  Narkose,  wie  bei  der  Sympathicus^-Durcfasclmei- 
dung  Cl.  Bernard's  und  Versuche  mit  durchschnittenem  Halsmark 
sprechen,  andererseits  von  einer  directen  Herabsetzung  der  Herzenergie, 
die  auf  eine  Alteration  der  musculo-motorischen,  im  Herzen  selbst  ge- 
legenen Centren  zurückzuführen  ist.     Infolge  dieser  beiden  Momente 
tritt  eine  Verlangsamung  der  Cirkulation  ein,  daher  die  Venosität  des 
Blutes.     Diese   verlangsamten    Kreislaufsverhältnisse    bedingen    auch 
die  temperaturherabsetzende  Wirkung  des  Chloroforms,  die  nachweis- 
bar  von   einer  Verminderung   der  Wärmeproduction  infolge  Verlang- 
samung der  Stoffwechselprocesse  abzuleiten  ist.    Bei  der  Beurtheilung 
des  Einflusses  auf  die  Athmung  ist  die  Art  und  Weise,  wie  das  Chi. 
zugeleitet  wird,    von   erheblicher  Bedeutung.     Gelangen  concentrirte 
Dämpfe  direct  auf  die  Nasenschleimhaut,    so  können  veimöge  einer 
Reflexhemmung  von  den  Trigeminus-Endigungen   aus  Stillstand  der 
Respiration  und  Verlangsamung  des  Herzschlages,   also  die  drohend- 
sten asphyctischen  Symptome  in  die  Erscheinung  treten,  die  mit  der 
Entfernung  des  Chi.  nur  unter  Umständen   schwinden.     Leitet  man 
dagegen  mit  dem  Chi.  noch  reichliche  Luft  zu,  so  bleibt  die  Reflex- 
hemmung aus.     Können    die  Dämpfe  mittelst   einer  Trachealkanüle 


Centralblatt  fAr  Chinirgie.    No.  2.  19 

direet  zur  Lunge  gelangen,  so  zeigt  sich  neben  weiteren  hier  nicht 
zu  erörternden  Reflexrorgängen  eine  Beschleunigung  und  Verflachung 
der  Athemaüge.  Diese  direete  Alteration  des  Athmungscentrums  in 
der  Med.  obl.  ist  noch  nicht  genau  genug  beobachtet  worden. 

Die  üblen  ZufiUle  der  Narkose  lassen  sich  in  3  Gruppen  son- 
dern: Ij  das  Erbrechen,  2)  Erstickungszuüllle,  S)  Erscheinungen  von 
Herz&hmung,  Syncope.  Von  den  ErstickungsBufiUlen  haben  wir  be- 
reits eine  Form  erwähnt,  nämlich  den  Stillstand  der  Athmung  auf 
dem  Wege  des  Reflexes  bei  Zuleitung  allzu  concentrirter  IMlmpfe.' 
Solche  üble  Zufalle  sind  leider  schon  in  ziemlicher  Zahl  eonstatirt; 
meist  kommt  dann  ebenfalls  auf  reflectorischem  Wege  Trismus,  sowie 
eine  krampfhafte  Contraction  des  Pharynx  und  Retraction  der  Zun- 
genwurzd  gegen  die  hintere  Phar3mxwand  zu  Stande.  Dauert  eine 
solche  Unterbrechung  der  Respiration  auch  nur  1  Minute,  so  folgte 
meist  unter  Oonrulsionen,  Erstickungstod.  Diese  asphyctischen  Zu- 
fiele treten  als  Reflexvorgänge  im  Anfange  der  Narkose  ein  zu  einer 
Zeit,  t^o  noch  Reflexerregbarkmt,  meist  sogar  gesteigerte»  besteht. 
In  dem  Stadium  der  tiefen  Narkose  kann  Asphyxie  sich  entwickeln, 
wenn  infolge  angehobener  Innervation  die  Zunge  vermöge  ihrer 
Schwere  zurtteksinkt  und  den  Kehlkopfeingang  abschliesst. 

Die  üblen  Zuf&lle  auftretender  Herzlähmung  begreifen  sich  aus 
der  arwälmten  directen  Wirkung  des  Chi.  auf  die  Herzeneigie,  deren 
Herabsetzung  die  Venosität  des  Blutes  bedingt.  Je  höher  der  Grad 
der  Anämie,  je  geringer  also  die  Quantität  der  sauerstofitragenden 
rothen  Blutkörperchen  ist,  um  so  schneller  wird  sich  der  Grad  der 
Venosität  ausbilden,  bei  dem  die  Erregbarkeit  der  sogenannten  vitalen 
Nervencentra  erlischt,  um  so  eher  also  sich  Syncope  entwickeln. 
Aehnlich  ist,  wie  K.  des  Weiteren  ausführt,  der  Einfluss  des  Fett- 
herzens; die  mangelhafte  Herzkraft  führt  hier  zur  ungenügenden 
Füllung  des  ctrteriellen  Systems,  zu  einer  Verlangsamung  des  Kreislaufs 
und  höheren  Venosität  des  Blutes,  und  mithin  zu  einer  schon  unter  ge- 
wönlichen  Verhältnissen  vorhandenen  Dyspnoe.  Erfährt  nun  durch  das 
Chi.  die  Herzenergie  und  der  Blutdruck  eine  noch  weitere  Herabsetzung, 
so  kommt  es  zu  plötzlicher  Herzinsufficienz.  Häufig  wirken  beide 
Momente,  Asphyxie  und  Syncope  zusammen ,  und  im  einzelnen  Falle 
ist  es  dann  schwer,  anzugeben,  was  auf  Rechnung  der  Asphyxie  und 
was  auf  die  Syncope  kommt.  Nach  diesen  ursächlichen  Momenten 
hat  Verf.  137  in  der  Literatur  verzeichnete  Todesfälle  tabellarisch 
zusammengestellt;  darnach  wäre  Syncope  annähernd  3  Mal  so  häufig 
aufgetreten,  als  Asphyxie  (Verhältniss  wie  73:27).  Angesichts  dieser 
bedauerlichen  Zufälle  würde  die  Frage  ventilirt  werden  müssen,  giebt 
es  Contraindicationen  gegen  die  Narkose?  Absolute  Contraindica- 
tionen  sind  nach  K.  streng  genommen  nicht  vorhanden;  doch 
mahnen  einzelne  hochgradige  Erschöpfungszustände,  so  acute  Anämie, 
der  mit  erheblichen  Oirkulationsstörungen  einhergehcnde  Shok,  vorge- 
schrittene Cachexieen,  endlich  das  Fettherz,  insbesondere  die  anämische 
Form  desselben  aus  den  oben  erwähnten  Gründen  zur  äussersten  Vor- 

2» 


20  Centralblatt  für  CHirurgie.    No.  2. 

sieht  bei  der  Einleitung  und  üeberwachung  der  Narkose.  —  Die  Sym- 
ptome^ die  zur  Diagnose  des  Fettherzens  leiten,  werden  erörtert, 
wobei  dem  in  neuester  Zeit  als  progressiv-pemiciöse  Anämie  zusam- 
mengefassten  Symptomencomplex  von  Anämie^  Hydraemie  und  Fett- 
herz höheren  Grades  mit  den  daraus  entspringenden  Folgezuständen, 
vornehmliche  Berücksichtigung  zu  Theil  wird. 

Da  Verunreinigungen  des  Chi.  bald  eine  lästige  Verlängerung 
des  Excitationsstadiums,  bald  unregelmässige  Respiration^  bald  unan- 
genehme Folgen  nach  der  Narkose  (starker  Kopfschmerz,  Uebelkeit, 
Erbrechen]  nach  sich  ziehen,  so.  ist  vor  Allem  darauf  zu  sehen,  dass 
man  ein  chemisch  durchaus  reines  Präparat  zur  Verfugpmg  hat.  K. 
erörtert  deshalb  die  Eigenschaften,  die  reines  Chi.  haben  muss,  und 
die  chemischen  Proben  mittelst  deren  etwaige  Verunreinigungen  nach- 
gewiesen werden. 

Zum  Schluss  bespricht  E.  Modalitäten  in  der  Verabreichung  und 
die  Mittel,  die  bei  drohenden  Unfällen  in  der  Narkose  mit  Erfolg  in 
Anwendung  gezogen  werden  können.  Es  liegt  auf  der  Haud^  dass 
alle  unsere  Eingriffe  nur  dann  von  Erfolg  gekrönt  sein  können,  so 
lange  die  vitalen  Centra  ihre  Erregbarkeit  noch  nicht  vollständig  ein- 
gebiisst  haben.  Bei  drohender  Asphyxie  ist  vor  Allem  das  Einströmen 
reiner  Luft  in  die  Lungen  möglichst  zu  erleichtem;  man.  erreicht 
dies  am  sichersten  und  schnellsten  durch  Hervorziehen  der  Zunge^ 
da  dadurch  der  Eehlkopfeingang  und  somit  die  Passage  zu  den 
Lungen  freigelegt  wird.  Kommt  hierdurch  allein  die  regelmässige 
Athmung  nicht  schnell  in  Gang,  so  muss  man  sofort  die  künstliche 
Respiration  einleiten.  Auch  bei  der  Sjmcope  beruht  auf  diesen  Mass- 
nahmen alles  Heil,  das  überhaupt  noch  zu  erwarten  ist;  durch  Zu- 
führung möglichst  sauerstoffhaltiger,  chloroformfreier  Luft  kann  man 
noch  am  ehesten  hoffen,  die  gesunkene  Erregbarkeit  der  Herzcentren 
wieder  allmälig  zur  Norm  zurückzufuhren.  Es  muss  aber  die  künst- 
liche Respiration  möglichst  früh  eingeleitet  und  möglichst  consequent 
fortgesetzt  werden,  unter  Umständen  ^2  Stunde  lang  und  darüber; 
wenigstens  zeigen  jüngst  veröffentlichte  Erfahrungen  von  Böhm, 
dass,  wenn  nach  Eintritt  des  Herzstillstandes  infolge  gewisser  Herz- 
gifte die  künstliche  Respiration  consequent  zur  Anwendung  kommt^ 
es  dann  zuweilen  noch  nach  40  Minuten  gelingt,  das  Thier  zum 
Leben  zurückzuführen,  indem  das  Herz  wieder  zu  pulsiren  beginnt. 
Für  die  künstliche  Athmung  empfiehlt  sich  ausser  der  allgemein  ge- 
übten rythmischen  Thoraxcompression  auch  die  bekannte  Methode 
von  Silvester,  oder  die  Faradisation  der  Nn.  phrenici.  Bei  Thier- 
versuchen  hat  K.  zu  einer  Zeit,  wo  alle  anderen  Mittel  im  Stiche 
Hessen,  Respirationsbewegungen  dadurch  wieder  hervorgerufen,  dass 
er  die  unarmirten  Pole  des  Inductionsapparats  in  die  Nasenlöcher 
brachte  und  10  —  20  Minuten  lang  kräftige  Ströme  hindurch- 
schickte, ein  Verfahren,  für  welches  ein  theoretisches  Verständ- 
niss  sich  noch  nicht  hat  gewinnen  lassen.  In  verzweifelten  Fäl- 
len   greife    man    endlich    noch    zur   Acu-    oder   Electropunctur   des 


CentralblaU  fax  Chirurgie.    No.  2.  21 

Herzens^  für  deren  Ausführung  die  Stein  er 'sqhen  Vorschriften  em* 
pfohlen  werden. 

Wegen  des  uns  zubemessenen  Baumes  müssen  wir  es  uns  ver- 
sagen^ auf  die  einzelnen  interessanten  Details  der  Arbeit  einzugehen ; 
wir  verweisen  deshalb  auf  das  Original,  woselbst  auch  die  wichtigsten 
Literaturangaben  zusammengestellt  sind.        J,  Maiik  (Strassburg  i/£.). 


P.  Foa  und  M.  Schiff.      La  pupilla  come  estesiometro  — 

Ricerche  sperimentali. 

(L'Impaniale  1874.  No.  20,  21,  22.) 

Die  Veröffentlichung  der  vorliegenden  Arbeit  wurde  durch  einen 
Artikel  von  Budin  veranlasst  (De  Tetat  de  la  pupille  etc.  Progräs 
medical  5.  Sept.^  Centralbl.  f.  Chir.  1874,  pag.  526).  Dieser  fand  näm- 
Uck,  äasB,  sobald  durch  Chloroformirung  die  Sensibilität  aufgehört  hat, 
die  Pupille,  welche  bis  dahin  erweitert  war,  sich  plötzlich  verengere. 
Anfangs  bedingt  jeder  starke  Reiz  eine  vorübergehende  Dilatation  der 
Pupille ;  setzt  man  jedoch  die  Chloroformirung  fort,  so  hört  diese  Re- 
flexdilatation der  Pupille  auf.  Von  da  an  ist  die  Anästhesie  vollständig  und 
dies  der  geeignete  Zeitpunct  zur  Ausfuhrung  schmerzhafter  Operationen. 

F.  und  S.  stellten  seit  2  Jahren  Versuche  an,  um  einen  Maass- 
stab für  die  Sensibilität  zu  finden,  welcher  unabhängig  von  den  Be- 
wegungen des  Thieres  wäre ;  sie  suchten  und  fanden  diesen  Maassstab 
in  der  Pupille.  Wenn  ein  Hund  oder  eine  Katze  durch  Curare  ver->- 
gifltet  wird,  so  dass  das  Leben  diirch  künstliche  Respiration  erhalten 
werden  muss,  so  bleibt  die  Pupille  dennoch  durch  einige  Zeit  für 
die  Lichtstrahlen  empfindlich,  welche  auf  die  Retina  fallen.  Bei 
gleichem  Lichte  von  mittlerer  Intensität  bedingt  jeder  sensible  Reiz 
irgend  einer  Körperpartie  sofort  eine  Erweiterung  der  Pupille.  Diese 
Dilatation  scheint  stärker  zu  sein,  als  dem  bestimmten  Reize  bei  nicht 
corarisirtem  oder  normalem  Thier  entsprechen  würde.  Die  Dilatation 
der  Pupille  tritt  auch  ein  —  und  dies  ist  fär  die  chirurgische  Praxis 
von  besonderer  Wichtigkeit  —  wenn  der  sensitive  Reiz  nicht  schmerz- 
haft ist,  sondern  blos  eine  Tastempfindung  in  einer  gewissen  Aus- 
dehnung des  Körpers  hervorruft.  Wenn  man  z.  B.  das  Hinterbein 
eines  tief  curarisirten  Hundes  blos  anfasst,  ohne  Druck  oder  irgend 
welche  Kraft  auszuüben,  so  erweitert  sich  die  Pupille.  Ebenso  bringt 
die  Berührung  der  Nase,  Zunge,  Brust  etc.  eine  leichte  und  vorüber- 
gehende Pnpillenerweiterung  zu  Stande.  Alle  diese  Reflexerweiterun- 
gen hören  nach  Durchschneidung  des  verlängerten  Markes  auf,  ebenso 
nach  Durchschneidung  des  Pupillatnerven  des  Sympathicus. 

Was  die  Chloroformnarkose  anlangt,  so  konnten  F.  und  S.  bei 
11  Versuchen  an  Thieren  nur  4  Mal  gegen  das  Lebensende  hin  eine 
Verengerung  der  Pupille  wahrnehmen;  bei  den  übrigen  7  Thieren 
blieb  die  Pupille  weit,  obwohl  sie  sämmtUch  zu  Tode  chloroformirt 
wurden.    Gewiss  ist  ferner,  dass  man  auch  beim  Menschen  voUkom-^ 


22  CentiÄlblatt  für  Chirurgie.    No.  2. 

meue  Erschlaffung  d^rch  Chloroform  erzielt^  noch  lauge  bevor  sick 
die  Pupille  contrahirt.  Die  Erweiterung  ist  bedingt  durch  einen  Beie- 
zustand  des  Sympathious.  Beim  Chloral  finden  wir  das  Umgekehrte^ 
nämlich  von  Anfang  an  eine  starke  Verengerung.  Der  Antagonia- 
mus^  welcher  zwischen  Chloroform  und  Chloral  existirt,  tritt  am  besten 
durch  folgenden  Versuch  zu  Tage :  Injicirt  man  einem  Hunde  Chloral 
in  eine  Vene^  so  tritt  eine  sehr  starke  Myose  ein;  lässt  man  diesen 
durch  Chloral  narkotisirten  Hund  Chloroform  einathmen,  so  erweitert 
bich  die  Pupille  sofort  bis  auf's  Dreifache^  entfernt  man  das  Chloro* 
form,  tritt  wieder  Myose  ein  und  so  lässt  sich  dieses  Spiel  der  Pupille 
willkürlich  bis  4  Mal  hinter  einander  wiederholen.  Diese  Thatsache 
dürfte  wohl  jene  Hypothese  stürzen,  wonach  das  Chloral  nur  dadurch 
wirksam  sein  soU^  dass  es  sich  im  Körper  in  Chloroform  umwandelt. 

Menzel  (Triest). 

H.  Essig.     Pathologisch -histologische  Untersuchungen    über 

Lupus. 

(Arch.  d.  Heükunde  1874.  Jahrg.  XV.  p.  404-416.) 

Nach  kurzer  Besprechung  der  Ansichten  früherer  Untersucher» 
von  denen  die  Einen  den  Lupus  als  Bindegewebswucherung  oder 
Granulationsvorgang  auffajssten^  Andere  ihn  von  dem  rete  Alalpighii 
oder  den  Hautdrüsen  seinen  Ausgang  nehmen  liessen^  noch  Aiidere 
endlich  ihn  mit  localer  Tuberculose  in  enge  Beziehung  brachten»  er- 
klärt Verf.»  dass  er  sich  keiner  dieser  Ansichten  ganz  anschliessen 
könne  nach  Untersuchung  von  15  Lupusfallen»  welche  als  Spiritus-^ 
Präparate  in  der  Leipziger  pathologischen  Sammlung  aufbewahrt  wur* 
den.  Verticalschnitte  durch  die  ganze  Dicke  der  Cutis  verschafiiten 
ihm  Einsicht  in  die  Beziehung  von  Bindegewebe  und  Epithel  zu  ein- 
ander. Die  beiden  ersten  Präparate  (das  eine  ist  als  L.  syphiliticus 
mit  i  bezeichnet)  betreffen  Lupus  der  Hand;  in  beiden  ist  bemerkens- 
werth  eine  starke  Infiltration  des  Coriums  mit  Rundzellen,  welche 
den  Gefässen  folgen  und  um  dieselben  stellenweis  zu  grösseren  Haufen 
vereinigt  sind.  —  Die  folgenden  5  Präparate  (eins  von  unbekannter 
Hautstelle»  je  eins  vom  Oberarm,  Oberschenkel»  Gesicht  und  Vorder- 
arme) zeigen  ebenfalls  eine  Rundzelleninfiltration»  doch  keine  abge- 
grenzten Kundzellenhaufen ;  hervorzuheben  ist»  dass  beim  5.  Präpa- 
rat (Oberschenkel)  lange  Zapfen  vom  sehr  breiten  rete  Malpighii  «ich 
in  die  Tiefe  erstrecken,  beim  7.  (Vorderarm)  in  einem  Schnitte  sich, 
ein  rundlicher  Zellenhaufen  fand»  in  dem  keine  injicirten  Gefässe  zu 
sehen  sind  und  der  von  der  zelleninfiltrirten  Umgebung  durch  »einen 
Bing  von  lichterem,  nicht  infiltrirtem  Bindegewebe«  geschieden  ist. 
Ausserdem  sollen  einige  Stellen  das  Bild  eines  Spindelzellensarcoms 
dargeboten  haben. 

An  2  weiteren  Präparaten  (VIII  u.  IX  von  der  Wange  und  vom 
Nagelfelz  der  grossen  Zehe)  fanden  sich  von  Gefässkränzen  umgebene 
Rundzellenhaufen»  welche  in  ein  Beticulum  eingelagert  sind»  und  in 


CenttalblaU  für  Chirurgie.   No.  2.  23 

der  Mitte  cfaarakteiuitiflcke  Rießensellen  erkennen  lassen.  (Der  Kranke, 
von  dem  das  Präparat  VIII  stammt,  ist  an  allgemeiner  Miliartuber- 
culoae  gestorben ;  im  Fall  IX  findet  sich  nebenbei  auch  diffuse  Bundf- 
Zelleninfiltration  in  Corium  und  Unterhautaellgewebe.) 

F^parat  X  ist  in  der  Sammlung  als  Lupos  hypertrophicus  von 
unbekamiter  Hantstelle  beoeitihnet.  Man  erkennt  am  Hautstück  weiss- 
liche  Knötchen,  »welche  bei  leichtem  seitlichen  Druck  eintSL  gelblich 
weissen  Pfropf  entleeren«.^  Diese  besteb^a  aus  EpithelceUen.  Das 
ganze  Cutisgewebe  ist  bis  dicht  unter  die  normale  Epidermis  in  cyto^ 
genes  Gewebe  umgewandelt.  Dieses  wird  durch  dickere  und  dünnere 
Bindegewebsziige  in  rutidliche  Alveolen  getheilt.  Hier  erUickt  man 
jgxosse^  Tielzackigey  granulirte  Zellen  mit  reichlichen  Kernen  von 
ovaler  Form  mit  mehreren  Kemkörperchena. 

In  den  3  folgenden  mit  Lupus  bezeichneten  Präparaten  finden 
sich  Convolute  von  Ejnthelkolben  in  der  Cutis,  umgeben  von  Rund- 
zell^iinfiltration ;  doch  soU  ein  Zusammenhang  mit  dem  rete  Malpighii 
nicht  zu  erkennen  gewesen  sein.  Der  eine  Fall  machte  ganz  den 
Eindruck  eines  Schweissdrüsenadenoms  neben  Talgdrüsenadenom. 

Die  beiden  letzten,  unter  der  Bezeichnung  Lupus  aufbewahrten 
Präparate  der  Sammlung  sind  unzweifelhaft  zwei  sehr  tie%reifende 
Epithelialcarcinome  des  Gesichts,  welche  zu  enormen  Zerstörungen 
geführt  hatten. 

Da  nun  alle  diese  Fälle  schon  beim  Leben  der  Kranken  wegen 
Beschaffenheit,  Sitz,  Verlauf  etc.  des  Uebels  als  Lupus  diagnosticirt 
waren,  da  femer  die  Ansichten  der  Anatomen  über  die  Histologie 
des  Lupus  sehr  verschieden  seien,  so  hält  sich  Verf.  für  berechtigt, 
die  gesammte  Zahl  der  Präparate  für  Lupusfälle  zu  nehmen.  Verf. 
fahrt  fort:  »Wenn  ich  aber  alle  diese  Fälle  Lupus  nenne,  so  spreche 
ich  damit  aus,  dass  Lupus  kein  pathologisch-histologischer,  sondern 
ein  klinischer  Begriff  is^  unter  dem  man  sich  etwa  einen  Beizzustand 
der  Cutis  denken  kann,  welcher  zu  abnormer  Wucherung  der  Ele- 
mente der  Cutis  fuhrta.  Die  5  letzten  Fälle  theilt  Verf.  dem  Adenom 
und  Carcinom  zu,  während  die  ersten  7  Fälle  wohl  den  »eigentlichen 
Luptis«  repräsentiren  (die  Bundzellen  sind  hier  ausgewanderte  weisse 
Blutkörperchen) ,    Fall  X   Lupus  mit    cytogenem   Gewebe    darstellt, 

und  in  Fall  VIII  und  IX  sich  Hauttuberculose  findet. 

•  A.  Bidder  (Mannheim). 

J.  Wolflf  (Berlin).     Zur  Knochenwachsthumsfrage. 

(Virch.  Archiv  1ST4.  Bd.  LXI.) 

Die  vorliegende  Arbeit  ist  im  Wesentlichen  eine  Ausfuhrung  imd 
Wiederholung  eines  früheren  Artikels  des  Verf.'s  »über  die  innere 
Architectur  der  Knochen  und  ihre  Bedeutung  für  die  Frage  vom 
Knochenwachsthum«  (Virch.  Archiv  Bd.  L,  Hft.  3)  und  zwar  will 
W.  »die  Unhaltbarkeit  der  Appositionstheorie«  beweisen:  1)  aus  rein 
anatomischen  Betrachtungen   der   inneren  Architectur    der  Knochen 


24  Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  2. 

und  2)  aus  der  Betrachtung  der  physiologischen  oder  mathematischen 
Bedeutung  dieser  Arcliitectur«.  Es  würde  hier  zu  weit  fuhren^  die 
Gründe  einzeln  zu  nennen,  welche  W.  für  ein  rein  interstitielles 
Wachsthum  anführte.  Die  nach  seinen  ersten  Untersuchungen  an- 
gestellten Experimente  von  Lieberkühn,  Wegner,  Kölliker, 
dem  Ref.  u.  A.,  welche  gegen  diese  Theorie  sprechen,  sind  für  W. 
nicht  beweisend,  während  er  in  Strelzoff  einen  Vertreter  seiner 
Ansicht  sieht  (der  sich  aber  bekanntlich  Wiederholt  gegen  eine  Iden- 
tität seiner  Anschauungen  über  interstitielles  Knochenwachsthum  mit 
denen  von  W.  verwahrt,  Ref.).  Stets  kommt  W.  darauf  zurück,  dass 
die  in  allen  Lebensaltern  geometris'ch  ähnliche  Archi- 
tectur  der  Knochen  die  Annahme  einer  Apposition  aus- 
schliesse. 

Der  2.  Theil  der  Arbeit  beginnt  damit,  dass  W.  die  Ansicht  von 
Merkel  bestreitet,  welcher  die  grösste  Belastung  in  dem  TheUe  des 
Femur  sucht,  auf  dem  der  Trochanter  minor  aufsitzt,  dem  von  Mer- 
kel sogenannten  Schenkelspom,  und  zwar  weil  die  Merkersche 
Ansicht  nicht  mit  der  Berechnung  des  Prof.  der  Mathematik  Cul* 
mann  über  die  Belastung  des  Femur  stimmte.  Sodann  bringt  W.  die 
Auseinandersetzungen  des  Prof.  Gross  mann,  Lehrer  der  graphischen 
Statik  an  der  Berliner  Gewerbe- Akademie,  nach  denen  ein  appositionelles 
Wachsthum  deswegen  nicht  möglich  sein  soll,  weil  nicht  sämmt- 
liche  Trajectorien  einander  ähnlich  sind,  während  eine 
Juxta-Apposition  bei  geometrischer  Aehnlichkeit  aller  Trajectorien 
sehr  möglich  und  auch  aus  dem  Wachsthum  der  Bäume  hinlänglich 
bekannt  ist.  (In  seiner  ersten  Arbeit  [u.  A.  1.  c.  p.  429]  und  auch 
sonst  erklärte  W.  die  geometrische  Aehnlichkeit  der  Knochenarchitec- 
tur  in  den  verschiedenen  Altersstufen  für  unvereinbar  mit  der  Lehre 
vom  appositioneUen  Knochenwachsthum!  Ref.)  Femer  setzt  Verf.  noch 
einmal  die  physiologische  Bedeutung  der  Druck-  und  Zugbalken  der 
Spongiosa  auseinander  und  deducirt  daraus,  dass  bei  einer  Apposition 
und  Resorption  »ein  unaufhörlicher  chaotischer  Umsturz  der  bestehen- 
den und  eine  ebenso  unaufhörliche  chaotische  Neubildung  anders  ge- 
richteter Druck-  und  Zugbalken  nothwendig  werde«.  W.  behauptet  dann 
noch,  dass  er  durch  den  du  Ha mel 'sehen  Ringversuch  und  durch  die 
Einbiegung  (?  Ref.)  der  H  avers  'sehen  Canäle  dargethan  habe,  dass  das 
Dickenwachsthum  der  Knochen  kleiner  Thiere  in  noch  viel  grösserem 
Maassstabe,  als  das  Längenwachsthum  durch  expansive  Yoigänge  statt- 
finde. Als  Nachtrag  kommt  W.  noch  auf  die  Arbeit  von  G.  Wegner 
(Vir eh.  Archiv  f.  path.  Anat.  Bd.  LXI,  Hfk.  1,  Centralbl.  f.  Chir.  1874, 
p.  4  66) ,  welcher  sich  nach  seinen  Experimenten  durchaus  für  appositionel- 
les Knochenwachsthum  ausspricht.  W.  behauptet  u.  A.,  dass  Wegner 
nicht  sorgfältig  genug  gearbeitet  und  namentlich  experimentirt  habe, 
»wie  es  für  die  subtilen  Knochenwachsthums-Untersuchungen  erfor- 
derlich sei«,  dass  in  den  der  Arbeit  beigegebenen  Figuren  gegen 
Wegner's  Behauptungen  sprechende  Differenzen  von  ȟber  2  und 
8   Mm.«'  mehrfach   herauszumessen   seien.      (Die   letzte  Bemerkung, 


Centralblatt  fdr  Chirurgie.     No.  2.  25 

wddie,  mit  grosser  Sicherheit  hingestellt^  die  Sesultate  der  soigfiQ- 
tigen  Wegner 'sehen  Arbeit  als  zweifelhaften  Werthes  hinzustellen 
suchte  veranlasst  den  Ref.,  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass  in 
allen  Fällen^  in  denen  genaue^  auf  die  beig^ebenen  Zeichnungen 
bezügliche  Maasse  von  Wegner  mitgetheilt  sind  (Taf.  III,  Fig.  8 
u.  9  und  Taf.  IV,  Fig.  10  u,  11  seiner  Arbeit),  die  angegebenen 
Maasse  genau  stimmen.  Was  die  sonstige  Beweisführung  von  W. 
betrifft^  8o  ist  sie  mit  Ausnahme  der  Erklärung  einiger  Experimente, 
die  von  allen  Seiten  als  nicht  zutreffend  widerlegt  ist,  rein  theore- 
tisch oder  mathematisch^  und  wenn  nach  der  Angabe  von  W.  [Vir eh. 
Archiv  Bd.  L,  p.  430]  Bkein  einziger  der  von  ihm  befragten  Mathe- 
matiker sich  etwa  für  incompetent  erklärt  hat,  in  dieser  rein  medi- 
cinischen  Frage  [d.  h.  des  Ejüochenwachsthums]  sein  XJrtheil  abzu- 
geben«^ 80  werden  doch  wohl  viele  unserer  Leser  ebenso  wie  der 
Ref.  in  der  Würdigung  mathematischer  Beweisführung  nicht  dieselbe 
Gompetenz  für  sich  in  Anspruch  nehmen,  sondern  nach  den  so  leicht 
zu  wiederholenden  Experimenten  mit  den  Stiftehen,  dem  du  Hamel- 
schen  Ring  u.  s.  w.  vorläufig  noch  an  der  Lehre  vom  appositionellen 
Knochen wachsthum  festhalten.    Ref.)  Maas  (Breslau). 


C.  Heitzmaiin.     Untersuchungen  über  das  Protoplasma. 

(Sitzungsberichte  d.  Kaiserl.  Akademie  d.  Wissenschaften.  Bd.  LXVIII.  3.  Abth. 

Wien  1874.) 

H.  untersuchte  die  » Lebensphasen  des  Protoplasma«  und  mit 
Rücksicht  darauf  die  Entwicklung  und  Entzündung  des  Periostes, 
des  Knochens  und  Knorpels  von  neugeborenen  und  älteren  Hunden, 
von  Katzen  und  Kaninchen. 

Verf.  kehrt  bezüglich  der  Bindesubstanzen  zum  Standpunkte 
Rokitansky 's  zurück  (Sitzungsberichte  der  Wiener  Akademie,  1854), 
indem  er  der  bisher  ^^sogenannten  Intercellularsubstanz«  eine  besondere 
Productionsfahigkeit  vindicirt.  Verf.  stellt  eine  Anzahl  von  ihm  ge- 
fandener  »Thatsachena  (?  Ref.)  zusammen,  welche  den  Beweis  liefern 
sollen,  dass  eine  Cellidarpathologie  im  Sinne  Virchow's  nicht  mehr 
aufredit  zu  erhalten  sei.  Verf.  ist  der  Ansicht,  dass  es  in  den  Ge- 
weben des  Thierkörpers  keine  »Individuen«,  keine  i>Zellenc^  folglich 
auch  keine  »isolirten  cellularen  Krankheitsherde«  gebe.  Die  Gewebe 
werden  vom  Protoplasma  und  dessen  Derivaten  aufgebaut.  Das  Proto- 
plasma bleibt  in  den  Centren  der  Gewebseinheiten  erhalten,  während 
an  der  Peripherie  der  letzteren  »die  lebende  Materie«  von  Grundsub- 
Btanz  infiltrirt  ist.  Wird  das  centrale  Protoplasma  von  irgend  einer 
Schädlichkeit,  z.  B.  von  der  Entzündung  getroffen,  so  documentiren 
eich  die  dadurch  bedingten  Veränderungen  direct  oder  indirect  auch 
an  der  ganzen  Gewebseinheit  und  umgekehrt.  Diese  Veränderungen 
bestehen  beim  Entzündungsprocesse  in  einer  »Lösung  dex  Grundsub- 
stanz ia  erster,  und  in  einer  vermehrten  Erzetigung  ihres  Gleichen 


26  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  2. 

von  Seite  der  lebenden  Materie  in  zweiter  Linie«.  Innerhalb  ein^B 
Gewebes  kann  nur  »die  lebende  Materie«  Ernährungsstörungen  erlei* 
den,  )>gleichviel  ob  sie  von  Protoplasmafiüssigkeit  umspült,  oder  von 
einej'  Grundsubstanzmauer  umgeben  ist«.  Nur  »die  lebende  Materie« 
ist  productionsfilhig.  Nickt  die  Zelle  und  auch  nicht  der  lebendige 
Antheil  der  Zelle  allein;  wächst  und  vmchert,  es  wächst  und  wuchert 
im  Gewebe  Alles,  was  lebensfähig  ist,  also  auch  der  in  der  Grund- 
substanz eingeschlossene  Antheil  »der  lebendigen  Materie«.  *- 

»Von  einer  Humoral-  oder  Solidarpathologie  wird  fernerhin  ebenso 
wenig  die  Bede  sein  können,  wie  von  einer  Cellularpathologie.  Es 
giebt  eben  keine  andere  Pathologie,  als  die  der  lebenden  Materie. 
Nur  das,  was  lebt,  kann  krank  werden«. 

(Die  Details  dieser  Deductionen  bezüglich  der  Entwicklung  und 
Entzündung  des  Periostes,  des  Ejiochens  und  Knorpels  siehe  im  Ori- 
ginal. Bef.  kann  aber  nicht  die  Bemerkung  unterdrücken,  dass  er 
beim  Lesen  der  vorliegenden  Abhandlungen  durchaus  nicht  den  Ein- 
druck gewinnen  konnte,  als  ob  es  sich  hier  um  erwiesene  »Thatsacben« 
handele.)  Tülmanns  (Leipzig). 


F.  Hoftaann.     lieber   Entstehung    von  Harnsteinen    durch 

fremde  Körper  in  der  Blase. 

(Arch.  d.  Heilkunde  1874.  Jahrg.  XV.  p.  477—483.) 

Nach  einigen  einleitenden  kurzen  Bemerkungen  über  den  Nieder- 
schlag der  Harnsalze  in  der  Blase  und  Steinbildung  theilt  Verf.  in- 
teressante Beobachtungen  mit,  die  an  Blasensteinen  von  Zuchtböcken, 
welche  an  Harnverhaltung  zu  Grunde  gingen,  gemacht  wurden. 

Die  Steine  waren  erbsen-  bis  bohnengross,  einige  hatten  sich  in 
die  Harnröhre  geschoben.  Das  Aussehen  war  durchscheinend.  Sie 
waren  so  zart,  dass  sie  ohne  besonderen  Druck  leicht  zwischen  den 
Fingern  zerrieben  werden  konnten.  Die  aus  Tripelphosphat  bestehen- 
den Steine  lösten  sich  in  verdünnter  Essigsäure  auf,  »wobei  nur  ein 
sehr  geringes  flockiges  Gerüste  übrig  blieb«. 

Der  Wassergehalt  der  frisch  der  Blase  entnommenen  Steine  ist 
sehr  gross  (86,  897o)*  An  der  Luft  getrocknet  sind  sie  so  leicht, 
dass  sie  auf  Wasser  schwimmen. 

Die  Untersuchung  der  Flocken  organischer  Substanz,  w^elche 
nach  Lösung  der  Salze  in  Essigsäure  zurückblieb,  erwies,  dass  sie 
nicht  aus  Schleim  und  Epithel,  sondern  aus  einer  grossen  Menge  von 
Spermatozoen  bestanden.  In  die  Blase  getretener  Samen  musste  also 
hier  Veranlassung  zur  Steinbildung  gewesen  sein. 

Verf.  meint  nun,  dass,  wenn  die  Thiere  nicht  schon  so  fi-üh  an 
den  in  die  Harnröhre  gekeilten  Steinen  gestorben  wären,  sich  diese 
kleineu  porösen  Steine  durch  weiteren  Ansatz  compacter  Schichten 
vergrössert  haben  würden.  Wäre  dann  der  Stein  entfernt  worden, 
und  man  hätte  ihn  an  der  Luft  getrocknet  und  durchsägt,    so  wäre 


CentralbUtt  fdr  CMrurgi».    No.  2.  27 

der  lodLCf e  Kern  dabei  zerfidlen  und  der  Stein  böte  dann  das  An- 
sehen, als  hätte  er  von  Anfeaig  an  eine  Höhlung  besees^a.  Ob 
beim  Menschen  Aehnliches  torkäme,  sei  noch  nicht  durch  directe 
ÜBtersuchiing  bewiesen.  k.  BMder  (liannbeim). 


C.  OiacommL   Osservazioni  anatomiche  per  servire  allo  studio 
della  circolazione  venosa  delle  estremitä  inferiori. 

(AccademiB  di  Medicina  di  Torino  11,  18,  25  Luglio  1873.) 

Wir  entnehmen  der  83  Seiten  zählenden  Sehrift  nur  das,  was 
für  den  Chiimgen  von  bewnderem  Interewe  sein  kann. 

Die  artcna  popUtea  und  femoralis  ist  nicht  selten  von  zwei  und 
mehr  Venen  begleitet,  zuweilen  ist  sie  von  einem  förmlichen  Plexus 
venosus  so  umstrickt,  dass  die  Isolirung  der  Arterie  ohne  Veneaver- 
letzung  unmöglich  ist.  In  anderen  Fällen  findet  das  entgegengesetzte 
statt ;  die  Vene  verläuft  von  der  Arterie  getrennt  und  würde  in  diesem 
Falle  die  Unterbindung  der  letzteren  erleichtert  sein. 

Was  die  Entstehung  der  Varicen  betrifft,  so  leitet  sie  G.  von 
einer  Insufficienz  der  Klappen  jener  Venen  her,  welche  die  Verbin- 
dung zwischen  tiefen  und  hochliegenden  Venen  vermitteln.  Injec* 
tionen  an  der  Leiche  in  die  vena  tibialis  posttca  füllen  alle  tiefen 
Venen,  nie  aber  die  hochliegenden,  weil  eben  die  Klappen  der  anasto- 
mosirenden  Venen  den  Weg  dahin  absperren,  dahingegen  gelingt  es 
stets  durch  Injection  einer  der  subcutanen  Venen  auch  die  tiefliegen- 
den zu  füllen.  Wenn  nun  durch  irgend  einen  (bisher  unbekannten) 
Gnmd  die  Klappen  der  Verbindungsvenen  insufficient  werden,  so  wird 
bei  jeder  Muskelbewegung  das  Blut  nach  den  oberflächlichen  Venen 
hin  »itweichen  und  dieselben  ausdehnen.  Measel  (Trieflt). 


Sonnenbiirg.     Zwei  Fälle  von  Malum  perforans  pedis. 

(DeuUche  ZeitBchrtft  f.  Chirurgie  Bd.  IV.  Hft.  5  u.  6.) 

Die  Fälle  sind  in  der  Strassbuxger  Klinik  beobachtet.  1.  Fall.  Eine 
Frau  von  42  Jahren  litt  seit  ihrem  14.  Lebensjahre  an  Anästhesie  der 
rechten  Fusssohle,  bedingt  durch  einen  Sensenschnitt,  welcher  die 
Weichtheile  der  rechten  Wade  in  der  Mitte  des  Unterschenkels  bis  auf 
den  Knochen  quer  durchtr^ant  hatte. 

Nach  einer  längeren  Anstrengung  schwollen  beide  Füsse  an,  und 
an  der  rechten  Ferse  bildete  sich  (vor  einem  Jahre)  ein  Geschwür, 
das  zur  Zeit  der  Beobachtung  kreisrund  war,  mit  einem  Durchmesser 
Yon  22  Mm.,  dessen  Ränder  von  dicker  zerklüfteter  Epidermis  bedeckt 
waren,  das  fast  cylindrisch  in  die  Tiefe  bis  an  den  normal  geblie- 
l>enen  Calcaneus  drang.  Die  Basis  des  Geschwüres  war  von  Zotten 
besetzt. 

Seine  Umgebung  ganz  anästhetisch.    Verschiedene  Verbandmittel 


28  Centralblatt  für  Cbinugie.    No.  2. 

blieben  erfolglos,  nach  Auslöffelung  und  Cauterisation  mit  dem  Glüh- 
eisen  wurde  der  Substansverlust  etwas  kleiner,  ohne  jedoch  zu  heilen. 

2.  Fall.  Ein  Taglöhner  von  35  Jahren  (Potator)  bekam  ohne 
bekannte  Ursache  an  der  linken  Ferse  eine  Geschwulst,  die  nach  t4 
Tagen  aufbrach  und  den  Ausgangspunkt  für  ein  Gesdiwür  bildete, 
das  den  gleichen  Charakter  und  ahnliche  Dimensionen  hatte,  wie  dks 
in  dem  1.  Falle. 

Die  Sensibilität  in  der  Umgebung  des  Geschwüres  war  beträcht- 
lich herabgesetzt.  Nach  Auslöffelung  und  Aetznug  mit  dem  Ferrum 
candens  trat  unter  fortwährend,  reizender  Behandlung  Heilung  ein, 
doch  erst  nach  12  Wochen. 

Verf.  schliesst  sich  der  Ansicht  Duplay's  an,  dass  beim  Mal 
perforant  du  pied  eine  Nervendegeneration  der  Geschwürsbildung  vor- 
ausgehe —  wenigstens  ist  dies  bei  dem  1.  Falle  unzweifelhaft,  beim 
zweiten  wahrscheinlich.  (^wsviij  (Wien). 

G.  LecchinL    Degli  efFetti  utili  de  cloralio  idrato  nel  periodo 

acuto  della  uretrite  blenorragica. 

(Rivista  clinica  di  Bologna  1874.  No.  11.) 
Auf  Vorschlag  des  Dr.  Parona  versuchte  L.  10  Fälle  von  acutem 
Harnröhrentripper  mit  Injectionen  von  Chloralhydrat  (1 :  100)  zu  be- 
handeln. In  fast  allen  Fällen  wurden  die  lästigsten  Symptome  des 
Trippers  (Schmerzen,  Erectionen  etc.)  in  wenigen  Tagen  vertrieben; 
in  einigen  Fällen  trat  sogar  ebenfalls  in  wenig  Tagen  vollkommene 
Heilung  ein;  in  andern  musste  zur  Beseitigimg  des  Secretes  zu  an- 
dern Injectionen  (schwefelsaures  Zinkoxyd)  die  Zuflucht  genommen 
werden.  L.  hält  nach  oben  Gesagtem  die  Chloralinjectionen  immerhin 
für  eine  erwünschte  Bereicherung  der  Therapie.         Menzel  (Triest). 


H.  SohuBsler.     Ueber  das  »Mal  perforant  du  pied«. 

Inaug.-DUs.    Kiel,  1874.    K.  von  Wechmar's  Verlag. 

Verf.  polemisirt  in  seiner  fleissigen  Arbeit  gegen  die  Auf&ssung 
de8  Mal  perforant  als  einer  Krankheit  sui  generis.  Sämmtliche  ihm 
zugängliche  Literatur  hat  S.  durchmustert  und  gefunden,  dass  alle 
publicirten  Fälle  ungezwungen  eine  einfache  Deutung  zulassen.  Als 
IJnicum  steht  der  Fall  von  N 61a ton  (Pathol.  chirurg.  V,  p.  975) 
da,  den  man  mit  Eskander  für  Lepra  anaesthetica  halten  muss.  In 
allen  andern,  nach  N^laton  veröffentlichten, Fallen  lassen  sich  die 
als  Mal  perforant  beschriebenen  Ulcerationen  auf  pathologische  Druck- 
producte  zurückführen.  Die  Malignität  «derselben  kann  ihren  Grund 
haben  in  einer  fortgesetzten  chronischen  Reizung,  oder  in  irrationel- 
ler Therapie,  oder  in  der  Ungunst  anatomischer  Verhältnisse  (indem 
ein  mit  einem  Gelenk  communicirender  Schleimbeutel  in  Mitleiden- 
schaft gezogen  wird],  oder  endlich  in  einem  constitutionellen  Leiden 


Centnlblatt  für  Chirurgie.    No.  2.  29 

(inveterirter  Syphilis^  deren  Diagnose  oft  allein  ex  juvantibuB  gestellt 
werden  mnss).  Aus  der  Kieler  Klinik^  resp.  Esmarch's  Privat- 
praxis  werden  2  Fälle  erzählt^  in  denen  das  ausgesprochene  Mal  per- 
foiant  auf  Syphilis  beruhte.  Näheres  s.  Original.  (Sonnenburg 's 
Aufsats:  Zwei  Fälle  von  Malum  perforans  pedis,  Deutsche  Zeit- 
schrift f.  Chir.  Bd.  IV^  p.  408  ist  später  erschienen,  konnte  deshalb 
vom  Verf.  nicht  benutzt  werden.     Ref.)  Petersen  (Kiel). 


S.  Scarpari.    Gli  apparecchi  inamovibili  nel  reumatismo  ar- 

ticolare  acuto. 

(RiviBta  clinica  di  Bologna  1874.  No.  11.) 

Bekanntlich  wurde  die  Anwendung  fixer  Verbände^  in  specie 
Wasserglasverbände  bei  der  Behandlung  des  acuten  Gelenkrheuma- 
tismus zuerst  Yon  Concato  und  Heubner  empfohlen.  Bef.  selbst 
hatte  Grelegenheit,  sich  von  der  ausgezeichneten  Wirkung  derselben 
zu  überzeugen.  Die  ruhige  Lage,  sowie  die  continuirliche  gleich- 
massige  Compression  benehmen  in  kürzester  Zeit  Schwellung  und 
Schmerz^  bei  gleichzeitigem  Abfall  des  Fiebers.  Es  lässt  sich  jedoch 
nicht  läugnen,  dass  bei  dieser,  wie  bei  jeder  anderen  Therapie  nicht 
selten  sofort  ein  neues  Gelenk  befallen  wird,  noch  bevor  das  fixirte 
zur  Norm  zurückgekehrt  ist.  S.  suchte  nun  zu  ermitteln,  ob  eine 
sofortige  Fixirung  aller  Gelenke  prophylactisch  und  abortiv  wirken 
möchte.  Die  2  Fälle,  welche  er  so  behandelte,  scheinen  seine  Er- 
wartung zu  bestärken.  Bei  einem  50jährigen  alten  Manne,  welcher 
schon  5  Mal  an  acutem  Gelenkrheumatismus  litt,  bei  dem  jedes  Mal 
^iast  alle  Gelenke  der  Reihe  nach  erkrankten,  und  der  jedesmal  etwa 
50  Tage  an's  Bett  gefesselt  war,  legte  S.,  sobald  unter  heftigem  Fie- 
ber, 39,4,  die  beiden  Kniee  zu  schwellen  begannen,  sofort  Verbände 
an  allen  Gelenken  an.  48  Stunden  darauf  trat  vollkommene  Apyrexie 
ein  und  es  erkrankte  kein  weiteres  Gelenk  zur  grossen  Ueberraschung 
des  Kranken,  welcher  das  Ueberspringen  von  einem  Gelenk  zum 
andern  mit  Sicherheit  erwartete.  SämmtUche  Verbände  blieben  10 
Tage  liegen,  worauf  der  Kranke  das  Bett  verliess. 

S.  gesteht  selber  ein,  dass  2  Fälle  allein  ein  Urtheil  nicht  er- 
lauben, betont  aber,  dass  dieselben  zu  weiteren  Versuchen  auffordern. 

Meniel  (Triest). 

Kleinere  Mittheilungen. 

Olinto  GraadesflO-Silvestri.    Sulla  economia  di  sangue  nelle  operazioni 

chirurgiche. 

(Oazz.  med.  ital.  prov.  ven.  anno  XVII.  No.  20.) 

Im  ersten  Theil  des  Aufsatses  yertheidigt  S.  die  Anschauung,  wonach  man  das 
in  phlegmonösen  oder  gar  brandigen  Gliedern  enthaltene  Blut  bei  der  Amputation 
ucht  ersparen  soll  und  hierin  wird  ihm  wohl  Jedermann  beipflichten,  dahingegen 
därfte  S.  mehrere  Gegner  finden,  wenn  er  seinen  Amputirten  anr&th,  sich  nadi  ge* 
schehener  Heilung  von  Zeit  zu  Zeit  zur  Ader  zu  lassen.    »Wenn  der  Körper  um 


30  Centralblatt  ftr  Chinirgie.    No.  2. 

cöne  grosse  ProTins  verstfimmelt  ist,  so  muss  unausbleiblich  eine  permanente  Ple- 
thora eintreten  (gleichgültig  ob  man  bei  der  Amputation  Blut  gespart  habe  oder 
nicht)  (?  Ref.).  Der  Grund  davon  ist  selbst  für  beschrankte  Köpfe  einleuchtend« 
(??  Ref.).     2  Earankheitsf&Ile  sollen  seine  Ansicht  stützen. 

Ein  Mädchen  irurde  wegen  Fusscaries  scrophuIOsen  Ursprunges  amputirt,  und 
erholte  sich  darauf  zusehends.  S.  rieth  ihr  Aderlässe  an,  das  M&dchen  folgte  nicht. 
Es  tritt  eine  Caries  im  anderteitigen  Knie  ein,  sie  wird  im  Oberschenkel  ampu- 
tirt.  Jetzt  noch  viel  mehr  redet  ihr  S.  zu  Aderl&ssen  zu;  das  Madchen  weigert 
sich,  die  »Plethora  localisirte  sich«  in  den  inneren  Organen  und  das  Mädchen  starb. 

Einem  68jähr.  Greise  wurde  wegen  complicirter  Fractur  der  Vorderarm  ampu- 
tirt.    Er  lässt  sich  nicht  zur  Ader  und  stirbt  2^2  Jahre  darauf  an  Apoplexie. 

Nur  bei  Kindern  und  bei  schon  menstruirten  Frauen  kann  von  Aderlässen 
Umgang  genommen  werden.  Menzel  (Triest). 

B.  Bahrdt  und  B.  Wohlfieurtli.  Chlorofonnvergiftung  durch  Aspiration 
in  die  Luftwege  und  Kldung  von  Pneumonieen  und  eigenthümlichen 

Excarationen  in  der  Lunge. 
(Areh.  d.  Heilkunde  1874.  Jahrg.  XV.  p.  430—440.) 
Ein  Mann,  der  steh  seibat,  wie  et  scheinti  vergiftet  hatte,  wurde  in  eigen- 
thamliohemi  bewusstlosem  Zustande  mit  allerdings  erhaltener  Reflexth&tigkeit  in 
die  Leipziger  Klinik  aufgenommen  und  starb  daselbst  nach  1 V2  Tagen  unter  hohem 
Fieber.  Dass  Chloroform  im  Spiele  war,  wurde  daraus  geschlossen,  dass  neben 
dem  auf  dem  Boden  liegenden  Fat.  in  dessen  Wohnung  sich  ein  Taschentuch  und 
ein  leeres  Fläsehohen  fanden,  während  auf  dem  Tieohe  eine  grössere  Flasche  stand, 
deren  Inhalt  s&oh  sp&tor  als  Chloroform  erwies.  Bei  der  8eolion  fand  man  im  All- 
gemeinen: phlegmonöse  Entzündung  der  Schleimhaut  der  Trachea  und  Bronchien ; 
eigenthamliche  Pneumonie  und  Bronchiectasieen  des  oberen,  hinteren  mittleren  und 
hinteren  unteren  Lappens  rechterseits ,  des  hinteren  oberen  Theils  des  unteren 
Lappens  linkerseits;  capiUäre  H)'per&mie  des  Gehirns.  Das  Lungengewebe  hat 
an  den  afficirten  Stellen  ein  durchlöchertes  Aussehen ;  die  kleinen  (1  Mm.)  Löcher 
nnd  entweder  rund,  oder  eie  umgeben  wie  ein  poröser  Kranz  eine  centrale  Oeühung, 
so  dass  das  Qewebe  ein  schwammiges  Aussehen  darbietet.  Um  die  einzelnen  Löcher 
und  Lochkr&nze  findet  sich  infiltrirtes  Gewebe.  Die  mikroskopische  Untersuchung  * 
ergab,  dass  die  Erkrankung  bestand  in  croupöser  Entzündung  des  Lungengewebes, 
in  Abschuppung  des  FUmmerepithels  und  theilweiser  Aspiration  desselben  in  die 
kleineren  Bronchien,  in  Eiterung  der  letzteren  und  in  blasigen  Eotaeieen  sowohl 
der  Bronchiolen]  als  der  Alyeolenendgänge  etc.  Alle  Erscheinungen  sprachen  für 
einen  acuten  Process.    Die  Pathogenese  ist  indessen  dunkel. 

A.Bidder  (Mannheim). 

IC.  de  Bourilhon  (de  Saida].  Fracture  6toil6e  du  crane  k  gauche 
avec  forte  compression  du  cerveau  par  les  fragments.     Hemiplegie 

droite.     Gu^rison.  ^ 

(Gaz.  hebdom.  1874.  No.  43.) 

Ein  lOjähr.  Araber  bekam  mit  einem  dicken  Knüttel  einen  Schlag  auf  den 
Kopf.  Er  fällt,  kann  nicht  mehr  aufstehen,  die  ganze  rechte  Körperseite  ist  ge- 
lähmt. Im  Spitale  fand  man  an  der  linken  Seite  des  Kopfes  eine  5  Cm.  lange. 
3  Cm.  breite  Blutsugillation,  nahe  den  Bändern  war  eine  Vertiefung  fühlbar.  Die 
Uhmung  besteht  fort,  mit  ihr  verbindet  sich  ein  OefQhl  von  Ameisenlaufen. 
Bespiration  frei,  Gesicht  und  Gehör  auf  beiden  Seiten  intact,  ebenso  die  Intelli- 
genz; die  Zunge  beim  Herausstrecken  stark  nach  rechts  hin  abweichend.  Wenig 
Klagen  über  Schmerz  (Einreibungen  von  grauer  Salbe  mit  Belladonna;  reichliche 
Nahrung). 

Das  Fortbestehen  der  obigen  Symptome  machte  die  Diagnose:  Compression 
des  linken  Grosshimlappens,  sicher.  Trepanation  am  7.  Tage  nach  der  Verletzung. 
Die  Blutbeule  wurde  hierbei  eröffnet ;  das  Periost  des  Seitenwandbeines  war  in  der 
Mitte  des  Eindrucks  ganz  losgelöst.    Die  sternförmige  Fractur  zeigte  4  unregeU 


Centralblatt  fOr  Chinzrgie.    No.  2.  31 

massige  Fragmente,  welche  schräg  sugetpitat  zwischen  Dura  mat«r  und  Schädel- 
dach lagen.  Nach  vergeblichen  anderen  Versuchen  wurde  mit  Hohlmeissel  und 
Hammer  der  Xnochenrand  an  der  Bruchstelle  so  weit  abgetragen,  dass  die  Frag- 
iiiMite  entfernt  werden  konnten.  Das  Gehirn  lag  auf  mehr  als  10  OCm.  frei. 
Heftigea,  eonvulsivische«  Zittern  der  gelähmten  KOrperseite,  zugleich  mit  einem 
scbmershaftea  Geftkhle  Ton  Ameisenlaufen.  Eine  Stunde  danach  hat  Fat.  inten- 
Bves  Hungergefahl.  —  Am  S.  Tage  nach  der  Verletzung  starke,  und  in  den  näch- 
sten 2  Tagen  snn^mende  Verschlimmerung:  Fieber,  unbewusstes  Harnlassen, 
Kopfscfamenen,  Erbrechen;  Hyperästhesie  der  geahmten  Seite.  Vom  12.  Tage  an 
stetig  zunehmende  Besserung,  alimäliges  Schwinden  der  Paralyse.  Am  Ende  der 
7.  Woche  Terliess  Fat.  das  fi^ital  Tollkommen  geheilt.        Fr.  SMner  (Wien). 

Sloerk.     Chronische  Erkrankungen  der  Nasen-Rachenhöhle. 

(Sitzung  der  k.  k.  Gesellschaft  d.  Aerzte  in  Wien  1874,  21.  Novbr.l 

St.  schildert  die  chronischen  Erkrankungen  der  Kasen-Bachenhohle,  wie  sie 
am  häufigsten  bei  den  Bewohnern  Oaliziens,  Kussisch -Polens ,  Russlands  und 
Bessarabiens  Torkommen.  Die  hier  häufig  vorkommende  S}'philis  der  Bewohner 
äussere  sich  an  den  Kindern  derselben  oft  in  der  Form  von  Coryza,  Ozaena  scroful. 
und  chronischer  Blennorrhoe,  welche  sich  von  der  Nasenhöhle  aus  in  den  Kehl- 
kopf und  in  die  Trachea  fortpflanze  und  daselbst  zu  callösen  Schwielenbildungen  An- 
Uss  gebe,  die  mitunter  die  ganze  Trachea  auskleiden,  und  welche  sich  sowohl  opera- 
tiven Eingriffen  als  auch  der  medicamentösen  Behandlung  gegenüber  gleich  unheil- 
bar erwiesen.  Fr»  Stetner  [Wien; . 

Dimarquay.     Corps  etrangers  de  Foesophage. 

fSociM  de  ehir.  S^aoce  du  14.  Octbr  1874.    Gas.  hebdom.  1874.  No.  43.) 

Ein  Kind  hatte  ein  Soustfick  versehluckt,  welches  man  an  der  linken  Seite 
das  Halset  fohlen  konnte.  Aeussere  Oesophagotomie.  Der  Oesophagus  war  von 
dem  GeldatOek,  welches  eztrahirt  wurde,  perforirt.  Tödtlicher  Ausgang.  Bei  der 
Obduction  ilsnd  mek  hinter  der  Speiseröhre  ein  Abscess,  der  mit  der  rechten  Pleura- 
hshle  comnannichte. 

Ein  anderes,  etwas  älteres  Kind  hatte  ein  Zweisoustflck  verschluckt.  D.  nebst 
anderen  Chirurgen  konnten  keinen  Fremdkörper  nachweisen.  Einige  Tage  später 
bekam  das  Kind  Fieber.  Dämpfung  an  der  rechten  Thoraxseite.  Tödtlicher  Aus- 
gang. £«  fand  sich  eine  Phlegmone  hinter  dem  Oesophagus ;  der  Eiter  war  in  die 
rechte  Pleurahöhle  gedrungen ;  das  Geldstück  war  gerade  daran,  in  den  Pleurasack 
zu  sinken. 

D.  experimentirte  an  Thieren,  um  die  Folgen  des  Steckenbleibens  von  Fremd- 
körpern im  Oesophagus  zu  studiren.  Nachdem  er  an  Hunden  erst  die  äussere 
Oesophagotomie  gemacht,  fahrte  er  in  den  Oesophagus  rauhe  Knochen  ein,  an 
Bindfaden  hängend,  damit  sie  im  selben  Niveau  blieben.  Nach  einiger  Zeit  wurde 
das  Thier  getödtet.  In  der  Speiseröhre  Niehts  bemerkbar,  aber  hinter  derselben 
fand  D.  immer  eine  Phlegmone  (ohne  Perforation  des  Oesophagus) ,  mit  der  Neigung, 
sich  in  die  rechte  Pleurahöhle  hin  zu  eröffnen.  Fjft  Steiaer  (Wien). 

F.  Massel.     Corpo  estraneo  nella  laringe. 

(Morgagni  1874.  Ottobre.; 

Ein  33jähr.  Mann  kam  wegen  grosser  Athembeschwerden  und  blutiger  Sputa 
zu  M.  Vor  15  Tagen  hatte  er  das  schmutzige  Wasser  eines  kleinen  Baches  ge- 
trunken und  von  dem  Tage  an  datiren  seine  Leiden.  Durch  die  Spiegeluntersuchung 
constatirte  M.  einen  Blutegel,  welcher  mit  dem  Saugende  in  dem  sulcus  pharyngo- 
laryngeus  d.  festsass,  mit  dem  Körper  über  das  Hg.  ar^'epiglott.  d.  in  das  Larynx- 
innere  hereinhing.  An  der  Epiglottis  fanden  sich  3 — 4  weissgelbliche,  runde,  lin- 
sengrosse  Flecken.  Mit  einer  gewöhnlichen  Polypenzange  wurde  der  Blutegel 
gefasst  und  zu  grossem  Erstaunen  des  Kranken  selbst  und  seiner  Angehörigen 
extrahirt.  Menzel  (Triest;. 


32  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  2. 

F.  Heydenreioh*    Ueber  Exstirpation  der  Scapula. 

Inaug.-Diss.   Kiel.   1874. 

Nach  einem  kurxen  AbriM  der  Oesehichte  der  EzBtirpation  der  Scapula  mit 
und  ohne  gleichseitige  Entfernung  des  Arms  berichtet  Verf.  aber  2  einschligige 
FfiUe,  die  von  Esmarch  operirt  worden  Bind.  ^  I.  Exstirpation  der  Sca- 
pula allein.  MeduUarsarcom  der  Scapula  bei  einem  d3jfthr.  Mann.  Schnitt 
quer  über  Acromion  und  Schultergelenk,  Abtrennung  der  Gelenkkapsel  vom  Hume- 
rus.  Schnitt  längs  der  spin.  scapul.  und  weiter  längs  des  inneren  Bandes  des 
Schulterblattes.  Der  dreieckige  Hautlappen  abpräparirt,  Scapula  mit  der  Oeschwulat 
und  einem  3,5  Cm.  langen  StQck  der  Clavicula  entfernt  Fat«,  nach  2  Monaten 
mit  gut  granulirender  Wunde  entlassen,  ist  später  an  Recidiven  zu  Grunde  ge- 
gangen. Ueber  die  Gebrauchsfähigkeit  des  Armes  konnte  Nichts  in  Erfahrung  ge» 
bracht  werden.  —  U.  Entfernung  der  Scapula  mit  dem  Arm.  Grosses, 
vom  plex.  brachial,  durchsetztes,  mit  dem  Schulterblatt  verwachsenes  Myxosarcom 
der  Achselhöhle  bei  einem  50j.  Mann.  Arm  blutleer  gemacht  bis  an  die  Geschwulst. 
Bildung  eines  vorderen  runden  Hautlappens,  Resection  eines  5,5  Cm.  langen  Stocks 
der  Clavicula.  Unterbindung  der  vasa  subclavia.  Darauf  Bildung  eines  hinteren, 
runden  Hautlappens,  Loslösung  der  Scapula,  des  Tumors  und  des  Arms.  Drainage. 
Verband.  In  den  folgenden  Tagen  hohes  Fieber  (bis  41,20).  Am  24.  Tage  Allge- 
meinbefinden gut,  Wunde  in  bester  Heilung  (Pat.  ist  reichlich  V4  ^ehr  nach  der 
Operation  geheilt  entlassen,  Ref.).  Petenen  (Kiel). 

Mayerhofer.     Ein  Fall  von  Luxatio  manus. 

(Wiener  med.  Presse  1874.  No.  48.) 

FOr  diese  seltene  Verletsung  bringt  Verf.  folgende  Beobachtung.  Ein  19jähr., 
schwächlicher  Taglöhner  war  beim  Grubengraben,  als  er  eben  einen  Spatenstich 
machen  wollte,  von  einer  Erdmasse  versdiüttet  worden.  Diese  traf  zuvörderst 
linke  Schulter,  Vorderarm  und  die  Hand,  welche  den  Spatengriff  festhielt.  Bei  der 
Untersuchung  fand  sich  an  der  linken  Hand  eine  abnorme  Stellung,  die  einer  Epi- 
physenfractur  des  Radius  sehr  ähnelte.  Die  Finger  waren  in  abnormer  Flexions- 
stellung. Es  zeigte  sich,  dass  die  an  der  Streckseite  des  Handgelenkes  befindliche 
harte  Geschwulst,  die  nach  oben  hin  eine  scharfe  Grenzfurche  zeigte,  durch  den 
prominirenden  Carpuskopf  bedingt  war.  An  der  Geschwulst  der  Beugeseite  waren 
deutlich  die  procc.  styloid.  zu  erkennen,  die  unbeweglich  auf  den  Thenar  und 
Antithenar  verschoben  waren. 

■ 

Verf.  meint,  die  Luxation  sei  durch  Ueberbeugung  und  Gegenstoss  (Fall  auf 
den  Handrücken)  entstanden. 

Die  ziemlich  mühevolle  Einrichtung  geschah  an  dem  chloroformirten  Pat.  in 
der  Weise,  dass  die  Hand  in  überstredLter  Stellung,  bei  fixirtem  Vorderarm,  her- 
abgezogen, dann  gebeugt  wurde;  ein  Gehülfe  drückte  hierbei  mit  seinem  Daumen 
auf  den  Carpusvorsprung.    Gipsverband  ä  jour.    Heilung  in  4  Wochen. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

Foumier.     Urethiale  BlennoiThoe  bei  einem  3jährigen  Knaben. 

(Journal  de  m^d.  et  de  chir.  prat.  1874.  Hft.  12.  p.  542.) 

Der  Knabe  war  von  einem  12jähr.  Mädchen,  das  bei  intactem  Hymen  an 
Blennorrhoe  der  Vulva  und  Vagina  litt,  missbraucht  und  angesteckt  worden.  Die 
so  entstandene  Gonorrhoe  dauerte  3  Monate  und  zeigte  die  gewöhnlichen  Symptome. 

Pagenstecher  (Elberfeld). 

Originalmittbeilnngen,  Monogr&phieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TUXmanM^  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandluug, 
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H^  3«  Sonnabemd,  den  16.  Janaar.  1876» 

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Ilkalts  Losten  y  Neue  Experimente  zur  Lehre  von  dem  Mechanismus  der  Bruchein« 
Uemmung.  (Original-Mittheilung.) 

■arlln,  GelcnkoMiAetai.  —  Malaataz,  Parseittre  Hantknnkheiten.  —  CtNender, 
fopwimente  mit  Catgat.  —  WlntarnttZi  Einflmse  der  Hautftinotion  auf  die  Koiper- 
temperatDT.  —  AiispifZir  Venöse  Stauung  in  der  Haut.  —  Hamllfon,  Behandlung  der 
Obendienlrelfractnien.  —  Sfflffb,  Behsnifiung  der  Fraeturen  des  Ellbogengelenks.  — 
tNliiBliI,  Browtez,  Ein  Fall  Ton  Angioma  raoemoeum.  —  Ltleiiaa,  Wirbelauriesw 

tticaladOBlr  Nenrectomie.  —  Frladberg,  Kunatwidrige  Anwendung  von  Senfteigen.  — ^ 
Juksoa,  EsmarcVsche  Methode.  —  ühda,  Lieven,  Ovariotomieen.  —  Ray,  Ruptur  der 
Mfir.  —  Daiaaly  Oesdiwulst  des  Rectunu.  —  Itortiill,  Triohiasis  ^slcae.  —  Carflly, 
Fall  ▼«&  Epiphysentrennung.  —  v.  Laagtaheck,  Ein  Fall  von  E^Larticulatlon  des  Ober^ 
Schenkels  mit  Bildung  eines  hinteren  Lappens.  —  Volkmann,  DiaphyBen-Osteotomleen 
wegen  Kniegelenksankylosen.  —  Rttpprecht,  Perforation  des  Warzenfortsatzes.  —  Loewar, 

Propylmin  gegen  Bkeomatlsmns. 


Kene  Experimente  zur  Lehre  von  dem  Mechanismus 

der  Bmcheinklenmiimg. 

Von 

Dr.  Hennaiui  Lassen^ 

PriYatdocent  der  Cbirorgie  in  Heidelberg. 

Die  Bichtigkeit  einer  neuen  Theorie  besteht  dann  erst  die  eigent- 
liche Probe^  wenn  sie  angegriffen  wird;  die  Mängel  und  Unklarheiten 
weiden  bei  erneuter  Prüfung  abgestreift;  das  Wahre  tritt  im  Gegen- 
satze zum  Falschen  um  so  prägnanter  hervor. 

Die  jüngst  an  dieser  Stelle  erschienenen  Entgegnungen  der  Herren 
Prof.  Busch  und  Roser  waren  mir  daher  sehr  Tvillkommen ;  sie 
musaten  dies  in  imi  so  höherem  Grade  sein^  als  beide  Autoren  die 
ersten  waren^  welche  in  der  Frage  der  Brucheinklemmung  den  Weg 
des  Experimentes  betraten. 


34  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  3. 

I. 

In  einer  früheren  Abhandlung  hatte  Herr  Prof.  Busch  die  An- 
sicht vertreten,  dass  die  Abknickung  zunächst  des  abführenden, 
dann  auch  des  zuführenden  Schenkelseiner  im  Bruchxinge  liegen- 
den Darmschlinge  die  Ursache  der  Einklemmung  und  des  Verschlusses 
beider  Darmenden  sei.  Die  absperrende  Abknickung  des  «uführen- 
den  Schenkels  findet  in  der  neuesten"^)/  kurzen  Entgegnung  keine 
Erwähnung  mehr,  dagegen  wird  am  abführenden  Ende  die  ver- 
schliessende  Abknickung  aufrecht  gehalten  und  entschieden  bestritten, 
dass  dies  Ende  durch.  Blähung  des  zufuhrenden  in  der  Ebene  des 
Bruchringes  verschlossen  werde. 

Zum  Beweise  dieser  Behauptung  dient  folgendes  Experiment: 
»Man  füllt  eine  durch  einen  engen  Bruchring  gezogene  Darmschlinge 
plötzlich,  während  man  die  Blähung  des  zufiÜirenden  Schenkels  im 
Ringe  unmöglich  macht.  Man  erreicht  dies  dadurch,  dass  man  die 
Kanüle  der  Spritze  bis  über  den  Bruchring  hinaus  in  den  zuführen- 
den Schenkel  schiebt  und  hier  einbindet.  Jetzt  kann  sich  die  Schlinge 
erst  unterhalb  des  Bruchringes  füllen,  aber  dennoch  kommt  der  Ver- 
schluss am  ausfuhrenden  Ende  zu  Stande,  indem  die  Abknickung  des 
Darmes  eintritt«. 

A  priori  lässt  sich  gegen  dieses  Experiment  einwenden,  dass  es  den 
natürlichen  Vorgang  der  Einklemmung  einer  Darmschlinge  nicht 
nachahmt.  Führt  man  die  Mündung  der  Spritze  bis  über  den  Bruch- 
ring hinaus  und  bindet  sie  hier  ein,  so  stellt  das  übrige  Darmstück 
keine  Schlinge  mehr  dar.  Es  ist  ein  im  Bogen  hängendes  Darmrohr, 
über  dessen  Ende  ein  Ring  geschoben  wurde.  Die  zugleich  im  Ringe 
liegende  Spritzenkanüle  kann  niemals  an  Stelle  des  zuführenden 
Schenkels  gesetzt  werden ;  sie  verengt  eben  nur  das  Liunen  des  Rin- 
ges um  die  Grösse  ihres  Umfanges.  Die  Voraussetzungen  des  Ex- 
perimentes würden  ganz  ebenso  erfüllt  sein,  wenn  man  ein  gerades 
Stück  Darmrohr  durch  einen  engen  Ring  zöge,  dessen  Querschnitt 
gleich  dem  des  ersten  minus  dem  der  Kanüle  wäre  und  nun  mit 
Wasser  oder  Luft  füllte. 

Doch,  angenommen  das  Experiment  sei  beweisend  für  den  Mecha- 
nismus der  Brucheinklemmung:  wie  kam  der  Verschluss  des  ausfüh- 
renden Schenkels  zu  Stande?  Ist  es  vielleicht  dennoch  die  Abknick- 
ung, welche  beschuldigt  werden  muss? 

Ich  habe  den  Versuch  vielfach  und,  wie  ich  hoffe,  in  der  rich- 
tigen Weise  wiederholt.  Die  am  Mesenterium  noch  angeheftete 
Schlinge  eines  frischen  Schweinedünndarms  wurde  dxirch  einen  aus 
Cigarrenkastenholz  ausgeschnittenen  Bruchring  gezogen,  die  Glasröhre 
des  Manometerapparates  in  den  einen  Schenkel  über  den  Bruchring 
hinaus  eingeschoben  und  hier  eingebunden.  Der  Querschnitt  der 
verwendeten  Bruchpforten  schwankte  zwischen  2  und  1  Cm. 

War  die  Pforte  2  Cm.  weit  und  die  Schlinge  kurz,  ein  Fall,  in 


*]  In  No.  34  dieses  Blattes  1874. 


Cenüralblatt  Mr  Chiruigie.    No.  3.  35 

wekhem  der  gewohnüche  Versuch  atets  die  Einklemmung  zeigte  8o 
trat  hier  niemals  ein  Verschluss  des  abfuhrenden  Endes  ein.  Der 
Dann  blähte  sieh  zwar^  besonders  wenn  die  Lufit  plötzlich  eingetrie* 
ben  wurde^  er  bog  sieh  auch  am  abführenden  Ende  etwas  ab^  aber 
die  Lufi  entwich  brodelnd  aus  dem  ausfuhrenden  Schenkel.  Dies 
blieb  sich  in  20  Versuchen  vollkommen  gleiclf. 

Anders  gestaltete  sich  der  Vorgang,  wenn  bei  gleichem  Quer- 
schnitte der  Bruchpforte  die  Darmschlinge  eine  längere  war.  Zwar 
«ntwich  auch  hier  die  einströmende  Luft  anfangs  durch  den  ausfuh- 
renden Schenkel,  aber  nach  einigen  kräfitigen  Injectionen  wurde  mehr 
und  mehr  Darm  durch  die  Bruchpforte  hindurch  nach  aussen*)  ge- 
bogen und  plötzlich  stand  die  »Schlingen  fest,  das  Manometer  zeigte 
ein  deutliches  Ansteigen  des  Quecksilbers.- 

Dieses  Herausrücken  des  Darmes  ist  so  constant  und  bei  plötz- 
Uchem  Einströmen  der  Luft  so  auffallend,  dass  es  dem  Beobachter 
kaum  entgehen  kann.  In  der  That  verdient  es  alle  Aufmerksamkeit, 
denn  hier  liegt  der  Schlüssel  zu  dem  Räthsel  der  Absperrung. 

Es  tritt  nämlich  mit  dem  herausgezogenen  Darme  das  fettreiche 
Mesenterium  nach  aussen.  Dieses  drängt  sich  als  derber,  incom- 
pressibler  Keil  zwischen  die  Kanüle  und  das  ausfuhrende  Ende  und 
drückt  das  letztere  schliesslich  fest  zusammen.  Ein  Zurückgleiten 
lies  Gekröses  ist  infolge  der  Blähung  des  Darmes  unmöglich,  der 
Verschluss  ist  permanent.  Ein  anschauliches  Bild  des  ganzen  Vor- 
ganges gewährt  der  Längsschnitt  eines  auf  diese  Weise  abgesperrten 
und  geblähten  Darmstückes,  welches  nachträglich  getrocknet  wurde. 

Die  soeben  aufgestellte  Behauptung  erhält  durch  den  negativen 
Beweis  eine  wesentliche  Stütze.  Ist  das  herausgezogene  Mesenterium 
die  absperrende  Ursache,  so  darf  ein  vom  Gekröse  rein  abgetrennter 
Darm  im  gleichen  Versuche  nicht  verschlossen  werden.  Das  Experi- 
ment bestätigt  diese  Voraussetzung.  Der  Darm  bläht  sich  während 
des  Versuches,  zieht  auch  die  nächstliegende  Partie  heraus,  aber 
mögen  selbst  mehrere  Fuss  Darm  nach  aussen  rücken:  immer  ent- 
weicht die  Luft  aus  dem  abführenden  Ende,  eine  Absperrung  tritt 
niemals  ein. 

Es  dürfte  aus  dem  Gesagten  ein  Doppeltes  hervorgehen: 

1)  Derneue,  von  Herrn  Prof.  Busch  construirte  Versuch  bringt, 
abgesehen  davon,  dass  er  den  natürlichen  Vorgang  der  Brucheinklem- 
mung nicht  nachahmt,  keinen  Beweis  für  die  Wirkung  der  Abknick- 
ung,  denn  der  Verschluss  des  abführenden  Endes  kommt  hier  nicht 
durch  Abknickung,  sondern  durch  das  herausgezogene  Mesenterium 
zu  Stande. 

2)  Indirect  liefert  der  Versuch  einen  Beweis  für  den  von  mir 
behaupteten  Effect  der  Blähung  des  zufuhrenden  Endes;   denn,   ver- 


*)  Der  Kürze  wegen  bezeichne  ich  die  Seite  des  Bruchringes,  an  welcher  die 
DarmBchlioge  liegt,  die  äussere,  die  entgegengesetzte,  beim  Lebenden  der  Bauch- 
höhle zugewandte,  die  innere. 

3* 


36  Centralbkit  ffir  Chirurgie.    No.  d. 


hindert  mui  sowohl  die  Blähung^  ak  das  HeiauBräcken  des  Meseiii^ 
teriiuns»  so  tritt  kein  Verschluss  des  abfahrenden  Bndes  ein. 

Dft^  die  Abknickung  des  abführenden  Schenkels  nicht  die  Ur^ 
Sache  der  Absperrung  ist»  geht  übrigens,  wie  mir  scheint»  mit  Evi- 
denz aus  folgendem  Versuche  harvor. 

Man  modificire  dsft  gewöhnliche  Einklemmungsexperianent  in  der 
Weise»  dass  eine  Abknickung  der  Schlinge  unmöglich  ist. 
Dies  geschieht»  wenn  man  an  Stelle  eines  Ringes  oder  Loches  eine  Glair 
röhre  von  2  bis  IY2  Cto*  Durchmesser  und  beliebige  Länge  setzt.  Wird 
die  in  der  Röhre  hängende  Dannschlinge  plötzlich  mit  Luft  oder 
flüssigem  Wachs  gefüllt»  so  tritt  sofort  die  Absperrung  ein.  Maa 
sieht  dann  sowohl  durch  das  Glas  hindurch,  als  auch  auf  dem  Länge- 
schnitte der  herausgenommenen  Ftäparate»  dass  der  ganae  zuführende 
Schenkel  auf  Kosten  des  abführenden  gebläht  ist,  d»  letztere  aber 
in  seiner  ganzen  Ausdehnung  fest  zusammengepresst  an  der  Glaswand 
anliefft. 

Der  Versuch  gelingt  immer ;  nur  muss  darauf  geachtet  werden» 
dass  das  vor  der  Glasröhre  sich  blähende  Darmstüek  die  Schlinge 
nicht  aus  der  glatt^i  Röhre  herausziehe«  Man  binde  daber  di^ 
Schlinge  möglichst  kurz  an  die  Kanüle  und  stelle  die  letztere  genau 
in  die  Längsaxe  der  Glasröhre. 

Dem  Ksqperimente  gegenüber  kann  eingeweaidet  werden,  es  ent- 
spreche nicht  ganz  dem  Vorkommen  am  Lebenden.  Hier  sei  der 
Bruchsack  stets  weiter»  als  die  Bruchpforte.  Ich  g^be  dies  zu.  Aber 
kommt  denn  die  seither  unbestrittene  Anwendung  von  einfachen 
Ringen»  oder  in  dünnes  Holz  gebohrten  Löchern»  ausserhalb  welchen 
die  Schlinge  sich  bis  zum  rechten  Winkel  abbiegen  kann»  der  Wirk- 
lichkeit näher?  Wird  ein  Bruchsack  in  jedem  Falle  eine  solche  Ab- 
knickung erlauben  und  giebt  es  nicht  vielmehr  langgestreckte»  fast 
cylindrische  Bruchsäcke»  deren  Querschnitt  kaum  grösser  ist»  als  d^ 
der  Bruchpforte? 

Schliesslich  habe  ich  zum  Beweise  gegen  die  Wirkung  der  Ab- 
knickung noch  auf  einen  Versuch  hinzuweisen»  welchen  ich  bereits 
in  meiner  ersten  Abhandlung  (Langenbeck's  Archiv  Bd.  XVII 
p.  313)  in  einer  Anmerkung  erwähnt  habe.  Da  derselbe  in  der  Ent- 
gegnung des  Herrn  Prof.  Busch  keine  Berücksichtigung  gefunden 
hat,  so  erlaube  ich  mir  die  betreffende  Stelle  wörtlich  zu  wieder^ 
holen.     Es  heisst  dort: 

7>Da86  die  Abknickung  nicht  den  Verschluss  bedingt»  ist  aucb 
durch  den  Versuch  direct  zu  beweisen.  Wird  bei  dem  Manometer- 
versuche die  Luft  oder  das  Wasser  unter  geringem  Drucke  und  we- 
niger rasch  eingespritzt»  so  erreicht  die  Flüssigkeit  das  abfuhrende 
Ende  früher»  als  es  vollkommen  verschlossen  ist.  Die  Einklemmung 
gelingt  dann  nicht  mehr»  selbst  wenn  der  Spritzenstempel  mit  8  bis 
10  Cm.  Hg  arbeitet.  Die  Abknickung  dagegen  zeigt  sich  ebenso» 
wie  wenn  der  Verschluss  zu  Stande  gekommen« .  — 

Durch   ein  zweites  Experiment  sucht  Herr  Prof.  Busch  zu  be*- 


Centelblatt  fOr  Chirurgie.    No.  3.  37 

weisem,  daes  bei  einer  Aii2ahl  innerer  Binklemmungen  die  Abknickung 
eine  Rolle  spiele  und  zieht  hieraus  wiederum  einen  Schluss  auf  die 
Bmcheinklemmuiig.     Er   beschreibt   den  Versuch  folgendermassen : 

»Wenn  man  oberhalb  einer  starken  Stenose  des  freien  Dann* 
rohn«j  (wo  also  vom  Drucke  einer  suf&hrenden  Schliii^e  nicht  die 
Bede  ist)  den  Darm  plötzlich  füllt,  so  bläht  sich  der  Darm  bis  zum 
Fbtzen,  aber  kein  Tropfen  passirt  die  Stenose,  indem  die  Wände 
des  Darmes  innerhalb  derselben  in  Folge  der  Abknickung  eng  auf- 
einandsr  gezogen  werden.  Ein  Ton  der  peripheren  Seite  eingeführter 
elastiseher  Katheter  passirt  hingegen  die  Stenose  mit  Leichtigkeit, 
indem  er  die  Axe  des  geknickten  Darmes  gerade  streckt  und  lässt 
die  Flüssigkeit  oder  die  Luft  abfliessen.  Ebenso  kann  man  Ton  der 
prallen  Seite  her  die  Flüssigkeit  durch  die  Stenose  treiben,  sobald  es 
gelingt,  dem  Darme  die  Richtung  zu  geben,  dass  die  Axe  des  ge- 
knickten Rohres  gerade  gerichtet  wird«. 

Auch  diesen  Versuch  habe  ich  vielfach  wiederholt.  Ein  mehrere 
FtisB  langer,  am  Gekröse  hängender  Schweinedünndarm  wurde  im 
Wasser  schwimmend  an  irgend  einer  Stelle  von  dem  Meeeij^terium 
isoUrt  und  hier,  entweder  durch  Ueberlegen  eines  in  zwei  Hälften 
getheüten  Holzringes,  oder  mittelst  einer  dicken  Ligatur  zusammen- 
gepresst.*  Die  auf  solche  Weise  erzeugten  Stenosen  waren  verschieden 
eng.     Wurde  nun  Luft  eingeblasen,  so  zeigte  sich  Folgendes: 

Vor  den  weit^i  Stenosen,  erzeugt  durch  Holzringe  von  1,0  bis 
0,8  Ctm.  Querschnitt,  blähte  sich  der  Darm  auf  und  bog  sich  rings 
am  Umfang  der  Stenose  ab,  das  periphere  Ende  lag  anfangs  schlaff 
und  zusammengefallen  daneben.  Sobald  aber  das  Manometer  einen 
geringen  Druck  im  geblähten  Ende  zeigte,  drängte  sich  die  Luft  in 
die  Strictur  und  entwich  pfeifend  und  zischend.  Mit  der  Enge  der 
Strictur  wuchs  der  zur  Lösung  erforderliche  Quecksilberdruck.  Ver- 
engte ich  nun  das  Darmlumen  durch  Umbinden  eines  Fadens  noch 
mehr,  so  trat  schliesslich  ein  Moment  ein,  in  welchem  selbst  der 
höchste  im  Darme  mögliche  Druck  keine  Losung  der  Absperrung 
mehr  zur  Folge  hatte.  Das  war  das  Resultat,  welches  auch  Herr 
Prof.  Busch  erhalten  hatte.  Ich  durfte  dies  wohl  mit  Sicherheit 
aanehmen.  Vorsichtig  erhob  ich  nun  das  schlaffe  periphere  Ende 
und  brachte  es  in  die  Axe  des  geblähten  Stückes.  Keine  Luft  ent- 
wich. Das  gleiche  Resultat  hatten  Bewegungen  des  peripher^i 
Stackes  nach  allen  Richtungen  hin.  Da  plötzlich  ein  Pfeifen  und 
i&Bchen,  das  Quecksilber  sinkt  rasch,  die  Absperrung  ist  gelöst.  Ich 
hatte  während  des  Hin-  und  Herbewegens  an  dem  schlaffen  Ende 
einen  leichten  Zug  ausgeübt  und  hierdurch  die  Passage  geöffiiet. 
Hehiexe  in  dieser  Richtung  angestellte  ControUversuche  bestätigten 
die  Beobachtung.  Wie  war  das  zu  erklären?  Hatte  ich  den  Darm 
geradegestreckt  und  hierdurch  die  Abknickung  gehoben?  Aber  das 
Geraderichten,  ohne  gleichzeitigen  Zug  hatte  keinen  Effect,  dagegen 
hob  nicht  selten  ein  in  jeder  bdJiebigen  Richtung  ausgeübter  Zug 
um  peri|rilieren  Ende  sofort  die  Absperrung. 


38  Centralblatt  für  Chiraxgie.    No.  3. 

Wie  aber  kann  der  Zug  wirken?  Ich  deilke  mir  den  Vorgang 
folgendermassen : 

Durch  den  einschnürenden  Faden  wetden  die  &ltenreichen,  mit 
Schleim  bedeckten  Darmwände  in  engste  Beräfarung  gebracht.  Die 
zahLreichen  Erhebungen  und  Vertiefungen  der  Schleimhaut  greifen  in 
einander  und  verfilzen  sich  der  Art^  dass  selbst  der  stärkste  von 
oben  wirkende  Druck  ihre  innige  Verklebung  nicht  lösen  kann.  Die 
Reibungswiderstände  sind  eben  zu  erheblich.  Nun  wird  plötzlich  ein 
Zug  am  peripheren  Ende  ausgeübt.  Sofort  wird  die  Darmwand  rings 
gegen  den  einschnürenden  Ring  angezogen,  sie  erfahrt  hierdurch  so- 
wohl eine  Verdünnung  als  Glättung,  in  der  Mitte  bildet  sich  ein 
feiner  trichterförmiger  Canal  und  die  Luft  passirt  die  Stenose.  £a 
liegt  auf  der  Hand,  dass  ein  Zug  in  der  Axe  des  Darmrohres  am 
zweckmässigsten  wirken  muss.  Hierbei  wird  eben  die  Darmwand 
ringsum  gegen  den  Ring  gezogen.  Indessen  genügt  auch  nicht  selten 
ein  Zug  nach  der  einen  oder  anderen  Richtung. 

Aus  demselben  Grunde  wird  die  Absperrung  gehoben,  wenn 
man  das  periphere  Ende  plötzlich  aufbläht. 

Es  ist  nach  Allem  dem  auch  hier  die  Abknickung  nicht  die  Ur- 
sache des  Verschlusses.  Durch  das  Zusammenschnüren  des  Darm- 
rohres werden  eben  nur  die  Reibungswiderstände  erhöht.  Bei  nicht 
allzu  engen  Stenosen  genügt  eine  entsprechende  Drucksteigerung,  um 
die  Widerstände  zu  überwinden.  Reicht  der  im  Darm  mögliche  Druck 
nicht  mehr  aus,  so  öffnet  ein  Zug  am  schlaffen  peripheren  Ende  die 
Passage  in  der  oben  erörterten  Weise/ 

(Schluss  folgt.) 

R.  Martin.     Ueber  Gelenkmuskeln  beim  Menschen. 

(Erste  von  der  medic.  Facult&t  der  Universität  Strassburg  gekrönte  Preisschrift.) 

Erlangen.  Palm  &  Enke.  1874. 

Verf.  hat  die  von  ihm  in  Betracht  gezogenen  Gelenke  wiederholt 
einer  genauen  anatomischen  Präparation  unterworfen.  Indem  er  seine 
Resultate  mit  den  Angaben  früherer  Autoren  verglich,  ist  er  zu  einer 
Reihe  wichtiger  Schlüsse  gelangt,  von  denen  wir  hier  nur  Folgendes 
hervorheben:  Wie  Luschka  bemerkt  imd  Verf.  namentlich  für  das 
Schultergelenk  hervorhebt,  ist  nur  in  der  sog.  Mittellage  des  Gelenks 
die  Kapsel  in  ihrem  ganzen  Umfang  gleichmässig  erschlafft,  wahrend 
in  jeder  anderen  SteUung  ein  Theil  derselben  erschlafft  und  durch 
die  andrängende  Muskulatur  in  Falten  gelegt,  dagegen  der  andere 
über  den  die  Pfanne  jeweilig  überragenden  Umfang  des  Kopfes  in 
wechselndem  Grade  angespannt  ist.  Diese  Regulirung  der  Faltung, 
d.  h.  das  Abheben  der  Kapselfalte  von  den  Gelenkflächen,  damit 
dieselbe  nicht  eingeklemmt  werde,  ist  nun  die  Aufgabe  der  Gelenk- 
muskeln, welche  sich  um  so  complicirter  gestaltet,  je  weiter  und 
schlaffer  die  Kapsel  ist  und  je  ausgiebigere  Bewegungen  sie  den  in 
ihr  geborgenen  Knochen  erlauben  muss.    Obenan  steht  in  dieser  Be- 


Centitlbktt  für  Chirurgie.     No.  3.  39 

nehung  die  Artbrodie  der  Schulter;  dann  folgt  die  Arthrodie  der 
Hafte,  dann  die  grossen  Chaxnieigelenke  des  Ellenbogens  und  des 
Eniees^  welche  der  Faltung  ihrer  Kapsel  nur  an  der  Streck-  und 
Bengeseite  bedürfen.  Im  Kleinen  wiederholen  sich  dann  diese  Yor* 
gange  an  den  Finger-  und  Zehen-Gelenken^  wogegen  die  Carpal-  und 
Tarsal-Gelenke  die  strafbten  Kapseln  besitzen  ^  weshalb  hier  auch 
weder  Spannmuskeln  nodi  andere  Schutzvorrichtungen  für  die  Kapseln 
gefunden  werden.  Mit  Ausnahme  dieser  letztem  Gelenke  kommen 
sonst  Vorrichtungen  zur  Spannung  der  Gelenkkapsel  an  allen  Gelen- 
ken vor.  Es  treten  zu  diesem  Zwecke  yerschiedene,  ein  Gelenk  um- 
lagernde Muskeln  in  Verbindung  mit  dessen  Kapsel  und  werden  dar 
durch  zu  Grelenkmuskeln.  Die  innigste  Art  dieser  Verbindung  ist 
die  rein  sehnige  (Strecksehne  des  Cruralis) ;  dann  folgt  die  fleischig- 
sehnige, wo  theils  Sehnen-^  theils  Muskelfasern  in  der  Kapsel  endi- 
gen (bradbialis  internus) ;  den  lockersten  Zusammenhang  endlich  bietet 
der  indireete^  durch  zwischengelagertes  Bindegewebe  vermittelte^  wo- 
bei letzteres  den  Muskeln  gestattet^  einen  gewissen  Zug  auf  die  Kap^ 
sei  auszuüben  (Infiraspinatus).  —  Es  kann  als  Gesetz  gelten^  dass  die 
Muskeln  sidi  um  so  inniger  und  in  um  so  grösserer  Anzahl  mit  einer 
Gelenkkapsel  verbinden,  je  schlaffer  und  dünnwandiger  dieselbe  ist, 
80  dass  die  Anzahl  der  Gelenkmuskeln  stets  in  umgekehrtem  Ver- 
haltnisse ziun  Spannungsgrade  der  Kapsel  in  der  Ruhelage  des  Ge- 
lenkes steht.  Als  selbstständiger,  constant  vorkommender  Gelenk- 
muskel  oder  Tensor  capsulae  im  eigentlichsten  Sinne  des  Wortes  gilt 
vorBlufig'  nur  der  Subcruralis.  Doch  hält  Verf.  den  Iliacus  minor  —  mit 
welcher  Bezeichnung  er  die  auf  der  Hüftgelenkskapsel  liegenden  und 
mit  ihr  verwachsenen  Muskelfasern  des  Iliacus  internus  zum  selbst- 
ständigen Muskel  stempelt  —  ebenfalls  für  einen  solchen  Tensor 
capsulae.  Diesen  beiden  folgen  dann  zunächst  als  Gelenkmuskeln 
der  PopHteus  und  der  Plantaris,  sowie  der  Anconaeus  quartus,  der 
indessen  besser  als  ein  Theil  des  Triceps  brachii  aufgefasst  wird. 
Endlich  sind  infolge  ihrer  Verbindung  mit  den  Gelenkkapseln  weiter- 
hin noch  folgende  Muskeln  den  Gelenkmuskeln  beizuzählen: 

1)  für  das  TJnterkiefergelenk  der  Pterygoideus  extemus; 

2)  für  das  Schultergelenk  der  Supraspinatus,  Infraspinatus,  Teres 
minor,  Subscapularis  und  Anconaeus  longus; 

3)  für   das  Ellenbogengelenk   der    Brachialis    internus,    Triceps 
brachii,  Supinator  brevis  und  Radialis  extemus  brevis; 

4}  für  das  Hüftgelenk  der  Iliacus  internus,   Glutaeus  minimus, 
Pyriformis,  Obturator  externus  und  internus,  sowie  der  Rectus  femoris ; 

5)  für  das  Kniegelenk  der  Quadriceps  cruris,   Semimembranosus 
und  Gastrocnemius  und 

6)  für  die  Hand-  und  Fussgelenke  die  Sehnen  sämmtlicher  Beuger 
und  Strecker.  KrOnlein  (Berlin). 


40  Ceatralblatt  fftr  ChitaTgie.    No.  B. 

L.  Halasses:    Note  sur  le  Champignon  de  la  pelade. 

(Brown  S^quard's  ArchiT  1874.  p.  203-^12.) 

Derselbe.    Note  sur  le  Champignon  du  Pityriasis  simple. 

(n>id.    p.  451—64.) 

Bei  der  Form  der  Alopecie^  die  man  als  Porrigo  decalvan«  be- 
zeichnet, hatte  Gruby  1843  die  Existenz  eines  parasitischen  PiLses, 
des  Mikrosporon  Audonini  entdeckt.  Indess  haben  gute  Beobachter, 
wie  Hebra^  Baerensprung  u.  A.  sich  von  dem  Vorhandensein 
dieses  Parasiten  nicht  überzeugen  können.  Die  Untersuchungen  von 
M.  bestätigen  nun  im  Wesentlichen  die  Angaben  von  Gruby,  weui 
sie  auch  in  einzebien  Ponkten  von  jenen  abweichen.  Nach  M.  greift 
die  parasitäre  Pilzbildung  stets  in  den  oberflächlichsten  Schichten  des 
Stratum  comeum  der  Epidermis  Platz,  und  zwar  findet  man  sie  ent* 
weder  zwischen  oder  über  den  verhornten  Zellen  dieses  Stratum ;  nur 
selten  findet  man  sie  auf  den  Haaren.  Diese  Pilzbildung  besteht 
aus  sehr  kleinen  sphärischen  Sporen,  an  denen  man  3  Typen  unter- 
scheiden kann.  Die  grössten  messen  4 — 5  Mm.,  sind  doppelcontourirt 
und  zeigen  knospenartige  Auswüchse.  Die  zweiten  messen  2*— 2,5  Mm., 
bieten  nur  einen  einfachen  Contour  dar  und  zeigen  nur  hier  und  da 
die  erwähnten  Auswüchse.  Die  dritte  Art  hat  einen  Durchmesser  von 
weniger  als  2  Mm.,  ebenfalls  einen  einfeu^hen  Contour  und  ist  ganz 
ohne  jeden  Auswuchs.  Die  ovoiden  Sporen,  welche  man  zuweilen 
neben  den  eben  geschilderten  antriilt,  sind  dieser  Krankheitsform 
nicht  eigenthümlich.  Gewöhnlich  sind  5 — 6  Sporen  und  mehr  rosen» 
kranzförmig  angeordnet. 

Ebenso  fand  M.  in  einigen  Fällen  von  Pityriasis  simplex,  die  er 
untersuchte,  mikroskopische  Pilze.  Dieselben  bestehen  einzig  und 
allein  aus  Sporen  und  besitzen  kein  Myceliumlager.  Sie  sind  im 
Allgemeinen  ovoid  und  mit  Knospen  versehen,  ihre  grösste  Breite 
beträgt  2  Mm.,  ihre  grösste  Länge  4 — 5  Mm.  Man  kann  an  ihnen  eine 
äussere  Schicht  nach  Art  einer  Zellmembran  und  einen  Inhalt  unter- 
scheiden. "Einzelne  Sporen  sind  leer  und  scheinen  todt.  Diese  Pilze 
unterscheiden  sich  von  den  bei  Porrigo  decalvans  vorkommenden  da- 
durch, dass  letztere  gewöhnlich  sphärisch  und  voluminöser  sind. 
Auch  die  Pityriasispilze  sitzen  in  der  Homschicht  der  Epidermis ;  sie 
dringen  in  die  Haarfollikel  ein,  aber  niemals  bis  zur  Einmündung 
der  Talgdrüsen  in  die  Haarbälge.  Die  Zahl  der  vorhandenen  Pilze 
steht  in  keinem  Verhältniss  zur  Intensität  der  Krankheit.  Ist  die 
Heilung  im  Gange,  so  verschwinden  nach  und  nach  die  Pilzsporen, 
(cf.  Logie,  Note  sur  la  Pelade,  Archives  med.  beiges  1874.  Hft.  9. 
Centralbl.  f.  Chir.   1874,  No.  36).  J.  Mnnk  (Strasaburg  i/E.). 


W.  Callender.    Experimente  mit  Catgut. 

(Transact.  of  the  pathol.  Soc.  of  London  1874.  p.  102.) 
Als  C.  19  Tage  nach  einer  Amputation  die  mit  Catgut  ligirte 
Femoralis  untersuchte,  fand  er  einen  y/'  langen,  centralen,  das  Lumen 


CentMlUatt  fttr  Chiraigü.  No.  3.  41 


genau  ausfiilleiMlen  Tfarombos^  atmen  an  der  Ugatuntelle  keine  Spur 
Ton  Cat^^pit,  keine  Spur  einer  EinscknürungSBiarke,  innen  keine  Ver«- 
lotfaung  der  gegenübeiUeg^iden  Wandstellen.  Um  festzustellen»  in 
welcker  Zeit  Cat^tligaturen  resorbirt  werden,  brachte  er  in  eine  gut 
eiternde  WundböUe  SchUngen  mittlerer  Stärke;  schon  nadi  24  Stun- 
den fingen  dieselben  an,  dünner  eu  werden,  beaassen  nach  40—42 
Stunden  die  Dicke  feinster  Fäden  und  waren  nach  50 — 60  Stunden 
ToUkominen  au^elöst.  ControUversuche  in  auf  90°  F.  eiiialtenem 
Wasser  zeigten  nach  1 00  Stunden  noch  keine  Veränderung  der  Schlin- 
gen. Wenn  C  hiernach  fürchtet,  dass  die  schnelle  Resorption  der 
Catgutligaturen  und  die  mangelnde  Wirkung  auf  die  Gefasswandun- 
gen  die  Sicherheit  derselben  bei  Anwendung  von  Gefassligaturen  in 
Frage  stellen  könne,  so  ist  diese  Auffassung  widerlegt  durch  die  zahl- 
reichen Erfahrungen  über  Catgutligaturen  bei  grossen  Stämmen,  z.  B. 
Subdaria,  Carotis  —  in  dem  bekannten  Spe  nee 'sehen  Fall  lag  die 
Sdiuld  am  Material.  —  (Hätte  C.  mit  Ligaturen  an  Gefässen  experi- 
mentirt,  er  würde  wie  Andere  ein  anderes  Urtheil  abgeben;  Ref.  fand 
z.  B.  am  5.  Tage  nach  der  Amputation  noch  den  verdünnten  Faden 
an  der  Femoralis,  dieselbe  deutlich  aussen  eingeschnürt,  die  Intima 
allerdings  nicht  zerrissen,  aber  die  Wände  mit  einander  schon  ver- 
lothet.)  Pill  (Stettin). 

Wintemitz«     lieber  den  Einfluss  der  Hautfunction  auf  die 

Körpertemperatur. 

Vortrag  in  der  Sitcung  der  k.  k.  Oesellach.  der  Aerste  am  13.  Novbr.  1874. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1S74.  Ko.  48.) 

Verf.  beschreibt  höchst  interessante  Experimente:  Er  hat  calori- 

metrische  Versuche  angestellt^  um  den  Einfluss  des  Blutgehaltes  und 

der  Circalation  in  der  Haut  auf  die  Wärmeabgabe  durch  dieselbe 

festzustellen ;  dazu  liess  er  in  einem  Kästchen  von  bestimmtem  Volum 

die  Luft  durch  eine  umgrenzte  tmd  gemessene  Hautstelle  erwärmen. 

Die  E s mar ch 'sehe  Methode^  zu  anämisiren^  gestattete,  die  Wärme* 

abgäbe  bei  ausgeschlossener  Circulation  zu  prüfen.     Thermische  und 

mechanische  Reize  wurden  angewandt^   um  das  Lumen  der  Gefasse 

zu  alteriren.     Es  ergab  sich^  dass  das  Hautorgan  den  Wärme verlust 

um  mehr  als  50%  herabsetzen  und  um  mehr  als  60%  erhöhen  kann. 

Hieraus  ergiebt  sich,  dass  durch  längere  Zeit  von  einzelnen  Theilen 

zurückgehaltene  Wärme    die   ganze   Körpertemperatur   steigern    und 

physiologische  wie  pathologische  Temperaturverhältnisse  erklären  kann. 

'  T#  Mosengell  (Bonn). 

Anspitz.     lieber  die  venöse  Stauung  in  der  Haut. 

Vortrag  in  der  Sitzung  der  k.  k.  Gesellschaft  der  Aerzte  am  30.  Octbr.  1874. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1874.  No.  46.) 

A.  hatte  den  Einfluss  von  localen  Blutentziehungen  auf  Blattern- 
efBorescenzen  studiren  wollen.    Y4  Stunde  nach  Anlegen  einer  Ader- 


42  Centiralblatt  für  Chirurgie.   No.  3. 

lasebinde  über  dem  EBenbogen  einer  Blattemkranken  bemerkte  m«& 
an  der  Haut  des  Vorderatmes  viele  dunkle  schwarze  Funkte,  die  auf 
Stauung  in  den  oberflächlichen  Venen  beruhten.  VeiBuche  am  ge- 
sunden Arme  zeigten  Strotzen  der  Venen^  liyide  Verfärbung  der  Haut; 
die  Temperatur  nahm  zuerst  an  der  Vohurfläche  rascher  ab^  glich  sich 
später  aus;  Succulenz  der  Haut  deutete  auf  Austritt  von  Flüssigkeit. 
Der  Uyiden  Verfärbung  folgte  Auftreten  Yon  zinnoberrothen  Flecken; 
dazwischen  bemerkte  man  einzelne  weisse  und  etecknadelknop%ro'8se 
carmihrothe  oder  bläuliche.  A.  erklärt^  gestützt  auf  Versuche  am 
Kaninchenohr,  die  zinnoberrothen  Flecke  durch  Beimischung  aufge- 
lösten Hämoglobins,  die  weissen  als  Ausdruck  einer  Stauungsanämie. 

Y«  Moseuffeil  (Bonn). 


Fr.  H.  Hamilton  (New  York).     Treatement  of  fractures  of 

the  femiir  by  immovable  apparatus  and  especially  by  plaster 

of  Paris  in  the  form  of  a  continuous  roller. 

(New  York  med.  Journal  1874.  Aug.  No.  113.  p.  113.) 

Der  auf  diesem  Gebiete  als  Autorität  bekannte  Verf.  liefert  einen 
sehr  beachtenswerthen  Nachweis  über  die  Nachtheile  der  Anwendung 
des  Gipsverbandes  bei  Oberschenkelfracturen.  Namentlich  widerlegt 
er  die  verbreitete  Ansicht,  dass  bei  Oberschenkelfracturen  der  Gips- 
verband geeignet  sei,  eine  Heilung  ohne  Verkürzung  herbeizuführen. 
Indem  er  die  Schuld  an  diesem  Irrthum  von  der  Ui^enauigkeit  der 
angestellten  Messungen  ableitet,  giebt  er  eine  Zusammenstellung  von 
25  mit  Gipsverband  behandelten  Oberschenkelfracturen,  bei  denen  er 
selbst  exacte  Messungen  vorgenommen  hat.  Unter  6  Fällen  von  ein- 
fachen Oberschenkelbrüchen  bei  Individuen  bis  zu  18  Jahren  betrug 
die  Verkürzung  zwischen  Ys  ^^<^  1 V2  ^^^  >  dabei  bestand  in  3  Fällen 
beträchtliche  DijSbrmität  an  der  Bruchstelle.  Unter  19  Fällen  bei 
Individuen  über  18  Jahren  trat  nur  1  Mal  Heilung  ohne  Verkürzung 
ein;  in  den  übrigen  schwankte  dieselbe  zwischen  Vb  ^^^  ^  ^^^  ^^^^ 
betrug  im  Ganzen  durchschnittlich  über  y^  Zoll.  Ausserdem  verwirft 
Verf.  die  Anlegung  des  Gipsverbandes  unmittelbar  nach  der  Ver- 
letzung wegen  der  Gefahr  von  Gangrän;  als  Belege  dienen  2  Fälle, 
in  denen  die  eingetretene  Gangrän  des  Gliedes  von  der  Einschnürung 
durch  den  Gipsverband  abgeleitet  wird. 

Verf.  zieht  aus  diesen  Gründen  bei  Oberschenkelfracturen  dem 
Gipsverbande  die  Behandlung  mit  Gewichtsextension  mittelst  Heft- 
pflasterstreifen, bei  Kindern  in  Verbindung  mit  einer  doppelten  seit- 
lichen Schiene  vor.  Unter  9  auf  diese  Weise  behandelten  Fällen  trat 
3  Mal  Heilung  ohne,  Verkürzung  ein,  in  den  übrigen  schwankte  die- 
selbe zwischen  Y4  und  1  Zoll  und  betrug  im  Ganzen  durchschnitt- 
lich weniger  als  %  Z<^11*  P«  Brnos  (Tflbingen). 


CentnabkU  «At  Chirurgie.    No.  3.  48 

T,  Bl.  Smith  (New  York) .    The  stro^ht  sptint  in  elbow-joint 

injuries. 

(New  York  med.  Journal  1874.  Jvlj.  No.  112.  p.  44.) 

Verf.  empfiehlt  bei  gewissen  schweren  Fällen  von  Fractur  des 
unteren  Endes  des  Oberannes  und  Ellenbogengelenkes  an  Stelle  der 
üblichen  Lagerung  des  Gliedes  auf  Winkelschienen  die  Anwendung 
einer  langen  geraden  Schiene^  welche  er  in  einem  Falle  von  com- 
plicirtem  Schragbruch  des  unteren  Endes  des  Humerus  mit  dem  besten 
Erfolge  anwandte^  indem  nur  mit  Hülfe  dieser  letzteren  dje  Retention 
der  Fragmente  in  genügender  Weise  gelang.  Die  gegen  die  geraden 
Schienen  geltend  gemachten  Nachtheile  und  Unzuträglichkeiten  fand 
Verf.  bei  ihrer  Anwendung  nicht  bestätigt.  Ausserdem  dringt  Verf. 
in  solchen  Fällen  auf  sehr  frühzeitige  und  consequente  Vornahme 
passiver  Bewegungen  im  Ellenbogengelenk^  welche  nach  seiner  An* 
sieht  bei  Kindern  schon  nach  etwa  5  Tagen^  bei  Erwachsenen  einige 
Tage  später  beginnen  sollen.  P.  Bmns  (Tübingen). 


Obali^ki  und   T.   Browicz    (Ejrakau).     Ein   Fall    von 

Angioma  racemosnm  (polnisch). 

(Voigelegt  von  Prof.  Biesiadecki  in  der  math.-naturwiss.  Abthlg.  der  Akademie 
d.  Wissenschaften  zu  Krakau.    Siehe  Sitzungsberichte  dieser  Abthlg.  pro  1874.) 

Am  7.  October  1873  ¥mrde  in  das  St.  Lazarusr-Spital  eine  dOjähr. 
Jüdin  gebracht,  die  im  höchsten  Grade  anämisch  war  und  die  Hnke 
fibtnd  mit  in  Eisenchlorid  getauchter  Charpie  verbunden  hatte.  Die 
Anamnese  erwies,  dass  sich  bei  ihr  seit  8  Jahren,  besonders  bei  jedes- 
maliger Gravidität,  eine  Verdickung  der  linken  Hand  und  des  linken 
Vorderarmes  zeigte,  die  langsam  aber  stetig  wuchs.  Vor  2  Jahren 
wurde  ihr  anderwärts  eine  Amputation  gerathen,  in  die  sie  aber  nicht 
einwilligte.  Unterdessen  wurden  2  Finger  brandig  und  zuletzt  ent- 
stand eine  profuse  Blutxmg,  die  sie  endlich  zwang,  sich  den  Vorder- 
arm amputiren  zu  lassen.  —  Patientin  behauptet,  niemals  eine  Wunde 
auf  der  kranken  Extremität  gehabt  zu  haben.  —  Als  Ursache  der 
beträchtlichen  Dicke  der  Hand  und  des  Vorderarmes  erwiesen  sich 
Venen-  und  Arterienerweiterungen,  in  denen  ein  nicht  nur  hörbares, 
sondern  auch  fühlbares  Schwirren,  das  bei  Druck  auf  die  art.  brachialis 
gänzlich  verschwand,  zugegen  war.  —  Amputation  in  der  Hälfte  des 
Oberarmes;  Heilung  in  4  Wochen.  —  An  dem  abgesetzten  Gliede 
wurden  die  Gefässe  mit  erstarrenden  Massen  injicirt  und  genau 
piäparirt.  Es  wäre  zu  weitläufig,  hier  den  Verlauf  der  einzelnen 
Arterien  und  Venen  nach  dem  Original,  das  mit  einer  entsprechen- 
den Lithographie  ausgestattet  ist,  wiederzugeben ;  es  soll  nur  hervor- 
gehoben werden,  dass  die  art.  brachialis  ganz  normal  und  erst  ihre 
Aeste  imd  Zweige  einen  geschlängelten  und  mit  zahlreichen  von 
nuss-  und  taubeneigrossen  Knoten  unterbrochenen  Verlauf  zeigten. 


44  C6BtralbUtt  tdt  CluraigU.   No.  3. 

dfuss  die  Venen  statk  ausgedehnt,  nirgends  aber  mit  Arterien  oom- 
municirend  gefunden  wurden.  Das  Mikroskop  ergab  fettige  Degene- 
ration und  Atrophie  in  der  medianen  Gefasswandschicht,  im  Gregen- 
satz  zum  mikroskopischen  Befunde  bei  anderen  derartigen  Fällen. 

ObaliBsU  (Kr»kau). 

IL  Lcgeune.     Carie  vertebrale. 

(Archires  m^dicales  beiges  1874.  Hft.  11.) 

L.  theilt  mit  Anderen  die  Ansicht,  dass  Kinder  mit  Wirbel« 
caries  ohne  alle  ärztliche  Behandlung  die  Gefahren  der  Spondylitis 
ganz  gut  überstehen,  andere  dagegen,  meist  sehon  von  Hause  aus 
schwächlich  oder  serophulos,  an's  Bett^  resp.  Zimmer  gefesselt  und 
in  orthopädische  Apparate  geschnürt,  nun  erst  recht  elend  werden, 
ohne  dass  es  gelänge,  der  Verkrümmung  vorzubeugen,  oder  die  Hei- 
lungsdauer  abzukürzen.  Hierauf  gestützt,  hat  er  von  einer  rein  diäte- 
tischen Hehandfaing,  bestehend  in  Landaufenthalt,  Lagerung  in  freier 
Luft  auf  einer  Wiese  und  roborirender  Nahrung  (Leberthran,  Port- 
wein, gebratenes  Fleisch]  gute  Erfolge  gesehen. 

Am.  Hiller  (Berlin). 


Kleinere  Mittheilungen. 

K.  NiooladonL    Aus  der  chiruig.  Klinik  des  Prof.  v.  Dumreicher 
in  Wien.    Neuralgia  N.  mandibularis  dextri ;  Neurectomie  nach  Par- 
ravicini;  Meningitis;  Fibroma  N.  facialis  dext. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1874.  No.  43.) 

Verf.  hat  bei  einem  filteren  Fat.,  der  seit  2  Jahren  an  betreffender  Neuralgie 
litt,  nach  Parravicini  (auf  der  Innenseite  der  Mandibula  gegenüber  dem  Eintritt 
in  den  Knochencanal)  die  Resection  des  Nerven  gemacht.  Sprechen,  Kauen  etc. 
hatte  Auftreten  der  Schmerzen  bis  dahin  verursacht;  nach  der  Operation  blieben 
dieselben  2  Tage  lang  ans,  kehrten  dann  wieder  und  blieben  bis  zu  dem  bald  er- 
folgenden Tode  in  alter  Weise  bestehen.  Der  Tod  trat  unter  meniogitisohen  Er- 
scheinungen ein,  welche  durch  Fortleitung  eines  Jauchungsprocesses  in  der  Flügel- 
gaumengrube  entstanden ;  Thrombose  und  Phlebitis  des  plezus  yenos.  maxill.  hatte 
sich  auf  den  sinus  cavernosus  fortgesetzt  und  die  Meningitis  vermittelt.  Die 
schlechte  »Mundtoilette«  wird  gewiss  mit  Hecht  als  primäre  Todesursache  ange- 
sehen. Die  Autopsie  ergab  den  merkwürdigen  Beftind,  dass  an  der  hinteren  Flftche 
der  rechten  Felienbeinpyraraide  ein  nussgrosser  harter  Tirnior  existirte,  der  zapfen- 
artig in  den  meatus  auditor.  int.  hineinragte  und  innig  mit  den  darin  verlaufenden 
Nerven  verwachsen  war.  Der  Facialis  über  dem  Acusticus  liegend  ganz,  letzterer 
nur  rudiment&r  erhalten.  Mit  seiner  Kuppe  erreichte  der  Tumor  gerade  den 
Stamm  des  Tngeminus,  diesen  knapp  berührend.  Der  Tumor  selbst  stellte  sich 
als  eine  derbe  bindegewebige  Neubildung  dar.  Falls  der  Tumor  die  Ursache  der 
Neuralgie  gewesen,  ist  das  sofort  nach  der  Besection  auftretende  Cessiren  des 
Schmerzes  auffallend,  da  der  Ort  des  Insultes  so  weit  central  von  der  Reseodons- 
stelle  gelegen  war.  Die  intramandibulftre  Partie  des  Nerven  ist  leider  nicht  unter- 
sucht (vergl.  V.  Mosetig,  Wiener  med.  Wochenschrift  1874.  No.  12,  ref.  im 
Centralbl.  f.  Chtr.  1874.  Ko.  24.  p.  981).  v«  Moseng«!!  (Bonn). 


Centndbktt  fllv  Chlrargi«.    Mo.  3.  4fr 


H.  Friedbexv  (Bresbrn).    Tficl^che  Bliitverani»ang  und  jauchige  Blut- 
Yeigiftang,  yenusaclit  durch  kunstwidrige  Anwendung  von  Senfteig. 

(Wi«ner  ned.  WdclMiiMhrift  1874.  No.  37,  38,  39.) 

Em  Medidnalpfuscher  und  Buchbinder  hatte  einen  Patienten,  welcher  w&hrend 
des  letsten  Krieges  eine  Lähmung  und  Anästhesie  der  unteren  Extremitäten  be- 
kommen, die  beicten  Beine  total  in  Senfteig  einschlagen  und  diesen  18  Stunden 
liegen  lassen.  Der  Tod  erfolgte  in  der  durch  die  Ueberschrift  charakterisirten 
W«iM  wid  gab  YemalaMimg  aum  Einschreiten  des  Gerichtes. 

T.  H^s^geil  (Bonn). 

James  B.  Jaolcson.    0&  bloodless  Operations  with  illustrative  cases. 

(The  Ind.  Med.  Gaaette  1874.  y<^.  IX.  No.  9.  p.  238.) 

J.  TetfiAntlieht  4  Fälle  Ton  Opeiatioiien ,  in  denen  er  die  Esmarch'sche 
Methode  anvaodte.  Der  1.  Fall  betriit  eine  Amputation  des  Fasses  nadi  ftyme 
nagea  einer  caveiaoiBatdsea  Oesehwnlst  auf  dem  FussiMken.  Dvank  Anlegen 
einer  Catieobiade  machte  er  Fase  and  UnterSohenkel  blstleer  und  statt  des  elasti* 
sdbsn  Sehlaaohes  legte  er  eine  cufgetoUte  Pinde  in  die  Kniekehle  and ,  darüber  ein 
Toumiqaet.  Der  grdssere  Theil  des  Fersenlappens  wurde  gangränös  und  glaubt  J.» 
daas  müögüoherweiee  die  sMoodkaa  metho^  aiit  zu  diesem  Bre^nias  beigetfagen 
habe.  Sein  Patient  war  ein  cachektischer  alter  Hindu.  Trots  der  Lappengangrän 
trat  nach  6  Wochen  Heilung  des  Stumpfes  ein.  —  Im  2.  FaUe,  einem  24jlÜir.  Manne, 
legte  er  einen  sinus  durch  einen  8  SoU  langen  Sitoitt  am  Obenehenkel  blose  und 
beobachtete  keine  üblen  Erscheinungen.  —  Im  3.  Falle  entfernte  er  einem  22jähr. 
Manne  2  Sequester  au»  dem  Schafte  des  Knkea  Femur,  wobei  er  in  der  Kniekehle 
in  die  Tiefe  ging.  Auch  hier  beobachtete  er  keine  schlimmen  Nacherscheinungen.  — 
Viertens  entfernte  er  einem  14jähr.  Hindu-Mädchen  wegen  Caries  das  rechte  Oe 
cuboid.,  OS  cuneif.  extern.,  den  5.,  4.  und  einen  Theil  des  3.  Metatarsusknochens 
ohne  einen  Tropfen  Blutverlust.  Auch  nach  Abnahme  des  Toumiquets  floss  nur 
eine  unbedeutende  Quantität  Blut  ab  und  es  brauchten  keine  Ligaturen  angelegt 
sn  werden.  Auch  hier  keine  Beobachtung  ungünstiger  Erscheinungen.  J.  nennt 
seine  Anwendung  der  Calicobinde,  sowie  die  Compresaion  der  Hauptarterie  mit 
Compresse  und  Toumiquet  eine  »Modification«  des  Esmarc haschen  Verfahrens. 

A»  Borger  (London). 

Uhda  (Braunschweig).     lieber  Ovariotomieen. 

(Deutsche  KUnik  1874.  No.  24—27.) 

Verf.  theilt  ausführlich  einen  Fall  von  Ovariotomie  nlit,  die  er  bei  einer  28j. 
Patientin  mit  unilooolärer  Ovariencyste  ausgeführt  hat.  Nach  vorauigeschiekter 
einmaliger  Function  wurde  die  Exstirpation  der  Cyste  in  der  gewöhnlichen  Weise 
ausgeführt,  der  Stiel  mehrfoch  abgebunden  und  in  eine  Klammer  gefasst.  Voll- 
standige  Heilung.  F.  Brans  (Tübingen). 

P.  laeven  (Petersburg).     8  partielle  (unvollendete]  Ovariotomieen. 
{$t.  Petersb.  med.  Zeitschria  1873/4.  Bd.  IV.  Hfl.  2.  p.  175.) 

In  dem  i.  Falle  wurde  die  Orariotomie  im  Jahre  1868  bei  einer  32jähr.  Frau 
wegen  einer  grossen  einkämmerigen  Cyste  vorgenommen.  Wegen  der  allseitigen 
Verwachsung  konnten  blos  2  Dritttheile  der  Cystenwand  abgelöst  und  entfernt  wer- 
den, während  der  Beckeathefl  der  Cyste  surfickgelassen  wurde.  Der  Erfolg  war 
gteatig,  der  Bestand  der  Heilung  dauerte  3  Jaäre.  Dann  trat  Recidiv  in  Form 
eines  saroomotösen  Tumors  ein,  welcher  die  Bauchwand  perforirte  und  in  Verjauch- 
ung fibergiag. 

In  dem  2.  Falle,  bei  einer  38jähr.  Ftau,  gelang  die  Exstirpation  der  Ovarien- 
eyste  wegen  ftäcbenhafter  Adhäsionen  im  kleinen  Becken  nidit  volktändig  und 
musste  etn  luistgrosser  Theil  lurüekgelassen  werden.    Der  Erfolg  war  günstig,  je- 


46  CentMlbktt  fOr  CäiiroigM.    No.  3. 

doch  blieb  eine  BauQhhdhleiüfistel  surOiek.    Nach  emem  Jahie  erfolg  dar  Tod  jem 
Septic&mie. 

Der  3.  Fall  betraf  eine  mehrkämmerige  Ovariencyste,  welche  sowohl  mit  der 
Wand  des  kleinen  Beckens,  als  mit  der  hinteren  Flftche  des  Uterus  verwachsen  war. 
Die  Oeschwiüst  wurde  in  der  Mitte  abgebunden  und  durchgeschnitten,  der  Stumpf 
aus  der  Bauchwunde  herausgeleitet    Tod  nach  36  Stunden. 

P«  Brnits  (Tübingen). 

Iffohim  Munder  Roy.    A  case  of  lupture  of  the  spieen  oomplicated 
with  fracture   of  the  lefit  temporal  bone  and  eifusion  of  blood  on  the 

right  cerebral  hemisphere. 

(The  Indian  Med.  Gazette  1874.  Yol.  IX.  No.  S.  p.  212.) 

Bei  einem  an  körperlicher  Misshandlung  gestorbenen  Manne  fand  R.  die  Milz 
geborsten,  ohne  dass  an  der  Haut  der  Milsgegend  Zeichen  von  Gewalt  yorhanden 
waren.  Der  Biss  in  der  Milz  war  an  der  inneren  Fliehe  vor  dem  Hiloa  und  ei^ 
streckte  sich  von  oben  bis  unten.  In  der  Bauchhöhle  war  IVa  Finte  Blut.  Trotz 
des  Blutverlustes  war  die  Milz  vergrössert  und  erweicht.  Ebenso  hatte  ein  Blnt- 
austritt  über  der  rechten  Himhemisph&re  stattgefunden,  w&hrend  die  linke  Kopfseite 
die  Zeichen  der  Gewalt  an  sich  trug  und  das  linke  Schläfenbein  zersplittert  war. 

A.  Bnrger  (London). 

/     Bansel.     Geschwulst  mit  Haaren  im  Rectum. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  Bd.  XVII  Hft.  3.  pag.  442—448.) 

Ein  25jahrige8  M&dchen  tr&gt  in  der  vorderen  Wand  des  Rectums,  21/2  Zoll 
über  dem  After  eine  harte,  ziemlich  bewegliche  Geschwulst,  von  welcher  ein  reich- 
licher Haarwuchs  ausging,  der  in  Form  eines  dicken  bräunlichen  Schwanzes  aus 
dem  After  hervorragte  und  ausgerissen,  sich  immer  von  Neuem  wieder  bildete. 
Exstirpation ;  Tod  3V2  Monate  später  an  Erschöpfung,  für  welche  sich  als  Ursache 
nur  eine  ganz  circumscripte  Peritonitis  nachweisen  Hess,  in  Folge  davon  der  Ute- 
rus und  die  Übrigens  vollkommen  geheilte  Rectumwunde  zusammenhingen.  Ova- 
rien gesund. 

Die  runde  Geschwulst  ist  ca.  4  Cm.  hoch  und  3,5 — 4,5  Cm.  breit,  an  der 
Oberfläche  mit  gewöhnlicher  Haut,  der  indess  die  Tastkörperchen  fehlen,  und  mit 
vielen  12— IS  Cm.  langen,  in  ihr  wurzelnden  Haaren  bedeckt  und  im  Innern  von 
Knochenbalken  und  Nerven  durchzogen.  Auch  beherbergt  sie  eine  rudimentäre 
Hirnanlage,  an  der  Basis  einen  prominirenden  Zahn.  Es  handelt  sich  nach  D. 
also  um  ein  im  Rectum  vorhanden  gewesenes  Dermoid. 

WUh.  Koch  (Berlin). 

Martini.     Ueber  Trichiasis  vesicae. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  Bd.  XVII.  Hft.  3.  pag.  449—453.) 

Ein  mit  Atresia  ani  et  urethrae  geborenes  und  nach  48  Std.  verstorbenes 
Kind  zeigt  ausser  zahlreichen  im  Original  nachzusehenden  Anomalieen  folgenden 
Beckeninhalt. 

Hinter  dem  unteren  Theil  der  Bauchwand,  das  kleine  und  grosse  Becken  fast 
vollständig  ausfüllend,  liegt  eine  bimförmige,  mit  der  Spitze  den  Nabelring  errei- 
chende Geschwulst,  in  welche  das  untere,  fast  gerade  anir  Beckenmitte  verlaufende 
Dickdarmende  mittelst  ganz  feiner  Oeffnung  einmündet.  Diese  sehr  dickwandige 
Geschwulst  stellt  die  mit  dem  Dickdarm  communicirende  Blase  des  Kindes  dar, 
welche  durch  eine  am  untern  Umfang  des  Nabebinges  befindliche  Oeffnung  nach 
aussen  mündete.  Ihr  vorderer  Abschnitt  hat  alle  Attribute  einer' Blasenwand,  ihr 
hinterer  die  der  äusseren  Haut  mit  Haarbälgen.    Der  allein  vorhandene  recht 

e 


Ce&ttalbkU  fOr  Ohirmgie.   No.  3.  47 

Ureter  mOndat  in  die  Tordeve  Hilfte  nioht  weit  Ton  der  Spina  ant  sup;  alleia 
dieser  gehört  auch  das  Trigonum  Lieutaudi  sammt  dem  filasenhals  an.  Eine  Harn- 
röhre fehlt. 

Man  unterschied  bisher  drei  MO^ehkeiteii  des  Vorkommens  Ton  Haaren  in 
dsr  Blase:  1)  abeichtliches  oder  zuf&liiges  Hineingelangen  von  aussen  her,  2)  Durch- 
brach einer  Dermoidcyste  mit  Haaren  in  die  Blase,  3)  Bildung  von  Haaren  auf 
der  Blasenschleimhaut.  Letztere  MOgligkeit  stellt  M.  in  Abrede  und  behauptet, 
dass  es  sich  in  allen  als  Trichiasis  der  Blase  beschriebenen  Fftllen  um  nicht  er- 
liannte,  offene  Dermoide  handelte,  deren  Wand  zum  Theil  die  Blasenwand  con- 
«tituirte.  Wilh.  Koch  (Berlin) . 


J.  Mo.  Carthy.     Epiphysentrennung  des  grossen  Rollhügels. 
iTransact.  of  the  pathol.  Soc  of  London  1874.  p.  200.) 

Ein  Sjähr.  Eoiabe  mit  beträchlicher  Schwellung  über  dem  os  sacrum  wird  fast 
sterbend  in  das  Londoner  Hospital  gebracht.  Section:  Eiter  im  rechten  Stemo- 
Clavicular-Gelenk,  pyimische  Pericarditis,  Pleuro- Pneumonie;  grosse  extraperi- 
toneale Siterabsackung  reicht  längs  des  Muse,  pyriform.  au  einer  rings  um  das 
Hüftgelenk  gelegenen  Eiteransammlung.  Die  Epiphyse  des  grossen  Rollhügels  in 
toto  abgetrennt  vom  Schaft,  h&ngt  mit  ihm  nur  durch  sehnige  Faserzüge  zusam- 
men. Nachträglich  erfahr  man,  das  Rind  sei  vor  8  Tagen  beim  Spielen  auf  die 
Unke  Seite  gefallen,  erst  später,  als  die  Schwellung  des  Oberschenkels  und  Athem- 
beschwerden  sich  einstellten,  wurde  man  auf  das  Leiden  aufmerksam;  das  Kind 
war  die  halbe  Meile  zum  Hospital,  ohpe  dass  es  über  Schmerzen  geklagt  hätte, 

gegangen.  Pllx  (Stettin). 

> 

B.  ▼•  Langenbeok.    Ein  Fall  von  Exarticulation  des  recliten  Ober- 
achenkels mit  Bildung  eines  hinteren  Lappens. 

(Vorgetragen  mit  Vorstellung  des  Patienten  in  der  Berl.  med.  Gesellschaft  am 
21.  Octbr.  1874.     Berl.  klin.  Wochenschrift  1874.  No.  46.) 

Einem  28jähr.  Pat.  war  binnen  10  Jsjbren  eine  Geschwidst  an  der  unteren 
Psrtie  des  Obeitdienkels  gewachsen,  die  zuletzt  schnell  zunahm.  Da  zahlreiche 
iDguinaldrfisen  derart  mit  afficirt  waren,  dass  an  ihre  Einzelexstirpation  nicht 
gedacht  werden  konnte,  nahm  v.  L.  die  Exarticulation  des  Femur  mit  Bildung 
eines  hinteren  Lappens  vor.  Vorausgeschickt  wurde  die  Unterbindung  der  a.  femor. 
dicht  imter  dem  Lig.  Poupartii,  Es  mar  ch 'sehe  Blutentleerung  und  Compression 
der  Aorta.  Die  Basis  des  hinteren  Lappens,  welcher  darauf  gebildet  wurde,  lag 
zwischen  dem  grossen  Trochanter  und  dem  Damme,  seine  Ausdehnung  betraf  die 
ganze  hintere  Fläche  des  Oberschenkels ;  nachdem  man  ihn  bis  zum  Tuber  ischii  bei 
flecdrter  Stellung  des  Obersehenkels  abpräparirt  hatte,  wurden  bei  Extension  vorn 
die  Weichtheile  dicht  unter  dem  Lig.  Poupartii  und  der  Femoralligatur  durch- 
trennt und  dabei  sofort  das  Gelenk  eröffnet.  Nach  Absetzung  des  Gliedes  spritz- 
ten einige  Arterien  wegen  Verschiebung  des  Aortencompressoriums.  Die  Heilung 
erfolgte  in  6  ViTochen.  Der  Tumor  war  ein  vom  Periost  ausgehendes  weiches  Sar- 
com,  das  bis  an  die  Synovialkapsel  des  Kniegelenkes  reichtCi  ohne  in  sie  hinein- 
gewachsen zu  sein.  —  Schliesslich  erwähnt  Verf.,  dass  in  Kxiegszeiten  die  Exartic. 
femoris  aberhaupt  meist  zu  spät  ausgeführt  werde,  daher  so  üble  Besultate  gebe, 
▼<m  denen  die  Friedenspraxis  frei  sei;  dass  aber  die  Mortalität  im  Kriege  nicht 
durch  den  Shok  bedingt  sei,  wie  die  Amerikaner  angeben ,  da  im  Frieden  die- 
selben Nerven  zerschnitten,  derselbe  grosse  Bruchtheil  des  Körpers  entfernt  werde, 
•ondem  eben  durch  den  Umstand,  dass  die  Operation  im  Felde  meist  nach  zu 
grossem  Blutverlust  und  zu  spät  ausgeführt  werde.  T*  Hosengell  (Bonn) . 


46  CentMJblMt  fQf  ChinugM.    No.  8. 

B.  Volkmaxm.    Zwei  FSUe  von  Diaphysenoeteotomieen  wegen  Knie- 

gelenksankylosen . 

(Berl.  klin.  Woohensehxift  1874.  No.  50.) 

Durch  die  Erfolge  der  antiseptischen  Wundbehandlung  veranlasst,  fahrte  V* 
erfolgreich  bei  2  fast  erwachsenen  Mädchen  die  Diaphysenosteotomie  aus.  In  bei- 
den Fällen  lag  rechtwinklige  für  brisement  nicht  geeignete  Kniegelenkscontractur 
vor.  Von  13  im  Jahre  1874  ausgeführten  Osteotomieen  sind  10  ohne  jedwede,  3 
mit  minimaler  Eiterung  geheilt.  Alle  Operationen  sind  mit  Meissein  ausgeführt; 
zur  Osteotomia  simplex  bedient  sich  V.  sehr  schmaler  Meissel,  die  eine  Sehneidenbreita 
von  2 — 3  Linien  haben,  sur  Ost.  cuneiformis  breiterer.  Die  Hinterwand  wurde 
nie  durchmeisselt,  sondern  eingeknickt.  —  Ueber  die  Indicationen  zur  Osteotomie 
ist  im  Original  nachzulesen.  —  Schliesslich  macht  Verf.  noch  auf  die  Beobachtung 
aufmerksam,  dass  bei  erheblichen  Kniecontracturen,  selbst  bei  noch  partiell  be- 
weglichem Gelenk,  eine  Verlängerung  der  Femoralcondylen  in  der  Richtung  der 
Längsaxe  des  Knochens  nachweissbar  ist,  da  eben  bei  der  permanenten  Flezions- 
stellung  der  Druck  auf  die  Condylen  wegfällt.  T»  Mosengeil  (Bonn). 

P.  Buppreoht  (HaUe  a/S.).    Ein  Fall  von  Perforation  des  Warzen- 
fortsatzes nebst  Bemerkungen    über  die  bisherigen  Resultate  dieser 

Operation. 

(BerL  klin.  Wochenschrift  1874.  No.  47.) 

Ein  70jähr.  Fat.  litt  seit  Vs  ^^^  ^^  eitrigem  Ohrenfluss,  seit  Vi  ^shr  an  einer 
Fistel  hinter  dem  Ohre  und  Schmerzen  im  Kopf,  besonders  dem  Hinterhaupt  Die 
Fistel  führte  in  einen  Abscess,  nirgends  kam  die  Sonde  auf  Knochen.  Die 
Diagnose  wurde  auf  eine  durch  Mittelohreiterung  bedingte  Caries  des  Processus 
mastoideus  gestellt  und  Eröffnung  der  Zellen  desselben  Torgesehlagen.  Kn  Sohnkt 
trennte  die  stark  verdickten  Weichtheile,  der  Abscess  wurde  ausgelöffelt,  der  Kno- 
chen freigelegt;  er  zeigte  2  feine  Löcher,  aus  denen  Eiter  kam;  durch  Meissel- 
schläge  Tereinigt,  führten  ne  auf  Granulationen.  Man  bohrte  und  meisselte  weiter 
bis  zum  Mittelohr.  Die  Wunde  heute  und  brach  wieder  auf,  um  einen  kleinen 
Sequester  zu  entleeren,  wonach  sie  sich  definitiv  schloss.  Da  die  so  oft  indicbrte 
Operation  so  selten  geübt  wird,  empfiehlt  sie  Verf.  wegen  des  guten  Erfolges  in 
seinem  Falle.  T.  MpseBgett  (Bonn). 

Loewer.    Propylamin  gegen  Kheumatismus. 

(Deutoche  müitärärztl.  Zeitschrift  1874.  Hft.  11.) 

Das  Mittel  fand  Verf.  wirksam  nur  bei  acutem  Oelenkrheumatisnms,  hier  aller- 
dings in  vorzüglichem  Masse.  Seine  Wirkung  äusserte  sieh,  entsprechend  den  be- 
kannten Versuchsresultaten  an  Thieren,  in  raschem  Sinken  der  Temperatur  tmd 
des  Pulses  (bis  48  Schläge!)  und  schneller  Abnahme  der  Schmerzen  und  der 
Schwellung.  Wenige  Stunden  nach  der  Darreichung  erfolgten  profuse  Schweisse, 
nach  kaum  2  Tagen  rasche  Besserung.  Durchschnittliche  Krankheitadaner,  je  nach 
der  Intensität  der  Fälle,  4—8  Tage.  Dosis  1 :180  (mit  Elaeos.  Menth.  8),  2standl. 
1  Esslöffel;  im  Ganzen  bis  3  grm.  Gleichzeitige  Herzaffectionen  sollen  keine 
Gegenindication  far  die  Anwendung  des  Mittels . sein.         Am.  Hiller  (Berlin). 

Orlginalmittheilnngen,  Monographteen  und  Sepsrst&bdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TillmanM,  Leipzig,  Marlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagsbandlvng, 
Bftitkopf  und  Härtelj  einsenden. 


Drnck  and  Verlag  Ton  Breiticopf  vad  Hlrtal  In  Leipslg. 


Gentralblatt 


Ar 


CHIRURGIE 


heransgegeben 

▼on 


Br.Llener.  Dr.  I.  Sckelle,  Dr.  E  TflliaiuB 

is  Berlin.  in  Halle  a.  8.  in  IJeipüg. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wodiendich  eine  Nummer.    Freit  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Pr&- 
nmneration.     Zu.  beäehen  durch  alle  Boehhandlungen  und  Foetanstaiten. 


K^  4.  Somuibeiid,  den  23.  Januar.  1876. 

Inhalti  L^ssaa,  Neue  Experimente  snr  Lehre  von  dem  Mechanismns  der  Bnichein- 
klemmnng.  (Original-Mittheilang.) 

■aysr,  Dbecte  electrische  Reizung  des  Säugethierherzens.  —  Jenscher,  Wirkung  der 
Cttbols&uie  auf  die  Nerven,  das  Oehim  und  Rückenmark.  —  Frledlimlef ,  KüuBtliche 
Eizeegung  von  Tuberkulose.  —  Baumgarieay  Tuberkulose  der  Haut^  —  Jahresbericht 
des  Communehospitsls  za  Kopenhagen.  —  Bottini,  Behandlung  der  Prostatahypertrophie. 
—  KrtmnHZy  Aneurysma  arterlae  meningeae  med.  —  Mannel,  üterusflbroide.  —  Pater- 
na,  Expeiünentelle  Studien  Hber  Pathogenese  und  Therapie  der  Cystitis.  —  Panartf^ 
Kaikconeremente  in  den  präpatellaren  Schleimbeuteln.  —  Redtr,  Mechanik  des  Sprung- 
gelenks. 

ThoilipSOii  nnd  Kaapp,  Retinslgltom.  —  Knapp  und  Turabttll,  BeünalgÜom  mit  sub- 

periostalen  metastatischen  GeschwiUsten.   —   OolbeaVp   Makrochylie.   —  Oberrlt,  Retro- 

pharyngeal' Abscess.  —  Fleury,  Congenitales  Fehlen   der  Blase.   —   Michaelis ;   Becken- 

sebnss.  —  ReltSy  Darmperforation.  —  eostelliiy  Irreponible  Hernien;  Tarlc5se  Phlebitis. 

—  Riehat,  Ueber  traumatische,  primäre  Knochensplitter  in  Gallus  eingebettet. 


Nene  Experimente  zur  Lehre  von  dem  Mechanismus 

der  Brucheinklemmung. 

Von 

Dr.  Hermann  Lossen, 

Privatdocent  der  Chirurgie  in  Heidelberg. 

(Schluss.) 

II. 

In  einem^  in  No.  36  dieses  Blattes  v.  1874  xnitgetheilten  Auf- 
satie  bdiauptet  Herr  Prof.  Roser ^  ich  hätte  seine  Theorie  der  »Bruch- 
eioklemmungsklappena  nicht  bekämpft,  yielmehr  seinen  Fundamental- 
versuch  ignorirt.  Er  wiederholt  dann  die  bereits  früher  an  die  Fach- 
genossen gerichtete  Aufforderung^  sein  Experiment  nachzumachen  und 
zu  prüfen. 


50  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  4. 

Der  Behauptung  des  Herrn  Pirof.  Roser  gegenüber  erlaube  ich 
mir  auf  p.  311  meines  in  Langenbeck*s  Archiv  Bd.  XVII^  ver- 
öffentlichten Vortrages  hinzuweisen^  wo  der  Roser'sche  Versuch 
besprochen  und  beurtheilt  'ut.  Gleichwohl  bin  ich  auch  jetzt  gern  be- 
reit, der  Aufforderung  des  Herrn  Prof.  Roser  Folge  zu  leisten,  um 
so  mehr,  als  der  erwähnten^  Besprechung  nur  dia  zur  Demonstration 
der  »Klappen«  bestimmte  Versuchsmodification  zu  Grunde  gelegen 
hatte  und  ein  genaueres  Eingehen  wegen  der  einem  Vortrage  gesetz- 
ten Schranken  unmöglich  war. 

Inzwischen  habe  ich  den  Roser 'sehen  Versuch  oft  und  auf  ver- 
schiedene Weise  wiederholt  und  werde  im  Folgenden  die  gewonnenen 
Resultate  mittheilen. 

Um  keinen  Anlass  zu  neuen  Missverständnissen  zu  geben,  sei 
der  Versuch  zuerst  genau  beschrieben. 

In  einen  mehrere  Fuss  langen,  am  Mesenterium  hängenden 
Schweinedünndarm  wurde  Wasser  gegossen,  dann  eine  kleine  Schlinge 
durch  das  1  Cm.  weite  Loch  eines  Cigarrenkastenbrettchens  gezogen 
und  durch  Nachdrängen  der  Flüssigkeit  gefüllt.  Sobald  die  Schlinge 
schwach  gespannt  war,  wurde  das  Brettchen  umgedreht.  Die  Darm- 
schlinge stand  nun  nach  oben,  beide  Enden  waren  nach  abwärts  ge- 
richtet. 

Liess  man  den  Darm  unberührt,  so  blieb  die  Schlinge  angefüllt, 
weder  durch  den  zu-,  noch  durch  den  abfuhrenden  Schenkel  floss 
Flüssigkeit  ab.  Comprimirte  man  die  Schlinge  zwischen  2  Fingern, 
fio  entleerte  sie  sich  in  manchen  Fällen  sehr  rasch,  in  andern  aber 
spannte  sie  sich  prall,  unmittelbar  vor  der  Bruchpforte  und  selbst 
starker  Druck  vermochte  es  nicht,  auch  nur  einen  Tropfen  heraus- 
zupressen. Das  letztere  trat  besonders  häufig  dann  ein,  wenn  die 
Schlinge  am  Scheitel  zusammengedrückt  wurde,  oder  wenn  zugleich 
mit  dem  Druck  ein  Zug  wirkte. 

Augenscheinlich  hatte  ich  hier  das  Hoser'sche  V^ersuchs- 
resultat  vor  mir.  Wie  war  es  zu  erklären?  War  ein  »Klappen- 
mechanismus« im  Spiele,  oder  handelte  es  sich  um  ein  anderes  noch 
unbekanntes  Moment? 

Gegen  die  Annahme  von  klappeuartigen  Faltungen  der  Schleim- 
haut, oder,  wie  Herr  Prof.  Roser  später*)  annahm,  der  ganzen 
Dannwand,  sprachen  mir  vor  Allem  physikalische  Gründe.  Es  ist 
schwer  denkbar,  dass  eine  in  praller  Ausdehnung  begriffene  Membran 
an  irgend  einer  Stelle  Falten  schlagen  solle.  Man  wäre  eher  geneigt 
anzunehmen,  dass  die  etwa  vorhandeinen  Falten  und  Duplicaturen 
sich  glätten  müssten.  Indessen,  zugegeben,  es  beständen  klappen- 
artige Faltungen,  so  folgt,  dass  Klappen,  welche  ein  Zurückströmen 
der  Flüssigkeit  verhindern,  ein  Zufliessen  derselben  gestatten  müssen, 
sobald  an  der  Seite  des  Zuflusses  ein  geringes  Plus  von  Druck  vor- 
handen ist.     Ich  habe  mit  Einschaltung  des  Manometers  den   einen 


»)  Handbuch  d.  anat.  Chirurgie,  VI.  Aufl.  1872.  p.  343. 


Centtalbktt  für  Chiruxgi«.    No.  4.  51 

Schenkel  der  nach  Böser  abgesperrten  Darmscfalinge  mit  Luft  ge- 
füllt, nachdem  die  Compresaion  aufgehobext,  der  Druck  in  der  Schlinge 
also  auf  0  Hg.  gesunken  war.  Die  »Klappe«  öffnete  sich  je  nach  der 
Festigkeit  der  Einklemmung  bei  Vi»  U  2,  3,  4  Cm.  Hg.  Die  »Klappe« 
konnte  somit  keine  Klappe  im  mechanischen  Sinne  des  Wortes  sein. 
Sind  klappenartige  Faltungen  der  Schleimhaut  vorhanden,  so 
müssen  sie  auf  irgend  eine  Weise  fixirt  und  dem  Auge  zugänglich 
gemacht  werden  können.  Herr  Prof.  Böser  hat  dieser  Forderung 
durch  seine  bereits  oben  berührte  Versuchsmodification  zu  genügen 
gesucht*).  Er  schnitt  die  eingeklemmte  DarmschUnge  an  ihrer  con- 
rexen  Seite  auf  und  füllte  sie  mit  reinem  Wasser.  »Man  erkennt 
alsdann,  indem  man  in  den  offenen  Darm  hineinsieht,  die  klappen- 
artige Anordnung  der  Darm£älten ;  die  Klappen  nehmen  sich  ähnlich 
aus,  wie  man  sie  an  der  Aorta  unter  Wasser  zu  prüfen  gewohnt  ist«. 
Wer  den  Versuch  nachahmt,  wird  sich  schwer  von  dieser  Aehn- 
lichkeit  überzeugen  können.  Man  blickt  jederseits  in  einen  tiefen 
Trichter  hinein,  der  unten  verschlossen  ist  und  dessen  abschüssige 
Wandungen  von  convergirenden  Längsfalten  eingenommen  sind. 
Der  von  Herrn  Prof.  Koser  gebrauchte  Vergleich  ist  daher  nicht 
zutreffend. 

Anschaulicher  müsste  das  Bild  des  »klappenartigen  Verschlussesa 
auf  dem  Längsschnitte  werden,  hier  müsste  man  die  Faltimgen  deut- 
lich sehen  und  demonstriren  können.  Trockenpräparate  sind  hierzu 
weniger  geeignet,  —  man  würde  den  Einwurf  erheben,  die  »Klappen« 
seien  vertrocknet,  obgleich  die  Valvula  Baidiini  auf  diese  Weise  recht 
gut  zu  demonstriren  ist  — ,  dagegen  versprechen  Wachseingüsse  und 
IQ  absolutem  Alkohol  erhärtete  Luftinjectionspräparate  gute  Bilder. 

Ich  habe  bereits  früher ''^J  .den  einen  Boser'schen  Versuch  mit 
fliwsigem  Wachs  nachgeahmt,  von  dem  anderen  habe  ich  kürzlich 
Wachs-  und  Alkoholpräparate  angefertigt.  Waren  die  Einklemmungs- 
erscheinungen  auch  noch  so  evident,  in  keinem  Falle  wollte  es  mir 
gelingen,  die  einer  Klappe  ähnlichen  Faltungen  zu  entdecken*^*). 

Nach  Allem  dem  ist  es  in  hohem  Grade  unwahrscheinlich,  dass 
ein  Klappenspiel  den  eigenthümlichen  Verschluss  erzeuge.  Diese  Un- 
Wahrscheinlichkeit  wächst  durch  den  Nachweis  eines  anderen  Momen- 
tes, dessen  verschUcssende  Wirkung  mit  Evidenz  zu  demonstriren  ist. 
Beobachtet  man,  während  die  Damischlinge  in  dem  Ros  er 'sehen 
Experimente  zwischen  den  Fingern  comprimirt  wird,  die  beiden  freien 
Darmenden,  so  wird  man  stets  bemerken,  wie  dieselben  mit  wachsen- 
dem Drucke  durch  die  Bruchpforte  hindurch  nach  aussen  schlüpfen 
und  erst  ruhig  und  bewegungslos  verharren,  wenn  der  Verschluss 
vollendet  ist.  Zugleich  ist  zu  constatiren,  dass  die  Darmschlinge  nach 
der  Compression   grösser  ist  und  bei   dem  Nachlassen  des  Druckes 

*)  Archiv  für  phys.  Heilkunde.  Bd.  XV.  p.  358. 
**)  Lange nbeck's  Archiv.  Bd.  XVII.  p.  311. 

**♦)  Die  genaue  Beschreibung  dieser  Versuche  sowie  die  Abbildungen  der  PlrÄ- 
paiate  folgen  an  anderer  Stelle. 

4* 


52  Centralblatt  fQr  Chiruigi«.   No.  4. 

weniger  pxall  gespannt  ergeheint.  Es  wird  also  augenseheinlich  wäh- 
rend der  Compression  Darm  nach  aussen  gezogen.  Mit  ihm  moss 
selbstverständlich  das  Mesenterium  herausrücken  und  der  Verdacht 
liegt  ausserordentlich  nahe,  dass  ganz  ähnlich,  wie  bei  dem  neuesten 
Busch'schen  Versuche,  auch  hier  das  Gekröse  beide  Darmenden 
ausammenpresse. 

Zwei  leicht  anzustellende  Oegenversuche  bestärken  diese  Ansicht. 
Verhindert  man  das  Nachrücken  der  Darmenden,  indem  man  sie  fest- 
hält, oder  einfacher,  indem  man  das  Brettchen  sammt  der  eingeklemmt 
ten  Schlinge  in  die  Höhe  hebt,  so  dass  das  übrige  Darmconyolut 
schwebend  hängt,  so  tritt  niemals  der  Verschluss  ein.  Ebenso  wenig 
gelingt  der  Versuch,  wenn  man  durch  die  gleiche  Uruchpforte  eine 
vom  Mesenterium  rein  abgetrennte  Darmschlinge  zieht. 

Erlaubt  die  Lösung  einer  Absperrung  einen  Schluss  auf  ihr  Zu- 
standekommen, so  tritt  ein  neuer  Beweisgrund  zu  den  vorigen.  Ein 
Hin-  und  Herbewegen  der  eingeklemmten  Schlinge,  ein  Ziehen  nach 
der  einen  oder  anderen  Richtung  hat  nicht  den  geringsten  Erfolg, 
die  »Klappent  reagiren  auf  keines  dieser  Manöver,  der  Verschluss 
wird  eher  noch  fester.  Dagegen  genügt  ein  leichter  Zug  am  freien 
Ende  des  Mesenteriums,  oder  auch  nur  das  oben  beschriebene  Empor- 
halten der  Schlinge,  um  die  Absperrung  sofort  zu  heben  und  eine 
nun  folgende  Compressionstaxis  vollkommen  wirksam  zu  machen. 

In  gleicher  Weise  wird  die  Absperrung  gelöst,  wenn  man  in  das 
eine  oder  andere  freie  Schlingeuende  Lufl;  einbläst.  Das  betreffende 
Darmstück  bläht  sich  dann  an  der  inneren  Seite  der  Bruchpforte  auf 
und  zieht  mit  seiner  mesenterialen  Wand  das  Gekröse  aus  dem  Bruch- 
ringe zurück. 

Die  oben  ausgesprochene  Ansicht  stützt  sich  übrigens  keineswegs 
auf  einen  blossen  Indicienbeweis ;  ich  bin  im  Stande,  das  absperrende 
Mesenterium,  welches  sich  wie  ein  eingetriebener  ^eil  zwischen  beide 
Darmenden  drängt,  direct  zu  demonstriren. 

Es  liegen  hier  vor  mir  zwei  Längsschnitte  eines  Wachs-  und 
eines  Alkoholpräparates,  welche  den  Voigang  in  klarster  Weise  ver- 
anschaulichen. Sie  sollen  an  anderer  Stelle  abgebildet  werden;  hier 
muss  ich  mich  mit  der  Beschreibung  begnügen. 

Die  am  Scheitel  zusammengepresste  Schlinge  ist  unmittelbar  vor 
der  Bruchpforte  gebläht  und  hat  auf  dem  Längsschnitte  eine  beinahe 
kreisrunde  Form  angenommen.  Die .  Ausdehnung  betrifi  jederseits 
ausschliesslich  die  vom  Mesenterium  freie  Darmwand.  Die  beiden 
mesenterialen  Wände  des  Darmes  liegen  an  der  Compressionsstelle 
dicht  auf  einander,  diveigiren  aber  gegen  die  Bruchpforte  zu,  so 
zwar,  dass  jede  nach  dem  betreffenden  Rande  der  Pforte  zieht  und 
hier  fest  gegen  die  zugehörige  freie  Darmwand  angepresst  liegt.  Der 
zwischen  den  beiden  mesenterialen  Darmwänden  übrig  bleibende  ver- 
kehrt-kegelförmige, auf  dem  Längsschnitte  dreieckige  Raum  wird  von 
dem  fettreichen  ^lesenteriiun  eingenommen,  welches  wie  ein  Keil  in 
die  Bruchpforte  eingetrieben  erscheint. 


CentHabUtt  fOr  Chirurgie.    No.  4.  $3 

Der  Vorgang  der  Einklemmung  bei  dem  Böser 'sehen  Experi-* 
mente  ist  sonach  der  folgende:  Die  mit  Wasser  oder  Luft  gefüllte 
Schlinge  wird  an  ihrem  Scheitel  EUflammengedrückt.  Der  Inhalt, 
welcher  nunmehr  auf  einen  kleineren  Baum  beschränkt  ist,  dehnt  den 
unmittelbar  vor  der  Bruchpforte  liegenden  Abschnitt  der  SchUnge  aus 
und  sucht  an  beiden  Seiten  so  yiel  Darm  nachzoriehen»  als  letztere 
bedarf,  um  sich  der  Kugelgestalt  zu  nahem.  Hierdurch  rückt  all- 
malig  mehr  Mesenterium  in  die  Pforte,  bis  endlich  ein  derber  Keil 
beide  Darmenden  verschliesst. 

Diese  Einkeilimg  kommt  noch  rasdier  zu  Stande,  wenn  anstatt 
einer  Compression  des  Scheitels  der  Schlinge  ein  Zug  am  Halse  der«» 
selben  ausgeübt  wird,  oder  wenn  Druck  und  Zug  zugleich  wirken. 

Es  liegt  nadi  dieser  Darstellung  auf  der  Hand,  daes  eine  ge- 
wöhnliche Compressionstaxis  hier  keine  Lösung  der  Einklemmung  be- 
wirken kann  und  es  hatte  Herr  Prof.  Böser  in  sofern  Becht,  wenn 
er  behauptete,  die  »Klappena  würden  durch  das  gewöhnlich  geübte 
Kneten  des  Bruches  nur  noch  fester  angepresst. 

Als  Besultate  der  rorstehenden  Versuche  und  Beweisführungen 
ergeben  sich  folgende  Sätze: 

1)  Der  Boser'sche  Versuch  erzeugt  unter  gewissen  Umständen 
eine  Absperrung  der  Darmschlinge,  wdche  durch  die  gewöhnliche 
Compressionstaxis  nicht  gehoben  werden  kann. 

2)  Diese  Absperrung  hat  ihren  Grrund  nicht  in  einem  »Klappen- 
mechanismus«. 

3)  Die  Ursadie  der  Absperrung  ist  vielmehr  das  während  der 
Compression  herausgezogene  Mesenterium,  welches  als 
derber,  incompressibler  Keil  beide  Darmenden  gegen  den  Band  des 
Bruchringes  presst. 

4)  X)a  der  Druck  auf  die  SchUnge  die  Absperrung  einleitet,  so 
kann  selbstverständUch  der  gleiche  Druck,  d.  h.  die  Compressions- 
taxis eine  Lösung  nicht  herbeifuhren ;  dagegen  genügt  ein  leich- 
ter Zug  am  freien  Ende  des  Mesenteriums,  um  die  Ein- 
klemmung sofort  zu  heben. 

Eine  in's  Detail  gehende  Betrachtung  dieser  Versuche,  sowie  ins- 
besondere ihre  Verwerthung  für  die  Praxis  behalte  ich  mir  für  eine 
andere  Stelle  vor. 

Heidelberg,  5.  Jan.  1875. 


»m^ 


8*  Mayer.    Ueber  die  direete  electrische  Beizung  des  Säuge- 

thierherzens. 

(Bitiuiigsbericbte  d.  Aeademie  der  WiaBenschaften  in  Wien  1874.  Bd.  66.  3.  Abthig.) 

Um  die  direete  electrische  Reizung  des  Herzens  an  Hunden, 
Katzen  etc.  vorzunehmen,  wurden  die  Electrodennadeln  entweder 
dttich  die  Thoraxwandungen  in  das  Herz  gestochen,  oder  aber  besser 
das  letztere  durch  Eröffiiung  der  Brustwand  und  des  Herzbeutels 


54  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  4. 

bIo68gelegt.     Die  Versuchsthiere  wurden  gewöhnlich  mit  Curare  ver- 
giftet und  unter  künstlicher  Respiration  gebalten. 
Verf.  kam  zu  folgenden  Resultaten : 

1)  Bei  directer  eleetrisch er  Reizung  des  Herzens  mittelst  Induc«* 
tionsströmen  eines  Dubois'schen  Schlittenapparates  (2  Daniell'- 
sehe  Elemente)  sinkt  der  Blutdruck  in  der  art.  oarotis  zu  einem  sehr 
niedrigen  Werthe;  die  rhythmischen  Herzcontractionen  hören  sofort 
mit  dem  Beginne  der  Reizung  auf^  die  Herzmuskulatur  geräth  in  eip 
unregelmässiges  Zittern  (»fr^missement  ondulatoire«  der  Franzosen). 
Das  Herz  schwillt  an  und  zeigt  sich  beim  fköffnen  von  dunkelrothem 
Blute  stark  angetellt. 

2)  Diese  Erscheinungen,  wie  man  sie  bei  der  Einwirkung  der 
stärksten  Herzgifte  beobachtet,  werden  in  den  Fällen  etwas  modificirt, 
wenn  die  Versuchsthiere  durch  langes  Au%ebundenseiD,  Curare-Ver-* 
giftung^  Blutverluste  und  vielfache  Operationen  bereits  alterirt  ßind« 
Hier  kommt  es  vor,  dass  schwächere  Ströme  bei  kurzer  Dauer  (2—5") 
nicht  sofort  die  normale  Herzthätigkeit  lahm  legen,  während  bei  län- 
gerer Einwirkung  der  directen  Herzreizung  auch  hier  Herztod  eintritt. 

3)  Auch  bei  der  Einwirkung  constanter  Ströme  zeigten  sich 
im  Wesentlichen  dieselben  Resultate  wie  oben  und  zwar  im  Gegen- 
satze zu  Einbrodt  (Moleschott's  Untersuchungen,  1859,  p.  550 
und  Sitzungsberichte,  Bd.  37,  p.  783  und  Bd.  38,  p.  345—359), 
welcher  an  nicht  curarisirten  Thieren  anfangs  ein  Steigen  des 
arteriellen  Drucks,  eine  Beschleunigung  der  normalen  Herzbewegun- 
gen und  schliesslich  ebenfalls  Herzstillstand  in  Diastole   beobachtete. 

4)  Reizung  des  n.  vagus  besitzt  über  die  durch  directe  Herz* 
reizung  hervorgerufenen  wogenden  und  wühlenden  Bewegungen  keine 
Macht  (Ludwig,  Hoffa). 

Auf  Grund  der  erzielten  Resultate  verwirft  Verf.  alle  praktischen 
Vorschläge,  ein  z.  B.  durch  Chloroformsynkope  insufficient  geworde- 
nes Herz  durch  directe  electrische  Reizung  zu  der  normalen  Thätig- 
keit  wieder  anzuregen  (vergl.  u.  a.  Steiner,  Langenbeck's 
Archiv  XH,  p.  741).  Verf.  räth  dringend  von  einer  so  gefahrvollen 
Massregel  ab.  »Die  galvanische  Reizung  des  Herzmuskels  vernichtet 
oder  schwächt  die  normale  Thätigkeit  des  Organs;  man  darf  nicht 
vergessen,  dass  das,  was  an  anderen  Muskeln  erlaubt  ist,  auf  das  in 
morphologischer  und  functioneller  Beziehung  eine  Sonderstellung  ein- 
nehmende Herz  nicht  schlechtweg  übertragen  werden  daif«. 

Tillmanns  (Leipzig). 

P.  Jenscher.    Ueber  die  Wirkung  der  Carbolsäure  bei  direc- 
ter Application  auf  die  Nerven,  das  Gehirn  und  Rückenmark. 

Inaug.-Di88.  Qreifswald.   1874. 

J.  experimentirte  in  Landois'  Laboratorium  an  Fröschen,  und 

zwar  mit  2,  t ^  V2>  Vio  Vo  Carbollösungen.   Resultate  sind  kurz  folgende: 

1)  Der  motorische  Nerv  stirbt  nach  Application  der  Säure  mit 


Centi^lblatt  für  Chirurgie.  No.  4.  55 

einer  dem  CouceDtrationsgride  proportionalen  Schnelligkeit  ab^  ohne 
vorher  erregt  worden  zu  eein. 

2)  Die  gleiche  Wirkung  tritt  ein^  w^in  die  frei  präparirten  hin- 
teren Wurzehi  auf  einem  Deckgläschen  mit  den  Lösungen  betupft 
werden. 

3}  Wird  die  Säure  auf  das  Rückenmark  des  lebenden  Frosches 
gebracht^  so  entstehen  allgemeine  Krämpfe  bei  gesteigerter  Reflexer- 
regbarkeit. Aehnlich  sind  die  Erscheinungen  bei  Betupfung  des  6e^ 
hirns  und  der  Medulla  oblongata. 

Bei  Application  auf  die  Haut  des  enthaupteten  Frosches  entstehen 
die  lebhaftesten  Reflexbewegungen.  Ranke  (Halle). 


Friedlander.     lieber  die   sogenannte   künstliche   Erzeugung 

von  Tuber culose. 

(Vortrug,  gehalten  in  der  pathologisch^anatomisohen  Seotion  der  47.  Versammlung 
deutscher  Naturforscher  und  Aerzte  zu  Breslau.    Deutsche  Zeitschrift  für  prak- 
tische Medicin  1S74.  No.  42.) 

F.  injicirte  in  die  vena  jugularis  1 — IY2  Tage  alter  Hunde  20— 
40  Ccm.  einer  fein  vertheilten,  käsigen  Masse  aus  menschlichen 
Lymphdrüsenpaqueten  entnommen;  letztere  i^urde  mit  Kochsalz  ver* 
rieben  und  darauf  durch  Flanell  filtrirt^  so  dass  eine  milchartige 
Emulsion  entstand.  Das  Wohlbefinden  der  Thiere  wurde  durch  die 
Injection  durchaus  nicht  alterirt,  nach  3 — 4  Wochen  wurden  dieseV 
ben  getödtet  und  F.  constatirte  folgenden  Befund:  Mit  Ausnahme 
eines  einzigen  Falles  fand  sich  in  der  Leber  eine  reichliche  Eruption 
kleiner^  etwa  stecknadelknopfgrosser  Knötchen,  welche  makroskopisch 
nach  Form  und  Aussehen  miliaren  Tuberkel  glichen.  Ganz  analoge 
Knötchen  fanden  sich  in  der  Milz^  jedoch  etwas  sparsamer,  als  in 
der  Leber.  In  den  Lungen  war  das  Vorkommen  der  Knötchen  durch- 
aus nicht  oonstant;  hier  fanden  sich  dieselben  gleichmässig  durch  das 
ganze  Organ  verbreitet  und  waren  nicht  an  den  Verlauf  der 
Bronchien  und  Gefasse  gebunden.  Die  serösen  Häute  erwiesen  sich 
frei,  nur  in  einem  Falle  constatirte  F.  im  Peritoneum  und  zwar  ganz 
in  der  Nähe  der  Leber  »einen  fadenförmigen  Zug«  von  Knötchen. 
Audi  in  der  Pia  und  im  Auge  fehlten  letztere.  Histologisch  bestehen 
diejenigen  Knötchen,  welche  noch  nicht  im  Centrum  zerfalloa  sind, 
aus  einer  Anhäufung  runder  Zellen  »von  ziemlich  bedeutender  Grösse«; 
eine  Zwischensubatanz  lässt  sich  kaum  nachweisen.  Biesenzellen 
fehlen.  Die  Knötchen  sind  deutlich  vascularisirt.  Auf  Grund  dieses 
nnkroskopischen  Befundes  und  nach  dem  klinischen  Verlauf  (fieberlos) 
ist  F.  der  Ansicht,  dass  die  von  ihm  erzeugte  Thierkrankheit  durch- 
aus nicht  mit  der  menschlichen  MiUar-Tuberculose  zu  identificiren  sei. 

In  der  sich  anschliessenden  Discussion  betonen  Waidenburg 
und  Birch-Hirschfeld  im  Gegensatz  zu  F.,  dass  die  Bies^izelle 
nicht  die  einzige  constante  Legitimation  des  Tuberkels  sei.    Wal- 


56  Centralblatt  für  Chiruxgie.    No.  4. 

denburg  fand  bei  seinen  Versuchen  keine  Unterschiede 
der  menschlichen  und  der  künstlich  erzengten  thierischen  Tuberculose 
und  ist  deshalb  der  Ansicht^  dass  letztere  mit  der  ersteren  vollstän- 
dig zu  identificiien  sei. 

Auch  Friedreich  schliesst  sich  bezüglich  der  Riesenzellen  der 
Ansicht  der  beiden  Letztgenannten  an  und  meint,  dass  der  patho- 
logisch-anatomische Standpunct  allein  die  Tuberkelfrage  nicht  eaU- 
scheiden  ^  könne. 

Zenker  hat  ebenMls  die  Vil lemin 'sehen  Impf^ersuche  nach- 
gemacht und  ist  der  Ansicht,  dass  die  dabei  erzielten  Besultate  für 
die  Entscheidung  der  Frage  der  Tuberculose  in  der  That  sehr  wich- 
tig seien.  Allerdings  fand  auch  Zenker  bei  Thieren  niemals  die 
Biesenzelle ,  bei  menschlichen  Tuberkeln  dagegen  stets.  Die  Riesen- 
zelle ist  nach  Zenker  in  den  Tuberkeln  ausserordentlich  häufig, 
aber  in  manchen  Fällen  fehlen  sie  und  doch  gehören  diese  Fälle  zur 
Tuberculose  (E.  Wagner's  tuberkelähnliches  Lymphadenom) .  Bei- 
den Formen  der  Tuberculose  sollte  ein  verschiedener  Name  beigelegt 
werden,  Tuberculum  gigantocellulare  und  Tuberculum  nanoceUulare 
(Zwergzellentuberkel) . 

Zülzer  erhielt  bei  seinen  Versuchen  über  putride  Infection,  bei 
welchen  er  Quantitäten  von  Bacterium  termo,  Sepsin  etc.  in  die  Lunge 
injicirte,  an  der  betreffenden  Stelle  Tuberkel.        TUfaBauBS  (Leipng). 


P.  Baumgarten.     Ein  Fall  von  Tuberkulose  der  Haut. 

(Arch.  d.  HeUkunde  1874.  Jahxg.  XV.  S.  484-487.) 

Ein  mit  der  Etiquette  »Tuberkula  necrogenica  manus«  bezeich- 
netes Präparat  der  Leipziger  pathologisch- anatomischen  Sammlung 
wurde  vom  Verf.  untersucht.  Es  stammte  von  einem  60jährigen 
Manne,  der  nach  dem  beigefügten  kurzen  Sectionsbericht  infolge  ziem- 
lich allgemein  verbreiteter  Tuberkulose  mit  mehreren  grösseren  Caver- 
nen  in  den  oberen  Lungenlappen  gestorben  war.  In  der  Haut  über 
den  unteren  Odenkenden  des  5.  Os  metacarpi  beider  Hände  fanden 
sich  beiderseits  »höckerige^  mit  verdicktem  Epithel  bedeckte  Stellen, 
welche  sogenannten  Leichentuberkeln  täusdiend  geglichen  haben 
sollen«.  Die  Bildungen  haben  zwei  Jahre  bestanden.  Schon  bei 
schwachen  Vergrösserungen  liessen  sie  den  exquisiten  Bau  von  Papil- 
lomen erkennen,  bei  starker  YeTgrösserung  war  in  den  mit  Rund- 
zellen durchsetzten  vergrösserten  Papillen  ein  deutliches  Beticidnm 
ffu  erkennen,  das  mit  Fortsätzen  der  in  der  Mitte  befindlichen  Riesen- 
zellen anastomosirte.  Centraler  ZerfaU  war  kaum  vorhanden;  die 
überziehende  Epitheldecke  war  unversehrt. 

Wohl  erhaltene  Gefässe  und  Ausführungsgänge  der  Enäueläruflen 
fanden  sich  innerhalb  der  reticulirten  Neubildung  vor.  »Bezuglich 
des  Verhaltens  der  Gefässe  waren  in  den  Präparaten  alle  Uebeigänge 
von  der  einfachen  gefässhaltigen  Hypertrophie  des  PapiUarkörpers  bis 


Centandblatt  far  Chinirgie.    No.  4.  57 

tarn  Tolktändig  tubeAulös  infiltrirten,  gefiisslosen  Papillom  zu  studi* 
rem.    Haare  und  Talgdriiseu  fehlten  in  den  Schnitten  gänzlich. 

Verf.  meint,  dass  sein  Fall  eine  isoUrte  Stellung  einnehme, 
da  die  locale  Tuberkulose,  welche  als  Theilerscheinung  allge- 
meiner auftrete,  sonst  sich  finde  bei  Erkrankungen  der  Knochen 
und  Gelenke  und  bei  scrophulösen  Geschwüren,  bei  welchen  letzteren 
Affectionen  man  zweifelhaft  sein  könne,  was  das  Primäre  sei:  Ent- 
zündung oder  Tubericulose. 

Einzig  in  seiner  Art  sei  der  Fall  auch  deshalb,  weil  hier  locale 
Tuberkulose  ohne  jede  Combination  mit  Geschwürsbildung  vorliege. 
Als  Lupus,  der  nach  neueren  Untersuchungen  überhaupt  i»keine  patho- 
lo^ch-hifltologische  Einheit,  sondern  ein  rein  klinischer  B^rifft  sei, 
könne  man  ihn  auch  nicht  auffassen,  es  sei  eben  in  einem  seit  Jahren 
bestehendem  Papillom  Tuberkelbildung  entstanden,  ähnlich  wie  eine 
unsdiuldige  Warze  nach  jahrelangem  Bestehen  einmal  carcinomatös 
werden  könne. 

Die  Diagnose  nLeichentuberkel«  sei  für  diesen  Fall  durch  die 
mikroskopische  Untersuchung  »in  den  Schatten  gestellt«. 

Zum  Schluss  erzählt  Verf.  noch  einen  Falli  wo  sich  die  Diagnose 
auf  Leichentuberkel  als  richtig  erwies,  indem  ein  damit  behafteter 
Patient  wirklich  bei  Sectionen  thätig  gewesen  war. 

1.  BIMer  (Manahtim). 

Bericht  des  Communehospitals   zu  Kopenhagen  ftlr  das  Jahr 

1873. 

Kopenhagen,  1874  (177  Seiten). 

In  der  chirurgischen  Abtheilung  des  Communehospitals  (Ober- 
chinug  Dr.  Ho  Im  er]  wurden  im  Jahre  1873  1134  Patienten  behan- 
delt. Von  Hospitalkrankheiten  wurden  beobachtet:  3  Fälle  von 
Pyämie,  nämlich:  1)  bei  einer  sehr  bedeutenden  Adenitis  inguina- 
Us  mit  ausgebreiteten  Senkungen ;  2)  nach  Exstirpation  eines  grossen 
Cardnoms  in  der  regio  parotidea,  mit  folgendem  schweren  Erysipelas 
ambulans;  3)  nach  einer  Lithotomie;  hier  war  die  Operationswunde 
schon  geheilt,  als  eine  Phlebitis  der  linken  Unterextremität  entstand, 
welche  die  Pyämie  veranlasste.  Die  3  erwähnten  Kranken  starben 
aQe.  Septikämie  kam  2  Mal  zur  Beobachtung:  1]  bei  einer  offenen 
Practura  cruris,  mit  einer  Kopfwunde  und  ausgebreiteten  Contusionen 
complicirt ;  2)  bei  einer  penetrirenden  Wunde  im  Kniegelenk  mit  be- 
gleitendem Delirium  tremens.  Auch  diese  beiden  Kranken  starben. 
Erysipelas  ist  in  14  Fällen  entstanden;  ausser  dem  bei  der  Pyämie 
em^hnten  Falle  starben  aber  nur  2  Kranke.  1  Mal  Tetanus  nach 
Qaetschung  der  4  äusseren  Zehen  und  des  vorderen  Endes  der  4 
088a  metatarsi;  primäre  Amputation  im  Mittelfuss,  Ausbruch  des 
Tetanus  nach  8  Tagen.  Die  Operationswunde  war  von  g^tem  Aus- 
sehen. Chloral,  Morphiuminjectionen,  lauwarme  Bäder  und  Chloro- 
fonainhalationen  wurden  angewendet  (in  24  Stunden  10  grm.  Ohloral, 


58  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  4. 

0^04  grm.  Morphium  und  eioie  Ghloroforminhalation}^  doch  abgeeeh^i 
von  einer  vorübergehendeu  Erleichterung  erfolglos. 

Die  Zahl  djer  Croupfalle  ^hebt  sich  auf  74,  mit  35.  Todesfällen^ 
die  der  Tracheotomieen  auf  64  mit  34  Todten*  Zu  letzterer  Opera- 
tion waten  indessen  ein  paar  Mal  (die  Zahl  ist  nicht  angegehen)  nicht 
Croup^  sondern  andere  ELrankheiten  die  Veranlassung.  Nach  diesem 
Resultat  hebt  Holm  er  desi  grossen  Werth  der  Operation  hervor,  be- 
sonders da  die  Croup-Patienten  nur  in  das  Spital  aufgenommen  wer- 
den, wenn  schon  die  Operation  in  Frage  kommt.  Die  Mehrzahl  der 
Kinder  waren  daher  auch  sehr  stark  angegriffen^  mehrere  waren  voll- 
standig  moribund. 

In  der  5«  Abtheilung  (Oberarzt  Dr.  V.  Kasmussen)  wurden 
341  chirurgische  und  1185  medicinische  Patienten  behandelt*).  Ery- 
sipelas  entstand  hier  in  15  Fällen,  9  Mal  bei  chirurgischen  Patien- 
ten, von  diesen  letzteren  ist  keiner  gestorben.  Als  Verbandmit- 
t  e  1  für  Phlegmonen  und  gangränöse  Wunden  wird  schwefelige  Säure 
empfohlen.  Charpie  mit  einer  Mischung  von  einer  wässerigen  IO^q 
Auflösung  von  schwefeliger  Säure  mit  gleichen  Theilen  Glycerin  an- 
gefeuchtet, wird  auf  die  Wunden  gelegt,  eine  mit  der  Auflösung  der 
Säure  angefeuchtete  Binde  umgewickelt  und  Alles  mit  Baumwolle  be- 
deckt. *  Die  Wunden  werden  mit  einer  sehr  verdünnten  Auf  lösimg 

der  Säure  gereinigt.     Der  Verband  ist  sehr  wohlfeil. 

FanlU  (Kopenhagen). 

E.  Bottini.     Di  un   nuovo   cauterizzatore  ed  incisore  termo- 
galvanico  contro  le  iscurie  da  ipertrofia  prostatica. 

(Bologna,  tipografia  legale  1874.} 

Verf.  bespricht  zunächst  die  bisher  üblichen  mechanischen  Hülfs- 
mittel  gegen  die  Prostatahypertrophie,  nämlich  die  forcirte  Erweite- 
rung, die  potentielle  Cauterisation,  die  Incision  und  die  partielle  £x- 
cision.  Unter  diesen  Mitteln  giebt  er  der  Incision  der  Prostata  bei 
Weitem  den  Vorzug.  Diese  hat  nach  Thompson  vor  Allem  den 
Zweck,  die  queren  Schleimhautfalten  zu  durchtrennen,  welche  durch 
die  Hügel  der  Prostata  erhoben  werden  und  dem  Andrang  des  Urins 
wie  eine  Barriere  widerstehen.  Der  hauptsächlichste  Uebelstand  dieser 
Methode  ist  aber  die  Blutung,  die  zuweilen  recht  bedeutend  werden 
kann.  Dieser  kommt  man  zuvor,  wenn  man  die  Incision  auf  galvano- 
caustischem  Wege  vornimmt.  Der  dadurch  erzielte  Schorf  verhindert 
überdiess  eine  prima  intentio  der  durchtrennten  Falte,  und  mindert 
die  Wahrscheinlichkeit  eiaer  jauchigen  oder  urinösen  Infiltration. 

Will  man  aber  blos  eine  Cauterisation,  nicht  eine  Incision  be- 
zwecken, so  verdient  wieder  die  Galvauocaustik  vor  dem  Cauterium 
Potentiale  den  Vorzug,  weil  man  deren  Einwirkung  viel  eher  auf  den 

*)  Das  Zusammenlegen  der  chirurgischen  und  medicinischen  Kranken  in  dieser 
Abtheilung  ist  als  ein  Versuch,  ob  ein  solches  Zerstreuen  die  Hospitalkrankheiten 
verhindere,  seit  einigen  Jahren  eingeführt.  Hef. 


Centialblatt  ffir  Chirurgie.    No.  4.  59 

gewünschten  Ort  und  Grad  beschränken  kann.  "Die  beiden  Inatru«- 
mente  wurden  von  den  Gebrüdem  BorigUone  in  Novara  angeü^r- 
tigt;  de  sehen  äusserlich  einem  winkligen  M  er  ci  er 'sehen  Katheter 
gleich.  Die  nähere  Beschreibung  derselben  ist  im  Originale  nachzu- 
lesen. Die  Instrumente  wurden  von  B.  vielfach  am  Cadaver  versucht. 
Erfahrungen  an  Kranken  scheinen  B.  noch  nicht  zur  Verfügung  zu 
stehen.  Menzel  (Triest). 

Erenmitz.     Ein    Fall    von    Aneuxysi^a   arteriae   meningeae 

mediae,    mit  Bemerkungen  über  dessen  Diagnose  und  über 

die  antiseptische  Ligatur  der  Carotis  communis. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  1S74.  Bd.  IV.  Hft.  5  u.  6.) 

Bei  einer  Frau  von  61  Jahren  entwickelte  sich,  infolge  eines  StosseS 
an  die  rechte  Seite  des  Kopfes  oberhalb  des  Ohres  ein  Aneurysma  der 
Art.  meningea  med.,  das  nach  einem  Jahre  die  Grösse  eines  halben 
Ganseeies  erreicht  hatte  und  durch  einen  Defect  von  6^/4  und  SVa  Cm. 
Durchmesser  im  Sddäfen-  und  Scheitelbein  aus  der  Schädelhöhle  her- 
vorragte. Eigotininjectionen ,  sowie  Digitalcompression  der  rechten 
Carotis  waren  veigeblich.  Unterbindung  der  Carotis  comm.  mit  oat- 
bolisirter  Darmsaite,  streng  nach  Lister,  brachte  Heilung. 

Die  Operationswunde  heilte  per  primam  intentionem.  K.  be* 
spricht  darauf  die  differentielle  Diagnose  zwischen  Aneurysma  der 
Alt  meningea  med.  und  anderen  aus  dem  Schädel  hervorwuchemden, 
pulsirenden  Tumoren,  und  findet  als  wichtigstes  diagnostifiches  Zeichen 
für  Aneurysma  die  im  mitgetheilten  Falle  beobachtete  Verstärkung 
der  Pulsationen  bei  Compression  der  Carotis  der  anderen  Seite. 

Die  erzielte  rasche  Heilung  schreibt  Verf.  der  Anwendung  der 
carbolisirien  Saite  und  der  Lister'schen  Wundbehandlung  zu,  und 
führt  zur  Unterstützung  seiner  Ansicht  aus  der  Literatur  eine  Anzahl 
von  Unterbindungen  grösserer  Arterien  mit  Catgut  an,  darunter  nur 
wenige  Misserfolge,  die  aber  so  mitgetheilt  sind,  dass  man  sie  statistisch 
kaum  verwerthen  kann.  Gersnny  (Wien;. 

Mann^     Ueber  die  natürliche  und   künstliche  Elimination 

(intraparietaler)  Uterusfibroide. 

(Prager  Vierteljahrsschrift  f.  prakt.  Heilkunde.  Bd.  122.) 

Verf.  giebt  eine  Uebersicht  der  bei  intraparietalen  Uterusfibroiden 
gebräuchlichen  Operationsmethoden  mit  Hinweisungen  auf  die  ein«- 
scidägige  Literatur.  Er  hat  selbst  2  Fälle  operirt,  und  zwar  in  dem 
einen  die  Enucleation  des  Fibroids  in  einer  Sitzung  vollendet,  in  dem 
anderen  die  partielle  Abtragung  ausgeführt,  weü  der  sehr  grosse 
Tumor  Druck  auf  die  Hamblaae  ausübte»  Ausserdem  giebt  Verf.  eine 
Zusammenstellung    von    22   Fällen    von    Enucleation    intraparietaler 


@0  Centralblatt  far  OhiniTgie.    No.  4. 

Uterosfibroide^  welche  theils  in  der  Zugammenstellung  ron  West 
{Lehrbuch  der  Frauenkrankheiten)  übersehen,  theils  erst  später  ver* 
öffentlicht  worden  sind.  Clersiuiy  (Wien). 

O.  Petersen.    Experimentelle  Studiep  über  Pathogenese  und 

Therapie  der  Cystitis. 

Inaug.-Diss.  Dorpat,  1874.  61  S. 
Verf.  hat  in  einer  Reihe  von  Experimenten  bei  Hunden  durch 
Einspritzung  verschiedener  bacterienhaltiger  Faulflussigkeiten  imd 
chemischer  Agentien  (Carbolsäure-,  Schwefelsäure-,  Aetzkalilösung 
etc.)  in  die  Blase  künstliche  Cystitis  erzeugt  und  hält  sich  infolge 
dessen  zu  folgenden  Schlüssen  berechtigt: 

1)  »Durch  Injectionen  coccobacterienhaltiger  Flüssigkeiten  in  die 
Blase  von  Hunden  entsteht  Cystitis«. 

2)  nCoccobacterienhaltige  Flüssigkeiten  wirken  intensiver,  als  coc- 
cobacterienfreie«. 

3)  »Durch  SaUcjrlsäureinjectionen  lässt  sich,  soviel  man  aus  den 
angestellten  Versuchen  schliessen  kann,  die  Cystitis  vermindern«. 

Verf.  scheint  den  Cocoobacterien  einen  wesentlichen  Einfluss  auf 
die  Entstdiiung  der  Cystitis  vindiciren  zu  wollen,  doch  genügen  seine 
Experimente  in  keiner  Weise,  um  einen  solchen  Schluss  zu  recht- 
fertigen. Im  Gegentheil  brachten  bacterienlose,  reizende  Flüssigkei- 
ten oft  noch  stärkere  Cystitis  hervor,  als  faulendes  Blut,  obwohl  der 
nach  ersterem  Versuch  gelassene  Urin  nur  wenige  »Kugeln«  enthielt, 
der  nach  dem  letzteren  entleerte  sehr  reich  an  Bacterien  war.  Ver- 
suche mit  Isolationsflüssigkeit  (Hiller)  sind  nicht  angestellt. 

A.  Bidder  (Mannheim). 

Pamard.    Conerötions  calcaires  formees  dans  les  deux  bourses 

pr^rotuliennes. 

(Oaz.  des  h6pitaux  1874.  No.  136.) 

P.  exstirpirte  einer  59jähr.  Waschfrau  beiderseits  die  präpateUa- 
ren  Schleimbeutel,  welche  durch  Ablagerung  von  Kalkconcrementen 
in  vollständig  solide  Tumoren  umgewandelt  waren.  Links  war  die 
Geschwulst  7  Cm.  lang  und  Z^/2  Cm.  breit;  die  Haut  war  theilweise 
mit  ihr  verwachsen,  geröthet  und  in  der  Mitte  ulcerirt.  Aus  der 
kleinen  FistelöffnuDg  sickerte  etwas  serös  eitrige  Flüssigkeit  ab.  Der 
andere  Tumor  war  zwar  noch  grösser  —  8  Cm.  lang  und  6  Cm. 
breit  —  aber  von  gesunder  Haut  bedeckt  und  deshalb  der  Patientin 
weniger  lästig.  Die  Enucleation  der  Concremente  sammt  der  sie  um- 
hüllenden Haut  gelang  ohne  Schwierigkeit.  Auf  der  rechten  Seite 
fand  sich  hinter  dem  festen  Theil  der  Greschwulst  eine  Höhle,  welche 
mit  ^ckflüssigem  kalkmilchähnlichem  Brei  gefüllt  war.  Die  chemische 
Analyse  ergab,  dass  die  Tumoren  zu  69,5^/^  aus  erdigen  und  nur  zu 
90,5%  aus  organischen  Bestandtheilen   zusammengesetzt  waren.   — 


Centralblatt  fOr  Chinngi«.   No.  4.  01 


Ab  näckste  Veranlaseang  muM  wohl  die  Beschäftigung  der  Fat.  als 
Waschfrau^  die  bekanntlich  in  Frankreich  stets  ini  Knieen  arbeiten, 
betrachtet  werden.    Erscheinungen  von  Arthritis  bestanden  nicht. 

Despr^s  operirte  ganz  ahnliche,  nur  kleinere,  Tumoren  eben* 
fsdls  bei  einer  Waschfrau.  Doch  trennte  er  die  Haut  nicht  durch 
einen  Kreuzsduiitt,  wie  F.,  da  hierbei  das  untere  Ende  der  Narbe 
Tor  den  Tibiaknorren  zu  liegen  kommt  und  beim  Knieen  späterhin 
Unbequemlichkeiten  veranlassen  kann,  sondern  indem  er  durch  einen 
Bogenschnitt  einen  Hautlappen  bildete,  der  von  der  Geschwulst  los- 
piaparirt  und  nach  oben  geschlagen  wird.  Die  Narbe  liegt  weiter 
oben  und  kann  nicht  gedrückt  werden.  SeUdel  (Berlin.) 


Seder  (Wien).     Zur  Mechanik  des  Sprunggelenks. 

(Wieper  med.  Zeitung  1874.  No.  47.) 
Anatomische  Betrachtungen  über  das  Sprunggelenk.  Als  wich- 
tigstes Moment  für  das  Zustandekommen  des  Flattfusses  glaubt  Verf. 
die  Ausdehnung  der  fascia  plantaris  annehmen  zu  müssen.  Die  ge- 
bräuchlichen Plattfussmaschinen  wirken  nun  dieser  Ausdehnung  nicht 
nur  nicht  entgegen,  sondern  steigern  dieselbe.  B.  schlägt  als  passende 
Behandlung  des  Flattfusses  vor,  zuerst  das  Redressement  zu  machen 
und  dann  den  Fuss  auf  ein  der  Fusssohle  im  unbelasteten  Zustande 
genau  angepasstes  Brettchen  zu  fixiren.  Hierdurch  werde  mit  Sicher- 
heit eine  Entspannung  der  Fascia  plantaris  hervorgebracht.  Die  Fat. 
müssten  während  Jiex  Behandlung  voraussichtUch  liegen. 

Wlnlwarter  (Wien) . 

Kleinere  Mitiheilungen« 

Thompson  und  Knapp.  Ein  Fall  von  Retinalgliom,  klinisch  ausge- 
zeichnet durch  Familienprädisposition  zu  Gliom  und  anatomisch  durch 
die  klar  nachweisbare  Entstehung  der  Neubildung  aus   der  Körner^ 

Schicht.     (Mit  2  Holzschnitten.) 
(Arch.  f.  Augen-  u.  Ohrenheilkunde  v.  Knapp  und  Moos.  Bd.  5.  Abth.  1.  No.  7.) 

Wiesbaden,  C.  W.  Kreidei's  Verlag. 

Die  betroffenen  Verwandten  waren  sämmtlich  Kinder  unter  4  Jahren  und  swar 
an  Bruder  der  Ijähr.  Patientin,  ein  Vetter  T&terlicherseitB  und  2  Kinder  der  Tante 
des  Vaters. 

Von  den  beiden  Holzschnitten  giebt  der  eine  einen  meridionalen  Schnitt  des 
in  Müll  er 'scher  Flüssigkeit  erhärteten  Bulbus;  der  andere  dient  zum  Nachweis 
der  Entstehung  der  Neubildung  aus  der  inneren  Kömerschicht. 

Frftiikel  (Chemnits). 

Knapp  und  Tumbnll.     Ein  Fall   von  Retinalgliom  mit  zahlreichen 

subperiostalen  meta statischen  Oeschwülsteft. 

jArch.  f.  Augen-  u.  Ohrenheilkunde  v.  Knapp  und  Moos.  Bd.  5.  Abth.  l.No.  6.) 

Bei  einem  3j&hr.  Kinde  wurde  das  rechte  Auge  esstirpirt  wegen  eines  etwa  7 
Monate  bestehenden  Betinalgliomi»  welches  die  Bulbuskapsel  ■chon  dnrchbrochen 
hatte  und  trotzdem  auch  in  der  rechten  Schläfengrube  ein  Tumor  zu  fühlen  war. 
^  Wochen  nach  der  Operation  hatten  sich  neue  Geschwülste  an  verschiedenen  Punk- 


02  Centr^blatt  far  Ohiraigie.    No.  4. 

ten  der.6cfa&delsutureii  gebildet,  die  der  reckten  Schlifengrabe  war  beträchtlich 
gewachaen  und  bald  zeigte  sich  auch  ein  Recidiv  in  der  rechten  Orbita.  Es  traten 
vorübergehend  ConTulsionen  ein,  nach  denen  alle  Schädelgeschwülste  theils  kleiner 
wurden,  theils  mit  Hinterlassung  geringer  Depressionen  ganz  verschwanden.  Das 
Kind  starb  schliesslich  an  Erschöpfung. 

Die  Autopsie  ergab  Überall  den  bekannten  Bau  des  Olioms  und  den  Sitz  der 
Tumoren  nicht  in  der  Diploe,  sondern  zwischen  Periost,  resp.  Dura  mater  und 
Knochen,  oft  aussen  und  innen  correspondirend  ohne  wesentliche  Veränderung  des 
dazwischen  liegenden  Knochens.  Fränkel  {Chemnitz;. 

Dolbeau.     Hacrochylie . 

(Gaz.  des  h6pitaux  1S74.  No.  146.; 

D.  operirte  einen  exquisiten  Fall  von  angeborener,  auf  Lymphangiektasie  be- 
ruhender Macrochylie  bei  einem  kleinen  Kinde.  Die  colossal  verdickte  und  ver- 
längerte, rQsselförnug  vorstehende  Oberlippe  wurde  durch  einen  der  Mundspalte 
parallel  verlaufenden  Schnitt  gespalten  und  so  viel  von  dem  zwischen  Haut  und 
Schleimhaut  liegenden  derben  Gewebe  excidirt,  bis  die  Lippe  ungefähr  auf  ihr 
normales  Volumen  reducirt  war.  Das  entfernte  Stück  bestand  aus  fibrösem  Ge- 
webe mit  enorm  dilatirten  Lymphräumen.  —  Da  das  Kind  1  Jahr  nach  der  Ope- 
ration zufällig  an  tuberkulöser  Basilar-Meningitis  starb,  konnte  D.  nachträglich 
noch  die  Lippe  untersuchen  und  sich  überzeugen,  dass  kein  Recidlv  eingetreten  war. 

SehMel  (Berlin). 

Oberrit.     Abscessus  retropharyngealis. 

(Wiener  med.  Presse  1874.  No.  47., 

Verf.  beschreibt,  wie  er  selbst  bemerkt,  den  Fall  nur  wegen  der  im  Allge- 
meinen grossen  Seltenheit  des  Vorkommens  von  Retropharyngealabscessen  in  den 
ersten  Lebensmonaten. 

Ein  7wöchentliches  Kind  begann  einige  Zeit  nach  der  fmpfung  wiederholt  zu 
fiebern,  und  ee  zeigte  sich  eine  Anschwellung  in  der  rechten  Unterkiefergegend, 
welche  bei  Druck  empfindlich  war.  Aus  der  Nase  floss  viel  Schleim,  ohne  dass 
die  Schleimhaut  derselben  nach  Coryza  aussah.  Hierzu  gesellte  sich  Laryngeal- 
und  Bronchialkatarrh.  Aus  dem  Munde  entleerte  sich  ebenfalls  viel  Schleim,  und 
der  Zungenrücken  und  der  weiche  Gaumen  zeigten  sich  in  dem  verkleinerten  Eachen- 
raume  geschwellt.  Das  Schlingen  wurde  immer  schwerer;  auch  traten  zuweilen 
SufföcationsanflUle  auf.  Das  Kind  hielt  den  Kopf  immer  hinten  Über  und  athmete 
«ohnarchend  wie  bei  Croup. 

Die  Digitaluntersuchung  zeigte  jetzt  einen  Abscess  an  der  hinteren  Pharynx- 
wand.  Incision.  Rasche  Heilung.  O.  citirt  einige  Autoren,  die  über  diese  Er- 
krankung bei  Kindern  im  frühen  Alter  bemerken,  dass  das  Leiden  anfänglich  oft 
in  trügerischer  Form  auftrete,  die  Smptome  desselben  sind  fast  regelmässig  wie 
im  obigen  Falle.  Fr«  Stelner  (^'^ieni. 

Fleury.     Absence  congenitale  de  la  vessie  —  Incoutinence  d*urine, 
p^ritonite  d^veloppee  ä  la  siiite  de  cath6t6risme. 

(Gaz.  des  hdpiUux  1874.  No.  132.) 

Fat.,  ein  blühendes  junges  Mädchen,  suchte  wegen  Incontinentia  urinae,  die 
angeblich  vor  einem  Jahr  infolge  einer  inneren  Krankheit  plötzlich  entstanden  aein 
soll,  bei  F.  Hülfe.  Die  Genitalien  waren  durchaus  normal  entwickelt.  Der  Urin 
tropfte  aus  der  TJrethralöffnung  ab.  Ein  in  die  Urethra  eingeführter  Katheter  stiess 
in  der  Tiefe  von  4  Cm.  auf  ein  Hindemiss,  welches  in  Anbetracht  der  Incontinenz 
für  die  hintere  Wand  der  stark  contrahirten  Blase  gehalten  wurde.  Am  Tage  nach 
dem  Katheterismus  zeigten  sich  die  ersten  Symptome  einer  diffusen  eitrigen  Peri- 
tonitis, die  schon  nach  8  Tagen  zum  Tode  führte. 

Bei  Eröffnung  der  Unterleibshöhle  fand  sich  im  kleinen  Becken  nur  der  Uterus 


Centralblatt  ftlr  Chirurgie.     No.  4.  63 

nnd  da«  Rectum ;  Ton  der  Blase  war  nieht  die  geringste  Andeutung  su  entdecken. 
Die  4  Cm.  lange  Urethra  endete  als  blinder  Canal  ungefähr  in  der  Gegend  des 
Collum  resicae;  beide  'Ureteren  mündeten  in  ihr  blindes  Ende  ein.  In  der  linken 
Niere  sassen  mehrere  Cysten,  sonst  waren  die  Harnorgane  und  Genitalien  normal. 
Wodurch  der  Katheteriamus  die  tödtliche  Peritonitis  angefacht  hat,  lässt  F.  uner- 
örtert;  er  soll  sehr  schonend  ausgeführt  worden  sein  und  von  einer  Perforation 
der  Urethra  ist  im  Sectionsbericht  nicht  die  Rede. 

Die  auffallende  Behauptung  der  Pat.,  das«  ihr  Leiden  erst  1  Jahr  alt  sei,  be- 
richtigte ihre  Mutter  nachtrftglich  dahin,  dass  sie  es  schon  seit  ihrem  4.  Lebens- 
jahre bemerkt  habe.  F.  yermuthet,  dass  durch  die  erwähnte  Krankheit  vielleicht 
der  Urin  eine  reizendere  Beachaffenheit  bekommen  und  hierdurch  erst  grössere 
Beschwerden  veranlasst  habe.  Sellftdel  (Berlin i. 

A.  Michaelis.     Schubs  durch  das  Becken  eines  6jährigen  Mädchens. 

Leichte  Verletzung. 

(Wiener  med.  Presse  1874.  No.  47.) 

Auf  ein  6j&hr.  M&dchen  wurde  in  der  Distance  von  60 — 80  Cm.  unvorsichtiger 
Weise  von  einem  Manne  ein  Revolver  abgeschossen,  dessen  Projectil  —  eine  Spitz- 
kagel  von  12  Mm.  —  die  Bauenwand  des  Kindes  15  Mm.  links  von  der  linea  alba, 
mitten  swischen  Nabel  und  Symphyse  traf.  Das  Kind  blieb  darnach  aufrecht 
stehen,  und  hatte  nur  einen  dumpfen  Schlag  gefühlt.  Am  Bauche  fand  sich  eine 
sefalitsfönnige  Hautwunde,  welche  im  Hinblick  auf  die  Schussdistance,  die  Brand- 
spuren an  den  correspondirend  mit  der  Wunde  durchschossenen  Kleiderlagen, 
sicher  penetrirend  sein  musste.  Das  linke  Bein  wurde  im  Gehen  und  Liegen  in 
Abduetionsatellung  gehalten ;  oben  innen  am  Oberschenkel  eine  Ecchymose.  Kein 
Schmerz.  M.  meint,  die  Kugel  müsse  durch  die  Incis.  ischiad.  major  ausgetreten 
sein,  hierbei  den  oberen  Rand  des  M.  pyriform.  verletzt  haben,  woraus  sich,  durch 
Reisung  dieses  Muskels,  die  Abductionsstellung  erklAre. 

50  Stunden  nach  der  Verletzung  traten  Fieber,  Uebligkeit,  Brechneigung  ein; 
der  Bauch  wurde  aufgetrieben,  die  Wundrinder  schwollen  an. 

Am  5.  Tage  nach  der  Verwundung  entleerte  sich  etwas  Eiter  aus  der  Wunde, 
worauf  alle  bedenklichen  Symptome  schwanden.  Am  8.  Tage  stand  Pat.  schon 
auf.    Die  Abductionsstellung  schwand  nur  allmälig. 

3  Monate  später  fühlte  man  7 — 8  Cm.  unter  der  Ges&ssfalte  der  Pat.  einen 
festen  Körper.  M.  schnitt  die  hier  —  zwischen  Muse,  biceps  und  M.  semimembr. 
—  liegende  Kugel  aus.  Der  Fall  wurde  vom  Gerichte  als  leichte  Verletzung  auf- 
gefasst.  Fr*  Steiner  (Wien;. 

K.  BeisB.     Fall  einer  Darmperforation.     Heilung. 

(Wiener  med.  Presse  1874.  No.  45.) 

Ein  27jahr.  Soldat  bekam  (1859)  einen  Bauohschuss.  Angeblich  heftige  Blut- 
ung. Erst  nach  5  Stunden  kam  er  in  ärztliche  Behandlung.  Bald  stellte  sich  leb* 
hafces  Fieber  ein,  der  Bauch  schwoll  an ;  bei  der  Stuhlentleerung  sollen  wieder- 
holt viel  schwarze  Blutcoagula  abgegangen  sein.  Allmälige  Besserung.  Eine  Blut 
and  Eiter  entleerende  Fistel  am  Bauche  bestand  noch  lange,  endUoh  heilte  sie  auch. 
1  Jahr  darnach  fand  R.  in  der  linken  Bauchgegend  des  Mannes  eine  von  der  Spina 
snter.  infer.  gegen  die  linea  alba  hinreichende,  teigige  Geschwulst,  empfindlich  bei 
Brack.  Die  Hnke  untere  Extremität  war  bedeutend  schwächer,  als  die  rechte. 
Hinten  nirgends  eine  Narbe.  Der  Druck  an  der  linken  Seite  des  Kjreuz-  und 
8tassbeines,  sowie  nach  dem  Nerv,  ischiad.  herab  bis  3  Zoll  vom  Kniegelenke 
entfernt,  ja  selbst  das  blose  Antasten  dieser  Extremität  ist  unerträglich  schmen- 
Wt.  Dabei  fühlt  der  linke  Fuss  den  Fussboden  nur  undeutlich.  Sprung-  und 
Zehengelenksfunctionen  beschränkt.  Stuhlentleerung  erfolgt  nur  unter  schmerzhaft 
tem  Drängen,  wobei  die  Geschwulst  am  Bauche  sich  vergrössert.   Kein  Leistenbruch. 


64  Centralblatt  für  Chinirgie.    No.  4. 

Verf.  meint,  die  Kugel  «tecke  in  der  linken  Kreusbeingegend.  Die  Narbe 
am  Bauche  und  die  (freilich  sehr  mangelhaften)  Daten  der  Krankengeechichta 
spr&ohen  für  eine  geheilte  Darmperforation.  Fr«  Steiner  (Wien). 

Qosselin.     Sur  un  cas  d'epiploc^le  ingmno-scrotale  irrMuotible. 

(Le  progräs  medical  1874.  No.  47.] 

Die  Irreponibilit&t  eines  Darmbruches  wird  nach  G.  durch  Peritonitiden  im 
Bruchsack  veranlasst,  die  Adhäsionen  eines  Netzbruchs  sind  die  Folge  toh 
larvirten  Entzündungen.  Trotz  der  Verwachsungen  kann  der  vorhandene 
Tumor  (Netzbrueh)  zeitweilig  vergrdssert  werden  durch  Hinautreten  eines  andern 
Netzstackes  oder  einer  Darmschlinge,  oder  durch  das  Auftreten  von  Flüssigkeit. 
In  Betreff  der  Prognose«  einer  Epiplocele  muss  man  besonders  die  Incarceration 
einer  Darmachlinge  fOrchten.  Nach  Scarpa  nimmt  O.  3  Arten  von  Adhaesionen 
an:  cellulöse,  ceUuio-fibröse  und  fibröse.  Nur  die  entexen  sind  der  Lösung  f&hig; 
vermuthen  kann  man  dieselben»  wenn  die  Irreponibilitftt  erst  kurze  Zeit  bestanden 
hat.  Therapie;  absolute  Bettruhe  während  der  Dauer  von  wenigstens  6  Wochen, 
um  die  Vergrösserung  des  Volumens  und  Entzündungen  zu  vermeiden,  femer  her- 
abgesetzte Ernährung,  wiederholte  Darreichung  von  Abführmitteln,  um  das  Netz 
kleiner  zu  machen  (faire  maigrir)  und  die  Adhäsionen  zur  Besoiption  zu  bringen. 
Dann  Reposition. 

Derselbe.     Sur  im  cas  de  phlibite  variqueuse. 

(Le  progr^s  medical  1874.  No.  48.) 

Anschliessend  an  einen  concreten  Fall  bespricht  G.  in  einer  Vorlesung  die  Ent- 
zündung der  Varicen.  O.  sagt,  bei  Entzündung  der  tiefen  Venen  sei  besonders 
die  t.  intima  Sitz  der  pathologischen  Veränderungen,  bei  Entsündimg  der  ober- 
flächlichen, varicösen  Venen  dagegen  hauptsächlich  die  externa  und  die  Zellscheide, 
während  die  intima  erst  secundär  ergriffen  werde  (in  beiden  Fällen  Thrombose). 
Die  Endophlebitis  führt  nach  G.  höchst  selten  zur  Eiterung,  die  Periphlebitis  oft, 
doch  kommt  häufiger  Zertheilung  vor,  während  Embolie  der  Lungenarterien  ein 
seltener  Ausgang  ist.  -~  G.'s  Therapie:  Absolute  Bettruhe,  leichte  Diät,  Cata- 
plasmen.  Petersen  (Kiel). 

Bichet.     Des  esquilles  emprisonn^cs  dans  les  cals. 

(Le  progrös  m^cal  1874.  No.  8^10.) 

R.  bespricht  in  einem  klin.  Vortrage  die  Differential-Diagnose  der  Garies  und 
Nekrose  einerseits  und  der  in  Callus  eingebetteten,  primären,  traumatischen  Kno- 
chensplitter andererseits  (secundäre  Splitter  verhalten  sich  wie  die  durch  Krankheit 
entstandenen  Sequester).  Wenn  man  bei  der  Nekrose  mit  der  Sonde  untersucht, 
bluten  die  Granulationen  leicht,  und  beim  Aufstossen  auf  den  Sequester  hört  man 
ein  hellklingendes  Geräusch  (bruit  sec,  ^latent).  Primäre  Splitter  können  lange, 
nach  R.'8  Erfahrungen  7  Jahre,  im  Callus  stecken,  ohne  ihre  Gegenwart  zu  ver- 
rathen  und  dann  noch  zu  Entzündungen  und  Abscessen  Veranlassung  zu  geben. 
Bestehende  Fisteln  haben  indurirte  Ränder,  die  abgesonderte  Flüssigkeit  ist  mehr 
serös.  Bei  der  Sondenuntersuchung  entsteht  keine  Blutung,  selbst  wenn  der  Pat. 
lebhafte  Schmerzen  empfindet,  und  man  hört  keinen  hellen  Ton  beim  Aufstossen 
mit  der  Sonde.  Der  Splitter  liegt  in  einer  knorpelähnlichen  Höhle  (löge  comme 
cartilagineuse  enfermant  le  corps  etranger).  Petersen  (Kiel). 


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N=  5e  Sonnabend,  den  80.  Jannar.  1876. 

lahatt:  Billroth  und  v.  Miiiidy,  Uebei  den  Transport  der  im  Felde  Venrundetan  und 
Knnken.  —  Daatlla  und  van  Watter,  Cbloralanaestbasie.  —  Wagltiflfa,  Ueber  Darmver- 
schlnu.  —  Jacobiy  Gastrotomie.  —  Czerny,  Elephantiasis  Arab.  congenita.  —  Klmball, 
Drainage  des  Doüglas^schen  Raumes.  —  Lannanbeclc,  Radicalheilung  der  Hernien.  -- 
Dtearqaay,  Operationsmetbode  bei  eingeklemmten  MabelbrQcben.  —  Oroit»  Behandlung 
bei  Sehlangenbiss.  —  Solger,  Kieferankylose.  —  Letzarich,  Abstossung  der  diphtheri- 
tischen  Tonsille.  —  Bruberger,  Transfusion  im  Kriege.  —  LingerbanSy  Archltectur  der 
Spongiosa.  —  Sawyt r,  Oangraen  nach  Arterienligatur. 

EaMrCh,  Exteosionsverbände.  —  Obaliaakl,  Dlstractionsmethode  bei  Obarscbenkel- 
fnetnren.  —  Haydenrelcll,  Spontanfractur  bei  Tabes.  —  MarCtnt,  Fall  von  Osteomyelitis. 
—  RrzykOWSky,  Esmarch'sche  Blutleere  bei  Enncleatio  bracbii.  —  Fall  von  Tetanus.  — 
Sckassrerletzung  des  Herzens.  —  PHglliaa,  Darmversehluss.  —  BMdar^  Chirurgiscb- 
gynaeeologiscbe  Casulstik.  —  Ranke,  Echinococcus  der  Leber  mittelst  der  Simon'scfaen 
Operation  geheilt.  —  Gosselln,  Robin,  Behandlnng  der  Cystitls.  —  EnglltCh,  Apparat 
nach  Blasen punction.   —  Moldenhaaer,    Luxation  des  Penis.   —   MaCbenzie,   Papillom 

der  Stimmritze. 


Th.  Billroth  und  J.  v.  Mundy.     Ueber  den  Transport  der 

im  Felde  Verwundeten  und  Kranken. 

Erste  Abtheilung:  Th.  Billroth.  Historische  und  kritische 
Studien  über  den  Transport  der  im  Felde  Verwundeten  und 

Kranken  auf  Eisenbahnen. 

Wien.   C.  Gerolds  Sohn.  1874.   203  S.  80.  Mit  1  Tafel. 

_  . 

Vorliegendes  Werk  verdankt  seine  Entstehung  der  im  Octbr.  18? 3 

in  Wien  versammelten  »internationalen  Privatconferenz  über  Verbesse- 
rung der  Pflege  4er  im  Felde  Verwundeten  und  Kranken«  und  giebt 
eine  historische  und  kritische  Darstellung  des  Verwundetentransports 
auf  Eisenbahnen  von  technischer^  chirurgischer  und  hygienischer  Seite^ 
wobei  die  vorhandene  Literatur  und  insbesondere  die  in  dem  deutsch- 
^anzösiachen  Kriege  von  1870/71   gemachten  und  seither  veröffent* 

5 


66  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  5. 

lichten  Erfahr ungeh  sdrgffiltig  t)entitfct  werden.  Auf  diese  Weise  hoffl; 
Verf.,  und  gewiss  mit  Recht,  die  beste  Basis  für  weitere  Verbesserun- 
gen, und  Neuerungen  auf  diesem ,  für  die  jetzige  Zeit  so  wichtigen 
Gebote  zu  gewihneft. 

ISbtch  dbiem  historische  Abrisi,  in  welchem  die  alhnälige  Ent- 
wicklung der  Lazarethzüge  von  ihrer  ersten  beschränkten  Anwendung 
während  des  Erimkrieges  bis  zu  der  gewaltigen  Ausdehnung,  welche 
sie  in  dem  letzten  grossen  Kriege  genommen,  ausgeführt  und  nament- 
lich hervoi^ehob^n  wird,  dass  die  deutschen  Lazarethzüge  von  1870/71, 
so,  wie  si^  nach  und  nach  halb  Eur^a  durcheilten,  selbst  bei  ge- 
rechter Würdigung  der  vorausgegangenen  amerikanischen  Leistungen 
im  Verwundetentransport,  doch  als  eine  ganz  neue  Schöpfung  anzu- 
sehen seien,  geht  B.  über  zu  einer  Kritik  dieser  Lazarethzüge  im 
Einzelnen.  Von  den  einzelnen  Gliedern,  welche  zu  einem  Lazareth- 
züge zusammengefugt  werden,  wird  zuerst  der  Verwundetenwaggon 
allseitig  besprochen,  und  gerade  hier  geben  die  im  letzten  Kriege  ge- 
ytjOWeneTL  Erfahrungen  dem  Verf.  xtidiUchee  Material,  sich  eingehend 
mit  den  Fragen  der  Ventilation,  der  Heizung,  der  Wagenconstruction, 
des  Ein-  und  Ausladens  der  Verwundeten  und  ihrer  Lugenmg  im 
Waggon  zu  beschäftigen.  Diese  Ausführungen  gewinnen  hoch  wesent- 
lich an  Bedeutung  durch  den  Umstand,  dass  B.  bei  der  Behandlung 
rein  technischer  Fragen  competente  Fachleute  rathend  zur  Seite  stan- 
den. —  Nachdem  dailn  diie  zweckmässigste  Grrosse  des  Lazarethzuges 
nach  Zahl  der  Verwundeten  und  der  Waggons  erörtert  worden,  geht 
B.  zur  Beschreibung  der  ausser  den  Ve^rwundetenwaggons  noch  vfmter 
erforderlichen  Räume  eines  solchen  fahrenden  Hospitals  über,  näm- 
lich zrur  Beschreibung  des  Aerzte->  Küchen-,  Magazin-,  Speise-  und 
Monturwaggons,  und  reiht  daran  einen  kurzen  üeberblick  über  die 
Kosten,  welche  ein  Lazarethzug  von  den  verlangten  Eigenschaften 
verursachen  würde.  Die  letzten  Kapitel  des  Buches  befassen  sich  mit 
der  Zusammenstellung  des  Lazarethzuges  (dem  Rangiren  der  Waggons) 
und  der  Vertheilung  der  Verwundeten  und  Kranken  in  demselben; 
auch  trerden  die  L<eitung  und  Führung  der  Lazarethzüge^  sowie  die 
Art  und  Weise,  wie  diese,  einmal  in  Action  gesetzt,  am  besten  ihre 
Aufgabe  zu  lösen  im  Stande  sind,  einer  Kritik  unterworfen.  —  Die 
sehr  ins  Detail  gehenden  Ausfulufungen  der  hi^r  nui*  kurs;  angeAeute^ 
ten  Gegetisttode  müssen  im  Original  nachgesehen  werden. 

Krönlein  (Berlin). 

'Deneffo  et  van  Wetter.    Nouveaux  cas  d'aaesth^sie  par  in- 
jection  intraveineuse  de  chloral  selon  la  m^thode  de  M.  le 

professeiur  Or6.  ^ 

(Balietin  de  l'Aoadtoie  röyd:e  de  mMedine  de  Belgique  Tome  VIII.  No.  9, 10,  11.) 

Die  Vff.,  welche  schon  einen  Fall  von  Anästhiesiitmg  nadh  der 
Or6*6chen  Methode  durch  Chloraünjection  in  die  Venen  miigetheiit 
haben  (cf.  Centralbl.  f.  Ohir.  1874.  No.  34).  sind  im  Stande,  wiederum 


Centnüblati  ffir  Ohimrgie.    No.  5.  67 

16  Fälle  zu  veröfbAtfichen^  welche  sämmtlich  glüokUch  verliefen. 
Davon  sind  ihnen  11  eigen,  während  die  6  anderen  au8  der  Or6** 
sehen  Klinik  herrühren. 

Die  verschiedensten  Operationen  indicirten  die  Narkose;  das  Alter 
der  Patienten  schwankte  zwischen  21  und  74  Jahren. 

Die  Yff.  bedienten  sich  meist  einer  mehr  verdünnten  wässrigen 
Chlorallösung^  als  Or^  es  ursprünglich  angab ;  sie  fanden  am  zweck- 
mässigsten  eine  15 — 25%  Lösung. 

Durchschnittlich  genügen  4-^8  grm.  Chloral  zur  absoluten 
Anästhesie;  eüi  einziges  Mal  musste  bei  einem  kräftigen  Mann  12  grm. 
iofundirt  werden. 

Die  Procedur  selbst  ist  sehr  einfach:  die  Lösung  wird  mit  einer 
guten  Spritze  durqh  eine  dixect  in  die  Vene  eingestochene  feine  Troi- 
kwtkanüle  injiciit.  Es  ist  wichtige  nicht  zu  tasch  und  auch  nicht 
zu  langsam  einzuqiritaen.  Es  soll  ungefittir  0^5 — 0^7  grm.  Chloral 
in  der  Minute  eingeführt  werden »  so  dass  die  Gefühllosigkeit  der 
Cornea  nach  6 — 12  Minuten  antritt. 

Die  Narkose  war  st^ts  ausgezeichnet  und  dauerte  74**^^  Btunde  ohüe 
die  geringste  Störung.  Das  bei  der  Anwendung  des  Chloroform  so 
häufig  beobachtete  Erregungsstadium  und  das  Erbrechen  fehlten  voll- 
rtand^.  Ebensowenig  hatte  man  mit  asphyktischen  Erscheinungeü 
zu  thun.  Einige  Mal  jedoch  zdgten  sich  gegen  Ende  d^  Narkose 
Hustenreis  und  eine  zwar  nicht  unbeträchtliche,  dafür  aber  stets  rascih 
Yorfibergehende  Pulsbeschleunigung. 

Auf  das  anästhetische  Stadium  folgte  stets  ein  tiefer,  selten  unter- 
brochenet'^  5— 24  stündiger,  in  keiner  Weise  beunruhigender  Schlaf. 

An  der  Injectionsstelle  liess  sich  nie  die  geringste  Beaction  be- 
obachten; Thrombose  oder  Phlebitis  sind  folglich  nur  theoretisch  zu 
befürchten.  Zwei  Mal  war  der  zuerst  gelassene  Urin  leicht  blutig; 
der  nächstfolgende  hatte  indessen  schon  wieder  die  normale  Beschaf- 
fenheit. 

Nach  den  bisherigen  Erfahrungen  soll  somit  diese  neue  Methode 
grosse  Vorzüge  vor  den  Chloroform-  oder  Aetherinhalationen  haben. 
Sie  bietet  eine  verhältnissmässig  viel  grössere  Sicherheit  und  Wirk^ 
samkeit;  sie  erlaubt  eine  mathematisoh  genaue  Doeirung  des  Mittels; 
der  Operateur  ist  von  den  imangenehmen  Complicationen  der  CUoro* 
formnarkose  befreit  und  die  vollkommene  lange  Ruhe,  welche  nach 
Aa  Anästhesie  eintritt,  erfüllt  eine,  besonders  bei  einzelnen  Opera- 
tionen, z.  B.  bei  der  Staarextraction,  ausserordentlich  wichtige  In-* 
dication.  Endlich  zeigen  die  Thatsachen,  dass  diese  Chloralinfusion 
ganz  ungefährlich  ist.  (Diese  Ungefährlichkeit  dürfte  nach  18  FäUen 
doch  noch  nicht  so  sicher  bewiesen  sein*   Ref.] 

Zum  Schluss  begrüssen  die  Vff.  in  diesen  ersten  Yersnohui  den 
ersten  Anstoss  zu  einer  neuen  (?)  vielversprechenden  therapeutischen 
Methode,  zur  Datreiohimg  Inedicamentöter  Substanzen  durch  Infusion 
in  die  Venen;   und  fordern  zur  weiteren  Nachahmung  auf»  —  (Die 


68  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  5. 

Infusion  medicamentöser  Stoffe  in  die  Venen  ist  bereits  seit  der  etsten 

Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  bekannt  gewesen.    Ref.) 

Oirard  (Strasßburg  i/E.). 

W.    Wagstaffe.     lieber   Darm  verschluss ;    seine    Symptome, 

Ursachen  und  Behandlung. 

(St.  Thomas's  Hosp.  Reporte  1873.  p.  179  u.  ff.) 

Eingangs  dieser  gediegenen  Abhandlung  macht  W.  auf  den 
hohen  Wertb  der  Simon 'sehen  Manual-Untersuchung  behufs  Eruir- 
ung  der  LocaUsation  des  Verschlusses  aufmerksam  und  illustrirt 
dieses  durch  die  detaillirte  Krankengeschichte  eines  Falles^  in  wel- 
chem bei  einer  30jährigen  Frau  die  Rectaluntersi^chung  als  Grund 
des  langsam  ausgebildeten  Verschlusses  einen  bösartigen  Tumor  auf- 
fand^ welcher  von  der  Synchondr.  sacro-iliaca  ausging  und  an  einer 
Stelle  in  die  vordere  Wand  des  Rectum  hineingewuchert  war.  Die 
Anlegung  eines  künstlichen  Afters  in  der  rechten  Inguinalgegend  hob 
die  Erscheinungen  des  Verschlusses. 

Zur  Bestimmung  des  Sitzes  der  Verschlussstelle  benutze  man 
combiiiirt  die  bekannten  Untersuchungsmethodeu ;  die  genaue  äussere 
Untersuchung  wird  unterstützt  durch  die  innere  manuelle,  durch  die 
Eintreibung  von  Luft,  resp.  Einfüllung  von  Wasser,  durch  die  Be- 
rücksichtigung des  Verlaufs  des  Darmverschlusses  besonders  seiner 
Acuität,  der  Localisation  der  vorhandenen  Schmerzen,  des  Eintritts 
des  fäculenten  Erbrechens.  Auf  die  Details  dieser  Methoden,  auf 
die  Wiedergabe  der  interessanten  Krankheitsgeschichten  und  der  den 
verschiedenartigen  Befund  illustrirenden  Zeichnungen  muss  hier  ver- 
zichtet werden.  Die  Arten  des  Darmverschlusses  berücksiclitigt  W. 
unter  folgenden  3  Gesichtspuncten. 

Die  verschliessende  Ursache  liegt :  1)  ausserhalb  der  Darmwandung ; 
2)  in  einer  krankhaflen  Entartung  der  Darmwände  selbst;  3)  in  dem 
Darmlumen  selbst. 

Zur  1.  Categorie  gehören  die  Verschliessungen  durch  feste  Bän- 
der (solitary  bands],  die  am  häufigsten  vorkommende  und  die  grösste 
Mortalität  aufweisende  Verschlussform.  Schon  Philipps  setzte  ihr 
Vorkommen  auf  33%  fest  und  Gay  konnte  1861  148  Fälle  anführen. 
Die  Bänder,  die  Residuen  vorausgegangener  Entzündungen,  stellen 
Verlöthungen  von  Eingeweiden,  von  Mesenterium  oder  Netz  mit  an- 
deren Theilen  dar,  oder  eine  Lücke  im  Mesenterium  oder  Netz  mit 
festem,  verdicktem  Rande.  Auch  können  hierher  gerechnet  werden 
die  inneren  hemienartigen  Einklemmungen  in  eine  natürliche  Oeff- 
nung,  z.  B.  for.  Winsl.,  oder  in  eine  abnorme  Oeffnung,  z.  B.  Spalte 
des  Zwerchfells,  und  die  Reductionen  en  masse  und  in  einen  zweiten 
Bruchsack;  endlich  sind  hier  die  Verschlüsse  verursacht  durch  Tumo- 
ren zu  rqpstriren. 

Bei  Berücksichtigung  der  Fälle  von  Darmverschluss,  in  welchen 
der  Darm  selbst  die  Schuld  trägt,   treffen   wir  zuerst   auf  die  Ver- 


Centralblatt  far  Chiruigie.    No.  5.  69 

schfingung.  Verknotung  der  Därme  (»Volvulus«).  Unter  600  von 
Brinton  gesammelten  Beobachtungen  bestand  dieselbe  in  52%;  die 
Inragination  liefert  nach  Brinton  43%  aller  Verschlüsse. 

Hierher  kann  man  auch  rechnen  den  Li ttr ersehen  Bruch»  den 
anus  imperforatus  und  den  Defect  des  Darmcanals  und  endlich  die 
Unwegsamkeit»  Strictur»  hervorgerufen  durch  bösartige  Tumoren  des 
Darms»  hauptsächlich  in  der  Wandung  des  Rectum.  Sehr  selten  ist 
die  Ursache  eine  Paralyse  der  Därme  und  der  Verschluss  durch 
Hämorrhagie  in  die  Darmwandung  (Bre  tonne  au). 

Was  die  Verschlüsse  der  dritten  Abtheilung  anlangt»  so  ist  die 
enorme  Giasausdehnung  (Martyn)  eine  seltene»  häufiger  die  durch 
feste  Masse;  dahin  zahlen  die  Anhäufungen  durch  unverdaute  Nah- 
rung» durch  sogenannte  Concretionen  und  fremde  Körper  (Haare» 
Spulwürmer,  Gallensteine  etc.).  —  Vielfache  Beispiele  hierfür  aus 
eigener  und  Anderer  Erfahrung  sind  im  Original  einzusehen.  Die 
Diagnose»  dass  ein  Darmverschluss  statthabe»  und  welche  Art  des 
Verschlusses  muthmasslich  statthabe»  bietet  in  der  Abhandlung  keine 
neuen  Gesichtspuncte. 

Die  Therapie  des  wirklichen  Verschlusses  verlangt  mit  Aus- 
nahme der  leicht  entfembaren  fremden  Körper  im  Rectum  und  einer 
dilatirbaren  Strictur  desselben»  immer  einen  entschiedenen  Eingriff:  die 
Eröfinung  des  Darmes  in  der  linken  Lende,  oder  in  der  rechten  Leiste ; 
oder  die  Eröffnung  des  Abdomens  mit  Aufhebung  des  Verschlusses 
durch  Lösung  der  frischen  Invagination  oder  Zerreissung  der  Bänder. 

Der  Abhandlung  ist  eine  Tabelle  von  18  tödtlich  abgelaufenen 
Fällen  von  Darmverschlüssen  beigefugt»  welche  in  den  letzten  10  Jahren 
im  St.  Thomas  Hospital  zur  Beobachtung  kamen;  darunter  fanden 
sich  6  verursacht  durch  Tumoren  der  Darmwandungen»  6  durch  Bän- 
der oder  Adhäsionen»  4  durch  Stricturen»  2  durch  Invaginationen. 

Unter  diesen  wurde  in  einem  Falle  von  Solly  (1864)  die  Colo- 
tonue  gemacht  (Carc.  recti.)»  in  einem  zweiten  von  Mc.  Cormac 
(1S72)  die  Colotomie  und  da  das  Colon  leer  gefunden  wurde»  die 
Enterotomie  in  der  rechten  Leiste.  PUz  (Stettin). 


A.  Jacobi  (New  York),    Gastrotomy  in  stricture  of  the  Oeso- 
phagus. 

(New  York  med.  Journal  1874.  No.  113— 114.) 

Verf.  tlieilt  einen  Fall  von  Gastrotomie  wegen  Oesophagusstric- 
tur  mit  und  giebt  im  Anschluss  hieran  aus  der  Literatur  eine  Zu- 
sammenstellung der  analogen  Fälle.  Der  Fall  betrifft  eine  52jährige 
Frau»  welche  innerhalb  der  vorhergehenden  13  Jahre  an  einem  Scir- 
rhus  der  Mamma  und  dessen  Recidiven  wiederholt  operirt  und  mit 
Electrolyse  behandelt  worden  war.  Die  wahrscheinlich  carcinomatöse 
Strictur  hatte  ihren  Sitz  in  der  Höhe  des  Ringknorpels  und  hatte 
bereits  complete  Dysphagie  bewirkt;   dabei  bestand  hochgradige  Ab- 


70  Centralblatt  jRir  Chirurgie.    No.  5. 

mageruiig  und  Schwäche.  Am  24.  April  1874  wurde  die  Gastrotomie 
(waiMin  nicht  Oesophagotomie?  ^f.)  ausgeführt:  der  2^2  Zoll  lange 
Hautschnitt  verlief  senkrecht  von  dem  Interstitium  zwischen  den 
EndiEin  des  7.  und  8.  Bippenknorpels  nach  abwärts,  das  Peritoneum 
wurde  in  der  Länge  von  1 Y2  Zoll  gespalten  und  hierauf  die  vordere 
Wand  des  Magens  (in  der  Mitte  zwischen  der  grossen  und  kleinen 
CürvaUir)»  nachdem  dieselbe  durch  2  hindurchgezogene  Fadenschlin- 
gen fixirt  war,  zwischen  diesen  beiden  durch  einen  zolllangen  Schnitt 
eröffnet.  Schliesslich  wurden  die  Wundränder  der  Magenwand  an 
die  der  äusseren  Bauchwand  mit  8  Nähten  angeheftet.  Der  Verlauf, 
in  den  ersten  Tagen  günstig,  nahm  vom  5.  Tage  an  mit  der  Ent- 
wicklung einer  eitrigen  Infiltration  in  der  Zellgewebs-  und  Muskel- 
schicht der  Bauchwand  eine  ungünstige  Wendung  und  nachdem  noch 
am  9.  Tage  eine  Transfusion  von  4 — 5  Unzen  defibrinirten  Blutes 
ohne  sichtUdien  Erfolg  vorgenommen  war^  erfolgte  am  tO.  Tage  der 
todtliohe  Ausgang  an  Septicämie.  Bei  der  Section,  bei  welcher  blus 
die  Bauchhöhle  geöffiiet  wurde^  fand  sich  kein  Exsudat  und  keinerlei 
Flüssigkeit  in  der  Bauchhöhle,  der  Magen  im  Umfang  der  Wunde 
mit  der  Bauchwand  verlöthet. 

An  die  Mittheilung  dieses  Falles  reiht  Verf.  eine  Zusammen- 
stellung von  14  bekannt  gewordenen  Fällen  von  Gastrotomie  wegen 
Oesophagusstenose.  Aus  derselben  ist  zu  entnehmen,  dass  betreffs 
der  Nationalität  der  Operateure  sich  unter  denselben  9  Engländer,  2 
Franzosen  und  je  i  Deutscher  und  Amerikaner  befinden.  Die 
Stenoee  war  bedingt  m  11  Fällen  durch  Caroinom  des  Oesopha- 
gus, in  einem  Falle  durch  Aetznarben,  in  2  Fällen  ist  die  Ursache 
nicht  bekannt.  In  sämmtlichen  Fällen  erfolgte  der  tödüiche  Ausgang ; 
der  längste  Termin,  welcher  nach  der  Operation  überlebt  wurde,  war 
11  Tage,  der  kürzeste  12  Stunden.  Die  Todesursache  war  nur  in  2 
Fällen  eitrige  Peritonitis,  in  den  übrigen  Erschöpfung,  Shoc,  Herz- 
degeneration, Pneumonie.  Verf.  fordert  trotz  dieser  ungünstigen  Er- 
folge zur  Wiederholung  der  Operation  auf,  indem  er  die  Schuld  an 
jenen  Resultaten  theils  auf  Rechnung  einer  fehlerhaften  Technik  untl 
Nachbehandlung,  theils  auf  Rechnung  davon  setzt,  dass  alle  jene 
Fälle  eigentlich  erst  in  articulo  mortis  operirt  worden  sind.  Verf. 
einpfiehlt  napientlich  während  der  ersten  Tage  nach  der  Oper^tiof^, 
bis  die  Magen  wand  durch  Adhäsionen  fixirt  ist;  die  Ernährung  vom 
Rectum  aus.  P,  Bruiis  (Tübingen). 

Cxemy«     Eine  Elephantiasis  Arabum    congenita  mit  plexi- 
formen Neuromen. 

(Arch.  f.  kliniwhc  Chirurgie  1874.  Bd.  XVIJ.  Hft.  3.  p.  357--384.) 

Die.  im  27.  Jahre  verstorbene  Patientin,  Abkömmling  eines  ge- 
aehwulstreiißhen  Geschlechts  und  Tochter  einer  von  Hecke r  i^  den 
60ger  Jahren  operirten  Frau,  tnig  wie  die  Mutter  am  Rücken  eine 
cu  emxmex  Grösse  angewachsene  OesohwulBt  congenitalen  Ui^prungs, 


Ceotralblatt  für  Ghii^irgie.   Np.  5.  71^ 

wekhe  g^^  M»  Lebensende  au  der  Basjs  von  em^r  liini^  i^i^eqxti 
i¥urde^  die  von  der  linken  Sp.  post.  sup.  im  Bog^n  zum  10.  Brustwirbel, 
von  da  nach  abwärts  zur  Mitte  des  rechten  Darmbeins  zog  und  von 
da  über  rechten  Tuber  ischii  zum  Ausgangspunct  zurückführte  (Um- 
fiing  von  ca.  100  Cm.).  Sie  hing  beutelformig  auf  ca.  80  Cm.  bis 
in  die  Gegend  der  Kniekehle  hinab  und  endete  in  2  rundlichen,  resp. 
hahnenkammartigen  Fortsätzen.  Im  Zusammenhang  damit  war  eine 
Hautpartie,  welche  an  der  Aussenvorderseite  des  rechten  Oberschen- 
kels, entsprechend  dem  Bezirke  des  N.  cutaneus  femoris  ext.  und 
med.  bis  zum  Knie  sich  heruntererströckte  und  ebenfalls  von  der  Ge- 
schwulstbildimg  ergriffen  war. 

Ref.  muss  sich  beschränken,  mit  Uebergehung  des  Krankheits- 
verlaufes  aus  der  überaus  sorgfältigen  Section  und  mikroskopischen 
Untersuchung  Folgendes  hervorzuheben.  —  Der  Innenfläche  der  rech- 
ten Beckenhälfte  liegen  Packete  von  wulstigen  Geschwülsten  auf, 
welche  Verdickungen  der  vorderen  Zweige  des  rechten  Lumbalnerven- 
geflechtes  sind.  Sie  beginnen  von  der  Stelle  der  Intervertebralgang- 
lien,  stehen  unter  einander  in  plexusartiger  Verbindung  und  haben 
den  Sympathicus  lumbalis  mit  in  die  Degeneration  hineingezogen. 
Aehnlich  sind  die  Nn.  femoris  cutaneus  ext.  und  med.  und  N. 
Saphenus  major  entartet. 

In  der.  Hauptgeschwulst  des  Rückens  finden  sich  ausser  den  so- 
gleich zu  beschreibenden  mikroskopischen  Eigen thümlichkeiteu,  zum 
Theil  parallel  mit  den  grösseren  Blutgefässen,  derbe,  markweisse 
Stränge,  von  der  IMcke  einer  Rabenfedei;  bis  zur  Dicke  einer  Gänse- 
feder, die  vielfache  rosenkranzförmige  Anschwellungen  zeigen  und  sich 
netzartig  verbinden.  Der  Zusammenhang  dieses  Flechtwerkcs  mit 
den  Dorsalästen  der  Lumbal-  und  KreuzbeinnerveQ  lässt  sich  leicht 
durch  das  Mqsser  darstellen. 

Die  Hauptgeschwulst  ist  als  Elephantiasis  congenita  aufzufassen 
und  zwar  von  jener  seltenen  Form,  die  man  als  die  neuromatöse  be- 
zeichnet hat.  Sie  ist  aus  einer  Hyperplasie  des  subcutanen  GeWebis 
hervorgegangen  und  enthält  zahlreidie  Saftoanalsysteme,  welche  mit 
grossen,  ein  weites  Canalsjstem  darstellenden  Lymphiäumen  zusam- 
menhäqgen.  Interessent  ist  der  Nachweis  von  glatten  Musi|fLeliasern 
und  Lymphräumen  um  die  Talgdrüsenfollikel,  vor  allem  ab^r  die 
Combiaation  mit  den  Kervengeschwülsten.  Es  beistehen  diese  letzte- 
ren hier  der  Hauptmasse  nach  aus  Bindegewebe,  in  welches  Gang- 
Henzelleu,  markhaltige  und  zahlreiche  n^ugebildete  marklose  Ner- 
yenl^em  eingestreut  sind. 

Die  Frage  über  die  Bedeutung  dieser  Nervengeschwülste  für  die 

elephantiastischen  Bildungen  b^ührend,  meint  C,   es  habe  der  Pro- 

C688  in  den  Nerven  begonnen  und  die  Hauterkrankung  dann  h^rbci- 

gefohrt ,  als  er  bis  zu  einem  gewissen  Grade  gediehen  war.   Ni^ment- 

Uch  möchte  von  einer  Erkrankung   der  sympathischen   (trophischen) 

Fasern  die  Hyperplasie  des  subcutanen  Zellgewebes  abzuleiten  sein. 

Wii]i.Kocli  (Berlin].       , 


72  Centralblatt  für  Chinirgie.    No.  5. 

Oilman  KimbaU.      Cases  of  drainage  from  the  cul-de-sac 

of  Douglass  after  ovariotomy. 

(The  Boston  med.  and  surg.  Journal  1874.  Voi.  XC.  No.  22,  24,  25.  Vol.  XCI. 

No.  6,  7  und  12.) 

K.  theilt  9  Fälle  von  Ovariotomie  mit,  in  welchen  sämmtlich  bei 
der  Nachbehandlung  die  Drainage  der  Peritonealhöhle  vom  Douglas'-* 
sehen  Saume  aus  durch  die  Vagina  luiterhalten  wurde.  In  seinen  ersten 
Fällen  bewerkstelligte  er  die  Drainage  so,  dass  er  die  Unter bindungs- 
fäden  des  in  der  Peritonealhöhle  zurückgebliebenen  Geschwulststieles 
einfach  durch  die  künstliche  Oeffnung  in  der  hintern  Vaginalwand 
aus  der  Scheide  heraufileitete.  Die  Fäden  sollten  das  sich  ansam- 
melnde Secret,  von  dessen  Retention  er  Gefahr  fürchtet,  nach  aussen 
leiten.  Er  fand  jedoch  bald  diese  Axt  der  Drainage  mangelhaft^  in- 
dem sich  die  künstliche  Communication  zwischen  Douglas'schem 
Raum  und  Scheide  schon  am  2.  oder  3.  Tage  schloss,  und  stellte  er 
deshalb  erstere  durch  das  Einlegen  einer  silbernen  Kanüle  her,  die 
er  bis  zum  vollständigen  Aufhören  des  Ausflusses  liegen  liess.  Durch 
diese  Kanüle  nahm  er  auch  in  einzelnen  FäUen  das  Ausspülen  des 
Cav.  periton.  mit  erwärmter  wässriger  Kochsalzlösung  (1:20)  vor. 
Von  den  9  Fällen,  die,  wie  aus  den  Bes<chreibungen  hervorgeht,  in 
ihrer  Mehrzahl  complicirter  und  schwerer  Natur  waren,  wurden  7 
geheilt.  2  der  Operirten  starben,  eine  an  Tetanus  am  22.  Tage  nach 
der  Operation,  die  zweite  am  12.  Tage  nach  der  Operation  infolge 
allgemeiner  Peritonitis  und  Septikämie  (Krankengeschichten  im  Ori- 
ginal). K.  spricht  sich  infolge  seiner  Erfahrungen  sehr  günstig  über 
die  Drainage  der  Unterleibshöhle  nach  Ovariotomieen  aus  und  sagt, 
man  könne  ihrer  nur  in  ganz  reinen^  uncomplicirten  Fällen,  wo  man 

keine  secundären  Ergüsse  zu  erwarten  habe,  entbehren. 

A.  Bargrer  (London). 

M*  Langenbeck  (Hannover).     Radicalcur  der  Brüche. 

(Memorabilien  1874.  Hft.  7.  p.  293.) 

Durch  folgende  Methode  der  Implantation  hat  L.  in  7  Fällen 
von  Inguinalhemie  und  2  von  Cruralhernie  vollen  Verschluss  der 
Bruchpforte  erzielt.  Ein  zungenförmiger,  mit  seiner  1  —  IV2"  breiten 
Basis  nach  oben  gelegener  Lappen  wird  aus  der  vorderen  Schenkel- 
fläche derart  gebildet,  dass  der  innere  Begrenzungsschnitt  in  der  Höhe 
zwischen  Symph.  oss.  pub.  und  tuberc.  pub.  beginnend,  IV2 — 2" 
nach  abwärts  und  etwas  nach  aussen  geführt  wird;  bei  der  H.  inguin. 
etwas  höher  über  dem  Lig.  Poup.,  als  bei  der  H.  crural.,  wird  von 
dieser  Schnittwunde  aus,  die  durch  Unterhautzellgewebe  und  Fascia 
superf .  geht,  der  Zeigefinger  in  der  Richtung  des  äusseren  Leistenringes 
vorgeschoben,  durch  den  ganzen  Canal  hindurchgefiihrt.  Bei  Schen- 
kelbrüchen hat  man  die  etwa  noch  vorhandene  Fase,  cribrosa  zu 
durchbrechen,  dann  von  der  fossa  ovalis  aus  in  der  Richtung  des 
Annul.  crur.  vorgehend^   die  plic.   falciform.  bis  zum  Lig.  Poupartii 


Centralblatt  far  Chirurgie.   No.  5.  73 

hio  zu  durchreissen  und  endlich  das  etwa  erhaltene  Septum  cruiale 
zu  perforiien  und  die  im  annul.  crur.  befindliche  Vertiefung  der 
vagin.  TaacHT.  zu  zerreissen.  Nachdem  die  Bruchcanäle  und  Pforten 
so  frei,  resp.  wund  gemacht  sind,  wird  nach  aussen  vom  ersten 
Schnitt  fast  in  derselben  Höhe  bannend,  der  zweite  äussere  IY2 
— 2"  nach  unten  und  etwas  nach  innen  geführt  und  die  convergiren- 
den  Schnittenden  durch  einen  unteren  bogenförmigen  verbunden ;  der 
nmschnittene  Hautlappen  wird  abpräparirt  und  möglichst  tief  in  die 
Bruchcanäle  eingeschoben;  Vereinigung  der  frischen  Wundit&uder, 
das  ganze  Operationsfeld  und  den  Bruohcanal  deckender  Charpie* 
Verband,  Kälte  durch  6—12  Stunden.  In  der  ersten  Zeit  wird  ein 
Bruchband  noch  getragen;  nach  10 — 12  Tagen  Verlassen  des  Bettes. 
Bei  mehreren  Patienten  fand  L*  nach  74—72^^^®  die  Bruchpforten 
ausnehmend  fest  und  hart  verschlossen.  PUs  (Stettin). 


Demarquay.    Sur  un  nouveau  proc^de  op^ratoire  applicable 

ä  la  hemie  ombilicale  etrangl^e. 

(Bulletin  ghikni  de  thtepeutique  Vol.  LXXXVII.  No.  8.) 

Die  Operation  des  eingeklemmten  Nabelbruches  bietet  bekannt- 
lich eine  recht  schlechte  Prognose ;  eine,  tödtliche  Peritonitis  tritt  in 
den  meisten  Fällen  ein. 

D.  hat  diese  Gefahr  durch  folgendes  viel  weniger  eingreifende 
Verfahren  zu  verringern  gesucht. 

Er  führt  über  den  unteren  linken  Rand  der  kugeligen  Geschwulst 
einen  kurzen  radiären  Schnitt,  welcher  den  Bruchsack  nur  wenig 
und  sehr  nahe  am  einklemmenden  Ring  eröffnet;  letzterer  wird  mit 
einem  concaven  geknöpften  Bistouri  ca.  2  Cm.  tief  eingeschnitten. 
Nachdem  der  Operfiteur  auf  diese  Weise  die  Einklemmung  gehoben 
hat,  reducirt  er  den  Bruchinhalt  gar  nicht,  sondern  lässt  ihn  liegen 
und  verschliesst  die  Wunde  mit  Nähten. 

Von  4  nach  dieser  Methode  operirten  Kranken  kam  t  durch 
(?  Ref.).  Girard  (Strassburg i/E.). 

GroBB«    De  l'expectation  dans  le  traitement  des  morsures  de 

viperes. 

(Revue  medicale  de  l'Est  Bd.  II.  No.  9.) 

Verf.  glaubt,  dass  der  Natterbiss  in  unseren  Gegenden  nicht 
lebensgefiLhrHch  sein  kann  (?  Ref.) ;  das  Gift  werde  übrigens  so  schnell 
resorbirt,  dass  nur  das  Aussaugen  der  Wunde  unmittelbar  nach  der 
Verletzung  eine  rationelle  Begründung  beanspruchen  könne.  Sonst 
seien  alle  anderen  empfohlenen  Behandlungsmethoden :  Aetzungen,  In- 
cisionen  der  Stichwunden  oder,  wie  man  es  neuerdings  empfahl,  intra- 


74  CwinOblaU  füy  ChiruTgie.    No.  5. 

ve^ÖBO  AomQUiaki^j^t^oi^  >  höchstena  uunüA^^  maachiiiAl  gefähr- 
licher 9}^  dft8  Uehßl  «elbft,  Miui  soUe  exspeotatiy  o4er  ein&oh  «ymptp- 
imiti^eh  vorfahren.  '  Glrurd  (Stnssbwg  i/E.). 

B.  Solger.     Ein  Fall   von  knöcherner  Ankylose   des  linken 

Kiefergelenks. 

(Viroh.  ArchiT  Rd*  LX.  p.  3^0.) 

Diese  bisher  nooh  nicht  beschriebene  Missbildung  fand  sich  an 
einem  leider  nicht  vollständig  erhaltenen  Schädel  der  anatom.  Samm- 
lang  zu  Jena.  Ueber  die  während  des  Leb^^is  au  beobachtenden 
Erscheinungen  fehlen  die  Nachrichten.  Es  fehlt  die  rechte  Unter- 
kieferhälfte  und  nur  die  starke  Entwicklung  der  lamina  externa  des 
Flügelfortsatxes  dieser  Seite,  die  abgeschliffene  OberSäohe  des  ersten 
oberen  Backzahnes,  der  hier  gut  entwickelte  Alveolarrand  spreche^ 
für  Ausübung  der  Kaufunction. 

Ob  beide  Unterkieferhälften  getrennt  existirteU;  oder  operativ 
getrennt  wurden,  ist  unbekannt.  Die  ganze  untere  Fläche  des  Schup- 
pentheiles  des  linken  Schläfenbeines  wird  von  einer  mächtigen  Kno- 
chensäule eingenoBumen,  die  mit  einem*  dem  proc.  condyl.  man- 
dibulae  entsprechenden  Knocbenstück  verwachsen  ist.  An  der  hinteren 
und  inneren  Fläche  markirt  eine  Fijrche  die  Grenze  beider  Kno- 
chen, an  der  vorderen  und*  äusseren  Fläche  verläuft  eine  bogenför- 
mige, zackige  Nath.  Der  process.  coronoideus  wird  durch  einen 
schmalen,  dreikantigen,  oben  scharf  ausgezogenen  Fortsatz  repräsentirt. 
Horizontaler  und  aufsteigender  Ast  bilden  keinen  Winkel.  Der  dem 
Körper  entsprechende  Unterkiefertheil  trägt  weder  Zähn^  noch  Al- 
veolen, statt  dessen  nur  zwei  Knochendome.  Ein  Zahn  (Mahlzahn) 
liegt  mit  einem  Theil  der  Krone  und  der  conischen  Wurzel  frei  zu 
Tage,    ist  sonst  von  Knochenmasse   umschlossen.     Das  Schädeldach 

ist  von  oben  betrachtet  unsymmetrisch  und  rechts  geräumiger. 

MadeiHng  (Benn). 

Ludwig  Letzericb.     Ueber  Abstossung  einer  diphtheritischen 

Tonsille. 

(Berl.  klin.  V^^ochenschrifl  1874  No.  28.) 

Verf.  theilt  einen  Fall  mit,  wobei  naeh  ziemlich  langer  Dauer 
der  Krankheit  sich  die  eine  Mandel  und  eine  Partie  des  Yelum 
palat.  abgestossen;  danach  folgte  eine  starke  Blutung  und  Tod 
unter  Drängen  nach  Urinentleerung.  An  den  abgestossenen  Partieen 
fand  sich  auf  dem  Durchschnitt  theils  krümliches,  conoentrisch 
schaaliges,  theils  alveoläres  Gefuge.  Es  folgt  genaue  mikroskopische 
Analyse  und  die  Angabe,  dass  die  verschiedenartig  gut  oder  übel 
verlaufende  Diphtherie  der  Tonsillen  von  den  Entwicklungsfcurmen 
des  Pibes  abhinge.  Wenn  der  Boden  geeignet  sei,  für  Entwicklung 
der  niederen  Formen,  namentlich  der  Flasmakugeln ,  die  zu  Micro- 


üeatralbUtt  für  Cbirurgi«.    No.  5.  75 

coeciiffiDEiiiflseH  und  Br^ndpils  würdea^  fände  eiunmat^  Ve^rii^^lMruiig» 
also  grosse  Zerstörung  stutt,  komme  es  aber  «ur  £ntwic^ung  von 
Mycelienftdeii»  so  trete  leicht  SponUuheilung  ein.  Pie  beiden  Hy- 
phenfomen  des  Filies  hätten  auf  lebeade  thierische  Organismen,  da 
sie  eine  Luft-  und  Flüssigkeitsform  des  Pilses  seien,  keinen  Einfluss. 

T.  Itos^neil  (BqwO 

Bmbergar.    Die  Tranefusion  und  ihr  We^h  im  Felde. 

;Beri.   militärftntl.   Ges.  Tom  21.  Juli  1S74.  —  Deutsche  milit&räntl.  Zeitschrift 

18T4.  H(t  10.) 

B,,  der  gegen  40  Transfiisionen  theils  gemacht,  theils  gesehen 
haben  will  und  die  verschiedenen  Methoden  derselben  kennt,  giebt 
nach  seinen  Erfahrungen  der  Schliep'schen  Methode  der  doppek 
arteriellen  Transfusion  vor  der  Ha ss ersehen  arterio- venösen  den 
Vorzug.  Hinsichtlich  der  Wahl  der  Blutspecies  empftehlt  er,  wo  man 
es  haben  kann,  ganzes  Menschenblut ;  ist  dies  nicht  möglich ,  so  habe 
man  im  Thierblut  ein  gerade  nicht  vorziigliches,  aber  brauchbares 
Surrogat.  Die  Indicationen  für  die  TransAision  sollen  nach  Verf. 
zwar  in  Zukunft  voraussichtlich  noch  erweitert  worden,  sind  aber 
vor  der  Hand  immer  noch  auf  acute  und  chronische  Anämie  beschränkt. 
Die  Gewohnheit,  das  überströmende  Blut  auf  Körpertemperatur  zu 
erhalten,  sei  überflüssig,  da  gerade  die  Abkühlung  des  Blutes  durch 
Eis  vor  Gerinnung  schütze. 

Im  Felde  soll  die  Transfusion  nach  Verf.  natürlich  nur  in  Laza* 
lethen,  niemals  auf  Gefechtsfeldem  und  Verbandplätzen  (Gesellin  s), 
ihr  Recht  haben,  hier  aber  in  Zukunft  als  geradezu  unentbehrlich 
sich  erweisen.  Die  Einfuhrung  von  Transfusionsapparaten  (nach 
8  c  h  1  i  e  p)  in  das  Armentarium  der  Feldlazarethe  wird  dringend 
empfohlen.  Irn,  HUier  (Berlin). 

P«  Laagrorhaiui.     Beiträge  zur  Architectur  der  Spongiosa. 

fVircli.  Ai€hiv  1874.  Bd.  LXI.  p.  239.) 

L.  kritisirt  zuerst  das  von  Wolfermann  beschriebene  dreifache 
System  von  Plättohenaügen  in  den  Wirbelkörpem,  stellt  das  von  Wol- 
fermann aufgestellte  radiale,  von  der  hinteren  Fläche  des  Körpers  in 
g^reuxtem  Verlauf  nach  der  vorderen  siehende  System  in  Abreda 
uad  bespricht  die  Modüicationen,  welche  die  Anordnung  der  8pon^ 
giosa  der  Wirbelkörper  am  oberen  und  unteren  Ende  der  Wirbelsäule 
erleidet.  Von  der  unteren  Extremität  findet  hauptsächlich  der  Unter« 
scheakel  genaue  Beachtung.  Ein  System  von  sagittal  sich  kreuzenden 
Zügen  in  obeien  Theil  der  Tibi»  entspricht  der  Richtung  und  Aus^ 
dehnimg  nach  den  lig.  omoiata  und  überträgt  den  Zug  dieser  Bänder 
zujT  Compaola  des  Knochen.  Nach  dem  anatomischen  Befund  geht 
der  Fibula  jede  BetheiUgung  am  Tragen  der  Körperlast  ab. 

Oflgegen  ist  das  Fibulaköpfdien  von  Bedeutung  für  die  Mechanik 
des  Kniegeki^s.    An  Schnitten,  welche  in  genau  frontaler  Ripbtung 


76  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  5. 

durch  das  Fibulaköpfchen  gelegt  sind^  sehen  wir  an  der  Aussenseite 
einen  stark  entwickelten  Zug  von  Bälkchen^  welcher  aus  der  Com- 
pacta  des  Schaftes  hervorgegangen^  in  den  äusseren  Höcker  des  Waden- 
beinkopfes zieht  und  so  dem  lig.  acc.  laterale  entspricht.  Im  unteren 
Ende  der  Tibia  und  Fibula  finden  sich,  ausser  den  schon  anderweitig  be- 
schriebenen und  erklärten  Spongiosazügen  solche,  welche  einem  Drucke 
entsprechen,  der  beide  Knochen  von  einander  entfernt.  In  der  Tibia 
gehen  dieselben  bogenförmig  verlaufend  in  den  malleolus  int.  und 
stehen  senkrecht  auf  seiner  Gehfläche;  in  der  Fibula  strahlen  sie 
vom  oberen  Theile  der  Gelenkfläche  aus  und  ziehen  sowohl  nach  oben 
und  unten,  als  nach  aussen.  Auch  der  Bau  des  Talus  beweist,  dass 
die  Fibula  demselben  keine  Last  zuführen  kann.  Von  den  im  oberen 
Ende  des  Humerus  durch  Wolfermann  beschriebenen  Spongiosa- 
zügen sah  L.  zwei  derselben  selten  oder  nie.  Er  versucht  eine  Er- 
klärung der  beiden  anderen,  ebenso  der  an  der  unteren  Epiphyse 
vorkommenden  durch  die  doppelte  Belastüngsart  der  oberen  Extremi- 
tät, \md  zwar  erstens  durch  den  Rumpf  bei  dem  Aufstützen  des  Armes, 
zweitens  durch  den  Zug  von  unten.  Von  den  beiden  oberen  Enden 
der  Unterarmknochen  ist  das  Radiusköpfchen  nur  bei  emporgestosse- 
nem  Arme  belastet,  dem  entsprechend  sehen  wir  ein  einfach  zur  Ge- 
lenkfläche gerichtetes  System  von  Spongiosabälkchen  die  Last  auf  die 
Compacta  übertragen.  Dagegen  findet  sich  am  process.  coronoid.  der 
Ulna  ein  senkrecht  nach  abwärts  ziehendes  System,  entsprechend  der 
Belastung  von  oben  her,  am  Oberarm  ein  senkrecht  von  der  Gelenk- 
fläche zur  hinteren  Compacta  ziehendes  System,  entsprechend  dem 
Druck  der  Geleukfläche  dieses  Theiles  gegen  die  Trochlea,  bei  Be- 
lastung der  Hand.  An  den  unteren  Epiphysen  der  Unterarmknochen 
ist  die  Spongiosa  hauptsächlich  der  Belastung  von  oben  entsprechend 
angeordnet.  Madelung  (Bonn). 

Warren  Sawyer.     Concerning  the  cause  of  gangrene  follo- 
viring  the  ligatuie  of  large  arteries  of  the  lower  extremity. 

(The  Boston  med.  and  surg.  Journal  1874.  Vol.  XGI.  No.  11.  p.  250.) 

S.  theilt  eine  Anzahl  meist  von  ihm  selbst  beobachteter  Fälle 
von  Unterbindung  der  Art.  iliac.  ext.  oder  femoralis  wegen  Verletzung 
dieser  Gefasse  mit^  in  denen  vor  der  Unterbindung  sehr  starke  Blut- 
verluste stattgefunden  hatten  und  die  von  Gangrän  des  Gliedes  ge- 
folgt waren  ^  trotzdem  es  sich  dabei  um  jugendliche  oder  kräftige 
Individuen  handdte,  nämlich  1)  einen  Knaben  von  15  Jahren  (Iliaca 
ext.),  2)  Mann  (Art.  femor.)^  3)  kräftigen  jungen  Mann  (Iliac.  ext.), 
4)  Mann,  dem  ein  für  einen  Abscess  gehaltenes  Aneurysma  dicht 
unter  dem  Po upar tischen  Bande  geöffiiet  wurde  (Art.  femor.). 
Diesen  stellt  er  2  Fälle  gegenüber,  in  welchen  die  Unterbindung  ge- 
macht worden,  ohne  dass  vorher  Blutung  stattgefunden  hatte  und  wo 
keine  Gangrän  eintrat.  Nämlich  1 )  Alter  schwächlicher^  syphilitischer 
&fauin^   dessen  rechte  Iliac.   ext.  dicht  an  ihrem  Ursprünge  wegen 


Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  5.  77 

Aneurysma  desselben  Geftsses  unterbundcHn  wurde.  2)  Junger  Mann 
mit  Verletzung  der  Art.  femor.  und  Unterbindung  ohne  Torherigen 
starken  Blutverlust.  Seine  Beobachtungen  fuhren  ihn  zu  dem  Schlüsse, 
dass  ein  Connex  zwischen  dem  starken  Blutverluste  und  der  der 
Unterbindung  folgenden  Gangrän  statt  habe.  Er  erklärt  die  Sache  so, 
daBs  bei  normaler  oder  fiist  normaler  Blutmenge  nach  Unterbindung 
der  genannten  Gefasse,  wodurch  ungefähr  ein  Viertel  der  gesammten 
arteriellen  Blutbahn  abgeschnitten  werde,  durch  die  jetzt  grossere 
Spannung  im  arteriellen  Gefässsysteme  und  die  sich  derselben  adap- 
tirende  verstärkte  Herzthätigkeit  der  collaterale  Kreislauf  in  den  be- 
treflenden  Gliedern  erzwungen  werde,  während  Letzteres  bei  abuorm 
verminderter  Blutmenge  nicht  möglich  sei  (vergl.  Jefremoff,  Cen- 
tralbl.  f.  Chir.  1874,  No.  23,  p.  356,  Ref.).         A.  Barger  (London). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Esmaroh«     Ueber  elastische  Extensionsverbände  für  Schussfracturen 

des  Oberschenkels  und  des  Hüftgelenkes. 

(Arch.  für  klinische  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  3.  p.  486—491.) 

Vier,  40  Cm.  lange  und  7  Cm.  breite  Holzschienen  gind  an  dem  einen  Ende  mit 
Blechhülsen  versehen  und  können  mittelst  derselben  so  zusammengesteckt  werden, 
dsBs  sie  eine  Art  Desault 'scher  Schiene  bilden.  In  das  obere  Ende  derselben 
sind  2  ovale  und  2  runde  Löcher  eingeschnitten.  Durch  die  ersteren  wird  der 
Gürtel  gezogen,  mit  welchem  der  Apparat  am  Kumpfe  des  Verwundeten  befestigt 
werden  muss.  Man  wird  dazu  in  der  Regel  die  S&belkoppel  des  Mannes  verwen- 
den können.  Durch  die  beiden  darunter  befindlichen  runden  Löcher  zieht  man 
den  Dammgfirtel,  der  zur  Contraextension  dient  und  am  besten  aus  einem  Qummi- 
schlauch  hergestellt  wird.  Die  Extremität  wird  zuvor  nach  der  bekannten  ameri- 
kanischen Manier  in  eine  Eztensionsachlinge  gelegt,  welche  aus  Heftpflaster,  resp. 
nassen  Leinenbinden  bestehen  kann  und  in  ihrem  Fusssohlentheile  das  Steigbügel 
brettohen  trftgt.  In  letzteres  greift  ein  aus  Qummi  gearbeiteter  Exten sionsring  und 
in  diesen  wieder  ein  8  Cm.  langer  eiserner  Haken»  dessen  rechtwinkelige  Verbindung 
mit  dem  unteren  Schienenende  durch  eine  ganz  einfache  Vorrichtung  ermöglicht  wird. 

Extensions-  und  Contraextensionsvorrichtung  lassen  sich  auch  leicht  an  jeder 
Tragbahre,  an  zusammengesteckten  Gewehren  u.  s.  w.  anbringen. 

WIlh.Koch  (Berlin}. 
A.  Obalinski  (Krakau) .    Ueber  Behandlung  der  Oberschenkelf racturen 

vermittelst  der  Distractionsmethode. 
(Przegl2\d  lekarski  1874.  No.  44,  polnisch.) 

Bericht  über  4  auf  die  oben  erwähnte  Weise  behandelte  Fälle.  In  3  Fällen 
dauerte  die  Callusbildung  22  30  Tage  und  die  Verkürzung  betrug  IV2 — 2  Cm. 
Im  4.  Falle,  wo  eine  Fractura  spontanea  infolge  von  Lue»  entstand,  bildete  sich  ein 
fabches  Gelenk  aus.  Obalinskl  (Krakau). 

HeydeDreioh.  .  Spontan-Fractur  bei  einem  Tabetiker. 

(Bulletin  de  la  soc.  anat.  de  Paris  1874.  p.  255.] 

Ein  38j&hr.  Tabetiker  fQhlte  beim  Auaxiehen  seines  rechten  Stiefels,  indem  er 
den  lechtan  Fuia  auf  seinen  linken  Schenkel  gelegt  hatte,  ein  XLnaeken  in  der 
Mitte  des  rechten  Oberschenkels;  am  8.  Tage  grosser  Decubitus,  heftiges  Erbrechen, 
Bronchitis.  Tod  am  29.  Krankheitstage.  Section:  Congestion  beider  Lungen, 
verbreitete  Bronchitis;  graue  Degeneration  der  hinteren  Stränge.  An  der  Bruch- 
stelle bedeutende  Eiterhöhle,  eitrige  Durchsetzung  der  Muskulatur,  Schrägbruch, 


78  Oetttralblatt  ftlr  fchiruTgle.    No.  6. 

CaHttftbildtuig  iowohl  an  d«r  AiiiMHWite,  ali  aBoh  idi  Markmune«  Fragmentendeh 
■eigen  otarke  Ostitis,  fettreiche  Granulationen  in  den  erweiterten  Havers 'sehen 
Canftlen.  Ptlz  (Stettin}. 

Mureans.    .OsteomyelitiB,  spontane  Fractur. 

(Bulletin  de  la  Mc.  anat.  de  Paris  1874.  p.  241.) 

t>er  ISj&hri  Jtlii|;ling  vor  6  Wochen  mit  Sdun^Srzen  im  unteren  Theiie  des 
Obefsehenkels  eHirankt,  aeigt  jetst  schmerzhafte  Schwellung  des  Kniegelenks.  Eiter- 
entleerung, Drainage,  Tod  durch  Erschöpfung.  Section : .  Eitrige  Infiltration  der 
unteren  ^/a  des  Oberschenkels,  Fractur  im  unteren  Drittel  (von  der  angenommen 
wird,  dass  sie  beitfi  Transport  in  den  Saal  entsenden  sei),  int  hinteren  Th^le  dt*s 
Kniegelenks  eine  mit  der  Fraeturstelle  communioirende  Pbrforatiotiflöffnung,  die 
Knojrpel  steUenweis  ukerirt.  Thrombose  der  Yen.  Poplitea.  Auf  einem  Längs- 
schnitt des  Femur  zeigt  sich  der  Epiphysenknorpel  und  das  Periost  intact,  dagegen 
eine  ausgesprochene  eitrige  Ostitis  in  der  Spongiosa,  Welche  letztere  stellenweis 
resorbirt  erscheint  und  mehrere  Eiterhöhlen  enthält.  Pils  (Stettin). 

M.  KnylLOWBki  (Sanokj .   Esmarch's  Blutleere  bei Enucleatio  brachii. 

(PrzegM  lekarski  1874.  No»  48,  polnisch.) 

Der  Fall  betraf  eine  Maschinenverletzung  der  rechten  oberen  Extremität.  Nach 
Anlejft^n^  des  Esmarch 'sehen  Apparates  nhirde  ein  Oirkdschnitt  ini  chihirgiseheh 
Halse  gemacht,  der  Knochen  abgesägt,  die  Qeftsse  unterbunden,  hierauf  der 
Apparat  weggelassen  und  die  Enucleation  des  zurCLckgebliebenen  Oberarmkopfes 
vollendet.  Patient  verlor  dabei  gegen  1  Unze  Blut.  Tod  nach  3  Tagen  an  Septi- 
kämie.  (Zu  umständlich  gegenüber  dem  von  Esmarch  und  Volkmann  geübten 
Verfahren  1    Ref.)  Oballiskl  (Krakau). 

1}  Tetanus  infolge  Von  Quetschvrunde  tles  Fusees  durch 

Amputation  geheilt. 

(New  York  med.  Journal  1874.  Aug.  No.  113.  p.  184.) 

In  ein  Reception-Hospital  in  New- York  wurde  ein  Knabe  mit  einer  Quetsch- 
wunde des  Fusses  aufgenommen.  Ann  1).  Tage  trat  Trismus,  am  13.  allgemeiner 
l^tanus  ein,  welcher  erfql{^os  mit  hypodennatischen  Injectionen  von  Morphin  und 
Alrbpin  behandelt  wnrde.  5  Tage  später  wurde  die  Amputation  des  Unterschen- 
kels gemacht,  worauf  vom  folgenden  Tage  an  alle  EtBoheinungen  von  Tetanus  ver- 
schwutiden  waren.    Vollkothmene  Heilung  nach  3  Wochen. 

2)  SchusBverletzung  des  Herzens. 

(Ibid.  p.  16».) 

Im  BelleVue  tto^ital  (New- York]  wurde  bei  einem  14jähr.  Menschen  eine 
SchussVerletzüng  des  Herzens  beobachtet.  Eingangsöffnung  der  Pistoienkug»!  in 
der  Nähe  der  Brustwane,  keine  Aufigangsöffnung.  Nach  Eintritt  einer  Pericarditis, 
Pleuritis  und  Pneumonie.  Tod  5 — 6  Tage  nach  der  Verletzung.  Bei  der  Section 
fand  sich,  dass  der  Schusscanal  den  linken  Ventrikel  ganz  durchsetzt  und  zwar 
mit  Zurücklassung  einer  klappenförmigen  Oeffnung,  welche  den  Blutaustritt  in  das 
Pericardium  verhindert  hatte.    Die  Kugel  sass  hinter  dem  Herzen  in  der  Lunge. 

P.  Bums  (Tübingen). 

^uglieae.     Darmverschluss^  künstlicher  After.     Erfolg. 

(Lyon  m6d.  No.  18  p.  523.) 
Die  recht  ungenaue  Beobachtung  betraf  dne  bishet  gesunde  50jähr.  Frau, 
lil^ekh«  Vom  21.  April  ab>  wegen  absoluter  Stuhlverhaltung,  vei|^lich  mit  Afaführ- 
mitteln  und  Kiystiren  behandelt  wurde ;  als  sich  weiterhin  Uebelkeit,  Birbrechen, 
Meteorfsmus  einstellte  nnd  das  fttr  Krampf  gehaltene  Leiden  duroh  Medioanenle 
tkSdit  gebiBSsett  wurde»  sogar  fäculantes  Brbteohen  eintrat,  wurde  am  3.  Mai  ein 
künstlicher  After  in  der  rechten  Leiste  abgelegt)  das  Erbrechen  cennrte,  Stahl* 
entleerung  erfolgte.    Als  Ursache  -  des  Verschlusses  wurde  jetzt  eine  Invagination 


Ve/MaMktb  fttr  OhiniTgie:     No.  5.  79 

nipj)on]it,  da  ^ne  andere  Forin  des  VenchlaMet  nicht  anfgeftonden  Werden  kohttt^. 
Dw  nach  einigen  Tagen  angestellte  Versuch,  Tom  eigentlichen  After  her  Wasser- 
mengen  bis  som  klkastttohen  hina6fsutreibeii,  gelang  beim  sweiten  Male;  Mitte 
Ai^init  nahm  der  Koth  irieder  seinen  Weg  dnreh  den  gansen  Darm  und  der 
kIkMtlicfas  Afler  begann  sich  su  schliessen.  (Wie  der  Autolr  hinterher  eingesteht» 
hätte  er  mit  der  Procedur  des  Wassereintreibens  den  AnÜsng  seiner  instmmen- 
teüen  Bebandlimg  beginnen  sollen,  er  wttrde  die  «>erf61greiehe«  Enterotomie  Tiel- 
leicht  geepait  haben.    Asf.)  Pflt  (Stettin). 

h,  Biddar  (Mannheitti) .    Aus  der  eliirutgxseli-^näcologi9eiie&  Pnocis. 

(Betl.  kfin.  Woehenschriit  1874.  p.  46.) 
1}  Ein  Fall  ron  Ha^inatometra  des  Uterus  bicomis  (?)  bei  vollständi- 
gem angeborenem  Mangel  der  Scheide.     Operation.     Heilung. 

Bei  einer  17i/^&hr.  Kyphotica  seit  einem  Jahre  Schmersen  im  Unterleib,  die 
rieh  alle  4  Wochen  steigernd  wiederholten.  Blutabgang  fehlte.  Der  Introitus 
Tsginae  nicht  vorhanden ;  der  in  das  Rectum  geführte  Finger  kann  einen  in  die 
Blase  gelegten  Katheter  direct  hinter  einer  ddnnen  Gewebsschicht  lühlen.  Et^ra 
8  Cin.  über  dem  Anus  fühlt  man  den  prallen  Uterus  swisohen  Hectum  und  Bauch- 
decken, doch  ohne  Cervicaltheil.  Verf.  ritite  nun  mit  dem  Fingernagel  an  dem 
iwischen  Urethra  und  yorderer  Commissur  gelegenen  häutigen  Verschluss,  welcher 
eine  fnne  Verkl^bungiinarbe.  sengte,  diese  streichenfd  |ind  bohireiid  von  eiiMUide?. 
An  einzelnen  Stellen  drang  der  Finger  leichter  in  die  Tiefe,  zeigend,  dass  hier  die 
Verkleb ung  minder  innig  sei.  Bei  etwa  8—9  Cm.  Tiefe  fimd  sich  der  Uterus, 
welcher  mittelst  eines  Troikarts  punctirt  wurde.  Schwarzrbthe  z&he  Flüssigkeit 
entleerte  sich.  Ein  folgender  stinkender  eitriger  Ausfluss  wurde  durch  Ausspritzung 
der  Scheide  behandelt.  Später  folgten  reguläre  Menses.  Der  Uterus  blieb  noch 
lange  vergrössert,  die  Scheide  noch  sehr  eng  und  eine  Art  Strictur  zeigend;  am 

Uterus  ein  seitliches  Hom. 

• 

2)  Grosses  submucöses  Fibromyom,  breitbasig  von  der  vorderen  Wand 

ier  Uterushöhle  ausgehend;  Herabziehen  derselben  vor  die  Vulva; 

Abtragung  mit  der  Scheere;  Glüheisen;  schnelle  Heilung. 

Eine  4djähT.  Kyphoticai  die  einmal  im  26.  Jahre  gut  geboren  hatte,  litt  seit 
2  lahren  an  profusen  Menstruslblutuhgen.  Der  Uterus  war  vergröstfert  und  ante- 
flectht,  rechts  am  Fundus  harter  nussgrosser  Tumor  zu  fühlen.  Bei  Menstruation 
tritt  in  den  e^twa  5  Cm.  bxMt  erweiterten  ttCuttermund  ein  tunder,  glatter,  harter 
Tutaior,  der  iii  die  Va^iia  h'erabdrftngt.  Mit  Aufhören  der  Blutungen  geht  et- 
lurQck  und  der  Muttermund  verengt  sich  wieder.  Bei  der  nächsten  Blutung  wulrde 
die  von  Gavage  em][>fohlene  Jodlösung  eingespritüt ;  dadurch  stand  die  Blutung 
und  wurde  der  Uterus  derartig  zu  Contractionen  angeregt,  dass  der  Tumor  fast 
bis  snm  IntMi^  vaginal  herabtrat.  Mit  einer  Hakenzange  gefiufirt  und  vorge- 
zogen, wurde  die  Basis  mit  der  Scheere  al^eschnitten,  der  Uterus  reponirt  £s  ev- 
folgte  Heilung  und  die  Menses  wurden  normal.  v«  MoBöngeÜ  (Bonn). 

Bänke  (Chirurgische  Klinik  des  Prof.  Volkmann  in  Halle).     Hei- 

Inng  eines  Falles  von  Echinococcns  der  Leber  ihittelst  der  Sitnon'- 

sehen  Operation. 

(Berl.  klln.  Wochenschrift  1874.  No.  45.) 

Bei  einem  23|ifar.  Mftdehen  findet  sieh  eine  sehr  grosse  fluotmende  Lebeige* 
schwulst,  die  seit  4  Jahren  bemerkt  worden.  Eine  Probepunction  mit  der  Pra* 
Tss'schen  Spritze  entleerte  klare,  kochsalzhaltige,  eiweissfreie  Flassi^eit.  Danach 
folgte  universelle  Urticaria  und  Fieber,  wie  angenommen  wurde,  durch  Austritt 
Ton  Echinococcusflüssigkeit  in  die  Bauchhöhle  bedingt.  Nach  Ablauf  der 
Besction  wurden  2  kurze  Troikarts  mit  2  Cm.  Abstand  an  der  hervorragend- 
sten Stelle  in  die  Oesdiwulst  gestossen,   etwt|   P/s  ^'iter  Flüssigkeit  entleert,    die 


80  Centralblatt  für  Chirni^ie.    No.  5. 

Kanälen  mit  Carbolwaehs  veraohloasen  und  unter  Li  st  er '«ehern  Verband  6  Tage 
liegen  gelassen,  dann  wurden  sie  durch  silberne  Sonden  für  noch  weitere  3  Tage 
ersetzt.  In  diesen  letaten  Tagen  Fieber  und  Wiederansammlung  von  Flasaigkeit. 
Danach  Incision  zwischen  den  PunctionsÖfihungen,  wobei  das  dem  Periton.  pariet. 
adh&rente  Netz  durchtrennt  werden  musste,  ehe  man  auf  die  Cystenwand  kam. 
Letztere  wurde  mit  der  äusseren  Haut  sorgfältig  vernäht.  Mit  der  Flüssigkeit 
wurde  eine  etwa  erbsengrosse  Toohterblase  entleert  Die  Höhle  ward  mit  dfi/o  Car* 
bollösung  ausgeapOlt,  ein  fingerdickes  Drainrohr  applicirt  und  ein  List  er 'scher  Ver- 
band angelegt.  .  Das  Fieber  sank  sofort.  Später  entleerte  sich  die  Mutterblase,  fast 
1  Cm.  dick,  und  nach  ferneren  2  Monaten  war  völlige  Heilung  vorhanden.  Der 
Verbandwechsel  war  in  den  ersten  Tagen  täglich  4  Mal  vorgenommen  worden. 

Y.  Xosengell  (Bonn). 
Gosselin  und  A.  Bobin.     Traitement  de  la  cystite  ammoniacale   par 

Facide  benzoique. 
(Archives  g^n^rales  de  m^decine  1874.  No.  11.) 
Man  weiss,  dass  Benzoesäure  in  den  Harn  als  Hippursäure  übergeht. 
.  O.  und  R.  empfehlen   aus   diesem   Gfrnnde   deren   innerliche  Anwendung  bei 
Cyglitis,  um  die  ammoniakalische  Zersetzung  des  Urins  in  der  Blase  zu  bekämpfen. 
Vff.  theilen  auch   einige  Krankengeschichten  mit,  wo  diese  Behandlung  mit 
Erfolg  durchgeführt  wurde.     (Nichts  Neues.   Ref.)        Oirard  (Strassburg  i/E.). 

J«  BngliBOh  (Vitien).     Ueber  einen  Apparat  nach  der  Blasenpunction 

über  der  Symphyse. 
(Wiener  med.  Wochenschrift  1874.  No.  42.) 
Verf.  empfiehlt  statt   einer  festen  Kanüle  einen  N  6  la  ton 'sehen  Katheter  in 
der  Stichöffnung  liegen  zu  lassen,  welcher  in  geeigneter  Entfernung  durch  2  Leinen- 
bändchen  umgeben  ist.  v«  Mosengell  (Bonn). 

Moldenbauer  (Solingen).     Merkvri/rdiger  Fall  von  Luxatio  penis. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1874.  No.  43.) 
Umgekehrt,  wie  bei  dem  von  N6laton  beobachteten  und  durch  Hyrtl  vielfach 
bekannt  gemachten  Falle,  bei  welchem  der  Penis  aus  seinem  häutigen  Futteral  naoh 
innen  entschlüpfte  und  sich  unter  der  Scrotalhaut  verbarg,  hatte  sich  im  vorliegenden 
Falle  derselbe  gleichfalls  zurückgezogen,  aber  dann  unter  die  Bauchdecken  verkro- 
chen. Der  Fat.  war  vom  Wagen  gefallen,  wurde  an  einen  Baum  geschleudert  und 
ging  ihm  ein  Hinterrad  dicht  am  Leib  vorbei.  Die  danach  beobachtete  VerleUung 
schien  eine  Peniszermalmung.  Da  die  Versuche,  den  Katheter  einzuführen,  frucht- 
los waren,  wurde  bei  bestehender  Harnverhaltung  die  Boutonniäre  nöthig.  Später 
wird  wegen  eines  Abscesses  in  der  Höhe  der  Spina  ilei  ant.  eine  Spaltung  vorge- 
nommen. Es  zeigt  sich  nun,  dass  dort  die  unversehrte  Eichel  und  der  Penis  lie- 
gen, aus  Welchen  nach  Heilung  der  Boutonniere  bei  luxirter  Lage  das  Uriniren 
erfolgte.    Eine  Keposition  erfolgte  nicht.  t«  MoseBgeil  (Bonn). 


BEaokenzie.     23jähriges  Bestehen  eines  Papilloms  der  Stimmritze. 

Operation.  Heilung. 
(Transact.  of  the  pathul.  Soc.  of  London  1S74.  p.  35.) 
Der  Fall  ist  dadurch  von  Interesse,  dass  dieses  Mal  die  Stimmlosigkeit  (des 
23jähr.  Fräulein)  seit  Geburt  zweifellos  festgestellt  werden  konnte.  Die  laryngo- 
skopische Untersuchung  zeigte  vollen  Abseht uss  der  vorderen  Hälfte  der  Stimm- 
ritze; die  in  3  Sitzungen  entfernten  Thelle  ergaben  die  Natur  eines  reinen  Papil- 
loma;  gute  Zeichnungen  illustriren  den  laryngoskopischen  und  mikroskopischen 
Befund.  Pils  (Stettin). 

Orfginalmittheilungen,  Monographieen  und  Separstabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  B.  TiUmanns,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshaudlnng, 
BreiÜcopf  und  Bartels  einsenden. 


Drnek  nttd  VeriiiB  von  Breitkopf  and  UIrtol  in  Loipcig. 


Gentralblatt 


fflr 


CHIRURGIE 


heransgegeben 


▼OB 


Dr.  L.  ]jm,  Dr.  ft  ScMe,  Dr.  E.  TillMoms 

in  Berlin.  in  Halle  a.  6.  in  Leipzig. 


-^•^  •*  ^    -vy-vr^ 


Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Freia  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Fostanstalten. 


H2;  6.  Sonnabend,  den  6.  Febmar.  1876« 


Ldialt:  Rosar,  Zur  VeTtheldlgnng  der  Brncheinklemjnungsklappen.  (Original-Mit- 
tbeilong.j 

Thanlwyny  Der  Lister* sehe  Verband.  —  Forn^,  Beiträge  tat  Anaesthesle.  —  Jt' 
cefetM,  Zur  Histologie  der  Tascularisirten  GranulationsentzÜndung.  —  Renauf,  Zar 
Histologie  des  Knochens.  —  Huetar,  Parenchymatöse  Carbolsanre-Injectionen.  —  Po* 
imkfy  In  den  Knochen  eingeheilte  Kngeln.  —  Glaeominl,  Hohe  Theilung  der  art. 
bnchiaUs.  —  RlizoH,  Ueber  Fisteln  des  Rectums  und  der  Vagina.  —  BirCh-HirSGbfeld, 
MUuehwellungen.  —  Pollatt€hek,  Garbunkelkrankheit.  —  v.  Basch,  Hemmung  der 
Dannbewegung. 

Scbefftr,  Parenchymatöse  Carbolinjectlonen.  —  Qascoyon,  F&lle  Ton  zweimaliger  sy- 
pMütiBcher  Infection.  ^  Hoselttz,  Sehnennaht.  —  Witt,  AUmälige  Verbesserang  per- 
▼ener  Gelenkstellung.  —  Lee,  Entfernung  eines  Tumors  mittelst  der  elastischen  Liga- 
tur. —  St.  Garmain,  Ursachen  und  Behandlung  der  Scoliose.  —  Cazln,  Eingeklemmtd 
Srbenkelhemie.  —  Williams,  Knapp,  Ghoroidealsarcom.  —  Taylor,  Wiederanheilnng  eines 
sbgetrennten   HantstQcks.    —    Dowse,  Nierenabscess.    —    Hill,  Fractur   des  Calcaneus 

durch  Huskelzng. 


Znr  Yertheidigung  der  Brucheinklemmungsklappen. 

Von 

Prof.  W.  Böser. 

IHe  Mittheilung  des  Herrn  Dr.  Lossen  in  No«  4  dieser  Zeit- 
schiift  bekämpft  zwar  meine  Klappentheorie^  sie  enthält  aber  solche 
weitgehende  Concessionen  für  meine  Ansicht^  dass  ich  diese  Con- 
ce98ionen  als  eine  Abschlagszahlung  auf  die  meinem  Experiment  ge- 
bührende volle  Anerkennung  wohl  acceptiren  kann.  Herr  Dr.  Los- 
sen giebt  die  Absperrung  des  Darminhalts  in  der  eingeklemmten 
Schlinge  zu  und  erklärt  sich  die  Absperrung  durch  einen  Mecha- 
nismus, welcher  mir  ganz  identisch  scheint  mit  dem,  was  man  ein 
Kegel  Ventil  nennt.  Das  Mesenterium  der  eingeklemmten  Schlinge 
soll  eine  »verkehrt  kegelfbnnige((  Form  einnehmen  und  dadurch  eine 
Art  iKeila  gebildet  werden,  der  sich  vor  die  Bruchpforte  hinlegt  und 

e 


82  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  6. 

die  AbschUessung  erzeugt.  Ein  TenÜl  sobeiiit  itemnacli  zugegeben 
auch  wohl  eine  Ventilwirkung,  nur  keine  Klappen  Wirkung.  Aber 
zwischen  Ventil-  und  Rlappenwirkung  ist  der  Unterschied  nicht  gross ! 
Da  lässt  sicH  hofen,  dass  die  wcStere  Vetfo%ung  des  «xpftimtoteUen 
Wegs  die  Einigkeit  tollellds  herbeifiihreri  wird,  und  iclx  nehme  mir 
vor,  darauf  hinzuwirken,  indem  ich  den  nächsten  chirurgischen  Con- 
gress  zur  Demonstration  meiner  Experime^jite  zu  benutzen  denke. 
Einstweilen  wiederhole  ich  aber  die  Aufforderung  an  alle  die  Fach- 
genossen, welche  sich  für  Brucheinklemmung  interesairen,  dass  sie 
mein  Experiment  selbst  anstellen  mochten. 
Marburg,   13.  Januar  1875. 

Thamhayn.     Der  Lister 'sehe  Verband. 

(Aus  dem  EngliBchen  übersetzt.) 

Leipzig,  Telt  &  Co.,  1875.  80.  275  S. 
Lister 's  Veröffentlichungen  in  Betreff  seines  Verbandes  liegen 
hier  tollständig  gesammelt,  chronologifech  geordnet  vor.  In  einer 
längeren  Einleitung  giebt  der  Uebersetzer  zunächst  an  der  Hand  der 
El liot 'sehen  (Brit.  med.  Joum.  1868)  und  Simpson'schen  (Lancet 
1867)  Arbeiten  einen  historischen  Ueberblick  über  die  Verwendung 
antiseptiscber  Verbandmittel.  Trotzdem  dieselbe  vieler  Orten  vor 
Lister  stattgefunden,  bleibt  Lister's  Verdienst  um  den  antisepti- 
sehen  Verband  ungeschmälert;  es  ist  eben  etwas  Anderes,  antiseptisch, 
als  mit  einem  Antisepticum  verbinden,  wie  seine  eigenen  Worte  lau- 
ten. Eine  kurze  Darstellung  der  Technik  des  Verbandes  folgt  an 
zweiter  Stelle.  In  den  darauf  ausgeführten  theoretischen  Erörterun- 
gen kann  sich  Th.  nicht  unbedingt  der  Keimlehre  Lister's  an- 
schliessen;  er  kehrt  zur  alten  Gay-Lussac^ sehen  Anschauung  zurück, 
und  erklärt  die  Wirksamkeit  der  Carbolsäure  durch  eine  Schwächung 
der  Krafib  des  allzerstörenden  Sauerstoffes. 

1.  Lister'scher  Aufsatz:  »Ueber  ein  neues  Verfahren, 
offene  Knochenbrüche  und  Abscesse  zu  behandeln,  mit 
Beobachtungen  über  Eiterung«.     (Lancet,  1867.) 

Die  Gefahr  der  offenen  Knochenbrüche  wird  auf  die  reizenden 
Eigenschaften  des  bei  Luftzutritt  faulenden  Blutes  zurückgeführt, 
gegen  welche  erst  eine  nicht  zur  Resorption  geeignete  Granulations- 
decke schützt.  Die  directe  Ursache  der  erwämten  Zersetzung  sind 
aber,  wie  Pasteur  nachgewiesen,  die  niederen  Lebensformen.  Vor 
allem  bestätigt  wird  diese  Ansicht  durch  die  Veriiältnisse  eines  trau- 
matischen Pneumothorok,  je  nachdem  derselbe  mit  ein^  äussern  Wunde 
complieift  ist,  oder  nicht.  Zur  Zerstörung  dieser  Keime  suchte  L.  ein 
Mittel,  und  wurde  1664  durch  die  Berieselungsfelder  bei  Carlisle  auf 
die  Carbolsäure  aufmerksam.  Die  ersten  Versuche  mit  derselben  wur- 
den 1B65  im  Gla^gower  Krankenhause  angestellt.  L.  bildete  aus 
reiner  Carbolsäure  und  dem  eigossenen  Blat  einten  die  Wunde  schätzen- 
den Schorf,  ein  noch  rohes  Verfahren,  welches  jedodi  schon  glänzende 


C^ntaralblatt  für  Ohirurgie.    No,  $.  ^3 

Be^nltate  aufieuweisen  hs^L  fün  in  flüssige  Car\iolsäure  getauchtes 
Lintstück  wird  diiect  auf  die  eventuell  vorher  mit  crystallis^er  Säure 
angeätzte  Wunde  gebracht,  und  seinerseits  durch  eine  übergedeckte 
Metallplatte  geschützt.  Dieser  Verband  wird  erst  entfernt,  w«in  die 
Wunde  durch  Granulatiopsbildung  g^en  die  schädlichen  Einflüsse 
geschützt  ist.  Das  lintstück  muss  iazwißchen  oft  mit  Carbobäure 
betupft  werden.  Als  Beweismaterial  für  die  Wirkung  der  Methode 
sind  die  Krankengeschichten  von  13  complicirten  Fracturen  angeführt; 
davon  endete  nur  eine  Durchstechungsfractur  des  Oberschenkels  tödt^ 
üch  (cf .  Original) .  In  diesen  Beobachtungen  wird  schon  vielfach  der 
unangenehmen  Beigabe  der  gewebsreizenden  Eigenschaft  der  Carbol- 
saure  Erwähnung  gethan. 

Weiterhin  enthält  der  Aufsatz  die  Mittheilung  der  für  Abscess- 
eröffianngon  passenden  Modification  des  Verfahrens.  Unter  einer  Be- 
deckung durch  eine  in  CarboUeinöl  (1:4)  getauchte  Compresse  wird 
der  Abscess  geöffn^  und  entleert;  als  schützender  Verband  kommt 
eine  Paste  aus  dem  erwähnten  CarboUeinöl  mit  Kreide  bereitet  und 
auf  Staniol  gestrichen,  zur  Anwendung.  Die  fest  angedrückte  Decke 
lässt  nur  an  einer  Stelle  die  Secrete  abfliessen.  Der  Verbandwechsel 
erfolgt  in  der  vorsichtigsten  Weise  alle  24  Stunden  unter  derselben 
carbololgetiänkten  Compresse.  Mit  Entfernung  des  Eiterdruckes  auf 
die  Absce^sinnenfläche  hört  die  Neigung  der  sog.  pyogenen  Membran 
zur  Eiterbildung  auf.  Gestützt  auf  seine  bisherigen  Erfolge  kann  L« 
zum  Schluss  die  möglichst  frühzeitige  Eröffnung  der  Senkungsabacesse 
empfehlen. 

2.  Aufsatz:  lieber  das  Wesen  der  antiseptischen  Be- 
handlungsweise    in    der    chirurg.    Praxis.      (Lancet^    1867.) 

Die  bisherigen  Resultate  der  antiseptischeu  Behandlung  offener 
Knochenbrüche  berechtigen  L.  zu  der  Behauptung:  Alle  örtlichen 
entzündlichen  Erscheinungen  und  allgemeinen  fieberhaften  Störungen 
nach  solchen  Verletzungen  entspringen  der  vergiftenden  Einwirkung 
der  Zersetzung  auf  das  Blut;  andrerseits  kann  man  diesen  Folgen 
zugleich  mit  der  Zersetzung  wirksam  durch  die  antiseptische  Behand- 
lung entgegentreten. 

Die  erste  Desinfection  der  zur  Behandlung  kommenden  Wunden 
wird  durch  Auswischen  derselben  mit  einem  in  reine  Carbolsäure  ge- 
tauchten Stück  Zeug  ausgeführt.  Um  eine  Zuleitung  der  Zersetzi^ngs- 
keime  längs  der  ausfliessenden  Sekrete  zu  verhindern,  wir^  jetzt  die 
schgn  oben  erwähnte  Paste  zum  täglichen  Verbände  empfohlen .  Die 
Eitenproduction  ist  keine  den  Granulationen  innewohnende  jEigen- 
schan;  erst  dar  Beiz  der  Zersetzung  oder  auch  das  Antisepticum 
bringt  sie  dazu.  Letzterem  fehlt  jedoch  die  progrediente  Wirkung 
der  ersteren. 

Nach  Ajbscesseröffnupgen  hält  L.  eine  Desinfeqtion  der  Höhl^ 
D^cht  für  nothwendig;  ausgezeichnete  Resultate  hat  er  nan^pntfi^c^  be; 
Senkungsabscessep  mitzutheileu. 

6* 


84  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  6. 

Gequetschte  Wunden  werden  wie  offene  Brüche  behandelt.  Ffir 
Schnittwunden  besitzt  L.  zur  Zeit  noch  kein  passendes  Verfahren. 
Kurz  abgeschnittene,  versenkte  antiseptische  Ligaturen  veranlassen 
keine  Störungen  in  den  Geweben  (cf.  unten).  Eine  gänzliche  Um- 
änderung der  hygienischen  Verhältnisse  ist  die  Folge  einer  consequen- 
ten  Durchführung  des  antiseptischen  Verfahrens  in  den  verrufensten 
Hospitälern. 

3.  Denkschrift  über  den  geregelten  Gebrauch  der 
antiseptischen  Behandlungsweise  in  der  Chirurgie. 
(Brit.  med.  Journ.  1868,  vorgelesen  in  der  Med.  chir.  society  in 
Glasgow,  2.  Mai  1868.) 

Nach  Aufstellung  des  Principes  des  ))antiseptischen  Verbandes« 
als  der  geordneten  Anwendung  eines  bestimmten  Antisepticum,  mit 
der  ausgesprochenen  Absicht,  in  dem  betreffenden  Theile  der  Ent- 
stehung der  Fäulniss  vorzubeugen,  weist  L.  eine  vielfach  ihm  unter- 
schobene Ansicht  einer  specifischen  Wirkung  der  Carbolsäure  zurück. 
Das  von  Campbell  de  Morgan  benutzte  Zinkchlorid  hat  z.  B.  für 
gewisse  Fälle  grosse  Vortheile,  nämlich  da,  wo  ein  einmaliger  anti- 
septischer  Verband  von  langdauemder  Wirkung  verlangt  wird,  z.  M. 
nach  L.'s  Erfahrungen  bei  Oberkieferresectionen.  Von  besonderem 
Vortheile  sind  freilich  bei  der  Carbolsäure  die  Flüchtigkeit  und  die 
anästhesirende  Kraft. 

Ohne  volle  Anerkennung  der  Keimlehre  der  Zersetzung  kann 
eigentlich  Niemand  mit  der  ganzen  Behandlung  einen  glücklichen  Er- 
folg haben.  Zum  Beweise  der  Lehre  werden  Versuche,  ähnlich  den 
Chevreuil-Pasteur 'sehen  mitgetheilt. 

Eine  antiseptische  Ligatur  einer  Arterie  vermittelst  eines  weder 
chemisch,  noch  mechanisch  reizenden  Stoffes  hindert  die  Heilung  der 
Operationswunde  prima  intentione  nicht.  Die  versuchsweise  Ligatur  der 
linken  Carotis  externa  eines  Pferdes  bestätigen  diesen  Satz  ebenso, 
wie  die  Unterbindung  der  Iliaca  externa  beim  Menschen  (cf.  Original) , 
Eine  weitere  Krankengeschichte  liefert  den  Beweis  dafiir,  dass  ab- 
gestorbenes, aber  von  Zersetzung  freigehaltenes  Knochengewebe  an 
und  für  sich  keinen  störenden  Einfluss  auf  die  Nachbargewebc  aus- 
zuüben im  Stande  ist. 

Beim  Verbände  selbst  wird  jetzt  zur  Desinfection  der  Wunden 
nur  eine  wässerige  Carbolsäurelösung  benutzt.  Zum  Verbände  dient 
ein  auf  Calico  2  Mm.  stark  aufgetragenes  Pflaster  aus  1  Wachs, 
3  Bleipflaster,  versetzt  mit  10%  Carbolsäure.  Als  erläuterndes  Bei- 
spiel ist  die  Krankengeschichte  einer  Osteotomie  nach  schlechtge- 
heilter Malleolenfractur  eingefügt.  Zum  Schutz  der  Wunde  vor  dem 
Reiz  des  Antisepticum  werden  zunächst  auf  dieselbe  in  20%  Carbol- 
leinöl  getauchte  Lintstücke  gelegt,  die  bis  zur  Heilung  liegen  bleiben, 
und  über  die,  durch  ein  gleiches,  täglich  zu  wechselndes  Lintstück 
vor  Ankleben  geschützt,  erst  das  erwähnte  Pflaster  gebracht  wird. 
Ebenfalls  schöne  Erfolge  hat  ein  Pflaster  aus  Schellak  und  Carbol- 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  6.  85 

säare  aufzuweisen.  Die  Wundfläche  wird  in  diesem  Falle  durch  eine 
direct  aufgeleckte  Metallplatte  geschützt.  Die  entsprechenden  Kran- 
kengeschichten müssen  im  Original  verglichen  werden. 

4.  Beobachtungen  über  Gefässunterbindungen  nach 
dem  antiseptischen   Verfahren.     (Lancet,  1869,   umgearbeitet 

1870.) 

Die  oben  erwähnte  Kranke  mit  Ligatur  der  Iliaca  externa  war 
10  Monate  nach  der  Operation  an  einem  Aortenaneurysma  gestorben. 
Von  der  Ligatur  fanden  sich  noch  Beste  in  einem  kleinen  Abscesse. 
Deshalb  kehrte  L.  zu  Versuchen  mit  resorbirbaren^  thierischen  Unter- 
Undungafaden  zurück.  Eine  mit  Carbolsäure  getränkte  »Catgutligatur« 
der  Carotis  eines  Kalbes  fand  sich  nach  30  Tagen  theils  ersetzt,  theils 
durchsetzt  von  Spindelzellen.  Die  Tunica  intim,  und  media  waren 
nicht  durchtrennt,  ein  central  gerade  vor  der  Ligatur  abgehender 
Zweig  hatte  keinen  Schaden  gethan.  Catgut  zur  antiseptischen  Liga- 
tur wird  präparirt  durch  Einlegen  der  Schafdarmsaite  in  eine  Emul- 
sion aus  1  Theil  durch  wenig  Wasserzusatz  verflüssigter  Carbolsäure 
und  4  Theilen  eines  fetten  Oeles.  Bänke  (Halle). 

(Schluss  folgt.) 


Fome.     Contributions  ä  Tanesth^sie  chirurgicale. 

(Gaz.  des  höpitaux  1874.  No.  145.  u.  146.) 

Wie  schon  früher  verschiedene  Autoren  vorgeschlagen  hatten^  die 
TTirkung  des  Chloroforms  durch  vorhergehende  Darreichung  von  Opium 
oder  Morphium  vorzubereiten  und  zu  verstärken^  so  empfiehlt  F.^  in 
einer  der  Society  de  Chirurgie  vorgelegten  Arbeit,  nicht  eher  zu 
chloToformiren,  als  bis  die  Patienten  durch  Chloralhydrat  in  tiefen 
Schlaf  versetzt  sind.  Es  soll  hierdurch  die  Angst  und  Aufregung  der 
Patienten  und  ihr  unwillkürliches  Widerstreben,  welches  bei  Beginn 
der  Narkose  oft  so  bedrohliche  Erscheinungen  veranlasst,  vermieden 
und  damit  eine  Hauptgefahr  des  Chloroforms  beseitigt,  ausserdem 
aber  die  zur  Anästhesirung  erforderliche  Chloroformdosis  auf  ein 
Minimum  reducirt  werden.  Versetzt  man  nämlich  die  Kranken  vor 
dem  Beginn  der  Narkose  in  tiefen  Schlaf,  so  genügen  schon  5—6 
gnn.  Chloroform,  um  eine  vollkommene  Anästhesie  herzustellen;  der 
Chloralschlaf  geht  unmittelbar  und  ohne  jede  Excitation  in  den  Chloro- 
foraischlaf  über. 

Leider  wiurden  die  günstigen  Erfahnmgen^  welche  F.  in  2  Fällen 
gemacht  hat,  von  anderen  Chirurgen,  die  bereits  eine  grössere  Reihe 
von  Versuchen  damit  angestellt  hatten^  durchaus  nicht  bestätigt,  viel- 
mehr schien  gerade  die  Combination  des  Chloralhydrats  mit  Chloro- 
fonn  eine  sehr  bedenkliche  zu  sein.  Die  Wirkung  des  Chlorais  ist 
individuell  so  ungemein  verschieden^  dass  sich  eine  solche  Narkose 
jedei  Controle    entzieht.     In  3  von  Dolbeau  und  Guyon  ange- 


Li 


86  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  6. 

führten  Fällen  gelang  es  nur  mit  Mühe,  die  Patienten  aus  einem 
stundenlangen  Schlaf  zum  Leben  äu  erwecken.  Ebenso  erwachten 
F. 's  Patienten  erst  nach  3 — 4  Stunden.  Schädel  (Berlin). 


A.    Ja;oobson.     Neue    histologische    Erscheinungen    bei    der 

vascularisirten  Granulationsentzündung. 

(Centralblatt  f.  d.  med.  ^Menschaften  1874.  No.  &6  u.  57.) 

Verf.  hat  beobachtet»  dass  die  in  den  Zweigen  der  GranulatioDS- 

gefässe   sich  aufstauenden   und  das  Gefass   vollpfropfenden  weissen 

Blutkörperchen  innerhalb  des  Gefässrohres   sich  in  Bind^ewebsbün- 

deichen  umformen»   so   dass  man  also  kleine  Bmdegewebszüge  mit 

GefiLssendothelien  umkleidet  antreffe. 

Hieran  werden  manche  Fragen  geknüpft  und  unter  anderem  auch 

die  Vermuthung  ausgesprochen»   dass  die  Existenz  der  flachen  Ran- 

vi  er 'sehen  Zellen  im  Bindegewebe  vielleicht  auf  solche  Weise  Zu 

erklären  wäre.     Im  Uebrigen  wird  auf  eine   in  Aussicht  genommene 

weitere  Fortsetzung  vorliegender  Untersuchungen  hingewiesen. 

A.  Bidder  (Mannheim.) 

Benaut.    Note  sur  le  tissu  ^lastique  des  os. 

(Soci^tÄ  de  Biologie.  S6ance  du  24.  Octbr.  Oaz.  m6d.  1874.  No.  45.) 
An  entkalkten  und  mit  pikrinsaurem  Carmin  gefärbten  Längs- 
schnitten eines  Vogelknochens  (Tibia)  konnte  R.  deutlich  zwei  Schich- 
ten unterscheiden.  Die  Fasern  der  inneren  Schicht  verlaufen  im 
Allgemeinen  bogenförmig  und  gehen  von  der  an  der  Yereinigungs- 
stelle  des  Knorpels  und  Periosts  bestehenden  Einkerbung  aus.  Die 
äussere  Schicht  wird  heim  Embryo  lediglich  vom  Periost  gebildet ;  am 
ausgebildeten  Knochen  dagegen  besteht  sie  aus  einem  System  voll- 
ständig paralleler  ossificirter  Längsfasern  [Sharpey'sche  Fasern]»  die 
den  Gefässcn  in  die  haversischen  Canäle  folgen  und  zwischen  denen 
längliche  Knochenkörperchen  eingebettet  liegen.  In  unmittelbarer 
Umgebung  der  Gefässe  finden  sich  auch  sparsame  concentrische  Lamel- 
len. In  dieser  peripheren  Schicht  nun»  die  in  ihrer  Structur  ein 
Analogen  mit  den  ossificirten  Sehnen  darbietet»  entdeckte  R.  elastische 
Fasern,  die  sich  um  jene  Längsfasem  herumwinden.  Sie  zeigen  das 
bekannte  chemische  Verhalten  des  elastischen  Gewebes  und  konnten 
von  R.  isolirt  werden.  In  ihrem  Vorkommen  bleiben  sie  auf  die 
periphere  Schicht  beschränkt,  beim  Embryo  fehlen  sie  vollständig. 
Eine  Aufklärung  über  die  Art  und  Weise  ihrer  späteren  Entstehung 

muss  weiteren  Forschungen  vorbehalten  bleiben. 

0.  Yolkmann  (Haue). 

C.  Huidter.     Die  parenchymatöse  Injection  und  Infusion  der 

Carbolsäure  in  entzündete  Gewebe. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  1874.  Bd.  IV.  Hfl.  5  u.  6.) 

Die   Wirkung  der  Carbolsäure  in  unmittelbarer  Berührung  mit 
entzündeten  Geweben  ist  nach  H.  eine  doppelte:   die   Debens*  xmd 


r 


Ceiltralblatt  für  Chirurgie.     No.  %.  87 

FortpilanznngsfiÜiigkeit  der  entsündangerBegeijMleii  Organisineii  wi;rd 
vernichtet  und  in  den  kleineren  Blutgefässen  eine  globulöse  Stase 
hervorgebracht. 

H.  injicirte  2prooentige^  wässerige  Lösungen  von  Carbolsäure  in 
einer  Menge  von   1 — 2  grm.   (ausnahmsweise  mehr/  bis  zu  7  girm.) 
auf  einmal,   in  Intervallen  von  1 — 2  Tagen.     Der  dazu  verwendete 
Apparat  war  entweder   die  Pravaz'sche  Spritze  oder  ein  »Infusor«, 
bestehend  aus  einer  Hohlnadel  (event.  mit  seitUQhe&  OeiRiungen)  wie 
bei  der  Praraz^schen  Spritze,  an  welche  ein  Gummirohr  angesetzt 
ist,  das  die  Carbollösung  aus  einer  graduirten  Glasröhre   zufujirt;   es 
genügte  hierbei  der  Druck  der  Flüssigkeit  bei  massig  erhobenem  Glas- 
gefäss  zur  «Infusion«.    Der  Einstich  vrird  schräg  gemacht,  die  kleine 
Wunde  mit  Garbolwatte  bedeckt.    H.  hat  etwa  1000  Mal  diese  kleine 
Operation  gemacht,  und  zwar  bei  Erysipel  im  Ünterhautzellgewebe, 
in  der  Umgebung  von  unreinen  Geschwüren  und  von  Lupus^  in  Ge- 
lenke und  in  das  Innere   von  Knochen  bei  Tumor  albus  uud  Caries 
(Synovitis  granulosa  und  Myelitis  granulosa).    Bei  der  letztgenannten 
Aifection  kommen  besonders  spongiöse  Knochen  in  Betracht  (Fuss- 
Wurzel,  Epiphyse  der  Tibia,  Schenkelhals)  und  es  gelang  ohne  Mühe, 
die  verdünnte  und  erweichte  Corticalis  mit  der  Nadel  zu  durchstossen. 
In  den  Fällen  von  Erysipel  soll  das  Fieber  rasch   au%ehört  haben; 
nach  den  Injectionen  in  Gelenke  und  Knochen  sollen  nie   üble  Zu- 
fülle  au%etreten  sein,   sondern  im  Gegentheil  stets  baldige  Heilung 
oder  doch  Besserung.     Namentlich  von  der  Behandlung  beginnender 
Knochen-  und  Gelenkentzündungen  nach  seiner  Methode  erwartet  H. 
viel  —  eine  Umgestaltung  der  chirurgischen  Therapie!    Endlich  wur- 
den noch  Hydrocelen,  dann  Hydrops  bursae  praepatellaris  und  ein 
Fall  von  arthrogenem  Ganglion  am  Ellbogen  mit  Carbolinjection  (5 
—7  grm.)   erfolgreich  behandelt,   doch  macht  H.  aufmerksam,   dass 
die  Entleerang  der  hydropischen  Ergüsse  vorher  vollständig  voi^e- 
nonunen  werden  müsse,  weil  sonst  Gerinnungen  und  dann  stärkere 
Seaction  auftreten.    Es  war  in  den  letzterwähnten  Fällen  wegen  ai^- 
tretender  Schwellung  stets  ein  Compressivverband  erforderlich.    Beci- 
dive  wurden  nicht  "beobachtet.  Gersnny  (Wien). 


Podrasky  (Wien).     In  den  Knochen  eingeheilte  Kugeln. 

(Wiener  allgem.  med.  Zeitung  1874.  No.  49  u.  iS.) 
Die  Einheilnn^  von  Kugeln  in  ICnochen  gehört  bei  den  neueren 
Projeotilen  zu  den  seltenen  Vorkommnissen.  Der  Verf.  kennt  einen 
Wildschützen^  welchem  eine  Kugel  an  der  hinteren  Seite  des  Humenis 
steckt  und  daselbst  deuthch  zu  fühlen  ist.  Die  Eiterung  aus  dem 
Schusscanal  hat  sehr  lange  gedauert,  in  einem  von  Pitha  operirten 
Falle  war  die  Verwundung  (Schuss  in  den  Oberschenkel)  in  2  Mona- 
ten ausgeheilt.  Zwei  Jahre  später  traten  Schmerzen  im  Beine  auf^ 
es  bildete  sich  ein  Abscess«  welcher  perforirte ;  die  im  Femur  skzende, 
von  Osteophyten  überwachsene^  aber  bewegliche  Kugel  konnte  extra- 


SS  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  6. 

birt  werden.  Heilung.  In  einem  3.  Falle  (ebenfalls  Oberschenkel- 
scbuss)  war  die  primäre  Verletzung  in  8  Wochen  ausgeheilt;  der 
Patient  (Officier)  konnte  seinen  Dienst  versehen;  8  Jahre  nach  der 
Verletzung  Abscessbildung,  Perforation  —  £xtraction  der  im  Femur 
sitzenden  Kugel  —  Heilung. 

Der  Verf.  hat  in  der  med.  Wochenschrift  vom  Jahre  1871  (No. 
49  und  50)  einen  Fall  von  Schussverletzung  des  Gehirns  mitgetheiU> 
über  dessen  weiteren  Verlauf  er  nun  berichtet,  weil  er  auch  in  diesem 
Falle  ein  Festsitzen  der  Kugel  in  einem  Knochen^  wahrscheinlich 
dem  Hinterhauptbein  vermuthet.  (Ein  15jähr.  Knabe  war  mit  einer 
Pistole  in  den  Kopf  geschossen  worden.  Eingangsöfihung  Hnks  von 
der  Glabella;  der  zuerst  gerufene  Wundarzt  war  5 — 6  Zoll  weit  mit 
der  Sonde  in  den  Schusscanal  im  Gehirn  vorgedrungen,  ohne  auf 
die  Kugel  zu  stossen.  Keine  Ausgangsöffnung.  Rechte  obere  und 
untere  Extremität  gelähmt.  Anderthalb  Monate  nach  der  Verletzung 
Prolapsus  cerebri  an  der  inzwischen  vernarbten  Eingangsöffnung  — 
Function  —  Compression.  Lähmung  der  rechten  oberen  Extremität 
verschwindet  allmälig.)  Gegenwärtig  (5  Jahre  nach  der  Verletzung) 
ist  der  Mann  geistig  vollkommen  normal^  nur  ist  die  Sprache  etwas 
langsamer  und  tiefer  geworden.  Rechte  untere  Extremität  etwas  weni- 
ger gut  entwickelt,  aber  vollkommen  functionstüchtig.  Die  Narbe  im 
Stirnbein  ist  fest,  lässt  aber  Pulsation  durchfühlen.  Bisweilen  etwas 
Kopfschmerz.  Keine  Symptome  von  Himdruck,  Puls  vollständig 
normal.  Der  Verf.  empfiehlt^  Kugeln,  welche  im  Knochen  eingeheilt 
sind,  nicht  zu  extrahiren,  wenn  sie  nicht  grosse  Beschwerden  machen, 
namentlich  aber  dann  nicht,  wenn  sie  unbeweglich  festsitzen.  Zum 
Beweise,  wie  leicht  es  sei,  sich  in  Bezug  auf  das  Vorhandensein  der 
Kugel  zu  irren,  erzählt  er  einen  Fall,  in  welchem  der  Operateur  in 
der  Meinung,  eine  festsitzende  Kugel  vor  sich  zu  haben,  ein  Stück 
des  gesunden  Sitzknorrens  fasste  und  nach  vieler  Mühe  endlich  auch 
abbrach  und  extrahirte.  Der  Verf.  bedient  sich  mit  Vorliebe  der 
Nelaton'schen  Sonde  —  zur  Extraction  der  Kugeln  scheint  ihm  der 

Tirefonds  von  Baudens  am  zweckmässigsten  zu  sein. 

Winlwarter  (Wien). 

C.  Giacomini.      Della  prematura  divisione   dell'  arteria  del 

braccio. 

(Torino-Tipogr.  Camilla  e  Bertolero  1874.  70  Seiten  in  40  mit  V  Tafeln.) 
Die  erste  hohe  Theilung  der  art.  brachialis  wurde  von  Andreas 
Laurentius  1606  beobachtet.  Gegen  Ende  des  17.  Jahrhunderts 
bestätigte  Bidloo  nicht  nur  die  Beobachtung  von  Laurentius^ 
sondern  stellte  sie  geradezu  als  Norm  auf  und  als  Heister  mehrere 
Aneurysmen  der  plica  cubiti  durch  Ligatur  der  brachialis  geheilt  hatte, 
schrieb  er  das" Ausbleiben  der  Gangrän  des  Armes  dem  Vorhanden- 
sein dieser  Duplicität  zu  und  schloss  daraus,  dass  diese  ziemlich  häufig 
sein  müsse.  Mehrere  Chirurgen  sind  bei  Unterbindungen  auf  eine 
doppelte  art.  brachialis  gestosseu. 


Centralblatt  far  Cklrurgie.    No.  6.  89 

G.  hat  nack  dieser  Sichtung  174  Cadaver  untersucht >  wdiche 
alle  vorher  injicirt  waren^  im  Ganzen  312  obere  Extremitäten.  Sämmt- 
liche  Anomalieen  der  frühen  Theilung  lassen  sich  auf  folgendes  Schema 
leduciren. 

1)  Ein  dünnes  Zweigchen  trennt  sich  von  dem  Hauptstamme  und 
rerliert  sich  im  Zellgewebe  des  Armes. 

2)  Der  Seitenast  wird  stärker,  länger  und  mündet  entweder  in 
die  radialis  oder  ulnaris  (Aberrantes  radiales  aut  ulnares). 

3)  Der  Seitenast  wird  noch  stärker  und  bildet  geradezu  die  arteria 
radialis  (Radialisvarietät}  oder  die  art.  ulnaris  (Ulnarisvarietät) . 

4)  Der  Ast  kann  noch  stärker  werden  und  bildet  die  art.  radialis 
und  ulnaris  zugleich  (Radio-XJlnaris-Yarietät) . 

5)  Der  Ast  kann  endlich  alle  3  Hauptzweige  aus  sich  entstehen 
lassen  (Radio- Ulnaris-Interosseavarietät). 

Der  andere  Ast^  die  ihrer  Lage,  dem  Verlaufe  und  den  Zweigen 
nach  normale  art.  brachialis,  nimmt  an  Caliber  in  dem  Masse  ab, 
als  der  abnorme  Seitenast  zunimmt,  so  dass  er  z.  H.  in  Fall  5  in 
der  Gegend  des  Ellbogens  erschöpft  ist. 

Unter  312  oberen  Extremitäten  fand  G.  die  zu  frühe  Theilung 
60  Mal. 

Der  Procentsatz  der  Duplicität  der  Brachialis  wäre  somit  nach 
6.  1:3,95,  nach  Gruber  1:7,14,  nach  Foltz  gar  1:3,57. 

G.  glaubt,  dass  Gruber  einen  so  geringen  Procentsatz  hat,  weil 
er  die  Arterien  nicht  injicirte  und  hierbei  ihm  mehrere  Fälle  entgan- 
gen sein  könnten. 

Man  kann  somit  nach  Foltz  und  Grub  er  sagen,  dass  jede  4. 
Leiche  die  Anomalie  der  Duplicität  der  Brachialis  darbietet. 

Die  frühe  Zweitheilung  kann  sich  an  beiden  Armen  desselben 
Individuums  vorfinden.  Nach  G.  trifft  man  an  jedem  4.  anomalen 
Fall  die  doppelte  Brachialis  beiderseitig.  Die  Duplicität  der  Brachia- 
lis ist  häufiger  rechts,  als  links.  Nach  Foltz  fand  sich  diese  Ano- 
malie anter  25  Fällen  19  Mal  rechts  und  6  Mal  links  vor;  nach  G. 
unter  60  Fällen  32  Mal  rechts  und  28  Mal  links. 

Die  hohe  Zweitheilung  ist  häufiger  bei  Männern,  als  bei  Weibern. 
Nach  G.  kommt  diese  Anomalie  je  1  Mal  auf  jede  3.  männliche  und 
jede  5.  weibliche  Leiche. 

Die  Dichotomie  findet  häufiger  in  dem  oberen,  als  im  unteren 
Abschnitt  der  art.  brachialis  statt.  Von  47  abnormen  Theilungen 
fallen  23  auf  das  obere,  16  auf  das  mittlere  und  8  auf  das  untere 
Drittel. 

Was  die  Häufigkeit  der  einzelnen  Untervarietäten  anbelangt,  so 
gestaltet  sich  dieselbe  folgen dermassen.  Unter  380  Fällen  von  hoher 
Theilxmg  war  der  Spaltast  212  Mal  die  art.  radialis,  107  Mal  die 
ulnaris,  33  Mal  eine  art.  aberrans  und  22  Mal  eine  art.  radio-ulnaris 
und  interossea. 

In  16  Cadavern  mit  der  hohen  Brachialistheilung  hat  G.  ausser 
den  oberen  auch  die  unteren  Extremitäten  untersucht.     In  9  Fällen 


'90  Centralblatt  fttr  Cfairurgi«.    No.  6. 

fitnd  er  auch  an  diesen  Abnormitäten  theils  in  den  Gefmsen^  theils 
an  den  Nerven  und  Muskeln.  In  einem  Falle  fend  er  gleichzeitig 
eine  hohe  Thnlung  der  Poplitea. 

Nach  Hyrtl  soll  die  hohe  Theilung'bei  2 — Smonatlichen  Embryo- 
nen Norm  sein.  Zu  erwähnen  ist  noch^  dass  in  den  Fällen,  wo  die 
Spaltung  der  Arterie  im  oberen  Drittel  stattfindet,  man  die  Schlinge 
(doppelte  Wurzel)  des  Medianus  häufig  abnorm  verlängert  findet^  so 
dass  die  Theilungsstelle  der  Arterie  über  der  Schlinge  reitet. 

Measel  (Triest). 

— , 

Francesco  Rizzoli.    Deir  ano  vulvare  nonche  di  varie  aper- 
ture  e  iistole  retto-vulvari  e  rettovaginali. 

(Mem.  deir  Accademia  delle  scienze  Bologna  Serie  III,  Tomo  V.) 

Die  erste  Hälfte  der  Brochuxe  ist  jener  Missbildung  gewidmet^ 
bei  welcher  das  Rectum,  statt  an  der  normalen  Stelle,  in  die  Vulva 
unmittelbar  hinter  dem  Hymen  meist  als  sehr  dünner  Canal  einmün- 
det. R.  hat  schon  früher  eine  eigene  Operationsmethode  zur  Besei- 
tigung dieser  Missbildung  beschrieben. 

Diese  besteht  in  d^  Lospräparirung  des  abnorm  geltigerten  Rec- 
tums  und  in  der  Eiapflanzung  desselben  vor  das  ßteissbein  sswiscben 
die  Wundlefzen  eines  vorher  in  der  Raphe  perinei  gefiihften  Schnit- 
tes. Nun  beschreibt  R.  neuerdings  einen  Fall,  den  er  wieder  mit 
vollkommenen  Erfolg  operirte,  sowohl  was  die  Function  des  Rectums, 
als  das  äussere  Anseh^i  des  Perineums  anlangt. 

Die  2.  Hälfte  der  Arbeit  theilt  12  Fälle  von  Fistelbildungen  mit. 
In  Fall  I,  II  und  HI  handelte  es  sich  um  Rectalfisteln,  welche  in 
die  Vulva  einmündeten  und  durch  Spaltung  geheilt  wurden.  In  Fall 
IV  wurde  eine  Rectovaginalfistel  syphilitischen  Ursprungs,  welche 
unmittelbar  über  dem  Ostium  vaginae  gelagert  war,  ebenfalls  durdi 
Spaltung  geheilt. 

In  Fall  V  ist  die  Aetiologie  einer  Maetdarmscheidenfistel  interes- 
sant. Diese  wurde  nämlich  in  der  Brautnacht  durch  zu  stürmischen 
Coitus  acquirirt.  Die  Fistel  lag  2  Cm.  über  dem  Ostium  vaginae  und 
war  für  das  letzte  Glied  eines  Fingers  durchgängig.  Es  wurde  yen 
der  Fistel  aus  das  ganze  Perineum  gespalten,  sodann  die  Fistel  an- 
gefrischt und  durch  eine  Naht  vereinigt.  Das  gespaltene  Perineum 
wurde  nicht  genaht.     Die  HeUung    erfolgte  vollkommen. 

In  Fall  VI  wurde  eine  grosse  Rectovaginalfistel  angefrischt  und 
genäht;  doch  erfolgte  prima  intentio  nur  in  zwei  Dritttheilen  der 
Wunde.  Durch  wiederholte  Cauterisationen  gelang  es  nicht,  den 
Verschluss  der  übriggebliebenen  Fistel  zu  erzielen.  Wohl  aber  schob 
sich  ein  Fistelrand  Uppenförmig  so  über  den  andern,  dass  weder 
Darmgase  noch  Faeces  in  die  Vagina  drangen.  Au<ih  in  Fall  VII 
erfolgte  der  Verschluss  nach  wiederholten  Cauterisationen  durch  das- 
selbe  Uppenartige   Uebereinandexschieben   der  Fistelränder.     Dahin- 


Cei^tralblfiM«  fftr  Chirurgte.   No.  6.  91 

gegen  '«rtöfde  in  Fall  VIIl  eine  Rectovaginalfistel  durch  blosse  Lapis- 
toucliinnigen  shim  wirklichen  Verschluss  gebracht. 

In  Fall  IX  war  die  Communication  zwischen  Scheide  und  Rec- 
tum keine  directe^  sondern  der  Fistelgang  Terlief  einige  Cm.  lang 
im  Septutn  stachen  Scheide  und  Rectuiii,  so  dass  die  beiden  Bnd- 
offiiungen  einige  Cm.  weit  von  einander  entfernt  waren.  R.  sclilitzte 
den  Fistelgang  des  Septum  von  der  Scheide  her  auf  und  heilte  dann 
die  Fistel  durch  Cauterisationen  mit  Lapis. 

Fall  X  und  XI  waren  Cloakenbildungen  nach  schweren  Gebur- 
ten. Die  Kranken  starben»  bevor  sie  einer  operativen  Behandlung 
unterzogen  wurden. 

Fall  Xn  bezieht  sich  auf  einen  Mastdarmkrebs»  welcher  sich  bi» 
in  die  Vulva  hinein  erstreckte  und  mit  Erfolg  (1852)  exstirpiit  wurde. 
Es  soll  kein  Recidiv  eingetreten  sein.  Hemel  (IViest). 


Birck-Hinchfeld.     Ueber  Mikschvi^ellungen. 

(Vortitig,  gehalten  auf  der  '47.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Aerzte  zu 
Breslau.  Beotache  Zeitschrift  far  praktische  Medicin  1874.  No.  40.) 

Verf.  bestimmte  zunächst  das  Gewicht  der  normalen  Milz  und 
fand  bei  68  ganz  gesunden  Leichen  (Selbstmörder,  Verunglückte  etc.) 
als  Durchschnittsgewicht  150  grm.,  d.  h.  0,26%  des  Korpergewichts 
und  als  Dimensionen  13,  8,  3.  Das  Gewicht  der  Leber  beträgt  2,7% 
des  Körpergewichts,  also  10  Mal  mehr,  als  das  der  Milz.  Verf.  hat 
auch  bei  einer  weiteren  Beihe  von  Leichen,  wo  es  sich  um  Krank- 
heiten handelte,  die  offenbar  auf  die  Milz  keinen  Einfluss  hntten. 
Wägungen  angestellt  und  mit  den  obigen  Zahlen  übereinstimmende 
Resultate  erhalten.  Von  besonderem  Interesse  ist  das  Factum,  dass 
bei  Abmagerung  von  Kranken  jüngeren  Alters  die  Milz  proportional 
der  allgemeinen  Körperabnahme  an  Gewicht  verliert,  während  bei 
Personen  über  60  Jahre  Milz  und  Leber  stärkere  Gewichtsabnahme 
zeigen,  als  das  Gesammtgewicht.  Für  die  ersterwähnten  Fälle  er- 
hielt Verf.  für  die  Milz  0,27%  des  Körpergewichts  (150  Fälle).  Die 
Leber  betrug  bei  Männern  3%,  bei  Frauen  3,4%  des  Körpergewichts. 
Bei  Leichen  über  60  Jahre  war  das  relative  Lebergewicht  2,6%  und 
das  relative  Milzgewicht  0,23%. 

Auf  Grund  dieser  Zahlen  haf  Verf.  die  Milztumoren  untersucht 
und  bringt  sie  in  2  Categorieen:  1)  primärer  Milztumor  (Leukämie, 
mehr  oder  weniger  erhebliche  Milztumoren  bei  gesunden  Leichen) ; 
2)  ^ecundärer  Milztimior.  In  die  letztere  Klasse  rechnet  Verf.  die 
Stauungstumoren,  die  Milztumoren  durch  Amyloiddegeneration  (46 
Kille)  und  bei  den  Infectionskrankheiten.  Zu  den  septischen  Milz- 
tumoren  der  septico-pyämischen  Krankheiten  zählt  Verf.  auch  jene 
bei  Tuberculose.  In  den  71  Fällen  von  metastatischer  Pyämie  fand 
Verf.  eine  durchschnittliche  Milzgrösse  von  302  grm.,  also  0,6%  und 
eine  Lebetgrösse  von  1908  grm.  gleich  3,7%.  Die  Milzdimensionen 
betragen  i  5  und  9.   In  manchen  Fällen  von  Pyämie  fehlt  der  Milztumor, 


92  Ceniralblatt  für  Chirurgie.    No.  6. 

aber  nicht  häufiger^  als  beim  Abdominaltyphus.  —  Aus  einer  Gruppe 
von  36  Fällen  einfacher  diphtheritischer  Wundaffectionen^  phlegmonö- 
ser Processe  etc.  hat  Verf.  ebenfalls  versucht^  ein  Mittel  zu  ziehen. 
Das  mittlere  MUzgewicht  betrug  174  grm.^  also  0^3 5 o/o-  ^i  Puerperal- 
fieber erhielt  Verf.  genau  dieselben  Zahlen :  bei  der  pyämischen  Form 
des  Milztumor  0^6%^  bei  der  phlegmonösen^  resp.  peritonitischen 
174  grm.  oder  0^33%,  da  das  Körpergewicht  etwas  höher  war.  Diese 
Beobachtimg  lässt  sich  für  die  Natur  gewisser  Infectionsstoffe  ver- 
werthen:  bei  der  phlegmonösen  Form  ist  die  Lymphbahn^  resp.  das 
Bindegewebe  der  Weg,  den  der  Infectionsstoff  geht^  während  bei  der 
anderen  die  Blutbahn  direct  inficirt  wird.  Da  der  Tumor  fast  stets 
^in  jenen  Fällen^  wo  Metastasen  sind,  beobachtet  wird«  so  glaubt  sich 
Verf.  zu  dem  allgemeinen  Ausspruch  berechtigt,  dass  der  Milztumor 
der  Ausdruck  der  directen  Infection  des  Blutes  sei.  Und  wenn  in 
der  That  die  Milzschwellimg  infolge  des  Eintritts  des  Infectionsstoffes  in 
die  Blutbahnen  entsteht,  so  ist  Verf.  der  Ansicht,  daraus  weitere  Schlüsse 
bezüglich  der  Natur  des  Infectionsstoffes  machen  zu  können.  Um 
einen  diffundiblen  oder  chemisch  gelösten  Körper  kann  es  sich  nach 
Verf.  nicht  mehr  handeln.  Die  chemischen  Producte  der  Zersetzung 
bei  Phlegmonen  werden  auch  in  die  Blutbahn  gelangen,  aber  sie  ge- 
nügen nicht,  um  Milzschwellungen  hervorzxirufen.  Somit  sei  der  be- 
treffende Infectionsstoff  wahrscheinlich  ein  fixer  Körper. 

Tillmaiins  (Leipzig). 


A.  PoUatschek.     Beobachtungen  über  die  Carbunkelkrank- 

heit  beim  Menschen. 

(Wiener  allgem.  med.  Zeitung  1874.  No.  52.) 

Von  den  Leuten^  die  beim  Schlachten  und  Zerlegen  einer  milz- 
brandkranken Kuh  beschäftigt  waren,  erkrankten  5  unter  folgenden 
Symptomen:  1)  (Mann}  Am  Tage  nach  der  Infection  Kopfschmerz^ 
Uebelkeit,  Brechreiz^  Frösteln,  am  3.  Tage  bildet  sich  eine  härt- 
liche, blassrothe,  stark  juckende  Prominenz  am  Daumen,  von  diffus 
geschwellter  Haut  umgeben;  ähnliche  Knoten  an  der  Rüokenfläche 
der  Hände  und  im  Gesicht;  aus  den  meisten  derselben  bilden  sich 
Epidermisblasen,  die  zum  Theil  auf  derben  Knoten  aufsitzen.  Nach 
14  Tagen  Heilung  ohne  besondere  Medication.  Langdauernde  Recon- 
valescenz.  2)  (Mann)  Incubationszeit  4  Tage.  Derbe,  grössere  Kno- 
ten, eigentliche  Carbunkel  am  Vorderarm  —  Aetzung;  die  Entzün- 
dung greift  in  die  Tiefe  weiter,  starke  Anschwellung  des  ganzen 
Armes  —  Blasenbildung  und  Hautgangrän  —  Genesung.  3)  und 
4)  (Männer)  Am  3.  Tage  entstehen  \mter  Uebelkeiten  derbe  Kno- 
ten an  der  Innenfläche  der  Vorderarme,  die  sich  nach  Aetzung  zer- 
theilen,  Heilung  in  6  Tagen.  5)  (Frau  von  60  J.)  Pat.  kam  14 
Tage  nach  der  Infection  in  einem  äusserst  herabgekommenen  Zustande 


Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  6.  93 

zur  Beobachtung^*  An  der  Hand  ein  seichtefi  misfifarbiges  Geschwür^ 
aus  einer  Blase  hervorgegangen;  Heilung.     Lange  Reconvalescenz. 

Der  Gerber^  welcher  die  Haut  des  kranken  Thieres  übernommen 
hatte^  erkrankte  unter  ganz  ähnlichen  AUgemeinerscheinungen^  ohne 
dass  es  zu  einer  Localisation  ^kommen  wäre.  Die  Leute,  welche 
das  (nicht  mehr  warme]  Fleisch  gekauft,  nach  Hause  getragen  und 
gegessen  hatten,  blieben  vollkommen  gesund. 

•  Von  einem  anderen  kranken  Thiere  wurden  beide  beim  Schlach- 
ten beschäftigten  Individuen  inficirt.  Bei  dem  Manne  bildeten  sich 
Carbunkel  an  den  Armen,  welche  geätzt  wurden  —  Heilung.  Die 
esjahrige  Frau  erkrankte  am  2.  Tage  unter  heftigen  Allgemeiner- 
scheinungen. Tiefsitzende  Infiltrate  am  Vorderarm.  Erysipel  des 
ganzen  Armes,  sehr  rasch  gegen  den  Stamm  fortschreitend.  Haut- 
gangrän  an  zahlreichen  Stellen.   Tod  unter  Schüttelfirösten  am  5.  Tage. 

Der  Verf.  zieht  aus  seinen  Beobachtungen  folgende  Schlüsse: 
1)  Die  Blatter  der  Carbunkel  und  das  carbunkulöse  Erysipel  sind 
coordinirte  Erkrankungen.  2}  Das  Gift  wirkt  inficirend  auch  durch 
die  unverletzte  Haut.  3]  Die  Ansteckuugsfähigkeit  ist,  so  lange  die 
Theile  des  Milzbrandcadavers  noch  warm  sind,  am  grössten.  4)  Der 
Genuss  des  Fleisches  milzbrandkranker  Thiere  muss  im  Allgemeinen 
als  unschädlich  bezeichnet  werden.  Winiwarter  (Wien). 


S.  V.  Bascil.    Die  Hemmung  der  Darmbewegung  durch  den 

nervus  splanchnicus. 

(Sitzungsberichte  der  kaiserl.  Academie  der  Wissenschaften  su  Wien  1874. 

Bd.  LXVni.  3.  Abthlg.) 

Für  das  Studium  der  Hemmung  der  Darmbewegungen  wurden 
bisher  immer  Bewegungen  benutzt,  die  ihre  Entstehung  der  Anwesen- 
heit dyspnoischen  Blutes  im  Darme  verdankten,  Bewegungen  also, 
während  welcher  die  Bespiration  gestört  ist,  während  welcher  aber 
auch  die  Circulation  infolge  der  durch  die  Dyspnoe  bedingten  Reizung 
des  vasomotorischen  Centrums  Veränderungen  erleidet.  Um  die  ge- 
nannten Uebelstände  zu  vermeiden,  wählte  Verf.  als  Grundlage  für 
seine  Hemmungsversuche  jene  Bewegungen,  die  durch  das  Nicotin 
hervorgerufen  werden.  Diese  Bewegungen  sind  keine  spontanen; 
während  derselben  sind  Respiration  und  Circulation  ungestört  und 
die  Reizbarkeit  der  nervösen  Centren  ist  vollkommen  erhalten. 

Die  Versuche  lehren: 

Die  Hemmung  der  Darmbewegung  nach  Reizung  des  nervus 
splanchnicus  ist  nur  eine  Function  der  vasomotorischen  Eigen- 
schaften dieses  Nerven.  Infolge  der  Reizung  des  genannten  Nerven 
wird  ein  Verschluss  der  Darmarterien  herbeigeführt;  hierdurch  wird 
nach  Verf.  das  die  Bewegung  verursachende  Blut  vom  Darme  abge- 
halten  und   so  entsteht  die  Hemmung  der  Darmbewegungen.     Dass 


94  Qen^bl^tt  mr  €Shirurgle.   No.  6. 

der  nerr,  splaac^xmcus  dixect  specifi^ch  hemz^ende  faaern  ber 
sitze^  wie  Pflüg er^  der  Entdecker  dieser  Erscheinungen  will»  ist 
also  nach  Verf.  nicht  richtig.  TlUmau^  (L^ipsig). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Soheffer.     lieber  parenchymatöse  Carbolinjectionen. 

Inaug.-DIss.   Oreifswaldi  1B74. 

S.  spritite  Kaninchen  yermitteUt  der  Pravaz'schen  Spritse  verschieden  9taTke 
CarbollöBungen  in  die  Parenchyme  innerer  Organe,  z.  B.  Leber,  Lungen.  Es  be~ 
währte  sich,  dass  die  Einführung  der  wohldesinficirten  Kanüle  höchstens  nur  un- 
erhebliche Entzündungserscheinungen  zur  Folge  hat,  und  dass  schwache  Carbol* 
lötnzigen  ohne  Schaden  in  die  Gewebe  gebracht  werden  dürfen. 

Bänke  (Halle). 
Oascoyen.     Cases  of  syphilitic  reinfection. 

(Royal  med.  and  chir.  soc.  1874.  Novbr.  24.    Med.  tim.  and  gas.  1874.  Decbr.  5.) 

G.'s  Vortrag  stützt  sich  auf  eine  nicht  mitgetheilte  Zusammenstellung  Ton  60 
Fällen  von  2maliger  Infection,  darunter  U  von  ihm  selbst  beobachtete.  10  von 
letzteren  hatten  secundäre  Symptome  gehabt,  die  sich  bei  6  derselben  wiederholten  \ 
in  den  4  anderen  Fällen  zeigte  sicti  das  2.  Mal  nur  ein  harter  Schanker.  Der 
11.  Fall  hatte  zuerst  einen  harten  Schanker  mit  Drüsenschwellungen ,  dann  einen 
gleichen  Schanker,  direct  von  tertiären  AjOTectionen  gefolgt. 

Von  den  Gesammtfällen  kam  6  Mal  (von  den  seinigen  1  Mal)  die  2.  Infection 
bei  bestehenden  tertiären  Symptomen  vor,  wobei  nicht  erwähnt  wird,  ol^  hier  nur 
»harte  Schanker«  oder  auch  secundäre  Symptome  beobachtet  seien. 

Lee  macht  auf  den  milderen  Verlauf  der  2.  Krankheit  aufmerksam,  und  theilt 
2  von  ihm  beobachtete  Fälle  mit. 

Acton  will  10 — 11  Fälle  gesehen  haben. 

Drysdale  hat  nur  1  Fall  gesehen:  1S61  Infection,  secundäre  Symptome; 
1870  zweite  Infection;  er  warnt  vor  Vem'echselung  tertiärer  Affectionen  mit  Pri- 
märsclerose.  Bänke  (Halle). 

Fr.  Ho06litB.     Ueber  die  Naht  getrennter  Sehnen. 

(Wiener  med.  Presse  1874.  No.  49.); 

Ein  zwölQähriges  Mädchen  trat  beim  Herabsteigen  von  einer  Mauer  mit 
dem  rechten  Fusse  auf  die  Schneide  einer  Sense.  Grosse  lappenförmige  Wunde  in 
der  planta  pedis.  Heftige  Blutung  aus  Art.  plant,  intern,  und  extern.  Die  Sehne 
des  Muse.  flex.  digit.  pedis  commun.  sin.  ganz  durchschnitten.  Verf.  sog  die  Enden 
der  Sehne  durch  je  2  Nähte  (Seidenfaden)  zusammen;  dann  wurde  der  Lappen 
angenäht.    Baldige  Heilung.    Flexion  und  Extension  ganz  normal. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

H.  P.  Witt  (Schleswig) .    üeber  Verbesserung  perverser  Gele^kstellung 
mittelst  des  Gypsyerbandes  nach  Dr.  Mezger 's  Methode. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1874.  Bd.  XVH.  Hft.  4.) 

• 

Verf.  beschreibt  einen  von  Mezger  conatruirten  Apparat,  wegen  dessen  Ein- 
zelheiten wir  auf  das  Original  verweisen,  um  angeborene  und  erworbene  falsche 
OalenksteUungen  mit  HtUfe  von  Oypaverbänden  allnMÜig  zu  verbessern. 

Ua$ß  (Qreslau). 


Oentralblatt  fttv  Chnnirgi&.    N&.  6.  %: 

Lee^    BemoYii  of  a  tumonr  by  means  of  the  elastsc  Kgature. 

(Clin.  soc.  of  London  1874.  Novbr.  27.    Med.  tim.  and  gaz.  1874.  Decbr.  12.  p.  673.) 

Der  Tumor  befand  sich  auf  dem  Rücken  eines  55jfihr.  Mannes,  war  mit  der 
Haut  theilweise  Terwachsen,  und  bestand  aus  2  Abtheilungen.  Die  erste  Ligatur 
hatte  ohne  Blutung  in  4  Tagen  bis  auf  einen  dQnnen  Stiel  durchgeschnitten;  14 
Tage  später  wurde  die  rweite  Partie  nach  Hautdurcbsch neidung  und  DurchfÜhruttg 
▼on  S  Nadeln  unter  den  Tumor  mit  der  Ligatur  versefaen,  und  3  Tage  spflter  ent- 
fernt. Eine  gut  granulirende  Fiflche  blieb  zfurQck.  Hulke  spricht  gegen  den 
Nutzen  der  elastischen  Ligatur,  Tort  er  theilt  seine  Eindrflcke  aus  Wien  mit,  die 
ihn  wenig  für  die  Ligatur  eingenommen  haben.  Bänke  (Halle). 

St.  GermaSn.     Causes  et  traitement  de  la  scoliose. 

(S^ance  de  la  Soc.  de  Chir.  du  21.  Octbr.  1874.) 

Saint-Germain  hat  in  seinem  SLinderspitale  an  JOO  Scoliosen  beobachtet. 
Die  Entstehungsursache  sei  dunkel.  Er  hat  nie  durch  das  mehrstündige  Liegen 
ein  Redressement  der  Scoliose  gesehen.  Die  Eltarn  bezeichneten  nie  die  fehlerhafte 
Haltung  als  Ursache  des  Uebels,  welches  am  häufigsten  an  rhachitischen  oder  sonst 
sdiwächlichen  Individuen  yorkomme.  St.  0.  empfiehlt  das  Mieder  von  Du  er  es- 
sen und  Gymnastik,  wodurch  man  in  einigen  Monaten  erhebliche  Besserung  er- 
zielen könne.  Das  Liegen  im  Bett  verwirft  er,  als  dem  Allgemeinzustand  nach- 
theilig. 

Despr^s  bemerkt,  dass  St.-G.  und  Fravaz  die  Scoliose  infolge  von  Rhaehi- 
tis,  und  die  Scoliose  infolge  von  Schwäche  confundiren.  Die  Scoliose  zur  Zeit  der 
Pubertät  komme,  wie  Duchenne  gezeigt  habe,  auf  die  mangelhafte  Wirkung  der 
antagonist.  Muskeln.  Für  diese  letzteren  Fälle  empfehle  sich  der  Name  »wahre 
Scoliose«,  und  als  Behandlung  derselben:  die  Mieder,  Gymnaotik,  Elektricität  und 
eine  pasaende  Hygiene. 

Casin.    Hernie  crurale  ^trangl^e ;  Operation  pendant  la  periode  algide. 

Gu^rison.    Curieux  ^piphenorafene. 

Ibid. 

Cazin  berichtet  von  einer  58jähr.  Frau,  welcher  er  eine  linksseitige  Crural- 
hemie,  die  sie  seit  10  Jahr  besass,  wiederholt  schon  reponirt  hatte,  obwohl  sie 
em  Bruchband  trug.  C.  traf  die  Fat.  fast  pulsloe ;  häufiges  Erbrechen ;  Bauch  auf 
getrieben;  seit  36  Stunden  keine  Stuhlentleerung.  Die  kastaniengrosse  Hernie 
ist  sehr  schmerzhaft.  Hemiotomie:  Der  Darm  war  roth,  bis  dunkelblau.  Guter 
Verlauf. 

Am  5.  Tage  nach  der  Operation  klagte  Pat.  Ober  ein  kribbelnde«  Gefühl  in 
den  Fingern  und  Zehen.  2  Tage  darnach  war  die  Pulpe  der  Finger  voluminöser, 
Epidermis  blasig  abgehoben.  Einige  Tage  später  kam  es  zur  Desquamation  in 
handschuhfingerförmigen  Stücken,  was  über  3  Wochen  dauerte.  C.  bringt  dieae 
Erscheinung  mh  dem  Status  algidus  in  Verbindung,  in  welchem  die  Pat.  sich  be- 
reits befand,  als  operirt  wurde.  Der  Process  an  der  Haut  glich  einer  Erfrierung 
2.  Grades. 

Verneuil  bemerkt  hierzu,  dass  Lungencongestion  zur  HerbeifühiUDg  des 
Status  algidua  beitrage ;  Heilungen  nach  Operationen  in  diesem  Stadium  seien  enorm 
selten.  Treckene  Sohröpfköpfe  und  Analeptica  eeien  am  Platie.  V.  weist  ferner 
auf  die  Gefabren  dieser  Lungencongestion  hin;  sie  werde  durch  das  InhaHren  des 
Chloroforms  gesteigert  und  sei  bei  den  Reductionen  der  Hernien,  wo  das  letaLs 
Ende  weder  durch  Peritonitis  noch  durch  operative  Zufalle  sich  erkläre,  die  eigent- 
liche Todesursache.  Fr«  Steiner  (>yien). 


96  Centralblatt  für  Chirargie.    No.  6. 

Williams  und  Knapp.    Zwei   eigenthümliche  Fälle  von  Choroideal-- 

sarcom.     (Mit  Abbildungen.) 
(Arch.  f.  Augen-  u.  Ohrenheilkunde  v.  Knapp  und  Moos.  Bd.  5.  Abth.  1.  No.  8.) 

Wiesbaden,  C.  W.  Kreidel's  Verlag. 

Erster  Fall.  Es  wird  folgender  Verbreitungsweg  eines  intraocularen  Sarcoms 
angenommen.  Die  Geschwulst  soll  von  dem  die  Papille  umgebenden  Choroideal- 
theile  auf  die  Betina,  die  sich  total  ablöste  und  mittelst  dieser  auf  den  Ciliarkörper 
übergegangen  sein  und  ausserdem  soll  eine  Aussaat  von  Geschwulstkeimen  von  der 
abgelösten  Retina  aus  durch  das  trennende  Fluidum  hindurch  auf  sonst  gesunde 
Theile  der  Choroiden  stattgefunden  haben,  die  infolge  davon  an  ihrer  Innenfläche 
£U  einem  Viertheile  ihrer  ganzen  Ausdehnung  mit  kleinen  bis  hirsekomgrossen 
Sarcomknötchen  besäet  ist.  Die  Begründung  dieser  Ansicht  ist  im  Original  nach- 
zulesen. 

Im  iweiten  Fall,  der  eine  22jähr.  tuberkulöse  Patientin  betrifft,  wird  an- 
genommen, dass  die  sarcomatös  entartete  und  abgelöste  Retina  durch  Contact  von 
einem  primären  eng  anliegenden  Choroidealsarcom  inficirt  worden  sei. 

Fraenkel  (Chemnitz]. 

Bell  Taylor.     On  tlie  transplantation  of  skin  en  masse. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Jan.  2.  p.  18.) 

T.  berichtet  über  die  gelungene  Wiedereinheilung  eines  Hautstückes,  welches 
bei  einer  Ptosisoperation  zu  viel  weggenommen  war.  20  Minuten  war  das  Stück 
Haut* aus  allem  Zusammenhang  entfernt  gewesen,  P/s  Zoll  lang,  ^^Zoll  breit;  die 
Einheilung  vollständig.  Ranke  (Halle). 

Dowse.     Nephritic  abscess^  tapping,  recovery. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1874.  Decbr.  5.  p.  632.) 

Die  18jähr.  Patientin  hatte  in  den  5  letzten  Monaten  der  Schwangerschaft 
starke  Schmerzen  in  der  rechten  Lumbaigegend  gehabt;  nach  der  Entbindung  war 
Eiter  mit  dem  Urin  abgegangen.  Im  Abdomen  rechts  ein  grosser,  fluctuirender 
Tumor,  der  bei  einer  Function  20  Unzen  stinkenden  Eiters  entleerte.  Nach  Wie- 
deranfüllung  des-  Abscesses  und  nochmaliger  Function  Einlegung  eines  Drainrohres ; 
rasche  Heilung  unter  gleichzeitiger  Kräftezunahme  der  sehr  heruntergekommenen 
Patientin.    D.  bedauert  selbst  die  Unmöglichkeit,  seine  Diagnose  sicher  zu  stellen. 

Ranke  (Halle). 

Berkeley  Hill.     Fracture  of  the  os  caicis  by  muscular  violence. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1874.  Novbr.  21.  p.  578.) 

Eine  56jähr.  Frau  erlitt  diesen  firuch  bei  einem  Fall  aus  einer  Höhe  von  2 
Meter.  Das  halbwallnussgrosse  Fragment  war  durch  die  Muskeln  3—4  Finger  breit 
in  die  Höhe  gezogen,  die  activen  Bewegungen  waren  frei.  In  4  Wochen  war  unter 
Plantarflexion  im  Sprunggelenk  und  Flexion  im  Kniegelenk  mit  Benutzung  einer 
vorderen  Schiene  eine  ziemlich  feste  fibröse  Vereinigung  erzielt. 

Ranke  (Halle). 

Berichtigung: 
S.40  1iei  M*  statt  Hm. 

Originalmittheilnngen,  Monographieen  nnd  Separatabdrficke  wolle 
man  an  Dr.  Jf.  Tillmann»,  Leipzig,  MarfenRtrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagsbandlirng, 
Breiikopf  und  Bärtel,  einsenden. 


Druck  und  Verlag  von  Breitkopf  und  Hirtel  in  Leipzig. 


Gentralblatt 


fOr 

CHIRURGIE 

heransgegeben 

TOB 

Dr.  L  Leser,  Dr.  E  Scliele,  Dr.  H.  TUlniiiis 

in  Berlin.  in  Balle  a.  8.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbj&hriger  Pr&- 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

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H=  7.  Sonnabend,  den  13.  Febmar.  1875. 

^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^""""^^^^ 

Inhalt:  thamhayn.  Der  Liste  rasche  Verband  (Schluss).  —  (Trdy,  Operation  schwie- 
riger Falle  Yon  OTarlotomie  und  Hysterotomie.  —  Eck,  Hysterotomie.  —  Yalf,  Gebär- 
mnUenuht  beim  Kaisersehnitt.  —  Jahresbericht  des  Bartholomew's  Hospital.  —  Lees, 
Handbuch  for  Krankenpflegerinuen.  —  Rota,  Vorschlag  zur  Erleichterung  der  Opera- 
tionen am  Oberkiefer.  —  Becker,  Einheilung  von  Kaninchen-Bindehaut  in  den  Binde- 
kaotsack  des  Menschen.  —  Zelstl,  Eine  Methode  ohne  Einführung  des  Katheters 
Flfiasigkeiten  in  die  mannliche  Harnblase  zu  bringen. 

PIppiagskSld,  Galvanische  Suturen.  *-  Eck,  Tracheotomie  bei  Opiumvergiftungen.  — 
Clarka,  Chirurgische  Behandlung  des  Empyems.  —  Amory,  Behandlung  der  HarnrÖhren- 
stricturen  mittelst  Galvanocaustik.  —  Van  Buren,  Behandlung  der  Prostatahypertrophie. 
—  Annandale,  Nierenstein.  —  Jakaon,  Kought,  Steinoperationen.  —  Janeen,  Suppurative 
Myositis.  —  Maat,  Gongenitale  Unterschenkelluxation.  —  MilROZ,  Keilförmige  Resection 
der  Tibia.   —  Annandale ,  Pseudarthrose  des  Vorderarms.    —  LevtChln,  Vorschrift  zur 

Bereitung  von  künstlichem  Kuh-Kumys. 


ThamhayiL    Der  Lister 'sehe  Verband. 

Leipzig,  Veit  A  Co.,  1875.   go.    275  6. 

(Schluss.) 

5.  Academische  Eröffnungsvorlesung,  am  8.  Novbr. 
1869  in  Edinburg  gehalten.     (Brit.  med.  journ.   1869.) 

Versuch,  seinen  Zuhörern  die  Lehre  vom  Keimursprung  der  Zer- 
setzung zu  beweisen,  und  hiermit  den  Schlüssel  zum  Verständniss 
der  antiseptischen  Behandlung  zu  geben.  Versuche  von  Schwann, 
dass  ein  Zuleiten  einer  hohen  Wärmegraden  ausgesetzten  Luft  ohne 
zersetzende  Wirkung  ist,  sind  die  vorzüglichste  Stütze  der  Hypothese. 

Tritt  nach  der  Function  eines  Abscesses  eine  Zersetzung  ein,  so 
weist  das  Mikroskop  stets  jene  Vibrionen  nach,  die  aus  zufällig  mit 
eingeführten,  staubförmig  in  der  Lufit  schwebenden  Keimen  entstanden 

7 


98  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  7. 

sind.    Für  letztere  Annahme  sind  die  Pas teur 'sehen  und  Chev- 
reuiTschen  Versuche  beweisend. 

6.  lieber  den  günstigen  Einfluss  der  antiseptischen 
Behandlungsweise  auf  die  Gesundheitsverhättuisse  chi- 
rurgischer Krankenhäuser.    "{Lancet,   1870.) 

Das  —  bis  auf  schlechte  Cioseteinrichtungen  —  gut  erbaute  neue 
Glasgower  Krankenhaus  war,  zwischen  BegräbnisssteUen  gelegen, 
äusserst  ungesund;  der  eine  Parterresaal  Lister*s,  für  Schwerver- 
letzte bestimmt,  war  einer  der  schlimmsten  Bäume;  und  wenn 
auch  Dank  der  Vorsorge  Lister's,  den  Saal  immer  möglichst 
schwach  zu  belegen,  es  niemals  nothwendig  wurde,  ihn  zeitweilig 
ganz  zu  schliessen,  wie  andere  zum  Theil  nahe  benachbarte  Säle,  so 
wurden  die  darin  verpflegten  Patienten  doch  oft  genug  von  Pyämie, 
Erysipelas  und  Hospitalbrand  in  schlimmster  Weise  heimgesucht ;  seit 
der  vor  2  Monaten  erfolgten  Einfährung  der  antiseptischen  Behand- 
lung konnte  Lister  indessen  das  völlige  Aufhören  aller  accessorischen 
Wundkrankheiten  auch  in  diesem  Saale  constatiren. 

Bei  in  5  Jahren  conservativ  behandelten  32  complicirten  Frac- 
turen  ist  keine  Pyämie  beobachtet,  während  zu  gleicher  Zeit  die  con- 
servirende  Therapie  immer  weiter  ausgedehnt  wurde.  Die  Statistik 
der  grösseren  Operationen  vor  und  nach  Einfuhrung  des  Verbandes 
muss  im  Original  verglichen  werden.  Nur  eine  einzige  Pyämie  (bei 
einer  Oberschenkelamputation)  ist  zu  verzeichnen.  Ein  2.  Fall  nach 
einer  schweren  Handverletzung  ist  Folge  eines  nachweisbaren  Fehlers. 

In  derselben  Zeit  entstand  im  Saal  nur  ein  Erysipel,  bei  einer 
Unterschenkelamputation  mit  bestehenden  Fistelgängen.  Der  früher 
endemische  Hospitalbrand  tritt  nur  noch  selten  und  in  durchaus  mil- 
den Formen  auf, 

7.  Bemerkungen  zu  einer  offenen  Verrenkung  des 
Knöchels  nebst  anderen  Verletzungen,  ein  Beitrag  zur 
Erläuterung  des  antiseptischen  Verfahrens.    (Lancet,  1870.) 

An  der  Hand  einer  Krankengeschichte  wird  die  technische  Aus- 
führung des  Verbandes  in  einer  vervollkommneten  Form  und  die 
theoretische  Begründung  desselben  dargestellt.  Hieraus  mag  Folgen- 
des hervorgehoben  werden: 

1)  Der  zur  energischen  ersten  Desinfecdon  dienenden  5^0  Car- 
boUösung  darf  kein  Alkohol  oder  Glycerin  zugesetzt  sein. 

2]  Den  Schutz  der  Wunde  übernimmt  mit  einer  hygroskopischen 
Schicht  überzogenes,  vor  der  Anwendung  in  Carbolsäure  getauchtes, 
kautschuküberzogenes  Blattgold,  welches  auf  Shirting  geklebt  ist,  oder 
das  oben  beschriebene  Protective.  Beim  ersten  Verband  ist  dieser 
Schutz  nicht  anzuwenden. 

3)  Der  erste  Verband  ist  nach  spätestens  24  Stunden,  die  wei- 
teren nach  Massgabe  der  Secretion  zu  wechseln;  über  eine  Woche 
darf  kein  Verband  liegen. 

4)  Die  desinficirende  Schicht  (Lackpflaster)  muss  die  Wunde  weit 


Centralblatt  für  Öhinirgie.    No.  7.  09 

überragen^  auch  alle  benachbarten,  isolirten  oberflächlichen  Verletzun- 
gen unter  ihren  Schutz  nehmen. 

5)  Zufallig  eintretende  Zersetzung  kann  durch  Abspülen  der 
Wunde  mit  Chlorwasser  beseitigt  werden. 

Die  Verletzung,  eine  Liixation  des  Fusses  nach  innen,  mit  grosser 
Wunde  der  Weichtheile  und  Bruch  beider  Malleolen  complicirt,  heilte 
trotz  anderweitiger  schwerer  Verletzungen  des  Patienten  mit  beweg- 
lichem Gelenke. 

8.  Antiseptische  Behandlungsweise  der  Amputa- 
tionsstümpfe.    (A  System  of  surgery,   1871.   Vol.  V,  p.  617.) 

Neues  in  diesem  Artikel  ist: 

1)  Die  Operation,  der  Verbandwechsel  geschieht  in  dein  Dunst- 
kegel eines  Carbolsäurelösung  enthaltenden  Zerstäubungsapparates. 

2)  Die  dauernden  Nähte  werden  mit  Seide  angelegt^  die  vorher 
mit  Carbolwachs  imprägnirt  ist. 

3)  Das  Verbandmaterial  ist  eine  8faehe  Lage  der  bekannten,  mit 
Harz,  Paraffin  und  Carbolsäure  getränkten  Graze.  Aussen,  oder  zwi- 
schen 7.  und  8.  Lage  ist  ein  Stück  undurchlässigen  Zeuges,  z.  B. 
Makintosh  eingefügt. 

4)  Auf  die  Ableitung  der  ersten  reichlichen  Sekrete  ist  die  grösste 
SoigÜEdt  zu  verwenden. 

5)  Bestehende  Eiterungen  werden  durch  Abspritzen  mit  Chlor- 
zinkiösung  (1 :  12}  für  den  weiteren  Verlauf  unschädlich  gemacht. 

9.  Besection  eines  Handgelenkes  wegen  Caries;  Be- 
seitigung einer  Entstellung  durch  Narbenzusammen- 
ziehung.  Amputation  am  Hüftgelenk.  Heilung.  (Med. 
chir.  soc.  Edinb.   1871,  Edinb.  med.  Journal  1871.) 

List  er  stellt  eine  vor  7  Jahren  ausgeführte  Handgelenkresection 
mit  vorzüglichem  functionellem  Besultate  vor.  An  zweiter  Stelle  (es 
handelte  sich  um  eine  grosse  Brandnarbe  zwischen  Hals,  Brust  und 
Arm)  empfiehlt  er  zur  Vermeidung  der  Wiedervereinigung  getrennter 
Narbenflächen,  unter  dem  antiseptischen  Verbände,  in  dem  Wundwin- 
kel einen  Gummizug  anzubringen.  Der  dritte  vorgeführte  Kranke 
ist,  5  Jahr  alt,  primär  nach  einer  Verletzung  operirt.  Die  Localität 
ist  für  den  Verband  äusserst  ungünstig;  nur  durch  Unterlagen  von 
antiseptischer  Gaze  konnte  eine  Zuleitung  von  Zersetzungserregern 
vermieden  werden. 

10.  Vortrag,  gehalten  in  der  39.  Jahressitzung  der 
Brit.  med.  association  in  Plymouth,  Aug.  8.  1874.  (Brit. 
med.  Journal,  1871,  August.) 

Aus  der  Darlegung  der  theoretischen  Grundlagen  im  Anfknge 
des  Vortrages  sind  die  Experimente  im  Anschluss  an  Tyndall  wich- 
tig. Nach  diesem  filtrirt  Watte  die  Sonnenstäubchen.  List  er  fand 
sie  bei  asejitischen  (genau  desinficirten  und  keine  Keime  enthalten- 
den) Wunden  von  schützender  Kraft,  solange  sie  nicht  durchnässt 
vrar.    Staubförmig  sind  demnach  die  schädlichen  Potenzen  mit  Sicher- 

7» 


100  Cejitralblatt  für  Chirurgie.    No.  7. 

heitj  dass  sie  indessen  identisch  mit  den  gleichzeitig  erscheinenden 
Vibrionen  seien^  wird  nicht  mit  derselben  Gewissheit  behauptet. 

In  der  nachfolgenden  Erörterung  der  Yerbandtechnik  ist  die 
Dosirung  der  CarboUösungen  niedriger  als  früher  (cf.  unten). 

Ein  öfteres  Auswaschen  der  Operationswunden  hält  Lister  für 
unnöthig^  wenn  unter  Spray  gearbeitet  wird.  Die  Sicherheit  des  Ver- 
fahrens ist  so  gross^  dass  jetzt  eine  Ligatur  der  art.  femoralis  weniger 
gefährlich  ist,  als  früher  ein  Hautschnitt  in  der  Hand.  Unter  den 
Ejrankengeschichten  ist  eine  Pseudarthrosenoperation  am  Schenkelhalse 
hervorzuheben. 

11.  Ein  weiterer  Beitrag  zur  Naturgeschichte  der 
Bacterien  und  zur  Keimlehre  der  Gährungsveränderun- 
gen.     (Quaterl.  Journal  of  microsc.  sciences  1873.) 

Die  Versuche  sind  mit  äusserster  Vorsicht  angestellt,  lassen  sich 
aber  nicht  im  Auszuge  wiedergeben,  ^s  Nährflüssigkeiten  wurden 
Milch,  eine  etwas  modificirte  Pas teur 'sehe  Flüssigkeit,  Rübenauf- 
güsse  und  Harn  verwendet.  Bedenklich  erscheinen  die  botanischen  Re- 
sultate :  Bacterien  entstehen  durch  Austritt  von  Protoplasma  aus  Sporen 
von  Fadenpilzen,  verzweigen  sich  und  pflanzen  sich  theilweise  durch 
Sprossung  fort.  Anderweitige  Schlüsse  sind:  Dasselbe  Bacterium  ist 
infolge  sich  ändernder  Verhältnisse  im  Stande,  in  ein  und  derselben 
Flüssigkeit  Gähningsveränderungen  hervorzubringen,  die  sich  weit 
von  einander  unterscheiden,  z.  B.  Milchsäuregahrung  und  schwarze 
Pigmentbildung  in  der  Milch.  So  ist  es  auch  begreiflich,  dass  die- 
selbe Lebensform,  die  in  dem  einen  Falle  unter  gewöhnlichen  Um- 
ständen verhältnissmässig  harmlos  sein  kann,  zu  anderen  Zeiten  Er- 
zeugnisse zu  liefern  im  Stande  ist,  die  für  den  menschlichen  Körper 
den  grössten  NachtheU  bringen  müssen.  »Der  Annahme  eines  beson- 
deren Eigengiftes  (zur  Entstehung  z.  B.  des  Hospitalbrandes)  bedarf 
es  gar  nicht  mehr.  Wir  sehen  jetzt,  dass  Lebensformen,  die  allen 
Geschwüren  in  den  Krankensälen  eigen  sind,  besondere  Eigenthüm- 
lichkeiten  in  Entleerungen  annehmen,  welche  unter  lang  liegenden 
Verbänden  faulige  Zersetzung  eingegangen  sind.  In  gleicher  Weise 
können  wir  es  uns  recht  wohl  denken,  dass  der  ungesunde  Zustand 
eines  alten  verwahrlosten  Krankenhauses  nicht  auf  der  Einführung 
neuer  solcher  Formen  beruht,  sondern  nur  auf  einer  Veränderung 
derer,  welche  alten  wie  neuen  Gebäuden  dieser  Art  gemeinsam  sind«. 

12.  Verbesserungen  der  Einzelheiten  des  antisep- 
tischen Verbandes  (als  Manuscript  an  Dr.  Thamhayn  einge- 
schickt) . 

Li  st  er  dosirt  jetzt  wieder:  Lösungen  von  l :  40  fiir  Spray,  Wund- 
reinigung ;  von  1 :  20  (eventuell  1 :  5  Alkohol)  zur  primären  Desinfec- 
tion.  Die  Oberfläche  der  Gaze  ist  vor  dem  Anlegen  des  Verbandes 
sorgfältig  zu  reinigen.  Die  Desinf^ction  bestehender  Eiterungen  mit- 
telst Chlorzinklösungen  darf  nicht  durch  Einspritzen  unter  Anwendung 
bedeutender  Kraft  geschehen;   die  Infiltration  der  Gewebe  mit  dieser 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  7.  101 

Flüssigkeit  hat  bedeutende  Gewebsnekrosen  zur  Folge.  Die  Drainage 
der  Wunden  muss  mit  der  äussersten  Sorgfalt  ausgeführt  werden : 
die  Drains  werden  genau  im  Niveau  der  Haut  abgeschnitten^  durch  Fä- 
den fiidrt.  Ihre  Füllung  mit  Blutgerinnseln  in  den  ersten  Tagen 
macht  eine  Entfernung  derselben  zum  Zwecke  der  Reinigung  nicht 
nöthig.  Zur  Aufnahme  der  Wundsecrete  kann  für  die  ersten  24  Stun- 
den vor  die  Oefhung  des  Drain  ein  absolut  reiner,  mit  5%  Carbol- 
lösung  desinficirter  Schwamm  gelegt  werden. 

Oelige  Losungen  werden,  5%  Säure  enthaltend,  zum  Einölen  der 
Untersuchungsinstrumente,  der  Katheter  etc.  benutzt. 

Die  Behandlung  der  Präpatellarhygrome  mittelst  Incision  und 
Drainage,  die  Operationsmethode  bei  Caries  am  Fuss  muss  im  Ori- 
ginal verglichen  werden. 

An  letzter  Stelle  werden  Versuche  mit  einer  antiseptischen  Salbe 
aus  Borsäure,  Wachs  je  1  Theil,  Mandelöl,  Paraffin  je  2  Theüe  kurz 
angeführt.  Kanke  (Halle). 

L.  Urdy.     Examen  au  point  de  vue  du  manuel   operatoire 
de  quelques  cas  difficiles  d'ovariotomie  et  d'hyst^rotomie. 

Paris.  Delaluiye.  1874. 

Verf.  hat  sich  die  Aufgabe  gestellt,  die  schweren  Complicationen 
bei  Ovariotomieen  und  Hysterotomieen  eingehend  zu  erörtern  und 
vor  Allem  das  Operationsverfahren  in  derartigen  Fällen  anzugeben. 
Indem  er  in  der  Einleitung  zunächst  die  Worte  vorausschickt;  dass  der- 
j^iige  die  schönsten  Resultate  erzielen  wird,  der  es  versteht,  keinen 
Umstand,  möge  er  auch  noch  so  geringfügig  scheinen,  zu  vernach- 
lässigen, giebt  er  dann  für  schwierige  Fälle  das  nothwen<]^e  In- 
strumentarium an,  welches  eine  oder  zwei  Klammem  (P6an  und 
B.  Brown),  7  oder  8  Ligaturenschnürer  von  verschiedener 
Grösse,  Spatel  und  Schabeisen  zur  Trennung  von  Adliäsionen,  15  — 
20  Troikarts  mit  verschiedenen  Krümmungen;  Drainageröhren  von 
Metall  oder  Kautschuk,  eine  bis  zwei  Kanülen,  Metalldrähte  von  jeder 
Starke,  gerade  und  krumme  Nadeln,  starke  Bistouris,  oder  besser  ein 
kleines  Amputationsmesser  für  fibröse  Tumoren  umfasst. 

Im  ersten  Capitel  behandelt  Verf.  Tumoren  mit  solchen  Adhäsio- 
nen, die  zu  trennen  unmöglich  oder  gefährlich  ist.  Sind  diese  Ad- 
häsionen schmal  und  befinden  sie  sich  zwischen  Tumor  und  Ab- 
dominalwand, so  soll  man  mit  einer  Metallnadel  den  Tumor  3 — 
4  Cm.  von  der  Adhäsionsstelle  durchstechen,  unmittelbar  darunter 
eine  Ligatur  legen  und  dann  die  Gewebe  durchtrennen.  Verbinden 
schmale  Stränge  die  Geschwulst  mit  einer  Darmschlinge,  so  lassen 
sich  diese  Verbindungen  in  den  meisten  Fällen  leicht  trennen;  bei 
stärkeren  Adhäsionen  aber  soll  man  wie  vorhin  einen  ganz  kleinen 
Theil  des  Tumor  (nach  Unterbindung  und  Abtrennung)  an  der  Schlinge 
lassen  und  diesen  kleinen  Rest  dann  später  beim  Zunähen  der  Bauch- 


|[02  Centxalblatt  fflr  Chirurgie.    No.  7. 

wunde  in  diese  mit  hineinnahen^  so  dass  bei. eventueller  Entzündung 
oder  Eiterung  dieses  Restes  der  Eiter  in  der  Wunde  zu  Tage  kommen 
würde.  Nur  in  dringendsten  Fällen  sehe  man  von  dieser  Methode 
ab  und  cauterisire  den  Rest^  nachdem  er  mit  einer  Klammer  gefasst 
ist.  Freilich  kann  auf  die  angegebene  Methode  nicht  nur  leicht  Ab* 
scedirung  folgen,  sondern  auch  durch  die  Fixation  starke  Verstopfung 
und  Zerrung  der  Eingeweide  mit  Unterleibsschmerzen  für  l&igere 
Zeit.  Ein  Beispiel  wird  zi^  Beleg  hierfür  angeführt  (fibröser  Tumor, 
für  ein  linksseitiges  ILjrstom  gehalten;  Gastrotomie ;  feste  Adhäsionen 
mit  einer  Darmschlinge ;  Zurücklassung  eines  adhärenten  Theils  der 
Geschwulst.     HeUung) . 

Bei  stärkeren  Verbindungen  mit  dem  Netz  unterbinde  man  die 
grössten  Gefässe  vor  dem  Durchschneiden  in  einer  gelesen  Entfernung 
vom  Tumor  doppelt ;  das  Netz  aber  leitet  man  entweder  nach  aussen 
und  befestigt  es  dann>  breit  zusammengebunden,  gegen  den  unteren 
Wundwinkel  hin;  muss  es  dagegen  mit  einer  z.  B.  5  Cm.  breiten 
Adhäsionsstelle  in  der  Bauchhöhle  bleiben,  so  durchsteche  man  es 
mit  krummen  feinen  Nadeln  und  Seidenfadenschiingen  der  Breite 
nach  an  vier  verschiedenen  Stellen,  durchschneide  dann  die  Schlingen 
und  binde  dann  je  zwei  sich  correspondirende  Schlingen  von  jeder 
Seite  zusammen. 

Ausgedehnte  Adhäsionen  kommen  am  häufigsten  mit  den 
Organen  des  kleinen  Beckens  vor;  prädisponirt  sind  hier  besonders 
einfache  oder  multiloculäre  Ovariencysten  und  fibrocys tische  Tumoren. 
Uterusfibrome  haben  fast  nie  derartige  Verbindungen.  Wenn  die  Ad- 
häsionen tief  und  in  der  Nähe  des  Stiels  sind,  so  behandle  man  sie 
nach  Art  eines  gewöhnlichen  Stiels.  Lassen  sie  sich  dagegen  sehr 
schwer  trennen,  so  lasse  man  ein  Cystensegment  daran  imd  heile 
dieses  1^  die  Wunde  ein,  um  eventuell  reinigende  Injectionen  leicht 
machen  zu  können.  Die  in  der  Bauchhöhle  zurückbleibenden  ]äest^ 
gehen  nach  Pean  entweder  atrophisch  zu  Grunde,  oder  gehen  nach 
Entzündung  und  Vereiterung  in  Narbengewebe  über.  In  schwierigen 
Fällen  mit  sehr  ausgedehnten  Verwachsungen  entscheidet  sich  Verf. 
nach  P6an's  sehr  günstigen  Erfahrungen  für  partielle  Auseiterung 
einer  Cyste.  Die  sich  hieran  schliessenden  9  Operationsgeschichten 
sind  von  hohem  Interesse.  In  allen  Fällen  wurden  grössere  oder 
kleinere  Stücke  der  Geschwulst  zur  Vereiterung  und  Ausheilung  zu- 
rückgelassen, und  nur  in  einem  Fall  trat  der  ^|'od  ein. 

Das  zweite  Capitel  behandelt  solide  Tumoren  von  beträchtlicher 
Grösse,  deren  Exstirpation  die  Entfernung  eines  Theiles  des  Uterus  oder 
des  ganzen  Organs  mit  nothwendig  macht.  Das  Operationsverfahren 
richtet  sich  einmal  nach  der  Grösse  des  Tumor,  zweitens  nach  der  brei- 
ten Verbindung  mit  dem  Uterus.  Im  ersten  Falle  mache  man  die  Incision 
von  der  Symphyse  bis  womöglich  nur  3 — 4  Cm.  oberhalb  des  Nabels 
und  zerstückle  nach  der  Methode  P6an's  (methode  de  morcellement] 
durch  Abschnürung  die  Geschwulst  Stück  für  Stück;  eine  Methode, 
die  allerdings  sehr  zeitraubend,   aber,  nach  Verf.,  absolut   sicher  ist. 


Centralbktt  ftlr  Cbinngic.   No.  7.  103 

Der  Stiel  wird  damn  entweder  ▼o«  Isthmus  uteri  oder  vom  Ligamen« 
tum  kium  gebildet,  bu  zweiten  Falle .  dagegen ,  wenn  der  Tumor 
die  BeekenhöUe  ausfüllt,  ist  es  ofl  unmöglich,  infidge  der  Entfernung 
&st  des  ganzen  TTterus  eixken  Stiel  zu  bilden.  Ist  die  Geschwulst  mit 
dem  Gewebe  des  Collum  nicht  zu  fest  verbunden,  so  muss  man  ver- 
suchen, sie  zu  «nucleiren.  Bei  festeren  Verbindungen  aber  und  zu 
fürchtenden  starken  Blutungen  muss  der  Tumor  ewisdien  zwei  Liga- 
tttien  gefiwst  werden,  deren  untere  das  Scheidengewolbe,  die  Uterus-  und 
Scheidengeiasse  einschliesst  Da  die  Stidbildung  hier  unmöglich  ist, 
80  müssen  die  ligaturenschnürer  so  lange  und  zwar  im  unteren 
Wimdwinkel  des  Bauchsdinitts  befestigt  werden,  bis  sidi  Verklebun- 
gen um  die  Ligaturen  gebildet  haben.  Die  nachfolgende  Eiterung 
findet  durch  die  Scheide  oder  den  unteren  Wundwinkel  ihren  Aus- 
weg. Bei  eventoeller  Eiteransammlung  im  kleinen  Becken  würde  die 
Diämage  durch  den  Utenisstumpf  der  durch  das  hintere  Scheiden- 
gewölbe vorzuziehen  sein.  Zwei  ausfuhrliche  Krankengeschichten 
iünstriren  letztere  Operationsmethoden.  e*Leopeld  (Leipzig). 


N.  Eck..    Ein  Fall  von  Hysterotomie  nach   der  serös-plasti- 
schen Methode  von  Maslowsky. 

(SitiQng  der  Gesellschaft  russischer  Aerste  in  St.  Petersburg  vom  15.  Octbr.  1874, 

russisch.) 

Die  vorgestellte  Pat.^  8S  Jahre  alt^  trug  seit  13  Jahren  im  Ab- 
domen eine  Geschwulst^  die  bis  in  das  rechte  Hypochondrium  reichte 
nnd  leicht  verschiebbar  war.  Fluctuation  undeutlich^  Gefassgeräusche 
nidit  vorhanden,  dagegen  starkes  peritoneales  Reiben  und  Empfind- 
lidikeit  bei  Druck  auf  den  Tumor.  Länge  der  Uterushöhle  22  Cm. 
Pat  während  dieser  1 3  Jahre  von  blähender  Gesundheit,  fing  im  Sommer 
1874  über  peritonitische  Schmerzen  und  heftige  Uteruscontractionen 
an  tXL  klagen  und  wurde  bettlägerig.  Beständiges  Fieber  mit  abend- 
lichen Exacerbationen,  Nachtschweisse  und  Diarrhöen  brachten  die 
Kranke  in  hochgradigen  Marasmus.  Wirkliche  Blutungen  aus  den 
Genitalien  hatten  nie  stattgefunden,  dagegen  war  während  der  letzten 
2  Jahre  fast  constant  ein  öfters  blutig  tingirter  fluor  albus  vorhan- 
den. Am  24.  August  1874  schritt  E.  zur  Exstirpation  der  Geschwulst. 
Nach  Einleitung  der  Chloroformnarkose  wurde  die  Bauchhöhle  durch 
einen  ca.  25.  Cm.  langen  Schnitt  in  der  linea  alba  eröffnet.  Die  Ge- 
schwulst stellte  sich  als  der  bedeutend  vergrösserte  Uterus  dar.  Links 
inserirten  sich  Tube  und  Eierstock  sehr  hoch  oben,  rechts  fast  in 
normaler  Höhe.  Die  vergrösserte  Gebärmutter  wurde  sanmit  ihren 
Adnexen  nach  aussen  hervorgezogen,  wobei  6  membranöse  Verbin- 
dungen mit  Nachbartheilen  unterbunden  und  durchschnitten  werden 
mossten.  Um  das  fast  normale  untere  Uterinsegment  wurde  nun  zur 
provisorischen   Blutstillung   die   hakenförmige   Klammer   von   Mas- 


104  Centralblatt  für  Chiruigie.    No.  7. 

lowßky  gelegt.  Hierauf  präparirte  E.  von  der  vorderen  Fläche  der 
Geschwulst  einen  handtellergrossen  Peritoneallappen  ab^  der  auch  die 
oberflächliche  Muskelschicht  in  sich  fasste  und  zwar  so,  dass  seine 
Basis  nur  wenig  über  der  Klammer  und  parallel  mit  derselben  lag. 
Der  Lappen  schrumpfite  nachträglich  und  wurde  etwa  0^5  Cm.  dick. 
Jetzt  rückte  £.  die  Klammer  etwas  iiefer^  legte  locker  darunter,  der 
Sicherheit  wegen,  die  Kette  eines  Constricteurs  herum  imd  trug  mit 
dem  Messer  die  ganze  Geschwulst  sammt  Tuhen  imd  Eierstöcken  in 
einem  Zuge  ab.  Der  noch  über  der  Klammer  zurückgebliebene  Stumpf 
wurde  mit  der  galvanocaustischen  Schneideschlinge  fast  im  Niveau 
der  Klammer  selbst  abgebrannt.  Allein  die  Lumina  der  Gefässe  in 
den  ligg.  lata  klafllen  trotzdem.  Da  der  Versuch,  die  Blutung  mit 
Hülfe  des  Glüheisens  zu  stillen,  misslang,  so  wurden  endlich  beider- 
seits Massenligaturen  mit  Erfolg  angelegt.  Eine  Ligatur  wurde  noch 
am  verschorften  Gebärmutterstumpf  selbst  nothig.  E.  leitete  sie  durch 
den  Cervicalcanal  in  die  Scheide  und  klappte  nun  den  abpräparirten 
Peritoneallappen  über  den  Uterusstumpf,  um  ihn  mit  11  metallenen 
und  9  Seidenligaturen,  die  alle  kurz  abgeschnitten  wurden,  so  an  den 
vom  cavum  Douglasii  aufsteigenden  Peritonealüberzug  des  Uterus  zu 
befestigen,  dass  beide  seröse  Flächen  in  genaue  Berührung  kamen. 
Nach  Reposition  des  Stumpfes  in  die  Beckenhöhle  wurde  die  Bauch- 
wunde durch  8  tiefe  und  9  oberflächliche  Seidennähte  vereinigt.  — 
Die  Operation  hatte  2  Stunden  gedauert.  Am  2.  Tage  nach  der 
Operation  wurden  die  unteren  Nähte  durchschnitten,  2  Tage  lang 
floss  eine  bedeutende  Quantität  blutigen  Serums  aus  der  Bauch- 
höhle; am  4.  Tage  war  oberhalb  der  durchtrennten  Nähte  eine  Ver- 
einigung der  Wunde  per  primam  erfolgt.  Am  16.  Tage  tnit  Blu- 
tung aus  dem  unteren  Wundwinkel  und  aus  den  Genitalien  ein, 
welche  4  Tage  dauerte,  mit  dem  gewöhnlichen  Termin  der  Kegeln 
zusammenfiel  und  von  einer  Hyperämie  des  Zellgewebes  im  Becken- 
raume  begleitet  war,  welche  einer  Parametritis  nicht  unähnlich  er- 
schien. Am  2.  Tage  der  Blutung  wurde  ein  1  Cm.  langer  und 
schmaler  nekrotischer  Fetzen  vom  Bande  des  Lappens  abgestossen; 
darauf  konnte  das  in  den  Cervicalcanal  eingespritzte  Wasser  aus  dem 
unteren  Wundwinkel  herausfliessen ;  und  nach  mehreren  Versuchen 
gelang  es  2  Tage  später  von  der  Gebärmutterhöhle  eine  Sonde  durch  die 
Bauchwunde  herauszuführen  und  daran  ein  Drainrohr  durchzuziehen, 
welches  nach  einer  Woche  ganz  entfernt  werden  konnte.  Am  22. 
Tage  verliess  die  Kranke  das  Bett  und  Ende  September  war  sie  voll- 
ständig genesen.  Im  Laufe  der  nächsten  2  Monate  nahmen  die  Er- 
nährung und  die  Kräfte  der  Kranken  auffallend  zu,  und  sie  beflndet  sich 
gegenwärtig  in  einem  ausgezeichneten  Gesundheitszustand.  Der  zurück- 
gelassene Uterustheil,  der  14  Tage  nach  der  Operation  einen  5,5  Cm. 
langen  Canal  hatte,  ist  jetzt  bedeutend  atrophirt,  sein  Canal  misst 
kaum  4  Cm.;  er  ist  vollständig  beweglich  und  macht  bei  der  Unter- 
suchung den  Eindruck  eines  rudimentären  Uterus. 

Dieses  ist  der  erste  erfolgreiche  Fall  von  Hysterotomie  durch  den 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  7.  105 

Bauchflchnitt  in  Ruseland  und  überhaupt  der  erste,  in  welchem  Mas- 
lowsky's  serös-plastische  Methode  am  Menschen  angewendet  wor- 
den ist.  B.  Pawloff  (St.  Petenburg). 


G.  Veit.     Gebärmutternaht  beim  Kaiserschnitt. 

(Beitrige  lur  Gebartahülfe  und  Gynftkologie  1874.  Bd.  III.  Hft.  2.) 

Im  1.  Fall  (21j.  Mädchen^  rachitische  Conj.  diag.  6  Cm.)  wurde 
der  Uterus  mit  8  Catgut-Heften  geschlossen;  die  Bauchdecken  mit 
10  seidenen  Suturen.     Genesung. 

Im  2.  Fall  (hohe  Verkrüppelung,  Conj.  diag.  10  Cm.)  wurde  die 
Gebärmutterwunde  mit  7  tiefen  und  2  oberflächlichen^  die  Bauch- 
decken mit  12  Catgut-Suturen  vereinigt.     Genesung. 

V.  knüpft  hieran  die  Bemerkung,  dass  er  fortan  bei  jeder  Sectio 
caesarea^  ganz  gleich  ob  die  Gebärmutter  sich  nach  ihrer  Entleerung 
gut  contrahire  oder  nichts  ob  die  anderweitigen  Mittel^  die  Blutung 
zu  stillen^  erfolgreich  oder  wirkungslos  seien^  zur  Schliessung  der 
üteruswunde  mit  Catgutföden  übergehen  werde. 

Leopold  (Leipsig). 

Bartholemew's  Hospital.    Bericht  für  1873. 

In  diesem  Londoner  Hospitale  wurden  behandelt  3450  Kränke^ 
darunter  1988  M.  und  1462  W.^  davon  gebessert  oder  geheilt  entlassen: 
1660  M.,  1194  W.;  ungebessert:  115  M.,  82  W.;  gestorben:  95  M., 
45  W.;  verblieben:  188  M.,   141  W. 

Von  grösseren  Operationen  wurden  verrichtet:  Ligatur  der  art. 
iemoral.  wegen  Aneurysma  der  art.  popl.  3  Mal;  bei  dem  35j.  Mann^ 
welcher  starb,  kehrte  nach  der  Ligatur  mit  Catgut  die  Pulsation  im 
Aneurysma  wieder,  eine  2.  Ligatur  blieb  erfolglos;  bei  einem  33j.  Mann 
erfolgte  am  22.  Tage  Gangrän  einiger  Zehen.  Ligatur  der  Tibial  ant. 
1  Mal  mit  Erfolg. 

Die  7  Resectionen,  sämmtlich  mit  Erfolg  verrichtet,  betrafen  2 
Mal  die  Hüfte,  4  Mal  das  Knie,  1  Mal  den  Ellenbogen.  Von  39 
Sequestrotomieen  glückte  nur  1  nicht. 

Verzeichnet  sind  als  geheilt :  wegen  Trauma :  7  primäre  Amputatio- 
nen (darunter  2  Obersch.),  1  secundä^e  Amput. ;  wegen  Erkiunkung :  30 
Amputationen  und  Resectionen,  darunter  12  Obersch.  und  1  Hüftg. 
Gestorben  nur  1  Unterschenkelamputation. 

Es  wurden  verrichtet:  Exstirpationen  von  Tumoren  111  (darunter 
16  Gare,  mamm.)  mit  3  Todesfällen,  8  Seitensteinschnitte  mit  1  Todesfall 
(durch  Nachblutung),  15  Hemiotomieen  ohne  Eröffiiung  des  Bruchsacks 
mit  1  Todesfall  (durch  Septicämie),  18  Hemiotomieen  mit  Eröffnung 
des  Bruchsacks  mit  1 1  Todesfallen ;  8  Uranoplastiken,  1  ohne  Erfolg. 

Die  beiden  Ovariotomieen  betrafen  eine  25jähT.  Frau,  welche 
schon  secundäre  Tumoren  im  Abdomen  zeigte  und  bald  nach  der  Ope- 


106 


Centralblatt  fttr  Ghiraigie.     No.  7. 


iratiocL  starb,  und  eine  59j.  Frau,  bei  der  ein  fiKploratianssohnitt  die 
Vnmögüdikdt  der  Ausfubrung  darthat;  Tod  duick  Ersehc^fuag. 

Von  3^80  einÜMhen  Fxacturen  wurden  geheilt  309  (1  mit  fisilschein 
Gelenk),  es  starben  17,  in  Behandlung  blieben  54;  von  59  complicir- 
ten  Fracturen  wurden  geheilt  47  und  es  starben  4^  in  Behandlung 
blieben  8. 

Beigefugt  ist  eine  Tabelle,  welehe  die  Remiltate  der  Amputationen 
(und  Exarticulationen)  der  letzten  10  Jahre  (1864 — 1878  incl.)  umfasst. 


^^•— ^«^ 


Körpertheil 


wegen  Trauma 


II 


wegen  Erkrankung 


Hüfte 

Obersch. 

Knie 

Untersch. 

Fussgelenk 

BohuHeig. 

Oberarm 

Vorderarm 


primftr 


secandfir 


geh.    gest.    o/oMortal.  .geh.    gest.    %  Mort.  I|  geh.    gest.    «/o  Mort 


7 

l 

12 


1 

16 
29 


3 
13 


2 
1 


30,00/o 
52,00/o 


ll,ll«/o 

3,330/0 


11 
2 

8 


10 
4 


10 


6 


47,61o/o 
42,850/o 


16,060/fl 


2 

• 

— 

91 

36 

28,340/0 

3 

1 

25,000/0 

47 

21 

30,880^ 

32 

3 

8,570/0 

4 

1 

20,000/0 

14 

3 

17,040/0 

16 

1 

5,880/o 

Pilz  (Stettin). 


Fl.  S.  Lees.  Handbuch  für  Krankenpflegerinnen. 

Auf  Wunsch  I.  M.  der  Kaiserin-Königin  in  deutscher  Sprache  herausgegeben  von 

Dr.  Paul  Schliep. 

BerUn.  Aug.  Hlrscliwald.  1874.  80.  147  8. 
Die  zunächst  für  den  Gebrauch  in  der  mit  dem  Augusta-Hospital 
zu  Berlin  verbundenen  Krankenpflegerinnen-Schule  bestimmte  Ueber- 
setzung  des  englischen  Textes  behandelt  in  allgemein  verständlicher 
Form  vorzugsweise  dasjenige  System  der  Ausbildung^  welches  nach 
dem  Vorschlage  der  bewährten  Miss  Nightingale  den  meisten  Kran- 
kenwartschulen  Englands  zu  Grunde  gelegt  ist.  Die  Unterweisung 
erstreckt  sich  über  die  allgemeinen  Erfordernisse  der  Ejrankenpflege, 
namentlich  die  persönlichen  Eigenschaften  der  Pflegerinnen^  über  die 
Methode  der  Ausbildung  und  den  praktischen  Krankendienst  in  seinen 
verschiedensten  Zweigen,  als  Küche^  Wäsche,  Saaldienst  und  specielle 
technische  Verrichtungen.  Unter  letzteren  sind  namentlich  die  ver- 
schiedenen Formen  der  Anwendung  von  Arzneimitteln,  die  Verband- 
lehre, kleine  chirurgische  Hülfsleistungen,  der  Krankenbericht  und 
die  Zubereitung  einer  grossen  Zahl  von  Nahrungs-  und  Genussmitteln 
eingehend  erörtert.  Arn.  Hlllcr  (Berlin). 


Boie  (Zfirich).    Vorschlag  zur  Erleichterung  der  Operationen 

am  Oberkiefer. 

(Aroh.  für  klinische  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  3.  p.  454-^71.) 

Der  Kranke  liegt  im  warmen  Zimmer  mit  entblösstem  Hals  und 
nackter  Brust  horizontal  auf  dem  Tisch  in  gewöhnlicher  Rückenlage, 


Gentralblatt  für  Chiniigie.    No.  7.  107 

unter  dem  Kopfe  ein  Kissen,  ui^d  wird  tief  oarkotisiTt.  Ist  die  Narkose 
£atig,  so  wird  das  Kissen  ^^.tfemt,  der  Kranke  einen  Fuss  breit  hin- 
«o^esckoben  und  der  Kopf  über  den  gepolsterten  Tischrand  gehängt. 
In  dieser  rechtwinkeligen  Lage  wird  der  Kopf,  der  Scheitel  dem  Boden 
zugekehrt,  an  den  Schläfen  von  den  2wei  Händen  des  zuyerläasigsten 
Wärters,  welciiiar  am  Kopfende  auf  einem  Kissen  kniet,  fest  geboten. 
Der  Operateur  sitzt  daneben  und  pausirt,  so  oft  der  Kiranke  erwacht. 
In  der  j^e&recke  sitzt  ein  Mundspeculum,  diß  Zwsge  wird  mit  einer 
stumpfen  Zange  in  die  Höhe  gehalten,  damit  sie  nicht  den  Gaumen 
bedeckt.  Sowie  geschnitten  wird,  läuft  das  Blut  in  die  Choanen  und 
mit  der  Zeit  durch  die  Nasenoffaung  wieder  heraus  zun^  Boden.  Ein 
in  den  Bachen  geführter  Stielschwamm  kommt  blutfrei  zurück.  Tritt 
nach  der  Narkose  Erbrechen  ein^  so  ist  selbst  bei  den  blutigsten 
Operationen  nie  Blut  im  Erbrochenen  bemerkt  worden.  Nach  der 
Operation  wird  der  Kranke  mit  einer  Art  Schleuderbewegung  in  die 
sitzende  Lage  gebracht. 

Auffallend  sind  die  unmittelbaren  Folgen  der  Anwendung  dieser 
Frocedur.  Die  Chloroformnarkose  ändert  sich  dabei  gar  nicht.  Da- 
gegen am  Kopfe  zeigen  sich  in  der  Periode  des  Hängens  bemerkens- 
werthe  Symptome.  Die  Augen  werden  glänzend  und  treten  hervor, 
der  Kopf  erscheint  geschwollen,  da  alle  seine  Querumfange  bis  zu 
3  Cm.  zunehmen.  Sofort  nach  dem  Aufrichten  verschwindet  aber 
schnell,  in  wenigen  Minuten  messbar  abnehmend,  diese  Volumsver- 
mehrang.  Bis  zum  3.  Chirurgencougress  wurde  das  Verfahren  an- 
gewendet: 2  Mal  bei  Uranoplastik  und  Staphyloraphie ;  4  Mal  bei 
Oberkieferresectionen ;  1  Mal  bei  Amputatio  nasi  und  Rhinoplastik 
und  3  Mal  bei  Hasenschartenoperationen;  ferner  bei  mehreren  Ton- 
sillotomieen  und  bei  2  Larynxectomieen.  Wilh«  Koch  (Berlin). 


0.  Becker  (Heidelherg).    Ueher  Einheilung  von  Kaninchen- 
bindehaut in  den  Bindehautsack  des  Menseben. 

(Ein  Beitrag  cur  I^ymblepharoii-Operatlon.    Wiener  med.  Wochenschrift  1874. 

No.  26.) 

Verf.  hat  nach  dem  Vorgang  von  Wolfe  (Transplantation  con- 
joQctiTalfi  du  lapin  k  l'homme^  Glasgow  med.  joum.  1873  und  Ann. 
d'Oeulifit.  LXIX^  121)  zum  Ersatz  der  menschlichen  Conjunctiva  die 
des  Kaninchen  verwandt.  Zwei  im  Original  ausführlich  mitgetheilte 
Krankengeschichten  bestätigen  die  interessante  Thatsache^  dass  die 
völlig  vom  Mutterboden  getrennte  Schleimhaut  des  Kaninchens  auf 
den  fremden  Boden  des  menschlichen  Organismus  versetzt  auf  frischer 
Wundfläche  des  letzteren  anheilte.  Ausser  dem  physiologisch  werth* 
Yollen  Umstand,  dass  Transplantationen  von  Säugethieren  auf  den 
Menschen  gelingen,  was  von  Jacenko  und  Czerny  noch  nicht  be- 
wiesen worden,  ist  hiermit  für  die  Chirurgie  ein  wichtiges  Resultat 
gewonnen,  da  für  die  Therapie  von  mancherlei  Erkrankungsformen 


108  Centralblatt  für  Chirui^ie.    No.  7. 

hieraus  nützliche  Momente  hergeleitet  werden  können.  Freilich  ist 
die  Oertlichkeit,  an  welcher  die  Versuche  vorgenommen  wurden,  eine 
besonders  geeignete^  da,  wie  Verf.  bemerkt,  ein  günstigerer  Brut- 
apparat für  lebende  Gewebe  sich  kaum  ersinnen  lässt,  als  zwischen 
zwei  von  Blut  durchströmten  lebenden  Organen.  —  Noch  ist  zu  be- 
merken, dass  B.,  um  besonders  grosse  Conjunctivaflächen  zu  gewin- 
neU;  dieselbe  von  der  ganzen  Palpebra  tertia  durch  Auslösen  des  Knor- 
pels abpräparirte  und  ausbreitete.  t«  Hosengell  (Bpnn). 


H.  SSeissl  (Wien) .   Eine  Methode  ohne  Einführung  des  Kathe- 
ters Hüssigkeiten  in  die  männliche  Harnblase  zu  bringen. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1874.  No.  51  und  52.) 

Um  bei  Blasenleiden  Flüssigkeiten  in  die  Blase  bringen  zu  kön- 
nen,  ohne  den  Katheter  einzuführen,  der  bei  Blutungen  leicht  eben- 
soviel und  mehr  schaden  kann,  als  die  injicirten  Adstringentien  nützen, 
hat  Verf.  einfach  die  Spitze  eines  Irrigators  in  die  äussere  Hamröh- 
renöfihung  gesteckt,  während  der  Patient  horizontal  mit  erhöhtem 
Steiss  gelagert  war  und  der  Penis  an  die  Bauchdecken  gespannt  ge- 
halten wurde.  Nach  mehr  oder  minder  langer  Zeit  (Secunden  bis 
mehrere  Minuten]  fühlt  der  Kranke  das  Eintreten  der  Flüssigkeit  in 
die  Blase  (angeblich  unter  einem  Behaglichkeitsgefühl).  Es  ist  so 
mehrfach  gelungen,  nur  dm'ch  den  hydrostatischen  Druck,  bedingt 
durch  die  Niveaudifferenz  der  Flüssigkeitssäule  im  Irrigator  und  der 
Blase,  4 — 8  Unzen  in  die  Blase  zu  injiciren.  —  Ein  derartig  behan- 
delter Fall  von  Haematurie  bei  Cystitis  und  Tripper  illustrirt  die 
Methode  und  fordert  zur  Nachahmung  auf.         y.  Mosengeil  (Bonn). 


Kleinere  Mittheilungen. 


Pippingaköld.     Ueber  galvanische  Suturen. 

(Beitr&ge  zur  GeburtshOlfe  und  Gynäkologie  1874.  B^.  III.  Hft.  2.) 

Verf.  wandte  die  galvanische  Sutur  mit  versilbertem  Kupferdraht  gegen  zut'ei 
Fisteln  an  —  die  eine  vesico-cervical,  die  andere  Vesico-vaginal  — ,  die  beide  im 
grössten  Theil  ihrer  Peripherie  von  ausgebreiteter  Narbentextur  umgeben  und  früher 
ohne  Erfolg  mittelst  gewöhnlicher  Metallsuturen  operirt  worden  waren.  Wegen 
der  näheren  Details  und  einiger  sich  daranschliessenden  Galvanometer-Experimente 
ist  auf  das  Original  2U  verweisen.  Leopold  (Leipzig). 

N.  Eck.     Die  Tracheotomie  bei  Opium  Vergiftungen. 

(Sitzung  der  Gesellschaft  russischer  Aerzte  am  16.  Decbr.  1874,  russisch.) 

Im  Sommer  1871  hatte  E.  einem  Fat.  mehrere  Kehlkopfspolypen  entfernt.  Es 
war  nur  eine  letzte,  bei  der  Exspiration  sich  stetig  in  der  Stimmritze  einklemmende 
Geschwulst  zurOckgeblieben.  Um  auch  diese  zu  entfernen,  wurde  zunächst  die  locale 
Anästhesie  durch  Pinselungen  mit  Morph,  acet.  angestrebt.  Im  Ganzen  mochten 
hierzu,  nach  der  Schätzung  des  Operateurs,  0,15 — 0,2  grm.  Morphiumsalz  verbraucht 
worden  sein,  während  Fat.  die  Nacht  vorher  etwa  0,15  gr.  Opium  innerlich  gegen 
den  quälenden  Husten  genommen  hatte.    Eine  Viertelstunde  nach  der  letzten  Be- 


Centralblait  fOr  Chiruigie.    No.  7.  109 

pinselung  wurde  Fat.  in  so  hohem  Grade  asphyktisch,  dass  E.  statt  lur  Polypex- 
stirpation  zur  Tracheotomie  schreiten  musste.  Die  consequente  Anwendung  der 
künstlichen  Kespiration  w&hrend  3  Stunden  ergab  nur  ein  kurz  dauerndes  Erwachen 
des  Pat.  Die  Manipulationen  mussten  weitere  IV2  Stunden  fortgesetzt  werden,  bis 
es  unter  fernerer  Anwendung  von  etwa  6—7  milligr.  Atropin  und  Ton  verschiedenen 
Excitantien  gelang,  den  Vergifteten  dauernd  in's  Leben  zurückzurufen.  —  E.  glaubt 
dass  die  hier  im  Kehlkopf  von  den  vorherigen  Operationen  zurQckgebliebenen  Gra- 
nuladonsflächen,  als  epithellose  Flächen  die  intensive  Resorption  des  Morphium 
begünstigt  haben,  und  warnt  daher  vor  zu  energischen  Bepinselungen  bei  obigen 
Verhältnissen  der  Elehlkopfschleimhaut. 

Der  2.  Fall  betraf  eine  22jahr.  Frau,  die  in  selbstmörderischer  Absicht  30  grm. 
Tinct  Opii  simpl.  (n.  d.  russischen  Pharmakopoe)  zu  sich  nahm.  —  E.  führte  die 
Tracheotomie  31/2  Stunden  nach  Eintritt  der  Vergiftung  aus ;  hierauf  wurde  w&hrend 
51/2  Stunden  die  künstliche  Respiration  bei  der  tief  Narkotisirten  in's  Werk  gesetzt. 
Jetzt,  9  Stunden  nach  Beginn  der  Asphyxie  trat  Tetanus  aller  Muskeln  des  Kör- 
pers ein  und  machte  die  methodischen  Compressionen  des  Thorax  unmöglich.  Es 
wurde  daher  zum  Einblasen  der  Luft  direct  in  die  Trachealkanüle  mit  Hülfe  eines 
Blasebalges  geschritten.  5  Stunden  dauerte  der  Tetanus  mit  12  bis  13  unvollstän- 
digen Remissionen,  auf  die  jedesmal  um  so  heftigere  Exacerbationen  folgten.  End- 
lich 17  Stunden  nach  Anfang  der  Narkose  kehrte  das  Bewusstsein  völlig  wieder, 
nachdem  Fat.  während  der  ersten  10  Stunden  leblos  wie  eine  Leiche  dagelegen 
hatte.  —  Verf.  empfiehlt,  mit  Recht  auf  obige  Fälle  fussend,  die  Eröffnung  der 
Trachea  mit  nachfolgender  consequenter  Anwendung  der  künstlichen  Respiration  als 
Hauptrettungsmittel  im  asphyktischen  Stadium  der  Morphiumvergiftung. 

E.  Pawloff  (St.  Petersburg). 

H.  Qsrke  (Worcester).     Suigical  treatment  of  empyema. 

(The  Boston  med.  and  surg.  Journal  1874.  Vol.  XCI.  No.  7.) 

In  einem  vor  der  Massachusetts  Medical  Society  gehaltenen  Vortrage  schliesst 
sich  Verf.  in  Bezug  auf  Indicationen  und  Behandlung  des  Empyems  den  bekann- 
ten Ansichten  von  Lebert  und  Kussmaul  u.  A.  an.  Aspiration  des  Pleurain- 
halts,  zum  Theil  zur  Feststellung  der  Diagnose  als  erster  Act ;  nach  Wiederansamm- 
lung  des  Exsudats  freie  Incision  der  betreffenden  Thoraxhöhle  mit  folgender 
Drainage  und  antiseptischen  Ausspülungen.  Als  Ort  der  Incision  wird  der  tiefste 
Pnnctder  Pleurahöhle  in  der  Rückengegend  (nach  Bowditch),  oder  bei  geschwäch- 
ten Patienten  der  Vorschlag  KussmauTs,  im  5.  oder  6.  Intercostalraum  in  der 
Mitte  zwischen  Axillar-  und  Mammillarlinie  zu  incidiren,  acceptirt.  In  dieser  Weise 
behandelte  er  5  Fälle  von  Empyem,  2  Männer  (einer  28  J.  alt,  beim  andern  war  das 
Alter  nicht  angegeben),  ein  4jähr.,  ein  SVsjähr.  Mädchen  und  eine  28jähr.  Frau.  In 
jedem  Falle  hatte  sich  der  Eiter  nach  1,  resp.  2maliger  Aspiration  vneder  ange- 
svnmelt  und  es  wurde  eine  permanente  Oeffnung  angelegt.  In  allen  Fällen  günsti- 
ges Resultat,  nur  das  31/3 jähr.  Mädchen  starb  an  hinzugetretenem  Erysipel.  In  einem 
Falle,  in  dem  zur  Desinfection  eine  Lösung  von  2  Theelöffel  Acid.  carbol.  auf 
1  Pinte  Wasser  und  1  Unze  Glycerin  (die  gewöhnl.  Dose  war  1  Theel.  Säure  auf 
dieselbe  Quantität  Wasser  und  Glycerin)  genommen  war,  färbte  sich  der  Urin  beim 
Stehen  ganz  schwarz;  da  sich  jedoch  sonst  keine  üblen  Symptome  zeigten,  wurde 
(Ueielbe  Säurelösung  zur  Desinfection  weiter  gebraucht.  Die  Kinder  wurden  zur 
Operation  leicht  chloroformirt.  Im  letzten  Falle,  bei  der  2Sjähr.  Frau,  wurden  an 
Stelle  von  Leinwandwieken  2  Kautschukröhrchen ,  wie  zu  erwarten  stand,  mit 
gutem  Resultat  in  der  Incisionswunde  befestigt  und  die  Pleurahöhle  durch  das  eine 
Uigespritst,  während  die  injicirte  Flüssigkeit  init  dem  Eiter  durch  das  andere  ab- 
flo«.  Hierauf  wurden  die  Röhrchen  mit  Holzzäpfchen  verstopft.  Seinen  5  Fällen 
^htC.  4  in  ähnlicher  Weise  von  Dr.  Blake  aus  Boston  behandelte  und  im  selben 
Joamal  (June  5,  1873)  besprochene  Fälle  an,  welche  letztere  sämmtlich  gut  ver- 
Weo,  80  dass  auf  9  Fälle  nur  1  Todesfall  (durch  hinzugetretenes  Erysipel)  kommt. 

At  Borger  (London). 


HO  Centralblatt  fftr  Ohirurgie.    No.  7. 

Amory.    Traitement  des  r^tricissements  de  Turdthre  par  la  galvano— 

cauBtique  cliimique. 
(Archives  m^dlcales  beiges  1874.  No.  11.) 

Seitdem  Tripier  gefunden  haben  will,  dass  die,  bei  der  Elektrolyse  leicht  zer- 
setzlicher  Sabslösungen  [Quecksilberjodür  und  -Jodid,  Chlorsilber],  an  dem  negativen 
(alkalischen)  Pol  einer  galvanischen  Kette  bewirkte  Cauterisation  von  Geweben 
sehr  gute,  nämlich  sog.  weiche,  nicht  retractile  Narben  gebe,  wendet  M a  1 1 e z 
in  seiner  Klinik  zu  Paris  diese  (verbesserte  Ciniselli'sche)  Methode  zur  Besei- 
tigung von  Hamröhrenstricturen  mit  günstigstem  Erfolge  an.  Er  bedient  sich  dazu 
einer  sondenförmigen  Electrode  aus  gedrehten  Metallfäden,  welche  nach  Art  eines 
Mandrins  in  einer  GummihOlse  steckt  und  vorn  mit  einem  cylindrischen  Metallknopf 
versehen  ist.  Während  nun  die  positive  Electrode  einer  genügend  starken  galva- 
nischen Batterie  (etwa  15^18  Üantells)  auf  den  angefeuchteten  Oberschenkel  ge- 
setzt ist,  wird  die  negative  Electrode  in  die  Harnröhre  eingeführt  und  nach  Schloss 
der  Kette  langsam  vorgeschoben.  Sobald  die  Gummihülse  sich  bequem  über  den  Son- 
denknopf hinüberschieben  lässt,  ist  die  Strictur  beseitigt  und  die  Operation  beendet. 

Eine  Nachbehandlung  ist  kaum  erforderlich,  das  Verfahren  angeblich  sehr 
wenig  schmerzhaft.    Becidive  sind  bisher  nicht  beobachtet. 

Am.  Hiller  (Berlin). 

Van  Buren.     Plea  for  the  trcatment  of  the  cousequences  of  obstruc- 
tive enlargement  of  the  prostate  by  early  use  of  the  catheter. 

(New  York  med.  Journal  1874.  July.  No.  112.  p.  1.) 
Verf.  bespricht  die  bekannten  unmittelbaren  und  secundären  Folgezustäiide 
der  Prostatahypertrophie  und  hebt  unter  den  letzteren  namentlich  die  Steinbildung 
hervor;  es  sind  in  der  Regel  einfache  Phosphatsteine,  welche  in  der  Blase  selbst 
entstehen,  zuweilen  enthalten  dieselben  als  Kern  einen  kleinen  Harnefturäfttein, 
welcher  aus  den  Nieren  stammt  und  wegen  der  Harnröhrenverengerung  in  der  Blase 
liegen  bleibt.  In  Betreff  der  Therapie  gilt  die  Erfolglosigkeit  einer  medicamen- 
tösen  Behandlung  für  erwiesen  (die  Heine'schen  parenchymatösen  Jodinjectionen 
scheinen  dem  Verf.  nicht  bekannt,  Ref.)  und  es  ist  daher  nach  der  Erfahrung  dea 
Verf. 's  das  einzig  rationelle  Mittel,  um  den  gefahrvollen  Consequenzen  der  Prostata- 
hypertrophie vorzubeugen,  welche  sich  alle  auf  die  behinderte  Urinentleerung  zu- 
rückführen lassen,  die  frühzeitige  und  consequente  Application  des  Katheters.  Man 
soll  mit  dem  Katheterisiren  beginnen,  sobald  sich  Urinbeschwerden  einstellen  und 
damit  für  immer  ganz  regelmässig  fortfahren,  ohne  wieder  das  Uriniren  auf  natür- 
lichem Wege  zu  versuchen.  Gegenüber  den  gegen  dieses  Verfahren  geltend  ge- 
machten Einwendungen  vindicirt  Verf.  der  Harnröhre  einen  hohen  Grad  von  Toleranz 
gegen  instrumenteilen  Contact,  so  dass  das  Katheterisiren,  nach  einer  vorgängigen 
allmäligen  und  systematischen  Angewöhnung,  je  länger  um  so  besser  vertragen 
werde.  Zum  Beweise  führt  Verf.  solche  Fälle  aus  seiner  Beobachtung  an,  wo  Patien- 
ten bis  über  20  Jahre  lang  bei  bestem  Wohlbefinden  sich  beständig  selbst  kathe- 
terisirten  und  versichert,  in  zahbeichen  Fällen  von  der  fortgesetzten  Anwendung 
des  Katheters  niemals  wirklichen  Nachtheil  beobachtet  zu  haben. 

P.  Brims  (Tübingen). 
Th.  Annandale  (Edinbuigh} .     Schwere  Erscheinungen  eines  Nieren- 
Steins^  durch  inexplorative  Incision  geheilt. 
(British  med.  Journal  1874.  p.  768.) 
Bei  einer  Frau,  welche  die  Erscheinungen  einer  Steinkrankheit  der  linken  Niere 
darbot,  legte  A.  unter  Spray  die  linke  Niere  und  Urether  durch  einen  7"  langen 
Schnitt  bloss.    Da  kein  Stein,  noch  anderweitige  Abnormitäten  sich  fianden,  wurde 
die  Wunde  vereinigt  und  streng  antiseptisch  verbunden.    3  Tage  bestand  UebeU 
keit  und  längere  Zeit  gutartige  Eiterung ;  vom  4.  Tage  an  blieb  die  Frau  dauernd 
von  ihren  Schmerzen  frei.  —  (Wenn  A.  somit  ausführte,  was  er  1869  für  supponirte 
Nierensteine  empfahl,  so  dürfte  ein  solches  Vorgehen  doch  nicht  als  »energischer 
Gegenreiz«,  als  gesetzmäsftigfe  Handlungsweise  hingestellt  werden.   Ref.) 

Für  (Stettin). 


^  Centralblatt  fQr  Chirurgie.     No.  7.  Hl 

y.  MiBOR  und  O^B.  Koaght.     9  Steinoperationen. 

(British,  med.  Journal  1874.  p.  812.) 
Die  Arbeit  enthält  einen  Bummarischen  Bericht  über  die  9  in  Wolrerhampton- 
Staffbrdishire-Spitale  1874  verrichteten  Steinoperationen,  welche  mit  denen  der  3 
froheren  Jahre  40  betragen,  mit  nur  einem  Todesfalle.  Stets  wurde  in  der  Nar- 
kose auf  eingeführter  Steinsonde,  ohne  Torherige  Füllung  der  Blase,  der  Sei- 
tensteinschnitt  gemacht;  der  Stein  selbst  mit  linkem  Zeigefinger  und  Steinlöffel, 
resp.  Zange  entfernt.  Das  Alter  der  Operirten,  von  denen  J.  8  operirte,  betrug 
2  Mal  3  und  5  J^ire,  sonst  4,  ^%  22,  48  Jahre ;  der  kleinste  Stein  wog  3  Gfarui, 
der  grösate,  dem  22jährigen  gehörig,  1200  Qran  und  bestand  bei  den  Kindern 
stets  aus  reiner  Harnsäure,  bei  dem  2^  ährigen  Fat.  aus  oxalsaurem  Kalk,  bei  dem 
48j2hrigen  der  Kern  aus  Harnsäure  mit  einem  Mantel  aus  Fhosphaten.  (Auf  den 
etwaigen  Einfluss  des  Aufenthaltsortes  und  die  Lebensweise  ist  im  Berichte  nicht 
eingegangen.  lief.)  Soweit  sich  die  Zeitdauer  der  Steinbeschwerden  ermitteln 
liess,  schwankte  sie  von  4  Monaten  bis  zu  12  Jahren.  Plls  (Stettin). 

A.  Jansen.     Observation  de  myosite  suppnr^e. 

(Archives  m6dicales  beiges  1874.  No.  12.) 

Bei  einem  Cavalleristen  war  nach  angestrengten  körperlichen  Üebungen^  unter 
Rheumatismus  ähnlichen  Anfangen,  eine  acute  Entzündung  und  Abscedirung  im  Be- 
reiche der  rechten  Mm.  pectoralis  major,  Coraco-brachialia  und  Latissimus  dorsi 
aufgetreten.  Trota  frühzeitiger  Incisionen  hohes  Fieber  und  kursdauernde  septacä- 
mische  Erscheinungen,  welche  mit  Acid.  carbolic.  innerlich  (0,3:200)  erfolgreich 
bekämpft  wurden.  Auch  die  nachfolgende  bedeutende  Muskelatrophie,  bei.  Nar- 
benschrumpfung wurde  durch  Massage,  Gymnastik  und  Elektricitat  überwunden. 

Verf.  hAlt  es  für  erwiesen,  dass  bei  der  Myositis  die  Muskelfaser  selbst  'sich 
entzünden  und  vereitern  könne.  Am»  Hiller  (Berlin) . 

Haas«  Angeborene  Verrenkung  des  rechten  Unterschenkels  nach  vorne. 
(Arch.  fCa  klinische  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  3.  p.  492.) 

Der  Unterschenkel  des  am  19.  Septbr.  1872  geborenen  Knaben  stand  bei  ge- 
strecktem Hüftgelenk  im  Kniegelenk  so  nach  vorne  und  oben,  dass  er  einen  nach 
der  Streckseite  offeneui  dem  rechten  sich  nähernden  Winkel  bildete.  Durch  leich- 
ten Druck  konnte  man  bei  Beugung  des  Hüftgelenks  die  Zehenspitzen  auf  die  Brust 
legen.  Die  wohl  überknorpelten  Gelenkflächen  der  Tibia  lagen  auf  der  Vorder- 
fliche  der  Femurepiphyse  (luzatio  cruris  praefemoralis  erecta),  die  Patella  fehlte 
ganz  und  der  Tensor  cruris  quadriceps  inserirte  sich  direct  an  die  Tibiatuberosität. 
Xach  Beposition  der  Verrenkung  liess  sich  die  normale  Beugung  im  Kniegelenk 
passiv  ausführen.  Sobald  man  aber  den  Unterschenkel  losliess,  kehrte  er  durch 
den  Zug  des  Quadriceps  sofort  in  seine  Luxationsstellung  zurück. 

Ein  durch  6  Wochen  belassener  Oypsverband  nutzte  wenig,  indess  wurde 
späterhin  das  Gehen  durch  eine  Lederkappe  mit  entsprechendem  Stützapparat  er- 
m(^licht. 

Aehnliche  Verrenkungen  flnden  sich  bisher  nur  4  Mal  beschrieben,  doch  war 
in  dreien  der  4  Fälle  die  Patella  gut  entwickelt  und  die  mechanische  Behandlung 
bei  Weitem  wirksamer  als  in  dem  eben  referirten.  Wllh.  Koch  (Berlin). 

Luis  MnnoB.     Keilförmige  Resection  der  linken  Tibia  in  der  Con- 

tiuuität. 
(£1  Anfiteatro  anatomico  espaiiol  1874.  No.  35.  p.  141.) 
Bin  24 jähr.  Mann  hatte  vor  IV2  Jahren  eine  Fractur  des  linken  Unterschenkels 
erlitten.  Auch  war  über  dem  Bruch  eine  Wunde  der  Weiohtheile  vorhanden.  Der 
Brach  wsr  geheilt,  aber  mit  einer  derartigen  Difformität,  dass  die  Tibia  im  unteren 
Drittel  von  der  Medianlinie  des  Körpers  weg  nach  aussen  geknickt  erschien  und 
der  Foss  nur  mit  dem  Innenrand  der  grossen  Zehe  den  Boden  berührte.  Die  Be> 
wegüchkeit  im  Tibio-Tarsalgelenk  war  frei.  Wegen  Unmögliahkeit  des  Gehens  liess 


112  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  7.  ^ 

sich  Fat.  in  das  Hospital  San  Andres  zu  Mexico  aufnehmen.  Da  die  vorgeschlagene 
Amputation  nicht  acceptirt  wurde,  so  resecirte  M.  einen  £.eil  aus  der  winklig  ver- 
heilten Tibia,  anscheinend  mit  glücklichem  Ausgang.  Er  h&lt  jedoch  solche  Ein- 
griffe nur  bei  Abwesenheit  von  constitutionellen  Affectionen  [Krebs,  Scrophulose, 
Syphilis)  für  zulässig,  weil  sonst  gefährliche  Ostitiden  auf  derartige  Operationen 
zu  folgen  pjQiegen.  In  Mexico  soll  obige  Operation  noch  nie  frQher  ausgeführt 
worden  sein.  Ullersperger  (München). 

Annandale,     Unvereinigte  Fractur  der  Yorderarms;  Absägung,  Kno- 

chennath. 
(British  med.  Journal  1875,  p.  30.) 

Bei  einer  durch  Maschinenverletzung  entstandenen,  complicirten  Fractur  des 
Vorderarms  war  nach  Necrotisirung  eines  grösseren  Stücks  der  Ulna  eine  geringe 
Beweglichkeit  an  der  Bruchstolle  des  Kadius,  eine  bedeutendere  an  der  der  Ulna 
zurückgeblieben!  so  dass  der  Arm  wenig  brauchbar  und  Pro-  und  Supination  fast 
aufgehoben  war.  6  Monate  nach  dem  Unfälle  wurden  am  27.  Juni  1873  unter 
Lister' sehen  Vorsichtsmassregeln  dem  29jährigen  Manne  zuerst  die  bereits  abge- 
rundeten, atrophischen,  durch  breite,  ligamentöse  Masse  verbundenen  Bruchenden 
der  Ulna  abgesägt,  dann  die  ligamentösen  Stränge  zwischen  Ulna  und  Radius  ge- 
trennt und  endlich  aus  dem  Radius  die  Bruchstelle  nebst  anliegender  Partie  so 
weit  ausgesägt,  dass  die  Ulna -Enden  (IV2"  Ulna  fehlte)  genau  adaptirt  wer- 
den konnten.  Zwei  Knochennäthe  aus  starkem  Silberdraht  sicherten  die  Verbin- 
dung und  wurden,  da  sie  am  3.  Juli  schon  lose  waren,  von  Neuem  zusammen- 
gedreht; die  definitive  Lösung  erfolgte  am  3.  und  13.  Augast  (Ulna).  8  Wochen 
später,  der  Kranke  hatte  seit  6  Wochen  das  Spital  verlassen  —  zeigten  sich  die 
Knochen  fest  vereinigt,  die  Pro-  und  Supination  war  in  beschränktem  Masse  vor- 
handen; die  Kraft  und  Brauchbarkeit  des  Arms  um  Vieles  besser,  als  früher. 

A.  machte  darauf  aufmerksam,  dass  in  diesem  Falle  der  Defect  der  Ulna  und 
die  Adhäsionen  am  Radius  die  Operation  erschwerten,  und  dass  es  in  manchen 
Fällen  von  frischen  Vorderarm- Fracturen  gerathen  erscheinen  möchte,  die  stark 
diclocirten  Bruchenden  nach  der  Reduction  durch  die  Knochennath  in  ihrer  guten 
Lage  zu  erhalten.  Pils  (Stettin). 

m 

L.    LevBohin    (Kasan).     Vorschrift   zur   Bereitung   von   künstlichem 

Kuh-Kumys. 
(Bert.  klin.  Wochenschrift  1874.  No.  39.) 
Verf.  hat  bei  Patienten,  die  durch  chronische  Eiterungen  sehr  herunterge- 
kommen waren,  und  bei  Beconvalescenten  nach  langwierigen,  malignen  Erysipelen 
mit  oben  genanntem  Präparat  gute  Erfolge  erzielt.  Diarrhöen  wurden  dadurch  in 
den  angeführten  Fällen  beseitigt,  die  Ernährung  gebessert.  Das  Getränk  enthält 
ein  geronnenes,  durch  mechanisches  Schlagen  ausserordentlich  fein  zertheiltes  Caseln, 
viel  Kohlensäure  und  gewisse  Quantitäten  Alkohol,  wird  besser  vertragen  als  Milch 
(3—6  Flaschen  täglich)  und  ist  viel  billiger,  als  Stuten-Kumys.  Die  Erzeugung  ge- 
schieht durch  Einwirkung  eines  aus  Kumys,  Milchzucker  und  Milch  (diese  muss 
gut  abgerahmt  sein)  bereiteten  Fermentes  auf  ebenfalls  gut  abgerahmte  Milch  bei 
Wärme  und  wiederholtem  Schlagen  der  Mischung.  v«  Mosengeil  (Bonn). 


Berichtigung: 
6.  40  lies  überall  fk  slati  Um. 


Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Sepafatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H,  TillmoMM^  Leipzig,  Marlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshaudlang, 
BreiOsopf  und  HärM,  einsenden.  * 


Dmck  und  Verlag  Ton  Breitkopf  und  HIriel  ia  Leipzig. 


Gentralblatt 


fOr 


CHIRURGIE 

heraasgegeben 

Ton 

Dr.  L  Leser,  Dr.ft ScMe,  Dr.  E  Tillnaii 

in  B«rUn.  in  Halle  ».  8.  in  IMptikg. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöehenüich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prir 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


VI  8.  Sonnabend,  den  20.  Febmar.  1875. 


Inhalt:  Bldder,  Auch  einige  Worte  über  den  Mechanismos  der  Brucheinklemmang. 
fOrigioal-Mittheilang.) 

IvtrSM,  PiosUtshypeitrophie.  —  Reyhor,  List  er 'sehe  Wundbehandlung.  — <  Landatt, 
Aetiologie  der  Wnndkrankhelten.  -*  Clement,  Behandlung  der  Diphtheritis.  —  Pettert, 
Klebe  I  Lymphonbagie  und  Lympbanglektasie.  —  Rauber,  Gohaesion  der  Knocben.  — 
Jafetbo,  Reprodoction  der  Knochen  nach  subperiostaler  Resection.  —  Zenker,  Tödtllcbe 
Pancreasblutung.  —  LaptSChlntki ,  Blntkorpercbenzählung  bei  einem  Recurrenskranken. 
—  item,  Lammbluttransfusion  bei  Phthisis.  —  Rlchardton  f  Purpura  haemorrhaglca.  — 
firWInl,  Liehen  syphiliticus. 

Heike,  Chlonlintoxication.  —  DnbOlt,  Zur  Jodbehandlung.  —  Halfter,  Dermoide.  — 
Mreeliberf,  Homhauttumor.  —  Barwell,  Zwei  FUle  von  Reflexwirkung.  —  Mignot,  Ex- 
ttaction  der  Fremdkörper  im  Oesophagus.  •—  Beck,  Ampntationsneurosen.  —  Humby, 
Ukeration  der  Blase.  —  Mmarqnay,  Status  algidus  bei  eingeklemmten  Hernien.  — 
Trilti,  Nasenpolypen.  —  Tlllaux,  Instrument  fQr  Recto-Yaginalflsteln.  -^  Annandalt, 
Behandiong  der  Urethralstiicturen.  —  Draper,  Intrauterine  Injectionen  bei  Haemorrha- 

gleen.  —  Arthur,  Fall  von  Hauthorn. 


Auch  einige  Worte  über  den  Mechanismus  der 

Brucheinklemmung. 

Von 
Dr.  Alfred  Bidder  in  Mannheim. 

Eine  kleine  Arbeit  von  mir^  in  der  ich^  gestützt  auf  Experi- 
mente am  menschlichen  Darm,  nachzuweisen  suche,  dass  die  Ro- 
ser'sche  Ansicht  über  den  Modus  der  Brucheinklemmung  die  einzig 
richtige  ist,  befindet  sich  bereits  im  Druck  und  wird  im  Archiv  für 
kUn.  Chirurgie  Bd.  XVIII.  Heft  2  erscheinen.  Da  ich  nun  nachträg- 
lich gesehen  (Centralbl.  f.  Chiruigie,  1875,  No.  3  u.  4)  dass  L es- 
sen seinen  Standpunct  geändert  hat,  und  der  Roser' sehen  Lehre 
nmter  gewissen  Umständen  a,  wenn  auch  noch  reservirt  und  verclau- 
lulirt  beigetreten  ist  und  da  femer  Professor  Roser  eine  Demon- 

8 


114  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  8. 

stration  seiner  Experimente  ^r  den  näcbsten  Cbiruigencongress 
(Centralbl.  für  Chirurgie,  1875,  No.  6]  in  Aussicht  stellt,  so  möchte 
ich  mir  erlauben  hier  kurz  die  Resultate  meiner  Experimente  zusam- 
meneufitellea. 

Der  Einfluss  der  relativen  Weite  der  Bruchplbrte  scheint 
mir  bisher  zu  wenig  betont  worden  zu  «ein.  Eine  Brucheinklem- 
mung tritt  überhaupt  nur  ein  bei  absolut  oder  relativ  zu  enger  Bruch- 
pforte und  unter  letzterer  verstehe  ich  eine  solche,  die  anfangs  weit 
(ca.  2  Cm.  im  Durchmesser)  durch  plötzliches  Eintreten  von  Weich- 
Üieilen  (Mesenterium,  Netz  etc.)  so  eng  wird,  dass  sich  der  Inhalt 
der  Bruchschlinge  nicht  wieder  zurückdrücken  lässt.  Das  Hindemiss 
der  Reposition  liegt  stets,  wie  ich  gefunden  habe,  in  einer  Com- 
pression  oder  engen  Stenosirung  beider,  zur  Bruchschlinge 
führender,  Darmschenkel,  bei  gleichzeitiger,  wenn  auch  geringer, 
Füllung  der  Schlinge  mit  Luft,  oder  Wasser  oder  dickem  Brei. 

Den  bei  der  Stenose  herbeigeführten  Verschluss  kann  man  sehr 
wohl  einen  klappenartigen  oder  ventilähnlichen  etc.  nennen,  da  die 
tnhaltsmasse  das  Darmrohr  dicht  vor  der  Stenose  nach  allen  Seiten 
auszudehnen  sucht,  wodurch  die  im  Bruchring  aneinanderliegenden 
gefalteten  Darmwände  nur  um  so  stärker  aufeinander  gedrückt  wer- 
den, ^ur  wenn  die  schlaffe  Darmwand  jenseits  der  verengten  Stelle 
eben  so  stark  gespannt  wird,  kann  unter  Umständen  das  Aneinander- 
liegen  der  Darmwände  aufgehoben  und  der  »klappenartigeoc  Verschluss 
beseitigt  werden. 

Ein  Einfluss  der  Abknickung  des  Darmes  auf  das  Zustandekom- 
men der  Einklemmung  lässt  sich  nicht  constatiren;  wo  das  der  Fall 
zu  sein  scheint  kann  man  die  Verhältnisse  leicht  auf  Compression 
oder  Stenosirung  reduciren. 

Eine  Einklemmung  nach  Lossen,  also  dadurch,  dass  der  gefüllte 
zufährende  Schenkel  den  abführenden  in  der  Bruchpforte  comprimirt 
kommt  niemals  vor  —  es  sei  denn,  dass  sich  ein  sehr  hartes  Koth- 
stück  innerhalb  des  Darmrohres  in  der  Bruchpforte  einkeilt;  ein 
Fall,  von  dem  man  wohl  füglich  ganz  absehen  kann.  Das  Los- 
sen'sclie  Experiment  gelingt  nur,  wenn  man  nach  Füllung  der 
Bruchschlinge  und  des  i^führenden  Scheükels  den  letzteren  nicht 
weit  hinter  der  Bruchpforte  (also  in  der  Bauchhöhle)  comprimirt,  so 
dass  sein  das  Lumen  stark  füllender  Inhalt  nicht  abfliessen  kann. 
Man  muss  zu  dem  Zweck  also  ausser  dem  Bruch  noch 
eine  innere  Einklemmung  darstellen,  d.  h.  auf  einer  Basis  ex- 
perimentiren,  die  den  gewöhnlichen  physiologischen  Verhältnissen 
nicht  entspricht. 

Der  Versuch  muss  wohl  in  folgender  Weise  angestellt  werden: 
Man  ziehe  eine  Schlinge  vom  untersten  Ende  des  Ileum  durch  eine 
relativ  weite  Bruchpforte  —  nur  bei  weiter  Pforte  lässt  sich  über- 
haupt eine  Compression  des  abführenden  Schenkels  durch  den  ge- 
füllten zuführenden  herbeiführen  —  und  fülle  nun  den  in  der  Bauch- 
höhle liegenden  übrigen  Darm  vom  Duodenum  aus  mit  einer  dicken 


Centralblatl  ft!r  Chinirgie.     No.  8.  tl5 

Bredmaase^  was  alleidiik^  et^as  Geduld  erfordert,  d^  sich  die  Ibisse 
BOT  seist  langsam  fortbewegt,  auch  wenn  man  sie  unter  hohem  Druck 
einströmen  läset.  Hat  sich  nun  der  ganze  Darm  und  die  Schlinge 
gefüllt,  so  flieset  allerdings  durch  den  ausföhrenden  Schenkel  nichts 
ab,  aber  —  es  genügt  dne  nur  leichte  Coinpression  der  gefällten 
BmchseiiKnge^  um  dea  ganzen  Inhalt  wieder  dutoh  den  zuführenden 
Schenkel  in  die  Bauchhöhle  zurückzudrückevi.  Auf  demselben 
Wege^  auf  dem  er  gekommen  war,  entleert  sich  also  der 
Inhalt  wieder,  zum  Beweise,  dass  auf  solche  Weise,  trotz  der 
herbeigezogenen  »Reibungftwiderstände«  dicker  Kodmiassen  etc.  eine 
Einklemmung  nicht  eintritt,  auch  nicht  einmal  das  geringste  Repo- 
sitionshindemiss. 

Ich  glaube  es  daher  wohl  aussprechen  zu  dütfen,  dass  eine  Ein- 
klemmung durch  starke  Füllung  des  zufuhrenden  Schenkels  niemals 
oder  nur  in  ganz  ausserordentlichen  FfiUen,  d.  h.  bei  gleichzeitiger 
innerer  Einklemmiqig  vorkommt,  dass  dagegen  die  Ansicht  Roser's 
über  den  Mechanismus  der  Brucheinklemmung  gesicherter  und  fester 
dasteht,  als  je. 

Die  nähere  Auseinandersetzung  und  Begründung  des  eben  Mit- 
getheilten  folgt  an  einem  anderen  Orte. 

Weil  der  Streit  gerade  in  diesem  Blatte  so  lebhaft  geführt  wor- 
den ist,  glaubte  ich,  mir  ebenfalls  an  dieser  Stelle  einige  Worte  über 
denselben  Gegenstand  gestatten  zu  dürfen. 

Mannheim,  den  6.  Febr.  1875. 


A.  Iversen:  Hypertrophia  prostatae. 

Monogpn^isch  dargestellt. 
Kopenhagen  1874.  (155  Seiten). 

Der  Verf.  behandelt  sein  Thema  sowohl  von  der  pathologisch- 
anatomischen als  von  der  klinischen  Seite;  jedoch  berücksichtigen 
seine  selbständigen  Untersuchungen  besonders  die  erstere.  Zum  Ver- 
gleich führt  er  dabei  die  Untersuchungen  von  Henry  Thompson  und 
Messer  an  (im  Ganzen  105  Prostatahypertrophien  nach  dem  36.  Jahre). 
Der  Verf.  selbst  hat  203  Prostatae  bei  Individuen  zwischen  dem  36. 
und  Sd.  Jahre  untersucht  und  führt  das  Resultat  unter  den  fol- 
genden Rubriken  an:  Alter  des  Patienten,  Gewicht  und  Breite  des 
Oigan«,  Länge  der  pars  prostatica  urethrae,  Dicke  der  portio  inter- 
media und  Grösse  des  Diameter  antero-posterior.  Von  den  untersuchten 
203  Personen  hatten  64  pathologisch  veränderte  Prostatae,  und  zwar 
&nd  sich  3  Mal  Krebs  ^  61  Mal  Hypertrophie  derselben  vor.  Bei 
den  l^zteren  werden  die  Stellung  des  Patienten,  die  Todesutsache, 
die  Symptome,  der  Zustand  der  Blase,  der  Ureteren  und  der  Nieren, 
und  sehliesslioh  die  Form   der  Hypertrophie  und  die  mikroskopische 

8* 


116  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  8. 

Diagnose  angeführt.  Der  Verf.  giebt  die  Häufigkeit  der  Hypertro- 
phie bei  Individuen  über  60  Jahren  auf  59,7  ^^  bei  Individuen  über 
36  auf  27,2^  an.  Hypertrophie  der  beiden  Seitenhälften  wurde 
bei  40,4  ^  beobachtet;  Hypertrophie  aller  Lappen  wird  zu  26,9  ^, 
isolirte  Hypertrophie  der  portio  intermedia  zu  7,7  ^  angegeben; 
am  seltensten  kommt  die  isolirte  Hypertrophie  eines  Seitenlap- 
pens  vor.  Für  die  übrigen  25^  ist  die  Diagnose  nicht  speci- 
fidrt,  und  diese  sind  nur  mit  dem  Namen  Hypertrophia  pro- 
statae  bezeichnet.  Bei  34,6  ^  war  die  Hypertrophie  mit  Prominenzen 
am  Orificium  vesico-urethrale  verbünden,  und  in  diesen  Fällen  &nd 
sich  immer  eine  breit  angeheftete  Basis.  Die  musculäre  Valvida  Mer- 
cier's  hat  der  Verf.  nicht  gefunden.  Der  Querschnitt  des  Ori- 
ficium war  durch  die  Prominenzen  verändert,  am  häufigsten  semi- 
lunär  oder  wie  eine  sagittale  oder  transversale  Spalte;  niemals  aber 
beobachtete  Verf.  etwas  ähnliches  bei  der  reinen  Hypertrophie  der 
Seitenhälften.  Eine  Elevation  des  Orificiums  nimmt  er  nicht  an, 
wohl  aber  Verschiebungen  bei  gleichbleibendem  Niveau  und  dann 
vorzugsweise  nach  vorne.  Nach  der  mikroskopischen  Untersuchung 
werden  die  Prostatavergrösserungen  in  difiuse  Hjrpertrophieen  und 
Tumoren  getheüt.  Die  erstem  sind  entweder  rein  myomatöse  Hy- 
perplasieen  oder  eine  Mischung  der  myomatösen  mit  der  glandulären 
Form.  In  derselben  Weise  sind  die  Prostatatumoren  entweder  reine 
Miyome  oder  Myoadenome. 

Als  die  Hauptursache  der  Prostatahypertrophie  vnrd  die  mecha- 
nische Irritation  durch  Prostataconcremente  betrachtet,  denn  diese 
werden  immer  in  grösserer  Menge  bei  der  hypertrophischen  Prostata 
gefunden.  —  Während  Thompson  angegeben  hat^  dass  nur  15^16  ^ 
der  Individuen  mit  Prostatahypertrophie  krankhafte  Symptome  zeigen, 
haben  die  Untersuchungen  des  Verf.  solche  Symptome  bei  40,3^ 
nachgewiesen.  Einen  anatomischen  Unterschied  zwischen  Hypertro- 
phieen  mit  Symptomen  und  solchen  ohne  dieselben  hat  Verf.  nicht 
gefunden. 

Eine  partielle  chronische  Retentio  urinae  bildet  das  Initialsymp- 
tom. —  Der  plötzliche  Uebergang  derselben  in  eine  vollständige  soll 
von  einer  Exacerbation  der  chronischen  Inflammation  am  Orificium 
intemum  mit  darauf  folgendem  Oedem  herrühren.  Incontinenz  ent- 
steht lediglich  durch  Ueberlaufen  des  Urins  bei  übermässig  gefällter 
Blase. 

Wenn  die  Section  gleichwohl  in  der  Regel  contrahirte  und  nur 
2  Mal  dilatirte  Blasen  nachgewiesen  hat,  so  erklärt  sich  dieser  an- 
scheinende Widerspruch  mit  der  klinischen  Erfahrung  durch  die 
complicirende  Cystitis,  welche  die  früher  dilatirte  Blase  zur  ener- 
gischen Contraction  gebracht  hat.  Im. Gegensatz  zu  Thompson  hat 
Verf.  bei  allen  seinen  Sectionen  von  Personen,  weichte  in  Folge  der 
Hypertrophie  gestorben  waren,  die  Nieren  und  Ureteren  constant 
leidend    gefunden    und    überwiegend    in    solchem    Grade,    dass    die 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  8.  117 

nächste  Todesursache  hier  zu  «uchen  war.     Die  Veränderungen  be- 
standen in  Dilatation  der  XJreteren  und  Hjdronephrose. 

Panlli  (Kopenhagen}, 


CReyher  (Dorpat).  Ueber  die  Lister'sche  Wiindbehandlung. 

(Arch.  f.  klinische  Chirargie  1874.  Bd.  XVn.  Hft.  4.) 

K.  hat  sich  in  dem  yon  Lister  geleiteten  Elrankenhause  persön- 
Ueh  überzeugt^  dass  es  durch  eine  systematische^  peinliche  Hand- 
habung der  antiseptischen  Yerbandmethode  möglich  ist^  jede  Putre- 
&ction,  entzündliche  Beaction  und  Eiterung  in  Wunden^  die  in  ge- 
sunden Theilen  angelegt  sind^  zu  vermeiden.  Um  die  Frage  zu  be- 
antworten^ ob  die  Lister'sche  Methode  die  accidentellen  Wundkrank- 
heiten zu  beseitigen  im  Stande  ist^  hat  R.  in  dankenswerther  Weise 
tabellarisch  die  Amputationen  zusammengestellt^  welche  Syme  in 
den  Jahren  1865— 68,  Lister  in  den  Jahren  1870 — 73  ausführten. 
Beide  Chirurgen  benutzten  dieselben  Säle;  jedoch  hatte  Syme  76^ 
Li  st  er  nur  55  Betten;  ausserdem  wurden  unter  List  er  zwei  neben 
seiner  Abtheilung  befindliche  Säle,  welche  früher  als  Beservesale  leer 
gehalten  wurden,  dauernd  mit  zusammen  16  Betten  benutzt.  Femer 
hat  Li  st  er  eine  weit  grössere  Zahl  relativ  gefährlicherer  Amputa- 
tionen ausgeführt.  Wir  verweisen  wegen  dieser  für  die  richtige  Be- 
nrtheihing  sehr  wichtigen  Einzelheiten  auf  das  Original.  —  Die 
Tabelle  I.  ergiebt,  dass  Syme  in  den  angegebenen  4  Jahren  120 
Amputationen  ausführte  mit  28  töddich  verlaufenden  Fällen  (23,3% 
Mortalität)  •  Nach  Abzug  der  Amputationen  an  Hand  und  Fuss  blei- 
ben 75  Fälle  mit  25  Todesfällen  (33,30/o)-  —  Bei  den  Todesfällen 
war  die  Ursache  unzweifelhaft  20  Mal,  wahrscheinlich 
25Mal  eine  accidentelle  Wundkrankheit:  lOMal  Pyämie, 
4  Mal  Septikämie.  —  Lister  machte  123  Amputationen  mit 
2L  Todesfällen  (17,0%)  und  zwar  nach  Abzug  der  Hand-  und  Fuss- 
amputationen  76  grössere  Amputationen  mit  20  Todten  (26,3%).  —  In 
einem  Falle  von  Fingerverletzung  war  Tetanus  die  Todesursache,  in 
keinem  der  anderen  20  Todesfälle  war  eine  accidentelle 
Wunderkrankung  die  Ursache.  Die  Tabelle  U  stellt  die  Ampu- 
tationen in  Hinsicht  atif  die  Indication  zur  Operation  zusammen;  die 
Tabellen  IH  und  IV  führen  namentlich  jeden  Todesfall  von  Syme  imd 
List  er  mit  den  näheren  Angaben  an.  Eine  V.  Tabelle  stellt  zur  Yer- 
gleichung  die  Kesultate  zuslunmen,  welche  Erichson  während  der 
letzten  3^2  Jahre  im  University  College  Hospital  in  London  erzielte: 
80  grössere  Amputationen  mit  21  Todesfällen  (26, 2%) ;  von  diesen  wurden 
▼eianlasst  durch  Pyämie  9  Falle,  1  Fall  durch  Erysipelas,  1  Fall  durch 

Tetanus. 

Maas  (Breslau). 


t  \  8  Ceolralblatt  für  Chirurgie«    No.  8. 

L.  Landau  (Breslau).    Zur  Aetiologie  der  Wundkrankheit^, 
nebst  Versuchen  über  die  Beziehungen  der  FäulniBs-Bacterien 

zu  denselben. 

(Arch.  f.  klini8che|Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  4.) 

Verf.  benutzte  die  Methode  von  Gscheidlen  und  Traube, 
"(velche  in  sorgfaltig  geglühten  Glasröhren  das  Blut  von  inücirten 
Thieren  auffingen  und  dasselbe  auf  den  Eintritt  von  Fäulniss  be- 
obachteten, um  in  gleicher  Weise  Blutproben  vop  Menschen  zu  ent- 
nehmen, welche  an  Infectionskrankheiteu  litten.  Die  beiden  oben 
genannten  Forscher  fanden,  dass,  wenn  sie  Fäulnissbacterien  enthal- 
tende Flüssigkeit  bis  zu  einer  gewissen  Menge  den  Thieren  injicirten, 
das  diesen  entnommene  Blut  nicht  faulte,  selbst  nach  Monaten  nicht, 
während  auch  die  Thiere  gesund  blieben ;  überschritten  sie  die  Menge 
der  Injectionsmasse,  so  faulte  das  den  lebenden  Thieren  entnommene 
Blut  und  die  Thiere  gingen  unter  den  bekannten  Krankbeitserscheinun- 
gen  zu  Grunde.  L.  entnahm  seine  Blutproben  erstens  einer  an 
Pyämie  erkrankten  Wöchnerin.  Das  3  Tage  vor  dem  Tode  entnom- 
mene Blut  faulte  nicht,  das  1  Stunde  vor  dem  Tode  entnommene 
Blut  faulte.  Doch  war  es  aspirirt  worden^  der  yerschlie^sende  Watte- 
pfropf war  blutig,  die  Böhrchen  wj^ren  mit  der  Haut  in  Berührung 
gekommen.  Eine  (8  Stunden  nach  dem  Tode  entnommene  Blutprobe 
faulte  ebenfalls,  flbenso  verhielten  sich  Blutproben,  welche  L.  bei 
Septilcämie,  Wuudfieber  und  'J'et^nus,  embolischer  Pyämie  nach  einer 
Amputation,  Puerperalfieber,  im  Ganzen  in  6  Fällen  entnahm:  nie- 
mals faulte  das  unter  Cautelen  dem  Lebenden  entnommene  Blut,  selbst 
nicht  nach  Monaten»  dagegen  faulte  dasselbe  Blut,  wenn  es  mit  nicht 
desinficirten  Gegei^ständen :  Schwamm,  Wasser,  Haut  in  Berührung 
gekommen  war.  —  Blut,  welches  bei  Typbus  repnrrens,  Typbus  ab- 
dominalis, Variola  entzogen  wurde,  blieb  ebenfalls  von  fäulniss  frei. 
Es  ergiebt  §ich  aus  diesen  Versuchen,  dass  sich  in  dem  Blute  dieser 
Kranken  keine  Fäulnissbacterien  befanden;  die  Spirillen  in  dem  auf- 
bewahrten Blute  von  Recurrens  waren  nicht  mehr  nachzuweisen.  — 
Verf.  knüpft  noch  eine  Reibe  weiterer  Schlüsse  an  diese  Versuche.  (Als 
durchaus  unzutreffend  muss  Ref.  es  bezeichnen,  wenn  L.  unter  An- 
derem die  Bebauptung  aufstellt,  es  stehe  dahin,  ob  durch  die  sogenannte 
Liste r'sche  Wundbehandlung  die  sog.  aocidentell^n  Wundkrankhei- 
ten verhütet  würden;  »theoretisch,  sagt  L.,  scheint  in  dieser  Bezieh- 
ung die  offene,  consequent  durchgeführte  Wundbehandlung  vor  der 
Liste  raschen  den  Vorzug  zu  besitzen^,  dass  hier  die  Wunde  mit 
undesinficirten  Gegenständen  noch  weniger  in  Berührung  zu  kom- 
men braucht,  als  bei  jener«.  Verf.  würde  sicher  solche  Sätze  nicht 
aufstellen,  wenn  er  sich  mit  denp  Wesen  der  X^ister'schen  Wund- 
behandlung u.  s.  w.  auch  nur  einigermassen  bekannt  gemacht  hätte. 
Ref.)  Haas  (Breslau). 


Centralblatt  fOr  Chirurgte.    No.  8.  1 19 

Fr.  W.  demeiiB.    Ziir  Behandlung  der  Diphtheritis. 

(Medicin.  Neuigkeiten  f.  prakt.  Aerzte  1874.  No.  51,  p.  401—402.) 

Bei  der  UnzuverläsBilgkeit  der  bisher  gebräuchlichen  Heilme- 
thoden  bei  Diphtheritis  lenkt  der  Verfasser  die  Aufmerksamkeit  auf 
das  Brom  und  empfiäilt  die  innere  Anwendung  des  Kalium  bro- 
matum  (je  nach  dem  Adter  des  Patiencen  2 — 4  Gramm  in  80 — 100 
Gramm  Aqu.  destill,  mit  20—30  Gramm  Syrup)  mit  Chlorwasser 
(50  Gramm)  in  der  Weise  ^  dass  man  zw^stündlich  einen  Esslöfei 
Brom-Kaliumlösung  in  einem  Glas  abmessen^  einen  Theelöffel  Chlor- 
wasser zusetaen  und  nach  geschehener  Mischung  sofort  einnehmen 
lässt. 

Das  Chlor  bewirkt  eine  Ausscheidung  des  Brom  in  einem 
äusserst  fein  zertheilten  Zustande,  ern  kleiner  Ueberschuss  von  Chlor 
bleibt  zur  Verhinderung  einer  Bückbildung  in  BromwasBerstoffisäure 
noch  übrig.  Das  Brom  yerbindet  sich  weiter  im  Organismus  wieder 
mit  alkalischer  Basis,  freies  Brenn  wurde  nicht  im  Urin  gefunden, 
während  das  Bromkalium  sehr  rasch  dabin  gelangt. 

Verfasser  betcmt  die  enorm  zerstörende  Wirkung  des  Brom  auf 
die  Schmarotzerbildungen  bei  Diphtheritis;  binnen  24—48  Stunden 
tritt  eine  Abstossung  der^diphtheritischen  Massen  ein,  während  selbst 
bei  den  zartesten  Kindern  keinerlei  Nachtheil  bei  der  angegebenen 
Behandlungsweise  zu  constatiren  ist.  Dem  Verfasser  steht  eine 
reiche  Casuistik  mit  eclatanten  HeilreBultaten  zur  Seite,  und  ist  auch 
Keferent  in  der  Lage,  aus  eigenen  Beobachtungen  in  einer  Reihe 
von  theilweise  sehr  intensiven  Erkrankungen  »n  Rachendiphtheritis 
die  höchst  überraschenden  Erfolge  der  ang^ebenen  Behandlungs* 
weise  bestätigen^zu  können. 

Referent  glaubt  auch  die  äussere  Anwendung  Von  Bromkalium 
und  Chlorwasser  nach  der  angedeuteten  Mischung  zu  weiterer  Prü- 
fung bezüglich  der  Wundbehandlung  empfehlen  zu  müssen,  da  er  in 
mehreren  Fällen  (worunter  1  Fall  mit  diphtheritischem  Wundbelag 
nach  einer  Nekrosenoperation  an  der  Tibia  und  1  ^Fall  von  ausge- 
dehnter Hautgangrän  am  Oberschenkel) ,  nach  der  mehrmaligen  ört- 
hchen  Anwendung^genannter  Mittel  ausgezeichneten  Erfolg  und  rasche 
Heilung  gesehen  hat.  ^»  ^^W  (Essen). 

W.  Petters.     UeberäLymphorrhagie. 

(Frager  Vierteljahrschrift  f.  d.  prakt.  Heilkunde.  Bd.  125.) 

Nach  einer  üebersicht  über  die  OTischlägige  Literatur  folgt  die 
Mittheflung  eines  Falles  von  Lymphorrhagie,  der  durch  den  Sections- 
befund  besonders  beachtenswerih  wird.  Das  Leiden  bestand,  bei  der 
nun  23jährigen  Frau  seit  8 V2  Jahren,  die  Ausflussstelle  war  die  linke 
grosse  SchamKppe.  Ein  Jahr  nach  Beginn  der  Erkrankung  abortirte 
Pat.  im  3.  Monate,  und  machte  danach  eine  Peritonitis  durch.  Wäh- 
rend der  Schwangerschaft  sistirte  die  Lymphorrhagie,  auch  später  zu- 


120  CentnJblatt  fOr  Chimigie.    No.  8. 

weilen^  selbst  für  mehrere  Wochen.  Bei  der  Untersuchung  hnd 
man  das  linke »  massig  vergrösserte  Labium  an  seiner  äusseren 
Fläche  mit  zahlreichen^  hirse-  bis  wickenkomgrossen  derben  Knötchen 
besetzt^  während  am  inneren  Blatte  nur  vereinzelte  solche  Knötchen 
Sassen. 

Einige  dieser  Knötchen  hatten  in  der  Mitte  eine  grubige  Ver- 
tiefung; nirgends  sah  man  die  Epidermis  zu  Blasen  erhoben,  wie  in 
einzelnen  derartigen  Fällen  beobachtet  wurde.  Der  Lymphausfluss 
erfolgte  aus  den  beschriebenen  Knötchen. 

Der  linke  Oberschenkel  war  dicker,  als  der  rechte,  in  der  linken 
Leistenbeuge  fanden  sich  haselnuss-  bis  kastaniengrosse  Lymphdrüsen. 
In  18  Tagen  wurden  1225  Grm.  Lymphe  gesammelt,  welche  stets 
ein  grösseres  lockeres  Gerinnsel  von  blassröthlicher  Farbe  absetzte^ 
rothe  Blutkörperchen,  zahlreiche  Lymphkörperchen  und  Fett  enthielt ; 
das  specifische  Gewicht  betrug  1,019.  (Die  chemische  Analyse  s.  im 
Orig.)  Plötzlich  trat  Fiebei  auf,  das  linke  Labium,  die  Drüsentu- 
moren und  der  linke  Oberschenkel  schwollen  etwas  an,  die  be- 
deckende Haut  wurde  streifig  und  fleckig  roth^  unter  dem  Pou- 
part'schen  Bande  konnte  man  in  der  Tiefe  neue  Drüsen tumoren  und 
fingerdicke,  dieselben  verbindende  Stränge  abtasten.  Dabei  sistirte 
der  Ausfluss  von  Lymphe  vollkommen.  Am  5.  Tage  dieser  Affection 
traten  die  Erscheinungen  einer  allgemeinen  Peritonitis  auf,  welcher 
die  Kranke  binnen  3  Tagen  erlag.  Man  fand  bei  der  Section  all- 
gemeine Peritonitis,  wahrscheinlich  angeregt  durch  alte  Eiteransanmi- 
lungen  in  einer  Tube  und  in  einem  Ovarium.  Die  Drüsentumoren 
in  der  linken  Leistengegend  boten  folgenden  Befund :  die  grösste  der 
Drüsen  ist  »eine  umfangreiche  Geschwulstmasse,  welche  in  der  Bich- 
tung  der  Liguinalfalte  7^2  Cm.  und  4^2  (^*  "i  senkrechter  Blch- 
tung  misst.  Nach  oben  hin  unterscheidet  man  auf  dem  Durch- 
schnitt eine  172  ^t^-  breite  Rindenschicht,  bestehend  aus  homogener, 
derber,  graurother  Masse;  innerhalb  dieser  Schicht  befinden  sich 
nur  wenige  1 — 3  Cm.  weite  glattwandige  Höhlungen,  die  mit  ein- 
ander zum  Theil  anastomosiren.  Ungefähr  in  der  Mitte  reicht  eine 
solche  Höhlung  bis  an  die  Fläche  der  Bindensubstanz.  Die  Innen- 
fläche der  Rinde  wird  von  einem  Kranze  glattwandiger  Höhlungen 
umgeben,  die  vielfach  mit  eiAander  communiciren  und  einen  Durch- 
messer von  5 — 10  Mm.  haben;  gegen  den  Hylus  gehen  sie  in  ge- 
wundene Canäle  über,  welche  die  Blutgefässe  begleiten«.  Eine 
zweite  etwas  kleinere  Drüse  bot  einen  ähnlichen  Befimd.  In  den 
Hohlräumen  war  eine  dünne,  Reicht  röihliche  Flüssigkeit  nebst  leich- 
ten Fa6er8to%erinnseln  enthalten.  Oberhalb  dieser  Drüsentumoren 
fand  man  ein  lockeres  cavemöses  Gewebe  mit  ähnlichem  Inhalte, 
welches  sich  nach  oben  unter  das  Poupart'sche  Band,  theils  die 
grossen  Gefasse  entlang,  theils  in  die  Tiefe  des  kleinen  Beckens  er- 
streckte. Die  Lymphgefasse  liessen  sich  bis  zum  Zwerchfell  in  ab- 
nehmender Weite  verfolgen,  der  ductus  thoracicus  war  von  normaler 
Weite.  eenuiy  (Wien). 


] 


Gentettlhlatt  fftr  ChinirgiB.  No.  8.  121 

B.  Siebs,    üeber  Lymphangiektasie. 

(Fragei  '^erteljahischrift  f.  d.  pract.  Heilkunde.    Bd.  J25.) 

Der  Artikel  ist  ein  Nachtrag  zu  der  von  Petters  gq^ebenen 
Beschreibung  (s.  d.  Yorhergehende  Referat)^  theüweise  eine  Berichti- 
gang  derselben. 

K.  beschreibt  die  Knötchen  am  Labium  als  flache  Blasen,  ohne 
Besiehung  zu  Talgdrüsen  und  Haarbälgen.  Diese  Blasen  senkten 
sich  mit  einem  spitz  zulaufenden  Fortsatz  in  die  Cutis  ein  und  K. 
konnte  zuweilen  den  Uebeigang  dieser  Fortsätze  in  rosenkranzartig 
erweiterte  Lymphgefässe  sehen.  Diese  Blasen  waren  überall,  auch 
an  dem  Theil  der  im  Epithel  lag,  von  einer  dünnen  Lage  Bindege- 
webe umschlossen  und  von  Endothel  ausgekleidet.  K.  hält  die- 
selben für  die  erweiterten  Anfange  von  Lymphgefassen  in  Papillen. 
Das  Ausfliessen  der  Lymphe  erfolgte  theils  unter  Ruptur  der  Epi* 
dermis,  theils  sickerte  die  Lymphe  zwischen  den  Epidermiszellen 
dnich,  wie  man  bei  mikroskopischer  Untersuchung  aus  den  Gerinn- 
seln schliessen  konnte.  Die  erweiterten  Blut-  und  Lymphgefi&sse  des 
Labiums  lagen  zwischen  den  breiten,  sehnigen  und  sich  kreuzenden 
Bindegewebsbündeln,  aus  denen  dasselbe  vorzugsweise  bestand;  jedes 
Gefass  war  von  einem  sehr  zellen-  und  saftreichen  Gewebe  unmittel- 
bar begrenzt. 

Die  kleineren  Blutgefässe  konnte  man  oft  innerhalb  der  Lymphr 
bahnen  verlaufen  sehen,  gleicherweise  auch  Capillaren  in  den  ober- 
flächlich gelegenen  Ampullen.  In  den  Lymphampullen  findet  K. 
»das  Vorkommen  von  rundlichen  oder  ovalen,  oft  sehr  grossen  Micro- 
coccenhaufen  zu  erwähnen,  welche,  indem  sie  meist  einzelne  oder 
mehrere  helle  bläschenförmige  Kerne,  sowie  abgeblasste  rothe  Blut- 
körperchen uihschliessen,  das  Ansehen  sogenannter  Biesenzellen  dar- 
bieten«. 

Eine  ähnliche  Erweiterung,  wie  in  der  Sefaamlippe  boten  die 
Lymphgefasse  im  linken  Ovarium  (das  von  kleinen  käsigen  Herden 
durchsetzt  war) ;  die  grossen  Lymphstämme  der  Lendengegend,  des 
kleinen  Beckens  und  des  Oberschenkels  enthielten  zahlreich^  Bac- 
terien.  Die  Wandungen  dieser  Gefässe  hatten  oft  sehr  reichlich 
glatte  Muskelfasern ,  besonders  an  den  am  meisten  erweiterten  Stel- 
len, und  zwar  verliefen  die  Fasern  in  der  ziemlich  dicken  äusseren 
Schicht  quer,  in  der  dünneren  inneren  Schicht  waren  sie  schräg  ge- 
stellt und  bündeiförmig  angeordnet. 

Nach  K.  ging  der  ganze  Process  vom  linken  Labium  aus,  in 
wekhem  durch  einen  chronisch  entzündlichen  Zustand  die  Binde- 
gewebsstränge  die  Lumina  der  mit  ihnen  eng  verbimdenen  Lymph- 
gefasse auseinanderzerrten,  wodurch  der  Lymphzufluss  aus  den  gleich- 
(alk  erweiterten  Blutgefässen  vermehrt  und  der  Seitendruck  innerhalb 
der  Lymphgefasse  erhöht  wurde;  dieser  erhöhte  Seitendruck  wäre  als 
Ursache  der  progressiven  Erweiterung  der  Lymphbahnen  zu  betrach- 
ten.   Eine  frühzeitige  Exstirpation  des  primären  Erkrankungsherdes 


121  Gentr^blatt  fttr  Chinurgie.    No.  8. 

würde  somit  Heilung  gebracht  haben.     Dm  tödtliohe  Peritonitis  leitet    - 
K.    nicht  von  den   alten  Eiterherden  sondern  von  Bakterieneinwan- 
derung  ab.  Äerwiny  (Wien). 


A.  Rauber.     Ueber  die  Cohaesion  der  Knochen. 

(Centmlblatt  f.  d.  mad.  Wissenschaftea  1874.  No.  56.  p.  881—883.) 

Verf.  hat  bei  Untersuchung  der  Entwicklung  der  Krümmungen 
der  Wirbelsäule  gefunden^  dass  die  schöne  innere  Architeetur  der 
Knqchen  nicht  durch  ein  auf  dem  Knochen  lastendes  Gewicht  (auch 
bei  Knochenfischen  findet  sich  eine  gesetamässige  innere  Architeetur 
der  Spongiosa)  formirt  wird,  sondern^  dass  die  Wirkung  der  Musku* 
latur  hierbei  eine  hervorragende  Kolle  zu  spielen  scheint.  In  An* 
knüpfimg  hieran  hat  nun  Verf.  Untersuchungen  über  »die  rückwir- 
kende Festigkeit  der  Knochen^  d.  h.  über  die  Grösse  der  Kraft, 
welche  nöihig  ist,  um  Knochen  zu  zerdrückent,  gemacht  und  zwar 
aft  frischen  Menschen-  und  Ochsenknochen.  Er  bediente  sich  dazu 
eines  »Druckhebels«,  mit  dem  man  leicht  bis  auf  1000  Kilogr.  be- 
lasten konnte.  Die  bemerkenswerthen  Resultate,  die  übrigens  bald 
auch  anderen  Orts  veröffentlicht  werden  sollen,  wolle  man  im  Original 
naehaehen.  A.  Bidder  (Mannheim). 

Th.  Jageiho.     Zur  Reproduction    der  Knochen    nach  sub- 
periostaler Besection. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  1874.  Bd.  IV.  Hfb.  5  u.  6.} 
Nach  einer  kurzen  Darstellung  der  von  Duhamel,  Heine  und 
besonders  der  von  O  liier  angestellten  Versuche  über  die  Regenera- 
tion der  Knochen  vom  Periost  aus,  beschreibt  Verf.  3  Präparate,  die 
von  Hueter  nach  subperiostaler  Resection  an  Menschen  gewonnen 
wurden.  2  Präparate  sind  vom  Fusse,  eines  von  einem  theilweise 
regenerirten  Calcaneus,  das  andere  zeigt  ziemlich  vollkomimene  Re- 
generation des  unteren  Endes  der  Tibia  und  des  Calcaneus,  das  dritte 
endlich  ist  ein  sehr  vollkonmienes  neugebildetes  Ellenbogengelenk  nach 
subperiostaler  Resection,  das  dem  betr.  Individuum  seit  2  Jahren  bei 
schwerer  Arbeit  vollkommen  genügt  hatte.  Es  war  ein  Wipkelgelenk, 
bei  welchem  das  obere  Ende  der  Vorderarmknochen  zwischen  den 
neugebildeten,  nach  unten  vorspringenden  Condylen  des  Humerus  lag 
und  mit  ihnen  in  ähnlicher  Weise  articulirte,  wie  der  Talus  mit  den 
Unterschenkelknochen;  das  Olekranon  war  rudimentär  gebUeben. 

Gersnigr  (Wien). 

Zenker,     üeber  todtliche  PancreasblutuBg. 

(Vortrag,  gehalten  auf  der  47.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Aente 
SU  Breslau.     Deutsche  Zeitschrift  für  praktische  Medicin  1874.  No.  41-) 

Verf.  theilt  3  Falle  von  tödtlicher  Pancreasblutung  mit  und  ist 
der  Ansicht,  di|ss  diesdben  nicht  so  selten  vorkommen,  als  ^  nach 


Centnabkit  Mr  Chimugie.    No»  g.  129 

den  bisherigen  Mittheäungen  darüber  (Klebs)  der  Fall  au  asin  $dheii»l« 
In  allen  3  Fällen  handelte  ee  sieh  um  Männer,  die  sich,  abgesehan 
von  gewissen,  aber  nicht  unmittelbar  gefahrdrohenden  Krankheitszur 
ständen,  vollkommen  gesund  befanden.  Der  Tod  erfolgte  ganss  fdoter 
lidi  und  in  allen  ft  I^len  ftod  sieh  das  Pancreas  fettig  degenezirt« 
Die  Blutui^  war  relativ  gering:  die  Gberbauchgegend  war  blutig 
gefärbt,  das  Duodenum  mit  blutigem  Sdbleim  erfällt  und  das  Panoreas 
in  seiner  ganzen  Ausdehnung  intensiv  hämorrhagisch  infilferirt. 

Der  Eintritt  des  Todes  ist  nach  Z.  nicht  durch  einen  tödtUchen 
Blutverlust  veranlasst,  —  letzterer  war  ja  verschwindend  gering  — 
sondern  durch  die  bekannten  Nerveneinwirkungen,  wie  beim  Shoc 
(Fischer,  Goltz)  bedingt.  In  der  That  glichen  die  Sectionsbe- 
fiinde  auf  das  Frappanteste  jenen,  welche  man  naeh  dem  Golt zi- 
schen Klopf  versuche  beobachtet:  schlaffes,  blutleeres  Herz,  starke 
Blutüberfüllung  der  Unterleibsorgane,  auffallende  venöse  Hyperämie 
im  plexus  solaris.  TUIbmüiis  (Leipzig). 

H.  Laptschinski.     Blutkörperchenzählungen  bei  einem  Re- 

currenskranken. 

(Centralblatt  f.  d.  med.  WiueBschaften  1875.  No.  3.) 

Verf.  suchte  im  Blute  eines  an  Recurrens  erkrankten,  sonst 
kräftigen  jungen  Mannes  nach  den  Obermeier'schen  Spirillen.  Er 
fand  sie  nicht,  wohl  aber  die,  wahrscheinlich  aus  der  Milz  herstammen- 
den, bereits  von  Ponfick  beschriebenen  grossen  Kömchenzellen.  Zu- 
gleich fiel  ihm  die  starke  Veimehrung  der  weissen  Blutkörperchen 
auf:  Täglich  angestellte  Zählungen  zeigten  nun,  dass  mit  jedem 
Fieberanfall  die  Zahl  derselben  so  stieg,  dass  einmal  sogar  nur  37,5 
TOthe  Blutkörperchen  a\if  1  weisses  kamen.  Mit  dem  Fieberabfall 
nahm  auch  die  Zahl  der  weissen  Blutkörperchen  wieder  ab,  |in4  dap 
Verhältniss  der  rothen  zu  den  weissen  stellte  sich  z.  B.  am  6.'  Tage 
wie  174 : 1. 

Während  der  Remissionszeit  schwinden  die  Körnchenzellen  auch 
aUmiKg,  um  bei  erneutem  Fieberanfedl  sogleich  wieder  aufzutreten, 
wobei  gleichzeitig  die  Mib  starke  Schwellung  zeigt.  Verf.  glaubt, 
dass  bei  jedem  Fieberanfalle  der  Inhalt  der  Milz  sich  in  die  Blut- 
masse entleere,  und  ist  der  Ansicht,  dass  die  Spirillen  keine  Bezie- 
hung zur  Aetiologie  der  Febris  recurrens  hätten,  weil  sie  sich  nicht 
immer  im  Recurrensblute  fanden.  A«Bidder  (Mannheim). 


H.  A.  Stern.     Drei  Lammbluttransfdsionen  bei  Phthisikem« 

Inang.  Din,  Halle. 

Die  sehr  lesenswerthe  Arbeit  enthält  vor  allem  die  Geschichte 
dreier,  von  ßasse  iu  Nordhi^usen  liusgefurter,  von  St.  äusserst  sorg- 
faltig und  vorurtbeUsfrei  b^obaohteter  direeter  LammUuttraasfusiosien 


124  Centralblatt  far  Cliinirgie.    No.  8. 

bei  Fhtfaisikem.  Alle  3  Patienten  sind  inzwischen  den  Fortschritten 
ihres  Leidens  erlegten.  Das  Resultat ,  welches  St.  ziehen  kann^  ist: 
die  durch  Laxnmbluttransfusion  bei  Phthisikem  erzielten  Erfolge 
beschränken  sich  im  Wesentlichen  auf  nichts^  als  auf  eine  zeit- 
weise Herabsetzung  des  hektischen  Fiebers.  Deshalb  berechtigt  uns 
ein  so  minimaler  Erfolg  nidit^  die  Lammbluttransfusion  als  ein  wiik- 
sames  Mittel  gegen  Phthisis  anzuerkennen,  oder  sie  weiter  als  anti- 
phthisisches  Mittel  anzuwenden.  Bänke  (Halle). 


Biohardson.   Forms  of  disease  included  under  the  term :  pur- 

pura  haemorrhagica. 

(Med.  lim.  and  gaz.  1874.  Novbr.  28.  p.  597.) 

In  dem  vor  der  Med.  soc.  gehaltenen  Vortrage  versucht  R.  den 
symptomatischen  Sammelnamen  auf  3  anatomisch  verschiedene  patho- 
logische Zustände  zurückzufahren: 

i)  Aqueous  purpura:  Vermehrung  der  wässerigen  Blutbestand- 
theile^  künstlich  hervorzurufen  durch  grosse  Wassermengen  in  die 
Peritonealhöhle  injicirt.  Die  erbliche  Bluterdiathese  fällt  z.  B.  unter 
diese  EJasse. 

2)  Saline  purpura :  Zunahme  der  salzigen  Blutbestandtheile.  Soor- 
but  soll  dieser  Erlasse  angehören. 

3)  Vascular  purpura:  eine  meist  bei  kleinen  Kindern  mit  irgend 
einer  Skeletdeformität  bei  gesundem  Blute  auftretende^  ungefährliche 
Erkrankimg  der  CapiUaren. 

Einiges  Zeitinteresse  gewinnt  die  Abhandlung  durch  Mittheilung 
einer  genauen  Krankengeschichte^  welche  zur  Erklärung  der  sog. 
Stigmatisation  herangezogen  wird  (cf.  Original).         Baake  (Halle). 


D.  lu  GrifOni.     Due  casi  di  liehen  sifilitico. 

(Qaszetta  delle  cliniche  Torino  1874.  Dec.  8.) 

Nachdem  schon  Bizzozero  und  Köster  Tuberkelknötchen  in 
syphilitischen  Geschwüren  nachgewiesen  hatten^  fand  6.  deren  in 
zwei  Fällen  von  Liehen  syph.  lenticularis.  Die  Knötchen  lagen  im 
Corium  unmittelbar  unter  der  Epidermis  und  hatten  alle  Charaktere 
von  Tuberkeln.  Einer  von  den  2  Fällen  ist  seit  2  Jahren  durch 
Antisyphilitica  vollkommen  geheilt.  Es  ist  dies  somit  ein  Fall  von 
geheilter  Hauttuberkulose  (!)  Menzel  (Triest). 


Kleinere  Mittheilungen. 


Hulke.     Nearly   fatal   poisoning   by    chloral   hydrate.     Clin,  society, 

27.  Nov.   1874. 

(Med.  tixn.  and  gaz.  1874.  Dec.  12.  p.  672.) 

Ein  23jährige8  M&dchen  hatte  4  Unzen  Chlorakyrup  genommen;    Puls  un- 
fühlbar,   Athmung  künstlich  unterhalten;  Auspumpen  des  Magens  nach  Wasser- 


CentialblAtt  fflr  Chiruxi^.    No.  8.  12ft 

iajection,  sodann  Einpumpung  einet  starken  Kaffees.     In   40  Minuten   kehrten 
Sprache  und  Bewusstsein  snrück.  Bwike  (Halle). 

S.  Dubois,     Contribution   ä   Tusage   de  la   teintuxe  d'Jode  (Maisque 

des  femmes  enceintes.    C^phalimatome) . 

(Gas.  hebdom.  1874.  No.  46.) 

D.  hat  mit  Erfolg  das  Bepinseln  mit  Jodtinctur  bei  grossen  Schwangerscbafts- 
flecken  an  Stime  und  Wangen  mehrerer  Frauen  angewendet.  In  wenigen  Tagen 
schuppt  sich  die  Epidermis  ab  und  die  normale  weisse  Haut  erscheint  wieder. 

Ein  taubeneigrosses  Cephalämatom  bei  einem  mit  der  Zange  extrahirtem 
Kinde,  Ton  knochenhartem  Wall  umgeben»  verschwand  unter  täglichem  Bepinseln 
mit  Jodtinctur  in  Zeit  von  18  Tagen.  Fr«  Steiner  (Wien). 

B.  Haffter.     lieber  Dennoide. 

Inaug.-Diss.     Basel  1874. 

In  der  Schiess'schen  Klinik  in  Basel  wurde  von  dem  linken  Auge  einer 
42jfihrigen  Frau  ein  angeborenes  Dermoid,  als  Wulst  der  Conjunctiva  am  äusseren 
Rande  der  Cornea  sich  darstellend,  abgetragen.  Eine  ähnliche  Geschsrulst  der 
anderen  Seite  blieb  unoperirt.  Das  Mikroskop  wies  Cutis  mit  Papillen,  Talg- 
drOaen,   Haare  nach ;   die  Deutung  einer  Stelle  als  SchweiBsdrüse  bÜeb  unsicher. 

Im  Anschluss  daran  werden  9  Ovarialdermoide  sowie  eine  Dermoideyste  unter 
der  Bauchwand  und  dem  Netse  gelegen,  aus  der  Leipsiger  Sammlung,  genau  be- 
schrieben. Die  einseinen  Befunde,  c.  B.  die  Bildxmg  embryonaler  Milchdrüsen  in 
einem  Dennoide  des  Ovariums»  müssen  im  Original  verglichen  werden.  Verf. 
schlieest  sich  für  die  subcutanen  Dermoide  der  Remak 'sehen,  für  Ovarialdermoide 
der  Klebs'schen  Theorie  der  Genese  dieser  Geschwübte  an. 

Buike  (Halle). 

Hirschberg.    Ein  Fall  von  Homhauttumor  nebst  multiplen  Hautge- 
schwülsten  von  gleicher  Structur   (Fibroma  lipomatodes) .     Mit  3  Ab- 
bildungen. 

(Arch.   f.  Augen-  und  Ohrenheilkunde  1.    Bd.  5,  Abth.  1.    No.   4.     Wiesbaden. 

C.  W.  Kreidels  Verlag.) 

Bei  einem  Manne  von  30  Jahren  bestehen  seit  dem  8.  Jahre  an  der  Körper- 
oberft&cfae  in  symmetrischer  Vertheilung  und  mit  Vorliebe  für  Stellen,  an  denen 
sich  swei  Haa4>latten  h&ufig  berühren  oder  die  Haut  bei  Bewegungen  oft  ge- 
spannt wird,  verschiedene,  hervorragende,  braun  pigmentirte  Geschvrülste,  die  an 
Zahl  und  Ausdehnung  allmälig  zugenommen  haben.  Dieselben  zeigen  theilweise 
Spuren  aaf  Parenchymschrumpfung  beruhender  spontaner  Rückbildung  in  centralen 
weisslich  narbigen  Stellen,  auf  denen  die  Haarentwicklung  nicht  gelitten  hat.  Sie 
sitzen  s&mmtlich  in  der  Cutis,  sind  mit  dieser  gegen  die  Unterlage  frei  verschieb- 
lich und  variiren  in  der  Grösse  von  einigen  Millimetern  bis  zu  9  Cm.  Sie  sind 
von  Virchow  (dessen  Archiv,  Bd.  52.  1871)  als  Xanthelasma  multiplex  oder 
Fibroma  lipomatodes  beschrieben. 

An  demselben  Patienten  wurde  vor  10  Jahren  eine  Neubildung  der  rechten 
Cornea  bemerkt  und  1865  zum  ersten  Male  von  v.  Graefe  abgetragen.  Dabei 
aeigte  sich  auch  auf  der  linken  Hornhaut  der  erste  Beginn  gelblicher  Trübungen, 
deren  Zunahme  bei  der  Entfernung  eines  rechtsseitigen  Recidivs  1^67  zu  Consta- 
tiren  war.  Ein  rasch  entstandenes  neues  Recidiv  rechts  prftsentirte  sich  im  April 
1874  als  eine  die  Gegend  der  Cornea  einnehmende,  wallnussgrosse,  höckrige  rein 
gelbe  Geschwulst;  das  Auge  war  ohne  Sehvermögen.  Links  scheint  der  Zustand 
Bch  seit  7  Jahren  wenig  ver&ndert  zu  haben.  Es  wurde  der  rechte  Bulbus  nach 
Spaltung  des  Canthus  eztemus  enucleirt.     Die  mikroskopische  Untersuchung  des 


126  Centtalblolt  fftr  Chinurgie.   No.  8. 

Tumor  ergi«bl  f^r  dieMn  die  Cfaaraeterifltioa  des  Xantheliaiim  tifofts  der  nakro- 
skopiMheii  Dltfu^ftitg  der  Cutis-  und  der  Corneal>Neoplafiie. 

Franke!  (Chemnitz j. 

Burwell.     Two  cases  of  reflected  initation.     Clinic.  society  of  Loüdon. 

(Med.  tim.  and  gas.  1874.  KoV.  28.  p.  617.) 

1)  Einseitiger  traumatischer  Trismus»  beo^Mehtet  an  einem  15jährigen  Knaben 
mit  einer  Hautwunde  an  der  linken  Kopfseite.  Am  15.  Tage  konnte  P.  den 
Mund  nicht  Öffnen,  der  linke  Mundwinkel  war  auf-  und  rückwärtsgezogen,  der 
Masseter  und  Temporaiis  fest  contrahirt.  Mit  der  Heilung  der  Wunde  verschwan- 
den allmälig  die  Symptome,  die  während  des  Schlafes  überhaupt  cessirt  hatten. 

2)  Schwere  Epilepsie,  durch  Exdsion  eines  Neuroms  geheilt.  Pat.  ein  60jähr, 
Invalide  hatte  vor  28  Jahren  einen  Arm  verloren,  zwei  Jahr  später  begann  die 
Epilepsie.  Drack  aitf  ein  Neurom  des  Stumpfes  rief  die  Anfälle  hervor.  Am 
7.  August  wurde  die  Geschwulst,  ein  echtes  Stumpfneurom,  ergiebig  exstiipirt, 
und  seit  dieser  Zeit  cessirten  die  Anfälle.    Beobaohtong  geht  bis  zum  94.  Oet.  . 

Ranke  (Halle). 

Mignot.    De  la  position  declive  comme  moyen  adjuvaat  de  Textrac- 

tion  des  corps  ^trangers  de  Toesophage. 

•  (Gas.  hebdom.  1874.  No.  44.) 

Im  Jahre  1872  wurde  ein  Sjfthriges  Mädchen  zu  M.  gebracht,  welches  ein 
Paar  Stunden  zuvor  ein  Zweisoustttck  verschlackt  hatte.  M.  konnte  mit  dem 
Finger  den  Fremdkörper  tief  unten  im  Schlünde,  im  oberen  Theile  der  Speise- 
röhre fahlen.  Nach  verschiedenen  vergeblichen  Venuohen  liees  nun  M.  den 
Kopf  des  Kindes  nach  abwärts  geneigt  halten,  während  dessen  Beine 
sieh  auf  die  Schultern  eines  kräftigen,  dem  Operateur  gegenüber  sitzenden  Ge- 
hOlfSsa  stützten.  Durch  diese  Lage,  hoffte  M.,  würde  das  Geldstück  der  Tendenz 
zum  Herabsinken  in  den  Pharynx  folgen,  während  es  zuvor  nach  dem  Magen  hin 
gravitirte.  Der  Erfolg  war  gut.  Sogleich  fühlte  M.  das  Geldstück  über  dem 
Zungengrunde,  und  konnte  es  mit  Finger  und  Spatel  auf  eine  seiner  Flächen 
wenden  und  herausziehen.     Geringe  Blutung.    Heilung. 

M.  bemerkt  schliesslich,  dass  diese  Methode,  welche  wohl  nur  bei  glatten 
Fremdkörpern  erfolgreich  sein  dürfte,  schon  vor  ihm,  wie  er  später  erfuhr,  von 
Aronssohn  in  einem  ähnlichen  Falle  mit  Erfolg  angewendet  worden  war. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

Beck.     Bulbous  neives  in  arm-stump. 

(University  College  hospital.) 

(Med.  thn.  and  gaz.  1875.  Jan.  2.  p.  '8.) 

Vor  6  Jahren  war  der  aus  phthisischer  Familie  stammenden,  z.  Z.  26jährigen 
Patientin  zunächst  das  rechte  Ellenbogengelenk  resecirt,  später  der  Arm  amputirt 
Seit  einiger  Zeit  Contractur  der  Schulterheber,  Beflexkrämpfe  bei  Berührung  des 
Stumpfes;  einem  Nerven  entsprechend  ein  sehr  schmerzhafter  Knoten  fühlbar. 
Bei  der  Operation|zeigen  sich  alle  Nervenenden  knotig  geschwollen;  gleiche  Ver- 
dickungen zeigten  sich  im  weiteren  Verlaufe  mehrerer  der  Nerven.  Trotz  der 
Entfernung  derselben  besteht  der  Zustand  nach  der  Heilung  unverändert  fort. 
Mikroskopische  Untersuchung  der  Tumoren  fehlt.  Bänke  (Halle). 

Hiunby.     ScrofulouB  ulceration  of  the  bladder  running  an  unusual 

course  (Clinic.  society.) 

(Med.  tim.  and  gaz.  1874.  Decbr.  12.  p.  673.) 

P.,  ein  9jfthriges  Mädchen,  litt  längere  Zeit  an  Reizbarkeit  der  Blase,  der 
aarmoniakaüsehe  Urin  enthielt  Eiter.  Bildung  eines  Abseesses  unterhalb  des  Na- 
bels, der  nach  reichlichem  Eiterabgang  dureh  den  Darm  sich  verkleinerte,  später 
dann  und  wann  tympanitiseh  klang,  zuletzt  doch  noch  nach  aussen  aufbrach,  nnd 


CenHalblatt  Idr  Chirorgf«.    No.  8.  i2T 

bu  zum  Tode  des  Sandes  wAssrige  Flüssigkeit  entleerte.  Die  Section  wies  käsigje 
Oescliwure  der  Blase  nach;  eine  Eitefhöhle  yorn  communicirt  mit  derselben  und 
mit  der  Bauchöffnung;  an  der  andern  Seite  der  Blase  fahrte  eine  Perforation  ins 
Rectum.  Bänke  (Halle). 

Ddmarquay.     De  l'algidit^  chez  les  hemieux. 

tS^ance  de  la  soc.  de  chir.  du  2S.  Oct.  1ST4.) 

D.  spricht  über  das  Entstehen  des  Status  algidus  bei  Patienten  mit  ein- 
geklemmten Hernien.  ^  fand  bei  diesen  di^  Temperatur  bald  efb^ht,  bditd 
herabgesetzt.  Das  Sinken  der  Temperatur  finde  statt,  wenn  die  Einklemmung  an 
den  oberen  Partieen  des  Dünndarmes  statt  habe,  es  seien  zahlreiche  Nerven  hier- 
bei mit  comprimirt.  Expefimente,  welche  D.  darüber  an  Hunden  anstellte,  spra- 
chen auch  fft  diese  Entstehungsuisache  des  Status  algidus. 

V ern 6 uii  schiebt  die  Hexabsettong  der  Temperatur  iasbesondeve  snf  den  e«»- 
gestiven  Zustand  der  Eingeweide,  tot  AUeii  der  Lungen.  Auch  er  «cparimeotixte 
und  es  zeigte  sieh  hierbei,  dass  die  Einklemmung  der  Gedflrme  an  versekiedenfli* 
fiteHm  keine  erhebliehe  Tempennturver&odBTung  bewirkte.  Doch  erkennt  er  der 
Einklemmung  der  Gedärme  einen  gewissen  Einfluss  an  der  Temperaturheiab- 
Setzung  zu ;  die  Gesetze  hierfür  seien  aber  unbekannt.  Er  erw&hnt  einen  Fall,  wo 
ein  Mann  mit  befugen  Leibschmerzen,  Stulteihaltung  und  Erbrechen  in^  Spita 
angenommen,  eine  Temperatur  von  nur  35,4  0.  zeigte.  Er  starb  am  folgenden 
Tage.  Die  Section  wies  eine  Einschnürung  des  ganzen  Sromanum  durch  den 
Rand  des  Mesenteriums  nach. 

D.  erwidert,  die  Incarceration  des  ganzen  Sromanum  komme  in  Rücksicht 
auf  die  mit  comprimirten  Nerven  der  Einklemmung  einer  einzelnen  Stelle  des 
Dünndarmes  gleich ,  daher  die  Temperaturemiedrigung  im  Falle  von  V. ,  wo  ein 
tiefexgelegene«  Darmstflck  incarcerirt  war.  ' 

Trölat.     Polypes  muqueux  de  rarri^re-cavit^  des  foBgee  nasales. 

(Ibid.) 

Tr.  macht  auf  polypöse  Tumoren  in  der  Nasenrachenhöhle  aufmerksam, 
welche,  dem  äusseren  Ansehen  nach,  zuweilen  auch  dem  erfahrenen  Chirurgen  als 
fibröse  Polypen  erscheinen,  dabei  aber  Schleimpolypen  sind,  welche  sich  von  den 
ersteren  sowohl  klinisch,  als  prognostisch  sehr  unterscheiden.  Sie  können  sehr 
roth,  derb  sein,  aber  es  fehlen  die  Blutungen,  die  Erstickungsanfi&Ue  und  die 
Dysphagie.  Die  Exstirpadon  ist  leioht  und  Reeidive  treten  nicht  ein.  In  ahn- 
lidien  zweifelhaften  Fällen  möge  man  daher  nicht  gleich  zu  zwecklosen  Voropera- 
tionen greifen. 

Duplay  bemerkt,  dass  ihm  in  einem  ähnliehen  Falle  das  gleichzeitige  Vorhan- 
densein von  Schleimpolypen  in  der  Nase  zur  sicheren  Diagnose  geholfen  habe. 
FäUe,  wie  der  von  Gos8elin,wo  neben  einem  wahren  fibrösen  Nasenrach^npolypen 
ein  Schleimpolyp  in  der  Nase  vorhanden  war,  seien  äusserst  selten. 

miaiuc.     Präsentation  d'nn  instmment. 

(Ibid.) 

T.  seigt  ein  von  Colin  construirtes  Instrument  für  Rectovaginalfisteln. 
Die  eine  Branche  der  durch  Druck  auf  beide  Branchen  sich  öfi'nenden 
Zange,  trägt  vorne  eine  längliche,  innen  schwach  concave  und  mit  Hom  bekleidete 
Platte,  welche  in's  Rectum  eingeführt  wird;  an  der  anderen  Branche,  welche  in 
die  Vagina  eingeführt  wird,  ist  diese  Platte  gefenstert.  Der  Gebrauch  dieses  In> 
strumentes,  welches  nebenbei  das  unblutige  Abtragen  der  Fistelränder  ermöglicht, 
ergiebt  sich  hieraus  von  selbst.  Fr«  Steiner  (in  Wien). 


128  Centralblfttt  ftlr  Cbinugie.    No.  8. 

Annandale.    On  the  treatment  of  oi^anic  stricture  of  the  urethia. 

(Med.  tmi.  and.  gaz.  1874.  Decbr.  12.  p.  653.) 

Nichts  neues  ausser  der  Empfehlung  metallener  Instrumente  zur  allmftligen 
Dilatation  einfacher  Stricturen.  Die  Neigung  zu  Schattelf  rösten  nach  Einführung 
von  Instrumenten  in  die  Urethra  will  er  durch  prophylaktische  Verabreichung  Ton 
Chinin  erfolgreich  bekfimpft  haben.  Ranke  (Halle). 

W.  Braper.    On  iutra-uterine  injections  in  hemorrhage. 

(The  med.  Examiner  1874.  No.  18.) 

D.  giebt  ein  Resum^  seiner  wShrend  7  Jahren  gemachten  Er&hrungen  bezag- 
lieh  der  styptisohen  intrauterinen  Injectionen  bei  HSmorrhagieen.  Jf,  lobt  beson- 
ders das  Eäsenchlorid,  welches  er  auch  bei  Hftmorrhagieen  post  paitum  mit  Erfolg 
in  die  Uterushöhle  injioirte.  D.  sah  niemals  irgend  einen  Nachtheil.  Ausser 
Eisenchlorid  wandte  D.  an:  Acid.  tannicum,  Matioo- Infus  und  Eiswasser.  Es 
werden  3  FiUe  mitgetheilt,  in  welchen  die  Injectionen  mit  gutem  Erfolg  gemacht 
wurden. 

I.  Fall.  Im  8.  Monat  der  Schwangerschaft  beträchtliche  Hftmorrhagie.  Keine 
placenta  praevia,  Kopflage  des  Foetus.  Da  die  H&morrhagie  sehr  betrftchtlich,  so 
wird  unter  sorgfältiger  Vermeidung  der  Eihäute  ein  elastischer  Katheter  in  den 
Uterus  geführt  und  etwa  2  Unzen  eines  starken  Matico- Infus  injidrt.  —  Tampo- 
nade der  Vagina.  Innerlich  Reizmittel.  —  Am  folgenden  Morgen  Tampon  ent- 
fernt; geringe  Blutung.  2.  Injection.  Tampon.  Blutung  kehrte  nicht  wieder. 
Einige  Tage  später  ein  lebendes  Kind  geboren.  — 

II.  Fall.  Hämorrhagie  post  partum  nach  Ezpulsion  der  Placenta.  Mit  Hülfe 
eines  elastischen  Katheters  in  die  Uterushöhle  mehrere  Unzen  Eiswasser  injicirt. 
Uterus  contrahirt  sich,  Hämorrhagie  sofort  gestillt.  — 

in.  Fall.  Retroversio  uteri.  Profuse  Menstruation.  Injection  von  etwa 
2  Unzen  Eisenehlorid  (1:10  Wasser).  Vollständiger  Erfolg,  kein  Nachtheil. 
Menstruation  regelmässig,  von  normaler  Stärke,  schmerzlos.  Hodge'sches  Pessa- 
rium.  Die  Hämorrhagie  kehrte  später  1  oder  2  Mal  wieder,  als  Patientin  das 
Pessarium  ablegte.  TUlmanns  (Leipzig). 

Dr.  M.  Arthur.     A  comu  lemoved  from  the  forehead. 

(Transactions  of  the  Chicago  society  of  physicians  and  surgeons. 

The  med.  Examiner  1874.  No.  16.) 

Das  Hom  stammte  von  der  Stirn  einer  sonst  vollkommen  gesunden  53jährigen 
Frau.  3  Jahre  vorher  hatte  ein  anderer  Operateur  an  derselben  Stelle  eine 
aCyste«  entfernt  und  in  dieser  Operationsnarbe  entwickelte  sich  allmälig  das  Haut- 
hom.  In  der  Occipital-  und  Parietalgegend  fanden  sich  ebenfalls  6—7  knoten- 
artige Auswachse,  die  von  A.  exstirpirt  wurden.  —  Auch  Dr.  Lyman  entfernte 
ein  1  %  Zoll  langes  Hom  von  der  Mitte  der  Unterlippe. 

TUlmanns  (Leipzig). 

Origlnalmlttheilungen,  Monogrsphleen  und  Separatabdrüoke  wolle 
man  an  Dr,  ff.  lYUrncmu,  Leipzig,  Marienstrssse  No.  3,  oder  an  die  YerUgshandlang, 
BreUkopf  und  HäHd^  einsenden. 


Df«ek  vad  Ytrlag  tob  Braltkopf  and  Hirtol  Im  Loij^if. 


Gentralblatt 


fUr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOB 

Dr.  L.  Lfiser,  Dr.ft ScMe,  Dr.  E  Tttlnaiiiiis 

in  Berlin.  in  Halle  a.  8.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  deg  Jahrgangs  20  Mark,   bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


H!;  9.  Sonnabend,  den  27.  Februar.  1875. 

Ilhalt:  Berflianily  Die  Resultate  der  €tolenkreseetionen  im  Kriege.  —  Kapptler,  Chi- 
roigigehe  Beobachtungen.  —  Sappty,  Lymphgefisssyetem.  —  BefMt,  Animalisehe  Liga- 
taren.  —  Lesser,  Anpassung  der  Oef&sse  an  grosse  Blotmengen.  —  Beeckel,  Wund- 
behandlung. —  Hllltr,  Erysipelatoser  EntzÜndungsprozess.  —  kndri,  Geschwulstmettstasen. 
—  Eteher,  Exstirpation  des  Mundbodencardnoms.  —  SobortW,  Electrolyse  bei  Behandlung 
der  Hodentumoren.  —  B^ftnger-F^raud,  Function  der  Leber. 

Shikowenkoff,  Garbolsäureinjectionen  bei  Erysipel.  —  Milllngeny  Trachom.  —  Fer- 
Haiez,  Pustula  maligna.  —  Mttller,  Goloboma  bulbi.  —  Nagen,  Stimmet,  Untersuchung 
<ie8  Obres  im  polarisirten  Lichte.  ^  RIchet,  FaU  von  akutem  purulentem  Oedem.  — 
LJaebowitf Ch  y  Exartlculatlo  femoris.  —  Maunolry  Herzwunde.  —  Lorenz ,  Martini, 
CkfVtlier,  Penetrirende  Bauch  wunden.  —  Maclaren,  Anus  praeternaturalis.  —  Adams, 
Incareerirte  Hernie  durch  Einspritzungen  von  Oel  reponirt. 


Bergmann.     Die  Resultate  der  Gelenkresectionen  im  Kriege. 

(Mit  20  Tafeln  Albertotypie  und  einer  lithographischen  Tafel.  St.  Petersburg. 

CBieker.  1874.) 

Verf.  während  des  Krieges  Vorstand  der  Lazarethe  »Seilerbahna 
in  Mannheim  und  der  i»Friedrichsbaracken«  in  Karlsruhe^  berichtet 
über  die  in  denselben  theils  selbständig  ausgeführten,  theils  nach 
der  Operation  durch  Andere  in  Nachbehandlung  genommenen  Resec- 
denen  des  Ellenbogens,  der  Schulter  und  des  Fusses  mit  möglichst 
genauer  Angabe  der  Schlussresultate. 

Resectionen  des  Ellenbogengelenks  9  Fälle. 

Alle  in  der  Secundärperiode,   3  Mal  partiell,   6  Mal  total  ausgeführt. 
2  todtliche  Ausgänge  durch  Pyaemie. 

Vollkommene  Gebrauchsfahigkeit  bei  activ  möglicher  Beweglich- 
keit des  Gelenks  (incL  Pro-  und  Supination)  und  ausreichender  Ge- 

9 


130  Centralblatt  fÜT  Chirurgie.    No.  9. 

schicklichkeit  der  Finger  nur  2  Mal  erzielt.  Schlottei^elenk  bei 
massig  guter  Function  der  Finger  einmal.  In  den  vier  übrigen  Fällen 
Ankylose,  zweimal  im  stiunpfen,  sweimal  im  rechten  Winkel  bei  nur 
in  2  Fällen  zu  ermittelnder,  massig  guter  Beweglichkeit  der  Finger. 

Resectionen  im  Humero-Scapulargelenk. 

13  Mal  in  der  Secundärperiode  ausgeführt.  3  Todesfälle.  1  Heilung 
nach  Exarticulatio  humeri. 

Die  antipyretische  und  antiphlogistische  Wirkung  des  Eingriffes 
blieb  in  der  Regel  aus^  wohl  deshalb,  weil  bei  einer  ungewöhnlich 
grossen  Zahl  auch  der  am  Leben  Gebliebenen  schwere  suppurative 
Periostitiden  des  übrig  gelassenen  Humerusschaftes  sich  entwickelten. 
Doch  ist  es  zu  dem  sogenannten  lähmungsaztigen  Zustand  des  Armes 
dennoch  nur  einmal  gekommen,  während  die  anderen  Male  die  volle 
Kraft  der  Hand  und  der  Bewegungen  im  Ellenbogengelenk  wieder 
gewonnen  wurde,  seibat  da  wo  ein  passives  Scblotteigelenk  sich  ge- 
bildet hatte  oder  noch  lange  Fisteln  bestanden.  Die  Rettung  der 
langer  und  der  Hand  scheint  hiernach  in  der  Macht  des  Arztes  und 
dem  Willen  des  sich  übenden  Patienten  zu  li^en. 

Nur  einmal  wurde  die  active  Beweglichkeit  in  der  Schulter  nach 
allen  Seiten  wiedergewonnen,  active  Beweglichkeit  in  der  Richtung 
von  vom  nach  hinten  in  weiteren  Excursionen  erhielt  sich  viermal^ 
die  active  Abductionsbew^gung  zweimal. 

Das  obere  Humerusende  articulirte  einmal  in  einer  aus  Ver- 
wachsung des  Acromions  mit  Processus  coraooideus  entstandenen  Pfanne 
zu  deren  Bildung  auch  Reste  des  Collum  scapulae  mithalfen.  In  den 
meisten  anderen  Fällen  war  dagegen  das  obere  Humerusende  gegen 
die  Thoraxwand  luxirt. 

Die  gewonnenen  Knochenpräparate  zeigten  zweimal  Schussrinnen 
ohne  Splitterung.  In  einer  derselben  beÜEind  sich  noch  die  offenbar 
mit  ihrer  Längseite  eingedrungene  Kugel.  An  den  übrigen  Präpa- 
raten fehlte  die  Bestätigung  des  Satzes,  dass  Schüsse  unterhalb  des 
Collum  chirurgicum  und  dturch  dasselbe  immer  mit  erheblicher  Split- 
terung in  den  Schaft  hinein  verbunden  sind.  Auffallen  musste  dabei 
die  verhaltnissmässig  grosse  Zahl  (4)  der  fast  vollständigen  Abapren- 
gungen  des  Kopfes. 

Resectionen  des  Fussgelenkes. 

1 1  Fälle,  8  Mal  total,  3  Mal  partiell  (Talus  und  Mall.  ext. ;  Malleol.  ext., 
Tibia) ;  meist  secundär,  einmal  am  fünften  Tage  nach  der  Verletzung 
ausgeführt.  Ein  Todesfall  am  4.  Tage  nach  der  Resection  an  Sept- 
haemie,  ein  anderer  sehr  spät,  1  Jahr  nach  der  Verletzung  an  Er- 
schöpfung. 

Der  Wundverlanf  war  fünfmal  ein  ungestört  günstiger ,  einmal 
kam  die  Heilung  erst  im  6.  Monat  nach  Abstossung  nektotisdker 
Splilter  zu  Stande.  Die  übrigen  Fälle  gaben  den  Beweis,  dass  auch 
bei  Kriegsresectionen    des  Fussg^lenks    Eitersenkungen    und    Caries 


Oentralblatt  Itlr  Chirurgie.     Nö.  9.  131 

der  Fusswuiflel  das  Endresultat  verzögern  können.  Fisteln  restirten 
im  5.,  8.,  9.  Monat^  einmal  noch  im  zweiten  Jahre  und  zwangen 
in  einem  Falle,  ak  mehr  wie  1  Jahr  nach  der  Resection  bereits  terflos- 
sen  war,  zur  Amputation. 

Hei  fSaet  allen  Operirten  sind  ungünstige  Stellungen  der  Füsse  zu 
Staude  gekommen^  einmal  nämlich  eine  geringe  Plantarflexion,  die 
andern  Male  daneben  noch  eine  leichte  Varusstellung.  Doch  wird 
zugegeben,  dass  dieser  Misserfolg  allein  von  der  Art  der  Nachbe- 
handlung abhing. 

Mit  ein«r  Ausnahme,  bei  der  freilich  nur  massige  Excutsionen 
möglich  sind,  erfo^te  jedesmal  totale  Ankylose  des  Gelenks.  —  Die 
der  Schrift  beigegebenen  Tafeln  sind  klar  und  instructiv. 

Wilk.  Koch  (BerUn). 

O.  Kappeier.  Chirurgische  Beobachtungen  aus  dem  Thur- 
gauischen   Cantonsspital  Münsterlingen    während   der   Jahre 

1865—1870. 

1874.    gr.  SO.   VI.  u.  322  S.    Mit  Plänen  und  8  Stereotkopbildern. 

Frauenfeid,  J.  Huber't  Buohhdig. 

In  vorliegendem  Werke  hat  Verf.,  dirigiifender  Arrt  genannten 
Krankenhauses,  das  ganze  chirurgische  Keobachtungsmaterial  aus  einem 
^jakrigen  Zeiträume  nach  den  ron  ihm  geföhrten  Krankengeschichten 
mit  groseem  Fleisse  gesammelt,  geordnet  und  bearbeitet,  wobei  er 
in  der  Anordnung  des  Stoffs  und  in  der  Aufstellung  der  zahlreichen 
statistischen  Tabellen  genau  dem  Beispiele  gefolgt  ist,  das  ihm  in 
der  schirurgisfidien  Klinik,  Zürich  1S60 — 1867«  seines  Lehrers  Bill- 
roth  g^eben  war.  Ist  nun  auch  das  thurgauische,  »nicht  klinische« 
Cantonsspital^  aus  dem  yorliegendee  Werk  stammt,  nicht  so  reich  an 
chiraigis^dLem  Material,  wie  das  grössere  T^klinische«  Krankenhaus  des 
Cantons  Zürich^  und  hat  Verf.  auch  das  Werk  zunächst  nur  »zu 
eigener  Belehrungu  und  als  Berichterstattung  an  seine  vaterländischen 
CoUegen  YeitoMt,  so  dürfte  doch  der  immerhin  bedeutende  Umfang 
der  hier  niedergelegten  chirurgischen  Erfahrungen  und  die  sorgfältige 
statistische  Bearbeitung  auch  ein  weiteres  Interesse  beanspruchen,  zu- 
mal in  der  Schweiz,  welche  durch  die  genannten  beiden  Werke  von 
Billroth  und  Verf.  die  erste,  breite  Grundlage  zu  einer  Wissenschaft' 
Kch  verwerthbaren  Landesstatistik  der  chirurgischen  Krankheiten  er- 
]äAu  —  Naoh  einer  ausführlichen  Schilderung  des  Krankenhauses, 
setaer  Einrichtung,  Direction  und  Verwaltung  giebt  Verf.  erst  eine 
aUgemeine  Statistik  aller  von  ihm  in  genanntem  Zeitraum  beobachte- 
tet Krankheiten  und  reiht  dann  daran  die  specielle  Bearbeitung  der 
diiraigischen  Krankheiten  der  einzelnen  Körpertheile,  wobei  dtirch 
ausfiifarlidie  Wiedergabe  seltener  tmd  interessantel-  Fälle  die  Casuistik 
eine  weseittUche  Bereicherung  erhält.  Wie  Billroth,  so  hat  auch 
Verf«  sich  die  Mühe  genommen,  dem  Schicksal  der  aus  dem  Spital 
Entlassenen  noch  Jtfhre  lang  nachzugehen  ntid  vHr  erhalten  dadurch 

9* 


132  Centralblatt  fftr  Chirurgie.    No.  9. 

über  manche  noch  schwebende  Fragen  befriedigenderen  AufschluBs, 
als  es  ohnedies  möglich  gewesen  wäre ;  so  über  die  Endresultate  yer- 
schiedener  Operationen,  die  Becidivität  und  Mortalität  von  Geschwül- 
sten^ das  Yerhältniss  von  Scrophulose  und  Tuberkulose  zu  einander, 
die  Aetiologie  und  den  Ausgang  von  Caries  und  der  verschiedenen 
chronischen  Gelenkkrankheiten.  Anhangsweise  folgt  noch  eine  Abhand- 
lung über  Beverdin's  Hauttransplantationen^  welche  Verf.,  bei  einem 
ziemlich  reichUchen  Material  von  Beingeschwüren  zu  mehreren  Tausen- 
den in  den  letzten  Jahren  gemacht  hat.  Eine  statistische  Zusammen- 
stellung der  chronischen  Gelenkentzündungen,  der  Amputationen  und 
Resectionen,  mit  öfterem  Hinweis  auf  die  entsprechenden  Kapitel  von 
Billroth 's  bekanntem  Werke,  bildet  den  Schluss  der  Arbeit. 

KrSnlelii  (Berlin). 

Ph.  G«  Sappey.     Le  Systeme  lymphatique. 

(Le^ons  recueiUies  par  Ouignard.  —  Mouvement  m^dical  1875.  No.  1.) 

In  einigen  Vorlesungen  vor  seinen  Hörern  in  der  med.  Facultät 
bespricht  der  bekannte  Pariser  Anatom  seine  Ansichten  über  Ursprung 
der  Lymphgefasse  und  deren  Beziehung  zu  den  Blutgefässen.  Wir 
halten  die  Mittheilung  dieser  Ansichten  für  werth,  weil  sie  den  in 
letzter  Zeit  am  meisten  verbreiteten  Anschauungen  über  den  Gegen- 
stand fast  vollständig  entgegenlaufen.  Da  es  sich  aber  um  einen 
gleichsam  extemporirten  Vortrag  und  nicht  um  ein  in  sich  geschlosse- 
nes Opus  handelt,  begeben  wir  uns  von  vornherein  einer  jeden  Kritik. 

Verf.  meint  zunächst,  dass  keine  der  Methoden,  die  man  bisher 
beim  Studium  der  Lymphgefasse  in  Anwendung  gebracht  hat,  dass 
weder  die  Untersuchungen  von  Mascagni,  noch  diejenigen  von 
Fohmann,  Panizza  und  Lauth,  noch  endlich  v.  Reckling- 
hause n's  Arbeiten  eine  wahre  Vorstellung  von  dem  Ursprung  der 
Lymphgefasse  ergeben  haben.  Er  führt  hierauf  ein  viertes,  neues 
und  von  ihm  herstammendes  Verfahren  an ,  welches  weder  auf  In- 
jection  der  Geiasslumina,  noch  auf  Deutlichmachung  der  Gefasswand 
beruht,  sondern  auf  der  Tinction  der  Lymphe  selbst.  Dieselbe  wird 
gleichzeitig  zur  Gerinnung  gebracht  und  schliesst  die  in  den  Lymph- 
wegen enthaltenen  zelligen  Gebilde  mit  ein.  —  Eine  nähere  Be- 
schreibung dieser  »methode  rigoureusement  scientifique«  wird  nicht 
gegeben.  —  Es  entspringen  nach  S.  die  Lymphcapillaren  aus  einem 
feinmaschigen  Netz  engster  Canäle  (capillicules),  die  mit  verschieden 
grossen,  meist  stemfärmigen  Hohlräumen  (lacunes)  communiciren. 
Durch  die  feinsten  Canälchen  treten  diese  Lacunen  einestheils  mit 
einander  in  mannigfache  Verbindung,  andemtheils  entspringen  aus 
ihnen  die  Lymphcapillaren  dadurch,  dass  die  Lacunen  sidi  in  Längs- 
zügen anordnen,  immer  schmäler  und  mehr  ausgezogen  und  endlich 
sogar  walzenförmig  werden.  In  den  Capillicules  und  den  Lacunen 
sind  kernige  Gebilde  in  sehr  regelmässig  linearen  Zügen  angeordnet  (!) 
enthalten,  nach  Verf.  die  Kerne  der  künftigen  Lymphzellen,  wie  sie 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  9.  133 

sich  dann  in  reicher  Menge  in  den  Lymphcapillaren  angehäuft  finden. 
S.  sieht  die  Lymphcapillaren  als  die  Brutstätte  der  Lymphzellen  an; 
ar  meint  gesehen  zu  haben^  wo  der  Kern  noch  Kern  ist^  und  wo  er 
sich  zur  ZeUe  umwandelt.  Die  Lymphcapillaren  veTeinigen  sich  zu 
den  centralen  Stämmchen  der  Hautpapillen  sowohl^  wie  der  Schleim- 
hautzotten^  die  darin  einander  völlig  gleichen  sollen.  Die  centralen 
Stammchen  aber  treten  an  der  Basis  der  Papillen^  resp.  Zotten  zu 
einem  reichen  Netz  von  grosseren,  sich  vielfach  durchkreuzenden 
Zweigen  und  Aesten  zusammen.  In  diese  münden  auch  die  kleineren 
Lymphgefässe^  die  von  den  Talg-  und  den  Schweissdrüsen  und  von 
den  Haarfollikeln  kommen.  Das  Netz  der  grösseren  Lymphcanäle 
nimmt  blos  das  oberste  Drittel  des  Corium  ein,  in  den  tieferen  Schich- 
ten erblickt  man  nur  einzelne  von  den  Schweissdrüsen  kommende 
Stiimmchen.  Für  das  subcutane  Bindegewebe  läugnet  S.  die  An- 
wesenheit der  Lymphgefasse.  Dasselbe  sei  völlig  unabhängig  von 
dem  Lymphgefässsystem.  Organe,  die  sehr  reich  an  Ljrmphgefassen 
sind,  wie  der  Hoden  und  die  Lymphdrüsen,  die  Leber,  die  Milz,  der 
ütarus  zeigen  wenig  Bindegewebe.  Die  solitären  Lymphfollikel  sollen 
letzteres  gar  nicht  enthalten.  —  Die  Lymphgefassnetze  stehen  durch 
die  »canalicules«  in  directer  Communication  mit  den  Blutgefasscapil- 
laren.  Während  so  einmal  der  Lymphstrom  durch  die  Venen  in  den 
Blutstrom  mündet^  stehe  anderntheils  das  Blutplasma  in  directem 
Wechselverkehr  mit  der  Lymphe  durch  jene  feinsten  Wurze^*:  uer 
Lymphcapillaren.  Die  Beweise  des  Verf. 's  beruhen  auf  anatomischen 
Präparaten,  wo  er  die  centralen  BlutgefHssstämmchen  der  Papillen 
Ton  einem  Netz  feinster  Gefässchen  umsponnen  fand,  welche  letztere 
sich  in  die  Blutcapillaren  einsenkten  und  an  deren  Wand  man  deut- 
lich die  stachelförmigen  Fortsätze  wahrnehmen  konnte.  Durch  Injec- 
tion  geringer  Mengen  von  carminsaurem  Ammoniak  lässt  sich  nach 
S.  Obiges  gut  demonstriren.  Die  physiologischen  Beweise  aus  der 
angeblichen  Identität  der  Lymphe  und  des  Blutplasma,  sowie  aus  der 
angeblich  gleichen  Geschwindigkeit  des  Lymph-  und  des  venösen  Blut- 
Stromes^  sind  gewiss  wenig  überzeugend.  Weiterhin  fuhrt  Verf.  Fälle  an, 
wo  bei  chronischer  Dilatation  der  Lymphwege  (Elephantiasis  scroti, 
Lymphvaricen  am  Bein  einer  Frau)  als  auch  bei  entzündlicher  Er- 
weiterung derselben  (Lymphangitis  am  Scrotum)  sich  Blutkörperchen 
in  der  Lymphe  und  Lymphgefässen  nachweisen  Hessen,  ohne  die 
Thatsache  zu  verwerthen,  dass  beim  Abzapfen  grösserer  Mengen  von 
Lymphe  bei  Thieren  nach  einiger  Zeit  dieselbe  blutig  zu  werden 
pflegt.  Die  chirurgisch  interessantesten  Befunde  des  Verf. 's  für  den 
postulirten  directen  Uebertritt  rother  Blutkörperehen  aus  den  Blut- 
capillaren in  die  Lymphwege,  sind  diejenigen;  wo  er  bei  in  Eiterung 
fibelgehender  Sehnenscheidenentzündung  nach  einem  tiefen  Panaritium 
am  Finger,  femer  bei  Beingeschwüren  und  drittens  bei  Erysipel  den 
Zustand  der  Lymphgefasse  der  Haut  untersuchte :  starke  Erweiterung 
der  centralen  Lymphstämme  in  den  Papillen;  diese  Stämmchen  aus- 
gestopft mit  ruthen  Blutkörperchen,  fast  kein  Plasma,  spärliche  weisse 


134  Centralblatt  far  Chirurgie.     No.  9. 

Zellen^  vielleicht  eine  auf  800 — 400  rothe  Blutseheiben.  Die  Lympk- 
capillaren  deutlieh  in  ihrem  Durchmesser  yetgrössert.  Die  Zahl  der 
»capillicules«  anscheinend  vermindert,  da  viele  derselben  zu  Lacunen 
erweitert  erscheinen  und  so  sehr  auffällige  weite  Plexus  von  Hohl- 
räumen darstellen.  <-*  Weiterhin  äussert  Verf.  seine  Ideen  über  die 
Schicksale  der  nach  ihm  in  den  Lymphcapillaren  geborenen  Lymph- 
zellen. Er  lässt  sie  in  die  Lungencapillaren  gelangen,  wo  sie  ihr 
»Hämatosin«  erhalten  und  zu  farbigen  Zellen  werden,  um  später  in 
den  Blutcapillaren  ihre  Functionen  zu  verrichten  und  —  unterzugehen. 
—  Wie  dem  Bindegewebe,  so  spricht  S.  auch  dem  Centralnerven- 
System,  den  synovialen  und  serösen  Häuten  und  den  Knochen  jede 
engere  Beziehung  zu  den  Lymphgefassen,  speoiell  zu  den  Lymphge- 
fasswurzeln  ab.  Die  perivasoulären  Lymphscheiden  sind  nach  Verf. 
specielle  Hüllen  der  Gebilde,  aber  keine  Lymphgefässe.  —  Die  sub- 
serösen Lymphgefassnetze  werden  auf  ihren  unmittelbaren  Zusammen- 
hang mit  den  Lymphgefassen  der  von  der  Serosa  bekleideten  Organe, 
und  nicht  auf  eine  Communication  mit  dem  Inhalt  der  serösen  Höhlen 
zurückgeführt.  —  Die  Stomata  läugnet  S.  auf  Grund  dessen,  dass 
bei  vollständigster  Injection  z.  B.  der  Lymphgefassnetze  des  Diaphragma 

kein  Tropfen  Flüssigkeit  an  die  Oberfläche  des  letzteren  gelangte. 

Lesser  (Berlin). 

Berens.     Animal  ligatures. 

(PhUadelphia  med.  Times  1874.  No.  145.  p.  708  flf.) 

Die  von  Haynes  über  diesen  Gegenstand  veröffentlichten  Re- 
sultate (cf.  Centralblatt  1874,  No.  22)  sind  nach  B.  nicht  unanfecht- 
bar, weil: 

i)  verschiedenes  Material  an  dasselbe  Gefass,  zur  selben  Zeit 
und  sehr  nahe  an  einander  gelegt  wurde,  weil 

2)  tiefliegende  Gefasse  gewählt  wurden,  die  ohne  erhebliche  In- 
sultirung  der  Gewebe  nicht  erreicht  werden  können  und  weil. 

3]  die  zu  den  Experimenten  benutzten  Katzen  sehr  zur  Eiterung 
neigen. 

B.  verwendete  bei  seinen  Versuchen:  genau  nach  Li  st  er  zube- 
reitetes Catgut,  imcarbolisirten  Darm,  Peritoneum^  das  in  Streifen 
geschnitten  und  gedreht  wurde ,  getrocknete  Bindersehnen,  endlich 
Seide. 

Dieses  Material  wurde  theils  in  der  Form  von  S^tons  oder  Kno- 
ten unter  die  Haut  gebracht,  theils  als  Ligatur  verwendet. 

Am  meisten  reizte  die  Gewebe  die  Seide;  sie  führte  ausnahms- 
los profuse  Eiterung  herbei.  Ihr  folgte  carbolisirter  Darm  und  dann 
Peritoneum.  Während  letzteres  so  lange  Reizungserscheinungen  ge- 
ringen Grades  bedingt,  als  es  in  der  Wunde  verweilt,  unterhält  car- 
bolisirter Darm  dieselben  nur  durch  etwa  4  Tage.     Fast  keine  Ver- 


Centralblatt  far  Cfairuigie.    No.  9.  135 

eil  der  .Nftchbanohaft.  bedingen  einfacher  Darm  und  die 
Sehne. 

In  Hezng  auf  die  Absorptionsfähigkeit  steht  an  der  Spitze  ein- 
facher Dam»  ihm  folgt  carboUsirter^  dann  Peritoneum,  endlich  die 
Sehne.  Der  einfache  Darm  ist  durchschnittlich  in  U  Tagen,  die 
Sehne  in  16  Tagen  resorbirt. 

Aus  d»L  oben  angeführten  Material  bereitete  und  unter  die  Haut 
gebrachte  Knoten  reizten  am  meisten,  wenn  sie  aus  Seide  bestanden; 
"weniger  intensiv  wirkten  carbolisirtes  Catgut  und  Peritoneum;  ein- 
facher Darm  schien  am  wenigsten  zu  schaden. 

Die  Experimente  mit  directer  Unterbindung  der  Gefasse  ergaben, 
dass  Säde  und  Peritoneum  eine  relativ  starke  und  langdauernde 
Schwellung  und  Eiterung  erzeugen.  Nicht  viel  davon  unterscheidet 
sich  caral>olisirter  Darm.  Erheblich  weniger  reizen  ein&cher  Darm 
und  Sehne  die  Nachbarschaft.  Alle  Versuche  sprechen  zu  Gunsten 
des  einfachen  Darmes  und  der  Sehne. 

Von  diesen  beiden  wird  schnell  aufgesogen  und  reizt  sehr  wenig 
der  Darm;  doch  umfasst  er  die  Gefasse  nur  unsicher,  auch  wenn  er 
dick  geknotet  wird.  Die  Sehne  dagegen  kann  in  ausserordentlich 
dünnen  Fäden  mit  vollkommener  Sicherheit  verwendet  werden  und 
möchte  auch,  wenn  sie  infolge  (ihrer  geringeren  Absorbirbarkeit  län- 
ger in  der  Wunde  liegen  bleiben  muss,  kaum  schaden,  da  auch  sie 
nur  wenig  irritirt.  In  ihr  wäre,  nach  B.,  das  vorzüglichste  Unter- 
bindungsmaterial zu  suchen.  Wllb.  Koch  (Berlin). 


L.  Lesser.     lieber   die  Anpassung    der  Gefasse    an   grosse 

Blutmengen. 

(Aus  dem  physiologiscben  Institute  su  Leipiig.    Berichte  der  math.-phyi.  Olaese 
der  kOoigl.  säche.  OeseUtchaft  der  Wieeeniohaften.    Bitcung  vom  6.  August  1874.) 

L.  discutirt  in  der  ersten^  grosseren  Hälfte  dieser  Arbeit  die 
Frage^  ob  sich  am  lebenden  Thier  aus  der  Färbekraft  die  Blutmenge 
bestimmen  lässt^  w^enn  sie  durch  die  Transfusion  bedeutend  vermehrt 
ist  und  berichtet  danach: 

I.  lieber  das  Befinden  der  Thiere  nach  einer  bedeutenden  Ver- 
mehrung des  Blutgebaltes. 

Aus  mehreren  mit  defibrinirtem  und  ganzem  Blut  angcRtellten 
Versuchen  lässt  sich  die  Behauptung  rechtfertigen ,  dass  Hunde, 
denen  zum  mindesten  noch  einmal  so  viel  Blut  beigebracht  wurde> 
als  sie  ursprünglich  besitzen,  ohne  bemerkbare  Zeichen  gestörter  Ge- 
sundheit fortzuleben  vermögen. 

II.  Ueber  den  Druck  in  den  grossen  Venen  nach  der  Transfu- 
sion, wobei  es  sich  mit  einer  gewissen  Wahrscheinlichkeit  herausge- 
stellt hat,  dass  durch  den  bedeutenden   Zuwachs  der  Blutmenge  die 


136  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  9. 

natürlichen  Verhältnisse^  welche  in  den  Venenstämmen  zwischen  Zu* 
und  Abfiuss  bestehen^  nicht  geändert  worden  seien.  — 

III.    lieber  Aderlässe  an  normalen  und  überfüllten  Thieren. 

1.  Ueber  den  Gefössraum,  welcher  nach  der  Verbhitang  nor- 
maler und  überfüllter  Thiere  zurückbleibt.  — 

Die  Resultate  der  tödlichen  Verblutung  normaler  Thiere  ent- 
sprachen denjenigen^  welche  frühere  Autoren  gefunden  hatten.  Die 
Spannung  des  Gefässinhalts  wurde  =0,  nachdem  4,5  —  6^  des 
Körpergewichts  an  Blut  entleert  worden  waren. 

Bei  der  tödlichen  Verblutung  blutüberfüllter  Thiere  war  dagegen 
das  ausgeblutete  Volum  etwa  nur  gerade^ so  gross,  in  keinem  Falle 
grösser  als  dasjenige,  welches  vor  der  Transfusion  zu  erwarten  ge- 
wesen wäre.  Und  doch  hätte  man  annehmen  sollen,  dass  hier  die 
Aderlassmenge  ausser  dem  4 — 6)i^  betragenden  Verlust  des  normalen 
Thieres  noch  ein  Plus  ergeben  hätte,  als  Antheil  von  dem  durch 
Transfusion  zugefügten  Blutquantum.  Die  gleichzeitige  Tetanisirung 
des  Bückenmarks  mit  deutlicher  Steigerung  des  Blutdrucks  bewies 
aber,  dass  die  Ursache  für  die  geringe  Menge  des  ausgestossenen 
Blutes  jedenfalls  nicht  in  einer  mangelhaften  Zusammenziehung  der 
Gefässwandungen  su  suchen  sei.  — 

2.  Ueber  die  Geschwindigkeit,  mit  welcher  das  Aderlassblut  hervor- 
strömt, suchte  sichL.  mit  Hülfe  der  von  Tappeiner  und  Slavjanski 
bereits  benutzten  Vorrichtungen  Auskunft  zu  verschaffen  und  zwar 
an  Thieren,  welche  zunächst  einfach  verblutet,  dann  einer  Trans- 
fusion ganzen  Blutes,  dann  einer  zweiten  Verblutung,  dann  wieder 
einer  Transfusion  defibrinirten  Blutes,  endlich  einer  dritten  und  töd- 
lichen Verblutung  unterworfen  wurden.  Diese  3  Versuchsarten  lie- 
ferten bei  gleichzeitiger  Messung  des  üarotidendrucks  folgendermassen 
zu  deutende  Curven.  Die  Geschwindigkeit,  mit  welcher  die  Entlee- 
rung erfolgt,  ist  in  den  ersten  20  Secunden  bei  der  Normalblutung 
grösser,  als  bei  den  folgenden,  obwohl  der  FüUungsgrad  der  Gefasse 
vor  den  beiden  letzten  Blutungen  bedeutend  grösser  war;  sie  ist  da- 
gegen jenseits  der  ersten  20  Secunden  in  den  beiden  letzten  Blu- 
tungen die  grössere.  Im  Ganzen  entleerten  sich  aber  dann  die  Ge- 
fasse nach  Einspritzung  defibrinirten  Blutes  weniger  rasch,  als  nach 
vorheriger  Transfusion  nicht  defibrinirten  (ganzen)  Blutes.  Möglicher- 
weise kommen  hier  die  Form-  und  Glätteänderungen  in  Frage,  welche 
die  rothen  Blutkörperchen  beim  Defibriniren  des  Blutes  zu  erleiden 
pflegen.  Wilh.  Koch  (Berlin). 

E.  Boeckel  (Strassburg  i/E.).     De  la  r^union  imm^diate  et 

du  mode  de  pansement  des  plaies. 

(Qazette  m^dicale  de  Strasbourg  1874.   No.  12.) 
Verf.  hat  in  den  zwei  vergangenen  Jahren  verschiedene  Methoden 
der  Wundbehandlung  bei  seinen  Operirten  angewendet.     Der  Gu^- 
r in 'sehe  occlusive  Watteverband,   die   offene  Wundbehandlung  und 


Ceniralblatt  fttr  Chinurgie.    No.  9.  137 

der  bisher  gebiäucUidLe  einfache  Wundrerband  wurden  hauptsächlich 
Terglichen;  des  List  er 'sehen  antiseptischen  Ver&hrens  hat  sich  B. 
bisher  zu  wenig  bedient,  um  sich  darüber  aussprechen  zu  können. 
Die  2]ahrige  Erfahrung  (ca.  50  grössere  Amputationen  und  Exarticu- 
lationen  und  14  Resectionen  wurden  während  dieser  Zeit  in  der  Spi- 
talabtheilung des  Verf. 's  gemacht)  haben  B.  zu  der  Ansicht  gebracht^ 
dass  der  Guirin'sche  Verband  auf  die  MortaUtät,  wenigstens  unter 
gunstigeren  Spitalyerhältnissen^  keinen  wesentlichen  Einfluss  übt,  dass 
er  jedoch  sehr  empfehlenswerth  ist,  und  zwar,  weil  die  Patienten  sich 
dabei  subjectiv  weit  am  besten  befinden;  die  Schmerzen  der  ersten 
taglichen  Verbände  werden  vermieden  und  die  Kranken  auch  viel  früher 
transportfithig,  was  namentlich  für  den  Krieg  von  hoher  Bedeutung 
erscheint.  Oefters  verlangten  die  Patienten  selbst  vor  der  auszufüh- 
renden Amputation,  wie  ihre  Nachbarn,  welche  sich  in  ihrem  dicken 
Watteverband  so  wohl  befanden,  behandelt  zu  werden.  B.  lässt  je- 
doch den  Verband  nicht  so  lange  liegen,  wie  Guirin  es  angiebt, 
sondern  nimmt  ihn  gewöhnlich  nach  ca.  10  Tagen  ab;  von  diesem 
Augenblick  an  ist  die  Behandlung  der  schön  granulirenden  Wunde 
die  übliche. 

Die  offene  Wundbehandlung  will  Verf.  für  gewisse  Fälle  gelten 
lassen,  indem  er  hervorhebt,  dass  S^dillot  sie  schon  vor  mehr  als 
20  Jahren,  hauptsächlich  für  die  Oberschenkelamputationen  mit  vor- 
derem Lappen,  empfohlen  und  angewendet  habe. 

In  Bezug  auf  Nähte  soll  man  sehr  vorsichtig  sein.  Sie  dürfen 
nach  B.  nur  da  angelegt  werden,  wo  eine  absolute  Indication  zur 
prima  intentio  vorhanden  ist,  also  bei  plastischen  und  ähnlichen  Ope- 
rationen und  dann  in  gewissen  Gegenden,  wo  die  Heilung  per  primam 
erfahrungsmässig  sehr  leicht  zu  erzielen  ist,  wie  im  Gesicht,  am  Hals, 
an  den  Geschlechtstheilen,  an  den  vorderen  Bauch  Wandungen.  —  An 
der  behaarten  Kopfhaut,  bei  queren  und  schiefen  Wunden  der  Glied- 
massen und  ganz  besonders  nach  Exstirpatio  mammae  sollen  sie  meist 
schädlich  sein,  hauptsächlich  in  letzterem  Falle  das  Auftreten  von  Ery- 
sipelas  begünstigen.  Olrard  (StraBsburg  i/E.) 


A.   Hiller    (Berlin),     Der  erysipelatöse  Entzündungsprocees. 

Eine  kritisch-pathologische  Studie. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1874.  No.  48  u.  49.) 

Verf.  stellt  die  Thatsache  voran,  dass  die  Rose  so  wenig  zur  Eite- 
rung tendire,  trotzdem  nach  modemer  Anschauung  jede  reguläre  Ent- 
zündung mit  Auswanderung  farbloser  Zellen  einhergehe.  Kritisch 
polemisirt  er  gegen  die  Autoren,  welche  bei  Erysipel,  wie  bei  anderen 
infectiosen  Krankheiten,  eine  parasitäre  Genese  annehmen ;  besonders 
wird  Lukomsky  (cfr.  Virch.  Archiv  Bd.  60,  Hft.  3  u.  4)  ad  ab- 
surdum geführt.  H.  erwähnt  darauf  seine  und  Anderer  Experimente, 
welche  die  Schädlichkeit  der  Bacterien  immer  mehr  in  Frage  stellen 


t38  Centndblatt  ftUr  Ghuuigie.    |ip.  9. 

und  betont  die  ohemische  Natur  des  EryBipelaagiftea*  Die  Wirkungs- 
weito  des  letzteren  stellt  er  nach  seinen  Untersuchungen  folgender- 
massen  dar :  Aufgenommen  und  in  den  Kreislauf  durch  die  centripe- 
talen  Bahnen  geführte  wirkt  es  örtlich  phlogogen,  allgemein  pyrogen. 
Histologisch  charakterisirt  sich  seine  Wirkung  im  Blut  durch  Ter- 
mehrte  Auflösung  der  rothen  Blutkörperchen,  sowie  durch  eine  Nekrose 
oder  Nekrobiose  der  fiirblosen  ZeUen  (Körnung) ,  wo  erstere,  als  höhere 
Steigerung,  besonders  in  loco  infectionis  (wegen  der  hier  stärkeren  Cou- 
centration  des  Giften),  letztere  dagegen  vorzugsweise  im  circulirenden 
Blute  wahrgenommen  wird.  Zugleich  wird  die  Contractilität  und 
amöboide  Bewegung  der  weissen  Zellen  abgeschwächt,  resp.  ver- 
nichtet, daher  die  Unfähigkeit  der  Auswanderung,  der  Mangel  der 
Eiterung.  —  Aus  seiaen  Beobachtungen  erklärt  H.  ebenfalls  die  klini- 
schen Symptome  des  Krankheitsbildes,  das  sich  1)  durch  infectiösen, 
resp.  septischen  Charakter,  2)  superficielle  Ausbreitung  im  befalleneu 
Organ,  3)  durch  meist  fehlende  Tendenz  zur  Eiterung  kennzeichnet. 
Ausser  der  Haut,  welche  am  meisten  davon  befallen  wird,  nimmt 
Verf.  auch  erysipelatöse  Erkrankung  anderer  Organe  (Uterus,  Vagina, 
Pharynx)  an.  t*  Mosengell  (Bonn). 


C.  Andre.     Beitrag  zur  Lehre  von  der  Entetehung  der  Ge- 
schwulstmetastasen auf  embolischem  Wege. 

(Viroh.  Archiv  1874.  Bd.  LXI.  Hft.  3.  p.  383.) 

A.  vermochte  in  einem  ausführlich  mitgetheilten  Falle  die  embo- 
lische  Entstehung  von  Geschwulstmetastasen  durch  Krankengeschichte, 
Section  und  genaue  mikroskopische  Untersuchung  nachzuweisen.  Ein 
Rundxellensarcom,  wahrscheinlich  in  der  Gegend  der  incisura  ischia- 
dica  major  entstanden,  breitete  sich  anfangs  in  den  benachbarten  Ge- 
weben aus,  drang  daim  in  die  vena  iliaca  ein  und  so  in  die  Blut- 
bahnen. Losgerissene  Zellenhaufen  wurden  durch  die  vena  mesente- 
rica  inf.  in  die  Leber,  durch  das  rechte  Herz  in  die  Lungen  gefuhrt, 
um  dort  in  den  Arterien  eingekeilt,  ein  selbständiges  Leben  zu  be- 
ginnen. Nie  gab  das  mikroskopiache  Bild  den  Anschein,  als  sei 
durch  blosse  Infection  der  Zellen  der  verschiedenen  Organe  ein  An- 
stoss  gegeben,  sich  in  Sarcomzellen  umzubilden;  vielmehr  zeigten 
dieselben  überall  regressive  Veränderungen.  Die  Geschwulstembolieen 
wurden  durch  von  den  vasa  vasorum  abstammende  Gefasse  ernährt. 
Die  Wandungen  der  verstopften  Gefasse  gingen  bei  weiterem  Wachsen 
der  Geschwiüst  entweder  durch  Verfettung  zu  Grunde,  oder  sie  dehn- 
ten sich  vor  den  andrängenden  Zellenmassen  aus  und  blieb  von  ihnen 
nur  eine  dünne  Lage  Spindeln  übrig.  Die  Lungenvenen  vermittelten 
weitere  Uebertragung  von  Geschwulstpartikeln  in  den  grossen  Kreis- 
lauf zu  Milz  und  Nieren.  Vadelmii;  (Bonn. , 


OenMlblatt  fOv  Cbinirgie.    No.  9.  139 

Th.  Escher.      Ueber  die    Exstirpation    des    Mundbodencar- 

cinoms. 

In»ug.-Di88.    Zürich.  1874.  SOS. 

Verf.  giebt  eine  Zusammeustellung  von  11  in  der  Literatoi  be^ 
schriebenen  Fällen  dieser  Operation,  au  wichen  nooh  3  von  Kose  in 
Züridi  openbrte  und  bisher  noch  nicht  beschriebene  Fälle  kommen.  In  6 
Fällen  (Adelmann,  Jäger,  v.  Langenbeck,  v.  Bruns,  Rose 
2)  wurde  gleichzeitig  ein  Theil  des  miterkrankten  Unterkiefers  resecirt,  in 
SFällen  (Billroth  2,  Böckel,Bizzoli2,  Adam, Kosander, Böse) 
dagegen  eine  partielle  Zungenexsürpation  mit  der  Operation  ver-< 
bunden.  In  letztem  Fällen,  in  welchen  der  Knochen  des  Unter- 
kiefers intact  war,  geschah  die  Operation  mit  Ausnahme  des  Falles 
von  Adam,  der  das  Carpinom  direct  vom  Munde  aus  exstirpirte^  im- 
mer mit  Benutzung  einer  der  bekannten  Voroperationen.  So  treuiite 
in  einem  Falle  Rizzoli  den  Unterkiefer  in  der  Mittellinie  (Sedillot) ; 
Billroth  und  Bö  ekel  machten  die  temporäre  Besection  des  Unterkie- 
fers  (Billroth),  Rizzoli  spaltete  die  Wange  ( Jaeger  und  Heyfel- 
der),Rosander  legte  die  Zungenligatur  von  der  regio  suprahyoidea  aus 
an  (C 1  o  q  u  e  t)  und  machte  sich  B  i  1 1  r  o  t  h  Mundhöhlenboden  und  Zunge 
durch  den  'J^-  Schnitt  in  der  regio  suprahyoidea  zugängUeh  ( R  e  g  n  o  1  i ) . 
Auch  Rose  exstirpirte  in  seinem  Falle  ein  Carcinom  der  rechten 
Zungenhälfte  und  des  angrenzenden  Mundhöhlenbodens  von  der  regio 
suprahyoidea  aus,  indem  er  von  einem  seitlich  und  dem  untern 
Bande  der  rechten  Unterkieferhälfte  annähernd  parallel  angelegten 
Hautschnitte  aus  gegen  den  Boden  der  Mundhöhle  vordrang,  den- 
selben hart  am  Kiefer  vermittelst  des  Ecraseurs  dnrchtrennte  und 
durch  die  dadurch  erhaltene  Oeffiiung  von  unten  2  Ecraseure  ein- 
führte, deren  Ketten  die  erkrankten  Theile  der  Zunge  und  des  Bo- 
dens der  Mundhöhle  umfassten  und  trennten.  Der  später  geheilte, 
und  noch  nach  2V2  Jahren  ohne  Recidiv  gebliebene  Fall  soll  ausser- 
dem noch  dadurch  ausgezeichnet  gewesen  sein,  dass  abnormer  Weise 
art.  Hngnalis  und  art.  maxillar  externa  mit  einem  gemeinsamen  Stamme 
aus  der  carotis  extern,  entsprangen,  welcher  bei  der  Schnittoperatiou 
blossgelegt  wiurde,  und  unterbunden  werden  musste.  —  Obiger  Ope- 
rationsplan (der  an  das  von  Mirault,  de  Morgan  und  Nunne- 
ley  geübte  Verfahren  erinnert,  Ref.),  wird  als  eigene  »Rose'sche 
Methode«  beschrieben.  Krdnleln  (Berlin). 


S,   Soborow.     Die  Electrolyse  bei  Behandlung  der  Hoden- 
tumoren. 

(Moskauer  medicin.  Bote  1874.  No.  2.) 

Verf.  brachte  die  Electrolyse  in  40  Fällen  chronischer  Orchitis  in 
Anwendung  und  erzielte  dabei  gute  und  sohnelle  Resultate;  die  ent- 
zündliche Geschwulst   der  Hoden  verminderte  sich  schnell   und  ver^ 


140  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  9. 

schwand  in  einigen  Fällen  nach  3—4  Sitzungen.  Die  nach  Orchitis 
blenonrhoica  zurückbleibenden  Verhärtungen  der  Epididymis  wurden 
durch  die  Electrolyse  rasch  beseitigt.  In  4  Fällen  acuter  Orchitis 
erreichte  Verf.  bei  dieser  Behandlung  baldige  Verminderung  der  Ge- 
schwulst und  der  Schmerzen;  in  keinem  Falle  wurde  Steigerung  der 
entzündlichen  Symptome  wahrgenommen.  Fälle ^  in  denen  die  elec- 
trolytische  Behandlung  ganz  ohne  Einfluss  auf  die  Erkrankung  bliebe 
oder  sogar  eine  aUmaUge  Zunahme  der  Geschwulst  bedingte^  betrafen 
stets^  wie  die  spätere  mikroskopische  Untersuchung  der  castrirten 
Hoden  ergabt  Carcinoma  testis,  Sarcoma  testis  u.  s.  f.,  so  dass  die 
Electrolyse  auch  als  diagnostisches  Mittel  bei  Hodentumoren  zu  ver- 
werthen  wäre.  W.Chube  (Charkow). 

Berenger-Feraud.    De  Tinnocuite  des  ponctions  du  foie  avec 

le  trocart  aspirateur. 

(Bulletin  g^n^rid  de  th^rapeutique  Vol.  LXXXVII.  No.  11.) 

Probepunctionen  der  Leber  sind  ebenso  ungefährlich  als  diejeni> 
gen^  welche  so  häufig  bei  anderen  Oi^^anen  ausgeführt  werden. 

Verf.  selbst  hat  in  11  Fällen  5 — 15  Cm.  tief  in  die  Lebersubstanz 
bei  Verdacht  auf  Abscess  erfolglos  eingestochen^  ohne  dass  sich  die 
geringste  Beaction  darnach  zeigte. 

Er  citirt  mehrere  identische  Erfahrungen  von  de  Castro  und 
Velpeau. 

Ja  diese  Functionen  scheinen  bei  zwei  Patienten  fast  eher  gün- 
stig gewirkt  zu  haben;  der  Aspirator  hatte  ca.  100  Kbcm.  Blut  her- 
ausbefördert und  9  Zufall  oder  nichts  die  Schwellung  und  Schmerz- 
haftigkeit  der  Leber  schwanden  auf&Uend  rasch  auf  diese  echt  localen 
Blutentziehungen.  Girard  (Stnwsburg  i/E.). 

Kleinere  Mittheilungen. 

N.  Stnkowenkoff.     Behandlung  des  Erysipelas  mit'  Carbolsäureinjec- 

tionen. 
(Moskauer  medicin.  Bote  1874.  No.  1 — ^2.) 

St.  brachte  die  Behandlung  des  Erysipels  mittelst  Carbolsäureinjectionen  im 
Moskauer  Militär-Hospitale  in  16  Fällen  in  Anwendung.  Die  Fälle  betrafen:  12 
—  das  Gesicht,  1  —  den  behaarten  Kopftheil,  1  —  den  Hals,  1  —  die  obere  und 
1  ^-  die  untere  Extremität.  Die  Behandlung  wurde  am  2. — 4.  Tage  der  Erkran- 
kung angefangen.  Der  frühere  oder  spätere  Anfang  der  Behandlung  hatte  keinen 
merkbaren  Einfluss  auf  die  Dauer  des  Processes,  durchschnittlich  dauerte  er  bei 
allen  8  Tage.  Auf  Herabsetzung  des  Fiebers  hatten  die  Ii\jectionen  keinen  Ein- 
fluss; ebenso  konnten  die  Injectionen  an  der  Grenze  des  Processes  sein  Weiter- 
greifen nicht  verhindern;  trotzdem  verliefen  die  einzelnen  Fftlle  günstig.  Wo  viel 
Injectionen  in  die  entzündete  Stelle  gemacht  worden  waren,  konnte  St.  eine  be- 
deutende Abnahme  des  Schmerzes  und  der  Röthe  constatiren.  Eine  Verkürzung 
des  Processes  und  Verminderung  des  Fiebers  kam  hauptsächlich  in  den  Fällen 
vor,  wo  eine  allgemeine  Wirkung  der  Carbolsäure  eintrat,  —  also  eine  leichte  Intoxi- 
cation;  sogar  dann,  wenn  die  Injectionen  weit  entfernt  von  der  betroffenen  Stelle 
vorgenommen  worden  waren.  —  W.  €(mbe  (Charkow). 


Gentralblatt  für  Chinirgie.    No.  9.  141 

■dw.  milingen.     Le  Trachome  ä  Constantinople. 

(Gaz.  m6d.  d'Orient  1874.  No.  8  p.  122.) 

Obige  Affection  macht  etwa  12^  aller  Augenerkrankungen  in  der  Türken- 
haiiptstadt  aus.  Die  Verbreitung  dieses  hochgradig  contagiösen  Uebels  ist  bedeu- 
tend. Man  findet  ganie  Familien  davon  betroffen.  In  den  CoUegien,  Schulen  und 
Waisenhftusern  finden  sich  sehr  viel  Kinder,  die  an  diesem  Augenübel  leiden.  Nur 
das  Robert's  College  zu  Hissar  nimmt  eine  Ausnahmestellung  ein.  Die  Krank- 
heit, vorwiegend  in  den  niederen  Klassen  herrschend,  wird  von  dort  aus  h&ufig  durch 
Mfigde  und  Ammen  in  die  besser  situirten  Familien  eingeschleppt.  —  Verf. .  der  selbst 
aber  1000  F&lle  von  Trachom  behandelt  hat,  unterscheidet  etwa  folgende  Erschei- 
nungsweisen desselben :  erster  Qrad  besteht  in  Bildung  einfacher  Follikel,  die  nach 
lingerer  oder  kflrserer  Zeit  von  selbst  verschwinden  (?)  oder,  was  viel  h&ufiger  ist, 
sich  itt  weiter  ausgebildeten  Formen  des  Trachom  entwickeln.  Oefters  ist  die 
Follikeleruption  von  acuter  EntiOndung  der  Conjunctiva  begleitet  (Trachoma  acu- 
iom),  während  die  chronische  Form  des  Trachom,  wobei  es  zur  Bildung  von  pa- 
pillären Granulationen  kommt,  früher  oder  später  zum  Entstehen  des  Narben- 
tnchom  Veranlassung  giebt  In  seltenen  Fällen  hat  M.  die  amyloide  Entartung 
der  Conjunctiya  (S  t  e  1 1  w  a  g)  bei  Narbentrachom  beobachtet.  Häufiger  war  Trichiasis 
in  15X  der  Fälle  von  Narbentrachom.  Pannus  wurde  in  36,66X  der  FäUe  von 
Trachom  mit  Bildung  von  papillären  Granulationen  und  blos  in  b,2bX  der  Fälle 
von-  Narbentrachom  constatirt.  —  Das  chronische  Trachom  hatte  stets  beide  Augen 
eigriffen,  während  die  einfachen  Follikel  manchmal  blos  an  einem  Auge  vor^ 
kamen  (?)  Bei  Trachoma  acutum  erkrankten  öfters  beide  Augen  nach  einander, 
mit  mehrtägiger  Zwischenpause.  —  Unter  1000  Fällen  von  Trachom  sind  notirt : 
370  VITeiber  und  630  Männer.  Am  häufigsten  wurde  das  Alter  von  15—35  Jahren 
afiicirt.  Doch  fanden  sich  unter  den  Fat.  auch  Kinder  von  6—8  Monaten,  und 
auch  Greise.  In  einer  Tabelle  vertheilt  M.  seine  Fälle,  wie  folgt:  28  einfache 
Follikel,  24  Follikel  mit  Trachoma  acutum,  298  Trachoma  chronicum  mit  papill. 
Granulationen,  647  Narbentrachome,  3  Fälle  von  Deg.  amyl.  conjunct.  —  Als 
Complicationen  werden  angeführt  145  Mal  Pannus,  144  Mal  Kerat.  superf.,  70  Mal 
Kerat.  prof.  —  94  Mal  Trichiasis,  6  Mal  Pterygium,  14  Mal  Blenorrhoe  des  Thrä- 
nensacks.  —  30  Mal  ging  das  Sehvermögen  ganz  verloren. 

Ullenperger  (München). 

J.  S.  Femandes.     Pustula  maligna. 

(El  Anfiteatro  anatomioo  espafiol  1874.  No.  35.  p.   134.) 

In  der  Provinz  Toledo  soll  nach  F.  obige  Affection  an  den  Augenlidern  sehr 
häufig  vorkommen  und  wird  ihre  Ursache  vom  Verf.  auf  den  Stich  eines  giftigen 
Insectes  zurückgeführt,  welches  der  Lidschlag  und  die  Augenfeuchtigkeit  sur  Be- 
vorzugung gerade  dieser  Körperpartie  veranlassen  mag.  Eine  frühzeitige  und  ener- 
gische Anwendung  der  Caustica  hat  auch  hier  und  vor  Allen  das  ferrum  candens 
die  besten  Resultate  geliefert.  Misslich  ist  die  Entstehung  des  Ektropium,  welches 
sich  aber  bei  spontaner  Nekrose  der  Gewebe  unangenehmer  zu  gestalten  pflegt,  als 
wenn  man  frühzeitig  cauterisirt  und  dann  sofort,  unbekümmert  um  das  nach  der 
Aetzung  auftretende  Oedem  der  Umgebung,  einen  leicht  drückenden  Occlusions- 
verband  anlegt.  Das  einmal  vorhandene  Ektropium  ist  nur  durch  eine  kunstgerechte 
Plastik  zu  beseitigen.  Ullersperger  (München). 

J.  Kuller.    Beitrag  zur  Lehre  vom  Coloboma  bulbi. 

(Inaug.  Diss.  Bonn.  1874.  15.  Aug.) 

Verf.  stellt  die  hauptsächlichsten  Momente  über  betreffendes  Thema  zusam- 
men, indem  er  sich  besonders  auf  Liebreich  und  eine  bezügUc|ie  Dissertation  des 
Dr.  Hugo  V.  Ho  ff  mann  (Bonn  1871)  bezieht.  Schliesslich  theilt  er  drei  Fälle  mit, 
welche  auf  der  Klinik  des  Prof.  Sämisch  zur  Beobachtung  kamen:  1)  ein  Colo- 
bom  der  Sehnervenscfaeide  ohne  Colobom  der  Iris  und  Chorioidea,  zufällig  bei  einer 
Patientin   mit   Conjunctivitis  granulosa  entdeckt.    2)  ein  Fall,    welcher   nur  die 


142  .Centrblblatt  fär  Ohirurgiev    No«  9. 

Chorioidea  allein  betrifft »   3)  etn  Fall  von  BriIckeDOoloboiti  (Rotte  def  Membciftnit 
pupillaris.)  T.  Mosengeil  (Bonn). 

Hftgen  und  Btimmel  (Leipzig) .   Die  Untersuchtuig  des  Ohres  im  polari- 

sirten  Lichte. 
(Berl.  klin.  Wochenschrift  1874.  No.  48.) 

Die  Vff.  haben  Coccius'  interessante,  auf  geistvolle  Raisonnements  basirte 
Entdeckung  über  Wirkung  des  Polarisationsapparates  bei  ophthalmoskopischen 
Untersuchungen  benutit,  um  bei  otoskopischen  Versuchen  ähnlichen  Nutzen  für 
die  Untersuchung  su  gewinneui  als  ihn  Coccius  für  Untersuchung  des  Auges  er- 
sielte.  Wie  dieser  die  Hornhautreflexe  und  Cornealtrübungen  sum  Verschwinden 
brachte,  viele  Qlaskdrpertrübungen,  die  Retina  und  Reflex  der  macula  lutea  elimi- 
nirte  und  die  Aderhaut  deutlicher  hervortreten  lasst,  so  verschwindet  hier  der  zarte 
Glanz,  welcher  über  die  ganze  Oberfläche  des  normalen  Trommelfelles  verbreitet 
ist,  und  der  sogenannte  Lichtkegel,  jeder  Reflex  an  anomalen  Trommelfellen  und 
von  Flüssigkeiten  herrührend.  Ferner  lassen  sich  durch  den  Folarisationsspiegel 
an  einem  normalen,  durchscheinenden  Trommelfelle  einzelne  Abschnitte  zum  gänz^ 
liehen  Verschwinden  bringen,  analog  der  Netzhaut  des  Auges.  Am  leichtesten 
verschwindet  der  hintere  obere  Quadrant,  nie  ganz  der  vordere  untere.  Dichte 
Trübungen  verschwinden  nicht,  wohl  aber  leichtere ;  erstere  treten  jedoch  deutlicher 
hervor.  Dasselbe  gilt  von  Blutextravasaten.  Die  interessanten  Resultate  fordern 
zu  weiteren  Untersuchungen  auf.  T*  Mosengeil  (Bonn). 

Biohet.     lutoxication  gazeuse  k  la  suite  d'une  plaie  non  päi^trante 

du  genoa. 

(Mouvement  mSdical  1875  No.  1.  p.  7.) 

Einem  65jähr.  herumvagirenden  K^rämer  ging  beim  Fallen  das  Rad  eines 
Wagens  über  das  eine  Knie  hinweg.  £r  wurde  im  H6tel-Dieu  aufgenommen,  wo 
R.  eine  Abreissung  der  Haut  über  dem  Knie^  mit  einer  5 — 6  Cm.  langen,  aber 
nicht  penetrirenden  Wunde,  daneben  einen  geringen  Bluterguss  in's  Gelenk  con- 
statirte.  —  Sand  und  Kies  fanden  sich  unter  der  Haut  angesammelt.  Eine  leichte 
Crepitation  wurde  wahrgenommen,  ohne  dass  man  Lufteintritt  von  aussen  beob- 
achtet hatte.  Schmerzen  gering.  Es  wurde  eine  Oegenüfinung  angelegt  und 
eine  Drainröhre  eingeführt.  —  Am  nächsten  Tag  bei  der  Mevgenvirtte  fand 
man  den  Fat.  in  suffoeatoxischem  Zustande,  Temp<  39,  d<)  C,  das  afficirte  Bein 
kalt,  durch  subcutanes  Emphysem  enorm  aufgetrieben,  die  Hautdecken  von 
livider  Farbe,  die  fiatxtvenen  stark  gefüllt.  Auch  die  Schleimbeutel  sind  von 
Luft  aufgetrieben,  das  Emphysem  setzt  sich  auf  Gesäss,  Rücken  und  Bauch 
fort.  Aderlass  und  eine  ausgiebige  Incision  am  Bein;  letztere  lässt  eine  sehr 
grosse  Menge  Gas  entweichen.  Die  Haut  obgleich  kalt,  ist  nicht  abgestorben, 
denn  die  Hautwunde  blutete  reichlich.  Die  Muskeln  hatten  ihre  normale  Färbung 
in  den  oberflächlichen  und  den  tiefen  Lagen.  Bei  Druck  auf  die  Wundenlefzen 
wurde  stinkendes  Schwefelwasserstoff  haltiges  Gas  ausgepresst,  das  die  Instru- 
mente unmittelbar  schwärzte.  Tod  24  Stunden  nach  der  Verletzung.  Die  30  Stunden 
später  unternommene  Section  ergiebt  nichts  wesentlich  Auffälliges.  Nur  leichte 
Congestion  der  Lungenbasis  beiderseits.  Unterleibsoigane  intact.  Lm  Herzen 
reichliche  schwarze  Blutgerinnsel.  —  Die  mikroskopische  Untersuchung  des  Le!- 
chenblutes  ergiebt  nur  zahlreiche  Bacterien  und  ähnliche  lebhaft  bewegliche  Ge- 
bilde; die  rothen  Blutkörperchen  ohne  deutliche  Veränderungen.  Die  gewünschte 
chemische  Untersuchung  des  älutes  fand  nicht  statt.  —  Lesser  (Berlin). 

L.  F.  löftcl^owitaoh.     Ein  Fall  von  Exarticulatio  femoris. 

(Sitzungsberichte  der  Kaieerlichen  medicin.   GeeeUeohaft  zu  Wilne.   1874.    Ko.  4. 

p.  103.) 
Verf.  befiehtet  über  eine  günstig  veilaufene  Exarticulatio  fettoris,  von  ihm 
wegen  Osteevnyeiiti»  epiphytaria  (Bil)roth)  atisgefOhrt.  DerFdIl  betraf  einen  mihr 


Ceütralblait  fUr  Chlruigie.    No.  9.  143 

bcmntefgekomntenen  12)Slirfgen  Knaben.  Die  Operation  tmde  mit  doppelter 
LappenbQdung  —  ernem  vorderen  \md  einem  hinteren  —  atMgeffthtt;  an  den 
Winkeln  der  Tereinigten  Wtmde  bHeben  Oeffnungen  zum  freien  Abfuss  des  Eiters. 
Die  Wunde  (8^  lang)  heilte  per  primanl  intentionem,  so  dass  Pat.  in  Zeit  von 
2  Monaten  Yoüständig  hergestellt  war. 

Anknapftend  an  die  mitgetheilte  Beobachtung  bespricht  Verf.  die  Drainage 
grosser  Wunden  und  erkl&rt  dieselbe  für  höchst  ungenfigend,  da  sie  ihren  Zweck 
nicht  erreicht,  im  Oegentheil  nur  sur  Reizung  der  Wunde  beiträgt.  Er  zieht  ein- 
gebe Oeffnungen  fflr  freien  Eiterabfiuss  vor,  und  will  so  stets  bessere  Resultate 
erä^t  haben,  als  durch  die  Drainage.  Es  ist  dies  der  rweite,  glacklrch  von  L. 
operirte  Fall  von  Bxarticulatio  femoris.  Der  Mittheilnng  sind  3  photographiBche 
Aofnahmebi  die  beiden  vom  Verf.  operirten  Kranken  nach  der  Operation  und 
dea  im  letzten  Falle  exartieulirten  Oberschenkelknochen  darstellend,  beigefügt.  — 

W.  Gruh*  (Charkow). 
Maunoir.     Herzwunde^  Yeiktzuag  der  Totderen  Kranzgefässe.    Tod. 

(BnUei.  de  la  »aa.  anatom.  de  Paris  1674,  p»  3d4>.) 

Bin  ^jahrig«r  Mann  bmehte  sich  aas  Liebesgram  in  der  IVunkenheit  mit 
einem  kleinen  Taschenrnesser  2  Stiohe  in  der  Herzgegend  bei ;  der  Tod  erfolgte 
in  2  Stunden.  Die  penetrirende ,  im  linkim  vierten  Interoostalratim  gelegene 
Wnnde  hatte  die  Hant  nur  auf  V2  ^^-  dnrchtrennt,  das  Pericardittm  gering 
verUtat,  die  im  Sulc.  eoron.  ant.  verlaufenden  Qefasse  quer  durchschnitten  und 
endlieh  dia  rechte  Ventrikelwand  und  das  Ventrikebeptum  durchstochen;  diese 
leiste  Verwundung  lief  in  schräger  Richtong  und  gestattete  gerade  einer  mittel- 
starken Hohlsonde  dien  Durchtritt.  Der  Herzbeutel  enthielt  in  seiner  unteren 
Hftifte  und  vom  vor  der  Hersspitze  ein  faustgrosses  Gerinsel,  von  dem  aus  eine 
gleichmässige,  gefensterte  zarte  Fibrinschicht  das  ganze  Herz  umhüllte;  der  Ver- 
lauf und  die  Art  der  Ventrikelwunde  (und  die  Form  des  Gerinseis  Ref.)  machen 
es  hOchat  wahrsehMnlish,  dass  die  Bhitung  nur  aus  den  KranageflUsen  erf&lgt  ist. 

Pill  (Stettin). 

Iioreiis  [Tangennünde] .     Penetrirende  Bauchwunde  mit  Vorfall   und 

Verletzung  des  Dickdarmes. 
(Berl.  klinische  Wochenschrift  1874.  No.  45.) 
£iB  Knabe  stieaa  einem  anderen  ein  Messer  in  den  Leib ;  ein  Stflok  dea  Colon 
Iranairersim  und  Nets  viel  vor,  die  art.  c^ca  med.  spritvte;  der  Darm  war  an 
einer  Partie  durchschnitten  und  z<war  fiier,  so  dasa  die  Mueosa  umgeselUagen  nach 
aussen  aak;  eiao  zweite  Partie  war  nur  bis  zur  Mueosa  durchschnitten:  Beide 
Wunden  wurden  gen&ht  und  die  F&den  kurz  abgeschnitten,  die  Arterie  umstechen. 
Der  Vorfall  reponiert  und  die  Bauchwande  vereinigt.  Eis  ftusserlich  und  kaltes 
Sodawasser  nebst  Tr.  thebaiea  innerlieh.  Heilvmg  erfblgte  schnell,  nur  blieb  der 
getrennt  gewesene  muse.  rectus  uBvemoigt.  v«  MMengeil  (Bonn). 

B.  IfartinB,    Eyentoa^äo  traamatioa.     Reduc^ao  eto.  —   Cura. 

(O  Cerreio  med.  de  lasboa  1974.  No.  7  p.  80.) 
In  der  l^tsung  der  Sociedade  das  sciencias  raedicas  zu  Lissabon  am  19.  Decbr. 
T.  J.  berichtete  M.  Ober  folgenden  Fall:  Ein  12jfthriges  Mädchen  war  mit  dem 
Baudi  auf  eine  Wasserflasche  gefallen.  Durch  eine  5—6  Cm.  lange  Wunde  unter- 
halb dea  linken  Rippenbogens,  in  welche  der  M.  rect.  abdom.  quer  durchtrennt 
erschien  und  wo  die  Glasstücke  auch  das  Netz  verletzt  hatten,  war  ein  beträcht- 
licher Prolaps  von  dünnen  Därmen  nebst  Colon  transversum  und  der  grossen  Cur- 
vatur  des  Magens  entstanden.  Die  Eingeweide  lagen  über  die  Böcke  des  Mäd- 
chens ansgebrettet.  Geringe  Blutung.  Die  Därme  congestionirt  und  mit  Blut 
befleckt,  doch  nirgends  verletzt.  Bei  den  ersten  Repositionsversuchen  entstand 
Jbeftigea  Erbreehen,  welohes  nur  zu  VergrOsserung  des  Prolapses  beitrug.  Auch 
in  der  Chloroformnarkose  gelang  die  Reposition  nicht.  Im  Oegentheil  fiel  noeh 
die  Milz  mit  vor.  Erst  nach  Anwendung  von  Morphiuminjeetionen  und  nach 
capillirer  Punotion  der  von  Gasen  stark  aufgetriebenen  Därme,  gelang  es  letztere 


144  Centralblatt  für  Chirargie.    No.  9. 

völlig  zurückzubringen.  5  Zapfennfihte  schloBsen  die  Baudiwunde.  Durch  dicke 
Lagen  von  Baumwolle  und  eine  Binde  wurde  auf  die  Umgebung  der  Wunde 
dauernd  ein  gleichmässiger  Druck  geübt.  Die  Injection  Ton  Morphium  wurde 
wiederholt  und  öfters  Chloral  mit  Morphium  in  kleinen  Dosen  gereicht.  Erst  am 
3.  Tage  eriiielt  Fat.  etwas  Fleischbrühe.  Verband  und  das  übrige  Regime  wie 
bisher.  Am  2.  Tage  schwanden  die  Schmerzen  im  linken  Hypochondrium ,  am  6. 
Tage  war  Fat.  fieberfrei.  Die  Nähte  wurden  erst  am  15.  Tage  durchschnitten.  Die 
Wunde  war  yerheilt,  ohne  oberflächlich  vernarbt  zu  sein,  was  jedoch  bald  eintrat. 
—  21  Tage  nach  der  Verletzung  war  Fat.  völlig  geheilt.  —  M.  hebt  diesen  gün- 
stigen Verlauf  bei  einfacher  Behandlung  hervor,  gegenüber  der  strengen  Antiphlo- 
gose,  wie  man  sie  sonst  in  ähnlichen  Fällen  anzuwenden  pflegt^  — 

Ullersperger  (München). 
Chevalier,     Plaie  p^n^trante  (?j  de  Fabdomen  par  instrument  trän- 

chant.  —  Peritonite  traumatique.  —  Guerison. 
(Areh.  m^dicales  beiges  1874.  No.  12.) 

Eine  Frau  hatte  durch  einen  unglücklichen  Fall  auf  ein  breites,  scharfes  KQchen- 
messer  eine  etwa  4  Cm.  tiefe  Bauchwunde  in  der  linken  Hälfte  des  Hypogastrium, 
3  Querfinger  oberhalb  der  Leistenbeuge,  erlitten.  Die  ziemlich  heftige  arterielle 
Blutung  aus  der  »l'art^re  sous-cutan6e  abd.«  (ram.  abdominales  der  art.  epigastrica 
inf  ?)  wurde  durch  Digitalcompression  und  Liquor  ferri  gestillt,  die  Wundränder 
mittelst  Heftpflasterstreifen  vereinigt.  —  Am  2.  Tage  Feritonitis,  welche  nach  einer 
Woche  in  Genesung  endete.   In  gleicher  Frist  hatte  sich  auch  die  Wunde  geschlossen. 

Als  Ursache  dieses  günstigen  Heilungsverlaufes  wird  der  antiphlogistische  Effect 
des  Blutverlustes  in  Anspruch  genommen.  Am»  Hiller  (Berlin). 

Maolaren.    Anus  praeternaturalis^  in  ihm  Hernie,  später  Lavagination. 

(British  med.  Journal  1874  p.  788.) 
Vorstehende  seltene  Beobachtung  lieferte  eine  74jährige  Frau,  welche  vor  36 
Jahren  nach  der  Operation  eines  eingeklemmten  r.  Schenkelbruches  eine  Fäcal- 
fistel  zurückbehalten  hatte,  durch  welche  1862  ein  durchgetretenes  DarmstOck  ein- 
geklemmt wurde ;  Dr.  Brown  reponirte  dasselbe ;  seitdem  ging  der  kleinere  Theil 
der  Fäces  durch  die  Fistel  ab.  Sept.  1874  trat  wieder  Darm  durch  dieselbe  hervor ; 
M.  erkannte  eine  4''  lange  Invagination  des  Ileum,  dessen  äussere  Fartieen 
gangränös  waren,  erweiterte  die  Fistel,  reponirte  den  gesunden  Darm,  vereinigte 
die  frische  Wunde.  Die  aussen  gelassene  gangränöse  Partie  stiess  sich  ab;  die 
sehr  schwache  Frau  genas.  Doch  gehen  xur  Zeit  die  Fäces  nur  durch  die  Fistel 
ab.  Pill  (Stettin). 

W.  Adams.  Incarcerirte  Hernie  durch  Einspritzungen  von  Oel  beseitigt. 

(British,  med.  Journal  1874,  p.  809.) 
A.  berichtet  über  einen  Fall  von  eingeklemmtem  Schenkelbruch  bei  einem 
48jährigen  Manne,  bei  welchem  Kavanagh  (Deptford),  da  die  Operation  ver- 
weigert wurde,  nachdem  schon  3  Tage  Kotherbrechen  bestanden,  eine  reichliche 
Injection  von  warmem  Olivenöl  gemischt  mit  wenig  Ricinusöl  und  Terpentin  (auf 
weiche  Mischung  A.  Werth  zu  legen  scheint,?)  versuchte.  Nach  der  3.  Injection 
hob  sich  die  Einklemmung.  K.  hatte  in  3  Fällen  von  Darmverschluss  —  einmal 
bestand  derselbe  schon  11  Tage  —  schnell  Hülfe  durch  diese  Einspritxungen  er- 
rielt.  PÜÄ  (Stettin). 

Berichtigung: 
8. 117,  Z.  5  T.  n.  lies  Srichsen  statt  Biiohson. 


Originalmittheilungen,  Monogrsphieen  nnd  Septratsbdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  2¥Umafifw,  Leipzig,  Ifarienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlnugt 
Brtiikopf  und  BSrM,  einsenden. 

Dinok  and  Verlag  von  Breitkopf  vnd  Hirtel  in  Leipsig. 


Gentralblatt 


ftlr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

▼on 

Dr.  L.  leisar,  Dr.  K  We,  Dr.  I.  Tillnaiiiui 

in  Berlin.  in  Halle  n.  8.  in  Uiysig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Freis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  PrA- 
nnmeration.     Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

Hl  10.  Sonnabend,  den  6.  März.  1876. 

Inhalt:  Loreta,  Shoc.  —  Verneull,  Secnndare  traumatische  Nenralgieen.  —  v.  Winl- 
«srter,  Widerstand  der  GefUswinde.  —  Dimarquay,  Colin,  Wirkung  der  Antlseptira 
auf  niedere  Organismen.  —  Hayein,  Injection  von  putriden  Stoffen.  —  Jakubowitt,  Pa- 
reoehymatoee  Injectlonen.  —  Madelung,  Unterbindung  der  Art.  carotis  ext.  —  Riva, 
Behandlung  pleuritlscher  Exsudate.  ^  Walter,  Zur  Lehre  von  der  Operation  der  Blasen- 
fliteltt.  —  Seiiodo,  Qelenkdrainage.  —  Berger,  Gelenkneuralgleen.  —  Marcano,  Bein- 
snekwfire  bei  Herzkranken.  —  Henke,  Kritisches  fiber  Klumpfuss  und  Plattfass. 

Fiedler,  Hissbrauch  subcutaner  Morphiuminjeotlonen.  —  Lewin,  Morphiumin  toxi  ca- 
tionen.  —  Lysakowsky,  Puerperale  Pyaemie.  —  Albanl,  Fall  von  traumatischer  Aphasie. 
—  Ceata,  Fall  von  Carlos  des  Schlifenbeins  mit  secundirer  Meningitis.  —  Urbantachlttdi, 
Anomale  Secretion  der  Drüsen  des  harten  Gaumens  infolge  medicamentoser  Behandlung 
der  Nasenhohle.  —  Heinze,  Laryngoscopisches.  —  üolllire,  Seltene  Geschwülste  der 
Zuige.  —  Poltier,  Fall  von  Glossitis.  —  ülnnicii,  Hemla  diaphragmatlca ;  symmetrische 
Oangraen  simmtlicher  Finger  bei  Phthisls  pulmonum.    —   WoOd,  Operationsmethode  der 

Hypospadle. 


P.  Loreta.     Di  akuni  fenomeni  consecutivi  alle  contusioni 
dell'  addome  e  della  colonna  vertebrale. 

(Mem.  dell'  Accad.  d.  Sciense  Bologna  Serie  III  Tomo  V.) 

Nachdem  Verf.  einige  sehr  prägnante  Fälle  von  Shoc^  sowohl 
der  torpiden,  als  der  erethischen  Form  angeführt  hat,  sucht  er  die 
physiologische  Erklärung  für  diese  beiden  Formen.  Nach  den  Ver- 
suchen Yon  Bezold  und  Davers  bestehe  der  >yundstupor  in 
einer  Beflexparalyse  der  nervi  splanchnici,  derzufolge  sich  fast  das 
ganze  Blut  in  den  erweiterten  Abdominalvenen  ansammelt.  Auf 
diese  Weise  erklärt  sich  die  Blässe  der  Haut^  die  Unregelmässigkeit, 
Kleinheit  und  das  Aussetzen  des  Pulses,  die  Hirnanämie,  das  Er- 
brechen, die  Apathie. 

Man  kann  aber  doch  nicht  ganz  dieselbe  Ursache  annehmen  für 
beide  Formen  des  Shoc,  die  erethische  und  die  torpide,  da  ja 
beide  fast  entgegengesetzte  Symptome  darbieten. 

10 


146  Centralblatt  fUr  Chirurgie.    No.  10. 

L.  fuhrt  nun  aus^  wie  wir  für  die  Gefasse  z^'ei  Nervenarten  an- 
nehmen müssen^  solche^  welche  die  Gefässe  activ  verengem,  und 
solche,  welche  die  Gefässe  zu  activer  Erweiterung  veranlassen.  Da- 
für spricht  vor  Allem  der  bekannte  Versuch  van  CL  Berniird  mit 
der  Submaxillardrüse. 

Durchschneidet  man  den  betreffenden  Zweig  des  Sympathicus,  so 
erweitem  sich  die  Gefässe  der  Drüse  sehr  bedeutend.  Dieselbe  Er- 
weiterung der  Gefässe  erreicht  man  bei  intactem  Sympathicus,  wenn 
man  die  Chorda  tympani  reizt;  daraus  geht  hervor,  dass  Sympathicus 
und  Chorda  tympani  antagonistisch  wirken.  Durchschneidet  man 
Sympathicus  und  Chorda  tympani  zugleich,  so  beobachtet  man  nur 
eine  ganz  geringfügige  Gefasserweiterung,  welche  man  als  rein  passiv 
ansehen  kann.  Die  anatomisdien  Untersuchungen  sollen  es  walir- 
scheinlich  machen,  dass  die  in  den  Gefässwandungen  nachweisbaren 
Ganglienzellen  den  gefässerweitemden  Nerven  angehören.  L.  glaubt 
nun,  dass  die  beiden  Formen  des  Shoc  theils  durch  eine  Paralyse 
der  vasomotorischen  Nerven,  theils  durch  einen  Reizzustand  der  ge- 
flteserweitemden  Nerven  sich  erklären  lasse.  (Ref  gesteht,  dass  der 
Gegensatz  in  den  Symptomen  der  beiden  Formen  ihm  durch  L's. 
Hypothese  nicht  genügend  erklärt  erscheint.  Da  sowohl  die  Paralyse 
der  vasomotorischen  Nerven,  als  auch  die  Reizung  der  dilatatorischen 
Nerven  eine  Gefasserweiterung  zur  Folge  hat,  so  könnte  durch  diese 
Hypothese  wohl  ein  gradueller  Unterschied  seine  Erklärung  finden, 
nicht  aber  der  Antagonismus  in  den  Symptomen,  wie  er  thatsächlich 
zwischen  der  erethischen  und  torpiden  Form  des  Shoc  besteht. 
Sollte  nicht  gerade  dieser  Antagonismus  in  der  Erscheinungsweise, 
mit  Rücksicht  auf  die  gleiche  Entstehungsursache,  es  wahtschein- 
licher  machen,  dass  in  beiden  Formen  dieselben  (vasomotorischen) 
Nerven  af&cirt  sind,  nur  dass  sie  das  eine  Mal  gereizt,  das  andre 
Mal  gelähmt  sind?}  —  2.  Die  beiden  Formen  des  Shoc  unterscheiden 
sich  (ausser  den  übrigen  Symptomen]  wesentlich  durch  den  Zustand 
der  Pupille,  welche  bei  der  erethischen  Form  stets  erweitert,  bei 
der  torpiden  Form  stets  verengert  ist.  3  u.  4.  Chloroform  kann 
nur  in  der  erethischen  Form  verabreicht  werden.  In  eben  dieser 
Form  und  nur  in  dieser  können  Operationen  vorgenommen  werden. 
5  U..6.  Contusionen  des  Thorax  und  Bauches,  Verrenkungen  grosser 
Gelenke,  plötzliche  und  beträchtliche  Blutverluste  bei  zarten  schwäch- 
lichen Individuen  bedingen  vorzugsweise  die  torpide  Form  des  Shoc; 
während  die  erethische  mehr  bei  Hoden-*  und  Knochenquetschungen, 
Stich-  und  Schnittverletzungen  erregbarer  Individuen  beobachtet  wird. 

Menzel  (Triest). 

Verneuil.     Des  n^vralgies  traumatiques  secondaires  pf^coces. 

(Archives  g^n^rales  de  m6decine  1874.  No.  Hu.  12.) 

Unter  obigem  Namen  bezeichnet  V.  einen  Zustand  der  bisher 
nie  genau  beobachtet,  oder  wenigstens  beschrieben  worden  ist.  — 


Centralblatt  ftlr  ChiniTgie.    No.  10.  147 

Es  können  unter  Umstanden^  einige  Tage  nach  einer  stattge- 
habten Yerletsimg^  mehr  oder  weniger  heftige  Schmerzen  entstehen, 
welche  sich  an  der  getroffenen  Stelle  oder  deren  Umgebung  fühl- 
bar machen^  selten  treten  sie  an  entfernten  Theilen  auf.  —  Sie 
stehen  in  keinem  Yerhältniss  weder  zur  Art^  noch  zur  Schwere  des 
Tiauma;  sie  widerstehen  hartnäckig  den  Narcoticis  und  Antiphlogi- 
sticis,  während  sie  dem  Chinin  ausserordentlich  leicht  weichen. 

Diese  Neuralgieen  zeigen  sich  nicht  unmittelbar  nach  der  Ver- 
letzung, sondern  stets  nachdem  der  primitive,  der  Verletzung  sozu- 
sagen normal  zugehörende  Schmerz  aufgehört  hat^  und  sind  damit 
nicht  zu  verwechseln.  Sie  werden  von  V.  auch  als  früh  secundär 
bezeichnet^  um  sie  von  den  bekannten  viel  später  auftretenden  Kar- 
ben- und  Amputationsstümpfen-Neuralgieen  zu  unterscheiden. 

Sie  treten  auf  mit  einer  sehr  wechselnden  Intensität ;  bald  sind 
sie  imerträglich^  bald  ziemlich  gelinde. 

Eine  ihrer  Haupteigenthümlichkeiten  ist  ihr  intermittarender  Cha- 
rakter; die  meist  nächtlichen  Anfalle  dauern  4—5  Stunden  und  keh- 
ren mit  einem  ziemlich  regelmässigen  Typus  wieder,  gewöhnlich  täg- 
lich, manchmal  jeden  dritten  Tag.  Sie  beginnen  am  häufigsten 
zwischen  dem  3.  und  4.  Tag  nach  dem  Trauma. 

Allgemeine  Erscheinungen  begleiten  sie  nicht;  local  beobachtete 
V.  häufig  eine  bedeutende  Hyperästhesie  der  Wunde  und  ihrer  Um- 
gebung, selbst  auf  ganz  geringe  Berührungen.  Die  Granulationen 
hatten  manchmal  ein  schmutzig  gelbliches  Ansehen,  oder  sie  er- 
flchienen  blutiiberfiiUt^  offenbar  in  Folge  einer  Congestion  nach  der 
Wunde.     Die  Aetiologie  dieser  Wundneiiralgieen  ist  ziemlich  dunkel. 

Sie  scheinen  am  häufigsten  in  den  Theilen  vorzukommen,  wo 
schon  aus  anderen  Ursachen  Neuralgieen  häufiger  sind,  so  am 
Kopf,  an  der  Brust,  an  der  unteren  Extremität.  Die  Art  der  Ver- 
letzung hat  keinen  Einfluss  auf  ihre  Entwicklung.  Die  Schmerzen 
zeigten  sich  nach  einfachen  und  complicirten  Fracturen,  nach  Con- 
tusionen,  Geschwulstexstirpationen,  Amputationen  u.  s.  f. 

Local  konnte  nichts  als  ursächliches  Moment  aufgefunden  wer- 
den. Bei  beiden  Geschlechtem  wurde  die  Affection  gleichmässig  an- 
getroffen; bei  Kindern  hat  man  diese  Complication  noch  nicht  be- 
obachtet. Einige  Mal  behaupteten  die  Kranken  schon  vor  der 
Verletzung  Schmerzen  in  der  Gegend  gespürt  zu  haben.  Von  allge- 
meinen prädisponirenden  Ursachen  liessen  sich  nur  in  wenigen  Fällen 
Syphilis,  Malaria  und  die  (in  Frankreich  angenommene)  rheumatische 
Dyscrasie  nachweisen. 

Die  Diagnose  erleidet  keine  grossen  Schwierigkeiten  und  lässt 
sich  aus  den  schon  citirten  Eigenthümlichkeiten  bald  stellen. 

Wenige  Dosen  Chinin  (0,5 — 1)  sollen  gewöhnlich  ausreichen,  die 
Schmerzen  vollständig  zum  Verschwinden  zu  bringen. 

GIrard  (Strassburg). 

10* 


148  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  10. 

Felix  V.  Winiwarter.     Der  Widerstand  der  Ge&sswände  im 
normalen  Zustande  und  während  der  Entzündung. 

(Aus  dem  physiologischen  Institute  der  Wiener  Universität.    Sitzungsberichte  der 
kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  1874.    B.  LXVIII.  3.  Abth.) 

V.  W.  stellte  seine  Versuche  am  Mesenterium  des  Frosches  an. 
Letzteres  wurde  vorsichtig  aus  der  Bauchwunde  hervorgezogen,  mehr- 
mals mit  Cantharidin  bepinselt  und  dann  in  die  Bauchhöhle  zurück- 
gebracht und  die  Wunde  durch  die  Naht  geschlossen.  Am  nächsten 
Tage  wurde  das  Thier  mit  einer  langsam  erstarrenden  Leim-Berliner- 
blau-Masse injicirt,  desgleichen  zum  Vergleich  jedes  Mal  ein  gesundes. 
Eine  andere  Reihe  von  Versuchen  wiurde  in  der  Weise  angestellt, 
dass  die  Frosche  sich  selbst  aus  einer  feinen^  in  die  vena  cava  ein- 
gesetzten Glasröhre  die  Injectionsmasse  in  ihre  Gefasse  hinein- 
pumpten. 

Verf.  kam  zu  folgenden  Besultaten: 

1]  Sowohl  im  normalen,  als  auch  im  entzündeten  Mesenterium 
tritt  Injections-Masse  durch  die  Gefässwand,  jedoch  beim  entzüudeten 
häufiger  und  umfangreicher;  im  normalen  Mesenterium  des  Frosches 
wird  erst  bei  einem  Druck  von  70  Mm.  Hg  der  Austritt  der  In- 
jectionsmasse beobachtet,  im  entzündeten  dagegen  schon  bei  einem 
Druck  von  25  Mm.  Hg,  obgleich  im  entzündeten  Gewebe  die  Blut- 
gefässe mit  Blutkörperchen  vollgestopft  sind  und  dem  Eintritt  der 
Injectionsmasse  ein  grösserer  Widerstand  entgegensteht. 

2]  Es  ist  höchst  wahrscheinlich,  dass  die  Gefasswandung  selbst 
durch  den  Entzündungsprocess  eine  wesentliche,  aber  noch  unbekannte 
Veränderung  erleidet  (Cohnheim),  welche  den  Austritt  von  Injec- 
tionsmasse und  von  rothen  und  weissen  Blutkörperchen  erleichtert. 

(Vergl.  auchThiersch^  die  feineren  anatomischen  Veränderungen 
nach  Verwundung  der  Weichtheile.  Handbuch  der  allg.  Chirurgie 
von  V.  Pitha  und  Billroth  1.  Band  2.  Abtheil.  p.  550  etc.     Ref.). 

Tiilmanns  (Leipzig). 

Demarquay  et  Colin.   De  Taction  des  antiseptiques  sur  les 

organismes  inf<6rieurs. 

(Qaz.  m6d.  1875.  No.  3.) 

Zu  Folge  neuerdings  angestellter  Versuche  über  die  Wirksamkeit 
der  Antiseptica  glaubt  D.  annehmen  zu  müssen,  dass  eine  zerstö- 
rende Einwirkung  der  antiseptischen  Mittel  auf  die  niedern  Organis- 
men keineswegs  constant  sei,  beziehungsweise  gar  nicht  existire.  Ij. 
mischte  faulende  und  von  einer  Unzahl  von  Organismen  erfüllte, 
eiweisshaltige  Flüssigkeiten  mit  bestimmten  Quantitäten  der  zu  unter- 
suchenden antiseptischen  Substanzen.  Es  machte  sich  absolut  kein 
Einfluss  auf  die  Organismen  bemerkbar  (?R].  In  einer  zweiten  Reihe 
von  Versuchen  setzte  D.  die  betreffende  antiseptische  Flüssigkeit 
schon  vor  Eintritt  der  Fäulniss  zu;  die  Entwicklung  der  Organismen 


CentralbUtt  für  Chirurgie.    No.  10.  149 

ging  mit  derselben  Intensität  vor  sich  wie  unter  gewöhnlichen  Ver- 
hältnissen. Von  den  verschiedenen  angewendeten  Stoffen  seien  die 
Carbolsäare^  der  Alkohol^  die  Eucalyptustinctur,  das  Tannin  und  das 
Terpentin  erwähnt.  Nur  concentrirte  Säuren  und  Alkalien^  die  zu- 
gleich die  ernährende  Flüssigkeit  zerstörten,  waren  von  sofortiger 
Wirkung  begleitet.  D.  glaubt  sonach  auch  den  antiseptischen  Yer* 
banden  eine  besondere  Wirksamkeit  gegenüber  den  niedern  Oiganis- 
men  absprechen  zu  können.  —  Die  Colin 'sehen  Versuche  bezogen 
rieh  nur  auf  das  Jod.  Auch  diesem  von  Davaineals  das  mächtigste 
Antisepticum  (namentlich  g^en  das  Milzbrandgift)  hingestellten  Kör- 
per (cf.  Centralblatt  f.  Chir.  1874  No.  l)  soll  diese  kräftige  Wir- 
kung abgehen.  Allerdings  hat  C.  seine  Controlversuche  nur  an  Ka- 
ninchen angestellt  und  auch  das  Jod  nicht  in  der  von  Davaine 
empfohlenen  Weise,  nämlich  in  fortgesetzter,  energischer  innerlicher 
und  äusserer  Zuführung,  angewendet.  Genaueres  bleibt  weiteren 
Untersuchungen  vorbehalten.  —  0.  YoUuBaim  (Halle)*. 


flayem.    De  Tinjection  des  liquides  purulents  provenant  des 

malades  atteints  d'^rysipele. 

(Soci^t^  de  biologie.  S^anoe  du  9.  Janv.  1875.    Gas.  mM.  1875.  No.  4.  p.  50.) 

Von  einem  an  Gesichtserysipel  und  eitriger  Meningitis  verstor- 
benen Kranken  entnahm  H.  eine  Quantität  Eiter  und  injicirte  sie 
einen  Tag  nach  der  Obduction  unter  die  Haut  eines  Meerschwein- 
chens. Die  Folgen  bestanden  in  einer  anfanglichen  drcumscripteu 
Entzündung  der  Umgebung  der  Einstichsstelle,  der  sich  eine  An* 
Sammlung  von  Eiter  und  eine  erysipelatöse  Entzündung  der  Haut 
anschlössen.  Am  5.  Tag  erschienen  Pusteln  mit  einem  serös-eitrigen 
von  zahlreichen  Bacterien  erfüllten  Inhalt.  H.  sieht  in  diesen  Er- 
scheinungen nichts  Abweichendes  von  den  nach  Injection  andrer 
fremdartiger  Substanzen  auftretenden  Entzündungen.  Damit  stimmen 
die  zahlreichen  von  Olli  er  angestellten  Versuche  überein,  der  ein 
einziges  Mal  bei  einem  Kaninchen  die  Entstehung  eines  rothen 
Fleckes  beobachtete,  im  übrigen  aber  nach  Injection  der  verschie- 
densten putriden  Stoffe  an  den  verschiedensten  Versuchsthieren  nur 
die  Bildung  von  Abscessen,    niemals  von  Erysipelen  beobachtete.    — 

0.  Yolkmann  (Halle). 

Fr.  Jakubowits  (Nagy-Karoly).      Zur  Methode    der  paren- 
chymatösen Injectionen.    Neue  Behandlung  der  syphilit.  Bu- 

bonen. 

(Wiener  med.  Prease  1875.  No.  3  und  4.) 

Ausgehend  von  der  Idee,  dass  das  Jod  das  stärkste  Resolvens 
für  Drusengebilde  sei^  citirt  Verf.  seine  schon  1869  gemachten  Er- 
fahrungen über  parenchym.  Jodinjectionen  in  hypertrophirte  Tonsillea. 


150  OentndblaU  für  Clfirurgie.    No.  10. 

J.  hält  für  die  Bedingung  eines  günstigen  Erfolges  der  Injection  das 
Auftreten  einer  mögliehst  geringen  Beaction;  er  strebt  eine  Rückbil- 
dung ohne  künstliche  Entzündung  an,  blos  durch  Anregung  einer 
lebhafteren  Besorption.  Im  Jodkali  meint  er  die  geeignetste  Injec- 
tionsflüssigkeit  gefunden  zu  haben  wegen  seiner  nicht  irritirenden 
Wirksamkeit,  während  es  in  der  resorbirenden  Wirkung  dem  Jod 
nicht  nachsteht.  Er  wendet  immer  folgende  Lösung  an:  Jod- 
kali, 15  gran;  Tinct.  jodin.  gutt.  5;  Aqu.  destill,  unciam.  Er  theilt 
folg.  Krankengeschichten  mit:  1)  Ein  26jähriger  Geistlicher  acqui- 
rirte  ein  indurirtes  Geschwür  an  den  Genitalien.  Temporäre  Hei- 
lung. 8  Wochen  später  sehr  empfindliche  Infiltration  der  Leisten- 
drüsen, die  in  4  Tagen  zu  einem  hühnereigrossen  Bubo  wurden. 
Druck  und  Kälte  erfolglos.  Die  Haut  stark  geröthet,  empfindlich, 
die  Geschwulst  elastisch.  J.  injicirte  nim  von  obiger  Jodkalilösung 
eine  Pravaz 'sehe  Spritze  voll,  indem  er  von  derselben  Einstichstelle 
aus  mehrere  Septa  nach  verschiedenen  Richtungen  hin  anstach.  An 
der  herausgezogenen  Nadel  Eiterspuren.  Schon  an  demselben  Abende, 
obschon  Fat.  umherging,  war  die  Geschwulst  härter  und  weniger 
empfindlich,  die  Haut  weniger  gespannt.  Den  folgenden  Tag  war 
die  Geschwulst  kleiner,  härter,  an  der  Injectionsstelle  eingezogen.  J. 
injicirte  nun  wieder  1  Spritze  voll  6 — 8  Mm.  von  der  ersten  Stelle 
entfernt,  wieder  mehre  Septa  durchstechend.  In  itägigen  Pausen 
erhielt  Fat.  dann  noch  2  Injectionen,  im  Ganzen  also  4,  worin 
1,5  gran  Jodkali  und  0,5  gran  Jodtinct.  enthalten  war.  Nach  8  Tagen 
war  die  Geschwulst  haselnussgross  und  in  weiteren  8  Tagen  war  sie  ver- 
schwunden. —  2)  Ein  23jähriger  Oekonom  litt  seit  5  Wochen  an  einem 
Bubo,  der  3  Monate  nach  einem  primären  Geschwür  entstanden  war.  Fat. 
sehr  elend,  die  Geschwulst  hühnereigross,  prall ;  die  Haut  blauroth, 
nicht  faltbar.  J.  injicirte  wie  oben,  wobei  die  Kanüle  das  Gefühl 
einer  breiig  erweichten  Marksubstanz  vermittelte.  Nächsten  Tages 
die  Drüse  härter,  Stichöffiiung  stark  eingezogen ;  Empfindlichkeit  be- 
deutend geringer.  Tägliche  Injectionen,  im  Granzen  7,  innerlich 
Eisen  und  Chinin.  Der  Bubo  war  hiemach  um's  4fache  kleiner  ge- 
worden; diesen  Rest  behandelte  J.  mit  hypodermat.  Jodkaliinjec- 
tionen,  da  die  Geschwulst  schon  zu  hart  war.  Es  blieb  eine  boh- 
nengrosse  Induration  zurück.  Die  Besorption  hatte  tO  Injectionen 
(3,7  Gran  Jodkali)  gebraucht.  Fr,  Stelner  (Wien). 


O.  Hadelong.     Die  Unterbindung  der  Arteria  carotis  externa. 

(Arch.  f.  klinische  Ghiruxgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  4.) 

Ein  Fall  von  Aneurysma  racemosum  des  Hinterhauptes^  bei 
welehem  die  doppelseitige  Unterbindung  der  A.  carotis  extern,  vor- 
genommen wurde,  gab  <Ue  Veranlassung  z\k  der  folgenden  Arbeit.  — 
Nach  einem  Bückblick  auf  die  Geschichte  der  Operation,  die  von 


Centralblatt  fUr  Chirurgie.    No.  10.  151 

G.   Bushe    (t821) ,    Lizarg«    Wallace,    Velpeau,    ferner   von 
Wutzer,    Maisonneuve,    v.    Bruns^    Guyon   emjtfohlen,    von 
Manec^  Pirogoff^  Bardeleben  dagegen  verworfen  wurde,  giebt 
Verf.  eine  Zusammenstellung  von  60  Fällen  dieser  Unterbindung.  — 
Es  wurde  die  Carotis  auf  einer  Seite  bei  46,   auf  beiden  Seiten  bei 
7  Personen  unterbunden  und  swar  46   Mal   ohne  Aufhebung  ihrer 
Continuität^    5  Mal   wurde   sie   nach  Abernethy's  Vorschlag  zwi- 
schen  2  Ligaturen  durchschnitten.     In   6  Fällen  wurde   die  ^^Arterie 
bei  Geschwulstexstirpationen  getrennt,    1  Mal  war   sie   zufällig  ver- 
letzt.    In  24  Fällen  ist  die  Ligaturstelle  unterhalb  des  M.  biventer 
angegeben,    in  3  Fällen   oberhalb  dieses  Muskels,  in  3  Fällen  wurde 
die  Art.  thyreoid.  superior,  in  1  die  Art.  lingualis  gleichzeitig  unter- 
bunden;  die  in  allen  Fällen  benutzten  Seidenfäden  fielen  zwischen 
dem  5. — 19.  Tage  ab.  —  Die  Indicationen  zur  Operation  waren: 
11  Mal  Krebs,  9  Mal  Gefässgeschwülste,  2  Mal  Aneurysma  traumat.; 
3  Mal    Gesichtsschmerz;    12  Mal    Blutungen;    bei   Exstirpation    von 
Geschwülsten    wurde    10  Mal   prophylaktisch,    11  Mal   während   der 
Operation   unterbunden,    2  Mal   ist  die  Indication   nicht  angegeben. 
Das  Alter  ist  in  36  Fällen  bekannt  und  schwankt  zwischen  2^2—70 
Jahren.      Es  starben  vor  Heilung   der  Ligaturwunde   7  Patienten:    2 
an  Gehimerkrankung,  3  an  Erschöpfung,  2  in  Folge  von  Verletzung 
durch  Flintenschuss ;  6  weitere  Todesfalle  standen  mit  der  Ligatur  in 
keinem  Zusammenhang,    nur    1  Mal   war   dieselbe   die  Ursache   des 
Todes.    —   Verf.    bespricht   dann   die   Aenderungen   des  Blut- 
stroms im  Carotisgebiete,    theils  wie  er  sie  sich  theoretisch  denkt, 
theils  wie  sie  nach  vorliegenden  Beobachtungen  bei  der  Unterbindung 
vorhanden  sind,  femer  die  Schwierigkeiten  der  Unterbindung  beson- 
ders bei  Arterienanomalieen.  —  Vergleicht  man  die  Unterbindung  mit 
der  der  Art.  carotis  communis,  so  ist  sie  allerdings  schwieriger  aus« 
zufuhren,  bietet  aber  weniger  Gefahren  für  den  Patienten  sowohl  in 
Bezug  auf  Nachblutung,  als  auf  Gehimaffectionen ;  Letzteres  ist  beson- 
ders prägnant  bei  doppelseitiger  Unterbindung.  —  Als  Operations- 
methode empfiehlt  M.,  den  Vorschriften  von  Guyon  zu  folgen: 
Hautschnitt  immittelbar  nach  Aussen  vom  Unterkieferwinkel,   nahe 
dem  vorderen  Rande  des  M.  stemo-cleido-mastoid.,  den   der  Schnitt 
1—2  Cm.  unter  dem  oberen  Rande  der  Gart,  thyreoid.  erreicht.    Bei 
Vordringen  in  die  Tiefe  ist  zur  Orientirung  die  Port,  horizont.  des 
N.  hypoglossus  sehr  wichtig,   welche  die  Carotis  ext.   am  Abgange 
der  Art.  lingualis  kreuzt;   ein  wenig  unterhalb  des  Nerven  muss  die 
Arterie  entblösst  werden.   —  Nachdem  M.  noch  auf  die  Beseitigung 
der  Ligatur-Gefahren   durch*  die  List  er 'sehe  Methode   hingewiesen 
und  die  verschiedenen  Indicationen  besprochen  hat,  kommt  er  zu  dem 
Scblasssatze,   dass  die  einseitige  oder  doppelseitige  Unter- 
bindung der  Carot.  extern,  geeignet  ist,  Veränderungen 
des  Blutstromes  im  Kopfe  zu  bewirken,  welche  zur  Hei- 
lang krankhafter  Zustände  der  Schädeldecken    und  der 
Gesichtsweichtheile  dienen  können.     Die  Operation  ist 


152  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  10. 

▼  erhältnissmässig  ungefährlich  und  im  gegebenen  Falle 
der  Unterbindung  der  Carot.  communis  vorauziehen. 

Maas  (Breslau). 


A.  Biva«     Della  compressione  del  torace  dal  lato  sano  come 

mezzo  curativo  degli  essudati  pleuritici. 

(Rivista  clinica  di  Bologna  1875.  No.  1.) 

Prof.  Concato  in  Bologna  übt  folgende  Behandlung  pleuriti- 
scher  Exsudate:  der  Kranke  wird  auf  ein  hartes  Bett  oder  ein  ge- 
polstertes Brett  gelagert.  Ein  Wärter  oder  irgend  eine  andere  kräf- 
tige Person  stellt  sich  an  die  gesunde  Seite  des  Kranken  und  übt 
mit  beiden  flach  aufgelegten  Händen  einen  kräftigen  anhaltenden 
Druck  auf  die  gesunde  Thoraxseite  aus^  indem  er  sein  Körperge- 
wicht auf  seine  Arme  überträgt.  Bei  Frauen  muss  die  Brustdrüse 
möglichst  geschont  werden.  Die  Compression  wird  anfanglich  durch 
5 — 6  Minuten  zwei  Mal  täglich  ausgeführt.  Man  kann  sie  späterhin 
auf  15  und  mehr  Minuten  ausdehnen,  wozu  aber  schon  zwei  Wärter 
nöthig  sind,  da  selbst  ein  kräftiger  Mann  die  Compression  nicht 
länger  als  10  Minuten  wirksam  ausführen  kann.  Durch  diese  Com- 
pression der  gesunden  Thoraxhälfte  beabsichtigt  man,  die  Excur- 
sionen  derselben  zu  beschränken^  und  dadurch  die  kranke  Lunge 
zur  Ausdehnung  zu  nöthigen,  wodurch  ein  Druck  auf  das  Exsudat 
ausgeübt^  und  dessen  Resorption  befordert  wird.  Die  Pseudomem- 
branen werden  gedehnt  und  der  Depression  des  Thorax  entgegen- 
gewirkt. 

Comprimirt  man  in  der  oben  angegebenen  Weise  einen  gesunden 
Thorax^  welcher  z.  B.  jederseits  eine  Peripherie  von  45  Cm.  hat,  so 
verliert  die  comprimirte  Seite  4  Cm.  an  Umfang,  während  die  nicht 
Gomprimirte  deren  3  gewinnt.  Aehnlich  verhält  sich  der  Durch- 
messer von  vom  nach  hinten,  während  der  Seitendurchmesser  beider- 
seits zunimmt.  Aus  diesen  Daten  lässt  sich  berechnen  (die  Berech- 
nung selbst  ist  nicht  angegeben),  dass  die  comprimirte  Thoraxhälfte 
ungefähr  480  Ccm.  Rauminhalt  verliert,  während  die  nicht  compri- 
mirte 380  Ccm.  gewinnt.  Die  specielle  Mittheilung  der  Fälle  ist  für 
später  versprochen.  Doch  sind  die  bisher  erzielten  Resultate  überaus 
ermunternd.  Menwl  (Trieat). 

?•  Walter.     Ein  Beitrag  zur  Lehre  von  der  Operation  der 

Blasenfisteln. 

(Dorpater  med.  Zeitschrift  1874.  Bd.V.  Hft.  4.) 

Verf.  beschreibt  einen  Fall  von  Hlasen-Uterusfistel,  den 
er  durch  Verschluss  des  äusseren  Muttermundes  zur  Heilung  brachte 
und  von  dem  er  nachträglich  noch  das  pathologisch-anatomische  Prä- 
parat erhielt^  indem  die  Kranke  längere  Zeit  nach  der  Operation  an 


Centhablatt  ffir  Chirargie.    No.  10.  153 

dnem  Lungeiileiden  starb.  Verf.  macht  darauf  aufinaerkfiam^  daes 
bisher  blos  yon  Simon  ein  ähnlicher  Fall  veröffentlicht  sei;  livegen 
der  Seltenheit  theile  er  daher  den  Fall  mit^  um  so  mehr,  als  er 
etwas  anders  operirt  habe^  als  Simon. 

Eine  35jälür.  Frau^  welche  2  Mal  leicht  geboren  hatte,  kam  zum 
3.  Male  nieder,    wobei  das   Fruchtwasser    früh  abgeflossen   und  die 
Geburt  sich   so  verzögert  haben   soll,    dass   schliesslich  die   Anwen- 
dung   der  Zange   nöthig    war,    welche    leicht    ein    todtes  Kind  ent- 
wickelte.    Einige  Wochen  nach  der  Geburt  bemerkte  Fat.  nun,  dass 
ihr  der  Urin  stets  unwülkührlich  ablief  und  genaue,  jetzt  angestellte 
Untersuchungen  zeigten  endlich,   dass  ca.   5  Mm.  über  dem  äusseren 
Muttermund  in  der  Medianlinie  eine  feine,  etwa  1  Cm.  lange,  schlitz- 
förmige Oeffnung  sich  be&nd,  durch  welche  Blase  und  Cervicalcanal 
direct  miteinander  comnmnicirten.    Obgleich  es  nun  möglich  war  die 
Fistel    so    weit   blosszulegen ,    dass    sie  direct  hätte   operirt    werden 
können,  so  unterliess  es  Verf.  doch  aus  Furcht,  bei  der  Anfrischung 
der  Ränder  das  Peritoneum  verletzen  zu  können ;   er  entschloss  sich 
daher  zur  Verschliessung  des  Muttermundes  unterhalb   der  Fistel.  — 
Nachdem  Fat.  in  die  Steissrückenlage  gebracht  und  mit  dem  Simon'- 
schen  Instrumentenapparat  das  Operationsfeld  blossgelegt  war,    spal- 
tete Verf.    zuerst   (ohne   den  Muttermund  herabzuziehen]    die  portio 
vag.  nach  rechts  und  links,    frischte  drauf  die  hintere  Muttermunds- 
lippe 1   Cm.  breit  an;    die  vordere  Lippe  musste  in  der  Mitte  wegen 
des    tiefen   Herabreichens    der   Fistel    schmäler    angefrischt   werden. 
Nach  Stillung  der  massigen  Blutung  mit  Eiswasser  wurde  eine  ein- 
fache Nath   angelegt   und   zwar   so,    »dass   immer   von   innen   nach 
aussen   genäht  und  dass  jede  Nadel  immer  hart  unter  dem  oberen 
Wundrande  hinein  und  etwa  6—8  Mm.  vom  unteren  Wundrande  ent- 
fernt  ausgestochen  wurde.«    Nur    einzelne  Nähte  wurden  näher  zur 
Wunde  gelegt,   um  ein  Einschlagen   der  Ränder   zu   verhüten.     Auf 
jeder  Seite   wurden  4  Nähte    angelegt  und  sogleich  geknüpft;    in 
der  Mitte  der  Wunde  wurde  schliesslich  noch  eine  9.  Naht  angelegt. 
—  Ein   permanenter  Katheter  wurde  nicht  angelegt,    sondern  nach 
der  Operation  der  Urin  nur  alle  2  Stunden  abgelassen.    Vom  2.  Tage 
an  urinirte  Fat.  selbst;    vom  3.  Tage  an  war  der  Urin  3  Tage  lang 
blutig  gefärbt  (vielleicht  Menstruation,  die  seit  dem  letzten  Wochen- 
bett noch   nicht  wieder  eingetreten  war).     Vom  6.   bis  zum  9.  Tage 
wurden  alle  Nähte  entfernt  und  es  zeigte  sich  nun,  dass  die  Wunde 
vollständig  geheilt^  der  Muttermund  verschlossen  war. 

Fat.  blieb  nun  gesund  und  menstruirte  regelmässig  durch  die 
Blase,  bis  sie  endlich  14  Monate  nach  der  Operation,  wahrscheinlich 
einem  Empyem  verbunden  mit  Tuberkulose,  erlag.  Eine  vollständige 
Section  konnte  nicht  gemacht  werden,  dagegen  gelang  es  dem  Verf. 
wenigstens  die  Genitaloigane  aus  der  Leiche  zu  acquiriren.  Die  Un- 
tersuchung derselben  zeigte  nun,  dass:  t)  der  Narbenverschluss  am 
Muttermunde  ein  vollständiger  war.  2)  Die  vor  der  Operation  schlitz- 
förmige Fistel  war  jetzt  eirund,  erbsengross  und  hatte  dicke,   ganz 


154  Centralblatt  fAr  Chirurgie.     No.  10. 

überhäutete  Baader.  3)  Die  Uterinhöhle  war  gänzlich  intact;  nicht 
im  geringsten  ausgedehnt;  die  Schleimhaut  ganz  gesund.  4)  Der 
obere  Rand  der  Fistel  reichte  so  nahe  an  das  Peritoneum  heran,  dass 
bei  der  Anfrischung  der  Bänder  eine  Verletzung  des  Peritoneums 
ganz  unvermeidlich  gewesen  wäre ;  und  Verf ,  meint  in  Folge  dessen^ 
dass  bei  jeder  Blasen-.Gebärmutterfistel  Verschluss  des  äusseren  Mut- 
termundes die  einzig  zulässige  Operation  sei. 

▲•  Bldder  (Mannheim). 


M.  Schede.     Ueber  Gelenkdrainage. 

(Arch.  f.  kliniBche  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  4.) 

S.  theilt  die  folgenden  Fälle  mit^  welche  zeigen,  wie  gute 
Resultate  die  unter  dem  Lister'schen  Verbände  ausge- 
führte Drainage  acut  vereiterter  Gelenke  ergiebt. 

Der  erste  Fall  betraf  einen  Knaben,  der  ausser  an  einer  Reihe 
anderer  schwerer  Verletzungen^  an  einem  complicirten  Split- 
terbruch der  rechten  Patella  litt.  Während  der  Wundverlauf 
unter  dem  Lister 'sehen  Verbände  zuerst  ein  günstiger  war,  trat 
später  eine  Retention  des  Secretes  im  Kniegelenke  mit  hohem  Fieber 
ein.  —  Das  Durchlegen  von  3  Drainageröhren  durch  das 
Gelenk  beseitigte  die  Gefahr.  Obgleich  im  Ganzen  über  2 
Dritttheile  der  Patella  nekrotisch  wurden,  regenerirte  sie  sich  voll- 
ständig; das  Gelenk  blieb  beweglich:  es  konnte  vollkommen  ge- 
streckt und  bis  zum  rechten  Winkel  gebeugt  werden.  —  Indem  zwei- 
ten Falle  wurde  eine  Ostitis  am  Fibulaköpfchen  die  Ursache 
einer  eitrigen  Kniegelenksentzündung  bei  einem  9jährigen 
Knaben.  Die  Drainage  bewirkte  baldigen  Temperaturabfall  und 
Heilung  mit  nur  verminderter,  nicht  aufgehobener  Beweglichkeit.  — 
In  einem  folgenden  Falle  entstand  die  eitrige  Kniegelenks- 
entzündung  nach  Extraction  eines  Sequesters.  —  Die 
Drainage  bewirkte  Temperaturabfall  und  Aufhören  der  Schmerzen. 
Der  Pat.  ist  noch  in  Behandlung.  —  Viertens  entstand  eine 
eitrige  Kniegelenksentzündung  7  Tage  nach  Excision 
eines  freien  Gelenkkörpers.  •—  Alle  bedrohlichen  Erschei- 
nungen verschwanden,  als  durch  die  sich  spontan  öffnende  Incisions- 
wunde  ein  Drainagerohr  gelegt  wurde.  Die  Heilung  erfolgte  mit 
vollkommen  beweglichem  Gelenke.  —  In  einem  5.  Falle  ent- 
stand die  Vereiterung  des  Kniegelenks  nach  einem  Ery- 
sipel, welches  seinen  Ursprung  von  Blasen,  entstanden  durch  Jod- 
tinctur,  genommen  hatte.  —  Pat.  ging  an  der  durch  eine  später 
noch  hinzutretende  Verjauchung  des  Fussgelenks  bedingten  Ober- 
schenkelamputation zu  Grunde.  Die  Seotion  zeigte  das  drainirte 
Kniegelenk  in  Heilung.  —  Die  Versuche,  ebenso  auch  schwere 
chronische  Gelenkeiterungen  zu  behandeln,  stellten  bei  vier 
schweren  Fällen  von  Tumor  albus  des  Knies  zwar  die  Unschädlich- 
keit der  Drainage  ausser  Zweifel,  doch  erlagen  gleichwohl  3  Pattenten 


Centralblatt  fflr  Chirurgie.     No.  10.  155 

ihren  Leideu.  Dagegen  waren  die  Besultate  bei  fungösen  Erkran- 
kungen des  Ellenbogen-,  Hand-  und  Fussgelenkes ,  bei  denen  der 
Drainage  das  Ausschaben  der  Gelenke  und  Ausspülen  mit  einer  Syü 
Chlorzinklösong  vorausgeschickt  wurde,  sehr  günstig.  —  So  weit  die 
Patienten  nicht  an  allgemeiner  Tuberkulose  zu  Grunde  gingen,  er- 
folgte Heilung  mit  beweglichem  Gelenke.  —     •         Maas  (Breslau). 


O.  Berger  (Breslau).     Zur  (Kasuistik  der 'Gelenkneuralgieen. 

(Deutsche  Zeitschrift  für  praktische  Medicin  1674.  No.  49.) 

Nachdem  Verf.  bereits  früher  (Berl.  klin.  Wochenschrift  1873. 
No.  22 — 24)  über  7  Falle  von  Gelenkneurosen  berichtet  hat,  giebt  er 
in  der  vorli^enden  Mittheilung  einen  Bericht  über  6  weitere  Fälle 
und  theilt  seine  therapeutischen  Erfahrungen  mit.  B.  betont  die 
Angaben  Brodie's  und  Esmarch's  bezüglich  der  weitaus  grösseren 
Häufigkeit  dieses  Leidens,  als  man  gewöhnlich  anzunehmen  pflegt 
und  hebt  hervor,  dass  die  Arthro-Neuralgieen  mit  allen  ihren  klini- 
schen Einzelheiten  sich  streng  an  die  Symptomatologie  der  gewöhn- 
lichen Neuralgieen  anschliessen.  Nur  bei  hysterischen  Frauenzimmern 
erhalten  dieselben  ein  für  Hysterie  charakteristisches  Gepräge :  der 
Verlauf  wird  sehr  wechselnd  und  von  der  augenblicklichen  Gemüths- 
stimmung  wesentlich  beeinflusst. 

Unter  den  6  beobachteten  Fällen  befanden  sich  nur  2  hysterische 
Damen  aus  den  gebildeten  Ständen,  in  einem  Falle  war  die  Hysterie 
zweifelhaft,  während  die  3  übrigen  Patienten  (2  Männer  und  1  Frau) 
in  jeder  Beziehung  vollkommen  gesund  waren.  Von  den  13  Fällen 
von  Gelenkueuralgieen  boten  also  6  Patienten  keine  sonstigen  neu- 
ropathischen  Störungen  dar  und  B.  tritt  deshalb  der  Auffassung  ent- 
gegen ,  als  ob  es  nur  hysterische  Gelenkneurosen  gebe ;  er 
ist  der  Ansicht,  dass  manche  Fälle  von  monarticulärem  chron.  Ge- 
lenk-Rheumatismus bei  eingehender  Untersuchung  sich  als  Ge- 
lenk-Neuralgieen  herausstellen  dürften.  —  Was  die  Therapie  betrifft, 
so  erzielte  Verf.  in  2  Fällen  von  Kniegelenk-Neuralgieen  durch  den 
Gebrauch  energischer  kalter  Abreibungen  zwar  langsame  aber  doch  voll- 
ständige Heilung,  in  dem  einen  Falle  unter  gleichzeitiger  Darrei- 
chung von  ferrum.  Bei  einer  an  Hystero-Epilepsie  leidenden  Patientin 
wurde  durch  Galvanisation  des  Hand -Gelenks  entschiedene  Besse- 
rung erzielt,  während  in  den  3  übrigen  ausführlich  mitgetheilten  Fällen 
eine  auffallend  rasche  Heilung  nach  Anwendung  der  Electricität 
eintrat.  Tlllmaims  (Leipzig). 

Karoaiio«     Sur  les  ulceres  des  jambes   entretenus   par   une 

affection  du  coeur. 

(PtogrhB  m^dicol  1S75.  No.  3.) 
Verf.   ist    unzufrieden  mit  der  jetzt   angenommenen  Klassifica- 
tkm  der  Beingesohwüje  ^  indem  man  viele,   die  auf  einer  entfernten 


156  Centralblatt.far  Chirurgie.    No.  10. 

Ursache  beruhen,  als  ulcera  simplicia  bezeichnet.  Durch  das  Stu- 
dium der  Aetiologie  der  Beingeschwüre  hat  er  die  XJeberzeugung  ge- 
wonnen, dass  viele  sogenannte  ulcera  simpUcia  ihren  Grund  in  einer 
Circulationsstörung  und  zwar  in  einer  Erkrankung  des  Centralorgans 
haben.  2  Fälle,  bei  denen  die  Section  gemacht,  werden  mitgetheilt. 
1)  Colossales,  in  7  Monaten  entstandenes  Beingeschwür  bei  einem 
51jährigen  kräftigen  Manne.  Die  Symptome  eines  Herzleidens  gingen 
dem  Anfange  des  Geschwürs  4  Monate  vorauf.  —  Sectionsbe- 
fand :  Excentrische  Herzhypertrophie.  Insufficienz  der  valvul.  mitral 
el;  aort.  Frische  EndocarcUtis  valvularis.  —  2.  Becidivirende  Beinge- 
schwüre an  beiden  Unterschenkeln  bei  einem  7  Ijähr.  robusten  Manne. 
Vor  dem  Erscheinen  der  Geschwüre  traten  Symptome  einer  Herz- 
affection  auf.  —  Sectionsbefund :  Dilatation  der  sinus  aort. ,  Stenose 
der  verdickten  valvul.  mitral.  —  M.  ist  zu  folgenden  Resultaten  ge- 
kommen: 1)  Herzaffectionen  disponiren  zu  Beingeschwüren,  können 
sie  auch  hervorrufen.  —  2)  Die  Geschwüre,  welche  man  cardio- 
pathische  nennen  könnte,  sind  ziemlich  häufig.  —  3)  Die  Herzaffec- 
tionen scheinen  ihre  ätiologische  Rolle  nur  mittelst  des  permanenten 
Oedems  der  Unterschenkel  zu  spielen.  Petersen  (Kiel). 


W.  Henke.     Kritisches  über  Klumpfuss  und  Plattfuss. 

Offener  Brief  an  C.  Hu  et  er. 
(Prager  Vierteljahrschrift  f.  d.  pr.  HeUk.  125.  Bd.) 

H.  wendet  sich  neuerdings  gegen  die  Ansicht  Hueters,  dass 
bei  Plattfuss  der  Talus  wesentlich  deformirt  sei,  er  findet  viel- 
mehr, dass  die  beschriebenen  Formveränderungen  nicht  in  Wachs- 
thumsanomalieen  begründet  seien,  sondern  in  der  permanenten  Plan- 
tarflexion des  Talus  im  Sprunggelenke  bei  der  genannten  Affection. 
Dadurch  bleibe  der  vordere  Theil  der  Talusrolle  beständig  ausser 
.Contact  mit  der  Tibia.  Die  scheinbare  Yergrösserung  des  Talus- 
kopfes  rühre  daher,  dass  das  Os  naviculare  am  Talus  so  in  die  Höhe 
rücke,  dass  dasselbe  mit  dem  unteren  Theile  seiner  Gelenkfläche  am 
oberen  Theile  der  ursprünglichen  Gelenkfläche  des  Talus  articulire, 
mit  dem  oberen  Theile  seiner  Gelenkfläche  aber  an  dem  vorderen 
äusseren  Bande  der  Talusrolle,  welche  Partie  sonst  bei  der  Dorsal- 
flexion mit  der  Tibia  articulirte.  Beim  Vergleiche  eines  normalen 
Sprungbeines  mit  einem  von  einem  Plattfusse  findet  H.  also  den 
Hauptunterschied  in  der  Verschiebung  der  Gelenkflächen  bei 
dem  letzteren. 

Aehnlich  fasst  H.  die  Formveränderungen  des  Talus  beim  Klump- 
fuss  auf;  der  Talus  ist  stark  plantarflectirt,  ein  grosser  Theil  seiner 
Bolle  sieht  dauernd  nach  vom  und  hat  seinen  Knorpelüberzug  verloren, 
dabei  ist  die  Kapselinsertion  durch  die  Verödung  dieses  Theiles  des 
Gelenkes  auf  die  Bolle  selbst  nach  oben  gerückt;  betrachtet  man  die 


Centnlblatt  für  Chirurgie.   No.  10.  157 

Kapselinsertion  als  einen  fixen  Puncto  so  erklärt  sich  der  Irrthum, 
dass  ein  Theil  der  Rolle  zu  dem  vermeintlich  veigrösserten  Halse 
des  Talus  gerechnet  wird.  Die  Gelenkverbindung  zwischen  Talus 
und  Kahnbein  ist  nach  innen  und  oben  gerückt.  Die  Wachsthums- 
Veränderungen  des  Talus  beim  Klumpfuss  wären  somit  nicht  so  be- 
deutend, als  Hueter  sie  darzustellen  sucht,  und  nicht  als  das  Pri- 
märe aufzufassen,  sondern  als  Folgen  der  veränderten  Druckverhält- 
nisse. Gersmij  (Wien). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Fiedler.     Ueber  den  Missbrauch  subcutaner  Morphiuminjectionen. 

(Deutache  ZeiUchrift  für  praktische  Medioin  1874.  No.  27  und  28.) 

F.  warnt  vor  der  oft  aUsu  freigebigen  fortgesetiten  Anwendung  subcutaner 
Hoipbiuminjectionen  und  macht  besonders  auf  die  Gefahren  aufmerksam ,  welche 
entstehen,  wenn  die  Application  des  Mittels  der  Willkür  des  Kranken  oder  seiner 
Angehörigen  überlassen  wird.  — 

Abgesehen  von  den  sonstigen  bekannten,  mehr  oder  minder  unbedeutenden 
Nachtheilen  beobachtete  F.  nach  fortgesetxten  und  h&ufig  wiederholten  Morphium- 
injectionen beträchtliche  Alterationen  in  den  Nerven-  und  Gehimfunctionen  und 
in  den  extremsten  Fällen  Formen  von  Psychosen,  welche  mit  den  Erscheinungen 
der  Cerebralparalyse  su  vergleichen  sind.  Zustände  psychischer  Depression  wech- 
selten ab  mit  maniakalischen  Erscheinungen.  In  einzelnen  Fällen  trat  eine  spe- 
cifische  Morphiumpsychose  auf,  welche  sich  von  der  gewöhnlichen  Cerebralparalyse 
nur  dadurch  unterscheidet,  dass  eine  Heilung  resp.  Besserung  erzielt  werden  kann, 
sobald  der  Morphiummissbrauch  aufhört.  — 

Zur  Dlustration  des  Gesagten  theilt  Verf.  5  Fälle  mit  (s.  Original). 

Tillmaiins  (Leipzig). 
Lewin.     lieber  Morphiumintoxicationen. 

(Deutsche  Zeitschrift  für  praktische  Medicin  1874.  No.  28.) 

li.  betont  die  bekannte  Erscheinung  der  primären  Steigerung  und  allmälig 
erfolgenden  Depression  der  Herzthätigkeit  durch  Morphium.  Diese  Thatsache 
findet  ihr  Analogen  in  der  Wirkung  des  Morphium  auf  die  Nervensubstanz;  ein  auf 
keinen  Metallreiz  mehr  reagirender  Nerv  macht  z.  B.  die  lebhaftesten  Zuckungen, 
sobald  er  mit  Morphium  in  Berührung  kommt  und  stirbt  für  immer  ab,  wenn 
die  Zuckungen  nach  kurzer  Zeit  aufhören  (Humboldt).  Aus  dieser  directen  Ein- 
wirkung [des  Morphium  auf  die  nervösen  Centren  folgen  natürlich  secundär  die 
bekannten  Reizerscheinungen  (unregelmässige  Wärmeregulirung ,  gestörte  Moti- 
lität, Alteration  der  sensibeln  und  geistigen  Sphäre  etc.).  —  Verf.  theilt  einen 
Fall  von  Morphiumintoxication  mit,  der  in  exquisitester  Weise  diese  Symptome 
darbot  (s.  Original).  TlUnuiiing  (Leipzig). 

B.  Lysakowsky,     Ueber  einen  Fall  von  puerperaler  Pyämie  aus  un- 
gewöhnlicher Ursache. 
Inaug.-Diss.   Halle.    1874. 

Verf.  beschreibt  einen  selbstbeobachteten  Fall  von  wohlausgebildeter  metasta- 
tischer Pyämie  im  Wochenbett  (Schüttelfröste,  multiple  Gelenkentzündungen,  Pleuri- 
tis, Icterus,  dabei  keine  Affection  des  Bauchfells),  welche,  wie  die  Section  ergab, 
von  thromboairten  Varicen  der  Vagina  ihren  Ausgang  genommen  hatte.  Patientin 
hatte  kurz  vor  der  Entbindung  eine  starke  Blutung  gehabt,  die  auf  frühzeitige 
Lösung  der  Plaoenta  bezogen,  wahrscheinlich  in  einem  Platzen  der  sehr  voluminö- 
sen  Aderknoten   ihren   Grund  gehabt  hatte.    Beim  Geburtsact,    vielleicht  schon 


158  Oentralblatt  för  CKinitgie.    No.  10. 

▼orher,  hatte  von  hier  aus  eine  Ihfection  stattgefunden.  Alle  übrigen,  sonst  bei 
puerperaler  Pyämie  betheiligten  Venen  wurden  von  Thromben  frei  gefunden. 

A.  Genzmer  (Halle). 
L.  Albani.     Un  caso  di  afasia  traumatica. 

(Lo  Sperimentale  1875.  Fase,  l^.) 

Ein  20jähr.  Mann  stiess  in  der  Nacht,  vielleicht  von  einem  Traume  aufge- 
schreckt, plötzlich  den  Kopf  mit  grosser  Gewalt  gegen  die  nebenliegende  Wand, 
so  dass  er  vollkommen  regungslos  am  Boden  liegen  blieb.  In  der  linken  Schläfen- 
Seitenwandbeingegend  fand  sich  eine  starke  Blutbeule.  Eine  Schftdelfractur  wurde 
nicht  gefunden.  In  den  ersten  Tagen  Sopor,  darauf  Symptome  von  Himreixung. 
Am  12.  Krankheitstage  zeigte  sich  eine  rechtsseitige  Hemiplegie,  welche  dauernd 
blieb.  Am  13.  Tage  war  das  Bewusstsein  schon  hergestellt^  aber  der  Mann  konnte 
keine  andern  Worte  hervorbringen  als  buono  und  core.  Und  bei  diesem  Zustand 
verblieb  es,  trotz  Anwendung  der  mannigfaltigsten  Mittel.  Menzel  (Triest).. 

Ck>at8.     Note  on  the  localisation  of  the  function  of  language. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Jan.  30.  p.  113.) 
Bei  einem  in  der  Glasgow  royal  infirmary  im  Octofoer  vergangenen  Jahres  ver- 
storbenen 14jähr.  Knaben  fand  sich  eine  3^2  ^U  lange  Eitersammlung  in  den 
Hirnhäuten  der  Basisgegend,  direct  an  der  Syl  vi 'sehen  Furche,  links.  Obwohl 
die  Hirnsubstanz  nicht  direct  betheiligt  war,  waren  doch  die  letzten  linken  Stirn- 
windungen nach  vom  gedrängt.  Im  Uebrigen  acute  Meningitis,  ein  kleiner  Abscess 
im  rechten  Temporallappen ,  ausgehend  von  einer  rechtsseitigen  Caries  des  Ohres. 
Die  3  letzten  Tage  vor  dem  Tode  beständige  Aufregung  und  Schwatzen,  welche 
Symptome  auf  die  Reizung  der  Broca 'sehen  Windung  zurückgeführt  werden. 

Bank«  (HaUe). 

V,  Urbantschitsch.  Ein  Fall  von  anomaler  Secretion  der  Drüsen  des 
harten  Gaumens  infolge  medieamentöser  Hebandlung  der  Nasenhöhle. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No,  4.) 

Verf.  hebt  hervor,  wie  es  ja  bekannt  sei,  dass  katarrhalische  Processe  im 
Nasopharyngealraume  häufig  auf  die  Ohrtrompete  übertreten  und  Schwerhörigkeit 
erzeugen,  und  dass  der  Erfolg  der  Behandlung  des  Ohrenleidens  oft  von  gleich- 
zeitig bestehenden  Leiden  im  Nasopharyngealraume  abh&nge. 

Die  Patientin  des  Verf.'s,  30  Jahr  alt,  litt  an  chron.  Coryza  und  chron.  Katarrh 
des  Mittelohres.  Der  Katheterismus  der' Ohrtrompete  war  so  schmerzhaft,  dass  U. 
vorl&ufig  nur  den  Nasenrachenkatarrh  behandelte.  Einblasungen  von  Alaunpulver 
und  Bepinselungen  der  Nasenhöhle  mit  Lapislösung  besserten  den  Zustand  nach 
mehreren  Wochen.  Bei  den  fortgesetzten  Lapispinselungen  aber  trat  nun  nach 
jeder  solchen  oberhalb  der  Schneidezähne  des  Oberkiefers  erst  ein  Druckgefuhl, 
dann  heftiger  Schmerz  in  beiden  Sinus  mazillar.  auf,  der  über  sämmtliche  Zähne 
des  Ober-  und  Unterkiefers  ausstrahlte.  Starker  seröser  Ausfluss  aus  der  Naae 
durch  8  Stunden.  Am  nächsten  Morgen  nach  der  Pinselung  ein  widerwärtiger  Ge- 
schmack im  Munde  und  an  den  oberen  Schneidezähnen  zeigte  sich  ein  brauner 
Belag,  der  vom  unteren  Drittel  der  vorderen  Seite  über  deren  hintere  Fläche  und 
weiter  bis  zur  Mitte  des  Gaumens  sich  ausbreitete. 

Diese  Symptome  (auch  der  braune  Belag)  wurden  nun  durch  jede  medicamen- 
tose  Behandlung  hervorgerufen,  gleichviel  ob  Lapis  oder  Alumen  oder  Tannin,  in 
Solution  oder  in  Substanz,  angewendet  ward.  Der  Belag  zeigte  sich  nur  an  jenen 
Zähnen,  an  denen  nach  dem  Pinseln  das  Druck gefühl  erschienen  war  und  endete 
stets  mit  einem  scharfen  Rande  an  denselben.  Grosse  Empfindlichkeit  der  4  oberen 
Schneidezähne  beim  Essen.  Zahnarzt  Delling  er  fand  die  Zähne  intact,  nur 
wurde  eine  auffällige  Weite  der  Ausführungsgänge  einiger  Drüsen  in  der  Mitte  des 
harten  Gaumens,  entsprechend  der  Stelle,  bis  wohin  der  Belag  reichte,   constatirt. 

Nach  dem  Aussetzen  der  medicamentösen  Behandlung  hielt  diese  secretorisehe 
Störung  noch  kurze  Zeit  an,  in  Intervallen  wiederkehrend,  um  endlich  ganz  zu 
schwinden.  Fr«  Stetner  (Wien). 


Centralblatt  für  Chinifgie.    No.  10.  159 

Heinse.     Laryngoscopisches. 

[Arch.  d.  Heilkunde  1875.  XYI.  Jahrg.   Hft.  1.  p.  65--79,  nebst  einer  Tafel.) 

Verf.  besohreibt  eine  Anzahl  interessanter  laryngoscopiaoher  Beobachtungen: 

I.  Beseitigung  eines  fibrösen  Polypen  des  rechten  Stimmbandes  mit  der 
▼.  Bruns 'sehen  Quetschschünge.   Nach  Verlauf  beinahe  eines  Jahres  kein  Recidiv. 

n.  Affection  der  linken  Larynxhilfte  im  Verlaufe  Ton  Lue».  Der  Rest  des 
aersttoten  linken  Taschenbandes  legte  sich  auf  das  Stimmband  und  wurde  durch 
eine  Operation  entfernt  Die  gleichzeitig  vorhandene  Parese  des  Stimmbandes  tmd 
die  Aplionie,  gegen  welche  Electricität  vergeblich  angewendet  worden  war,  wurde 
auch  dadurch  nicht  gebessert. 

III.  Es  gelang  Verf.  in  einem  Falle,  zahlreiche  zum  Theil  unter  dem  rechten 
Siimmbande  sitzende  Papillome  mittelst  der  Kehlkopf^ineette  in  mehreren  Sitzun- 
gen, wenn  auch  mühsam,  so  doch  vollstAndig  zu  entfernen. 

Endlich  wird  ein  Fall  von  i»doppel8eitigQr  Paralyse  der  Mm.  crico-arytaenoidei 
postic»  kurz  beschrieben.  k»  Bidder  (Mannheim). 

IColliere.     Observations  de  tumeurs  rares  de  la  langue. 

(Progres  m^dical  1875.  No.  1.) 

I.  Nussgrosse  Hydatidencyste  am  rechten  Zungenrand.  Einige  Tage  nachdem 
der  24jähr.  Pat.  die  damals  erbsengrosse  Geschwulst  bemerkt  hatte,  trat  eine  hef- 
tige Glossitis  auf,  die  14  Tage  dauerte.  Nach  abgelaufener  EntiQndung  rasches 
Wachsen  der  Cyste.  —  Ezcision.  Feste  Adhäsionen  zwischen  der  Cyste  und  der 
Muskulatur  wie  der  art.  ranin.  —  Verf.  meint,  der  Parasit  sei  während  der  Mastica- 
tion  in  die  Zunge  gedrungen  und  die  entzandlichen  Erscheinungen  mflssten  auf 
die  Gegenwart  des  fremden  Körpers  bezogen  werden.  Er  empfiehlt  bei  Zungen- 
operationen Metallsuturen  damit  die  Patienten  der  hervorragenden  Spitzen  wegen 
instinctiv  die  Zunge  ruhig  halten. 

n.  Bohnengrosses  Lipom  am  linken  Zungenrand  bei  einem  60jähr.  kräftigen 
Greise.  Verf.  liess  ein  Loch  in  ein  Kartenblatt  machen,  die  Zunge  hindurch- 
stecken,  diese  durch  einen  Assistenten  festhalten  und  entfernte  dann  den  Tumor 
mit  der  rothglähenden  Guersant 'sehen  Hämorrhoidalzange,  welche  Operations- 
methode M.  sehr  empfiehlt.  An  der  Zungenbasis  befanden  sich  noch  mehrere  ana- 
loge Tumoren,  die  nicht  entfernt  wurden.  ^  In  beiden  Fällen  trat  bald  Heilung  ein. 

Petersen  (Kiel). 
Peltiar.     Note  sur  la  glossite  k  frigore. 

(Plrogr^s  m^dical  1875.  No.  2.) 
Verf.  berichtet  ausser  über  den  in  der  Gazette  des  höpitaux  vom  10.  Oct.  1874 
bereits  mitgetheilten  Ball'schen  Fall  von  Erkältungs- Glossitis  aber  eine  eigene 
ähnliche  Beobachtung.  Der  Fall  zeichnet  sich  aus  durch  rapide  Entwicklung, 
schwere  Symptome,  rapide  Abnahme  der  Entzündung.  Anfang  der  Entzündung  in 
der  Nacht,  am  Mittag  h<^chst  bedrohliche  Symptome,  drei  Blutegel  seitwärts  vom 
Frenulum,  am  Abend  bedeutende  Besserung,  am  folgenden  Tage  starke  Abnahme 
der  Geschwulst,  am  3.  Tage  war  jegliche  Schwellung  verschwunden. 

Petenen  (Kiel). 

Ifinnich.     Ruptura    diaphragmatis   mit   Bildung   einer   Hemia   dia- 

phragmatica. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  2.) 

Ein  35jähriger  Schieferdecker  fiel  zwei  Stock  hoch  herab.  Er  blieb  bewusstlos 
liegen  und  blutete  etwas  aus  dem  Munde.  Auch  nach  mehreren  Stunden,  im  Spi- 
tale,  war  Pat.  noch  somnolent.  Befragt,  klagte  er  über  Schwindel  und  Schmerzen 
im  Unterleibe,  Kurzathmigkeit.  Das  rechte  Auge  geschlossen,  oberes  Lid  und  die 
rechte  Wange  blutunterlaufen ;  die  linke  Thoraxhäffte  vorgewölbt,  das  Herz  median 
verschoben.  Links  von  der  3.  Rippe  nach  abwärts  tympanitischer  Schall,  an  den 
abhängigen  Stellen  gedämpft;  daselbst  kein  Respirationsgeräusch  vernehmbar.  Tem- 
peratur nicht  erhöht. 


160  Gentralblatt  für  Chimrgie.    No.  10. 

Diese  Symptome  nahmen  an  Schwere  immer  zu ;  Stuhl  bald  diarrhoiaoh,  bald 
angehalten.  Völliger  Appetitmangel.  Nach  14  Tagen  ezitus  lethalis  unter  den 
Symptomen  eines  rechtsseitigen  Lungenödems.  Die  Section  zeigte:  eine  ausge- 
dehnte Fissur  an  der  Sch&delbasis ;  in  der  vorderen  Schftdelgrube  ein  filuterguss 
unter  der  Dura  mater.  Der  rechte  Jochbogen  und  Unterkiefer  gebrochen.  Bei 
Eröffnung  der  Brusthöhle  entwich  Gas  aus  dem  linken  Pleurasäcke;  das  KeT% 
nach  rechts  hin  verdrängt,  das  Diaphragma  nach  dem  Abdomen  zu  vorgewölbt.  In 
der  linken  Brusthöhle  lag  der  ausgedehnte  Magen  und  das  Colon  transvers.  mit 
dem  zusammengeballten  Netze,  dahinter  eine  etwa  1  Fuss  lange  Dünndannschlinge. 
Die  Eingeweide  waren  durch  ein  abnormes  Loch  mit  zackig  gerissenen  R&ndenii 
welches  links  vom  foramen  oesophag.  noch  im  sehnigen  Theile  des  Diaphragma 
sich  befand,  in  die  Brusthöhle  getreten.  Die  linke  Lunge  lag  als  platter,  luft- 
leerer Kuchen  an  die  Wirbelsäule  angedrQckt.  Im  Thoraxraume  etwa  2  Pfunde 
röthlichen  Serum's.    Oedem  der  rechten  Lunge.  Fr.  Steiner  (Wien). 

Uiimioh.      Symmetrische  Gangrän    sämmtlicher  Finger  bei  Phthisis 

pulmonum. 
(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  1.) 

Ein  tuberkulöser,  dSjährig.  Buchdrucker,  der  angestrengt  arbeitete,  bekam 
eines  Abends  spontan  eine  starke  Anschwellung  und  Schmerzhaftigkeit  der  Finger ; 
an  den  Handrücken  bildeten  sich  Bläschen.  Am  nächsten  Morgen  sollen  (Sese 
Erscheinungen  verschwunden  sein,  bis  Mittags  bei  der  Arbeit  plötzlich  sämmtliche 
Finger  dunkelroth,  dann  bläulich,  endlich  schwarz  wurden.  Das  Tastgefühl 
schwand,  die  schmerzhaften  Finger  verloren  ihre  Beweglichkeit. 

Bei  der  Aufnahme  des  Fat.  im  Spitale  wurde  ausgebreitete  Lungeninfiltration, 
Cavernenbildung ,  Auftreibung  und  Empfindlichkeit  des  Unterleibes  bei  Druck 
nachgewiesen.  Die  Finger  beider  Häude  krallenförmig  gebeugt,  die  Haut  dar- 
über geschrumpft,  blauschwarz,  trocken,  glänzend,  die  daran  stossende  Haut  ge- 
schwellt, roth  und  schmerzhaft,  üeber  der  linken  Kniescheibe  eine  thalergrosse, 
blauschwarze  Hautpartie.    Puls  beschleunigt;  viel  Auswurf. 

Nach  14  Tagen  erfolgte  exit.  lethalis.  Die  Section  erwies:  Verwachsung 
beider  Lungen  mit  der  Costalpleura ;  ausgebreitete  tuberc.  Infiltration  beider 
Lungen,  mehrere  Cavernen ;  das  Herzfleisch  blass ;  die  Inthna  der  Aorta  stellenweise 
getrübt ;  das  Peritoneum  voll  Tuberkelknötchen ;  die  artt.  radial,  und  ulnar,  und 
deren  Verzweigungen  an  beiden  Armen  rigid,  ihre  Intima  getrübt  und  mit  zahl- 
reichen Kalkplättchen  bedeckt.  Auch  in  den  Art.  brach,  und  crural.  Trübung 
der  Intima.  ^  Fr«  Stelner  (Wien). 

Wood.     New  {?  Ref.)  Operation  for  the  eure  of  hypospadiasis. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Jan.  30.  p.  114.) 

Anonymer,  nicht  von  W.  herrührender,  durchaus  ungenügender  Bericht  aus 
dem  King's  coUege  hospital. 

Das  in  der  Regel  vorhandene  Präputium  wird  dorsal,  nahe  seinem  Anhef- 
tungspuncte  am  Penis  durchstochen,  die  Oeffnung  quer  so  weit  erweitert,  daas  die 
Glans  durch  dieselbe  hindurchgesteckt  werden  kann.  Sodann  wird  ein  Lappen 
von  der  Unterfläche  des  Penis,  resp.  vom  vorderen  Theile  des  Scrotum  freiprä- 
parirt,  und  nach  vorn  gebracht  (wie?)  und  an  die  Wundfläche  des  Präputium  mit 
Silbersuturen  angenäht.  3  bis  4  Tage  lang  wird  ein  permanenter  Katheter  eingelegt. 
2  vom  Berichterstatter  gesehene  Fälle  hatten  ein  günstiges  Resultat  geliefert. 
Bänke  (Halle). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TiUmaimMf  Leipzig,  Marlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagsbandlang, 
BreUkopf  und  Härtelj  einsenden. 


Drack  und  Verlag  von  Breitkopf  oad  Hirtel  in  L«iptig. 


Gentralblatt 


fllr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

Ton 

Dr.  L  Lim,  Dr.  I.  Sdieile,  Df .  E  TillMniis 

in  Berlin.  in  Halle  a.  S.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

H^  U.  Sonnabend,  den  13.  Mftrz.  1875. 

büiatt:  Rosar,  Was  bedeutet  das  Fehlen  der  Himbewegung  bei  blosUegender  Dura? 
rOriginal-Mlttheilnng).  —  KoChi  Ueber  das  Schwinden  der  Sensibilität  In  der  Nsroose. 
(OrigiDal-Mittheilung).  — 

BrailMy  Topographiseh-anatoDilscher  Atlas.  —  Kaposi,  Ueber  den  gegenwartigen  Stand 
der  Lehre  von  der  ätiologischen  Beziehung  kleinster  Organismen  zu  den  Infectionskraiik- 
heiten.  —  MonCOq,  Transfusion.  —  KQstsr,  Directe  arterielle  Tbierblut-Transfusion.  — 
FocMsr,  Entleerang  der  Harnblase  durch  Aspiration.  —  Heydsr,  Antiseptiscbe  Behandlung 
der  Biastitis. 

Brytat,  Sydney-JantSy  Mc.  Cormac,  Aneurysmen.  —  Sawasiitzky,  Kostar<v,  StHka- 
wenkoff,  Tracheotomle.  —  Pollitzer^  Ueber  die  der  Dentition  zugeschriebenen  Krank- 
heiten. —  SzeparowiCZ,  Neuralgie  des  nerv,  inftramaxillaris.  —  firsen,  Behandlung  der 
Hydroceie.  —  CauslnS,  Fall  von  Lebercyste.  —  Ullsrspsrger,  Anwendung  der  Electrlci- 

tät  bei  Geisteskrankheiten. 


Was  bedeutet  das  Fehlen  der  Himbewegung  bei  bios- 
liegender Dura? 

Von 
W.  Böser  in  Marburg. 

In  einer  Abhandlung  über  Trepanation  (Archiv  d.  Heilkunde  1866) 
hatte  ich  die  Yermuthung  ausgesprochen^  dass  dieses  Fehlen  der  Hirn- 
bewegung von  örtlicher  Anämie  des  entsprechenden  Himtheils^ 
wenn  derselbe  durch  ein  Extravasat  oder  Exsudat  comprimirt  wird^ 
abzuleiten  sein  möchte.  Die  Section  hatte  mir  in  zwei  Fällen  dieser 
Art  ein  umschriebenes,  abscessartiges  Exsudat  an  der  betreffenden 
Stelle  des  Arachnoidealraumes  ergeben. 

Einige  neuere  klinische  Erfahrungen  drängen  mich  zu  einer  an- 
dern Ansicht.     Es  ist,  glaube  ich;   beim  Fehlen  der  Himbewegung 

n 


A    I 


162  Centralblatt  fflr  Chirurgie.    No.  11. 

eine  örtliche  VerwachBung  der  Arachnoidea  anzunehmen; 
diese  Verwachsung  ist  es,  welche  das  Auf-  und  Absteigen  des  Ilims 
hemmt. 

Bis  jetzt  ist  das  Fehlen  der  Himbewegung  von  den  chiruigischen 
Kliuikem  nicht  genug  in  Betracht  gezogen  worden.  Es  mag  hundert 
Mal  vorgekommen  sein^  dass  die  Himbewegungen  fehlten^  aber  man 
mag  wohl  immer  nicht  darauf  geachtet  haben.  So  mag  es  auch  mir 
selbst  in  früherer  Zeit  gegangen  sein.  In  der  Literatur  finde  ich  nur 
einen  einzigen  Fall  erwähnt,  wo  das  Fehlen  der  Himbewegung  ganz 
bestimmt  beobachtet  wurde;  der  Fall  ist  von  Guthrie  (Commentaries, 
ed.  y.  p.  354)  und  die  Erzählung  enthält  nur  die  kurze  Mittheilung, 
dass  nach  einem  Einschnitt  in  die  Dura  eine  bemerkenswerthe  Menge 
von  Eiter  herausgekommen^  dass  das  Ausfliessen  des  Eiters  eine  Zeit 
lang  täglich  befordert  und  dass  schliesslich  die  Heilung  erreicht  wor- 
den sei. 

Es  wäre  sehr  zu  wünschen,  dass  dieser  für  die  Chirurgie  höchst 
wichtige  Gegenstand  zu  völliger  Klarheit  gebracht  würde.  Ich  möchte 
gern  diese  Frage  weiter  bearbeiten  und  ich  richte  deshalb  die  Bitte 
an  die  geehrten  Fachgenossen,  dass  sie  die  etwa  vorgekommenen 
Wahrnehmungen  über  fehlende  Hirnbewegung  veröffentUchen  möchten. 

Marburg,  28.  Febr.   1875. 


üeber  das  Schwinden  der  Sensibilität  in  der  Narkose. 

Von 
WUh«  Koeh  in  Berlin. 

So  weit  meine  Ermittelungen  reichen,  ist  schon  im  ersten  Jahre 
der  (/hloroformanwendung  der  Satz  aufgestellt  worden,  dass  innerhalb 
der  nervösen  Apparate,  welche  eine  einzige,  einheitliche  physiologische 
Verrichtung  haben,  die  Anästhesie  nicht  gleichseitig  in  allen  Theilen, 
sondern  successive  in  dem  einen  früher,  in  dem  anderen  später,  und 
zwar  in  einer  ganz  bestimmten  Reihenfolge  auftritt.  Speciell  herrschte 
das  Bestreben  nachzuweisen,  dass  die  Lähmungserscheinungen  in  der 
sensiblen  und  motorischen  Sphäre  zuerst  immer  an  der  unteren  (hin- 
teren] Extremität  sich  zeigen  und  von  da  aus  centralwärts  in  der 
Weise  vorschreiten,  dass  der  Bauch  und  Rücken,  dann  die  Brust, 
der  Hals  u.  s.  w.,  zuletzt  der  Kopf  befallen  wird. 

Man  findet  diese  Lehre  in  ihrer  ganzen  Schärfe  bereits  bei  Simonin 
entwickelt  (De  l'emploi  de  l'dther  sulfurique  et  du  chloroforme.  Paris 
1848 — 49),  am  ausfiihrlichsten  bei  Claude  Bernard  besprochen. 
(Siehe  dessen  Ijc^ons  sur  les  effets  des  substances  toxiques  et  mMica^ 
menteuses  1857,  p.  235,  330  und  425.  Femer  dessen  Le^ons  sur  la 
Physiologie  et  la  pathologie  du  Systeme  nerveux.  1858,  Vol.  I,  p.  90. 
Endlich  die  Le^ons  sur  les  an^sth^siques.   1857,  p.   135  und  140.) 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  11.  163 

Der  ftaumersparniss  w^en  citire  ich  nur  die  folgende  Stelle : 
»Wenn  das  Nervensystem  unter  einem^  seine  Function  vemichtendeu 
Einfluss  steht,  so  »eigen  sich  die  Lähmungserscheinungen  zuerst  an 
der  hinteren  Extremität.  Dann  sterben  die  Nerven  successive  im  Auf- 
steigen ab.  Der  Quintus  behält  am  längsten  seine  Eigenthümlich- 
keiten  und  in  seinem  Gebiete  bleibt  das  Auge  das  letzte  empfindende 
Organ.     Die  Bewegungen  verschwinden  in  derselben  Reihenfolge«. 

Liebreich  findet  (Verhandlungen  der  Berl.  med.  Gesellschaft 
Bd.  V,  p.  20]  y  dass  für  Operationen  am  Kopf  besser  und  sicherer  als 
Chloroform  und  Aether  die  Narcotica  der  zweifach  gechlorten  Reihe 
sind  (z.  R.  das  Bichloride  of  Methylene).  Bei  ihnen  beginnt  die 
Narkose  am  Kopf  und  der  übrige  Körper  wird  erst  anästhetisch^  wenn 
sie  hier  eine  Zeit  lang  verweilt  hat.  Auch  das  Aethylidenchlorid 
giebt  eine  Narkose,  wie  sie  für  Operationen  am  Kopf  nicht  besser 
sein  kann.  Es  tritt  Anästhesie  am  Kopf  ein,  während  der  Muskel- 
tonus noch  besteht. 

Die  Erklärungsversuche  dieser  auffalligen  Thatsache  sind  nirgends 
in  befriedigender  Weise  gegeben  worden.  Da  man  bis  vor  Kurzem 
nicht  genau  wusste,  ob  die  Anästhetica  allein  die  sensiblen  Nerven 
oder  deren  Ganglien  angreifen,  sprechen  die  Autoren,  und  nament- 
lich gilt  dies  auch  von  Claude  Bernard,  theils  von  einem  ord- 
nnngsmässigen  Absterben  der  sensiblen  Endigungen,  theils  der  Stämme, 
theils  der  im  Rückenmark  und  Hirn  belegenen  Centren,  immer  aber 
mit  der  Betonung,  dass  dieses  Absterben  genau  in  der  Richtung  von 
den  Extremitäten  zum  Kopfe  hin  eingeleitet  werde.  (Die  Li  eh- 
re ich 'sehen  Behauptungen  postuliren  natürlich  die  entgegengesetzte 
Richtung.) 

Seitdem  es  nun  feststeht,  dass  die  sensiblen  Nerven  auch  in  tief- 
ster Narkose  gar  nicht  angegriffen  weiden,  kann  die  Erscheinung 
folgerichtig  doch  nur  so  erklärt  weiden,  dass  die  sensiblen  Ganglien- 
zellen selber  in  der  angegebenen  Weise  ausser  Function  treten  — 
eine  Yorstellung,  die  in  der  That  augenblicklich  bezüglich  dieses 
Punctes  die  herrschende  ist. 

Wenn  man  nun  (zunächst  mit  Aether  und  Chloroform)  an  einem 
vollkommen  unverletzten  Thiere  arbeitet,  bei  dem  man  also  mecha- 
nisch, electrisch  u.  s.  w.  einerseits  die  Haut,  andererseits  Mund, 
Auge  und  Nase  auf  diese  Verhältnisse  untersucht,  kann  man  sich  sehr 
leicht  überzeugen,  dass  die  Reflexerregbarkeit  immer  eher  an  Extre- 
mitäten und  Rumpf,  als  an  den  vorhin  bezeichneten  Theilen  des 
Kopfes  erlischt.  Man  findet  aber  schon  bei  dieser  Versuchsanordnung 
kaum  je  ein  gesetzmässiges  Schwinden  der  Art,  dass  zuerst  die  Zehen, 
dann  der  Schenkel,  die  Bauchhaut  u.  s.  w.  anästhetisch  werden.  Im 
Gegentheil  zeigen  sich  Schwankungen  der  Art,  dass  z.  B.  zuerst  die 
Bancfahaut,  dann  die  Zehen  insensibel  werden  und  es  bleibt  constant 
eben  nur  die  scheinbar  längere  Resistenz  der  Kopfostien. 

Ganz  anders  gestaltet  sich  die  Sache,  falls  man  einzelne  Stellen 
de8  Rumpfes  von  der  Haut  entblösst  oder  grössere  sensible  Nerven 

11» 


164  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  11. 

freilegt.  Ich  habe  Thieren  kleine  Hautwunden  an  den  Hinterzehen 
beigebracht^  den  N.  cruralis^  cutaneus  femoris  ext.  u.  g.  w.  freige- 
legt und  die  Reflexerregbarkeit  dieser  Theile  mit  der  der  Cornea^  der 
Nasenschleimhaut  u.  s.  w.  vei^lichen  und  mich  auch  nicht  ein  ein- 
ziges Mal  überzeugen  können,  dass  die  Sensibilität  der  Nervenstämme 
früher  erlosch,  als  die  der  Schleimhautregionen  des  Kopfes.  Im  Gegen- 
theil  fiel  ziemlich  constant  ein  relativ  früheres  Schwinden  der  Comeal- 
sensibilität  auf,  während  sonst  Differenzen  zwischen  Kopf  und  Rumpf- 
ende nur  in  geringem  Grade  und  immer  in  der  Art  nachzuweisen 
waren,  dass  die  sensiblen  Extremitätennenren  um  eine  Wenigkeit 
länger  persistirten,  als  etwa  die  Nase,  der  Mund  und  das  Ohr. 

Demnach  muss  ich  die  Angaben  Claude  Bernard's  u.  A.  be- 
streiten und  deren  Irrthümlichkeit  darauf  zurückfiihien ,  dass  man 
Theile  auf  dieses  Verhalten  geprüft  hat,  die  auch  normaliter  bei  Ein- 
wirkung desselben  (minimalen)  Reizes  nicht  mit  der  gleichen  Reflex- 
stärke antworten.  Eine  Berührung  der  Cornea,  welche  schon  starke 
Lidbewegungen  hervorruft,  erregt  die  Haut  etwa  des  Unterschenkels 
noch  gar  nicht.  In  der  Narkose  wird  das  Gleiche  stattfinden  und 
das  schwer  verständliche  Phänomen  der  Autoren  sofort  auf  einfache 
Verhältnisse  sich  reduciren,  sobald  man  die  sensiblen  Fasern  so  zu- 
gänglich macht,  wie  es  an  der  Cornea  u.  s.  w.  normaliter  der  Fall  ist. 
Ich  betonte,  dass  die  Sensibilität  nahezu  gleichzeitig  schwindetund 
gebe  damit  zu,  dass  zeitlich  kleine  Differenzen  allerdings  nachweisbar 
sind.  Dies  stimmt  mit  Hitzig's  Angaben  überein,  welcher  in  tiefer 
Aethernarkose  einzelne  motorische  Himganglien  noch  erregbar  fand, 
während  andere  bereits  functionsunfahig  waren  (Untersuchungen  über 
das  Gehirn,  p.  37].  Indess  sprechen  auch  diese  Anomalieen  keines- 
wegs zu  Gunsten  der  bisher  üblichen  Anschauungen. 

Es  lässt  sich  bei  meiner  Versuchsanordnung  (Verabfolgung  von 
einem  vor  Nase  und  Mund  gehaltenen  Tuch)  ein  schnelleres  Abster- 
ben der  Cornea,  der  Nasen-  und  Mundhöhlenschleimhaut  schon  des- 
wegen vermuthen,  weil  neben  der  Allgemeinwirkung  des  Mittels  auch 
noch  die  bekannte  locale  hinzukommt.  Verklebt  man  die  eine  Lid- 
spalte, während  man  die  andere  offen  lässt,  so  kann  man  in  der  That 
fast  jedesmal  finden,  dass  die  unter  dem  geschlossenen  Lide  befind- 
liche Cornea  um  ein  Geringes  länger  empfindlich  bleibt  als  die  andere. 

Für  die  Angaben  Hitzig's  scheint  mir  weiter  veiwerthet  werden 
zu  müssen,  dass  die  verschiedenen  Abschnitte  des  Centralnervensystems 
auch  von  verschiedenen  Blutmengen  durchflössen  werden.  Unter  sol- 
chen Umständen  wird  von  zwei  neben  einander  liegenden  Puncten 
derjenige  am  ehesten  versagen,  welcher  das  meiste  Blut,  also  auch 
die  meisten  narkotischen  Dämpfe  empfängt. 

Ueber  die  Angaben  Liebreich 's  kann  ich  kurz  hinweggehen 
imd  versichern,  dass  sich  das  Aethylidenchlorid  und  das  Methylen- 
bichlorid  genau  so  verhalten,  wie  Chloroform  und  Aether. 

Dagegen  möchte  ich  noch  hervorheben,  dass  auch  die  nach  Curare- 
vergiftung  eintretende  motorische  Lähmung  an  allen  Theilen  des  Kör- 


Centatdblatt  fttr  Ghinirgie.     No.  11.  165 

pers  ziemlich  gleichmässig  und  nichts  wie  man  bisher  ebenfalls  be- 
hauptete,  in  aufsteigender  Richtung^  einzutreten  pflegt.  Versuche  am 
N.  ischiadicus  einerseits  und  andererseits  am  N.  facialis  stellen  auch 
diese  Behauptung  über  allen  Zweifel. 

Um  i^och  einmal  zu  resumiren  geht  also  meine  Meinung  dahin, 
dass  den  besprochenen  Mitteln  gegenüber  die  motorischen  und  sensi- 
blen Ganglien  gleiche  Resistenz  und  gleiche  Erschöpfbarkeit  zeigen, 
dass  das  stellenweise  frühere  Absterben  einzelner  dieser  Ganglien 
wesentlich  in  Difierenzen  der  Blutvertheilung  seinen  Grund  findet 
und  dass  das  scheinbar  frühere  Schwinden  der  Reflexe  am  Rumpf 
und  den  Extremitäten  darauf  beruht,  dass  die  meisten  Abschnitte  des 
Hautkörpers  auf  den  gleichen  Reiz  schwerer  reagiren,  als  die  Schleim* 
häute.  — 


W.  Braune.     Topographisch-anatomischer  Atlas. 

Nach  Durchschnitten  an  gefrorenen  Cadavem.    Mit  50  Holzschnitten  im  Text.     40 

218  Seiten. 

Leipzig,  Yeit  A  Co.,  1875. 

Der  vorli^ende  neue  Atlas  B.'s  giebt  die  Abbildungen  in  ver- 
kleinertem Maassstabe  wieder,  wie  sie  in  dem  grösseren  früher  er- 
schienenen Werke  in  Lebensgrösse  dargestellt  sind.  Die  Abbildungen 
dieses  grossen  Atlas  sind  in  getreuer  photographischer  Nachbildung 
oopirt.  Im  Granzen  liegen  31  sehr  sauber  ausgeführte  Tafeln  vor 
uns;  jeder  ist  ein  besonderer  Text  beigefügt,  so  dass  die  stückweise 
Benutzung  je  nach  .Wunsch  z.  B.  beim  Unterricht  etc.  möglich  ist. 
D^  Text  enthält  50  Holzschnitte. 

Im  Folgenden  seien  die  praktisch  wichtigsten  Puncte  kurz  her- 
vorgehoben, bezüglich  der  Details  muss  auf  das  Original  verwiesen 
W^en.  — 

Auf  der  ersten  Tafel  ist  es  im  höchsten  Grade  auffallend,  dass 
bei  mittlerem  Füllungsgrade  der  Därme  die  Entfernung  des  Nabels 
von  der  Lendenwirbelsäule  verhältnissmässig  gering  ist.  Am  Leben- 
den ist  die  Entfernung  der  Wirbelsäule  von  den  Bauchdecken  infolge 
der  Respiration  und  des  wechselnden  Standes  des  Zwerchfells  aller- 
dings etwas  beträchtlicher,  aber  nach  B.  doch  immer  noch  nicht  so 
beträchtlich,  als  man  gewöhnlich  annimmt.  Aus  dem  Yerhältniss  der 
Bauchdecken  zux  Lendenwirbelsäule  erkennt  man  die  Möglichkeit 
emer  ergiebigen  Compression  der  Aorta,  die  um  so  sicherer  ist,  je 
magerer  das  Individuum  und  je  weniger  voll  die  Därme  sind.  Da 
die  Aorta  am  4.  Lendenwirbel  sich  theilt,  so  ist  die  Compression 
nicht  tiefer,  eher  höher,  also  unmittelbar  am  Nabel,  bei  stark  nach 
vom  gebogener  Wirbelsäule  auszuführen. 

Bezüglich  der  Dehnbarkeit  der  Trachea  bei  Beugung  und 
Streckung  des  Kopfes  hat  B.  Messungen  angestellt ;  letztere  ergaben. 


1 66  Centiaiblatt  für  Chiruigie.     No.  11. 

dats  dieselbe  2^2  Cm.  betragen  kann.  Diese  federnde  Beschaffenheit 
der  Trachea  erklärt  zur  Genüge  das  starke  Klaffen  aller  queren  Tra- 
chealwunden  bei  gestrecktem  Kopfe* 

Gut  ersichtlich  ist  die  Lage  der  art.  carotis  int.  in  unmittelbarer 
Nähe  der  Schlundkopfmuskulatur  und  mahnt  zur  Vorsicht  bei  Opera- 
tionen an  Mandeln  und  am  Schlundkopfe.  Bekanntlich  ist  die  Carotis 
int.  nur  durch  den  Ursprung  des  Constrictor  pharyngis  und  die  Rachen- 
fascie  von  den  Mandeln  getrennt.  Tödtliche  Verletzung  der  Arterie 
nach  Exstirpation  der  Mandeln  sind  von  Portal,  Bums,  Beclard 
u.  A.  mitgetheilt  worden. 

Die  Lage  des  nerv,  mandibularis  zum  Unterkiefer  und  des  nerv, 
lingualis  zwischen  Kiefer  und  Mundhöhle  ist  von  besonderem  Interesse. 
Bezüglich  des  letzteren  begreift  man,  dass  derselbe  bei  rohen  Zahn- 
extractionen  durch  Ausgleiten  des  scharfen  Hakens  leicht  verletzt 
werden  kann  und  in  der  That  bereits  mehrfach  verletzt  wurde.  Die 
Neurotomie  des  Nerven  bei  Neuralgieen  von  der  Mundhöhle  aus  ist 
nach  der  Methode  von  Roser  gut  ausführbar,  aber  auch  ohne  Durch- 
trennung der  Wange.  Nach  Extraction  des  letzten  oberen  Backzahns 
kann  man  nach  B.  den  Nerven  mit  Sicherheit  auf  dem  Aste  des 
Unterkiefers  mit  einem  Tenotom  ohne  vorhergegangene  Freilegung 
zerschneiden. 

Von  besonderem  Interesse  sind  die  Durchschnitte  durch  den  Thorax 
und  Unterleib^  welche  zum  Theil  dem  Pirogo  ff 'sehen  Atlas  entlehnt 
sind  und  patholog.  Verhältnisse  (Pleuro- Pneumothorax,  Pyothorax, 
Hydropericardium  etc.)  auf's  deutlichste  demonstriren  (cf.  Original); 
hieran  schliessen  sich  die  Beobachtungen  über  Herzdislocationen  infolge 
von  Flüssigkeitsansammlungen  in  der  Pleurahöhle  (p.  100 — 102).  Es 
ergiebt  sich,  dass  bei  solchen  Dislocationen  die  Herzspitze  bedeutend 
weiter  ruckt,  als  die  Herzbasis  und  dass  gleichzeitig  eine  Rotation 
des  Herzens  um  -die  Längsaxe  stattfindet. 

Um  die  von  Pleura  nicht  bedeckte  Stelle  des  Herzbeutels  am 
unteren  Ende  des  linken  Stemalrandes  bei  Paracentesis  pericardi\ 
sicher  zu  treffen,  schlägt  B.  vor,  mit  einem  feinen  Troikart  im  oberen 
Winkel  zwischen  linkem  Stemalrand  und  dem  5.  Bippenknorpel  ein- 
zustechen. 

Von  besonderer  chirurg.  Wichtigkeit  sind  die  Tafeln,  welche 
die  Verluiltnisse  des  Peritoneums  wiedei^eben.  Man  übersieht  so- 
gleich, welche  Stellen  vom  Bauchfell  frei  sind.  Sodann  betont  B. 
besonders  die  Beweglichkeit  des  oberen  Duodenumstücks,  dessen  Lage 
bekanntlich  je  nach  dem  Füllungsgrade  des  Magens  wechselt.  B.  hat 
nachgewiesen,  dass  der  Pylorus  bei  leerem  Magen  nahe  der  Mittel- 
linie liegt;  während  derselbe  bei  starker  Füllung  des  Magens  mehrere 
Centimeter  nach  rechts  hinüberrückt.  Dieser  Lageveränderung  folgt 
das  obere  Stück  des  Duodenum's,  dessen  Mesenterium,  d.  h.  das  lig. 
hepato-duodenale,  solche  Ortsveränderungen  ermöglicht.  Ebenso  folgt 
das  mittlere,  senkrecht  verlaufende  Stück  des  Duodenum  den  Be- 
wegungen des  daneben  liegenden  Colon  ascend.,   indem  dasselbe  bei 


Centralblatt  far  Cliinirgie.     No.  11.  167 

starker  Anfüllung  des  letzteren  nach  links  zur  Mittellinie  verschoben 
vriidy  bei  Entleerung  des  Colons  aber  wieder  nach  rechts  hinüberrückt. 

Bezüglich  der  Colotomie  nach  Callisen-Ämussat  ist  zu  be- 
merken^  dass  die  gewöhnliche  Angabe,  dass  das  Colon  descendens  durch 
eine  verticale  Schnittfuhrung  am  äusseren  Rande  des  muscul.  quadra- 
tus  lumborum  am  sichersten  zu  finden  sei^  nicht  unbedingt  richtig 
ist.  Etwa  in  der  Höhe  der  Symphyse  des  3.  und  4.  Lendenwirbels 
deckt  der  musc.  quadratus  lumbor.  von  hinten  her  das  Operationsfeld 
und  muss  somit  durchschnitten  werden;  nur  bei  übermässiger 
Ausdehnung  des  Darmes  überragt  letzterer  etwas  den  äusseren  Rand 
des  erwähnten  Muskels  und  ist  direct  zugänglich.  Um  nun  zu  erui- 
reu,  wie  weit  die  Umschlagsstellen  des  Peritoneum  durchschnittlich 
aus  einander  liegen  und  in  wie  weit  ihre  Lage  zum  Colon  eine  con- 
stante  ist,  hat  B.  Messungen  angestellt.  Es  ergab  sich  für  das  Colon 
descendens  nach  Messungen  an  l^urchschnitten  von  gefrorenen  Leichen 
erwachsener  Männer,  dass  diese  Distanz  in  gerader  Richtung,  also 
nicht  der  Krümmung  der  Darm  wand  entsprechend,  20  —  25  Mm. 
betrug,  wenn  der  Darm  leer  und  eng  zusammengezogen  war;  dass 
femer  die  von  Peritoneum  nicht  bedeckte  Seite  des  Darmes  nicht 
nach  hinten,  sondern  nach  einwärts  gewendet  war,  genau  gegen  den 
Winkel,  welchen  musc.  psoas  und  quadratus  lumbor.  bilden. 

Bei  aufgetriebenen  Dünndärmen  dagegen  wird  das  Bauch- 
fell zwischen  Psoas  und  Colon  ein  Stück  weit  herabgetrieben  und 
letzteres  durch  Zug  der  parietalen  Bauchfellplatte  etwas  um  seine 
Axe  gedreht,  so  dass  die  vom  Peritoneum  unbedeckte  Darmstelle 
mehr  nach  auswärts  gewendet  wird.  Ist  dagegen  das  Colon  selbst 
aufgebläht,  so  kann  die  extraperitoneale  Wand  50 — 60  Mm.  breit 
werden.  Auch  das  aufgetriebene  Colon  scheint  durch  den  Meteoris- 
mus der  Dünndärme  nach  aussen  gedreht  zu  werden.  Diese  That- 
sachen  sind  für  die  Colotomie  von  besonderem  Interesse,  um  so  mehr, 
ab  in  Ys  aller  Fälle  von  Colotomie  nach  Callisen-Amussat  das 
Bauchfell  verletzt  wurde.  Durch  die  Angaben  B.'s  dürfte  eine  Ver- 
letzung des  Peritoneums  eher  vermieden  werden  können.  — 

Zum  Schlüsse  seien  noch  die  von  B.  nach  dem  Vorgange  von 
Bonnet  gemachten  Gelenkinjectionen  mit  Kochsalzlösung  erwähnt. 
Bezüglich  des  Kniegelenks  kommt  Verf.  zu  folgenden  Resultaten: 

1)  Die  ELniegelenke  zeigen  bei  gleichem  Grade  der  Beugung  an 
verschiedenen  Individuen  eine  sehr  grosse  Differenz  der  Capacität  des 
Synovialraumes  (Schleimbeutel). 

2)  Die  Capacität  des  Synovialraumes  erreicht  bei  einem  bestimm- 
ten Grade  der  Beugung  [durchschnittlich  bei  20 — 30^)  ihr  Maximum. 

3)  Mit  dem  Maximum  der  Beugung  fallt  das  Minimum  der  Capa- 
cität der  Synovialhöhle  zusammen. 

Somit  lehrt  ims  der  2.  Satz,  dass  die  Angabe  B  onnet's,  nach  wel- 
cher das  Capadtätsmaximum  in  der  halbgebogenen  Stellung  eintritt, 
unrichtig  ist;  die  beginnende  Beugung  ist  nach  Br.  diejenige  Lage, 
in  der  ^e  Synovialhöhle  das  grösste  Volumen  besitzt.     Ja  schon  eine 


168  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  11. 

ganz  geringe  Beugung  (von  10<^)  bedingt  die  relativ  grösste  Zunahme 
der  Capacität.  Auch  die  andere  Angabe  Bonnet's  wird  widerlegt^  nach 
welcher  die  Extensionsstellung  des  Beines  die  geringste  Capacität  des 
Kniegelenks  bedingen  soll.  Bei  gestreckter  Lage  ist  die  Capacität 
des  Kniegelenks  viel  beträchtlicher^  als  bei  vollendeter  Beugung.  Für 
diese  im  Widerspruch  mit  Bonnet  stehenden  Angaben  B.'s  sprechen 
bekannte  klinische  Erfahrungen^  indem  gerade  hochgradige  Gelenk- 
ergüsse mit  Extensionsstellung  verlaufen  (siehe  auch  Volkmann^ 
Krankheiten  der  Bewegungsorgane  1865^  p.   195). 

Auch  in  das  Hüftgelenk  einer  jugendlichen  weiblichen  Leiche 
injicirte  B.  Talgmasse  von  der  Pfanne  aus.  Der  in  der  Mitte  ampu- 
tirte  Oberschenkel  erhob  sich  und  wurde  auswärts  rotirt.  Nach  dem 
Gefrieren  der  Leiche  zeigte  sich  auf  dem  Frontalschnitt,  dass  zwischen 
Pfanne  und  Gelenkkopf  eine  6  Mm.  starke  Schicht  von  Talgmasse 
lag.  — 

In  gleicher  Weise  wurden  am  Schultexgelenk  Talginjectionen  vor- 
genommen. An  den  Durchschnitten  der  gefrorenen  Präparate  zeigte 
sich  der  am  unteren  Ende  amputirte  Humerus  in  halb  erhobener  und 
etwas  einwärts  gerollter  Stellung ,  welche  er  von  selbst  unter  dem 
starken  Injectionsdruck  angenommen  hatte.  Die  grösste  Entfernung 
des  Humeruskopfs  von  der  Pfanne  betrug  etwas  über  1  Cm. 

Bei  Injectionen  in  das  Ellbogengelenk  nahm' letzteres  halbe  Beuge- 
stellung an  und  die  Injectionsmasse  vermochte  auch  hier  die  Gelenk- 
flächen etwas  von  einander  zu  entfernen.  TUhnaiiBS  (Leipzig). 


M.  Kaposi  (Wien) .   Ueber  den  gegenwärtigen  Stand  der  Lehre 
von  der  ätiologischen  Beziehung  kleinster  Organismen  (Micro- 

coccus)  zu  den  Infectionskrankheiten. 

(Vierteljahrsschr.  f.  Dermatol.  u.  Syphilis,  1874,  I.  —  Vortrag  geh.  im  ärztl.  Verein 

SU  Wien  am  22.  April  1674.) 

Wien.    W,  Brauiillller« 

K.  giebt  eine  klare  Uebersicht  und  gesunde  Kritik  des  bisheri- 
gen Ganges  der  parasitologischen  Forschung  von  Ha  liier  bis  auf  die 
heutige  Zeit.  Er  hebt  darin  als  bezeichnend  fiir  die  Unsicherheit  der 
jeweiligen  Ergebnisse  die  Andauer  und  neuerliche  sehr  beachtens- 
werthe  Zunahme  der  fachmännischen  Opposition  hervor,  welche  gerade 
gegen  die  Grundlagen  der  Lehrmeinung  von  der  organisirten  Natur 
der  Contagien  mit  den  schärfsten  Waffen  anfechte.  —  Die  botani- 
schen Lehren  Hallier's,  Karsten's^  Cohn's  und  Billroth's 
werden  eingehend  erörtert,  und  mit  herben  Worten  »der  Leichtsinn 
und  die  Frivolität^  die  Nonchalance  und  Anmassung«  gegeisselt,  mit 
welcher  von  einer  ganzen  Zahl  von  Arbeitern,  auf  der  vermeintlichen 
Basis  Hallier's  weiterbauend^  stündlich  heue  Entdeckungen  in  die 
Welt  geschleudert  und  der  ernsten  Wissenschaft  Hohn  gesprochen 
wurde  (siehe  die  Zeitschr.  f.  Parasitenkunde). 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  11.  169 

Von  den  zahlreichen^  in  den  letzten  Jahren  stark  gehäuften^ 
anatomischen  Beobachtungen  über  das  Vorkommen  niederer  Orga- 
nismen bei  Krankheiten  könne  ein  Theil,  was  ihre  objective  Grund- 
lage und  ihre  Methodik  anlange^  einer  strengen  wissenschaftlichen 
Kritik  nicht  Stand  halten,  ein  grosser  anderer  Theil  jedoch  involvire 
zunächst  unstreitig  eine  Bereicherung  unserer  pathologisch-anatomi- 
schen Kenntnisse,  ohne  dabei  die  ätiologische  Frage  zu  entscheiden. 
In  wie  weit  in  dieser  Hinsicht  die  Impf-  und  Injectionsver- 
suche  als  beweisend  gelten  könnten,  sei,  abgesehen  von  den  höchst 
widerspruchsvollen  Resultaten  und  der  sehr  discutirbaren  Methodik, 
im  Wesentlichen  davon  abhängig :  1}  dass  Pasteur's  vitalistische 
Theorie  sich  als  richtig  erweise^  und  2)  dass  die  Gleichstellung 
der  Vorgänge  im  kranken  Organismus  mit  denen  bei  Fäulniss  und 
Gährung  aus  inneren  Gründen  statthaft  sei.  Pasteur*{(  Lehre  aber 
wurde  stets  und  werde  noch  jetzt  bekämpft.  Auch  dürfe  nicht  un- 
beachtet bleiben,  dass  jene  pathologischen  Befunde  vorwiegend  post- 
mortale seien^  mithin  wohl  auch  mit  den  dabei  statthabenden  Zer- 
setzungsvorgängen in  Zusammenhang  stehen  könnten,  dass  ferner 
dieselben  Organismen  auch  im  gesimden  Körper  gefunden  seien  und 
solches  im  eigenen  Lager  der  Mycopathologen  demonstrirt  werde. 
Vielfache  andere  (theoretische)  Erwägungen  sprächen  überdies  a  priori 
gegen  eine  parasitäre  Wirkung  der  kleinsten  Organismen. 

Auf  die  umfangs-  und  ergebnissreichen  Untersuchungen  Bill- 
roth's  (dieses  Centralbl.  1874,  No.  8,  10  und  11)  geht  K.  des  Näheren 
ein.  Er  betont  schliesslich^  dass  die  klinisch  richtig  gestellten  That- 
sachen  den  durch  das  Experiment  und  das  Mikroskop  gewonnenen 
Kesultaten  gegenüber  unter  allen  Umständen  ihre  volle  Bedeutung 
behalten.  Arn.  Hiller  (Berlin). 


Honooq.  (Caen) .  Transfusion  instantan^e  du  sang. 

Paris,  A.  Delahaje,  1874.    2me  6d.    8o  318  S. 

Der  absichtsvolle  Zweck  vorliegender  Monographie  beruht  in 
dem  Wunsche  des  Verf.,  seinem  Transfusionsapparate  (Beschreibung  cf. 
Centralblatt  f.  Chirurgie  1874,  p.  364)  die  Priorität  ku  wahren  gegen- 
über Modificationen ,  welche  der  Instrumentenmacher  Mathieu  zu 
Paris  an  Moncoq's  Apparate  als  selbständige  Verbesserungen  ange- 
bracht hat.  —  Obigem  Zweck  zu  Liebe  will  M.  sowohl  für  die  Männer 
der  Wissenschaft  wie  für  die  Laien  schreiben ;  aber  gerade  darum  liefert 
er  kein  Ganzes,  sondern  eine  Compilation  zusammengewürfelter  bald 
physiologischer^  bald  geschichtlicher  Daten.  —  So  verbreitet  sich  Verf.  im 
Anfang  ausfuhrlich  über  seine  Lebensgeschichte,  über  die  Schicksale  sei- 
nes Apparates  und  die  Entstehung  vorliegenden  Werkes.  —  Dann  folgt 
eine  Skizze  über  die  Physiologie  des  Blutes,  die  Verf.  laut  eigener 
Angabe  aus  seinen  bei  Claude   Bernard    und  Long  et   nachge- 


170  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  11. 

schriebenen  CoU^gienheften  entlehnt  hat.  In  den  zwei  nädiBteii  mit 
grossen  Titeln  versehenen  Artikeln  wird  entschieden,  dass  beim  Men- 
schen die  Transfusion  nur  von  Üubitalvene  zu  Cubitalvene  stattfinden 
dürfe  —  um  hieran  die  Topographie  der  Venen  in  der  Ellenbogen- 
beuge zu  schliessen.  Der  darauf  folgenden  geschichtlichen  Entwick- 
lung der  Transfusion  ist  Klarheit  und  Geschick  in  der  Darstellung 
nicht  abzusprechen^  doch  kommen  irgend  wie  neue  Gesichtspunkte 
nicht  zur  Geltung.  Es  werden  weiterhin  die  Thierversuche  von 
Hlundell,  Prdvost  und  Dumas,  von  Milne-Edwards^  von 
Dieffenbach  und  von  Magendie  besprochen ,  ga^^z  besonders, 
um  das  Defibriniren  des  Blutes  als  durchaus  verwerflich  erscheinen 
zu  lassen.  —  M.  entscheidet  sich  auch,  im  Einklang  mit  den  An- 
gaben Malgaigne's  und  mit  den  Erfahrungen  vonOre  und  Nicolas 
Duranty,  gegen  das  gedankenlose  und  leider  doch  noch  so  häufig 
empfohlene  Vorwärmen  des  Transfusionsblutes  auf  Körpertemperatur. 
—  Es  reiht  sich  an  eine  angeblich  complette  Zusammenstellung  aller 
von  1818 — 1860  beim  Menschen  ausgeführten  Transfusionen.  Verf. 
selbst  ^iebt  aber  die  UnvoUkommenheit  seines  statistischen  Versuches 
zu  und  begnügt  sich  mit  Schilderung  einzelner  Falle,  die  ihm  beson- 
ders interessant  erscheinen.  —  Aus  der  zweiten  Hälfte  des  Werkes 
haben  wir  kaum  Neues  zu  berichten.  M.  erscheint  als  heftiger  Gegner 
der  Defibrination.  Als  Beweis  führt  er  die  Gegengründe  Magendie 's  ^ 
Claude  Bernard's,  Chassaignac's  und  Bihier's  an,  letzterem 
völlig  Becht  gebend,  wenn  er  das  Schlagen  des  Blutes  lieber  als  »Todt 
schlagen«  desselben  bezeichnen  will.  —  Dann  aber  verfallt  M.  wieder  in 
seinen  erzähilenden  Styl,  um  von  Neuem  sein  Instrument  zu  beschreiben 
und  dessen  Vorzüge  hervorzukehren.  Die  vom  Verf.  in  der  Veteri- 
närschule zu  Alfoit  und  in  den  Schlachthäusern  der  Grenelle  ange- 
stellten Versuche  an  Pferden,  Hunden,  Kälbern,  Schafen  hatten  nur 
den  Zweck,  die  Brauchbarkeit  des  Apparats  zu  prüfen,  sonst  kein 
wissenschaftliches  Interesse.  —  Und  wiederum  nur  seinem  Instru- 
mente und  zwei  an  demselben  angebrachten  Veränderungen  für  die 
Transfusion  beim  Menschen  widmet»  M.  eine  lange  Reihe  von  Ca- 
piteln.  —  Zur  Transfusion  zieht  er  das  Blut  von  Männern  vor,  weil 
es  reicher  (woran?)  ist,  als  dasjenige  der  Weiber.  80 — 120  Grm. 
sollen  tlie  genügende  Blutquantität  darstellen,  um  Anämische  vom 
Tode  zu  retten,  da  das  Blut  zimächst  die  Bolle  eines  excitirenden 
und  nicht  die  eines  regenerirenden  Mittels  zu  spielen  habe.  M.  deutet 
selbst  an,  dass  vielleicht  das  Transfusionsblut  zunächst  nur  quanti- 
tativ durch  Vermehrung  der  Flüssigkeitsmenge  in  den  Gefässen  und 
hiermit  bedingte  Steigerung  des  Blutdrucks  wirke  —  gewiss  eine  sehr 
treffende  Abstraction  aus  den  Vorträgen  Claude  Bernard's.  —  Wir 
wollen  nur  noch  die  wichtigsten  der  Indicationen  erwähnen,  die  Verf. 
für  die  Transfusion  aufstellt,  und  zwar  1 .  die  puerperalen  Blutungen, 
2.  Blutungen  nach  anderweitigen  Traumen,  die  plötzlich  in  beträcht- 
licher Menge  auftreten.  Hier  könne  man  mehr  Blut  und  rascher 
transfundiren,  als  bei  anhaltenden  und  kleinen  Blutverlusten,  wo  der 


■  - 


Centralblatt  fftr  Chirurgie.    No.  11.  171 

OigauismuB  sich  der  verringerten  Blntmenge  bereits  angepaast  hat. 
3.  als  Voract  bei  grösseren  Operationen,  die  an  erschöpften  Indivi- 
duen vorgenommen  werden  sollen.  4.  Blutungen  aus  nicht  exstir- 
pirbaren  Tumoren.  5.  Haemophilie  und  Blutungen,  wie  solche  bei 
Scorbut,  Purpura  haemorrhagica  u.  s.  f.  auftreten.  Grössere  und  selt- 
nere Blutverluste  ergeben  hier  eine  bessere  Prognose,  als  kleine  und. 
häufig  wiederholte  Blutungen.  6.  Chlorose  und  chronische  Anämie 
aus  verschiedenen  Ursachen.  7.  interne  (Darm-,  Blasen-,  Dick- 
darm-) Blutungen,  denen  man  schlecht  beikommen  kann.  8.  Vergif- 
tungen durch  Kohlenoxydgas  und  andere  Blutgifte.  Doch  bespricht 
M.  gerade  diese  wichtige  Indicatiou  nur  beiläufig.  Am  Ende  des 
Werkes  folgen  Abdrücke  aus  verschiedenen  med.  Zeitschriften,  worin 
mit  Moncoq's  Apparat  glücklich  am  Menschen  ausgeführte  Trans- 
fasionen beschrieben  werden.  Auch  die  bezüglichen  Verhandlungen 
in  der  Academie  der  Wissenschaften  werden  getreulich  wiederge- 
geben, ebenso  ein  Brief  desjenigen  Arbeiters  aus  der  Werkstätte  von 
Charriere,  dem  Verf.  ^e  ersten  Aufträge  für  Ausführung  seines  In- 
strumentes gegeben  hat.  —  Den  Schluss  bildet  eine  grosse  Tafel  in 
Flacatenform,  worin  Verf.  dem  Leser  nochmals  mit  lakonischen  Rand- 
bemerkungen seine  Traiisfusionsapparate  demonstrirt  und  deren  Un- 
terschied im  Vergleich  zu  den  Imitationen  Mathieu's  besonders 
scharf  hervorhebt.  —  Lesser  (Berlin). 


E.  Kuester.      lieber  die  directe  arterielle   Thierblut  -  Trans- 
fusion. 

(Arch.  für  Uinische  Chirurgie  Bd.  XVU.  Hft.  3.  p.  385—405.) 

Acht  hoffnungslose  Fälle :  eine  Oberschenkelschussfractur  mit 
Nieren-Degeneration,  vier  Lungcnphthisen,  zwei  Phthisen  mit  Mast- 
darmfisteln und  Fingercaries,  ein  Typhus  mit  Darmblutungen,  gaben 
die  Veranlassung,  die  directe  arterielle  Hammelbluttransfusiou  mittelst 
des  Schliep'schen  Transfusors  (cf.  Centralbl.  f.  Chir.  Nü.4  p.  61)  12 
Mal  zu  versuchen.  Zehnmal  wurde  die  Art.  radialis,  zweimal  die 
Tibialis  postica  benutzt. 

Im  Verlaufe  der  Operation  zeigten  sich,  ausser  Veränderungen 
in  der  Sensibilität^  Farbe  und  dem  Volum  der  zur  Transfusion  be- 
nutzten Extremität,  heftige  Kreuzschmerzen  und  eine  starke  Dyspnoe, 
während  Y^ — 1  Stunde  später  Fiebersteigerung  und  Schüttelfrost  sich 
einstellten.  5 — 6  Stunden  danach  besserten  sich  jedoch  alle  Be- 
schwerden. Blutiger  Urin  wurde  nur  einmal ,  eiweisshaltiger  öfter 
nachgewiesen. 

Alle  Kranken  gingen  zu  Grunde  und  keinem  wurde  länger  als 
auf  10 — 14  Tage  ein  wahrnehmbarer  Nutzen  geschaffen.  Dagegen 
hat  möglicherweise  der  Eingriff  als  solcher  einmal  durch  eine  ihm 


1 72  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  11. 

3  Wochen  später  folgende  Haemoptoe,  ein  andermal  durch  eine 
dauernde  Erhöhung  des  Fiebers  Schaden  gestiftet.  Die  nach  Wieder- 
auftreten der  Kraukheitssymptome  wiederholte  Transfusion  hat  fast  in 
keinem  Falle  Besserung  herbeigeführt.  Im  Gegentheil  schien  eine 
etwa  schon  vorhandene  Neigung  zu  serösen  Transsudationen  noch  er- 
höht zu  werden. 

Von  den  bei  der  Operation  sich  einstellenden  Beschwerden  scheint 
vorläufig  nur  die  Dyspnoe  einer  Erklärung  fähig  und  auf  den  grossen 
Kohlensfturereichthum  des  Hammelbluts  zurückgeführt  werden  zu 
müssen.  Dafür  spricht,  dass  dieselbe  geringer  wurde,  wenn  man  den 
Kranken  comprimirte  Luft  athmen  liess  oder  veutilirtes  (vor  der 
Operation  apnoisch  gemachten  Thieren  entnommenes)  Hammelblut 
verwendete,  endlich  das  Fehlen  jeder  Dyspnoe,  wenn  man  Menschen- 
blut direct  aus  einer  Arterie  in  die  des  Kranken  überleitete  (directe 
doppelt -arterieUe  Menschenbluttransfusion).  Zwei  in  dieser  Weise 
unternommene  Operationen  hatten  wohl  Schüttelfröste  und  Fieber- 
steigerung; aber  keine  Dyspnoe  im  Gefolge.  •  Als  Indicationen  für  die 
Transfusion  sieht  K.  an: 

1)  acute  Anämieen,  2)  chronische  bei  Chlorose  oder  lang  dauern- 
dem Säfteverlust,  falls  die  Quelle  des  Verlustes  der  Therapie  zugäng- 
lich ist;  3)  chronische  Bronchialkatarrhe  ohne  anderweitige  Lungeu- 
degeneration ;  4)  heilbare  mit  Erschöpfung  verbundene  Magen-  und 
Darmkrankheiten;  5)  heUbare  acute  mit  Erschöpfung  einhergehende 
Krankheiten;  6)  unter  Umständen  Pyaemie  und  Septikaemie;  7)  Koh- 
lenoxydvergifbungen,  falls  Menschenblut  zu  haben  ist. 

WUli.  Koch  (Berlin). 


Foohier.     Die  Entleerung  der  Harnblase  durch  Aspiration. 

(Lyon  m6d.  1874.  Bd.  17.  p.  406.) 

F.  kommt  in  seiner  Arbeit ^  welche  die  bekannte  Literatur  be- 
rücksichtigt, gestützt  auf  eigene  Erfahrungen  zu  dem  Schlüsse,  dass 
die  capilläre  Function  an  Stelle  des  Cathetrismus  zu  setzen  sei,  wenn 
derselbe  bei  vollständiger  oder  partieller  (!)  Harnverhaltung  unmög- 
lich, sehr  schwer  (!),  gefährlich,  oder  sehr  schmerzhaft  (?)  sei;  oder 
wenn  der  Harn  seinen  W^  nicht  durch  die  Harnröhre  nehmen 
soll.  Nachdem  die  Unschädlichkeit  des  Verfahrens  und  seine  ein- 
fache Technik  dargelegt  ist,  subsmnmirt  F.  unter  jene  Indicationen 
folgende  Zustände:  1)  Prostata-Hypertrophie,  welche  den  Cathetris- 
mus durch  abnorme  Deviation,  oder  klappenartigen  Verschluss  der 
pars  prostat,  urethrae,  oder  durch  acute  Schwellung  verhindert; 
hier  wird  durch  die  Entleerung  der  Blase  zugleich  die  Richtung  der 
Harnröhre  geändert  und  dem  sich  in  der  Gegend  der  Prostata  an- 
stauenden Blute  der  leichtere  Rückfiuss  ermöglicht.  —  2)  Frische 
falsche  Wege   bei  voller  Hamretention.  —    3)  Schleimhautverletzung 


Centralblatt  fflr  Chirurgie.     No.  1 1 .  173 

resp.  Entzündimg  durch  schwierigen  CathetriBmus  verursacht.  — 
4;  Grosse  Schmerzhafitigkeit^  die  den  Cathetrismus  unausführbar  macht. 
—  5}  Partielle  Hamretention  ^  wenn  der  Cathetrismus  schwierig, 
schmerzhaft  oder  gefahrlich  ist.  —  6)  Entzündliche  Affectionen  der 
Harnröhre  (Gonorrhoe)  nnd  ihrer  Umgebung  (?).  —  7)  Traumatische 
Harnröhren-Ruptur  imd  spontan  oder  chirurgisch  entstandene  Eröff- 
nung der  Harnröhre  bei  Gegenwart  ammoniakalischen  Urins.  — 
8)  Impermeable  Sirictur  zumal  bei  Anwesenheit  falscher  Wege.  — 
Bei  Frauen  könnte  die  Function  in  Frage  kommen,  wenn  der  Cathe- 
trismus nicht  ausfuhrbar  ist,  so  1)  während  der  Geburt,  2)  bei  Re- 
troyersio  uteri  in  der  Schwangerschaft  und  endlich  8)  bei  Becken- 
tumoren.  —  PU«  (Stettin). 


Ernst  Heyder.     Die  antiseptische  Behandlung   der  Mastitis 

nach  Lister. 

(Beitrage  zur  Geburtshfllfe  und  Gynäkologie  III.  3.  Berlin.     1875.) 

Verf.  empfiehlt  entgegen  der  bisherigen  Behandlungsweise  mit 
Cataplasmen  etc.^  auf  Grund  einer  Reihe  auf  der  Klinik  Bardele- 
be n's  beobachteter  Fälle,  die  bei  abscedirender  Mastitis  nöthigen  In- 
cisionen  und  Verbände  streng  nach  Li  st  er  vorzunehmen.  Der  Eite- 
rungsprocess  verläuft  schneller;  das  Fieber  fallt  schnell  ab;  Schmerzen 
treten  nicht  ein;  eine  einmalige  Incision  ist  meist  genügend. 

Von  18  Fällen  verliefen  8  normal,  10  abnorm.  Die  normalen 
Fälle  hatten  eine  durchschnittliche  Heilungsdauer  von  13  Tagen. 
I3ei  einem  Falle  wurde  eine  2.  Incision  nöthig,  ein  anderer  Fall 
brauchte  39  Tage  zur  Heüung  (intercurrente  Entbindung) ;  fünf 
andre  Fälle  waren  mit  andern  fieberhaften  Krankheiten  complicirt 
und  machten  wiederholte  Incisionen  nothwendig. 

Verf.  empfiehlt  die  Einführung  der  Methode  besonders  in  die 
Privatpraxis  wegen  ihrer  für  alle  Uetheiligten  sehr  viel  grössern  An- 
nehmlichkeit. Leopold  (Leipzig). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Bryant.     Behandlung  von  Aneurysmen.     Gefassunterbindungen. 

(The  Lancet  1874.  Vol.  2.  p.  515,  728,  833  und 
ibid.  1875.  Vol.  1.  p.  12  und  47.) 

B.  bespricht  unter  Zugrundelegung  einschlAgiger  Fälle  aus  dem  Guy's  Hospi- 
tal die  Behandlung  von  Verietsungen  und  Erkrankungen  (Aneurysmen)  an  Arterien 
und  betont  hierbei,  dass  nach  Fehlschlagen  der  Compression  (mit  Zuhülfenahme 
Ton  subcutanen  Morphium-Einspritzungen  und  Anwendung  von  Kälte)  die  centrale 
Ligatur  mit  carbolisirtem  Catgut  auszufahren  sei,  dass  die  Methode  des  Antyilus 
—  von  Syme  in  dem  bekannten  Falle  von  Aneurysma  der  Carotis  ausgeführt  und 


174  Centralt)latt  fOr  Chirurgie.    No.  11. 

empfohlen  —  nur  ihre  Berechtigung  bei  traumatischen  Aneurysmen  finden  könne, 
da  bei  den  nicht  traumatischen  das  ein-  und  ausmündende  Gefässrohr  meist  mit 
erkrankt  sei  und  sich  darum  zur  Anlegung  von  Ligaturen  nicht  eigne.  Für  diese 
Methode  sei  Esmarch's  Bandage  ein  wichtiges  Hülfsmittel;  aber  auch  nur  für 
sie  allein  (?). 

Die  hierbei  erwähnte  Casuistik  (wohl  schon  theilweis  publicirt,  Ref.)  betrifft: 

Fall  1)  Popliteal-Aneurysma  eines  31  jähr,  gesunden  Mannes,  der  vor  4  Wochen 
beim  Aufheben  eines  schweren  Sackes  plötslich  Schmerz  im  rechten  Knie  empfand. 
Schnelle  Ausbildung  des  Aneurysma.  Eine  3tägige  intermittirende  Digitalcom- 
pression der  Femoralis  bewirkte  Heilung.     Beide  Tibiales  pulsiren. 

Fall  2)  Popliteal-Aneurysma  eines  32jähr.  mehrfach  erkrankt  gewesenen  Mannes 
(Syphilis)  wird  nach  Fehlschlagen  mehrtägiger  Compression  erfolgreich  mit  Ligatur 
der  Femoralis  behandelt. 

Fall  3)  Verletzung  der  Art.  brachialis,  Torsion  beider  Enden  in  der  Wunde. 
Heilung. 

Fall  4)  Stichwunde  der  Art.  radialis ;  Aufsuchung  in  der  Wunde,  Durchschnei- 
dung der  Arterie  und  Torsion  beider  Enden.    Heilung. 

Fall  5  u.  6)  Traumatische  Aneurysmen  der  Radialis.  Eröffnung  des  Sackes. 
Torsion  beider  Arterienenden.    Heilung. 

Fall  7]  Traumatisches  Aneurysma  der  Temporaiis,  Eröffnung  des  Sackes.  Tor- 
sion beider  Enden.    Heilung. 

Fall  8)  Diesem  schliesst  B.  p.  586  eine  Ligatur  der  Femoralis  an  wegen  Ele- 
phantiasis des  rechten  Beinet  bei  einer  45jähr.  Frau,  die  England  nie  verlassen 
hatte.  (Die  während  4  Monaten  im  Hospitale  erreichte  »Besserung«  dürfte  unter 
den  gewöhnlichen  Lebensverhältnissen  ausserhalb  des  Hospitales,  wie  fast  in  allen 
ähnlichen  Fällen,  schwerlich  eine  dauernde  sein.    Ref.) 

Fall  9)  Aneurysma  der  Femoralis  Über  das  Lig.  Poupart.  hinaufreichend,  wird, 
nachdem  11  stündige  Compression  der  Iliaca  keine  Wirkung  gehabt,  erfolgreich 
durch  Ligatur  der  Uiac.  ext.  behandelt;  beide  Tibial.  ohne  Pulsation. 

Fall  10)  Aneur.  der  Femor.  über  das  Lig.  Poupart.  reichend,  seit  1  Monat  be- 
merkbar (vor  9  Monaten  Stoss  in  .der  Weiche  erhalten;  Art.  radial,  rigid)  wird 
vergeblich  durch  Compression  behandelt;  Ligatur  der  Iliac.  ext.  erfolgreich;  am  3. 
Tage  die  Temperatur  der  Extremität  um  4,6**  F.  niedriger,  als  die  Körpertemperatur. 
4  Tage  vor  der  Entlassung  Nachblutung  aus  der  Operationswunde,  ohne  weiteren 
Bericht  (!).  Pili  (Stettin). 

Sydney-Jones;  Mo.  Cormao.     Digital-Compression  bei  Aneurysmen. 

(The  Lancet  1874.  Vol.  2.  p.  693  und  866.) 

S.-J.  erreichte  bei  einem  Popliteal- Aneurysma  nach  24  Stunden  volle  Pulslosig- 
keit desselben;  die  91/2  Stdn.  weiter  fortgesetzte  Compression  sollte  nur  grössere 
Festigkeit  der  Gerinnungen  herbeiführen;  3  Tage  nach  eingehaltener  14tägiger 
Ruhelage  im  Bette,  während  welcher  Zeit  der  über  bohnereigrosse  Sack  sich  bis 
auf  WallnussgrOsse  verkleinert  hatte,  verliess  Pat.  geheilt  das  Hospital.  Die  Art. 
tibial.  post.  zeigte  keinen  Puls,  wohl  aber  die  antica. 

Mc.  C.  konnte  schon  nach  17  stündiger  Digitalcompression  die  Pulslosigkeit 
in  einem  Poplitealaneurysma  beobachten;  aus  Vorsicht  wurde  die  Compression 
weitere  7  Stunden  fortgesetzt.    Heilung. 

Nicht  so  prompt  war  der  Erfolg  bei  einem  traumatischen  Aneurysma  der  Ulnaris, 
das  seit  1  Monat  bestand.  Compression  der  Brachialis  bewirkte  nach  32  Stunden 
volle  Pulslosigkeit  im  Aneurysma;  als  nach  einigen  Tagen  von  Neuem  Pulsation 
im  Aneurysma  eintrat,  schaffte  eine  38  ständige  Digitaloompression  der  Braehialia 
scheinbar  Heilung,  aber  schon  nach  4  Tagen  polsirte  das  Aneurysma  wieder,  jetst 
genügte  eine  248tündige  Compression  der  Radialis  (P)  zur  dauernden  Heilung. 

Pils  (Stettin). 


Centralblatt  ftlr  Chirurgie.    Nö.  1 1 .  175 

G.  SawostdtBky.     Zar  Therapie  des  Croup. 

iVerhandliingen  d.  chiruig.  Gesellschaft  su  Moskau  1875.  1.  Theil,  p.  53,  ruBsisch.) 

Verf.  hat  100  Tracheotomieen  ausgeführt»  darunter  bei  Kindern  infolge  von 
Croup  17,  10  bei  Knaben,  7  bei  Mädchen.  Alle  befanden  sich  im  Alter  von  2—10 
Jahren.  Unter  diesen  17  FflUen  z&hlt  er  6  glückliche  Ausgänge,  welche  4  Knaben 
von  27),  4,  5,  10  Jahren  und  2  Mädchen  von  4  und  5  Jahren  betreffen;  im  Gan- 
ten alao  34V4X  guter  Ausgänge.  Die  Nachbehandlung  bei  Tracheotonie  b^tpre* 
chend,  empfiehlt  Verf.  eine  feuchte  Zimmertemperatur  von  16 — 17^R.,  um  das  Ein- 
trocknen des  Schleimes  in  der  Röhre  und  den  Luftwegen  zu  verhüten.  Er  erreicht 
dies  durch  Pulverisation  von  Wasser,  durch  Aufhängen  feuchter  Handtücher,  durch 
Wasserd&mpfe.  Zur  Auflösung  der  in  den  Luftwegen  befindlichen  croupösen  Mem- 
branen gel>raucht  Verf.  Pulverisationen  aus  Aqua  Calcis  in  die  Köhre.  2  Fälle, 
in  denen  er  diese  Nachbehandlung  methodisch  anwandte,  verliefen  äusserst  günstig. 
Alle  Fälle  wurden  in  sehr  später  Periode  des  Croup  operirt. 

W.  Gmbe  (Charkow). 
Sw  J.  Ko0taröv.     lieber  Tracheotomie. 

(Ibid.  p.  58.) 

K.  berichtet  Ober  die  Resultate  von  12  von  ihm  ausgeführte  Tracheotomieen, 
darunter  3  bei  Kindern,  bedingt  durch  Croup  und  Diphtheritis ;  unter  den  letzteren 
hatte  er  3  lethale  Ausgänge.  Von  den  anderen  10,  welche  er  unter  anderen  In- 
dicationen  ausführte,  waren  5  erfolglos.  Beim  Croup  dringt  Verf.  auf  möglichst 
frühe  Ausführung  der  Operation.  Die  Kinder,  bei  denen  er  die  Operation  vor  Ab* 
lauf  der  eisten  24  Stunden  nach  dem  ersten  croupösen  Hustenanfall  machte,  wur- 
den schnell  und  vollständig  gesund ;  während  die  lethalen  Fälle  erst  in  der  zweiten 
Woche  zur  Operation  kamen.    Einzelne  Fälle  werden  ausführlicher  besprochen. 

W.  Grube  (Charkow). 
N.  J.  Stokowenkoflf.     lieber  Tracheotomie. 

(Ibid.  p.  65.) 

Unter  14  von  St.  ausgeführten  Tracheotomieen  betreffen  6  den  Croup,  darunter 
endigten  3  lethal.  Da  alle  von  St.  operirten  Croup-Kranken  in  ziemlich  gleichem 
Zustande  ausgesprochener  Cyanose  sich  befanden,  so  spricht  er  auch  der  spät  aus- 
geführten Tracheotomie  nicht  den  möglichen  Erfolg  ab.  Fast  in  allen  Fällen, 
ausser  einem  (Laryngotomia)  >  wurde  die  Tracheotomia  inferior  gemacht. 

W.  Grabe  (Charkow). 

L.  H.   FoUitEer   (Wien),     lieber  die   der  Dentition  zugeschriebenen 
Krankheiten  und  ihre  Zulässigkeit  in  der  Pathologie. 

(Wien.  med.  Wochenschrift  1874,  No.  49,  50  u.  5t.) 

Gegen  A.  Vogel' s  Ansicht  und  Ausspruch  (im  Abschnitt  »Krankheiten  der 
Mundhöhle«  in  Ziemssen's  Sammelwerk  unter  dem  Titel  dentitio  difficilis  mitge- 
theilt},  dass  die  Dentition  Quelle  der  mannigfaltigsten  Krankheiten^sei,  polemisi- 
rend,  unterwirft  P.  1)  die  von  V.  der  Dentition  zugeschriebenen  Krankheitsfor- 
men  der  SLritik  und  knüpft  2)  daran  die  principielle  Untersuchung,  ob  den 
fraglichen  Dentitionskrankheiten  überhaupt  Stelle  in  der  Pathologie  einzuräumen 
sei.  Mit  scharfer  Kritik  werden  die  an  betreffender  Stelle  erwähnten  und  von 
Vogel  mit  der  Dentition  in  genetischen  Zusammenhang  gebrachten  »Zahnkrank- 
heiten« (Stomatitis  catarrhaUs  und  ulcerosa,  Conjunctivalblenorrhoe ,  Diarrhoe, 
Haoteruptionen,  Eclampsie  und  Nervenleiden)  als  solche  aus  der  Welt  geschafft. 

T.  Mosengeil  (Bonn.) 
J.  Sseparowioz  (Lemberg) :  Neuralgia  nervi  inframaxillaris;  Operation 

nach  Parraviciui;  Heilung. 
(Przegli^d  lekarski  1875.  No.  1.  polnisch.) 

Ein  50jähriger  Mann  litt  seit  5  Jahren  an  Neuralgie  des  rechten  Unterkiefer- 
nerven.    Fruchtlose  Anwendung  aller  möglichen  Palliativmittel.    Hierauf  Neurec- 


176  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  11« 

tomie  nach  oben  bezeichneter  Methode.  Die  Aufsuchung  des  Nerven  und  seine 
Unterscheidung  vom  nervus  lingaalis  machten  keine  Schwierigkeiten ;  bei  der  Her- 
ausbeförderung riss  jedoch  der  Nerv  entzwei,  es  wurde  aber  mit  Pincette  und 
Scheere  ein  Theil  von  ihm  herausgeschnitten.  Die  Wundheilung  wurde  durch 
Eitersenkung  nach  dem  Halse  aufgehalten ;  doch  konnte  Fat.  am  28.  Tage  nach  der 
Operation  entlassen  werden.    Nach  6^2  Monaten  kein  Becidiv. 

Obalinski  (Krakau). 

O.  D.  Green.     Cases  of  hydrocele   complicated  with  varicocele  and 
cystocele,  treated  with  Ergotin  and  tincture  of  perchloride  of  iron. 

(Fhil.  med.  Times  1874.  No.  162  p.  149  u.  ff.) 

In  die  Hydrocelensäcke  wurden  nach  vorgängiger  Entleerung  der  Flüssigkeit 
0,03—0,06  Ergotin  aiif  20  Tropfen  Wasser,  in  die  Venenconvolute  mehrere  Tropfen 
Liquor  Ferri  injicirt  Aus  einer  Reihe  von  35  so  behandelten  Fällen  wurden,  um 
die  Gefahrlosigkeit  dieses  Verfahrens  zu  bekräftigen,  nur  vier  genauer  beschrieben : 
eine  Hydrocele  der  Tunica  vaginalis  und  des  Funiculus  spermaticus,  eine  eben- 
solche mit  Epiplocele  complioirte,  endlich  2  Hydrocelen,  bei  welchen  gleichzeitig 
Varicocele  vorhanden  war  und  das  Ergotin  und  der  Liquor  Fern  zusammen  in 
Anwendung  kamen.  Das  regelmässige  Resultat  ist,  dass  allemal  unter  nur 
schwachen  Reactionserscheinungen  der  Erguss  schnell  und  wie  es  scheint  für 
immer  verschwindet.  Aus  Controlle  -  Thierversuchen  glaubt  Verf.  gleichzeitig 
eine  Verwachsung  der  beiden  Blätter  der  Vaginalhaut  annehmen  zu  können,  die 
so  innig  ist,  dass  es  kaum  gelingt,  die  Serosa  von  der  Albuginea  anatomisch 
zu  unterscheiden.  (Wie  oft  das  Ergotin  injicirt  wurde,  bis  es  zu  dieser  aus- 
gedehnten Verwachsung  kommt,  ist  aus  dem  Original  nicht  zu  entnehmen.    Ref.) 

Wilh.  Koeh  (BerUn). 

Goadns.   Grosse  Lebercyste  täuscht  einen  Ovarialtumor  vor.  Operation. 

Tod. 

(British  med.  Journal  1874.  6.  Decbr.) 

Die  27jährige,  kinderlose  Frau  bemerkte  angeblich  nach  einem  in  den  ersten 
Monaten  der  Verheirathung  erfolgten  Abort  ein  Stärkerwerden  des  Unterleibes  und 
Dubliner  Aerzte  versicherten  das  Vorhandensein  eines  beweglichen  Tumors  in  der 
rechten  Seite  und  hatten,  wie  C.  erst  später  erfuhr,  von  Operation  abgerathen. 
Der  jetzige  Befund  liess  C.  die  Diagnose  (deren  ausführliche  Motivirung  im  Ori- 
ginale einzusehen  ist)  auf  Ovarialtumor  stellen,  der  eincystig,  lang  gestielt  und 
wenig  Verwachsungen  mit  Bauchorganen  eingegangen  sei.  Bauchschnitt,  Function 
der  Cyste  —  grünlicher  Inhalt  nicht  untersucht  — ,  Tumor  ist  unten  ganz  frei, 
hängt  nach  oben  mit  der  Leber  fest  zusammen,  Abtrennung.  36  Stunden  nach 
der  Operation  Tod,  vorher  viel  Erbrechen.  Section  ei^ab  nur  Spuren  von  Peri- 
tonitis und  den  Zusammenhang  der  Cyste  mit  dem  unteren  Leberrande.  — 

Pils  (Stettin). 

J.  B.  Ullenperger.   Die  Anwendung  der  Electricität  bei  Behandlung 

der  Geisteskrankheiten. 

München,  J.  A.  Finsterlin,  1875.  8.  51  S.  —  Preisschrift. 

Verf.  sucht,  an  der  Hand  einer  umfassenden  Kenntniss  der  einschlägigen 
Literatur,  die  Wichtigkeit  und  den  Heilwerth  der  Electro  -  Galvanisation  für  die 
Behandlung  mancher  Psychosen  rationell  zu  begründen. 

Am.  Hiller  (Berlin). 

Orlginalmitthellangen,  Monographieen  and  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TiUmamu,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlung, 
Breiikopf  und  HäriA,  einsenden. 


Drnck  und  Verlag  Ton  Breitkopf  and  II Ariel  in  Leipsig. 


Gentralblatt 


fttr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

von 

Dr.  l.  Leiser,  Dr.  H.  ScMe,  Dr.  I.  Tillmaiiiii! 

in  Berlin.  in  Halle  a.  S.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wödientlich  eine  Nummer.    Preii  des  Jahrgangs  20  Mark,   bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Poitanstalten. 

HE:  12.  Sonnabend,  den  20.  März«  1875. 

Inludt:  Vogel,  Fall  Yon  Syndactylie  geheilt  durch  Dittel's  elastische  Ligatur.  (Origi- 
nal-Mltthellnng). 

Feter,  Salicylsänre.  —  BIffl,  Verga,  Impfbarkeit  der  Tuberkulose.  —  Thomt,  Kitt- 
Jeisten  des  Epithels.  —  Gharcot,  £rkrankangen  der  Knochen  und  Gelenke  bei  Ataxie. 
—  Walb,  Traumatische  Hornhautentzündung.  —  Pepper,  Locale  Behandlung  der  Lungen- 
cavemen.  —  Bryk,  Casnistik  der  Geschwülste.  —  Ivanchlch,  Lithotrlpsie.  —  Lannelon- 
gee,  Heilung  eines  Hodentnmors  durch  Unterbindung  der  art.  spennatica.  —  Ultzmann, 
Ambulatorische  Behandlung  der  Harnröhrenstrioturen.  -^  Brimond,  Terpentininha- 
lationen bei  Blennorrhoe  der  Urethra.  —  Dawion,  Ovariotomie.  —  Cacheti   Onychie.  — 

Hetz,  Lammbluttransfusionen.  —  Lolinl,  Multiples  Lymphom.  —  MatChek,  Zwei  Metho- 
den zur  Diagnose  metallener  Projectile  in  Schuss'wunden.  —  Chetnay,  Einheilung  von 
Granatsplittern.  —  Moogeeti  Pseudo-Einklemmung.  *-  filaestr,  Echinococcus  hepatis 
operirt.  —  KnQner,  Puerperale  Blaaenkrankheiten.  —  Germaln,  Durchtrennung  der  Cor- 
pora cavemosa  penis.  —  Bemard,  Mal  perforant.  —  Rehm,   Onychogryphosls.   —  Lapt* 

SCbintky,  Recnrrensspirillen. 


Fall  von  Syndaktylie  geheilt  durch  Dittel's  elastische 

Ligatur. 

Von 

Dr.  Martin  Tegel, 

praktischer  Arzt  in  Eisleben. 

F.  D.,  ein  schwächliches  Zwillingskind,  geb.  am  11.  Aug.  1874, 
wurde  mir  Mitte  November  v.  J.  von  seinen  Eltern  zur  Behandlung 
überwiesen,  weil  an  jeder  Hand  der  3.  und  4.  Finger  verwachsen  war. 

Bei  der  Untersuchung  ergab  sich  an  der  linken  Hand,    dass  die  ^ 
Haut  über  die  beiden  gleich  langen  Finger  an  der  Dorsalseite  gleich- 
massig  und  ohne  Andeutung  einer  Furche  hinwegging.    Die  Gelenk- 

12 


178  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  12. 

falten  hatten  das  Aussehen^  als  wenn  sie  nur  einem  Finger  angehör- 
ten. Die  Nägel  waren  auf  der  äusseren  Seite  stark  gewölbt,  auf  der 
inneren  Seite  hatten  sie  sich  jedoch  in  verticaler  Richtung  gegenseitig 
stark  abgeplattet,  so  dass  man  m  die  trennende  Furche  höchstens  ein 
starkes  Blatt  Papier  einbringen  konnte.  Auf  der  Yolarseite  hatten  die 
Finger  eine  gemeinsame  Kuppe  ohne  ein  Unterscheidungsmerkmal; 
ebenso  waren  die  Gelenkfalten  gemeinsam ;  doch  verlief  von  der  Basis 
der  letzten  Phalanxen  bis  zur  Stelle  der  Fingercommissur  eine  röth- 
liche  nicht  tiefe  Linie,  welche  hier  die  Theilungsstelle  der  Finger  und 
den  Fingerwinkel  andeutete.  Die  gemeinsamen  Fingergelenke  waren 
leicht  beweglich,  auch  konnte  man  in  der  Gegend  der  mittleren  Fha* 
langealgelenke  die  Finger  seitlich  etwas  gegen  einander  verschieben. 
Dies  gelang  jedoch  an  der  dritten  Phalanx  nicht,  denn  hier  waren 
die  Basisenden  durch  eine  breite  knöcherne  Verwachsung  zu  einer 
einzigen  Phalanx  verschmolzen.  Im  Uebrigen  waren  die  Finger  von 
zierlichem  Bau,  ebenso  die  Hände  und  die  nicht  verwachsenen  Finger. 
An  der  rechten  Hand  existirten  dieselben  Verhältnisse,  nur  waren 
hier  die  Nägel  weniger  aneinander  gepresst,  und  die  gemeinsame  dritte 
Phalanx  etwas  breiter. 

Die  Chancen  für  die  Operation  nach  den  bisher  üblichen 
Methoden  waren  nach  diesem  Befunde  sehr  misslicb.  Bei  Tren- 
nung der  Finger  mit  dem  Messer  würden  verhältnissmässig  sehr 
breite  Wundflächen  entstanden  sein;  aber  abgesehen  davon  würde 
die  Trennung  der  knöchernen  Verwachsungen  nur  mit  den  grösaten 
Schwierigkeiten  mögUch  gewesen  sein,  und  es  war  vorauszusehen^ 
dass  heftige  Entzündung  der  Finger  folgen  würde,  welche  gewiss 
deren  Erhaltung  in  Frage  gestellt  hätte.  Ich  entschloss  mich  des- 
halb, einen  Versuch  mit  Dittel's  elastischer  Ligatur  zu  machen, 
von  deren  vorzüglicher  Wirkung  ich  mich  in  anderen  Fällen 
schon  überzeugt  hatte.  Am  28.  Novbr.  begann  ich  damit,  dass 
ich  eine  Wundnadel  oberhalb  des  leMen  Phalangealgelenks 
zwischen  den  Fingern  durchstach,  in  welche  ein  Gummifaden  ein- 
gefädelt war.  Der  Faden  wurde  fest  zusammengezogen  und  ge- 
knüpft, dabei  Sorge  getragen,  dass  seine  Druckfurche  genau  in  die 
Mitte  zu  liegen  kam.  Der  Schmerz  bei  der  kleinen  Operation  war 
sehr  gering,  auch  wurde  kein  Blut  dabei  verloren.  In  den  ersten 
Tagen  befand  sich  der  kleine  Patient  sehr  wohl.  Die  Ligatur  bildete 
durch  Einwärtsziehen  der  Haut  zwei  Fingerkuppen,  audh  die  Nägel 
waren  deutlich  getrennt.  Damach  stellten  sich  aber  Entzündung  und 
leichte  Fiebererscheinungen  ein,  auch  begann  die  Stichwunde  etwas 
zu  eitern.  Ich  spritzte  das  Terrain  täglich  mit  Wasser  aus  und  ver- 
band mit  Carbolöl.  Am  5.  Tage  war  Alles  bis  auf  den  Ejiochen 
durchschnitten;  auch  dieser  war  am  8.  Tage  durchtrennt,  nachdem 
ich  zur  stärkeren  Spannung  des  Fadens  ein  HefitpflasterröUchen  unterge- 
schoben hatte,  welches  quer  über  die  Kuppen  gelegt  war.  Die  Haut  war 
so  nach  der  Durchschnittsstelle  hereingezogen,  dass  die  Wundfläche  nur 
halb  so  gross  war,  als  sie  bei  einer  Trennung  mit  dem  Messer  hätte 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  12.  179 

ausfiJlen  müssen.  Zudem  war,  noch  während  der  Faden  im  Durchschnei- 
den war,  Narbensubstanz  in  die  Trennungsstelle  hineingewachsen. 

Nun  ging  ich  weiter  vorwärts.  Ich  stach  eine  Nadel  in  der  Ge- 
gend der  ersten  Phalangealgelenke  von  oben  und  hinten  schräg  nach 
vom  und  unten,  so  dass  die  Nadelspitze  auf  der  Volarseite  gerade  in 
der  erwähnten  Andeutung  des  Fingerwinkels  austrat.  Den  Gummi- 
faden legte  ich  durch  den  Wundwinkel  der  schon  getrennten  Partieen 
und  knüpfte  fest  zu.  Einige  Tage  nach  der  Operation  entzündeten 
sich  die  Finger  stark,  der  Kleine  fieberte  etwas,  und  es  bildete  sich 
ein  bohnengrosser  Abscess  am  4.  Finger,  den  ich  öffiiete.  Die  Liga- 
tur lag  5  Tage  bis  sie  durchgeschnitten  hatte,  und  war  von  mir,  da 
sie  nicht  mehr  genügend  einschnitt,  nochmals  fester  geknotet  worden. 
(Das  Losen  des  Knotens  gelingt  leicht,  wenn  man  die  Fadenenden 
stark  anzieht.  Dadurch  entsteht  ein  Zwischenraum  in  der  Mitte  des 
Knotens,  und  man  kann  nim  denselben  vermittelst  einer  eingescho- 
benen Nadel  etc.  lösen.) 

Die  Finger  wurden  nun  in  gespreizter  Stellung  mit  Heftpflaster- 
streifen auf  einer  Pappschiene  befestigt,  die  Wunde  fleissig  ausgesprizt 
und  mit  Carbolöl  verbunden.    Die  Yemarbung  ging  rasch  von  Statten. 

Um  die  Wiederverwachsung  vom  Wundwinkel  aus  zu  verhüten, 
legte  ich  gleich  nach  der  vollendeten  Trennung  der  Finger  einen 
Gummifaden  in  denselben  ein,  welcher  an  einem  um  das  Handgelenk 
gebundenen  Bande  angeknüpft  und  sehr  massig  gespannt  erhalten 
wurde.  Nach  Verlauf  von  wenigen  Wochen  gestalteten  sich  die  an- 
fangs noch  etwas  unförmlichen  Finger  derart  normal,  dass  man  nur 
bei  genauem  Zusehen  schmale  Narbenstreifen  an  der  Innenfläche  ver- 
laufen sieht.  Die  obere  Commissur  erstreckt  sich  auf  der  Dorsalseite 
etwas  weiter  nach  vorn,  als  gewöhnlich;  auf  der  Volarseite  dagegen 
befindet  sich  der  Winkel  vollkommen  an  der  richtigen  Stelle. 

Nachdem  ich  dem  kleinen  Patienten  einige  Wochen  Zeit  gelassen 
hatte,  sich  zu  erholen,  begann  ich  am  9.  Jan.  d.  J.  auch  die  rechte 
Hand  zu  operiren.  Der  Verlauf  war  im  Ganzen  ebenso  wie  an  der 
linken ;  nur  kam  es  zu  keinen  nennungswerthen  Entzündimgserschein- 
ungen  und  zu  keiner  Eiterbildung ;  auch  war  der  ganze  Verlauf  viel 
milder.  Dies  schreibe  ich  dem  Umstände  zu,  dass  ich  mich  anstatt 
der  Carbolsäure  der  Salicylsäure  bediente,  und  die  Operation  in  drei 
verschiedenen  Ligaturen,  für  jede  Phalanx  eine,  nach  und  nach  be- 
endigte. Anfangs  März  waren  auch  diese  Finger  als  vollständig  nor- 
mal im  Aussehen  und  bezüglich  der  Function  zu  bezeichnen. 

Nach  diesem  Besultate  glaube  ich  diese  Operationsmethode  für 
alle  Fälle  von  Syndactylie  empfehlen  zu  können,  da  die  Operation 
1}  bei  grosser  Leichtigkeit  der  Ausführung  vollkommen  gefahrlos  ist, 
2)  man  sich  durch  breite  Verwachsung  der  Finger  und  Unzulänglich- 
keit der  Haut  nicht  von  der  Operation  abschrecken  zu  lassen  braucht, 
3}  man  durch  sie  die  mit  Recht  bisher  gefürchtete  Wiederverwachsung 
am  leichtesten  erfolgreich  verhüten  kann. 

12» 


180  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  12. 

Feser.    Salicylsäure  und  ihre  therapeutisch  wichtigen  Eigen- 

Schäften. 

fArch.  f.  wissenschaftliche  und  praktische  Thierheükunde  1875.  Bd.  I.  Hft.  1.) 

Zu  Waschungen,  Injectionen,  Tränkung  von  Verbandstücken  etc. 
genügt  die  gesättigte  wässerige  Lösung  (0,4)^].  Beliebig  stärkere 
Dosirung  ermöglicht  man  durch  Zusatz  von  absolutem  Alkohol.  Zur 
Desodorisirung  jauchiger  Wunden,  Geschwüre  etc.  benutzt  man  die 
Salicylsäure  in  Pidverform  rein,  resp.  durch  Zusatz  von  Stärke,  Kohlen- 
pubrer  etc.  beliebig  verdünnt,  oder  eine  10 — 25^ige  alkoholische 
Lösung.  Reizung  der  Wunden  ist,  ausser  durch  letztere  Art  der  Appli- 
cation, minimal. 

Zum  innerlichen  Gebrauch  reichte  Verf.  grossen  Hausthieren 
von  der  wässerigen  Lösung  5 — 10  Liter  täglich  als  freiwillig  aufzu- 
nehmendes Getränk  (kleine  Dosis).  Grössere  Dosen  (für  Schafe  z.  B. 
5 — 30  grm.  pro  die)  verabfolgte  er  als  Schüttelmixtur  mit  oder  ohne 
schleimige  Einhüllung  oder  in  Pillenform.  Ein  Pferd  bekam  3  Tage 
hinter  einander  je  100^0  Salicylsäure  ohne  die  geringste  schädliche 
Allgemeinwirkung  (Temperatur,  Puls,  Respiration,  Urinsecretion  etc. 
beobachtet),  nur  störte  die  Arrosion  der  Mundhöhleuschleimhaut,  da 
das  Mittel  unpassend  als  Latwerge  gegeben  war.  Man  vermeide  die 
gleichzeitige  Verabfolgung  von  Eiweiss,  Halogenen,  Mineralsäuren^ 
kohlensauren  Salzen  und  Eisenpräparaten. 

Betreffs  der  physiologischen  Wirkung  der  Salicylsäure  erfahren 
wir,  dass  bereits  im  Jahre  1855  Bertagnini  (nuovo  Cimento  I,  363) 
hierüber  Untersuchungen  am  Menschen  anstellte.  Derselbe  bekam 
nach  7  grm.,  binnen  zwei  Tagen  in  Dosen  zu  0,25  innerlich  gegeben, 
Ohrensausen  und  Betäubungsgefühl  und  constatirte  die  schnelle  Wie- 
derausscheidung des  Mittels  durch  den  Urin  (theils  unverändert,  theils 
als  Salicylursäure) .  Die  Resultate  einer  kleinen  Reihe  einschlägiger 
Thiefexperimente  Verf.'s  sind  folgende:  bereits  10 — 20  Min.  nach  der 
ersten  innerUchen  Salicylsäuredosis  violettblaue  Verfärbung  des  Urins- 
durch  Eisenchloridzusatz.  Ausbleiben  der  Reaction  24 — 36  Stunden 
nach  der  letzten  Dosis.  (Daher  grosse,  rasch  auf  einander  folgende 
Gaben!)  Vermehrte  Diurese  und  Nierenreizung  nie  beobachtet. 
Ebensowenig  örtliche  Veränderungen  im  Magen  und  Darm  eines  Scha- 
fes, welches  35,0  salicylsauren  Natrons  (s.  u.)  genossen  hatte.  In 
keinem  Falle  trat  Durchfall  ein  und  niemals  Hess  sich  die  innerlich 
gegebene  Salicylsäure  im  Koth  nachweisen.  In  die  Milch  scheint  das 
Mittel  nicht  überzugehen  (ein  Kuhexperiment).  Dagegen  gahen 
Pleura-  und  Herzbeutelfiüssigkeit  eines  nach  10  Stunden  obducirten 
Schafes,  sowie  das  Aderlassblut  des  mit  100  grm.  pro  die  behandelten 
Pferdes  deutliche  Salicylreaction. 

Die  von  Kolbe  zuerst  hervorgehobenen  gährungs- und  fäulniss- 
widrigen Eigenschaften  der  SaUcylsäure  konnte  Verf.  durch  Wieder- 
holung der  Experimente  bestätigen  und  fand  derselbe,  dass  dem,  ob- 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  12.  181 

wohl  löslicheren  saUcylsauren  Natron  die  fraglichen  Eigenschaften  in 
geringerem  Maasse  zukommen^  als  der  freien  Säure. 
Von  grossem  Interesse  sind  folgende  Experimente: 

1)  Einem  Mutterschaf  wurden  6  Cbcm.  einer  putriden  Fleisch- 
flüssigkeit unter  die  Haut  gespritzt.  Zweien  gleichen  Thieren  dieselbe 
Menge  derselben  Flüssigkeit^  vermengt  mit  12  Cbcm.  einer  wässeri- 
gen Salicylsäurelösung.  Das  erste  Versuchsthier  verendete  am  3.  Tage. 
Die  beiden  letzten  zeigten  weder  local^  noch  allgemein  die  geringste 
Störang. 

2)  Zwei  Jährlingslämmer  erhielten  obige  Dosis  einer  gleichen 
Infectionsfiüssigkeit  subcutan  und  dabei  innerlich  das  eine  20^0  -^ 
das  andere  40^0  Salicylsäure,  auf  3  Tage  vertheilt  in  wässeriger  Lösung. 
Beide  erkrankten  erheblich^  waren  jedoch  am  3.  Tage  als  geheilt  an- 
zusehen,  während  zwei  weitere  Yersuchsschafe  derselben  Reihe  trotz 
40,0  grm.  salicylsauren  Natrons  an  putrider  Infection  am  3.  Tage  zu 
Grande  gingen. 

3)  Von  zwei  an  putridem  Ealbefieber  erkrankten  Kühen  ging  die 
eine,  mit  Chinin  behandelte,  ein.  Die  andere,  welche  täglich  25,0 — 
50,0grm.  Salicylsäure  innerlich  als  Schüttelmixtur  und  gleichzeitig  Sali- 
crUnjectionen  in  den  Uterus  erhielt,  genas  nach  wenigen  Tagen. 

Verf.  hofft  gegen  alle  infectiösen  Krankheitszustände  von  der 
Salicylsäure  (äusserlich  wie  innerlich)  mehr,  als  von  Chinin,  Hypo- 
sulfiten  und  Carbolsäure^  da  jene  ohne  Nachtheil  eine  viel  stärkere 
Dosirung  gestattet,  als  letztere.  Zum  Schluss  empfiehlt  er  die  S.^  um 
verdorbenes  Trinkwasser  geniessbar,  resp.  unschädlich  zu  machen. 

Smppreeht  (Halle). 


S.  Btffi  und  A.  Verga.     Sulla  inoculabilitä  della  tubercolosi. 

(Gazz.  med.  ital.  Lombardia.  (1874).   No.  52  (1875)  No.  3.) 

Die  beiden  Forscher  hatten  schon  vor  Jahren  Versuche  über  die 
Impfbarkeit  der  Tuberkulose  angestellt.  Aus  diesen  und  aus  vielen 
neuen  Experimenten,  die  sie  seither  hinzufügten^  gelangen  sie  zu  fol- 
genden Schlussresultaten: 

1)  Impft  man  grauen  menschlichen^  Tuberkel  oder  den  Detritus 
aus  Lungencavemen  in's  Unterhautzellgewebe  von  Kaninchen,  so  ent- 
wickeln sich  bei  diesen  Tuberkel  in  der  Lunge,  selten  in  der  Leber, 
miter  gleichzeitiger  Abmagerung,  Anämie  und  Leukocytose.  Diese 
Veränderungen  treten  intensiver  und  rascher  auf,  wenn  der  Impfstoff 
direct  in  die  Venen  des  Thieres  injicirt  wurde. 

2)  Beim  Maulesel  blieb  die  subcutane  Injection  erfolglos;  beim 
Pferde  kann  die  venöse  Injection  der  Tuberkelflüssigkeit  binnen  weni- 
ger als  2  Monaten  Lungentuberkulose  erzeugen. 

3  u.  4j  Bei  Kühen,  Schafen,  Hunden  und  Katzen  bleiben  die 
subcutanen  Einspritzungen  erfolglos.  Beim  Hunde  bleiben  auch  die 
venösen  Injectionen  ohne  Resultat. 


1S2  Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  12. 

5)  Bei  Hühnern  gelang  68  in  keiner  Weise  Tuberkulose  zu  er- 
zeugen. 

6]  Die  Tuberkel  der  Rinderperlsucht  sind  bei  Kaninchen  wirk- 
samer,  als  menschliche  Tuberkel;  dahingegen  blieben  sie  als  Futter 
bei  Pferden  -wirkungslos. 

7)  Der  graue  Tuberkel  des  Pferdes  wirkt  beim  Kaninchen  milder, 
als  der  menschliche  Tuberkel. 

8)  Bei  Katzen  und  Kaninchen  blieb  die  Inoculation  in's  Unter- 
hautzellgewebe und  in  die  Peritonealhöhle  erfolglos  bei  Anwendung 
von  käsigem  Eiter,  von  Muskel-^  Krebs-,  Papierstiickchen,  von  Zin- 
nober-, Minium-,  Dextrinpulver  etc.  Um  diese  Fremdkörper  fand 
man  eine  Ablagerung  von  käsiger  Masse. 

9)  Die  venöse  Injection  von  Russstaub  bei  Kaninchen  hatte  nach 
6  Monaten  noch  keine  Tuberkulose  veranlasst,  obwohl  man  in  den 
Lungen  die  Russpartikelchen  deutlich  erkannte.         Menzel  (Trieet). 


B.  Thoma.     Beitrag  zur  Physiologie  der  Kittleisten  des 

Epithels. 

(Centralblatt  f.  d.  med.  Wissenschaften  1875.  No.  2.) 

Durch  Injection  einer  Lösung  von  reinem  indigschwefelsaurem 
Natron  bei  constantem  Druck  in  die  Vena  mediana  der  Froschzunge, 
während  die  letztere  und  die  Gaumenschleimhaut  gleichzeitig  mit  einer 
lY2^i?en  Lösung  von  Chlomatrium  injicirt  werden,  bringt  man  es 
dahin,  dass  sich  das  Indigo  in  die  KitÜeisten  des  Epithels  ablagert. 
Das  Bindegewebe  der  Zunge  wird  auch  schwachblau  gefärbt,  während 
die  Muskulatur  und  das  Epithel  ungefärbt  bleiben.  Während  des  Ver- 
suches (am  lebenden  Thiere)  erweitem  sich  die  Gefässe  stark  und  das 
Blut  zeigt  eine  schwache  Blaufärbung.  Genauere  Mittheilungen  werden 

in  Aussicht  gestellt. 

A«  Bi4der  (Mannheim). 


Charoot.  Des  arthropathies  des  ataxiques.  Des  l^sions  osseuses 

chez  les  ataxiques. 

(Oaz.  des  Mpitaux  1875.  No.  9.  u.  12.) 

Im  Jahre  1868  machte  Ch.  zuerst  auf  den  Zusammenhang  ge- 
wisser Erkrankungen  der  nervösen  Centraloigane  mit  Leiden  der  Kno- 
chen und  Gelenke  aufmerksam  (ArchiTes  de  physiologie) .  Als  »Ar- 
thropathies spinales«  beschrieb  er  eine  Gruppe  von  Gelenkaffectionen, 
weldie  sich  bei  Ataxie  unter  dem  directen  Einfluss  der  Erkrankung 
des  Bückenmarks  entwickeln  und  als  Symptome  dieser  Leiden  zu  be- 
trachten sind.  Sie  treten  schon  im  Initialstadium  der  Erkrankung 
auf^  unabhängig  von  jedem  äusseren  Anlaas^  lediglich  als  Ausdruck 
einer  trophischen  Störung  im  Bereich  der  von  dem  Krankheitsheerd 


Centralblatt  far  Chinugie.    No.  12.  183 

abhängigen  Nerven.  Es  entsteht  ein  Hydarthros  mit  Oedem  der  Um- 
gebung des  Gelenks,  welcher  —  gewöhnlich  ohne  Schmerzen  und 
Fieber  —  schon  nach  einigen  Wochen  oder  Monaten  wieder  ver- 
schwinden kann:  benigne  Form.  —  Oder  es  entwickeln  sich  weitere 
Störungen^  Crepitation  bei  Bewegungen,  Schwund  der  Gelenkflächen 
und  schliesslich  Luxation  des  deformen  Gelenkkopfs:  maligne  Form. 
Obgleich  Ch.  zugiebt,  dass  die  anatomischen  Veränderungen  der  Ge- 
lenktheile  dieselben  sind  wie  bei  Arthritis  deformans,  glaubt  er  doch 
seine  »spinale  Arthritis«  als  besondere  Krankheitsform  aufstellen  zu 
müssen  wegen  ihres  eigenthümUchen  Zusammenhangs  mit  der  Ataxie 
locomotrice.  Der  Sitz  des  Krankheitsheerds  sollen  die  Vorderhömer 
der  grauen  Substanz  sein. 

Ebenso  kann  durch  eine  Erkrankung  des  Bückenmarks  die  Er- 
nährung der  Knochen  derartig  alterirt  werden,  dass  sie  ihre  Festig- 
keit vollkommen  einbüssen,  wie  neben  mehreren  anderen  Fällen  das 
Beispiel  einer  62jähr.  Frau,  die  seit  Jahren  in  der  Salpetri^re  ver- 
pflegt wird,  in  eclatanter  Weise  zeigt.  Vor  20  Jahren  zog  sich  die- 
selbe zuerst  eine  Spontanluxation  der  rechten  Hüfte  zu,  12  Jahre 
später  trat  bei  einer  leichten  Bewegung  auch  der  linke  Schenkel 
aus  der  F&nne,  dann  brachen  nach  einander,  jedesmal  ohne  irgend 
welchen  besonderen  Anlass,  der  linke  Schenkelhals,  der  linke  Vorder- 
ann, der  rechte  Vorderarm,  schliesslich  luxirte  sie  sich  den  linken 
Humerus.  Dabei  fählt  man  Crepitation  im  rechten  Schultergelenk 
und  im  linken  Kiefergelenk.  Die  ersten  Spuren  des  jetzt  ganz  deut- 
lich ausgesprochenen  Rückenmarkleidens  sind  übrigens  erst  vor  5 
Jahren  au%etareten.  Syphilis,  Osteomalacie  oder  hereditäre  Disposi- 
tion bestehen  nicht.  Schädel  (Berlin). 

H.  Walb.     lieber  die  traumatische  Hornhautentzündung. 

(Centralblatt  f.  d.  med.  Wiseenschaften  1875.  No.  7.  p.  97—100.) 

Verf.  präpaiirte  sich  Hornhäute  zur  Untersuchung  in  der  Weise, 
dass  er  lebenden  Kaninchen  eine  neutrale  Carminlösung  in  die  Cornea 
injieirte.  Der  Farbstoff  haftet  nur  an  den  fixen  Homhautkörperchen, 
aber  an  diesen  sehr  lange  und  man  kann  daher  die  Betheiligung  dieser 
beim  Entzün4])ngsproce8se  nadi  Application  von  Beizen  (Chlorzink, 
Höllenstein)  sehr  schön  verfolgen.  Verf.  fasst  das  Resultat  seiner  Unter- 
suchtmgen  in  folgende  Sätze  zusammen: 

1}  Die  eitrige  Keratitis  ist  charakterisirt  durch  das  frühzeitige 
Aufitreten  farbloser  Eiterzellen,  an  deren  Production  die  Homhaut- 
körperchen sich  nicht  betheiligen. 

2)  Ausser  der  eitrigen  Form  giebt  es  eine  zweite,  bei  welcher  sich  an 
die  in  loco  entstehenden  Veränderungen  des  Gewebes  direct  die  Repa- 
ration anknüpft,  welche  ausschliesslich  vom  Gewebe  geliefert  wird. 

Diese  Veränderungen  sind: 

a)  Alveolenbildung  in  den  fixen  Zellen  und  Lockerung  der  Grund- 
substanz in  Fibrillenbündel. 


184  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  12. 

b)  Weitere  A\iflÖBung  der  freien  Zellen  in  kömige  Massen. 

c)  Anhäufung  der  letzteren  an  der  ReizsteUe  zu  gröeseren  Proto- 
plasmahaufen. 

d)  Regeneration  des  Epithels. 

e)  Kernwucherung  in  den  Protoplasmahaufen. 

{]  Abschnürimg  grösserer  Partieen  und  albnäJiges  Auseinander- 
weichen derselben. 

Das  Nähere  über  das  Verhalten  der  Grundsubstanz  bei  schwacher 
Beizung  und  bei  bis  zu  eitriger  Keratitis  führender^  welche  letztere 
fast  immer  nach  HöUensteinätzung  entsteht,  oft  aber  durch  energische 
Atropinanwendung  doch  verhindert  werden  kann  etc.,  wolle  man  im 
Original  nachsehen.  A.  Bidder  (Mannheim'. 


W.  Pepper.     On  the  local  treatment  of  pulmonary  cavities 

by  injeetions  through  the  chest-wall. 

(The  American  Journal  of  med.  sciences.  1S74.  Oct.) 

Verf.  giebt  zunächst  einen  historischen  Rückblick  über  die  opera- 
tive Behandlung  der  Lungenerkrankungen  mit  Cavemenbildung.  Es 
geht  hieraus  hervor,  dass  die  von  Baglivi  1696,  von  Barry  1727  be- 
reits Torg^chlagene  Operation  1845  von  Hastings  und  Storks  in 
London  zuerst  ausgeführt  wurde.  Der  betreffende  Fall,  in  welchem 
wegen  grosser  Caverne  der  linken  Lungenspitze  eine  Incision  im  3. 
Intercostalraum  gemacht  und  die  Höhle  mittelst  elastischem  Katheter 
täglich  ausgespült  wurde  ^  findet  sich  referirt  in  der  London  med. 
gaz.  1845,  Vol.  XXXV,  p.  378.  Der  spätere  günstige  Verlauf  ist 
von  Dr.  Hocken  veröffentlicht  worden.  In  der  Literatur  fand  dieser 
Fall  wenig  Beachtung  und  so  scheint  er  denn  auch  Mosler  gänzlich 
unbekannt  gewesen  zu  sein,  wenn  derselbe  in  der  Berl.  klin.  Wochen- 
schrift 1873,  27.  Octbr.  schreibt:  »Ein  solcher  Vorschlag  war  von 
Masse,  v.  Herff»  Hooken  (statt  Hocken)  erneuert  worden,  in- 
dess  ohne  praktischen  Erfolg«* 

Bevor  die  Mosler 'sehe  Publikation  in  Amerika  bekannt  war 
imd  ohne  von  den  Koch 'sehen  Injectionaversuchen  bei  Thieren  er- 
fahren zu  haben,  hatte  Verf.  (Febr*  1874)  zur  Behandlung  von  Lun- 
gencavemen  dünne  Jodlösungen  mittelst  einer  feinen  Kanüle  durch 
die  Brustwand  hindurch  eingespritzt.  Seine  Erfahrungen  erstrecken 
sich  auf  6  Fälle.  Li  3  derselben  war  eine  merkliche  Besserung  zu 
constatiren,  2  endeten  tödtlich,  1  liess  keinen  sicheren  Schluss 
auf  die  Wirksamkeit  der  Behandlung  zu,  da  die  Injectionen  nur  2 
Mal  ausgeführt  worden  waren.  In  keinem  Falle  übrigens  sah  Verf. 
einen  Nachtheil  von  den  Jodeinspritzungen.  Am  Sdünsse  resümirt 
er  den  Inhalt  der  Abhandlung  in  folgenden  Sätzen: 

1)  Die  Idee,  die  Lungencavemen  mittelst  einer  'die  Brustwand 
durchsetzenden  Indsion  zu  öffnen,  ist  wenigstens  so  alt  als  Baglivi 
(1696),  vielleicht  noch  älter;  indessen  ist  es  wegen  dcFr  UnvoUkom- 


CentralUatt  far  Chirurgie.    No.  12.  185 

menheit  der  firüheren  Berichte  schwer  sni  eruiren^  ob  eine  solche  Ope- 
ration wirklich  vor  dem  letzten  (Barry),  oder  gar  yor  dem  jetzigen 
Jahrhundert  (Hastings,  Storks)  angeführt  worden  ist. 

2)  Die  Idee,  eine  continuirliche  Behandlung  solcher  Cavemen 
mittelst  localer,  direct  durch  die  Brustwand  eingeführter  Medicamente 
einzuleiten,  datirt  erst  aus  den  letzten  Jahren  (Mosler). 

3)  Die  Ungefahrlichkeit  der  Verletzimg  einer  gesunden  Lunge 
mittelst  feiner  Nadehi  wurde  gekg^itlich  durch  die  Vertheidiger  der 
Acapunctur  und  neuerdings  durch  Koch  u.  A.  demonstrirt. 

4)  Die  Operationen  yon  Storks  und  Mosler  haben  bewiesen, 
dass  die  Lungencavemen  äussere  Eingriffe  sehr  gut  vertragen,  dass 
man  sie  einschneiden,  Kanülen  einfuhren  und  verschiedene  Medica- 
mente in  einfacher  Lösung  oder  im  »spray«  einbringen  kann. 

5)  Die  unabhängigen  Beobachtungen  des  Verf. 's  haben  gezeigt, 
dass  die  locale  Behandlung  der  Lungencavemen  mit  wiederholten  Jod- 
injectionen  ohne  Schmerz,  ohne  Blutung  und  ohne  traumatische  Reiz- 
ung ertragen  werden. 

6}  Die  Fälle,  welche  sich  am  besten  für  eine  derartige  Behand« 
lung  eignen,  sind  solche,  in  welchen  eine  einzige,  oberflächliche,  nicht 
tuberkulöse  Caverne  esiistirt ;  indessen  ist  einige  Besserung  auch  dann 
zu  erwarten,  wenn  die  übrige  Lunge  ebenfalls  in  den  Process  herein- 
gezogen, oder  wenn  die  andere  Lunge  bereits  ergriffen  ist. 

7j  Die  Wirkung  dieser  Localbehandlung  besteht  hauptsächlich  in 
einer  Aenderung  des  Charakters  der  Erkrankung  in  den  Wänden  der 
Höhle.  Die  Eiterung  wird  vermindert  und  hiermit  das  hektische  Fie* 
her  und  die  Gefahr  der  allgemeinen  Infection.  Eine  gewisse  Ruhe 
ist  der  Caverne  gesichert  durch  das  Nachlassen  des  Hustens.  Kurz, 
die  Behandlung  begünstigt  die  Vemarbung  und  Schrumpfung  der 
Cavemen. 

8]  Die  oben  angeführten  Fälle,  in  welchen  über  70  Injectionen 
gemacht  wurden,  beweisen,  dass  die  Behandlung  ohne  jegliche  Ge- 
üedir  ist.  Lossen  (Heidelberg). 


A.  Bryk  (Krakau).     Zur  Casuistik  der  Geschwülste. 

(Arch.  für  klin.  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  4.) 

B.  theilt  folgende  Fälle  mit: 

Fall  1.  Ein  teleangiectatisches,  cystoides  Myxosarcom  der  Schä- 
delknochen war  bei  einer  40jähr.  Bäuerin  auf  der  rechten  Kopfseite 
zuerst  langsam,  dann  schnell  wachsend  einige  Wochen  nach  einem 
Stocksehlage  entstanden.  Die  Geschwulst  hatte  schliesslich  53  Cm« 
im  Umfange,  war  10 — 14  Gm.  hoch.  Nach  2jährigem  Bestehen  ging 
Fat.  durch  Blutungen  aus  ulcerirten  Stellen  zu  Grunde. 

Fall  2.  Bei  einer  2Sjähr.  Dienstmagd  entwickelte  sich  in  2  Jah* 
ren  unter  Kopfschmerzen,  Nasenbluten,  später  Schling-  und  Athem- 
beschwerden  em  Bundzellensarkom  des  Cavum  pharyngo-nasale,  wahr- 


186  Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  12. 

scheinlich  von  der  Tonsilla  pharjrngea  (v.  Luschka)  ausgehend.  — 
Fat.  ging  an  Inanitdon  zu  Grunde.  Die  Section  zeigte  einen  Durch- 
bruch der  Geschwulst  in  die  .Sin.  sphenoid.^  femer  durch  die  Fora* 
mina  der  hinteren  Schädelgrube  und  des  Canal.  spinalis  bis  an  die 
Dura  mater;  bohnengrosses  Saroom  der  Gehimbasis^  Sarcom  der 
Halsdrüsen  und  einen  fibroiden  Tumor  des  Fundus  ventriculi. 

Fall  3.  Ein  46jähr.  Gastwirth  bekam  im  Verlaufe  Ton  4  Jahren 
ein  grosses^  diffuses^  ringförmiges  Lipom  des  Halses  und  ausserdem, 
mehrfache  Lipome  an  verschiedenen  Körperstellen.  Erstickungsan- 
fälle veranlassten  B.  das  rechtsseitige  Halslipom  zu  ezstirpiren.  Im 
Yedaufe  der  Swöchentl.  Heilung  schrumpfte  auch  das  linksseitige 
Lipom  bedeutend;  Fat.  war  von  seinen  Athembeschwerden  befreit. 

Fall  4.  Ein  kindskopigrosser  Faserkropf  der  rechten  Schilddrii- 
senseite  wurde  bei  einem  33jähr.  Dorfmusikanten  nach  lOjähr.  Wachs- 
thum  erfolgreich  exstirpirt. 

Fall  5.  Bei  einem  9jähr.  Mädchen  wurde  eine  Struma  hyper- 
plast.  follicul.  des  linken  Schilddrüsenlappens  ^  welche  erfolglos  mit 
Jod  behandelt  war^  wegen  bedeutender  Schling-  und  Athembeschwerden 
exstirpirt.  Bei  zuerst  günstigem  Wundverlaufe  stellte  sich  am  11. 
Tage  Trismus  und  Tetanus  ein^  an  dem  die  Fat.  zu  Grunde  ging. 
Bei  der  Section  zeigten  sich  die  Dura  des  Gehirns  und  Rückenmarks, 
ebenso  die  Fia,  die  Adergeflechte,  die  Himsubstanz,  der  Halstheü 
des  Rückenmarks  sehr  blutreich.  Die  Ansa  cervicalis  des  N.  acoesso- 
rius  war  von  dem  jauchigen  Eiter  eines  Abscesses  umspült,  nach  B. 
wohl  die  Ursache  der  tetanischen  Anfälle. 

Fall  6.  Ein  colossales  retromammäres,  fibröses,  cystoides  Lipom 
(Umfang  an  der  Basis  70,  an  der  stärksten  Stelle  87  Cm.)  hatte  sich 
bei  einer  47jähr.  Frau  in  8  Jahren  entwickelt.  Nach  der  Exstirpa- 
tion  ging  Fat.  septikämisch  zu  Grunde.  Die  Section  zeigte  aus- 
gedehnte Venenthrombose ,  Atrophie  des  Herzmuskels,  zahlreiche  Ec- 
chymosen,  Magen-  und  Darmkatarrh  und  ein  Lipom  des  Coecums. 
Da  sich  die  Brustdrüse  nach  der  Exstirpation  nur  comprimirt  fand, 
so  liess  sie  B.  später  in  einem  ähnlichen  Falle  zurück,  worauf  sie 
sich  zur  normalen  Grösse  wieder  entwickelte.  (S.  hierüber  bereits 
Dieffenbach:  Die  operative  Chirurgie.  Bd.  H.  p.  ä72.   Ref.) 

Maas  (Breslau). 

Iv&nchich  (Wien):  Meine  Axiome  über  Lithotripsie. 

(AUgem.  Wiener  med.  Zeitung  1875.  No.  1.) 

Einer  Fortsetzung  Beines  Berichtes  über  Blasensteinzertrümmeruu- 
gen^  welcher  sich  durch  mehrere  Jahrgänge  des  Journals  hinzieht, 
stellt  der  Verf.  folgende  Sätze  über  die  Indicationen  zur  Lithotriprie 
voran:  1)  Die  Lithotripsie  ist  bis  zum  12.  Lebensjahre  nur  ausnahms- 
weise und  höchst  selten  angezeigt.  2)  Das  Geschlecht  als  solches 
kann  keine  Gegenanzeige  der  Lithotripsie  abgeben.  3)  Vom  12. 
Lebensjahre  an  bis  in  das  Greisenalter  nehmen  die  Chancen  eines 


Centralblatt  fdt  Chirargie.    No.  12.  187 

glücklichen  Ausganges  der  Lithotripsie  fortwährend  2u,  so  dass  gerade 
für  das  Greisenalter  die  Lithotripsie  einen  entschiedenen  Vorzug  vor 
dem  Steinschnitt  hat.  4}  Organische  und  dynamisdie  Abnormitäten 
der  Hamorgane  bilden  keine  absolute  Contraindication;  auch  inten- 
siver Blasenkatarrh  stört  wenig.  Uebermässige  Empfindlichkeit  der 
Hamwege  erfordert  die  Narkose.  5]  Die  Grösse  und  Härte  des  Steines 
bildet  keine  absolute  Contraindication  der  Lithotripsie.  Steine  ^  die 
in  Divertikeln  abgesackt  sind,  oder  im  Blasenhalse  stecken  und  nicht 
zurückgedrängt  werden  können ;  ebenso  Steine,  deren  Kern  ein  yolu- 
minöaer  unzerreiblicher  Körper  ist  erfordern  den  Blasenschnitt.  6)  Un- 
abweisbar bestimmte  Indicationen  und  Contraindicationen  der  Litho- 
tripsie lassen  sich  überhaupt  nicht  formuliren.       Wüdwarlcr  (Wien). 


Lannelongue.    Tumeur  du  testicule  traitee  et  guerie  par  la 

ligatnre  de  Tartere  spermatique. 

(Ou.  des  hdpitaux  1875.  No.  4.) 

L.  hat  den  schon  von  Harvey,  dem  Entdecker  des  Blutkreis- 
laufes, herstammenden  Versuch,  durch  Unterbindung  der  A.  sperma- 
tica  einen  soliden  Hodentumor  zur  Rückbildung  zu  bringen^  neuer- 
dings wieder  mit  Glück  aufgenommen.  Bei  einem  49jähr.  Mann  war 
der  linke  Hoden  im  Laufe  von  10 — 12  Monaten  zu  über  Faustgrösse 
angeschwollen.  Anfangs  hatte  man,  da  Pat.  eingestandenermassen 
syphilitisch  gewesen  war^  eine  Jodkalicur  eingeleitet.  Doch  wuchs 
der  Tumor  immer  mehr  und  wurde  so  schmerzhaft,  dass  ein  halbes 
Jahr  spater  eine  Operation  nicht  länger  aufgeschoben  werden  konnte. 
Die  Geschwulst  fuÜte  sich  fest  an;  war  weder  transparent,  noch  fluc- 
tuirend,  mit  der  Haut  nirgends  verwachsen.  Der  Samenstrang  war 
normal,  die  Leisten-  und  Bauehdrüsen  nicht  vergrössert.  Nach  der 
unterhalb  des  Leistenrings  ausgeführten  Ligatur  nahm  zunächst  die 
Geschwtdst  an  Umfang  zu,  dann  aber  verkleinerte  sie  sich  anfangs 
rasch,  späterhin  langsamer  bis  schliesslich  nur  ein  etwa  nussgrosser, 
fast  steinharter  Elnollen  zurückblieb.  Leider  hatte  L.  vor  der  Ope- 
ration keine  Probepunction  vorgenommen,  so  dass  er  nicht  in  der 
Lage  ist,  eine  bestimmte  Ansicht  über  die  Natiur  des  Tumors  zu 
äussern.  Schädel  (Berlin.) 


TTltzmann.     Zur  ambulatorischen  Behandlung   der  Harnröh- 
renverengerungen. 

[Wiener  med.  Presse  1875.  No.  1  und  3.) 

Veif.  mahnt  zur  Vorsicht  bei  der  ambtdatorischen  Behandlung 
dieses  Leidens,  da  die  morbiden  Reactionen,  welche  zuweilen  dem 
Katheterismus  selbst  bei  der  Behandlung  des  Pat.  im  Bette  folgen, 
hierbei   manchmal  noch  heftiger  auftreten.     Verf.  huldigt  folgenden 


188  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  12. 

Grundsätzen:  1]  Impermeable  und  sehr  enge  Stricturen  eignen  sich 
nicht  zur  ambulatorischen  Behandlung.  2)  Man  beginne  beim  Einfuhren 
des  Bougie  stets  mit  der  Nummer,  die  Tags  zuvor  noch  leicht  passirte ; 
erst  nach  einigen  Minuten  gehe  man  zu  stärkeren  Calibem  über. 
3)  Stricturen  mit  ausgebreiteten  Callositäten  und  alle  jene,  welche 
mit  conischen  Metallkathetem  behandelt  werden  müssen,  eignen  sich 
nicht  zur  ambulatorischen  Behandlung.  4)  Hat  man  den  Fat.  etwas 
verletzt,  so  stehe  man  fiir  den  Tag  von  weiteren  Versuchen  ab.  5)  Man 
führe  nie  früher  eine  Sonde  oder  den  Katheter  ein,  bevor  man  nicht 
den  frischgelassenen  Harn  untersucht  hat,  ob  keine  Verschlimmerung 
eingetreten  ist.  Ist  Albuminurie  aufgetreten,  oder,  wenn  schon  da- 
gewesen,  vermehrt,  so  sistire  man  die  Behandlung  für  2 — 3  Tage; 
beachte  man  dies  nicht;  so  komme  es  zu  Schüttelfrösten,  der  Harn 
zeigt  die  acute  Pyelitis  oder  Nephritis  an. 

Verf.  behandelte  bisher  in  der  Poliklinik  72  Fälle  von  Hamröh'- 
renstricturen.  Der  jüngste  Pat.  war  18  Jahre,  der  älteste  79  Jahre 
alt.  In  63  Fällen  war  vindenter  Tripper  die  Ursache,  wonach  in 
10  Fällen  die  Verengerung  zwischen  2 — 4  Jahren  auftrat,  in  21  Fällen 
zwischen  10  —  20  Jahren;  in  den  anderen  Fällen  in  einer  mittleren 
Zahl  von  Jahren.  Der  Sitz  der  Strictur  war  53  Mal  am  Isthmus,  in 
den  anderen  Fällen  theils  in  der  fossa  navicul.,  in  der  pars  pendula, 
am  On£c.  extern.  Complicirt  waren  sie  6  Mal  mit  Cysto-Pyelitis, 
3  Mal  mit  chron.  Blasenkatarrh,  1  Mal  mit  Hypertroph,  prostatae, 
1  Mal  mit  Incontin.  urin.,  2  Mal  mit  Harnröhrenüsteln.  Unter  4 
impermeablen,  callösen  Stricturen  mit  Fisteln  am  Perinaeum  wurde 
1  Mal  die  äussere  Urethrotomie  (mit  gutem  Erfolg)  gemacht;  1  Mal 
erwiesen  sich  die  Tedeschi'schen  Sonden  (von  gewalztem  Zinn) 
sehr  gut:  sie  wirken  durch  constanten  Druck,  indem  eine  llöthige 
Bleikugel  aufs  untere  freie  Ende  der  Sonde  angelegt  wird. 

Einfache  Urethralfieber  sowohl^  als  auch  mit  Albuminurie  com- 
plicirte  traten  besonders  bei  der  Behandlung  mit  Darmsaiten  auf  (es 
wurden  gerade  die  engsten  Stricturen  so  behandelt,  und  die  Urethra 
wird  durch  das  rasche  Aufquellen  der  Saiten  besonders  gereizt) .  Das 
Vorkommen  von  durch  Kochen  fällbaren  Erdphosphaten  im  Harn  scheint 
das  Auftreten  von  Urethralfiebem  zu  begünstigen,  wie  Verf.  meint. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

Bremond.     Nouvelle  m^thode  de  traitement  de  la  blennor- 
rhagie  urethrale  par  les  bains  de  vapeur  t^röbinthines. 

(Oaz.  hebdom.  1874.  No.  47.) 

Durch  Zeissl's  (Wien)  Versuche  veranlasst,  mit  Terpentininhala- 
tionen blennorrhoische  Zustände  der  Urethra  zu  heilen,  hat  Br.  in 
analogen  Krankheitsfällen  Versuche  mit  Terpentindampfbädem  ge- 
macht. Er  placirt  seinen  Pat.  in  einen  Kasten,  der  mit  Wasser-  und 
Terpentindämpfen  gefüllt  ist,  nur  der  Kopf  bleibt  ausserhalb  des 
Kastens  und  wird  vor   den  Dämpfen  geschützt.     Der  Pat.  bleibt   V4 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  12.  189 

Stunde  im  Bade.  3 — 4  Stunden  damadi  hat  sein  Urin  den  Veilchen- 
geruch,  der  bis  zum  nächsten  Tage  anhält.  Aus  seinen  Beobachtun- 
gen kommt  Verf.  zum  Schlüsse,  dass  die  Absorption  des  Terpentins 
in  grösserer  Quantität  von  der  Hautoberfläche,  als  von  den  Athmungs- 
Organen  aus  Statt  hat.  Zum  mindesten  aber  verweile  der  auf  ersterem 
Wege  in  den  Organismus  aufgenommene  Terpentin  länger  in  dem- 
selben, und  habe  daher  auch  kräftigere  Wirkung,  wie  er  in  seinen 
5  Fallen,  die  er  einzeln  beschreibt,  nachweist.  Br.  hebt  hervor,  dass 
Zeissl  bei  seinem  Verfahren  25  Tage  zur  Heilung  brauchte,  er  aber, 
selbst  im  hartnäckigsten  seiner  5  Fälle,  nur  10  Tage.  Das  Terpen- 
tin wirke  bei  diesem  Verfahren  ebenso  wie  der  Copaivabalsam  bei 
innerlicher  Verabreichung.        Fr*  Steiner  (Wien). 

Dawson.     Special    points  in   Spencer  Wells'   ovariotomy 

Operations. 

(Med.  tim.  and  gai.  1875.  Jan.  23.  p.  84.) 
Abgedruckt  aus  dem  Americ.  Journ.  of  Obstet.  D.  hat  ver- 
schiedene Male  bei  W.  assistirt,  selbst  nie  operirt.  Er  macht  auf 
folgende  Puncte  aufinerksam:  1)  Beschränkimg  der  Zahl  der  Zu- 
schauer. 2)  Die  Anwesenden  werden  genau  auf  vorherige  Communi- 
cation  mit  übertragbaren  Krankheitsstoffen  untersucht.  3)  Kein  Zu- 
schauer darf  vor  eingeleiteter  und  nach  beendigter  Narkose  im  Ope- 
rationsraum zugegen  sein.  Narkose  durch  »bichloride  of  methylene«, 
um  das  Brechen  möglichst  zu  vermeiden.  Kleiner  Excurs  über  die 
Vortheile  dieses  Anästheticum ,  das  die  Vortheile  des  Aether  und 
Chloroform  vereinigen  soll,  keine  üblen  Nachwirkungen  hinterlässt, 
weniger  gefährlich  ist  und  nur  leicht  der  Zersetzung  durch  Luft  und 
licht  anheimfällt.  4)  Bei  einer  totalen  Verwachsung  der  vorderen 
Cystenwand  wurde  diese  incidirt,  eine  Zange  inwendig  eingesetzt, 
und  der  Sack  durch  Inversion  entbunden.  5)  Mit  äusserster  Sorgfalt 
wird  das  Einfliessen  des  Secretes  oder  Blutes  in  die  Peritonealhöhle 
vermieden,  die  Wunde  namentlich  am  Stiele  zu  diesem  Zwecke  genau 
geschlossen.  Ranke  (Halle). 

A.  Cachet.    Consid^rations  sur  l'onyxis. 

(Th^se,  Paris.     1874.} 

Die  Incarceratio  unguis  findet  sich  vorzugsweise  bei  jugendlichen 
Individuen  männlichen  Geschlechts;  Gosselin  fand  unter  54  Er- 
krankten 41  zwischen  dem  14.  und  20.  Lebensjahre  und  nur  10  waren 
weiblichen  Geschlechts.  • 

Die  Ursache  findet  er  vorzugsweise  in  unzweckmässigem  Schuh- 
werk; daher  die  Häufigkeit  der  Krankheit  bei  Soldaten,  denen  die 
Stiefel  nicht  auf  den  Fuss  gepasst;  sondern  nach  allgemeinen  Typen 
gebaut  werden,  und  die  Immunität  barfuss  Gehender. 

Ein  Einfluss  constitutioneller  Krankheiten  ist  nicht  nachweisbar. 
Unter  den   verschiedenen  Arten  der  Behandlung  rühmt  Verf.  beson- 


190  Centralbktt  far  Chinugie.    No.  12. 

ders  die  von  seinem  Lehrer  Gosselin  befolgte  Modification  der  Ex- 

Btirpation  des  Nagels  und  Nagelbettes^  nach  welcher  nur  die  seitlichen 

Theüe  des  letzteren  weggeschnitten  werden.     Es  bildet  sich  dann  ein 

neuer  Nagel^   der^   schmäler  als  der  alte^   die  Weichtheile  nicht  in- 

sultirt.   Unter  53  in  dieser  Weise  von  Gosselin  Behandelten  war  nur 

bei  5  eine  einmalige  Wiederholung  der  Operation  nöthig. 

A«  OeniBier  (Halle). 

Kleinere  Mtttheilungen. 

HotB.     Transfusion  of  lamb*s  blood: 

(Medic.  Examin.  Chicago,  p.  20.) 
9  Lammbluttransfosionen  nach  der  Haase'scben  Methode.  5  Transfusionen  bei 
Phthisis.  Der  Erfolg  bestand  nur  in  vorübergehender  Hebung  des  Appetites.  1  bei  Re- 
siduen einer  Pleuropneumonie,  Besserung.  2  chronische  Anämieen  ohne  Erfolg.  1  acute 
An&mie  im  Wochenbette:  Tollst&ndiger  Erfolg.  Trotsdem  will  H.  auch  bei  acuter 
An&mie,  gestützt  auf  Landois'  und  Ponfick's  Mittheilungen,  sur  Transfusion 
von  menschlichem  Blute  zurückkehren.  Ranke  (Halle). 

F.  Lolini.     Linfoma  multiplo  addominale. 

(Lo  6perimentale  1875.  Fase.  !<>.) 

Bei  einem  40jähr.  Mann  entwickelten  sich  in  der  Ueocoecalgegend  harte  Ge- 
schwülste, welche  sich  rasch  vervielf&ltigten  und  in  wenigen  Monaten  den  Tod  be- 
dingten. Die  Knoten  sassen  in  Unzahl  vorzüglich  am  Peritoneum  viscerale,  Colon, 
Magen,  Leber  etc.  Die  mikroskopische  Untersuchung  wies  ein  reines  Lymphom 
nach. 

Bei  Besprechung  der  Therapie  stellt  L.  dieselbe  nach  Trousseau  als  ziemlich 
hoffnungslos  dar.  Ref.  ist  weit  entfernt,  das  Gegentheil  zu  behaupten,  doch  soQ 
man  nicht  vergessen,  dass  Billroth  und  Czerny  einige  FfiUe  von  malignem 
Lymphom  durch  innerlichen  und  äusserlichen  (parenoh.)  Gebrauch  des  Arseniks 
geheilt  haben.  Meiuel  (Triest). 

M.  Masohek.     Zwei  Methoden^  um  mittelst  der  Electricität  metallene 
Projectile  in  Schusswunden  mit  Sicherheit  zu  diagnosticiren. 

(Wiener  allgem.  med.  Zeitung  1875.  No.  3.) 
Die  kugelsuchende  Sonde  besteht  aus  zwei  bis  nahe  zu  ihrer  Spitze  isolirten 
parallelen  Metalldrähten,  die  durch  eine  ebenfalls  isolirende  Umhüllung  (Seiden- 
bftndchen,  mit  ScheDakfimiss  überstrichen)  zu  einem  biegsamen  Stabe  vereinigt 
werden.  Die  hinteren  Enden  der  Drähte  werden  in  metaUisohe  Berührung  mit  den 
Ausleitungskapseln  eines  Induotionsapparates  gebracht,  wenn  man  mit  der  Sonde 
die  Kugel  zu  berühren  glaubt.  Setzt  das  Spiel  des  Neef 'sehen  Hanuners  aus,  so 
sind  beide  Spitzen  der  Drähte  in  Contact  mit  einem  metallischen  Körper.  Nur  der 
primäre  Strom  ist  zu  diesem  Zwecke  verwendbar.  Hat  man  keinen  Inductiona- 
apparat  zur  Verfügung,  so  kann  man  einen  schwachen  constanten  Strom  verwen- 
den, in  der  Weise,  dass  man  zwischen  das  Element  und  den  einen  Draht  der  Sonde 
ein  Galvanometer  einschaltet.  Als  brauchbares  Surrogat  für  ein  solches  schlägt 
der  Verf.  einen  gewöhnlichen  Taschencompass  vor,  dessen  Stativ  auf  einen  Holz- 
würfel geleimt  und  mit  ein  Paar  Spiraltouren  isolirten  Drahtes  umgeben  werden 
soll.  Der  Verf.  hält  sein  Verfahren,  düsen  Prindp  nichts  weniger  als  neu  ist,  für 
sehr  praktisch,  weil  dessen  Ausführung  selbst  mit  beschränkten  Hülfsmitteln  mög- 
lich sei.  Winiwarter  (Wien. 

Cheensy.    £tude  sur  l'enkystement  des  projectiles  dans  les  plaies  par 

armes  ä  feu. 
(Thäse,  Paris.     1874.) 
Verf.  theilt  seine  eigene  mehrfache  Verletzung  durch  Granatsplitter  am  23. 
Aug.  1870  in  Strassburg  mit.    Die  uns  allein  interessirende  Wunde  war  entstan- 


Centralblatt  far  Chirargie.    No.  12.  191 

den  dureh  Eindringen  einet  Fragmentes  in  die  Mitte  dee  inneren  rechten  Fues- 
nndes.  Dm  EisenstQck  blieb  unentdeckt,  die  Wunde  war  am  4.  Octbr.  definitiy 
geecfaloesen.  Bedeutende  Wege  konnten  ohne  Bosch  verde  surückgelegt  werden, 
bis  am  9.  März  1871  nach  einem  längeren  Marsch  Sehmenhaftigkeit  und  eine  An- 
ichwellong  in  der  Mitte  der  Sohle  sich  einstellte.  Die  Prominens  wuchs  und  bald 
konnte  Pat.  bei  Bewegungen  des  Fusses  ein  Ballotement  fahlen,  das  er  mit  dem 
des  fötalen  Kopfes  veigleicht,  und  das  auch  anderen  demonstrirt  werden  konnte. 
Am  3.  Mai  wurde  dann  eine  20  gr.  klare,  gelbe  Flüssigkeit  entiialtende,  glatt- 
wendige,  unter  dem  3.  Keilbeine  gelegene  Cyste  geöffnet  und  das  lose  in  ihr  lie- 
gende, 9  gr.  schwere  Eisenstück  entfernt.    Rasche  Heilung. 

Pagensteoiier  (Elberfeld). 

Kougeot.    Pseudo-etranglement  cause  par  des  adh^rences  de  rintestin 

hemi^. 
(Thise,  Paris.     1874.) 

Bei  einer  72j&hr.  Frau,  die  3  Tage  an  StuhWerhaltung,  Erbrechen  schwärz- 
fieher  Massen,  Auftreibung  des  Leibes  etc.  gelitten  hatte,  wurde  von  Tr61at  ein 
kleiner  irreponibler  Schenkelbruch  operirt.  Weder  in  den  fibrösen  Theilen,  noch 
in  dem  Bruchsackhalse  fand  sich  eine  Verengerung.  Dagegen  war  das  kirschgrosse 
und  rothe,  durchaus  nicht  wie  bei  wirklicher  Strangulation  aussehende  Darmstück 
durch  eine  Menge  Yon  Adhäsionen  mit  dem  Sacke  verwachsen.  Diese,  neuen 
Datame,  liessen  sich  leicht  und  ohne  Blutung  mit  Finger  und  Sonde  trennen, 
worauf  die  Reposition  sofort  gelang.  Der  Darm  zeigte  keine  Spur  einer  Ein- 
schnürung.   Pat.  genas. 

Beispiele  aus  der  französischen  Literatur  werden  angeführt  und  die  Unmög- 
lichkeit der  Unterscheidung  von  wahrer  Einklemmung,  sowie  die  Nothwendigkeit 
der  Operation  betont.  Pagenstecher  (Elberfeld). 

J.   A.   Gla^ser   (Hambuig).     Echinococcus  hepatis^    operativer  Ein- 
griff; Tod. 

(Arch.  für  klin.  Chirurgie  1874.  Bd.  XVIL  Hft.  4.) 
Bei  einer  23jähr.  Frauensperson  entwickelte  sich  im  Laufe  eines  Jahres  eine 
Lebergeschwulst,  die  alle  Zeichen  eines  Echinococcussackes  bot.  Als  der  Umfang 
des  Bauches  auf  85  Cm.  gestiegen  war,  machte  0.  am  29.  Juli  die  Simon 'sehe 
Doppelpunction  mit  2  Troikarts.  Ohne  dass  die  Incision  gemacht  worden  war, 
starb  die  Pat.  am  8.  August,  nachdem  sie  am  Nachmittage  einen  heftigen  Schüt- 
telfrost gehabt  hatte.  Die  Section  zeigte  u.  A.,  dass  die  Cyste  dem  Stamme  der 
V.  hepatica  anlag  und  der  eitrig  infiltrirte  Balg  eine  oonsecutive  Entsündung  der 
Yenenwand  mit  wandständiger  flacher  Oerinnselbildung  nebst  schnellem  Zerfall  der- 
selben bewirkt  hatte.  Dies  wax|  der  Ausgangspunct  sahlreioher  Embolieen  in  der 
rechten  Lunge.  Maas  (Breslau). 

H.  Knöner,    Beiträge  zu  den  Erkrankungen  der  Blase  im  Wochenbett. 

Inaug.-Diss.  Halle  a/S.  1874. 
Bei  Besprechung  der  im  Wochenbett  vorkommenden  Erkrankungen*  der  Blase 
berichtet  Verf.  über  zwei  im  Entbindungs-Institut  zu  Halle  beobachtete  Fälle  Ton 
Parese  der  Blase,  bedingt  durch  entzündliche  Vorgänge  während  des  Wochenbetts. 
In  beiden  Fällen  wurde  schnelle  und  auch  dauernde  Besserung  durch  Faradisation 
der  Blase  erzielt.  Das  Verfahren  bestand  darin,  dass  ein  Pol  auf  die  Bauohdecken 
gesetzt,  der  andere  mittelst  eines  bis  an  die  Spitze  mit  Oummi  isolirten  Katheters 
in  die  Blase  geführt  wurde.  A.  Genimer  (Halle). 

L.  Germain.     Section  compl^t«  des  corps    cavemeux  et  du  canal  de 

Turethäre  avec  perte  de  substance. 

(Thäse,  Paris.  1874.) 
Verf.  tritt  durch  Beschreibung  eines  selbst  beobachteten  Falles  der  Meinung 
ilterer  Chirurgen  entgegen,  Durchtrennnng  beider  corpora  caTemosa  könne  nicht 


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192  Centralblatt  fdr  Chinurgie.    No.  12. 

mit  erhaltener  FunctionBf&higkett  des  Fems  faeikn.-  Am  8.  Octbr.  1870  erhielt  ein 
junger  Xaufinann  w&brend  der  Belagerung  von  Paris  einen  Schuss  ins  dorsum  penis, 
nahe  der  Wurzel.  Die  Kugel  ging  nach  Durch trennung  beider  corpora  cavemosa 
und  der  Urethra  zur  Falte  zwischen  Penis  und  Scrotum  und  dann  mit  Verletzung 
des  rechten  Hodens  durch  das  Scrotum. 

Geringe  Blutung,  völlige  Anfisthesie  des  Penis,  enorme  Sufiusion.  Vollsttadige 
retentio  urinae  bei  prall  gefüllter  Blase;  ein  schonender  Versuch  zu  katheterisiren 
bewirkt  Blutung. 

Am  nächsten  Tage  führt  Labb^  die  Boutonniäre  aus;  Sonde  k  demeure  Yon 
hier  aus  in  die  Blase. 

Zwei  Wochen  später  wird  ein  elastischer  Katheter  vom  ostium  cutaneum  aus, 
ein  anderer  diesem  entgegen  von  der  Boutonniäre  aus  bis  zur  Wunde  geführt,  beide  in 
dieser  mit  einem  Faden  vereinigt  und  der  erste  mit  Hülfe  des  zweiten  nach  der 
Boutonni^re  und  von  hier  in  die  Blase  geführt  und  fizirt. 

Langsame  Heilung  ohne  besonderen  Zwischenfall;  allmälige  Anwen-dung  stär- 
kerer Katheter. 

Ende  Januar  1871  ist  die  Wunde  auf  dem  dorsum  penis  fistulös  geworden; 
die  anderen  sind  vernarbt  oder  in  Heilung  begriffen.  Fat.  kommt  ausser  Be- 
obachtung. 

Im  März  1874  stellt  er  sich  wieder  vor;  Urinentleerung,  wenn  die  Fistel  mit 
dem  Finger  geschlossen  wird,  vollständig  normal.  Weder  im  erschlafften,  noch  im 
erigirten  Zustand  zeigt  der  Penis  eine  Abnormität  der  Form;  Fat.  kann  normal 
cohabitiren.  A«  Oenniier  (Halle). 

A.  Bemard.     Du  mal  perforant. 

Thfese,  Paris,  1874. 
Eine  sich  an  die  Duplay'sche  Arbeit  in  »Archives  de  m6decine  1873«  an- 
schliessende Darstellung  des  med  perforant  mit  4  theilweise  entlehnten  Beobachtun- 
gen. Das  Uebel  beginnt  mit  Epidermiswucherung,  dann  folgt  Ulceration,  ^e  später 
auf  Schleimbeutel  und  Knochen  übergreift;  es  ist  eine  Ulceration,  abhängig  von 
einer  fettigen  Degeneration  der  Nervenelemente;  für  gewisse  Fälle  wird  der  £in- 
fluss  einer  atheromatösen  Degeneration  der  Gefässe,  durch  den  Sphygmographen 
nachweisbar,  zugestanden.    Nichts  Neues.  Ranke  (Halle). 

P.  Behxn.     Ein  Fall  von  Onychogryphosis. 

(Arcb.  d.  Heilkunde  1875.  XVI.  Jahrg.  Hft.  1.  p.  80-91.) 

Nach  kurzer  Besprechung  der  anatomischen  und  physiologischen  Verhältnisse 
gesunder  Nägel  theilt  Verf.  die  Krankengeschichte  eines  Falles  mit,  indem  die 
sämmtlichen  Nägel  der  Hände  und  Füsse  eines  sonst  gesunden  jungen  Mannes 
eine  chronische  Erkrankung  zeigten,  welche  am  besten  unter  die  Categorie  der 
»entzündlichen  Hypertrophieen«  zu  setzen  sei. 

Das  Genauere,  sowie  die  Besprechung  ähnlicher  von  anderen  Autoren  be- 
schriebener Fälle  wolle  man  im  Original  nachsehen.         A«  Bidder  (Mannheim). 

M.  Laptsohinaky.     Nachtrag  zu  der  Mittheilung:    Ueber  Blutkörper- 
chenzählungen  bei  Febris  recurrens   (ygl.  Centralbl.  1874^  No.  36). 

(Centralblatt  f.  d.  med.  Wissenschaften  1875.  No.  6.) 
Verf.    hat    nun    doch   die   Recurrensspirillen-,    deren  Existenz  er  früher   be- 
zweifelte,  gefunden,  und  zwar  in  ausserordentlich  grosser  Anzahl  bei  einem  sehr 
schweren  Recurrenskranken.    Sehr  schön  seien  sie  auch  an  trocknen  Präparaten 
zu  sehen  und  könnten  auf  diese  Weise  lange  aufbewahrt  und  demonstrirt  werden. 

A*  Bidder  (Mannheim). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  JET.  TUlmanrUf  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagsbandluiig, 
Breitkopf  und  Häriel,  einsenden. 

Druck  nad  Yerlsg  von  Breitkopf  and  Hirt«!  in  L«ipxiff. 


Gentralblatt 


für 


CHIRURGIE 


herauBgegeben 

TOA 


Dr.  L.  Leser,  Dr.  K  Mele,  Dr.  E  TUIinaiiiis 

iB  Bariin.  in  Halle  a.  8.  in  I^ipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.     PreiB  des  Jahrgangs  20  Mark,   bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N^  13.  Sonnabeiid,  den  27.  Hin.  1875. 


Inlutts  eenzmer,  Versuche  zu  Hut  er 's  mecbanischer  Fiebertheorie.  (Origioalmit- 
tfaeilang.)  —  Kolaezek,  Bacterlen  im  normalen  Blute.  (Origin&lmittheilung.) 

Rosar,  Zur  Casnistik  der  fehlenden  Hirnbewegung.  —  FeltZ ,  P'xperimen teile  Septi- 
caemie.  —  Bems,  Transfusion  bei  fieberhaften  Zuständen.  —  Chirurgischer  Bericht  des 
Middlesex-Hospitald.  —  Limd,  5jährige  chirurgische  Thätigkeit.  —  Gripps,  Behandlung 
der  Nachblutung  nach  Ligatur  der  art.  femoral.  —  Pftflat^  Erkrankung  des  Warzenhofes 
sJs  Vorläufer  des  Bnistdrüsenkrebses.  —  QlraldAs,  Phlegmonöse  Periostitis  —  White, 
tiiftige  Eigenschaften  der  Arnica-Tinctur  für  die  Haut.  —  Pipplligiköld,  Erweiterung 
der  Harnröhre. 

Aneurysma  der  art.  carotis  eit.  —  BurOW,  Operation  am  hängenden  Kopfe.  — -  Miintr, 
Complete  Trennung  des  Hinterhauptes  von  der  Wirbelsäule.  —  Fiscber,  Resection  des 
Schulterblattes.  —  Maas,  Echinococcus  des  Beckeneinganges.  —  Ranke,  Hygrom  der 
Bursa  trochanteriea.  —  Hodfe,  Resection  des  Hüftgelenks.  —  Morton,  .SchussTerieCzuiig 
des  Kniegelenks.  —  MarSli,  Syphilitische  Affection  der  Patella.  —  Bloxani,  Luxation  der 

Patella.  —  Davy,  Kniegelenk sresectionen. 


Einige  Versuche  zu  Hüter's  mechanischer  Fiebertheorie. 

Von 

Dr.  Alfred  Genzmer, 

Assistenzarzt  a.  d.  chirurg.  Klinik  zu  Halle  a/S. 

In  seiner  allgemeinen  Chirurgie  (p.  549  bis  565)  beschreibt  Hüter 
experimentelle  Studien  über  das  Wesen  des  Fiebers:  er  spritzte  Frö- 
schen 1  bis  2  Pravaz'sche  Spritzen  voll  faulenden  Blutes  in  den 
Oberschenkel  und  untersuchte  nach  8  bis  24  Stunden  mikroskopisch 
die  Blutciicnlation  dieser  Thiere  in  Lungen^  Zunge^  Mesenterium  und 
Schwimmhaut.  Er  fand  constant  Ausschaltung  einer  grossen  Zahl 
von  CapiUaren  aus  der  Circulation  dieser  Thiere  und  unterscheidet 
drei  Varietäten  derartig  ausgeschalteter  Gefilsse :  solche,  die  nur  Blut- 

13 


194  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  13. 

plasma  enthalten  (plasmatische  Stasen)^  solche^  die  mit  ruhenden 
weissen  Blutkörperchen,  und  endlich  solche,  die  mit  ruhenden  rothen 
Blutkörperchen  erfüllt,  resp.  verstopft  sind  (globulöse  Stasen).  Als 
Ursachen  dieser  Ausschaltungen  findet  Hüter  eine  durch  eingewan- 
derte Monaden  bedingte  vermehrte  Haftungsfahigkeit  der  weissen  Blut- 
körperchen, die  theils  gruppenweise  zusammengeballt  die  Capillaren 
verstopfen,  theils  einzeln  vor  den  Abgangsstellen  der  Seitenäste  haf- 
tend, den  Strom  der  körperlichen  Blutbestandtheile  von  diesen  Seiten- 
ästen ablenken.  Der  Effect  ist  in  beiden  Fällen  eine  Verkleinerung 
des  Circulationsgebietes.  In  analoger  Weise  bricht  sich  der  Strom 
des  circulirenden  Blutes  bisweilen  an  einzelnen  haftenden  Monaden- 
kömem  und  somit  tragen  diese  auch  direct  und  mechanisch  zur  Aus- 
schaltung von  Capillaren  bei. 

Für  die  Circulationsstörung  innerhalb  der  Lungen  ist  noch  der 
Umstand  von  Bedeutung,  dass  bei  massig  verlangsamter  Circulation 
während  des  Fiebers  die  rothen  Blutkörperchen  an  den  zwischen  den 
Capillarschlingen  gelegenen  Parenchyminseln  zu  zwerchsackähnlichen 
Gebilden  gepresst  werden,  die  sich  in  grösserer  Zahl  über  einander 
lagern  und  so  die  Lungencapillaren  verstopfen. 

In  den  Geftssausschaltungen  sieht  Hüter  das  Wesen  des  Fiebers 
und  glaubt  durch  sie  alle  Fiebererscheinungen  erklären  zu  können. 

Die  •  Hüter 'sehen  Angaben  über  die  Circulationsstörungen  bei 
septisch  inficirten  Fröschen  einer  experimentellen  Controle  zu  unter- 
ziehen, war  der  Zweck  einiger  von  mir  in  dieser  Richtung  angestell- 
ter Versuche. 

Zum  Zweck  der  Untersuchung  curaresirte  ich  die  Frösche  meist 
und  benutzte  Glastafeln  und  Korkringe  zur  Fixation.  Andere  unter- 
suchte ich  ohne  Curare,  nachdem  ich  sie  mit  Heftnägeln  und  Band- 
streifen, die  ich  fest  über  die  grossen  Gelenke  legte,  auf  ein  Linden- 
holzbrettchen  gefesselt  hatte.  Die  zu  untersuchenden  Gewebe  wurden 
in  den  letzteren  Fällen  mit  Stecknadeln  über  ausgebohrte  Löcher  ge- 
spannt. 

Bei  allen  Thieren  beobachtete  ich  die  Circulation  in  Mesenterium 
und  Lungen  bei  durchfallendem  Licht  und  etwa  200facher  Vergrösse- 
rung;  Zunge  und  Schwimmhaut  gaben  viel  weniger  schöne  Bilder. 

Bei  einer  grösseren  Zahl  von  gesunden  Fröschen,  an  denen  ich 
die  normalen  Circulationsverhältnisse  studirte,  fand  ich  diese  nicht 
ganz  constant  und  gleichbleibend.  Nicht  selten  entstehen  in  den 
Mesenterialgefössen  durch  Verkeilung  weisser  Blutkörperchen  an  Ecken, 
Verzweigungen  etc.  Stasen,  die  sich  meist  bald  wieder  lösen;  bis- 
weilen tritt  sogar  in  einzelnen  Capillaren  ohne  nachweisbare  Veran- 
lassung eine  Aendemng  der  Stromesrichtung  ein.  Während  in  den 
Uebergangspausen  eine  wesentliche  Verlangsamung,  momentan  natür- 
lich Stillstand  der  Ciiüulation  eintritt,  entstehen  plasmatische  Slasen, 
da  keine  genügende  Druckdifferenz  besteht,  weldie  die  BhitkSrpeFcheD 
in  die  engen  Kohre  hin^inpresst. 


Ceniralblatt  für  Chirurgie.    No.  13.  195 

In  den  Lungencapillarew  sind  zwerchsackfonnige  rothe  Blutkör- 
perchen ,  die  in  grösderer  Zahl  übereinander  gepresst  bisweilen  zu 
kurz  andauernden  und  räumlich  sehr  beschränkten  Stosen  Veranlassung 
gaben,  ein  geradezu  regelmissiger  Befund.  Sowie  beim  Auftspannen 
der  Gewebe  eine  Knickung  oder  Quetschung  der  abfuhrenden  GefäBse 
enterteht,  sieht  man  im  ganzen  Gesichtsfeld  nur  globulöse  Stasen^  d.  h. 
alle  CapiUaren  sind  dicht  von  ausammengepressten  rothen  Blutkörper- 
chen erfällt. 

Zur  Untersuchung  der  Circulationsyerhältnisse  bei  septisch  inficir- 
ten  Fröschen  spritzte  ich  solchen  eine  bis  zwei  Pravaz'sche  Spritzen 
septischer  Flüssigkeit  unter  die  Rückenhaut  und  beobachtete  die  Thiere 
8  bis  48  Stunden  nach  der  Injection   mehrere  Stunden  hindurch  (12 
Versuche).     Als  Infectionsflnssigkeit  benutzte  ich  Wasser^  in  dem  ge- 
kochtes Eiweiss  bei  Luftzutritt  längere  Zeit  gelegen  hatte;  die  Flüs- 
sigkeit enthielt  ruhende  und   sich  bewegende  Kugel-  und  Stäbchen- 
bactmen  einzeln  und  gruppenweise  bei  einander  in   grosser  Menge. 
Alle  Thiere   waren  mehr  oder  weniger   matt  und   schwerfällig;   bei 
zweien  zeigte  sich  starker  allgemeiner  Hydrops^   drei   starben  schon 
innerhalb  der  ersten  24  Stunden.     Etwa  im  Verhältniss  zu  ihrer  all- 
gemeinen Schwäche  litt  bei  allen  die  Circulation.    Der  Blutstrom  war 
Terlangsamt  und  es  zeigte  sich  eine  verstärkte  Neigung  zu  Stasenbil- 
dung;  die  geringste  Zerrung  grösserer  Gefässe  genügte,   die  Circula- 
tion  in   grösseren   Gebieten   zum   Stillstand  zu  bringen.     Ausserdem 
zeigten  sich  an  den  Capillaren  des  Mesenteriums  meist  zahlreiche  aus- 
gewanderte Blutkörperchen;   diese  selbst  waren   zum  grössten   Theil 
(sowohl  innerhalb^  als  ausserhalb  der  Gefässe)  stark  körnig.    Nie  zeig- 
ten sich  als  Veranlassung  zu  Stasenbildung  einzelne  oberhalb  der  Ab- 
gangsstellen   von    Seitenästen    haftende    Blutkörperchen;    um   solche 
schlüpften  die  circulireuden  Blutscheibchen  stets  ungehindert  herum. 
Zeigten  sich  zufällig  einmal  Bilder,   die  für   ein  derartiges  Abfangen 
des  Stromes  zu  sprechen  schienen,  so  fand  sich  stets  weiter  unterhalb 
als  eigentliches  Stromhinderniss  eine  grössere  Verkeilung  von  weissen 
Blutkörperchen.      Ueberhaupt   fand   ich   globulöse    Stasen    fast   aus- 
scUiesalich   oberhalb    gesperrter  Stellen.  —  In   der  Lunge  machten 
sich  die  Stasen  zuerst  in  den   peripheren  Theilen   des  aufgespiAnten 
Organs,  d.  h.  in  den  stärker  gezerrten  Alveolen   geltend,   in  denen 
oft  schon  Stillstand  eingetreten  war,  während  die  mittleren  noch  leb- 
hafteste Circulation  zeigten.    Von  partiellen  Stasen  war  nur  im  Augen- 
blicke des  Erlöschens  der  Circulation  etwas  zu  bemerken.     Bei   dem 
starken  Caliber  der  Arterien,  die  den  einzelnen  Alveolen  das  Blut  zu- 
fuhren, kann  von  einem  Einfluss  haftender  Blutkörperchen  auf  diese 
direct  nicht  die  Rede  sein;   und  doch  macht  sich  nach  Hüter  die 
febrile  Kreislaufstörung  in  der  Froschlunge  vorzugsweise  in  Ausschal- 
tungen ein^lner  ganzer  Alveolen   geltend,   während  partielle  Stasen 
eine  seltene  Erscheinung  sind.  —  Setzte  ich  die  Untersuchung  stun- 
denlang fort,  so  wurde  der  Blutstrom  der  Thiere  allmälig  immer  lang- 
samer und  stockte  zuletzt  meist  auch  in  den  grossen  Gefässen,  obwohl 

13* 


196  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  IB. 

das  Herz  noch  schwach  pulsirte ;  zu  gleicher  Zeit  nahm  die  Auswan- 
derung der  weissen  Blutkörperchen  sichtlich  zu. 

Bei  nicht  curaresirten  Fröschen  zeigte  sich  die  Neigung  zur  Sta- 
senbildung  geringer  und  fehlte  in  zwei  Versuchen  ganz,  während  bei 
den  hydropischen  Thieren  die  Circulation^  obwohl  das  Herz  noch 
schwach  pulsirte,  gänzlich  stockte  (va  et  vient  in  den  grossen  Ge- 
JTässen).  Bei  völliger  'Stase  konnte  ich  durch  Druck  auf  einzelne 
Theile  der  untersuchten  Gewebe  für  einige  Zeit  das  Bild  lebhaftester 
Circulation  hervorrufen ;  nie  bemerkte  ich  dann  durch  haftende  Blut- 
körperchen bedingte  partielle  Stasen.  —  In  der  Erwartung,  dass,  wenn 
die  Bacterien  die  »Fieberstasen«  bewirken,  ihr  Einfluss  bei  directer 
jBinfiihrung  in's  Blut  in  kürzester  Ze^t  sichtbar  werden  müsste,  injicirte 
ich  6  Fröschen  1  bis  2  Pravaz'sche  Spritzen  voll  Bacterienfliissig- 
keit  in  die  subcutanen  Venen  in  der  Seite  des  Bauches.  Ich  bediente 
mich  zu  dieser  ziemlich  subtilen  Operation  einer  fein  ausgezogenen 
und  zum  Zweck  des  Einbindens  in  die  Vene  vom  leicht  erweiterten, 
schräg  abgeschliffenen  Glaskanüle.  Die  Thiere  wurden  2  bis  4  Stun- 
den unter  dem  Mikroskop  beobachtet.  Freie  Bacterien  fanden  sich 
in  der  Circulation  nur  spärlich^  dagegen  waren  die  weissen  Blutkör- 
perchen, und  zwar  vorzugsweise  die  wandständigen  stark  körnig. 
Stasenbildungen  waren  in  nicht  höherem  Grade  als  bei  gesunden 
Thieren  zu  constatiren. 

Einer  grösseren  Zahl  von  Thieren  spritzte  ich  endlich  1  bis  2 
Spritzen  einer  fein  geschlemmten  Zinnobersuspension  in  die  Bauch- 
vene. Die  Kömchen  wurden  bald  zum  grössten  Theil  von  weissen 
Blutkörperchen  aufgenommen,  und  zwar  wieder  vorzugsweise  von 
wandständigen,  bewirkten  aber  nie  Stasen,  selbst  wenn  einmal  ein 
solches  Körnchen,  viel  grösser  als  eine  Monade,  zufällig  vor  der  Ab- 
gangsstelle eines  Seitenastes  liegen  blieb. 

Kurz  zusammengefasst  sind  die  Ergebnisse  meiner  Beobachtungen 
folgende : 

1)  Einzelne  nach  Hüter  für  das  Fieber  charakteristische  Erschei- 
nungen der  Circulation  (Stasen  —  zwerchsackförmige  rothe  Blutkör- 
perclAn)  können  sich  bei  gesunden  Thieren  vorfinden. 

2]  Die  bei  septisch  inficirten  Fröschen  beobachteten  Stasen  ent- 
stehen unter  dem  Einflüsse  des  CoUapses. 

3)  Eine  mechanische  Ablenkung  der  circulirenden  Blutkörperchen 
von  Seitenästen  kommt  durch  vorgelagerte,  aber  nicht  obturirende 
weisse  Blutkörperchen  oder  Fremdkörper  (haftende  Monaden  —  Zin- 
noberkömchen)  nicht  zu  Stande. 

Herrn  Prof.  Steudener,  der  mich  zu  diesen  Untersuchungen 
anregte  und  meine  Beobachtungen  zu  controliren  die  Güte  hatte, 
sage  ich  hiermit  meinen  verbindlichsten  Dank. 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  t3.  197 

Bacterien  im  normalen  Blute. 

Von 

Dr.  Solaezek^ 

I.  Assistent  an  der  chirurg.  Klinik  xu  Breslau. 

Entge^n  der  Behauptung  einzelner  Beobachter,  die  im  Blute  sep- 
tisch Kranker  von  ihnen  gesehenen  Bacterien  wären  EindringUnge  von 
pathogiiostischer  Bedeutung,  finde  ich  mich  veranlasst  zu  constatiren, 
dass  diese  auch  von  mir  in  solchem  Blute  zu  wiederholten  Malen  he- 
obachteten  und  anfanglich  auch  für  specifisch  gehaltenen  Formele- 
mente  sich  ebenso  im  Blute  gesunder  Menschen  finden,  wie  dies  zahl- 
reiche nebenher  zur  Controlle  angestellte  mikroskopische  Prüfungen 
bewiesen  haben. 

Auch  im  normalen  Blute  zeigen  sich  bei  1000 — 1500facher  Ver- 
grosserung  hin  und  wieder  runde,  scharf  contourirte,  matt  glänzende 
winzige  Kügelchen,  öfter  zu  zwei,  selten  sogar  zu  drei  kettenartig 
angeordnet,  in  lebhaft  oscillirender  und  Ortsbewegung,  während  die 
Blutkörperchen  und  ihre  molekularen  Derivate  vollständig  ruhig  liegen. 
Die  Doppelkiigelchen  stellen  sich  oft  über  einander  und  täuschen  so 
nur  ein  einziges  Körperchen  vor,  ganz  wie  man  es  an  den  Mund- 
bacterien  sieht.  Auch  eine  Vereinigung  zweier  Doppelkiigelchen  zu 
einer  Winkelfigur  mit  der  beschriebenen  Eigenbewegimg  ist  beobachtet 
worden. 

Nach  allen  meinen  Erfahrungen  über  Bacterien  in  mikroskopischer 
Beziehung  muss  ich  die  in  Rede  stehenden  Kügelchen,  wie  ich  sie 
auch  im  gesunden -Blute  gefunden  habe,  als  Bacterien  oder  Micro- 
coccen  ansprechen.  Demnach  komme  ich  zu  dem  Schlüsse,  dass  Bac- 
terien entweder  in  jedem  Blute  vorkommen,  oder,  wenn  dies  nicht 
der  Fall  sein  sollte,  trotz  aller  Cautelen  bei  Anfertigung  der  Präparate 
aus  der  Luft  hineingerathen. 

Letzteres  erscheint  mir  allerdings  wenig  wahrscheinlich.  Denn 
wenn  ich  auch  von  der  Allgegenwart  der  Micrococcen  in  unserer 
Athmungsluft  überzeugt  bin,  so  scheint  mir  doch  die  zur  Vorbereitung 
des  Präparates  erforderliche  Zeit  zu  kurz,  um  Object-,  resp.  Deckglas 
oder  die  Oberfläche  des  austretenden  Bluttröpfchens  eine  relativ  er- 
hebliche Menge  der  kleinen  Organismen  annehmen  zu  lassen.  Zudem 
wurden  Objectträger  und  Deckgläschen  mit  absol.  Alkohol  gründlich 
gereinigt,  darauf  abgebrannt  und  auf  ein  kurz  vorher  ausgeglühtes 
Dnhtgitter  gelegt.  In  die  mit  absol.  Alkohol  gewaschene  Fingerspitze, 
der  das  Blut  entnommen  werden  sollte,  wurde  mit  einer  eben  ausge- 
glühten Nadel  eingestochen  und  der  vorquellende  Bluttropfen  mit  dem 
Objectglase  direct  abgehoben. 

Die  UnWahrscheinlichkeit  einer  zufalligen  Beimischung  von  Luft- 
bacterien  zu  den  Präparaten  wird  aber  noch  durch  folgenden  Versuch 
wesentlich  erhöht,  untersucht  man  nämlich  einen  Tropfen  eben  ge- 
kochten destillirten  Wassers,  so  findet  sich  trotz  langen  Suchens  nicht 
ein   einziges  irgendwie   sich   bewegendes    Kömchen    oder   Stäbchen^ 


198  CentT^lblatt  für  Chirurgie.     No.  13. 

während  in  ungekochtem  auffallend  viel  Microcaccen  vorkommen^ 
welche  durch  das  Kochen  in  einen  vollständig  bewegungslosen  Zu- 
stand übergeführt  werden. 

Auch  die  aprioristische  Erwägunge  dass  diese  kleinsten  Wesen 
durch  unsere  Nahrung«^  und  Athmungsoiigane  fortwährend  von  aussen 
aufgenommen  werden  müssen,  spricht  zumal  mit  Rücksicht  auf  ihre 
grosse  Widerstandsfähigkeit  gegen  chemische  Einflüsse  dafür,  dass  sie 
wohl  auch  im  Blute  circuliren  und  durch  Ausscheidung  mittelst  der 
verschiedenen  Collatorien  des  Organismus  für  dieseit  unschädlich  ge- 
macht werden.  Diese  Voraussetzung  habe  ich  durch  den  Nachweis 
vereinzelter,  sich  deutlich  bewegender  Bacterien,  die  den  im  Blute 
beobachteten  vollständig  gleichen ,  im  normalen  Harn  verschiedener 
Menschen  bestätigen  können,  wenn  anders  die  von  mir  angewandten 
Cautelen  gegen  ein  zufälliges  Eindringen  derselben  in  die  Präparate 
hinreichen.  Es  wurde  nämlich  in  ein  mit  Kalilauge  und  Schwefel- 
säure gereinigtes  und  mit  absol.  Alkohol  ausgekochtes  Reagensglas 
der  Harnstrahl  gegen  Ende  seines  Flusses  aufgefangen  und  dann  so- 
fort mit  einer  erst  jetzt  durch  Abbrechen  geöjQfneten,  lang  ausgezoge- 
neu Spitze  eines  vorher  mit  Schwefelsäure  gereinigten  und  am  offenen 
Ende  durch  Baumwolle  verstopften  Glasröhrchens  aus  der  Mitte  der 
Hamsäule  ein  Tropfen  hervorgeholt  und  unter  den  schon  bekannten 
Vorsicbtsmassregeln  unter  das  Mikroskop  gebracht.  Die  darin  ge- 
fundenen Micrococcen  können  ebensowenig  wie  beim  Blute  aus  der 
Luft  stammen. 

Meine  weiteren  diesbezüglichen  Untersuchungen  über  die  übrigen 
Aussoheidungsproducte  des  menschlichen  Körpers  sind  noch  nicht  ab- 
geschlossen. 

Wir  erhalten  als  Nachtrag  sn  der  Originalmittheilung  von  Prof.  Roser  aber 
fehlende  Himbewegung  in  No.  11  des  Centralbi.  f.  Chir.  folgende«  Referat: 

Zur  Casuistik  der  fehlenden  Hirnbewegung. 

Ich  finde  in  dem  Edinburgh  Journal  vom  Decbr.  1874  folgende 
Mittheilung  aus  der  Sitzung  der  dortigen  ärztlichen  Gesellschaft  vom 
11.  Novbr.    1874: 

»Herr  Chiene  zeigte  einen  Patienten  vor,  dem  er  am  4.  Sept. 
1874  nach  einem  complicirten  Depressions-Bruch  in  der  vorderen  lin- 
ken Schläfengegend  Theile  des  Scheitelbeins»  Stirnbeins  und  der  Sohlä- 
fenschuppe  weggenommen  hatte,  mit  Entblössung  der  Dura  auf  2 1/2  Zoll 
in  der  einen  und  xy^  ^^  d^^  anderen  Bichtung.  Die  Dura  war  un- 
verletzt. Das  Pulsiren  des  Hirns  war  bei  der  Operation  nicht  zu  be- 
merken, sei  es,  dass  die  Hirnsubstanz  viel  Quetschung  erlitten  hatte, 
oder  dass  ein  breiter  Blutklumpen,  zwischen  Hirn  und  Dura  liegend, 
die  Pulsation  verdeckte.  Der  Patient  verliess  das  Hospital  mit  fest 
(firmly)  geheilter  Wunde  am  6.  October«.  — 

In  einer  Abhandlung  über  Hirndruck  von  Gross  (American  Jour*- 
nal  of  med.  sciences,  Jiüy  1873,  p.  62)  heisst  es:  »Prof.  Böser  hat 


Centraiblatt  far  Chirurgie.     No.  13.  199 

künlich  (1S66)  auf  diese  Abwesenheit  der  Pulsatiou^  als  etwas  Neues, 
aufmerksam  gemacht,  aber  diese  Erscheinung  ist  schon  seit  Jahren 
als  charakteristisches  Symptom  von  Eiteransammlung  hinter  der  Dura 
anerkannte.  Ich  glaube,  wer  sich  in  der  Litemtur  umsieht,  wird  die- 
sen  Ausspruch  von  Gross  nicht  bestätigt  finden,  man  trifft  keine 
Fälle  von  fehlender  Pulsation  angeführt  und  man  findet  überhaupt 
nur  spärliche  und  unbestimmte  Andeutungen  über  diesen  Funkt.  Wie 
wenig  dieses  Fehlen  der  Himpulsation ,  nachdem  es  Guthrie  vor 
60  Jahren  zur  Sprache  gebracht,  bisher  Gegenstand  der  Aufmerksam- 
keit war,  mag  am  besten  aus  einer  Yergleichung  der  verschiedenen 
Auflagen  von  Erichsen  (science  and  art  of  surgery]  hervoigehen. 

Im  Jahr  1853  sagt  Erichsen:  t>yfenn  die  Dura  vorgetrieben  er- 
scheint, so  kann  eine  Incision  in  diese  Membran  gemacht  werden«. 

Im  Jahr  1869  heisst  es:  »wenn  die  Dura  vorgedrängt  erscheint 
und  ohne  Pulsation,  so  darf  man  sogar  eine  Incision  durch  diese 
Membran  machen,  in  der  Hoffiiung,  dass  ein  umschriebener  Abscess 
vorhanden  sein  und  dessen  Entleerung  erleichtert  werden  möchte«. 

Erst  im  Jahr  1874  spricht  sich  Erichsen  bestimmt  aus:  »die 
Abwesenheit  der  gewöhnlichen  Hirnbewegung  ist  in  solchen  Fällen 
ein  wichtiges  Zeichen,  welches  einen  Abscess  unter  der  Dura  oder  im 
Hirn  selbst  andeutet«. W.  Böser  (Marburg). 

V.  Feltz.     Sur  la  septic^mie  exp^rimentale. 

(Compte«  rendus  T.  79.  p.  1268-71.) 

F.  hat  zwei  grössere  Versuchsreiheu  an  Kaninchen,  die  eine  mit 
faulem,  putridem  Blut,  die  andere  mit  dem  durch  successive  Inocu- 
lation  fieiulen  Blutes  erhaltenen  septischen  Klute  angestellt.  Die  Thiere 
liess  er  während  der  ganzen  Beobachtungsdauer  durchaus  unter  ihren 
früheren  Verhältnissen  (sie  konnten  in  einem  geräumigen  Locale  frei 
umherlaufen),  und  gerade  diesem  Punkte  legt  F.  grosse  Bedeutung  bei. 
Er  glaubt  sich  überzeugt  zu  haben,  dass  man  sonst  ganz  falsche  Re- 
sultate erhält.  Subcutane  Injection  faulen  Blutes  in  der  Dose  von 
1 — 3  Theilstrichen  einer  Pravaz'schen  Spitze  führte  unter  den  be* 
kannten  Erscheinungen  im  Laufe  von  3  —  10  Tagen  den  Tod  herbei,  aber 
unter  9  Thieren  nur  bei  7.  Inoculation  desselben  Blutes  mit  der  Lanzette 
tödtete  von  9  Thieren  nur  1 .  Wurde  ferner  das  faule  Blut  sorgfältig 
getrocknet  und  dann  einige  kleinere  Kömchen  davon  eingeimpft,  so  tra- 
ten keine  abnormen  Erscheinungen  auf.  Unterwarf  F.  faules  Blut 
der  Dialyse  und  injicirte  er  von  der  diflundirten  Flüssigkeit  3 — 5 
Theilstriche  Pravaz,  so  erhielt  er  kein  Resultat,  obwohl  in  der 
Flüssigkeit  zahlreiche  Bacterien,  analog  denen  des  faulen  Blutes,  nach- 
weisbar waren.  Um  tödtliche  Infectionserscheinungen  hervorzurufen, 
musste  mindestens  1  Theilstrioh  Pravaz  injicirt  werden;  weitere 
Verdünnung  erwies  sich  als  septisch  erfolglos. 

Kaninchen,  denen  von  dem  septischen  Blute,  das  stets  frisch  be- 
nutzt wurde,  1 — 3  Theilstriche  einer  Pravaz'schen  Spitze  subcutan  ge- 


200  Centralblatt  ffir  Chirurgie.     No.  13. 

geben  wurden^  gÜQg^i^  sämmdicb  innerhalb  16 — 60  Stunden  unter  allen 
Zeichen  der  Septicämie  zu  Grunde.  Von  9  Thieren^  denen  septiBches 
Blut  mit  der  Staamadel  eingeimpft  wurde^  gingen  7  im  Verlaufe  von 
4  Tagen  zu  Grunde.  Die  Einimpfung  einiger  Stäubchen  getrockneten 
septischen  Blutes  hinter  das  Ohr  hatte  bei  6  Thieren  (von  9)  einen  tödt- 
liehen  Erfolg.  3  Thiere^  welche  von  dem  dialysirten  putriden  Blute 
7y  resp.  8,  9  Theilstr.  Fravaz'  erhalten  hatten,  starben  unter  acuten 
Erscheinungen,  vier  andere,  denen  4,  resp.  5,  6,  7  Theilstr.  Pr.  bei- 
gebracht waren,  zeigten  ausser  massigem  Fieber  keine  auffalligen 
Symptome;  zwei  Kaninchen  endlich,  die  nur  1 — 2  Theilstr.  Pr.  er- 
halten hatten,  blieben  ganz  frei  von  Störungen.  Die  geringste  Ver- 
dünnung septischen  Blutes,  die  noch  tödtlich  wirkt,  waren  6  Theilstr. 
Pr.  einer  Verdünnung  von  1 :  8000.  Es  wirkt  mithin  das  septische 
Blut  energischer,  als  das  einfach  putride  (Davaine,  Dreyer).  Die 
septische  Wirkung  nimmt  mit  den  folgenden  Generationen  zu;  sie 
hsdltet  auch  noch  der  geringsten  Menge  an,  wenn  nur  das  Blut  nicht 
mit  anderen  Dingen  gemischt  oder  verdünnt  wird.  Aus  den  Dialyse- 
Versuchen  geht  hervor,  dass  die  septisch  wirkende  Substanz  sich  mit 
Wasser  nicht  gut  mischt  oder  sich  kaum  darin  löst. 

J.Mnnk  (Stnwaburgi/E.). 

Berns.     TJeber  die  Bedeutung  der  Transfusion  bei  fieberhaf- 
ten Zuständen  von  Thieren  und  Menschen. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  Bd.  XVII.  Hft.  3.  p.  411—423.) 
Von  drei  möglichst  gleich  schweren  Thieren  derselben  Species 
wurden  zwei  12  bis  14  Stunden  vor  der  Transfusion  durch  subcutane 
Einspritzung  von  faulem,  bacterienhaltigem  Blute  septikämisch  ge- 
macht. Dann  wurde  dem  am  stärksten  fiebernden  Exemplar  Blut 
meist  in  die  Jugularis  übergeleitet,  und  das  andere  zur  Controlle  be- 
lassen, während  das  gesunde  dritte  Thier  das  Blut  hergab. 

Nach  26  in  dieser  Weise  an  Kaninchen  angestellten  Transfusionen 
erfolgte  nur  5  Mal  ein  evidenter  Temperaturabfall.  Im  Uebrigen 
waren  diese  Verhältnisse  höchst  schwankende,  so  dass  sich  ein  Typus 
für  die  Curven  bei  den  transfundirten  und  nicht  transfundirten  Thie- 
ren kaum  aufstellen  lässt.  Im  Allgemeinen  kann  nur  angegeben  wer- 
den, dass  einige  Stunden  nach  der  Transfusion  ein  Temperaturabfall 
grösserer,  kleinerer  oder  unbedeutender  Art  stattfindet,  dass  ein 
solcher  Abfall  aber  auch  bei  den  Controllthieren  nur  langsamer,  dafür 
aber  sicherer  als  bei  den  transfundirten  Thieren  vor  sich  geht,  und 
dass  überhaupt  die  Temperaturdifferenzen  bei  den  Controllthieren  nie 
so   gross  sind,  als  bei  den  transfundirten. 

Weiter  war  in  26  derartigen  Versuchen  die  Lebensdauer  von  It 
transfundirten  und  Controllthieren  eine  gleich  lange,  in  anderen  6 
Fällen  lebten  die  transfundirten  Thiere,  in  den  9  übrigen  die  Con- 
trollthiere  länger.  Im  Durchschnitt  v^etirten  23  transfundirte  Thiere 
8  Tage,  23  ControUthiere  9V2  Tag.  5  an  Hunden  ausgeführte  Ver- 
suchsreihen gaben  ebenfalls  sehr  schwankende  Resultate. 


Centralblatt  fQr  Chiruxgie.    No.  t3.  201 

In  zwei  von  den  5  Fällen  starb  das  ControUthier,  während  das 
txansfundirte  am  Leben  bliebe  in  2  anderen  Fällen  fand  aber  das  Um- 
gekehrte  statt.  1  Mal  blieb  sowohl  das  transfundirte^  als  auch  das 
ControUthier  am  Leben. 

Ohne  jeden  Erfolg  blieben  weiter  2  an  pyämischen  Menschen 
ausgeführte  BlutüberleitUDgeo,  so  dass  man  in  Summa  die  Hoffiiun- 
gen,  die  auf  die  Wirksamkeit  des  Verfahrens  bei  fieberhaften  Krank- 
heiten gesetzt  wurden,  als  eitle  betrachten  und  annehmen  darf^  es 
habe  sich  in  den  wenigen  Fällen,  in  welchen  bei  ausgesprochener 
Pyämie  nach  der  Transfusion  Genesung  eintrat,  um  Spontanheilun- 
gen gehandelt.  Willi.  Koch  (Berlin). 

Chiruigischer  Bericht  des  Middlesex-Hospitals. 

Dem  Berichte  dieses  Londoner  Spitals  entnehmen  wir,  dass  da- 
selbst 1873  behandelt  sind  1257  Kranke,  darunter  709  M.  und  548  W. ; 
Yon  diesen  wurden  gebessert  und  geheilt  entlassen  560  M.,  380  W. ; 
ungeheilt  1 1  M.,  16  \V. ;  auf  eignen  Wunsch  entlassen  22  M.,  19  W. ; 
es  starben  47  M.,  59  W.  Abgesehen  von  den  an  Krebs  Gestorbenen 
betrug  die  Mortalität  8,59)1^.  (Das  Hospital  umfasst  eine  besondere 
Krebsabtheilung.     Ref.j 

Der  Bericht  giebt  in  der  ersten  Tabelle  A  sämmtliche  Erkrankungen 
nach  den  Körperregionen  übersichtlich  geordnet;  in  Tab.  B  sämmt- 
liche an  Carcinom  Behandelte  und  berücksichtigt  hier  in  übersicht- 
licher Form  neben  den  ^wohnlichen  Daten  die  Heredität,  die  Dauer  des 
Leidens,  die  secundär  ergriffenen  Organe.  Aus  dem  Jahre  1872  verblie- 
ben 25  Krebskranke  in  Behandlung,  dazu  kamen  im  Jahre  1873  133 ;  bei 
17  Personen  war  schon  früher  operirt  worden,  bei  43  wurden  opera- 
tive Eingriffe  vorgenommen,  femer  1  Mal  die  Tracheotomie  und  1  Mal 
die  Ligatur  der  Carotis.  (Der  Collectivbegriff  Carcinom  ist  leider  zu 
weit  gebraucht,  denn  sämmtliche  maligne  Tumoren  sind  in  ihm  ein- 
geschlossen worden  wie  Sarcom,  Enchondrom  etc.     Ref.) 

Die  3.  Tabelle  C  giobt  eine  Uebersicht  über  51  zugegangene  und 
26  im  Spitale  entstandene  Infectionskrankheiten,  hauptsächlich  Phleg- 
monen, Erysipele,  1  Mal  Septikämie,  6  Mal  Pyämie.  —  Tabelle  D  ver- 
einigt 18  wegen  incarcerirter  Hernien  Behandelte;  von  den  12  mit 
Eröffnung  des  Sacks  Operirten  starb  das  7  Wochen  alte  Kind  mit 
eingeklemmtem  Nabelbruche  (und  zwar  derjenigen  Form,  bei  welcher 
der  duetus  omphalo-meser.  ungeschlossen  bleibt)  und  ein  66j.  Mann, 
bei  dem  keine  Hernie  vorher  bestand.  6  Hernien  wurden  durch  Taxis 
nach  Eisbehandlung  zurückgebracht.  —  Tabelle  E  enthält  10  compli- 
cirte  Fracturen,  von  welchen  starben :  eine  Fractur  beider  Oberschen- 
kel mit  Betheiligung  des  Knies  und  eine  Fractur  des  Oberschenkels, 
complicirt  mit  sternförmiger  Fractur  der  Kniescheibe. 

Tabelle  F  giebt  den  Befund  sämmtlicher  105  Autopsieen;  Tabelle 
H  endlich  die  ausgeführten  Operationen.  Die  wichtigeren  derselben  sind : 

Amputationen:  3  Mal  Oberschenkel  (H.),  5  Mal  Unterschenkel 
(l  f),  7  Mal  Syme'sche  Operation  (1  f),  3  Mal  Vorderarm  (l  +). 


202  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  13. 

Besactioneii :  1  Mal  Hüfte,  1  Mal  Fuss,  1  Mal  Ellenbogen,  1 
Mal  Hand,  1  Mal  Os  calc.  (alle  geheilt). 

Ligaturen:  1  Mal  Carot.  comm.,  1  Mal  lliac.  ext.  (f),  1  Mal 
Femoralis,  4  Mal  Radialis,  3  Mal  Lingualis. 

Ovariotomie  2  Mal  (gest.),  Amput.  linguae  4  Mal,  Staphyloraphie 
2  Mal,  Lithotomie  4  (1  f),  Liüiotripsie  2,  Colotonüe  l  (t),  Sequestro- 
tomieen  20.  Pils  (Stettin). 

E.  Lund.    5jähr.  chirurgische  Thätigkeit  am  königl.  Hospitale 

zu  Manchester. 

London.  Simpkiny  Marshall  &  Co. 

Der  vorliegende  treffliche  Bericht,  ein  Abdruck  aus  dem  Liver- 
pool und  Manchester  Med.  and  Surg.  Rep.  1874,  99  Seiten  stark, 
giebt  uns  ein  deutliches  Bild  von  der  Tüchtigkeit  und  Emsigkeit  des 
chirurgischen  Leiters,  welcher  bestrebt  ist,  auf  seiner  Abtheilung  die 
neuesten  Erfahrungen  und  Methoden  zu  benutzen,  ohne  die  erprobten 
Encheiresen  und  gesicherten  Erfahrungen  früherer  Zeiten  ausser  Acht 
zu  lassen«  Fast  jedes  Kapitel  giebt  hiervon  ein  erfreuliches  Zeugniss 
und  bedauern  wir,  auf  das  Detail  der  operativen  Besprechungen  und 
Erwägungen,  und  auf  die  ausgewählte  Casuistik  hier  nicht  näher  ein- 
gehen zu  können. 

Der  Bericht  reicht  von  1.  Jan.  1867  bis  Decbr.  1871.  In  dieser 
Zeit  sind  1309  Personen  behandelt,  darunter  977  M.  und  332  W. ; 
es  starben  75.  Die  Krankheiten  sind  in  der  Abhandlung  unter  fol- 
gende —  eines  einheitlichen  Prineips  entbehrende  —  Abtheilungen 
gebracht:  Contusionen  142,  Wunden  122,  Amputationen  61,  Geschwüre 
82,  Hernien  25,  Geschwülste  21,  Abscesse  40^  KlumpfUsse  2,  Ver- 
renkungen 5,  Knochenbrüche  304,  darunter  45  complicirte.  Erkran- 
kungen der  Arterien  15,  der  Venen  2.  Affectionen  des  Schädels  und 
seines  Inhaltes  34,  der  Wirbelsäule  20,  der  Harnblase  35,  der  Harn- 
röhre 28,  des  Penis  und  Scrotum  11,  der  Hoden  10,  der  Brustdrüse 
22,  der  Ovarien  8,  der  Gebärmutter  16,  des  Auges  5,  des  Ohres  2, 
der  Nase  4,  des  Mundes  15,  des  Larynx  und  der  Trachea  15,  des  Rec- 
tum 20.  —  Jede  dieser  Abtheilungen  wird  nach  der  Art  der  einzu- 
reihenden Fälle  in  weitere  Unterabtheilungen  gebracht.  Eingangs 
der  Besprechung  dieser  Unterabtheilungen  sind  die  sämmtlichen  Fälle 
stets  in  einer  Tabelle  geordnet  vorgeführt,  welche  ausser  den  gewöhn- 
lichen Rubriken  von  Alter,  Geschlecht,  Ausgang  etc.  je  nach  der 
Wichtigkeit  der  Materie  eine  Reihe  anderer  Columnen  enthält.  Her- 
vorheben möchten  wir  nur,  dass  L.  Lister's  antiseptische  Behand- 
lungsmethode übt  (mehrfach  in  modiUcirter  Form),  dass  er  zur  Liga- 
tur carbolisirtes  Gatgut  verwendet;  bei  Fracturen  werden  vorwiegend 
Schienen- Verbände  anlegt,  oft  combinirt  mit  Extension,  die  L.  fiwt  aus- 
schliesslich bei  Gelenkaffectionen  anwendet ;  bei  Aneurysmen  wird  erst 

nach  Misserfolg  der  Compression  die  Ligatur  der  Arterie  vorgenommen. 

Pils  (Stettin). 


Centralblatt  fQr  Chirurgie.     No.  13.  203 

J»  Gripps.     Die  Behandlung  der  Nachblutung  nach  Ligatur 

der  Femoralis  in  der  Continuität. 

(Bartholomew's  HospitaUReporto.  Bd.  10.  p.  87.) 
Da  die  Yeifmhren  bei  Nachblutungen ,  welche  aus  der  in  ihrer 
Continuität  unterbundenen  Femoralis  erfolgen,  sehr  differiren,  hierfür 
aligemein  gültige  Grundsätze  bisher  nicht  aufgestellt  sind^  so  hat  Verf. 
in  vorliegender  Arbeit  die  Resultate  seiner  statistischen  Erhebungen 
mitgetheflt.     Die  angewandten  Methoden  ergeben: 

No.  1)  14  Ligsturen  der  Iliaca  ext.  mit  12  TodetfUlen  und  2  Genesungen 

No.  2)  5  Amputationen  des  Obemch.         »      2  (3)*)  »  »2  » 

No.  3)  12  Wiedereröffnungen  d.  Wunde    »7  »  »5  » 

No.  4)  15  Feste  Einwicklung  u.  Compress.  »3  •  »12  » 

No.  5)     7  Fftlle  ohne  jede  Behandlung      »4  »  »3  » 

lusammen  53  Fftlle  mit  28  Todesfällen  und  25  Genesungen 

Mit  Uebeigehung  der  Details,  für  welche  auf's  Original  verwiesen 

wird,    sei  hier  bemerkt,   dass  No  1    (Lig.  der  Iliae.  ext.)    eigentlich 

absolut  erfolglos   geblieben   ist,   denn   bei   den   2  Genesenen  musste 

1  Mal  wegen  beginnender  Gangrän  die  Amputation  des  Oberschen- 
kels gemacht  werden;  1  Mal  konnte  die  von  Neuem  erfolgte  Nach- 
blutung nur  durch  Compression  gestillt  werden.  Die  Amputation, 
mit  hoher  Mortalität  {^Oßd)  kann  nur  in  den  verzweifeltsten  Fällen 
(Fehlschlagen  jeder  anderen  Massnahme]  und  bei  entstandener  Gan- 
grau in  Frage  kommen.  (Die  Compression  war  in  den  angegebenen 
Fällen  nicht  vorher  versucht  worden.)  Die  Wiederöffhung  der  Wunde 
hat  auch  keine  besonderen  Chancen  im  Gefolge  gehabt,  denn  wenn 
das  Aufsuchen  der  blutenden  Stelle  in  einigen  Fällen  auch  leicht  ge- 
lang, so  war  es  in  der  Mehrzahl  derselben  doch  sehr  mühsam  und 
schwierig,  ja  mehrfach  resultatlos;  1  Mal  hatte  die  Wiederöffnung 
der  Wunde  eine  schnell  tödtlich  werdende  Blutung  im  Gefolge.  (Von 
den  5  Genesenen  bekamen  2  Nachblutungen,  die  durch  Compression 
gestillt  wurden.)  Ohne  Zwischenfall  verliefen  nur  3  Fälle,  in  denen 
über  und  unter  der  Verletzung  die  Unterbindung  gemacht  war. 

Die  besten  Resultate  hat  zweifellos  die  unter  No.  4  angewandte 
Compression  aufzuweisen,  dem  wir  noch  hinzufügen  wollen,  dass  bei 

2  Gestorbenen  die  die  Blutung  sistirende  Compression  den  Tod  durch 
Erschöpfung  nicht  hindern  konnte.  Die  Sorge  einer  leicht  eintreten- 
den Gangrän  hatte  sich  in  keinem  Falle  verwirklicht.  Die  Nach- 
blutungen entstammten  meist  dem  peripheren  Ende. 

Pill  (Stettin). 

J.  Paget     Erkrankung  des  Warzenhofes   als   Vorläufer  des 

Brußtdrüsenkrebses. 

(Barthol omew's  Hospital-Reports.  Bd.  10.  p.  87.) 
P.  fand  in   etwa  15  Fällen  bei  Frauen   zwischen  40—60  Jahren 
eine   eigenthümliche  Hautaffection   der  Brustwarze   und  des  Warzen- 

*)  1  Mal  wurde  nach  erfolglof  gemachter  Ligatur  der  Iliae.  ext.  die  Amputap- 
tion  vocgenommen. 


204  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  13. 

hofes  dem  nach  1 — 2  Jahren  auftretenden  Brustdrüsenkrebse  vorauf- 
gehen.  In  diesen  Fallen  erschien  die  geröthete  Haut  der  Areola  leicht 
granulirt  und  secemirte  klare^  gelbliche,  viscide  Flüssigkeit;  dabei 
bestanden  stechende,  prickelnde  oder  brennende  Schmerzen.  Dieser 
Eruption,  welche  jeglicher  Behandlung  widerstand,  theils  das  Ansehen 
eines  chronischen  Eczems,  theils  das  der  Psoriasis  zeigte  (gerade  letz- 
tere Form  hatte  eine  Tendenz  zur  weiteren  Ausbreitung  über  die 
Brustdrüse)  und  das  Allgemeinbefinden  nicht  sonderlich  beeinflusste, 
folgte  nach  1 — 2  Jahren  Krebsentwicklung  in  der  Brustdrüse.  Bis- 
weilen begann  diese  Entwicklung  entfernt  von  der  erkrankten  Haut- 
stelle. AehnUch  will  P.  chronische  Hauterkrankungen  der  Krebsbil- 
dung an  Lippe  und  Eichel  haben  vorausgehen  sehen. 

Was  nun  die  praktische  Seite  anlangt,  so  möchte  P.  bei  Personen 
mittleren  Alters  aus  Familien,  in  welchen  Krebserkrankungen  vor- 
gekommen sind,  die  Exstirpation  der  erkrankten  Partie  ausgeführt 
sehen.  PUi  (Stettin). 

Oiraldös.     Sur  un  point  du  traitement  de  la  p^riostite  phleg- 

moneuse  diffuse. 

(Bulletin  de  l'acad^mie  de  m6d.'  1875.  No.  2.) 

Bis  1865  hatte  G.  nach  dem  Vorgange  von  Chassaignac  obige 
schweren  Knochenprocesse,  sobald  es  zur  Abscessbildung  gekommen 
war,  durch  ausgiebige  Incisionen  und  nachfolgende  Drainage  behan- 
delt. An  die  Entfernung  der  gewöhnlich  nekrotischen  Diaphyse  schritt 
er  erst  nach  Bildung  einer  soliden  Sequestralkapsel  von  Seiten  des 
Periostes.  —  Nachdem  aber  Holmes  (Lancet  1865,  April)  aus 
dem  St.  George's  Hospital  in  London  einen  günstigen  Erfolg  von 
unmittelbarer  Herausnahme  einer  vom  Periost  völlig  denudirten  und 
abgestorbenen  Tibia  beschrieben  hatte,  gleich  nach  Eröffiiung  der 
subperiostalen  Eiteransammlung,  führte  G.  dieses  Verfahren  in  seine 
Praxis  ein  u:nd  empfiehlt  dasselbe,  auf  7jährige  Erfahrung  gestützt, 
auf  s  Wärmste.  Dieses  energische  Vorgehen  erspare  den  jugendlichen 
Pat.,  welche  ja  fast  ausschliesslich  von  dergl.  Affectionen  betroflfen 
werden,  langwierige  erschöpfende  Eiterungen,  welche  durch  die  An- 
wesenheit des  Sequesters  unterhalten,  zu  immer  neuen  Abscessbildun- 
gen  und  nicht  ausheilenden  Fisteln  Veranlassung  geben.  Auch  sei 
die  frühzeitige  Beseitigung  der  mortificirten  Diaphysen  weniger  schwie- 
rig und  minder  eingreifend,  als  die  später  erforderliche  reguläre 
Sequestrotomie. 

G.  hat  nach  obigen  Grundsätzen  bei  den  acuten  Knochenent- 
züudungen  besonders  an  den  unteren  Extiemitäten  verfahren  und  räth 
zu  frühzeitigen  operativen  Eingriffen  an  der  Tibia,  der  Fibula,  dem 
Calcaneus  und  den  Metatarsalknochen.  Am  Femur  und  am  oberen 
Theil  des  Humerus  scheint  ihm  das  Verfahren  jedoch  nicht  gerecht- 
fertigt. Wichtig  sei  es,  die  Anheftungen  von  Muskeln  und  Sehnen 
intact  zu  lassen,  was  durch  die  spontane  Ablösung  des  Periostes  vom 


(*entralblatt  fflr  Chirurgie.     No.  13.  205 

Knochen  wesentlich  erleichtert  wird.  Vor  Allem  muss  aber  nachträg- 
lich für  gute  Fixation  der  Extremität  in  richtiger  Stellung  und  natür- 
licher Länge  gesorgt  werden  und  zwar  am  besten  durch  Gypsumgüsse 
oder  Gypsverbände,  welche  G.  schon  seit  1863  bei  Gelenkaffectionen 
erprobt  hat.  Lesser  (Berlin). 

J.  White.     Giftige  Eigenschaften  der  Arnica-Tinctur  fiClr  die 

Haut. 

(Boston  med.  and  aurg.  Journ.  1875.  p.  61.) 

Da  über  schädliche  Folgen  der  so  häufig  applicirten  Arnicatinctur 
bisher  von  ärztlicher  Seite  sich  keine  warnenden  Stimmen  erhoben 
haben,  so  berichtet  W.  ausführlicher  über  3  Fälle,  in  welchen  die 
Anwendung  der  Arnicatinctur  ein  heftiges  Eczem  hervorrief,  welches 
sich  in  einem  Falle  weit  über  die  Applicationsstelle  hinaus  verbreitete 
und  nur  langsam  verschwand.  —  Jeder  Zweifel  über  die  Art  des 
Ausschlages  und  seines  Zusammenhanges  mit  der  Anwendung  der 
Tinctur  ist  durch  die  genaue  Darlegung  der  Fälle  ausgeschlossen.  — 
Am  Schlüsse  seiner  Arbeit  weist  W.  auf  die  Möglichkeit  hin,  dass 
manche  uns  zur  Behandlung  kommenden  Eczeme  der  Arnicatinctur 
ihre  Entstehung  verdanken  mögen  und  dass  er  in  der  Literatur  nur 
in  Hebra's  Hautkrankheiten  in  dem  Kapitel  über  Erythema  nodosum 
als  schädliche  Folgen  der  Tinctur,  Dermatitis  und  Eczem  angeführt 
finde.  Pill  (Stettin). 

J.  Pippingsköld.     lieber  Erweiterung  der  Harnröhre. 

(Beiträge  zur  Oeburtohfilfe  und  Oynftkologie  1874.  Bd.  III.  Hft.  2.) 
Nach  Verf.  ist  die  vorangehende  Erweiterung  der  Harnröhre  bei 
eingreifenden  Operationen,  speciell  am  Gebärmutterhalse,  am  Gewölbe 
und  an  der  vorderen  Wand  der  Scheide,  zu  empfehlen,  so  wie  leicht 
auazuftthr^i.  Diese  Methode,  anstatt  mit  Pressschwamm  nach  H  u  g  u  i  e  r , 
mit  glatt  gedrechselten,  zu  3  bis  4  zusammen  eingeführten  liaminaria- 
cylindem  vorgenommen,  beleuchten  vier  ausfuhrliche  Krankenge- 
schichten, die  im  Original  zu  vergleichen  sind. 

Die  Cylinder  stören  nicht  das  Uriniren,  lassen  sich  leicht  ent- 
fernen und  verursachen  nach  der  Dilatation  keine  Incontinenz.  Die 
Wirkung  der  Erweiterung  hat  immer  lange  genug  gedauert  und  ist 
einer  in  kürzerer  Zeit  mittelst  Finger,  Sonden  oder  Specula  forcirten 
vorzuziehen. Leopold  (Leipzig). 

Kleinere  Mittheilungen. 

Aneurisma  da  arteria  carotida  externa  direita  curado  pela  compressäo 

digital. 
(O  Correio  medico  de  Lisboa  1875.  No.  9.  p.  97.) 

Ein  36jAhr.  verheiratheter  Mann,  seit  16  Jahren  in  Bahia  wohnend,  hatte  ror 
Jahren  an  rheumatinchen  Beschwerden  und  Husten  gelitten.    Seit  einem  Jahr  stell- 


206  (>'entralblatt  für  Chirurgie.     No.  13. 

ten  sich  Schmcfrten  rechts  am  Halse  und  am  rechten  Ohre  era.  Wegen  der  ent- 
staadenei)  pnlsirenden  Geschiralst  am  Halse  wurde  im  Septbr.  1874  ein  erster  Ver- 
such mit  der  Digitaloompression  der  carotis  communis  vorgenommen,  in  den  ersten 
10  Tagen  w&hrend  9  Stunden  tftglich,  in  den  folgenden  29  Tagen  während  14  Stun- 
den tftglich.  Daneben  Digitalis  und  Chloralhydrat  innerlich  und  eine  Eisblase  auf 
den  Hals.  Nach  39  Tagen  war  zwar  die  Qeschwulst  kleiner  und  härter,  pulsirte 
aber  immer  noch.  Dies  entmuthigte  den  Fat.,  der  nach  Lissabon  reiste,  um  Bar- 
bosa  zu  consultiren.  Die  länglich  ovale  Geschwulst  vom  rechten  Unterkieferwin- 
kel bis  zur  Schilddrüse  herabreichend,  füllte  den  Raum  an  der  Bans  des  trig. 
carotideum,  zwischen  Kopfnicker  und  Sohildknorpel.  Die  Haut  darüber  mit  zahl- 
reichen Venennetzen.  Die  starken  Pulsationen  der  Geschwulst,  wobei  dieselbe  an 
Umfang  zunahm,  sowie  die  Blasegeräusche,  verschwanden  jedesmal  bei  Compression 
der  carotis  communis.  Herz  und  Lungen  gesund.  Die  Diagnose  wurde  auf  Aneur. 
art.  carot.  ext.  gestellt  und  die  Digitaloompression  von  Neuem  eingeleitet.  Pat. 
vertrug  dieselbe  in  sitzender  Stellung  nicht,  daher  wurde  dieselbe  in  horizontaler 
Lage  während  18  Tagen  zu  10 — 12  Stunden  täglich,  dann  ununterbrochen  während 
41  Stunden  fortgesetzt.  Nach  40  Tagen,  während  welcher  man  im  Ganzen  während 
283  Stunden  comprimirt  hatte,  konnte  die  Heilung  als  definitiv  erklärt  werden. 

Nach  dem  Bericht  ist  dies  der  erste  nach  Digitaloompression  der  Carotis  commu- 
nis glücklich  verlaufene  Fall  in  Portugal.  UUersperger  (München). 

Burow  (Königsberg).     Zur  Operation  am  hängenden  Kopf. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  5.) 
B.  hat  nach  Kose's  Vorschlag  (cf.  Centralbl.  f.  Chir.  1875,  No.  7}^  am  hin- 
tenüber hängenden  Kopf  zwei  Geschwulstexstirpationen  im  Munde  gemacht;  zuerst 
eine  Epulisexstirpotion,  wobei  die  Blutung  am  hängenden  Kopfe  grösser  zu  sein 
sohlen,  ak  am  aufrecht  gehaltenen  zu  erwarten  gewesen  wäre.  Wie  ein  nach  der 
Operation  erfolgendes  Erbrechen  erwies,  war  während  der  Narkose  Blut  ver- 
schluckt worden.  In  die  Trachea  war  kein  Blut  gekommen  und  die  Operation 
(Führung  der  Säge)  eine  bequemere,  als  bei  aufrechter  Stellung.  —  Bei  einer  zweiten 
Operation  (Exstirpation  zweier  Tumoren  des  Gaumengewölbes}  hatte  kein  Ver^ 
schlucken  von  Blut  stattgefunden.  T*  Mosengell  (Bonn;. 

Milner.    Complete  Trennung  des  Hinterhauptes  von  der  Wirbelsäule. 

(Bartholomew's  Hospital-Reports.  Bd.  20.  p.  313.) 
Dieser  vom  Verf.  als  Unicom  bezeichnete  Fall  kam  bei  eitiem  38jShr.  Manne 
zur  Beobachtung,  der  70'  hinabgestfirzt  war.  Abgesehen  von  den  zahlreiohen  Brfkr 
okea  und  Kupturen  fand  man  da«  Hinterhaupt  vollständig  von  der  Wirbelsäule 
getrennt,  ohne  dass  die  Qelenkflächen  des  Hinterhauptbeins  und  des  Atlas  eine 
Spur  von  Verletzung  darboten.  Ausser  den  zwischen  beiden  Knochen  befindlichen 
Bändern  waren  noch  die  ligg.  later.  und  suspeusor.  dentis,  epistroph.  vom  Hinter- 
hauptsbeine abgerissen,  die  Vertebratgefässe  und  Medulla  durohtrennt,  der  hintere 
Bogen  des  Atlas  abgebrochen ;  eine  Fractur  der  Sehädelbasis  war  nicht  nachzu- 
weisen (Eröffnung  der  Schädelhöhle  nicht  gestattet).  Eine  4"  lange  Hautverletsung 
am  Kinn  war  die  einzige  Wunde  am  Kopfe.  Obwohl  die  Leiche  in  der  Rücken- 
lage gefunden  wurde,  kann  die  Kopfluxation  nur  durch  AufTallen  bei  stark  an  die 
Brust  adducirt€fm  Kopfe  erfolgt  sein.  Die  3  bekannten  unvollkommenen  Hin- 
terhauptsbein -  Luxationen  von  Lassus,  Paletta  und  Bouisson  referirt  M. 
nach  Malgaigne.  Pils  (Stettin). 

H.  Fiiohiev  (Breslau).     Zur  Hesection  des  Schulterblattes. 

(Deuteche  Klinik  1876.  No.  1.  p.  1.) 

F.  theilt  2  eiminder  sehr  ähnliche  Fälle  von  Besection  des  Sohulterblattes  mit, 

welche  er  im  Jahre   1873  und  1874  in  seiner  Klinik  ausgeführt  hat.     In  beiden 

Fällen  handelte  es  sich  um  grosse  l'umoren  der  Scapula,  ein  Enchondrbm  und  ein 

Myxochondrom,  welche  beinahe  das  ganze  Schulterblatt  einnahmen.    Es  wurde  ein 


Centralblatt  för  Chirurgie.     No.  13.  207 

der  Spina  tcapulae  folgender  Querschnitt  gemacht  und  die  ganze  Scapula  mit  Aub- 
nähme  des  Acromion  und  Gelenktheiles  entfernt.  Die  Operation  und  Nachbehand- 
lung geschah  streng  nach  Lister 's  antiseptischer  Methode.  In  beiden  Fällen  war 
bereits  nach  4 — 5  Wochen  die  Heilung  yoUendet.  P*  Bums  (TQbingen). 

H.  Maas  (Breslau).     Grosser  Echinococcus  des  Beckeneinganges. 

(Deutsche  Klinik  1875.  No.  i.  p.  2.} 

Bei  einem  Echinococcus  im  rechten  Hypochondrium  von  über  Kindskopfgrösse 
wurde  nach  dem  Verfahren  yon  G.  Simon  zunächst  die  Doppelpunction  mit  2 
dünnen  Troikarts  und  3  Tage  später  die  Incision  zwischen  diesen  beiden  und  die 
Entfernung  dee  Sackes  Yorgenommen.  Operation  und  Nachbehandlung  nach  L  ist  e  r 's 
Vofacfariften.  Der  Verlauf  war  vollkommen  fieberlos,  die  Eiterung  sehr  gering,  die 
Heihing  bereits  nach  21  Tagen  vollendet.  P.  Bniiis  (Tabingen). 

H.  Bänke  (Halle).     Zwei  Fälle  von   Hygrometi   der  Bursa  trochan- 

terica. 

[Aus  der  chif.  Klinik  des  Prof.  Voikmann.     Berl.   klinische  Wochenschrift 

1875.  No.  4.) 

In  der  Hallenser  Klinik  wurden  von  diesem  seltenen  Vorkommen  fast  gleich* 
zeitig  zwei  Fälle  beobachtet.  Der  eine  betraf  einen  Bergmann,  der  in  dem  Manns- 
felder Bezirk  arbeitete,  wo  ein  Kupferschieferflötz  wegen  der  geringen  Stärke  der 
ersfnhrenden  Schicht  nur  2^/2 — 3  Fuss  hoch  abgebaut  wird  und  die  Arbeiter  dess- 
halb  mit  Hüfte  und  Achsel  der  linken  Seite  auf  je  einem  Brette  liegend  arbeiten 
und  rutschend  sich  weiter  bewegen.  Hierin  liegt  das  aetiologische  Moment  fOr 
die  betreffende  Bursitis.  Der  Tumor  bestand  aus  einer  grösseren  oberen,  fluo- 
tuirenden  und  kleineren  unteren  scheinbar  festem  Geschwulstpartie,  wurde  in  toto 
extirpirt,  war  gegen  die  Haut  überall  verschiebbar  und  enthielt  etwas  haemorrhagisch 
gef&rbte  Cystenflassigkeit.  Die  Heilung  erfolgte  schnell  unter  Lister'schem  Ver- 
fiahren.  —  Der  zweite  Fall  war  ohne  nachweisbaren  Grund  entstanden,  betraf  einen 
Oekonom  von  19  Jahren.  Die  Geschwulst,  seit  4  /ahren  beobachtet,  wuchs  be- 
trächtlich, verursachte  Schmerz  und  Schwäche-  im  Bein  und  war  zuletzt  manns^ 
kopfgross.  Für  einen  kalten  Absoess  gehalten,  wurde  sie  nach  Lister  geöffnet 
und  documentirte  sich  durch  Ausfluss  von  aeröser  Flüssigkeit  mit  vielen  Beiakör* 
nem  als  das,  was  sie  war.  Ein  Versuch,  durch  Compressionsverband  die  Wan- 
dungen aneinanderheilen  zu  lassen,  gelang  wegen  der  Grösse  nur  an  einzelnen 
Partieen.     Im  Uebrigen  verlief  die  Heilung  normal.  Y.  MOMngefl  (Bonn). 

Hödge.     Excision  of  the  hip- Joint  in  chronic  arthritis  or  hip-disease. 

(Philadelphia  med.  Times  1874.  No.  164.  p.  177—182.) 

H.  theilt  die  Krankengeschichten  von  7  zwischen  dem  5.  und  11.  Jahre  stehen- 
den Kindern  mit,  die  wegen  ulceröser  Colitis  im  Hüftgelenk  resecirt  wurden.  Alle* 
mal  gaben  die  Indicationen  zur  Operation  ausgebreitete  Abscesse,  welche  sich  6 
Mal  in  der  Nachbansebaft  des  Gelenkes  Öffneten,  einmal  aber  durch  das  Foramen 
obtniatwn  zum  Lig.  PonpartU  emporstiegen  und  an  dessen  oberen  Rande  durch- 
bnehen. 

Die  weichen  Gelenktheile  waren  allemal  voUkommen  lerstörti  die  Knorpel 
erodst,  Kopf  und  Hals  des  Knochens  oariös,  mehr  oder  weniger  resorbirt  und  2 
Mai  avf' 8  Dannbein  kixirt.  Auch  bestand  in  jedem  Falle  Caries  der  Oelenkpüanne, 
doch  nur  einmal  von  ihr  aus  eine  Perforation  nach  dem  Becken.  5  Mal  mussten 
eonatitntionelle  Anlagen,  2  BCal  daneben  auch  Trauma  als  Ausgangspunkt  der  Er- 
krankung angenommen  werden. 

UmnitteilMr  tddtlieh  verlief  nur  ein  Fall,  bei  welchem  der  Operation  sofort  ein 
Erysipel  folgte.  3  Mal  kam  es  zur  Fistelbildung  und  amylotden  Degenention  der 
groseen  Unterleibsdrüsen ;  3  Mal  vernarbte  die  Resectionswunde  in  wünsohenswerther 
Weise. 


208  Ceutralblait  für  Chirurgie.    No.  13. 

Vom  Femur  wurden  meint  beide  Trochanteren,  von  der  Pfanne  nur  die  er- 
krankten Stellen  fortgenommen.  Offene  Wundbehandlung  und  gleichzeitige  Exten- 
sion der  Extremit&t  nach  der  bekannten  Weise. 

Sayre  in  New- York  resecirte  in  ähnlichen  Fällen  50  Mal  und  verlor  etwa  2b ^ 
der  Operirten  vor  der  festen  Vernarbung  der  Wunde.         Wilh»  Kooh  (Berlin). 

Horton.     Pennsylvania  hoepital.     Gunshot  wound   of  the  knee-joint. 

(Philadelphia  med.  Times  1874.  No.  162.  p.  151.) 

Ein  45jähr.  Arzt  bekommt  aus  nächster  Nähe  eine  Pistolenkugel  in's  linke 
Kniegelenk,  die  die  gössen  G^fässe  und  Nerven  der  Kniekehle  in  Mitleidenschaft 
gezogen  haben  musste,  da  schon  einige  Stunden  nach  der  Verletzung  der  Unter- 
Schenkel  unempfindlich  und  stark  geschwollen  war  und  die  PuUationen  in  beiden 
Art.  tibial.  fehlten.  Am  folgenden  Tage  nach  dem  Auftreten  von  Blasegeräuschen 
in  der  Kniekehle  Amputation  des  Oberschenkels. 

Section  des  Stumpfes.  Nerv,  popiiteus  extern,  gequetscht.  In  der  Arteria 
Poplitea  ein  ca.  Vs  Zoll  grosses  einfaches  Loch  mit  zerfetzten  Rändern,  in  der 
Nähe  desselben  ein  Knochensplitterchen  in  der  Arterienwand.  Vena  poplitea  an 
2  Steilen  durchschlagen.  Willi.  Koek   (Berlin). 

H.  Marsh.     Syphilitische  Affection  der  Patella. 

(Bartholomew's  Hospital-Reports.  Bd.  10.  p.  395.) 

Ein  29jähr.  Mann,  welcher  secundäre  Affectionen  gehabt  hatte,  bekam  nach 
Stoss  am  1.  Knie  vorübei^ehende  Schwellung  und  Schmerzhaftigkeit;  6  Monate 
später  traten  heftige  nächtliche  Schmerzen  in  dem  von  Neuem  geschwollenen  Knie 
auf;  Jodkali  schaffte  Linderung.  Jetzt,  nach  einigen  Jahren,  erscheint  die  Haut 
über  und  um  die  Patella  geröthet;  mit  Venennetzen  durchzogen;  Patella  selbst 
sehr  empfindlich,  in  allen  Durchmessern  veigrössert  (3"  1.  und  2Vs"  br.),  die  Func- 
tion des  Beines  gestört ;  Jodkali  in  gprossen  Dosen  lange  gebraucht,  hebt  nur  die 
Schmerzen  auf.  Somit  handelt  es  sich  wohl  bei  Abwesenheit  jedes  anderen  Knochen- 
leidens um  eine  auf  syphilitischer  Grundlage  durch  Trauma  hervorgerufene  Oatitia 
und  Periostitiß  der  Patella.  Pili  (Stettin). 

Blozam.     Luxation  der  Kniescheibe. 

(Med.  Soc.  of  London  1874.  Nov.  30.    Lancet  1874.  Vol.  II.  p.  800.) 

Ein  tOjähr.  Knabe  hatte  seit  5  Jahren  eine  Luxation  (completeP  Ref.)  der 
Patella  (traumat.  oder  spont  ?} ;  diese  Luxation  entstand  jedesmal  bei  der  Beugung 
des  Kniees  und  wurde  aufgehoben  durch  die  Streckung  desselben ;  in  der  Familie 
bestand  Rachitis.  (Der  Bericht  ist  zu  knapp,  um  den  Werth  des  möglicherweise 
sehr  interessanten  Falles  würdigen  zu  können.)  PUx  (Stettin). 

Davy  •    Kniegelenksresectionen . 

(British  med.  Journal  1875.  p.  15.  —  London  med.  Soc.) 

D.  giebt  die  Resultate  über  7  von  ihm  im  Westminster-Hospital  ausgeführte 
Kniegelenksresectionen.  2  sind  etwas  gekrümmt  geheilt;  alle  können  trotz  der  ein- 
getretenen Verkürzung  mit  erhöhtem  Stiefel  sehr  gut  gehen;  die  mittlere  Aufent- 
haltsdauer im  Spitale  betrug  82  Tage.  Zur  Erreichung  dieses  Resultats  trugen  wesentr 
lich  bei  die  blutsparende  Methode  Esmarch's  und  die  einfache  Nachbehandlung 
in  absoluter  Ruhestellung.  Pill  (Stettin). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H,  IWmonfif,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Veriagskandluiig, 
BreUkopf  und  BärtH,  einsenden. 


Druck  and  Verl»g  von  BrAitkopf  aad  Hftriel  in  L^ipxig. 


Gentralblatt 


für 


CHIRURGIE 

heraasgegeben 

TOB 

Dr.  L.  Lesser,  Dr.  1  Meüe,  Dr.  H.  Tülnaniu 

in  Berlin.  in  Hftlla  ».  8.  in  Leiptig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,   bei  halbj&hriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


N^  14.  Sonnabend,  den  3.  April.  1876. 


falhalt;  Frisch,  Experimentelle  Stadien  über  die  Verbreitung  der  FiuInlasorganiBmen. 

—  Semmery  Faserstoffbildnng.  —  ParORa,  Bericht.  —  ViRCtndon,  Behandlang  der  Spon- 
dylitis. —  Dnbrtiiil-CliMibard«!,  Behandlung  der  Seoltose.  —  Satrt,  HarninflUrationeii. 

—  Mmarquay,  Anus  praeternaturalis;  Operation  der  Recto- Vaginal  fisteln.  —  LaataC, 
Fettbernien.  —  Paschen,  Pathologie  der  Knochen  und  Gelenke.  —  Spancar,  Trimethy- 
lamin  bei  acutem  und  chronischem  Gelenkrheumatismus.  —  Qaatarbook,  Untersuchungen 
über  einige  Formen  des  conischen  Amputationsstumpfes.  —  Moraau,  Patellarftacturen. 

DavMsOR,  Coloboma  palpebr.  sup.  —  Farritr,  Fremdkörper  im  äusseren  Gehörgang.  — 
Necrose  des  Felsenbeins  nach  eitrigem  Mittelohrkatarrh.  —  Mlchaly  Laryngoscopische 
Operationen.  —  MflllAray  Luxatio  Infraspinata.  —  Batchar,  Oberschenkel fractur.  — 
GharinI,  Ueberzählige  Finger  und  Zehen.  —  Fayolla,  Hygrome.  —  Rayhar,  Histologie 
der  Gelenke.  —  Broca,  Fatellarfractur.  —  Hulka,  Hernie.  —  Pellizzarr,  Myom  des 
Darmes.  —  Qakrung,  Uterus  duplex.  —  JDdall,  Beckenfractur.  —  Ebermann,  Urethrotom. 


A.  Frisch.  Experimentelle  Studien  über  die  Verbreitung  der 
Fäulnissoi^anismen  in  den  Geweben  und  die  duit^h  Impfung 
der   Cornea   mit    pilzhaltigen   Flüssigkeiten    hervorgerufenen 

Entzündimgserscheinungen . 

Erlangen,  Ferd.  Enke  1874. 

Bei  der  durch  mannigfache  Untersuchungen  constatirten  Empfäng- 
lichkeit der  Hornhaut  für  Impfungen  mit  pilzhaltigen  Stoffen  hielt  F. 
die  Cornea  für  ein  besonders  geeignetes  Organ,  um  die  Beziehungen 
der  Pilze  zur  Entzündung  experimentell  festzustellen. 

Zuerst  studirte  er  die  Verbreitung  der  Pilze  im  Gewebe  der  fau- 
lenden Hornhaut,  des  &ulenden  Muskels  und  der  faulenden  Haut. 

Es  zeigte  sich,  dass  an  der  Hornhaut  die  Pilze  sehr  allmälig  vom 
Epithel  aus  in  die  Grundsubstanz  eindringen,  sich  dort  in  die  inter- 

14 


J 


210  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  14. 

übrillären  Spalträume  lagern  und  so  die  HombAutsubstanz  lockern. 
Ausserdem  und  zwar  nox;h  rascher  als  in  den  Spalträumen  dringen 
sie  in  dem  präformirten  Netz  der  Saftcanälchen  vor.  Ganz  ausser- 
ordentlich beschleunigen  kann  man  alle  Stadien  des  Fäulnissprocesses^ 
wenn  man  denselben  im  Brutofen  Tor  sich  gehen  lässt.  V^erltftzt  man 
durch  Stiche  oder  Einschnitt  das  Somhautepithel,  so  fisdet  vob  der 
Verletzung  aus  das  Eindringen  der  Pilzvegetationen  ungleich  rascher 
statte  das  Epithel  setzt  dem  Eixtdxingen  der  Pilze  einen  Widerstand 
entgegen^  der  proportional  ist  der  Dicke  und  Festigkeit  desselben. 

Lässt  man  die  ausgeschnittene  Hornhaut  zwischen  Objectträger 
und  Deckglas  mit  Zusatz  einiger  Tropfen  deatillirten  Wassers  faulen, 
s^o  hält  sich  das  Gewebe  Monate  lang  intact.  Man  findet  nach  eini- 
gen Tagen  im  Gewebe  rundliche,  gelbliche,  stark  lichtbrechende  Kör- 
perchen (Dauersporen).  Diese  Dsueinporeti  theilen  sich  und  häufen 
sich  in  Gruppen  an,  sie  lassen  Bacterien  und  Coccus  hervorspriessen, 
die  dann  nach  Wochen  wieder  neue  aber  farblose  Dauersporen  her- 
vorbringen; es  tritt  ein  Zustand  der  Kühe  ein,  dessen  Dauer  nicht 
festgestellt  ist. 

Auch  hier  werden  die  Vorgänge  sehr  wesentlich  beschleunigt  bei 
höherer  Temperatur.  Das  Gewebe  der  Hornhaut  zerfallt  in  wenigen 
Tagen. 

Setzt  man  die  Oomea  unteir  den  beschriebeien  Veritältfnissen  nur 
wahrend  einiger  Tage  täglich  ein  oder  zwei  Stunden  der  hohen  Tem- 
peratur des  Brütofeiks  aus,  so  kann  man  die  von  Eberth  bei  Impfun- 
gen in  die  Cornea  gefundene  sternförmige  Pilzfigur  bekommen,  die 
hier  zumeist  aus  Stäbchenbacterien  besteht. 

Ganz  ähnliche  Verhältnisse  zeigte  faulendes  Mvtkelgewebe. 

Faulende  Haut  setzt  dem  Eindringen  der  Pilze  sehr  gtossen 
Widerstand  entgegen.  Sie  folgen  auch  hier  zuerst  meist  anatomisch 
präformirten  Wegen,  Schweissdriisengängen,  Haarbälgen  und  Talg- 
drüsen. 

Die  Folgerungen,  die  F.  aus  diesen  Versuchen  zieht,  sind  folgende : 

1)  Die  Coccobacteria  septica  verbreitet  sich  im  faulenden  Gewebe 
nach  den  Richtungen,  in  denen  sie  den  geringsten  Widersitand  findet. 

2}  Sie  verbreitet  sich  nicht  durch  active  Bewegung,  sondern  durch 
rasche  Vermehrung. 

3)  Ihre  Wirkung  ist  in  den  ersten  Stadien  der  Fäulniss  eine  rein 
mechanische.  Auch  für  die  letzten  Stadien  acheint,  da  der  Gewebs- 
zerfall nicht  parallel  läuft  mit  der  Vermehrung  der  Bacterien,  die 
Auflösung  der  Gewebe  nicht  allein  als  Arbeitsleistung  der  PQzoi^- 
nismen  aufzufassen  zu  sein. 

4)  Bei  der  Fäulniss  an  freier  Luft  wandern  die  Pilze  von  aussen 
in  die  Gewebe  ein,  bei  der  Fäulniss  unter  dem  Deckglase  oder  im 
Paraffin  sind  die  auftretenden  Bacterien  Abkömmlinge  der  im  Gewebe 
vorhandenen  entwicklungsfähigen  Bacterienkeime. 

Auch  F.  betont,  dass  eine  sichere  Diagnose  der  Bacterien  nur 
möglich  ist,   wo   dieselben  entweder  in  grösseren  Massen  angehäuft 


CentMlblatt  fnr  Chinirgie.     No.  14.  211 

sind,  oder  wo  %ie  besonders  charakterifitische  Fonaen  (Stäbchen^  Ket- 
lealbrmen)  zeigen.  Zur  Sicherung  vor  Irrthümem  ist  der  Gebrauch 
selur  Bttf kar  Objeetive  unerlässiich. 

Die  g^Eaalten  Gewebe  wurden  tfaeils  frisch,  dieils  erhärtet 
untersucht.  Die  Schnitte  wurden  zum  Theil  mit  Carmin,  Häma'- 
toxilin  und  andern  bekannten  Färbemitteln  behandelt. 

Weiterhin  erörtert  F.  die  bei  Impfung  in  die  Himihaut  auftreten- 
den Erscifteinungen.  Betreffs  der  genauen  Beschreibung  der  bereits 
bekannten  charaktexisfebohen  Stomfigur  muss  ich  auf  das  Original  ver- 
weisen. Zur  Entscheidung  der  Frage,  ob  die  Stemfigur  wirklich  aus 
Pikelementen  entstehe,  oder  ob  man  es  nicht  doch  vielleicht  mit  eigen* 
thumlinhcp  £ntzändungq[>roducten  zu  thun  habe,  versuchte  er  todte 
Hornhäute  zu  impfen  und  fand,  dass  wenn  man  die  geimpften  Horn- 
häute in  der  feuchten  Kammer  bei  einer  Temperatur  von  38 — «40^  C. 
aufbewahrt,  wirklich  Stemfigiuren  entstehen. 

F,  erklärt  die  Entstehung  der  Stemfigur  durch  eine  Einlagerung 
der  Pilze  in  die  interfibrillären  Spalten   der.  Hornhaut. 

Ausser  dieser  Form  der  Pilzwucherung  constatirte  F.  für  die  ersten 
Zeiten  nadi  der  Impfung  eine  Fortpflanzung  der  Pilze  durch  das 
System  der  Saftcanälchen  um  die  Impfttelle  herum  und  längs  der 
Nervenfasern. 

'  Die  Fortpflanzung  der  überimpften  Organismen  läset  sich  ohne  An- 
nahme einer  selbständigen  Bewegung  derselben  ein&ch  durch  Wachs- 
thumsdrudL  erklären.  Sich  selbständig  bewegende  Pilze  fand  F.  nur 
einmal  bei  Impfung  bbtssrothlicher,  auf  ÜEtulenden  Kartoffeln  gezüchte- 
ter Pilzvegetationen. 

Jede  erfolgreiche,  d.  h.  von  einer  Entwicklung  der  Stemfigur 
begleitete  Impfung  führt  zu  einer  Entzündung;  doch  kann  die  Ent- 
zündung so  geringfügig  sein,  dass  sie  makroskopisch  gar  nicht  sieht- 
bar  ist.  Trübung  und  Pilzfigur  verschwinden  gleichzeitig  durch  Be- 
sorption.     (Auf  einfache  Stiche  reagirt  die  Cornea  so  gut  wie  gar  nicht.) 

Bei  stäikerer  Reaction  kommt  es  zuerst  zu  einer  Prominenz  des 
Impfstichs  und  zu  den  Zeichen  einer  Conjunctivitis.  Späterhin  ge- 
staltet sich  der  Verlauf  verschieden: 

1)  Die  prominente  von  einem  entzündlichen  Walle  umgebene 
Stemfigur  stösft  sioh  ab;  es  entsteht  ein  seichtes  Geschwür,  das  mit 
oder  ohne  Perforation  und  Hypopyon  rasch  keilt. 

2)  Das  Geschwür  vergrössert  sidi  rasch,  fuhrt  zu  Hypopyon, 
häufig  zur  Perforation.  Die  Heilung  erfolgt  unter  Narbcnbildung 
und  Gefässentwicklung  auf  der  Hornhaut.  Allmählich  verschwinden 
auch  diese  (Hypopyon-Keraftitis) .  Derselbe  Process  kann  auch  einen 
ungemein  langsamen  protrahirten  Verlauf  nehmen. 

3)  Es  kommt  zur  Nekrose  der  Hornhaut,  Panophthalmitis  und 
Verlust  des  Auges  (Homhautdiphtherie) . 

Bei  der  ersten  Form  wirkt  die  Pilzwucherung  einfach  als  mecha- 
nischer Beiz,  die  Entzündung  stösst  sie  ab,  wie  sie  einen  Aetzschorf 

14» 


212  Gentralblatt  für  Chirurgie.    No.  14. 

Bei  der  Hypopyonkeratitis  findet  keine  vollständige  Abstossung 
der  Pilzmassen  statte  dieselben  wuchern  im  Geschwüre  weiter  und 
wirken  als  beständiger  Entzündungsreiz,  bis  die  Reactionskraft  der 
Cornea  und  die  Proliferation  der  Pilze  aufhört  und  die  Ausheilung 
beginnt. 

Bei  der  Homhautdiphtherie  kommt  es  zu  einer  raschen  Verbrei- 
tung der  Pilze  durch  das  ganze  Auge.  Doch  geht  der  fortschreiten- 
den Entzündung  nirgends  die  Einwanderung  der  Pilze  voran. 

In  allen  diesen  Fällen  war  die  charakteristische  Pilzfigur  gleich- 
massig  gut  entwickelt.  Um  zu  entscheiden,  ob  die  verschiedene  Wir- 
kung auf  verschiedene  Pilzspecies  zurückzuführen  sei,  wurden  sehr 
zahlreiche  Versuche  mit  verschiedenen  pilzhaltigen  Flüssigkeiten  an- 
gestellt. 

Hierbei  zeigte  sich  zuerst,  dass  die  Entstehung  der  Stemfigur 
unabhängig  ist  von  der  Menge,  Grösse  und  Form  der  Pilzelemente. 
Das  Ausbleiben  der  Figur  hat  entweder  seinen  Grund  in  Versuchs- 
fehlem, oder  darin,  dass  die  Impfstoffe  nach  einer  grossen  Schwan- 
kungen unterliegenden  Zeit  ihre  Wirksamkeit  verlieren,  oder  endlich 
darin,  dass  die  vitalen  Processe,  die  Energie  des  normalen  Stoffwechsels 
die  Proliferation  der  Pilze  verhindern.  Im  letzten  Falle  gelingt  dann 
noch  die  Impfung  auf  die  todte  Hornhaut. 

Die  verschiedene  entzündliche  Wirkung  der  verschiedenen  Impfstoffe 
ist  im  Original  tabellarisch  zusammengestellt. 

Am  intensivsten  wirkte  faules  Fleischwasser  und  Brei  von  Hospi- 
talbrand, am  schwächsten  fauler  Harn,  guter  Abscesseiter  etc. 

Da  nun  in  allen  diesen  Fällen  die  gleiche  charakteristische  Pilz- 
figur zu  Stande  kam,  und  da  morphologische  Unterschiede  der  Pilz- 
organismen bei  den  verschiedenen  Entzündungsformen  nicht  nachzu- 
weisen waren,  da  femer  die  Annahme,  dass  die  Differenz  der  Ent- 
zündung durch  mit  den  Pilzen  gleichzeitig  übertragene  flüssige  Stoffe 
entstehe,  durch  Filtrationsversuche  von  Eberth  zurückgewiesen  ist, 
bleibt  nur  übrig  anzunehmen,  dass  diese  Verschiedenheit  auf  gewisse 
vitale  Processe  der  Organismen  zurückzuführen  sei. 

Da  nun  die  verschiedenen  Wirkungen  in  gewissen  Beziehungen 
standen  zu  dem  Charakter  des  Processes,  der  die  Impfflüssigkeit  ge- 
liefert hatte,  so  glaubt  F.,  dass  die  verschiedenen  Entzündungsprocesse 
den  Pilzorganismen  die  verschiedenen  vitalen  Eigenschaften  überliefern, 
dass  dann  ihrerseits  diese  Pilzorganismen  wieder  nach  der  Impfung 
ähnliche  Entzündungsformen  erzeugten,  die  ihnen  selbst  wieder  das 
spedfische  Nährmaterial  zuführten. 

Femer  stellte  F.  Ueberimpfungen  von  kranken  auf  gesunde  Augen 
an.  Es  zeigte  sich  hierbei,  dass  Homhautdiphtherie  und  Hypopyon- 
Keratitis  übertragbar  sind,  letztere  aber  nur  im  progredienten  Stadium. 
Nach  mehreren  Ueberimpfungen  verlor  sich  die  Uebertragbarkeit. 

Impfungen  mit  eingetrockneten  als  wirksam  bekannten  Flüssig- 
keiten, nachdem  sie  wieder  angefeuchtet  waren,  blieben  meist  erfolge 
los,  nur  einige  frische  Entzündungsproducte  wurden  wieder  wirksam 


Centralblatt  ftbr  Chinugie.    No.  14.  213 

und  audi  diese  nur,  wenn  sie  einige  Zeit  im  Brütofen  angesetzt 
wurden. 

Eine  Temperatur  von  60— 100^  C.  hebt  die  Wirksamkeit  der  Impf- 
stoffe meist  auf,  nur  einmal  blieb  ein  Entzündungssecret  trotz  mehr- 
maligen Kochens  wirksam. 

Bei  Verdünnungen  bleibt  die  Wirksamkeit  bis  zu  einem  gewissen 
Grade  (höchstens  bis  V3)  erhalten. 

Die  Behauptung  Eberth's^  dass  die  meisten  geimpften  Thiere 
zn  Grunde  gehen^  bestreitet  F.  Vermuthlich  waren  Eberth's  Thiere 
unter  sehr  ungünstigen  Verhältnissen  aufbewahrt. 

Impfung  der  Hunde-  und  Meerschweinchenhomhaut  giebt  nur 
die  leichtesten  Affectionen,  vermuthlich  weil  bei  diesen  Thieren  eine 
Ansanunlung  der  Pilze  in  grösseren  Massen  nicht  vorkommt.  Auch 
bei  Tauben  und  Fröschen  gelingt  weder  die  Erzeugung  von  stem- 
fönnigen  Figuren^  noch  von  progredienten  Processen.  Wohl  aber 
findet  sich  eine  Verbreitung  der  Pilze  in  den  Saftcanälchen  mit  um- 
schriebenen kleineren  Entzündungsherden  ohne  Geschwürsbildung. 

Am  besten  gelingen  die  Impfungen  im  Frühjahr  und  Sonuner. 

Liolitheim  (Breslau). 


G.  Semmer.     üeber  die    Faserstoifbildung    im  Amphibien- 
und  Vogelblut  und  die  Entstehung  der  rothen  Blutkörperchen 

der  Säugethiere. 

Inaug.-Diss.    Dorpat.    1874.    69  Seiten.   1  lithogr.  Tafel. 

In  einer  sorgfältigen,  unter  A.  Schmidt 's  Leitung  vollendeten 
Arbeit  bespricht  Verf.  zunächst  die  Veränderungen  der  rothen  Blut- 
körperchen von  Amphibien  und  Vögeln  nach  Zusatz  verschiedener 
ehem.  Reagentien  und  verweilt  dann  länger  bei  der  Thatsache^  dass 
nach  Zusatz  von  schwacher  Natronlösung  oder  destillirtem  Wasser  zu 
roüien,  von  genuinem  Fibrin  und  Serum  isolirten  Blutkörperchen 
sich  aus  denselben  ein  Faserstoff  bildet,  welcher  von  dem  gewöhnlichen, 
bei  Gerinnung  des  Blutes  gebildeten,  sieh  nicht  unterscheiden  lässt. 
Eine  Reihe  hieran  geknüpfter  Versuche  führen  den  Verf.  zu  folgen- 
den Schlüssen: 

1)  »Sowohl  die  übrinopIäiBtische,  als  auch  die  fibrinogene  Substanz 
wird  von  den  rothen  Blutkörperchen  geliefert. 

2]  Das  Hämoglobin  ist  bei  der  Faserstoffbildung  nicht  betheiligt. 

3)  Die  Fibringeneratoren  stammen  aus  dem  Protoplasma  der  Blut- 
körperchen. 

4)  Es  besteht  kein  Unterschied  zwischen  dem  genuinen  und  dem 
durch  Wasserzusatz  ausgeschiedenen  Faserstoff. 

5]  Die  bei  der  Zerstörung  der  Blutkörperchen  durch  Natron  ge- 
bildete Masse  enthalt  einen  dem  Faserstoff  nahe  verwandten  Körper«. 

In  der  zweiten  Abtheilung  bespricht  Verf.  die  Verhältnisse  beim 
S&ugethierblut,  aus  dessen  rothen  Blutkörperchen  sich   der  Faserstoff 


214  Centfalblatt  für  Chirurgie.    No.  14. 

indessen  nicht  darstellen  Hess.  Im  Säugethierblut  aber  (am  in  der 
Kälte  sehr  langsam  gerinnenden  Pferdeblut  besonders  gut  zu  beobach- 
ten) finden  sich  eigenthümliche  rothe  Kömerkug^,  die  in  Form  und 
Grosse  den  farblosen  Blutkörperchen  entsprechend,  aber  wie  rothe 
gefärbt,  offenbar  Uebeigangsstufen  von  farblosen  zu  rothen  Blutkör* 
perchen  darstellen.  Diese  Kömchenkugeln  betheiligen  sich,  wie  man 
unter  dem  Mikroskop  direct  verfolgen  kann,  an  der  Faserstoffbildung, 
leisten  also  dasselbe  wie  die  rothen  Blutkörperchen  der  Amphibien 
und  Vögel,  verhalten  sich  ihnen  überhaupt  so  ähnlich,  dass  man  sagen 
kann :  ^ie  rothen  Kömerkugeln  der  Säugethiere  und  die  rothen  Blut- 
körperchen der  Amphibien  und  Vögel  sind  hom(doge  Zellformen«. 

(Die  Mittheilung  von  Landois  über  die  »Auflösung  der  rothen 
Bluteellen«  und  die  Bildung  des  »Stromafibrin«  —  Centralbl.  f.  d. 
med.  Wissensch.  1874.  No.  27,  ref.  im  Centralbl.  f.  Chir.  1874. 
lifo.   19  —  scheint  dem  Verf.  nicht  bekannt  gewesen  zu  sein.     Ref.) 

A»  BMder  (Mannheim). 


F.  Parona.     Rendiconto  biennale  di  clinica  chinirgica. 

(Oazz.  med.  ital.  Lombardia  1875.  No.  4.) 

In  der  vorliegenden  Nummer  werden  zunächst  die  Blasenkxank- 
heiten  abgehandelt.  Von  6  Katarrhen  des  Blasenhalses  wurden  3 
durch  innere  Mittel,  Bäder  etc.  geheilt;  bei  3  wurden  Injectionen 
von  Höllensteinlösung  in  die  Blase  (10 — 15  Tropfen  einer  Lösung 
von  1 :  60)  vorgenommen.  Nach  der  Injection  Schmerz  und  Harn- 
drang während  ungefähr  6  Stunden.  Die  Einspritzungen  wurden  in 
Zeiträumen  von  5—6  Tagen  wiederholt.  Je  3  derselben  fahrten  in 
allen  3  Fällen  Heilung  herbei. 

Von  zwei  Steinkranken  wurde  einer  durch  Lithothripsie  in  5 
Sitzungen  geheilt.  Der  andere,  ein  13jähr.  Knabe,  starb  am  4.  Tage 
nach  Ausführung  des  Lateralschnittes. 

Obwohl  bei  der  Section  ein  geringes  peritoneales  Exsudat  und 
eine  beginnende  retroperitoneale  Phlegmone  nachgewiesen  wurde  (ein 
so  typischer  Befund  bei  frühem  Exitus  nach  Steinschuitt,  Ref.)^  zwei- 
felt doch  P.,  ob  nicht  die  vielen  Spulwürmer,  welche  sich  im  Darm- 
canal  vorfanden,  die  Ursache  des  Todes  waren  (! !]  und  nimmt  sich 
in  Zukunft  vor,  dem  Steinschnitt  ein  Wurmmittel  vorausgehen  zu 
lassen,  um  so  mehr,  als  nach  Rizzoli  bei  Steinkranken  Darmwürmer 
ein  sehr  häufiger  Befund  sein  sollen. 

Von  12  Hydrocelen  wurden  10  durch  einmalige  Jodinjection  ge- 
heilt, 2  Mal  musste  die  Injection  wiederholt,  bei  einem  von  diesen 
Fällen  schliesslich  zur  Drainage  gegriffen  werden. 

Von  2  Blasenscheidenfisteln  wurde  eine  durch  Smalige  Operation 
vollkommen  geheilt»  bei  der  zweiten  konnte  es  sich  nur  um  Kolpo- 
kleisis  handeln,  wdche  aber  nur  theilweise  gekng. 

Ein  weiterer  Fall  betriff!  eine  Frau,  welche  nach  der  Entbindung 


C«iitcalblatt  für  Chiniigie.    No.  14.  2 15 

die  lieft^ten  HiMBorjihsi(ypeen  hatte  und  Bchon  äussert  eleii<^  in's  Spi- 
tal kam.  P.  fand  den  Uterus  invertirt  und  reponirte  ihn.  Die  Blu- 
tungen hörten  z^ar  auf,  doch  erholte  sich  die  Frau  nicht  und  erlag 
der  Anämie.  Meniel  (Triest). 


M.  Vinoendon«     Quelques   considerationj^  sur  le    traitement 

du  mal  vertebral  de  Pott. 

These,  Paris,  1874. 

Verf.  rühmt  auf  Grund  von  17  Krankengeschichten,  die  zum 
grössten  Theil  Kinder  unter  1 0  Jahren  betrafen,  von  denen  sich  aber 
die  meisten  noch  in  Bebandlui^  befinden  (!),  folgende  Therapie:  per- 
maneiUe  ruhige,  halb  sitzende  (darauf  legt  Verf.  besonders  Gewicht) 
Lage  im  Bett,  Jodeinpinsehingen ,  Jodpräpaiate  innerlich^  China- 
wein, Schwefelbäder,  Leberthxan.  Die  Anwendung  von  Exutorien  und 
Cauterien  wird  verwerfen ;  dagegen  werden  die  von  älteren  Chirurgen 
und  audb  j^t  von  Triboulet  benutzten  Emetica  und  Purgativa, 
mit  nachfolgendem  tonisirenden  Verfahren,  im  acuten,  fieberhaften 
Stadiutm  des  Leidens  empfohlen.  —  Die  orthopädische  Behandlung 
wird  <^«e  jede  eigene  Erfahrung  verworfen,  für  die  Spondylitis  cer- 
vicalis  indessen  die  Nützlichkeit  von  Stützapparaten  zugegeben. 

A*  BMder  (Mannhehn). 


Dubreuil-CShainbardeL   Traitement  des  d^viations  du  rhachis. 

(S6aiice  de  la  sociit^  de  chir.  du  4.  Not.  1874.) 

Verf,  behauptet,  dass  die  üblichen  Behandlungsweisen  der  Scoliose 
nie  von  Erfolg  begleitet  sein  können.  D.-Ch.  will  durch  das  Kör- 
pergewicht allein  wirken,  luid  versichert,  in  dieser  Weise  Scoliosen 
des  2.  Grades  in  8  bis  12  Monaten  geheilt  zu  haben.  Er  wendet  5 
Stellungen  an;  die  wichtigste  davon,  welche  die  Extension  durch's 
Körpergewicht  zum  Ziele  hat,  sei  jene,  bei  welcher  der  Fat.  durch 
3  Minuten  den  Kopf  abwärts  hängend  gehalten  werde,  während  die 
Fasse  horizontal  auf  den  Knieen  des  Chirurgen  liegen.  D.-Ch.  macht 
also  die  Extension  mittelst  der  über  der  Difformität  gelegenen  Kör- 
pertheile.  Bei  Scoliosen  3.  Grades  sei  das  Verfahren  wirkungslos; 
für  geringere  Ghrade  aber  komme  man,  wie  der  Ref.  bemerkt,  auch 
mit  den  anderen  Verfahren  zum  Ziel. 

St.  Germain  bemerkt,  D.-Ch. *s  Verfahren   habe  den  Vorzug, 

dass  es  auch  von  den  Eltern  der  Kinder  geübt  werden  könne;  auch 

fordere  es  wenig  Zeit.     St.  G.  suapendirte  zuweilen   mehrere  Kinder 

auf  einmal  in  dieser  Weise  auf  einem  harten   Bette.     Zugleich  mit 

dem  Mieder  von  Ducresson  angewandt,   führe  dies   Verfahren    bei 

leichteren  Graden  der  Scoliose  zu  ziemlich  guten  Resultaten. 

Fr.  Steiner  (Wien). 


216  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  14. 

P.  Satre.     D'une  tumeur  p^rinöale,   d^pendant  de  Tinfiltra- 

tion  lente  de  Turine. 

Thöse,  Paris,  1874. 

Die  vom  Verf.  besprochene  seltene  Form  der  Haminfiltration 
steht  meistens  mit  einer  Verengerung  der  Harnröhre,  gleichviel  aus 
welcher  Ursache  entstanden^  in  Zusammenhang.  Hinter  der  Strictur 
bildet  sich  entweder  eine  Ulceration  der  Schleimhaut,  durch  welche 
der  Urin  bei  plötzlicher  starker  Pression  in's  Zellgewebe  gelangt,  oder 
die  Schleimbaut  wird  durch  Bougies,  Sonden  etc.  verletzt,  oder  es 
wird  geradezu  ein  falscher  Weg  gebahnt  durch  forcirten  Katheteris- 
mus  und  dergl.  Durch  den  Reiz  des  —  in  den  wenigen  Fällen,  die 
darauf  hin  untersucht  wurden,  normalen  —  Urins  wird  eine  chron. 
Entzündung  angeregt,  welche  zu  jener  Induration  des  Bindegewebs 
führt;  dieser  schwielige  in  der  Perinealgegend  prominirende  Tumor 
hat  einen  sich  gleichsam  verjüngenden  Stiel,  welcher  bis  zur  lädirten 
Stelle  der  Urethralschleimhaut  führt.  Die  Quantität  des  eindringen- 
den Urins  ist  sehr  gering.  Ist  der  letztere  ammoniakalisch  oder  sonst 
zersetzt,  so  bildet  sich  eine  acute  Entzündung  mit  Ausgang  in 
Eiterung,  Nekrose  u.  s.  w.  Dieses  letztere  kann  natürlich  auch  bei 
einer  »Infiltration  lente«  eintreten,  wenn  zu  derselben  noch  neue  Schäd- 
lichkeiten hinzutreten. 

Den  Sitz  des  Tumors  anlangend,  so  nimmt  Verf.  mit  Gosselin 
an,  dass  die  von  der  Pars  membranacea  ausgehende  Infiltration  wohl 
immer  sich  zwischen  mittlerem  und  oberflächlichem  Blatt  der  Fascia 
perinei  erstrecke. 

Den  anatomischen  Befund  und  die  Symptomatologie  behandelt  Verf. 
kurz,  um  dann  auf  die  Diagnose,  besonders  die  difierentielle,  über- 
zugehen, wobei  eine  Aeusserung  von  Verneuil  angeführt  wird, 
welcher  sagt,  er  habe  kaum  einen  Perinealtumor  gesehen,  der  nicht 
von  einer  Affection  der  Hamwege  abhänge. 

In  Bezug  auf  die  Therapie  ist  bemerkenswerth,  dass  wenn  die 
völlig  bequeme  Wegsamkeit  der  Harnröhre  wieder  hergestellt  ist,  sei 
es  durch  Dilatation,  oder  innere  oder  äussere  Urethrotomie,  der  Tumor 
bald  heile.  Verf.  empfiehlt  in  den  geeigneten  Fällen  besonders  die 
Anwendung  der  »Sonde  k  demeurea. 

6  ausfuhrliche  Krankengeschichten,  welche  Verf.  ziun  Theil  D  o  1  - 

beau  zu  verdanken  hat,  iUustriren  das  Obengesagte. 

A.  Bidder  (Mannheim). 

Demarquay.    i^tudes  physiologiques  ä  cause  d'un  anus  contre 

nature. 

(S6ance  de  la  soci^t^  de  chir.  du  4.  Not.  1874.) 

D.  ätudirte  bei  einem  63jähr.  Manne,  welchem  wegen  brandiger 
Inguinalhemie  ein  künstlicher  After  am  unteren  Dünndarmabschnitte 
etablirt  worden  war,  den  Gang  des  Darminhaltes.     Wenn  Fat.  nicht 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.     No.  14.  217 

an  Verdaaungsstörungen  litt^  so  veiging  eine  ziemliche  Zeit^  bis  der  mit 
unteTsalpetenaurem  Wismuth  gefärbte  Speisebrei  wieder  austrat;  war 
der  Verdauungstractas  aber  irritirt,  so  erschien  der  Speisebrei  schon 
nach  20  Minuten  in  der  FistelöfEnung.  Um  die  Absorptionsschnellig- 
keit  der  Darmschleimhaut  zu  studiren,  wurden  100  grm.  Gummiwasser, 
enthaltend  1  grm.  Jodkali,  in  die  Fistel  eingebracht.  Ein  Katheter 
war  in  die  Blase  eingefiihrt.  Nach  8  Min.  fand  man  Jod  im  Harn 
und  im  Speichel.  Brachte  man  die  Jodlosung  in  den  Magen  ein,  so 
sagte  sie  sich  nach  40  Minuten  im  Harn ;  injicirt  in's  Rectum  zeigten 
sich  Spuren  von  Jod  nach  25  Minuten  im  Harn.  Eine  Injectiou  der 
Jodlösung  in*8  Zellgewebe  liess  nach  20  Min.  Jod  im  Speichel  und  nach 
40  Min.  im  Harn  constatiren.  D.  schliesst  aus  der  rascheren  Ab- 
sorption des  Jod  vom  Dünndarm  aus,  dass  in  der  Natur  des  Epithel- 
aberzuges die  Ursache  gelegen  sei,  und  nicht  im  Venensystem,  welches 
ja  im  Magen  reicher  entwickelt  sei,  als  im  Darme. 

Fr.  Hteiaer  (Wien). 


Demarquay.     Operation  de  la  fistule  recto-vaginale. 

(86ance  de  la  Boci6t6  de  chir.  du  4.  Nov.  1874.) 

D.  bezeichnet  als  Ursachen  des  häufigen  Misslingens  der  Recto- 
Vaginalfisteloperationen  die  Ansammlung  von  Kothmassen  im  Rectum 
und  insbesondere  den  Widerstand  der  Aftermündung  beim  Stuhlgange, 
wobei  auch  eine  transversale  Ausdehnung  des  unteren  Theiles  der 
hinteren  Scheidenwand  stattfinde.  Er  empfiehlt  daher  der  Operation 
den  hinteren  Sphincterenschnitt  vorauszuschicken  und  theilt  einen  in 
dieser  Weise  glücklich  geheilten  Fall  mit.  Die  Anfrischung  der  Fistel 
geschieht  von  der  Mastdarmseite;  Verf.  wendet  die  B  landin 'sehe 
gekrümmte  Nadel  und  Metallsuturen  an,  deren  Enden  in  der  Vagina 
zusammengedreht  werden.  Fr«  8ieljier  (Wien). 

J.  J.  Lansao.    Quelques  consid^rations  sur  las  hernies  grais- 

seuses. 

Th^se,  Paris,  1874. 

Unter  Fettbrüchen  versteht  Verf.  solche  mit  dem  Peritoneum  parie* 
tale  oder  viscerale  zusammenhängende  Fettgeschwülste,  welche  natür- 
liche oder  accidentelle  Oefihungen  durchbrechend,  an  verschiedenen 
Stellen  des  Abdomens  vortreten  und  zwar  an  solchen,  wo  auch  wirk- 
Udie  Hernien  sich  zeigen. 

In  vielen  Fällen  sind  die  Umhüllungen  die  gleichen,  wie  bei  ge* 
wohnlichen  Hernien.  Man  kann  3  Varietäten  unterscheiden:  1)  Es 
findet  an  der  äusseren  Fläche  des  Peritoneums  Fettwucherung  statt ; 
die  Fetttumoren  wachsen  zum  annulus  cruralis,  canalis  inguinalis  etc. 
hervor  und  ziehen  das  Peritoneum  nach,  so  dass  sich  ein  Sack  bildet, 


218  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  14. 

in  dem  eine  wiikHche  Hernie  entstehen  kann.  2)  I>^  Fet(i>niGli 
würde  nicht«  Anderes  sein,  als  ein  alter  Hemiensaok,  mit  Fett  mn- 
hüUt,  eine  Ansicht,  der  Nelaton  und  Bernatz  huldjg^ea,  während 
Gosselin  dieselbe  nicht  theilt.  3)  Das  Fett  liegt  im  Innern  eines 
Bruchsackes^  dessen  Hals  verscklossen  (obliterirt)  sein  kann  oder  nickt. 
In  diesem  Falle  ist  der  Feltbnich  vom  Peritoneum  überzogen. 

Dass  die  Fettgeschwulst  das  Peritoneum  durchbteche  mnd  so  in 
den  Bruchsaek  gelange,  scheint  sehr  unwahrscheinlich;  richtig  sei 
wohl  die  Anracht  Lanmelongue's^  dass  bei  einem  Bmchsack,  ana 
dem  die  Eingeweide  zurückgetreten  sind,  der  Hak  obliterire  und  sich 
nun  vom  Peritoneum  des  Sackes  aus,  wie  bei  ehron.  Entzündung, 
Bind^ewebswucherung  mit  nachträglicher  Fettablagerung  bilde, 
worauf  dann  der  Fettbrueh  fertig  sei.  Eine  Section,  wo  die  Abdo- 
minalöfinmug  einer  inneren  Leistenhernie  sich  obUterirt  fand,  während 
unter  dem  Peritoneum  im  Leistenring  und  Leistencanal  ein  Fettstrang 
der  arteria  spermatica  anlag,  wird  mitgetheilt. 

Nach  Anführung  zweier  Fälle  von  Fleury,  wo  sich  die  Fett- 
brüche von  Peritoneum  umhüllt  fanden,  geht  Verf.  auf  die  differen- 
tielle  Diagnose  der  Fettbrüche  und  deren  Behandlung  über,  welch« 
man  im  Original^  nachsehen  wolle.  A*  Bidder  (Mannheim). 


B.  Paschen.     Zur  Pathologie  der  Knochen  und  Gelenke. 

(AiM  der  chir.  Klinik  su  Rostok.  —  Deutsche  Zeitschrijft  f.  Chir.  Bd.  IV.  Hft.  5  u.  6.) 

1.  Eine  knorpelige  Synostose  nach  Knieresection, 
nebst  Bemerkungen  über  die  Endresultate  kiibdlicher 
Kniegelenksreseetionen. 

Bei  einem  Mädchen  von  9  Jahren  wurden  wegen  eiteriger  Knie* 
gelenkentzündung  innerhalb  der  Epiphysen  reeecirt,  doch  musste  5 
Monate  später  wegen  periarticulärer  Fisteln,  die  mit  localer  Tuberkel- 
bildung combinirt  waren,  die  Amputation  gemacht  werden.  Es  fand 
sich  zwischen  den  Epiphysen  der  Tibia  und  des  Femur  eine  Schicht 
Zwischensubstanz,  welche  vorne  3,  hinten  A^/2  Mm.  dick,  in  ihrer 
hinteren  Hälfte  bindegewebig,  in  ihrer  vorderen  knorpelig  war;  und 
zwar  bestand  sie  ganz  vom,  wo  sie  mit  den  Resten  der  Gelenkknor- 
pel in  Verbindung  war,  aus  hyalinem  Knorpel,  weiter  nach  rückwärts 
aus  Faserknorpel,  der  aUmälig»  ohne  regressive  Metamorphose  zu  zei- 
gen, in  Rindegewebe  überging.  Hauptsächlich  aus  dem  letzteren  Um- 
stände schliesst  Verf.,  dass  hier  eine  knorpelige  Umwandlung  des  Binde^ 
gewebes  (und  nicht  das  Umgekehrte]  stattfand.  Durch  den  Knorpel» 
an  dem  man  sonst  keine  Umbildung  in  Knochen  wahrnehmen  konnte, 
ging  eine  dünne  Knochenspange  von  der  Tibia  zum  Femur. 

P.  hält  die  knorpelige  Verbindung  nach  Resectionen  innerhalb 
der  Epiphysen  bei  Kindern  für  häufiger,  als  die  knöcherne. 

Ausserdem  theilt  P.  die  nachträglichen   Befunde  (nach  4  und  6 


CentraM^latt  für  Ckiruigie.    Nb.  14.  21$ 

Jahfien)  Ton  3  Fallen  vtm  Knieresectiou  an  Kindern  mit,  welche  Prof. 
König  in  seinen  »Reitdlgen  ziir  Resection  des  Knii^elenkes«  bald 
nach  der  HeUuiig  als  gute  Besultate  beachrieben  hatte.  Es  hatte  in 
jedem  Falle  die  Langendifferenz  der  unteren  Extremitäten  sowie  auch 
die  (ursprünglich  angestrebte  leidite)  Winkelstellnng  im  Knie  be- 
tiEchtlich  zugenommen,  so  dase  der  Winkei  einmal  140",  ssweimal  90° 
betrug.  (Eme  Verschiebung  der  Knochenenden  aneinander  hatte  nicht 
stattgefunden.) 

P.  glaubt,  dass  die  ursprünglich  angestrebte  leichte  Flexion  im 
Knie  die  Schuld  daran  trage,  indem  dadurch  beim  Gehen  der  Ilruck 
auf  dem  hinteren  Theile  der  Epiphysen  grösser  sei,  als  auf  dem  vor- 
deren, und  dass  infolge  dessen  das  Wachsthum  vom  hinteren  Theile 
des  Epiphysenknorpels  aus  beeinträchtigt  werde.  Es  wäre  danach  bei 
Kindern  nach  der  Knieresection  stets  die  geradlinige  Vereinigung 
anzustreben.  ^ 

2.    Ein  geheilter  Fussgelenkschuss. 

P.  giebt  die  Abbildung  des  Präparates  von  einer  conservativ  be- 
handelten Schussverletzung,  die  quer  durch  das  Sprunggelenk  verlief; 
die  Heilung  ist  noch  nicht  vollendet,  das  Gelenk  in  guter  Stellung 
bindegewebig  ankylotisch.  Oerstny  (Wien). 


W.  H.  Spencer.    On  the  treatment  of  rheumatism  and  gout 

with  trimethylamine. 

(The  Practitioner  1875.  Febn»ry.) 

Nach  einem  kurzen  Ueberblick  über  die  Geschichte  und  die  chemi- 
schen Eigenschaften  des  Trimethylamin  theilt  Verf.  22  Fälle  von  acu- 
tem und  chronischem  Gelenkrheumatismus  mit,  in  welchen  durch  die 
Anwendung  des  genannten  Heilmittels  ganz  ausgezeichnete  Erfolge 
erzielt  wurden.  Die  Schmerzen  und  die  Schwellung  der  Gelenke 
Kessen  sehr  bald  nach.  Verf.  hat  im  Ganzen  60  Fälle  mit  Trime- 
thylamin behandelt  und  empfiehlt  letzteres  aufs  Angelegentlichste. 

Bekanntlich  hat  Awenarius  das  Trimethylamin  (unter  dem 
Namen  Propylamin)  zuerst  gegen  »Rheumatismus«  angewandt  und 
aber  250  erfolgreiche  Fälle  berichtet.  Tlümaiitts  (Leipzig). 


P.  Gueterbock  (Berlin).     Nene  Untersuchungen  über  einige 
Formen  des  conischen  Amputationsstumpfes. 

(Arch.  f.  klinUche  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  4.} 

Im  Anschlüsse  an  eine  frühere  Arbeit  (Arch.  f.  klin.  Chir.  XV. 
p.  283)  bespricht  6.  kurz  die  durch  Hyperostosen  des  Knochen- 
endes entstehende  Conicität  des  Stumpfes^  um  zur  Besprechung  der 
Atrophie  des  Knochenstumpfes  (meist  als  Atrophie  des  Amputations- 


220  Centralblatt  für  Cbiruxgie.    No.  14. 

stumpfes  bezeichnet)  überzugehen.  —  Nachdem  G.  die  Ansichten  von 
Louis^  A.  Förster,  Paget,  R.  Volkmann  u.  A.,  so  wie  die 
einschlägigen  Experimente  von  v.  fiustitzky  und  Ollier  erwähnt 
hat,  spricht  er  sich  nach  seinen  Untersuchungen  dahin  aus,  dass  die 
Atrophie  des  Knochenstumpfes  namentlich  im  Verhältniss  zur  Volums- 
zunähme  des  Knochens  ein  seltenes  Vorkommniss  ist.  Verf.  weist 
femer  darauf  hin,  dass  bei  äusserlich  gleichem  Verhalten,  eine  Durch- 
sägung atrophischer  Stümpfe  sehr  verschiedene  Bilder  giebt.  —  Die 
höchsten  Ghrade  der  Atrophie  kommen  durch  Stehenbleiben  im  Wachs- 
thum  in  Verbindung  mit  Nichtgebrauch  des  betreffenden  Stumpfes  zu 
Stande.  —  Die  klinische  Bedeutung  dieses  Vorganges  erhellt  schon 
daraus,  dass  man  in  Fällen  dieser  letzten  Art  für  entsprechende 
Aenderung  der  Stelzfüsse  Sorge  zu  tragen  hat;  femer  daraus,  dasa 
man  in  den  Fällen,  in  denen  die  Atrophie  durch  eine  rareficirende 
Ostitis  hervorgerufen  ist  mit  gleichzeitiger  Veränderung  der  Weich- 
theile,  besonders  der  knolligen  Anschwellung  der  durchschnittenen 
Nervenenden,  mit  der  Besection  des  Knochenendes  nicht  ausreicht, 
sondern  eine  Beamputation  höher  oben  machen  muss. 
Nur  so  kann  der  Fat.  von  seinen  neuralgischen  und  entzündlichen 
Beschwerden  im  Stumpfe  befreit  werden.  —  Zum  Schlüsse  bespricht 
Verf.  kurz  die  Conicität  des  Stumpfes,  welche  durch  Caries  und 
Nekro.se  des  Knochens  bedingt  ist.  Maas  (Breslau). 


R.  Moreau.    Essai  sur  las  fractures  transversales  simples  de 

la  rotule. 

Thöse,  Paria,  1874. 

Verf.  schliesst  sich  in  Bezug  auf  die  Patellafracturen  durch  directe 
Gewalt  ganz  den  Ansichten  Malgaigne's  an  —  die  Querfracturen 
durch  Muskelzug  werden  durch  einen  krankhaften  Zustand  des  Kno- 
chens begünstigt.  Ueber  die  Differentialdiagnose  von  Zerreissung  des 
ligam.  patellae  oder  der  Sehne  des  quadriceps  femoris  nichts  Neues. 
—  Die  Prognose  stellt  er  im  Allgemeinen  ziemlich  günstig  und 
meint,  dass  nicht  so  selten  knöcherne  Vereinigung  erfolge,  dass  es 
aber  auch,  wo  dies  nicht  der  Fall  sei,  entschieden  zu  den  Seltenheiten 
gehöre,  wenn  bei  gut  geleiteter  Behandlung  das  Glied  nicht  fast  in 
seinen  normalen  Zustand  zurückkehre.  Von  den  auf  die  Fragmente 
indirect  wirkenden  Verbandmethoden  hält  Verf.  die  von  Rieh  et  für 
die  beste.  Derselbe  legt  nämlich  einen  Gipsverband  an,  legt  aber  das 
Knie  durch  ein  grosses  Fenster  so  weit  frei,  dass  man  die  Fragmente 
durch  Kautschukstreifen  an  einander  halten  kann.  Der  Verband  wird 
14  Tage  nach  Entstehen  der  Fractur  angelegt  und  14  Tage  liegen 
gelassen.  Um  diese  Zeit  ist  ein  fibröser  Callus  gebildet  und  »uiie 
immobilit6  relative«  genügt. 

Hieran  knüpft  sich  die  Besprechung  der  Vorrichtungen,   welche 


Centralblatt  fttr  Chirurgie.    No.  14.  221 

die  Fragmente  direct  zusammenhalten:  also  die  Malgaigne'Bohe 
Klammer  und  der  Apparat  von  Rigaud,  welcher  in  das  obere  und 
untere  Fragpnent  Sclürauben  einsetzt  und  diese  dann  an  ihren  kurzen 
Stielen  fest  an  einander  bringt,  so  dass  die  Bruchstücke  gut  vereinigt 
sind. 

Bei  Fracturen,  wo  die  Kruchstücke  wenig  auseinander  stehen, 
also  das  peripatellare  Gewebe  nur  theilweise  zerrissen  ist,  komme  man 
mit  den  indirect  wirkenden  Apparaten  aus;  wo  aber  die  BruchflMchen 
um  6 — 10  Cm.  auseinander  klaffen,  da  solle  man  die  direct  wirken- 
den Mittel  benutzen,  und  vor  Allem  sei  hier  der  Rigaud'sche  Ap- 
parat zu  empfehlen. 

Endlich  theilt  Verf.  4  Fälle  von  Querfracturen  mit.  Tn  den 
beiden  ersten  (Männer  von  44  und  68  Jahren)  entstand  die  Fractur 
durch  Fall  aurs  Knie  bei  halbgebeugtem  Gelenk.  Nach  Ablauf  der 
massigen  Reaction  wurde  trotz  sehr  geringen  Abstandes  der  Fragmente 
die  Rigaud'sche  Schraube  angelegt,  neben  einem  festen  Verband. 
Darauf  schnelle  Heilung;  im  ersten  Fall  mit  fibrösem,  in  Ossification 
begriffenem  Callus,  im  zweiten  mit  knöchernem  Callus. 

Der  3.  Patient,  ein  23jähr.  Dragoner  bekam  durch  einen  Huf- 
schlag eine  Querfractur  der  Patella.  Die  Reaction  war  sehr  stark,  es 
bildeten  sich  Phlegmonen,  Abscesse  am  Oberschenkel  etc.,  so  dass 
man  sich  in  der  Behandlung  auf  Ruhelagerung  und  Antiphlogose  be- 
schrankte. Nach  Ablauf  der  Entziindungserscheinungeu  hatten  sich 
die  Fragmente  durch  festen  fibrösen  Callus  vereinigt  und  es  besserte 
sich  die  Functionstüchtigkeit  immer  mehr.  —  Beim  4.  Fall,  einen  47jähr. 
Mann  betreffend^  entstand  die  Fractur  durch  Fall  auf's  Knie.  Ge- 
lenkentzündung. Fester  Verband.  Darauf  Schienen  mit  Guttapercha- 
streifen zur  Fixation  der  Fragmente.  Langdauemde  Behandlung ;  fibröser 
Callus,  der  sich  bei  Gehversuchen  immer  mehr  dehnte.    Bewegungs- 

fahigkeit  noch  4  Monate  nach  dem  Bruch  recht  schlecht. 

A«  BIdder  (Mannheim). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Davidson.     Large   coloboma  of  the  upper  eylid,   successfiilly   treated 

by  Operation. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1876.  Jan.  13.  p.  169.) 

Da8  Colobom  befand  sich  am  linken  oberen  Augenlid  eines  3  urOchentlichen 
Mädchens  an  der  Verbindung  des  inneren  mit  dem  mittleren  Drittel ;  es  reichte  bis 
zur  Umschiagstelle  der  Conjunctiva  auf  den  Bulbus.  Vom  oberen  Ende  setzte  sich 
die  äussere  Haut  auf  den  Bulbus  bis  nahe  an  den  Comealrand  fort. 

Die  seitlichen  Ränder  des  Coloboms  wurden  als  schmale  Lappen,  die  Basis  am 
freien  Augenlidrande  gelegen,  abpräparirt ;  aus  der  auf  den  Augapfel  übergreifen- 
den äusseren  Haut  ein  Tiereckiger  Lappen  mit  der  Basis  nach  oben  gebildet;  nun 
wurden  die  Spitzen  der  beiden  seitlichen  Lappen  Tereinigt  und  die  drei  freien 
Bänder  des  3.  Lappens  mit  feinstem  Catgut  an  den  gebildeten  Rahmen  angenäht. 
Rasche  Heilung.  Bänke  ^Halle). 


222  Centxttlblatt  far  Cfairuigie.    No.  14. 

Fdrrier.     Corps  ^tvangerB  du  conduit  auditif  externe  ae  ditenninant 

que   des  ph^nomenes  morbideB  träs-tardifs. 
(Journal  de  ni6d.  et  de  ohir.  prat.  1875.  p.  62.) 

In  dem  1.  Falle  hatte  «ine  Glasperle  bei  einem  15jähr.  Kinde  sich  l&ager  als 
3  Jahre  in  dem  äusseren  Gehörgange  aufgehalten,  und  war  dann,  nachdem  inzwi- 
schen Taubheit  entstanden  war,  mit  Cerumen  incrustirt,  entfernt  worden.  An  der 
Stelle  ihres  Sitzes  eine  kleine  Ulceration. 

Im  2.  Falle  hatte  ein  junger  Bursche  eine  Bohne  angeblich  nahezu  12  Jahre 
im  Obve  getragen.  Auch  hier  Taubheit  und  nach  Entfernung  des  incrustirCen, 
aber  noch  ^kennbaren  Körpers  eine  leichte  Myringitis,  die  bald  verging. 

Pagengteder  (Elberfeld). 

N^crose    d'une  partie   du  labyrinthe  k  la  suite   d'une   otite  moyenne 

suppuree  et  fort  ancieane. 

(Journal  de  m^d.  et  de  chir.  prat.  1875.  p.  64.) 

Mehr  als  30  Jahre  hatte  eine  Otitis  media  purulenta  gedauert,  als  von  der  Tiefe 
der  Paukenhöhle  ausgehende  polypöse  Wucherungen  entfernt  wurden.  Dieser  Ope- 
ration, die  14  Mal  wegen  der  Reoidive  wiederholt  wurde,  folgte  immer  Schwindel, 
Kopfschmers,  Erbrechen  und  Facialpftrese  Die  letztere  ging  nicht  ganz  zarQck. 
Dann  entleerten  sich  einige  Knochenpartikelchen  und  endlich  ein  Stück  der  Schnecke 
selbst,  wonach  die  Patientin ,  natürlich  ganz  taub  und  mit  geringer  Parese  dea 
Facialis  behaftet,  genas.  Pagensteeher  (Elberfeld). 

C.  Miobel.    Laryngoskopische  Operationen. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  IV.  Hft.  5  u.  ti.) 

4  FSAle  von  Kehlkopf polypen,  die  theüs  mit  der  einfachen;^  ungedeckten  Schlinge, 
thails  mit  dem  ungedeckten  Messer  glücklich  operirt  wurden. 

.Oersimy  (Wien). 

Molliere.    Obfiervation  de  luxation  sous-^pineuse  compläte  de  T^paule 

droite. 

(Gaz.  des  höpitaux  1875.  No.  7.) 

Eine  62jfthr.  Frau  glitt  beim  Herabsteigen  von  dem  Trittbrett  eines  Wagens 
aus.  Während  sie  sich  im  Fallen  mit  dem  rechtefi  Arm  festzuhalten  suchte,  kam 
die  Luxation  zu  Stande.  Der  vollständig  nach  hinten  ausgewichene  Gelenkkopf 
war  deutlich  unterhalb  der  Spina  scapulae  zu  fühlen.  Der  Arm  war  weder  ver- 
längert noch  verkünt.  Der  Durchmesser  der  Schulter  von  vorn  nach  hinten  ge- 
messen betrug  10  Cm.  gegen  5  Cm.  der  gesimden  Seite.  Die  Keposition  gelang 
ohne  Schwierigkeit  bei  leichter  Extension  durch  directen  Druck  auf  den  Gelenk- 
kopf. M.  glaubt,  dass  die  Luxation  durch  die  gewaltsame  Contraction  der  Schulter- 
muskeln veranlasst  worden  aei.  Schädel  (Berlin). 

B.  Butoher.     Reports  in  operativ  surgery. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  sciences  1874.  November.) 

Enorme  Deformität  des  Oberschenkels  infolge  einer  in  winkliger  Stellung  ge- 
heilten Fractur  des  mittleren  Drittels.  Verkürzung  5  Zoll.  Osteoclasis  mittelst 
eines  eigens  construirten  (im  Original  abgebildeten)  Osteoclasten,  5  Monate  nach 
der  definitiven  Consolidation.  Heilung  ohne  Verkürzung  und  mit  vollkommener 
Beweglichkeit  im  Knie.  Lossen  (Heidelberg). 

A.  Gherixii.     Di  una  deformitä  congenita  per  ecoesso  alle  mani  e  ai 

piedi. 

(Gazz.  med.  ital.    Lombardia  1874.  No.  51.) 

V.  B.,  jetzt  3  Jahr  alt,  kam  mit  überzähligen  Fingern  und  Zehen  auf  die  Welt. 
Bei  genauer  Betrachtung  des  Falles  kann  man  sich  denselben  nicht  anders  erklä- 


Centrtf blatt  tüf  Chirurgie.  lk>.  ii.  233 

ren,  als  daw  man  anniauat,  daaa  jede  fiand  und  jeder  Fumb  dopfielt  angelegt  war, 
und  die  beiden  Anlagen  mit  einander  Fersohmolzen.  Die  Hand  i.  B.  z&hh  6  Fin- 
gejc,  daTon  sind  die  swei  äuesersten  Kleinfinger,  die  beiden  mittleien  MittelAngar, 
so  daaa  eigentlich  zwei  Zeigefinger  und  zw9i  Daumen  fehlen. 

Jeder  Pubs  zahle  9  Zehen:  die  beiden  Anaaeieten  eind  die  kletnea  Zehen,  der 
mittlere  stellt  die  verschmoizenen  beiden  groesen  Zehen  dar.  Auch  die  Fene  seigt 
eine  Längsfurche,  welche  eine  Verzchmelzung  aus  zwei  Fersen  andeutet. 

Therapeutisch  war  nichts  zu  unternehmen,  da  der  Knabe  seine  Hände  ganz 
gut  henQtcte.  MenMl  (Triest). 

G.  FayoUe.     Des  kystes  synoviaux  tendineux  k  gprains  riziformes. 

Th^se,  Paris,  1874. 

Sieh -dsrehaus  snf  die  Michon'sche  Arbeit  Über  gleichen  Gegenstand  stützende 
übeniohtUoiie ,  durch  17  grösstentheils  entlehnte  Beobachtungen  erläuterte  Dar- 
sCellwig  4er  Pathologie  und  Therapie  der  Reisskörperhygrome,  ohne  neue  Qesichts- 
punete.  Nnr  In  belästigenden  Fällen  soll  mit  dickem  Troikart  punctirt  und  Jod 
injicnrt  wevden;  ist  irgend  ein  ncnterer  Bntzüudungszustand  vorhanden,  muss  die 
doppelte  Indsion  mit  nachfolgender  permanenter  Irrigation  in  Anwendung  gezogen 
wenien.    Daesolbe  Mittel  bleibt  für  die  Miseerfolge  der  Jodbehandlung. | 

Büke  (Halle). 

O.  Beyher.    On  the  cartilages  and  synovial  membranes  of  the  joints. 

(The  Journal  of  anatomy  and  physiolc^  1S74.  Vol.  VIII. 

K.  untersuchte  vermittetst  der  Versilberungsmethode  die  Oberfläche  der  Qe- 
lenkenden  und  der  Synovialintima.  Verf.  kommt  zu  den  bekannten  Beaaltaten, 
wie  sie  H  üter  u.  A.  auf  Grund  derselben  Untersuchungamethede  beschrieben  haben. 
(Siehe  dagegen  die  Untersuchungen  des  Bef.  im  Arch.  für  mikroskop.  Anatomie, 
Bd.  10,  ref.  im  Centraibl.  f.  Chir.  1874.  No.  30.)  TiUmanng  (Leipzig). 

M.  Brooa.    Fracture  de  rotule  en  deux  temps. 

(Journal  de  m6d.  et  de  ddr.  prat.  1875.  p.  58.) 

Unter  dieaem  Namen  wivd  beschrieben,  wie  eine  Frau,  aufs  Knie  fallend,  sich 
eine  nicht  diagnosticirte  Fractur  der  Patella  zuzog  und  unter  Schmerzen  und  Schwel- 
lung noch  14  Tage  umherhinkte.  Dann  rissen  durch  Muskelzug  bei  einem  fal- 
schen Tritt  auch  die  aponeurotischen  Theile  und  der  Querbruch  wurde  weitklaf- 
fend. Pagensteeher  (Elberfeld). 

SiOke.     Cafles  of  hemia.     (Middlesex  hospital.) 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Jan.  13.  p.  170.) 

1)  58jähr.  Mann  mit  seit  <3  Tagen  eingeklemmter  rechlseitiger  Inguinalhernie. 
Uemiotomie.  Trota  Gangrän  einer  kleinen  Dannstelle  Reposition.  Tod  an  Peri- 
tonitis.   Kein  Auetritt  von  Darminhalt  in  die  Bauchhöhle. 

2)  3  operirte  und  geheilte  Netzhernien,  eine  davon  mit  starker,  Hydrocele 
vortäuschender  Wasseransammlung  im  Bruchsacke,  eine  andere  (Femoral-)  Hernie, 
deren  Bruchsack  nach  der  Operation  sich  zu  einer  Cyste  umbildete. 

BiAke  (HaUe). 

O.  Fellizsari.    Ein  Myom  des  Darmes. 

{Soeietk  medieo  fisica  Fiorentina  1874.  Novbr.  22.  ^  L'Imparziale  1875.  No.  3.) 

Ein  junges,  sonst  gesundes  M&dchen  aus  Florenz  consultirte  im  Juli  1872  Dr.  T. 
wegen  eines  leichten  Fiebers.  Dr.  T.  fühlte  in  der  rechten  Ileocoecalgegend  eine 
grosse  runde  Geschwulst,  welche  fast  die  Nabelhöhe  erreichte.  Man  vermuthete 
einen  Ovarialtumor.  Das  M&dchen  hatte  davon  fast  gar  keine  Beschwerden.  SpA^ 
ter  gesellten  sich  Unterleibsschmerzen  hinzu,  welche  erst  im  August  1874  die  Form 
schwerer  Koliken  mit  Brechen,  Stuhlverhaltung  und  Fieber  annahmen.  Am  2. 
Oetober  1874  traten  Symptome  von  Ileus  noch  prägnanter  hervor  und  am  18.  Oct. 


224  Oentralblatt  fQT  Chirurgie.    No.  14. 

stöBBt  die  Kranke  per  anum  plötzlich  einen  gprossen,  fleischigen  Tumor  aus.  Von 
da  an  war  das  Mädchen  geheilt.  Der  Tumor  wog  500  grm.  und  war  ein  reines 
Myom.  —  P.  macht  darauf  aufmerksam,  dass  der  ganze  Verlauf  dagegen  spricht, 
dass  etwa  ein  Uterusmyom  in  den  Darm  durchgebrochen  sei»  dass  man  vielmehr 
annehmen  müsse,  der  Tumor  habe  sich  ursprünglich  in  der  Darmwand  (muscularia) 
entwickelt  und  zwar  wahrscheinlich  im  Coecum  (Ileocoecalgegend). 

MeBzel  (Triestj. 

E.  Qehmng.    Gase  of  double  uterus  and  vag^ina.    Division  of  vaginal 

septum. 

(The  Americ.  Journal  of  med.  sciences  1874.  Oct.) 

Bei  einem  ITjähr.  Mädchen,  welches  lange  Zeit  an  Dysmenorrhoe  und  profuser 
Leukorrhoe  litt,  fand  Verf.  einen  doppelten  retrovertirten  Uterus  und  eine  doppelte 
Scheide.  Beide  Vaginen,  von  welchen  die  eine  erheblich  enger  ab  die  andere, 
waren  durch  ein  dünnes,  V8~~~^/i6  Zoll  im  Querschnitt  messendes  Septum  getrennt. 
Durch  jede  konnte  man  mit  der  Sonde  in  einen  besonderen  Cervix  gelangen  und 
172  Zoll  weit  eindringen. 

Um  die  Menstruationsbeschwerden  zu  heben,  den  Uterus  einer  orthopidisdien 
Behandlung  zugänglich  zu  machen  und  schliesslich  den  bestehenden  Vaginismus  zu 
beseitigen,  spaltete  Verf.  das  ganze  Septum.  Unmittelbar  nach  der  Operation 
konnte  man  die  beiden,  gut  ausgebildeten  Cervicalportionen  sehen.  Bei  einer 
späteren  Untersuchung  während  der  Menstruation  war  an  jedem  Os  die  Blutaus- 
scheidung zu  constatiren. 

Nachdem  die  Dislocation  des  Uterus  mittelst  eines  modificirten  H  o dg e 'sehen 
Pessariums  beseitigt  war,  verschwand  die  Dysmenorrhoe  und  Pat.  ist  gegenwärtig 
vollkommen  gesund.  Lossen  (Heidelbeig) . 

G*  JüdelL    Beckenfractur  mit  Blasenzerreissung  und  Hemia  diaphrag- 

matica  hepatis. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie.  Bd.  IV.  Hft.  5  u.  6.) 

Ein  35jähr.  Arbeiter  hatte  sich  durch  Sturz  aus  grosser  Höhe  eine  Becken- 
fractur zugezogen;  es  trat  sogleich  Lähmung  des  Sphincter  ani,  später  auch  des 
Sph.  vesicae  ein.  Ein  grosser  Decubitus  heilte,  ebenso  eine  nachträglich  entstan- 
dene Perforation  der  Harnblase.  6  Monate  nadi  der  Verletzung  erlag  der  Kranke 
wiederholten  Erysipelen.  Bei  der  Section  fand  man  eine  mit  starker  Verschiebung 
geheilte  Längsfractur  des  Kreuzbeins,  die  durch  die  ganze  Reihe  der  rechtseitigen 
Kreuzbeinlöcher  verlief  und  bis  in  das  Steissbein  reichte,  geheilte  Fracturen  der 
Querfortsätze  des  2. — 5.  Lendenwirbels,  Comminutivfractur  des  rechten  absteigen- 
den und  einfache  Fractur  des  rechten  horizontalen  Schambeinastes,  und  endlich 
eine  Hemia  diaphragmatica  hepatis.  (^fenniiy  (Wien). 

Bbermaan  (Petersburg).    Ueber  Urethrotome. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII,  Hft.  4,) 

E.  hat  ein  dem  Maisonneuve'schen  und  Bronn 'sehen  ähnliches  feines 
Urethrotom  construirt,  auf  dessen  nähere  Beschreibung  wir  hier  nicht  eingehen 
können,  wir  verweisen  auf  das  Original  und  die  beigegebenen  Zeichnungen. 

Maas  (Breslau). 

Origlnslmitthelliingen,  Monogrsphleen  nnd  Separstabdrücke  wolle 
man  an  Dr,  H.  TUhnaamB^  Leipzig,  Haiienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlung, 
BreUkopf  und  Härtelf  einsenden. 


Draek  «od  Vtrlug  von  Brciikopf  aad  UIrtel  in  Leipzig. 


Gentralblatt 


fttr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOB 

Dr.  L.  Lener,  Dr.  IL  SGMe,  Dr.  I.  TDlinaiiiui 

in  Berlin.  in  H^lle  a.  8.  in  Leipaig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prft- 
nnmention.     Zu  beriehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


N^  15.  Sonnabend,  den  10.  April.  1876. 


blhaltt  CmS«,  Transfusion.  ~  VulplaN,  Directe  Faradisation  des  Herzens.  —  BetlitR, 
Bmcheinklemmungfimechanismas.  —  Marth,  Herniotomie  bei  Kindern.  —  TbORiptOSy 
OperatiTe  Hülfe  bei  Prostatahypertrophie.  —  Mitchell,  Motilitätsstörungen  an  Amputa- 
tionsstfimpfen.  —  Marthally  Operationsmethode  bei  vaiicosen  Venen.  —  BIgelow,  Bau 
nni  Pathologie  des  Schenkelhalses.  —  v.  Nustbaum,  Knochentransplantation.  — -  8i0rfc, 
Chronische  Blennorrhoe  der  Luftwege.  —  Lawton,  Verletzung  des  Sehnerven. 

Kofldirall,  Behandlung  des  Erysipels.  —  Krasnoglladow,  Tetanus  traumaticus.  —  Tod 
nach  Rbinoplastik.  —  Mears,  Behandlung  des  Gystenkropfs.  —  Wltznlewskl ,  Perichon- 
drltis  Ivyngea.  —  Salomon,  Anwendung  des  Giahelsens  bei  acuter  Myelitis.  —  Nut- 
ChintOMy  InTsgination.  —  Hüll,  Hernia  diaphragmatica.  —  D^MfRiaaux,  Hydrocele.  — 
Kerr,  Hypertrophie  der  corpora  cavemosa.  —  Jones,  Hypertrophie  des  Knies.    —  Gliyot, 

Ezartlculatio  tarso-metatarsea.  —  Humphry,  Auslösung  des  Calcaneus  und  Astragalus. 


J.  Casse.     De  la  transfusion  du  sang. 

(M6m.  couronn^s  et  autres  m6m.  publi^s  par  Facad^mie  royale  de  m^d.  de  Belgique 

^  1874.  Tome  U.  4me  faac.) 

Der  Hauptwerth  der  umfangreichen  Arbeit  des  Verf. 's  liegt  nicht 
in  den  wenigen  beim  Menschen  ausgeführten  Bluteinspritzungen,  son- 
dern in  den  Experimenten  desselben^  welche  er  «in  den  Arbeitsräumen 
der  Veterinärschule  zu  Brüssel  ausgeführt  hat^  als  auch  in  dem  sorg- 
faltigen Studium  der  einschlägigen,  besonders  deutschen  Literatur.  — 
Die  fast  200  Seiten  umfassende  Monographie  beginnt  mit  einer  ge- 
schichtlichen Skizze.  C.  unterscheidet  drei  Hauptzeitabschnitte.  Zu- 
nächst die  mythologische  Periode,  für  welche  er  aus  Ovid*s  Meta- 
morphosen nur  zweifelhafte  Anhaltepunkte  beibringt  über  die  Kennt- 
niss  der  Bluteinspritzungen  im  Alterthum.  Sodann  bis  zum  15.  ja 
bis  zum  17.  Jahrhundert  n.  (Jhr.  ist  eigentlich  so  gut  wie  gar  nichts 

15 


226  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  15. 

Positives  über  die  Transfusion  zu  berichten.  Erst  mit  der  Stadera 
medica  von  Francesco  Folli  aus  Poppi,  der  durch  Harvey*s 
Entdeckung  des  Kreislaufs  von  Neuem  auf  den  Gedanken  der  Blut- 
überleitungen gebracht  wurde,  beginnt  Verf.  den  zweiten  Zeitabschnitt, 
die  Periode  der  versuchsweisen  Ausführung  der  Operation  an  Thieren 
und  Menschen.  Hierher  gehören  die  Namen  von  Michel  Servet, 
Levasseur,  Realdo  Colombo,  Andrea  Cisalpino  d'Arezzo 
u.  s.  f.,  von  Wren,  Lower,  Clarke,  Boyle  und  King,  von 
Denis  u.  A.  Bald  entstand  ein  Streit  über  die  Priorität  der  Erfin- 
dung der  Transfusion,  welche  Deutsche,  Holländer  und  Italiener  nach 
einander  für  sich  in  Anspruch  nahmen.  Als  beraerkenswerth  sind 
späterhin  hervorzuheben  die  Experimente  von  Michel  Rosa  (Lettere 
fisiologiche,  Napoli  178B),  der  sich  also  schon  vor  etwa  90  Jahren 
überzeugte,  dass  man  in  die  Blutgefässe  eines  lebenden  gesunden 
Thieres  beträchtlich  grössere  Mengen  von  Blut  einspritzen  könne,  als 
sie  normaler  Weise  enthalten,  und  dass  trotzdem  keine  Ueberfüllunf^ 
der  Gefässe  eintritt.  Auch,  beschäftigte  sich  Rosa  mit  gegenseitigem 
Blutaustausch  verschiedener  Thierspecies.  —  Allmälig  wurde  die  Trans- 
fusion gegen  alle  möglichen  Leiden  versucht.  Wir  wollen  nur  her- 
vorheben, dass  1796  Darwin  (Zoonomia,  liOndon)  Einspritzungen 
von  Menschen-,  Hammel-  und  Eselblut  empfahl  bei  Inanitionszustän- 
den  (Krebs  des  Oesophagus),  aber  auch  gegen  febris  putrida.  1792 
führte  Russell  Transfusionen  bei  Lyssa  humana  aus.  —  Der  dritte 
Zeitabschnitt  endlich,  die  moderne  Periode,  wird  nach  Verf.  mit  dem 
Beginn  des  19.  Jahrhunderts  eröffnet  und  zwar  mit  den  bahnbrechen- 
den mikroskopischen  und  chemischen  Arbeiten  auf  dem  Gebiete  der 
Blutphysiologie  (Bischoff,  Brown-S^quard,  Pr^vost,  Dumas, 
Panum  u.  A.).  Dieser  letzten  Epoche  widmet  C.  nur  eine  flüchtige 
Betrachtung,  und  geht  nun  zu  seiner  speciellen  Aufgabe  über.  Er 
erörtert  zunächst  die  Frage  ob  Thier-  oder  Menschenblut  anzuwen- 
den sei.  Aus  mehr  äusserlichen  Gründen  entscheidet  sich  C.  in 
seinem  Raisonnement  für  Anwendung  von  Menschenblut  (Schwierig- 
keit der  Beschaffung  von  Thieren  in  grossen  Städten).  Er  meint, 
die  beiden  Uebelstände,  die  man  der  Benutzung  von  Menschenblut 
entgegenhält,  die  Möglichkeit  der  Ueberfährung  kranken  Blutes  (von 
einem  Syphilitischen  z.  B.)  und  die  Gefahr  der  Phlebitis  für  den 
Blutspender,  würden  überschätzt.  Im  Nothfall  wiege  die  Aussicht  der 
Erhaltung  eines  Menschenlebens  die  Gefahr  einer  syphilitischen  An- 
steckung auf.  In  Bezj^ig  auf  die  Phlebitis  hält  C.  dafür,  dass  wenn 
dieselbe  nach  Aderlässen  wirklich  so  häufig  aufträte,  wie  man  an- 
nimmt, die  blutdürstigen  Doctrinen  von  Broussais  gewiss  nicht  eine 
so  allgemeine  Aufnahme  und  Verbreitung  gefunden  hätten.  Im  Wei- 
teren vertheidigt  Verf.  warm  die  Anwendung  defibrinirten  Blutes^  in- 
dem er  den  rothcn  Blutkörperchen  die  Hauptwirkung  bei  Transfusionen 
zuschreibt,  das  Fibrin  aber  für  unwesentlicth  hält.  Auch  ersetze  sich 
das  Fibrin  rasch  im  kieisenden  Blute,  so  dass  die  Blutmischung  im 
Körper  durch  Injectionen  defibrinirten  Blutes  nur  vorübergehend  alte- 


Ontralblatt  für  Chirurgie.      No.  15.  227 

rirt  werde.  Allerdings  bleibt  C.  sowohl  £ur  letztere  Behauptung  als 
auch  dafür  die  Angabe  experimenteller  Beweise  schuldig,  ob  in  der 
Tbat  durch  das  Defibriniren  die  Lebenseigenschaften  der  rothen  Blut- 
körperchen und  ihre  Fähigkeit  für  den  Gasaustausch  nicht  leiden.  — 
Die  einzigen  vom  Verf  gegen  die  Anwendung  ganzen,  nicht  defibri- 
nirten  Blutes  angeführten  Griinde:  die  rasche  Gerinnungsfähigkeit 
und  deren  Folgen  und  sodann  die  Venosität  des  Blutes^  welches  erst 
nachdem  es  die  Ijungen  passirt  hat,  wirksam  werden  kann,  fallen  für 
die  directe  Transfusion  von  Arterie  zu  Vene  selbstverständlich  fort.  — 
Um  zu  entscheiden,  ob  es  erforderlich  sei,  das  zu  injicirende  defibri- 
nirte  Blut  vorher  auf  Körpertemperatur  zu  bringen,  hat  C  Trans- 
fusionen ausgeführt  mit  defibrinirtem  Blute  von  3**,  10°,  27°,  47°,  50° 
und  .'>5°C.  Temperatur  und  hat  während  der  Einspritzungen  die  Kör- 
perwärme der  Thiere  im  Rectum  gemessen.  Hei  Injection  niedrig 
temperirten  Blutes  sinkt  die  Eigenwärme  und  erhebt  sich  nachher  um 
so  stärker,  je  niedriger  die  Temperatur  des  Transfusionsblutes  gewählt 
war.  Benutzt  man  Blut,  welches  wärmer  ist,  als  dasjenige  des  Blut- 
empfangers,  so  steigt  die  Temperatur  des  letzteren  deutlich,  aber  die 
Temperaturschwankungen  sind  nicht  so  beträchtlich,  wie  bei  Injection 
kühlen  Blutes.  Am  geringsten  fallen  die  Schwankungen  aus  bei 
Anwendung  von  Blut,  das  annähernd,  aber  in  ziemlich  weiten  Gren- 
zen, die  Temperatur  des  kreisenden  Blutes  besitzt.  —  Man  könne 
und  dürfe  ohne  alle  Furcht  dem  Transfusionsblut  die  Temperatur  des 
Operationsraumes  lassen.  Die  Erwärmung  des  Blutes  auf  Körper- 
temperatur sei  für  den  Erfolg  der  Transfusion  gleichgültig.  Auch 
'  beim  Menschen  hat  C.  von  Anwendung  von  Transfusionsblut,  das 
bedeutend  kühler  war,  als  das  dos  Fat.,  keinen  Nachtheil  beobachtet. 
In  Bezugs  auf  den  Ort  der  Einführung  des  Blutes  schliesst  sich  Verf. 
den  Vertheidigem  der  venösen  Transfusion  an  und  betont  besonders 
die  ofk  unüberwindlichen  Schwierigkeit,  das  Blut  in  die  peripheren 
Verzweigungen  einer  Arterie  zutreiben,  als  auch  die  Gefahr  von  Phleg- 
monen, selbst  von  Fyämie,  wie  sie  bei  der  arteriellen  Transfusion  auf 
etwaige  Gefasszerreissungen  und  Blutextravasationen  folgen  können. 

Besonderes  Interesse  nehmen  die,  wenn  auch  wenig  zahlreichen 
Versuche  des  Verf. 's  in  Anspruch,  welche  er  angestellt  hat,  um  über 
die  Quantität  des  zu  injicirenden  Klutes  Aufschluss  zu  erlangen.  Er 
hat  zunächst  constatiren  können,  dass  man  die  normale  Blutmenge 
des  Thieres  bedeutend  vergrössern,  ja  dass  man  dieselbe  verdoppeln 
könne,  ohne  die  Gesundheit  des  Thieres  zu  schädigen.  Verf.  befindet 
sich  darin  im  Einklang  mit  den  Erfahrungen  des  Ref.  (vergl.  L.  Les- 
8er,  Ueber  die  Anpassung  der  Gefässe  an  grosse  Blutmengen.  Aus 
\  den  Arbeiten  der  physiol.  Anstalt  zu  Leipzig,  1S74,  cf.  ('entralbl.  f. 
Chir.  1875,  No.  9).  Auch  die  Ergebnisse  der  Sectionsbefunde  sind 
entsprechend  ähnlich.  Hervorzuheben  ist  auch  hier  die  unerwartet 
geringe  Affection  des  Respirationsapparates  während  und  nach  den 
Transfusionen,  während  dagegen  der  Zustand  der  Unterleibsgefässe, 
vor  Allem  auch  derjenige  der  Leber  eine  besondere  Berücksichtigung 

15" 


228  Centralblatt  für  Chirurgie.    No,  15. 

verdienen.  Nur  darin  stimmt  Verf.  nicht  mit  den  Erfahrungen  von 
Mittler,  Worm  Müller  und  Ref.  überein,  dass  er  meint,  Blut- 
extra vasate  seien  häufiger  nach  Anwendung  nielit  defibrinirten  als 
nach  Injectionen  defibrinirten  Blutes.  Die  Differenz  erklärt  sich  aber 
leicht  aus  dem  Verlauf  des  (übrigens  nur  einzigen  mit  ganzem  Blut 
ausgeführten]  Experiments,  wo  die  Injection  aus  der  V.  jug.  eines 
Hundes  in  die  V.  saph.  eines  anderen  durch  Anwendung  einer  Dieu- 
lafoy 'sehen  Spritze  vermittelt  und  aus  Furcht  vor  Gerinnung  abnorm 
rasch  ausgeführt  wurde.  Letzterem  Umstand  allein  wird  daher  auch 
der  interessante,  bei  unmittelbarer  directer  Blutüberleitung  von  Arterie 
zu  Vene  aber  nie  beobachtete  Befund  zuzuschreiben  sein,  dass 
die  Bauchhöhle  eine  grössere  Menge  Blut  enthielt  und  dass  das 
Blut  aus  der  vollständig  zerklüfteten  (compUtement  fissur^)  Leber 
stammte,  welche  letztere  auch  sonst  in  allen  ihren  Theilen  vergrössert 
und  ganz  abnorm  blutreich  erschien.  Die  übrigen  Organe  waren  nicht 
congestionirt,  das  Gehirn  selbst  anämisch.  —  Jedenfalls  wird  der  Zu- 
stand der  Unterleibseingeweide  vor  jeder  Transfusion  mindestens  die- 
selbe Aufmerksamkeit  verdienen,  wie  derjenige  des  Herzens  und  der 
Lungen ;  und  ist  der  Rath  des  Vcrf.'s  gewiss  sehr  zu  beherzigen,  für 
jede  therapeutische  Blutzufuhr  den  Patienten  durch  Enthaltung  vom 
Essen  und  vorherige  gründliche  Entleemng  des  Darms  vorzubereiten^ 
um  demselben  zum  mindesten  das  sonst  quälende  Erbrechen  und  die 
oft  heftigen  Leibschmerzen  zu  ersparen.  —  Einen  Aderlass  bei  Trans- 
fusionen hält  der  Verf.  nur  da  für  indicirt,  wo  eine  chemische  De- 
composition  der  Blutmasse  z.  B.  bei  Vergiftungen  vorliegt.  —  Das  opera- 
tive Verfahren  des  Verf. 's,  der,  wie  schon  bemerkt,  fast  ausschliess- 
lich defibrinirtes  Blut  anwandte,  bestand  einfach  in  dem  Einfüllen 
der  Blutflüssigkeit  in  die  Vene  vermittelst  eines  graduirten  Irrigator- 
ähnlichen Gefasses  unter  dem  niedrigen  Druck  der  Transfusionsflüssig- 
keit selbst,  welche  durchgehends  die  Temperatur  des  Operationsraumes 
hatte.  Das  Gefäss  communicirte  mittelst  eines  Schlauches  mit  der 
sorgfältig  in  die  Vene  eingebundenen  Glaskanüle.  Auch  beim  Men- 
schen hält  Verf.  das  Freilegen  der  Vene  und  das  Einbinden  der  Kanüle 
für  zuverlässiger  als  das  Arbeiten  mit  Stichkanülen.  —  Die  Auseinander- 
setzungen von  C.  über  Anwendung  nicht  defibrinirten  Blutes,  über 
Gefahren  der  Transfusion  im  Allgemeinen,  so  wie  über  ihren  physio- 
logischen Effect  können  wir  als  nichts  Neues  enthaltend  übergehen. 
Es  schliessen  sich  weiterhin  Experimente  über  den  ernährenden  Effect 
von  Transfusionen  an,  die  im  Ganzen  Panum's  negative  Ergeb- 
nisse bestätigen  [Vir eh.  Archiv,  Bd.  XXIX).  Bei  fehlender  Nahrung 
ist  man  nicht  im  Stande,  weder  durch  Einspritzungen  nicht  de- 
fibrinirten noch  durch  Einspritzungen  defibrinirten  lUutes  das  Leben 
für  eine  längere  Zeitdauer  zu  fristen.  Das  Leben  erhält  sich  nach 
Verf.  länger  bei  Anwendung  nicht  defibrinirten  Blutes.  Transfu- 
sionen fibrinfreien  Blutes  dagegen  erhöhen  ganz  bedeutend  den 
Stoffumsatz,  so  dass  das  Gewicht  der  hungernden  Versuchsthiere  auch 
durch  spätere  Darreichung  von  Nahrung  nicht   eher  zum  Wiederan- 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.   15.  229 

steigen  kommt,  bis  man  nicht  die  Transfusionen  ausgesetzt  hat.  Wie- 
derholte Einspritzungen  defibrinirten  Blutes  bei  einem  ernährten  Thier 
bringen  dessen  Gewicht  schneller  und  dauernder  herunter,  als  es  durch 
völlige  Entziehung  aller  Nahrung  während  derselben  Zeit  geschehen 
wäre.  Diese  tiefgreifenden  Einwirkungen  auf  die  Nutrition  legen  C. 
den  Gedanken  nahe,  ob  nicht  Transfusionen  defibrinirten  Hlutes  sich 
bei  Polysarcie  nützlich  erweisen  dürften.  —  Es  folgt  eine  sehr 
umfassende  und  fleissige  Zusammenstellung  in  Tabellenform  der  in 
der  Literatur  vorhandenen  therapeutischen  Transfusionen,  geordnet 
nach  den  Krankheiten^  gegen  welche  dieselben  ausgeführt  wurden. 
Leider  vermissen  wir  in  dieser  einfach  chronologischen  Aufzählung 
das  kritisch  sichtende  und  kritisch  ordnende  Combinationstalent  des 
Verf.'s,  der  es  unterlassen  hat,  für  die  in  seiner  Monographie  darge- 
legten und   zum   grossen  Theil   durch   eigene  Experimente  geprüften 

Ansichten  auch  statistische  Beweisgründe  zu  suchen. 

Legger  (Berlin). 

A.  Vulpian.     Note  sur  les  effets  de   la  faradisation   directe 
des  ventricules  du  coeur  chez  le  chien. 

(Brown-S^quard's  Arch.  de  physiologie  1874.  p.  975—80.) 

Verf.  stach  Nadeln  in  das  Herz  und  zwar  entweder  durch  die 
Brustwand  hindurch,  oder  nach  Eröffnung  des  Thorax  und  vorher 
eingeleiteter,  künstlicher  Respiration;  und  schickte  dann  durch  die 
Nadeln,  welche  mit  den  Enden  der  secundären  Spirale  eines  Schlitten- 
apparates verbunden  waren,  kräftige  Inductionsströme  hindurch.  So- 
fort entstand,  auch  wenn  die  Electrodennadeln  nur  in  das  rechte  Herz 
eingestochen  waren,  lebhaftes  Muskelzittern  in  beiden  Ventrikeln,  das 
an  verschiedenen  Punkten  des  Herzens  auftrat,  4 — 5  Minuten  lang 
anhielt  und  dann  in  fibrilläre  Zuckungen  überging.  Nach  ferneren 
3—4  Minjuten  traten  die  Ventrikel  in  dauernden  diastolischen  Still- 
stand. Dieselben  Erscheinungen  waren  zu  beobachten,  wenn  nur 
1 — 2  Secunden  lang  der  inducirte  Strom  hindurchgeschickt  wurde, 
wenn  z.  B.  die  Electroden  nur  auf  das  Herz  aufgesetzt  und  sogleich 
wieder  entfernt  wurden,  ferner  sowohl  bei  chloralisirten  und  curari- 
sirten  als  bei  ganz  normalen  Thieren.  Mit  dem  Aufhören  der  fibrillären 
Zuckungen  und  dem  Auftreten  des  diastolischen  Stillstandes  ist  der 
Herzmuskel  selbst  durch  keinen  Reiz  mehr  erregbar  und  zwar  weder 
durch  directen,  noch  durch  reflectorischen  (auf  die  Haut  ausgeübten) 
Reiz.  Da  ferner  die  Durchschneidung  der  Nn.  vagi  eben  so  wenig, 
wie  voraufgängige  Atropinisirung,  wodurch  nach  unserer  Anschauung 
die  Vagusendigungen  im  Herzen  selbst  gelähmt  werden,  das  Resultat 
der  Faradisation  ändern,  so  nimmt  V.  eine  ausschliessliche  Wirkung 
des  Stromes  auf  die  Herzmuskulatur  selbst  an.  —  Endlich  trat  dieselbe 
Symptomenreihe  auf,  wenn  nur  eine  Electrode  in's  Herz  eingestochen^ 
die  andere  aber  auf  irgend  eine  Stelle  der  Haut  aufgesetzt  wurde. 
Nur  bei  schwachen  Strömen  sind  die  erwähnten  Erscheinungen   vor- 


230  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  15 

Übergehend  und  machen  wieder  der  normalen  Herzbewegung  Platz. 
V.  hält  dafür,  dass  der  electrische  Beiz  eine  Art  Spasmus  der  Mus- 
kulatur der  Ventrikel  bedingt,  wodurch  sie  verhindert  wird,  in  regel- 
mässig coordinirter  Weise  auf  die  Hewegungsimpulse ,  welche  ihnen 
von  den  HerzgangUen  eitheilt  werden,  mit  rhythmischer  Contractiou 
zu  antworten.  Das  krampfartige  Zittern  erschöpft  wahrscheinlich 
rapide  die  Irritabilität  der  Herzmuskulatur.  Hört  dann  der  Spasmus 
auf,  so  können  die  Ventrikel  durch  den  Nervenreiz  nicht  mehr  in 
Thätigkeit  versetzt  werden,  daher  der  vollständige  und  definitive  Herz- 
stillstand. Jedenfalls  muss  die  Kenntniss  unzweifelhaft  tödtlichev 
Wirkung,  die  durch  directe  Faradisation  des  Herzens  beim  Hunde 
herbeigeführt  wird,  die  Befürchtung  erwecken,  es  möchte  dasselbe 
auch  beim  Menschen  der  Fall  sein.  Da  auch  S.  Mayer  (s.  dieses 
(ycntralbl.  1875,  No.  4]  ziemlich  zu  denselben  Resultaten  gelangt  ist, 
so  dürfte  es  bis  auf  weitere  Erfahrungen  dringend  geboten  sein,  in 
Fällen  plötzlicher  Syncope  (z.  B.  in  der  Chloroformnarkose)  von  dem 
Versuche,  durch  die  hier  und  da  gerühmte  Electropunctur  des  Herzens 
seine  Thätigkeit  wieder  zu  beleben,  vor  der  Hand  abzustehen. 

J«  Monk  (Strassburg  ifE.]. 

E.  P.  BeUien.     Zur  Lehre   vom   Brucheinklemmungsmecha- 

nismus. 

(Sitzungsberichte  der  med.  Gesellschaft  zu  Charkow  1875.  No    I.) 

Die  vom  Verf.  im  khnischen  Laboratorium  des  Ref.  bei  Wieder- 
holung der  Brucheinklemmungsversuche  von  Roser,  Husch  und 
Lossen  gewonnenen  Resultate  stimmen  in  den  Hauptpunkten  mit 
Lossen  überein.  Das  gebrauchte  Material,  die  Ausführung  der  Ver- 
suche waren  dieselben,  wie  bei  Lossen,  nur  erwiesen  sich  die  eben- 
falls bei  den  Versuchen  gebrauchten  Hundedärme  ihrer  Dicke  wegen 
nicht  sehr  geeignet. 

Betreffend  die  Streitfrage  —  ob  die  Compression  des  ausführen- 
den Schenkels  der  Darmschlinge  durch  Blähung  des  zuführenden 
Schenkels  (Lossen),  oder  die  Abknickung  des  ausführenden  Schen- 
kels am  Bande  des  Bruchringes  (B  u  s  c  h)  die  Ursache  des  Verschlusses 
sei,  spricht  sich  Verf.  entechieden  für  die  erstere  Meinung  aus : 
mehrere  seiner  Präparate  eingeklemmter  Schlingen  zeigen  am  Bruch- 
ringe gar  keine  Abknickung ;  ausserdem  ist  dieselbe  höchst  selten  eine 
vollständige  —  sich  auf  beide  Darmwände  des  ausführenden  Schen- 
kels erstreckende,  wie  sie  Busch  beschreibt;  am  häufigsten  eine 
unvollständige,  d.  h.  eine  solche,  welche  nur  die  äussere,  dem  Mesen- 
terium gegenüberliegende  Darm  wand  betrifft.  Eingeklemmte  Hunde- 
darmschlingen  zeigen  in  keinem  Falle  eine  Abknickung.  —  Der  modi- 
ficirte  Versuch  von  Busch  [Centralbl.  f.  Chir.  1S74,  No.  34,  p.  530), 
bei  dem  die  Blähung  des  zuführenden  Darmendes  dadurch  unmöglich 
gemacht  wird,  dass  die  Kanüle  der  Spritze  in  den  zuführenden  Sehen- 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.   15.  231 

kel  bis  über  den  Hnichriiig  hinaus  eingeschoben  und  hier  eingebun- 
den wird,  wurde  vom  Verf.  meistens  mit  negativem  Resultate  wieder- 
holt: sehr  selten  trat  Verschluss  der  Schlinge  ein;  geschah  er  aber, 
so  konnte  derselbe  nie  als  Folge  einer  Abknickung  betrachtet  wer- 
den. Als  Ursache  dieses  Verschlusses  erwies  es  sich,  dass  beim  Auf- 
blähen der  Schlinge  stets  das  gefaltete  Mesenterium  mit  dem  Darme 
iu  den  Bruchring  hineingezogen,  und  dadurch  das  Lumen  des  Hruch- 
ringes  derart  vermindert  wurde,  dass  der  incompressible  zuführende 
Schenkel  der  Schlinge  den  comprimirbaren  ausführenden  Schenkel 
und  das  Mesenterium  zusammeupresste,  wobei  der  ausführende  Schen- 
kel unter  ähnliche  Bedingungen  gestellt  wurde,  wie  bei  dem  Versuche 
von  Lossen.  Somit  beweist  der  Versuch  durchaus  nicht,  dass  die 
Abknickung  des  ausführenden  Darmendes  Ursache  des  Verschlusses 
sei.  Die  Gradestreckung  des  zuführenden  Schenkels  bei  seiner  Auf- 
blähung, wobei  derselbe  sich  in  die  Axe  des  Bruchringes  stellt,  er- 
schien für  das  stete  Gelingen  des  Lossen 'sehen  Versuches  sehr 
wichtig;  wurde  diese  Stellung  des  zuführenden  Schenkels  unmöglich 
gemacht,  indem  man  das  zuführende  Darmende  stark  zur  Seite  zog, 
fixirte,  und  nun  Wasser,  Luft  oder  Wachs  unter  heftigem  Druck 
einspritzte,  so  entstand  der  Verschluss  sehr  selten.  Darauf  hin  ge- 
langt Verf.  zum  Schluss,  als  Ilaupterforderniss  für  die  Entstehung 
des  Verschlusses  der  Schlinge  die  ('ompression  des  ausführenden 
Dannendes  g^en  den  oberen  Rand  des  Bruchringes  anzusehen,  be- 
dingt durch  das  geblähte,  senkrecht  zur  Ebene  des  Bruchringes  ge- 
streckte zuführende  Darmende. 

Bei   Wiederholung   der  Roser 'sehen   Versuche  gelang   es  Verf. 
nie  einen  Klappenraechanismus  hervorzubringen. 

W.  Grabe  (Charkow). 


H.  Marsh.     Herniotomie  im  Kindesalter. 

(Barth ülomew 's  Uospital-Keport  vol.  X.  p.  205.) 

Verf.  machte  bei  einem  5  Monate  alten  Knaben  wegen  einge- 
klemmten, rechtsseitigen  Leistenbruches,  nachdem  am  Tage  vorher 
die  Taxis  unter  Chloroform  erfolglos  geblieben  war,  bei  plötzlich  ein- 
getretenem Collaps  die  Herniotomie  ohne  Eröf&iung  des  Bruchsackes ; 
am  4.  Tage  erfolgte  Erysipel,  am  12.  Tod  durch  Erschöpfung.  Da 
Hemiotomieen  im  Kindesalter  relativ  selten  sind,  so  reiht  M.  hieran 
eine  Statistik  von  46  ihm  bekannt  gewordenen  Fällen,  von  denen  43 
Knaben  betrafen  und  29  im  Alter  unter  einem  Jahre  standen;  das 
jüngste  Kind  war  8  Tage  alt.  Von  44  Operirten  starben  17,  also 
37^.  Die  Hernien,  vorwiegend  rechtsseitig,  waren  39  Mal  angeboren. 
Die  Einklemmung  bestand  in  31  Fällen  20  Mal  im  Bruchsackhalse,  7 
^ial  am  äusseren,  3  Mal  am  inneren  Leistenringe,  1  Mal  an  beiden. 
In  therapeutischer  Hinsicht  warnt  M.  vor  lange  fortgesetzter  und  kräfti- 
ger T&xis  (mehrfach  fand  sich  schon  am  2.  Tage  Gangrän  des  Darmes 


232  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  15. 

vor  und  war  der  Tod  in  einigen  Fällen  nur  die  Folge  allzu  energi- 
scher Taxisversuche) ;  er  räth  nach  erfolgloser  Taxis  in  der  Narkose 
die  Operation  nicht  aufzuschieben^  bei  drohendem  Collaps  unverzüg- 
lich zu  operiren.  An  einem  weiteren  Fall  von  incarcerirter  Nabel- 
hemie  bei  einem  4  Mon.  alten  Kinde  mit  Ausgang  in  Darmfistel  nach 
Ruptur  des  Sackes^  schliesst  M.  die  Wiedergabe  von  6  in  der  Literatur 
aufgefunden  Fällen  (C.  Forster,  Gripps  Lawrence,  C.  Visick, 
Steele,  Fairbrother,  Pochhammer)  von  Nabelhernien,  die  da- 
durch entstanden  waren,  dass  das  Ileum  sich  nicht  aus  dem  Duct. 
omphalo-meser.  genügend  zurückgezogen  hatte  und  so  die  Hernien 
im  Anfangsstück  des  Nabelstranges  verblieben.  Intrauterine  Peritonitis 
scheint  durch  frühe  Anlöthungen  diese  irreduciblen  Hernien  zu  ver- 
ursachen.    Drei  der  Kinder  starben,  bei  2  entstand  Incarceration. 

Pill  (Stettin,. 

Sir  H.  Thompson.     Operative    Hülfe    bei    vorgeschrittener 

Prostata-Hyperthrophie . 

(The  Lancet  1875.     Vol.  J.     p.  3.) 

Verf.,  welcher  die  Erfolge  Th.  Pag  et 's  (Leicester)  von  Anlegung 
von  Blasenfisteln  bei  alten  impermeablen  Stricturen  kennt,  benutzt 
ein  analoges  Verfahren,  um  die  Leiden  der  mit  sehr  grosser  Vorsteher- 
drüse behafteten  Personen,  welche  16  —  24  Mal  in  24  Stunden  den 
Urin  entleeren  müssen,  und  die  Gefahren,  welche  der  häufige  Kathe- 
terismus derselben  im  Gefolge  haben  kann,  zu  beseitigen.  Zu  diesem 
Zwecke  legt  er  eine  permanente  Hlasenfistel  oberhalb  der  Symphyse 
an.  Da  bei  dem  in  Rede  stehenden  Leiden,  die  verdickte  und  ver- 
kleinerte Blase  durch  die  Prostata-Geschwulst  häufig  dislocirt  ist,  so 
wird  ein  12 — 13"  langer  metallner  Katheter  von  mittlerer  Stärke  ein- 
geführt, dessen  stark  gebogener,  nicht  zu  langer  Schnabel  quer  abge- 
schnitten ist  (also  offen],  und  welcher  ein  Stilet  birgt  mit  olivenför- 
migem  Knopfe,  der  gerade  aus  dem  Katheterschnabel  herausragend, 
denselben  schliesst.  Nachdem  auf  diesen  von  aussen  fühlbaren  Knopf 
ein  Y2"  langer  Einschnitt  gemacht  und  derselbe  bis  auf  die  Blase 
durchgeführt  ist,  wird  eine  genau  in  das  Katheterlumen  passende 
Hartkautschukröhre  mit  silbernem  Schilde  (der  Tracheotomiekanüle 
gleichend)  nach  Herausnahme  des  Stilets  in  das  Katheterende  einge- 
führt und  nun  der  Katheter  selbst  entfernt;  die  Befestigung  der  Kanüle 
geschieht  mittelst  Bänder  und  Heftpflaster.  In  Kurzem  adaptiren  sich 
die  Wandungen  der  Wunde  der  Kanüle  so  gut  an,  dass  dieselbe  be- 
hufs Reinigung  leicht  entfernt  und  wieder  eingelegt  werden  kann. 
Th.  betont  besonders  möglichste  Kleinheit  der  Wunde  und  häufige 
Reinigung  der  Kanüle. 

Die  3  von  ihm  angeführten  und  nach  dieser  Methode  operirten 
Fälle  legen  jedoch  kein  zu  beredtes  Zeugniss  für  den  Erfolg  ab.  Bei 
dem  zuerst  Operirten  schlüpfte  in  den  ersten  Tagen  die  Kanüle  her- 
aus, konnte  von  dem  Hospitalarzte  nicht  wieder   eingeführt  werden ; 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  15.  233 

Urininfiltrationen  waren  die  Folge;  nach  Vj^  Monate  starb  Pat.  an 
EntkräftuDg.  —  Der  2.  Fall  betraf  einen  Arzt,  den  Th.  1867  und 
1869  lithotomirt  hatte  und  der  jetzt  durch  häufigen  Urindrang  gequält 
wurde.  Nach  3  Wochen  erfolgte  hier  der  Tod.  —  Im  3.  Fall  endlich 
war  die  Operation  auch  nur  ein  Versuch,  die  andauernden  Hambe- 
schwerden  zu  beheben.  Nach  dem  innerhalb  14  Tage  erfolgten  Tode 
an  Erschöpfung  eigab  die  Section  den  sehr  seltenen  Befund  eines 
Carcinonis  der  Prostata.  Pili  (Stettin). 


W.  Mitchell.     ()n  the  spasmodic  diseases  of  stumps. 

(Philadelphia  med.  Times  1875.  No.  172.  p.  305.) 

Mau  hat  nach  M.  an  den  Amputationsstümpfen  folgende  Motili- 
tätsstörungen zu  unterscheiden. 

Erstens  eine  Art  Chorea^  bei  welcher  das  Glied  in  beständiger, 
meist  sehr  heftiger  Bewegung  sich  befindet.  Dann  Zuckungen  in 
den  bei  der  Amputation  durchschnittenen  Muskelgruppen,  die  meist 
periodisch  auftreten,  aber  auch  dauernd  anhalten  können  und  sehr 
häufig  mit  Schmerz-  und  Krampfempfindungen  an  den  durch  die 
Operation  entfernten  Theilen  einhergehen.  Curven,  welche  von  in- 
telligenten, an  dieser  Krankheit  leidenden  Patienten  entworfen  wurden 
und  welche  die  thermometrischen,  baro-  xmd  hygrometrischen  Ver- 
hältnisse der  Luft  berücksichtigen,  beweisen  unwiderleglich  eine  Ver- 
schlechterung der  Zufälle  bei  herannahenden,  Regen  bringenden  Ost- 
winden  (für  Amerika,  Ref.). 

Sehr  selten  sind  Zuckungen  in  von  dem  amputirten  Gliede  etwas 
entfernt  liegenden  und  durch  das  Messer  nicht  direct  beschädigten 
Muskelgruppen.  Sie  pflegen  sich  in  der  Form  äusserst  schmerzhaf- 
ter, 3 — 4  Mal  am  Tage  auftretender  tonischer  Contractionen  zu  zeigen. 

Zu  erwähnen  wäre  noch,  dass  in  einzelnen  Fällen  von  Myelitis, 
Spinalsclerose  und  Hysterie,  das  amputirte  Glied  von  heftigen  con- 
vulsivischen  Bewegungen  befallen  wird,  welche  unter  Umständen  auch 
auf  entferntere  Körpertheile  überspringen.  Auch  diese  Zustände  kön- 
nen spontan  oder  nach  Traumen   sich  entwickeln. 

Beispiele:  Ein  Sergeant,  der  seit  dem  3.  Monat  nach  der  Ampu- 
tation des  Oberschenkels  an  Zuckungen  und  excentrischen  Schmerzen 
leidet,  fällt  6  Monate  später  auf  den  Stumpf.  Wenige  Tage  danach 
Convulsionen  in  den  Flexoren  und  Extensoren,  die  anfänglich  nur  5 
Minuten  dauern,  aber  in  der  Folge  an  Intensität  und  Dauer  zunehmen 
und  schliesslich  sich  mit  Zuckungen  im  Fectoralis  major  vergesell- 
schaften.   Dabei  keine  cerebralen  Symptome.  — 

Bei  einem  50jähx.  Herren  entwickeln  sich  nach  der  Vorderarm- 
amputation zunächst  excentrische  Schmerzen  in  der  Hand.  6  Wochen 
später  periodische  Krämpfe  im  Stumpf,  dann  nach  einander  im  Ober- 
arm, Deltoideus,  Fectoralis,  Trapezius  und  Kopfhicker  derselben  Seite. 

Wllh.  Kooll  (Berlin). 


234  Oentralblatt  ittr  Chirurgie.     No.  15. 

Marshall.     Neue  Operationsmethode  bei  varicösen  Venen. 

(British  med.  Journal  1875.  p.  104.} 

Nach  Darlegung  der  verschiedenen  angewandten  Methoden  und 
der  damit  verbundenen  Gefahren  stellt  M.  einen  29jähr.  Mann  vor, 
der  seit  dem  16.  Jahre  an  linkseitigen  Krampfadem  litt,  w^elche  spä- 
ter auch  am  rechten  Beine  auftraten;  die  bedeutende  Zunahme  und 
Schmerzhaftigkeit  hinderten  ihn  an  der  Arbeit  und  machten  einen 
operativen  Eingriff  wünschenswerth.  M.  wollte  die  v.  Gräfe'^che 
Spaltung  der  Vene  machen,  deren  Gefährlichkeit  er  durch  Esmarch's 
Bandage  und  Listcr'sche  antiseptische  Methode  vorzubeugen  hoffte. 
Eine  6"  lange  Linie  bezeichnete  den  Verlauf  des  Gefässes,  dessen 
Varicositäten  hauptsächUch  unter  dem  Kniegelenk  lagen;  nach  An- 
legung der  Esmarch'schen  Bandage  wurde  je  eine  Hasenscharten- 
Nadel  an  den  Endi)uncten  der  Linie  unter  die  Vene  durch  die  Weich- 
theile  geführt  und  durch  eine  umschlungene  Naht  befestigt ;  als  wei- 
terhin die  Vene  9"  lang  gespalten  war,  überlegte  M.,  dass  es  fiir  den 
Heilungsprocess  erspriesslicher  sein  würde,  das  Venen  stück  ganz  zu 
entfernen  und  trennte  nun  die  Vene  in  der  Nähe  der  Nadeln  quer 
durch  und  von  den  wenigen  abgehenden  Seitenästen  ab;  drei  weitere 
umschlungene  Ligaturen  wurden  noch,  oberhalb  der  Operationswunde, 
an  der  Saphena,  wo  sie  am  Oberschenkel  verläuft,  angelegt.  Unter 
antiseptischem  Verbände  heilte  die  Operationswunde  per  primam ;  ein 
Erysipel  von  den  höher  hinauf  angelegten,  umschlungenen  Nähten 
ausgehend,  hielt  Pat.  noch  einige  Zeit  im  Spitale.  Die  Saphena  des 
Unterschenkels  war  bis  zum  Fussgelenk  obliterirt,  die  Schmerzen 
gänzlich  geschwunden  und  das  gute  Aussehen  des  linken  Beines  con- 
trastirte  jetzt  auffallend  mit  dem  rechten,  das  doch  nur  wenig  afficirt 
war.  Nach  dieser  Erfahrung  (die  leider  vereinzelt  dasteht,  Ref.) 
will  M.  in  Zukunft  der  einfachen  Ausschneidung  eines  möglichst 
grossen  Venenstücks  gegenüber  den  Bell 'sehen  zahlreichen,  kleinen 
Excisionen,  aber  unter  Esmarch'schen  und  Lister'schen  Vorsichts- 
massregeln den  Vorzug  geben.  Pilz  (Stettin). 

Ä  Bigelow  (Boston).    Bau  und  Pathologie  des  wahren  Schen- 
kelhalses. 

(The  Boston  med.  and  surg-  Journal  1875.  p.  1  u.  28  ff.) 

Nachdem  Verf.  gegenüber  den  Arbeiten  von  Meyer,  Wolff 
und  Merkel  über  Structur  der  Knochen,  speciell  des  Oberschenkels, 
die  'fhatsache  geltend  gemacht  hat,  dass  schon  Wyman  1850  in  einer 
ausführlichen  Arbeit  (Boston  Journal  of  Natur.  History  1850,  Vol.  6, 
p.  125)  die  mechanischen  Einrichtungen  der  Knochenstnictur  darge- 
legt hat,  wendet  er  sich  speciell  gegen  Mcrkel's  Abhandlung  (cf. 
('entralbl.  f.  Chir.  1874,  p.  52),  indem  er  nachzuweisen  sucht,  dass 
der   von    ihm    1869   beschriebene  und    abgebildete  untere  Theil   des 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  15.  235 

Sdienkelhalsei^,  >  »wahrer  Schenkelhals^  true  neck«)*  identisch  ist  mit  dem 
von  Merkel  sogenannten  »Schenkel sporn«,  wie  es  letzterer  selbst 
zugiebt.  Was  aber  die  von  Merkel  aufgestellte  Hypothese  betrifft, 
dass  in  diesem  Schenkelsporn  die  ganze  Zug-  und  Haltkraft  con- 
centrirt  sei,  so  halt  er  diese  mit  Wolff,  welcher  sie  nach  der  be- 
kannten Cul  mann 'scheu  Rechnung  für  irrthümlich  erklärt,  für  falsch, 
und  erklärt  nach  Darlegung  der  Structur,  für  welche  auf's  Original 
verwiesen  werden  muss,  dass  der  »wahre  Hals«,  wie  es  auch  Merkel'» 
Figuren  zeigen,  im  besten  Falle  einen  schwachen  Versuch  darstelle, 
den  Zwischenraum  unter  den  beiden  Rollhügeln  zu  überbrücken. 
Im  späteren  Lebensalter  degenerirt  derselbe  und  ändert  sich  in  papier- 
dünne  Plättchen  um^  die  von  einem  dem  kleinen  Kollhügel  näher 
gel^euem  Punkte  nach  abwärts  radieuartig  ausstrahlen.  Diese 
Schwäche  im  Bau  des  »wahren  Halses«  und  seine  schwache  Verbin- 
dung mit  der  linea  intertrochantcrica  macht  ihn  berücksichtigenswerth 
für  den  Chirurgen,  da  gerade  im  Alter  wegen  seiner  schwachen  Aus- 
bildung so  häufig  die  Fractur  der  Hasis  des  Halses  mit  Einkeilung 
an  der  hinteren  lin.  intertroch.  zu  Stande  kommt,  in  der  That  die 
häufigste  von  allen  Fracturcn  des  Schenkelhalses. 

Bei  ihr  wird  nur  die  hintere  Fläche  an  der  hinteren  lin.  inter- 
troch. eingekeilt  —  woselbst  der  Knochen  sehr  dünn  — ,  indem  sie 
den  »wahren  Hals«  oder  dessen  Residuum  weiter  unter  die  Trochanteren 
treibt  und  diese  bisweilen  ablöst;  die  vordere  viel  compactere  lin. 
intertroch.  widersteht.  Die  eingekeilte  Schenkelkopf-Fractur  ist  von  je- 
ner im  Leben  schwer  oder  gar  nicht  zu  unterscheiden.  In  den  3  von  B. 
beobachteten  Fällen  bestand,  auch  wie  bei  jener,  Verkürzung,  Beschrän- 
kung der  Auswärtsrollung,  aber  die  Fälligkeit,  das  Bein  zu  bewegen. 
Noch  seltener  ist  die  eingekeilte  Fractur  der  ganzen  Basis  des  Halses.  — 
Der  kurze  Passus  über  die  nicht  eingekeilten  Fracturen  des  Halses  bietet 
nur  das  Eigenthümliche,  dass  B.  die  Differenzirung  »innerhalb  und 
ausserhalb  ^^r  Kapsel«  in  Frage  stellt  und  als  zulässige  Schemati- 
sirungen  überhaupt  nur  eingekeilte  und  nicht  eingekeilte  Fracturen 
zulassen  will.  Pilz  (Stettin). 


V.  Nussbaum.     Ueber   die   Behandlung   unglücklicher  Vor- 
kommnisse nach  einfachen  und  complicirten  Beinbrüchen,  ins- 
besondere über  Knochentransplantution. 

(Aerztl.  Intelligenz-Blatt  1875.  No.  S.) 

N.  bespricht  in  einem  im  Münchener  ärztlichen  Bezirksvereine 
gehaltenen  Vortrage  einige  Arten  der  sog.  schlecht  geheilten  Frac- 
turen, namentlich  die  Heilung  mit  Pseudarthrose  und  deren  Behand- 
lung. Für  diejenigen  Fälle,  in  denen  infolge  von  ausgedehntem  Kno- 
chendefect  die  Bruchenden  weit  von  einander  abstehen  und  blos  eine 
ligamentöse  Verbindung  besitzen,   bringt  N.  die  Transplantation  eines 


236  Ccntralblatt  für  Chirurgie.     No.  15. 

Kuochenstückes  von*  dem  einen  Bruchende  an  die  Stelle  des  Defectes 
in  Vorschlag,  die  er  in  einem  Falle  mit  Erfolg  ausgeführt  hat.  Es 
handelte  sich  bei  einem  Offizier  um  eine  geheilte  Schussfractur  der 
Mitte  der  UIna  mit  ausgedehnter  Splitterung,  bei  der  nach  nekroti- 
scher Äusstossung  der  Splitter  die  Heilung  mit  Pseudarthrose  in  der 
Art  eingetreten  war,  dass  die  Bruchenden  5  Cm.  weit  von  einander 
abstanden  und  nur  durch  einen  schwachen  ligamentösen  Strang  ver- 
bunden waren.  Trotz  der  Integrität  des  Radius  war  die  abnorme 
Beweglichkeit  und  Functionsstörung  sehr  bedeutend.  Die  Operation 
wurde  in  der  Weise  ausgeführt,  dass  nach  Blosslegung  der  Bruch- 
stelle und  Excision  des  intermediären  Verbindungsstranges"  ein  5  Cm. 
langes  Knochenstück  aus  der  halben  Dicke  des  oberen  Brucheudes 
der  Ulna  mit  Säge  und  Meissel  abgetrennt  wurde^  welches  nur  noch 
durch  eine  Periostbrücke  mit  der  Spitze  des  Fragmentes  in  Zusam- 
menhang blieb;  dasselbe  wurde  nach  abwärts  in  die  Lücke  herabge- 
schlagen, die  Wunde  vernäht  und  ein  gefensterter  Gypsverband  ange- 
legt. Der  Verlauf  nach  der  Operation  war  günstig,  die  Wunde  schloss 
sich  nach  einigen  Wochen,  nachdem  ein  kleiner  Sequester,  welcher 
nur  etwa  Vio  des  transplantirten  Kuochenstückes  ausmachte,  sich  aus- 
gestossen  hatte;  »das  transplantirte  Knochenstück  war  eingeheilt  und 
deutlich  zu  fühlen«  und  später  auch  »die  Festigkeit  der  nun  ununter- 
brochenen Ulna  deutlich  zu  constatiren«.  Nach  Y2  Jsihr  war  die  Func- 
tionsfahigkeit  des  Armes  so  weit  wiederhergestellt,  dass  der  Offizier 
für  den  Felddienst  tauglich  erklärt  wurde. 

Am  Schlüsse  seines  Vortrages  bespricht  N.  die  Operationsver- 
fahren zur  Geraderichtung  der  mit  winkelförmiger  DifFormität  geheil- 
ten Fractureu  und  empfiehlt  hierbei  folgende,  dem  v.  Lange nbeck'- 
schen  Verfahren  mittelst  der  Stichsäge  nachgebildete  Technik:  nach 
einem  kleinen  Einschnitte  auf  die  Bruchstelle  wird  mit  einem  feinen 
Meissel  Dreivierttheil  der  Dicke  des  Knochens  durchtrennt  und  nach 
der  Heilung  der  äusseren  Wunde  die  Knochonbriicke  vollends  zer- 
brochen. Der  Trennung  mit  dem  Meissel  wird  der  Vorzug  vor  der 
Durchsägung  mit  der  Stichsäge  gegeben^  weil  bei  ersterer  keine  Säge- 
spähne  in  der  Wunde  zurückbleiben.  P.  Bruns  (Tabingen). 


K«  Störk  (Wien).     Die   chronische   Blennorhoe  der  Nasen-, 
Kehlkopf-  und  Luftröhrenschleimhaut  in   ihrem  Vorkommen 

in  Galizien,  Polen  und  Bessarabien. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1874.  No.  48.) 

Verf.  beschreibt  eine  während  einer  Zeit  von  ,1 0  Jahren  beobachtete 
Erkrankungsform,  welche  er  für  einen  pathologischen  Process  soi 
generis  erklärt.  Der  Ort,  von  welchem  die  infectiöse  Erkrankung 
ausgeht,  ist  die  Nasenschleimhaut;  von  dort  geht  dieselbe  durch  die 
Choanen  und  den  Pharynx  zum  Larynx  und  in  die  Trachea.    Die  in 


Centralblatt  fQr  Chiruigie.    No.  15.  237 

der  Ueberschrift  ang^ebenen  Gegenden  liefern  das  Krankenmaterial. 
Die  Krankheit  hat  Aehnlichkeit  mit  Ozaena  specifigcher^  hereditärer 
Art,  doch  hat  sich  nie  ein  anderes  syphilitisches  Symptom  damit  ver- 
banden gezeigt  und  ist  deshalb^  wie  aus  therapeutischen  Beobachtun- 
gen sich  ergiebt,  Lues  durchaus  auszuschliessen.  Die  meisten  Patienten 
gehören  der  ärmeren  (Hasse  an,  bei  welcher  Reinlichkeit  vernachlässigt 
worden.  Bei  Secretion  eines  eitrigen  grüngelben  Schleimes  aus  der  Nase 
ist  die  Mucosa  selbst  anämisch  und  grüngelb  verfärbt.  Mit  Ausbrei- 
tung des  Schleimes  nach  dem  Bachen  geht  die  weitere  Erkrankung 
der  Schleimhaut  vor  sich^  ohne  aber,  wie  bei  der  Ozaena,  Ulceration 
zu  bewirken;  nur  am  vorderen  Winkel  der  Glottis  kommt  es  zu  ober- 
flächlicher Erosion;  ihr  folgt  Schwellung,  bindegewebige  Wucherung 
und  Verschmelzung  der  Stimmbänder,  so  dass  oft  nur  eine  kleine 
halbmondförmige  Oefifhung  vor  den  Arytaenoidknorpeln  bleibt.  Heiser- 
keit und  Athemnoth  sind  die  Folgen  und  verstärken  sich  um  so  mehr, 
je  stärker  die  Trachea  in  den  Process  mit  hineingezogen  wird.  Das 
Lumen  derselben  wird  entweder  mehr  gleichförmig  verengt,  oder  es 
bilden  sich  Stränge  und  diaphragmenartige  Membranen.  Auch  die 
Trachealknorpel  verschmelzen  und  ossificiren  zum  Theil.  Die  Be- 
handlung ist  örtlich ;  Adstriugentien,  Salz-  und  Sodalösuugen  sind  ein- 
zuschnaufen  und  in  die  Nase  zu  irrigiren,  dazwischen  Aetzungen  vor- 
zunehmen. Die  Membranen  im  Larynx  müssen  operativ  behandelt 
werden.  Es  kann  Tracheotomie  indicirt  sein,  deren  Erfolg  bei  weit 
fortgeschrittener  Erkrankung  jedoch  problematisch  ist. 

Eine  betreffende  Krankengeschichte  illustrirt  die  Mittheilimg. 

?.  Mosengell  (Bonn). 

O.  LaWBon.     Verletzung  des  Sehnerven. 

(The  Lancet  1875.  Vol.  1.  p.  13.) 

Diese  seltene  Verletzung  betraf  einen  27jähr.  Mann,  welcher  in 
einem  Streite  mit  einem  Taschenmesser  gestochen  wurde.  Die  Wunde 
betraf  das  obere  AugenUd  nahe  am  äusseren  Winkel  und  den  Seh- 
nerven ohne  weitere  Verletzung  des  Augapfels;  Pat.  verlor  auf  diesem 
bisher  guten  Auge  sogleich  das  Sehvermögen.  Die  Pupille,  etwas 
dilatirt,  war  reactionslos ;  die  Opticus- Scheibe  etwas  weisser  als  in 
dem  aiideren  Auge,  die  Arterien  fadenförmig;  die  durchsichtigen 
Medieen  normal.  Innerhalb  3  Monate  bildete  sich  eine  vollständige 
Atrophie  des  Sehnervens  aus.  Pili  (Stettin). 


Kleinere  Mittheilungen. 

W.  Kondireff.     Hehandlung  des  Erysipels  mit  eiskalten  Compressen. 

[Moskauer  med.  Zeitung  1874.  No.  50.) 
Der  Verlauf  der  Krankheit  wurde  durch  obige  Behandlung  nicht  abgekünt; 
er  dauerte  wie  auch  bei  allen  andern  Behandlungsweisen  durchschnittlich  9Vs  Tage ; 
auf  die  Temperatur,  sowie  den  Typus  des  Fieberzustandes  hatte  die  Behandlung 


238  Centralblatt  fnr  Chirurgie.     No.  15. 

ebenfaUa  gar  keinen  Einfluss.     Trotzdem  bevorsugt  Verf.   obige  Behandlung  vor 
allen  anderen  wegen  der  Einfachheit  und  Reinlichkeit  in  der  Anwendung. 

Yf.  Grabe  (Charkow). 
E.  Krasnogliadow.     Tetanus  traumaticus. 

(Sitzungsberichte  der  kaifierl.  med.  Gesellschaft  im  Kaukasus  1874.  No.  13.  p.  l^$b.} 

Bei  einem  Soldaten  mit  einer  Schusswunde  des  Tibio-Tarsalgelenkes  mit  Zer- 
splitterung der  hinteren  und  äusseren  Theile  des  Calcaneus,  Astragalus  und  des 
Malleolus  externus  entwickelte  sich  am  13.  Tage  nach  der  Verletzung  Trismus  und 
ConTulsionen  in  der  verletzten  Extremität,  darauf  ausgesprochener  Tetanus.  Durch 
Darreichung  von  Chloralhydrat  wurden  die  Krämpfe  öfters  um  Vieles  erleichtert, 
manchmal  gänzlich  aufgehoben.  Vom  Beginn  des  Tetanus  an  markirte  sich  am 
meisten  ein  sehr  erhöliter  Seitendruck  in  den  Ge fassen,  bei  einem  Pulse  von  HO- 
MO und  Temperaturschwankung  von  38,2 — 10, 3**^  Tod  am  0.  Tage  nach  Auftritt 
der  eraten  Symptome  des  Tetanus;  unmittelbar  nach  dem  Tode  Temperatur  4o,3^C. 

Die  Section  erwies:  Hyperämie  und  Leichtes  Oedem  des  Gehirns;  an  der  Ge- 
hirnbasis bliitig-fleröses  Exsudat,  starke  Gefässinjection ;  in  den  Ventrikeln  dasselbe 
Exsudat  in  geringerer  Quantität.  Lungen  stark  hyperämisch,  in  den  vorderen  Thei- 
len  Emphysem.  Leber,  Milz  hyperämirt.  Ein  ausgeschnittenes  Stück  des^'  der 
Wunde  angehörenden  N.  tibialis  war  in  seinen  unteren  Theilen  hyperämi.<ich,  hell- 
roth  gefärbt.  —  Gestützt  auf  diese  Beobachtung  empfiehlt  Verf.  bei  Behandlung  des 
Tetanus  auf  den  gesteigerten  Seitendruck  in  den  Gefässen  Rücksicht  zu  nehmen 
und  denselben,  sowie  die  gesteigerte  Temperatur  mittelst  Er;;otin  zu  bekämpfen  (?/. 

W.  Grobe  (Charkow). 
Death  following  rhinoplastic  Operations. 

(New  York  med.  Journ.  Bd.  XXT.  p.    14.) 

Eine  durch  Trauma  verlorene  Nase  wurde  mit  Hülfe  eines  Stirnlappens  neu 
gebildet  (Belle vue-Hospital,  New-York).  Nach  2  oder  3  Wochen  ^nirde  der  Stiel 
des  Lappens  durchschnitten  und  ein  kleines  Stück  aus  letzterem  exstir])irt.  7  Tage 
nach  dieser  zweiten  Operation  Convulsionen,  24  Stunden  später  Tod.  Das  Periost 
im  Grunde  der  Excisionswunde  abgelöst,  dura  mater  verdickt  und  an  Hirn  und 
Schädel  adhärent,  Abscess,  Thrombose  des  sinus  longitudinalis. 

In  demselben  Hospital  waren  früher  bereits  2  Todesfälle  nabh  derselben  Ope- 
ration beobachtet  worden.  Beide  Mal  fand  sich  Thrombose  des  oberen  Theiles  de» 
sinus  longitudinalis.  Madelung  (Bonn  . 

Hears.     Treati^ment  of  cystic  goitre. 

(Philadelphia  med.  Times  1874.  No.  147.  p.  741.) 
In  den  Cystenkropf  einer  28jähr.  Dame  wird  nach  vorausgegangener  Punction 
mit  einem  feinen  Trokart  eine  Drachme  Liquor  ferri  injicirt  und  dort  sammt  dem 
Instrument  4  Tage  belassen.  Am  fünften  Tage  Zeichen  von  Entzündung  und 
Eiterung.  Application  von  warmen  Umschlägen,  während  die  PunctionsöfTnung 
durch  die  Sonde  offen  erhalten  wird.  Innerhalb  l»  Wochen  Heilung  unter  be- 
trächtlicher Verkleinerung  des  Kropfes.  Macke  nzie  (Lancet  11.  Mai  IS72) 
behandelte  in  dieser  Weise  08  Fälle  von  Cystenkropf  und  19  dieser  Varietät  nahe 
stehende  Formen.  WUh.  Ko^'h  (Berlin). 

Ij.  Wissniewski   (Krakau) :    Ein  Beitrag  zur  Kasuistik  der  Perichou- 

dritis  laryngea  nach  Variola. 
(Przegl})d  lekarski  1874.  No.  41  und  42.  polnisch.) 
Ein  4jähr.  Mädchen  kam  Ende  April  1874  ins  Spital  mit  Variola,  an  der  es 
seit  2  Wochen  erkrankt  war  und  zeigte  zugleich  eine  geringe  Heiserkeit,  die 
jeden  Tag  zunahm;  am  8.  Mai  trat  Laryngostenose  auf,  die  nach  zwei  Tagen  so 
stark  wurde,  dass  man  Croup  in  Verdacht  hatte  und  sogleich  eine  Crico>Tracheo- 
tomie  vornahm.  Nach  Einführung  der  Kanüle  winl  das  Kind  aaphyk tisch,  erholt 
sich  nach  energischen  WiederbelebungiverRUchen  ziemlich  schnell,  verschied  aber 
am  3.  Tage  nach  der  Operation  plötzlich.  -•  Die  Section  ergab  ein  bedeutendes  puru- 


Centralblatt  für  Cbinirgie.    No.  15.  239 

lentes  Pleuraexiudat,  das  die  Lunge  oomprimirte ,  nebenbei  Nekrose  def  CartUago 
criooidea  und  einen  Sinus,  der  gegen  den  Oesophagus  gerichtet,  aber  nur  gegen 
die  Trachea  offen  war.  ObaUnskl  (Krakau). 

Salomon.    Schnelle  Heilung  einer  schweren  acuten  Rückenmarksaffec- 

tion  unter  Anwendung  des  Glüheisens. 
Correspondenzblatt  der  ärztl.  Vereine  in  Rheinland  etc.  etc.  1875.  Januar,  p.  15.) 
Ein  24jähr.,  sehr  kräftiges  Mädchen  erkrankt  unter  unbedeutendem  Fieber  und 
gastrischen  Symptomen  nach  schwerer  Mausarbeit  und  öfterem  Gehen  mit  blossen 
Strumpfen  durch  feuchte  Zimmer.  Binnen  4  Tagen  entwickelt  sich  vollständige, 
von  unten  nach  oben  fortschreitende  Lähmung  und  vollständige  Anästhesie  an  Ex- 
tremitäten, Rumpf,  Hals,  Nacken,  Gesicht  etc.  Nur  die  Thätigkeit  der  Athmungs- 
mnskeln  ist  unverändert.  Application  von  20  Schröpf  köpfen  nutzlos.  Am  4.  Tage 
werden  mit  dem  GlQheisen  vom  7.  Halswirbel  bis  zum  10.  Brustwirbel  zu  beiden 
Seiten  der  Wirbelsäule  tief  in  das  Gewebe  eindringende  Streifen  gezogen.  Die 
psychisch  klare  Pat.  hat  nicht  die  mindeste  Empfindung  davon.  Nach  2  Stunden 
plötzlich  eintretende  Empfindung  von  heftigen  Schmerzen  an  den  Brandstellen. 
Spontane  Urinentleerung.  Rückkehr  der  Motilität  an  den  Armen  bis  zur  leichten 
Elevation  derselben  und  schwachem  Schluss  der  Hand.  Deutliche  Rückkehr  des 
Gefühls  im  Gesicht  und  an  der  Hand.  Rasch  fortschreitende  Besserung  aller  Sym- 
ptome, während  die  cauterisirten  Streifen  in  Eiterung  erhalten  werden,  so  dass  10 
Tage  nach  dem  Brennen  der  erste  Gehversuch  gemacht  werden  kann ;  nach  weite- 
ren 5  Tagen  wird  die  völlige  Heilung  constatirt.  Bemerkungen  über  Natur  der 
Krankheit  und  Geschichte  des  Operationsverfabrens  siehe  im  Original. 

Ml^delnng  (Bonn). 
J.  Hutchinson.     Glücklicher  Haucbschnitt  bei  Invagmation. 

(Lond.  med.  &  chir.  Transact.  1874.  p.  31.) 
Die  Beobachtung  betraf  ein  2jähr.  Mädchen,  bei  dem  zur  Zeit  an  der  durch 
den  After  hervorgetretenen  Invagination  deutlich  die  Valvula  Bauhini  erkannt  werden 
konnte.  Da  der  Verlauf  ein  chronischer  war  (über  1  Monat),  und  das  Kind  sehr 
elend  aussah,  so  machte  H.,  nach  Misslingen  von  Wasserinjectionen  in  der  Nar- 
kose sogleich  die  J^parotomie,  die  ohne  jede  Schwierigkeit  verlief;  die  Invagina- 
tion Hess  sich  leicht  heben,  schon  nach  3  Minuten  konnte  die  Bauchwunde  ge- 
schlossen werden;  die  Heilung  erfolgte  ohne  Zwischenfall.  Wegen  der  vom  Verf. 
an  den  Fall  geknüpften,  sehr  interessanten  Bemerkungen  über  I)iagnostik  der  In- 
vagination, Mortalität  bei  derselben  und  die  operativen  Indicationen,  muss  auf  das 
Original  vemiesen  werden.  (Cf.  Ashhurst,  The  American  Journ.  for  med.  sc. 
1774,  Juli,  ref.  im  Centralbl.  für  Chir.  1874  p.  460).  Pili  (Stettin;. 

Hull.     A  case  of  diaphragmatic  hemia. 

{Philadelphia  med.  Times  1874.  No.  157.  p.  69.) 

Stichwunden  durch  den  Knorpel  der  linken  8.  Rippe  und  durch  das  Zwerch> 
feil  etwas  links  von  der  Oesophagusöffnung  —  letztere  Wunde  1^'4  Zoll  lang.  Wieder- 
holte Anfälle  von  Kolik;  Tod  in  einem  derselben,  8  Monate  nach  der  Verletzung. 

Section.  Ein  Theil  des  Dünn-  und  Dickdarms  brandig.  Zwerchfell bruch, 
eine  Schlinge  des  Colon  transversum  einschlicssend,  welche  mit  dem  unteren  Lun- 
genlappen fest  verwachsen  war.  WUh.  Koch  (Berlin). 

Dösonneanz.     Hydroc^le.  —  Caut^risation  au  ni träte  d^argent. 

(Revue  de  th^rapeutique  m6d.  chirurg.  1875.  No.  4.) 
Hodenwasserbrüche  hat  D.  im  Hospital  Necker  (Paris)  seit  Jahren  durch  directe 
Aetzung  mittelst  Lapis  zur  Heilung  gebracht.  Er  führt  nach  erfolgter  Function 
mit  Hülfe  des  Trokarts  einen  Mandrin,  der  an  der  Spitze  einen  Höllenstein- 
stift trägt,  und  bestreicht  damit  die  Tunica  vaginalis  an  verschiedenen  Stellen.  Die 
reactive  Entzündung  ist  prompt,  der  Schmerz  angeblich  nicht  so  bedeutend  und 
der  ganze  Eingriff  ungefährlich.  D.  zieht  diese  Methode  der  Jodinjection  vor. 
Auch  Maisonneuve  u.  A.  sollen  ähnlich  verfahren.         Am.  Hiller  (Berlin). 


240  Centralblatt  für  Chirurgie«    Ko.  15. 

J.  Q.  Kerr.     Hypertrophy  of  corpora  cavemosa. 

(Philadelphia  med.  Times  1875.  No.  107.  p.  229.) 

Kin  33jahr.  Chinese  bemerkt  seit  seinem  6.  Jahre  eine  stetig  lunehmende  Ver- 
grösserung  des  Penis.  Derselbe  hat  bei  der  Aufnahme  des  Kranken  in's  Hospital 
einen  Durchmesser  von  3V2~-4  Zoll.  Dabei  war  die  Haut  und  das  Unteihautge- 
webe  hier  wie  am  Scrotum  normal. 

Nach  einer  Incision  durch  die  Haut  erscheinen  die  corpora  cavemosa  hyper- 
trophirt  und  sclerosirt.  Ein  beträchtlicher  Theil  derselben  wird  unter  erheblicher 
Blutung  exstirpirt;  aber  nicht  mikroskopisch  untersucht. 

Willi.  Koch  (Berlin). 
Sydney  Jones.     Hypertrophie  des  Kniees. 

(London  pathol.  Soc.    Jan.  19.     British  med.  Journal  1875.  Vol.  1.  p.  143.) 

Nach  einer  5j&hr.  Kniegelenkseiterung  war  das  kranke  Bein  IV2"  länger  ge- 
worden als  das  gesunde,  durch  starke  Längenzunahme  sowohl  des  Femur,  wie  der 
Tibia.  Pili  (Stettin). 

Qnyot.     Quelques  consid^rations  sur  la  d^sarticulation  tarso-m^tatar- 
sienne:    comparaison  du  proced^  de  Lisfranc  et  du  procid6  de  Mar- 

celiu  Duval. 

(Th^se,  Paris,  1874.) 

Das  Duval'sche  Verfahren  zur  Exarticulation  zwischen  Tarsus  und  Metatarsua 
unterscheidet  sich  vom  Lisfranc 'sehen  wesentlich  darin,  dass  zunächst  ein  Plan- 
tarlappen von  aussen  nach  innen  geschnitten  wird;  man  trennt  gleich  darauf  die 
Sehne  des  M.  peronaeus  longus  und  das  innere  Zwischenknochenband  und  öffnet 
von  unten  das  Oolenk  des  ersten  Mittelfussknochen.  Nun  wird  ein  Dorsallappen 
abpräparirt,  der  etwa  3  Cm.  oberhalb  der  Zehenwurzeln  verläuft  und  hierauf  die 
Exarticulation  vollendet.  Dieses  Vei fahren  soll  leichter  auszuführen  sein  als  das 
andere.  Verf.  theilt  11  Fälle  mit  [9  geh.,  2  Erfolg  unbekannt  (?)],  in  welchen  Du- 
val's  Methode  zur  Anwendung  kam. 

Oirard  (Strassburg  i/£.). 

F.  A.  Humphry«     Auslösung  des  Calcaneus  und  Astragalus. 

(Bartholmew's  Hosp.  Rep.  Vol  X.  p.377.) 

Vorliegender  Fall  ist  weniger  seiner  Seltenheit  wegen,  —  allerdings  nicht  wie 
H.  glaubte,  der  erste  dieser  Art,  denn  u.  A.  hat  Bardeleben  diese  Excision 
gemacht,  —  als  vielmehr  seines  ausserordentlichen,  kaum  für  wahrscheinlich  gehal- 
tenen Heilresultates  wegen  von  Interesse  und  fordert  entschieden  auf,  in  den  nicht 
seltenen  Fällen  von  Caries  dieser  beiden  Knochen  im  Kindesalter,  nicht  wie  bis- 
her die  Amputation  zu  machen,  sondern  die  Auslösung  der  in  Rede  stehenden 
Knochen  zu  versuchen. 

Der  Fall  selbst  betrifft  einen  9jähr.  Knaben,  welcher  nach  Trauma  eine  sich  nicht 
schliessen  wollende  Abscedirung  der  Ferse  bekam.  Nachdem  durch  2malige  Entfer- 
nung des  erkrankten  Knochens  keine  Heilung  erzielt  war,  wurde  die  Entfernung  des 
erkrankten  Calcaneus  beschlossen.  Da  aber  der  Astragalus  sich  ebenfalls  erkrankt 
erwies,  so  entfernte  ihn  H.  ebenfalls.  In  den  ersten  3  Wochen  rückte  der  Fuss 
oft  nach  hinten;  jetzt  3  Monate  nach  der  Excision  steht  der  platte,  hinten  brei- 
tere Fuss  gut  im  rechten  Winkel,  ist  gut  beweglich,  die  Fersengegend  durch  feste 
Masse  ausgefüllt ;  die  Verkürzung  des  Unterschenkels  beträgt  1  ^Jj*,  die  des  Fusses, 
von  den  Zehen  bis  zur  Hacke,  \^U'.  Pils  (Stettin). 

Originalmittheilnngen,  Monogrsphieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TillmaniMy  Leipzig,  Marlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlniig, 
ßffUkopf  und  HärUlj  einsenden. 


Draek  nnd  Vitrlag  Yon  Br«iikopf  and  Hlrtal  in  Leipzig. 


Gentralblatt 


ftr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOB 

Dr.  l.  Leser,  Dr.  l  ScMe.  Dr.  E  TUlnamis 

iB  Berlin.  in  Halle  a.  8.  In  Leipsig. 


Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


H^  16.  Sonnabend,  den  17.  ApriL  1875. 


Inhalt:  Hazzeni,  Bericht.  —  Chauvel,  InsenBlblliat  nach  Esmarch'scher  Compression. 
—  Br«ulbeat|  Anwendung  des  Phosphor  gegen  Nearalgieen.  —  Klelntchmldt,  Puerpe- 
rale Pyaemie.  —  Bttek,  Krankheiten  des  Warzenfortsatzes.  —  Annaiidale,  Fremdkörper 
im  Larynx.  ^  Krithaliery  Fremdkörper  im  Oesophagus.  —  La  DantH,  Besondere  Form 
der  Mastitis.  —  Capparelli,  Duodenalgeschwür  bei  Verbrennungen.  —  Bryaat,  Zur 
Diagnose  yon  Hüftgelenksverletzungen.  >-  Stocket,  Eingeklemmte  Hernien.  —  PlnCHSi 
Alopede. 

Förster,  Chirurgische  Mittheilungen.  »  Knapp,  Intraoculire  Blutung;  neue  Lidpln- 
eette.  —  Wradon,  Phlebitis  sinuum.  —  Andrewt,  Tumor.  —  Moc^uot,  Luxat.  sub- 
claneul.  —  Bryant,  Erlehten,  Mammageschwülste.  —  Htttcbiaaon,  Wirbelfraoturen.  — 
Dauaehor,   Blasenstein.    —   Barnardo,    Chloralbydrat    bei    Muttermundsgeschwüren.    — 

Krtagold,  Haarnadel  In  der  Harnröhre.  •—  Briflgt,  Hernie. 


C.   Hazsoni.     Anno   secondo  di  clinica   chirurgica  nella  r. 

universita  di  Roma. 

(Rom.  Selbstverlag  des  Verfassers  1874.) 

Der  vorliegende  Bericht  giebt  eine  Uebersicht  über  die  im  klini-^ 
adien  Jahr  1873 — 74  an  der  k.  Universitätsklinik  in  Rom  behandel- 
ten chir.  Fälle,  im  ganzen  nur  112,  worunter  nur  eine  Amputation 
(Voiderarm),  zwei  Enucleationen  (nach  Gritti  und  nachRoux);  gar 
keine  Gelenksresection,  keine  compliciirte  Fractur,  keine  Tracheotomie, 
und  nur  zwei  einfiu^he  Fracturen  (des  Radius  und  des  Femur).  Das 
Material  ist  also  im  höchsten  Grade  dürftig  imd  für  eine  Klinik  in 
jeder  Hinsicht  unzureichend. 

Der  sehr  ausführliche  Bericht  (210  Seiten  gr.  S^  mit  11  Tafeln) 
ist  wesentlich  für  die  Zuhörer  der  Klinik  bestimmt;  er  soll  sie  in's 
praktische  Leben  begleiten.     Eine  29  Seiten  lange  Einleitung  giebt 

16 


242  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  16. 

denselben  eine  Anweisung,  ilire  fünf  Sinne  geUbrig  auszubilden^  um 
richtige  Diagnosen  zu  stellen. 

Darauf  folgen  sämmtliche  Krankengeschichten  aller  einzelnen  Fälle, 
wobei  auch  die  unwesentlichen  wie  z.  ß.  Tonsillenhypertrophie,  Hydro* 
cela  e4c.  ausführlich  mitgetheiU  sind.  Die  Mortalität  sämmtUcher 
Fälle  nach  einer  Berechnung  des  Ref.  belauft  sich  auf  lA^ißi.  Zu  Fall 
y  mit  dem  Titel :  Multiple  Äbscesse  de»  Obersckenkelft  —  Incisionen 
—  Pyämie  —  Tod  —  bemerkt  M.,  dass  die  Autoren  sich  mit  dieser 
Krankheit  wenig  oder  gar  nicht  be&ssen.  Doch  scheint  der  ganzen 
Beschreibung  nach  die  Annahme^  dass  es  sich  einfach  um  eine 
Osteomyelitis  des  Femur  gehandelt  habe,  kaum  eine  gewagte 
zu  sein. 

Interessant  sind  zwei  Fälle  von  Mal  perforant  du  pied,  welche 
die  Ansicht  zu  bestätigen  scheinen,  dass  «s  sich  hierbei  wesentlich 
um  eine  neuroparalytische  Ernährungsstörung  handelt. 

Eine  Blasenperinaealfistel  (nach  3maligem  Steinschnitt  ausserhalb 
der  Klinik)  wurde  durch  Cauterisation,  eine  Blasenrectumfistel  nach 
einem  Lateralschnitt  (ausserhalb  der  Klinik)  wurde  durch  die  Naht 
•nach  Sims  geheilt. 

Von  drei  Blasenscheidenfisteln  wurde  eine  geheilt,  eine  gebessert 
und  eine  dritte  wegen  des  Allgemeinzustandes  nicht  operirt. 

Von  7  Vcethralstricturen  wurden  4  durch  forciste,  1  durch  all- 
mälige  Düatation,  1  durch  die  innere  und  1  duf  ch  die  äussere  Urethro- 
tomie  behandelt.  Der  letztere  Fall  starb,  wozu  die  Degeneration 
(speckig)  der  Nieren  nicht  wenig  beigetragen  haben  mag. 

Zur  leichteren  Ausführung  der  äusseren  Urethrotomie,  empfiehlt 
M.  nachdeM  man  auf  den  bis  zur  Strictur  eingeführten  Katheter  an- 
geschnitten hat,  durch  die  Lefzen  der  ürethialwunde  zwei  gefilrbte 
Fäden  zu  führen.  Diueh  dieselben  werden  die  Wundsänder  klaffend 
erhalten  und  die  Urethra  wird  dem  Niveau  des  P^näume  genähert. 
Femer  wird  durch  diesen  Zug  die  obliterirte  Urethra  und  die  Urethra 
jenseits  der  Strictur  zu  einem  fast  geradlinigen,  deutlich  fUlübarea 
Strange  angespannt.  Man  schneidet  nun  auf  diesen  gespannten  Strang 
bis  jenseits  der  Strictur  ein.  M.  hat  schon  8  Mal  auf  diese  Weise 
die  äussere  Urethrotomie  ausgeführt  und  jedesmal  ohne  Schwierig- 
keiten. ^-  In  Fall  34  wurde  eine  narbige  Contractur  des  Unterkiefers 
durch  Durchsägung  dea  horizontalen  Astes  vor  den  Narbensträngen 
vollkommen  geheilt.  M.  erklärt  demnach  die  einfache  Durchsägung 
(Bizzoli)  für  genügend  und  hält  die  Besection  einer  Scheibe  aua 
dem  Unterkiefer  (Esmarch)  für  überflüssig.  —  Unter  den  Verletsun- 
gen  ist  ein  Fall  von  Zerreissung  des  Ligam.  patellae  proprium  erwäh- 
nenswerth. 

Unter  dem  Titel  »Luxationen«  finden  sich  3  Fälle  (45—47)  von 
Verrenkung  des  Hüftgelenks  angeführt,  zwei  davon  sogenannte  spoit- 
tane  Verrenkungen,  die  dritte  bei  einem  1 7moaatlichen  Kind  durch 
Laxität  der  Bänder  bedingt.  In  allen  dreien  wurde  die  Beduction 
vorgenommen  und  darauf  ein  fixer  Verband  angelegt. 


Centndblatt  fflr  Chirurgie.     No.  16.  243 

Vier  PäQe  von  Caries  der  Rippen  wurden  durch  Resection  ge- 
Der  OperationsmoduB  ist  nicht  näher  beschrieben. 

Ein  Fall  von  Emphysem  der  rechten  Kopfhftlfte  vom  proc.  mastoi- 
dem  ausgehend^  welches  ganz  allmälig  ohne  Beschwerden  zu  erregen^ 
wi  betricbtlicfaer  Geschwulst  Veranlassung  gab,  wtttde  durch  einen 
BinBchnitt  und  Einlegen  einer  Drainrohre  geheilt. 

Unter  den  Cysten  verdient  ein  Echinococcus  der  Orbita  erwähnt 
so  werden^  weldier  mit  Erfolg  exstirpirt  wurde. 

Ein  gfosszelliges  Sarcom  der  linken  Suborbitalgegend  wird  da- 
dturcb  interessant;  dass  es  sich  genau  an  der  Stelle  entwickelte^  wo 
wenige  Monate  vorher  ein  Angiom  operirt  [worden  war.  —  Wegen  eines 
Riesenzellensarcoms  des  Kniees  wurde  die  Amputation  des  Oberschen- 
kels na^  Qritti  vorgenommen  tmter  Zuhülfenahme  der  Esmarch'- 
Bchen  Mediode.  Die  Einschniirungsfurche  blieb  fast  den  ganzen  Tag 
erkennbar;  es  entwickelte  sich  feuchter  Brand  des  Amputationsstum- 
pfes und  die  Kranke  verschied  zwei  Tage  nach  der  Amputation.  Bei 
der  Section  findet  sich  ausser  seröser  Durchfeuchtung  der  Muskulatur 
eine  eitrige  Infiltration  der  Gefassscheide  im  unteren  Drittel,  in  der 
Vena  cruralis  an  der  Einmündungssteile  der  Saphena  ein  im  Innern 
erweichter^  an  einer  Stelle  der  Venenwand  adhärenter  Thrombus.  An 
eben  dieser  Stelle  besitzt  die  Vene  eine  hirsekomgrosse  Ulceration. 
M.  bemerkt^  dass  dieser  Fall  bezüglich  der  Unschädlichkeit  der  Es- 
march'schen  Compression  verdachterregend  ist.  Ref.  gesteht^  dass 
68  auffallend  ist^  dass  die  Einschnürungsfurche  fast  den  ganzen  Tag 
aber  erkennbar  blieb ;  es  ist  möglich,  dass  die  Einschnürung  etwas 
alku  fest  vorgenommen  wurde  (Ref.  bedient  sich  zur  Compression 
nie  des  Schlauches,  sondern  stets  nur  der  elast.  Binde) ;  aber  es  idt 
doch  bekannt,  dass  Fälle  von  Gan'gr^ne  foudroyante  gerade  nach  Ober- 
schenkelampntationen  auch  ohne  Esmarch'sche  Compression  vor- 
kamen. 

Die  Exstirpation  eines  grossen  Chondro-Myxo-Sarcoms  der  Parotis 
wnvde  dadurch  interessant,  dass  wegen  (unausweichlicher]  Verletzung 
der  Carotis  externa  während  der  Operation  die  Carotis  communis 
unterbanden  werden  musste,  da  es  nicht  möglich  war,  in  der  Wunde 
selbst  die  externa  vu  fiesen.  Wenn  M.  empfiehlt,  grosse  Carotis- 
taneren  stückweise  (per  segmentazione)  zu  entfernen,  weil  man  dabei 
die  Gefasse  nach  und  nach,  wie  man  sie  durchschneidet,  unterbinden 
kann,  so  zeigt  gerade  sein  Fall,  dass  diese  Methode  vor  gefährlichen 
Blutungen  nicht  sicher  stellt,  weshalb  sie  Ref.  nur  ganz  ausnahms- 
weise, nie  als  Regel  gelten  lassen  möchte.  Den  Glanzpunct  der  Ope^ 
rationen  M.'s  bildet  ein  Myxosarcom  der  Stemalgegend,  welches  mit 
Besection  fast  des  ganzen  Stemums  vom  manubrium  bis  zum  proc. 
ensifonnis  und  mit  einem  Theile  des  2.,  3.  und  4.  Rippenknorpels  ent- 
fernt wurde,  so  dass  das  Mediastinum  und  das  Pericardium  offen  zu 
Tage  lagen.  Die  ersten  15  Tage  war  das  Befinden  des  Fat.  ganz 
leidlich.  Von  da  afe  entwickelte  sich  eine  hypostat.  Pneumonie,  welr 
eher  der  Kranke  bald  erlag. 

16» 


244  Centralblatt  für  Cbirurg^ie.    No.  16. 

Hemiotomieen  kamen  5  vor  bei  2  Inguinal-  und  3  Cruralhemien. 
Von  diesen  heilten  zwei,  starben  zwei  und  eine  blieb  in  Behandlung. 
Wenn  Netz  vorli^t,  so  trägt  es  M.  mit  sanunt  dem  Bruchsack  mit- 
telst des  Ecraseurs  ab.  Dadurch  wird  sofort  die  Communication  zwi- 
schen Bauchhöhle  und  Wunde  abgeschlossen.  —  Wenn  Daim  ein- 
geklemmt war,  so  kommt  es  vor,  dass,  selbst  nachdem  der  einschnü- 
rende Bing  erweitert  ist,  an  dem  nun  hervorgezogenen  Darme  die 
Strictur  an  der  früheren  Einklemmungsstelle  fortbesteht.  Würde  man 
einen  solchen  Darm  reponiren,  so  könnten  die  Einklemmungserschei- 
nungen  weiter  anhalten.  In  solchen  Fällen  empfiehlt  M.  nach  dem 
Vorgange  Palasciano's  die  stricturirte  Stelle  mit  dem  Finger  zu  er- 
weitem, indem  man  den  Darm  invaginirt. 

Von    zwei  Lithotripsieen    ist  eine  geheilt  und  eine  gestorben, 

die  drei  Steinschnitte  hatten  sämmtlich  tödtlichen  Ausgang. 

Mensel  (Triest). 

Chauvel.     De   Tinsensibilit^   produite    par   la   compression 

d'Esmarch. 

(S6ance  de  la  soci^te  de  Chirurgie  1874.  Nov.  11.) 

Ch.  machte  15  Versuche,  12  an  der  unteren,  3  an  der  oberen 
Extremität.  Natürlich  stellte  er  zuvor  das  Maass  der  normalen  Sen- 
sibilität fest.  Bei  allen  Versuchsindividuen  wurde  eine  Verminderung 
der  Sensibilität  constatirt.  Die  Anästhesie  tritt  nie  sofort,  sondern 
immer  erst  nach  einem  wechselnden  Zeitraum  von  5  bis  zu  20  Minu- 
ten ein.  Die  Insensibilität  erscheint  schneller  an  der  oberen  als  an 
der  unteren  Extremität,  wobei  der  Grad  der  Zusammenschnürung  das 
langsame  oder  schnelle  Eintreten  derselben,  sowie  den  Grad  der  loca- 
len  Anästhesie  wesentlich  beeinflusst.  Die  Insensibilität  erscheint  zu- 
erst an  den  periphersten  Puncten  des  Rumpfes,  um  dann  nur  allmälig 
zu  den  oberen  Regionen  vorzuschreiten.  Sie  trat,  mit  einer  einzigen 
Ausnahme,  wo  die  Sensibilität  normal  zu  bleiben  schien;  in  allen 
Fällen  ein,  war  aber  doch  niemals  eine  ganz  vollkommene. 

Am  schnellsten  erscheint  der  Schmerzeindruck  abgeschwächt.  Da- 
gegen bemerkt  der  Ref.  (Lannelongue),  dass  Ch«  nur  an  der  Haut 
experimentirt  habe;  es  sei  fraglich,  ob  der  Schmerz  in  den  tieferen 
Partieen  nicht  ganz  wie  sonst  sei. 

Im  2.  Theile  der  Ch. 'sehen  Arbeit  finden  sich  2  Beobachtungen, 
nach  denen  die  Operation  des  eingewachsenen  Nagels  imter  Anwen- 
dung der  elastischen  Compression  nur  wenig  Schmerzäusserungen  der 
Fat.  hervorgerufen  haben  soll. 

Der  Ref.  bemerkt,  diese  Fälle  genügen  nicht,  der  elast.  Com- 
pression die  Bedeutung  eines  chirurg.  Anästhesirungsmittels  zu  vin- 
diciren. 

Eine  3.  Beobachtung  betriA  einen  an  Ischias  leidenden  Kranken, 
welchen  Ch.  nach  Anwendung  der  elastischen  Compression  mit  dem 
Glüheisen  punctirte.     Die  Anästhesie  war  nicht  vollständig. 


Centralblatt  fflr  Chirurgie.    No.  16.  245 

Le  Fo.rt  hat  auf  die  Sensibilitätsvenninderung  bei  Anwendung 
der  elast.  Compression  ebenfalls  aufmerksam  gemacht^  doch  hat  er 
nie  eine  vollige  Insensibilität  erreicht.  Um  die  Anästhesie  durch 
dieses  Mittel  herzustellen,  müsste  die  Binde  am  centralen  Ende  des 
Gliedes  sehr  fest  zusammengeschnürt  werden^  was  andere  Nachtheile 
bringen  müsste.  Auch  die  Annehmlichkeit^  durch  keine  Blutung  bei 
der  Operation  gestört  zu  werden^  wird  zuweilen  durch  eine  später 
folgende  Blutung  aus  den  kleinen  paralysirten  Muskelarterienästchen 
compensirt.  Le  Fort  ist  daher  nicht  für  die  allzu  eneigische  Con- 
striction  mit  der  elastischen  Binde.  Man  greife  lieber  zum  Chloro- 
form und  übe  das  Esmarch'sche  Verfahren  nur  zum  Zwecke  der 
Verminderung  oder  Aufhebung  der  Blutzufuhr. 

Fr.  Stelner  (Wien). 

W.  H.  Broadbent.     Fuither  illustrations  of  the  therapeutic 
usea  of  phosphorus :  iu  angina,  essential  er  pemicious  anaemia, 

leucocythaemia. 

(The  Practitioner  1875.  January.) 

Verf.  hat  bereits  früher  (Practitioner  1873^  April)  mehrere  Fälle 
mitgetheilty  welche  die  erfolgreiche  Anwendimg  des  Phosphor  gegen 
Neuralgieen  illustriren  (Ashburton,  Thompson,  Bradley  u.  A.). 
Ausser  bei  Neurosen  hat  Verf.  neuerdings  auch  bei  constitutioneller 
Anämie  und  bei  Leucocythaemie  günstige  Erfolge  nach  der  Darreichung 
von  Phosphor  gesehen  und  fordert  zu  ähnlichen  Versuchen  auf. 

TUlmamis  (Leipsig). 

E.  Kleinsohmidt.    Die  puerperale  Pyämie  und  ihr  Verhal- 
ten gegenüber  der  chirurgischen. 

Inang.-DiBs.  Halle  a/8.   1874. 

Zum  Zweck  eines  Vergleichs  der  puerperalen  Pyämie  mit  der 
chirurgischen  (Verf.  hat  in  beiden  Fällen  die  metastatische  Pyämia 
multiplex  im  Auge)  stellt  Verf.  14  auf  der  geburtshülf liehen  Klinik 
zu  Halle  beobachtete  und  104  von  C.  Müller  in  einer  statistischen 
Arbeit  zusammengefasste  Fälle  von  puerperaler  Pyämie  den  83  von 
Billroth  statistisch  verwertheten  Fällen  von  chirurgischer  Pyämie 
entgegen.  Verf.  hebt  einzelne  unbedeutende  Verschiedenheiten  der 
im  Wesentlichen  völlig  identischen  Erkrankungen  hervor. 

Dass  die  puerperale  Erkrankung  vorzugsweise  in  den  Blüthejahren 
st^ende  Individuen  befallt,  während  zu  der  chirurgischen  höheres 
Alter  disponirt  (Hüter),  ist  wohl  erklärlich.  Den  früheren  Eintritt 
des  ersten  Frostes  bei  erkrankenden  Wöchnerinnen  (unter  40  Fällen 
27  Mal  in  der  1.  Woche:  Müller  und  Verf.)  gegenüber  der  chirurr 
gischen  Pyämie^  bei  der  sich  in  einer  ziemlich  gleichen  Zahl  von 
Fällen  der  erste  Frost  in  der  ersten^  zweiten  und  dritten  Woche  ein- 


246  Cantralblatt  für  (Jhinugie.    No.  16. 

stellt,  erklärt  Verf.  mit  C.  Müller  durch  die  Möglichkeit  einer  In- 
fection  vor  der  Geburt. 

Die  grössere  Häufigkeit  der  Nierenabsoesse  bei  der  Wochenbett»- 
erkrankung  (in  14,3^  der  Fälle  bei  Müller,  IbfH  Verf.  gegen  4^ 
der  Billroth 'sehen  Statistik  für  die  chirurgifiche  Pyämie)  ist  dmth 
die  Besonderheit  der  Verwundung  im  Wochenbett  vielleicht  nicht  ge* 
nügend  erklärt.  1.  Oenimer  (Halle). 

A.  H.  Back  (New- York).    Die  Krankheiten  des  Warzenfort- 
satzes; ihre  Diagnose,  Pathologie  uud  Behandlung. 

(Arch.  für  Augen-  und  Ohrenheilkunde  1874.  Bd.  3.  AbtheU.  2.J 

Verf.  giebt  eine  Schilderung  des  Krankheitsverlaufs  in  seinen 
verschiedenen  Stadien.  Eine  genügende  Zahl  von  Fällen  (24}  be- 
leuchtet die  verschiedenen  Gesichtspuncte  und  es  werden  bestimmte 
Merkmale  angeführt^  welche  den  Praktiker  in  den  Stand  setzen,  die 
ernste  Tragweite  des  Leidens  einzusehen.  Es  wird  betont^  dass  in 
einer  grossen  Mehrzahl  von  Fällen  die  Wichtigkeit  der  Affection  nicht 
hinreichend  gewürdigt  werde  und  dass  infolge  dessen  die  Sterblichkeit 
verhältnissmässig  sehr  gross  sei. 

Die  Entzündung  des  äusseren  Periost^  die  Congestion  der  Schleim- 
haut des  Warzenfortsatzes  mit  oder  ohne  Granulationswucherung,  die 
chron.  .subacute  Entzündung  mit  Hyperostose  und  endlich  Caries  und 
Ostitis  suppurat.  werden  kurz  besprochen  und  durch  interessante  Fälle 
illustrirt  (siehe  Original),  ohne  dass  indessen  wesentlich  Neues  ge« 
bracht  würde. 

Nach  einer  kurzen  Erörterung  der  differentieUen  Diagnose   und 

nach  einigen  statistischen  Bemerkungen  giebt  Verf.  zum  Schlüsse  eine 

tabellarische  lieber  sieht  der  am  Warzenfortsatz  gemachten  Operationen. 

Es  werden  35  Trepanationen  des  Warzenfortsatzes  aus  der  Literatur 

mitgetheilt.     In   28   Fällen    (4   Fälle   vom  Verf.)  trat  Genesung  ein^ 

während  7  Mal  exitus  letalis  (2  Fälle  vom  Verf.)  erfolgte. 

Tillmaiins  (Leipzig). 

Annandale.    Two  cases  of  foreign  bodies  in  the  air-passages. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Febr.  27.  p.  225.) 

A.  macht  darauf  aufmerksam,  wie  zweckmässig  es  sei,  bei  dem 
Versuche  einen  Fremdkörper  aus  dem  Larynx  durch  die  Txacheotomie^ 
wunde  zu  entfernen,  gleichzeitig  vom  Munde  aus  die  Manipulationen 
durch  den  Finger  zu  unterstützen.  Zur  Entfernung  fremder  Körper 
aus  den  Bronchien  empfiehlt  er  nach  ausgeführter  Tracheotomie  und 
einer  tiefen  Inspiration,  die  Trachea  temporär  zu  schliessen ;  die  fol- 
gende heftige  Exspiration  treibe  oft  den  Körper  heraus. 

1)  Ein  llmonatl.  Kind  verschluckte  ein  Stück  eines  Härings. 
Der  mit  dem  Finger  im  Larynxeingang  gefühlte  scharfe  Körper 


CentndblaH  fttr  Ghiraxgie.    No.  16.  247 

sich  mit  ener  Zange  nidit  «osBiehen.  Trackeotamie  dicht  MnUft  dem 
Larynx.  Der  Körper  wurde  von  der  Wunde  aus  leicht  ausgezogen^ 
wh  der  Finger  vom  Mande  aus  nachhalf.  Das  Kind  erholte  sich  an- 
fnmgR,  starb  aber  uncfrwartet  am  folgenden  Tage.     Keine  Section. 

2)  Ein  7jähr«  Kind  hatte  seit  5  Tagen  eine  Glasperle  verschluckt^ 
die  in  den  Intermksionen  der  Beschwerden  im  rechten  Bronchus 
nachzuweisen  war.  Tracheotomie.  Vexgeblicher  Versuch  mit  Zangen^ 
mit  Liversion  des  Kopfes.  Am  folgenden  Tage  nach  tiefer  Inspiration 
Verschluss  der  Trachea^  die  starke  Exspiration  treibt  die  Perle  her- 
aus.    Naht  der  Wunde^  Heihtng.  Bänke  (Halle). 

Krishaber.     Corps  ^trangers  de  Toesophage. 

(S^ance  de  la  %ociM  de  chinugie  1874.  Nov.  U.) 

K.  liess  in  einem  Falle  von  Fremdkörper  des  Oesophagus  den 
Patienten  erst  viel  Wasser  trinken  ^  fahrte  dann  eine  mit  einem 
Schwamm  armirte  Fischbeinsonde  in  den  Magen  ein  und  wairtete, 
bis  der  Schwamm  sich  vollgesogen  haben  konnte.  Dann  zog  er  die 
Sonde  wieder  heraus  und  »fegte«  so  den  Oesophagus  von  unten  nach 
oben  aus^  wobei  er  den  Fremdkörper,  ein  Stück  Truthahnknochen, 
mit  heraus  brachte. 

Der  Bef.  Dupley  bemerkt  hierzu,  es  sei  wohl  schwer,  den 
Magen  mit  Wasser  zu  füllen,  wenn  der  l'at.  nicht  schlucken  könne, 
und  das  Hemufziehen  des  Schwammes  würde  schmenhaft  wetden, 
wenn  er  au  stark  anschwelle.  Fr.  Stetner  (Wien). 

liO  Denta.  Vari^tö  peu  commune  d'engoigement  de  la  mamelle. 

(S^noe  de  la  todM  de  clururgie  1874.  Not.  11.) 

Die  linke  Brust  einet  79jähr.  Frau  stellte  einen  dunkelrothen 
Tumor  mit  ausgedehnt  indurirter  Umgebung  dar.  Kein  Oedem.  Bald 
reichte  die  Induration  an's  Stemum,  an  die  Schlüsselbein*-  und  Achsel- 
höUeng^gend.  Schwellung  der  AH^hseldrüsen,  Oedem  des  linken  Arms. 
Im  36.  Lebensjahre  war  Fat.  wegen  eines  Tumors  in  der  linken  Brust 
operirt  worden.  Im  12.  Lebensjahre  war  ein  Uterusfibroid  spontan 
zur  Abstossung  gekommen.  14  Tage  nach  der  jetzigen  Aufnahme 
in*8  Spital  enüvrickelte  sich  auch  in  der  rechten  Brust  eine  Anschwel- 
lung. Le  D.  applicirte  auf  beide  Brüste  und  den  Arm  einen  Com- 
pressivwatteverband.  Allmalig  schwand  die  Anschwellung.  3  Monate 
später  war  das  Oedem  am  Arme  geschwunden.  Nach  5  Monaten 
vollkommene  Heilung. 

Le  D.  weist  auf  die  Seltenheit  solcher  Anschwellungen  der  Brust 
in  so  hohem  Alter  hin,  und  sucht  im  Ljrmphgefässsystem  der  Brust 
die  Ufsacfae  derselben,  wofür  er  die  Bezeichnung :  Scl^^me  phlegma- 
sique  tempoiaire  (de  la  mamelle)  wählt. 

Verneuil  hat  8  einigermaesen  dem  obigen  ähnliche  Fälle  ge- 
sehen.   Eine  iOjäfar.,  sonst  gesunde  Frau  oonsultirte  ihn  wegen  einer 


248  CentralblaU  für  Chirurgie.    No.  16. 

plötzlich  entstandenen  steinharten  ^  schmerzhaften  Induiation  beider 
Brüste.     Heüung  in  einigen  Wochen. 

Vor  12  Jahren  sah  V.  eine  gichtleidende  Dame,  deren  eine  Brust 
eines  Tages  plötzlich  anschwoll,  gespannt,  schmerzhaft  wurde.  Hei- 
lung durch  Emollientia  in  14  Tagen.  2  Monate  später  entstand  ein 
acutes  Oedem  am  linken  Oberarm;  an  den  Brüsten  diesmal  nichts 
Abnormes. 

Wegen  eines  ähnlichen  Leidens  behandelte  V.  jetzt  eine  Dame^ 

die  nebenbei  auch   gichtleidend  ist.     Ruhe,   Emollientia.     Heilung. 

Die  Patientin  Le  D.'s  hatte  nie  an  Gicht  gelitten. 

_^ Fr.  Steiner  (Wien). 

L.  Capparelli.     La  ulcerazione  e  la  perforazione  del  duodeno 

nelle  scottature, 

(II  Morgagni  1874.  November.) 

Einer  der  interessantesten  Befunde  bei  Verbrennungen  ist  das 
runde  Duodenalgeschwür.  Unter  125  von  Holmes  angeführten  FWen 
zeigten  16  den  obigen  Befund. 

C.  glaubt,  dass,  sowie  die  typhösen  Darmgeschwüre  auch  das 
Duodenalgeschwür  nach  Verbrennungen  Folge  einer  Infection  sei, 
welche  von  der  Brandstätte  ausgehe.  Das  inficirende  Gift  wird  Ton 
C.  Kausomiasma  oder  Phlegomiasma  genannt.  (Was  durch  diese 
neuen  Namen  gewonnen  sein  soll,  ist  schwer  zu  verstehen,  Ref.] 

Meuel  (Trieet). 

Bryant«    ()n  the  diagnostic  value  of  the  ilio-femoral  triangle 

in  cases  of  injury  of  the  hip. 

(Royal  med.  and  chir.  soo.  1875.  Febr.  9.  —  Med.  tim.  and  gas.  1875.  Febr.  27. 

p.  242.) 

B.  construirt  ein  Dreieck,  dessen  eine  Seite  durch  die  Verbin- 
dungslinie der  spin.  ant.  sup.  mit  der  Spitze  des  grossen  Trochanter 
gebildet  wird.  Bei  horizontal  liegendem  Körper  wird  von  der  Spina 
eine  Senkrechte  auf  die  Unterlage,  vom  Trochanter  aus  eine  Hori- 
zontale gezogen.  Letztere  Linie  stellt  die  Basis  des  Dreiecks  dar, 
und  soll  bei  Einkeilimgsfracturen  gegen  die  gleiche  Linie  auf  der 
anderen  Seite  stets  messbar  verkürzt  sein.  Baake  (Halle). 


W.  Stockes.     Notes  on  strangulated  hemia. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1874.  Octbr.) 

Verf.  berichtet  über  10  Fälle  von  eingeklemmter  Hernie,  wdche 
mit  wenig  Ausnahmen  ungewöhnliche  Erscheinungen  darboten. 

1.  Sehr  grosser  »incarcerirterc,  später  »strangulir- 
tert  Scrotalbruch.    Herniotomia  int.     Heilung. 


CentralUatt  fflr  Chinurgie.     No.  16.  249 

Der  Fall  iet  interessant  wegen  der  enormen  Grösse  des  Bruches^ 
der  intermittirenden  Einklemmungserscheinungen^  der  Abwesenheit 
jeglicher  Auftreibung  des  Abdomen,  der  relativen  Schmenslosigkeit  der 
Einklemmungsstelle.  Verf.  war  anfangs  in  Zweifel»  ob  es  sich  um 
einen  hydropischen  Bruchsack  mit  eingeklemmter  kleiner  Darmschlinge, 
oder  um  einen  grossen  Scrotalbruch  handele. 

Die  Hemiotomie,  welche  extraperitoneal  ausgeführt  werden  sollte, 
durch  Einreissen  des  Brucfasackes  aber  zur  inneren  wurde,  constatirte 
das  Vorliegen  von  3  Fuss  Dünndarm,  welcher  trotz  6täg.  Einklemmung 
gesund  aussah,  sich  indessen  nur  schwer  reponiren  liess.  Fat.,  30  J. 
alt,  genas. 

2.  Eingeklemmte  Femoralhernie  von  ungewöhnlicher 
Grösse  und  Form.     Herniotomia  ext.     Heilung. 

Patientin  40  Jahr.  Bruch,  nach  2jähr.  Bestehen  durch  Schlag 
auf  den  Leib  eingeklemmt.  Ziemlich  grosse  Geschwulst,  von  der  Ge- 
stalt einer  Sanduhr,  erstreckte  sich  in  das  rechte  Labium.  Die  an- 
fengs  gestellte  Diagnose  auf  Inguinalhemie  wurde  nach  genauer  Un- 
tersuchung verlassen.  Der  Bruchschnitt,  welcher  ohne  Eröffnung  des 
Bruchsackes  nach  9Y28tünd.  Einklemmung  ausgeführt  wurde,  bestä- 
tigte eine  grosse,  abnorm  geformte  Femoralhernie.     Fat.  genas. 

3.  Eingeklemmte  Inguinalhernie.  Herniotomia  int. 
am  5.  Tage.     Tod. 

Patient  21  J.  Bruch  bestand  seit  1  Jahre,  konnte  nie  vollstän- 
dig reponirt  werden.  Einklemmung  ohne  nachweisbare  Veranlassung. 
Kleiner,  hühnereigrosser  Tumor  im  Scrotum  von  bimformiger  Gestalt. 
Der  untere  Abschnitt  weich,  schmerzlos,  vom  Hoden  deutlich  isolir- 
bar,  fühlt  sich  an  wie  eine  Varicocele.  Der  obere  schmerzhaft  bei 
Berührung.  Fercussionston  durchaus  leer,  keine  Pellucität.  Stuhl 
fehlt  seit  5  Tagen,  Gesicht  blass,  ängstlich;  Bauch  angetrieben, 
sehmerzhaft. 

Diagnose  anfangs  schwankend  zwischen  entzündetem  Netzbruche 
und  incarcerirter  Darmhemie.  Da  die  Symptome  auf  locale  anti- 
phlogistische Behandlung  sich  nicht  bessern,  Hemiotomie  am  5. 
Tage.  Befund  nach  Eröffiiung  des  Bnichsackes :  Kleine,  chocoladen- 
farbene  Dannschlinge  rings  eingebettet  in  einen  entzündeten  und  ge- 
schwollenen Netzklumpen.  Reposition  des  Darmes  gelang  leicht, 
schwieriger  die  des  überall  verlötheten  Netzes.  Fat.  starb  29  Stunden 
nach  der  Operation  an  Feritonitis.  Die  eingeklemmte  Schlinge  war 
gangränös. 

4.  Eingeklemmte  Schenkelhernie;  äusserer  Bruch- 
schnitt; Heilung. 

Patient,  24  J.,  hatte  den  Bruch  seit  5  Jahren.  Einklemmung 
wahrend  eines  heftigen  Hustenan£All8.  Bei  der  Operation  zeigte  sich 
der  Bmchsack  durch  derbe  Stränge  mit  der  Fforte  verwachsen. 

5.  Eingeklemmte  Schenkelhernie;  Darm  in  einem 
vom  Netz  gebildeten  Sacke  inearcerirt;  Dauer  der  Ein- 
klemmung 12  Tage;  innerer  Bruchtchnitt. 


2^0  Centralblatt  fOr  Ghiriürgie.    No.  tS. 

TOjähr.  PatieBtin.  Hernie  bestand  seit  10  J.  Einklemnmngser- 
scheinungeii  bei  der  Aufaalime  ziemUch  heftig. 

Nach  Eröfihung  des  Brachsackes  zeigte  sich  Netz  und  darunter 
eine  Darmschlinge,  welche  in  einer  vom  Netz  gebildeten  Tasche  ein- 
gdclemmt  war.  Im  Verlauf  der  Heilung  bildete  sich  eine  kleine 
Kothfistel  aus.  Fat.  stub  6  Wochen  nach  der  Operation  an  Eni- 
kiäftung. 

6.  Eingeklemmte  Leistenhernie;  innerer  Bruch- 
schnitt; Tod. 

68jähr.  Mann.  Bruch  bestand  18  J.  und  war  stets  durch  ein 
Bruchband  zurückgehalten  worden.  Einklemmung  seit  2  Tagen.  Sehr 
heftige  Symptome.  Bei  der  Operation  fand  man  den  Dann  stark  ent- 
zündet.    Reposition  gelang  leicht.     Tod  8  Stdn.  nach  der  Operation. 

7)  Eingeklemmte  Femoralhernie  von  enormer  Grösse; 
Reposition. 

40jähr.  Frau.  Bruch  bestand  seit  13J.>  war  stets  reponibel>  ver- 
grösserte  sich  aber  langsam,  da  Fat.  nie  ein  Bruchband  trug.  Ein- 
klemmung seit  einigen  Tagen.  Bruch  bei  der  Aufnahme  kindskopf- 
gross^  sehr  hart^  schmerzhaft.  Nach  Anwendung  eines  wannen  Bades 
und  Application  eines  Klystiers  einmalige  Ausleerung  und  entschie- 
dene Besserung.  Innerlich  Senna  und  Magnes.  sulf.  bewirken  2 
weitere  Stühle.  Geschwulst  wird  weicher  und  schmerzlos.  Nach 
wenigen  Tagen  vollkommene  Heilung.  (Incarceration  oder  Kothstau- 
ung  im  Bruche?  Ref.) 

8.  Leistenhernie  mit  Symptomen  der  Einklemmung; 
Herniotomie;  Tod.     Innere  Einklemmung. 

Der  34jähr.  Patient^  ein  Schmied^  empfand  während  der  Arbeit 
plötzlich  einen  heftigen  Schmerz  im  Abdomen,  welcher  ihn  nöthigte, 
seine  Arbeit  einzustellen.  In  der  Folge  Erbrechen  und  Stuhlv«r- 
stopfung.  Bei  der  Untersuchung  findet  man  eine  Leifirt^enhemie^  welche 
indessen  durchaus  nicht  die  Erscheinung  der  Incarceration  zeigt.  Viel- 
mehr kann  man  mit  dem  Finger  leicht  in  den  Leistenring  eindringen. 
Da  übrigens  sämmtliche  Symptome  andauern  und  die  Hernie  der  Taxis 
gegenüber  irreponibel  bleibt^  so  wird  die  Herniotomie  ausgeführt.  Es 
findet  sich,  eine  alte  Netzhemie,  welche  durch  vielfache  Stränge  mit 
dem  Bruchsacke  verwachsen  ist>  von  Darm  keine  Spur.  Während 
Erbrechen,  Stuhlverstopfung,  Auftreibung  des  Leibes  fortdauern,  wird 
Fat.  stündlich  schwächer  und  stirbt. 

Sectionsbefund:  Der  Bruchinhalt  bestand  nur  aus  Netz;  die 
in  der  Nähe  der  Pforte  gelegenen  Eingeweide  waren  vollkommen  ge- 
sund. Im  Duodenum  heftige  Entzündung  der  Darmhäute.  Am  Ueber- 
gang  des  Jejunum  in  das  Ileum  fand  sich  eine  Stelle,  unterhalb  wel* 
eher  der  Darm  enger,  oberhalb  welcher  er  weiter  war.  Die  Drsadia 
der  Einschnürung  schien  in  einer  grossen  Anzahl  von  Piseudomem- 
branen  zu  liegen,  welche  die  Gedärme  in  verschiedenen  Richtungen 
kreuzten  und  deren  eine  das  Ileum  an  der  erwähnten  Steile  verengte. 


CcntralUatt  für  Chirurgie.    No.  16.  251 

9.  Symptome  einer  inearcerirten  Hernie  bei  Lymph* 
drüsenentzündung. 

Eine  34jahr.  Frau  wurde  mit  allen  Erscheinungen  einer  einge-* 
klemmten  Schfinkdheniie  [Stuhlverstopfung,  Erbrechen,  SchmerEhaf- 
tigkeit  des  Abdomen,  schmerEhafter  Tumor  in  der  Schenkelbeuge) 
angenommen.  Obwohl  die  Art  der  Entstehung,  ein  Tritt  in  die 
Schamgegend,  einigen  Verdacht  rege  machte,  so  entschied  man  sich 
doch  für  die  Diagnose:  »Brucheinklemmung«  und  führte  die  Hemio* 
tomie  aus.  Bei  der  Operation  stiess  man  auf  eine  entsündete  Lymph* 
drüse,  nach  deren  Exstirpation  sämmtliche  Einklemmungssymptome 
naebliesseDu     Fat.  verliess  nach  wenigen  Tagen  geheilt  das  Hospital. 

Verf.  knüpft  an  diesen  Fall  die  Bemerkung,  dass  die  Erscheinun-^ 
gen  der  Einklemmung  auch  unabhängig  von  einer  Hernie  auftreten 
konnten  und  führt  zum  Beweise  noch  2  tanaloge«  Beobachtungen  an, 
von  welchen  indessen  nur  die  letztere  hierher  gehören  dürfte. 

Dr.  Jameson  traf  bei  einer  Hemiotomie  ebenfalls  auf  eine  ent- 
zündete Lymphdrüse  und  schnitt  dieselbe  an.  Die  Section  der  an 
»innerer  Einklemmung«  gestorbenen  Patientin  zeigte,  dass  unter  der 
entzündeten  Drüse  eine  gangränöse  Darmsohlinge  lag,  welche  während 
der  Operation  durch  den  tiefen  Einschnitt  beinahe  verletzt  worden  wäre. 

Dr.  Geoghegan  machte  wegen  heftiger  Einklemmungssymptome 
bei  einer  Frau  mit  Schenkelhemie  den  Bruchschnitt  und  fand  nur 
einen  kleinen  Sack  vor,  welcher  etwas  Serum  enthielt  und  durch  eine 
enge  Oeffiaung  mit  der  Bauchhöhle  communicirte. 

10.  Eingeklemmte  Leistenhernie;  doppelte  Einklem- 
mung; Herniotomia  int.     Tod. 

76jähr.  Mann.  Sehr  grosse  Scrotalhemie.  Einklemmung  seit  5 
Tagen.  Symptome  sehr  heftig.  Bei  der  Eröffiiuug  des  Bruchsackes 
traf  man  stark  entzündeten,  indess  noch  lebensfähigen  Darm  an.  Die 
Erweiterung  des  Bruchringes  Uess  die  Reposition  nicht  gelingen  und* 
bei  näherer  Untersuchung  fand  sich  weiter  oben  eine  zweite  Verenge- 
rung, nach  deren  Spaltung  der  Daxm  zurückschlüpfte.  Fat  starb  6 
Standen  nach  der  Operation.     Section  nicht  möglich. 

Lessea  (Heidslberg). 

Pincus«      Ueber    den    Krankheitscharakter    der    chronischen 
Alopecie  und  ihre  gewöhnliche  Beschränkung  auf  den  Vor- 
der- und  Mittelkopf. 

(Vortrag,  in  der  Berl.  med.  Gesellschaft  gehalten.  —  Berl.  klinisebe  Woehensefarift 

1875.  No.  4  u.  5.) 

Die  abzuhandebide  Krankheit  ist  nach  Verf.  in  95^  Ursache  der 
Kahlheit;  von  den  betreffenden  Namen  seien  Alopecia  simplex  und 
A.  furiuracea  die  geeigfnetsten.  Die  bisher  gebräuchlichen  Erklärun- 
gen der  Aetiologie^  welche  entweder  in  Verödung  der  Gefässe  (Veiel) 
oder  in  Atrophie  der  peripheren  Nervenästchen  (Hebra's  Schule)  ge- 
sucht wird^  wird  verworfen.     Verf. 's  Untersuchungen  ergeben,  dass 


252  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  16. 

das  Bindegewebe,  welches  die  Cutis  mit  den  tieferen  Schichten  ver- 
bindet,  sich  verändert  und  hierin  der  Grund  der  Erscheinungen  zu 
suchen  ist.'  Die  anfanglich  weiten  Bindegewebsmaschen  werden  enger, 
die  Balken  rücken  näher,  werden  fester  und  die  Cutis  wird  dichter 
an  ihre  Unterlage  geheftet.  Dabei  wird  das  Wachsthum  der  Haare 
doppelt  beeinflusst:  1)  Es  büsst  in  der  ersten  Zeit  (Vi — 5  Jahre)  nur 
an  seiner  typischen  Länge  ein  (I.  Stadium).  Der  Ausfall  nimmt  etwas 
zu,  besonders  derjenige  der  kürzeren  Haare.  Secretion  der  Talgdrüsen 
ist  etwas  vermehrt.  2)  Das  Haar  verliert  an  Dicke  (IL  Stadium)  ; 
diese  ist  von  der  Dicke  der  Papille  abhangig.  Die  Papille  feiner 
WoUhaare  liegt  in  der  Cutis,  rückt  aber,  wenn  daraus  ein  starkes 
Haar  werden  soll  (Pubertätszeit) ,  weiter  nach  innen  in  die  Fettschicht, 
wo  der  Haarbalg  sich  bequem  ausdehnen  kann.  Wo  die  Bind^ewebs- 
brücken  am  meisten  senkrecht  auftteigen  und  von  der  festesten  Unter- 
lage ausgehen,  d.  h.  am  Haupt  von  der  Galea,  also  auf  Vorder-  und 
>  Mittelkopf,  werden  durch  die  folgende  bindegewebige  Schrumpfung 
die  Papillen  am  meisten  beeinträchtigt.  Da  beim  Weibe  die  Lücken 
zwischen  den  Bindegewebszügen  in  der  tieferen  und  mittleren  Kopf- 
hautschicht erheblich  grosser,  als  beim  Manne  sind,  ist  die  Alopecie 
der  Frauen  seltener. 

Die  Sensibilitats Verhältnisse  der  behaarten  Kopfhaut  sind  (ge- 
prüft nach  Web  er 's  Versuch  und  mittelst  Druckprüfungen  diirch 
Eulenburg 's  Instrument)  bei  der  Alopecie  vom  normalen  Zustand 
etwas  verschieden ;  der  Raumsinn  ist  im  Anfang  etwas  gesteigert,  der 
Drucksinn  nicht;  die  folgende  Herabsetzung  hat  ihren  Grund  wie 
die  Alopecie  im  Schrumpfen  und  Festerwerden  des  Bindegewebes^ 
wodurch  nicht  nur  die  Papillen,  sondern  auch  die  Nervenenden 
atrophiren. 

Hinsichtlich  der  Therapie  glaubt  P.,  dass  die  consequente,  1 — 3 
Jahre  lang  fortgesetzte  Anwendung  schwacher  Alkalilösungen  das  Lei- 
den bessert,  resp.  heilt.  Vor  excitirenden  Medicamenten  warnt  Verf. 
Das  Haar  soll  anfangs  darnach  stärker  wachsen,  um  später  (Y2  Jahr] 
desto  schneller  zu  Wollhaar  zu  verkümmern.  Subcutane  Einspritzun- 
gen scheinen  erfolglos ;  der  galvanisclie  Strom  als  Erweicher  des  Nar- 
bengewebes wird  zum  Versuch  empfohlen.         y,  Mosengetl  (Bonn). 


Miitheilungen. 

Cooper  Fonter.    Surgical  Becords. 

(The  Guy'8  Hospitals  Reports  1873—1874.) 

Einer  Reibe  von  53  grösstentheils  interessanten  Fällen  entnehmen  wir  die 
folgenden: 

Fall  4.  Krebs  des  Omentums  und  des  Nabels  eine  Hernie  Tor- 
äuschend. 

Frau  von  66  Jahren,  welche  bereits  früher  an  einer  Vortreibung  des  Nabels 
gelitten,  wurde  wegen  heftigen  Erbrechens  und  Schmenen  in  der  Nabelgegend  auf- 
genommen.   Leib  aufgetrieben,  tympanitisch.    Am  Nab^  eine  Geschwulst  Ton  1 


Oentralblatt  m?  Chiraigie.   No.  16.  253 

• 

Zoll  DuxehueMer.  Kein  ImpidB  beim  Htuton.  Der  Fall  imponirte  «nfangs  fittr 
eine  incaicerirte  Nabelhernie.  Eine  genauere  Untersuchung  ergab  indessen  in  der 
Bauchhöhle  einen  harten  beweglichen  Tumor ,  der  mit  der  Nabelgeschwulst  su- 
sammenhing  und  für  ein  Tom  Nets  ausgehendes  Carcinom  erklärt  werden  musste. 
Die  nach  12  Tagen  vorgenommene  Section  bestfitigte  die  Diagnose.  Das  ganze 
Peiitoneum  war  mit  Krebsknoten  abersäet.  Ein  grosser  Tumor  lag  im  Nets  und 
war  in  den  Nabelring  hineingewachsen. 

Fall  9.    Sarcom  der  weichen  Schädeldecken. 

Die  Geschwulst  war  bei  einem  31  jähr.  Manne  an  der  rechten  Seite  des  Schä- 
dels entstanden,  an  einer  Stelle,  welche  2  Mal  durch  Schlag  yerletst  worden.  Drei- 
malige Ezstirpation  innerhalb  eines  Jahres.  Bei  der  letzten  Operation  Abschaben 
des  Knochens.    Phlebitis  des  Sinus  longitud.    Fyämie. 

Fall  24.    Kirschkern  im  rechten  Bronchus.    Tracheotomie. 

Operation  am  Tage  nachher  ausgeführt.  Trotz  sorgfUtiger  Untersuchung  konnte 
ein  Fremdkörper  nicht  entdeckt  werden.  Die  flacheren  Excursionen  der  rechten  Thor- 
azhälfte,  die  Basseigeräusche,  der  Schmers  an  der  rechten  Seite  des  Sternums  liessen 
indessen  auf  seinen  Sitz  schliessen.  Am  folgenden  Tage  nach  einem  dyspnoischen 
Anfalle,  in  welchem  kanstlich  respirirt  werden  musste,  wurde  die  Trachealwunde 
erweitert.  Bei  einem  Hustenanfall  wurde  der  Kirschkern  herausgeschleudert.  Kind 
starb  13  Tage  nachher  an  Bronchopneumonie. 

Fall  46.    Contusio  cerebri;  Aphasie;  Basisfractur  (?). 

35  Jahr  alter  Mann  fiel  12  Fuss  hoch  von  einer  Leiter  herab  auf  den  Kopf 
(welche  Seite?  nicht  angegeben).  Sofort  BewussUosigkeit,  Blutung  aus  dem  rech- 
ten Ohr.  ^  Pupillen  erweitert,  rechts  weiter  als  links.  Bewusstsein  kehrte  langsam 
suröck.     Keine  Störungen  der  Sensibilität  und  Motilität. 

Sprache  verwirrt.  Pat.  scheint  Alles  zu  verstehen,  kann  aber  als  Antwort  nur 
■togethen,  «gethering«  etc.  mit  wenigen  Variationen  herausbringen. 

Nach  8  Tagen  etwas  Besserung.    Nach  3  Wochen  ziemlich  geheilt  entlassen. 

Fall  49.    Complicirte  Fractur  des  Olecranon. 

Pat.  46  J.  alt.  Schienenverband  in  Beugesteliung.  Heilungsdauer  48  Tage. 
P.  mit  kleiner  Fistel  und  beweglichem  Qelenke  entlassen. 

Fall  50  u.  51.    2  Reseotionen  im  Knie  wegen  Caries. 

Beide  Patientinnen  waren  nahezu  erwachsen,  die  erste  19,  die  zweite  17  Jahre  alt. 

Bei  der  ersten  kam  es  nach  beinahe  7  Monaten  zur  Synostose,  welche  ein  voll- 
kommenes Aufiitfltzen  auf  das  resecirte  Knie  erlaubte,  die  andere  ging  an  Pyämie 
zu  Grunde.  Lossen  (Heidelberg). 

H.  Knapp«    lutraoculäre  Blutung  mit  Bildung  von  Amyloidkörpem 

im  Extravasate. 

(Arch.  fQr  Augen-  und  Ohrenheilkunde  1874.  Bd.  IH.  Abtheil.  2.) 

Patient  hatte  vor  einigen  Tagen  eine  heitere  Abendgesellschaft  mitgemacht, 
wo  viel  getanzt,  getrunken  und  geraucht  wurde;  während  derselben  leichtes  Un- 
wohlsein, sein  anscheinend  vollständig  gesundes  Auge  erblindete  fast  vollständig, 
war  ein  wenig  geröthet  und  schmenrii^  Bei  der  Untersuchung  mittelst  Augen- 
spiegel etgiebt  sich  Blnterguss  in  den  Glaskörper.  Nachdem  die  Keizsymptome 
verschwunden,  erfolgte  statt  Aufhellung  noch  grössere  Verdunkelung  und  das  Extra-* 
vasat  nahm  eine  dunkelbraune  Farbe  an.  Keine  Drucksteigerung ;  in  allen  TheUen 
des  Gesichtsfeldes  die  zwar  geringe  Lichtempfindliehkeit  noch  erhalten.  Von  an- 
deren Aerzten  wird  eine  melanotische  Geschwulst  diagnostidrt ,  fQr  welche  aber 
nach  K.  jedes  positive  Symptom  fehlte.  Enuoleation  des  Bulbus.  Nach  Eröffnung 
des  Bulbus  unmittelbar  nach  der  Enuoleation  zeigte  sich  der  Glaskörperraum  von 
einer  sehr  weichen,  schwarzen  Masse  (weiches  Melanosaroom  P)  erfüllt  Nach  Här- 
tung des  Präparates  in  Müll  er 'scher  Lösung  ergab  die  mikroskop.  Untertnchnng  i 
niigends  eine  Geschwulst,  vielmehr  alte  Blutcoagula  zwischen  Choroidea  und  Sdera,  * 
ähnliche  aber  geringere  Anhäufungen  von  Blut  zwischen  Choroidea  und  Betina. 
Die  schwärzliche  Masse  im  Glaskörperraume  bestand  ebenfalls  aus  Blutkörperchen 


264  CentnJblatt  fOr  Chiraigie.    N<^  16. 

witenmsoiit  mit  nmdeB  duehaichtigeB  meut  Imnogenai,  tdteer  im  Centnnn  etwas 
diuüderen  Kugeln,  welehe  im  DurdimeMer  1 — 3  Mal  lo  groM  aU  ein  BlutkOrper- 
chen  waren  und  bei  Zusatz  von  Jodtiaetur  oder  ScliwefeU&ure  die  eharakteristiscfae 
Anykttd-Beaction  ergaben.  An  den  Ckorotdalartmen  aeigte  aich  speekige  IxM- 
tration,  Verengerung  des  Lumens  und  Brikhig^eit  ihrer  Wandungen,  Stauung  in  den 
erweiterten  Capillaren*  Ruptur  derselben,  in  der  Chorioeapillaris  sum  Theil  ausge- 
breitete Hämorrhagieen.  Ciliarfortsätze,  Iris  und  Betina  nozmaL  Fat.  ün  Uebri- 
gen  vollkommen  gesund.   Amyloid  im  Auge  biaher  nach  Verf.  noch  nicht  beschrieben. 

TiUmauM  (Leipzig}. 

H.  Knapp.     Eiue  yerbesserte  Lidpincette,  besonders  für  die  OpenUion 

des  Eantropiums. 

(Arch.  für  Augen-  und  Ohrenheilkunde  1874.  Bd.  III.  Abtheil.  2.) 

Die  ans  Schildplatt  gefertigte  Platte  der  Lidpincette  ist  wie  bei  dem  Snellen - 
Sehen  Instrument  gekrdmmt  und  mittelst  zweier  Nieten  an  das  Ende  der  unteren 
Branche  der  Lidzange  befestigt,  welches  sich  in  den  Rand  der  Platte  keilförmig 
hineinlegt.  Die  obere  Flfiche  dieses  Randes  ragt  Über  den  Stiel  der  unteren  Branche 
derart  hervor,  dass,  wenn  die  Zange  zugeschraubt  ist,  die  obere  Flfiche  der  Platte 
mit  dem  Halbring  in  ein  Niveau  zu  liegen  kommt.  An  diesem  so  construirten 
Instrumente  hat  Verf.  in  jüngster  Zeit  noch  eine  kleine  Aenderung  in  der  Weise 
vorgenommen,  dass  die  Ebene  der  Schildplatte  nicht  mit  der  des  umgebenden  Rin- 
ges zusammenfällt,  wenn  das  Instrument  geschlossen  ist,  sondern  in  der  Art  schief 
gestellt  wird,  dass  der  seitüche  freie  Rand  der  Platte  ungefähr  eine  Linie  höher 
liegt,  als  der  Ring. 

Das  beschriebene  Instrument  soll  in  mancher  Beziehung  brauchbarer  sein,  als 
das  Desmarres'sche  und  Snellen'sche:  es  hemmt  die  Blutung  vollst&ndiger, 
gewährt  ein  grösseres  Operationsfeld  und  spannt  die  zu  entfernenden  Theile,  hebt 
und  exponirt  sie  besser.  THImanns  (Leipzig}. 

B.  Wreden.    Analyse  eines  bemeriLenswerthen  Falles  von    Phlebitis 

sinuum  dnrae  matris  ex  otitide. 

(Arch.  für  Augßn-  und  Ohrenheilkunde  1874.  Bd.  UL  Abthail.  2.) 

Der  Fall  kam  an  einem  15jähr.  Knaben  zur  Beobachtung.  Infolge  einer  £r^ 
kältung  entstand  eine  rechtsseitige  acute  Mittelohrentzündung,  welche  am  Abend 
des  nächstfolgenden  Tages  sehen  Compltcaldonserscheinungen  von  Seiten  des  Sinus 
transversus  darbot  (?);  letztere  verschwanden  nash  4—5  Tagen  nach  Blutegeln  und 
Cataplasmen.  Neue  Erkältung  und  infolge  dessen  24  Stunden  nachher  recidivirende 
Entzündung  der  Himsinus.  5  Tage  lang  sehr  bedrohliche,  cerebrale  und  stürmische 
Allgsmeineiischeinungen  (Fieber  mit  Schüttelfrösten,  Uebelkeit,  Erbiechen,  ELopf- 
schmerzen,  Somnolens,  Deliden,  allgemeine,  aber  vonngsweise  rechts  prävalisende 
Sensiibüitftts-  und  Motilitätsstörungen  an  Kopf,  Hsls^  obenren  und  unteren  Bxtremi- 
täten).  Rasche  Verbreitung  der  Sinusentsündung  ven  dem  rechten  Qacrblutieiter 
auf  die  übrigen  Blutkiter  der  harten  Hirnhaut,  deren  progressive  Invasion  W.  von 
Tag  zu  Tag  verfolgen  konnte.  Vom  Sinus  transversus  dext.  ging  der  phlebitisehe 
Proeesa  nach  unten  auf  die  Vena  jugularis  int.  (enorme  sehmenhaifte  Anschwellung 
der  entsprechenden  Halsseite,  starke  Erweiterung  der  vena  jugularis  ext.,  klonisdie 
und  tonische  Krämpfe  der  Mm.  stemo-cleido-mastoidei  und  oucuilaris);  dann  Phk»* 
bitis  des  sinus  longitud.  sup.  (heftiges  Nasenbluten,  epiieptiforme  0onvul8ionen)| 
endüoh  PhlebttiB  des  sinus  transv.  sinist.  und  vena  jugul.  wX.  sinist.  und  suletat 
Entzündung  des  Sinus  oavem.  dext.,  fortgeleitet  von  der  Phlebitis  fadal.  per  venam 
ophthalsus.  sup.  Beia-  und  Lähmungaencheinungen  von  Seiten  daa  n.  abductM> 
*des  ersten  Quintusaates  und  des  n.  oculomotorius,  Staaungseiseheinungen  am  Auge 
mit  vsnninderter  Sehkraft.  Unter  Behandlung  mit  Calomel,  Kampher,  Chinin,  Eis 
etc.  naeh  14  Tagen  vollständige,  dauernde  Heilung.  THlianiiS  (Leipsig). 


Oantn^laU  für  Ckirurgfi».   No.  16.  255 

Andravs«    Tumor  of  dentine. 

(Chicago  80C.  of  phys.  and  surgeons.  —  Med.  examiner  1875.  p.  71.) 

A.  demonstrirte  einen  aus  Zahnbein  bestehenden  Tumor,  der  sich  an  Stelle 
des  einen  Weisheitsxahnes  einer  ISjähr.  Dame  entwickelt  hatte;  er  war  l^V'  l<^ng, 
Vs"  breit,  und  nur  in  mehreren  Sitzungen  entfernt  worden.        Bänke  (Halle). 

IKooqxiot.     Luxation  sous-claviculaire ;  reduction  spontaaee. 

(Le  pcogr^s  m^dical  1874.  No.  48.) 
Seit  2  Jahren  linluveitlge  habituelle  Luxation  bei  einem  54jfthr.  Handwerker. 
Mehrmals  Spontanreposition.  —  Die  in  der  Ueberschrift  genannte  Luxatien  trat 
Abends  narh  einer  heftigea.  Bewegung  ein.  In  der  NaeiU  starke  Sclimercen.  Am 
andern  Morgan  £and  M.  den  Schulterkopf  unmittelbar  unter  der  Mitt»  der  Clati* 
cula,  die  innere  Seite  derselben  7Vs  Cm.  roa  des  Spitae  des  Aeromkm  entfernt. 
M.  konnte  weder  duioh  »le  proc6d6  de  doueeui«,  noek  durah  »le  pr.  dm  taleo«, 
noch  durch  >le  pr.  de  la  bände  en  caoutchouc«  die  Reposition  machen  (Narkose?). 
In  der  darauf  folgenden.  Nacht  sohlAfk  Fat«  rahig  ein  und  findet  ans-  andern  Mor- 
gen beim  Erwachen  seinen  Humeruskopf  repQnirt.  —  M.'s  Erklflrungsyersuch  ist 
nicht  erw&hneaswerth.  Petenett  (Kiel). 

Bryant.     Diagnosis  of  tumours  of  the  breast. 

(Med.  tiofe.  and  gas.  187&.  Febr.  27.  p.  232.) 

B.'s  klinischer  Vortrag  geht  TOn  2  ftdaoh  diagnosticirten  Fällen  aus:  1}  E!n- 
Caolie  Cyste,  voa  Maimnagewebe  verdeckt»  bei  einer  älteren  Frau;  als  Carcinom 
diagnostioirtt  mit  ampttlatio  mammae  behandelt;  2)  Bin  am  Sternalrande  der  Brust 
^ner  33jähr.  Frau  gelegener  Knoten  ohne  nachweisbaren  Zusammenhang  mit  der 
DrQae;  die  Inetsion  auf  das  vermeintKche  Adenom  ergab  einen  Krebs,  der  sofort 
die  amputatio  mammae  ndthig  machte. 

Die  Besprechung  der  Differentialdiagnose  iwischen  Krebs,  Adenom  und  Cysten 
ettthält  nur  Bekanntee.  Seine  Beobachtung  der  häufig  fH&heren  Carcinomentwick- 
lung  bei  ledigen  Frauen  führt  B.  auf  die  bei  diesen  Personen  früher  eintretende 
InTolutiott  zuiiflk.  Bänke  (Halle). 

Eriotuien.     Cystic  mamma.     (Univ.  Col.  Hospit.) 

(Med.  tim.  and  gas.  1875.  Maroh  6.  p.  252.) 
Ein  Tumor  der  rechten  Brust  einer  48^ähr.  Frau  seit  6  Monaten  entstanden, 
ohne  Drüsenschwellungen  etc.  wird  als  vermeintliches  Carcinom  mittelst  amputatio 
mammae  entfernt,  und  erweist  sich  als  aus  einer  grösseren  und  mehreren  kleinerem 
Cysten  zusammengesetzt  ohne  papilläre  Wucherungen  der  Wandungen.  Histolo- 
gische Untersuchung  fehlt.  Bänke  (Halle). 


Cases  of  fracture  of  the  spine.     (London  Hospital.) 
(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Febr.  27.  p.  226.) 

1)  Ein  50jähr.  Mann  war  von  einem  herabfallenden  Gegenstande  getroffen} 
sofort  fast  totsle  Lähmung  der  Unterextremitäten.  In  beiden  Ulnarisgebieten  Sen- 
sibilität theilweise  verloren;  von  der  Brust  an  abwärts  ist  die  Sensibilität  gleich- 
massig  vermindert.  Tod  am  18.  Tage.  Der  7.  Halswirbel  ist  Vi'  ^^t  vorwärta 
gerutscht,  der  unterste  Theil  seines  Körpers  abgequetscht.  Der  Stelle  entsprechend 
kleine  Blutergüsse  in's  Mark. 

2)  Eine  Sdjähr.  Frau  wird  nach  einem  Fall  zunächst  bewusstlos.  Motilität  ver- 
loren bis  aufwärts  zu  den  von  Cervicalnerven  versorgten  Muskeln  und  dem  bicepa 
brachii.  Sensibilität  von  Brust  abwärts  und  im  Ulnarisgebiete  erloschen.  Haut  der 
paralyt.  Theile  hetss  und  roth ;  Temperatur  bietet  nichts  Auffallendes.  60  Stunden 
nach  dem  Unfall  Tod. 

Verletzung  zwischen  5.  und  6.  Halswirbel;  die  proc.  articular.  sind  abgebro*- 
chen,  die  Bänder  und  Wirbelkörper  nicht  verletzt.  Im  Inneren  des  Markes  ein 
11/2''  langes  Extravasat.  Bänke  (Halle). 


256  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  16. 

H«  Dausoher.    Hühnereigrosser  Blasensteiii.    Blasenschnitt.    Heilmig. 

(Wiener  med.  Fresse  1875.  No.  7.) 

Der  40j&hr.  Fat.  war  durch  sein  durch  10  Jahre  bestehendes  Blasenleiden 
äusserst  herabgekommen.  Zuletzt  hatte  er  continuirliches  Fieber,  intensiven,  eitri- 
gen Blasenkatarrh.  Eine  bestehende  Strictur  und  der  üble  Blasenzustand  Hessen 
die  Lithotripsie  (die  Untersuchung  hatte  einen  weichen,  grossen  Stein  festgestellt) 
nicht  angezeigt  erscheinen.  Seitensteinschnitt.  Nach  Eröffnung  der  Blase  suchte 
D.  vergeblich  nach  einem  Stein  in  derselben ;  er  war  im  Grunde  der  Blase  krampf- 
haft in  einem  Divertikel  festgehalten.  Mit  vieler  Mfihe  endlich  gefasst,  liess  er 
sich  nicht  extrahiren,  was  erst  gelang,  nachdem  er  mit  der  Zange  in  mehrere  StQcke 
aerdrttckt  war. 

Die  folgende  Wundheilung  complicirte  sich  durch  Diphtheritis  der  Wunde  und 
Blase  und  einen  metastat.  Abscess  an  der  Wade.  Injectionen  von  Zinklösung  in 
die  Blase  und  das  Radeiner  Mineralwasser  (viel  kohlensaures  Lithion)  besserten 
den  ablen  Blasenzustand  bald.    Heilung.  Fr«  Steiner  (Wien). 

▲•  di  Bemardo«     Le  chloral  contra  Fulcäre  du  col  utirin. 

(Gaz.  hebdom.  1874.  No.  47.) 

Eine  29jähr. ,  sonst  gesunde,  etwas  an&mische  Frau  hatte  vor  2  Jahren  abortirt, 
woher  ein  heftiger  Uterinalkatarrh  datirte.  Bei  der  Vaginaluntersuchung  fand  B. 
eine  ausgedehnte  Ulceration  um  den  Muttermund  herum.  Jodtinctur,  Ferchlor. 
ferri,  Arg.  nitr.  in  Substanz,  selbst  concentrirte  Schwefels&ure  dagegen  angewandt, 
blieben  gleich  erfolglos.  B.  versuchte  nun  das  Chloral  in  einer  Lösung  von  2  grm. 
Chloral  auf  25  grm.  destill.  Wasser.  Nach  5—6  Bepinselungen  mit  dieser  Löaung 
war  das  Geschwür  —  im  Ganzen  in  14  Tagen  —  völlig  geheilt.  Gleich  aufinun- 
temd  war  der  Erfolg  in  einem  2.  Falle  von  Ulc.  colli  uteri.  Um  die  Heilung 
ganz  zu  sichern,  empfiehlt  B.,  noch  einige  Tage  über  die  Zeit  hinaus,  wenn  das 
Geschwür  schon  geheilt  ist,  die  betreffende  Stelle  zu  bepinseln. 

Wie  wirkt  hier  das  Chloralhydrat  P  B.  meint,  es  wirke  als  local  umstimmen- 
des Mittel ;  die  andere  Hypothese,  wonach  sich  das  Chloralhydrat  unter  Einwirkung 
des  alkal.  Vaginalschleimes  in  Ameisens&ure  und  Chloroform  umwandle,  verwirft  er. 

Fr.  Steiner  (Wien). 
W.  Kroxigold   (Krakau).     Eine  Haarnadel   in  der  Harnröhre   eines 

1 4 V2 jährigen  Mädchens. 
(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  6.) 
Das  Mädchen  klagte  seit  3  Tagen  über  stechende  Schmerzen  in  der  Schamspalte 
Harnverhaltung,  hohes  Fieber ;  endlich  Schüttelfröste,  trockene  Zunge,  Schmerz  in 
der  Nierengegend. 

Die  vordere  Vaginalwand  war  sackförmig  vorgebuchtet,  Qamröhrenmündung 
stark  geschwellt ;  knapp  an  deren  Mündung  ein  harter  Köiper  fühlbar,  der  mit  der 
Komzange  herausgezogen  sich  als  672  Cm.  lange,  1  Mm.  dicke  Haarnadel  prftsen- 
tirte.    Baldige  Heilung.  Fr.  Steiner  (Wien). 

BriggB.    Hemia  of  the  whole  bowel. 

(Med.  examin.  Chicago  1875.  p.  62.) 
Der  Fall  betrifft  das  im  7.  Schwangerschaftsmonat  geborene  Kind  einer  kräf- 
tigen, 21jahr.  Farmertochter,  welches  30  Stunden  gelebt  hatte.  Section  30  h.  p.  m. 
Der  Bruch  war  vom  Nabel  V4  Z^ü  entfernt,  zwei  Fäuste  gross,  nur  an  seinem  Stiel 
Vs  Zoll  weit  mit  Peritoneum  ausgekleidet,  und  enthielt  den  Darmtractus  vom  Duo- 
denum bis  zum  Colon  incl. ;  es  wird  für  ihn  eine  Entstehung  durch  Ruptur  der 
Bauchdecken  in  Anspruch  genommen.  Bänke  (Halle). 

Origlntlmittbellungen,  Monogrsphieen  und  Sepsratabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H,  TUlmanM,  Leipzig,  llsrienstnsse  No.  3,  oder  an  die  VerlsgehaDdlDug, 
BreUkopf  und  HatUiy  einsenden. 


Dnok  und  Verlag  von  Braille op f  nad  HIrtal  in  Leipiig. 


Gentralblatt 


f«r 


CHIRURGIE 

heraosgegeben 

TOB 

Dr.  L.  leaer.  Dr.  E  SAde,  Dr.  E  TülMiu» 

U  Berlin.  in  Halle  a.  8.  in  Leipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  ein«  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prir 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Pottanslalten. 


BIC 


V^  17.  SoBnabend,  den  U.  April.  1876. 


lahaltt  Geainer,  üntersucbnogen  über  den  Hyslinknorpel.  (Originsl-Mittheliong.) 
Y.  Ewetzky,  EotzundangaTersacbe  am  Knorpel.  —  Roufity  Weisse  Blutkörperchen.  *- 
Mff,  Wlderstandafihigkeit  der  Knochen.  —  Ollier,  94%,  V.  NuttbaHm,  Kettartff,  Wund- 
behaadlnng.  -<-  Wi|laMkly  firivet,  Erysipel.  —  W#Od,  Yasomotorteche  Wirknng  des  Er- 
getin.  —  Biaz,  Chinin  bei  Fiebernden  und  Qesnnden.  •—  fUtgtl,  Jaborandi.  —  Blick, 
PeiityphUtische  Abacesse.  —  Powell,  Phthlsisobe  Oelenkaffectionen. 

DeMff#  k  vaa  Wetter,  Chloral-Anaestfaesle.  ^  Kartt,  Kraaaopoltky,  Aklavitt,  Trans- 
Aision.  —  Jattl,  Operation  der  Fisteln  des  dnctns  stenonianns.  —  Mtei,  Fremde  Körper 
In  der  Orbita.  —  Voltolini,  Nossschale  in  der  Trachea.  —  Weod,  BrnstdrOsenkrebs  beim 
Manne.  —  NenMfICl,  Innere  Einklemmung.  ^  Neuffer,  Unterst&tzung  der  Taxis.  — 
IMn«,  Radlcalopention  der  Hernien.  —  Hatry,  Seitliehe  Lniatlon  des  Yorderarms. 
—  WNmsrtt  Sehenkelhalsfractnr.  —  Cabot,  Enchondrom  des  Fusses.  ^  Zailfftl,  Besieh- 
tigang  der  Pharyngealmündung  der  EostachlBchen   Röhre    durch  die    Nase.   —  Jacoby, 

Ileus  beim  Neugeborenen. 


Untersuchungen  über  den  Hyalinknorpel. 

Von 

Hr.  Alfred  Genzmer^ 

Assisteniarzt  a.  d.  chirurg.  Klinik  lu  Halle  a/S. 

Durch  eine  im  Gentralblatt  für  medioiniBche  Wiflsenackaften  1875, 
No.  16  Yon  Y.  Ewetaky  Teröffentliohte  Yorläufige  Mittheilung  über 
sfintanndungeYeiBuche  am  Knorpel«  bin  ich  Teranlasst,  die  Reaultate 
?on  Untersuchungen,  die  ich  über  den  Hyalinknorpel  in  normalem 
and  gereistem  Zustande  angestellt  habe,  schon  jetzt  an  dieser  Stelle 
kurz  zu  YCToffentlichen ;  eine  ausfuhrlichere  Mittheilung  darüber  be^ 
abrichtige  ich  demnächst  folgen  zu  lassen. 

Untersuchungsobject  waren  die  Rippenknorpel  yon  Kaninchen  und 
der  Knorpelüberzug  des  Schenkelkopfes  vom  Kaninchen  und  Frosch. 
Als  Färbemittel  benutzte  ich  Goldehlorid,   Höllenstein,  Hämatoxilin 

17 


258  Centralblatt  fflr  Chirurgie.    No.  17. 

und  Picrocarmin   utid'  arbeitete  Imit  «inieq^  Seht  öd  er 'sehen  Instru- 
ment (SOOfache  Vergiösoernng,  Immersion). 

1.    Histologie  des  Hyalinknorpels. 

lo  reiu  knorpeligen  Theilen,  die  von  Verkalkung  und  Verknoehe- 
rung  ganz  frei  sind^  stellen  sich  die  Zellmldiber  als  rutdljehe^  äulseiBt 
fein  granulirte  Massen  dar^  welche  die  Knofpelhihlen  rolktändig- aus- 
füllen. Ein  schmaler  Saum  zeigt  sich  frei  von  Kömelung  (Neu- 
mann 's  pericelluläre  Schicht],  die  man  wohl  am  besten  mit  Klebs*) 
als  homogene  Randschicht  bezeichnet. 

Peripher  liegi  der  grosse  kugelförmige,  grobgranulirte  Kern  mit 
nicht  immer  deutlichem  eigen thümlichem  Kemkörperchen. 

Anders  ist  das  Aussehen  des  Zellkörpers  innerhalb  oder  auch  in 
der  Nähe  der  Verknöcherungszone :  er  wird  hier  im  Ganzen  blasser, 
enthält  häufiger  Yacuolen  und  zeichnet  sich  durch  2  Lagen  ziemlich 
gleich  grosser,  stark  lichtbrechender  Kömchen  aus>  die  in  gleichen 
Abständen  xim.  einander  liegend,  sowohl  den  Kem^  als  die  innere 
Kapselwand  bekleiden.  Eine  homogene  Randschicht  ist  infolge  dessen 
mioht  mehr  nachweisbar.  Das  Aussdien  der  Zellen  ist  ein  sehr  zia- 
liebes ;  Kern  und  Protoplasma  erscheinen  mit  feinen,  regelmässigen, 
hellen  Zacken  besetzt.  Bei  ungenauer  Einstellung  entstehen  Bilder, 
die  mit  den  von  Heitzmann  in  seinen  »Studien  am  Knochen  und 
Knorpel«  (Med.  Jahrbücher  1872,  Hft.  4,  Tafel  XI,  No.  15)  ange- 
stellten eine  gewisse  Aehnlichkeit  haben.  Man  sieht  dann  Zerstreu- 
ungskreise  der  dunklen  Kömer,  welche  die  Contpuren  der  Zelle  zu 
überragen  scheinen ;  die  hellen  Zwischenräume  können  dann  wohl  als 
helle  Ausläufer  der  Zellen  imponiren,  wie  sie  Heitzmann  als  An- 
fange seines  netzförmigen  Canalsystems  im  Hyalinknorpel  beschreibt. 
Stellt  man  den  Fokus  auf  die  Oberfläche  der  Zellen  ein,  so  sieht  man 
die  Schicht  der  Kömer  dunkel  in  hellem  Grund;  es  müssten  helle 
Felder  in  einem  dunklen  Netzwerk  entstehen,  wenn  die  Heitz- 
mann*sche  Deutung  richtig  wäre. 

Der  den  Zellenkern  umgebende  Kömchenkranz  täuscht  feine  Aus- 
läufer des  Kerns  vor,  die  Heitzmann  sich  in  sein  Canalsystem  er- 
strecken lässt. 

Auch  grosse  Yacuolen  im  Protoplasma^  wie  sie  beim  Frosch  un- 
gemein häufig  sind,  können  den  zwischen  ihnen  befindlichen  Proto- 
plasmabalken das  Aussehen  von  Kemfortsätzen  geben;  doch  ist  hier 
eine  Täuschung  schon  leichter  zu  vermeiden. 

Ghrössere  Fetttrepfen^  meist  leicht  gelbKek  gefilrbt,  zeigen  bei 
einer  gewissen  Einstellung  die  schönsten  Doppeloootouren,  wie  die  von 
Heitzmann  in  den  Zellen  tieferer  Schichten  der  Grelenkknoipel 
gefundenen  und  als  neugebildele  tothe  Blutkösperchen  gedeuteten 
Gebilde. 

Eintrocknen,   beginnende  oadaveröse  Zersetzung,  und  der  Zusatz 


*)  Beobachtungen  und  Versuche  aber  Cretinismufl.    ArohW  für  etperim^ntelle 
Piithologie  und  Pbarmaoologi«!.  Bd.  II,  p.  437. 


C«iitrilUAtt  (Ar  Chitnigie.    Ko.  17.  259 

der  mtisten  BMgenlieii  Utel  die  Zellkfirper  innerhalb  der  Kapeeln 
m  nnregebnäeBigen,  körnigen^  mckigen  und  steeheligen  Gebilden  ein- 
toknunpfien.  Es  entstehen  dann  Hohlräume  iwieohen  Kapsel  und 
Zcfikövperi  die  man  als  helle  Ringe  wahrnimmt;  in  diesen  Ringen 
^anbte  Colomiatti  (HyaHnknoipel  und  Netsftwerknorpel ,  Referat 
in  Schmidt's  Jahrbüehcom;  Bd.  1691)  die  Erklärung  fui  Neumann's 
pcricelluläxt  Schicht  gefunden  su  haben. 

Die  Knorpelkapoefai  sind  nieht  überall  deutlich  danustellen.  Sehr 
scholl  sieht  man  sie  meist  im  Rippenknorpel  des  Kaninchens  in  der 
Nähe  der  Verkalkangsionen^  an  Ptäpamten,  die  mit  Hämatoxilin  gefilrbt 
sind.  Sie  bqiienzen  die  Knoirpelhöhlen  naeh  innen  scharf  und  glott^ 
gehen  aber  in  die  Zijrischensubstana  meist  diffus  über;  es  spricht  die- 
ser Umstand  gegen  die  Annahme  ihrer  Entstehung  aus  einer  modifi- 
cürten  Randschicht  des  Zellkörpers.  — 

In  der  hyalinen  Zwiscbensubstanx  konnte  ich^  abgesehen  von 
taeinandeigefiigten  Kapselsystemen,  durch  keine  der  yon  mir  ange- 
wandten Tinctionsmethoden  irgend  welche  Struetur  erkenntlich  machen. 
Von  dem  Heitsmann'schen  Canalsystem  fand  ich  nie  eine  Andeu- 
tung, wohl  aber  wie  Colomiatti  (1.  c),  yon  dessen  Arbeit  ich  erst 
nach  Absehluss  meiner  Untersuchungen  Kenntniss  genommen  habe» 
und  Brückner  (Eiterbildung  im  hyalinen  Knorpel,  Inaug.-Dissert. 
Dorpat  1873)  bei  Behandlung  mit  Aig.  nitr.  kömige  Niederschläge 
auf  der  Oberfläche  der  Schnitte;  aber  auch  hier  sah  ich  nie  eine 
deutlich  netzförmige  Anordnung. 

2.    Hyalinknorpel  im  gereizten  Zustand. 

Beobachtungsobject  waren  Rippenknorpel  von  Kaninehen,  die  ich 
theUs  mit  glühenden  Nadeln  anbohrte,  theils  im  Bereiche  einfacher 
Bohrlöcher  mit  einer  ooucentrirteu  (dickflüssigen)  Lösung  yon  Chlor- 
sink  ätzte;  die  Lösung  wurde  mittelst  einer  fein  ausgezogenen  Glas- 
kanüle  als  kleiner  Tropfen  applicirt. 

In  keinem  Falle  fand  ich  innerhalb  der  ersten  8  Tage  in  der 
Umgebung  des  Substanzverlustes  in  den  Knorpelzellen  andere  Meta- 
morphosen, als  regressive.  Die  Kerne  waren  undeutlich  und  unr^el- 
massig  geformt,  die  Zellkörper  meist  krümelig  zerfallen  und  ge- 
schnunpfb,  theilweise  mit  zahlreichen  Fetttröpfchen  versehen ;  vielfach 
waren  sie  in  den  Schnitten  aus  den  Knorpelhöhlen,  die  mir  vergrössert 
schienen^  herausgefallen. 

Die  Zwischensubstanz  zeigte  eine  vermehrte  ImbilitionsfiUügkeit 
für  Farbstofie ;  auf  Schnitten,  die  ich  mit  Carmin  färbte,  zeigten  sich 
immer  ziemlich  breite  rothe  Höfe  um  den  Defect,  während  die  Zwi- 
schensubstanz im  Uebrigen  ungefärbt  blieb.  Nach  14  Tagen  fand  ich 
das  Protoplasma  der  umliegenden  Zellen  äusserst  blass,  die  Kerne 
undeutlich,  nie  eine  Spur  von  Proliferation;  dabei  waren  die  Zellen 
durch  eine  Zui^me  der  Zwischensubstanz  weiter  aus  einander  ge- 
rückt, als  im  normalen  Zustand.  Die  hauptsächligste  Veränderung 
zeigte  sich  in  der  ZwijM^hensubstanz,  die  vollständig  in  feinste  wellen- 
förmige Fäsercheu  zerfallen  war,   wie  sie  Tillmanns    (Beiträgt  zur 

17» 


260  CentralUatt  fttr  Chirurgie.    No.  t7. 

Histologie  der  Gelenke»  Arch.  f.  miloroskop.  Anatomie  18,74,  Bd.  10» 
ref.  im  CentralbL  f.  Chir.  1874,  p.  469)  nach  Behandlung  des  nor- 
malen Hyalinknorpels  mit  Kali  hyp^mang.  oder  10^  Koohsalzlöeang 
fiind.  Die  Fasern  gingen  ohne  scharfe  Grenien  in  die  hyaline  Sub- 
stanz aber,  und  flottirten  in  dem  Defect.  Im  Verlauf  von  zufiUlig 
entstandenen  Bissen,  die  vom  Defect  in's  Gewebe  verliefen,  zeigte 
sich  stets  die  gleiche  Faserung.  Aelteren  Angaben  entgegen  fand 
ich  nie  Verkalkungen.  Ich  kann  somit  die  Angabe  v.  Ewetzky's, 
dass  die  Knorpelzellen  auf  Reize,  die  in  andeien  Geweben  »Entzün- 
dungtt  bewirken,  nur  durch  regressive  Metamorphosen,  nie  durdi  Proli- 
favationsvoigänge  oder  gar  Bildung  von  Eiterkörpeichen  reagiren 
(Brückner  1.  c),  durchaus  bestätigen. 

S«  Regeneration  von  Defecten  im  HyalinknorpeL 
Die  Defecte  im  Hyalinknorpel  waren  nach  14  Tagen  theilweiee 
durch  ein  Gewebe  ersetzt,  das  von  den  Weichtheilen  continuirlich 
ausgehend  aus  grossen  Spindelzellen  mit  schönen  runden  Kernen  be- 
stand, durch  wenig  äusserst  zartes  Zwischengewebe  von  einander  ge- 
trennt. Die  Spindelzellen  hatten  sich  theilweise  zwischen  die  Fibril- 
len der  zerfaserten  hyalinen  Zwischensubstanz  geschoben,  und  lagen 
an  einzelnen  Stellen  zwischen  den  blassen  abgestorbenen  Knorpelzelleo, 
von  diesen  durchaus  varschieden.  —  Herrn  Prof.  Steudener,  der 
mich '.bei  meinen  Untersuchungen  gütigst  unterstützte,  sage  ich  hier- 
mit meinen  verbindlichsten  Dank.  — 


Th.  V.  Bwetoky.    Entzündungsversuche  am  KnorpeL 

(Oentndblstt  f.  d.  med.  WiMenschaften  1875.  No.  U.) 

Applicirt  man  auf  den  Scleralknorpel  des  Frosches  einen  Reiz,  so 
sieht  man  zuerst  im  Bereich  desselben  eine  »atrophische«  Zone  auf- 
treten, in  der  die  Knorpelzellen  zu  Grunde  gehen.  In  den  an  diese 
Zone  stossenden  Zellen  beobachtet  man  eine  Vacuolenbildung,  durch 
welche  der  Zellenleib  ganz  zersprengt  werden  kann.  Diese  Vacuolen- 
Zone  macht  dann  später  der  oft  erst  spät  auftretenden  Proliferations- 
zone  Platz.  Hier  sieht  man  die  Knorpelzellen  in  lebhafter  Wuche- 
rung begriffen  und  zuweilen  finden  sich  unter  ihnen  junge  Zellen, 
welche  den  weissen  Blutkörperchen  sehr  ähnlich  sind,  doch  keine  Er- 
scheinungen der  Contractilität  zeigen.  Die  Knorpelzellen  wachsen  in 
die  atrophische  Zone  und  verkleinem  diese;  andererseits  wuchert 
auch  das  Perichondrium  und  hilft  den  durch  Abstossung  des  Aetz- 
bezirks  entstandenen*  Defect  ausfüllen,  worauf  sich  das  perichondrale 
Gewebe  in  Knorpel  umwandelt. 

Zuerst  also  Degeneration  der  Zellen  und  dann  sehr  spät  auftre* 
tend  eine  Vermehrung  derselben,  welche  Verf.  mehr  als  »einen  re- 
generativen Vorgang«  auffasst,  bei  welchem  zu  keiner  Zeit  eine  Um- 
wandlung der  Knorpelzellen  in  Eiterkörperchen  sich  constatiren  lässt. 

A*  BMder  (MannheiraK  * 


Centralblatt  fftr  Chiruigie.    No.  17.  261 

C7h,   Bonget.      Migrations    et    m^tamorphoses    des    globtdes 

blancs. 

{Brown-S^quard's  Arch.  de  physiolog.  1874.  p.  821—48.) 

R.  liat  bereits  vor  einigen  Jahren  bei  den  Amphibienlarven  nach- 
gewiesen, dass  die  weissen  Blutsellen^  nachd^n  sie  durch  Dii^pedesis 
die  Gefmsse  verlassen  haben,  sich  au  schwaraen  Pigmentzellen  umbil- 
den, von  denen  ein  Theil  sich  an  der  Gefasswand  dauernd  festsetzt 
und  die  Bildungszellen  der  Adventitia  abgiebt,  während  der  andere 
Theil  in  die  Lymphräume  übertntt.  Die  nun  an  Hyla  viridis,  Bana, 
Pelobates  u.  A.  fortgesetzten  Untersuchungen  ergaben  im  Wesent- 
lichen Folgendes:  Wenn  die  Blutkörperchen  durch  Diapedese  die 
Gefasswand  durchsetzen,  so  wird  die  Rolle  der  rothen  Blutkörperchen 
eine  rein  passive;  der  intravasouläre  Druck  treibt  sie  durch  das  Zd- 
lenprotoplasma  der  Gefasswand  wie  durch  einen  Filter  hindurch,  da- 
bei erleiden  sie  zugleich  Form-  und  Gestalts  Veränderungen.  Der 
eigenen  Beweglichkeit  baar  und  unfähig  in  einem  anderen  Medium 
als  dem  Blutplasma  ihre  physiologische  IntegrilSlt  au  bewahren,  gehen 
sie  einer  baldigen  Veränderung  und  Auflösung  entgegen.  Die  wessen 
Blutzellen  dagegen,  mit  amöboider  Bewegmig  begabt,  vollführen  ihre 
Wanderung  durch  die  interstitiellen  Gewebsräume,  wie  andere  beweg- 
liche Organismen  und  fixiren  sich  erst  in  den  letzten  Phasen  ihrer 
Entwicklung.  Bei  Amphibienlarven  finden  sich  nun  unter  ganz  nor- 
malen Verhältnissen  isolirte  weisse  Bluteellen  der  Gefasswand  adhäri* 
rend,  sie  durchsetzend,  oder  an  die  GeflUsoberfläche  festgeheftet.  Unter 
der  Einwirkung  von  solchen  Aether-  oder  Curaredosen,  die  nur  das 
Thier  unbeweglich  machen,  erfolgt  dann  Diapedese  der  weissen  Blut- 
zellen in  vielen  Gefassen.  Ebenso  constatirt  man  in  der  Nähe  von 
Entzündungsheerden  eine  reichliche  Diapedese  weisser  Blutzellen,  die 
wie  Cylinder  die  Gefasswand  umgeben,  und  femer  rings  um  die 
Schnittöfihung  der  kleinen  Venen  und  Arterien,  welche  dem  Orte  der 
Verletzung  am  nächsten  liegen  und  sich  in  paralytischem  Zustande 
befinden.  Aus  alledem  geht  hervor,  dass  die  Rolle  der  weissen  Blut* 
zeUen  eine  active  ist;  wenn  sie  die  Gefasswand  durchsetzen,  so  ge- 
schieht dies  vermöge  ihrer  Bewegungsfahigkeit,  die  ihnen  auch  er- 
laubt» sich  von  dem  Gefässe,  aus  dem  sie  ausgewandert  sind,  zu  ent- 
fernen. Kommen  die  weissen  Blutzellen  mit  rothen  zusammen,  die 
vor  mehreren  Ti^en  extravasirt  sind  und  nun  schon  regressive  Ver^^ 
änderungen  einzugehen  beginnen,  so  hüllen  sie  die  rothen  Blutkör- 
perchen oder  die  Blutgerinnsel  mit  ihren  beweglichen  Fortsätzen  ein, 
befördern  sie  in  ihren  Zellenleib  und  infiltriren  sich  mit  den  Pigment- 
resten. Zu  gleicher  Zeit  nehmen  ihre  Dimensionen  zu,  sie  verwan- 
deln sich  in  Pigmentzellen,  die,  ebenfalls  noch  mit  amöboider  Be- 
wegtmg  begabt,  verschiedene  Schicksale  erfahren.  Die  einen  gerathen 
in  die  Lymphräume  und  werden  von  diesen  dem  Blute  zugeführt;  ihr 
Endsehioiksal  ist  noch  nicht  genügend  bekannt.  Andere  fixiren  sich 
an  der  Gefasswand  (auch  an  Nerven),  ramificiren  sich  und  werden 


262  Centralblatt  itlr  Chirurgie.    No.  17. 

schliesslich  zu  Adventitia-Zellen.  Wieder  andere^  ebeofaUs  veräsidte 
Pigmentzellen  bilden  die  schwarzen  und  gelben  Pigmentlagen  an  der 
Hautoberfläche^  einzelne  dringen  schliesslich  bis  unter  die  Epidermis 
und  werden  hier  zu  subepidermoidalen^  sternförmigen  Pigmentzellen. 
Unter  dem  Einfloss  formativer  Heizung  z.  B.  infolge  fraumati* 
sch^  Einwirkung  häufen  sich  die  »rothe  Blutitörperchen  fressenden« 
weissen  BlutzeUen^  welche  in  Pigmentzellen  sich  umgewandelt  haben^ 
im  Bereiche  der  Narben  an ;  es  entstehen  hierbei  Gebilde^  deren  Zu- 
sammensetzung und  Entwicklungsmodus  mit  denen  der  Granulationen, 
Fungositäten  und  der  narbigen  Vegetationen  bei  den  höheren  S&uge- 
thieren  sehr  grosse  Analogieen  daxbieten. 

J«  Mnk  (StMMdnug  i/B.). 

▲•  Aeby.     lieber  die  verschiedene  Widerstandsfilhigkeit  der 
Knochen  im  todten  und  lebenden  Zustande. 

(Reichert  u.  du  Bois'  Archiv  1874.  p.  510—13.) 
Die  yerschiedene  Härte  und  Widerstandsfähigkeit  der  Knochen 
bei  den  verschiedenen  Temperaturen  ist  bisher  aus  physikalischen  Ver- 
hältnissen allein  abzuleiten  yersucht  worden.  Dem  gegenüber  weist 
A.  nach,  dass  die  ganze  Erscheinung  vielmehr  durch  das  quantitativ 
abgeänderte  Verhältniss  von  chemisdi  gebundenem  zu  fr^em  Wasser 
bedingt  ist. 

Knorpel  und  der  aus  ihm  datgestellte  Leim  sind  im  Stande, 
grössere  Mengen  Wasser  chemisch  zu  binden.  Im  lufttrockenen  Zu- 
stande stellen  sie  bei  einem  Durchschnittsgehalt  von  17^  Wasser 
eine  spröde,  harte  Masse  dar,  die  bei  erhöhter  Temperatur  unter 
Wasserabgabe  erweicht.  Wird  im  Luftbade  getrockneter  Knorpel  mit 
Wasser  befeuchtet,  so  tritt  starke  Erwärmung  ein,  wahrscheinlich 
durch  eine  chemische  Bindung  von  Wasser  bedingt,  welches  die  B^lle 
von  Krystallwasser  spielt.  Fein  gepulverter,  frischer,  compacter  Rin- 
derknochen bei  einem  Mittelgehalt  von  24^  organischer  Substanz  und 
9,5 j^  Wasser  erwärmt  sich  ebenfalls  beim  Befeuchten  mit  Wasser 
merklich;  der  Luft  bei  mittlerer  Temperatur  ausgesetzt,  verliert  er 
nicht  nur  kein  Wasser,  sondern  nimmt  sogar  bedeutende  Mengen  des- 
selben auf,  während  der  menschliche  ELnochen  bei  einem  mittleren 
Gehalt  von  28^  organischer  Substanz  und  12)^  Wasser  sich  nahezu 
indifferent  verhält  Bei  der  Abkühlung  des  menschlichen  Knochens 
von  ca.  40^  C.  auf  die  gewöhnliche  Lufttemperatur  wird  das  in  der 
organischen  Knochengrundlage  vorhandene  freie  Wasser  chemisch  ge* 
bunden;  damit  soll  zugleich  eine  Modification  der  WiderstandifKhig- 

keit  bei  niederer  Temperatur  gegenüber  der  höheren  gegeben  sein. 

J.  Kluk  (Straitburg  i/B.)- 

OUiw.    Fansementa  a  la  ouate  et  ocdnsion  inamoyible. 

(Oomptes  rendut  T.  80.  (1875)  p,  154-^59.) 

Den  ton  A.  Gu^rin  warm  empfohlMen  Watteverband  hat  O. 
in  den  letzten  4  Jahren  im  Hospital  Hdtel^Dieu  zu  Lyon  mit  dem  befiteti 


Centnilblatt  für  Chirurgie.    No.  17.  263 

Erfolge  angewandt.  Und  doch  wies  die  mikroekopische  UnterBkchung 
des  Wundeiten  unter  dem  Watteverband  stets  reichliche  Vibrionen 
and  andere  niedere  Organismen  nach^  selbst  auf  Wunden^  welche  ein 
vortreffliches  Aussehen  hatten.  Derselbe  Wundeiter^  Hunden  in's  Zell* 
gewebe  injicirt^  erzeugte  brandige  Phlegmonen,  häufig  mit  tödtKchem 
Ausgange.  Es  ist  das  ein  deutlicher  Beweis^  wie  tolerant,  so  zu  sagen, 
die  Wundflächen  selbst  f&r  diesen  sonst  so  infectiösen  Eiter  sind. 
Deshalb  ist  auch  nach  O.  das  häufige  Verbinden  der  Wunden  und 
das  häufige  Abspülen  des  Wundeiters  unnöthig ;  in  der  Seltenheit  des 
Wechseins  des  Verbandes  liegt  daher,  wie  dies  auch  die  von  der  Pariser 
Academie  gewählte  Commission  hervorhebt,  mit  der  Hauptvorzug  des 
Watteverbandes.  Wurde  der  Verband  zum  Zwecke  der  antiseptischeB 
Wundreinigung  entfernt,  so  beobachtete  O.  regelmässig  eine  Erhöhung 
der  Körpertemperatur  um  0,2° — 0,6  "C.  und  daiüber.  Es  ist  dies 
nicht  wenig  aufTaüendj  weil  man  theoretisch  das  Gegentheil  erwarten 
eollte  und  zwar  deshalb,  weil  die  Wundreinigung  eine  sofortige  Ver- 
ringerung der  Resorption  septischer  Stoffe  voraussetzt,  auf  der  nach  unse- 
rer jetzigen  Anschauung  das  Ansteigen  der  Temperatur  beruht.  O. 
STO^t  den  Grund  für  diese  merkwürdige  Thatsache  darin,  dass  beim 
noch  so  vorsichtigen  Entfernen  der  auf  der  Wunde  festhaftenden  Ver- 
bandstucke  die  Granulationen  zum  Theil  zerrissen  werden.  Umge- 
kehrt folgte  auf  den  Wechsel  des  Verbandes  eine  Temperaturherab 
Setzung,  wenn  der  Verband  schon  lange  gelegen  und  rings  um  die 
Wunde  sich  reichlich  Biter  angehäuft  hatte.  Entfernt  man  hier  den 
Eiter,  so  dass  die  Resorption  desselben  von  der  oft  excoriirten  Wund- 
umgebung sistirt  ist,  so  fällt  die  Temperatur.  Man  lässt  daher  am 
besten  den  Watteverband  so  lange  liegen,  als  der  Fat.  keiae  Be* 
schwerden  empfindet  und  sich  keine  erhebliche  Temperatursteigerung 
zeigt.  Ausserordentlich  selten  entwickelt  sich  unter  dem  Wattever- 
bande Wunderysipelas.  Zu  einer  Zeit,  wo  22  Falle  auf  der  Abthei- 
lung unter  Anwendung  der  sonst  üblichen  Verbände  von  Erysipel 
befallen  wurden,  zeigte  unter  dem  Watteverbande  nur  ein  einziger 
diese  Complication.  Das  Gleiche  gilt  für  die  Entwicklung  der  Noso- 
comialgangrän ;  während  eine  grosse  Anzahl  der  anders  verbundenen 
Wunden  brandig  wurde,  blieben  die  mit  Watte  verbundenen  davon 
verschont.  Diese  Complication  entwickelte  sich  erst,  wenn  zum  Zwecke 
der  Verbandemeuerung  die  Wunde,  freigelegt  wurde.  Nur  sehr  sel- 
ten entstanden  Prämien,  die  dann  einige  Eigenthümlichkeiten  dar- 
boten; einmal  fehlten  hier  die  Schüttelfroste,  oder  waren  wenigstens 
von  geringerer  Intensität  und  seltener  ^  als  dies  sonst  der  Fall  ist. 
Auch  machte  dann  die  Pyämie  nur  langsame  Fortschritte,  so  dass  sie 
mehr  einer  langwierigen  Septikämie  glich;  es  hatte  die  purulente 
Infection  gewisaermassen  einen  chronischen  Charakter  angenommen; 
es  gelang  auch  hier  und  da  die  Fat.  nach  Evacuirung  aus  den  in- 
ficirten  Räumen  zu  retten.  Eine  rationelle  Vervollständigung  erhält 
der  Watteverband  durch  eine  gründliche  Desiufection  der  Wundfläche 
ver  seiner  Anlegung,  am  besten  mit  einer  verdünnten  CarboUösung 


264  Centralblatt  für  Chirurgie«    No.  17. 

oder  durch  die  sofortige  Application  einer  mit  Caibolöl   geträokteB 
Watteechicht  auf  die  frische  Wunde. 

Ein  fernerer  Vortheil  des  Watteverbandes  liegt  darin^  dass  man, 
um  auch  eine  vollständige  Immobilisation  zu  erzielen,  ihn  noch  am 
besten  mit  einem  Wasserglasverbande  umgiebt,  welcher  eventuell  durch 
eingelegte  Schienen  fester  und  haltbarer  gemacht  und  wenn  nöthig 
auch  mit  einem  Fenster  versehen  werden  kann.  Der  auf  solche  Weise 
vereinigten  Occlusion  und  Immobilisation  vindicirt  0.  die  guten  Er* 
folge  der  Wundheilung,  die  er  in  den  letzten  Jahren  gewonnen  hat. 

J.Mnnk  (Stra«aburgä/E.). 

Marc  See.     Fansement  ä  Talcool.  —  Appareil  ä  imgatkm 

continue  d'alcool. 

(Bevue  de  Th^rapeuth.  m6d.  -  chirurg;t  1875.  No.  2.) 

Bei  eiternden  Wunden,  insbesondere  auch  complicirten  Fractugen^ 
wendet  S.  nach  dem  Vorgänge  anderer  Franzosen  den  Alkohol  in 
einer  Concentration  von  30^,  oft  noch  schwächer,  an.  Die  Wunde 
zeigt  unter  dieser  Behandlung  ein  frisches,  gesundes  Aussehen,  wenn 
auch  wenig  üppige  Granulationen,  und  gutartige  Eiterung.  Prima 
intentio  vnrd  durch  den  Weingeist  nicht  gerade  begünstigt,  die  Ver^ 
narbung  einer  granuhrenden  Fläche  aber  geradezu  angehalten. 

Zur  beständigen  Alkoholberieselung  der  Wunden  mit  verschie* 
denen  Concentrationen  hat  S.  schon  vor  7  Jahren  einen  besonderen 
Apparat  angegeben.  An«  BUler  (Beriin). 

y.  Ntusbaimi.     Liste r*s  grosse  Erfindung. 

(Aentl.  Intelligenzblatt  1875.  No.  5.) 

In  einem  klinischen  Vortrage  schildert  N.  die  Lister 'sehe  Methode 
der  Wundbehandlung  und  rühmt  die  guten  Erfolge,  welche  dieselbe 
seit  ihrer  Einführung  in  die  Münchener  chirurgische  Klinik,  nament- 
lich als  Schutz  gegen  das  Auftreten  von  Pyämie  und  Hospitalbrand 
aufzuweisen  Hat.  Während  daselbst  in  den  letzten  3  Jahren  in  zu- 
nehmender Häufigkeit  20,  50  und  80  Procent  aller  Verwundeten  und 
Operirten  vom  Hospitalbrand  befallen  wurden,  findet  sich  zur  Zeit 
kein  einziger  Fall  von  Hospitalbrand  und  Pyämie  auf  der  Abthei- 
lung. Auf  Grund  dieser  Thatsache  widerlegt  N.  auch  den  Vorwurf 
der  grösseren  Kostspieligkeit  des  Verfahrens,  da  durch  die  Femhal-» 
tung  der  Wundkrankheiten  die  Heilungsdnuer  bedeutend  abgekürzt 
werde.  P.Bnuig  (Tübingen). 

8«  J.  Kostareff.    lieber  verschiedene  Wundrerbände. 

(VerhandluDgen  der  chirurgischen  Gesellschaft  zu  Moskau  1875.  1.  Thl.  p.  1.) 

Bei  Besprechung  der  verschiedenen  Wundbehandlungen  kommt 
K.  zn  folgenden  Schlüssen:  1)  bei  dem  jetzigen  Zustande  der  Wiasenh* 


Centralbktt  für  Chinirgie.     No.  17.  205 

scfaaft  können  auf  Grn^d  theoretischer,  experimentell  pathologisclieT 
und  klinischer  Untersuchungen  nur  2  Methoden  der  Wundbehand-« 
lung  fUr  ▼oBkbmmen  rationell  erklärt  werden:  die  Briiandlungsmethode 
ohne  Verband^  inclusive  derjenigen  unter  einen  Schorf ,  und  die 
Lister'sch^  Verbandmethode ;  2)  aus  sanitär«!  und  ökonomischen 
Ricksidbten  muss  in  Krankenhäusern  als  Kegel  die  offene  Wundbe-» 
handlnng  eingeführt  werden;  3)  der  Lister 'sehe  Verband  muss  nur 
in  folgenden  Fällen  angewandt  werden :  bei  Wunden,  welche  in  tiefe» 
normale  und  pathologische  Höhlen  dringen,  in  einigen  Fällen  com- 
pUcirter  Praoturen,  wo  hinzugetretene  Complicationen  auf  Anwesen- 
heit eines  entzündlichen  Irritamentes  deuten,  zuletzt  in  maniakalischen 
Zuständen,  wo  der  Kranke  muthwillig  die  Wunde  reizt.  4)  Die  Ur- 
sache der  Ungesundheit  unserer  Hospitäler  liegt  weniger  in  ihrer  sani- 
täran  VemaohläsBigung,  lals  in  ungenügenden  Kenntnissen  von  Seiten 
des  Personals  über  das  Wesen  der  Hospitalinfection.  Jedes  Hospital 
kann  bei  rationeller  Behandlung  und  systematischer  Aufsicht  in  sani^ 
fiirer  Hinsicht  verhältnissmässig  gut  gestellt  werden,  ohne  Anwendung 
radicaler  Mittel.  5)  Die  Wundbehandlung  von  Gu^rin  bildet  einen 
unnützen  Ballast  in  der  Chirurgie  und  ist  in  Krankenhäusern  durch-; 
ans  nicht  zu  empfehlen.  6)  Unsere  Statistiken  über  Wundbehand-» 
hmg  und  Wundverbände  können  gegenwärtig  gar  keinen  besonderen 
Werth  beanspruchen,  da  in  den  meisten  Fällen  jede  Methode  in  der 
Behandlung  fehlt.  W.  Grabe  (Charkow). 

(Wir  bedauern I   dass  obigen  apodictischen  Behauptungen  des  Verf. 's  nur  Ab- 
ttractionen«  keine  Erfahrungen  zu  Grunde  zu  liegen  scheinen.         Die  Jled.) 


M.  Wojlanski.     Consid^rations  eur  T^tiologie,  le  traitement 

et  la  prophylaxie  de  l'^rysipile. 

(Th^se,  Paris.  1874.) 

P.  Grivet.     l^tude  clinique  de  Vinfluence  salutaire   de  T^ry- 

sipele  sur  le  lupus. 

(Th^se,  Paris,  1874.) 

W.  theilt  die  in  ätiologischer  Beziehung  int^essante  Beobachtung 
mit  von  der  örtlichen  und  eeitlichen  Coincidenz  einer  Erysipelasepi* 
demie  mit  Puerperalfieber.  Während  auf  DepauTs  Klinik  zu  Paris 
im  Novbr.  1873  nach  kurzer  Unterbrechung  Puerperalfieber  von  Neuem 
heftig  endemisch  auftrat,  wurden  gleichzeitig  auf  Broca's  chirurgi- 
sehen  Sälen  sowohl  frisch  Operirte  ab  auch  anderweitig  Kranke  mit 
ganz  unbedeutenden  Continuitätstrennungen  in  auffallender  Weise  von 
Eiysipelas  befallen.  Ohne  auf  die  näheren  äusseren  Ursachen  dieser 
Ersoheinui^  (Loealität,  Communication]  einzugehen,  wird  daraus  auf 
eine  innere  Verwandtschaft  der  beiderseitigen  Contagien  geschlossen, 
welche  in  der,  zuerst  von  Piorry  ausgesprochenen,  jetzt  von  der 
MehrzaU  der  Autoren  getheilten  Ansicht  vom  septischen  Ursprünge 
des  Erysipels  ihre  Erklärung  finde.    Fälle  von  gleichzeitigem  Auftie^ 


266  Centralblatt  fflr  Chirargte.    Ko.  17. 

ten  beider  Affectionen  sind'  nach  W.  auch  schcy  anderweitig  beobach- 
tet, und  namentlich  Moreau,  Trousseau  u.  Ä.  haben  auf  die 
Häufigkeit  des  Erysipels  Neugeborener  während  einer  Puerperalfieber- 
epidemie  aufmerksam  gemacht  —  Erwähnenswerth  ist  aus  der  dta- 
tenreichen  Schrift  sonst  noch,  dass  Jobert  de  Lamballe  audi  die 
Existenz  eines  Erysipelas  der  Schleimhäute,  besonders  der 
Mucosa  intestinalis  und  bronchialis,  ohne  gleichzeitige  Hautafiection 
annimmt,  und  Gubler  dieselbe  mit  einer  Keihe  von  Beobaditungen 
und  Sectionsergebnissen  belegt  hat  (Gaz.  m^dic.  1856,  p.  358). 

G.  bestätigt  von  Neuem  die  schon  seit  Hoff  mann  (1675)  und 
P.  Franck  (1792)  bekannte  Erfahrung,  dass  die  Rose  auf  den  Ver- 
lauf chronischer  Hautkrankheiten,  besonders  des  Lupus,  einen  günsti* 
gen  Einfluss  ausübe.  In  8  ausführlich  mitgetheilten  Fällen,  von  denen 
^  von  ihm  selbst  beobachtet  sind,  wurde  mehi^oder  weniger  entwiekel*- 
ter  Lupus  durch  ein  intercurrentes,  übrigens  in*  allen  Fällen  gutartig 
verlaufendes  Erysipel  zum  Theil  rapide  gebessert,  zum  Theil  voUstan* 
dig  geheilt.  Ein  gleich  salutärer  Einfluss  der  Rose  wird  von  Ricord 
und  Mauriac  auch  für  syphilitische  Affectionen  behauptet  In  thera- 
peutischer Hinsicht  bedauert  G.,  dass  man  es  nicht  in  der  Hand  habe, 
Erysipelas  beliebig  künstlich  zu  erzeugen  (!).  Ais  Surrogat  empfehle 
sich  das  Quecksilberbijodid  (Biett),  welches  nach  den  Erfahrungen 
von  Cazenave  und  Hardy  bei  Lupus  von  vorzüglicher  Wirkung  sei. 

Arn.  Hiller  (Berlin). 

H.  C.  Wood.    A  contribution  to  our  knowledge  of  the  vaso- 

motor  action  of  ergotin. 

(Pbiiadelplua  ned.  Times  1874.  No.  133.  p.  518  ff.) 

Injection  des  Mittels  in  die  Vena  femoralis  bedingte  zunächst 
einen  kurzdauernden  Abfall  des  Blutdrucks  (in  15  Scdn.  um  ^4  unter 
die  Norm),  dann  eine  erhebliche  Steigerung  desselben.  Sehr  grosse 
Dosen  drückten  die  Spannung  in  den  arteriellen  Bahnen  regelmässig 
herab. 

Nach  hoher  Rückenmarksdurchschneidung  kommt  eine  Erhöhung 
des  Blutdrucks  durch  das  Mittel  nicht  mehr  zu  Staude,  während  an- 
dererseits dieselbe  Durchschneidung  bei  Thieren,  welche  bereits  die 
volle  Döse  erhalten  haben,  noch  das  bekannte  Absinken  giebt. 

Da  der  primäre  Abfiill  auch  nach  Vagus-  und  Rückenmarksdurch«- 
schneidung  noch  auftritt,  scheint  das  Mittel  in  der  kurzen  Zeit,  in 
welcher  es  noch  concentrirt  wirkt,  allein  das  Herz  zu  beeinflussen. 
Erst  später,  wenn  es  sich  durch  die  Blutbahnen  vertheilt,  folgt  die 
Einwirkung  auf  die  Vasomotoren. 

Injectionen  direct  in  die  Carotis  bewiriiten  zunächst  eine  kurze 
Steigerung,  dann  Abfall  des  Blutdrucks,  während  die  ferneren  Ein- 
spritzungen keine  weitere  Steigerung  im  Gefolge  hatten.  Unentschie- 
den bleibt,  wie  weit  Muskelcontractionen  an  dieser  Erscheinung  mit^ 
wirken.  -^  Vergl,  die  Arbeiten  von  Holmes  (Arch.  de  physiol(^iA 


Centralblatt  f«r  Chirutgie.     No.  17.  267 

normide  et  patholog.  III^  3^4) »   Eberty  (Inaiig.-Diss.  HaUe,  1873), 
Haudelin  (Ifiaug.-DisB.   Dorpat,  1871)  u.  A. 

Wllfc,  lodl  (Bertin). 

BiiKB.    Chinin  bei  künstlicher  und  spontaner  Septikämie,  so- 
wie im  Abdominaltyphus.     Unterschied  seiner  Wirkung  bei 

Fiebernden  und  Gesunden. 

(Berl.  kliniselie  WoohenMshrift  1S75.  No.  8.) 

Verf.  sieht  die  fieberwidrige  Wirkung  des  Chinin  nicht  in  seinem 
EinihiBs  auf  nervöse  Organe^  sondern  nur  in  seinen  antisymotischen 
Ei^enaehaften  begründet.  IKese  rein  chemisch  aufzufassenden  Efiecte 
sind  an  Intensit&t  proportional  seiner  Verdünnung  in  den  Körpersäf- 
ien.  Bei  starken  Erysipelen  empfiehlt  B.  mehr  Alcoholica  als  Chinin, 
oder  wenigstens  Combination  beider^  bei  Typhus  grosse  Chinindosen, 
wie  bei  Septikämie  (6 — 7  grm.  täglich).  —  Bei  gesundem  Organis* 
muB  bringen^  was  höchst  interessant^  Chinindosen^  die  bei  fieberndem 
deutlich  temperaturerniedrigend  wirken^  kaum  merkliche  Wärmeab- 
falle hervor;  jedoch  hemmen  schon  massige  Gaben  das  Ansteigen  der 
Korperwärme  bei  Muskelthätigkeit  und  mindern  den  Schweiss. 

Tt  Mosengell  (Bonn). 

I  ■■   «.II   «I 

F.  BiegeL     Ueber  die  therapeutische  Anwendung  des  Jabo- 

randi. 

(B«ri.  klinl«cb6  Woehentehfift  1875.  No.  6  u.  7.) 

Ein  Infus  auf  ca.  4  grm.  der  zerstossenen  Blätter  bewirkt  4 — 5- 
ständigen  Schweiss  und  Salivation.  Der  Diaphorese  geht  keine  be- 
sondere Hitze  des  Patienten  vorher^  bisweilen  eine  Temperatursteige* 
rung  von  einigen  Zehntelgraden.  Als  Nebenwirkung  treten  bisweilen 
auf:  Bronchialsecretion^  Singultus^  Aufstossen,  Erbrechen  (vom  Ver- 
sdblucken  des  reichlich  producirten  Speichels  abhängig)^  vermehrter 
Harndrangs  leichter  Schwindel,  Uebelkeit,  vorübeigehendes  Augen- 
flimmern  und  kurze  Sehstörungen.  Alle  diese  letzteren  Wirkungen 
waren  geringfügig.  t.  Mosengell  (Bonn). 

O,  Book«     Absoesses  origiuaiing  in  the  right  iliac  foasa. 

New  York,  Appl«ion  et  Cie.  1S74. 

B.  giebt  eitae  Zusammenstellung  von  10  theils  bereits  veröffent- 
fiehten^  theils  bisher  nicht  publicirten  Fällen  von  perityphlitischen  Ab- 
sceasen,  in  denen  (nach  Willard  Parker*s  Methode)  frühzeitige 
Eröffiiung  (vom  7. — 14.  Tage  der  Krankheit)  vorgenommen  wurde, 
bevor  Eluciuation  zu  fühlen  war.  Eine  3 — 6  Zoll  lange  In- 
dnon  wurde  über  der  Anschwellung  gemacht ,  ein  wenig  oberhalb 
und  ÜBt  parallel  mit  dem  ligam.  Poupartii.  Nach  Trennung  der  Haut 
und  der  ^urunter  liegenden  sehnigen  und  muskulösen  Qewebe  bis  auf 


26S  CentralMatt  für  Chirurgie.    No.  17. 

die  fasciü-  tt^nsversalis  wtirde  eine  Expknrativnadel  oder  eia  fein« 
Troikart  eingestochen,  um  den  Eiter  aufzufinden.  Die  Punetiont«- 
öflhung  vergrösBetfte  man  nachträglich  mit  dem  Messer.  In  einem 
Fall  wurde  nach  Freilegung  der  Fascie  der  Eiter  aspirirt  und  erst  dann 
die  freie  Eröfihung  gemacht.  In  zwei  Fällen ,  wo  nach  F|:eilegun^ 
der  fascia  transv.  Fluctuation  nicht  bemerkbar  war,  Hess  man  die 
Wunde  offen  und  wartete  die  am  2.  und  3.  Tage  erfolgende  spontane 
Abscesseröffhung  ab.  D.  änderte  in  einem  von  ihm  operirten  Fall 
das  Verfahren,  indem  er  ohne  vorangehende  Incision  direct  die 
ßauohwandungen  mit  einer  Explorativnadel  durchstach  und  dann  den 
Punctionscanal  vergrösser te.  Er  erklärt  die  etwaige  Perforation  einet 
Darmes  mit  einer  solchen  Nadel  für  ge&hrlos,  glaubt,  die  grossere 
Verletzung  der  Bauchwaudungen  durch  seine  Methode  zu  vermeiden 
und  .80  die  spätore  Bildung  einer  Hernie  zu  verhindern.  In  den  10 
mitgetheilten  Fällen  trat  Heilung  ein.  Eine  ausfuhrliche  Bespcechung 
der  Geschichte  der  Operation  und  die  Mittheiluug  eines  Falles  vou 
Abgang  dveier  Ascarideu  aus  einem  perityphlitischen  Abscess  schliesai 
die  Arbeit.  Madeluig  (Bono). 


* 

O.  C.  Powell.     Essai  sur  le  pseudo  -  rheumatisme   articulaire 
dans  le  cours  de  la  diathese  tuberculeuse. 

(Th^«e,  Paris.  1674.) 

P.  unterscheidet  (nach  Prof.  G übler)  2  Formen  phthisischer  Ge- 
lenkaffectionen,  die  Arthritis  tuberculosa  und  den  sog.  Pseudorheuma- 
tismus  ,artic.  der  Phthisiker.  Exstere  ist  durch  Tuberkeleniption  auf 
der  Synovialmembran  bedingt  und  entspricht  den  tuberkulösen  Ent- 
zündungen anderer  seröser  Häute;  letzterer  entsteht  zwar  apch  unter 
4em  augenscheinlichen  Einflüsse  der  tuberculöaen  Diathese»  bietet  je- 
doch sonst  anatomisch  und  klinisch  ganz  das  Bild  des  acuten,  oder 
chronischen  Gelenkrheumatismus  dar,  ohne  jedwede  Tuberkelbilduc^. 
Der  Fseudorheumatismus  befällt  ebenfalls  ein  oder  mehrere  Gelenkf« 
tritt  aßut  oder  chronisch  auf  und  ist,  wie  echter  Rheumatismus^  ge*i 
wohnlich  von  Herzcomplicationen  tuberkulösen  oder  nicbt  tuberku- 
lösen Ursprungs  begleitet.  Am  häufigsten  wird  er  im  Verlauf  phthi- 
sischer Lungenerkrankungen  beobachtet;  tritt  er  vor  dem  Ausbruch 
der  Lungensymptome  auf,  so  hat  er  diagnostische,  resp:  prognostische 
Bedeutung.  Die  Prognose  der  Ejrankheit  ist  natürlich  abhängig  von 
derjenigen  des  Grundleidens,  als  dessen  Theilerschernung  sie  aufzu- 
fassen ist,  und  wird  durch  gleichzeitige  Herzaffectionen  .im  entspre- 
chenden. Gxade  ungünstiger.  Die  Behandhing  ist,  abgesehen  von  ört- 
lichen Mitteln«  diejeiüge  der  Tuberkulose. 

Dem  Text  der  fleissigen  Arbeit  sind  Kraukengeschichten  und 
^^ettonsprotokolle  als  Belege  beigegeben.  Am«  Hiller  (Beriin). 


"-r 


Cenicalblattlar Chirurgie.    No.  17.  xfßQ 

Kleinere  Mittheilungen. 

Deneffd  et  van  Wetter,    p^  Tanesth^sie  produite  par  injection  mtrs^- 
veineuse  de  chloral  selon  la  m^thode  de  M,  le  prof.  Or6. 

4 

(ll^moir^  de  rAcad6mie  royale  d»  m4deeine  d«  Belgique  Vol.  IIL  Hft.  1.) 

—  Nouveiiux  cas  d'anesth^sie  par  injection  intraveineüse  de  ckloral. 

(Bulletin  de  l'acad.  royale  de  m6decme>  de  Belgique  1874.  No.  12.) 
Die  Vff.  haben  seit  ^rer  leisten  Veröffentlichung  4  neue  Fälle  ron  intravenö«- 
aer  OhloraUnjeeiion  mitzutheilen.  Somit  haben  sie  die  Zahl  von  22  ohne  Ausnahme 
gQnstig  Terianfenen  Füllen  enreleht.  Darunter  ist  wieder  einer,  wo  sich  eine  leichte 
Himatnrie  einstellte,  ohne  jedoch  im  Geringsten  einen  Nacfatheil  nachgelassen  zu 
haben.  Diese  Oomplieationi  -welche  stets  unschuldig  blieb,  hat  sich  bis  jetzt  3  Mal 
geieigt.    Thrombose  oder  Phlebitis  sind  nie  eingetreten. 

Die  Vff.  weisen  nun  auf  die  2  ungOnstigen  Ffttte,  welche  von  Cruveiihier 
and  Tillaux  veröffentlicht  wurden.  Sie  zeigen,  dass  im  letzteren  die  ausser- 
ordentlich iingeschickte  Ausführung  der  Operation,  die  Tillaux  'selbst  zugeben 
mnaa,  und  im  ersten  die  Nichtbeachtung  der  von  Or4  gegebenen  Vorschriften  ein- 
zig und  allein  angeschuldigt  werden  können.  ^irgrA  (Strassburg  i/£.}. 

Kamt,  Krasnopolaky,  Aüdnvieff*    Drei  Fälle   von   Transfusion,   aus- 

g^hrt  von  Rüssel. 

(Sitzungsberichte  der  Marine- Aerzte  in  Kronstadt  1874.) 

1.  Fall.  Matrose,  31  Jahre  alt,  seit  lange  Bheumatiker,  leidet  an  ausgespro- 
chener Anämie  infolge  wiederholter  Enistaxis.  Transfusion  von  250  grm.  Blut. 
Unmittelbar  nach  der  Operation  —  Uebelkeit,  Erbrechen,  Athemnoth ;  2  Tage  darauf 
Phlegmone  cubiti  et  brachii,  welche  am  5.  Tage  nach  der  Operation  zum  Tode 
führte.  Section:  Phlegmone  brachii,  längs  des  biceps  ichoröse  Infiltration,  Extra- 
vasate. Die  Venenwunde  mit  Eiter  überfüllt.  Pleuritis  adhaesiva,  Nephritis 
parench. 

2.  Fall.  Matrose,  21  Jahre  alt,  leidet  an  Scorbut  mit  starker  Anämie,  starken 
Indurationen  und  scurbutischen  Flecken  an  den  unteren  Extremitäten.  Transfusion 
von  250  gnn.  gemischten  arteriellen  und  venösen  Blutes  (Verletzung  der  Arterie). 
Die  ersten  Tage  nach  der  Operation  besserte  sich  der  Zustand  des  Kraqken  y  dann 
aber  nahmen  die  Erscheinungen  des  Scorbuts  immer  mehr  zu  und  führten  am  28. 
Tage  nach  der  Operation  zum  Tode.  Section :  Thrombosis  sin.  durae  matris,  Oedema 
puhn.,  Nephritis  parench.,  Thrombosis  venae  basilicae  et  brachialis  ech.  (Wahr- 
aeheinlidi  ist  dies  der  von  Heyfelder  [Zeitschrift  f.  Chir.  IV.  5/6.  p.  501]  als 
IX  Transfusto  curativa  mitgetheilte  Fall  von  Heilung.) 

3.  Fall.  Fräulein  A.  J.,  41  Jahre  alt,  leidet  seit  Jahren  an  Keuralgieen  infolge 
von  Anaemie;  alle  angewandten  Mittel  erwiesen  sich  fruchtlos.  Transfasion  von 
256  grm.  ihrem  Bruder  entnommenen  venösen  Blutes.  Oleich  nach  der  Transfusion 
Athemnoth,  Hitzegefühl  im  ganzen  Körper.  Am  Tage  nach  der  Operation  starke 
Cyanose,  Athemnoth..  kaum  fühlbarer  Puls;  Champagner  verbesserte  diesen  Zu- 
stand. Darauf  begann  eine  beständig  fortschreitende  Besserung  in  dem  Zustande 
der  Kranken ;  die  Neuralgieen  schwanden  allmälig  und  das  Allgemeinbefinden  ver- 
beaserte  sich,  so  daas  in  diesem  Falle  die  Transfusion  zweifV^Uosep  Nutzen  ge- 
bracht hat.  W.  Grabe  (Charkow). 

Justl«    Operation  der  Fistel  des  ductus  stenonianus  nach  Deguide. 
(Conespondenzblatt  der  äritl.  Vereine  in  Bheinland  etc.  ete.  1875.  Jan.  p.  5») 

Die  Fistel,  5  Wochen  alt,  entstanden  naoh  einem  Wurf  mit  einem  Bierseidel, 
lag  vor  dem  masseter,  und  drang  schräg  von  aussen  und  vorn  nach  innen  und  ea. 
IVf  Cm.  ein.  Anfirisehung  der  äusseren  Wundränder  «^  Durchbohrung  der  Wange 
iiBi  Boden  der  Wunde  2  Mal  mit  dem  Troikart  von  aussen  nach  dem  Munde  au. 
Einfflhrung  eines  Bleidrahtes  durch  die  Stiehpunkte  und  Zusamuendreh«tt  deaaet- 


,270  CentndbUtt  filr  Ghinugie.    N^  17. 

ben  in  der  Mundhöhle.    Sutiur  der  äuitoeren  Wunde  —  Heilung  derselben  erst  ttaeh 
Aetzung  mit  Höllenstein  am  41.  Tage.  Madelung  (Bonn). 

J.  Beseo.    lieber  fremde  Körper  in  der  Orbita. 

Inaug.-Difls.  Bonn.  1875.  23.  Febr. 
In  einer  fleissigen  Compüation  dessen,  was  bereits  Über  das  betreffende  Thema 
b#kantit  ist,  hat  Verf.  vielfach  iUustrtrende  Casuistik  eingewebt,  besonders  aueh  von 
ausländischen  Journalen  belogene.  Ein  von  ihm  selbst  beobachteter  Fall  ist  in  extenso 
mitgetheilt :  ein  Kind  fiel  und  stiess  sich  einen  gespitsten  Qriffel  durch  dass  untere 
Lid  in  die  Orbita;  der  Qriffel  brach  ab  und  blieb  stecken.  Der  Bulbus  anfangs  vor- 
getrieben und  nach  oben  sehend,  trat  aUm&Ug  surflok  und  war  unvereehrt.  Nach 
5  Jahren  bildete  sich  in  der  Mitte  des  unteren  Lides  eine  oonische  Geschwulat»  aus 
welcher  Prof.  Sä  misch  die  31/2  Cm.  lange  Qriffelspitse  extri^hirte.  Schnelle  Hei^ 
lung  folgte  und  musste  noch  eine  kleine  Ectropiumoperation,  so  wie  ein  Bew^* 
licluKf-Machea  des  Bulbus  folgen.  t.  HoMBg«ll  (Bonn). 

Voltolini.    Eine  Nussschale  10  Monate  in  der  Luftröhre:  ein  neue» 

Speculum  für  letztere;  Operation. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  )875.  No.  6.) 

Ein  Knabe  hatte  eine  Nussschale  im  Munde  gehabt  und  in  die  Trachea  be- 
kommen. Suffoeationsanfftlle  machten  die  Tracheotomie  nöthig,  wobei  kein  frem- 
der Körper  entdeckt  werden  konnte.  Auch  bei  fernaren  Untersuchungen  war  dies 
nicht  möglich,  bis  V.  einen  Apparat  conatruirte,  welcher  es  besser  gestattete,  als 
es  kleine  Kehlkopfspiegel  thun,  von  der  Tracheal wunde  aus  direct  tracheoskopisch 
zu  untersuchen.  Dieser  Apparat  ist  nach  dem  Prindp  des  Brun  ton 'sehen  Ohr- 
spiegels gebaut,  gestattet  einen  kleinen  Trichter  in  die  Wundöffnung  cu  führen, 
welcher  von  einer  seitlich  angebrachten  Lichtquelle  im  inneren  erleuchtet  wird« 
während  ein  die  Lichtfihertragung  vermittelnder,  schräger  Spiegel  durchbohrt  ist 
und  hinter  sich  eine  Linse  trägt,  um  mit  dem  Vergrösserungsglas  die  im  Trichter 
eingestellte  Partie  su  betrachten.  Die  Nussschale  fand  sich  unterhalb  der  Tracheal- 
wunde  in  der  Luftröhre  durch  Spannung  festgehalten  und  wurde  entfeint.  Es  wird 
dies  als  der  erste  (?)  Fall  geschildert,  in  dem  ein  fremder  Körper  mit  Bestimmt- 
heit längere  Zeit  in  der  Trachea  verweilt  hat.  r.  Mosengeil  (Bonn). 

J.  Wood.    Harter  BrustdrÜBenkrebs  beim  Manne. 

(Transact.  of  the  pathol.  Soc.  of  London  1874.  p.  35.) 
Die  Geschwulst,  bei  einem  60jähr.  Manne  entfernt,  hatte  die  EigenthOmlichkeit 
gehabt,  dass  aus  der  eingesogenen  Brustwarxe  mehrfisch  starke  Blutungesi  erfolgt 
waren.  Dem  entsprechend  fand  man  auf  dem  Durchschnitte  eine  centrale,  mit 
halb  flüssigem,  halb  geronnenem  Blute  erfüllte  Höhle;  die  ganse  Schnittfläche  er- 
schien blutreich.  Im  mikroskopischen  Bilde  zeigten  sich  die  Alveolen  und  das 
QerüstweriL  von  verschiedensten  Durchmessern,  besonders  erstere  von  sehr  unregel- 
mäsaiger  Gestalt:  die  Gefässe  reichlich  entwickelt  PUa  (Stettin). 

Hannerioi.    Ueber  eine  seltener  vorkommende  Veranlassung  zu  innerer 

Darmincarceiation . 
(Correspondensblatt  der  änti.  Vereine  in  Rheinland  etc.  etc.  1875.  Jan.  p.  24.) 
Bei  einem  21  jähr.  Musketier,  der  binnen  2  Tagen  an  Peritonitis  gestorben  war, 
fand  sich  als  Todesursache  die  Abschnürung  einer  colossalen  Darmpartie  durch  ein 
am  Mesenterium  adhärentes  Divertikel.  Etwa  167  Cm.  oberhalb  der  valvul.  Bauhini 
fand  sich  am  Dünndarm,  von  der  conveaen  Seite  hn  redrten  Winkel  aneg^end, 
ein  Diveetikel  von  8  Gas.  Länge  und  2  Cm.  im  Dorclmesser.  Daaaelbe  war  ebenso 
wie  der  ganse  Darm  durch  Gas  stark  aufgetrieben,  Von  der  Spitse  dieses  Diver- 
tikels fahrte  ein  fester  Bindegewebsstrang  von  ca.  3  Gm.  Länge  und  der  Dickt 
eines  Rabenfederkiels  aom  Mesenterium  mrück.  Jn  den  Ring,  welche  vom  Dtver- 
tikel,  seine»  Bindegewabsalrang  und  dem  Mesenterium  gebildet  wurde,  war  der 


C^ntralbktt  Iflr  Ckinirgia.  Ko,  17.  271 

ganse  Duwtheil  vom  DiTOtikel  an  bia  mt  Talmla  BaUhini  ^urehgetrtton*  I>aB 
Coecnm  ond  der  untere  Theil  des  Colon  aaeendens  diiroh  den  Zag  des  Darmes 
stark  nach  innen  gegen  die  Wirbels&ule  hin  yerxogen.  Dicht  unteiiuüb  des  Diver- 
tikels war  der  Darm  fest  sugescbnürt  und  auch  nach  Lösung  der  Einschnflning 
diese  Stelle  durch  die  inflammatorische  Demarcationslinie  noch  leicht  kenntlich.  Es 
▼ird  Termuthet,  dass  bei  einem  Sprung  in's  Wasser,  den  der  Verstorbene  wenige 
Stunden  vor  seiner  Erkrankung  that»  der  unterhalb  des  DiTerükeU  gelegene  Dann- 
Iheil  in  den  Ring  trat  und  demnächst  durch  die  peristaltische  Bewegung  nach  und 
nach  der  ganse  bewegliche  Theil  des  Deum  bis  sum  Coecum  nachfolgte. 

MadeUng  (Bonn). 

KeulIlBr.  Neae  Methode  zur  Unterstützung  der  Taxis  bei  eingeklemmten 

Brüchen. 

(WOrtt.  med.  CorrespondensbUtt  1875.  No.  8.  p.  57.) 

Verf.  empfiehlt  bei  incaroertrten  Hernien  nach  miselnngenen  Taxisrenueheto 
die  Function  des  Daimes  cur  Entleerung  der  Gase,  welche  er  ffir  das  Haupthin- 
demiss  der  Reposition  hftlt.  Als  Beleg  wird  ein  Fall  mitgetheilt,  in  dem  nach  der 
Function  die  vorher  erfolglosen  RepositionsTersuche  leicht  sum  Ziele  führten.  —  (Die 
«neue  Methode«  des  Veif.'s  wird  schon  Ambr.  Pari  augeschrieben,  ist  seither 
wiederholt  empfohlen  und  verworfen  und  neuerdings  von  Dieulafoy  mit  seinem 
Aspirationsver&hren  verbunden.  Vergl.  Dieulafoy,  Trait6  de  l'aspiration,  Paris 
1873,  p.  188,  woselbst  die  Geschichte  und  therapeutische  Würdigung  der  Opera- 
tion, sowie  eine  Zusammenstellung  von  27  Fällen  gegeben  ist.  Ref.) 

P.  Bnins  (Tübingen). 

Haine.     Ueber  Badicaloperation  der  Hernien. 

(AerztL  Correspondensblatt,  Organ  des  Verehis  Deutscher  Aente  in  Frag  1875. 

M&rzNo.  25.) 

An  die  Demonstration  eines  Falls  von  erfolgreich  ausgeftthiter  Radiealoperation 
einer  umftnglichen  angeborenen  Scretalhemie  knOpfte  H.  eine  Besprechung  der 
Geeehichte  dieser  Operation.  Der  4jfthr.  Knabe  wurde  nach  der  neuesten  Wood'- 
schen  Methode  operirt,  nur  dass  ausserdem  noch  zur  sichereren  Verschliessung  des 
LeiitttnriBges  unter  die  Silberdrahtnaht  eine  Catgutnaht  gelegt  wurde,  die  dasdbst* 
«nheilte.  Veif.  hält  die  Operation  für  angeseigt,  wo  bei  sonst  gesunden  Indivi- 
dnen  Hernien  vorhanden  sind,  die  durch  BruohbAnder  nicht  surückgehalten  wewien 
kteaen.  Zum  Schluss  demonstrirte  der  Vortn^ende  noch  ein  Präparat  einer  nach 
Gerdy  operirten,  geheilten  Hernie. 

Well  (Prag). 

Hatry.    Complete  seitliche  Luxation  des  Vorderarms  nach  aussen. 

(Lyon  m6d.  1875.  p.  13.) 

Diese  sehr  seltene  Luxation  des  Vorderarms  kam  bei  einem  kräftigen  Kanonier 
nur  Beobachtung,  welcher  Aber  einen  Stein  stolpernd  vornüberflel,  während  er  mit 
der  vorgestreckten  rechten  Handfläche  instinctiv  die  Gewalt  des  Falles  abzuschwä- 
chen suchte.  Die  Circumferenx  des  rechten  Ellenbogens  mass  7  Cm.  mehr  als  die 
des  linken,  Qefösse  und  Nerven  erschienen  unverletst,  die  Gelenkbänder  zerrissen ; 
die  Oelenkenden  des  Himierus,  der  Ulna  und  des  Radius  waren  deutlich  unter  der 
Haut  XU  fühlen  \  besonders  stark  sprang  die  Tricepssehne  vor.  Sobald  Fat.  die  zur 
Statae  des  Vorderarms  dienende  linke  Hand  entfernte,  erfolgte  eine  Rotatjon  nach 
innen  am  abnorm  beweglichen  Arm,  so  dass  es  den  Anschein  hatte,  als  ob  eine 
Fractur  bestände. ,  Ohne  Chloroform  gelang  die  Rednction  prompt,  die  Heilung  er- 
folgte acfanell  ohne  jeden  Zwischenfall ;  da  jede  Gelenkentzündung  fehlte,  wiirden 
paaaive  Bewegungen  früh  vorgenommen;  es  wurde  volle  Brauchbarkeit  des  Arms 
erreicht. 

Besonders  erwähnenswerth  erscheint  H.  die  ausserordentliche  Bewegliehkeit  des 
Arms,  die  er  nur  mit  der  eines  Folichinells  vergleichen  möchte. 

Pils  (Stettin). 


272  Oentralblatt  fttr  Chinirgie.    No.  17. 

Wilmart,     Fracture  du  ool  du  f^mur  et  des  deux  trochanten. 

(La  Pregfle  m^dicale  beige  1875.  No.  14.) 
Ein  72  Jahre  alter  Hospitalit  mit  ausgebreiteter  atheromatdser  Entartutig  der 
Arterien  erlitt  dardi  Fall  einen  Schenkelhalsbruch  der  rechten  Seite,  welcher  bei 
einfacher  Bettlage  ohne  Verband  nach  2V2  Monaten  mit  vollkommener  Con«olidation 
heilte.  Es  zeigte  sich  jedoch  Verkürzung,  Rotation  und  beschränkte  Bewegung«- 
ffthigkeit  bei  Beugung,  Streckung  und  Abduction.  Nach  einem  halben  Jahre  er- 
folgte der  Tod  durch  Marasmus.  Bei  der  Section  fand  man  den  Trochanter  minor 
abgelöst  in  der  Sehne  des  M.  iliopsoas,  welcher  2  Cm.  höher  als  normal  sich  in- 
serirte,  den  Trochanter  major  gleichfalls  abgetrennt  und  nach  oben  hinten  und 
ina|9n  verschoben,  wo  er  mit  dem  Schenkelhals  knöchern  verwachsen  war.  Das 
fracturirte  Collum  selbst  war  gut  consolidirt,  aber  in  seinem  Querdurchmesser  nahezu 
um  die  Hälfte  verringert.  Aus  der  durch  die  veränderte  Lage  der  Trochanteren 
bedingten  Verkürzung  des  Hebelarms  für  den  Muskelzug  erklärt  W.  die  dauernde 
Befwe^ehkeitsstöning  trotz  relativer  Heilung  des  Bruches. 

Anb  Hitler  (Berlin). 
Oabot.     Enchondrom  des  Fusses. 

(Boston  med.  and  surg.  Journal  1875.  p.  74.) 
Ein  22jähr.  Mädchen,  vor  7  Jahren  von  einer  Eisenplatte  am  Faste  getroffen, 
bemerkte  dort  bald  nachher  eine  Anschwellung,  die  später  zunahm,  schmenhaft 
wurde  und  die  Function  des  Fusses  beeinträchtigte;  jetzt  ist  die  unregelmässige 
gelappte  Geschwulst  hart,  unbeweglich,  sehr  schmerzhaft.  Nach  der  Exstirpation 
erwies  sie  sich  als  ein  hartes  Enchondrom,  das  vom  peripheren  Ende  des  5.  Meta- 
tarsalknochens  (Köpfchen?)  ausgegangen,  IVa^im  grössten  Durchmesser  maas;  die 
äusseren,  besonders  festen  Schichten  bestanden  aus  osteoidem  Gewebe  mit  einge- 
streuten Heerden  von  Knorpelsubstanz,  die  centralen  weicheren  Theile  zeigten  für 
das  blosse  Auge  Knochenstructur.  Pill  (Stettin). 

S.  Zau&l,    Besichtigung    der  Pharyngealmünduiig  der  Eustachi'- 

sehen  Röhre  durch  die  normale  Nase. 
(Aerztl.  Correspondenzblatt  des  Vereins  deutscher  Aerzte  in  Prag  1875.  Mars  No.  25. 

Z.  verwendet  JO  Cm.  lange  Triehter,  deren  Weite  an  dem  äusseren  Ende  1,5 
' — t  Cn.,  am  inneren  3 — 1  Mm.  beträgt.  Die  vorher  erwärmten  TVichter  werden 
mit  leicht  rotirenden  Bewegungen  durch  den  unteren  Nasengang,  indem  man  aieli 
dicht  an  den  Boden  der  Nasenhöhle,  womöglich  unter  der  coneaven  KrOmiaimg 
der  unteren  Muschel  hält,  bis  zum  Ostium  pharyng.  der  Tuba  voigeschoben.  Dorcli 
Anbringung  eines  Spiegels  am  inneren  Ende  gedenkt  Verf.  noch  einen  tiefisrea 
Einblick  in  das  Ostium  der  Tuba  zu  gewinnen,  um  namentlich  das  Verhältniss  des 
LevatorwuUtes  zum  mittleren  Theile  des  Tubalumens  studiren  zu  können. 

Weil  (Prag). 
Jaooby.     Ein  FaU  von  Ileus  bei  einem  Neugeborenen. 

(Beri.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  4.) 

Bei  einem  neugeborenen  Kinde  fand,  obwohl  ein  Katheter  vom  Anus  her  14 
'15  Cm.  weit  eingeführt  werden  konnte,  keine  Darmentleerung  durch  diesen  statt 
Unter  den  Symptomen  des  Darmverschluss^s  starb  es.  Die  Obduction  ergab  iu  der 
Ileocoecalgegend  ein  prall  gefülltes  Ende  des  Ileum.  Dieses  blinde  Ende  war  ohne 
Narbe.  Rectum  und  Colon  von  Bleifederdicke.  An  letzteres  schloss  sich  das  kleine 
Coecum  und  ein  etwa  3  Cm.  langes  Stückchen  Beum,  das  in  der  Gegend  des 
foram.  Winslowii  an  die  Wirbelsäule  gedrückt  blind  endigte  und  dessen  Gewebe 
gleichfalls  ohne  Narbe  war.  Verf.  nimmt  als  Erklärung  Vorgänge  während  dee 
späteren  Fötallebens  an,  in  dessen  früheren  Stadien  der  Darmtractus  zusammen-^ 
hängend  angelegt  gewesen  sei. v>  M—eageil  (Bonn). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrüeke  wolle 
jnan  an  Dr.  H,  TUUmmnt^  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  VerUgshandlniig, 
BnUkopf  und  HärtäL,  einsenden. 

Draek  uad  Verlag  Ton  Breitkopf  aad  Hirtel  la  Leipsig. 


Centralblatt 


Ar 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOA 

Dr.  L  Leser,  Dr.ft Scteie,  Dr.  E  TUlüais 

in  Berlin.  in  Halle  a.  S.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbj&hriger  Prä- 
nnmeratton.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


!BBa=3S^B^BaBSSBSSS^:^SBBBII^ii^^^BrBBaBBaE 


ist  18.  SoniMbend,  den  1.  Mai.  1876. 

Inhalt:  v.  Pitha,  Diagnose  und  Behandlung  der  Neuralgieen.  —  Haab,  Pathologisches 
Langenwachathnm  der  Knochen.  —  Nepveu,  Bacterien  in  subcutanen  Flflssigkeitsansamm- 
luDgen.  —  Fornet,  Anaesthesie  mit  Chloral  und  Chloroform.  —  Aeby,  Gelenk  und  Luft- 
druck. —  Wfftmann,  Dlstraction  bei  Gelenkkrankheiten.  —  KullSCher,  Blutstillende  Mit- 
tel. —  Blrob*HlrtcMtld  y  Hereditiie  Syphilis.  —  Bilz,  Haemorrhsgische  Syphilis.  — 
Kirkwoody  Bericht.  —  Budin,  Coyne,  Verhalten  der  Pupille  wihrend  der  Anaesthesie.  — 
Tbin,  Lupns  erythematosus.  —  BuSCh,  Zwanzig  Blasenscheidenflsteln.  —  Kiapp,  Opera- 
tionsmethode fQi  gespaltene  Ohrläppchen .  —  Valette,  Pseudo-Elnklemmung.  —  Speece, 
Calleaiar,  FergttSaen  M'GIII,  Behandlung  der  Patellar-Fracturen. 

BaiiazzI,  Wirkung  des  Chinin.  —   Fieber,  Electrische  Behandlung  der  Hysterie.  — 
■inaich,  Erysipel.  —  Huppert,  Fremder  Körper  im  Gehirn.  —  RobertiOa,  Knapp,  Sarcom 
der  Iris.  —  Bryant,  Casuistik.  —  Corley,  Atresia  ani.  ^  CremonesI,  Cysto-Sarcom  des 
Uterus.  —  Reuse,  Barwell,  Hewett,  Baker,  Wepp,  Landi,  Aneurysmen. 


y.  Fitba.     Zur  Diagnose  und  Behandlung  der  Neuralgieen, 
insbesondere  über  die  subcutanen  Morphin-Injectionen. 

(Allgem.  Wiener  med.  Zeitung  1875.  No.  1  u.  ff.) 

Der  Verf.  macht  auf  das  ausserordentlich  häufige  Vorkommen  der 
Neuralgieen  aufmerksam,  welches  er  der  Zunahme  der  krankhaften  Er* 
regbarkeit  des  Nervensystems  unserer  ganzen  Generation  zuzuschrmben 
geneigt  ist.  Man  findet  Neuralgieen  in  jedem  Alter  bei  beiden  Ge- 
schlechtem, in  aUen  Ständen  —  namentlich  bei  Personen,  die  sich 
durch  excessive  Sensibilität,  durch  erregbares  Temperament  als  sog. 
snenröse  Menschena  charakterisiren.  Oft  sind  erbliche  Dispositionen 
nachweisbar.  Als  directe  Gelegenheitsursachen  zur  Hervorrufung  be- 
stimmter localer  Neuralgieen  wirken  grosse  körperliche  Strapazen,  Er» 
kältungen,  Verleümngen  aller  Art  (namentlich  Schuss-  und  vergiftete 
Wunden  imd  gewisse   scheinbar  ganz  harmlose  Contusionen) .    Die 

IS 


274  Centralblatt  für  Chirurgie.  .  No.  18. 

Beschreibung  der  bekannten  charakteristischen  Symptome  des  neural- 
gischen Anfalls  hat  ein  besonderes  Interesse ,  da  Verf.  seit  2  Jah- 
ren infolge  einer  Eitervergiftung  bei  einer  Operation  selbst  an 
den  heftigsten  Neuralgieen  der  verschiedensten  Art  leidet  und  deshalb 
die  von  ihm  geschilderten  Zustände  als  Ergebnisse  der  Selbstbeobach- 
tung eines  Arztes  anzusehen  sind,  bringt  indessen  nichts  wesentlich 
Neues. 

Eine  ausserordentliche  Kolle  spielt  die  Phantasie  in  der  Deutung 
des  Schmerzes.  Interessant  sind  P.'s  Angaben  in  dieser  Beziehung. 
Er  hatte  z.  B.  bei  einer  Neuralgie  der  Blase  das  deutlichste  Gefühl 
eines  Blasensteines;  er  fühlte  das  Anpressen  der  Stacheln  gegen  die 
Blasenschleimhaut,  empfand  das  Anschlagen  des  Steines  gegen  die 
Symphyse,  und  war  so  überzeugt  von  dessen  factischer  Gegenwart, 
dass  er  erst  nach  wiederholter  genauer,  von  ihm  selbst  ausgeführter 
Untersuchung  der  Blase  mit  der  Steinsonde  die  Nichtanwesenheit 
desselben  demonstriren  konnte.  Von  dem  Momente  war  das  charak- 
teristische Gefühl  verschwunden.  Bei  einer  Neuralgie  der  Fersenhaut 
hat  der  Verf.  das  deutliche  Gefühl  einer  subporiostalen  Auslösung 
des  Fersenbeines,  er  fühlt  sämmtliche  dabei  in  Verwendung  kommen- 
den Instrumente  etc. 

Der  Verf.  litt  und  leidet  an  den  verschiedensten  Formen  der 
Neuralgie,  die  offenbar  centralen  Ursprunges  sind  und  bisher  der 
Therapie  getrotzt  haben.  Er  war  daher  auf  Morphiuminjectionen  an- 
gewiesen und  theilt  auch  über  diese  grossentheils  eigene  Erfahrungen 
mit.  Er  hält  die  subcutane  Anwendung  des  Morphiums  für  die  ein- 
zig rationelle.  Sie  wirkt  unmittelbar,  die  Narkose  ist  verhältniss- 
mässig  gering  im  Vergleich  zu  der  schmerzstillenden  Wirkung  und 
ist,  selbst  durch  lange  Zeit  hindurch  fortgesetzt,  in  der  Regel  ohne 
nachtheilige  Folgen  (?) .  Der  Verf.  glaubt  sich  zu  dem  letzteren  Aus- 
spruch sowohl  durch  seine  eigenen  als  durch  die  Erfahrungen  v.  Nuss- 
baum's  berechtigt.  Er  empfiehlt  aber  ausdrücklich  mit  den  gering- 
sten Dosen  zu  beginnen,  nur  je  nach  Bedürfniss  zu  steigen  und  die 
Injectionen  selbst  kleiner  Dosen  nicht  zu  häufig  und  unmittelbar  hin- 
tereinander zu  machen,  weil  sich  die  narkotische  Wirkung  des  M. 
summire.  ^ 

Gewisse  Individuen,  wie  es  scheint  namentlich  Leute  mit  Herz- 
fehlem,  haben  allerdings  eine  solche  Idiosynkrasie  gegen  das  Mor- 
phium, dass  die  kleinsten  Dosen  (0,0012;  genügen,  um  die  schwersten 
Intoxicationserscheinungen  (Leichenblässe,  kalter  Schweiss,  Aussetzen 
des  Pulses  und  der  Bespiration,  langdauemde  Ueblichkeiten,  Erbie- 
chen  u.  s.  w.)  hervorzurufen.  Es  scheinen  bei  denselben  Individuen 
auch  Chloroform  und  Chloralbydrat  ähnliche  foudroyante  Wirkungen 
hervorzurufen ;  der  Verf.  mahnt  daher  namentlich  bei  der  ersten  An- 
wendung des  Morphiums  zur  grössten  Vorsicht.  Gegen  Vergiftungs- 
symptoroe  räth  P.  energisches  Zuführen  frischer  Luft,  Waschungen 
mit  Essig,  Bespritzen  mit  kaltem  Wasser,  Clysmata  von  starkem 
schwarzen  Kaffee,  im  Nothfall  künstliche  Bespiration.    Wenn  die  be- 


Centralblatt  für  Chirurgie.'  No.  18.  275 

droblichen  Erscheinungen  fortdauern,  so  empfiehlt  ±.  einen  Versuck 
mit  Einathmung  von  Chloroform  zu  machen. 

Gegen  die  unangenehmen  Nebenwirkungen  des  Morphiums  aut 
Magen  und  Darmcanal  empfiehlt  Verf.  Chin.  muriat.  in  schwarzem 
Kaffee.  Sehr  gut  bewährte  sich  auch  ein  Zusatz  von  Y^oo  gran 
^rm.  0,0006)  Atropin.  sulfur.  zur  Injectionsflüssigkeit.  Bei  längerem 
Gebrauche  des  M.  verschwinden  diese  Zufalle  von  selbst,  ebenso  wie 
die  anfanglich  zuweilen  ohne  alle  Aufregung  eintretende,  langdauernde 
aber  nicht  unangenehme  Schlaflosigkeit;  eine  eigentlich  psychische 
üble  Nachwirkung  der  Injectionen  hat  Verf.  niemals  beobachtet. 
Verf.  räth  endlich,  mit  Soi^falt  jedes  Gefäss  zu  vermeiden,  da  auch 
er  die  sehr  schweren  Folgen  einer  directen  Injection  in  eine  Vene 
an  sich  constatirt  hat.  Ausserdem  soll  die  Injection  niemals  an  der 
gerade  neuralgisch  afiicirten  Stelle  gemacht  werden. 

Zur  Ausfuhrung  der  Injection  empfiehlt  P.  bei  besonders  empfind- 
licher Haut  ein  von  Leiter  construirtes  Instrument  zur  schmerzlosen 
Injection  (der  Einstich  wird  mittelst  einer  losschnellenden  Feder  ge- 
macht], gegen  das  sich  übrigens  Stimmen  anderer  Chirurgen  erhoben 
haben.  Schliesslich  empfiehlt  der  Verf.,  die  Injectionsspritze  nicht 
dem  Laien  in  die  Hand  zu  geben.  Winiwarter  (Wien.) 


O.  Haab.     Experimentelle   Untersuchungen   über  pathologi- 
sches Längenwachsthum  der  Knochen. 

(Centralblatt  f.  d.  med.  Wissenschaften  1875.  No.  13.) 
Verf.  hat  die  bekannte  klinische  und  pathologisch-anatomische 
Erfahrung,  dass  bei  krankhaft  vermehrtem  Längenwachsthum  eines 
Böhrenknochens  auch  der  angrenzende  gesunde  Knochen  oft  etwas 
«tärker  wächst,  experimentell  bestätigt  und  z.  B.  gefunden,  dass  nach 
Eintreiben  von  Stiften  in  die  Tibia  eines  jungen  Thieres  nicht  nur 
dieser  Knochen  sich  zu  stark  verlängert,  sondern  auch  das  Femur. 
Bei  den  Längenunterschieden  handelt  es  sich  allerdings  fast  immer 
nur  um  Zehntel  von  Millimetern.  A.  Bidder  (Mannheim). 


Nepveo.     Presence    de    bacteries   dans    les    coUections  sous- 

coutan^es. 

(Oaz.  m^d.  1875.  No.  11.  p.  126.) 

N.  untersuchte  unter  Beobachtung  aller  Cautelen  eine  Anzahl 
pathologischer,  subcutaner  Flüssigkeitsansammlungen  und  fand  in 
einem  Theil  der  Fälle  zahlreiche  Micrococcen,  während  dieselben  in 
anderen  z.  B.  in  einem  nach  Wirbelcaries  entstandenen  Congestions- 
abscess  vollständig  fehlten.  Die  6  mitgetheilten  Fälle,  bei  denen  die 
mikroskopische  Untersuchung  Mikroorganismen  verschiedener  Formen 
ergab,  sind: 

1)  Cyste    der   linken    Niere.     Function    mit    einem    feinen 

18* 


%^%  C^ntralUatt  für  Chirurgie.    No.  IS. 

Troikart  und  Entleerung  einer  FlÜBsigkeit,  die  neben  rothen  und 
weissen  Blutkörperchen  zahlreiche  Micrococcen  und  Mesobaisterien 
enthält. 

2j  Eitrige  Pleuritis  seit  3  Monaten  bestehend.  9  Functionen. 
Der  bei  der  letzten  derselben  untersuchte  Eiter  zeigt  zahlreiche  Micro- 
coccen. 

3)  Hämatocele  cystica  mit  sarcomatöser  Entartung  der  Wan- 
dung. Die  entleerte  Flüssigkeit,  sowie  das  Gesammtblut  des  Patien- 
ten enthält  ebenfalls  zahlreiche  Micrococcen. 

4)  Vereiterter  Bubo, 

5)  Vereiterte  Cyste  des  Samenstranges  bei  einem  7- 
monatlichen  Kinde.  Function  und  Incision  des  Tumors,  der  sich  als 
Cyste  des  Nebenhodens  erweist,  die  mit  dem  Bruchsack  einer  gleich- 
zeitig bestehenden  Hernie  verwachsen  ist.  Der  eitrige  Inhalt  mit 
Massen  von  Micro-  und  Mesococcen,  sowie  Mikrobacterien  erfüllt. 

6)  Aneurysma  der  art.  poplitea.  Seit  ca.  ^/2  3Bhie  bestehend» 
wird  dasselbe  anfanglich  mit  starker  Compression  der  art.  cruralis  in 
der  Inguinalgegend  behandelt.  Bald  stellen  sich  heftige  Schmerzen 
im  Aneurysma,  sowie  starkes  Oedem  des  ganzen  Beines  ein.  Allmä- 
lige  Verschlimmerung  mit  Temperatursteigerung  bis  40,5".  Amputa- 
tion. Die  unmittelbar  nach  der  Operation  angestellte  Untersuchung 
ergiebt  sowohl  im  Gesammtblut,  als  im  Inhalt  des  Aneurysma  Micro- 
coccen (in  letzterem  neben  reichlichen  weissen  Blutkörperchen).  Auch 
die  im  Kniegelenk  enthaltene  sanguinolente  Flüssigkeit  zeigt  Micro- 
coccen, Mikrobacterien  sowie  zahlreiche  Streptobacterien. 

Wie  das  Auftreten  der  Mikroorganismen  in  diesen  abgeschlossenen 
Höhlenflüssigkeiten  zu  erklären  sei,  ob.  durch  Vorhandensein  von 
Keimen  im  normalen  Blut,  ob  durch  zufalliges  imd  auf  verschiedeneu 
Wegen  stattfindendes  Eindringen  derselben,  lässt  N.  dahingestellt. 
Bemerkenswerth  bleibt,  dass  in  den  Fällen,  wo  das  Blut  zugleich 
untersucht  wurde,  dasselbe  ebenfalls  Micrococcen  enthielt.  In  Fall 
2  und  4  ist  ein  Eindringen  letzterer  von  aussen  wahrscheinlich. 

0.  Tolkmann  (Halle). 

Fornet    Anesthesie  chirurgicale  en  deux  temps  par  le  chloral 

et  le  chloroforme. 

(S^ance  de  la  sociale  de  chirargie  1874.  Nov.  IS.) 

F.  empfiehlt,  zu  chirurg.  Zwecken  die  Fat.  erst  in  Chloralschlaf 
zu  bringen,  dann  erst  sie  zu  chloroformiren.  Er  führt  ein  Paar  Fälle 
aus  seiner  Praxis  an,  und  betont,  dass  die  gewöhnliche  Aufregung 
beim  Chloroformiren,  das  Widerstreben  des  Fat.  etc.,  lauter  Miss- 
stände, welche  dadurch  Gefahr  bringen,  dass  man  genöthigt  ist^ 
grössere  Chloroformmengen  auf  einmal  einatJxmen  zu  lassen,  weg- 
ÜB^en,  wenn  der  Fat.  zuvor  in  Chloral-Schlaf  versetzt  ist. 

Dolbeau  weist  dagegen  durch  Anführung  von  Fällen  aus  seiner 
Praxis  nach,  dass  die  Verabreichung  von  Chloralhydrat  vor  der  Chloro- 
formirung  sehr  gefährlich  sei. 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  18.  277 

(Die  GefiUirl]chk«it  des  YeifiGÜirens  ist  in  Deutschland  bereits  er* 

probt;  in  ein  Paar  Fällen  gelang  die  Wiedererweckung  des  Fat.  nur 

mit  grosser  Mühe  nach  mehreren  Stunden.     Ref.) 

Fr,  Steiner  (Wien). 

Chr.  Aeby.     Gelenk  und  Luftdruck. 

(Centralbl.  f.  d.  med.  Wissensohafien  1875.  No.  15.) 

Eine  Reihe  von  Untersuchungen  haben  den  Verf.  davon  über- 
zeugty  »dass  der  Luftdruck  an  und  för  sich  nach  Durchschneidung 
sämmtlicher  Weichtheile,  einschliesslich  der  Kapsel,  völlig  ausreiche, 
die  Gelenkflächen  in  Contact  und  somit  die  dazu  gehörigen  Skelet- 
abschnitte  in  Zusammenhang  zu  erbalten«.  Das  gilt  für  fast  alle  Ge- 
Imke  des  Körpers.  !•  BMder  (Mannheim) . 

Wittmann.     Distraction  in  Gelenkkrankheiten  der  Kinder. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Budapester  k.  C^BelUchaft  der  Aente.  —  Fester  med. 

chir.  Presse  1675.  No.  11.) 

W. ,  langjähriger  Assistent  im  Fester  Kinderspitale,  beobach- 
tete während  eines  Zeitraumes  von  5  Jahren  (1870 — 1874]  226  Coxal- 
gieen,  davon  127  Knaben  und  99  Mädchen.  Unter  1  Jahr  =  3  (immer 
acut  und  traumatisch]^  von  1 — 3  Jahr  =  36,  von  3 — 7  =  121,  von 
7—14  =  66.  —  Von  Gonitis  kamen  148  Fälle  zur  Beobachtung  (68 
Knaben,  80  Mädchen).  Von  Spondylitis  186  Fälle:  103  Knaben,  83 
Mädchen ;  unter  1  Jahr  ==  2,  von  1 — 3  =o:  42,  von  3 — 9  =s  97,  von 
7 — 14  =  45.  —  (Leider  fehlt  die  Angabe  der  Mortalität  und  der  er- 
reichten functionellen  Resultate.  Ref.)  —  Redner  plaidirt  warm  für 
die  von  Volkmann  empfohlene  Distractionsmethode,  in  ablaufenden 
Fällen  von  Coxitis  auch  für  die  Taylor 'sehe  distrahirende  Geh- 
maschine. Besonders  günstige  Resultate  wurden  bei  Spondylitis  cer- 
vicalis  erzielt  mittelst  der  Glisson'schen  Schleuder  (in  einem  Falle, 
in  welchem  der  Kopf  fast  auf  der  linken  Schulter  ruhte,  schwand  die 
Paralyse  des  linken  Armes  schon  nach  1 2  Stunden] .  Bei  Spondylitis 
der  Brust-  und  Lendenwirbelsäule  wird  ein  von  Schildbach  (nach 
Rauch fu SS  in  Petersburg]  veröffentlichtes  Verfahren  mit  »ausgezeich- 
neter Wirkung«  in  Anwendung  gezogen.  Es  schwebt  dabei  das  kranke 
Wirbelsäulensegment  2 — 3  Cm.  über  dem  Lager  auf  einem  quer  über 
das  Bett  gespannten  Gurt.  Bnppreeht  (Halle). 

EtOischer.     lieber    blutstillende  Mittel    bei  ihrer  örtlichen 

Anwendung. 

(Arch.  der  Heilkunde.  XVI.  Jahrg.  Hft.  2.  p.  130—143.) 

Derselbe.     lieber  den  Verschluss  .von  Schnittwunden  nach 
Einvdrkung  blutstillender  Mittel  und  nach  Blutung.   . 

(Ibid.  p.  144—165.) 

Im  ersten  Artikel  theilt  Verf.  Experimente  mit^   wekhe  er  über 
Wirkung  blutstillender  Mittel  auf  den  frisch  amputirten  Unter- 


278  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  18. 

schenke!  des  Frosches  machte.  Auch  den  coagulirenden  Einfluss  der 
Mittel  auf  das  Serum  anderer  Blutarten  prüfte  er  und  fand,  dass  eine 
30^  Eisenchloridlösung  am  sichersten  wirkt  (stärkere  Lösungen 
machen  die  Blutcoagula  zu  hart),  während  essigsaures  Blei  unter 
gleichen  Bedingungen  nur  wenig,  schwefelsaures  Zink  aber  gar  nicht 
wirkt. 

Im  zweiten  Aufsatze  wird  eine  Reihe  von  Experimenten  mitge- 
theilt,  in  welchen  die  Festigkeit  des  durch  Styptica  bewirkten  Ver- 
schlusses einer  Wunde  geprüft  wurde  und  zwar  dadurch^  dass  unter 
einem  gewissen  Druck  Oel  in  die  linke  Vorkammer  des  Frosches  ge- 
trieben wurde,  wahrend  gleichzeitig  das  Vordringen  des  Oels  durch 
die  Wunde  beobachtet  wurde.  Auch  die  Zeitminima  bis  zum  spon- 
tanen Aufhören  der  Blutung  bei  Amputation  eines  Unterschenkels 
oder  beider,  die  Wirkung  der  Compression,  die  Verhältnisse  der 
Nachblutung  etc.  wurden  geprüft;  in  Bezug  hierauf  muss  auf  das 
Original  verwiesen  werden. 

Das  Hauptresultat  besteht  in  der  Erfahrung,  dass  je  höher  die 
spontane  Verklebungsfahigkeit  des  Blutes  ist,  auch  die  Styptica  um 
so  besser  wirken.  A«  Bldder  (Mannheim) . 

Birch-Hirsclifeld.   Beiträge  zur  patholog.  Anatomie  der  here- 
ditären Syphilis  Neugeborener. 

(Arch.  der  Heilkunde  XVI.  Jahrg.  Hft.  2.  p.  166—178.) 

Verf.  hat  eine  grosse  Reihe  Neugeborener  und  todtfauler  Früchte^ 
darunter  eine  Anzahl  syphilitischer  untersucht  und  ist  in  der  Lage» 
die  von  Wegner  bei  letzteren  gefundenen  KnochenveriLnderungeii 
zu  bestätigen.  Auch  die  von  Heubner  beschriebenen  Wucherungen 
der  Nabelschnurgefässwände  sah  er  oft,  einige  Male  aber  ohne  die 
charakteristische  Knochenveränderung.  Die  Milz  fand  sich  im  Allge- 
gemeinen  etwas  vergrössert;  die  Leber  nicht.  AmyloidveränderuDg 
war  nur  1  Mal  zu  constatiren.  Dagegen  fand  sich  ziemlich  constant 
eine  Vergrösserung  und  durch  interstitielle  Bindegewebswucherung 
bedingte  fibröse  Entartung  des  Pancreas.  A.  Bidder  (Mannheim). 


B&lz.     Ueber  hämorrhagische  Syphilis. 

(Arch.  der  Heilkunde  XVI.  Jahrg.  Hft.  2.  p.  179—187.) 

Verf.  beschreibt  einen  Fall,  wo  bei  einem  syphilitischen,  sonst 
kräftigen  und  wohlgenährten  jungen  Manne  gleichzeitig  mit  rheuma- 
tismusähnlichen  Anschwelliyigen  vieler  Gelenke  ein  allgemeines  Ex* 
ai^them  auftrat,  welches  sich  mit  bedeutenden  subcutanen  Hämorrha- 
gieen  verband.  Die  blutrothen  Flecke,  welche  einmal  in  der  ganzen 
Ausdehnung  der  Stelle,  wo  ein  Eisbeutel  gelegen  hatte,  entstanden 
waren,  entfärbten  sich  immer  im  Laufe  von  36  Stunden.    Nur  wenige 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  18.  279 

Tage  geringes  Fieber.  Unter  Jodbehandlung  trat  Heilung  ein.  Verf. 
erwähnt  kurz  zweier  ähnlicher  zum  Tode  führender  Fälle  und  ist  ge- 
neigt anzunehmen,  dass  vielleicht  unter  dem  Einflüsse  des  syphiUti* 
sehen  Giftes  eine  hämorrhagische  Diathese  entstehe.  Das  Gefäss- 
System  sei  bei  Syphilis,  wie  die  neuesten  Untersuchungen  lehren, 
oft  bedeutend  erbankt.  A«  Bldder  (Mannheim). 

Eirkwood.  Statistical  report  of  the  major  Operations  per- 
formed  by  Professor  Spence  in  the  Edinburgh  Koyal  infir- 

mary. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  March  13.  p.  275.J 

Eine  durch  ein  Nachwort  von  Spence  autorisirte  übersichtliche 
Zusammenstellung  der  Operationen  Ton  October  1872  bis  ebendahin 
1874  mit  Angabe  der  Veranlassung  und  des  Schlussresultates ;  den 
tödtlich  abgelaufenen  Fällen  sind  kurze  Krankengeschichten  beigefugt. 
Die  accessorischen  Wundkrankheiten  sind  nicht  besonders  berücksich- 
tigt; es  werden  wahrscheinlich  neben  den  beiden  mitgetheilten  tödt- 
lichen  Erysipelen  leichtere  Fälle  dieser  Erkrankung  nicht  gefehlt 
haben.  Spencers  jetzige  Wundbehandlung  ist  ungefähr  folgende: 
Nach  der  Operation  wird  die  Wunde  mit  einer  sehr  schwachen  Car- 
bollösung  ausgewaschen,  mit  Silbersuturen  geschlossen  und  mit  Wachs- 
papier bedeckt.  Darüber  wird  eine  Schicht  Oakum,  welches  aber  die 
Haut  nicht  berühren  darf,  mit  einer  Binde  befestigt.  Am  Abend 
wird  die  Wunde  ausgespült,  die  Gerinnsel  sorgfaltig  entfernt ;  zu  die- 
sem Zwecke  werden  einige  Suturen  gelöst.  Fortan  sorgfältige  Drainage, 
und  2  Mal  täglicher  Verband;  jedesmal  wird  die  Wunde  mit  schwa- 
chen Carbol-  oder  Borsäure-Lösungen  ausirrigirt.  Einzelheiten,  so- 
wie die  eine  grosse  Rolle  spielende  vorbereitende  innere  Behandlung 
müssen  im  Original  verglichen  werden. 

I.    Amputationen.  z*hl.  HjUw- f. 

ai  ObeTBcbenkel  traumatisch,  primär  2        1      1    (an  Pyämie,  bei  multiplen 

schweren  Yerletsungen) 
»  »  secundAr       1         10 

»  wegen  Kniegelenker- 

krankung 8        6      2  (Tuberkulose) 

»  nach  Resectio  genu  2        2      0 

»  wegen  Nekrose    •  2        0      2  (1  Nachblutg.,  1  Ersdiöpfg.) 

»  >    Tumoren  der  Tibia    2        2      0 

»  »    Stumpfosteomyelitis 

nach  amput.  cruris    1         0      1  (Phthisiker,  5  Tage  nach  der 

Operation  an  Diarrhöen  ge- 
storben) 

b)  Kniegelenk  traumatisch»  primär  1         1      0 

c)  Unterschenkel  traumatisch,  prim&r  1         10 

Fusscaries  1        Ol  (Stumpfosteomyel.,  cf.  ojben) 

Gangrän  nach  Typhus     1         10 
dj  Knöchel  wegen  chron.  Erkrankungen    8        8      0 

e)  nach  Chopart  1         Ol   [Todesursache    nicht   ange- 

*    geben; 


2S0  Centralblatt  fflr  Chinugie.,  No.  18. 


foU.  floUna-  t- 
gen. 


f)  Sohultergelenk,  traumatUchi  prim&r        1        Ol  (Starker  Blutverlust,    f  an 

Entkrftftung} 


g)  Oberarm,  Nekrose  an  Unterarm 
Tumor  an  der  Hand 

h)  Unteranui  traumatisch,  primär 

Zellgew^bsvereiterung 

Geschwulst 


1      0 

0      1  (Primäre  Nachblutung,  Er- 

Schöpfung) 
0      1  (Pneumonie,    li  Tage  nach 

Verletzung) 
0      1  (Pneumonie,  4  Wochen  nach 

Operation) 


upe] 

1  (^y 


0      1  (Erysipelaa  phlegmonosum) 


IL  Resectionen  des  Hüftgelenks      3        3      0 

»  »    Kniegelenks      5        4      1  (Pneumonie,    1   Monat  nach 


»  Fussffelenks  1  10 
»  SchuTtergelks.  5  5  0 
»    Ellenbogengel.  9        9      0 


Resection  wegen  Caries) 


23       22      1 

1  Eniegelenkresection  und  1  Ellenbogengelenkresection  wurden  wegen  Anky- 
lose, alle  anderen  wegen  chron.  Entzündungen  gemacht. 

Hieran  schliessen  eich  12  Mammaamputationen^  eine  Hemiotomie, 
2  Steinschnitte j  14  Necrotomieen^  eine  secundäre  Trepanation  ohne 
Todesfall;  auf  14  Geschwulstexstirpationen  entfallen  4  Todesfalle: 
1  durch  Erysipel^  1  durch  Oedema  glottidis^  1  an  Pyämie  nach  Zun- 
genamputation^  1  vor  der  Reaction  nach  Entfernung  der  ganzen  Zunge. 
IKe  7  Tracheotomieen  mit  3  Heilungen  und  4  Todesfallen  cfr.  im 
Original. 

Zum  Beweise^  dass  eine  einfache  Operationsmortalitätsstatistik 
ohne  weitere  Angaben  unbrauchbar  sei,  fugt  Spence  die  Amputa- 
tionen und  Operationen  »for  diseasea  in  den  Jahren  18*60  —  62  bei. 
Die  Wundbehandlung  war  damals  eine  offene.  Er  verlor  von  63 
Amputationen  (incl.  25  Oberschenkelamputationen)  nur  3,  von  23 
Kesectionen  nur  2,  7  Steinschnitte  gaben  keinen,  12  Bruchschnitte 
nur  2  Todesfälle.  Bänke  (Halle). 

Badin  et  Coyne.   Des  ph^nomenes  pupillaires  dans  Tasphyxie; 
diff^rence  de  ces  ph^nomenes  dans  l'anesth^sie  chloroformi- 

que  et  dans  Tanesth^sie  asphyxique. 

(Gaz.  m6d.  1875.  No.  8.  p.  90.) 

Gegenüber  Schi frs  Behauptung  (lapupUla  oome esthesiometra.  Im- 
parziale  1874),  dass  die  Pupille  sich  während  der  Chloroformanaesthesie 
nicht  verengere,  sondern  dilatire,  wie  dies  auch  andere  Forscher,  z.  B. 
Jüngken,  bereits  früher  constatirt  hätten,  halten  B.  und  C.  ihre 
Ansidit  von  dem  Zustand  der  Pupille  während  der  Chloroformnarkose 
aufrecht  (cf . ,  Centralbl.  f.  Chir.  1874,  No.  33,  p.  526).  Man  muss 
die  asphyctische  Anästhesie  und  die  reine  Chlorofoimanästhesie  aus- 
einanderhalten. Je  nachdem  man  durch  rasche  und  directe,  ohne 
Zutritt  von  atmosphärischer  Luft  stattfindende  Anwendung  des  Narko- 


Centralblatt  fttr  Chirurgie.     No.  18.  281 

ticims  die  erste,  oder  durch  langsames  und  yarsichtlges  Chloroformi- 
ren  die  zweite  erhält^  ist  auch  der  Contractionsgrad  der  Pupille  ein 
verschiedener.  Schiff  experimentirte  in  der  Weise,  dass  er  einem 
Hund  erst  ein  Quantum  Chloral  in  eine  Vene  injicirte  und  ihn 
sodann  chlorofoimirte«  Hierbei  trat  zuerst  Verengerung  und  so- 
dann BtariLe  Erweiterung  der  Pupillen  ein.  Er  glaubte  hieraus  den 
Schluss  ziehen  zu  müssen,  deuss  das  Chloral  anders  wirke  als  das 
Chloroform  und  dass  bei  Anwendung  des  letzteren  stets  eine  Dilata- 
tion der  Pupille  einträte.  Nach  B.'s  und  C.'s  Ansicht  dag^en  er- 
reichte Schiff  bei  seinem  Experiment  erst  die  einfache,  später  nach 
Hinzufiigung  des  Chloroforms  die  mit  Asphyxie  gemischte  Anästhesie. 
Sie  bewiesen  dies  durch  folgende  Experimente,  t)  Einem  Hund  wur- 
den 2  grm.  Chloral  in  die  Venen  injicirt.  Nach  Ablauf  der  hier- 
nach eintretenden  Anästhesie  (ca.  10  — 15  Minuten]  wurde  unter 
Zulassung  von  Luft  Chloroform  angewendet  und  hierdurch  das 
Versuchsthier  1  Stunde  lang  in  reiner  Ajiästhesie  erhalten.  Die  Pupille 
blieb  dauernd  contrahirt.  2)  Ein  Hund  wurde  tracheotomirt  und  in 
die  Trachea  eine  durch  einen  Hahn  verschliessbare  Kanüle  eingefährt. 
Nach  Herbeiführung  der  reinen  Anästhesie  durch  intravenöse  Injec- 
tion  von  Chloral  wurde  der  Haha  geschlossen.  Mit  Zunahme  der 
Asphyxie  begannen  sich  jetzt  die  Pupillen  bedeutend  zu  erweitem. 
Wurde  der  Hahn  geöflhet^  so  trat  sofort  wieder  Contraction  dersel- 
ben ein« 

Die  Asphyxie  signalisirt  sich  sonach  immer  durch  eine  Dilatation 
der  Pupille.  Aus  dem  anfänglichen  mittleren  Contractionszustand  tritt 
letztere  bei  Beginn  der  convulsivischen  Bewegungen  in  den  Zustand 
der  Dilatation.  Die  Asphyxie  ist  nur  zufällig  und  lässt  sich  bei  lang- 
samer und  allmäliger  Anwendung  des  Chloroforms  vermeiden.  Einige 
Narkotica  dagegen,   wie    das   Stickstoffprotoxyd  und  das  Amylnitrit 

scheinen  nur  durch  Herbeiführung  der  Asphyxie  zu  wirken. 

0.  Yolkmann  (Halle). 


The  Pathologie  of  lupus  erythematosus. 

{Royal  med.  and  chir.  society  1875.  Jan.  12.   Med.  tim.  and  gas.  1 875.  Jan.  30.  p.  131 .) 

Th.  hatte  Gelegenheit^  die  Haut  eines  in  Wien  1873  verstorbenen 
Kranken  zu  untersuchen;  er  wählte  die  innere  Oberfläche  der  zweiten 
Zehe,  wo  die  Affection  erst  einige  Wochen  vor  dem  Tode  aufgetreten 
war.  Sehweissdrüsen )  Bindegewebe,  Rete  Malpighi  normal,  enorme 
Dilatation  der  Capillaren  zumal  in  den  Papillen  und  um  die  Drüsen. 
Th.  sieht  in  diesem  Befunde  ein  früheres  Stadium  der  von  Neumann, 
Giddings  und  Kaposi  beschriebenen  Yeränderungen. 

Sänke  (Halle). 

W.  BoBCdi.     Zwanzig  Blasenscheidenfisteln. 

Inaug.-DtM.  Jena.  A*  Nemenhahn.  1874. 
B.    theik   die  Krankengeschichten   sämmtlicher  seit  dem  Jahre 
i%b1  in  der  gynäoologischen  Klinik  au  Jena  beobachteten  Blasen- 


282  Centralblatt  für  Cbirurgie.    No.  18. 

scheidenfisteln  mit.  Von  20  Fat.  -wurden  19  operirt  und  17  geheilt.  In 
6  Fällen  gelang  der  Verschluss  der  Fistel  durch  eine  Operation^  in 
den  übrigen  musste  mehrmals^  bis  15  Mal^  operirt  werden.  Bei  der 
Ausführung  der  Operation  befolgte  Prof.  Schnitze  die  in  Deutsch- 
land jetzt  allgemein  acceptirten  R^eln.  1 1  Mal  konnte  durch  ein- 
fache Anfnschung  der  Fistelränder  der  Verschluss  bewerkstelligt  wer- 
den^  5  Mal  musste  die  vordere  Muttermundlippe  hierzu  mit  benutzt 
werden  und  2  Fälle  erforderten  die  quere  Obliteration  der  Vagina. 
Als  Nähmaterial  gebrauchte  Schnitze  ausschliesslich  feine  Seide, 
nachdem  er  sich  in  2  Fällen  von  den  Nachtheilen  der  Drahtsuturen 
überzeugt  hatte.  Cauterisationen  mit  Lapis,  fe'rr.  candens  oder  dem 
Galvanokauter  erwiesen  sich,  selbst  bei  den  kleinsten  Fisteln,  absolut 
erfolglos.  Was  die  Aetiologie  betrifft,  war  eine  Fistel  durch  ein 
Pessarium,  alle  übrigen  durch  schwere  Entbindungen,  meist  bei  ver- 
engtem Becken,  veranlasst.     12  Pat.  waren  Primiparae. 

SoliUel  (Berlin). 

H.   Knapp.     Eine   Operationsmethode    für   gespaltene   Ohr- 
läppchen. 

(Arch.  für  Augen-  und  Ohrenheilkunde  1874.  Bd.  III.  Abtheil.  2.) 

Die  Modification  ist  der  bekannten  Mirault-Langenbeck'- 
sehen  Operation  der  Hasenscharte  entlehnt.  Das  Verfahren  bietet  den 
Vortheil,  durch  die  Anheilimg  des  kleinen  Hautläppchens  von  dem 
einen  Hautzipfel  an  den  anderen  den  abgerundeten  Rand  des  Ohr- 
läppchens wieder  herzustellen,  während  sonst  eine  kleine  Einkerbung 
zurückbleibt.  Tillmanns  (Leipiig). 

Valette.     Des  accidents  lies  ä  la  migration    imparfaite  du 

testicule. 

(Oaz.  des  h6pitaux  1875.  No.  13  u.  14.) 
Ein  21  jähr.  Arbeiter  kam  mit  allen  Erscheinungen  einer  acuten 
Darmverschliessung  in  das  Hötel-Dieu.  In  der  Inguinalgegend,  zum 
Theil  noch  im  Leistencanal  verboigen,  lag  der  rechte  Hoden ;  derselbe 
war  weder  veigrössert,  noch  auf  Druck  empfindlich  und  liess  sich 
ohne  Schwierigkeit  aus  dem  Leistencanal  herausdrängen.  Pat.  gab 
an,  dass  der  Hoden  Tags  vorher  bei  einer  leichten  Anstrengung  plötz- 
lich aus  dem  Scrotum  in  die  Höhe  gestiegen  sei  und  dass  in  diesem 
Moment  seine  Leiden  begonnen  hätten.  Die  Einklemmungserscheinun- 
gen  steigerten  sich  so  lange,  bis  zum  ersten  Male  in  der  Nacht  vom 
3.  zum  4.  Tage  reichliche  Stuhlentleerungen  erfolgten.  Der  Hoden 
liess  sich  jetzt  mit  leichter  Mühe  an  seinen  alten  Platz  im  Scrotum 
reponiren,  aber  bei  dem  Versuche,  ihn  hier  dauernd  zu  fixiren,  traten 
sofort  die  alten  Schmerzen  auf  und  verschwanden  erst  wieder,  als  der 
Hoden  freigelassen  wurde.  Nachträglich  erfuhr  V.,  dass  der  Hoden 
für  gewöhnlich  im  Scrotum^  allerd^gs  stets  höher  wie  der  linke. 


Centridblatt  fftr  Chirurgie.    No.  18.  283 

liänfig  aber  auch  weiter  oben,  nach  dem  Leistencanale  zu^  lag.  Auch 
hatte  Fat.  schon  mehrmals  ahnliche  Zufalle^  wie  V.  beobachtete^ 
durchgemacht  und  zwar  jedesmal  nachdem  der  Hoden  bei  einer  An- 
strengung in  den  Canal.  inguinal,  hinaufgestiegen  war. 

Nach  V.  handelte  es  sich  offenbar  um  einen  Fall  von  Pseudo- 
Einklemmung.  Die  Erklärung  dieser  eigenthümlichen  Affection  geben 
die  Experimente  Cl.  Bernard's^  Brown  Sequard's  u.  A.^  wonach 
die  Bew^ung  der  Därme  reflectorisch  angeregt  wird  durch  Beize, 
welche  das  Peritoneum,  die  Hauchdecken  oder  der  Bauchhöhle  be- 
nachbarte Organe  treffen.  Die  sensiblen  Nerven  dieser  Theile  über- 
tragen ihre  Erregung  auf  das  Centrum,  aus  welchem  die  motorischen 
Darmnerven  entspringen.  Die  Darmmuskulatur  wird  auf  diesem  Wege 
entweder  in  krampfhafte  Contraction  versetzt,  oder  sie  wird  paralysirt. 
Im  vorliegenden  Falle  handelte  es  sich  um  eine  vollständige  Reflex- 
paralyse. —  Besonders  zu  erwähnen  ist  noch,  dass  der  Hoden  durch- 
aus normal  war,  dass  also  die  beobachteten  Symptome  nicht  etwa  auf 
eine  zum  Peritoneum  fortgepflanzte  Entzündung  bezogen  werden  konn- 
ten, wie  man  dies  in  ähnlichen  Fällen  früher  anzunehmen  pflegte. 

Da  Bandagen  zur  Retention  im  Scrotum  nicht  ertragen  wurden, 
die  bedrohlichen  Zufälle  sich  jeden  Augenblick  wiederholen  konnten 
und  Pat.  fortwährend  ein  lästiges  Gefühl  von  Druck  und  Schwere  in 
der  betr.  Seite  verspürte,  entschloss  sich  V.,  zur  Radicalheilung  die 
Castration  auszuführen.  Er  bediente  sich  hierzu  seiner  )»Pince  causti- 
que«,  diurch  welche  alle  aus  einer  Communication  des  Processus  vaginalis 
mit  der  Peritonealhöhle  entspringenden  Gefahren  vermieden  werden. 

Die  Structur  des  Hodens  war  normal;  im  vas  deferens  fanden 
sich  wenige,  bewegungslose  Spermatozoen.  Sehftdel  (Berlin). 


J.  Spence.    On  a  modification  of  the  method  of  using  Mal- 
gaigne's  screw-hooks  in  transversa  fracture  of  the  patella. 

W.  Callender.    On  the  treatment  of  fracture  of  the  patella. 

A.  Fergusson  ITGill.     The    treatment  of  fractures  of  the 
patella  and  olecranon  by  the  expectant  method. 

(The  Practitioner  1875.  March.) 

Statt  die  Malgaigne 'sehe  Klammer  bei  Patella-Fracturen  direct 
in  der  Haut  zu  fixiren^  legt  Spence  auf  die  vordere  Fläche  des 
Ober-  und  Unterschenkels  je  ein  breites  Stück  Heftpflaster;  die  eine 
Seite  nach  der  Patella  zu  ist  leicht  concav  ausgeschnitten.  Auf  die 
breiten  Heftpflasterstücke  kommen  mehrere  schmale  Lagen  desselben 
Pflasters  und  in  diese  fixirt  S.  die  Malgaigne'sche  Klammer.  — 

Callender  behandelt  die  Patella-Fracturen  folgendermassen :  die 
Extremität  wird  in  eine  Schiene  gelagert^  an  deren  Fussbrett  sich  2 
horizontale  eiserne  Stäbe  mit  Rollen  für  die  Extension  befinden.  Auf 
die  vordere  Fläche  des  Ober-  und  Unterschenkels  wird  je  ein  genü- 


284  Centralblatt  fOr  Ghimrgie.    No.  18. 

gend  grosses  Stück  Hefil^flaster  gelegt^  wie  im  Torigen  Falle.  Unter 
dem  Heftpflaster  liegt  etwas  Lint  etc.^  um  die  Haut  zu  schätzen. 
Heftpflaster  imd  Schiene  werden  durch  Bindentouren,  welche  das 
Knie  freilassen,  befestigt.  In  die  oberen  seitlichen  Ecken  des  unteren 
Heftpflasterstücks  wird  je  eine  Schnur  befestigt,  welche  durch  die 
unteren  Ecken  des  Oberschenkelpflasters  gezogen  werden,  dann  nach 
unten  über  die  betreffende  Rolle  laufen  und  an  einem  gemeinschaft- 
lichen Gewicht  endigen.  Durch  die  Extension  werden  die  beiden  Heft- 
pflasterstücke sammt  den  Bruchstücken  der  Patella  möglichst  genähert. 
Statt  der  erwähnten  Ne vi lle'schen  Schiene  genügt  auch  jede  andere 
Holzschiene,  durch  deren  Fussbrett  rechts  und  links  2  Lödier  gebohrt 
sind,  um  die  Extensionsschnur  auf  jeder  Seite  durchzulassen.  — 

F.  M'Gill  verwirft  die  Anwendung  der  M a lg a ig n ersehen  Klam- 
mer,  wenn  sie  direct  in  der  Haut  des  Fat.  befestigt  wird.  Im  King 's 
College  Hospital  wurde  Erysipel  mit  tödtlichem  Ausgang  nach  ihrer 
Anwendung  gesehen.  Die  Methode  Wood's,  mit  Achtertouren  die 
Patellafragmente  zu  fixiren,  hält  Verf.  für  ungenügend.  Besser  scheint 
die  Methode  Samborn's,  welcher  ober-  und  unterhalb  der  gebro- 
chenen Patella  ein  kleines  Polster  anbringt,  dann  einen  breiten  Heft- 
pflasterstreifen auf  die  Vorderfläche  des  Ober-  und  Unterschen- 
kels, von  der  Hüfte  bis  zu  den  Knöcheln,  legt,  lieber  der  Patella 
bildet  dieser  lange  Heftpflasterstreifen  eine  Schlinge,  welche  man 
durch  Dotationen  vermittelst  eines  Stückes  Holz  oder  Aehnlichem  an- 
ziehen soll.  Durch  diese  Manipulation  nähert  der  angezogene  lange 
Heftpflasterstreifen  die  beiden  Polster  und  fixirt  so  ausgezeichnet  die 
Brudistücke  der  Patella.  Für  das  einfachste  und  relativ  das  beste 
Verfahren  erklärt  M'Gill  die  Methode  von  Teale,  der  die  Extremi- 
tät einfach  in  eine  Holzlade  legt  und  Kälte  applicirt.  Der  Pat.  muss 
6 — 8  Wochen  im  Bett  liegen.  Die  anfangs  bestehende  tonische  Con- 
traction  des  Quadriceps  verschwindet  nach  einigen  Tagen,  der  Zug 
an  der  fracturirten  Patella  hört  auf,  dagegen  nähert  die  Narben- 
contraction  die  durch  Bindegewebe  verbundenen  beiden  Bruch- 
stücke der  Patella  von  selbst  und  zwar  in  der  erwähnten  Zeit  so  voll- 
ständig, dass  man  keinen  Zwischenraum  zwischen  den  beiden  Frag- 
menten mehr  wahrnehmen  kann  und  das  Kniegelenk  in  functioneUer 
Beziehung  nichts  zu  wünschen  übrig  lässt.  —  Auch  bei  Fracturen  des 
Olecranon  findet  durch  die  Narbenschrumpfung  eine  ähnliche  An- 
näherung der  Fragmente  statt.  M'Gill  legt  das  Ellenbogengelenk  in 
eine  rechtwinklige  Schiene  und  sah  auch  hier,  dass  die  Narben- 
schrumpfung die  beiden  Fragmente  so  näherte,  dass  kein  Zwischen- 
raum zu  entdecken  war. Tillniaiins  (Leipsig). 

Kleinere  Mittheiiungen. 

A.  Benasai.     Degli  effetti  del  chinino  sulla  contrattüita  delP  utero. 

(Oan.  delle  clinicbe  Torino  1875.  No.  2.) 
Eine  Fran,  schwanger  im  5.  Monat,  welche   schon  3  Mal   aborttrte,    etwas 
henmtergekommen,  erhüt  wegen  eines  Wechselfiabers  innerhalb  12  Tagen  7  gnn. 


Centnlblatt  fttr  Ckiniigie.    No.  18.  285 

Chmin,  ohne  dass  Abortus  erfolgte.    B.  glaubt  danim  nicht,  daet  dem  C^xinin  eine 
besondere  Wirkung  auf  Contraction  der  Uterusfasem  zukomme. 

Memel  (Triest). 

Fieber.     Beiträge  zur  electrischen  Behandlung  der  Hysterie. 

(Pester  med.  chir.  Presse  1875.  No.  1  u.  2.) 

Nicht  nur  bei  psychisch-hysterischen  Symptomen  (Galvanisation  des  Sympathi- 
cus},  sowie  bei  hysterischen  Motilitftts-  und  Sensibilitätsstörungen  ist  die  Behand- 
lung mittelst  des  electrischen  Stromes  unter  gewissen  Umständen  Überraschend 
dankbar,  sondern  ebenso  auch  gegen  palpable  Affectionen  der  Genitalien  Hysteri- 
scher erweist  sieh,  wie  Verf.  versichert,  die  loosl  applicirte  Electricität  oft  nütz- 
lich. So  gegen  Lagever&nderungen,  Exsudate,  Geschwüre,  Blennorrhoe,  Ovarial- 
cysten  (Electrolyse).  N&heres  s.  im  Original  und  in  den  daselbst  citirten  electro- 
therapeutischen  Werken  des  Verf. 's.  Rnpprecht  (Halle). 

Mlxmioli.    Erysipelas  migrans  von  besonderer  Intensität. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  5.) 

Ein  30jähr.  Tischler  kam  mit  indolenten  Bubonen  beider  Inguinalgegenden  in's 
Spital.  Zur  Zeit  bestanden  viele  Erysipele.  Innerlich  Jodkali,  äusserlich  Jodtinc- 
tur  und  Compression.  11  Tage  später  heftiger  Schüttelfrost.  Am  12.  Tage  ein 
Erysipel  an  der  rechten  Wange  (am  9.  Tage  war  Schmerz  in  den  Zähnen  des  rech- 
ten Oberkiefers  dagewesen),  das  nach  5  Tagen  den  ganzen  Kopf  einnahm.  All- 
m&lig  wurden  die  oberen  Extremitäten,  der  ganze  Rücken,  die  Brust,  den  Bauch 
ausgenommen,  davon  ergriffen.  Nach  einer  Pause  im  Weiterschreiten  ging  das 
Erysipel  von  den  Bubonenstellen  auf  die  unteren  Extremitäten  Über.  Hierbei  be- 
ständiges Fieber  bis  iO^C.  Abends,  Morgens  um  V2^  bis  1®  remittirend.  Sen- 
sorium  getrübt.  Stimme  heiser,  im  Harn  durch  10  Tage  Albumen.  Die  Bubonen 
waren  während  des  Verlaufs  des  Erysipels  ganz  verschwunden. 

Fr.  Steiaer  (Wien). 

H.  Huppert.     Fremder  Körper  im  Gehirn. 

^Arch.  der  Heilkunde  1875.  XVI.  Jahrg.  Hft.  2.) 

Bei  der  Section  eines  42jähr. ,  seit  einem  Jahre  geisteskranken,  früher  aber 
stets  gesunden  Mannes  fand  sich  im  Grosshim  unter  dem  rechten  Hinter-  und 
Unterhom  ein  73  Mm.  langer  vierkantiger  Schieferstift,  ohne  dass  die  umgebende 
Himsubstanz  irgend  welche  Veränderung  zeigte;  auch  an  den  weichen  und  harten 
Bedeckungen  der  Schädelhöhle  war  nichts  von  einer  Narbe  zu  entdecken.  Es  fand 
sich  nur  eine  dünne  senkrecht  stehende  Knochenplatte  von  der  inneren  Fläche  des 
Sch&dels  ausgehend  am  unteren  Ende  des  rechten  margo  lambd. 

Verf.  nimmt  an,  dass  der  Stift  schon  in  früher  Jugend  in  das  Gehirn  einge- 
drungen und  ganz  symptomlos  in  demselben  liegen  geblieben  sei. 

A.  Bidder  (Mannheim). 
A.  Robertson  und  H.  Knapp.     Sarcom  der  Iris. 

(Arch.  für  Augen-  und  Ohrenheilkunde  1874.  Bd.  3.  Abtheil.  2.) 

Die  ovale  bräunliche  Geschwulst  von  l^/"  im  Längs-  und  1"'  im  Breitenduroh- 
messer sass  am  oberen  äusseren  Theil  der  Iris,  nahe  an  ihrem  Giliarrande.  Unten 
am  Giliarrande  befand  sich  »eine  Kette  von  3  ähnlichen,  jedoch  kleineren  Ge- 
schwülsten«. Deutlich  glaucomatöse  Erscheinungen.  Sehkiuft  erloschen.  Enuclea- 
Uon  des  Bulbus  durch  R. ;  dauernde  Heilung,  die  noch  nach  Verlauf  von  2  Jahren 
constatirt  werden  konnte.  —  Die  von  K.  vorgenommene  anatomische  Untersuchung 
des  gut  gehärteten  Auges  ergab  diffuse  und  geformte  Glaskörpertrübungen,  glauco- 
matöse Excavation  der  Eintrittsstelle  des  Sehnerven ;  die  Vorderfläche  der  Iris  matt, 
graublau,  mit  einer  Anzahl  kleiner,  rundlicher  Erhabenheiten  besetzt,  in  der 
Nähe  des  Ciliarrandes  die  oben  erwähnten  grösseren  Geschwülste,  welche  sich 
sämmtlich  als  melanotische  Sarcome  erwiesen  und  wie  die  vordere  Irisschicht  zu- 
sammengesetzt waren.  Alle  übrigen  Augenhäute  normal.  Von  besonderem  Inte- 
resse  ist  die  Entwicklung  der  Neubildung  aus  der  vorderen  Irisschicht  und  die 


286  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  18. 

grosse  Ansahl  kleinerer  Geschwülste.  In  der  Literatur  hat  K.  nur  1  Fall  Ton 
melanotischem  Sarcom  der  Iris  gefunden  ^v.  Gräfe,  Arch.  fQr  Ophthal m.  Bd.  14, 
Hft.  3,  p.  1S2  u.  8.  w.)-.  Tillmanns  (Leipzig). 

Th.  Bryant.     Report  on  operative  surgery. 

(The  Guy*8  Hospital's  Reports  1873--1874. 

Der  Bericht  umfasst  eine  Anzahl  Ton  Tumoren  der  Gesichtsknochen  —  1  Elfen- 
beinexostose  der  rechten  Stirnhöhlei  5  Oberkiefer-  und  2  Unterkiefergeschwülste  — , 
sämmtlich  von  Interesse. 

Fall  1.   Exostose  des  Sinus  frontalis;  Ezstirpation,  Heilung. 

24jähr.  Mann  hatte  eine  ca.  hühnereigrosse,  knochenharte  Geschwulst,  welche 
sich  Ton  der  Nasenwurzel  2  Zoll  nach  aufwärts  erstreckte  und  einen  Ausläufer  nach 
der  rechten  Orbita  ausschickte.  Rechter  Bulbus  nach  vorn,  unten  und  aussen  ge- 
drängt. Ein  horizontaler  Schnitt  oberhalb  der  Augenbraue  legte  den  Tumor  blos, 
der  sich  als  eine  Elfenbeinezostose  des  Sinus  front,  herausstellte.  Die  Geschwulst 
wurde  mit  Meissel  und  Hebel  stückweise  entfernt.  Heilung.  Gelungene  Abbildun- 
gen illustriren  den  Fall. 

Fall  2.  Zahncyste  des  rechten  Oberkiefers.  Extraction  des  Zah- 
nes.   Heilung. 

12jähr.  Mädchen.  Alle  Zähne  gut  ausgebildet.  Nur  der  rechte  obere  Eckzahn 
fehlte.  Mittlerer  und  rechtseitiger  Schneidezahn  nach  rechts  verschoben.  In  der 
Lücke  zwischen  letzterem  und  1 .  Backzahn  eine  fluctuirende  Geschwulst  mit  durch- 
scheinendem Inhalt.  Incision  am  Zahnfleisch  eröffnet  eine  Cyste,  in  welcher  ein 
wohl  ausgebildeter  Eckzahn  sitzt.  Nach  der  Extraction  des  Zahnes  schloss  sich 
die  Cyste. 

Fall  3.   Fibrom  des  Oberkiefers.    Excision,  Heilung. 

62jähr.  Frau.  Der  ganze  vordere  und  äussere  Abschnitt  des  linken  Oberkiefers 
wurde  von  einem  sehr  harten  Tumor  eingenommen.  Bulbus  vorgetrieben.  Nasen- 
höhle und  Palat.  durum  unbetheiligt.  Diagnose  auf  gutartige  Geschwulst  gestellt. 
Nach  Abtrennung  der  Weichtheile  (Schnitt  durch  die  Mitte  der  Oberlippe,  in  der 
Nasolabialfalte  nach  dem  innerem  Augenwinkel,  von  da  am  unteren  Orbitalrande  nach 
aussen,  Fergusson)  und  Durchsägen  der  Froc.  nasal,  und  zygomat  sowie  des 
Alveolarfortsatzes  Hess  sich  die  Geschwulst  leicht  en  masse  herausheben.  Heilung 
nach  16  Tagen.  Der  Tumor,  ein  Fibrom,  ging  von  der  Vorderwand  der  Highmors- 
höhle aus. 

Fall  4.  Fibrosarcom  des  Oberkiefers.    Part.  Resect.     Heilung. 

37jähr.  Frau.  Fat.  hatte  bereits  in  ihrem  13.  Jahre  ein  erbsengrosses  Knöt- 
chen am  Zahnfleisch  des  rechten  Oberkiefers  bemerkt.  Dasselbe  wurde  entfernt, 
erschien  aber  wieder.  Im  23.  Jahre  Hess  sie  es  abermals  exstirpiren  und  hat  seit- 
dem noch  mehrfache  derartige  Operationen  durchgemacht.  Bei  der  Aufnahme  war 
der  ganze  rechte  Alveolar-  und  Gaumenfortsatz  von  einer  höckerigen  Geschwulst 
eingenommen,  welche  sich  V2  Zoll  über  die  Mittellinie  nach  links  erstreckte.  Tiefe 
Einbuchtungen  entsprachen  dem  Sitz  der  Zähne.  Den  Knochen  schien  der  Tumor 
nicht  durchsetzt  zu  haben. 

B.  spaltete  die  Oberlippe,  schlug  Wange  und  Nasenspitze  nach  oben  und 
durchsägte  den  harten  Gaumen  in  der  Mittellinie.  Nun  wurde  von  der  Nase  aus 
der  Knochen  horizontal  durchtrennt  und  die  Geschwulst  herausgedreht. 

Fall  5.  Riesenzellensarcom  des  Oberkiefers  einen  Zahn  ein- 
schliessend.    Dreimalige  Operation,  Heilung. 

8jähr.  Mädchen.  Geschwulst  nahm  hauptsächlich  den  inneren  Abschnitt  des 
rechten  Oberkiefers  ein,  hatte  die  Nase  nach  links,  den  harten  Gaumen  nach  ab- 
wärt9  gedrängt.  Der  rechte  obere  Eckzahn  fehlte.  An  seiner  Stelle  sass  der  seit^ 
liehe  Schneidezahn.  Schnitt  durch  die  Weichtheile  wie  bei  Fall  3.  Der  nach 
Durchsägung  der  Knochenverbindungen  exstirpirte  Tumor  enthielt  neben  anderen 
Verknöcherungen  ein  grösseres  Knochenstück,  in  welchem  der  vermisste  Eckzahn 
eingebettet  lag. 


Centralblatt  far  Chirurgie.   No.  18.  287 

2  Recidive  erforderten  wiederholte  Operationen.  Bei  der  Letsten  musste  der 
harte  Gaumen  mit  entfernt  werden.     Ein  3.  KecidiT  wird  nicht  erwähnt. 

Fall  6.  Medullarsarcom  des  linken  Oberkiefers.  Totale  Kesec- 
tion.     Heilung.    Recidiv  nach  4  Monaten. 

Fall  7.   Fibrom  des  Unterkiefers.     (Abbildung.) 

25jähr.  Mann.  Hechte  H&lfte  des  Unterkieferkörpers  war  von  einem  harten, 
höckerigen  Tumor  eingenommen,  der  die  Submaxillar-  und  Sublingualgruben  voll- 
kommen ausfüllte  und  auch  in  der  Mundhöhle  deutlich  zu  fühlen  war.  Backen- 
zähne sämmtlich  eingebettet.  Geschwulst  bestand  seit  4  Jahren,  wird  auf  ein  Trauma 
zurückgeführt.  Resection  des  Unterkiefers  von  der  Mittellinie  bis  zum  Winkel. 
Heilung. 

Fall  8.  Periostales  Spindelzellensarcom  des  rechten  Unterkie- 
ferastes. 

20jähr.  Mädchen.  Geschwulst  bestand  seit  3  Monaten  und  hatte  bei  der  Auf- 
nahme beinahe  den  ganzen  rechten  Ast  des  Unterkiefers  eingenommen.  In  den 
Mund  ragte  sie  als  schwammige  Masse  hinein.  Die  Zähne  bis  auf  einen  waren 
ausgefallen. 

Ezarticulaüon  des  Unterkiefers,  Heilung.  Recidiv  im  rechten  Oberkiefer  9 
Monate  später.  Logftea  (Heidelberg). 

A.  Corley.     Suigical  reports  and  observations. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1874.  November.) 

Imperforate  Rectum. 

Attsgetragener,  im  Uebrigen  gut  ausgebildeter  Knabe.  Rectum  verschlossen; 
ganze  Analportion  fehlt.  An  der  unteren  Seite  des  Penis  in  der  Mitte  zwischen 
Praeputium  und  Scrotum  eine  kleine  Oeffnung,  aus  welcher  sich  bei  starkem  Drän- 
gen des  Kindes  einige  Tropfen  Meconium  entleeren.  Der  enge  Canal  communicirt 
auch  mit  der  Harnröhre  —  denn  nach  Einführung  einer  Sonde  in  die  Blase  ent- 
leert sich  sowohl  aus  dem  Ostium  cut.  urethrae  als  aus  der  Fistel  Urin  —  scheint 
indessen  gegen  dieselbe  klappenanig  verschlossen  zu  sein,  da  kein  Meconium  aus 
der  Harnröhre  fliesst.  Während  die  Sonde  in  der  Blase  liegen  blieb,  wurde  eine 
zweite,  feinere,  in  den  Fistelcanal  eingeführt  und  nun  die  Analpartie  gegen  den 
Blindsack  des  Rectums  hin  eingeschnitten.  In  einiger  Tiefe  fühlte  man  den  Knopf 
der  zweiten  Sonde  und  incidirte.  Es  floss  viel  Meconium  ab  und  eine  dritte  Sonde 
gelangte  im  Rectum  hoch  nach  aufwärts.  Nach  3  Tagen  wurde  die  Oeffnung  etwas 
vergrössert,  so  dass  Katbeter  No.  10  bequem  passiren  konnte.  Da«  Kind  befand 
sich  nach  der  Operation  sehr  wohl  und  ist  es  noch  jetzt,  ^4  J<^br  nach  derselben. 
Der  künstliche  After  erfordert  von  Zeit  zu  Zeit  ein  Einkerben  der  Ränder  und  das 
constante  Einführen  einer  dicken  Bougie.  Die  Kothfistel  hat  Verf.  noch  nicht  in 
Angriff  genommen,  da  sie  unter  Umständen  wieder  als  Wegweiser  dienen  könnte. 

Lossen  (Heidelberg). 

G.  Cremonesi.   Sarcoma  cistico  interstiziale  dell'  utero  simulante  una 

cisti  ovarica. 

(Archivio  di  medic.  chir.  ed  igiene  Roma  1874.  Nov.  e  De.) 

Ein  52jähr.  Weib  leidet  seit  ungefähr  3  Jahren  an  einer  Unterleibsgescbwulst 
in  letzterer  Zeit  mit  häufigen  Metrorrhagieen.  Die  Geschwulst  erstreckte  sich  bis 
über  den  Nabel.  Umbilicalperipherie  98  Cm.  Bei  der  Auscultation  vernimmt  man 
zeitweise  ein  leichtes  Blasen.  Die  Geschwulst  ist  elastisch,  fluctuirend.  Die  Uterin- 
sonde dringt  nur  2—3  Cm.  tief  ein.  Diagnose:  Ovarlalcyste.  Durch  eine  Function 
wurden  2  Litres  einer  dünnen  gelblichen,  sehr  eiweissreichen  Flüssigkeit  entleert 
(ob  die  Flüssigkeit  gerann  oder  nicht,  ist  nicht  angegeben,  Ref.).  Die  Frau  starb 
5  Tage  darauf  unter  Erscheinungen  von  Brechen,  Durchfall  und  Blutflüssen.  Bei 
der  Section  fand  man  die  Uterushöhle  sehr  erweitert  (verlängert)  und  in  der  vor- 
deren oberen  Wand  des  Uterus   eine  enorme  Cyste,  welche  eine  Flüssigkeit  ent- 


288  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  18. 

hidt,  wie  sie  bei  der  Function  entleert  wurde.  Die  Innenwand  der  Cyste  seigte 
polypöse  Wucherungen.  —  Erscheinungen  von  Peritonitis  von  der  Einstichsstelle 
ausgehend.  Meuel  (Triest). 

Bouse.     Gase  of  popliteal  aneurism. 

(Clinical  society  1874.  Dec.  11.  —  Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Jan.  9.  p.  47.) 

Die  pulsirende  Geschwulst  bestand  bei  einem  42jähr.  Manne  seit  2  Jahren  und 
füllte  zur  Zeit  die  ganze  Kniekehle  aus.  Ligatur  der  Femoralis  (wo?).  Einen 
Monat  später  Gangrän  des  Fusses,  nachdem  schon  vorher  die  Haut  über  der  Ge- 
schwulst ulcerirt  war.  Amputation.  Heilung.  —  Im  Anschluss  hieran  theilen  andere 
Fälle  von  Aneurysma  mit: 

1)  Barwell:  Fall  von  durch  Berstung  des  Sackes  diffus  gewordenem  Aneu- 
rysma, der  unter  der  Diagnose  eines  bösartigen  Tumors  zur  Amputation  führte. 

2)  Hewett :  Zwei  verkannte  Aneurysmen ;  ein  Aortenaneurysma  wurde  für  einen 
Psoasabscess  gehalten,  und  ein  nach  Ligatur  der  IHaca  externa  von  neuem  wachsen- 
des Femoralaneurysma  imponirte  für  einen  Tumor. 

3)  Baker:  Ein  nicht;  pulsirendes  Glutaealaneurysma  wurde  als  vermeintlicher 
Abscess  incidirt;  Unterbindung  der  Iliaca  communis,  in  zwei  Tagen  vom  Tode  gefolgt. 
Die  Section  ergab  Caries  der  Synchondrosis  sacro-iliaca  und  Ulceration  eines  Astes 
der  Glutaea.  Ranke  (Halle). 

H.  Wepp.     Gase  of  aueurism  of  the  aorta. 

:The  American  Journal  of  med.  science  1874.  Oct.) 

Die  mit  3  Holzschnitten  versehene  Krankengeschichte  ist  in  sofern  von  Inter- 
esse, als  das  Aneurysma  11  Jahre  bestand,  ohne  der  Patientin  (bei  dem  Beginn  der 
Erscheinungen  32  J.  alt)  erhebliche  Beschwerden  zu  verursachen.  Die  Geschwulst 
hatte  allmälig  das  Sternum  usurirt  und  erschien  an  der  vorderen  Brustwand  dicht 
unter  der  Haut.  Hier  trat  schliesslich  eine  Berstung  des  Sackes  ein,  welche  am 
16.  Tage  den  Tod  zur  Folge  hatte. 

Bei  der  Section  fand  sich,  dass  das  Aneurysma  IV2  Zoll  oberhalb  des  Ursprung» 
der  Aorta  begann  und  den  ganzen  Aortenbogen  einnahm. 

Eine  beigefügte  Tabelle  enthält  noch  17  Fälle  von  Aneurysma  der  Aorta  thora- 
cica, welche  nach  aussen  durchgebrochen  und  geborsten  waren.  Der  Tod  erfolgte 
in  den  meisten  nicht  unmittelbar.  LosBen  (Leidelberg). 

P.  Landi.    Duplice  legatura  della  femorale  per  aneurysma  traumatico 

della  tibiale  anter. 

(II  Raccoglitore  med.  1875.  No.  3.) 

Ein  15jähr.  Knabe  wurde  von  einem  Mitschüler  mit  einem  Federmesser  in  der 
oberen  Hälfte  des  Unterschenkels  verletzt.  Die  Stichwunde  heilte  per  primam, 
doch  bildete  sich  sehr  bald  ein  grosses  Aneurysma  der  art  tibialis  antica.  Unge- 
fähr 3  Monate  später  Unterbindung  der  femoralis  über  dem  Adductorenschlitz. 
Abfall  der  Ligatur  nach  16  Tagen  ^  zwei  Tage  später  heftige  Nachblutung.  So- 
fort Unterbindung  im  Trigonum  ileo-pectineum.  Abfall  der  Schlinge  am  20.  Tage. 
Schnelle  Heilung  beider  Wunden  sowie  des  Aneurysmas,  vollkommene  Gebrauchs- 
fähigkeit  der  Extremität.  Meniel  (Triest). 

Öriginalmitthellungen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TUlmanns^  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlnng, 
Breitkopf  und  HärteU  einsenden. 


Dnek  Ttnd  Verlag  von  Breitkopf  uid  Hlrtal  in  Lelpsig. 


Gentralblatt 


för 


CHIRURGIE 

herauBgegeben 

TOB 

Dr.  L.  km,  Dr.  IL  ScM,  Dr.  H.  TOIom 

IM  Berlin.  in  B»lle  a.  8.  in  Laipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbj&hriger  Pr&- 
numeration.     Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

"St  19.  Sonnabend,  den  8.  Mai.  1876. 


Inlialts  Poaflcky  Experimentelle  Beitrage  znr  Lehre  von  der  Transfnsion.  —  Chad- 
wick, Directe  Traosfusion.  —  Lotten ,  BtucheinklemraaDg.  —  Brubtrger,  Technik  der 
Amputationen  und  der  künstlichen  Glieder.  —  Schttcberblntnkoffy  Seeale  cornutum  gegen 
vermehrte  Milchsekretion  und  Entzündung  der  Brustdrüse.  —  Delont,  Clavicularfracturen 
durch  Muskelzag.  —  Odtbracht,  Amputation  des  Gebärmutterhalses.  —  Labb^,  Galvano- 
caustik  bei  Gesichwülsten  des  Gebärmutterhalses.  — -  Hlldtbrandt»  Behandlung  der  Fibrome 
und  Myome  des  Uterus.  —  Dolbtau,  perineale  Lithotritie.  —  Wackerhagtn,  Behandlung 
der  Unterschenkelfracturen.  —  Boulty,  Hanot,  Osteomalacie.  —  MollÜrty  Esmarch'sches 
Verfahren  bei  der  Sehnennaht. 

VIbtrty  Wundvereinigungsmetliode.  —  Scheutr,  Lageruiigsapparate.  —  Nicoladoni,  Be- 
handlung drohender  Pseudarthrosen.  —  Thlim,  Lammbluttransfusionen.  —  Krzykowtkl, 
TransfDsion.  —  Pdrttr,  Partielle  Kesection  beider  Oberkiefer.  —  Taylor,  Rachitische  An- 
schwellung der  Stirn-  und  Seitenwandbeine.  —  Nancrodo,  Plonlazek,  firott,  Tumoren.  — 
FIflioIra,  Empyem.  —  Sprayt,  Penetrlrende  Brustverletzung.  —  Schussverletzung  des 
Herzens.  —  Entor,  Jackton,  Hulke,  Neilt,  Walmtity,  Aneurysmen.  —  Rüge,  Enucleation 
der  Uterusmyome.  —  BfOitky,  Operative  Behandlung  der  üterusflbrome. 


Ponfiok.     Experimentelle  Beiträge  zur  Lehre  von  der 

Transfusion. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXn.  p.  273.) 

Die  Uutersuchungen  P.*8  verdienen  in  hohem  Maasse  Beachtung. 
Wenn  es  auch  nicht  erlaubt  sein  wird,  aus  den  für  einige  Thiere, 
vor  allem  den  Hund  festgestellten  Ergebnissen  sogleich  Schlüsse 
für  den  Menschen  zu  ziehen^  Thatsacfaen,  die  an  Gesunden  gewon- 
nen sind^  für  die  Pathologie  zu  verwerthen^  so  lernen  wir  doch  aus 
der  vorliegenden  Arbeit  auch  für  die  praktische  Ausführung  der  Trans- 
fusion wesentlich  mehr^  als  aus  vielen  der  langathmigen  Berichte 
über  menschliche  Transfusionen,  mit  denen  die  medicinischen  Jour- 
nale der  letzten  Jahre  angefüllt  worden  sind. 

Bei  jeder  Art  von  Blutüberleitung  muss  der  mechanische  Effect 
in's  Auge  gefasst  werden,  den  eine  erhebliche  Vermehrung  der  das 
Gefasssystem  füllenden  Flüssigkeit  hervorrufen  muss.    Es  muss  dann 

19 


290  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.   19. 

die  chemische  WirkuBg  beachtet  werden,  in  sofern  etwaige  besondere 
Qualitäten  des  zugeführten  Blutes  ihrerseits  in  Frage  kommen. 

Die  Folgen  einer  plötzlichen  Steigerung  des  in  dem  Blutgefass- 
sy^m  enftialtenen  Flüflsigkeitsquantums  wurden  expemmeBteU  er- 
forßclifc  durch  EtuleiJung  theils  von  indifferenten  Salzlosusagen,  haupt- 
sächlich aber  von  künstlichem  Serum  (1^  Kochsalzwasser  undHähner- 
eiweiss)  und  von  präformirtem ,  natürlichem  Serum  (gewonnen  aus 
Lammblut] .  Der  Organismus  erwies  sich,  wenn  nur  die  Einleitung  lang- 
sam und  unter  gleichmässigem  Druck  vorgenommen  wurde,  ausserordent- 
lich tolerant.  Die  z.  li.  beim  Hunde  (Vermehrung  des  ursprünglich 
vorhandenen  Blutquantums  um  die  Hälfte)  hervorgerufene  acute  Ple- 
thora bewirkte  keinerlei  ernste  Störungen.  Massige  Oppressionser- 
scheinungen  gingen  rasch  vorüber,  die  ^DhStigkeit  der  Nieren  wurde 
eher  vermindert  als  erhöht.  Die  Haut  zeigte  keinerlei  Steigerung 
ihrer  gewöhnlichen  Functionen.  Es  fanden  sich  nicht  die  von  An- 
deren beobachteten  serösen  oder  blutigen  Transfusionen  in  seröse  Höh- 
len und  Bindegewebe.  Nur  bei  Einleitung  von  künstlichem»  nicht 
von  natürlichem  Serum  trat  für  einige  Tage  Eiweissgehalt  des  Urins 
j^uf.  Die  überschüssig  eingeführte  Flüssigkeit  wird  also  ein  integri- 
render  Theil  der  Blutmasse. 

P.  ist  durch  seine  experimentellen  Erfahrungen  überzeugt  wor- 
den, daas  deübrinirtes  und  ganzes  Blut  in  dieser  Beziehung  für  die 
Transfusion  durchaus  gleichwerthig  sind. 

Die  Transfusion  gleichartigen  Blutes,  genommen  von  Individuen  der- 
selbeh  Thierspecies,  ist  fast  völlig  unschädlich.  Niemals  tritt  nach  der- 
selben Eiweiss  im  Urin  oder  Hämaturie  auf.  Es  ist  anzunehmen,  dass 
die  l^lufkörperchen  in  ihrer  weitaus  überwiegenden  Mehrzahl  im  frem- 
den Organiraius  unverändest  bestehen  bleiben.  Den  nach  starken 
Blutverlusten  folgenden  Störungen  ist  somit  durch  die  Zufuhr  gleich- 
artigen Blutes  auf's  Wirksamste  zu  begegnen. 

Die  Befunde  anderer  Experimentatoren,  die  nach  Einführung  so- 
wohl von  indifferenten  Salzlösungen  als  von  gleichartigem  Blut  un- 
glückliche Kesultate  hatten,  erklärt  'P.  durch  das  von  jenen  ange- 
wandte Verfahren  brüsk  ausgeriPührter  Einspritzungen,  durch  die  Ein- 
führung colossaler  Blutmengen  bei  vollständiger  Substitution  des  Blutes, 
durch  die  abnormen  Verhältnisse,  wie  si^  die  Ueberfuhrung  vom  Blute 
eines  vollkräftigei).  Thieres  aus  der  Haupt art er ie  in  die  Vena  jugu- 
larifi  und  das  rechte  Herz  bediqgt,  durch  .Embolieen  von  Luftblasen, 
von  feinsten  Fremdkörpern  und. gröberen  in  der  Kanüle  oder  dem  ein- 
gebundenen Gefässstück  entstandenen  Gerinnseln. 

Ungleichartiges  Blut  wirkt  nach  P.  in  .grossen  Dosen  tödtlich, 
in  mittleren  schädlich.  Nur  sehr  kleine  Dosen  vermag  der  Orgauis- 
mufl  ohne  wesentUehe  Schädigung  zu  ertragen.  Nutzbringend  kann 
ungleichartiges  Blut  nur  durch  sein  Plasma  und  seine  farblosen  Ele- 
mente  sein.  Die  Giftigkeit  jeder  andersartigen  Blutsorte  wird  durch 
Transfusion^i  au  Housthieren,  die  16  Austauschcombinationen  um- 
fassen (I^nini,  Hund,  Katsse,  Kalb,  Schwein,  Kaninchen,. Huhn,  Ente] 


Centralblatt  far  Chirurgie.     No.  19.  291 

wabracheinlich  gejptxacht.  Die  Dauer  und  d^e  Intensität  der  Yexgif- 
tiu]gss3rpnitome  stehen  im  Grossen  u^id  Qanzen  in  Qonstanil|em  Pro- 
portionalitä^tsverhältnlss  ^u  der  empfangenen  Blutmenge.  —  Hunde 
wurden  bei  ijidirecter  Lammbluttransfusion  getödtet  durch  ein  Quan- 
tum, welches  im  Yerhältniss  von  1 :  72  zu  ihrem  Körpergewicht  stand. 
Die  Sauerstoffträger  des  transfundirten  ungleichartigen  Blutes  gehen 
nach  P.  in  ihjcer  weit  überwiegenden  Anzahl,  höchst  wahrscheinlich 
sogar  säm^mtlich  zu  Grimde.  Das  hierbei  frei  werdende  Hämoglobin 
gelangt  in  das  Plajsma  und  mit  ihm  in  alle  Organe  und  Gewebe  des 
transfundirten  Tbieres.  Im  günstigen  Fall  wird  der  weitaus  grösste 
Theil  durch  den  Harn,  ein  kleinerer  vielleicht  durch  die  Darn^secrete 
ausgeschieden.  Die  Nieren,  denen  die  Elinünirung  zufällt,  vermögen 
dies  nur  für  kleine  Quantitäten  ohne  eigene  Beeinträchtigung.  Grössere 
Massen  bewirken  stürmische  Entzündungszustände,  reichhcbe  Exsu- 
daten in  die  Lumina  der  Harnkanalchen^  secretorische  Insufficienz 
der  Nieren  und  vollständige  Stockung  der  Harnbereitung.  Aeusserst 
wahrsdieinlich  werden  auch  andere  Organe  ausser  den  Nieren,  wenn 
gleich  mehr  vorübergehend,  in  Mitleidenschaft  gezogen. 

Besondere  Beobachtung  verdient  die  Hämaturie.  Das  Auftreten 
derselben  ist  nicht  auf  die  infolge  der  Transfusion  gesetzte  Yermeh- 
rung  der  iBlutmenge  zurückzufuhren.  Selbst  ein  deple torischer  Ader- 
lass  vermag  ipiicht  zu.  verhindern,  dass  ungleichartiges  Blut  Hämaturie 
hervorbringt.  Bei  Hämaturie  nach  Transfusion  vermag  das  M^ikroskop 
keine  Spur  voi;i  rpthen  Blutkörperchen  im  Urin  nach;eu weisen.  Dagegen 
zeigt  das  Spectroskop  in  ausserordentlich  grosßer  Menge  Hämoglobin.  Es 
handelt  ßiqh  ^so  nicht  um  Hämaturie,  sondern  Hämoglobinurie. 
Anders  lautende  Befunde  beruhen  aiif  zufälliger  Bc^imengung  von  Blut. 
Die  Uämog^))inurie  eitsteht  wahrscheinlich  durch  daa  Zi^runde- 
gehen  sämmtlicher  gefärbter  Elemente  des  transplan tirten  Blutes.  Ihre 
Intensität  und  Dauer  hängt  bei  ein  und  derselben  Blutart  aus- 
schliessliGh  \(m  ^er  Höhe  der  transfundirten  Dosis  ab ;  sie  tritt  jedoc^ 
schon  nach  äusserst  geringen  Dosen  auf.  Nur  kleine  Quantitäten  von 
Hämoglobin  können  im  Process  des  Stofiwechsels  verzehrt  werden. 

Hfdelnng  tBonn). 

J.  Chadwick.     Fall  von  directer  Transfusion. 

(Boston  med.  and  surg.  Journal  1S75.  p.  33.) 

ijei  einer  23jähr.  Fr^u,  welche  bald-  nach  der  Geburt  und  in  den 
nächstem  9  Wochen  l^eftige  Blutungen  gehabt  und  jetzt  das  Bild  der 
hochgi;^d^aten  Anämie  zeigte,  wurde  bei  eingetretenen  Symptomen 
extremster  Sch>väche  die  directe  Transfusion  von  Vene  zu  Vene  mit- 
telst Aveling's  Apparat  gemacht.  Es  erfolgten  bei  der  6.  Ueberlei- 
tung  Uebelkeit,  Kreuzschmerzen  und  Herzklopfen,  Puls  U  8 ;  bei  der 
11.  wird, der  Puls  voller  und  siAkt  auf  108;  von  der  15.  ab  arbeitet 
der  Ballon  schwerer;  22  Ueberleitungen  wurden  gemacht.  Während 
der  Transfusion  blieben  das  starke,  anämische  Geräusch,    die  Athmung 


292  Ceiitralblatt  für  Chirurgie.     No.  19. 

und  die  Herzaction  ungeändert.  16  Stunden  später  ein  starker,  eine 
Stunde  dauernder  Frost,  Temperatur  um  3,07° F.  erhöht;  eine  mehr- 
fach aus  der  eröffneten  Vene  aufgetretene  Blutung  wird  nach  1 2  Stun- 
den bei  erneuter  Nachblutung  von  4 — 5  Unzen  durch  Ligatur  sistirt. 
Erbrechen,  Delirium,  Coma.  Tod  25  Stdn.  nach  der  Operation.  Sec- 
tion:  Hautdecken  sehr  blass;  acute  Pachymeningitis  int.,  Lungen- 
ödem; zahlreiche  gelbe  Flecke  im  linken  Ventrikel  durch  ^3  seiner 
Dicke  reichend,  dieselben  aber  weniger  im  rechten  Ventrikel  vorhan- 
den (mikroskopisch  als  fettige  Degeneration  nachgewiesen] ;  Urin  in  der 
Blase  enthält  Cylinder,  Ißi  Eiweiss,  Hämatin,  sparsame  Blutkörper 
(1  in  6  Objecten).     Nirgends  frische  Thromben. 

Verf.  ist  geneigt,  als  causa  proxima  des  Todes  die  zu  grosse 
Transfusionsmenge  von  11  Unzen  anzusehen,  indem  bei  der  dadurch 
herbeigeführten  UeberfüUung  und  excessiven  Gefässspannung  (dem  ist 
in  Wirklichkeit  nicht  so,  Ref.,  cf.  Centralbl.  1874,  No.  8,  p.  128  ff.) 
das  schon  erkrankte  Herz  eine  gewaltige  Ueberanstrengung  und  Aus- 
dehnung seiner  Höhlen  erfahren  habe  (dennoch  zeigte  während  der 
Transfusion  die  Herzaction  angeblich  gar  keine  Alteration,  Ref.).  Der 
Voraussetzung  entgegen  fasste  der  Ballon  die  doppelte  Menge,  so  dass 
die  beabsichtigte  Menge  von  6  Unzen,  über  welche  Ch.  nie  hinaus- 
gehen will,  fasst  verdoppelt  wurde.  Mit  Recht  ist  Verf.  in  neuerer 
Zeit  davon  zurückgekommen  bei  chronischen  Krankheiten ,  die  mit 
Herzverfettung  verbunden  sind,  zu  transfiindiren ;  doch  sollte  der 
Beweggrund  hierfür  nicht  die  Gefahr  der  Transfusion,  sondern 
die  Unzulässigkeit  und  Nutzlosigkeit  sein ;  seltsam  aber  ist  der  Rath, 
wenn  man  in  solchen  Fällen  dazu  schreitet,  kleine  Ueberleitungen 
von  2  Unzen  mehrfach  zu  wiederholen,  resp.  bei  grösserer  Ueberlei- 
tung  einen  depletorischen  Aderlass  zu  instituiren.  Pilc  (Stettin). 


LoBsen.     Studien   und  Experimente   über  den  Mechanismus 

der  Brucheinklemmung. 

(Arch.  f.  kliniBche  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  3.  p.  472-486.) 

Dieser  zweite  Aufsatz,  eine  Fortsetzung  und  Ergänzung  der  im 
Centralblatt  für  Chirurgie  1874,  No.  4  und  Arch.  f.  klin.  Chirurgie, 
Bd.  Xyn,  Hft.  2,  p.  301  g^ebenen  Darstellung,  beschäftigt  sich, 
die  Richtigkeit  des  von  L.  verfochtenen  Einklemmungsmechanismus 
vorausgesetzt,  mit  der  Frage,  welcher  Druck  auf  der  incarcerirten 
Schlinge  und  dem  darüber  liegenden  [zufuhrenden]  Darme  lastet,  wel- 
chen absoluten  Werth  derselbe  erreichen  kann  imd  welche  Grründe 
dag^en  sprechen^  diesen  Binnendruck  durch  einfache  Compressions- 
taxis  zu  überwinden^  dr  i.  die  Darmschlinge  durch  von  aussen  ein- 
setzenden Druck  zu  reponiren. 

Als  Widerstände  ,  welche  sich  dem  Verschieben  der  Darmcontenta 
entgegenstellen,  müssen  ausser  der  Viscosität  des  Darminhalts  selbst 
in  erster   Linie  genannt  werden :    der  Faltenreichthum   der   Schleim- 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  19.  293 

f 

hautoberfläche»  die  temporären  durch  Peristaltik  erzeugten  Dannver- 
engerungen, endlich  die  bleibenden  durch  die  Bruchpforten  bedingten 
Stenosen. 

Infolge  dieser  Momente  Mrird  sich,  sobald  das  abführende  Darm- 
ende geschlossen  ist^  an  jedem  Querschnitt  der  Schlinge  und  des  zu- 
fuhrenden Darmendes  ein  binnendruck  herstellen,  welcher  gleich  ist 
der  Summe  der  Reibungs widerstände  in  dem  oberhalb  des  Querschnitts 
gelegenen  Darmstücke.  Dieser  Druck  wird  mit  der  Länge  des  zu- 
führenden Stückes  wachsen;  er  muss  deshalb  am  >unteren  Rohrende 
nahe  der  YerBchlussstelle  am  höchsten  sein  und  nach  oben  hin  stetig 
bis  0  abnehmen;  er  muss  endlich  mit  jeder  weiteren  Anstauung  des 
Darminhalts,  d.  h.  mit  der  Dauer  der  Einklemmung  zunehmen. 

Der  absolute  Werth  demjenigen  Druckes,  welcher  sämmtlichen 
Reibungs  widerständen  das  Gleichgewicht  halt,  beträgt  für  100  Cm. 
nirgends  stenosirter  Darmlänge  und  dickflüssigen  Inhalt  3Y2  Cm.  Hg. 
Diese  Zahlen  gelten  auch  für  den  am  Mesenterium  hängenden,  ganz 
in  der  gewöhnlichen  Weise  gewundenen  Darm;  sie  verdoppeln  und 
verdreifachen  sich,  wenn  der  Querschnitt  der  Hruchpforten  verringert, 
deren  Länge  vermehrt  wird  (die  Zahlen  wie  die  Versuchsanordnung 
8.  im  Original). 

Man  würde  nun  sehr  irren,  glaubte  man  durch  äussere  (/om- 
pressionsmanoeuver,  bei  denen  man  den  constanten  Darmbinnen- 
druck mehr  oder  weniger  zu  überbieten  sucht,  die  angestaute  Koth- 
säule  in  jedem  Falle  sicher  verschieben  zu  können.  Dies  verhindern^ 
abgesehen  von  den  eben  angegebenen,  eine  Steigerung  des  Darm- 
binnendrucks in  raschen  Progressionen  bedingenden  Momenten,  zu- 
nächst  die  Elasticität  der  Weichtheillager,  welche  zwischen  der  an- 
greifenden Kraft  und  der  zu  verschiebenden  Kothsäule  sich  einschie- 
ben, sowie  diejenigen  druckmindernden  Factoren,  welche  aus  der 
pnmöglichkeit  den  Bruch  genügend  zu  umfassen,  der  event.  unvoll- 
kommenen Druckrichtung  der  reponirenden  Hand  u.  s.  w.  entsprin- 
gen, endlich  die  Festigkeitsverhältnisse  des  Darmes  selber.  (Der 
frische  Schweinedünndarm  platzt  bei  einem  Drucke  von  20 — 25 
Cm.  Hg.)  Es  scheint  deshalb  rationeller  als  die  Compressionstaxis 
diejenige  zu  sein,  welche  durch  Seitwärtsbewegungen  das  ab- 
fuhrende Darmende  zu  öffnen  strebt.  Wilh.  Koeh  (Berlin). 


Brabei^er.   Zur  Technik  der  Amputationen  und  der  künst- 
lichen Glieder,  im  Anschluss  an   eine  geheilte  Tripelampu- 

tation. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Berl.  milit&r&rstl.  Qeflellschaft  am  21.  Novbr.  1874.  — 

Deutsche  militärärztl.  Zeitschrift  1875.  Hft.  1.) 

Einem  jungen  Manne,  welcher  infolge  Ueberfahrens  von  der 
Eisenbahn  ausser  mehrfachen  schweren  Verletzungen  an  den  Glied- 
massen noch  eine  grosse  Lappenwunde  am  Kopfe  mit  Depression  des 


2 $4  *    Centralblatt  fdr  Chirurgie.    No.  19. 

Schädds  erlitteti  hatte^  wurden  uiimittelbar  nach  der  Katastrophe  im 
Augusta-Hospital  der  rechte  Oberschenkel  in  der  Mitte,  der  linke 
Vorderarm  und  der  linke  Fuss  im  Chopart 'sehen  Gelenk  in  einer 
Sitzung  abgesetzt.  Die  letztere  Operation  musste  später  in  einen 
Blasius  (Absägung  des  Taluskopfes)  verwandelt  werden.  Künstliche 
Blutleete;  Unterbindung  mit  Catgut,  Verband  nach  Li  st  er;  Heilung. 

Die  Amputatiunsmethode  am  Oberschenkel  bestand  in  der  Bil- 
dung eines  vorderen  Lappens  mit  Periosttransplantation,  nach  v.  Lan- 
genbeck  (Berl.  klin.  Wochenschrift  1870,  Hft.  13)  und  Wahl  in 
Essen.  B.  empfiehlt  hierbei,  das  Periost  in  Verbindung  mit  den 
Weichthcilen  zu  lassen,  da  dasselbe  so  viel  weniger  leicht  gangränös 
werde  und  der  Retraction  der  Weichtheile  ein  stärkeres  Hindemiss 
entgegensetze. 

Hinsichtlich  der  Erfindung  und  Anfertigung  künstlicher  GHed- 
massen  findet  er  die  deutschen  Mechaniker  hinter  Engländern  und 
Amerikanern  noch  weit  zurück.  Dem  berühmten  anatomischen  Bein 
fely's,  in  welchem  ein  um  mehrere  Axen  bewegliches  Fussgetenk 
durch  eine  in  einer  Kautschukpfanne  sich  bewegende  Glaskugel  her- 
gestellt und  die  zugehörigen  Muskeln  und  Sehnen  durch  entsprechend 
verlaufende  elastische  Bänder  nachgeahmt  sind,  kommt  noch  das 
künstliche  Bein  des  Berliner  Instrumentenmacher's  Geffers  (Schifi*- 
bauerdamm  2)  am  nächsten;  hier  ist  neben  der  vollen  Beweglichkeit 
im  Fussgelenk  die  Elasticität  des  Fusses  beim  Abwickeln  deft  Sohl6 
dadurch  bedeutend  erhöht,  dass  dör  nach  einem  Gypsabguss  gebildete 
Fuss  bis  über  die  Malleolen  aus  vulcanisirtem  Kautschuk  besteht  und 
hohl  ist. 

(Näheres  über  die  Geschichte  der  Prothese  in  der  kleinen  Schrift 
von  Dr.  E.  Meier:  »lieber  künstliche  Beine«,  mit  24  Holzchnitten ; 
Berlin  1871.)  Arn.  Kfller  (Berlin). 

J.  Schtscherbinenkoff.     Seeale  cornutum  gegen   vermehrte 
Milchsecretion  und  Entzündung  der  Brustdrüse. 

(Sitzungfiberichte  der  Gesellschaft  russischer  Aerzte  in  Moskau  1874.  No.  13.  p.  158.) 

Verf.  machte  in  einer  Raphanie-Epidemie  im  8imbirshi*st;hen 
Gouvernement  die  interessante  Beobachtung^  dass  unter  den  Sympto- 
men der  Mutterkomvergiftung  —  die  Verminderung,  oder  das  voll- 
kommene Sistiren  der  Milchsecretion  bei  stillenden  Frauen  moht  sel^ 
ten  beobachtet  wird.  Dieselbe  Erscheinung  bemerkte  er  bei  Küheui 
welche  mit  Mutterkorn  enthaltendem  Mehle,  oder  mit  schlecht  aus- 
gedroschenem Stroh,  in  dessen  Aehren  noch  Mutterkorn  enthalten 
war,  gefüttert  Wurden.  DA  eine  Anhäufung  voü  Milch  in  den  Müch- 
gängen  als  Hauptursach^  der  Mastitis  parenchymatosa  betrachtet 
wird,  so  machte  Verf.  von  benannter  Beobachtung  in  vielen  Fällen 
von  Milchanhäufung,  von  incipirender  Mastitis,  Gebrauch.  Tn  rwei  Fäl^ 
len  voii  Mehrgebärendeui  die  ih  jedem.  Puerperium  an  Mastitis  sup^ 


Centraiblatt  für  Chirurgie.     No.  19.  29^ 

puratira  Ktten^  gebrauchte  Verf.  mit  dem  besffeen  Ettolg^  Seeale  cor- 
niitum,  sobald  er  bei  .ihnen  Anschwellung  der  Drüsen^  bedingt  durch 
starken  Milchandrang  ^    bemerkte.     Gleichfalls  gebrauchte  et   Seeale 

comutum  mit  Chinin  (ää  gr  V — X,  2,  3  Mal  täglich)  in  Fällen  von 
sogenanntem  Milchfieber.  Ausser  im  Puerperium  wandte  Verf.  das- 
selbe Mittel  auch  sonst  bei  Anschwellung  der  Brustdrüsen  mit  fieber- 
hafter Reaction  und  erschwerter  Milchabsonderung  an  und  erreichte 
stets  vollständige  Resolution.  Kei  Entwöhnung  des  Kindes  von  der 
Brust  gebraucht  Seh.  Seeale  cornntum^  um  möglichst  schnell  die 
Milchsecretion  zu  unterdrücken,  ebenso  in  FäHen,  wo  anderer  Ursachen 
wegen  die  Ernährung  sistirt  werden  musste.  Verf.  gab  5  —  7  Tage 
hindurch  bis  zu  1  Drachme  Seeale  cornutum  täglich,  ohne  unange- 
nehme Folgen  zu  beobachten.  W.  (jlrube  (Charkow). 


Delens.    Des  fractures  du  corps  de  la  clavictile  par  contrac- 

tion  musculaire. 

(Arch.  g^n^rales  de  m^deoiBe  1875.  No.  '^,) 

D.  hatte  schon  in  einem  früheren  Aufsatz  (Arch.  gen.  de  med. 
1873,  Na.  5)  daraufhingedeutet,  dass  ein  grosser  Theil  der  Fräcturen 
des  inneren  Endes  der  Clavicula  durch  Muskelzug  produc^t  wer^e. 

Von  Fräcturen  des  Körpers  desselben  Knochens  konnte  Verf.  19 
zusammenstellen,  ^o  die  gleiche  Ursache  nachzuweisen  war. 

Die  Dislocation  ist  im  Allgemeinen  gering;  meist  war  die  rechte 
Clavicula  getroffen,   (cfr.  Nancrede,  Centralbl.  f.  Chir.  1874,  p.  575.) 

Zu  dieser  Art  der  Fmctur  scheinen  dyscn^asisolie  Zustäede  besou- 
den»  XU  disponiren ;  5  Mal  liesa  sieti  Lues«  2  Mal  Malaria  uls  gleichzeitig 
vorhanden  nachweisen.  CiUrar4  (Strassburg  i/E.). 

Odebreoht.     Ueber  die  Amputation  des  Gebärmutterhalses. 

(Beiträge  zur  GeburUhOlff  und  Oyn&kologle  Bd.  III.  Uft.  2.) 

Die  Arbeit  stützt  sich  auf  ein  Material  von  99  Amputationen  der 
Vaginalportion  aus  der  Klinik  und  Privatpraxis  des  Prof.  Hegar, 
welche  sich  auf  die  verschiedenen  Erkrankungen  folgendennassen  ver- 
theilen:  15  Falle  von  Carclnom,  11  von  papillären  Ulcerationen  um 
den  Muttermund^  25  von  einfacher  circulärer  Hypertrophie  der  Vagi- 
nalportion^  17  Fälle  als  Voroperation  des  prolapaus  uteri,  81  Fälle 
von  Elongation  und  Conicität  des  Cervix  mit  Verengerung  der  Orifi- 
cien  oder  des  ganzen  Canals  mit  Dysmenorrhoe  und  Sterilität.  —  Die 
trichterförmige  Excision  aus  dem  supravaginalen  Theil  des  Cervix 
betraf  die  Fälle  von  Carcinom  und  Prolaps  der  Gebärmutter.  Im 
letzteren  FaU  kann  man  auch  eine  liippe  nach  der  andern  entfernen. 
Wenn  auch  Bauchfellverletzungen  (ausser  beim  Carcinom)  nicht  eben 
häufig  sind,  so  ist  doch  äusserste  Vorsicht  geboten. 


296  '  Centralblatt  far  Chinirg:ie.    No.  19. 

Opeiirt  wurde  meist  mit  Messer  und  Scheere  in  der  Sims 'sehen 
Seitenbauchlage,  nur  beim  totalen  Prolaps  dps  Uterus  in  der  Kückenlage. 

Nach  der  Amputation  ist  die  Wundfläche  durch  die  Naht  zu 
umsäumen,  welche  nur  Vortheile  darbiete  und  die  bisherigen  Nach- 
behandlungsmethoden ersetzen  soll.  Zweck  dieser  Naht  ist  die  Hei- 
lung per  primam  und  die  Behinderung  einer  stärkeren  Blutung.  Die 
Nähte  (8 — 15)  werden  rund  um  den  Muttermund  gelegt  in  der  Rich- 
tung von  Radien  eines  Kreises,  dessen  Peripherie  der  Umfang  des 
Cervicalstumpfes,  dessen  Mittelpunct  im  Canal  liegt.  Blutet  es  stär^ 
ker,  so  sind  sie  ganz  und  zuweilen  tief  unter  dem  Grund  der  Wunde  . 
durchzuführen;  bei  den  anderen  Nähten  lässt  man  den  Faden  in  der 
Mitte  auf  eine  kurze  Strecke  sichtbar  werden.  Nach  der  trichter- 
förmigen Excision  ist  die  Naht  dieselbe,  nur  schwieriger,  und  erfor- 
dert dazu  passende  Instrumente  (s.  Original). 

In  Verbindung  mit  der  Amputation  des  Scheidentheils  wurde 
31  Mal  auch  die  bilaterale  oder  sagittale  Discision  ausgeführt,  welcher 
die  Umsäumung  durch  die  Naht  so  folgte,  dass  auch  an  den  Disci- 
sionsschnitten  Vaginal-  und  Cervicalrand  mit  einander  verbunden 
wurden  (s.  die  schematische  Abbildung). 

Die  mit  diesem  Verfahren  erzielten  Resultate  schildert  Verf.  als 
sehr  erfreuliche  (nur  l  Todesfall) .  Unter  ihnen  ist  eine  Kranke  her- 
vorzuheben, die  nach  der  trichterförmigen  Excision  wegen  Cardnom 
der  Vaginalportion  nach  3^2  Jahren  noch  am  Leben  war.  Im  Inter- 
esse einer  Reihe  von  Einzelheiten  bei  der  Operation  ist  auf  das  Ori- 
ginal zu  verweisen.  Leopold  (Leipzig). 

L.  Labbe.     De  Temploi    de  la  galvanocaustique   thermique 
dans  le  traitement  des  tumeurs  epitheliales  du  col  de  T  Uterus. 

(Annales  de  gyn6cologie  Paris,  Mars  1S74.) 
Verf.  fasst  die  Vorzüge   der  galvanocaustischen  Schneideschlinge 
vor  den  anderen  Methoden  in  folgenden  Punkten  zusammen: 

1)  Die  Entfernung  mit  ihr  ist  so  schnell  (30 — 40  Secunden)^  dass 
Anästhesirung  der  Kranken  nicht  nothwendig  ist. 

2)  Ungeachtet  der  Schnelligkeit  der  Trennung  ist  die  Schnitt- 
oberfläche so  glatt  und  blutleer,  dass  man  vor  einer  nachfolgenden 
Blutung  geschützt  ist  (hinreichend  widerlegt^  Ref.). 

3)  Der  Plätindraht  ist  so  biegsam,  dass  man  ihn  ohne  besondere 
Schwierigkeit  anwenden  kann,  ohne  den  Uterus  herabziehen  zu  müssen. 

4)  Die  Art  der  Anlegung  des  Drahtes  unterscheidet  sich  in  Nichts 
von  den  bisher  geübten  Verfahren;  wohl  aber  die  Art  der  glühenden 
Durchschneidung.  Hierbei  schraubt  Verf.  durch  eine  bestimmte  Vorrich- 
tung die  Schlinge,  während  sie  glüht,  immer  weiter  ein,  so  dass  sie 
nach  Abtrennung  der  Geschwulst  sich  vollständig  zurückgezogen  hat. 
Hierauf  erfolgt  eine  kalte  Vaginalinjection  und  zur  Vorsicht  legt  man 
auf  die  Amputationsfläche  einen  mit  Eisenchloridlösuug  getränkten 
Tampon.  Leopold  (Leiprig). 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  19.  297 

Hildebrandt.      Ueber   Behandlung    der    Uterusfibrome   und 
-myome  diurch  subcutane  Injectionen   von  Ergotin-Lösungen. 

(Beiträge  Eur  GeburUhilfe  und  Gyn&kologie.  Bd.  III.  Hft.  2.) 

« 

Verf.  tritt  von  Neuem,  nachdem  eine  Reihe  ungünstiger  Erfah- 
runf^en  und  Resultate  mit  den  Ergotininjectionen  in  der  jüngsten 
Litteratur  laut  geworden  sind,  für  seine  von  ihm  zuerst  empfohlene 
Behandlungsweise  der  Uterusmyome  ein  und  referirt  über  ein  reiches 
Material  von  Fällen^  die  zum  Theil  sehr  günstige  Erfolge  aufsuTreisen 
haben. 

Er  theilt  das  Material  in  drei  Gruppen: 

1]  5  Fälle  mit  Beseitigung  der  Symptome  und  Verkleinerung  des 
Tumors. 

2)  9  Fälle,  in  denen  wenig  zur  Verkleinerun|2^  des  Tumors  bei- 
getragen, dagegen  erhebliche  Besserung  der  Symptome  erzielt  wurde. 

3]  2  Fälle,  in  denen  gar  kein  Einfluss  der  Injectionen  stattfand, 
weder  auf  den  Tumor  selbst,  noch  auf  die  Symptome. 

»Fasst  man  die  Momente  zusammen«,  so  resumirt  Verf.,  »welche 
für  den  Eintritt  der  Resorption  bedingend  sein  müssen,  so  ergiebt 
sich,  dass  ein  Fibromyom  des  Uterus  dann  am  schnellsten  durch  Er- 
gotininjectionen zur  Verkleinerung  gebracht  werden  wird: 

1)  wenn  seine  Consistenz  die  eines  prall-elastischen  muskelreichen 
Fibroms  ist, 

2)  wenn  sein  Sitz  submucös, 

3)  wenn  die  Wandungen  des  Uterus  gesund,  contractionsfahig, 
nicht  durch  Ausspannung  verdünnt,  und  nicht  durch  Exsudate  starr 
geworden  sind;  und  wenn  keine  Peri-  und  Parametritis  in  der  Um- 
gebung vorhanden  ist«.  Leopold  (Leipsig). 

Dolbeau«     De  Tötat  de  la  lithotritie  perineale  en  France. 

(Bulletin  g6n6ral  de  th^rapeutique  Vol.  LXXXVI.  No.  1,  2,  3,  7.) 

In  diesen  unter  brieflicher  Form  verfassten  Aufsätzen  unternimmt 
D.  eine  nochmalige  Vertheidigung  und  Empfehlung  der  perinealen 
lithotritie,  ohne  jedoch  neue  oder  entscheidende  Argumente  anzu- 
führen. 

Er  constatirt,  dass  mehrere  Chirurgen  in  letzterer  Zeit  anfingen, 
sich  der  Methode  zu  bedienen ;  die  Erfolge  waren  stets  zufriedenstel- 
lend. Was  die  gesammten  Erfahrungen  anbetriffl;,  die  bis  >etzt  ge- 
macht werden  konnten,  so  ermuthigen  sie  zur  weiteren  Nachahmung. 
Von  55  bis  jetzt  gesammelten  Fällen  verliefen  44  günstig. 

Verf.  betont  übrigens,  dass  er  die  gewöhnliche  Lithotritie  und 
den  Steinschnitt  durchaus  nicht  absolut  verdrängen  will.  Für  die 
erstere  soll  man  alle  Blasensteine  von  weniger  als  2  Cm.  Durchmesser 
reserviren,  während  die  Lithotomie  bei  sehr  harten  und  sehr  grossen 


29S  Centralblatt  fflr  Chirurgie.     No.  19. 

Steinen  alleüi  indoeirt  ist.     Zwischen  cfiesen  Extremen   aber  werden 
diese  beiden  Methx)den  von  der  perinealen  Lithotritie  übertroffen> 

Girard  (Strassburg  i/E.). 

G.   Wackerhagen.     A  new  raethod   of  applying   plaster  of 
Paris  för  fracture  of  the  bones  of  the  leg. 

(Nev  York  med.  Jiournal  1874<.  Ootbr.  No.  115.  p.  ^1,) 

Die  mitgetheilte  »neue«  Methode  des  Gypsverbandes  bei  Unter- 
scbenkelfracturen  ist  nichts  als  eine  Art  des  bekannten  zwei  schaligen 
Gypsverbandes^  durch  welchen  das  Eröfiben  und  Wiederanlegen  des 
VerbatiMles  erleichtert  werden  soll.  Nach  der  Angabe  des  Verf. 's  be- 
stehen die  beiden  seitlichen  Hälften  aus  je  3  Lagen  von  Flanell, 
welche  nach  dem  Muster  eines  bis  zum  Knie  reichenden  Strumpfes 
geschnitten  und  nach  Art  der  Gypskataplasmen  applicirt  werden. 
Zum  Zwecke  grösserer  Eleganz  erhält  der  Verband  einen  Schellak- 
überzug.     Der  Verband  kann  in  3 — 5  Minuten  entfernt  werden. 

P.  BniDB  (Tübingen). 

Bouley  und  Haaot.     Note  sur  un  cas  d'osteomalacie. 

(BroWn-S6quard'8  Arch.  de  phy«.  1874.  p.  634-*e3.) 

In  ehiem  Falle  von  exquisiter  Osteomalacie  bei  emem  Erwachse- 
nen, dessen  Krankengeschichte  ausführlich  mitgetheilt  wird,  habe» 
die  Verf.  eine  sorgfaltige  histologische  Untersuchung  des  Knochen- 
apparates vorgenommen.  Bemerkenswerth  ist  insbesondere  der  Be- 
fund am  Knochenmark^  das  nach  diesen  Autoren  in  Uebereinstim- 
mung  mit  den  Angaben  von  Virchow  u.  A.  den  Ausgangspunkt  der 
pathologischen  Veränderungen  bildet.  Die  hier  und  da  coustatirteu 
Veränderungen  in  den  Dimensionen,  in  Form  und  Inhalt  der  Knochen- 
körperchen  betrachten  sie  als  .  secundär ;  in  diesem  Falle  war  eine 
Alteration  derselben  kaum  vorhanden.  Nach  B.  und  H.  entwickelt 
sich  im  Knochenmark  ein  neues  Gewebe^  das  die  intertrabeculären 
Räume  erfüllt  und  dessen  BeschaiFenheit  variirt^  je  nachdem  es  sich 
um  rothes  oder  gelbes  Mark  handelt ;  die  Knochen  des  Rumpfes  und 
der  Extremitäten  zeigen  in  dieser  Beziehung  eine  nicht  unerhebliche 
Differenz.  In  den  Knochen  des  Rumpfes  (Wirbel,  Rippen^  Schädel) 
sind  die  Markräume  vergrössert;  sie  werden  von  embryonalen  Zellen 
und  einem  mehr  oder  weniger  faserigen  Bindegewebe  eifoUt;  nirgends 
findet  sich  eine  Spur  von  Fett.  In  den  Knochen  der  Extremitäten 
besteht  das  Markgewebe  ausschliesslich  aus  Embryonalzellen  und  Fett- 
bläschen (?).  Die  constante  Anwesenheit  von  jungen  Zellen  lässt 
daran  denken,  dass  die  Veränderungen  durch  einen  entzündlichen 
Process  zu  Stande  gekommen  sind,  der  seiner  Wirkung  zufolge  als 
ratefioirende  Ostitis  aufzufassen  wäre,  eine  Anschauung,  zu  der  auch 
aüdo'e  Autoren  neigen.  Es  spricht  im  vorliegenden  Falle  für  diese 
Ansicht  auch  der  klinische  Verlauf  der  Affection,   der  in  mehreren 


Centralblatt  für  Chirurgie,     ^a.  19.  290 

acuten  und  subacuten,  löit  Fieber  und  bcdcutend^rf  Stehitterzbaftigkeit 
verbundenen  Schüben  erfolgte.  Der  Urin  des  Kranken  zeigte  zu 
keiner  Zeit  eine  Vermehruog  der  Kalksalze^  auch  nicht  der  anderen  au- 
OTgaAiMiheii  Bestandtheile.  hei  der  Autopsie  fand  sieh  in  den  Nierenr- 
becken,  den  üreteren  und  der  Rindensubstatfiz  der  nicht  unerheblich 
vergrösserteii  Nieren  eine  beträchtliche  Menge  Harngries  vor;  die 
Harnblase  enthielt  Steine  von  Haselnuss-  und  Wallnussgrösse.  So- 
wohl der  Harngries  als  die  Klasensteine  enthidtto  üach  def  Analyse 
von  A.  Robin  die  hauptsächlichen  anorganischen  Hestandtheile  der 
Knochen ;  Harnsäure  war  darin  nicht  nachweisbar. 

J.  Mnnk  (Strassburg  i/£.)- 

D.  ttolliöre.    Note  sur  Tapplication  de  Vischemie  incoraplete 
aux  Operations  qui  se  pratiquent  sur  les  tendons. 

(S6ance  de  la  Soc.  de  Chir.  1874.  25.  Nov.)- 
Au  einem  Individuum^  das  sich  1  Monat  zuvor  die  beiden  Streck- 
sehneu  des  linken  Zeigefingers  durchschnitten  hatte»  machte  M.  die 
seeuüdäre  Sehnennaht  mit  Metalldraht  unter  Anwendung  des  Es- 
match 'sehen  Verfahrens.  Die  Streckfunction  wurde  völlig  wiedet 
hergestellt. 

Hieifoei  £»Dd  M.  das  Aufsuchen  der  Sehnenenden  bei  absoluter 
Ischaemie  sehr  schwierig.  Er  T^andte  daher  in  den  folgenden  FäUeo 
von  Sehnen-  und  Muskelverletssungen ,  die  er  beschreibt^  das  Es- 
march'sche  Verfahren  nur  utivollstäddig  an,  wodurch  sowohl  das 
Untetscheiden  der  Gewebe,  als  auch  das  Auffinden  etwaiger  bluten- 
der Gefässe  wesentlich  erleichtert  wird.  Unter  den  beschriebenen 
Fällen  ist  einer,  wo  M.  durch  Wiederherstellung  der  Continuitat  der 
Sehnenscheide  angeblich   eine  Kegeneration   der  Sehne  y   aus  weichet 

ein  3  Cm.  langes  Stück  ausgeschnitten  ^ar,  erreichte. 

_ Fr.  Steiner  (Wien). 

Kleinere  Mitiheüungen. 

Vlbeft.     Methode  zur  Wund  Vereinigung  nach  Exstirpatiouen. 

(Lyon  m*d.  Vol.  XVII.  p.  453.) 

la  eloem  sehr  breit  gehaltenen  Artikel  empflef^üt  der  Verf.  nach  Emtirpationen, 
beeonders  der  Bruatdrüae,  die  ertte  Vereinigung  durch  eine  der  Asa in  sehen  (cf. 
Gentmlbl.  1874)  p.  406)  Naht-Weise  fast  gleichen,  von  ihm  aber  schon  Iftngere 
Zeit  geübten  Methode  su  versuehen.  Die  Blutstillung  wird  nicht  durch  Ligaturen, 
sondern  durch  angelegte  secr&ofines  ersielt^  die  bei  Anlegung  der  Nlhte  gradatim 
entfernt  werden.  Amf  diesem  Wege  will  V.  bisher  immer,  wenn  nicht  prima  rbunio, 
doch  complete  Vernarbung  bi4  spfttestens  am  20.  Tage  er2ielt  haben;  erstere  soU 
nur  ausgeblieben  sein:  1)  bei  nicht  genauer  Adaptirung  der  Känder,  2)  bei  sehr 
fetten  Porsonea  und  3)  bei  sehr  dünnen  Lappen  magerer  Personen. 

Pilz  (Stettin). 
V.  Soheuer.     Un  chapitre  de  Chirurgie  conservatrice. 

(Brtixelles,  H.  Manceaux.  1874.  p.  108.  3  planches.  8.) 

S.    empfiehlt  bei  compl.   Fracturen,   Oelenkwurtden  und  fthnlichen  schweren 
Verlettubgen  ölnen  Apparat  von  folgende^  Oonstructron :  5  Bretter  werden  tu  einer 


300  Centralblatt  für  Chirurgie:     No.  19. 

Lade  bo  zusammengefügt,  daas  2  derselben  am  dem  Fussende  ein  X  bilden,  an 
welchem  sich  die  3  anderen  längeren,  und  zwar  das  Unterbrett,  für  die  Ferse  mit 
einer  ovalen  Oeffnung  versehen,  und  die  beiden  schmalen  Seitenbretter,  stellbar 
befestigen  lassen.  In  die  Lade  wird  nun  die  mit  Watte  umwickelte,  nur  an  der 
verletzten  Stelle  frei  gelassene  Extremität  hineingelegt  und  durch  um  das  Ganze 
gelegte  Gurte  zwischen  den  Brettern  unbeweglich  festgehalten. 

In  7  Fällen  obengenannter  Verletzungen  sind,  wie  die  ausführliche  Casuistik 
erweist,  günstige  Resultate  erzielt  worden.  Arn*  Hiller  (Berlin). 

K.  Niooladoni.    y.  Dum  reicher 's  Methode  zur  Behandlung  drohen- 
der Pseudarthroeen. 
(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  5,  6  u,  7.) 

Nach  obiger  Methode  sollen  Pseudarthrosen,  die  eben  erst  entstehen,  durch 
Circulationshemmungen  in  loco  geheilt  werden.  Letztere  werden  mechanisch  be- 
wirkt durch  Keile,  welche  mit  ihrer  Basis  nach  der  Fracturstelle  sehend,  oberhalb 
und  unterhalb  derselben  so  gelegt  werden,  dass  je  zwei  sich  mit  der  Bajns  gegen- 
überstehen und  einen  gewissen  Kaum  zwischen  sich  frei  lassen.  Heftpflasterstreifen 
befestigen  die  Keile  und  eine  von  der  Spitze  des  Gliedes  her  angelegte  Bollbinde 
drückt  sie  fest.  Die  Wirkung  soll  eine  durch  Stauungshyperämie  bedingte  Schwel- 
lung der  zwischen  den  Keilen  gelegenen  Weichtheile  sein.  Je  nach  dem  Falle 
wird  man  einen  oder  mehrere  Tage  lang  die  Keile  liegen  lassen,  mehr  oder  minder 
oft  die  Prooedur  wiederholen.  Bemerkt  man  hinreichende  Callusbildung ,  so  legt 
man  einen  Gipsverband  an.  Einige  casuistische  Mittheilungen  illustriren  die 
Methode.  Ein  Fall,  in  dem  man  zwei  Knochenabscesse  aufmeiseelte,  wird,  da  die 
Tiefen  der  Abscesshöhlen  zu  überblicken  waren,  als  Beweismittel  benutzt,  dass  die 
Circulationsstörungen  bis  in  den  Knochen  hinein  sich  erstreckten. 

T.  Mosettfeil  (Bonn.) 
Thnm.    Nachtrag  zu   den    in  No.   ^2  (der  Berl.  klinischen  Wochen- 
schrift 1874)  mitgetheilten  Lammbluttransfusionen. 
Berl.  klin.  Wochenschrift.  No.  52.) 

In  rühmenswerther  Weise  bekennt  Verf.,  dass  bei  seinen  4  TransfusionsfäUen 
(Phthise)  (cf.  Centralbl.  f.  Chir.  1874.  p.  437]  nur  eine  kurze  Besserung  erzielt 
worden  sei.  Nach  2—8  Wochen  trat  dann  meist  ein  so  rapider  Verfall  der  Kräfte 
ein,  dass  Th.  selbst  annimmt,  die  Transfusion  habe  in  keinem  der  Fälle  eine  Ver- 
längerung des  Lebens  bewirkt.  Obige  Erfahrungen,  sowie  diejenigen  an  ähnlichen 
Fällen  beobachteten,  ermuthigen  Verf.  nicht  zu  weiteren  Versuchen. 

Y.  MosengeU  (Bonn). 
Enykowski.     Eine  Bluttransfusion  mit  gutem  Erfolg. 

(Przeglf(d  lekarski  1875.  No.  2,  polnisch.) 

Eine  33jähr.'  Bäuerin  verlor  viel  Blut  infolge  von  Abortus.  Den  2.  Tag  wurde 
sie  in's  Spital  gebracht  und  die  Placenta  herausbefördert.  Da  aber  dennoch  der 
Uterus  sich  nicht  zusammenzog  und  die  Blutung  bei  der  ohnehin  schon  äusserst 
anämischen  Person  weiter  bestand,  >vurde  zur  Transfusion  geschritten.  Das  von 
einer  gesunden  Frau  gespendete  Blut  wurde  defibrinirt,  erwärmt  und  in  einer  Menge 
von  5  Unsen  (150  gr.)  vermittelst  einer  gewöhnlichen  neuen  Wundspritze  in  die 
vena  cephalica  hineinbefördert.  Der  Puls  wurde  voller  —  ein  halbstündiger  Frost- 
schauer folgte  —  die  Blutung  stand  gleich  —  der  Uterus  sog  sich  zusammen.  Am 
8.  Tage  wurde  die  Wunde  per  primam  geheilt  gefunden. 

Oballaski  (Krakau). 
Forter.     Pairtielie  Resection  beider  Oberkiefer  wegen  Enchondrom. 

(Boston  med.  and  surg.  Journal  1875.  p.  18.) 

Der  sonst  gesunde  51  jähr.  Mann  bekam  vor  9  Jahren  die  ersten  Entzündungs* 
erscheinungen  an  den  oberen  mittleren  Schneidezähnen  (kOnstliche  Stiftzähne)  mit 
nachfolgender  Nekrose  der  entsprechenden  Alveolen.  Bald  entwickelte  sich  eine 
langsam  wachsende  Geschwulst,  die  jetzt  vom  1.  Backzähne  der  einen  Seite  zu  dem 
der  anderen  Seite  reichte  und  Oberlippe  nebst  Nase  unförmlich  vordrängte.  Extirpirt 
erwies  sich  der  Tumor  als  ein  reines  Enchondrom.    Schon  nach  4  Monaten  erfolgte 


CentralbUtt  für  Chinugi«.    Ko.  !&.  301 

ein  BecidiT,  das  2  Monate  später  in  Aether*Narko«e  mit  vorheriger  Tamponade 
des  Larynx  durch  Schwämme  und  Tracheotomie  exstirpirt  wurde.  Von  dem  Y  Schnitt 
lag  der  gerade  Schenkel  in  der  Mittellinie  der  Oberlippe.  Die  beiden  schrägen 
liefen  in  die  Nasenöffnungen  hinein.  Die  Weichtheile  wurden  links  bis  zum  Boden 
der  Augenhöhle,  rechts  bis  sur  inneren  Commissur  der  Augenlider  abgelösst.  Bei 
der  Exstirpation  musste  der  proc.  nas.  des  Oberkiefers  rechts  gans,  links  grössten- 
theüs  mit  entfernt  werden ;  das  neue  Enchondrom  war  leilenreicher,  als  das  frohere. 
Nach  16  Tagen  konnte  Fat.  entlassen  werden. 

P.  berichtet  über  diesen  Fall,  weil  Enchondrome  des  Oberkiefers  su  den  sei* 
teueren  Geschwulstformen  gehören.  So  hat  Heyfelder  nur  S  unter  450  Fällen 
Ton  Erkrankung  des  Oberkieferknochens  notirt.  2  weitere  Fälle  wurden  yon 
Bigelow  beobachtet.  (In  der  neuesten  Arbeit  von  Rabe  (Deutsche  Zeitschrift 
f.  Chir.  Bd.  3,  p.  300]  konnte  Ref.  auch  nur  10  Fälle  von  Enchondrom  finden, 
deretwegen  operirt  worden  war.)  Die  erste  partielle  Reseetion  beider  Oberkiefer 
soll  von  Roger  1824  verrichtet  worden  sein.  Pill  (Stettin). 

B.  W.  Taylor.     On  certain   peculiar  swellings  of  the  cranial  bones 

caused  by  rickets. 
(Philadelphia  med.  Times  1874.  No.  169.  p.  262  ff.) 
T.  macht  auf  eigentbflmliche  Anschwellungen  der  Stirnbeine  und  Seitenwand* 
beine  aufmerksam,  die  allein  der  Rachitis  ihre  Entstehung  verdanken  und  leicht 
mit  Syphilis  verwechselt  werden  können.  Es  sind  dies  vom  Periost  ausgehende, 
rundliche  oder  ovale  bis  3  ZoU  im  Durchmesser  haltende,  von  der  Nachbarschaft 
des  Knochens  leicht  abzugrensende  Hervorragungen,  welche  sich  bis  auf  \^/2lATde 
über  die  normale  Knochenfläche  erheben  können,  eine  glatte  Oberfläche  haben 
und  sich  durchaus  hart  anfohlen.  Sie  kommen  symmetrisch  oder  nur  auf  einer  Seite 
vor,  verschwinden  oder  persistiren  und  bedingen  im  letzteren  Falle  natürlich  gewisse 
Schädeldifformitäten.  Meist  finden  sich  die  Spuren  der  Rachitis  gleichseitig  auch 
an  anderen  Knochen  des  Skelets.  Wilh«  Kock  (Berlin). 

Hsnorede.     Gase  of  small  round-celled  sarcoma. 

(Philadelphia  med.  Times  1874.  7.  März.  p.  353  ff.) 
Ein  13jähr.  Mädchen  ist  im  November  1872  mit  einem  nussgrossen  Rippen- 
tumor und  Insufficienz  des  rechten  geraden  Augenmuskels  behaftet.  Trübung  der 
Papille,  Kopfschmerz  und,  trotz  auffUligen  Appetites,  Abmagerung  einen  Monat 
später.  Zwei  Monate  später  Oedem  des  linken  Augenlides  und  Tumor  am  äusseren 
Theil  der  linken  Orbita,  welcher  das  Auge  nach  ab-  und  auswärts  drängt.  Im 
Juni  1873  dieselben  Erscheinungen  an  der  rechten  Orbita.  Ulceration  beider 
Corneae  und  Atrophie  beider  Augen.  Geschwülste  am  Scheitel  und  rechten  Masse- 
ter.  Die  Section  (1.  Novbr.  1873)  ergab:  HalbkugelfSrmiges  Sarcom  im  linken 
Stirnbein,  von  der  Nasenwurzel  bis  zum  process.  angularis  ext.  und  andererseits 
vom  Marjo  infraorbitalis  bis  zur  Grenze  des  Haarwuchses  reichend,  somit  die  Augen- 
höhle sammt  Inhalt  umfassend.  Dura  mater  nirgends  perförirt.  Ein  ähnlicher 
nur  mehr  nach  aussen  belegener  Tumor  rechts.  Unter  dem  Pericranium  erbsen- 
bis  halbhaselnuBsgrosse  Ablagerungen,  deren  einige  den  Knochen  vollkommen 
durchsetzt  haben.  An  der  rechten  Thoraxseite  eine  vom  Angulus  scapulae  bis  zum 
unteren  Rippenrand  reichende  Geschwulst,  welche  nur  ein  Theil  eines  Tumors  ist, 
der  2/4  der  rechten  Pleurahöhle  ausfüllt.  Die  mikroskopische  Diagnose  ergiebt  sich 
aus  der  Ueberschrift.  Wilh.  Koch  (Berlin). 

P.  Fieniasek  (Krakau).  Einige  Fälle  von  Sarcom  und  dessen  Meta- 
stasen. 
(Aus  dem  anat.-pathol.  Laborat.  des  Prof.  Biesiadeoki.  Sitzungsberichte  der 
math.-naturwiss.  Abthg.  d.  Academie  f.  Wissenschaften  zu  Krakau  Bd.  L  polnisch.) 
Fall  1.  Die  Geschwulst  nahm  das  obere  Drittel  des  Obersohenke&noohena 
ein,  war  von  Kindskopfgrösse  und  liess  nur  den  Oberschenkelkopf  frei.  Makto- 
skopisch  erscheint  sie  am  Durchsdmitte  grau  und  weich;  der  Knochen  grösstea- 
theUa  atrophirt,  so  dass  nur  hier  und  da  kleine  Knochenplättchen  an  der  Ober- 


A&cJte  gefunden  weicden.  Jn  derLuuge  vl^e  gelbly^  Knötcli^n  vop  £rb$engro88e ; 
am  (Eieisen  einige  Tumoren  von  Nuss-  bis  Taubeneigrösse  zwischen  dem  Pericar- 
/dium  und  dem  Horamuakel  gelagert.  MakroskopUph  ergab  aj/cf^  die  Geschwulst 
aU  ^ndEeliensarcom. 

Fall  2.  Binem  ]2jahr.  Mädchen  wjurde  im  April  Jl8t>9  der  rechte  Augapfel 
aammt  einem  vom  Peri^t  aueg^enden  Nei^gebilde  exsUrp^irt.  Im  März  IS 70  stellte 
sich  dieselbe  mit  einem  Recidiv  vor,  an  dem  nie  auch  «inen  Monat  später  verschied. 
Section:  In  der  rechten  Augenhöhle  und  ai^  ihr  he^iiorgehend  ein  kiqflskopf- 
grosser  Tumojr  —  die  obere  Augenhöhlenv^nd  usurixt  uipi^d  die  dura  na^ter  hier 
ättiporgewOlbt  und  mit  der  Ges^hwplat  ve^rwachsen.  —  Im  rechten  Oyfü7^^n  eine 
bohnengrosse  hartie  Geschwulst.  —  Wir  referiren  ferner 

FaU  5.  Fan  i6]jÄhr.  .  M^nn  litt  seit  Monaten  an  Athembeschwerden  und 
JSluthusten ;  der  untersuchende  Arzt  fand  eine  an  der  vorderen  Trachealwand  sitzende 
und  jdie  <Consistenz  eines  Schwam,mes  aufweisende  Gesch^ul/Kt.  Tod  nach  einigen 
Wochen  an  Pneumonie.  Sowohl  die  Geschwulst  selbst,  als  aueh  die  in  der  Schild- 
drüse, in  .den  Lungen,  der  Leber  und  der  Milz  gefundenen  Metastasen  wurden 
unter  dem  Mikroskop  äU  parvicelluläres  Sarcom  erkannt. 

Fall  ß.  Eine  4()jähr.  Frau  wurde  binnen  IV2  Jahren  an  einer  und  derselben 
Brust  wegen  recidivirender  Oesohwulst  3  Mal  operirt.  Tod  in  d^  3.  Woche  nach 
der  letzten  Bxstirpation.  Seotion:  An  der  plewra  eostalis  und  pulmonalis  un- 
zählige perlenardge  disseministe  weisse  Knötchen ;  .die  beiden  Pleuren  hier  und  da 
▼erwachsen  durch  eine  bis  zu  2  Zoll  dicke  schwielige  Masse.  In  der  linken  Lunge 
3  hilhnereigrosse,  in  der.nschten  1  faustgroseer  Tumor.         (Hiritaafci  (Krftkßu). 

Qross.    Sarconia  iuvolying  the  scapujia.     iExcision. 

(Phüadelphia  med.  Times  1875  p.  264.) 

Der  Tumor  mass  5  Zoll  in  der  Jjfinge,  4  Zoll  in  der  fireite  und  sass  dem 
dorsum  Soapulae  unterhalb  der  Spina  breitbasig  an.  Zur  Esotsion  .genügte  ein 
Hautsohnitt,  welcher  von  der  Mitte  der  Spina  bis  zum  untem  Wink«!  verlief.  D«r 
ganze  Körper  der  Scapula  abwärts  von  der  Spina  wurde  ebenfalls  entfernt.  Voll- 
kommene Genesung  innerhalb  3  Wochen  (Pat.  war  21  Jahre  alt). 

Einen  ähnlichen  guten  Verlauf  nahm  die  Operation  bei  einem  40jähr.  Manne, 
dem  wegen  Osteosarcom  fast  die  ganze  rechte  Scapula  exstirpirt  wurde. 

Wllh.  Koch  (Berlin). 

H.  Figueira.  Empyemfi  tratadö  pelo  tubo  d*esgoto  e  injecQoes  repetidas. 

(Correio  medico  de  Lisboa  1875.  No.  U.) 
Ein  neuer  Fall  v.qn  3  Mai  wiederholter  Function  der  Unken  Thoraxhälfte  bei 
eintim  19jähr.  Heizeir  eines  Dampfschiffes.  Das  seröseitrige  Exsudat  wurde  bald 
stinken^  unter  .A>lftrete^  von  Symptomen  einer  allgemeinen  Eiterinfection.  —  Eine 
£röffnu;)g  des  cavum  thpracis  durch  Schnitt  verweigerte  Pat.  Man  stach  daher 
einen  dicken  Troikar  ein,  extrahirte  mit  F  o  t  i  n  's  Apparat  etwa  2  Liter  stinkenden 
Eiters  und  Uess  die  Kanüle  liegen,  um  dieselbe  zu  Injectionen  von  6X  Carbol- 
Säurelösungen  zu  benutzen.  Später  nahm  man  10 — 15—20;^  Lösungen  (P)  und  wie- 
derholte die  Injectionen  2 — 3  Mal  täglich  und  zwar  bei  Aufenthalt  des  Pat.  in 
frischer  I^^ndluft.  Nach  4  Monaten  konnte  Pat.  für  geheilt  erklärt  werden.  —  F. 
giebt  der  Carbolsäure  VQr  der  Jodtinctur  in  solchen  Fällen  den  Vorzug.  Es  soll 
dies  d^r  4.  in  PorU^gal  geheilte  Fall  von  Pyothorax  sein. 

üllersperger  (München). 

Spruyt.     Plaie  penetrante  de  la  poitrine;  pneumothorax ;  guerison. 

(Archives  m^dicsles  beiges  1675.  Hft.  -2.) 
Ein  Soldat  hatte  bei  einer  Schlägerei  idnen  Messerstich  in  den  Kücken,  neben 
dem  iii^bm  SohulterblattwinJul,  erhalten,  worauf  HlUnopt^te,  Ji'neum^th^Qrax  .vp.n 
mfitiftgur  Ausdehnung  >Knd  «ine  eimiuaseripte  Pleuropneumonie  folgte.  Den  nach 
«twa  >5  Woohen  erfii4g«uien  ^gandtigea. Ausgang  in  Heilung  sohreibt  S.  der  ener- 
gisehen  Anwendung  ▼on  Veaieanlieti  «»,  voa  .denen  er  w^h  and^VieiUg  bei  Ent- 
sftnduagen  .der  ^Pleuren  und  des  £erito9«um  gule  .Erfolge  gesehen  h#t. 

Anit.PiUer  [Berjü^)* 


Centralblati;  £ttr  lOhirargie.   No«  19.  «303 

S^usBverletzuiig  des  Herzens. 

(Middlesex  Hospital  Report«  1873.  p.  1%.) 
Bei  eraem  bOjahr.  Manne,  der  nach  einer  8ohus8vefletaung  in  der  Hersgegend 
sogleich  gestorben  war,  fand  «rch  twiscben  5.  und  6.  Rippe  J*//'  unter  derBruert- 
Warze  und  2"  nach 'innen  von  der  Mamillariinie  eine  kleine  rundliche  Hautwunde 
vit  reinen  Rftndem.  Die  Kngel  hatte  durchdrungen ;  das  Pericardiun  und  den 
darüber  gelegenen  Lungentheil,  beide  Ventvtt^el  etwas  über  der  Herzspitze,  die 
Aorta  thonioica,  einen  Theil  ^es  9.  Brustwirbels,  und  food  «ioh  im  H).  Brustwirbel 
eingekeilt.    Die  linke  PlewrahOhie  und  das  -Peticanlimi  wann  mit  Blut  erMlt. 

Pik  (Stettin). 

!F.  Bnsor.     Aneurysma    der  Innominata.     Ligatur    der    Carotis    und 

Subclavia. 
(British  med.  Journal  1875.  Vol.  I.  p.  192.) 

Aus  Fort  Elisabeth  (Südafrika)  wird  über  die  seltene  Operation  (18  Mal  bisher 
mitgetheilt,  Ref.)  berichtet,  ein  Aneur.  art.  innom.  durch  periphere  Ligatur  beider 
Hauptzweige  zum  Stillstand  zu  bringen ;  leider  bricht  die  Krankengeschichte  dort 
ab,  wo  ernstere  Störungen  auftreten  und  es  dürfte  die  vorhandene  i»dilatatio  arcus«, 
Tielleicht  Aneur.  arcus,  den  Heilungsausgang  wenig  wahrscheinlich  machen. 

Am  S.  Septbr.  1874  wurde  bei  einem  50jähr.  Manne,  der  die  Zeichen  eines 
Aneur.  der  Innominata  und  Dilatation  des  arcus  aortae  darbot,  und  längere  Zeit 
vergeblich  medicamentös  behandelt  worden  war,  in  der  Narkose  die  simultane  Liga- 
tur der  Carot.  comm.  und  Subclavia  mittelst  Seidenf&den  ausgeführt,  von  denen 
die  Unterbindung  des  ersteren  GefSsses  starker  Venengeflechte  wegen  besondere 
Schwierigkeiten  darbot;  nach  14  Tagen  Radialpuls  fühlbar.  Die  Ligatur  der  Sub- 
clavia löste  sich  am  17. ,  die  der  Carotis  am  21.  Tage.  Am  14.  Octbr.  bemerkte 
man  intermittirenden  Puls,  am  18.  Kopfschmerzen,  rechte  Pupille  contrahirt;  die 
folgende  'Nacht  verläuft  besser,  aber  Puls  intermittirend.  Weiterer  Bericht  wird 
versprochen.  Pill  (Stettin). 

A.  Jackson.     Verletzung  der  Femoralis,   doppelte  Ligatur  derselben 

und  der  profunda;  Tod. 
(Briash  med.  Journal  1875.  Vol.  1.  p.  210.) 
Der  hochgradig  anämische  53jähr.  Mann  zeigte  am  linken  iOb«nchenkel  2, 
unter  dem  Lig.  Poupart.  eine  kleine  Stichwunde,  verursacht  durch  ein  .f^Ueudas 
Messer ;  am  Abende  fühlte  man  unter  der  Wunde  einen  pulsirenden  Tumor,  dessen 
Pulsation  durch  Druck  auf  die  Femoralis  zum  Schwinden  gebracht  werden  konnte. 
Am  3.  Tage,  ala  die  Pulsation  stärker,  die  Bedeckungen  {des  Aneurysma'»  dün- 
ner zu  werden  schienen,  unterband  tman  in  der  erweiterten  Wunde  über  und 
unter  der  Verletzung  —  die  vordere  Wand  der  Arterie  war  angeschnitten  —  die 
Femoralis.  £s  trat  eine  starke  Blutung  ein,  als  deren  Quellen  man  die  zwischen 
den  beiden  Unterbindungsstellen  einmündende  Profunda  fem.  erkannte.  Nach  ihrer 
Ligatur  siatirte  die  Blutung;  allein  unter  den  Eracheinungeii  der  Erschöpfung  er- 
folgte ohne  besondere  Zwischenfälle  in  7  Tagen  der  Tod.  Section  war  nichjt  ge- 
suttet.  PiU  (Stettin). 

HuLkfi.    Durch  Compression  geheiUes  Fopliteol- Aneurysma.     (Land. 

pftthol.  Soc.) 
(British  med.  Journal  ')875.  p.  14.) 
H.  beriohtet  über  ein  orangengrosses  Aneurysma  bei  einem  44jähr.  Manne, 
welches  er  durch  Compression  mittelst  eines  A^r  und  eines  unter  demselben  an- 
gelegten Toumiqueu,  die  nur  zeitweiae  etwas  gelöst  wurden,  in  14  Tagen  lur 
Heiking  brachte;  7  Monate  sp&ter  starb 'Fat.  iitfolge  eines  m  das  Pericardiom  htn- 
durcbg^broehenen  Aorten -Aneurysma.  Pllx  (Stettin). 

J.  KeilL     Popliteal  aneuriam  —  Digital  compression. 

(Philadelphia  med.  Times  1874.  No.  164.  p.  183  ff.) 
42jähr.,  früher  mit  Syphilis  behafteter  Mann  trägt  ein  eigrosses  linksseitiges 
Poplitealaneurysma,  das  6  Wochen  vor  seiner  Aufnahme  in's  Spital  nach  dem  Auf- 


304  Centralbktt  für  Chirurgie.    No.  19. 

heben  einer  Leiter  sich  bemerkbar  gemacht  hatte.  Digitalcompresition  der  Axt. 
femoralis  durch  57  Stunden  und  Gangrän  des  Unterschenkels.  Der  durch  dieselbe 
nothwendig  gewordenen  Oberschenkelamputation  folgte  am  5.  Tage  eine  tödtliche 
Blutung.    Der  aneurysmatische  Sack  war  vollkommen  mit  Fibringerinnseln  erfüllt. 

Wilh.  Koch  (Berlin). 

Walmsley.   Aneurysma  der  Femoralis.   Ligatur  der  Iliaca  ext.   Heilung. 

(The  Lancet  1674.  p.  762.) 
I  Ein  schw&chlicher,  40ji^.  Bäcker  fühlte  im  März  1874  beim  Erheben  eines 
Sackes  eine  Spannung  in  der  linken  Leiste ;  4  Tage  darauf  eine  kleine  Geschwulst, 
die  nach  14  Tagen  pulsirte;  dazu  kamen  Schmerzen  im  Beine;  die  Grösse  des 
Tumors  und  die  Schmerzhaftigkeit  nahmen  bedeutend  zu,  so  dass  am  25.  Juni 
die  Pulsätionen  sich  auf  ein  Bezirk  von  l^j^'  Länge  und  öVs"  Breite  erstreckten 
und  der  Tumor  nach  oben  über  idas  Lig.  Poupartii,  nach  unten  bis  zum  mittr- 
leren(  Drittel  des  Oberschenkels  reichte.  Die  Herztöne  Waren  normal,  die  Art. 
tempor.  geschlängelt,  der  Puls  beschleunigt  und  klein ;  das  Bein  sehr  geschwollen. 
Da  in  den  nächsten  4  Tagen  das  Aneurysma  schnell  wuchs  und  von  einer  Behand- 
lung mit  Compression  in  diesem  Falle  keine  Rede  sein  konnte,  wurde  am  29.  Juni 
die  Ligatur  der  Iliaca  ext.  mit  carbolisirtem  Catgut  ausgeführt;  der  im  Uebiigen 
normale  Verlauf  erlitt  nur  durch  ein  am  4.  Tage  auftretendes  Erysipel  eine  kurze 
Störung.  Bei  der  Entlassung  am  8.  August  war  der  auf  Va  seiner  früheren  Grösse  redu- 
cirte  Tumor  pulslos,  das  Bein  von  normalem  Aussehen  mit  voller  Gebrauchsf&higkeit. 

Pilz  (Stettin;. 

P.  Buge.  Beitrag  zur  Casuistik  der  Enucleation  von  Uterusmyomen. 
(Vortrag  in  der  Gesellschaft  für  Gynäkologie  in  Berlin,  20.  Octbr.  1874.  —  Berl. 

klinische  Wochenschrift  1875.  No.  1.)  * 

Bei  einer  40j ähriger  NuUipara  8—10  etwa  pflaumengrosse  Uterusmyome.  Starke 
Blutungen  standen  anfangs  nach  Ergotininjectionen,  spater  nicht  mehr  und  kehrten 
profus  wieder.  Verf.  dilatirte  5  Tage  lang  den  Muttermund  durch  Pressschwamm 
und  Laminaria  und  schälte  ohne  fernere  Präparation  der  Genitalien  einen  apfel- 
grossen  Tumor  der  hinteren  Wand  heraus.  Ein  zweiter  in  der  vorderen  Wand 
musste  nach  Spaltung  der  Kapsel  wegen  zu  starker  reactiver  Contraction  der  Uterus 
sitzen  bleiben  und  \nirde  nach  5  Tagen,  Stark  in  Zerfall  begriffen,  spontan  ausge- 
stoBsen.    Heüung.  v«  MosengeU  (Bonn). 

Breisky.     lieber  operative  Behandlung  der  Uterusfibrome. 
(Aertzl.   Correspondenzblatt,  Organ  des  Vereins    deutscher  Aerzte  in  ^Prag  1875. 

März.  No.  24.) 
Der  Vortragende  berichtet  über  die  Exstirpation  zweier  Uterusfibrome,  von 
denen  das  eine  kindkopfgross  mit  breiter  Basis  an  der  rechten  hinteren  Uterus- 
wand aufsass,  während  das  andere  ein  gewöhnlicher  wallnussgrosser  fibröser  Polyp 
war.  B.  hält  vom  klinischen  Standpunkte  aus  die  Unterscheidung  zwischen  Poly- 
pen und  Fibromen  fest,  weil  die  operative  Behandlung  eine  verschiedene  sein 
müsse.  Beim  ersteren  Falle  hatte  B.  bei  der  sehr  herabgekommenen  45jähr.  Frau 
als  Voroperation  die  Spaltung  der  Kapsel  in  der  Länge  von  8  Cm.  vorgenommen, 
die  Blutung  nach  dem  Einschnitt  durch  blutstillende  Watte  sistirt.  Am  2.  Tage 
wurde  der  Tampon  entfernt,  es  stellten  sich  kräftige  Wehen  ein,  die  die  Geschwulst 
immer  tiefer  brachten.  Nach  17  Tagen  wurde  die  Geschwulst  mit  der  galvano- 
kaustischen Schlinge  entfernt.  Zuvor  befestigte  man  Luftkissen  durch  elastische 
Binden  über  der  Symphyse,  um  einerseits  die  Aorta  abdom.  zu  comprimiren,  an- 
dererseits für  eine  eventuelle  Tamponade  der  Vagina  einen  Gegendruck  von  oben 
au  haben.  Die  Anlegung  der  Schlinge  geschah  mittelst  der  Brückensonde.  —  Im 
zweiten  Falle  geschah  die  Abtragung  mit  einer  Hohlscheere  unter  Leitung  der 
Finger. Weü  (Prag). 

Originalmittheilangen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dt,  H.  TiÜnwnns^  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlnng, 
Breitkopf  tmd  Härtely  einsenden. 

Dne\  nBd  Verlag  von  Breit  köpf  and  HIrtel  in  Leipzig. 


Gentralblatt 


für 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

vom 

Br.  L  Lasur,  Dr.  K  Sckele,  Dr.  i  TDlnM 

in  Berltn.  in  Halle  ».  8.  in  L«ipng. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Hark,  bei  halbjahriger  Prl^ 
nnmef«tion.     Zn  beriehen  durch  alle  Buchhandlnngen  und  Postanstalten. 

H^  20.  Swnabend,  den  15»  Mal.  1876. 

T  II  I  I 

lakall  t  lafc»,  I>fts  Impferysipel.  —  Naake,  Reyfter,  Bntwickloiig  der  BatremitUeii 
des  Meos^en,  insbesondere  der  Geleakflaehen.  —  Fiivre  rouge.  -^  LaRQy  Lapns  und 
Cardnom.  —  Qtbar,  Wesen  der  Aleppobeule.  —  Ellaclier,  Fsll  von  Tetanus  traomaticDS. 
—  Gsillaumat,  Anwendung  des  Schwefelkohlenstoffs  bei  atoniscben  Geschwüren.  —  tfa* 
«Mr  (Ftfaady,  Blasensteine.  -^  RtUX,  Urethral  -  Fieber.  ^  Maffia,  Statistik  der  Her- 
niotomieen.  —  Tlllaux,  Utemspolypen.  —  8ulbeat|  Behandlnng  des  fluor  albus.  — 
■•■Saly  Behandlung  des  congenitalen  Klumpfusses. 

■Iranoad,  Mercurelnreibungen  bei  Carbunkel.  —  Schadelf racturen.  —  Dalbaail,  Hyper- 
trophie der  Oberlippe.  —  ■areaccl,  Tracheotomie  wegen  Fremdkörper.  —  €allard» 
OasofhagM-Stiietaren.  —  Fourastti,  Hüftgelenkalnaation.  —  Paiilal,  Fall  ttoo  Ovarien-' 
tumor.  —  Sandriy  Sectio  cesarea.  —  BlZZOiero,  Perivaginitis  phlegmonosa.  —  Oan- 
graen   des  Vorderarmes  bei  Herzkrankheit.   —  Hulka,  Hemiotomieen.  —  dl  Baraaria, 

Chloral  gegen  OescbwQre  der  portio  vaginal,  uteri. 


Bohn.     Das  Impferysipel  und  seine  Bedeutung  für  die  Ery- 

sipelaslehre. 

(Jahrbuch  für  Kinderheilkunde  VIII.  Jahrgang.  HfL  1.) 

An  der  Hand  einer  ziemlich  umfangreichen  Statistik  beweist  Verf. 
zunächst  den  genetischen  Znsammenhang  zwischen  Impferysipd  vnd 
Impfling.  Die  eigentliche  Heimat  des  Impferysipels  sind  die  Findel- 
häuser.  Im  Petersburger  Findelhause  erkrankten  1863:  3^6)1^;  1868 
dagegen  nnr  1^1)1^.  Das  Wiener  lieferte  1854—64:  1^82)1^2  im 
Durchschnitt.  Sehr  viel  seltener  sind  Epidemien  von  Impferysipel  in 
Privat-  oder  öffentlichen  Oesammtimpfungen  (Konitz  1863^  Neuetettin 
1870,  Danzig  1871,  Regier.-Bezirk  Frankfurt  a/0.  1872).  —  Nach 
Fröbelius  ist  kein  Unterschied  zu  eonstatiren  zwischen  dem  Ein- 
fluss  der  verschiedenen  Lympharten  (Retrovaccine,  animale  Lymphe 
und  aher  Jenn er' scher  Stoff).  Dagegen  scheint  originäre  Lymphe 
häufiger  als  humanisirte  von  Rothlauf  gefolgt  zu  sein. 

20 


306  Centralblatt  fflr  Chirurgie.    No.  20. 

Die  Vaccine  kann  auf  jeder  Stufe  ihres  Verlaufs  zu  einem  Herde 
des  Bothlaufs  werden,  gewohnlich  nur  von  einigen  Pusteln  aus,  meist 
nur  an  einem  Arme  (unter  141  Fällen  30  Mal  an  beiden  Armen). 
Verf.  glaubt^  dass  das  an  anderen  Körperstellen  ohne  directen  Aus- 
gang von  der  Impfstelle  entstandene  Erysipel  ebenfalls  durchaus  als 
ein  echtes  Erysipelas  vaccinatorium  und  nicht  als  zufälliges  Eiysipelas 
in  yaccinato  aufzufassen  sein  dürfte,  wie  ja  auch  das  gewöhnliche 
Erysipel  manchmal  noch  gesunde  Hautpartieen  zwischen  sich  liegen 
lasse.  —  Die  Entzündung  beim  Impferysipel  ist  nach  Verf.  im  Allge- 
meinen heftiger  als  beim  gewöhnlichen  Bothlauf  und  dringt  tiefer  in 
die  Haut;  bisweilen  herdweise  Vereiterung. 

Die  Allgemeinerscheinungen  entsprechen  einem  schweren  Leiden ; 
initialer  Frost,  brennende  Fieberhitze,  grosse  Au&egung,  Erbrechen, 
später  Apathie ;  beim  neuen  Nachschub  neues  Erbrechen  etc.  Temp. 
in  deutlicher  Uebereinstimmung  mit  dem  Gange  der  Hautentzündung: 
Maxima  40,0 — 41,0^C.  fast  ausschliesslich  in  den  ersten  Tagen,  mit 
starken  Remissionen  bis  zu  Collapstemperaturen ;  der  definitive  Abfall 
erfolgt  jäh,  oder  lytisch  durch  mehrere  Tage. 

Die  Mortalität  ist  in  den  Impfanstalten  sehr  ungünstig  und 
erhebt  sich  in  den  Fällen  mit  weniger  ausgesprochener  Neigung  zum 
Wandern  (Beschränkung  auf  den  befallenen  Arm,  von  Verf.  erysipel. 
localisatum  genannt)  auf  17,5,  bei  stärkerer  (Verbreitung  auf  den 
Stamm  etc.  -*  erysipelas  migrans)  auf  ßl,d^. 

Das  Impferysipel  tritt  auf: 

1]  innerhalb  der  ersten  3X24  Std.  nach  der  Impfung  (vaccinales 
Früherysipel), 

2)  im  Anschluss  an  das  entwickelte  Jenner'sche  Bläschen  meist 
innerhalb  des  8.  bis  10.  Tages  (vaccinales  Späterysipel), 

3)  im  Anschluss  an  die  bereits  verheilenden  Geschwürsflächen  als 
zufälliges  Erysipel. 

1.  Das  —  häufigere  —  Späterysipel  schliesst  sich  an  den  Entzün- 
dungshof an,  welcher  das  am  6.  bis  8.  Tage  nach  der  Impfung  sich  ent- 
wickelnde Bläschen  umgiebt  und  welchen  Verf.  als  »normales  Impf- 
erysipel« auffasst.  Das  vaccinale  Späterysipel  ist  ein  Recidiv  oder 
eine  Ausschreitung  des  schon  bestehenden  gesetzmässigen. 

Die  Ursache  dafür  ist  nicht  etwa  in  einem  neuen  Giftstoffe  zu 
suchen,  sondern  es  reichen  dazu  Schädlichkeiten  und  örtliche  Reize 
der  allgemeinsten  Art  aus. 

Das  beweist  der  Umstand,  dass  Fröbelius  die  3,6^  der  am 
Impferysipel  verstorbenen  Neugeborenen  im  Petersburger  Findelhause 
auf  iflßi  herabsetzen  konnte  durch  die  Verordnungen: 

1)  Zu  schwächliche  Kinder  wurden  nicht  eher  geimpft,  als  bis 
sie  kräftiger  waren. 

2)  Es  wurde  für  gehörige  Hautcultur  gesorgt  (Bäder  etc.). 

3)  Die  Zahl  der  Impfstiche  wurde  von  6  auf  3  herabgesetzt. 

4)  Die  rücksichtslose  Maltraitirung  der  Pusteln  von  Seite  des  Feld- 
scheers  Behufs  Abimpfung  hatte  ein  Ende. 


Centralblatt  fftr  Chirurgie.  No.  20.  307 

5)  Die  Nachbehandlung  der  Pusteln  mit  einem  Pulver  von  Zink* 
blumen  und  Bäriapsamen  hörte  auf,  und  damit  die  Bildung  von  dicken 
Schorfen^  unter  denen*  der  Eiter  in  die  Tiefe  drang. 

Daraus  erhellt,  dass  verschiedene  Einflüsse  im  Stande  sind,  dem 
normalen  Voigang  des  Impferysipels  eine  krankhafte  Steigerung  m 
geben. 

2.  Das  Früherysipel,  welches  dem  Acte  der  Impfung  auf  dem 
Fusse  folgt. 

Bei  diesem  entzünden  sich  unter  heftigem  Fieber,  Erbrechen  etc. 
sofort  die  Stichwunden  und  es  entwickelt  sich  in  12  bis  30  Stunden 
ein  Bothlauf,  der  die  Impfstiche  in  rundliche  Geschwüre  verwandelt, 
die  lange  eitern. 

Die  Dauer  dieser  Früherysipele  ist  sehr  verschieden;  auch  sie 
können  wandern;  bisweilen  tritt  herdweise  Vereiterung  ein. 

Bei  diesem  vaccinalen  Früherysipel  erscheint  das  Erysipel  einge* 
impft  und  gelangt  geraden  Weges  zum  localen  und  constitutioneUen 
Ausdruck.  Der  Umstand,  dass  von  gleichzeitig  mit  derselben  Lymphe 
geimpften  Kindern  nur  einzelne  erkranken,  dass  von  allen  Impfstichen 
nur  einzelne  sich  entzünden,  beweist,  dass  der  Lymphe  rothlaufer- 
zeugende  Stoffe  mechanisch  beigemengt  sind,  die  mit  derLancette 
zuftUlig  gefasst  werden.  Diese  phlogogenen  Stoffe  stören  die  ruhige  Ar- 
beit der  Lymphe  —  ohne  immer  ihre  Schutzkraft  zu  vernichten.  V.  fand 
einmal  enorme  Pilzwucherung  in  der  Lymphe  als  Ursache  des  Früh* 
erysipels.  Grobe,  rostige  Instrumente  werden  gelegentlich  auch  mit 
Recht  beschuldigt  werden  können. 

Die  Wirkung  der  Impfung  anlangend,  so  lässt  ein  Späterysipel 
vollen  Schutz  zu  —  ebenso  ein  Früherysipel  an  einem  Arm  und 
einzelnen  Pusteln  entwickelt.  Sonst  zerstört  das  Früherysipel  die 
Schutzkraft. 

Was  das  Yerhältniss  der  Rothlauf-Lehre  zum  Impferysipel  be* 
triflft,  so  lässt  sich  das  folgendermassen  resumiren: 

1)  Es  giebt  kein  specifisches  Rothlaufgift. 

2)  Dem  Erysipel  kann  kein  specifischer  Charakter  zuerkannt  wer- 
den, da  es  auf  die  verschiedensten  Reize  erfolgt.  Damit  ftlUt  auch 
seine  Contagiosität  (?). 

3)^  Der  Rothlauf  kann,  wie  die  vaccinalen  Früherysipele  beweisen, 
eingeimpft  werden. 

4)  Die  vaccinalen  Späterysipele  beweisen,  dass  die  Irritation  der 
Haut  und  des  Blutes  gleichzeitig  beginnen  und  verlaufen. 

5)  Der  die  erysipelatÖse  Entzündung  hervorrufende  und  unter- 
haltende Factor  gelangt  in  die  Lymphgefässe  der  Cutis  und  behält 
oder  bekommt  daselbst  die  irritirende  Kraft.  Und  doch  machen  die 
Späterysipele  es  wahrscheinlich,  dass  die  Wanderung  der  Erysipele 
angefacht  und  unterhalten  werden  kann  durch  fremde,  neu  hinzuge- 
tretene Reize,  während  die  erste  Ursache  bereits  erloschen  ist. 

6]  Die  Empfindlichkeit  der  Haut  ist  ein  disponirendes  Moment 
tSa  die  vaccinalen  Rothläufe. 

20* 


Ycfff .  fi^  m  eia^m  ABhange  etnigd  mtereeeante  e^ene  und  ent- 

lebftte  Beobachtungen  ühßx  vaceinale  Früherysipetle  bei. 

Ketaia  (HaUe  f/flk), 

W.  Henke  und  O.  B/erT^er.  Studien  fiber  die  Entwicklung  der 
Extremitäten  des  Menschen,  insbesondere  der  Oelenkflächen. 

(Aus  den  Sitxungsber.  der  k.  k.  Aeademie  der  Wissenschaften,  Wien,  1S74$.  Juli  23.) 

Pie  Stijk4ieu  «ind  au  S^baUteu  von  Dmbryouen  aus  dar  b.  und  6. 
Woch.^^  aus  dem  Eude  des  2.  Monates  bis  vom  5.  Monale  und  aus 
dem  6.  Monate  augesteUt.  Im  ersten  Absobuitte  der  Arbeit  wird  die 
erste  Anlage  und  Gliederung  der  ElLtremitäteu  ausfübrUeh  gesi^ädert; 
biera^  schliesst  sieb  die  weiteve  Gestaltus^  der  Grelienke  der  Finger, 
des  Ellbogengeleukes  und  endli^  eine  zusanunenbängende  DarsteUuug 
der  gewoujaenen  Biesultate. 

Beaüglicb  der  Frage  nach  der  ersten  Gliederung  konmen 
die  Vff.  zu  keiner  bestimmten  Entscheidung  ^wischen  den  beiden  bis 
jetzt  darüber  herrschenden  Ansichten,  doch  neigen  sie  sich  mehr  der- 
jenigen zu,  welche  das  Zusammenkommen  vea  getrennt  angelegten 
Abschnitten  als  Glieder  einer  Reihe  annimmt.  Sie  constatirten  jedoek 
no«h  einen  dritten  Modus  der  Entstehung  einer  gegliederten  Eeihe  von 
Skeletabschnitten.  Derselbe  besteht  in  einem  allmäligen  Aufbau  je  eines 
neuen  Gliedes  hart  am  Ende  des  bereits  fertigen  (so  an  den  Fingern 
und  Zehen).  Hat  eines  dieser  GUeder  eine  bestimmte  lAnge  sfreioht, 
so  wird  es  durch  eine  quer  darauf  gelegte  Platte  tou  etwas  yenUch^ 
tetem  Gewebe  abgeschlossen;  das  folgende  Stück  wächst  nun  sofort 
im  Anschlüsse  an  die  zwiachengelegte  Scheibe,  und  ist  somit  durch' 
eine  Art  von  Syndesmose  mit  dem  ersten  Stiieke  verbunden. 

Durch  Verdünnung  und  Schwinden  der  Zwischenscheibe  kann 
hieraus  unmittelbar  ein  Gelenk  (Biarthrose)  werden,  wobei  fireilicb 
anfänglich  noch  die  beiden  Hauptexfordemisse  eines  Gelenkes  fehlen, 
nämlich  die  entsprechende  Krüimmung  der  Contactfläehen  und  die 
Differenz  der  Grösse  derselben.  Dieses  erste  Stadium  der  Gelenkbil- 
dung wäre  am  besten  mit  dem  Namen  Amphiarthrose  zu  bezeich«* 
nen.  Die  AUgemeingiltigkeit  dieses  Entwicklungsganges  sei  nicht 
sicher  zu  behaupten,  es  könne  auch  eine  jier  beiden  anderen  Ent- 
stehungsarten zugelassen  werden,  doch  komme  dieses  Staditmi  der 
Amphiarthrose  wohl  bei  jedem  Gelenke  in  den  Anfangen  seiner  Bil- 
dung vor. 

Wevtn  nun  bewegende  Kräfte  (die  Muskeln)  einzuwirken  beginnen, 
so  drücken  sich  insbesondere  die  Känder  der  Endflächen,  womit  2 
Stücke  sich  berühren,  an  der  Seite,  wohin  eine  Biegung  derselbea 
Statt  hat>  aHanälig  stärker  ein,  wobei  das  Wichtigste  das  ist,  dasa  die 
RandeindrückuQg  an  dem  einen  der  beiden  Stücke  vorwiegend  und  in 
der  Richtung  der  typischen  Bewegung  gleichmässig  vertheik  -**  so  abo 
die  ganze  Endflache  convex  wird,  während  das  andere  Stuck  mit  einer 
Vertiefung  seiner  Endfläche  den  Abdruck  dieser  Convexität  vorsteUb. 


Ci&tralblatt  Ittf  Ckimt«^.    Mo.  8«.  ^0^ 

Die  Kraft,  nie  Kopf  und  Fftome  entstiäie,  bte&t#ortob  die  TIT. 
auch  durch  Herbeiziehung  der  Muskelaction>  entgegen  Fick^  derdae 
Wachsthum  der  knikäi^nen  Gebilde  in  BettwlA  zog,  wodurch  das 
«ine  Skick  eich  mit  eemer  EnMSche  in  dae  andere  hineinbolire  nnd 
eo  die  Höhlung  eneuge.  Die  VC  hingegen  erinn^itt  an  das  diffiferente 
Verhalten  der  das  Gelenk  uberspringendta  MHskrin  an  beiden  Stücken. 
An  dem  einen  Stüdce  liegen  die  Muskeln  tnit  dem  grSsbteti  Th^e 
ikrer  Länge  an,  wäiiend  sie  an  dem  and^üi  sich  gans  nahe  dem  da- 
swisohenliegenden  Grelenke  inserben  und  es  hietdurch  mit  «einem 
Baade  in  das  endete  hinemdrücken ;  geschehe  dies  nun  abwechselnd 
iMld  an  dieser,  bald  an  jener  SleUe,  so  werden  duit)h  Druck  di^  B&n^ 
der  des  aweiten  Stückes  weggearbeitet  Es  bildet  eich  also  auf  der 
Seite  die  Pfanne,  wo  die  Insemon^i  der  übetepringenden  Muskeln 
weniger  weit  vom  Gelenke  entfernt  sind  (so  an  den  Fingern  und  am 
EUbogengelenk^  die  Vff.  näher  untersufchten,  und  scheüit  dieses  Ge- 
•eti  auch  für  die  meisten  andern  Gelenke  bu  gelten). 

Eine  weitere  Frage  beträft  die  Vergrösseruag  des  Kopfes 
gegenüber  der  Pfanne  (ohne  wriche  die  Pfenne  in*s  Bodenlose 
fiele,  wenn  ihre  Bänder  die  des  Kopfes  übersehreiten) .  Die  Ursachen 
für  diese  nothwendige  Ausbreitung  des  Kopfes,  suchen  die  Vff.  in 
Folgendem:  Zunächst  sei  es  denkbar,  dass  der  Knorpel  durch  den 
Dtnck  der  Pfanne  etwas  in  die  Breite  gehe,  weiter  aber  übe  die 
über  den  Kopf  gleitende  Pfanne  einen  Heus  auf  die  nutrititen  Vor- 
gänge in  demselben  aus.  Noch  yiel  ausgiebiger  aber  wirkt  ein  drittes 
Moment.  Wenn  nämlich  auf  der  einen  Seite  die  Contraction  der 
Muskeln  die  PÜEinne  über  der  Rand  des  Gelenkkopfes  himiusrieht,  so 
werden  auf  der  anderen  Seite  die  Sehnen^  die  sich  bildende  Kapsel  etc. 
nachgezogen  und  gegen  die  Kante,  welche  der  Rand  des  Kopfes  mit 
der  Oberfläche  des  angrenzenden  Skeletabschnittes  bildet,  angedrückt, 
und  darüber  hin-  und  hergezogen,  wodurch  die  ohnehin  noch  schwach 
inserirte  Kapsel  mehr  und  mehr  abgelöst,  die  genannte  Kante  aber 
durch  das  Uebergleiten  abgerundet  wird.  So  kommt  zum  primären 
Gelenkkopfe  auf  Kosten  der  freien  Fläche  des  bisher  nicht  mit 
dem  Gelenke  in  Verbindung  gestandenen  Skeletantheils  ein  Weiteres, 
eine  Accession,  hinzu,  welche  den  Kopf  erheblich  vergrössem  hilft. 
Der  Gelenkkopf  zeigt  daher  in  dieser  Periode  eine  Gestalt,  die  sich 
ans  3  verschiedenen  (je  eine  Accession  auf  der  Streck-  und  Beuge- 
seite), noch  eckig  zusammenstossenden  Stücken  zusammensetzt.  An- 
fänglich vermittelt  nur  das  mittlere  (der  primäre  Gelenkkopf)  den 
Contact  mit  der  Pfanne,  bis  endlich  durch  gesteigerte  Muskelaction  die 
Pfanne  auf  die  allmälig  abgerundeten  Accessionen  zu  stehen  komtnt.  Am 
schnellsten  vollzieht  sich  die  Abschleifung  der  ungleichen  Gelenk- 
kopfstücke an  den  Fingern;  an  den  Seitenpartieen  bleiben  Stücke  der 
Accesfiionen  dauernd  mehr  oder  weniger  unterscheidbar,  was  an  anderen 
Gelenken  noch  ersichtlicher  ist  (insbesondere  an  den  Gelenkköpfen 
des  Hinterhauptes). 

Die  Potte  der  PhalaingeidcSpfe,  sowie  der  Trochlea  des  Oberarmes, 


310  Centndblatt  ftr  Chinugie«  No.  20. 

erklärt  sich  aus  dem  directeren  Anlegen  der  überspiingenden  Sehnen 
auf  die  Mitte  des  Kopfes. 

Den  Schluss  der  Arbeit  bilden  die  Ergebnisse  in  Besug  auf  Thier- 
ähnlichkeit  in  der  Entwicklung.  Die  Vff.  bemerken^  dass  die  Ana- 
logieen  in  der  Entwicklung  des  menschlichen  Skelets  mit  denen  nie- 
derer Thiere  nicht  so  weit  in  die  niederen  Classen  zurückweisen, 
wie  jene^  welche  Ton  der  Genese  anderer  Körperthefle  her  bekannt 
sind;  es  sei  dies  auch  nicht  zu  erwarten,  da  sie  ja  nur  relativ  schon 
vorgeschrittene  Stufen  dieser  Entwicklung  imtersuchten.  Doch  er- 
strecken sich  diese  Analogieen  bis  zu  den  weitest  entfernten  Säuge- 
thierordnungen.  So  findet  sich  eine  Analogie  bezüglich  der  Andeutung 
von  einer  Verbindung  der  Fibula  mit  dem  Femur  bei  Echidna  und 
Phalangista.  Die  Bildung  der  Verbindung  des  Talus  mit  der  Tibia  und 
Fibula  im  firühesten  von  den  Vff.  beobachteten  Stadium,  iat  ganz  zu 
vergleichen  der  Bildung  dieser  Gelenke  bei  Phalangista.  (Weitere 
Analogieen  sind  im  Originale  nachzusehen.)  Von  grossem  Interesse 
ist  die  Andeutung  von  einem  oder  zwei  überzähligen  Carpuselemen- 
ten.  Es  betrifit  dies  die  Anlage  von  10  Carpalia^  wobei  das  eine 
genau  der  Lage  nach  dem  Centrale  am  Carpus  der  Amphibien,  Rep- 
tilien und  einiger  Säugethiere  entspricht,  das  zweite  (radial  gel^ene) 
eine  Analogie  bei  Simia  Satyrus  findet.  Das  erste  erhält  sich  bis  zum 
3.  Monate  und  geht  dann  in  das  Naviculare  auf.  Das  zweite  ent* 
spricht  der  Eminentia  carp.  radial,  infer.  des  Trapezium  des  Menschen. 

Die  Vff.  versprechen  am  Schlüsse  ihrer  interessanten  Arbeit  die 
weitere  Verfolgung  dieser  Studien  mit  Berücksichtigung  noch  früherer 
Entwicklungsstadien.  4  Tafeln,  von  Henke  gez.,  von  Heitz- 
mann  jun.  Uthograph.^  sind  der  Arbeit  beigegeben. 

Fr.  Steimer  (Wien). 

Dengue,  ou  fievre  rouge  des  colonies. 

(Journal  de  mM.  et  de  cfair.  pratique  1875.  p.  157,  a.  d.  ReTae  m^cale  de  Toulouse.) 

Nach  der  oberflächlichen  Schilderung  ist  diese  neuerdings  erst 
beschriebene  Krankheit  in  folgender  Weise  zu  charakterisiren. 

Sie  entsteht  in  Indien,  erscheint  aber  auch  in  seltenen  Fallen  in 
Europa,  so  z.  B.  in  Spanien  im  Jahre  1864.  Gewöhnlich  kommt  sie 
plötzlich  zum  Ausbrudi  und  überzieht  mit  einer  dem  Scharlach  ähn<- 
liehen  Eruption  unter  heftigem  Fieber  den  ganzen  Körper.  Der  Aus- 
schlag verschwindet  rasch^  und  auch  das  Fieber  dauert  nur  3  Tage» 
Zugleich  aber  stellen  sich  sehr  schmerzhafte  Gelenkentzündungen  ein, 
die  häufigen  Rückfällen  unterliegen >  so  dass»  obschon  gewöhnlich 
Heilung  eintritt^  doch  lange  Zeit  hierzu  in  Anspruch  genommen  wird. 
Der  zur  Illustration  dienende  Fall  war  ein  sehr  schwerer^  da  der 
37jähr.  Mann  durch  Intermittens^  Dysenterie  und  Rheumatismus,  die 
er  in  den  Colonien  durchgemacht  hatte ,  geschwächt «  nach  Ueber-^ 
stehung  des  Fievre  rouge  eine  rheumatische  (?)  Augenentzündung  und 


GttatnlUait  fOr  Chinugie.    No.  20.  311 

deformans  der  Hand-  und  Fiusgelenke  sorückbehalten  hatte. 
Eine  Cor  in  Bareges  besserte  diese  Leiden  sehr  wesentlich. 

Zu  erwähnen  wäre  noch,  dass  die  Dengue  epidemisch  auftritt, 
wahrscheinlich  contagiös  ist^  jede  Baee  und  jeden  Stamm  ergreift, 
dass  die  Therapie  einstweilen  noch  eine  rein  symptomatische  ist  und 
dass  Chinin  sieh  nutzlos  erwiesen  hat.  Pagensteelier  (Elberfeld). 


E<L  Lang.    Lupus  und  Carcinom. 

(Vierteljahrtschrift  fOr  Dennatologie  und  Syphüis  1874.  p.  165.)* 

Verf.  theilt  den  klinischen  Verlauf  und  die  histologischen  Er- 
gebnisse eines  Falles  mit,  in  welchem  auf  einem  theils  vernarbten, 
theils  noch  bestehenden  Lupusherde  der  rechten  Gesichtshälfte  ein 
carcinomatöses  Geschwür  entstanden  war  —  eine  Combination  von 
Carcinom  und  Lupus,  wie  sie  auch  von  O.  Weber,  Bardeleben, 
Hebra  und  Wenk  mitgetheilt  worden  ist. 

Die  histologische  Untersuchung  ergab  L.,  dass  das  schüsselför- 
mige  Carcinom  im  Lupusgewebe  eingebettet  lag;  nirgends  konnte  L. 
Uebergänge  von  Lupus  zu  Krebs  oder  umgekehrt  constatiren.  Im 
Gegentheil  schien  der  Lupusherd  für  das  Carcinom  als  Stroma  zu 
dienen  und  von  letzterem  verdrängt  zu  werden.  Aus  gewissen  Be- 
funden glaubt  L.  entnehmen  zu  können,  dass  Krebszellen  theils  in 
Lymph-,  theils  in  Blutbahnen  activ  hineingelangen,  doch  konnte  er 
nicht  die  Ueberzeugung  gewinnen,  dass  aus  der  Froliferirung  der  Ge- 
fasswandelemente  selbst  Carcinomkörper  entstehen. 

Teber  die  Bedeutung  der  sogenannten  Riesenzellen  im  Lupus  ge- 
langt Verf.  zu  der  Ueberzeugung,  dass  sie  als  retrograd  metamorpho- 
sirte  Zellenconglomerate  aufzufassen  sei  und  läugnet  ihre  Bedeutung 
als  prolifcrirende  Gebilde.         Kapost  (Wien). 

Ed.  Oeber.     Ueber  das  Wesen  der  Aleppobeule. 

(Vierteljahrsschrift  für  Dermatologie  und  Syphilis  1874.  Hft.  4.  p.  445.)    % 

G.  buchtet  unter  der  Ueberschrift  x^ Erfahrungen  aus  meiner 
Orientreise«  vorerst  über  die  »Aleppobeule«.  Es  geht  zunächst  aus 
seiner  Darstellung  hervor,  dass  von  den  dortigen  Aerzten  und  Laien 
alle  schwer  heilbaren  chronischen  und  ulcerösen  Processe,  als 
Eczan,  Lupus,  Syphilis,  Scrophulose  för  «Beule  von  Aleppo«  gehal- 
ten werden.  Der  Schlussfolgerung  G.'s  jedoch,  dass  es  darum  keinen 
Bouton  d'Alepp  als  Morbus  sui  generis  gebe,  ist  nach  der  Leetüre  des 
Aufsatzes  keineswegs  beizustimmen.  Im  Gegentheil,  G.  selbst  theilt  2 
Fälle  eigener  Beobachtung  mit,  die  ganz  und  gar  den  bekannten 
Symptomencomplex  des  Bouton  darbieten,  und  von  denen  G.  selbst 
nicht  anders  sagen  kann,  als  dass  sie  mit  den  bei  uns  bekannten 
Krankheitsformen  nicht  übereinstimmen.  Das  heisst  doch  offenbar, 
dass  diese  2  Fälle  etwas  Eigenartiges  darstellen.  G.  gesteht,  dass 
diese  Fälle  eine  »Besonderheit«  der  Entstehung  und  des  Verlaufes  dar- 


312  Centardblatt  füx  Chim^e.   Na.  20. 


Da  auch  die  Eddäning,  welche  er  (p.  488  1.  c.)  fiir  dietelr 
ben  giebt,  nichts  weniger  als  sachlich  ist»  das  Factum  ihres  Vor- 
kommens jedoch  von  G.  selbst  zugestanden  wird,  so  können  wir 
nicht  anders,  als  gegen  den  Autor  G.'s  Mittheilungen  selbst  für  eine 
Bestätigung  der  Existenz  des  Bouton  anzusehen. 

. KapesI  (Wien)» 

EliBCher.    Fall  von  Tetanus  traumaticus. 

(Sitzungsbericht  der  Budapester  k.  OeBeilschaft  der  Aerzte  Tom  3.  April  1875.  — 

Pester  med.  chir.  Presse  1875.  No.  15.) 

Beobachtung  aus  der  Klinik  des  Prof.  Kor&nyi.  SystematLsche 
Untersuchung  des  gesammten  Hirns  und  Rückenmarkes  mit  positiven 
Resultaten^  nämlich:  Bindegewebswucherung  in  sämmtlichen  Längs* 
faserzügen^  besonders  der  austretenden  Nerven;  amyloide  Degenera- 
tion  der  Granglienzellen  des  n.  V.  VH.  und  der  Oliven ;  in  den  Granglien- 
Zellen  des  Rückenmarkes  entweder  ebenfalls  amyloide  Degenetation,  oder 
aber  Spaltung  des  Protoplasmas  in  eine  durch  Carmin  geftrbte  und 
in  eine  sich  nicht  ßlrbende  gelbe  Schicht :  Yacuolenbildung  und  con- 
centrische  Anordnung  des  Protoplasmas  um  den  Kern,  wie  nach  auf 
die  lebende  Zelle  geführten  Inductionsschlägen;  femer  Wucherung 
und  Verstopfung  des  Centralkanales.  Bappreeiit  (Halle). 


Guillaiimet.    Note  sur  Temploi  du  sulfure  de  carbone  dans 
le  traitement  des  plaies  atoniques  et  des  ulc^rations  chroniques. 

(Journal  de  th6rapeutique  1875.  No.  3.  p.  97.) 

Nach  den  Erfolgen,  die  zuerst  von  Dr.  Michel,  später  im  Hospi- 
tal St  Lazare  mit  der  Anwendung  des  Schwefelkohlenstoffes  bei  atoni- 
schen hartnäckigen  Geschwüren,  namentlich  auch  syphilitischen  Ur- 
sprungs erreicht  wurden,  empfiehlt  6.  dieses  Mittel  auf  das  Wärmste. 
Die  Anwendung  geschieht  in  der  Weise,  dass  die  Oberfläche  des  Ge- 
sdhwürs  mit  einem  in  Schwefelkohlenstoff  getränkten  Charpieballen 
leicht  und  schnell  überstrichen  und  sodann  mit  salpetersaurem  Wis- 
muthoxyd  oder  Stärke  gepudert  wird.  Je  nach  dem  Zustand  der 
Wunde  wird  dann  noch  ein  trockner  Charpiererband  hinzugefugt. 
Die  Veränderung  im  Aussehen  sowie  die  Yemarbung  der  Gtoschwürs- 
fläche  geht  auch  in  den  hartnäckigsten  und  verzweifätsten  Fällen  mit 
überraschender  Sdmelligkeit  vor  sich.  Der  nächste  Eflect  des  Touchi- 
rens  mit  dem  Schwefelkohlenstoff  ist  ein  Blasswerden  der  Granula- 
tionen, bedingt  durch  die  b^  der  lebhaften  Verdunstung  des  Schwe- 
felkohlenstoffs stattfindende  Ischämie.  Nach  einiger  Zeit  tritt  eine 
lebhafte  Böthung  der  Granulationen,  sowie  ein  ca.  20 — 60  Secunden 
andauernder  intensiver  Schmerz  ein.  Bisweilen  folgt  demselben  eine 
mehrere  Stunden  währende  Anästhesie.  Das  erwähnte  Sdimerzgefühl 
▼erliert  sich  übrigens  mit  der  wiederfaohen  Application  des  Mittels. 
Ist  erst  das  Aussehen  der  Granulationen  in  günstiger  Weise  yeittn-* 


CtttnlbUtt  ftr  Ghiraigie.    No.  20.  313 


dgat,  80  geht  audi  die  Venuabung  impider  TOr  skh.  Die  eiuuweii* 
dende  Quantität  des  Mittels,  sowie  die  Anssahl  der  Veibande  richtet 
«idi  nach,  dem  Zustand  des  Geschwürs.  Ein  xu  viel  setst  awar  keinen 
Aetischorf,  rerUndert  aber  die  Vemarbuqg.  Die  Ton  G.  in  kuner 
Krankengeschichte  mitgetheUten  Fälle  betreffen :  1)  Ausgddehntes^  seit 
4V}  Monaten  bestehendes  syphilitisches  Gesohwür  der  grossen  8cham- 
lippe.  Heilung  in  14  Tagen.  2)  Chronisches,  nach  Operation  einer 
Mastdannfistel  surückgebliebenes  Hautgeschwär.  Besserung.  (Pikt. 
starb  vor  desr  definitiven  Verkeilung  an  Marasmus.)  3)  Chronisches 
Geschwür  des  Oberschenkels  (uicerirtes  Gumma).     Besserung. 

^ 0.  Yolkmaan  (Haue). 

E.  Stamer  O'Orady.    Notes  on  cases  of  vesical  calculi. 

(Thfi  Dublin  Jounal  of  med.  scieaoa  1874.  December.) 

G.  berichtet  zunächst  in  genauen  Krankengeschichten  über  4 
günstig  verlaufende  Fälle  von  Seitensteinschnitt  bei  einem  50-,  lO-, 
8V4-  tmd  4jahr.,  männlichen  Individuum;  theilt  dann  die  bei  einem 
12  Jahre  alten  Knaben  wegen  eines  beim  XJriniren  stecken  gebliebe- 
nen Blasensteines  ausgeführte  Urethrotomia  externa  mit,  die  in  äusserst 
kurzer  Zeit  zur  Heilung  gelangte.  Hierauf  folgen  Bemerkungen  über 
2  Lithotripsieen,  nebst  einer  Abbildung  des  dabei  angewendeten  Litho- 
tliptors.  Den  ScUuss  der  Arbeit  büdet  eine  Tabelle  über  15  dem 
Autor  zur  Beobachtung  gekommene  Blasensteine,  als  Beitrag  zu  einer 
Statistik  dieses  Leidens ,  nebst  kleinen  Notizen  dazu.  Die  Details  der 
einzelnen  Fälle,  welche  nichts  wesentlich  Neues  bieten,  wolle  man 
im  Original  nachsehen.  ^__^__  ^»  Braan  (Heidelberg). 


Sur  la  fievre  urethrale. 

(S^ance  de  U  See.  de  chir.  1874.  9.  Decbr.) 

• 

R.  beschreibt  die  Symptome  der  Krankheit  und  hebt  die  Analogie 
zwischen  Urethral-  und  Sumpffiebem  hervor.  Wenn  hinter  einer  ver- 
engerten Stelle  der  Uiethra  die  Schleimhaut  normal  ist,  so  ist  das 
Einfuhren  des  Katheters  von  keinen  üblen  Folgen  begleitet;  ist  aber 
die  Schleimhaut  verletzt,  exulcerirt,  dann  kommt  es,  wenn  alkaUscher 
und  fötider  Harn  alsbald  nach  dem  Katheterismus  die  Urethra  passirt, 
zu  Fieberanfillen. 

Der  Referent  (Faulet]  meint,  R.'s  Anschauung  sei  zu  exclusiv. 
Im  Allgemeinen  beobachte  man  üble  ZufilUe  nach  dem  Katheterismus, 
wenn  der  Harn  abnorm  verändert  ist  und  wenn  die  Secretion  langsam 
und  unvollkommen  vor  sich  geht.  Auch  könne  man  nicht  Ham- 
rohrenveiletzungen  allein  als  causales  Moment  mitbeschuldigen.  Die 
Urethra  könne  gesund  sein,  es  könnte  aber  eine  Absorption  von  der 
Schleimhaut  der  Blase  ausgehen.  Der  alkalische  Harn  löse  das  Epi- 
Ael  auf,  in  welchem  Fall  dann  die  Berührung  des  Katheters  genüge, 
um  die  Blasenwand  zu  verletzen.    Faulet  mochte  daher  die  Beseich- 


314  Centralblatt  fOr  Chimxgie.    No.  20. 

nxmg  febris  uiinaria  oder  f.  urethxo^Teeicalis  der  BezeiclmuDg  f.  ure- 
thralis  yorziehen. 

R.  sagt  weiter,  es  bilde  sich  durch  die  Alkalkität  des  Harns  eine 
Gährung,  und  die  Absorption  der  Fermente  erzeuge  das  Urethral- 
fieber  (?  Ref.). 

Um  dem  Fieberanfall  zuTorzukommen,  räth  R.,  die  ursprüng- 
liche Krankheit  zu  behandeln  und  als  Beruhigungsmittel  Bromkali  zu 
geben.  Ist  der  Fieberanfall  eingetreten,  so  empfehle  sich  Alkohol 
und  Chinin  sulf.  Fr.  Steiner  (Wien). 

Despres.     Hernies  ^trangl^es.     Statistique  des  Operations. 

(Oaz.  des  h6pitaax  1875.  No.  20.) 

Im  Jahre  1873/74  wurden  im  Hospital  Cochin  8  Hemiotomieen 
ausgeführt.  5  Mal  bei  Schenkelhemien  mit  3  Todesfallen;  eine  4.  Pa- 
tientin starb  in  der  3.  Woche  an  chronischer  Bronchitis.  Von  3  an 
Inguinalhemien  leidenden  Fat.  starb  einer,  bei  welchem  erst  die  Punc- 
tioix  mit  Aspiration,  dann  die  Taxis  und  Hemiotomie  gemacht  war. 
Bei  der  Section  war  die  FunctionsöfEhung  nicht  zu  finden.  D.  legt 
grossen  Werth  darauf^  die  Taxis  nicht  zu  lange  fortzusetzen:  igelingt 
die  Taxis  nicht,  so  verschlechtert  sie  allemal  die  Prognose  ganz  we- 
sentlich«. Bei  der  Operation  lässt  er  nicht  chloroformiren,  da 
der  Schmerz  leicht  zu  ertragen  ist  und  die  Kranken  nach  dem  Er- 
wachen aus  der  Narkose  häufig  sehr  abgeschlagen  sind  und  lange 
mit  Uebelkeit  und  Erbrechen  zu  kämpfen  haben.  Vor  der  Reduction 
wird  der  Darm  mit  warmem  Wasser  gewaschen,  um  ihn  zu  reinigen 
und  die  Circulation  rascher  wiederherzustellen.  liegt  eine  kleine 
Portion  Netz  vor,  so  wird  sie  einfach  unterbunden,  grössere  Partieen 
werden  unterbunden,  abgetragen  und  der  Stumpf  cauterisirt.  —  In 
6  Fällen  gelang  die  Taxis  ohne  Operation;  warme  Bäder,  Cataplas- 
men.  1  Pat.  kam  moribund  in  das  SpitaL  Bei  der  Section  fanden 
sich  Ecchymosen  und  interstitielle  Rupturen,  Peritonitis. 

Schädel  (BerUn). 

Tillauz.     Vari^t^  des  corps  fibreux  de  Tuterus. 

(Sianoe  de  la  Soc.  de  Chir.  1874.  2.  Decbr.) 

T.  sah  einen  Uteruspolypen  imter  dem  Einfluss  der  Uteruscon- 
tractionen  intermittirend  erscheinen  imd  bald  darauf  wieder  verschwin- 
den. —  Bei  einer  andern  Patientin  war  ein  Uteruspolyp  ecrasirt  wor- 
den. 1  Jahr  darauf  fühlte  sie  wieder  lebhafte  Schmerzen.  Bei  der 
äntbchen  Untersuchung  fand  sich  nichts.  2  Tage  später  lag  in  der 
Scheide  der  Frau  ein  hühnereigrosser  Polyp;  also  ein  interstitielles 
Fibrom,  welches  durch  die  Uteruscontractionen  in  die  Scheide  ge- 
drängt worden  war. 

In  einem  3.  Fall  hatte  T.  einen  enormen  Uteruspolypen  ecrasirt. 
Er  war  breit  im  Fundus  uteri  aufgesessen,  wovon  ein  Theil  mit  ecra- 
sirt worden  war.     Die  Pat.  starb  nach  48  Stunden.    Künftighin  will 


CeatralUAtt  ftr  Chirurgie.    No*  30.  315 

T.  bei  nicht  gestielten  üterustiuiioren  nicht  mehr  eerasiren,  sondern 
Schicht  für  Schicht  mit  dem  Messer  ablösen^  um  über  die  Lage  des 
Utemsgewebes  sicher  zu  sein. 

Duplay  bemerkt,  es  sei  gefahrlich,  an  voluminösen  Uteruspoly- 
pen, deren  Insertion  man  nicht  kenne,  zu  ziehen ;  könne  man.  nicht 
an  ihre  obere  Partie  gelangen,  so  sei  es  besser,  den  Tumor  stück- 
weise abzutragen;  man  vermeide  so  die  Inversion  des  Uterus. 

Gueniot  empfiehlt  die  Acupunctumadeln  zur  Unterscheidung  des 
Uterus-  vom  Fibromgewebe.  Im  Uterus  zurückgelassene  Beste  des 
Fibroids  müssen,  wie  er  meint,  nicht  unbedingt  nekrosiren. 

Auch  Guyon  sieht,  entgegen  T.,  im  Zurücklassen  von  Stiel- 
resten nichts  Bedenkliches.  Er  verweist  auf  Jarjavay's  Bath,  in 
Fallen,  wo  man  über  Tumor-  und  Uterusgrenzen  nicht  im  Klaren 
sei,  den  ersteren  der  Länge  nach  zu  spalten,  und  durch  allmälige 
Schnitte  die  Fibromgrenze  zu  erreichen. 

Despris  vergewissert  sich  in  zweifelhaften  Fällen  durch  die 
Untersuchung  per  rectum  von  der  Lage  des  Uterus. 

Polaillon  entfernte  einen  Uteruspolypen  durch  allmälige  Liga- 
turen. 

Blot  hat  das  von  T.  vorgelegte  Stück  untersucht.  Er  bemerkt^ 
dass  man  mit  den  Fingernägeln  das  Fibrom-  vom  Uterusgewebe  leicht 
ablösen  konnte.  Man  hätte  daher  in  diesem  Falle  wie  bei  der  Fla- 
centalösung  vorgehen  sollen. 

Marjolin  meint,  die  Diagnose  hätte  durch  die  Bectaluntersuch- 
ung  bei  gleichzeitiger  Einführung  der  Uterussonde  erleichtert  werden 
können. 

Dubreuil  zieht  für  diese  Falle  die  Maisonneuve'sche  Schlinge 
dem  leichter  abgleitenden  Ecraseur  vor. 

Forget  meint,  man  hätte  den  Desault'schen  Schlingenscbnürer 
am  oberen  Theile  des  Tumors  anlegen  können,  wodurch  vielleicht, 
wenn  der  Uterus  mit  in  die  Schlinge  gefasst  war,  die  serösen  Flächen 
desselben  mit  einander  verklebt  und  so  günstigere  Chancen  erreicht 
worden  wären.  Fr.  StelBer  (Wien). 

Ouibont.     Traitement  des  ^coulements  vaginaux. 

\Qta,  des  h6pitftuz  1875.  No.  16.) 

Mit  Hülfe  eines  Speculums  werden  2  in  concentrirte  Tanninlösung 
(25 :  100)  getauchte  Charpietampons  in  die  Vagina  eingeführt.  Ein 
dritter,  trockner  Tampon  dient  zur  Aufsaugung  der  Secrete.  Alle 
24  Stunden  werden  die  Tampons  erneuert,  nachdem  die  Vagina  durch 
Injectionen  sorgfältig  gereinigt  ist»  Während  der  Cur^  die  zur  Zeit 
der  Menstruation  ausgesetzt  werden  muss,  soll  die  Fat.  das  Bett  hüten, 
oder  sich  wenigstens  möglichst  ruhig  halten.  Der  Ausfluss  ist  in  der 
Begel,  selbst  in  hartnäckigen  Fällen,  schon  nach  8 — 10  Tagen  voll- 
kommen beseitigt.  Schädel  (Berün). 


816  CdtitnJUaU  füir  Chimigle«    Ko.  10. 

Mtfasel  (OothA) .    Behandlung  des  «ngebcMrenen  Klompfttsses. 

Ais  Manasoript  gednickt. 
Gleich  nach  Geburt  des  Eöndes  beginnt  di«  übliche  VorberMtiuig 
der  Kur  darch  Mft&ipaktionen  und  später  durch  HeftpAasterverbände 
-^  darunter  eine  Gaeebinde  tum  Schutze  der  Haut.  Hat  let^tcve  eine 
gewisse  Widerstandsfähigkeit  erlangt^  so  kommt  folgender  Apparat 
zur  Anwendung.  Gegen  dne  die  Wade  von  hinten  umfiaateiide,  led«r- 
gepolsterte  Blechrinne  bewegt  sieh  im  Sinne  der  Plantar-  und  Dorsal- 
flexion mittelst  eines  durch  Klemmschraube  feststellbaren  Channer* 
gelenkes*)  ein  Fussbrett.  Dieses  ist  durch  eine  am  Hackentheil  be- 
findliche Schraube  ohne  Ende  um  seine  Längsaxe  drehbar  und  so  in 
jeder  beliebigen  Pronationsstellung  2u  fixiren.  Die  mittelst  Heft- 
pflasterstreifen auf  der  Schiene  gut  befestigte  Extremität  wird  nllmKlig 
immer  mehr  in  corrigirte  Stdlung  hineingeschraubt  und  kann  täglich 
besichtigt^  gebadet  und  gymnastisdi  geübt  werden.  —  Ist  hierdurch 
die  FusBStellung  soweit  gebessert^  dass  das  Kind  zwar  mit  der  Planta 
auftritt,  aber  wegen  Einwärtsrotation  des  Unterschenkels  ein  Reddiv 
drohte  so  wird  auch  diese  Complication  (Verf.  findet  dieselbe  so  über- 
wiegend häufige  dass  er  für  pes  yarus  congenitus  die  alten  Bezeich- 
nungen »crus  yarum«  oder  »Dolschenkel«  neu  einzuführen  yorscfalägt) 
mit  »frappanter«  Wirkung  selbst  in  hochgradigen  Fällen  bekämpft 
durch  einen  Apparat  folgender  Construction.  Die  beiden  Stahlschienen 
eines  Scarpa'schen  Stiefels  laufen  oben  je  in  eine  Gabel  aus.  Diese 
spielen,  wiederum  feststellbar  durch  Klemmschrauben^  auf  einem  in 
der  Höhe  der  Femurcondylen  etwas  abstehenden^  das  Glied  umkreisen- 
den Stahlringe.  Letzterer  bildet  das  untere  Ende  einer  mittelst  Becken- 
giirt  gut  befestigten  äusseren  Oberschenkelschiene.  Dem  Fuss-,  Knie- 
und  Hüftgelenk  entsprechende  Chamiere  thun  der  Wirksamkeit  des 
Apparates  keinen  Eintrag.  Am  besten  bei  flectirtem  Kniegelenk  wird 
der  Unterschenkel  möglichst  nach  aussen  rotirt  und  so  an  dem  be- 
schriebenen Ringe  festgestellt.  Selbstyerständlic^  kann  diese  Aus- 
wärtsrotation des  Unterschenkels  schon  gleich  bei  Beginn  der  Kur 
angestrebt  werden^  indem  statt  des  Scarpa'schen  Stiefels  ein  Apparat 
nach  Lutter-Langenbeck^  oder  der  Eingangs  beschriebene  Men- 
sel'sehe  Apparat  mit  dem  Condylenringe  combinirt  wird. 
Rappreeht  (Halle). 

*)  Statt  des  einfachen  Charaiergelenks  empfiehlt  sich  vielleicht  besser  das 
K.Qgel9alenky  um  auch  im  Sinne  der  Abduction  auf  den  Fuss  einwirken  tu  können. 
*  Instrumeatenmacher  Baumgartel  in  Halle  liefert  Modelle  su  dem  Preise  von 
10,50  Mark.  Ref. 

Kleinere  Mittheilungen. 

Hiramond.    Frietions  mercurielles  sur  le  fiironcle  et  Tanthrax. 

(Joum.  de  m6d.  et  de  chir.  prost.  1875.  p.  114  et  157.] 

Mit  5  bis  10  grm.  Ungt.  oinereum,  durch  1  bis  2  Minuten  auf  den  Carbunkel 
und  10  Cm.  im  Umkreis  eingerieben,  soll,  nachdem  die  Stelle  mit  einer  Compresse 
bedeckt  ist  und  so  der  Ueberschuss  der  Salbe  zurückgehalten  wird,  sofort  Erleich- 


GentnIbUtI  Air  CUnirgie.    No.  20«  3 17 

tflnn«  und  in  t  biB  a  Ti«n  Ztrlheibn«  4«f  Gatchwiiltt  okn  Btarung  klBtiw 
Das  Bistouri  wird  nach  den  Beobachtungen  des  Verf. 's  entbehrlich. 

Pftfensteektr  (Elberfeld). 

Casci  of  frucUue  q{  die  «kuU. 

(Med.  tim.  and  ga«.  1875.  March  13.  p.  260.) 

Ony's  hospital  (Birkett).     1)  Schidelbasisfractur,  Genesung.     . 

ISn  8jihr.  Mftddien  war  nach  einem  Falle  bewusstlos  geworden;  am  nftchsten 
Morgen  folgte  Erbrechen ;  ein  serOser  Ausfluss  aus  dem  linken  Ohre  hielt  14  Tage 
an.    Genesung,  ohne  dass  weitere  Himsymptome  eingetreten  wären. 

Umrersity  College  hospital  (Heath).    2)  Sch&delbasiifractur.    Genesung. 

ISn  8monatl.  Mädchen  war  12'  hoch  herunter  gefallen;  Blutung  aus  linkem 
Ohr  und  Nase,  10  Minuten  Bewusstlosigkeit.  Beide  Pupillen  anfkngs  weit»  nicht 
reagirend.    Keine  Lähmung.    24  Stunden  lang  seröser  Ausfluss.    Genesung. 

Middlesex  hospital  (Morris).     3)  Bchädelbasisfractur,  Ctoesung. 

Ein  52jähr.  Mann  war  betrunken  rttekwärts  gegen  einen  Pfosten  gefallen.  An- 
fangs Bhitungy  naeh  5  Tagen  rein  sevOser  Ausfluss  aus  linkem  Ohr,  Verlost  des 
Gehörs  auf  dieser  8eite.    Genesung  ohne  ffimsymptome. 

4}  Schädelbasisfractur,  Tod. 

Ein  31Jihr.  Arbeiter  wurde  von  einem  Pferde  auf  den  Kopf  getreten,  und  setste 
nach  einigen  Minuten  Bewusstlosigkeit  seinen  Weg  fort.  Abends  legt  er  sieh  mit 
Kopfsehmenen  su  Bett,  und  stirbt  naeh  einigen  Stunden,  12  Stunden  nach  dem 
Uttfall.  Fraetur  der  linken  Sehläfenscknppe  bis  zum  Kteper  des  os  sphenoideum. 
Kjeine  HinTerletsung.  Dura  mater  in  mittlerer  Sehädelgrube  durch  ein  orangen- 
grosses  Extravasat  vom  Knochen  abgehoben.  Bänke  (Halle). 

Dolbesa.    Hypertrophie  de  la  lärre  supMeure. 

(S^ance  de  la  soci^t^  de  chir.  du  18.  Not.  1874.) 

Ein  Kind  mit  enormer  Hypertrophie  der  Oberlippe  wurde  Ton  D.  in  der  Weise 
opeiirt,  dass  er  die  Haut  und  Sohleimhaot  der  Lippe  Ton  dem  Gewebe  der  Neu- 
bildung abpräpaiirte,  letztere  sodann  exstirpirte,  und  durch  die  Naht  Haut  und 
Schleimhsut  zur  normalen  Form  wieder  vereinigte .  Die  Untersuchung  des  pathol. 
Gebildes  zeigte  wesentlich  das  fibröse  Gewebe  der  Lippe  hypertrophirt,  die  ueftsse 
waren  abnonn  klein,  nebstbei  fanden  sich  abnorm  reichliche  Lymphiacunen  darin. 
Die  Hautfollikel  hypertrophirt. 

Dispr^a  eriifibrt  das  Leiden  für  angeborene  Elephantiasis.  (Die  Geschwulst 
gek^ru  wohl  in  die  Gruppe  der  Lymphangiome.    Ref.)       Fr.  Stelner  (Wien). 

G.  Knroftocl.    Di  tma  tracheotomia  per  corpo  estraneo  neue  rie  aeree. 

(Lo  sperimentale  1875.  Fase.  \^.) 

Ein  uagefllhr  4  Jahre  altes  Mädchen  hatte  eine  Bohne  in  die  Luftwege  ein* 
gssehlOrft.  Trotz  der  plötzliohen  Athemnoth  und  der  klaren  Aussage  des  Mäd- 
chens, glaubten  die  herbeigeholten  Aente  an  einen  beginnenden  Croup,  verordne- 
ten Blutegel  etc.  Erst  Tags  darauf  wurden  M.  Vater  und  Sohn  geholt.  M.  Vater 
fahrte  alsbald  die  Laryagotomie  aus.  Dieselbe  führte  gar  keine  Erleichterung  hM> 
bei.  Im  Gegentheil,  da  glekhzeitig  Blut  in  die  Trachea  drang,  wurde  das  Kind 
ToUkomnen  asphyctisoh.  Mehrere  Versuche,  die  Bohne  tief  unten  in  der  Trachea 
zu  iaasea,  nuislangen  vollständig.  Da  das  Kind  gar  nicht  athmete,  führte  M.  Sek» 
einen  Fedesbart  in  die  Tradiea,  in  der  Absicht  Tielleieht  refleoterisch  EzspiiatieiM- 
bewegungen  zu  eisielen;  in  dier  That  kam  mit  dem  Federbart  auch  die  Bohne 
aus  der  Wunde  hervor.  Doch  das  Kind  atknete  noch  immer  nicht.  Es  wurde 
regehnäsaig  die  künstliche  Respiration  unterhalten  und  endlich  nach  5 — 6  Minuten 
traten  die  ersten  Lebenszeichen  wieder  ein.  Das  Kind  war  gerettet  Die  Wunde 
heilte  per  pnmam.  Liteiessaal  bleibt  immerhin  die  Art,  wie  der  Körper  extmhirt 
wurde  und  wie  nach  5—6  Minuten  währender  vollkommener  Asphyxie  dureh  künst-* 
liehe  Athnmng  da«  Leben  zurückkehrte.  Meniel  (Triest). 


318  Centralblatt  Mr  Chinitgie.   No.  20. 

Gallaard.    R^tr^cissement  oi^g^anique  de  Toesophage;  utilit6  du  cath^ 

terisme. 
(Journ.  de  m6d.  et  de  chir.  prat.  1875  p.  153.) 

Nach  allgemeinen,  nur  Bekanntes  enthaltenden  Bemerkungen  Über  Oeso- 
phagusverengerungen  wird  ein  Fall  Ton  am  unteren  Ende  des  Oesophagus  sitienden 
Carcinom  erxfthlt,  welches  die  Sonde  nicht  passiren  konnte.  Da  es  dem  Fat.  gani  un- 
möglich war,  etwas  zu  schlucken,  so  wurde  durch  eine  Fischbeinsonde  mit  Elfenbein- 
knopf die  Strictur  forcirt,  wobei  ganz  deutlich  das  Gefühl  des  Durchdringens  einer 
weichen  zerreisslichen  Masse  empfunden  wurde.  Die  Blutung  war  nicht  nennens- 
werth,  und  der  Kranke  konnte  sofort  Flüssigkeiten  schlucken.  Eine  zweite  Bou- 
girung  mit  stärkerem  Knopf  bef&higt,  feste  Speisen  zu  nehmen,  und  kurz  darauf 
▼erliess  Fat.,  sich  geheilt  glaubend,  das  Hospital. 

Pagenstecher  (Elberfeld). 
Fourestiö.    Luxation  de  la  hauche  r^duite  par  les  tubes  de  caoutchouc. 

(Oaz.  m6d.  1875.  No.  10.  p.  117.) 

Ein  23jfihr.,  sehr  kräftiger  Mann  wurde  in  aufrechter  Stellung  von  einer  schwe- 
ren Erdlast  getroffen  und  acquirirte  eine  luxatio  ischiadica  des  linken  Beins.  Die 
nach  20  Stunden  angestellten  Repositionsyersuche  durch  starke  Flexion,  Botation 
nach  aussen  und  plötzliche  Extension  bleiben  ohne  Erfolg.  Der  Kranke  wird  nun- 
mehr auf  einer  auf  dem  Boden  liegenden  Matratze  ausgestreckt,  an  das  linke  Bein 
zunächst  eine  starke  nach  unten  eine  Ansa  bildende  Binde  gelegt,  und  durch  diese 
ein  doppelt  zusammengelegter  Kautschuk  schlauch  gezogen,  der  mit  einer  zweiten 
Schlinge  an  einer  im  Saale  befindlichen  Säule  befestigt  wird.  Nach  oben  wird  in 
ähnlicher  Weise  eine  Contraextension  angebracht.  Durch  Zuknebeln  der  an  der 
Säule  befestigten  Sdiliuge  mit  Hülfe  eines  Stockes  wird  nun  eine  starke  Extension 
auf  das  Bein  ausgeübt.  Nach  Verlauf  von  V4  Stunde  ist  der  grosse  Trochanter 
herabgetreten  und  nun  werden  nach  Durchschneidung  der  Schlinge  die  oben  er- 
wähnten Brcpositionsyersuche  wiederholt.  Erst  beim  3.  Mal  gelingt  die  Reposition 
unter  hörbarem  Krach.  —  F.  glaubt  hiemach  diese  Methode  empfehlen  zu  können, 
muss  indessen  zugeben,  dass  man  mit  Hülfe  des  Chloroforms  zu  demselben  Ziele 
gelangt  wäre.  0.  YollmaBii  (Halle). 

Foulet.    Tumeur  kystique  de  Tovaire  prise  pour  uue  grossesse  utdiiue ; 
ovariotomie  daus  la  piriode  ultime;  mort  par  äpuisement. 

(Oaz.  m^d.  1874.  No.  9.  p.  105.) 

Bei  einer  47jähr.  Fra,u  trat  unmittelbar  nach  einem  Fall  eine  Vergrösserung 
des  Abdomens  ein,  die  unter  heftigen  Schmerzen,  gastrischen  Störungen  und  Aus- 
bleiben der  Menstruation  allmälig  zunahm.  Ein  consultirter  Arzt  hielt  trotz  Gegen- 
Yorstellungen  der  Kranken  den  Zustand  für  Schwangerschaft  und  als  nach  einiger 
Zeit  die  Schmerzen  an  Heftigkeit  zunahmen,  erklärte  er,  es  sei  Zeit,  nach  einer 
Hebamme  zu  schicken.  Auch  diese  war  von  der  Schwangerschaft  und  der  sich 
vorbereitenden  Geburt  überzeugt.  Als  endlich  P.  herzugerufen  wurde,  fand  er  den 
Uteras  von  normaler  Grösse,  bewegUch  und  nach  links  dislorirt.  Nach  rechts  und 
vorn  von  ihm  lag  ein  grosser,  ziemlich  harter  aber  fluctuirender  Tumor.  Nach' 
Sicherstellung  der  Diagnose  auf  eine  Oyarialoyste  entschloss  sich  P.  bei  der  ver- 
zweifelten Sachlage  die  Ovariotomie  zu  machen.  Ein  22  Cm.  langer  Schnitt  durch 
die  Bauohwandungen  Hess  den  Tumor  sofort  zu  Tage  treten  und  ohne  Schwierig- 
keit bis  auf  den  fingerdicken  Stiel  herausbefördern.  Letzterer  wurde  in  Ermange- 
lung eines  Clamps  mit  einer  starken  Seidenligatur  abgebunden  und  ohne  Blutung 
durchschnitten.  Entfernung  von  ca.  Vs  L^^'  blutiger  Flüssigkeit  aus  der  Bauch- 
höhle, Einführung  eines  Stückes  Kautschukrohrs  neben  dem  Cystenstiel  und  Ver- 
schluss der  Wunde  durch  eine  tiefe  (Zapfennaht)  und  oberflächliche  Naht.  Dauer  der 
Operation  ca.  20  Minuten.  —  Trotz  sorgfältiger  Pflege  starb  die  Kranke  28  Stun- 
den nach  der  Operation  an  Coilaps. 

Der  8  Kgrm.  schwere  Tumor  erwies  sich  als  eine  maligne,  multiloculäre  Cysten- 
geschwulst  mit  theils  blutigem,  theils  viscidem  Inhalt. 

0.  T«lkmaMB  (HaUe). 


Geatnlblatt  fOr  Chiruigte.   No.  20.  319 

B.  Suidri.     Un  nuoTO  casa  d'operasione  cesarea. 

(Lo  tperimentale  1875.  Fase,  lo.) 

Ein  rachitiscli  verkrQppeltes  Zweigweib,  Entgeb&rende,  hatte  seit  48  Stunden 
erfolglose  Wehen.  Der  Beckenring  war  so  enge,  dass  eine  Einkeilung  nicht  mög- 
lich war.  Auch  die  Embryotomie  wäre  wegen  der  hohen  Lage  des  Fötus  nicht 
ohne  grosse  Gefahren  ausfahrbar  gewesen.  8.  machte  darum  den  Kaiserschnitt  in 
der  linea  alba  und  yem&hte  die  Bauchwunde  vollkommen.  Die  obere  Hälfte  der- 
selben heilte  per  primam,  w&hrend  die  untere  durch  2  Wochen  hindurch  ziemliche 
Eitermengen  entleerte.  Da  durch  die  Scheide  gar  kein  Abfluss  stattfand,  so  ver- 
muthete  S.,  dass  der  Cervicalcanal  verstopft  sei  und  führte  einen  metallenen 
Katheter  in  die  Uterushöhle,  ohne  denselben  liegen  zu  lassen.  Von  diesem 
Augenblick  an  floss  fast  alles  Secret  durch  die  Scheide  und  fast  nichts  mehr  durch 
die  Wunde,  welche  in  kürzester  Zeit  vernarbte.    Das  Kind  lebte  3  Wochen  lang. 

(Ref.  glaubt,  dass  es  vielleicht  nicht  unzweckm&ssig  wäre,  von  Anfang  an  gleich 
bei  der  Operation  eine  Oummiröhre  durch  Bauchwunde,  Uterus  und  Scheide  ein- 
zulegen, um  den  Abfluss  der  Uterussecrete  durch  die  Scheide  zu  sichern,  wobei 
freilich  zu  entscheiden  bliebe,  ob  der  Uterus  das  längere  Liegenbleiben  der  Gummi- 
röhre  vertrüge.)  Menzel  (Triest). 

Bizsosero.     Perivaginite  flemmonosa  dissecante. 

(Societä  di  medic.  e  chir.  —  Gazz.  de  cliniche  1875.  No.  5.) 

Ein  38jähr.  Weib  trat  unter  hohem  Fieber  in'a  Spital.  Schmerzen  im  Unter- 
leib, Dysurie,  oberflächliche  Hautabschürfungen  der  grossen  und  kleinen  Labien. 
Am  12.  Tsge  stiess  sich  aus  dem  cavum  vaginale  ein  sackförmiges  Gewebsstück 
ab.,  welches  B.  ab  die  Vagina  mit  der  portio  vagin.  uteri  erkannte.  Die  Länge 
des  Sackes  beträgt  6  Cm.^  der  Durchmesser  4  Cm.  Die  innere  Fläche  ist  ziemlich 
glatt    Mikroskopisch  erkennt  man  die  Papillen.    Das  Epithel  fehlt  vollkommen. 

Nach  der  Ausstossung  der  Vagina  folgte  eine  ausgedehnte  Perimetritis,  welche 
ebenfalls  überstanden  wurde.  Zwei  Monate  später  findet  man  die  obere  Portion 
der  Scheide  durch  einen  derben  fibrösen  Canal  ersetzt,  welcher  zur  Noth  der  Spitze 
des  untersuchenden  Fingers  Eingang  gestattet. 

In  der  medic.  Literatur  scheinen  sich  nur  3  ähnliche  Fälle  vorzufinden;  zwei 
von  Marcounet  in  Moskau  beobachtet,  beide  geheilt,  der  3 .  von  Minkewitsch 
in  Tiflis  mit  tödtlichem  Ausgang.  Meniel  (Triestj. 

London  hospital.    Heart  diseasei  plugging  of  the  axillary  artery,  gan- 

grene  of  forearm^  recovery  after  amputation. 
(Med.  tim.  and  gaz.  1874.  Novbr.  28.,p.  603.) 
Patient,  ein  52}ähr.  Mann,  Utt  seit  35  Jahren  an  einem  Mitralfehler.  Am  1. 
Septbr.  1873  fühlte  er  Morgens  ganz  plötzlich  ohne  jede  Veranlassung  einen  hef- 
tigen Sehmerz  im  linken  Unterarm.  2  Tage  später  wurde  er  mit  ausgesprochener 
Gangrän  des  Armes  in's  Hospital  aufgenommen,  auch  in  der  Axillaris  war  ein  Puls 
nicht  fühlbar.  2  Zoll  unter  dem  Ellenbogengelenk  bildete  sich  eine  Demarcations- 
li&ie.  Man  entfernte  die  gangränösen  Theile,  Hess  die  vorstehenden  Knochen 
nekroeiren,  entfernte  dieselben  nach  2  Monaten,  und  erhielt  schliesslich  einen  im 
Ellenbogengelenk  gut  beweglichen  Stumpf,  wie  er  durch  eine  Amputation  mit  Lap- 
penbildnng  nicht  zu  erhalten  gewesen  wäre.  Bänke  (Halle). 

Hulke,     Laige  congenital  scrotal  rupture,  hemiotomie^  death.   Midd- 

lesex  hospital. 
(Med.  tim.  and  gaz.  1874.  Decbr.  12.  p.  658.} 
Pat.,  ein  60jähr.  Arbeiter,  wurde  mit  einer  noch  nicht  24  Stunden  eingeklemm- 
ten, grossen  Scrotalhemie  aufgenommen.  Nach  vergeblichen  Tazisversuchen  zu- 
nächst äusserer,  dann  innerer  Bruehschnitt.  Ein  Theil  der  nicht  stark  entzünde- 
ten Eingeweide  konnte  starker  Adhäsionen  wegen  nicht  in  die  Bauchhöhle  zurück- 
gebracht werden.    Naht,  antiseptischer  Verband.    5  Tage  später  Perforation  des 


320  CentralblaU  fdt  Cbimtgie.    No.  20. 

adhirenten  Darmstfickes  tvots  fabherigen  Wdblbefimdou  nad  eifolgtem  StaUgnge,. 
PeritonitiB  folgte,  Tod  am  IQ.  Tage  nach  der  Operation.  Die  Perforation  £uid 
ftioh  am  Ende  der  adhSrenten,  oolossal  yerdiekten  Dannschliiige. 

Baate  (Halle). 
Holke.     2  Hemiotomien  im  Middlesex  hospital. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Jan.  16.  p.  60.) 

1]  Einklemmung  einer  Schenkelkernie  mit  gleichzeitiger  innerer  Einklemmung. 

Eine  64j&hr.  Frau»  seit  7  Jahren  mit  einer  rechtsseitigen  Schenkelhernie  be- 
haftet, fand  dieselbe  seit  2  Tagen  unreponirbar.  Gewöhnliche  Einklemmungssym- 
ptome.  Bei  der  Hemiotomie  wurde  nur  ein  kleines  Stück  Netz  nach  Lösung  idter 
Adh&sionen  reponirt.  Unter  Fortdauer  der  Einklemmungserscheinimgen  Tod  am 
4.  Tage  nach  der  Operation.  Das  reponirte  Netz  war  brandig.  Das  untere  Ende 
des  Ileum  durch  einen  in's  Becken  herabgehenden  Strang  verschlossen.  Beginnende 
allgemeine  Peritonitis. 

2]  Eingeklemmte  Femoralhemie  mit  mehreren  falschen  Bruchsftcken. 

Eine  4Qj&hr.  Frau  kam  mit  einer  rechtsseitigen  Femoralhemie  nach  4tägiger 
Einklemmung  zur  Operation.  3  Cystenwftnde,  jede  für  den  Bruchsack  imponirend 
und  von  einander  durch  Serum  getrennt,  mustten  durchtrennt  werden,  ehe  man 
auf  den  eigentlichen  Sack  gelangte.  Tod  an  diffuser  Peritonitis  bei  Gangrtn  der 
eingeklemmt  gewesenen  Darmschlinge.  Bänke  (Halle). 

Hulke.    Middlesex  hoapital.     4  Hemiotomieen. 

(Med.  tim.  and  gas.  1875.  Jan.  23.  p.  86.) 

1)  4]jShr.  Arbeiter,  seit  4  Stunden  eingeklemmte  äussere  Inguinalhemie  rechts. 
Hemiotomie:  kleine  Dünndarmschlinge  mit  vielen  Extravasaten.  Reposition,  anti- 
septischer Verband.    Heilung. 

2)  50jähr.  Frau ;  nach  Brach  eines  Bruchbandes  war  vor  24  Stunden  die  rechts- 
seitige Inguinalhemie  eingeklemmt.  Operation.  Peritonitis.  Erster  Stuhlgang  am 
13.  Tage.    Heilung. 

3)  32j&hr.  Frau;  seit  12  Stunden  eingeklemmte  Femoralhemie.  Operation. 
Antiseptischer  Verband.    Eiterung,  Heilung. 

4)  20jähr.  Mann ;  grosse  Scrotalhemie ;  Reposition  nach  äusserem  Brachschnitt. 
Heilung.  Bänke  (Halle). 

A.  dl  Bemardo.     Le  chloral  contre  Fulc^re  du  col  ut^rin. 

(Gas.  hebdom.  1874.  No.  47.) 

Eine  2fi|jälir.,  sonst  gesunde,  etwas  anämische  Frau  hatte  vor  2  Jahren  abortirt» 
woher  ein  heftiger  Uterinalkatarrh  datirte.  Bei  der  Vaginaluntersuehung  fand  B. 
eine  ansgedehBte  Ulceration  um  den  Muttermund  herum.  Jodtinctur,  Perchlor, 
fern.  Arg.  nitr.  in  Substanz,  selbst  ooncentrirte  Schwefelsäure  dagegen  angewandt»« 
blieben  gleich  erfolglos.  B.  versuchte  nun  das  Chloral  in  einer  Lösung  von  2  grm. 
Chloral  auf  25  grm.  dcstiU.  Wasser.  Nach  5—6  Bepinselungen  mit  dieser  Lösunip 
war  das  OeaehwQr  —  im  Ganzen  in  14  Tagen  —  völlig  geheilt.  Glttch  aufinun- 
terad  war  der  Erfolg  in  einem  2.  Falle  von  Ulc.  colli,  uienn.  Um  die  Heilung 
ganz  zu  siehera,  empfiehlt  B.,  noch  einige  Tage  aber  die  Zeit  hinaus,  wenn  daa 
Geschwür  schon  geheilt  ist,  d^e  betreffende  Stelle  zu  bepinseln. 

Wie  wirkt  hier  daa  ChLoialhydrat  P    B.  meint,  es  wirke  als  loeal  umstijnmien- 

.  des  Mittel ;  die  andere  Hypothese,  wonach  sich  das  Chloralhydrat  unter  Einwirkung 

des  alkal.  Vaginalschleimes  in  Ameisensäure  und  Chloroform  umwandle,  verwirft  er. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

Originslmittheiluafen,  Monographleen  und  Separatabdrücke  woUe 
man  an  Dt,  M.  TiUmimnB^  Leipzig,  Marlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Veilagsbandloog^ 
Bnükopf  vnd  Häritl,  einsenden. 

jyrne'k  and  Ttriag  toa  Br«itkopf  «ad  Hirtel  in  Letpiig. 


Gentralblatt 


fÖT 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOB 

Dr.L.Iim,  Dr.  K  Sdudii,  0*.  i  Tilloaiiiis 

in  BttUn.  in  Halle  a.  S.  in  L«lpzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Freie  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjfthriger  Prir- 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


iaai^mmm^mmmmmmamamiK:^mx!m 


H|-  81.  Soimalieiid,  den  22.  Hai.  1876. 

bhalts  ThItrtCfiy  Klhiisdie  Ergebnisse  dev  Listet'schen  Wundbehandlnng  und  fkber 
den  Ersatz  der  Carbolsiure  durch  SaHcylstare.  —  Beroer#ii|  Vibrionen  Im  Abseesseiter. 
^-  Jacobs,  Vergiftungen  dnich  Leuchtgas.  -*-  Beely,  Gyps- Hanf- Schienen -Verband.  — 
Laopold,  Urticaria  febrllls  nach  Application  ^on  Blutegeln.  —  Leblond,  Oliiheisen  bei 
CterasknualLkeitea.  —  Kachar,  Krankheiten  des  Hodens,  Nebenhodens  and  Samenstonags. 
*-  FDrtt,  Maass-  und  Meigungsverblltnisse  des  Beokeas.  -—  Madalaag,  Dupuytren'sche 
Fingeirerkrümmung. 

Laboaeq,  Entwicklung  der  Capillaren  and  der  Blutii5rpercbea  beim  Embryo.  —  v.  Waaut, 
Lupus.  —  Serval»  Entstehaag  der  Bacterien  In  organiseken  Oeweben.  —  Latter,  Appa- 
rat zur  schmerzlosen  subcutanen  Injectlon.  —  Tairoff,  Transfusion.  —  Chruli  Commotio 
cerebrl.  —  Dalttancha,  Gehirntumor.  —  Morris,  Epitheliom  der  Mundhöhle.  — *  Msiisal, 
Slatlar,  Sesection  des  Nerv,  alveol.  inf.  —  StOrk,  Tracheotomie.  —  Axillar- Aneurysma. 
—  Aneurysma  der  Inaominata.  •*-  Laagloa,  Hydrocele  eines  Scrotalbruches.  —  Barlte, 
Haematocele  des  Samenstranges.  —  Wackorhagan,  Mavrlcos,  Thoracocentese.  —  Gllloito, 
Apparat  für  permanente  Extension.  —  Zialowlcz,  Behandlung  cavemSser  Angiome  mit 
liq.  feni.  —  Dalbaaa,  Reposition  der  Hfiftgelenksloxstionen. 


C.  Thierach.    Klinisclie  Ergebnisse  der  Lister'schen  Wundbe- 
handlung und  über  den  Ersate  der  Carbolsäure  durch  Sali- 

cylsfiure. 

(Sammlung  klinischer  Vorträge  No.  84  u.  85.) 

Wenn  wir  ea  antemehmen^  über  die  vorli^ende  Arbeit  von  Hl 
hier  zn  berichten^  so  müsaen  wir  von  vornherein  gestehen,  dasa  das 
nur  in  aUgemeinen  Umrissen  geschehen  kann.  Es  würde  uns  zu  weit 
fuhren,  wollten  wir  den  reichen  Inhalt,  besonders  auch  die  mitge* 
thejdte  Casuistik  nach  Gebühr  detaillirt  wiedergeben.  Ein  Jeder, 
welchem  die  positiven  Fortschritte  auf  dem  Gebiete  der  Wund*- 
behandlung  am  Herzen  liegen,  wird  dem  Original  der  hier  nur  skiz- 
zenhaft wiedergegebenen  Arbeit  des  Verf.  ein  eingehendes,  ernstes 
Studium  widmen  müssen. 

Th.  berichtet  über  eine  lOmonatliche  chirurgische  Thätigkeit,  er 

21 


322  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  21. 

giebt  keine  Auswahl  von  Fällen^  sondern  einea  Ueberblick  über  das 
gesammte  während  der  genannten  Zeit  antiseptisch  behandelte  Mate* 
rial.   — 

*  Ghßwissermassen  als  Vorrede  bespricht  Vf.  die  Theorie  von  der 
Fexmentwirkung  der  Luft  mit  den  darin  suspendirten  Partikeln,  und 
betont  das  Unklare  und  Lückenhafte  der  bisherigen  Anschauungen. 
Therapeutische  Versuche  können  aber  bis  zur  völligen  Aufklärung 
nicht  warten;  und  in  der  That  habe  die  von  Lister  herrührende 
Methode  der  antiseptischen  Wundbehandlung  sich  bewährt. 

Im  ersten  Theile  der  Arbeit  wird  die  historische  Entwicklung  der  An- 
sichten über  Wundbehandlung  gegeben^  soweit  sie  für  das  Entstehen  der 
antiseptischen  Methode  von  Wichtigkeit  sind.  Ambroise  Pare  hatte 
die  Lehre  von  der  giftigen  Beschaffenheit  der  Schusswunden  als  neun- 
zehnjäbriger  Chirurg  1536  durch  Zufall  widerlegt  gefunden  nach  Er- 
stürmung von  Villane.  Doch  nur  schwer  brachen  sich  Par^'s  neue 
Ideen  Bahn.  Johannes  de  Vigo  raisonnirte:  Die  Schusswunde 
sei  eine  gequetschte^  da  die  Kugel  rund,  eine  verbrannte^  da  die 
Kugel  heiss,  und  eine  vergiftete,  da  Pulver  giftig;  vor  Allem  müsse 
das  Gift  vernichtet  werden.  Dagegen  nahm  schon  Pare  an,  dass  in 
der  Wunde  selbst  sich  die  vergiftende  Substanz  unabhängig  von 
Pulver  und  Blei  entwickele,  und  schob  die  Ursache  auf  Anhäufung 
fauliger  Stoffe  in  der  Luft;  seine  Sectionsbefunde  bei  der  Belagerung 
von  Kouen  ergaben  deutlich  pyämische  Symptome.  Seine  Theorie 
über  den  Einfiuss  der  Fäulnissproducte  auf  Wundverlauf  schwand 
nicht  mehr  aus  dem  Gesichtskreis  der  Aerzte.  1775  theilte  John 
Pringle  über  septiche  und  antiseptische  Substanzen  Ansichten  und 
Versuche  mit,  die  an  die  jetzt  üblichen  erinnern.  —  Die  Natur 
der  schädlichen  Substanzen  hielt  man  für  gasförmig.  Dass  die 
Fäulnisserreger  organischen  Ursprungs  seien,  wurde  durch,  die  Koch- 
und  Erhitzungsversuche  von  Fr.  Schulze,  Schwann  und  Helm- 
hol t  z  bewiesen .  Die  nicht  gasförmige  Natur  derselben  demonstrirten 
zuerst  Dusch  und  Schröder  durch  Filtration  der  Luft  durch  Watte, 
hierauf  auch  Pasteur.  G^en  die  Ansicht  derer,  welche  lediglich 
in  der  Persönlichkeit  von  Microorganismen  das  Wesentliche  su- 
chen, bemerkt  Th. :  »Wir  kennen  physiologische  Fermente,  die, 
wenn  auch  in  Zellen  entstanden,  in  Wasser  löslich  sind  und 
beim  Eintrocknen  ihre  Fermenteigenschaften  bewahren,  und  warum 
sollten  nicht  solche  lösliche  Fermente  auch  in  Faulflüssigkeiten  vor- 
kommen? So  lange  es  nicht  gelingt,  in  vollständiger  Weise  die 
Mieroorganismen  von  ihrer  Nährflüssigkeit  zu  trennen,  oder  sie  aus 
dem  atmosphärischen  Staube  zu  isoliren,  oder  so  lange  wir  keine 
Methode  haben,  in  einer  faulnissfahigen  Flüssigkeit  die  Microoiganis- 
men  zu  tödten  ohne  die  Albuminate  zu  modifl<;iren,  wird  man  dies 
für  eine  offene  Frage  halten  dürfen.« 

Lister  ging  zuerst  von  der  Idee  aus,  dass  man  einer  offenen 
Wunde  die  Dignität  einer  subcutanen  dadurch  geben  könne,  dass  man 
die  bereits  in  die  Wunde  eingedrungenen  Fermente  zerstört  und  danach 


Centnlblatt  für  Chirurgie.    No.  21.  323 

nur  desinfieirte  Luft  zutreten  läset.  —  Th.  bemerkt  hierzu,  dass  atmo- 
sphärische Fermente  auch  im  gesunden  Oiganismus  vorhanden  sind. 
Nach  Billroth's  und  Tiegel's  Versuchen  kommen  sie,  so  zu  sagen 
latent  im  gesunden  Korper  vor  und  können  dann  den  erforderlichen 
Nährboden  in  der  Wunde  finden,  in  welche  sie  mit  der  Circul^tion  hin- 
gelangen. —  Als  Haupterfordemisse  für  jeden  Verband  stellt  Th.  auf: 
Ruhe  des  verletzten  Theiles,  ungehinderter  Abfluss  der 
Wundflüssigkeiten  und  Verhütung  oder  Beseitigung 
septischer  Vorgänge.  Hierbei  wird  abgesehen  von  Verletz- 
ungen der  Leibeshöhle  und  ihrer  Organe  und  von  Einwirkung 
der  Wärme  und  Kälte.  Von  letzterer  erwartet  Th.  keine  antisep- 
tische Wirkung  und  hält  sie  nur  da  für  hülfreich,  wo  es  sich  um  die 
unmittelbare  nur  durch  die  Verletzung  bedingte  mechanische  Verän- 
derung handelt.  ^  Mit  Rücksicht  auf  obige  drei  Puncte  wird  die 
zuerst  von  Vincenz  von  Kern  ausgeführte  offene  Wundbe- 
handlung besprochen. 'S tromey er  adoptirte  diesVerfahren;  Vezin, 
Bartscher,  A.  Burow  und  Rose  wandten  es  an.  Es  genügt  in 
zwei  Puncten,  der  Ruhestellung  und  dem  Abfluss  der  Wundsecrete  in 
hohem  Grade  und  ist  auch  antiseptisch  insofern  nicht  ganz  unwirksam, 
als  die  in  der  Wunde  gebildeten  Faulnissproducte  nicht  zurückgehalten 
werden.  Als  Nachtheile  sind  zu  erwähnen ,  dass  die  Methode  die 
Entstehung  von  Zersetzungsproducten  auf  der  Wundfläche  nicht  ver- 
hindert und  theilweise  oder  ganz  auf  die  erste  Vereinigung  verzichtet. 
Den  ersten  Nachtheil  beseitigte  Bardeleben,  indem  er  die  ofiene 
Wundbehandlung  mit  antiseptischer  Berieselung  verbindet.  —  Gegen- 
über der  offenen  Wundbehandlung  stehen  die  Versuche,  Heilung  un- 
ter einem  fest  angetrockneten  Schorfe  erfolgen  zu  lassen. 
Diese  Mediode  bot  List  er  den  Ausgangspunct  für  seine  ersten  Ver- 
suche. Alph.  Gu6rin  empfahl  einen  lange  liegen  bleibenden  Wa  tte- 
verband,  welcher  die  Luft  filtriren  und  Fermente  zurückhalten  sollte. 
Olli  er  netzte  Watte  und  Wunde  mit  Carbolsäure  und  hielt  somit 
nicht  nur  die  Fermente  fem,  sondern  suchte  noch  die  in  Watte  und 
Wunde  enthaltenen  zu  zerstören.  —  Von  den  bis  vor  kurzem  noch 
gebräuchlichsten  Verbänden,  welche  durch  häufigen  Wechsel  die  Ruhe 
störten,  durch  mechanischen  Druck  die  Retention  der  Wundsecrete 
bedingten  und  durch  ihre  Salben  und  Verbandmittel  durchaus  ungenü- 
gend desinflcirten,  hält  Th.  nichts.  Es  sind  dies  die  bekannten  Charpie  - 
und  Salben  verbände,  welche  den  Schwerpunct  in  einer  arzneilichen 
Behandlung  der  Wundfläche  und  in  dem  Abschluss  derselben  unter 
einem  Deckverbande  suchten.  Man  könnte  diese  Art  und  Weise  als 
die  reizende  Wundbehandlung  bezeichnen.  Ein  Stadium  der 
Rei&igung  und  Granulationsbildung  pflegt  dabei  vorzukommen.  Th.  er- 
innert bei  dieser  Gelegenheit  an  den  Fridericianischen  Generalarzt 
Bilguer^  den  Begründer  der  conservativen  Richtung  in  der  Kriegs- 
chirurgie, welcher  die  sonst  der  Amputation  verfiäUenen  Glieder  mit 
allen  möglichen  antiseptischen  Stoffen  verband  und  verhältnissmässig 
gute  Resultate  erlangte. 

21» 


324  Centralblatt  fCLr  Ctainicfie.    No.  21. 

Vom  Lister' scheu  Verbände  sagt  Vexf.^  dass  bei  ihm  hinnicht* 
lieh  der  drei  Haupterfordemisse  Ruhe^  freier  Abfluas  und  Antisepsis^ 
der  Schwerpunct  in  der  Antisepsis,  richtiger  in  der  Asepsis  liege. 
Nach  Versicherung  L.'s  selbst  vermag  seine  Methode  jeder  fauligen 
Zersetzung  im  Bereich  der  Wunde  vortubeugen  oder  sie  im  Keime 
zu  ersticken^  und  zwar  nicht,  wie  bei  den  anfänglichen  Versuchen^ 
durch  Aetzung  der  Wunde  mit  concentrirter  Caibolsäure,  sondern 
durch  andauernde  Wirkung  sehr  geringer  Mengen  dieses  Präparates. 
Dies  zugegeben^  Wird  aber,  bedonderd  in  der  ersten  kritischen  Zeit 
die  Ruhe  durch  öfteren  Verbandwechsel  gestört  und  iit  der  Abfluss 
der  Secrete  oft  nicht  so  firei^  wie  bei  ofiner  Wundbehandlung,  ob- 
wohl die  Drainageröhren  einigermasaen  der  Retention  vorbeugen.  6e* 
lingt  die  Asepsis,  so  haben  diese  Mängel  we;uger  zu  sagen»  ge- 
lingt sie  nichts  so  ist  der  Verwundete  schlimmer  daran^  als  wenn  der 
Versuch  unterblieben  wäre;  es  ist  zu  dem  traumatischen  Voigang 
die  reizende  Wirkung  der  Carbolsäure  hinzugetreten  und  in  Folge 
der  Verhaltung  sind  septische  Stoffe  in  die  Circulation  gelangt.  Bei 
complicirten  Fracturen,  die  nicht  ganz  £dsch  in  Behandlung  kommen, 
hält  es  Th.  deshalb  für  bedenklich,  den  Abfluss  der  Wumlsecrete 
irgendwie  zu  hemmen.  —  Was  die  Wahl  des  List  er 'sehen  Autisepti- 
cums  betrifft,  so  ist  sie  nidht  frei  von  jedem  Einwand.  Die  CarboUäuve 
reizt,  in  concentrirtem  Zustande ;  die  Wahrscheinlichkeit  des  aseptiscbea 
Verlaufes  sinkt  aber  mit  der  Verdünnung.  Lister  selbst  hat  daher 
noch  mit  dem  von  Morgan  empfohlenen  Chlorzink,  dann  mit  Borsäure, 
und  Alkohol  Versuche  gemacht.  Chininpräparate  sind  zu  theuer  und 
wirken  zu  schwach ;  andere  Mittel,  Chlorverbindungen,  schweflige  Säure, 
übermangansaure  Salze  etc.  zersetzen  sich  zu  schnell  und  werden 
unwirksam.  Die  Carbolsäure  ist  femer  zu  flüchtig.  —  Ein  vielfach 
günstiger  Ersatz  ist  nach  Th.  die  Sali cylsäure.  Aus  theoretischen 
Gründen,  da  sie  derselben  Reihe  aromatischer  Substanzen  angehört, 
wie  die  Carbolsäure  und  andere  mehr  oder  minder  antiseptische  Stoffe,, 
wurde  sie  durch  Professor  Kolbe  dem  Verf.  zu  Versuchen  empfoh* 
len,  nachdem  Kolbe  eine  billigere  Darstellungsweise  (aus  Carbolsäure 
und  Kohlensäure)  ang^eben.  Salicylsäure,  schön  weiss  krjrstallisirt, 
löst  sich  bei  Zimmertemperatur  in  destUlirtem  Wassef  im  Verhältniss 
von  1:300.  Dieses  »Salicylwasser«  besitzt  starke  antiseptische  Wir- 
kung. Blut  erleidet  durch  Salicylsäure  Fäll\ing  und  wegen  seines  Eisen- 
gehaltes violette  Färbung.  Aus  Eiterserum  fallt  Salicylwasser  die  Albu- 
minate,  imd  zwar  in  grösserer  Menge,  als  etnprocentiges  Carbolwasser ; 
frische  und  granulirende  Wunden  werden  durch  Berieselung  mit  Salicyl- 
wasser nicht  entzündlich  gereist;  bei  Bildung  von  einer  weissen  Gerinn- 
ungsschicht  durch  Fällung  aus  dem  Eiterserum  bleiben  die  Granulationen 
darunter  unversehrt.  Nach  längerer  Berieselimg  von  Wunden  lässt 
sich  Salicylsäure  im  Harn  nachweisen,  bisweilen  unter  olivengrüner 
Färbung  desselben.  Giftige  Wirkung  hierbei  und  bei  innerlichem 
Gebrauch  von  0,&  grm.  und  mehr  pro  die  ist  nicht  erfolgt.  Farb- 
lose Blut-  und  Eiterkörperchen  werden  durch  die  Säure  in  ihrer  Form 


CcmtnOblatt  fftr  GbiruiRie .     No.  2 1 .  32  5 

-cüMcrvirt,  bei  rotlien  wird  der  Farbstoff  an  der  Peripherie  angehäuft. 
Jauchende  und  stinkende  Wunden  werden  durch  Beinigen  und  Be- 
«treoen  mit  Salicylsäure  in  Substanz  desodorisirt,  und  es  gelingt^  die 
Wiederkehr  des  Geruchs  zu  hindern^  venu  die  jauchenden  oder 
«ordfieirten  Gewebe  nidit  über  eine  gewisse  Dicke  (0;2*-0,5  Cm.) 
gdien.  —  Die  Technik  der  SaUejlbehandlung  besteht  darin^  dass 
wie  beim  List  er 'sehen  Verfahren  durch  Carbolsäure,  hier  durch  Sali- 
<rflsäure  der  Zutritt  atmosphärischer  Fermente  zur  Wunde  während 
der  Operaticm  unschädlidi  gemacht  wird.  Der  Salicylnebel  wirkt, 
trotzdem  die  Salicylsäure  bei  Zimmertemperatur  nicht  flüchtig  ist, 
antiseptisch  wie  Carbolspray.  Er  ist  geruchlos,  reizt  aber  zum  Niesen 
und  Husten ;  auch  die  Hände  werden  dabei  rauh,  wie  durch  Garbol- 
eänre.  Sodaxm  muss  stets  ane  hinseicheitde  Menge  des  Antisepticum 
im  Bereich  der  Wunde  zugegen  sein,  um  die  unabhängig  von  den 
Luftfermenten  auftretenden  Veränderungen  der  Wundflüssigkeiten  etc. 
2u  beeinfluseen.  Dazu  dient  ausser  Salicylwasser  besonders  Watte, 
w^he  mit  krystalKnischgr  Salieylsäure  in  Terschiedenem  Procentver- 
bältmss    (3  ^  und  10^)  imprägnirt  ist. 

Um  längere  Zeit  hinreichenden  Vorrath  von  Salicylsäure  im  Be- 
reich der  Wunde  vorräthig  zu  haben,  ohne  den  Verband  zu  erneuern, 
lässt  sich  ein  Salicylwatteverband  anlegen,  welchem  entweder 
immer  neue  Watteschichten  aufgelegt  werden  (trockner  Salicylver- 
band} ,  wenn  Blut  oder  Exsudat  an  die  Oberfläche  kommen ,  oder 
welchem  durch  Berieselung  neue  Quantitäten  von  Salicylsäure  zu- 
gehen (nasser  Salicylrerband)  •  Als  dritte  Methode  kommt  die  offene 
Wundbehandlung  mit  Salicylberieselung  zur  Anwendung. 

(Seblus«  &lgt.)  ?•  Hosenyell  (Bonn). 


A.  Bergeron.     Sur  la  pr^sence  et  la  formation  des  vibrions 

dans  le  pus  des  absces. 

(Comptes  r«ndus  T.  BO  (1875).  p.  4ä0--32.) 

B.  hat  auf  der  Abtheilung  von  Gosselin  den  Inhalt  Ton  Ab- 
-scessen,  die  niemals  mit  der  äusseren  Luft  in  Communication  stan- 
den, einer  mikroskopisdien  Untersuchung  unterworfen.  Da  er  sich 
überzeugt  haben  will,  dass  Carbolsäure  die  Vibrionen  nicht  tödtet, 
sondern  nur  »einschläfert«,  so  wandte  er  statt  derselben  eine  10^ 
Lösung  von  unterschwef ligsaurem  Natron  an,  von  der  ein  einziger 
Tropfen  nach  Verf.  zur  Tödtung  von  Myriaden  dieser  Gebilde  genügen 
soll.  Mit  dieser  Lösung  wurden  alle  Instrumente  und  die  Haut  des 
Kranken  über  dem  zu  eiöffiienden  Abscess  gründlich  gereinigt.  Zum 
Auffangen  des  Eiters  benutzte  er  kleine  Glasröhren,  die  zuvor  in  die 
erwilmte  Lösung  getaucht  und  zur  sicheren  Vernichtung  darin  etwa 
noch  vorhandener  Keime  über  der  Flanune  erhitzt  und  dann  sofort 
in  den  Abscess  hineingesenkt  wurden.  Der  Inhalt  der  Röhrchen 
wurde  unmittelbar  nach  dem  Herausziehen  mikroskopisck  untersucht. 


326  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  21. 

B.  hat  18  Fälle  in  dieser  Weise  geprüft  und  ist  zu  folgenden  Resul- 
taten gelangt: 

Ij  Bei  Erwachsenen  (von  22 — 60  Jahren)  finden  sich  in  heissen 
Abscessen^  die  sich  spontan  und  ohne  äussere  Wunde  entwickelt 
haben^  bewegliche  und  unbewegliche  organisirte  Gebilde;  diese  stell- 
ten sich  theils  als  rosenkranzartig  angeordnete,  in  lebhaft  oscillirmder 
Bewegung  begriffene  Kügelchen,  theils  als  durchsichtige^  undulirend 
sich  fortbewegende  Stäbchen  (Vibrionen) ,  theils  als  stark  lichtbrech- 
ende bewegliche  Kömchen  dar^  die  mit  den  Kystes  von  Pasteur 
Aehnlichkeit  haben.  Bei  Kindern  bis  zu  11  Jahren  fand  er  niemals 
diese  Gebilde. 

2)  Im  Eiter  kalter  Abscesse  (Coxitis^  fungöse  eitrige  Arthritis, 
chron.  Adenitis,  Caries  der  Rippen  u.  s.  w.)  fehlen  dergleichen  Or^ 
ganismen  constant,  sowohl  bei  jugendlichen  ^  wie  bei  erwachsenen 
und  alten  Individuen. 

Auffallend  ist  die  Differenz  im  Befund  bei  heissen  Abseessen  zwi- 
schen Kindern  und  Erwachsenen.  B.  ist  geneigt,  mit  der  Abwesen- 
heit der  Vibrionen  bei  den  acuten  Abscessen  der  Kinder  den  Um- 
stand in  Verbindung  zu  bringen,  dass  letztere  in  der  Mehrzahl  der 
Fälle  vor  septischer  Infection  geschützt  bleiben. 

J«  Mank  (Strassburg  i/Ej. 

Jacobs.     Vergiftungen  durch  Leuchtgas. 

Köln,  Du  Mont-Schaaberf'sche  Buchhandlung,  1875.  32  S. 
J.  lenkt  die  Aufmerksamkeit  der  Aerzte  von  Neuem  auf  eine 
bisher  wenig  beachtete  Art  gasiger  Vergiftungen,  die  durch  Leucht- 
gas. Ausführlich  berichtete  Fälle  englischer  und  deutscher  Autoren, 
sowie  3  selbst  beobachtete,  beweisen,  dass  derartige  Unglücksfalle  gar 
nicht  so  selten  sind.  Die  Erscheinungen  ähneln  denjenigen  bei  Koh- 
lenoxydgasvergiftungen  und  bestehen  in  Kopfschmerz,  Schwindel, 
Uebelkeit  imd  Erbrechen,  Benommenheit  des  Sensoriums,  Sinken  des 
Pulses  und  der  Respiration  bei  gleichzeitiger  Steigerung  der  Tempe- 
ratur, Muskelschwäche,  Coma,  Convulsionen,  Tod.  In  einigen  Fällen 
schwerer  Betäubung  blieben  noch  lange  Zeit  psychische  Störungen 
und  trophische  Veränderungen  des  Hautorgans  zurück.  —  Nach  Ver- 
suchen von  Tour  des  hat  das  im  Leuchtgase  enthaltene  CO  (21,9)1^) 
den  wesentUchsten  Antheil  an  der  Intoxicatiou.  —  Behandlung  und 
Prophylaxe  wie  bei  Kohlendunstvergiftung.         Am.  Hiller  (BerUn). 


Beely.     Der  Gyps-Hanf-Schienen- Verband. 

(Aus  der  Klinik  deB  Prof.  Schönborn  in  Königsberg.  —  Berl.  klinische  Wochen- 
schrift 1675.  Ko.  14.; 

Verf.  betont  das  seit  Anwendung  des  Li  st  er 'sehen  Verfahrens 
sich  herausstellende  Bedürfhiss  nach  guten  Schienen.  Ausgehechelter 
Hanf^  dessen  Fasern  parallel  liegen^  wird  in  schmale  Bündel  abge- 
theilt  (3 — 4  Cm.  breit;    1  Cm.  dick)^   diese  werden  mit  Gypsbrei  ge- 


Cetitralbiatt  für  Ghiruigie.    No.  21.  327 

tränkt  und  je  nach  Bedürfniss  2 — 6  soldier  Bündel  auf  die  oben  be- 
findliche Partie  der  vorher  eingeölten  Extremität  gelegt.  Zu  lange 
llanA>ündel  schlägt  man  um;  zu  dünne  Stellen  kann  man  zu  je- 
der Zeit  nodi  verstärken,  gebrochene  durch  neue  Auflagerungen 
flicken.  Nach  5—10  Minuten  sind  die  Schienen  fest  zum  Abneh- 
men; man  kann  sie  wasserdicht  machen,  mit  Watte  polstern  etc. 
Schienen»  die  nicht  sofort  at^enommen  werden  sollen  (einfache  Frak- 
turen] werden  durch  eine  wollene  RoUbinde,  während  sie  noch  feucht 
sind,  an  die  Extremität  angewickelt.  Sind  Wunden  an  den  Extre- 
mitäten, so  l^t  man  Guttaperchapapier  über  dieselben,  welches  dann 
an  die  Schiene  anklebt,  diese  vor  Nässe  schützt  und  abgewaschen 
werden  kann.  Will  man  Suspension  anbringen,  so  legt  man  gebo- 
gene Haken  oder  Oesen  von  Drath  ein. 

T.  Mosengell  (Bonn). 

O.  Leopold.     Urticaria  febrilis  infolge  von  Application  von 

Blutegeln. 

(ArchiT  f.  OynAkologie.  Bd.  YU.  Hft.  3.) 

Eine  sehr  reizbare,  hysterische  Frau  von  31  Jahren,  welche  an 
chronischer  Metritis  und  einem  alten  Exsudat  im  Douglas 'sehen 
Baume  litt,  bekam  unmittelbar  nach  der  Anlegung  von  8  Blutegeln 
an  die  Kreuzbeinfläche  Zeichen  heftiger  Gefässaufregung  am  Kopf, 
Anschwellung  der  Mundschleimhaut,  der  Zunge,  der  Rachen-  und 
Kehlkopfschleimhaut  und  Eruption  eines  Urticaria- Exanthems  an 
der  Saugstelle,  welches  sich  anfänglich  von  der  Sacralgegend  aus  über 
die  Hinterfläche  des  linken  Beines  bis  zur  Kniekehle  und  dem  Mal- 
leolus  ext.  verbreitete,  an  den  folgenden  Tagen  jedoch  auch  alle 
übrigen  Stellen  des  Körpers,  zuletzt  Hals,  Gesicht  und  Kopf- 
haut befiel  und  von  hoher  Temperatxursteigerung  grosser  Pulsfre-. 
quenz,  sowie  Störungen  des  Allgemeinbefindens  begleitet  war.  Erst 
nach  6  Tagen  war  die  Afiection  abgelaufen. 

Dieser  Fall  unterscheidet  sich  von  denen  Scanzoni's  (s.  dessen 
Lehrbuch)  dadurch,  dass  letztere  nur  auf  die  Application  von  Blut- 
egeln an  die  Vaginalportion  beobachtet  wurden  und  von  nur  1  stünd- 
licher bis  höchstens  2tägiger  Dauer  waren.  L.  erklärt  diese  Afiec- 
tion so,  idass  durch  den  Blutegelreiz  der  schon  an  und  für  sich  stark 
erregten  üterin-  und  Kreuzbeinnerven,  auf  dem  Wege  des  Reflexes 
ein  so  mächtiger  Reiz  auf  das  Gefässnervencentrum  ausgeübt  wurde, 
dass  diesem  unmittelbar  eine  Lähmung  desselben  in  Gestalt  der  Blut- 
überfuUung  folgte«.  Arn.  HlUer  (Berlin). 

Leblond.  De  Temploi  du  cautere  actuel  dans  las  maladies  uterines. 

(AnnalcB  de  Gyn^cologie  1874.  T.  I.) 

L.  fuhrt  aus,  dass  selbst  auf  tiefe  Aetzungen  des  Collum  kein 
Narbengewebe  folgt;  die  Schleimhaut  stelle  sich  von  selbst  wieder  her 


328  Ce&iralUatt  fdr  ChiniTgie.    No.  21. 

und  naich  einer  gewissen  Zeit  ist  keine  Spur  von  Aeteung  mehr  zu 
sehen.  — *  Leichte  imd  schnelle  Aetzung  mit  dem  Glüheisen  dagegen 
erzeugt  nicht,  wie  bei  tiefer  Aetzung,  Blutgerinnung  in  den  Gefiissen, 
sondern  bewirkt  nur  stärkeren  Blutandrang  und  Bildung  neuer  Blut* 
gefllsse.  —  Die  Wirkung  des  Glüheisens  auf  die  Menstruation  ist  fast 
Null.  Nur  beobachte  man  nicht  selten  regelmässigere  Menses  nach 
früherer  Unregelmässigkeit.  Im  Allgemeinen  sei  es  nothwendig,  nach 
Verf.  das  Glüheisen  nur  eine  gewisse  Reihe  von  Tagen  vor  oder  nach 
der  Periode  anzuwenden.  —  Diesen  physiologischen  Wirkungen  ent- 
sprechend sieht  Verf.  die  Hauptindicationen  des  Glüheisene  in  der 
chronischen  Metritis  imd  im  Uteruscarcinom.  —  Die  chronische  Metritis 
hat  zwei  Perioden:  die  Infiltration  und  die  Induration.  Im  ersten 
Fall  bringe  die  energische  und  tiefe  Aetzung  vortreffliche  Resultate. 
Mehrere  Aetzungen  in  ca.  Htägigen  Pausen  reduciren  das  Collum 
auf  ein  beträchtlich  geringeres  Volumen.  —  Im  Stadium  der  Indura- 
tion regt  nach  L.  eine  leichte  und  schnelle  Aetzung  (in  nur  8^10- 
tägigen  Pausen]  den  Uterus  zu  neuer  Ernährung  an. 

Während  der  Schwangerschaft  das  Glüheisen  auf  starke  Geschwüre 
im  und  am  Collum  anzuwenden,  hält  Verf.  nicht  für  räthlich.  Im 
Nothfall  dürfe  das  Eisen  keinesfalls  in  den  Cervicalcanal,  noch  weni- 
ger bis  zum  innem  Muttermund  vordringen. 

G^en  das  Uteruscarcinom  soll  das  Glüheisen  nur  angewandt 
werden,  wenn  in  noch  jungem  Stadium  die  Wucherungen  auf  der 
Schleimhaut  sitzen.  In  weiter  fortgeschrittenen  Fällen  sei  das  Glüh- 
eisen wegen  zu  vieler  drohender  Gefahren  nicht  zu  brauchen.  Hier 
kann  es  sich  nur  um  eventueUe  Entfernung  durch  Galvanocaustik 
handeln. 

Unter  den  Gegenanzeigen  des  Glüheisens  stehen  nach  Verf. 
obenan  die  Entzündungen  der  Nachbarorgane  und  ein  gewisser  Ent- 
zündungsgrad des  Uterus  selbst. 

Unter  den  Methoden,  den  Uterus  zu  brennen,  erwähnt  Verf.  ganz 
kurz  zunächst  das  gewöhnliche  Glüheisen,  zweitens  die  N6la tonische 
Art,  mittelst  einer  Ghsisflamme  eine  leichte  Aetzung  hervorzurufen,  und 
drittens  die  Galvanocaustik.  Die  Operation  ist  im  Hause  der  Pat. 
vorzunehmen,  die  Letztere  hat  sich  danach  mehrere  Tage  ruhig  zu 
verhalten.  Leopold  (Leipzig). 

Kocher«     Die  Krankheiten  des  Hodens,  Nebenhodens  und 

Samenstranges. 

(Handbuch  der  Chirurgie  von  Pitha  und  Billroth.  Bd.  IIL  2.  Abthlg.  7.  Lietg. 

2.  Hälfte.) 

Der  Schluss  des  im  Centralbl.  f.  Chir.  i$74^  No.  30  besprochenen 
Buches.  Ref.  kann  auch  über  diese  zweite  Hälfte  nur  das  wieder- 
holen,  was  er  an  der  citirten  Stelle  gesagt  hat.  Vollständige  Benutzung 
der  Litteratur,  eingehende  eigene  pathologisch  anatomische  Untersuch- 
ungen und  Vervollständigung  des  Materials  durch  Herbeiziehung  der 


C^Dtralblatt  für  Chirurgie.   Ko.  31.  329 

Pripaxate  einselii^  ünivenitfttBkUiiikieii  «t^npdn  die  Arbeit  su  der 
UMfülurlichsten  und  eigenartigsten,  die  wir  übet  das  Kapitel  der  Hoden* 
o^krankungen  augenblicklich  besitzen.  WlUi.  Keek  (Berlin). 


Forst.     Die  Maass-*  und  Neigungsverfaältnisse    des   Beckens 
nach  Profildnrchschnitten  gefrorener  Leichen. 

Leipzig.  Telt  A  Coup.  1875. 

Yerfasser's  neue  Idee  ist,  aus  einer  Reihe  bisher  veröffentlichter  Ab- 
bildungen von  Profildurchschnitten,  denen  er  selbst  mehrere  neue  aus 
dem  Arbeitssaale  des  Herrn  Prof.  Braune  hinzufügt,  Normaldurch«- 
Schnittszahlen  für  die  Maasse  des  männlichen  und  weiblichen  Beckens 
zu  gewinnen.  Für  die  weiblichen  Becken  hat  er  22  Durchschnitte  (Le 
Gendre,  Pirogoff,  Braune),  für  die  männlichen  10  (derselben 
Autoren  und  eigene  Beobachtungen)  zu  diesem  Zwecke  zusammen- 
stellen können.  Die  Tabellen  müssen  im  Originale  nachgesehen 
werden. 

Der  Arbeit  voraus  schiekt  Veorf.  eine  historisch-kritische  lieber- 
sieht  der  bisherigen  Anschauungen  über  die  Neigungsverhältnisse  des 
Beckens  und' der  Herstellungsmethoden  von  Profildurchschnitten. 

Ahlfeld  (Leipzig). 

Bbdelmig.    Die  Aetiologie  und  die  operative  Behandlung  der 
Dupuytre naschen  Fingerverkrümmung. 

(Berl.  klinisehe  Ifochenflebtüt  1875.  No.  15.) 

Yerf.  erwähnt  zuerst  die  fast  einstimmige  Erklärung  vieler  Auto- 
ren^ dass  die  operative  Behandlung  des  betreffenden  Leidens  aiblglos 
sei»  bestätigt  Eulenburg 's  Behauptung,  dass  dasselbe  durchaus  nicht  i 

nur,  wie  Dupuytren  angiebt,  nach  harter  Handarbeit  sich  einstelle, 
sondern  auch  bei  gut  sittdrten  Leuten  vorkomme.  Aetiologisch  glaubt 
er  Entzündungen  des  Handtellers ,  besonders  chronischer  Art,  beschul* 
digen  zu  müssen,  auch  wenn  dieselben  lange  vorher  bestanden.  Es  wird 
ein  Fall  erwähnt,  in  welchem  die  Contractur  der  üascia  palmaris  eintrat, 
nachdem  ein  Sing  Druck  veranlasst  und  desswegen  entfernt  worden  war. 
Bei  einem  Lootsen  waren,  was  selten  beobachtet  ist,  auch  die  Daumen 
flectirt.  Bei  den  meisten  älteren  Leuten  finden  sich  allgemeine  Beuge« 
Stellungen  der  Finger,  Glätte  der  vola  manus,  Fehlen  der  MontieuU, 
letzteres  bedingt  durch  den  Schwund  der  zwischen  die  straffen  Binde- 
gewebsstränge  eingesprengten  Fettträubchen.  Dies  Schwinden  des 
Fettes  macht  die  den  Fascialpartien  zugefügte  Druckinsulte  intensiver^ 
es  wird  dadurch  ein  Zustand  chronischer  Entzündung  hervorgerufen, 
der  erst  Hyperplasie,  dann  Schrumpfung  der  fibrösen  Stränge  bewirkt, 
also  Beugestellung  veranlasst.  —  Das  Verfahren  von  Busch  besteht 
darin,  dass  bei  nach  oben  gekehrter  Vola  die  Hand  fixixt,  der  con- 
tmhirte  Finger  permanent  extendirt  und  ein  Hautlappen  von  spitz- 
winkliger Fokn  abgelöst  wird ;  die  Basis  desselben  liegt  in  der  Furche 


d   I 


330  Centralblatt  fflr  Chirurgie.    No.  21. 

des  betreffenden  Metacarpo-Phalangealgelenkes ,  die  Spitse  an  dem 
Punct  der  Handfläche,  der  bei  äusserster  Streckung  am  weitesten  naidi 
dem  Innern  der  Yola  gelegen,  sich  anspannt.  Mit  dem  Lappen  präparirt 
man  möglichst  viel  Unterhautbindegewebe  ab.  Dabei  werden  viele 
fibröse  Stränge  durchschnitten,  die  Ton  der  fascia  palmaris  zur  Haut 
gehen.  Auf  der  nun  freiliegenden  Fascie  werden  durch  lauter  kleine 
Schnitte  alle  festeren  Fasern  incidirt,  welche  sich  stärker  spannen.  Ist 
so  die  Streckung  gelungen,  so  kann  man  unter  Umständen  die  unteren 
Sander  der  Wunde  durch  Suturen  vereinigen.  Bei  der  Nachbehand- 
lung ist  zu  beachten,  dass  orthopädische  Uebungen  erst  nach  Eintritt 
der  Granulationen  erlaubt  sind ;  erst  dann  kann  von  der  Dehnbarkeit 
des  Granulationsgewebes,  worauf  Busch  a.  a.  O.  aufmerksam  ge- 
macht, Nutzen  gezogen  werden.  Am  besten  macht  man  active  und 
passive  Bewegungen  im  Handbad.  Reverdin^sche  Transplantationen 
unterstützen  eventuell  die  Heilung.  y.  Mosengeil  (Bonn). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Lebouoq.     Sur  le  developpement  des  capillaires  et  des  globules  san- 

guins  chez  l'embryon. 
(Bulletin  de  la  80ci6t6  de  m^decine  de  Gand  1875.  L.-A.) 

L.  untersuchte  das  mittlere  Keimblatt  mehrerer  Sftugethierembryonen  in  var* 
Bchiedenen  Entwicklungsstadien  und  fand,  dass  die  Gefässbildung  im  Chorion  und 
dem  Embryo  selbst  sich  yersohieden  verhält.  Dort  beginnt  sie  mit  einer  ketten- 
förmigen Aneinanderlagemng  bläschenförmiger  und  blutkörperchenhalüger  Zellen, 
deren  Seitenwände  zur  Gefässwand,  deren  Inhalt  nach  Schwund  der  Scheidewände 
zum  Blut  wird.  In  den  Geweben  des  Embryo  (an  der  Linsenkapsel  und  der  äusse- 
ren Haut  besonders  schön  zu  verfolgen)  geht  sie  von  den  Ranvier*schen  »Oe* 
fässbildungszelien«  aus,  d.  h.  grossen,  allmälig  sich  streckenden,  mit  Aus- 
läufern versehenen  Zellen,  welche  ein  fein  granulirtes  Protoplasma  und  eine  An- 
zahl elliptischer  Kerne  mit  Kernkörperchen  enthalten.  Durch  Theilung  dieser  letz- 
teren entstehen  zellige  Elemente,  von  denen  die  wandständigen  zur  Gef^Uswand, 
die  anderen  zn  Blutkörperchen  werden.  Der  gemeinsame  Ursprung  von  Wand  und 
Inhalt  zeigt  sich  sehr  schön  an  solchen  in  Abschnürung  begriffenen  Kernen  beim 
Theilungsact,  von  denen  die  eine  Hälfte  schon  den  gelblichen  Sohimmer  und  den 
Lichtreflex  der  späteren  Blutzelle  erkennen  lässt»  während  die  andere  sich  mit 
Hämatoxylin  deutlich  blauviolett  färbt  (Wandzelle).  Durch  Anastomose  benach- 
barter langgestreckter  Bildungshaufen  entstehen  continuirliche  Gefässe,  durch  Ver- 
grOsserung  der  Ausläufer  die  Seitenäste. 

Hinsichtlich  des  Ursprungs  der  Kanvier 'sehen  oGefiLaabildungszellen«  ver* 
muthet  auch  L.,  dass  sie  aus  weissen  Blutkörperchen,  die  aus  bereits  vorgebilde- 
ten Gefässen  ausgewandert  sind,  hervorgehen.  Am*  Hiller  (Berlin). 

J.  V.  WeouB.    lieber  Lupus  vulgaris. 

Inaug.-Diss.   Bonn.  15.  Aug.  1S74. 

In  einer  für  eine  Dissertation  längeren  Arbeit  legt  der  Verf.  in  klarer,  über- 
sichtlicher Weise  seine  Ansichten  über  das  genannte  Thema  dar,  wobei  er  dem 
mit  compillatorischem  Fleisse  gesammelten  Detail  eigene  Beobachtungen  zufügt, 
das  Ganze  mit  eigener  Kritik  ordnet  und  fremden  Ansichten  mit  objectiver  Wür- 
digung gerecht  wird.    Das  reichhaltige,  in  der  Litteratur  zerstreute  Material  fasat 


Centrdblutt  fOr  Chirmgie.   No.  21.  831 

er  kuri  dem  heutigen  Standpunct  eatopreehend  Eusammen^  macht  auf  eine  epithe- 
liomartige  Fonn,  die  er  PapillomlupuB  nennt,  und  auf  das  Kupfer  als  Heilmittel, 
Ton  dem  er  gute  therapeutische  Erfolge  su  berichten  weiss,  aufmerksam.  Die  Form 
des  Papillomlupus  ist  die  lepra&hnliche,  welche  Busch  auf  dem  2.  Chirurgencon- 
gress  beschrieben  hat.  Geschichte,  Aetiologie,  pathologische  Anatomie,  Sjmptomatik 
und  Diagnostik  der  Krankheit  geben  dem  Verf.  mehrfach  Gelegenheit,  die  Bezie- 
hungen des  Lupus  zu  leprösen  und  syphilitischen  Erkrankungen,  wie  zum  Epithe- 
liom zu  besprechen  und  die  Unterschiede  zu  berOhren.  Betreffs  der  Therapie  stellt 
Verf.  die  Anwendung  einer  Kupfersalbe  (Cupr.  subacet  0,6  auf  Axung.  porci  30,0) 
sehr  in  den  Vordergrund.  T«  Mosengell  (Bonn). 

A.  Servel.     Sur  la  naissance  des  bacteries  dans  les  tissus  organiques 

mis  ä  Tabri  du  contact  de  l'air. 

(Comptes  rendus  T.  79.  p.  1270—72.) 

Die  zuerst  von  E  s  t  o  r  und  D^champs,  dann  Ton  O  n  i  mu  s  und  jüngst  yon 
Tiegel  (cf.  Centralbl.  f.  Chir.  1874,  No.  34,  p.  536)  gemachte  Behauptung,  dass 
in  organischen  Geweben,  zu  denen  jeder  Zutritt  Ton  Filzkeimen  aus  der  Luft 
sicher  ausgeschlossen  ist,  Bacterien  entstehen,  sich  fortentwickeln  und  so  Fäulniss- 
vorg&nge  einleiten  können,  bestätigt  S.  durch  eine  Anzahl  Ton  Versuchen.  Es 
wurden  vom  lebenden  Thiere  entnommene  Organe  (Leber,  Nieren  u.  A.),  an  denen 
zuvor  s&mmtliche  zu-  und  abführenden  GeOUse  sorgf&ltig  unterbunden  waren,  so 
dass  auch  beim  Durchschneiden  der  Gefässe  nicht  etwa  Luft  und  mit  ihr  Keime 
in  die  Organe  eindringen  konnte,  unverzüglich  in  Chromsäurelösung  geworfen. 
Nach  Verlauf  einiger  Tage  oder  Wochen  wurden  die  Organe  herausgenommen;  es 
zeigte  sich,  dass  die  innersten  Fartieen  derselben  in  faulige  Zersetzung  übergegan- 
gen waren  und  von  in  lebhafter  Bewegung  begriffenen  Bacterien  wimmelten.  —  Bis 
hierher  hatte  offenbar  die  Chromsäure  nicht  eindringen  können,  denn  setzte  8. 
einen  Tropfen  von  der  Chromsfture  zu  den  aus  diesen  Fftulnissheerde  entnommenen, 
kräftig  sich  bewegenden  Bacterien  hinzu,  so  wurde  augenblicklich  ihre  Bewegung 
sistirt.  (Des  Verf. 's  Versuche  befinden  sich  nur  in  Uebereinstimmung  mit  den  alten 
Erfahrungen  über  Veränderungen  an  anatomischen  Fräparaten,  die  in  Chromsäure 
aufbewahrt  werden.    Red.)  J*  Mniik  (Strassburg  i/£.]. 

J.  Leiter  (Wien).     Apparat  zur  schmerzlosen  subcutanen  Injection. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  3.) 

Die  Construction  fusst  auf  der  Beobachtung,  dass  sehr  schnelle  Bewegung 
eines  verwundenden  Instrumentes  die  Verletzung  weniger  schmerzhaft  mache.  Eine 
Fravas'sche  Spritze  wird  gefüllt  in  einen  Cy linder  geladen,  in  welchem  eine  su- 
rückgepresste  Feder  durch  plötzliches  Auslösen  die  Spritze  nach  vorne  treibt,  deren 
Spitze  bis  zu  gewisser  Tiefe  unter  die  Haut  stösst  und  durch  Vorpressen  des  Stem- 
pels die  Arznei  entleert.  ?•  Hosengeil  (Bonn). 

Tairoff.     Ein  Fall  von  Transfueio  sanguinis. 

(Sitzungsberichte  der  Marine- Aerzte  in  Kronstadt  1874.  p.  82.) 

Verf.  berichtet  über  die  erste  im  Kronstädter  Hospitale  ausgeführte  Transfusion 
an  einem  2) jähr.  Bauer  zur  Beseitigung  einer  acuten  Anämie  desselben,  hervorge- 
rufen durch  eine  Schnittwunde  des  rechten  Oberarms,  die  die  ganze  Dicke  des 
biceps  und  die  V.  brachialis  getrennt  hatte.  Zur  Transfusion  mittelst  der  Uter- 
hardt'schen  Spritze  wurden  10  Unzen  defibrinirten  venösen  Blutes  verbraucht, 
entnommen  von  einem  kräftigen  Individuum.  Unmittelbar  nach  der  Transfusion 
wurde  der  vordem  schnelle  (160),  unregelmässige,  kaum  fühlbare  FuLs  voller  und 
etwas  (um  4 — 12  Schläge)  verlangsamt.  In  den  der  Operation  folgenden  2  Wochen 
eine  sehr  starke  Nachblutung  aus  der  Schnittwunde  und  beständiges  sehr  hohes 
Fieber.    Fat.  erholte  sich  sehr  langsam.  W.  Gmbe  (Charkow). 


332  Centndblatt  fttT  Chiraigie.    Mo.  21. 

A.  W.  Chrul.     Aphasie  nach  Commotio  cerebri. 

(Sitzungsberichte  der  medicin.  Gesellschaft  zu  Sambow.  1S74.  Ko.  4.  p.  52.) 

Ein  Arbeiter  fiel  vom  Dache  einer  2\'  hohen  Scheune  mit  dem  Kopfe  Toran 
auf  die  Erde,  wonach  sofort  Bewusstlosigkeit  und  Nasenbluten  eintrat.  Zu  sich 
gekommen  ergrifT  er  den  ersten  besten  Gegenstand  und  lief  me  Temarrt  ohne  Ziel 
umher. 

Am  nftchsten  Morgen  Wiederkehr  des  Verständnisses  mit  voUstindigem 
Mangel  der  Sprache,  nur  unbestimmte  Töne  konnte  Pat.  hervorbriogen.  Der 
Gang  des  Ki^nkfln  sohwankend,  sein  Gehör  geschwächt,  die  Pupillen  dilatirt  die 
Sensibilität  der  Haut  überall  bedeutend  yerringert.  Der  linke  Nasenflügel  und 
Mundwinkel  herabgesunken;  die  Beweglichkeit  der  Zunge  begräozt,  ihre  Sensibi- 
lität bemerkbar  herabgesetzt.  Gesichtsausdruck  apathisch ;  Athem,  Puls  und  Tem- 
peratur normal.  Nach  dem  Gebrauche  von  Abführmitteln  verbesserte  sich  der  Zu- 
stand des  Kranken  einigermassen,  so  dass  er  bei  Untersuchung  der  Hautsensibili- 
tät das  Wort  Na-a-a-del  'aussprechen  konnte,  obgleich  er  dabei  grosse  Mühe  an- 
wenden musste.  Auf  andere  vorgelegte  Fragen  antwortete  er  mit  einsylbigen  oder 
unbestimmten  Lauten.  Gegen  Abend  konnte  er  schon  mit  grosser  Mühe  stotternd 
sein  Herunterfallen  von  der  Scheune  erzählen;  dabei  klagte  er  über  Schmerzen  in 
der  Lebergegend,  über  ein  Gefühl  von  Zusammenziehen  des  Halses,  Gegenwart 
eines  fremden  Körpers  in  demselben,  Trockenheit  und  unangenehmes  Gefühl  in 
der  Nase,  Geräusch  in  den  Ohren.  Das  Geruchsvermögen  war  erhalten,  das  Ge- 
hör immer  noch  geschwächt.  Am  3.  Tage  kehrte  die  Sensibilität  allmällg  zurück, 
ausgesprochener  auf  der  Seite  der  Flexoren;  dsfür  trat  aber  eine  vermehrte  Thrä- 
nensecretion  ein.  Am  4.  Tage  verschwanden  alle  Krankheitss^-mptome,  nur  das 
Stottern  blieb.     Nach  einigen  Tagen  vollkommene  Herstellung. 

W.  Grabe  [Charkow]. 

DeUrtenohe.     Sarcome  du  cerveau. 

(Aiohives  m^d.  beiges  1675.  Hft.  3.) 

Bei  einer  36jähr.  erblindeten  Frau,  welche  unter  acut  paralytischen  Erschei- 
nungen innerhalb  einiger  Stunden  zu  Chiinde  ging,  fand  man  bei  der  Section  im 
mittleren  Abschnitt  des  Grosshims  einen  Tumor  von  der  Grösse  einer  Kindsfaust, 
umgeben  von  einem  Netz  erweiterter  Venen  und  Capilhiren,  welcher  die  Substanz 
der  Thalami  optici  fast  vollständig  verdrängt  hatte  und  bei  mikroskopischer  Unter- 
suchung saoh  als  ein  Ohosarcom  erwies.  Bamerkenswerth  in  diesem  Falle  ist 
erstens,  dass  die  Geschwulstentwicklung  hier  ohne  Blutungen  erfolgt  war,  was  bei 
Sarcomen  im  Gehirn  selten  ist,  und  zweitens  die  erstaunliche  Toleranz  des  Gehirn 
gegen  einen  Tumor  von  solcher  Ausdehnung,  welcher  während  des  Lebens,  ausser 
der  Erblindung,  gar  keine  motorischen  oder  intelectuellen  Störungen  bedingt 
hotte.  An.  Hlller  (Berlin). 

KorriB.     Epitheliom  der  Mundhöhle  und  der  Zunge.     Exstirpation. 

Becidiv.     Ligatur  beider  Linguales.     Tod. 
(Middlesez  Hospital  ReporU.  1S74.  p.  4.) 

Der  43jähr.  Mann  zeigte  vor  dem  Zungenbändchen  eine  Ulceration,  die  trotz 
Cauterien,  antisyphilitischer  Behandlung  mehr  und  mehr  imi  sich  griff  und  beson- 
ders nach  vom  bis  ziun  Kiefer  und  seitlich  an  die  untere  Zungenfläche  hinreichte. 
-In  der  Naikoee  wurde  nach  geschehener  Spaltung  des  Unterkiefers  in  der  Mittel- 
Hnie  alles  Krankhafte  entfernt,  dann  die  Knochennaht  angelegt.  Wegen  Exfolia- 
tion  der  Sägefläche  erfolgts  in  der  nächsten  Zeit  keine  feste  Vereinigung,  später 
ToUe  Heilnng.  Ein  nach  $  Monaten  beginnendes  Recidiv  in  der  Narbe  wird  durch 
Cauterium  beseitigt.  8  Monate  später  stellt  sich  Pat.  vor  mit  einem  Becidiv,  wel- 
ches den  grtesten  Theü  des  Bodens  der  Mundhöhle  betrifft,  die  Zunge  erscheint 
▼oükommen  fixirt ;  die  Gewebe  zwischen  Zungenbein  und  Kiefer-Symphyse  gleieh- 
mässig  hart.  Blutung  aus  dem  Munde;  bei  Wiederkehr  derselben  Ligatur  der 
rechten,  und  bei  neuer  Blutung  nach  5  Tagen  Ligatur  der  linken  Art.  lingualii 


Cenindblatt  für  Chirurgie.    No.  21.  '^33 

mit  carbolisirtem  Catgut  Eine  weitere  Nachbhitang  irird  durch  Liq.  fern  gestiUi. 
Die  Kräfte  nehmen  immer  mehr  ab,  einige  Ti^e  ep&ter  stirbt  Fat.  ohne  erneuten 
Blatverlust.  Die  Section  zeigt  von  der  Muskulatur  des  Bodens  der  Mundhöhle 
nur  erhalten  die  hintere  Fortion  der  Mylo-hyoid.  und  einen  Theil  des  linken  Genio- 
hyogloss.  Die  Axt.  lingual,  sin.  ist  nicht  durohtrennt,  aber  obliterirt,  die  deztr. 
ist  durchtrennt  (yon  Anwesenheit,  resp.  Verftnderung  des  Catgut  ist  nichts  gesagt) ; 
genaue  Untersudiusg  durch  Ij\jectionen  stellte  fest,  dass  ausser  Arrosionen  der 
Art.  ling.  solche  auch  an  den  beiden  Artt.  submentales  bestanden. 

Pils  (Stettin). 

Meosel.   Resection  des  Nerras  mandibnlam  von  der  Mundhöhle  ans. 

(Deutsche  Klinik  1875.  No.  2.  p.  10.) 

M.  machte  in  einem  neuen  Falle  von  Neuralgie  des  Unterkiefernervs  die  Be- 
section  desselben  nach  der  ?on  Paravicini  (1858)  vorgeschlagenen  intrabucca- 
len  Operationsmethode.  Die  Operation  wurde  ohne  besondere  technische  Schwie- 
rigkeiten und  üble  Znffille  ausgeführt  und  hatte  vollkommenen  Erfolg.  Ausser  der 
angefahrten  Beobachtung  ist  die  Methode  bis  jetat  in  5  F&Uen  von  Mensel, 
Billroth,  A.  Mensel,  Mosetig  und  Nicoladoni  ausgeführt  worden  und 
hatte  nur  in  dem  letzten  Falle  einen  ungünstigen  Erfolg. 

P.  Bmna  (Tübingen). 

8t«tter.    Aus  der  Klinik  des  Prof.  Schönborn  in  Königsberg.    Zur 

Besection  des  Nerv,  alveol.  inf. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  2.) 

Seh.  hat  nach  Paravicini's  intrabuocaler  Durchschneidung  des  Nerven' und 
Auimeisselung  des  Canalis  inframax.,  von  aussen  her  in  der  Gegend  des  foramen 
mentale  etwa  6  Cm.  lang  vom  Nerven  erfolgreich  resecirt.  Die  Operation  wurde  an 
einer  alten  Frau  gemacht,  wobei  das  Operationsfeld  wegen  Zahnmangel  und  Alters* 

atrophie  der  Mandibula  besonders  zugänglich  sich  erwies. 

T«  Moeengeil  (Bonn). 

Störk.    Ein  eigene  Fall  Ton  Tracheotomie. 

fK.  k.  (Gesellschaft  der  Aerzte.  22.  Jan.  1875.    Wiener  med.  Wochenschrifit  1875. 

No.  6.) 

S.  stellte  eine  tracheotomirte  Patientin  vor,  bei  welcher  infolge  von  Lues  die 
Gaumenbögen  und  weicher  Gaumen  fast  total  mit  der  hinteren  Pharynxwand  ver- 
wachsen waren.  Die  Glottis  war  so  verengt,  dass  grösste  Athemnoth  bestand ;  die 
Epiglottis  wurde  durch  narbige  Schrumpfung  der  betreffenden  Ligg.  auf  dem  Kehl- 
kopf beinahe  festgehalten.  Eine  im  Ordinationszimmer  S.*s  vorkommende  Asphyxie 
gab  Veranlassung  zur  sofortigen  Tracheotomie.  Es  erfolgte  hierbei  eine  starke 
venöse  Blutung.  Neue  Lebensgefahr  durch  Anfüllen  der  Bronchien  mit  Blut.  — 
Eine  bis  zur  Bifurcation  eingeführte  Schlundsonde  wurde  mit  ihrem  oberen  Ende 
mit  dem  Athmungsapparat  (Wien.  med.  Wochenschr.  1874,  No.  20)  verbunden  und 
anfangs  nur  Exspirationen  vorgenommen,  welche  Stränge  geronnenen  Blutes  ent> 
fernten,  spftter  auch  künstliche  Inspirationen,  wobei  sich  Patientin  erholte.  Um 
die  Blutung  zu  stillen,  wurden  die  Weichtheile  und  die  Trachea  an  die  feste  Sonde 
angedrückt.    Heilung  ohne  Fieber,  Katarrh  oder  Bronchitis  erfolgte  schnell. 

V.  Mosengell  (Bonn). 

Axillar-Aneurysma.     Compiession  der  Subclavia.     Heilung. 

(Guy's  Hospital-BaporU.  1873.  p.  61.) 

Ein  36jähr.  Arbeiter  hatte  seit  3  Monaten  »rheumatische«  Schmerzen  im  rech- 
ten Arme,  seit  1  Monat  eine  pulsirende  Geschwulst  in  der  rechten  Achselhöhle 
bemerkt ;  eine  immer  mehr  zunehmende  Schw&che  des  Armes^  besonders  der  Hand 
bildete  sich  aus.  Das  rundliehe  Axillar-Aneurysma,  3"  im  Durchmesser  haltend» 
zeigte  sieht-  und  fühlbare  Pulsation,  welche  auf  Compression  der  Subclavia  und 
der  Axillaris  direct  unter  der  Clavicula  erlosch ;  der  Badialpuls  war  vorhanden, 
aber  sehr  schwach.    15.  Pebr.  1872  Compression  der  Subclavia  und  Axillaris  durch 


334  Centralblatt  fttr  Chirurgie.    No.  21. 

2V2  Stunden  ohne  nachhaltigen  Erfolg.  17.  Febr.  Compression  der  Axillaris  durch 
-21/2  Stdn.  ergab  noch  am  folgenden  Tage  eine  Abachw&chung  der  Pulsation  im  Aneur. 
Jetzt  bewirkte  Compression  der  Axillaris  mit  Zuhülfenahme  von  Chloroform  durch 
51/2  Stdn.  YoUes  Erlöschen  der  Pulsation;  aus  Vorsicht  wurde  3  Stdn.  lang  weiter 
comprimirt.  19.  Febr.  Kein  Puls  in  rechter  Radialis,  Braohialis  und  im  Aneurysma 
aber  aber  diesem  in  der  Axillaris,  welcher  bald  spontan  erlosch.  16.  Mftrs  hatte  sich 
der  Sack  sehr  verkleinert,  dagegen  die  Kraft  des  Armes  nicht  gebessert.  20.  Man, 
Puls  fehlt  im  geheilten  Aneurysma,  in  den  Vorderarm- Arterien,  die  Kraft  des  Armes 
hat  sich  etwas  gebessert,  nicht  die  der  Hand;  electrische  Behandlung,  besonders 
mit  dem  constanten  Strome,  erxielte  weitere  Besserung;  am  1.  Mai  nahm  Pat.  seine 
Arbeit  wieder  auf.  Pili  [Stettin). 

Aneurysma  der  Innominata.     Compression   der  rechten  Carotis^   Tod 

durch  capilläre  Hämonhagieen  im  Gehirn. 
(Guy 's  Hospital-Reports.  1873.  p.  63.) 

Der  55jahr.  Mann  hatte  vor  15  Monaten  plötzlich  eine  linksseitige  Hemiplegie 
erlitten,  bemerkte  seit  3  Monaten  eine  wallnussgrosse ,  pulsirende  Geschwulst  am 
oberen  Rande  des  Stemiun  verbunden  mit  Schmerzen  an  der  rechten  Halsseite  und 
im  rechten  Arme.  Später  gesellte  sich  Taubheit  auf  dem  rechten  Ohr  und  Ab- 
achw&chung des  rechten  Auges  hinzu ;  die  Stimme  und  Athmung  waren  nie  alterirt 
gewesen.  Die  Untersuchung  ergab  ein  Aneur^'sma  der  Innominata,  welches  auf  die 
rechte  Carotis  überging;  Hypertrophie  des  Herzens,  verbreitete  Atherose.  Puls 
der  rechten  Radialis  viel  schwächer  als  an  der  linken.  Obwohl  das  rechte  Auge 
etwas  prominenter,  seine  Pupille  verengert  war,  ergab  der  Augenspiegel  nichts 
Anormales.  Mit  Zuhülfenahme  von  Chloroform  begann  man  mit  der  Compression 
der  Carotis  um  11  Vi  Uhr  Vorm.,  um  2  Uhr  war  der  Puls  im  Sacke  schon  schwä- 
cher, um  3  Uhr  bemerkte  man,  dass  sehr  wenig  Chloroform  gebraucht  wurde  (für 
eine  Stunde  1  Drachme),  um  die  Unempfindlichkeit  zu  unterhalten.  Seit  8  Uhr 
wurde  kein  Chloroform  mehr  gegeben,  um  9  Uhr  wurde  die  Compression  sistirt. 
Um  10  Uhr  war  Pat  noch  »comatOs«  mit  schwacher,  erschwerter  Respiration ;  schnell 
verschlimmerte  sich  der  Zustand  und  Pat.  schien  zu  sterben;  künstliche  Respira- 
tion schaffte  Besserung  der  Athmung.  Am  folgenden  Tage  bemerkte  man  bei  fort- 
bestehendem Coma  linksseitige  Hemiplegie,  rechtsseitige  Facialparalyee,  schwache 
Pulsation  im  Aneurysma ;  bei  Fortdauer  dieser  Erscheinungen  erfolgte  nach  5  Tagen 
der  Tod.  (Die  Schilderung  lässt  den  Verdacht  entstehen,  dass  bei  der  Chlorofor- 
mirung  nicht  die  genügende  Aufmerksamkeit  auf  den  Gehimzustand  gerichtet  war ; 
die  angeführte  Entschuldigung,  dass  man  die  Circulationsverhältnisse  genau  über- 
wacht und  beide  Temporales  immer  schlagend  gefunden  habe,  würde  nicht  beweisen, 
dass  die  Strömung  in  der  Carot.  dext.  nicht  aufgehoben  gewesen.  Ref.)  Section: 
Die  grossen  Gefässe  der  Basis  verdickt  ohne  Emboiie.  Die  Oberfläche  der  Hemi- 
sphären, besonders  in  ihrem  lateralen  Theile  und  hauptsächlich  an  der  linken 
Hemisphäre  bedeckt  mit  zahlreichen  capillären  Apoplexien  mit  erweichter  Um- 
gebung; die  centralen  Partieen  erscheinen  gesund;  keine  Spur  einer  alten  Apoplexie 
oder  Erweichung  wird  gefunden  (genauere  mikroskopische  Untersuchung  fehltN 
Herz  gross,  linker  Ventrikel  contrahirt,  Aneurysma  des  Arcus,  der  Innominata  und  des 
Anfangsstücks  der  Carotis  dextr.  —  Subclavia  und  Carot.  dextr.  durchgängig,  ausser 
alten  geschichteten  Gerinnseln  in  der  Innominata  frische  Gerinnungen,  ebenso  im 
Aneurysma. 

(Genauere  Beobachtung  und  eingehendere  Section  würden  mehr  wissenschaft- 
liche Ausbeute  geliefert  haben.)  Pilz  [Stettin). 

J.  Iiangton.     Grosse  Hydrocele  eines  Schenkelbruches. 

(Bartholomew's  Hospital-Report.  Vol.  X.  p.  dSl.) 

Während  bei  alten  Inguinalhernien  eine  Flüssigkeitsansammlung  im  Bruchsacke 
nicht  gerade  selten  ist,  gehören  derartige  Ansammlungen  im  Sacke  von  Pemoral- 
hemien  zu  den  weniger  häufigen  Beobachtungen.    B.  fand  unter  7000  Femoral- 


Centralblatt  fdr  Chirurgie.    No.  21.  335 

heraitn  in  den  Berichten  der  Londoner  Bmchband-Oeeellschi^  dieses  Vorkomm- 
mts  nur  in  diesem  einzigen  Falle.  Eine  50jähr.  Person  hatte  16  Jahre  einen  Schen- 
keibroeh;  das  abgenutzte  Bruchband  Hess  in  den  letzten  Jahren  6tte3t  den  Bruch 
vortreten,  derselbe  konnte  seit  3  Jahren  nicht  mehr  ganz  zurückgebracht  werden; 
langsam  bildete  sich  eine  allmäiig  grösser  werdende  Geschwulst  aus.  Dieselbe  er- 
sdüen  bei  der  Untersuchung  durchsichtig,  war  leicht  beweglich,  mass  in  ihrem 
grösaten  Durchmesser  hat  parallel  dem  Foupart'schen  Bande  7",  in  der  L&nge 
5" ;  ihr  Inhalt  Hess  sich  nicht  in  die  Bauchhöhle  snrOckdr&ngen ;  einige  Zeit  ange- 
wandter Druck  hatte  keine  Verkleinerung  zur  Folge.    Die  erste  Function  entleerte 

3  Finten  strohgelber,  klarer  Flüssigkeit.  Die  immer  schneller  sich  ansammelnde 
Flüssigkeit  machte  die  Functionen  in  inuner  kleineren  Zwischenräumen  nothwen- 
dig;  nach  Einlegung  eines  Haarseils  trat  Eiterung  im  Sacke  ein.  Jetzt  entschloss 
sich  Fatientin  in's  Hospital  zu  gehen;  die  beiden  kleinen  Oeffnungen  des  Sacks 
wurden  durch  einen  4"  langen  Schnitt  verbunden,  dadurch  die  Höhle  desselben 
freigelegt  und  man  erkannte  jetzt  deutlich ,  dass  nach  oben  hin  Netz  die  Höhle 
gegen  den  Schenkelkanal  hin  abschloss;  schnell  erfolgte  Heilung. 

In  Bezug  axif  die  Bezeichnung  »Hydrocele  des  Brucksacks«  rftth  Verf.,  um  je- 
dem Irrthum  vorzubeugen,  hiervon  auszuschliessen  irreducible  Brüche  mit  gerin- 
gem Bruchsackwasser,  welches  in  diesen  Fällen  von  den  OefiUsen  des  Netzes  ge- 
liefert wird,  femer  die  kleinen  Cysten»  welche  nicht  selten  in  der  Gegend  des 
Femoralringes  und  in  der  Nähe  der  Einmflndungsatelle  der  Saphena  vorkommen, 
▼on  denen  ein  Theil  nie  mit  dem  Feritonealsadk  zusammengehangen,  ein  Theil 
sieh  allmäiig  davon  abgeschnürt  haben  mag.  Pllx  (Stettin). 

Borlie.    Note  sur  un  cas  d'h^matoc^le  encyst^e  et  ancienne  du  cordon 

spermatique. 
(Bidletin  de  FAcadteie  Royale  de  mM.  de  Belgique.  Vol.  VIII.  No.  13.) 

Ein  Arbeiter  zog  sich  bei  einer  heftigen  Anstrengung  eine  diffuse  Haematocele 
des  rechten  Samenstranges  zu,  welche  kxirz  darauf  punctirt  wurde  und  einen  ei- 
grossen,  circumscripten,  wenig  unbequemen  Tumor  hinterliess.  13  Jahre  später  trat  eine 
neue  Blutung  ein  in  die  Geschwulst  und  zwar  unter  denselben  Erscheinungen  eines 
heftigen  Schmerzes  in  der  Lenden-  und  Leistengegend  mit  plötzlicher  Volumszu- 
nahme des  Tumors;  die  Ursache  war  wieder  eine  starke  Anstrengung. 

B.  versuchte  zuerst  eine  resorbirende  Behandlung  und  da  jeder  Erfolg  fehlte 
und  die  Schmerzen  nicht  aufhörten,  entschloss  er  sich  auf  Verlangen  des  Kranken 
zur  Excision  der  Hämatocele  sammt  dem  unmittelbar  darunter  liegenden  Hoden. 
Fat.  starb  an  Pyämie.  —  Die  anatomische  Untersuchung  des  Präparates  zeigte  eine 
Cyste  mit  dicken  derben  Wandungen.  Hoden  und  Vas  deferens  waren  normal. 
(Leider  ist  der  Sectionsbefund  zu  nichtssagend.  Bef.) 

Glrard  (Strassburg  i/£.}. 

G.  Waokerhagen.     Free  incisions,  with  drainage-tube,  versus  para- 

centesis  iu  the  treatment  of  pyothorax. 

(New-York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXI.  p.  32.) 

Von  38  an  Pyothorax  leidenden  Patienten  wurden   10  Erwachsene  (6  geheilt, 

4  gestorben)  und  3  Kinder  (1  geheilt,  2  gestorben)  mit  Paracentese  des  Thorax, 
11  Erwachsen»  (8  geheilt,  3  gestorben)  und  6  Kinder  (2  geh.,  4  gest.;  mit  freier 
Incision  der  Pleurahöhle  ohne  Drainage,  endlich  8  Erwachsene  (6  geh.,  2  gest.) 
jDit  freier  Incision  und  Drainage  behandelt  In  Erwägung  des  Sterblichkeitsver- 
hältnisses giebt  W.  der  letzteren  Methode  vor  allen  den  Vorzug. 

Madeliuig  (Bonn). 
8»  Mavrioos.     De  la  Thoracocent^e  par  la  m^thode  aspiratoire  dans 

les  ^panchements  pleur6tiques  simples  et  considerables. 

(Gazette  m^dicale   d'Orient.   Oonstantinople  1875.  Janvier.  No.  10.  p.  148.) 
Die  Aspiration  gilt  M.  als  vorzüglichstes  Verfahren  bei  Ansammlungen  von 
Flflssigkeiten  in  den  Pleurahöhlen,  entweder  wenn  dieselben  seröser  Natur  sind  und 


336  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  2  h 

durch  ihre  Quimtit&t  und  die  Dauer  der  Affection  sonitigen  HeiWerfahren  tcotMn, 
oder  wenn  die  Flüsaigkeitaneammlung  rasch  entstanden  und  sehr  bald  einen 
seröseilrigen  Charakter  angenommen  hat  So  bleiben  die  wenig  umfangreidien 
serösen  ErgAsse  einem  medUoamentös  resorbirenden  Verfahren,  filtere  rein  eitrige 
Exsudate  aber  der  freien  Incision  der  Thoraxböhlen  mit  Drainage  vorbehalten.  M. 
beschreibt  7  im  Marinehospital  zu  Constantinopel  beobachtete  und  durch  Thoraeo- 
centese  mit  Aspiration  behandelte  Fälle  yon  hochgradigen  Fleuraergdsaen»  wo 
6  Mal  nach  Beseitigung  der  intensiven  Krankheitssymptome  Heilung  und  nur  1 
Mal  der  Tod  eintrat.  üUenferger  (München). 

Gillette.     Appareil  ä  extension  continue  de  M.  Hennequin. 

(Revue  de  th^rapeutique  m^dico-chirurg.  1875.  Ko.  4.) 

Die  Extension  geschieht  mittelst  Flaschenzug«  an  2  Puncten  des  unteren 
Fragments,  nfimlich  dicht  oberhalb  der  Wade  und  über  den  Condylen  des  Femur, 
welche  Stellen  durch  gut  gepolsterte  und  breite  Spangen  umschnflrt  und  mittelst 
elastischer  Binder  mit  der  Zugvorrichtung  am  Unterschenkel  in  Verbindung  ge- 
setst  werden;  die  Contraextension  wird  bewirkt  durch  Druck  auf  3  Puncte 
des  Beckens,  die  Tuberositas  ischü,  die  fossa  iliaca  ext.  und  den  horizontalen 
Schambeinast,  jedesmal  durch  entsprechend  geformte  (keilförmige,  ovale  und  wurst- 
förmige)  Felotten,  die  mit  einem  Lagerungsapparat  für  den  Obersehenkel  im  Zu- 
sammenhang stehen.  Die  Zngvomehtung  am  Unterschenkel  und  der  Lagerungs- 
apparat für  den  Oberschenkel,  2  an  sieh  getrennte  Stücke,  greifen  in  der  Oegead 
des  Knies  verschieblich  in  einander.  (Detailbeschreibung  und  Abbildungen  im 
Text!) 

Der  anhaltende  Druck  an  den  bezeichneten  Stellen  wird  g^t  ertragen.  Die 
bis  jetzt  in  ca.  40  FftUen  mit  dem  Apparat  erzielten  Resultate  sind  durchaus  be- 
friedigend: nfimlich  in  20  derselben  Heilung  ohne  Verkürzung,  bei  den  übrigen 
Fftllen  betrug  die  Verkürzung  nicht  über  1 — 2^2  Om.  4  Mal  soll  sogar  eine  nach- 
weisbare Veriängerung  der  Extremitftt  erzielt  worden  sein  von  2^5  Cm.,  und  zwar 
in  Fftllen,  wo  nach  bereits  voraufgegangenen  Fracturen  schon  Verkürzung  bestan- 
den hatte  (?}.  Am,  Hiller  (Berlin). 

Zielewioa.     Zur  Behandlung  cayemöser  Angiome  mit  Liquor  ferri. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  0.) 

Verf.  hat  durch  parenchymatöse  Injectionen  von  Liq.  ferri  ein  Cavemom  am 
Ohre  eines  Kindes  geheilt  und  empfiehlt  wfihrend  und  nach  der  Einspritzung  durch 
Compresnon  der  zum  und  vom  Tumor  gehenden  Gef&sse  die  Geschwulst  zeitweilig 
zu  isoliren,  femer  will  er  nur  immer  einen  Tropfen  injiciren.  Dass  die  Kur  lang- 
wierig sei,  gesteht  Verf.  zu.  v«  MosengeU  (Bonn.) 

Bolbeau.    De  la  r^duction  des  luxations  de  la  cuisse  par  la  flexion 
Gombin^e  k  la  rotatton  du  membre  (Methode  Despres). 

(Bulletin  g^6ral  de  th§rapeutique.  Vol.  58.  No.  5.) 

D.  weist  darauf  hin,  dass  Despres  diese  Methode  berttta  im  Jahre  1835  aus- 
gebildet und  eingeführt  hat.  Nach  AnfQhrung  einiger  Krankengeechiditen  hebt  er 
hervor,  dass  das  Despräs'sche  Verfahren  nicht  nur  für  Luxationen  nach  auswärts, 
wie  Einzelne  es  glauben,  sondern  für  alle  beliebige  Formen  der  Hüftgelenkaloxa^ 
tionen  anzuwenden  sei.  Oirard  (Strassburg  i/£.). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrüoke  wolle 
man  an  Dr,  H,  TiUmanm^  Leipzig,  Maiienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlung, 
BreUkopf  und  Höfid^  einsenden.  « 

%  Draek  aod  Yarlag  toe  Breiiltdpf  ufi  Bivisl  ia  Lsifslg. 


Centralblatt 


für 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

▼OB 

Dr.  l.  Leser,  Dr.E ScMe,  Dr.  i  TDlnaniui 

iB  Berlin.  in  Halle  e.  8.  in  Leipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  PrA- 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

Vt  22.  Sonnabend,  den  29.  MaL  1875. 


Inhalt:  Thierseh,  Klinische  Ergebnisse  der  Lister'scheii  Wundbehandlung  und  über 
den  Ersatz  der  Carbols&ure  durch  Salicylsiare.  (Schluss.)  —  SchOlir,  Jahresbericht.  ^ 
V.  Suttceit,  Dreissig  Jahre  Praxis.  —  TUngel,  Behandlung  caverDÖser  Angiome.  —  FOr- 
brlnger,  Butt,  Antipyretische  Wirkung  der  8alicylsäure.  —  v.  Qudden,  Schädelwachsthum. 
~  Sturm,  Adenom  der  Niere.  —  Ollivier,  Punction  eingeklemmter  Hernien.  —  Welcher; 
Anatomie  des  Hüft-  und  Schultergelenks. 

Fester,  Aensserliehe  Anwendung  der  Eisentlnctor  bei  Erysipel.  —  Fleiizel,  Chloroform- 
Tod.  — <  Wilhelm,  Electricität  bei  Drüsengeschwülsten.  —  Mslherbe,  Erythem  und  acuter 
Gelenkrheumatismus.  —  II lieg,  Schussverletzung  des  Kopfes.  —  MtCltree,  Hirnabscess. 
—  Welnlecbner,  Elfenbein-Osteome  der  Orbita.  ^-  Taube,  Fall  von  Oesophagus-Cardnom.  — 
Keppeler,  Rudimentäre  Schlüsselbeine.  —  Ralfe,  Leberabscesse.  —  Wertner,  Epileptiforme 
Anftlle  nach  Paraphimose.  —  Teevan,  Ory,  WelSS,  Blasensteine. 

C*  Thiersch.    Klinische  Ergebnisse  der  Lister'schen  Wundbe- 
handlung und  über  den  Ersatz  der  Carbolsäure  durch  Sali- 

cylsäure. 

(Sammlung  klinischer  Vortrage  No.  84  u.  85.) 
(Schluaa;  cf.  Centralblatt  No.  21,  p.  321.) 

Bezüglich  der  Anwendung  des  nassen  und  trockenen  Salicyl- 
▼erbandes  ist  hervorzuheben,  dass  Th.  zuerst  den  ersteren  versuchte, 
dann  aber  bei  Operationsfällen  immer  mehr  zum  trockenen  überging. 

Vor  weiterer  Schilderung  seiner  Versuche  und  Resultate  berichtet 
Th.  über  den  mikroskopischen  Befund  der  Wundflüssigkeiten  und 
ihre  chemische  Zersetzung  unter  dem  Salicylverband.  Mikroskopisch 
zeigen  sich  die  kleinen  Kömchen,  welche  vom  kleinsten,  eben  noch 
mit  stärkstem  Immersionssystem  nachweisbaren  Durchmesser  bis  zur 
Grösse  der  Kugelbacterie  vorkommen,  oft  mit  schwacher  Lichtbre- 
chung, oft  mit  starkem  Fettglanz.  In  grosser  Menge  treten  sie  in 
den  ersten  Tagen  auf  und  haben  starke  Molecularbewegung.  In  Es- 
sigsäure lässt  sich  ein  Theil  lösen,  vom  Reste  ein  Theil  in  Kalilauge 
und  Aether,  ein  andrer  Theil  widersteht.  Nach  mehreren  Tagen 
finden  sich  oscillirende  Stäbchen,  die  in  Essigsäure  und  KaHlauge 

22 


338  CabtnJblati  £llr  Cbiruigi«.    No.  12. 

verschwinden,  wohl  Fibrinfäden  und  Fettkrystalle.  Andre  starke, 
gelbgeförbte  Stäbchen  scheinen  aus  der  Einwirkung  von  Salioylsäure 
auf  rolfae  Blutkörperchen  hervorzugehen.  Eigentliche  Bacterien  hat 
Th.  weder  bei  nassem,  noch  bei  selbst  bis  zu  14  Tagen  liegendem 
trocknen  Verbände  gesehen. 

Hinsichtlich  der  chemischen  Veränderung  der  Wundflüssigkeiten 
unter  dem  Salicylverbande  ist  die  Fällung  der  Albuminate  bemer- 
kenswerth  und  der  nach  4 — 5tägigem  Liegen  des  trocknen  Verbandes 
auftretende  Käsegeruch.  Hierbei  verrathen  sich  organische  Ammo- 
niake  durch  Nebelbildung  bei  Annäherung  eines  mit  verdünnter  Salz- 
säure befeuchteten  Glasstabes.  Das  bleihaltige  Protectiv,  zwischen 
Wunde  und  Verband  eingeechaltet,  schwamsl  sich  oft,  welche  Schwe- 
felreaction  aber  nicht  immer  von  Schwefelwasserstoff  herzurühren 
braucht.  Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  die  Thatsache,  dass  die 
Salicylreaction  des  der  Wunde  nächst  gelegenen  Verbandstoffes  all- 
mälig  schwindet ;  entweder  nimmt  die  Säure  an  der  Zersetzung  TIkU 
oder  verbindet  sich  mit  den  freiwerdenden  Ammoniaken.  Th.  ver- 
muthet,  dass  diese  Umsetzung  der  Secrete  ohne  Zuthjum  atmosphäri- 
scher Fermente  dtiiDtih  Zutritt   des  Sauerstoffs  erfolgt. 

Die  Ausführung  der  Operationen  in  Leipzig,  während  welcher 
und  nach  denen  antiseptische,  d.  h.  Li  st  er 'sehe  Carbol-  oder 
Thier  seh 'sehe  Salicyl-Behandlung  angewandt  wurde,  geschah  über- 
all, wo  es  möglich  war,  unter  Anwendung  der  Esmarch'schen Blutleere. 
Auf  vollständige  BlutstiUung  wurde  hiearbei  der  Hiauptwerth  gelegt,  zur 
Unterbindung  carbolisirtes  Catgut  verwandt  und  bei  Amputationen,  aus- 
ser am  Oberarm,  wo  der  oweizeit^e  Cirkelschnitt  den  Vorzug  erhielt,  der 
Lappenschnitt  geübt,  bei  welchem  ein  grösserer  Lappen  sich  bei  Lage- 
rung des  Stumpfes  durch  seine  eigene  Schwere  auf  die  Wundfläche 
legt.  Für  diesen  Lappen  nimmt  Th.  von  unterliegender  Fascie  und 
Musculatur  eine  dünne  Schicht  behufs  besserer  Ernährung  mit.  Naht 
und  Drainage  fast  in  allen  Fällen.  —  Paradigmatisch  angeführt  folgen 
zwölf  ausführlicher  mitgetheihe  Fälle  von  Saücj^behandlung,  und  zwar 
solche,  in  denen  offene  Wundbehandlung  mit  Salicylwasser-Beriese- 
hmg  und  trockene  und  nasse  Salicyl-WatteverbSnde  angewandt  wur- 
den (s.  Original).  —  Nach  diesem  ersten  und  zweiten  Abschnitt 
folgt  in  einem  dritten  die  Statistik  der  in  der  Zeit  vom  1.  April 
1674  bis  31.  Jan.  1875  in  der  Leipziger  Klinik  antiseptisch  behan- 
delten FäUe,  im  Ganzen  160  an  der  Zahl.  —  In  dem  neuen  günstig 
angelegten  Krankenhans  kommt  eine  durchschnittliche  Zahl  von  240 
Patienten  auf  84^  Betten.  Baracken,  Ventilation,  Wasserleitung, 
Süvern'scheDesinfeotion  der  AbfallstofEe'etc.,  Alles  ist  nach  Wunsch, 
aber  trotzdem  ist  das  neue  Institjit  nicht  frei  von  aocidentellen 
Wundkrankhehen.  Hospitallbrand  trat  allerdings  nur  einmal  vorüber- 
gehend in  2  Baracken  auf,  unter  deren  freien  Unterbau  man  alte  La- 
zarethmöbel  ans  dem  früheren  Hospitale,  in  welchem  Nosocomial- 
gangraen  herrschte,  ohne  Wissen  der  Aerzte  gestellt  hatte.  Die 
Pyämie   wurde   mit  strengerer  Anwendung    der    antiseptischen   4)e- 


CeiitraU^latt  fdr  Chiznr^ie.     I^To.  22.  339 

bandlung  immer  seltener.  Im  Jahre  1873^  wo  schon  Lister'^pt^e 
Behandlung  eingeführt  war>  kamen  unter  |32  Todesfällen  XO  pyä* 
mische  yor^  1874  unter  106  nur  5  pyämische^  wovon  4  iv^  I^a];se 
entstanden,  in  den  10  Monaten,  lin  welchen  Salicylbehandlung  ange- 
femg^en  wurde  und  die  Carbolsäure  allmälig  verdrängte,  ififr  einer. 
—  Die  tabellarische  Uebersicht  umfasst  zwei  Zeiträume,  {n  den  * 
ersten  6  Monaten  kommt  unter  90  Fällen  die  gleiche  Anzahl  vop 
Carbol-  und  Salicylbehandlungen  vor,  in  den  letzten  4  Mpnatei^  sind 
unter  70  Fällen  66  Salicyl-  und  nip:  4  Carbolfälle,  ein  Bew^i§^  wie 
sehr  das  Vertrauen  zu  dem  Salicylyerband  allmälig  gewc^ch8^^  war. 
Das  Auswaschen  der  Wunden  mit  starken  Chlorzink-  und  Carbol- 
lösungen  wir4  immer  seltner.  —  Unter  der  Gesammtsumme  finden 
sich  51  grössere  Ampi^tationen,  Kesectipnen  und  complicirte  Fr^- 
turen ;  auf  sie  kommen  7  Todesfälle :  2  Mal  an  Erschöpfung,  1  Darm- 
blutungy  1  Urämie,  1  Hydrothora^,  1  Vereiterung  des  Schultergelenkes 
phne  pyämische  Veranlassung  und  1  Fall  yon  embolische^  Pyäfnie 
(Borsäure-Fall) .  Zu  erwähnen  ist,  d^s  sich  die  Catgut-Ligaturen  vor- 
züglich bewährten  und  keine  Auseiterupg  vorgekommen  ist.  I^ass 
gegenüber  dem  geringefi  Auflireten  yon  Pyämie  13  Erysipel^  vor- 
kommen (und  zwar  auf  51  ]liister'sche  Mullverbände  5,  auf  60 
nasse  Salicylverb.  5  und  auf  49  trockne  Salicylverb.  3  Fälle),  scheint 
anzudeuten,  4i&ss  das  Erysipel  nicht  difrch  Femfente  bedingt  sei  und 
die  dabei  gefimdenen  Bacterien  als  zufällige  Begleiter  auftreten.  — . 
Als  Gesammtresultat  muss  angeführt  werden,  dass  in  der  a^tisepti- 
sehen  ]y{ethode  ein  zipml^ch  sicherer  Schutz  gegen  Pyämie  gegej^en 
ist ;  frische  Wunden  heilen  dabei  meis|;  fieberlos,  prima  jiptentip  wird 
begüi^tigt,  N^ose  von  Knochen  und  Sägeflächen  ist  sßlfej^  }uxi 
ebenso  selt.e^  arte4elle  Naehblutu;Dg,  eben  ^fegef^  des  asppjtisc^en 
Verlaufe^,  ^a  es  wnrd|e  30gar  die  wichtige  Th^jtj^ache  ][)eQbachtet, 
dass  unter  dem  antjseptisc^en  Salicylverbande  pich  ^e  Knpphen- 
Sfigeflächen  durch  KAochenwucherungen  versc^ossep>  w^e  l^ei  sub- 
cutwen  Fracturen.  —  Die  Salicylsäure  zeichnet  sich  vor  de^  Carbol- 
säure d94urch  aus,  dass  sie  nicht  flüchtig  ist,  weniger  reizt,  und 
sich  gerudiloa  erweisjt. 

Aus  der  grosse^  Zahl  von  mitgetheilten  Fällen,  welche  «ntis^p- 
tisch  beiia;adejU;  wurden,  können  wir  hier  nur  einige  wegen  des  spßciellen 
Interesses,  das  sie  in  operativ-teclmische^  Hinsicht  gewähoreijL,  hervor- 
heben. Be^  ^ydrpcejen  wiirde  die  Tunica  vaginalis  4er  Länge  m^ch 
gespalten,  mit  Carbolspiritus  (1:2)  ausgepinselt,  durch  tiefli^ende 
oPerlnaht«  und  oberflächliche  Knopfha)it  vereinigt;  ein  Fall  lyurde 
ohne  Drainage,  ein  Fall  von  doppelter  Hydrocele  mit  Drainage  be- 
handelt, in  einem  fem^en  Falle  die  überschüssige,  stark  verdickte 
Scrotalhaut,  sowie  der  obsolete  Te^i^ti^el  exfstirpirt.  ^ehnlicjbt  ward 
bei  einem  Adenom  des  Hod,ens  verfahren,  sowie  bei  eineip  Hygroma 
patellae.  Diese  fünf  Fälle  heilten  ohne  Fieber  in  2 — 4  Wochen.  — 
Bei  einem  Carcinoma  penis  wurde  die  Ablatio  im  Niveau  der  Schfkm- 
beinfuge   gemuht,    das  Scrotum   in    der  Raphe  bis  zur  U^et^ra  ge- 

■  22* 


340  Centralblatt  Mr  Chimrgie.    No.  22. 

spalten^    diese   von    der  Schambeinfuge   abgelöst  und  von  innen  her 
durch  einen  Knopflochschnitt  im  Perineum  nach  aussen  geleitet  und 
hier  festgenäht ;  die  Scrotal-  und  Peniswunde  nach  Einlegen  eines  Drains 
genäht.    Unter  trocknem  Salicylverband  Heilung  in  25  Tagen.    Da  die 
Ausmündung   der  Harnröhre  in  solchen  Fällen  ohne  die  Thiersch' 
'  sehe  Verlagerung  viele  Unbequemlichkeiten  mit  sich  bringt ,  so  ist  auf 
diese  sehr  sinnreiche  Methode  besonders  auftnerksam  zu  machen.  —  Von 
denSalicylfällen  erwähnen  wir:  Amput.  cruris  utriusque  eines  I8jäh- 
rigen  Mannes  heilte  ohne  Fieber  unter  dem  zweiten  trocknen  Ver- 
band^ desgleichen  eine  Amputatio  femoris  bei  einem  13jährigen  Mädchen. 
Im  letzten  Abschnitte  der  Arbeit,  dem  IV.,   giebt  Th.  das  Ver- 
fahren an,  die  Salicylwatte  zu  fiibriciren,  sowie  die  volumetrische,  quan- 
titative Bestimmung  der  Salicylsäure  nach Kolbe  (s.  Original.).  —  Fer- 
ner wird  auf  die  Mängel  der  Watte  als  Verbandstoff  aufmerksam  ge- 
macht;   sie   filtrirt   den  Eiter,    indem    sie   die    serösen  Bestandtheile 
durchlässt  und  die  geformten  zurückhält,  die  sich  zwischen  Verband 
und  Wunde    anhäufen  und  zersetzen.     Versuche,    die    mit  dem  vom 
Referenten  wegen  seiner  elastischen  Fasern  vorgeschlagenen  Materiale, 
der  Jute,    vorgenommen  wurden,   fielen  zufriedenstellend  aus.     Da- 
mit angelegte  Verbände  imprägnirten  sich  gleichmässig  mit  Eiter 
und  wurde  es  daher  überflüssig,  die  Wunde  selbst  zunächst  stets  mit 
einer  Schicht  von    10^  Verbandsstoff  zu   bedecken;    es  wurde   da- 
her jetzt   überhaupt  nur  4procentige  Jute  angewandt.     Zur  Vermei- 
dung   der  Zerstäubung  wurde    ein  Zusatz  von  Glycerin    für   gut  be- 
funden,   und  so  ein  weicher,  geschmeidiger,    wenig  stäubender  Ver- 
bandstoff gewonnen.     Aus   erwähnten  Gründen,    welche  der  geringe 
Preis  der  Jute  noch  unterstützt,  dürfte  die  Watte  für  die  Mehrzahl  der 
Fälle  durch  dieselbe  verdrängt  werden.  —  Die  vergleichende  Kostenbe- 
rechnung für  die  verschiedenen  Verbandarten  ergiebt  bei  einem  Ampu- 
tationsverband  für  den  Oberschenkel:  nach  Lister  2,35  Mark,  trock- 
ner  Salicylwatteverband  1,52  M.  und  Salicyl- Jute- Verband  0,92  Mark. 
Dazu  kommt,  dass  der  Lister' sehe  Verband  am  häufigsten  gewech- 
selt werden  muss,  der  mit  Jute  am  längsten  liegen  bleiben  kann.  — 
Zum   Schlüsse    der   so    inhaltsreichen  Arbeit  lässt   Verf.    in   kurzer, 
prägnanter  Weise  Regeln  für  Vorbereitung  und  Ausführung  des  anti- 
septischen Verfahrens  bei  Operationen  folgen,  die  für  jeden  Operateur 
höchst  interessante  Details  liefern,   wegen    derer   wir   aber  auf  das 
Original  verweisen  müssen.  v.  Mosenyell  (Bonn). 

EL   Sohöler   (Berlin).     Jahresbericht  über  die  Wirksamkeit 
der  (früher  Ewens' sehen)  Augen-Klinik  im  Jahre  1874. 

Der  Bericht  giebt  zuerst  eine  statistische  Zusammenstellung  nach 
dem  Cohn' sehen  Schema.  /Es  folgt  die  speciellere  Statistik  der 
Staaroperationen  und  dann  Mittheilung  einiger  Fälle  von  Cataracta 
traumatica.  Im  ersten  Falle  wurde  ein  in  die  Linse  eingedrungenes 
Eisenstück  24  Stunden  nach  dem  Unfälle   durch   modificirte  Linear- 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  22.  341 

extmction  mit  der  Linse  entfernt  und  eine  leidliche  noch  durph  Iri- 
dectomie  aufzubessernde  Sehschärfe  erzielt.  —  Im  zweiten  Falle 
hatte  ein  Zündhütchenfragment  partielle  Iritis  und  partielle  Cataract 
veranlasst.  Die  Cataract  war  nach  zwei  Jahren  noch  in  derselben 
Weise  begrenzt,  als  es  gelang  den  Sitz  des  Fremdkörpers  in  der  ge- 
trübten Linsenpartie  zu  constatiren.  Auch  hier  wurde  die  Grae- 
f  ersehe  Linearextraction  ausgeführt  und  zwar  zuerst  der  Fremdkörper 
entfernt  und  dann  die  Linse  entbunden.  Nach  erwünschter  Heilung 
betrug  die  Sehschärfe  Y7. 

Ungewöhnlich  glücklich  verlief  folgender  Fall  eines  Fremdkör- 
pers im  Glaskörper.  Es  wurde  eine  geschrumpfte  Cataracta  deren 
traumatische  Entstehung  der  zwölfjährige  Patient  entschieden  ableug- 
nete, mit  der  Kapsel  entfernt.  Drei  Wochen  nach  erfolgter  Heilung 
gelang  es,  ein  Zündhutstückchen,  das  sich  dicht  unter  der  Scleral- 
narbe  zwischen  dieser  und  hinterer  Irisfläche  verfangen  hatte,  zu 
entdecken  und  von  der  wiedereröffneten  Scleralnarbe  aus  zu  extra- 
biren.     Darauf  erlangte  das  Auge  wieder  volle  Sehschärfe. 

In  drei  weiteren  Fällen  von  Fremdkörpern  im  Glaskörper,  in 
denen  noch  keine  Reizungszustände  vorlagen,  legte  Verf.  eine  breite 
Iridectomie  an,  entleerte  möglichst  viel  vom  Inhalte  der  eröffneten 
Linsenkapsel  und  wandte  dann  energische  Antiphlogose  an.  Er 
glaubt  auf  diese  Weise  günstigere  Bedingungen  für  die  Erträglich- 
keit des  inträoculären  Reizmomentes  geschaffen  zu  haben. 

Durch  Untersuchung  Staaroperirter  mit  voller  Schärfe  mit  beson- 
derer Rücksicht  auf  den  Spielraum  des  nicht  empfundenen  Wachs- 
thums  der  Undeutlichkeit  gewann  Verf.  die  Ueberzeugung ,  dass  im 
linsenlosen  Auge  keine  Accommodation  vorhanden  ist  und  bringt 
weiter  casuistische  Belege  für  die  Richtigkeit  der  Cramer-Helm- 
holtz^schen  Accommodationstheorie  durch  pathologische  Fälle  (plötz- 
licher Eintritt  von  Myopie  und  Accommodationsparese  durch  Ber- 
stung der  Zonula  und  Linsenluxation)  und  physiologische  Fälle  (?) 
(angeborene  Dislocation  der  Linse  mit  Accommodationslosigkeit  und 
myopischem  Verhalten  des  der  Linse  angehörigen  Bildes,  ferner  Be- 
wegungen einer  Membrana  pupillaris  perseverans  bei  Accommodation) . 

Schliesslich  beschreibt  Verfasser  einen  von  ibm  construirten  Ap- 
parat zur  Untersuchung  des  binocularen  Sehens  und  theilt  einen  Fall 
von  Vorlagerung  des  Rectus  inf.  nach  60jähriger  Parese  desselben 
mit,    durch    den    es  gelang,    die  vom  oberen  Lide  verdeckte  Pupille 

dem  Einfalle  des  Lichtes  wieder  zugänglich  zu  machen. 

Fränkel  (Chemnits). 

L.  H.  von  Guttceit:    Dreissig  Jahre  Praxis.     Erfahrungen 
am  Krankenbett  und  im  ärztlichen  Kabinet. 

(2  B&nde.    "Wien.  W.  Braumüller.  1873.) 

Der  Verfasser  war  Arzt  im  Gouvernement  Orel  (Russland) ;  der 
erste  Band  des  Werkes  ist  vollständig  von  seiner  Hand  ausgearbeitet. 


342  CeütralWatt  ftlr  fcJhirurgie.    No.  22. 

der   zweite   enthält  Ifragmente^    die   zum  theil   von  dem  Soline  deö 
Verf.  ergänzt  und  zusamlnengfestellt  sind. 

Zu  Beginn  seiner  Mittheilungen  entwirft  G.  gleichsam  sein  ärzt- 
liches Glaubensbekenntnisse  dem  zu  Folge  er  als  höchstes  Princip 
das  Heilen  der  Krankheit  im  Gegensatze  zu  der  Behandlung  der- 
selben  aufstellt.  Er  hebt  mit  Vorliebe  hervor^  dass  er  durchaus  kei- 
nen Anspruch  auf  Wissenschaftlichkeit  mache  ^  »wie  dies  Wort  jetzt 
von  der  exact-physiologischen  Schule  begriffen  wird.«  Diesem  Gnmd- 
satz  zu  Folge  wendet  er  Volksmedicin  und  sympathische  Curen, 
Baunscheidtismus 9  Magnetismus ^  Homöopathie,  besonders  aber  Ra- 
demacher's  »Blut  und  Organheilmittek  an  und  erzielt  di^  schön- 
sten Resultate.  Auf  die  neuere  Medicin,  namentlich  auf  die  »Wie- 
ner ünthätigkeitsschule« ,  und  auf  die  Chirurgie  ist  G.  sehr  schlecht 
zu  sprechen.  Das  Buch  behandelt  in  getrennten  Abschnitten  die 
einzelnen  Lebensperioden ;  fast  die  Hälfte  des  I.  Bandet  ist  dem  Ca- 
pitel  »Weib«  gewidmet. 

Etwas  Näheres  aus  dem  Inhalt  des  Werkes  zu  referiren  ist  un- 
möglich: überall  findet  sich  ein  seltsames  Gemisch  von  exacter 
Beobachtung  und  vager  Speculation,  von  ratioileller  Therapie  und 
absurder  Quacksalberei,  von  scharfer  Kritik  und  der  allergröbsten 
Selbsttäuschung,  von  Humanität  und  Cymsmus. 

Was  der  Verf.  in  seinen  zahlreichen  Krankengeschichten  über 
die  socialen  Zustände  seines  Reobachtungskreises  mittheilt,  hat  Ent- 
schieden Werth  als  Beitrag  zu  dem  pathologischen  Theil  der  mensch- 
lichen Sittengeschichte.  Einzelne  Capitel  des  Buches,  wenn  auch 
nicht  geläugnet  werden  soll,  dass  sie  nur  auf  Thatsachen  basirt  sind, 
gehen  bis  hart  an  die  Grrenze  der  selbst  in  einem  wissenschaftlichen 
Werke  erlaubten  Ungeschminktheit. 

Trotz  alledem  sind  eine  Menge  feiner  Beobachtungen  und  Winke 
in  dem  Buch  enthalten;  es  ist  überdies  gut  geschrieben,  so  dass  iJei 
Leser  es  immerhin  mit  einem  gewissen  Interesse  durchblättern  und 
nicht  ganz  ohne  Nutzen  aus  der  Hand  legen  wird. 

Die  Ausstattung  des  Werkes  ist  gut.  Wiiilw«rler  (Wien.) 


E.    Tftngel.      lieber    die   Behandlung    cavemöser   Angiome 
durch  galvanocaustische  punctformige  Ustion. 

(Arcli.  d.  Heilkunde  1875.    16.  Jahrg.  Hfl.  3.) 

Verf.  besciireibt  ein  Verfahren,  dessen  sich  Thiersch  zur  Be- 
handlung ausgedehnter  cavernöser  Angiome  bedient.  Es  wird  dazu 
eine  Metallklammer  benutzt,  und  zwar  im  Wesentlichen  in  der 
Weise,  dass  eine  etwa  12  DCm.  grosse,  dturchlöcherte  Metallplatte 
auf  die  Geschwulst  gedrückt  wird,  worauf  dann  mit  einem  geraden 
Fistelbrenner  nach  Middeldorpf  tiocher  eingebrannt  werden. 

Das  Verfahren  hat  den  Vortheil,  dass,  wenn  man  die  Klammer 
noch  Y2  Stunde  nach  der  Operation  liegen  lässt^  nicht  die  geringste 


Oe&tralblatt  für  C2hiratgie.    No.  22.  843 

Blatuni^  entsteht.      Die  Reaction  ist  unbedeutmd^   die  Entstelluni^ 
geringe  die  HeilungMiauer  eine  kurze. 

Zwei  in    dieser   Weise  mit  ausgezeiclinetem  Erfolge  behandelte 
Fälle  werden  genau  mitgetheilt.  A*  Bidder  (Mainih«im) . 


P.  Forbringer.     UntersuchuDgen  über  die  antifebrile  Wir- 
kung der  SalicylsSure ,    insonderheit  fiber    ihre  temperatnr- 
herabsetzende  Kraft  bei  septischem  Fieber.     (Vorläufige 

Mittheilung.) 

(Centralblatt  f.  d.  med.  WiMenschaften  1875.    No.  18.) 

Experimente  asi  Kaninchen^  denen  die  Salicylsäure  in  Eiuael- 
dosen  tob  0,05—0,20  per  os  oder  per  anum  applicirt  wurde,  haben 
den  Verf.  darüber  belehrt,  dass  dieses  Medicament  bei  septischem 
Fieber  einen  ganz  «itsehieden  temperaturherabsetzenden  Einfluss 
hat.  Ebmiso  eigidien  2  Versuche  in  Bezug  auf  Eiterfieber  ein 
positives  Resultat.  Bei  Entzündungsfieber  liess  sich  in  8  Ver- 
suchen ein  Einfluss  nicht  nachweisen. 

« 

Die  Experimente  werden  fortgesetzt.         A;  Bidier  (Mannheim). 


B.  Butt«     Die  antipyretische  Wirkung  der  Salicylsäure. 

(Centralblatt  f.  d.  med.  Wissenschaften  1875.  No.  18.) 

In  verschiedenen  Krankheitsfällen,  Abdominallyphus,  Erysipelas, 
Bheum.  artic.  acutus  etc.  hat  Verf.  die  Salicylsäure  in  Einzelgaben 
von  4,0—8,0  (!)  angewandt  und  gefimden,  dass  das  Mittel  »ein  ausge- 
zeichnetes Antipyreticum  ist,  welches  sowohl  in  Betreff  seiner  Wir- 
kung, als  auch  in  Betreff  seiner  Verwendbarkeit  mit  dem  Chinin 
wetteifert.«  CoUaps,  Intoxicationserscheinungen  braucht  man  nicht 
zu  fürchten.  A«  Bidder  (Mannheim). 

B,  ▼•  Gudden  (Mfinchen).      Experimental- Untersuchungen 

Aber  das  Schädel wachsthum. 

(Gratulationsschrift,  mit  elf  Tafeln  in  Lichtdruck.    München.    1874.) 

Die  vorli^ende,  micfat  vollständig  abgeschlossene  Arbeit  steht  in 
Verbindung  mit  des  Verf/s  Untersuchungen  über  das  peripherische 
und  ««itrale  Nervensystem  (Arch.  f.  Psychiatrie  Bd.  II,  Hft.  3.)  und 
bezieht  sich  fast  ausschUesslich  auf  den  Kaninchenschädel.  Auf  die 
«ehr  scbön  ausgeführten,  aüt  Loupeaveigrössening  zu  besichtigenden 
Tafeiü  legt  6.  ein  besondteres  Gewicht. 

Verf.  behandelt  in  zwei,  nicht  überall  scharf  getrennten  Ab- 
sehnitten  zuerst  (12  Capitel)  Waohsthumsvorgänge,  wie  sie  im  Kno- 
chen an  und  für  sich  auftreten,  sodann  (6  Capitel)  Voijgäage, 
wie  sie  durch  Einwirkungen  von  Aussen  h^  bestimmt  werden.  *- 


344  Centralblatt  fftr  Chirurgie.    No«  22. 

Die  Tauglichkeit  des  Schädels  für  Untersuchungen  des  Knochen* 
wacbsthums  sieht  G.  [in  der  leichten  Zugängigkeit  des  Schädelge- 
wolbes.  —  G.  weist  zuerst  (Cap.  I)  nach^  dass  die  Verknöcherung 
der  Schädeldecke  von  den  Tubera  frontalia  und  parietalia  unter  rei- 
cher Gefassentwickelung  beginnt^  und  mit  den  Knochenbälkchen 
radienformig  die  Gefässe  verlaufen.  Bei  der  Geburt  ist  nur  die 
Stimfontanelle  offen ,  die  anderen  Wachsthumsbezirke  berühren  sich 
nahezu;  diese  Berührungslinien  sind  die  Nähte.  Ueberall  nun, 
wo  die  Knochenbälkchen  oder  vielmehr  die  Gefässe  (Ha- 
versischen  Canäle)  senkrecht  auf  die  Naht  gerichtet  sind^ 
wird  diese  zackig  (Sutura  dentata),  wo  sie  parallel  ver- 
laufen^ glatt  (Sutura  simplex).  Scheinbare  Ausnahmen  (Cap.  2) 
kommen  durch  wagerechtes  Uebereinanderschieben  der  Zacken  zu 
Stande.  Durch  frühzeitige  Unterbindung  der  Garotiden  kommen  zu- 
weilen Aenderungen  im  Verlaufe  der  Gefässe  und  hierdurch  Um- 
wandlung einer  Sutura  dentata  in  eine  Serrata  vor.  —  In  den  fol- 
genden Capiteln  (3,  4  und  5)  sucht  G.  sodann  nachzuweisen,  dass 
die  Nähte  für  das  Wachsthum  des  Schädels  und  seine 
Configuration  ohne  Bedeutung  sind.  Denn  es  bildet  sich 
nach  Herausschneiden  einer  Naht  ohne  wesentliche  Wachsthumsbe- 
einträchtigung  eine  neue  Naht,  ebenso  bilden  sich  Nähte  nach  Her- 
ausschneiden von  Stücken  aus  der  Continuität  der  Knochen,  femer 
ist  die  Verdoppelung  einer  Naht  durch  Schaltknochen  ohne  Einfluss. 
Bei  Unterbindung  beider  Carotiden  entstehen  in  Y3  der  Fälle 
Necrobiosen,  und  kommen  so  partielle  Schädelatrophieen  zu  Stande 
und  zwar  Verkürzungen  sowohl  mit,  als  auch  ohne  gleich- 
zeitige Synostosen.  Hierbei  behalten  die  in  der  Verkürzung 
liegenden  Nähte  ihre  fötale  Form,  während  an  den  Knochenrändern 
angrenzender  Nähte  vermehrtes  Wachsthum  stattfindet.  —  Syno- 
stosen ohne  Verkürzung  kann  man  femer  experimentell  durch 
Unterbindung  der  Jugularvenen  hervorrufen.  —  An  den  Nähten 
findet  aber  eine  Hemmung  und  Stauung  des  Wachs- 
thums  statt.  Man  kann  einen  Wachsthumsbezirk  durch  Weg- 
nahme seines  Grenznachbars  wuchern  lassen.  Das  beweisendste  Ex- 
periment für  diesen  Vorgang  ist  die  W^nahme  des  Os  interparie- 
tale: die  dadurch  entstandene  Lücke  wird  durch  vermehrtes  Wachs- 
thum der  Ossa  parietalia  und  des  Os  occipitis  geschlossen.  —  Das 
Wachsthum  der  Schädelknochen  findet  nach  G.  in  vierfacher  Weise 
statt:  1)  von  den  Ossificationspuncten,  2)  von  den  Rän- 
dern durch  Proliferation  ihrer  Elemente  3)  vom  äusse- 
ren und  inneren  Periost,  4)  interstitiell.  —  Als  Beweis  des 
interstitiellen  Wachsthums  wird  hauptsächlich  angeführt,  dass  die 
Entfernung  von  Bohrmarken  in  den  Schädelknochen  zunimmt  und 
zwar  desto  mehr,  je  näher  am  Rande  sie  gemacht  werden.  (Es  ist 
zu  diesen  Experimenten  zu  bemerken,  dass  G.  bei  Anlegung  der 
Bohrlöcher  die  äusseren,  von  Kölliker  bestimmten  Resorptions- 
flächen  nicht  berücksichtigen  konnte.     Ref.) 


Centralbktt  fOr  Chirurgie.    No.  22.  345 

In  dem  zweiten  Abschnitte  werden  die  Wachfithumsvor- 
gsnge  besprochen,  welche  durch  Einwirkung  des  Gehirns, 
der  Sinnesorgane,  der  Muskeln  und  der  Zähne  bestimmt 
werden.  Für  die  Wirkung  eines  einseitigen  Druckes  des  Gehirns 
führt  G.  einen  Schädel,  im  Besitze  von  Eberth  in  Zürich  an: 
ein  hydrocephalisches  Kind  war  durch  ein  Geschwür  der  linken 
Kopfseite  gezwungen,  dauernd  auf  der  rechten  Seite  zu  liegen.  Es 
war  eine  Asymmetrie  mit  vollständiger  Erhaltung  der 
Suturen  entstanden,  die  rechte  Seite  ist  im  Querdurchmesser  ver- 
kürzt. —  G.  weist  dann  nach,  dass  eine  gegenseitige  Abhän- 
gigkeit des  Hirn-  und  Schädelwachsthums  (Virchow, 
Welcher)  stattfindet:  der  Schädel  wird  durch  Druck  des  Gehirns 
ausgedehnt  und  bleibt  bei  vermindertem  Drucke  imter  der  Norm  zu^ 
rück.  —  Zur  Beweisführung  bedient  sich  G.  u.  A.  der  schon  früher 
von  ihm  festgestellten  Thatsache,  dass  sich  bei  Steigerung  oder  Her- 
absetzung der  peripheren  Nerventhätigkeit  die  Himcentren  ändern. 
—  Er  fand  nun  bei  Verschluss  eines  Nasenjoches  über  dem  atro- 
phirten  Bulbus  olfactorius  eine  Verdickung,  über  dem  hypertrophir- 
ten  eine  Verdünnung  der  Schädelwandung.  —  Ebenso  verhielt  sich  bei 
Wegnahme  einer  Retina  bei  Tauben  der  Lohns  opticus  und  die  Schä- 
delwand. Beraubt  man  ferner  ein  Kaninchen  der  Ohren  und  der  Au- 
gen, so  wird  über  den  sehr  stark  entwickelten  Bulbi  olfactorü  das 
Schädelgewölbe  dünn,  dagegen  ist  der  übrige  Schädel  weniger  ge- 
wölbt und  verdickt.  Es  ist  also  hiemach  der  gegenseitige  Einfluss 
unbestreitbar.  Das  beweisendste  Experiment  ist  die  Wegnahme  eines 
oberen  Hemisphären-Lappens  und  zwar  die  Veränderung  an  der  Ba- 
sis: die  unteren  Theile  schieben  die  Wände  der  Schädel- 
gruben vor  sich  her,  so  dass  die  Basis  scoliotisch  wird; 
das  Gewölbe  dagegen  ist  wohl  etwas  flacher,  jedoch  nicht  auffallend ; 
das  Gehirn  hat  sich  an  ihm  hingeschoben,  ohne  die  Knochenform  zu 
alteriren.  —  Bei  Abtragung  einer  ganzen  Hemisphäre  sammelt  sich 
an  den  freien  Stellen  Serum  an:  es  ist  also  hierdurch  die  relative 
Selbstständigkeit  des  Gehirn-  und  Schädelwachsthums  sehr  gut  argu- 
mentirt.  Bei  Angriffen  auf  den  Schädel  selbst  (Cap.  2)  zeigt 
es  sich,  dass  das  Gehirn  sich  beim  Zurückbleiben  der  Nähte  im 
Waohsthum  nach  der  gesunden  Seite  verschiebt  und  dass  es  sich 
beim  Anlegen  künstlicher  Schädelspalten  nach  dieser  Seite  stärker 
hervorwölbt.  —  Die  relative  Selbstständigkeit  des  Wachs- 
thums  (Cap.  3),  wie  sie  schon  oben  durch  die  Serumansammlung, 
femer  auch  durch  die  Idiotenschädel  documentirt  wird ,  sucht  G. 
noch  durch  das  Verhalten  der  Scapula  nachzuweisen,  welche  nach 
Exarticulatio  humeri,  Durchschneiden  aller  Nerven,  Abpräpariren  der 
Weichtheile  stets  ihre  Form  behält.  —  Der  Einfluss  der  Sinnes- 
organe (Cap.  4)  wird  durch  Entfernung  des  Bulbus  gezeigt:  die 
Orbita  wird  verkleinert  und  zusammengedrückt  mit  sehr  gut  nach- 
weisbarem Einflüsse  auf  den  ganzen  Schädel.  —  Die  Einwirkung 
der  Musculatur  (Cap.  5)  ist  ebenfalls  eine  sehr  bedeutende.     Ex- 


346  CentelblaH  fftr  Ohinirgie«   No.  22. 

trahiit  man  den  N.  faciaKs,  so  entsteht  eine  Scolioee  des  Geeichts- 
schädek  mit  der  Concavität  nach  der  kranken  Seite;  Aehnlichei  er- 
reicht man  durch  Durchschneidung  der  Infra-orbital-  uzkI  Maxillar- 
Nerven.  Die  Entfemxing  des  einen  Masseter  macht  ein  stäriteres 
Hervordrängen  dieser  Seite  durch  verminderten  Gegendruck.  Die 
Exarticulation  eines  Armes  i]}it  der  Scapnla  macht  Sooliose  der  Wir- 
belsäule mit  der  Concavität  nach  der  kranken  Seite;  gleichzeitig  be- 
wirkt aber  auch  der  Cucullaris  eine  Verschiebung  der  Hinterhaupts- 
schuppe nach  der  gesunden  Seite.  —  Bei  Entfernung  der  Zähne 
(Cap.  6)^  die  schwierig  und  nicht  immer  gelungen  ist,  entwickeki 
sich  Scoliosen  des  Gesichtsschädels  mit  der  Concavität  nach  der 
kranken  Seite.  Maas  (Breslau). 

P.  Sturm,  lieber  das  Adenom  der  Niere  und  über  die 
Beziehungen  desselben  zu  einigen  anderen  Neubildungen  der 

Niere. 

(Arch.  der  Hsilkunde  1875.  16.  Jakrg.  Hft.  3.  1  Tafel.) 
Verf.  hat  eine  Ileihe  von  Nieren  untersucht  ^  welche  kleinere 
und  grössere  gelbe  knötchenförmige  Geschwülste  und  zum  Thnl 
kleine  Cysten  enthielten.  Mehrere  der  Nieren  waren  ausgezeichnete 
sog.  Schrumpfeiieren«  Die  Knötchen  erwiesen  sich  theils  als  reine 
Adenome,  theils  als  exquisite  Epithelialcarcinome,  mit 
mannigfaltigen  Uebergängen  und  regressiven  Metamor- 
phosen. 

Hieran  wird  die  Bespred&uag  mehrerer  in  den  Nieren  von  Kin- 
dern befindlicher  Tumoren  geknüpft,  von  denen  2  als  reine  Sarcome 
erkannt  wurden,  2  andere  vom  Verf.  als  Adenosarcome  bezeichnet 
werden.  Auf  die  Details  kann  hier  leider  nicht  näher  eingegangen 
werden,  wir  verweisen  auf  das  Original.  A«  Bidder  (Mannheim). 


Olliviar*     De  la  ponctioci  dans  les  hemies  ^txanglöes. 

(S^ance  de  la  Soe.  de  Cfair.  1874.  9.  Deobr.) 
Ein  64jähr.  Mann  litt  seit  24  Stunden  acn  einer  Incarceratiou 
seiner  Inguinalhemie.  Taxis  unter  Chloroform  erfolglos.  48  Stunden 
nach  Beginn  der  Incarcerationserecheinungen  wvrde  die  Function  der 
-Geschwulst  gemacht,  wobei  sich  etwas  bräunliches  Serum  entleerte. 
Bruöbsohnitt :  der  enzündete  und  mit  Pseudomembranen,  bedeckte 
Darm  ward  reponirt.     S  Stunden  darnach  «xit.  1^»]». 

Der  Referent  (Labli)  bemerkt,  die  Punotion  raäese  kurze  Zeit 
nach  dem  Bciginn  der  Einklemmung  geosaeht  werden,  wenn  die  noch 
elastische  Darmschlinge  sich  noch  auf  sich  selbst  zurückBidien  und 
die  Tx^karstichöffiiungen  verschlieesen  könne. 

In  einem  anderen  Falle  war  bei  einem  65jähr.  Weibe  eine  volu- 
minöse Nabelhernie  seit  einigen  Standen  iüearcenrt.  Kein  -Chkro- 
ferm  wegen  HetzMiler.     Die  <Seschwulst  war  theibmise  duwciiBchei- 


Centralblatt  Mr  Chimigie.   Mo.  22.  947 

nead.    t'iiiieiion  init  deta  Trokar.    Entleerung  von  1  Weing^las  toll 

Senmi.    Reposition  durch  die  Taxis.    Heilühg. 

Fr*  0M]i«r  (Wien). 

H,  Wecker.    Ueber  das  Hüftgelenk,   nebst  einigen  Bemer- 
kungen fiber  G:elenke  überhaupt,  insbesondere  über  das  Schul- 

tei^elenk. 

(Arch.  für  Anatomie.  No.  1.  p.  41.) 

Üie  Arbeit  Ws  bezieht  sich  auf  die  Kapsel  des  Hüftgelenks^  die 
sie  Te^rstärkenden  F&serzüge^  auf  Wesen  und  Bedeutung  des  lig. 
teres;  sie  ist  zum  Theil  eine  Sichtung  der  vielfach  widersprechenden 
Angaben  gestützt  auf  wiederholte  anatomische  Untersuchung  —  zum 
andern  Theil  geht  sie  auf  Grund  der  Befunde  zur  Aufstellung  neuer 
Gesichtspuncte  vor. 

1)  Längsfaserzüge  der  Hüflgelenkkapsel. 

W.  unterscheidet  4  longitudinale  Veistärkungs-  oder  HemmuDgs- 
Bänder. 

a]  Lig.  ileo-femorale  superius.  Von  aus-  und  rückwärts  unterhalb 
der  spin.  ant.  inf.  oss.  il.  entspringend,  zum  obem  Ende  der  lin.  in- 
tertroch.  ant.  gehend;  dickstes  und  kürzestes  Band,  der  obem  äus- 
sern Partie  des  Web  er*  sehen  Kg.  super,  entsprechend.  Hemmt 
Streckung,  Auswärtsrollung  und  Adduction. 

b]  Lig.  ileo-femorale  antetius  (medial.  Theil  des  Weber' sehen  lig. 
sup.,  lig.  sup.  Henke)  entspringt  unterhalb  der  spin.  ant.  inf., 
inserirt  sich  an  der  lin.  intertrochant.  ant.  ca.  l''  vor  dem  trochant. 
min.  Hemmt  die  Streckung.  O^en  Henke,  Luschka,  Quain- 
HoffmanH  wird  das  lig.  sup.  als  weitaus  stärker  als  b]  angegeben, 
welches  ntir  fut  das  Auge  sich  mehr  abhebt. 

c]  Lig.  pubo-femorale,  vom  pecten  oss.  ptibis  nach  abwärts,  aussen, 
rückwärts,   inserirt  1''  über  dem  troch.  min.     Hemmt  die  Abduction. 

d]  Lig.  ischio-femdrale,  zwischen  Pfannenrand  und  Basis  des  abstei- 
genden Sitzbeinastes  entspringend,  nach  aussen,  oben  und  vom 
gehend,  im  obem  Theile  der  Rollhügelgrube  inserirend.  Hemmungs- 
band für  Rotation  des  Sche)ikels  nach  innen.  Insertion  am  Schenkel 
hat  W.  constant  vorgefunden  und  verwirft  daher  die  Bezeichnung 
ischio  —  capsulare  in  der  Auffassung  Weber*s,  Barkow's  (von  dem 
die  Bezeichnung  stammt),  Henle's,  Quain-Hoffmann's.  Diese  4 
Blinder  werden  schlaff,  fast  parallel  bei*  massig  ilectirtem  und  abdu- 
cirtem  Femtrr;  mit  der  Streckung  des  Beines  winden  sich  die  Bän- 
der spiralig  um  den  Schenkelhals. 

2)  Zona  orbicularis. 

Für  diese  nicht  sehr  manifeste  Bildung  tritt  Henle  ein; 
er  siekt  in  der  Zona  einen  in  sick  ^eeciiloBsenen ,  duroli  seine 
eigenen  Fasern  nirgends  mit  dem  Knochen  in  YeAindung  stehenden 
Fbserring.  Sie  erhält  am  obem  und  untern  Rande  von  jedem  Längs- 
%an4^  VeMCikkiHngsfasem    und  hat  ihre  Bedeutung  in  dem  ZuBan^* 


348  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  22. 

men£EiBBen  der  Längsfasem  der  Kapsel;  sie  muss  bei  jeder  Luxation 
zerreissen,  und  zwar  gewöhnlich  da^  wo  sie  durch  weiten  Auseinan- 
dertritt ihrer  Fasern  am  dünnsten  ist^  unten  und  hinten. 

3.  Ligamentum  teres  acetabuli. 

Das  lig.  ter.  ist  nach  W.  ein  von  dem  fibrösen  Theile  der  Kap- 
sel und  dem  Pfannenrande  ins  Linere  der  Gelenkhöhle  tretendes^ 
bindegewebiges  Band^  welches  von  der  Licisura  acetabuli  aus  einen 
synovialen  Ueberzug  erhält.  Es  entspringt  mit  einer  langen  Wurzel 
von  der  Kapselaussenfläche,  zwischen  lig.  pubo-femorale  und  ischio- 
femorale^  mit  einer  kurzen  vom  Knochen ,  zwischen  incisura  acetabuli 
und  Vorderende  der  Facies  lunata.  Bei  den  Femurbewegungen  kommt 
es  niemals  zu  einer  eigentlichen  Spannung  des  Bandes.  Speciell  gegen 
Meyer  wird  noch  die  Function  desselben  als  Hemmungsbandes  zu- 
rückgewiesen. Wenn  auch  W.  in  ^s  ^^^  untersuchten  Falle  feine 
Gefösscanäle  von  dem  Ansatzpuncte  des  lig.  in  den  Femurkopf  drin- 
gen sah^  ist  doch  an  eine  Function  desselben  als  gubemaculum  vaso- 
rum  nicht  zu  denken.  Die  Function  des  Bandes  ist  vielmehr  nach 
W.  in  einer  Umtreibung  der  Synovia  zu  suchen. 

Das  Band  fehlt  nach  Untersuchungen  an  Präparaten  der  Halle'- 
schen  Sammlung  auffallenderweise  beim  Orang,  während  Chimpanse, 
Gorilla,  Hylobates  es  besitzen  —  hiemach  sind  die  widersprechenden 
Angaben  der  Autoren  zu  berichtigen. 

4)    Schultergelenk. 

Zur  Eiklärung  der  Genese  des  lig.  ter.  geht  W.  zum  Schulter- 
gelenk über.  Das  lig.  coracobrachiale ,  mit  2  Wurzeln  (eine  vom 
proc.  coracoid. ,  eine  von  der  Spitze  des  Gelenkpfannenrandes)  ent- 
springend, heftet  sich  an  beiden  Tuberkeln  des  Oberarms  an.  Die 
vordere  Bandcolumne  desselben  nimmt  Fasern  von  beiden  Wurzeln 
her  auf,  und  rückt  mit  ihrer  Insertion  zuweilen  tief  in  das  Gelenk 
hinein.  Dieses  ist  das  Analogen  des  lig.  teres,  und  glaubt  W.,  dass 
letzteres  die  Synovialis  zuerst  nach  Art  eines  Mesenterium  nach- 
schleppe. Beim  12wöchentiichen  Fötus  fand  er  es  frei,  beim  10- 
wöchentlichen  schien  es  ihm  wandständig  zu  sein.  Demnach  darf 
W.  es  als  eine  sehr  wahrscheinliche  Annahme  aussprechen:  »das 
lig.  ter.  des  Hüftgelenkes  ist  eine  Weiterentwickelung  der  columna 
anterior  des  lig.  coracobrachiale  der  Schulterkapsel«. 

Die  Beweisführung  im  Einzelnen,  die  Präparations-  und  De- 
monstrations-Methoden, die  Kritiken  der  entgegenstehenden  Ansich- 
ten, vor  allem  die  Abbildungen  der  Präparate  W*s  müssen  im  Origi- 
nal nachgesehen  werden.  Ranke  (Halle). 

Kleinere  Mitiheilungen. 

C.  Fester.    On  the  extemal  use  of  the  tincture  of  iron  in  erysipelas. 

(Med.  tim.  and  gai.  1875.  April  3.  p.  362.) 

F.  empfiehlt  aufs  W&rmste  die  ftusserliche  Anwendung  der  tincture  of  iron  bei 
einfachen  und  bei  leichteren  phlegmonösen  Erysipelen,  in  Form  einer  Bepinselung 


Centralblatt  fflr  Chirurgie.    No.  22.  349 

—  die  auch  bei  puerperalen  Mastitiden,   bei  Bubonen  etc.  Yon  der  yonflg^ichsten 
Wirkung  sei.  Bänke  (Halle). 

Tieiioal.     Mort  apparente  d'un  enfant  causte  par  le  chloroforme.  — 

Rappel  ä  la  vie.  —  B^flexions. 

(Frogris  m6dical  1875.  No.  5.) 

Iridectomie  an  einem  6j&hr.  Kinde  in  der  Chloroformnarkoae.  Nach  beende* 
ter  Operation  und  nachdem  seit  l&nger  als  3  Minuten  kein  Chloroform  mehr  ver- 
abreicht worden  war,  zeigte  das  Kind  Leichenblftsse  im  Gesicht,  Henbewegung 
und  Respiration  hatten  aufgehört.  Die  Zunge  war  nicht  surückgefallen.  Das  Kind 
wurde  auf  den  Kopf  gestellt,  und  die  künstliche  Respiration  eingeleitet.  Nach 
Vs  Minute  und  ungefähr  10  starken  Pressionen  auf  den  Brustkorb  fing  das  Gesicht 
des  Kindes  an  wieder  Farbe  zu  bekommen,  und  nach  einer  aufstossenden  Bewegung 
trat  etwas  Schleim  aus  dem  Mund.  Die  kfinstliche  Respiration  wurde  noch  1  Min. 
fortgesetzt,  dann  das  Kind  flach  mit  tiefer  liegendem  Kopfe  hingelegt,  die  Fenster 
weit  geöffnet,  Gesicht  und  Brust  mit  der  Hand  und  einem  nassen  Tuch  geklatscht. 
Herzbewegung  und  Respiration  kehrten  allm&lig  wieder.  Somnolenz  und  Unbe- 
ainnlichkeit  dauerten  bei  normaler  Respiration  und  Circulation  noch  einige  Stimden 
an.  —  Das  Chloroform  soll  gut  gewesen  sein.  (Das  Kind  scheint  auf  einem 
Stuhl  [Fauteuil]  operirt  worden  zu  sein.)  —  Ueber  Verf.'s  areflexions«  können  wir 
schweigen.  Petenen  (Kiel). 

Wilhelm.     Zertheilung  der  Drüsengeschwülste  durch  Electricität. 

(Pester  med.  chir.  Presse  1874.  No.  49.) 

An  der  Hand  einiger  Krankengeschichten  sucht  Verf.  zu  beweisen,  dass  man 
Lymphdrüsenpaquete  durch  einen  starken  constanten  Strom  zum  Rückgängigwerden 
resp.  Verschwinden  bringen  könne.  Auf  Cpmpression  der  Geschwülste  durch  die 
Electroden  wird  Nachdruck  gelegt.  (Vergl!  auch  Berl.  klin.  Wochenschrift  1874, 
No.  10:  M.  Meyer,  neues  Verfahren  behufs  Verkleinerung  Ton  Drüsengeschwül- 
sten durch  den  electrischen  Strom.    Ref.)  Bnpprecht  (Halle). 

Malherbe.     L'^rythäme  et  le  rhumatisme. 

(ProgT^s  m^dical  1875.  No.  5.) 

Einem  acuten  Gelenkrheumatismus  ging  ein  polymorphes  (marginirtes  und  pa- 
polöses)  Erythem  ungefthr  8  Tage  vorauf.  Dasselbe  nahm  den  unteren  Theil  des 
Stammes,  (Ue  eine  Hinterbacke  und  den  oberen  Theil  des  Oberschenkels  derselben 
Seite  ein,  verschwand  ungeffUir  Vs  Tag  nach  dem  Auftreten  der  Gelenkschmerzen, 
um  sp&ter  im  Verlauf  der  Krankheit  theil  weise  wieder  zu  erscheinen  (auf  wie  lange?). 

Petersen  (Kiel). 

niing.     Schuss  durch  den  Kopf,   Tod  am  9.  Tage  nach  der  Ver- 
letzung. 
(Allg.  Wien.  med.  Zeitung  1875.  No.  7.) 

Ein  auf  Wache  befindlicher  Soldat  brachte  sich  in  selbstmörderischer  Absicht 
einen  Schuss  in  die  Unterkinngegend  mit  der  Richtung  gegen  den  Scheitel  bei 
und  wurde  aufrecht  stehend,  mit  dem  Rücken  an  eine  Wand  gelehnt  i^ifgefunden. 
Er  blutete  massig  aus  Mund  und  Nase ,  verlangte  von  dem  Kameraden ,  der  ihn 
angetroffen  hatte,  er  möge  ihm  sein  Gewehr  leihen,  damit  er  sich  vollends  todt- 
schiessen  könne  und  versuchte  endlich  ihm  die  Waffe  mit  Gewalt  zu  entreissen. 
Nach  länger  dauerndem  Transport  während  grosser  Kälte  kam  der  Kranke ,  fast 
pulslos,  in  des  Verf. 's  Behandlung.  Die  Kleider  und  Haare  waren  reichlich  mit 
Gehirnsubstanz  bespritzt,  die  Kopfbedeckung  des  Mannes  von  der  Kugel  durch- 
löchert. Pat.  war  im  Stande  sich  selbst  zu  entkleiden  und  gab  auf  Fragen  durch- 
aus deutliche  Auskunft.  Unter  dem  Kinn  war  die  Eintrittsöffnung,  am  Scheitel 
ein  3  Cm.  breiter  Substanzverlust,  welcher  durch  zertrümmerte  Gehirnmasse  aus- 


350  Cantr^Matt  für  C^^n^gie.    No.  22. 

geffUlt  wiff  —  die  Auag^ngaOffnuqg  d^  Sphus^JK^^le^.  Die  Li^er  def  linken  A(|ge8 
stark  B^ggi^lii^,  d^  linke  Bulbus  beweglich,  jedoch  völlig  amaurotisch;  op]^^a)r 
moscopisch  nichts  nachweisbar.  Der  Boden  der  Mundhöhle ,  Zunge ,  harter  Gau- 
men  perforirt. 

Der  Krankheitsverlauf  bietet  nichts  Besonderes  dar ,  da«  Bewusstsein  war  fast 
immer  ungetrübt,  am  6.  Tage  traten  leichte  Krämpfe  der  Extremitäten  auf,  die 
aber  wieder  verschwanden,  an^  8.  T^ge  ei^l^tand  eine  profuse  Blutung  aus  der 
Schädelwunde,  wobei  zertrümmertes  Gehirn  herausgeschwemmt  wurde,  der  Kranke 
wurde  fast  ai^genblicklich  soporös,  ^m  9.  Tage  i^ach  der  Verletzung  trat  der  Tod 
ein. 

Bei  der  Section  ergab  sich  eine  breiige  Erweichung  eines  apfelgrosf^en  An- 
theils  des  linken  Stiralappens ,  den  die  Kugel  durchbohrt  hatte;  die  Umgebung 
desselben,  sowie  die  Hirnhäute  zeigten  keine  Spur  einer  entzündlichen  Reaction. 
In  der  linken  Orbita  eine  grosse  Jauchehöhle,  in  welcher  der  unverletzte  Sehnerv 
frei  lag.  Die  Quelle  der  Blutung  konnte  nicht  nachgewiesen  werden,  auch  war 
ein  grösseres  Extravasat  innerhalb  der  Schädelkapsel  nicht  aufzufinden. 

Winlwarter  (Wien). 

Maolarei».     Gase  of  abscess  of  the  brain. 

(The  Glasgow  med.  Journal  1875.  January.  p.  112.) 

Einem  23jähr.  Idädchep  üel  eii^  Stück  Eisen  aus  einer  Höhe  von  3  Fuss  auf 
den  Kopf.  J))ß  ;^^edeutende  Hautwunde  heilte  bald  zu.  10  Tage  nach  der  Ver- 
letzung trat  Lähmung  des  linken  Arms,  eine  Woche  später  auch  des  linken  Beins 
auf.  Nach  3  Wochen  war  die  ganze  linke  Körperhälfte  vollständig  gelähmt.  Nach 
8  Wochen  kam  sie  in  M.'s  Behandlung.  Ihre  geistigen  Fähigkeiten  waren  durch- 
aus ungestört,  die  Temperatur  und  Herzaction  normal,  Stuhlgang  regelmässig. 
AiMser  über  die  Hemiplegie  klagte  sie  nyr  über  ein^ep  fixen  Schmerz  im  Vorder- 
kopf und  häufiges  Erbrechen.  Et^a/s  nach  rechts  von  der  Mitte  des  Stirnbeinef 
fand  sich  eine  1"  lange  Hautoarbe.  Im  Laufe  der  ^h^ten  Wochen  ging  die 
Lähmung  so  weit  zurück,  dass  Fat.  stehen  und  den  Arm  bewegen  konnte ;  das  Er- 
brechen und  der  Kopfsohmerz  blieben  jedoch  unvieri^ndert.  Später  besserte  es  sich 
damit  etwas,  wäbcepd  die  Lähmung  wieder  i^ehr  heryortrat;  gleichzeitig  entstand 
,eine  Contractur  der  Flexoren  der  linken  Hand.  Im  5.  Monat  trat  zum  ersten  Male 
ein  10  Min.  anhaltender  epileptiCpr7P.er  Anfall  auf;  ni^ch  ,d^  Anfalle  blieb  fßJL 
mit  dilalirten  Pupillen  bewusstlos  liegen;  in  den  folgenden  Tagen  wiederholte  er 
sich  mehrmals,  bis  am  6.  Tage  die  Fat.  starb. 

Bei  der  Seotion  fand  sich  die  Tabula  externa  in  einer  Ausdehnung  von  IVs'' 
Länge  und  ^/g"  Breite  in  die  Diploe  eingetrieben;  die  Tabula  interna  intact,  aber 
stark  verdünnt.  Die  Meningen  hyperämisch,  mit  einander  leicht  verwachsen.  Im 
rechten  mittleren  Lappen.,  etwas  über  dem  Niveau  des  Corpus  callosum  ein  mit 
3 — 4  Unzen  grünlichen,  rahmigen,  geruchlosen  Eiters  gefüllter  Abscess,  der  eine 
deutlich  ausgebüdete  pyogene  Membran  zeigte.  Schädel  (Berlin). 

Weinleohner.     Elfenbein-Osteome  der  Orbita. 

(Sitzung  der  k.  k.  Gesellschaft,  der  Aerzte,    1875.  23.  April,  Wien.) 

Ein  16  jähriges  Rädchen  litt  seit  mehreren  Jahren  an  Schmerzen  am  Unken 
Supraorbitalrande.  Eine  allmälig  hier  sich  entwickelnde  Geschwulst  verschob  den 
Bulbus  nach  aussep,  unten.  Später  ward  sie  oberflächlicher,  dabei  hökerig  und 
knochenhart.  Sie  wurde  mit  Hammer  und  Meisel  entfernt.  Der  jHeilungsver- 
lauf,  nur  zuweijben  durch  Erbrechen  und  Kopfschmerzen  unterbrochen ,  war  gün- 
stig. Das  Gefühl  an  .der  linken  Stirnhälfte  war  darnach  .unsicher.  Die  Geschwulst 
erwies  sich  als  Elfent>einosteo^I. 

In  einem  2.  Falle  von  Osteom  bei  einem  59jährigen  Manne,  das  sich  in  26 
Jahren  eptwickeU  h^tte,  bemerkte  Patient  zuerst,  als  Soldat,  Unsicherheit  im 
Zielen;  12  Jahre  später  trat  Erblindung  des  rechten  Auges  ein;  mit  dem  Auf- 
brechen der  Gescihwulst  yei;lvst  des  Geruches.    Nach  der  Exstirpation  entwickelten 


CeBtndblait  fAr  Chirurgie.    Ne.  22.  351 

sieh  Sohkimpolypen  uod  Knochenwucherungeii  in  der  Nase,  die  eatfemt  wtnideii. 
Die  entfanite  Oeechwakt  wog  8  Uncen  10  gras.  Der  Pat.  starb  an  Erysipel. 
Am  Sch&del  ingte  sieh  eine  anCallende  Vergröesemng  der  kranken  Gesiehtshfilfte 
nebst  zahlreichen  neuen  Wucherungen.  Fr.  SMBer  (Wien). 

IL  Taube.     Oesopliagnscarcinom  oder  Aortenaneurysma? 
(Areh.  der  Heilkunde  16.  fahxg,   Hft.  3.   p.  282-^385.) 

Ein  56  jähriger  Mann  bot  fast  alle  Erseheinungen  eines  Aneurysmas  des 
Aortenbogens;  bei  der  Section  zeigte  sich  ein  ausgedehntes  Carcinom,  das  10  Cm. 
UBt^  dsm  Aryfcnoipel  anfangend  ^/s  des  Oesophagus  einnahm  und  eine  be^^ten^e 
Infiltration  der  umgebenden  Lymphdrüsen  veranlasst  hatte.  Der  Nervus  recurrens 
war  verdr&ngt,  die  linke  Subclavia  von  der  Geschwulst  umgeben,  die  Wand  des 
Oesophagus  ezükeriirt  und  an  2  SteUen  etwas  verengert. 

JU  9id4er  (Mannheim). 

O.  Kappeier.    Eia  Fall  von  fast  totalem  Mangel  dar  Sohlimelbdine. 

(Arch.  dar  Heilkunde   16.  Jahrg.  Hft.  3.    1  TafeJ.) 


Ä  einem  lOjfthrigen,  kleinen,  im  übrigen  wohlgebauten  M&dchen,  zeigte  die 
UmtersvchuAg,  daas  die  beiden  ClavicuUe  fast  voUst&ndig  fehjtevi;  am  rechten 
Stemalrand  fand  sich  ein  IVa  Cm.  langes  Rudiment,  am  linken  ein  4  Cm.  langes. 
Pat.  konnte  die  Schultern  nach  vorne  so  weit  einander  nähern,  dass  die  Oberarm- 
köpfe nur  9  Cm.  von  einander  entfernt  sind. 

Der  eine  Musculus  cleidomastoideus  fehlt.  Interressant  ist  besonders,  dass 
Eunctionsstörungen  nicht  vorhanden  waren,  dass  Fat.  z.  B.  mit  Leichtigkeit  mit 
den  aufgestützten  Händen  den  Rumpf  tragen  kann. 

Erblichkeit  nicht  nachzuweisen.  A«  Blddor  [Mannheim). 

BalDe.     Abscess  of  lirer  treated  by  aepiraition^  incisaon.     Death. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1874.  Decbr.  19.  p.  686.) 

Piat.  kws  4lnect  aus  Calcutta  nach  England,  hatte  vor  14  Tagen  Blut  im  Stuhl- 
gang bemerkt,  seit  dieser  Zeit  Schmerzen  im  rechten  Hypochondrium.  Ni^b  u^d 
nach  entwickelte  sich  ein  fluctuirender  Tumor  an  dieser  Stelle,  aus  welchem  ver- 
mittelst Azpiratian  8  Unzan  Ecfters  entleert  werden ;  nach  4  Wochen  Wj^dezholung. 
4  Wochen  später  Incision,  Drainage  des  grossen,  den  rechten  Lappen  einnehmen- 
den Absceeses.  Pat.  erlag  einer  Pleuritis.  Die  Seetion  wies  keine  ISpuren  früherer 
Ulcerationen  im  Darme  nach.  Baake  (Halle). 

Balfe.     AbscesB  of  liyer  running  a  rapid  course^  aspiration,  death. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  lan.  9.  p.  82.) 

Der  37jähr.  Patient  war  vor  3  Jahren  an  Dysenterie  erkrankt,  jetzt  seit  7 
Tagen  von  Schmerzen  in  der  rechten  Lebergegend  befallen.  Am  20.  Tage  Ent- 
leerung von  40  Unzen  Eiter  durch  eine  Aspirationspunction.  2  Tage  später  Tod 
an  Erschöpfung.  Der  Abscess  nahm  fast  den  ganzen  rechten  Lappen  ein.  Frische 
Perihepatitis.    Xeine  Spur  pathologischer  Veränderungen  in  dem  Darme. 

Bänke  (Halle). 

M.  Wextner.    Epileptiforme  Anfälle  nadi  Faraphimoaia. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  10.) 

Ein  sehr  kräftiger,  gesunder ,  15jähriger  Bauemjunge  hatte  sich,  wahnchein- 
lioh  durch  Onanie,  eine  Paraphimose  augesogen.  Incision  und  Reposition  des 
Präputiums  in  der  Narkose  des  Pat.  Etwas  oarbolisirte  Charpie  zwischen  CHans 
und  -Präputium  gelegt.  Am  3.  Tage  war  die  Schwellung  verschwunden  und  Pat. 
ging  umher;  plütilioh  bekam  er  einen  exquisit  epileptiformen  etwa  10  Min.  dau- 


352  Centaralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  22. 

emden  Anfall,  sogleich  mit  Trismus.  Dieses  wiederholte  sich  noch  2  Mid  an 
demselben  Tage.  —  In  der  Familie  des  Fat.  litt  Niemand  an  Epilepsie.  W. 
meint,  die  Anf&lle  seien  yielleicht  der  grossen  psychischen  Aufregung  des  Fat. 
Yor  der  Operation  suzuschreiben. 

Einige  Dosen  von  Flor.  Zinci  mit  geringem  Morphiumzusats  reichten  hin,  die 
AnfUle  in  einer  Woche  gänzlich  yerschwinden  zu  machen.  —  Auch  in  einem  an- 
dern Falle y  bei  einer  Frau,  die  zur  Zeit  der  Schwangerschaft  wiederholt  an  epi- 
leptiformen  Anfällen  litt,  bediente  sich  W.  mit  vortrefflichem  Erfolge  des  Zinc. 
Ttderian.  mit  etwas  Morph.,  während  Bromkali  und  Atropin  erfolglos  blieben. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

Teevan.  Stone  in  the  bladder,  lithotomy,  recoTery.   (St.  Peters  hoBpital.) 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  April  3.  p.  363.) 

Seit  5  Jahren  hatte  der  63jähr.,  kräftige  Mann  an  Blasenbeschwerden  gelitten; 
der  Durchmesser  des  Steines  wurde  mit  dem  Lithotriptor  IVs  Zoll  betragend  ge- 
funden. Am  22.  Septbr.  1873  Seitensteinschnitt ;  Entfernung  des  1  Unze  wiegen- 
genden Steines  mittelst  einer  Zange  unter  Erweiterung  der  Wunde  mit  einem 
Messer.    Heilung,  mit  Bildung  einer  später  beseitigten  Mastdarmfistel. 

Bänke  (Halle]. 

Ory.     Calcul  v^sical;  Operation  de  lithotritie  p^iiniale;  mort  par  in- 

fection  purulente;  lithiase  renale. 

(Progr^s  m6dical  1875.  No.  5.) 

'  Genannte  Operation  wurde  von  Tr^lat  an  einem  45jähr.  Steinkranken,  der 
eine  Hypospadie  und  eine  klappenartige  Strictur  2  Cm.  hinter  dem  engen  Orificium 
hatte,  ausgeführt.  Verf.  beschreibt  die  Operation  folgendermassen  :  »Kaum  Blutung 
bei  der  medianen  Incision,  geringe  und  leichte  Erweiterung  des  Blasenhalses  (wie? 
womit?),  schnelles  Zerbrechen  (womit?)  des  Steins  ohne  grosse  Gewalt,  soi^f&ltige 
Reinigung«.  Tod  am  7.  Tage  nach  der  Operation  an  Septhämie.  Die  bei  der  See- 
tion  gefundenen  Nierensteine  enthielten  phosphorsauren  Kalk  und  phosphorsaure 
Ammoniak-Magnesia,  der  Blasenstein  ausserdem  Harnsäure  und  hamsaure  Sal^. 

Petersen  (Kiel). 

WeiBB.     Hamblasenstein  von  seltener  Grösse  etc. 

(Aus  dem  Ungarischen.  —  Pester  med.  chir.  Presse  1875.  Hft.  1  u.  2.) 

Ein  30jähr.,  heruntergekommener  Mensch  litt  seit  20  Jahren  an  typischen 
Steinbesch werden.  Seit  mehreren  Wochen  erschwerte  Defaecation.  Vordere  Mast- 
darmwand rückwärts  gewölbt.  Grenzen  des  Steines  vom  Rectum  aus  weder  nach 
oben,  noch  nach  der  Seite  hin  erreichbar.  Lateralschnitt  am  31.  August  1874 
durch  Dr.  Daränyi  in  Arad.  Stein  mit  zahlreichen  Zotten  der  gewulsteten  Bla- 
senschleimhaut  ringsum  verbunden.  Einführung  des  Dumreicher-Lü  er 'sehen 
Steinzertrümmerers,  welcher  1 1  Mal  in  Action  gesetzt  wird.  Herausnahme  der  ein- 
zelnen Fragmente  unter  Losreissung  eines  grossen  Theils  der  Schleimhaut.  Nicht 
unbedeutende  Blutung  aus  der  Blase.  Dauer  der  gewaltsamen  Operation  25  Min. 
Gesammtgewicht  der  Fragmente  des  (Phosphat-)  Steines  185  grm.  Keine  Reaction. 
Am  7.  Tage  spontane  Ausstossung  eines  thalergrossen  und  eines  handteUergrossen 
Stückes  nekrotischer  Blasenschleimhaut.  Vom  23.  Tage  an  grösster  Theil  des  Urins 
durch  die  Urethra  entleert.  Bis  hierher  reicht  die  Beobachtung.  Kurze  Zeit  da- 
nach soll  Pat.  geheilt  entlassen  sein,  wie  Verf.  glaubt,  mit  vollständig  regenerirter 
Blasenschleimhaut.  Boppreeht  (Halle). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrfloke  wolle 
man  an  Dr.  H,  TiUmamUj  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandluiig, 
BreUkopf  und  HäfUi,  einsenden. 


Draek  aad  Verlag  toii  Braiikopf  aad  Hirtel  ia  Leljpsig. 


Gentralblatt 


ftr 


CHIRURGIE 

\jL,  herauBgegeben 

Dr.  Lln,  Dr.  I.  ScU,  Dr.  E.  TUloiaiiiis 

in  Berlin.  in  Halle  ».  8.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wödientlich  eine  Nummer.    Preis  dea  Jahrgang«  20  Mark,  bei  halbjihriger  Prä- 
numeration.    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Poatanstalten. 

N^  23.  Sonnabend,  den  5.  Jnni.  1875. 

InllAlt:  Volkoiann,  Beiträge  zur  Chirargle.  —  Thiernetse,  Cassa,  Sauerstoff  als  Gegen- 
gift gegen  Phosphor.  —  Pt)dt,  Chloroform  in  der  Oeburtshülfe.  —  Kalth,  Operation 
eiternder  O^arialcysten. 

Chloroform-Tod.  —  Tod  nach  Einathmnng  Ton  Methylen.  —   Roohlan,   Transfusionen. 

—  Mayar,  Bericht.  —  Hagai!,  Caibolsäure  als  Antiphlogisticnm.  —  Wolff»  Expansion  des 
Knochengewebes.  —  Speacai  Dascaiapt,  Tetanus  traumaticns.  —  Jaraaz,  Qelsemium 
semperTirens  gegen  Neuralgie.  —  AaiHtaat,  Galvanocauetlk.  —  Lea4,  Fremdkörper  im 
Larynx.  —  Wooivarton,  Fremdkörper  im  Bronchus.  —   Romi^e,  Intraooulaire  Tumoren. 

—  LawSOB,  FractUT  der  Schädelbasis.  —  Radack,  Struma  cystica.  ~-  TarrlllOlly  Nasen- 
polypen. —  Caylay,  Lipom.  —  RIthat,  Reposition  alter  Schul teriuzationen.  —  IHida, 
Ovaiiencyste.  -~  Fick,  Coxitischer  Knieschmerz.  —  Caurty,  Fltlzat»  Elastische  Liga- 
tur bei   Analflsteln.  —   Shallenbtrger,  Luxation  des  Oberschenkels.   —  Gllbaa,  Ober- 

schenkelfractur.  —  Camitan,   Subperiostale  Resection  der  Diaphyse  der  Tlbia. 


R.  Volkmann.     Beiträge    zur  Chirurgie,    anschliessend    an 
einen  Bericht  über  die  Thätigkeit  der  chirurgischen  Univer- 
sitätsklinik zu  Halle,  im  Jahre  1873. 

(XVI  und  388  S.  in  40  mit  21  Holzschnitten  und  14  Tafeln.; 

Leipzig,  Breitkopf  A  Härtel. 

Verfasser  beschnrnkt  sich  nicht  auf  die  einfache  Mittheilung  und 
statistische  Verwerthung  eines  innerhalb  Jahresfrist  zur  Beobachtung 
gekommenen  reichen  Krankenmaterials^  sondern  liefert  auch  eine  er- 
hebliche Anzahl  selbstständiger  Skizzen  und  kürzerer  ^ssays  jedes- 
mal über  Fragen,  welche  zu  den  brennendsten  des  Tages  gdiören 
und  von  ihm  thefls  angeregt,  theils  in  hervorragender  Weise  gefor- 
dert wurden.  So  lohnend  es  wäre,  die  Kritik  eines  solchen  Unter- 
nehmens zu  schreiben,  so  unmöglich  scheint  es,  den  Gesammtinhalt 
desselben  auf  ein  Paar  Seiten  auch  nur  in  der  allerflüchtigsten  Weise 
anzudeuten.     Ref.  kann  demnach,  wenn  er  der  Tendenz  dieses  Blat- 

23 


354  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  23. 

tes  gemäss^  einen  Versuch  der  letzteren  Art  unternimmt,  nur  ein- 
zelne, im  Original  besonders  ausführlich  behandelte  Abschnitte  über- 
haupt in  den  Kreis  dieser  Besprechung  ziehen  und  selbstverständlich 
auch  von  diesen  kaum  mehr  als  einfache  Contouren  geben.  Er  ver- 
wahrt sich  ausdrücklich  dagegen^  als  meine  er  besonders  Wichtiges 
aus  dem  Ganzen  herausgeschält  zu  haben  —  nach  seiner  Ansicht 
findet  sich  überall  die  gleiche  Fülle  des  Stoffes  un^^die  vollendete 
Behandlung  desselben;  er  bedauert  von  den  zu  ff^t^Trten  gege- 
benen casuistischen  Einzelmittheilungen  auch  nicht  eine  einzige  aus- 
führen zu  können. 

Nur  allein  die  Leetüre  des  Originals  kann  einen  Begriff  davon 
geben^  wie  schnell  es  in  der  Chirurgie  anders  und  besser  werden 
würde  ^  wenn  auch  Anderen  in  der  Weise  des  VerTs.  zu  arbeiten 
beschieden  wäre. 

In  der  Halle'schen  Klinik  wurden  während  des  Jahres  1873 
3351  Kranke,  darunter  wegen  Mangelhaftigkeit  und  Kleinheit  des 
Instituts  eine  grosse  Zahl  der  schwersten  Fälle  poliklinisch,  resp.  am- 
bxüatorisch  behandelt.  Diese  3351  Krankheitsfälle  vertheilen  sich  auf 
die  verschiedenen  Körperregionen  wie  folgt: 

Kopf  (Verletzungen^  Entzündimgen,  Neubildungen^  Deformitäten) 
93;  Gesicht,  Nase,  Mundhöhle  741;  Hals  81;  Brust  und  Thorax  93; 
Rücken-  und  Wirbelsäule  129;  Abdomen  68;  Becken  und  Lumbai- 
gegend 12;  Anus  und  Rectum  15;  Hamorgane  66;  Geschlechtsor- 
gane 82;  Extremitäten  1795  und  zwar  Verletzungen  695;  entzünd- 
liche Processe  derKnochen  und  Gelenke  407;  entzündl.  Processe  der 
Weichtheile,  der  Haut^  Krankheiten  der  Gefässe  und  Nerven  436; 
Krankheiten  der  Muskeln^  Schleimbeutel  etc.  Deformitäten^  Rachitis 
235;  Neubildungen  22;  Syphilis  176. 

Mehr  als  die  Hälfte  sämmtlicher  zur  Behandlung  gekommener 
Krankheiten  localisirt  sich  demnach  auf  die  Extremitäten;  an  &st 
allen  Körperregionen  überwiegen  die  Verletzungen  und  entzündlichen 
Processe^  namentlich  der  Knochen  und  Gelenke,  die  Neubildungen  und 
Deformitäten. 

Die  zum  Referat  gewählten  Gegenstände  folgen  dieser  kurzen 
Uebersicht  sofort  nach. 

lieber  den  antiseptischen  Occlusivverband  und  seinen  Einfluss 

auf  den  Heilungsprocess  der  Wunden. 

* 

Der  Veijoand  kam  innerhalb  eines  Zeitraumes  von  15  Monaten 
bei  allen  Schwerverletzten  und  Operirten  zur  Anwendung ,  nachdem 
unmittelbar  vorher,  im  Jahre  1871  und  72  in  Folge  von  Ueberfül* 
lung  des  Hospitals,  Fyämie  und  Erysipel  so  viele  Opfer  gefordert 
hatten,  dass  Verf.  nahe  daran  war,  die  vorübergehende  Schliessung 
der  Anstalt  zu  beantragen. 

Die  mit  der  Methode  gewonnenen  sehr  günstigen  Resultate  illu- 


CentralUatt  fflr  Chirurgie.    No.  23.  355 

«txiren  Zusammenstellungen^  aus  denen  Ref.   beispielshalber  nur  fol- 
gende Zahlen  anfuhren  kann: 

Conseryativ  behandelte  complicirte  Frakturen  1$  ohne  Todesfall 
Penetrirende  Gelenkwunden  9      »  » 

Schwere  Verletzungen  der  Hand  79      »  »        . 

Grossere  Amputationen  und  Exarticulationen  46  mit  13  Todes- 
fällen^ unter  denen  indess  2  Oberschenkelexarticulationen  die  schon 
Tor  B^nn  der  Reaction  tödtlich  endeten  und  6  Oberschenkelampu- 
tationen sich  befinden^  die  an  äusserst  schwerer  und  multipel  durch 
Maschinen,  resp.  auf  der  Eisenbahn  verletzten  Leuten  ausgeführt 
werden  mussten. 

Resectionen  der  Gelenke,  in  der  Continuität  der  Diaphysen  und 
Osteotomieen  31  mit  5  Todesfällen  u.  s.  w. 

Indess  misst  V.  diesen  Zahlen  einen  nur  untergeordneten  Werth 
bei  und  deducirt  die  Trefflichkeit  des  Verfahrens  aus  der  fast  speci- 
üschen  Einwirkung  desselben  auf  den  Gang  des  Wundheilungsproces- 
ses,  bei  welchem;  sofern  es  sich  um  frische  Wunden  handelt,  das 
«og.  Reinigungsstadium  und  die  dasselbe  begleitenden  Zersetzungs- 
und  örtlichen  Reactionsphänomene  ganz  oder  fast  ganz  fehlen.  Der 
ekelhafte  Jauchengeruch  der  ersten  Tage  pflegt,  selbst  beim  Eintritt 
■ausgedehnter  Gangrän,  nicht  nachweisbar  zu  sein  und  Neigung  zur 
Zersetzung,  die  sich  sofort  durch  Verfärbung  des  Protective  kenn- 
zeichnet, kann  mit  grosser  Sicherheit  durch  eine  neue  Desinfection  der 
Wundflächen,  event.  durch  Ausätzung  mit  Chlorzink  beseitigt  werden. 
Selbst  Blut  geht  unter  dem  Verbände  keine  Zersetzung  ein.  Es  wird 
durch  die  andrängenden  Gewebe  zerstört,  oder  fällt  als  kömige  Masse 
AUS  der  Wunde  heraus  oder  liegt  geschrumpft  gleich  einem  feuchten 
Schorf  auf  der  Wunde  ^und  löst  sich  erst  los,  wenn  die  Uebemar- 
bung  darunter  vollendet  ist. 

Die  geringe  örtliche  Reaction  zeigt  sich  am  Fehlen  entzündlicher 
Schwellungen,  möge  es  sich  um  geschnittene  Wundränder  oder  um  die 
schlimmsten  Zerreissungen  handeln,  an  der  sich  nur  zögernd  einstel- 
lenden Granulationsbildung,  an  der  unbedeutenden  Secretion.  Letztere 
pflegt  nur  in  den  ersten  Stunden  bisweilen  reichlich  und  blutig  tin-> 
girt  zu  sein,  doch  ist  sie  dabei  geruchlos  und  in  der  Quantität  bald 
wieder  so  minimal,  dass  es  genügt  mit  dem  Verbände  jeden  2.  3.  4. 
u.  s.  w.  Tag  zu  wechseln. 

Acute  progrediente  Phlegmonen,  jauchige  Infiltrationen,  nekro- 
tisirende  ZeUgewebsentzündungen  kamen  in  keinem  einzigen  Falle  zur 
Beobachtung,  trotzdem  die  Wundsecrete  oft  schon  innerhalb  der 
ersten  3 — 4  Tage  unter  hohen  Druck  gebracht  werden  mussten  und 
geöffnete  kalte  und  Congestionsabscesse,  um  eine  prima  intentio  zu 
erreichen,  mittelst  Compressivverbandes  behandelt  wurden. 

Als  merkwürdig  möchte  noch  hervorzuheben  sein,  die  geringe 
Reizung,  welche  in  die  Wynde  eingeführte,  nicht  faulige  Fremdkörper, 
namentlich  also  die   Drainröhren  hervorrufen,    der    geringe  Wund- 

23* 


356  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  23. 

schmerz  und  dafi  geringe^  resp.  gar  nicht  auftretende  und  dann  nur 
l — 3  Tage  anhaltende  Wundfieber.  Ebenso  fehlt  Nach-  und  Eiterungs- 
fieber gewöhnlich  ganz. 

Technik  und  Modificationen  des  Verbandes  s.  im  Original. 

Die  Beantwortung  der  Frage  durch  Ausschaltung  welcher  Fac- 
toren  das  antiseptische  Verfahren  wirkt,  lässt  V.  vorläufig  in  sus- 
penso und  kennzeichnet  seinen  Standpunkt  gegenüber  der  Wundzer- 
setzung u.  s.  w.  nur  insoweit^  dass  er  gewisse  deletäre  und  infectiöse 
Stoffe  annimmt^  welche  von  aussen  an  den  Kranken  herantreten  und 
die  Eiterung  etc.  yeranlassen.  Das  Medium,  durch  welches  diese 
Stoffe  in  den  Körper  gelangen^  ist  die  Luft,  das  Atrium  meistens  die 
Wunde. 

Diese  Anschauung  steht  in  schroffem  Gegensatze  zu  derjenigen 
Lehre,  nach  welcher  die  Entwicklung  und  Steigerung  des  Endzün- 
dungsprocesses  allein  von  der  Art  und  Ausdehnung  der  Verletzung 
abhängig  ist*  V.  stützt  seine  Anschauung  in  überzeugender  Weise 
durch  die  Verschiedenheit  in  Verlauf  offener  und  subcutaner  Ver- 
letzungen. Seine  Beweisführung  widerstreiten  auch  nicht  die  be- 
kannten Thatsachen,  dass  zuweilen  Eiterung  bei  unverletzten  Haut- 
decken sich  ausbildet,  und  dass  anderseits  manchmal  eine  solche 
trotz  des  Contactes  der  Luft  mit  der  Wunde  ausbleibt. 

Eine  sehr  genaue  Aufzählung  und  Besprechung  der  1873  beolH 
achteten  Wundkrankheiten  giebt  Rechenschaft  über  die  unter  dem 
Liste r'schen  Verbände  vorgekommenen  Misserfolge. 

Danach  wurde  Erysipel  bei  30  Kranken  32  Mal,  3  Mal  in  der 
Form  der  erysipelatösen  Gelenkeiterung  unter  552  in  der  Klinik  und 
3000  ambulatorisch  Behandelten  (bei  Letzteren  13  Mal)  beobachtet. 
Doch  entwickelten  sich  von  diesen  nur  7  an  regulär  nach  Lister 
behandelten  Wunden  und  zwar  zur  Zeit  der  Erlernung  der  Methode 
und  eines  häufigen  Assistentenwechsels. 

Pyämiefälle  kamen  9  vor,  doch  nur  ein  einziges  Mal  bei  einem 
Fat.,  der  schon  vor  Beginn  der  traumatischen  Reaction  antiseptisch 
nach  List  er  behandelt  M^orden  war.  Die  8  übrigen  waren  solche,, 
bei  denen  entweder  wegen  der  Geringfügigkeit  der  Verletzung  von 
Li  st  er  Abstand  genommen  wurde,  oder  wo  derselbe  bei  schon  vor- 
handener Eiterung  in  Anwendung  kam. 

Tetanus  kam  einmal,  Septhämie  in  keinem  Falle  vor.  — 

Krankheiten  der  Extremitäten. 

Einige  Bemerkungen  über  die  Behandlung  der  Ober- 
Schenkelbrüche  mit  Gewichten. 

Diese  Behandlungsweise  ist  in  der  Halle'schen  Klinik  eine  Reihe 
von  Jahren^  der  Prüfung  halber,  fast  ausschliesslich  angewendet  wor- 
den und  hat  in  einer  sehr  grossen  Zahl  der  Fälle  die  rascheste  und 
voluminöseste  Callusbildung ,  dchneUste  Cgnsolidation  und  die  ge- 
ringste Verkürzung  gegeben. 


Centndblatt  für  Chirurgie.     No.  23.  357 

Besondere  Voraüge  hat  dieselbe  bei  sehr  starken  Dislocationen 
und  bei  Brachen  im  oberen  Drittel,  ist  also  bei  den  am  schwierig- 
steoL  XU  behandelnden  Fällen  am  meisten  zu  empfehlen.  Bei  complicir- 
ten  Fraoturen  und  ausgedehnten  Zerreißungen  der  Weichtheile  möchte 
sie  am  besten  die  TJebersicht  und  den  antiseptischen  Verband  gestat- 
ten, erfordert  aber  vor  allem  verständige  Individuen,  die  sich  wenig- 
stens relativ  ruhig  verhalten  können.  Zur  Befestigung  des  Gewichts 
wird  die  Heftpflasteransa  allen  andern  Verbandarten  vorgezogen.  Die 
Orösse  des  Gewichts  richtet  sich  ganz  und  gar  nach  der  Reibung, 
welche  die  Extremität  auf  der  Unterlage  erleidet;  bei  Erwachsenen 
kamen  durchschnittlich  zwischen  17 — 30  Pfd.  zur  Verwendung. 

Ein  auf  der  gesunden  Seite  um  den  Damm  gelegter  Gummi- 
achlauch verhindert  das  allzu  starke  Herabsinken  des  Kranken  und 
bewirkt  gleichzeitig  eine  Senkung  der  der  gebrochenen  Extremist 
entsprechenden  Beckenhälfte,  wodurch  das  obere  Bruchstück  leicht 
in  eine  prononcirte,  sehr  oft  erwünschte  Abductionsstellung  gezwun- 
gen wird.  Ein  schleifendes  Fussbrett  ist  nothwendig  um  die  Rota^ 
tion  des  unteren  Fragmentes,  resp*  das  Umfallen  des  Fusses  zu  ver- 
hindern. 

In  10  unter  22  Oberschenkelbrüchen,  bei  welchen  1873  die  Ge- 
vnchtsextension  von  Anfang  bis  zu  Ende  durchgeführt  wurde,  erfolgte 
die  Consolidation  durchschnittlich  innerhalb  27^5  Tagen,  bei  einer 
Verkürzung  von  im  Mittel  0,7  Cm. 

28  Offene  Fracturen  an  den  Extremitäten. 

(Oberarm  3,  Vorderarm  6,  Oberschenkel  4,  Patella  1,  Unter- 
schenkel 14).  —  Von  diesen  wurden  15  conse^vativ  behandelt  und 
geheilt,  13  amputirt.  Die  Amputation  verlief  tödlich  5  Mal  in  Fällen 
von  Zermalmung  der  Unterextremitäten  durch  Maschinen  oder  auf 
Eisenbahnen,  deretwegen  3  Mal  die  hohe  Oberschenkelamputation, 
1  Mal  die  Hüflexarticulation,  1  Mal  eine  Doppelamputation  des  Fe^ 
mur  gemacht  vnirde. 

Offene  Unterschenkelfracturen  14.  1  Mal  mit  schweren 
multiplen  Verletaungen  einhergehende  Amput.  femoris;  der  bereits 
64jähr.  Mann  erlag  rasch  vor  Beginn  der  Beaction.  Die  übrigen  13 
Männer  geheilt;  einer  davon  mit  ErJalg  am  Unterschenkel  amputirt, 
12  conserv.  behandelt.  Diese  conserv.  Behandlung  wurde  aber  nur 
10  Mal  zu  Ende  geführt,  da  2  Mal  wegen  Blutung  erst  die  Femoralis 
imterbunden  und  dann  noch  der  Oberschenkel  erfolgreich  amputirt 
wurde.  Endlich  wurde  einmal  die  Besection  des  Fussgelenks  mit 
Glück  ausgeführt. 

V.  bezieht  diese  Erfolge  allein  auf  die  Anwendung  des  List  er- 
sehen Verbandes  und  fragt  ob  irgend  Jemand  in  der  Spitalpraxis,  bei 
Anwendung  der  älteren  Methoden  schon  jemals  12  conserv.  behan- 
delte complicirte  Unterschenkelfacturen,  die  in  einer  erheblichen  Quote 
mit  starken  Quetschungen  und  spätrer  Gangränescirung  verbunden 
waren,  hinter  einander   geheilt  habe.     Die  Mortalität  nach  solchen 


358  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  23. 

Verletzungen    betrug    nach    seinen  privaten  Erkundigungen  an    der 
Mehrzahl  der  Deutschen  Kliniken  bisher  mindestens  S9ßi. 

Folgende  durchaus  typische,  aber  bisher  nicht  beschriebene  Bruch- 
form  sah  Y.  7 — 8  Mal.  Infolge  forcirter  Pronations-  und  Abductions- 
bewegung  des  Fusses  wird  bisweilen  durch  den  stark  nach  aussen 
sich  verschiebenden  Malleol.  ext.  ein  Stück  von  der  lateralen  (der 
Fibula  zugekehrten)  Seite  der  unteren  Tibiaepiphyse  abgerissen,  wo- 
bei die  Bruchspalte  sehr  schief  von  oben  und  aussen  nach  unten  und 
innen,  annähernd  in  sagittaler  Ebene,  verläuft  und  das  abgesprengte 
Stück  gewöhnlich  die  Keilform  hat  und  unter  Umständen  nekrotisch 
wird,  so  dass  zur  Fussgelenkresection  geschritten  werden  muss.  — 

Hand-  und  Fingerverletzungen  172^  darunter  71  schwere 
mit  Weich theil-  und  Sehnenzerreissung,  Zermalmung  der  Knochen 
und  Eröffnung  der  Gelenke,  complicirte  Fälle,  bei  denen  stets  einer 
oder  mehrere  Finger  für  die  Function  verloren  gingen,  oder  amputirt 
werden  mussten.  Sämmtliche  nach  Li  st  er  behandelt,  ohne  dass 
irgend  einmal  eine  acut-progrediente  Phlegmone,  eine  Sehnenscheiden- 
vereiterung u.  s.  w.  auftrat,  oder  eine  Spätamputation  nothwendig 
wurde.  (Schluss  folgt.) 


Thiemesse  et   Casse.     De   roxygene   comme   antidote   du 

phosphore. 

(Ext.  du  Bulletin  de  l'Acad.  royale  de  mdd.  de  Belg.  T.  IX.  3»«  sdr,  No.  1.} 

1875.  Bruxelles,  H.  Maneeanx. 

Versuche  über  die  Wirkung  des  Terpentinöls  als  Antidot  bei 
Phosphorvergiftungen  brachten  in  der  belgischen  Academie  die  Frage 
zur  Discussion,  ob  etwa  der  im  rohen  Oel  (das  Ol.  Tereb.  rectif.  er- 
weist sich  unwirksam)  enthaltene  Sauerstoff  es  ist,  dem  die  Rolle  als 
Gegengift  des  Phosphors  zukommt.  —  Yff.  unternahmen  in  diesem 
Sinne  eine  Beihe  von  Experimenten  an  Hunden,  die  mit  starken 
Dosen  Phosphor  vergiftet  wurden,  um  dann  theils  durch  Transfusionen 
defibrinixten,  also  arterialisirten  Blutes,  vor  allem  aber  durch  directe 
intravenöse  Infusion  von  Sauerstofi^^  dessen  Wirkung  als  Antidot  zu 
erproben.  Die  Bluttransfusionen,  anknüpfend  an  schon  vorhandene 
Beobachtungen,  ergaben  keine  befriedigenden  Erfolge,  mochte  man 
dieselben  bei  intacter  Blutfülle  des  vergifteten  Thieres,  oder  erst  nach 
einem  grösseren  Aderlass  vornehmen.  Auch  war  es  irrelevant,  ob 
die  eingespritzte  Blutmenge  den  Aderlass  quantitativ  bloss  deckte^ 
oder  ob  sie  denselben  um  mehrere  hundert  Gramme  überstieg.  Da- 
her wandten  die  Yff.  ihre  ganze  Aufmerksamkeit  den  Sauerstoffin- 
fusionen zu^  von  denen  sie  für  das  Leben  des  Individuum  keine  directe 
Gefahr  erwarteten,  gestützt  auf  die  Ungefahrlichkeit  selbst  grösserer 
in  das  Yenensystem  eingebrachter  Luftmassen,  wenn  nuf  die  Ein- 
führung  an    geeigneter   Stelle    und    ohne   Ueberstürzung    geschieht 


Centralblatt  fOr  Chiniigie.   No.  23.  359 

(Labor de  et  Maron,  Gaz.  xnid.  de  Paris  1873,  Mars  —  Soc.  de 
Biologie}.  Aber  auch,  wenn  die  Infusion  von  Sauerstoff  nicht  ganz 
ungefährlich  wäre,  so  halten  Th.  und  C.  ihre  Anwendung  bei  Phos- 
phorvergiftungen  für  durchatis  dringend  geboten,  weil  die  Patienten, 
falls  die  Menge  des  Giftes  irgend  beträchtlich  gewesen,  bei  Anw*en- 
düng  aller  anderen  Mittel  doch  meistens  dem  Tode  entgegengehen. 
Die  Vff.  wählten  meist  die  Y.  saphena  ext.  zur  Infusion  und  bedien- 
ten sich  eines  sehr  einfachen  von  C.  construirten  Apparates.  Das 
kurze  Rohr  einer  zweihalsigen,  mit  reinem  Sauerstof^^  gefüllten 
Woulf 'sehen  Flasche  wird  durch  einen  Kautschukschlauch  mit  der 
Infusionskanüle  verbunden.  Das  lange  Rohr,  welches  durch  den 
Stöpsel  des  anderen  Halses  bis  auf  den  mit  Wasser  bedeckten  Flaschen- 
boden reicht,  bringt  man  mit  einem  Heber  in  Verbindung,  der  in 
ein  mit  Wasser  gefülltes  offenes  Maassgefass  eintaucht.  Durch  He- 
ben des  letzteren  fliesst  Wasser  in  die  Flasche  und  während  hier  der 
Wasserspiegel  steigt,  wird  das  Oxygengas  durch  das  kurze  Rohr  in 
die  Kanüle  und  cUe  Vene  getrieben.  Das  übergeleitete  Gasquantum 
bemisst  man  leicht  aus  der  Wassermenge,  welche  aus  dem  Maasscylin- 
der  ausgeflossen  ist.  Die  Schnelligkeit  im  Ausströmen  des  Gases 
lägst  sich  durch  grösseres  oder  geringeres  Heben  des  Maassgefasses 
reguliren.  Es  ist  wichtig,  reinen  nicht  mit  Luft  vermischten  Sauer- 
stoff anzuwenden.  Die  atmosphärische  Luft  als  solche  hat  sich  den 
Vff.  als  ebenso  unwirksam  erwiesen  (zwei  Versuche],  wie  ungenügende 
oder  gar  keine  Infusionen  von  Sauerstoff.  —  Th.  und  C.  entnehmen 
aus  den  ausführlicher  mitgetheilten  22  Versuchen  an  Hunden,  dass, 
um  den  antitoxischen  Effect  zu  erzielen,  man  nicht  weniger  als  150 
bis  200  Ccm.  Sauerstoff,  bei  einem  Körpergewicht  der  Thiere  von  5 
bis  8  Kilo,  einfuhren  dürfe,  dass  aber  bei  grösseren  (schwereren)  In- 
dividuen Infusionen  von  300  bis  500  Ccm.  nöthig  werden  können. 
Sodann  muss  die  Sauerstoffeufuhr  zeitig  genug  geschehen,  ehe  der 
Phosphor  tiefere  Veränderungen  der  Blutmasse  und  der  verschiedenen 
Organe  hervorgebracht  hat.  Gegen  den  Einwurf,  dass  die  Vff.  etwa 
nicht  tödtliche  Dosen  Phosphor  angewandt  hätten,  verwahren  sie  sich 
durch  ControUvergiftungen  ohne  alle  Therapie  und  diirch  die  Angabe, 
dass  sie  pro  Kgnn.  Versuchsthier  durchschnittlich  etwa  16  bis  20 
MilHgrm.  Phosphor  gereicht  haben  und  zwar  in  einer  die  Resorption 
sicher  nur  befördernden  Mischung,  nämlich  in  einer  Emulsion  mit 
Eigelb.  Bei  selbst  geringerer  Dosis  imd  gleicher  Darreichungsweise 
soU  die  Commission  der  Academie  mit  Hülfe  des  Terpentinöls  keine 
Lebensrettung  mehr  ermöglicht  haben.  Interessant  ist  Versuch  13, 
wo  durch  Versehen,  statt  in  die  Vene,  das  Gas  in  das  umgebende 
Bindegewebe  eindrang  und  Emphysem  fast  der  ganzen  Hinterpfote 
zur  Folge  hatt£.  Das  vergiftete  Thier  erholte  sich  nur  wenig  und 
ging  im  Laufe  der  folgenden  Nacht  zu  Grunde.     Die  Section  ergab 

den  charakteristischen  Befund  der  Phosphorvergiftung. 

Lesser  (Berlin). 


360  Centralblatt  f&r  Chirurgie.    No.  23. 

Pajot.    Le  Chloroforme  dans  les  acconchements  natnrels  con- 
sidere  aux  points  de  vue  scientifique  et  pratique. 

(Annales  de  Oynecologie  1875.  Janvier.) 

P.  wendet  sich  besonders  gegen  die  sogenannten  Chloroform* 
Accoucheure  (Accoucheurs  anesthesistes)  und  zeigt  nach  den  verschie- 
densten Gesichtspuncten  hin^  dass  das  sogenannte  Anchloroformiren  bei 
natürlichen  Geburten,  die  halbe  Anästhesie  der  Frau,  vom  Arzt 
ganz  allein  ausgeführt  ohne  irgendwelche  andere  ärztliche  BeihiUfe 
durchaus  zu  verwerfen  sei.  Das  Besiune  seiner  Auseinandersetzungen 
ist  nach  P.'s  eignen  Worten  folgendes: 

1)  Das  Chloroform  hat  in  der  GeburtshiUfe  für  alle  Zeiten  seinen 
scharf  markirten  Platz.  Kein  praktischer  Arzt  wird  zögern,  es  mit 
allen  nöthigen  Vorsichtsmassregeln  anzuwenden  bei  schmerz- 
haften Operationen,  oder  bei  spontanen,  abnormen  Entbindungen. 

2)  Die  volle  Anästhesie  bei  natürlichen  Entbindungen, 
während  der  Erweiterung  der  Uterinorificien  und  der  Vulva,  ist  eine 
Vornahme,  über  die  sich  streiten  lässt.  Ihre  Gefediren  und  Nachtheile 
scheinen  beträchtlich  ihre  Vortheile  zu  übertreffen.  Jedoch  hat  auch 
die  gegentheilige  Meinung  ihre  Gründe  und  lässt  sich  vertheidigen. 

3)  Es  ist  ein  entschiedener  Beobachtungsirrthum,  dass  die  ganze 
Periode  der  Erweiterung  (Eröffiiungs-  und  Austreibungsperiode)  im 
Allgemeinen  von  den  Frauen  leicht  ertragen  werde. 

4]  Eben  so  falsch  ist  es,  dass  das  sogenannte  Anchloroformiren, 
wie  behauptet  worden  ist,  die  üterincontractionen  verringere  und  ver- 
langsame. 

ö]  Die  halbe  Anästhesie  (Chloroforme  a  la  reine  der  Engländer) 
ist  eben  so  unnütz  wie  harmlos,  und  erscheint  an  Stelle  verzögernder 
Mittel  geeignet,  auf  die  Einbildungskraft  der  Frauen  einzuwirken  und 
so  Zeit  gewinnen  zu  lassen,  wenn  bei  einer  natürlichen  Entbindung 
nichts  Anderes  zu  thun  ist.  LeoiH^i  (Leipiig). 

Th.  EeitiL     Operation  bei  eiternden  Ovarialcysten. 

(Edinburgh  med.  Journal  1875.  Febr.  p.  673.} 

Während  man  bisher  die  Ovariotomie  hauptsächlich  bei  nicht  in 
Umsetzung  begriffenen  Ovarialcysten  in  Anwendung  zog,  will  K.  die 
Grrenzen  der  Operation  erweitem  und  räth  die  Ovariotomie  ganz  be- 
sonders in  den  Fällen  zu  machen,  in  welchen  der  Cysteninhalt  in 
eitriger  oder  jauchender  Umsetzung  begriffen  ist,  oder  bei  welchen 
nach  der  Function  septische  Erscheinungen  »typhoid  symptomsc  ein- 
treten. Er  selbst  hatte  vor  10  Jahren  zum  ersten  Male  die  Ovario- 
tomie in  einem  derartigen  Falle  während  des  Halbdelirium  des  sep- 
tischen Fiebers  erfolgreich  ausgeführt  (Lancet  1865,  p.  480)  und  sie 
seitdem  in  12  Fällen,  von  denen  2  chronische  Eiterung  darboten, 
wiederholt.  Wenn  auch  der  Allgemeinzustand  der  Persoueu  höchst 
ungünstig,  die  Operation  wegen  der  zahlreichen  Verwachsungen  der 


Centralblatt  fftr  Chirurj^e.    No.  23.  361 

Geschwukt  sekr  mühsam  und  langdauemd  ist,  die  Kranken  für  den 
Zuschauer  solcher  Oyariotomieen  als  absolut  verlorene  erscheinen,  so 
widerspricht  dieser  ungünstigen  Prognose  die  günstige  Erfahrung, 
denn  K.  hatte  nur  2  Todesfalle  zu  beklagen.  Die  9  bisher  nicht 
veröffentlichten  Fälle,  welche  im  Originale  ausführlich  wiedergegeben 
sind,  sind  folgende: 

1]  Acut  eiternde  Ovariencyste,  Ovariotomie»  Genesung.  Bei  der 
35jähr.  Frau  bestand  nachweisHch  seit  2  Jahren  ein  jetzt  stark  ver- 
wachsener Ovarialtumor,  bei  dessen  Function  3  Gallonen  dicker,  eitri- 
ger Flüssigkeit  entleert  wurden;  nach  3  Wochen  hatte  sich  unter 
Zunahme  der  bestehenden  Fiebererscheinungen  die  Cyste  wieder  an- 
gefüllt; Ovariotomie  am  13.  Juli  1871;  die  Cyste  überall  adhärent, 
verdicktes  Peritoneum  sehr  verändert,  viel  Blutverlust.  Die  ersten 
24  Stdu.  bestand  hohe  Lebensgefahr,  dann  Besserung;  in  der  4. 
Woche  wird  ein  abgesacktes  peritonitisches  Exsudat  durch  Function 
entleert;  nach  5  Wochen  wird  die  Frau  geheilt  entlassen  und  befin- 
det sich  heute  noch  ganz  gesund. 

2)  Acut  eiternde  Cyste,  Ovariotomie,  Genesung.  40jähr.  Frau 
mit  grösstentheils  adhärenter,  multiloculärer  Cyste;  Entleerung  eines 
Eimers  voll  dicklicher  (?)  Flüssigkeit  ändert  die  Lagerung  der  Cyste 
zu  ihrer  Umgebung  in  keiner  Weise;  2  Wochen  später  war  heftiges 
Fieber  angetreten  mit  schnellem  Verfall  der  Kiäite,  Am  27.  JuK 
1872  mühsame  Ovariotomie;  die  Geschwulst  wog  30  Pfd.;  die  ersten 
2  Tage  gaben  wenig  Hoffnung,  dann  erfolgte  gleichmässige,  schnelle 
Besserung  und  es  besteht  z.  Z.  noch  volle  Gesundheit. 

3)  Acut  eiternde  Cyste  bei  niedriger  Temperatur,  Ovariotomie, 
Genesung. 

Die  5 7 jähr.  Frau,  vor  2  Monaten  pxmctirt,  hatte  Oedem  der 
Beine,  der  Vulva  und  Bauchdecken,  wenig  Eiweiss  im  Urin;  der 
Bauchumfang  in  der  Höhe  des  Nabels  betrug  46".  Bei  der  hoch* 
gradigen  Abmagerung,  dem  kleinen,  frequenten  Pulse,  der  andauernd 
niedrigen  Temperatur  etc.  vermuthete  K.  einen  malignen  Ovarial- 
tumor und  wollte  der  Erleichterung  wegen  nur  eine  Function  machen ; 
als  aber  bei  der  Function  sich  stinkende  Eitermassen  entleerten  — 
die  niedrige  Temperatur  hatte  die  Diagnose  der  Suppuration  zurück- 
gewiesen —  so  gestalteten  sich  die  Aussichten  günstiger  und  es  wurde 
trotz  der  rothen,  trockenen  Zunge,  der  Diarrhoe,  der  profusen  Schweisse 
und  dem  leeren  umnebelten  Blicke  bei  voller  Apathie  am  21  Septbr. 
IS 72  die  vielfacher  Adhäsionen  wegen  mühsame  Operation  gemacht; 
20  Catgutligaturen  wurden  nothwendig;  der  Stiel  durch  Glüheisen 
getrennt  und  versenkt;  die  Cyste  ohne  Inhalt  wog  12  Pfd.;  nach 
einigen  Stunden  hob  sich  Temperatur  und  Puls;  gleichmässig  zu- 
nehmende Besserung  begann  nach  2  Tagen;  in  der  5.  Woche  konnte 
Patientin  geheilt  entlassen  werden. 

4)  Acut  eiternde  Cyste,  Operation,  Genesung.  Dieser  Fall  be- 
traf ein  20jähr.  Fräulein,  deren  Schwester  an  Ovarialleiden  zu  Grunde 
gegangen  war;  Bauchumfang  betrug  37^2"^  der  Allgemeinzustand  war 


362  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  23. 

T^enig  erfreulich.  Operation  am  31.  Decbr.  1872,  sehr  schwierig; 
die  zahlreichen  kleinen  Cysten  sehr  leicht  zerreisslich ;  der  kurze 
Stiel  wird  durch  Glüheisen  abgetrennt;  starker  Blutverlust;  hoch- 
gradige Erschöpfung  nach  der  Operation,  erst  am  9.  Tage  tritt  sicht- 
liche Besserung  ein.     Vom  29.  Tage  ab  schnelle  Seconvalescenz. 

5)  Acut  eiternde  Cyste,  Pyämie,  Operation.     Tod  am  3.  Tage. 
Eine  53jähr.  Frau  3  Mal  punctirt,  bekommt  Eiterung  der  Cyste. 

Ihr  Zustand  so  trostlos,  dass  durch  die  Operation  nur  ein  Versuch 
gemacht  wurd^,  das  sicher  verlorene  Leben  zu  retten.  25.  Jan.  187S 
Ovariotomie,  breite  Verwachsungen  mit  Darm  und  unterer  Leber- 
fläche; die  vordere  Cyste  voll  Eiter,  Stiel  sehr  kurz  und  breit  wird 
durch  Cauterium  getrennt;  zahlreiche  Ligaturen  sind  noth wendig. 
Anfangs  schien  alles  gut  zu  gehen,  dann  Peritonitis  und  obwohl  die 
nächsten  2  Tage  keine  besonderen  Erkrankungserscheinungen  boten, 
so  trat  unter  Abnahme  der  Kräfte  am  3.  Tage  der  Tod  ein.  Im 
Abdomen  fand  sich  unter  der  Leber  t  Unze  Eiter,  um  den  SüA 
eine  Art  Höhle  mit  8  Unzen  rothen  Serums  erfüllt,  im  Becken  eine 
Spur  klaren  Serums. 

6)  Acut  eiternde  Cyste,  Ruptur,  Operation,  Genesung.  Bei  der 
27jähr.  Person  bestand  eine  seit  18  Monaten  nachgewiesene  multi- 
loculäre  Cyste.  Neben  Anämie  litt  Pat.  auch  an  Chorea.  Die  Puno* 
tion  entleerte  blutigen  Inhalt.  Im  Septbr.  Eiterung  in  der  Cyste, 
heftige  Schmerzen  im  Abdomen,  die  Extremitäten  kühl,  die  Athmung 
schwer,  der  Puls  klein,  das  Abdomen  sehr  ausgedehnt.  Da  an  einer 
Ruptur  der  Cyste  kein  Zweifel  sein  konnte,  so  wurde  durch  eine 
Incision  die  freie  Flüssigkeit  entleert;  nach  3  Tagen  hatte  sich  der 
Zustand  so  weit  gebessert,  dass  die  Operation  möglich  war.  Die  am 
23.  Octbr.  1872  ausgeführte  Ovariotomie  hatte  ihre  besondere  Schwie- 
rigkeit wegen  der  starken  Verwachsung  mit  Netz  und  Leber;  viele 
Catgutligaturen ;  ein  Stiel  fast  gar  nicht  vorhanden,  der  Tumor  grenzte 
direct  an  den  Uterus.  Vom  3.  Tage  ab  gleichmässige  Besserung; 
am  26.  Tage  die  Wunde  vernarbt.  Die  Chorea  ist  seitdem  ver- 
schwunden. 

7)  Acut  eiternde  Cyste,  Operation,  Genesung.  Eine  grosse,  mul- 
tiloculäre  Cyste  bestand  bei  der  36jähr.  Frau  nachweislich  seit  2  Jah- 
ren; der  Bauchumfang  bei  der  anämischen,  hochgradig  abgemager- 
ten Person  52".  Die  Punction  brachte  grosse  Erleichterung  der  Kran- 
ken. Bald  aber  zeigten  sich  die  Symptome  der  Eiterung,  deshalb 
am  13.  Sept.  1873  Ovariotomie;  kurzer  Stiel;  die  Cyste  ohne  Inhalt 
wog  15  Pfd.    Schnelle  Besserung;  am  15.  Tage  ist  Pat.  ausser  Bett. 

Die  beiden  Fälle  chronischer  Ovarialcysten-Eiterung  —  hier  war 
keine  Punction  als  Ursache  anzuschuldigen  —  boten  nichts  Beson- 
deres und  verliefen  gut. 

Am  Schlüsse  des  Artikels  giebt  K.  ein  Resumi  der  Vorkomm- 
nisse bei  den  soeben  beschriebenen  Ovariotomieen  und  erörtert  die 
Symptome  der  Cysteneiterung.  Pilz  (Stettin). 


Cenlaralblatt  fQr  Chinii|^e.    No.  23.  363 

Kleinere  Miitheilungen. 

Chloroform-Tod. 

(British  möd.  Journal  1874.  Vol.  II.  p.  783.) 
Im  Londoner  Boyal  Free  Hospital  wurde  ein  14jfthr.  M&dohen  behufs  genauer 
Untersuchung  des  Hüftgelenks  chloroformirt.  Nach  Einathmung  von  60  Tropfen 
innerhalb  2  Minuten  eHolgte  plötxlich  trotz  Zuhfllfenahme  der  SilTester'schen 
Belebungsmethode  und  der  Anwendung  der  £lectricit&t  der  Tod.  Die  Section  er* 
gab  nichts  Abnormes;  sftmmtliche  Organe  waren  gesund.  PUx  (Stettin). 

Tod  nach  Einathmung  von  Bichlorid  of  Methylen. 

(British  med.  Journal  1S74.  Vol.  U.  p.  823.) 
Dem  sehr  kursen  Berichte  zufolge  wurden  zur  Narkotisirung  3  Drachmen  Ter- 
braucht.  Nach  2  Minuten  sterthorOses  Athmen;  am  Ende  der  Operation  (Ent- 
fernung einer  kleinen  cariösen  Stelle  nahe  dem  Thrftnenbeine)  setzte  plötzlich  Puls 
und  Athmung  gänzlich  aus.  Trotz  aller  angewandten  Belebungsversuche  kam  Fat. 
nicht  wieder  zu  sich.    Einer  Section  ist  nicht  Erwähnung  gethan. 

Pils  (Stettin). 
Roehlen.     Transfusionen . 

fConrespondenzblatt  der  irztl.  Vereine  in  Rheinland  etc.  etc.  1875.  p.  34.) 
R.  berichtet  Aber  den  weiteren  Verlauf  früher  gemachter  Lammbluttransfusio* 
nen  (s.  Centralbl.  f.  Chir.  1874,  p.  54.3).  In  dem  Fall  von  hochgradiger  Chlorose, 
der  »vollständig  hergestellt  wurde«,  war  die  Wirkung  der  Transfusion  nicht  von 
Dauer.  Anämie  und  Schwäche  kehrten  wieder.  Bei  einer  abermaligen  Transfusion 
entwickelte  sich  von  der  Gegend  der  Arm  wunde  aus  am  12.  Tage  eine  heftige 
Phlegmone  des  ganzen  Armes.  Die  Wunde  selbst  blieb  dabei  theilweise  geschlossen. 
Nur  an  den  beiden  Endpuncten  des  Schnittes,  wo  die  mit  Catgut  unterbundene 
Vene  lag,  zeigte  sich  eine  äusserst  geringe  Eiterung.  Die  Kranke  kam  in  ihren 
Kräften  wesentlich  herunter.  —  Ein  Fall  von  chronischer  Pneumonie  wurde  ebenso 
mit  einer  zweiten  Transfusion  behandelt.  Einige  Besserung.  Die  Dämpfung  scheint 
eine  etwas  geringere  als  früher.  —  Ausserdem  wurden  an  3  neuen  Patienten  (Anä> 
mie  und  Hysterie,  Lungentuberkulose)  einmalige  Transfusionen  ausgeführt.  Theils 
gänzliche  Resultatlosigkeiti  theils  geringe  Besserung.  Madelimg  (Bonn). 

M.  Meyer.     Bericht  über  die  chirurgische  Abtheilung  der  Kranken- 

Terpflegungsanstalt  der  jüdischen  Gemeinde  zu  Berlin  für  das  Jahr  1872. 
(Arch.  f.  khnische  Chirurgie  1874.  Bd.  XVII.  Hft.  3.  p.  423-442.) 

Zweite  eines  Auszuges  nicht  f&hige  Hälfte  des  in  No.  27,  1874  des  Centralbl. 
f.  Chir.  referirten  Aufsatzes.  Derselbe  behandelt  die  Krankheiten  der  Gelenke, 
Sehnenscheiden  und  Muskeln,  die  angeborenen  Verkrümmungen,  die  Hernien,  end- 
lich die  Krankheiten  der  Harn-  und  Oeschl^chtsoigane. 

Als  interessant  wären  zwei  Hüftgelenksentzündungen  hervorzuheben,  die  sich 
infolge  angestrengten  Gehens  bei  offenem  Bubo  bildeten.  Das  eine  Mal  erfolgte 
die  Heüung  erst  nach  Resection  des  Gelenkes. 

Carcinome  des  Kniegelenks  kamen  2  Mal  zur  Beobachtung. 

WUh.  Koeb  (Berlin). 

M.  Hagen«     Beobachtungen  über  Carbolsäure  als  Antiphlogisticum. 

(Bayer,  ärztl.  Intelligenzbl.  1874.  No.  32.  p.  295.) 

Verf.  machte  Injectionen  von  Carbolsäurelösung  (2X}  in  folgenden  Fällen: 
1)  bei  einer  Phlegmone  der  Hand,  2)  in  einem  Falle  von  Vereiterung  der  linken 
Niere  mit  Uebeigreifen  der  Entzündung  auf  die  Umgebung,  3)  in  2  Fällen  von 
croup<>8er  (?  Ref.)  Entzündung  des  Kehlkopfes  und  der  Fauces  bei  Kindern,  4)  in 
einem  Falle  von  Cruralneuralgie,  5)  bei  6  Fällen  von  croupöser  Pneumonie. 

Die  Injectionen  sollen  immer  sofort  den  günstigsten  Erfolg  gehabt  haben  (!  Bef.), 
namentlich  behauptet  Verf.,  es  hätten  die  Pneumonieen  nach  den  Injectionen  »das 
Ansehen  und  den  Verlauf  von  leichten  Fällen  bekommen«.  Die  ungenaue  Mitthei- 
lung der  Fälle  gestattet  kein  Urtheil  über  ihre  Beweiskraft. 

P«  Bruis  (Tübingen). 


364  Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  23. 

J.  Wolff.     Ueber  die  Expansion   des  Knochengewebes.     Vortrag  in 
der  Berl.  med.  Gesellschaft  am  16.  Decbr.  1874. 
(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  6,  7  u.  8.) 
In  einer  Polemik  gegen  Wegner  vertheidigt  Verf.  seine  Ansicht  Ober  Kno- 
chenwachsthum.    An  den  Experimenten  wird  zunächst  der  Umstand  getadelti  dass 
Wegner  viel  au  starke  Nägel  und  Drähte  genommen  habe,  wodurch  das  normale 
Expansionsvermögen  der  Knochen  zu  sehr  alterirt  werde.  Ferner  glaubt  Verf.  von 
den  durch  Wegner  citirten  Autoren,    welche   experimentell  nur  apposition^Uea 
Wachsthum  gefunden  haben  sollten,  dass  sie  theilweise,  besonders  Duliamel,  ge- 
rade entgegengesetzte  Kesultate  gewonnen  und  ausgesprochen  haben.    Aus  seinen 
experimentellen  Arbeiten  und  deren  Resultaten,  aus  der  Structur  der  Knochenbalken 
bei  den  Knochen  yersdiieden  alter  Individuen  und  aus  der  mikroskopischen  Unter- 
fluchung  wachsender  Knochen  schliesst  Verf.,   dass  das  Wachsthum  der  Knochen 
durch  Expansion  erfolge.  T*  Mosengeil  (Bonn). 

■ 

J.  Spenoe.     Tetanus  traumaticus,  erfolglos  mit  Calabar  behandelt. 

(The  Lancet  1875.  Vol.  I.  p.  13.) 
Das  vorwiegend  von  englischen  Beobachtern  als  besonders  wirksam  bei  Tetanus 
gerühmte  Extract  der  Calabar-Bohne  liess  in  S.'s  Fall  gänzUch  im  Stich,  obwohl 
als  kräftige  Adjuvantien  Morphium,  Bromkali,  Chloroform,  Chloralhydrat  in  nicht 
geringen  Dosen  zur  Seite  standen ;  in  3  Tagen  wurden  nicht  weniger  als  22  gran  des 
alkoholischen  Extracts  verbraucht.  9  Tage  nach  Auslösung  des  verletzten  Fusses 
im  Fussgelenke  trat  der  Tod  ein.  Pilz  (Stettin;. 

Pescamps.     Tetanos  traumätique.  —  Traitement  par  le  ehloroforme 

en  inhalations.  —  Mort. 
(Archives  m^dicales  beiges  1875.  Hft.  2.) 
Die  von  Si6gard  gegen  Tetanus  so  dringend  empfohlenen  Chloroforminhala- 
tionen hat  D.  in  seinem  Falle  unwirksam  gefunden.  Es  handelte  sich  um  eine 
Fingerverletzung,  welche  unter  den  bekannten  (zum  Theil  auch  septhämischen) 
Symptomen  tödtlich  endete.  Bei  der  Section  fand  man  Erweichungszustände  im 
Rückenmark,  besonders  im  Cervicaltheil,  und  Rothung  der  vorderen  Stränge,  sonst 
nichts  Auffälliges.  Am.  HUler  (Berlin; . 

A.  Juraaz.     Gelftemium   senipervirene  gegen  Neuralgie. 

(Medycyna  1875.  No.  14,  polnisch.) 
Die  aus  der  Merk 'sehen  Droguenhandlung  in  Daimstadt  bezogene  Tinctur 
des  Mittels  wurde  mit  Erfolg  in  3  Fällen  von  Neuralgie   (2  Mal  supraorbitale, 
1  Mal  im  Oberarm)  zu  5—10  Tropfen  2  bis  3  Mal  täglich  angewandt  —  nachdem 
andere  Mittel  fruchtlos  versucht  worden  waren.  ObaUnski  (Krakau). 

Amussat  (fils) .    Ablation  des  tumears  pedicu16e8  de  la  peau  au  moyen 

d/^  la  galvauocaustique  thermique. 
^Revue  de  Therapeut,  m^dic.-chirurg.  1875.  No.  2  u.  3.; 
Den  3  von  Middeldorpf  im  Jahre  1854  veröffentlichten  günstigen  Erfolgen 
bei  der  Exstirpation  verschiedener  Tumoren  der  Haut  mittelst  der  galvanocausti- 
sehen  Schlinge  —  weitere  Mittheilungen  hat  A.  in  der  Litteratur  nicht  finden  kön- 
nen —  reiht  Verf.  7  ganz  ähnliche  Fälle  an,  in  welchen  mehr  oder  weniger  ge- 
stielte Papillome,  Lipome,  Fibrome  und  spitze  Condylome  der  Haut  unter  Anwen- 
dung galvanischer  Instrumente,  ausser  der  Schlinge  auch  Scheere  und  Bistouri, 
abgetragen  wurden.  Der  Operations-  und  Heilungsverlauf  war  in  allen  Fällen  ein 
befriedigender.  Casuistik,  histologischer  Befund  und  Abbildungen  bringen  nichts  Neues. 

Arn.  Hüfer  (Berlin). 

Mo,  Leod.     Foreign  body  in  the  larynx.    Extraction.    Tracheotomy. 

Recovery. 
(The  Indian  Med.  Oaiette  1875.  Vol.  X.  No.  3.  p.  72.) 
Ein  14monatl.  Knabe  verschluckte  eine  Schraube  von  IV4  Zoll  Länge.     Eine 
Stunde  später  wurde  das  Kind  im  asphyctischen  Zustande  zu  M.  gebracht.    Bei 


Centralblatt  ffir  Chirargie.   No.  23.  365 

der  Digitalexploration  fand  er  den  Sehnubenknopf  über  den  Kehlkopfsein^ng 
gelagert,  der  übrige  Tb  eil  steckte  in  dem  Larynx  und  wurde  dort  krampfhaft  so 
festgehalten,  dass  die  Schraube  nur  mit  Anwendung  von  betrfichtlicher  Gewalt  und 
mit  grosser  Verletzung  der  inneren  Laxynxauskleidung  herausbefördert  werden 
konnte.  Da  sich  die  Respiration  durch  Reizmittel  nicht  befriedigend  herstellen 
wollte,  machte  M«  in  der  Voraussetaung,  dass  der  Zustand  der  verletzten  Kehl- 
kopftchleimhaut  daran  schuld  sei,  die  Tracheot.  infrathyroid.  und  legte  die  Kanüle 
ein,  worauf  die  Respiration  gut  wurde.  A.  Bürger  (London)* 

T«  WcK^Terton.     Fremder  Körper  im  Bronchus. 

(The  Boston  med.  and  surg.  Journal'  1875.  p.  285.) 

In  der  Trunkenheit  fiel,  eine  Thonpfeife  im  Mund,  ein  56jähr.  Mann  5  Fuas 
hoch  aus  der  H&ngematte  auf  den  Boden;  die  erste  Viertelstunde  bestand  er- 
schwerte Athmung,  heftiger  Schmerz  hinter  dem  Brustbeine  und  grosse  Schmerz- 
haftigkeit  der  contnndirteu  Schultergegend.  3  Tage  spftter  klagte  Fat.  Tiel  Ober 
Husten  und  bekam  beim  Aufrichten  behufs  genauer  Brustnntersuchung  einen  £r- 
sticknngsanfall.  Man  fand  linksseitigen  Lungenkatarrh;  dabei  war  im  Uebrigen 
die  Athmung  frei.  Am  4.  Tage  erfolgten  wieder  einige  krampfhafte  Hustenaaf&lle 
und  in  einem  derselben  entleerte  er  ein  Vi"  langes  Stück  Thonpfeife  und  1  Drachme 
hellrothes  Blut.    Die  n&chsten  Tage  bestand  noch  eine  leichte  Bronchitis. 

Pils  (Stettin). 

Bomiäe.     Quelques  mots  sur  les  tumeurs  intraoculaires. 

[Annales  de  la  soc.  m6d.  chir.  de  Liöge  1875.  F^vrier.  p.  57.) 

Zweimalige  Enucleatio  bulbi  wegen  Sarcom  der  Chorioidea,  das  eine  Mal  bei 
einer  64  Jahre  alten  cachectischen  Frau,  das  zweite  Mal  bei  einem  U/i^Üta.  Kna- 
ben. In  beiden  F&llen  rasche  Heilung.  Die  alte  Frau  war  noch  nach  2  Monaten 
schmerzfrei,  ohne  Recidiv,  und  ihr  Allgemeinzustand  befriedigend. 

üllersperger  (München). 

O.  Iiawson.     Fractur  der  Schädelbasis  mit  geringen  Erscheinungen. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  I.  p.  210.) 

Der  42f4hr.  Mann  auf  der  Strasse  liegend  geftmden  und  durch  einen  Schutz- 
mann in's  Middlesex  Hospiul  gebtmoht,  kam  auf  lautee  Anreden  etwas  su  sich, 
konnte  anfangs  keine  Angaben  machen,  wurde  aber  im  Laufe  des  Tages  etwas  be- 
sinnlicher; man  bemerkte  nur  eine  kleine  Hautwunde  an  der  rechten  Kopfiieite 
und  geringe  Blntung  aus  dem  linken  Ohr;  bald  nach  der  Aufnahme  erfolgte  ein 
epileptischer  AnM,  am  2.  Tage  trat  Delirium  tremens  ein.  Seit  dem  5.  Tage  er- 
neute sich  eine  Reihe  epileptischer  (?)  Anfälle;  in  einem  derselben  am  12.  Tage 
erfolgte  plötzlich  unerwartet  der  Tod. 

Die  wie  es  scheint  für  besonders  wichtig  angesehenen  Angaben  der  Frau  er- 
gaben, dass  der  Verstorbene  mit  seinen  3  BrQdern,  gerade  wie  der  Vater,  Sftufer 
war;  alle  2^3  Monate  ergab  er  sich  auf  3—4  Wochen  heftigem  Trünke  und  den 
Abschluss  bildete  immer  ein  Delirium  tremens  und  eine  Reihe  epileptischer  Anfälle, 
worauf  die  Pause  der  Massigkeit  erfolgte.  Auf  diese  Aussagen  hin  (!?j  wurde  die 
ursprüngliche  Diagnose  der  Schädelfractur  fallen  gelassen. 

Section:  Blutige  Infiltration  des  rechten  Temporalmuskels ;  beträchlüches 
festes  Blntcoagulum  zwischen  rechtem  os  temp.  und  dura  mater,  sowie  zwischen 
Pia  und  Oehim  beiderseits  an  den  temporo-sphenoid.  Lappen  und  in  der  Hinter- 
hauptsgegend (?);  an  diesen  Stellen  war  die  Corticalsubstanz  zerrissen.  Eine  lineare 
Fractur  ging  quer  durch  die  Schädelbasis  von  dem  Schuppentheil  eines  Schläfen- 
beines zum  andern  durch  die  Felsenbeine  und  Keilbeinkörper,  so  dass  nach  Ent- 
fernung der  Schädeldecke  die  Gesichtsknochen  wie  in  einer  Gelenkverbindung  be- 
weglich erschienen. 

Das  sogenannte  Delir.  tremens  und  mehr  noch  die  »häufigen  epileptischen  An- 
fälle« dürften  doch  wohl  mit  der  Verletzung  in  Verbindung  gebracht  werden. 

PILe  (Stettin). 


366  Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  23. 

J.  Badek.     Ein  Fall  ron  Struma  cystica. 

(Przegli^d  lekaiski  1875.  No.  18,  polniBch.) 
Die  kindskopfgrosse  Cyste  bestand  bei  dem  28jähr.  Schustergesellen  seit  10 
Jahren  und  erst  seit  etlichen  Wochen  begann  Pat.  über  Schmersen,  Heiserkeit, 
Ohrensausen,  Funkensehen  etc.  zu  klagen,  welche  Symptome  ihn  auch  das  Spital 
aufzusuchen  nöthigten.  Die  Cyste  bewegte  sich  nach  oben  beim  Schlingen,  der 
Larynx  war  gegen  die  rechte  Seite  —  die  linke  Carotis  communis  dagegen  nach 
aussen  vom  linken  m.  stemocleidomastoideus  {verschoben.  —  Operation  mittelst 
galvanocaustischer  Schneideschlinge  und  Drainage  —  Entleerung  von  2  Pfd.  choco- 
ladenfarbiger  Flüssigkeit;  der  eingeführte  Finger  fühlte  an  den  Cystenwandungen 
kalkartige  Ablagerungen.    In  2  Monaten  völlige  Heilung. 

Obalinski  (Krakau). 

Terrillon.     Traitement  des  polypes  muqueux  des  fosses  nasales. 
(Bulletin  g6n6ral  de  th6rapeutique  Vol.  LXXXVII.  No.  12.) 

Verf.  empfiehlt  die  Ausrottung  der  Polypen  mittelst  eines  modificirten  Maist>n  - 
neuve 'sehen  Constricteurs.  Das  Instrument  ist  kleiner  und  besitzt  eine  stumpf- 
winkelige Krümmung.    Die  eigentliche  Operation  geschieht  nach  bekannten  Regeln. 

Die  Blutung  soll  fast  null  und  der  Schmerz  höchst  unbedeutend  sein. 

Die  empfohlene  Nachbehandlung  mit  Stypticis  u.  s.  w.  unterscheidet  sich  wenig 
von  der  üblichen.  Gtrard  (Strassburg  i/E.). 

H.  Cayley.     Large  fatty  tumour  of  arm. 

(The  Ind.  Med.  Gazette  1875.  Vol.  X.  No.  3.  p.  69.) 
C.  beschreibt  vielleicht  die  grösste  Fettgeschwulst,  die  an  der  Stelle  ihres 
Sitzes,  nämlich  der  inneren  Seite  der  unteren  Hälfte  des  1.  Oberarms,  beobachtet 
worden  ist.  Ihr  Hals  hatte  einen  Umfang  von  18  engl.  Zoll;  in  der  Mitte  betrug 
der  Umfang  3  Fuss;  nach  Entfernung  wog  sie  23  Pfd.  Sie  hing  mit  der  die  Oe- 
fasse  deckenden  Fascie  zusammen.  A^  Borger  (London). 

Biohet.     Luxation  scapulo-hum^rale  ancienne.  —  Taraudage. 

(Revue  de  th^rapeutique  m6dic.  chirurg.  1875.  No.  8.) 
Unter  dem  Namen  »Taraudage«  (Schraubendrehung)  empfiehlt  R.  für  ver- 
altete Humerus-Luzationen  ein  Verfahren,  welches  in  der  wiederholten  Ausfahrung 
von  Rotations-  und  Circumductionsbewegungen  des  Oberarms  besteht  und  den 
Zweck  hat,  durch  Dehnung,  resp.  Zerreissung  der  neugebildeten  fibrösen  Ver- 
wachsungen den  gefesselten  Humeruskopf  wieder  flott  zu  machen.  Es  soll  weni- 
ger Kraftaufwand  erfordern,  als  directe  Tractionen,  namentlich  mittelst  Flaschenzug. 
(Ein  längst  bekanntes  und  in  Deutschland  vielfach  angewandtes  Verfahren.    Red.) 

Am.  HUler  (Berlin). 

Uhde.     Uniloculäre  OvariencyBte  (?).  Smalige  Function.     Unvollstän- 
dige Exstirpation.     Tod. 
(Deutsche  Klinik  1875.  No.  9.  p.  69.) 
Bei  einer  37jäbr.  Pat.,  welche  seit  20  Jahren  an  einer  Anschwellung  des  Unter- 
leibes litt,  wurde  nach  wiederholter  Function  die  Diagnose  auf  einkämmerige  Ova- 
riencyste gestellt  und  im  Jahre  1867   die  Laparotomie  zum  Zwecke  der  Exstirpa- 
tion  der  Ovarialcyste  ausgeführt.    Nach  Eröffnung  der  Bauchhöhle  und  Function 
der  Cyste  (es  entleerten  sich  28  Pfund  einer  hellen,  alkalisch  reagirenden,  wenig 
eiweisshaltigen  Flüssigkeit  von  1,016  specifischem  Gewichte)   wurde  wegen   Ver- 
wachsung der  Cyste  mit  der  hinteren  Bauchwand  nur  eine  partielle  Exstirpation 
der  vorderen  Cysten  wand  ausgeführt.    Tod  am  3.  Tage.    Bei  der  Section  ergab 
sich,  dass  es  sich  um  eine  Cyste  der  rechten  Niere  (Hydronephrose)  handelte. 

P.  Brnns  (Tübingen). 

A.  E.  Fiok.     Ueber  den  cozitischen  Knieschmeiz. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  10.) 
Verf.  citirt  Hyrtl»  nach  welchem  das  Hüftgelenk  nur  von  einem  Aeatchen 
des  N.  obturatorius  versorgt  werde,  das  Kniegelenk  dagegen  durch  8  bis  9  (vom  n. 
cruralis  2,  vom  n.  peronaeus  2,  vom  tibialis  3,  saphenus  major  1  und  bisweilen  vom 


Centnlblatt  fflr  Cbirargie.    No.  23.  367 

B.  obtimtoriuB  1).  Hieraus  leitet  Verf.  geringere  Empfindlichkeit  des  Httftgelenkee 
her  und  dedncirt  aus  dem  Umstand,  dam  Laien  yon  ihrem  Hüftgelenk  keine  richtige 
Vorstellang  haben,  meiat  nicht  einmal  ron  seiner  Betheiligung  beim  Oehaet  etwas 
wissen,  dass  der  coxitische  lüiieechmen  auf  falscher  Deutung  das  im  Anfang  nur 
unbedeutenden  Hüftschmenes  beruhe  (fehlerhafte  Localisation).  Verf.  schlftgt  nun 
Tor,  Patienten  mit  beginnender  Cozitis  und  betreffendem  Knieschmers  anatomisch 
und  physiologisch  über  das  Hüftgelenk  und  seiner  Functionen  au  unterrichten,  dar- 
nach aber  nach  dem  Sita  der  Schmeraen  i u  fragen.  Mit  annehmender  Erkenntniss 
werde  der  falsche  Knieschmers  schwinden.  n  Hoeengeil  (Bonn) . 

Ckraity.    Du  traitement  des  fistules  ä  Tanus  par  la  ligature  61a8tique. 

(Bulletin  g^n^ral  de  th6rapeutique  Vol.  LXXXVHI.  No.  2.) 

FtilmeU    Emploi  de  la  ligature  elastique  pour  une  fistule  de  l'espace 

peWi-iectal  superieur. 
(Ibid.  Vol.  XXXVIL  No.  12.) 

C.  empfiehlt  die  Anwendung  der  elastischen  Ligatur  bei  Analflstein  aufs  Leb- 
hafteste. 

Die  Blutung  fehlt  voUstindig;  die  an  und  fflr  sich  schon  sehr  ertrftglichen 
Schmerzen  weichen  dem  Gebrauch  von  Narcoticis  ohne  Schwierigkeit ;  man  braucht 
keine  besonderen  Instrumente. 

Die  elastische  Ligatur  braucht  je  nach  den  Fällen  6—14  Tage,  bis  sie  voU- 
stindig  durchgeschnitten  hat.  Allein  die  Patienten  können  manchmal  schon  am 
ersten  Tage  aufstehen.  —  W&hrend  der  ganzen  Behandlung  braucht  man  nur  für 
leichten  Stuhlgang  zu  sorgen. 

F.  spricht  sich  ähnlich  aus.  —  (Cf.  Centralbl.  f.  Chir.  1874.  p.  415.    Ref.) 

etinacä  (Strassburg  i/E.). 

Shellenbdrger.    Dislocation  of  the  head  of  the  femur  forward  on  the 

pubic  bone. 

(Philadelphia  med.  Times  1874.  No.  165.  p.  197.) 

Ein  64jähr.,  kräftig  entwickelter  Mann  schwang  sich  auf  einen  schnell  dahin* 
fahrenden  Zug»  wurde  aber  in  demselben  Augenblicki  als  seine  linke  Hand  ein 
Eiaengitter  fasste  und  sein  linker  Fuss  auf  den  Tritt  su  stehen  kam,  herabgesohleu- 
dert  und  auf  die  rechte  Hüfte  geworfen. 

Der  Fuss  war  um  s/4  Zoll  verkürzt  und  stark  nach  auswärts  rotirt;  der  Kopf 
des  Femur  stand  auf  dem  Bamus  horizontalis  ossis  pubis  auswärts  von  der  Arterie. 
Bei  dem  Versuche  die  Einrenkung  durch  Flexion  und  Zug  am  oberen  Schenkelende 
begab  sich  der  CTelenkkopf  auf  das  Os  ilium  und  wurde  von  hier  aus  durch  die 
Flexion  und  Botation  nach  aussen  reducirt.  Willu  Koeh  (Berlin) . 

W.  Gilbee.     On  a  case  of  fracture  of  the  os  femoris  with  death  by 

emboliam. 

(The  Australien  Medicat  Journal  1874.  Nov.  No.  163.  p.  339.) 

Ein  39jähr.  gesunder  kräftiger  Mann  erlitt  eine  einfache  Querfractur  zwi- 
schen mittlerem  und  unterem  IMttel  des  rechten  Femur.  Der  Fall  schien  gut  zu 
verlaufen  bis  am  20.  Tage  nach  der  Verletzung  der  Kranke  plötzlich  von  einem 
heftigen  Schmerz  in  der  Präcordialgegend,  der  längs  dem  linken  Stemalrande  nach 
oben  hin  ausstrahlte,  ergriffen  wurde.  Dabei  Gefühl  von  Beengung  in  der  Brust, 
beschleunigte  Respiration  und  beschleunigter  schwacher  Puls,  leichte  convulsivische 
Zuckungen.  Herztöne  rein.  Athmungsgeräusch  normal.  Nach  10  Minuten  Tod 
unter  dien  Erscheinungen  von  CoUaps.  Die  Section  ergab  ab  Todesursache  das 
Loereisaen  eines  gesunden  Fibringerinnsels  aus  der  Ven.  femoral,  und  Fest- 
setzung desselben  an  der  Theilungssteile  der  Art.  pulmonal.  An  dieser  Stelle  war 
die  Arterie  obturirt  durch  einen  dunklen  Blutpfropf,  der  bei  näherer  Prüfung  sich 


368  Centralblatt  far  Gliirurgie.    No.  23. 

aus  wunnförmigen,  yerschlungenen,  abgebrochenen  und  nisammengeprewten  Oe- 
rinnsein,  die  sich  in  die  Zweige  der  Pulmonalarterie  fortaetsten,  susammengeaetst 
zeigte.  An  der  Fracturstelle  fand  sich  guter  Callus,  keine  Splitter,  die  die  Vene 
hätten  Terletzen  können  und,  wie  ausdrücklich  bemerkt  wird,  kein  Eiter. 

(Kef.  beobachtete  einen  Fall,  den  er  ebenfalls  nur  auf  Verschleppung  einea 
gesunden  Fibringerinnsels  Yon  einer  fast  geheilten  OperatioDawunde  in  einen  klei- 
neren Zweig  der  Art.  pnlmon.  zurückfahren  kann.  Wegen  Verletiung  des  Knie- 
gelenkes wurde  einem  kräftigen  29j&hr.  Mann  der  Unke  Oberschenkel  im  unteren 
Drittel  amputirt.  Heilung  per  prim.  intention.  bis  auf  eine  kleine  Stelle  im  Win- 
kel der  Operations  wunde ,  aus  dem  die  sich  frühe  gelösten  Unterbindungsfäden 
herausgehangen  hatten.  In  der  Mitte  der  4.  Woche  nach  der  Amputation  wurde 
dem  sich  sehr  wohlfühlenden  und  blühend  aussehenden  Pat.  aus  dringlichen  Rein- 
lichkeitsgründen in  der  Vormittagsstunde  ein  kurzes  Vollbad  gegeben,  in  das  er 
vorsichtig  gehoben  wurde.  Wenige  Stunden  darauf  (Nachmittags)  Schüttelfrost,  in 
dem  die  Temp.  bis  auf  40,4  stieg.  Dabei  Klagen  über  stechenden  Schmerz  In 
der  Tiefe  der  Brust,  trockenes  Hüsteln.  An  einer  sehr  beschränkten  Stelle  dicht 
unter  dem  Winkel  der  linken  Scapula  ein  leises,  anscheinend  aus  der  Tiefe  kom- 
mendes inspiratorisches  Giemen,  bei  gutem  Percussionsschall  an  der  Stelle.  Nach 
dem  Schüttelfroste,  der  über  eine  Stunde  andauerte  und  mit  Schweiss  endete, 
normale  Abendtemperatur  (l).  Am  folgenden  Tage  subfebrile  Temp.  Am  3.  Tage 
vollständiges  Wohlsein.  Temperatur  normal.  Das  gesunde  Aussehen  der  kleinen 
Wunde  und  die  geringe  Eiterung  hatten  keine  Aenderung  erUtten.)  ' 

A«  Bürger  (London). 

L.  G.  Camison.  Beseccion  subperioatioa  de  la  diafisis  de  la  tibia  j 
socaviamento  de  la  extremidad  articular  superior.    Regeneracion.   Ci- 

catrizacion. 

(La  gaoeta  de  Sanidad  militar.  Madrid  1S75.  No.  1.  p.  21.) 

F.  V.,  einem  32jähr.  Corporal  bei  den  Carabiniers,  von  robustem  Körperbau, 
der  nur  früher  an  hartnäckiger  Malaria  gelitten,  wurde  in  einem  Gefecht  durch 
ein  Gonisches  Projectil  das  obere  Ende  des  Tibiaknochens  firacturirt.  Pat.  wanderte 
mit  seiner  Verletzung  in  vier  verschiedene  Hospitäler.  In  einem  derselben  acqui- 
rirte  er  Nosocomialgangrän  in  der  Wunde,  wodurch  der  obere  Thml  der  Crista 
tibiae  blosgelegt  wurde.  Hier  fand  sich  bei  der  nachträglichen  Aufnahme  desiSolda* 
ten  in's  Sfiilitärhospital  zu  Madrid  ein  Erweichungsherd  im  Knochen,  wo  die  Sonde 
leicht  in  das  morsche  Knochengewebe  eindrang.  •*  Die  Eintrittastelle  der  Kugel 
war  an  der  Aussenseite  der  Tibia  obwohl  nicht  geschlossen,  so  doch  durch  eine 
Hautnarbe  überdeckt.  Die  Sonde  drang  auf  rauhen  Knochen.  Die  Eiterung 
fand  aus  2  Fistelgängen  in  reichem  Maasse  statt  und  war  von  übler  Beschaffen-* 
heit.    Pat.  war  abgemagert  und  fieberte  leicht. 

Am  2.  October  wurde  in  der  Chloroformnarkose  eine  Auskratzung  sowohl  der 
Markhöhle  der  Tibiadiaphyse  als  auch  der  Condylen  der  Tibia  mittelst  Hohlmelssel 
ausgeführt.  Nach  14  Tagen  war  eine  fast  vollständige  Abschwellung  des  Unter- 
schenkels eingetreten,  auch  die  Operationswunde  nebst  der  Eintrittsstelle  der  Kugel 
waren  bedeutend  verkleinert;  Pat.  konnte  sogar  etwas  auftreten.  Doch  ging  er 
im  weiteren  Verlauf,  nachdem  die  Wunden  fast  vernarbt  waren,  an  profuser  Albumi- 
nurie zu  Grunde.    Keine  Section.  Ullersperger  (München). 

Berichtigung: 

8.  347,  Z.  7  T.  0.  Um  Ztitaehrift  fftr  Anatonie  und  BatwiekeliiBCsgOMkiehU  »tett  Aich.  Ar 

Anatomie. 

OTiglnalmitthellungen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr,  H.  TtUmamw,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshaudliuig, 
Breitkopf  und  Härtelf  einsenden. 


Dntek  «ad  Vtrlag  tob  Breitkopf  «ad  Hirtol  in  Loipxig. 


Centralblatt 


ftp 


CHIRURGIE 


herauBgegeben 

TOB 


Dr.  L.  Ijsrn,  Dr.  K  ScIieJle,  Dr.  E  TDlMmu 

in  Berlin.  is  Halle  a.  S.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Niumner.    Preis  dei  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  'Prfr- 
niameration.     Zu  besehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


H^  24.  Sonnabend,  den  12.  Juni.  1875e 

Inlialt:  Volkmann ,  Beiträge  zur  Chimrgie.  (Schluss.)  —  Busch,  Fortsetzung  der  Mit- 
theflungen über  SehusBversuche.  — >  Kaposi ,  Syphilis.  —  Cariaz,  Watteverband.  — 
WorMfy  Transportmittel  für  Verwundete  im  Oebirgskriege.  —  Mackonzlo,  Therapie  des 
Kropfes.  —  Stdrck,  Abnorme  Secretion  der  Balg-  und  Schleimdrüsen.  —  Crossmann, 
GaWanocaustik.  —  Ludrik,  Casuistik  und  Behandlung  der  Selbstmordversuche  durch 
Kehlkopfschnitt.  —  Ghardln,  Aneurysmen  der  art.  pulmonal.  —  Vfolnlochnory  Erwelte- 
rungsfihigkeit  der  weiblichen  Harnröhre.   —  O^marqiiay,  Behandlung  der  Haematocelen. 

—  Koller,  Bruchschnitt.  —  Collln,  Entzündung  der  bursa  calcanea. 

Heaton,  Oplumvergiftung.  —  Papillome  der  Zunge.   —   Vornotti!,  Nssenrachenpolypen. 

—  Lodoror,  Durehbmch  der  Cornea.  —  Brown,  7  jahriges  Verweilen  von  Fremdkörpern 
im  äusseren  Gehörgang.  —  Rooholt,  Schulterhalsbruch.  —  Porior,  do  la  Chatalgneray, 
Inversion  bei  eingeklemmten  Hernien.  —  Spontane  Reduction  eingeklemmter  Hernien.  — 
Barrow,  Blasensteine.  —  Anger,  Sehnennaht  bei  alten  Sehnenwunden.  —  Bocholt,  Sehnen- 
naht. —  Frodot,  Partielle  Metatarsalluxatlon. 

R.  Volkmann.     Beiträge    zur  Chirurgie,    anschliessend    an 
einen  Bericht  über  die  Thätigkeit  der  chirurgischen  Univer- 
sitätsklinik zu  Halle,  im  Jahre  1873. 

'  (XVI  und  388  8.  in  40  mit  21  Holischnitten  und  14  Tafeln.) 

Leipzig;  Breitkopf  ft  HftrteL 

(Schluss;  cf.  Centralblatt  No.  23,  p.  353.) 

Es  folgen  sehr  instructive  casuistische  Beiträge  über  Luxationen, 
Distorsion  der  Gelenke  (d^rangement  interne  —  letzteres 
bearbeitet  von  Dr.  Schede]  und  Entzündungen  der  Knochen, 
namentlich  über  die  Osteomyelitis  acuta  spontanea  (siehe 
im  Original).  Nur  bezüglich  der  letzteren  sei  angeführt,  dass  sie  V. 
in  Uebereinstimmung  mit  Lücke  als  eine  Erkrankung  auffasst,  ent- 
standen durch  die  Aufnahme  irgend  welcher  deletärer  Stoffe  in's  Blut, 
die  entweder  an  der  erkrankenden  Stelle  sich  in  besonderer  Menge 
anhäufen,  oder  hier  doch  in  besondere  Wirksamkeit  treten.  Daneben 
wird  auf  eine  gewisse  Verwandtschaft  der  sie  erzeugenden  Schädlich- 

24 


370  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  24. 

keiten  mit  denjenigen  hingewiesen^  welche  beim  acuten  Gelenkrheu- 
matismus wirksam  sind^  da  beiden  Affectionen  u.  A.  gemeinsam  ist 
die  Multiplicität  der  Localisationen  und  die  Neigung  zu  compliciren- 
den  Entzündungen  innerer  Organe.  — 

Bemerkungen  über  Drainage  des  Kniegelenks.*) 

Nach  mehr  als  zweijährigen  Erfahrungen  kann  die  Garantie^ 
welche  das  antiseptische  Verfahren  für  den  glücklichen  Verlauf  von 
frischen  Gelenkwunden  bietet^  als  eine  absolute  bezeichnet  werden. 
Die  Wunde  heilt  entweder  per  primam,  oder  doch  mit  überaus  milder, 
auf  die  Gelenkkapsel  beschränkter  Eiterung  und  die  Gelenkbewe- 
gungen bleiben  erhalten. 

Ebenso  sicher  sind  auf  diese  Weise  acute  Gelenkvereiterungen 
zu  beseitigen,  falls  man  mit  den  Incisionen  nicht  gar  zu  lange  zögert. 
Es  werden  die  letzteren  am  besten  zu  beiden  Seiten  der  Kniescheibe 
und  in  schwereren  Fällen  auch  im  Bereich  der  Bursa  extensorum  ge- 
macht. Drains  zwischen  Patella  und  Condylen  geführt,  ab«:  schon 
nach  3 — 4  Tagen  entfernt ;  Ausspülungen  nur  ein  oder  mehrere  Male 
vor  Anwendung  des  antiseptischen  Verbandes  energisch  vorzunehmen. 
Gewichtsbehandluiig  daneben  erwräseht.  —  Es  fdgen  fünf  Kranken* 
geschichten,  in  denen  sich  Kniegelenksvereiterung  nach  Fractur  der 
Patella^  des  Fibulaköpfchens,  nach  Excisiou  von  Gelenkkörpem,  nach 
Erysipelas  iumI  nach  Caiies  fibulae  bildete. 

Weniger  glücklich  waren  bisher  die  Bemühungen,  chronische 
Fälle  mit  geschloesan^  Gelenkeiterung  durch  Incision,  Drainage  u. 
8.  w.  zu  heilen,  wenn  auch  hieriiei  das  antiseptiacke  Verfahrett  den 
Eingriff  als  solchen  ganz  ungefährlich  erscheinen  Hess.  — 

lieber  die  Beiskörperchen    enthaltenden  Hygrome    und 
eine  analoge  Erkrankung  der  Gelenke  sowie  des  Mus- 
kelfleisches. 

Die  Hygrome,  welche  5  Mal  in  der  Schleimscheide  der  Finger- 
flexoren,  1  Mal  an  der  Strecksehne  des  rechten  Mittelfingers  sassen, 
wurden  mit  Doppelpunction,  resp.  Ihcision  und  Drainage  behandelt, 
wobei  das  Drainagerohr  als  Ausbürstungsmaschine  benutz  wurde,  die 
der  Wand  ansitzenden  Körperchen  herauszureiisen.  Letztere  stellten 
durchgängig  geronnene  Albuminate  dar,  in  welche  hinein  bisweilen 
ein  bindegewebiger  Strang  sich  verfolgen  liess,  welcher  jedenfalls  nur 
selten  aus  einer  Synovialzotte,  relativ  häufig  aus  Excrescenzen  der 
Sehnenscheide,  resp.  Auffaserungen  der  Sehne  seinen  Ursprung  nahm. 
Dieses  Verhalten  wurde  zur  Gewissheit  durch  zwei  excidirte  Sehnen- 
Aragmente,  die  vollständig  aufgefasert  und  an  den  Enden  ihrer 
Büschel  zum  Theil  mit  feinen  albuminösen  kolbigen  Anhängen  ver- 
sehen waren.  Nach  alledem  geht  V.  für  die  Mehrzahl  der  Fälle 
wenigstens  auf  die  alte  Anschauung  MeckeTs   zurück,   wonach  ein 

*]  S.  auch  Schede,  Ueber  Oelenkdrainage,  Lang^nbeck's  Arch.  XVII.  p.  519. 
Centralblatt  f.  Chir.  1875.  No.  10. 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  24.  371 

Theil  der  freien  Körper  Concremen^e  sind,  ein  anderer  aber,  nament- 
lich soweit  es  sich  um  gestielte  Forvien  handelt,  durch  äussere  Ge- 
rinnungsschichten vexgrösserte  und  durch  eingelagerte  Albuminate  ^u%e^ 
quollene  Zotten,  Bindegewebsfasern,  Sehnenbündel  und  dergl.  vorstellt. 
Als  XJn)ca  werden  analoge  Erkrankungen  der  Gelenke  und  des 
Muskelfleisches  beschrieben  —  ein  Fall  sehr  reichlicher  freier  Beis- 
körper  im  Kniegelenk  und  ein  anderer,  welcher  eine  albuminoide, 
resp.  fibrinöse  Infiltration  der  Kapseln  verschiedener  grosser  Gelenke 
und  eine  gleiche  mit  der  Bildung  von  Höhlen  und  grossen  freien 
Körpern  combinirte  Erkrankung  der  Muskeln  darstellt. 

Osteotomie  und  Osteoclase. 

Während  der  letzten  6  Jahre  bot  sich  die  Gelegenheit  zur  Osteo- 
clase 50  Mal,  während  des  Berichtjahres  14  Mal  (7  rachitische  Ver- 
biegungen  des  Unterschenkels,  2  difforme  Luxationen,  4  deform  geheilte 
Knochenbrüche,  eine  ab^chtslos  unter  dem  Troch.  major  hergestellte 
Fractur].  Allemal  wurde  der  intendirte  Zweck  ohne  irgendwelche 
gefahrliche  Zufalle  erreicht. 

Die  rachitischen  Curvaturen  waren  nur  1  Mal  hochgradig  bogen- 
förmig, 6  Mal  prononcirt  winkelig,  ragten  mit  der  Scheitelspitze  nach 
aussen  und  sassen  unmittelbar  über  dem  Knöchelgelenk.  Gerade 
diese  letzteren  erfordern  wegen  hochgradiger  Functionsstörung  die 
Osteoclase,  welche  nur  —  en^egen  der  augenblicklichen  Meinung  — 
in  den  allerseltensten  Fällen  hochgradiger  Knochenscierose  misslingt. 
Immerhin  ist  die  Operation  auf  die  stärksten  Verbiegungen  zu  reser- 
viren,  da  in  milderen  Fällen  allein  das  weitere  Knochenwachsthum 
zur  Geradrichtung  der  Formen  genügt. 

Osteotomia  subtrochanterica.*) 
Nach  einer  sehr  eingehenden  Beleuchtung  derSchwierigkeiten,welche 
veraltete  Contracturen,  namentlich  sofern  sie  mit  Flexion  und  Adduc- 
tion  verbunden  sind,  gerade  am  Hüftgelenk  einerseits  dem  Brisement 
forc6,  andererseits  der  Rhea  Bar  ton 'sehen  Durchmeisselung  des 
Schenkelhalses  entgegensetzen,  wird  als  eine  einfachere  Encheitese 
die  Durchtrennung,  bei  Erwachsenen  die  keilförmige  Excision  des 
Oberschenkels  dicht  unter  dem  Trochanter  empfohlen.  Bei  derselben 
ist  es  vollkommen  gleichgültig,  in  welchem  Zustande  sich  das  Hüft- 
gelenk befindet,  während  die  Trennung  sicher  unterhalb  sämmtlicher 
Reductionshindernisse  erfolgt  und  die  spätere  Festigkeit  der  Verbin- 
dung zwischen  Schenkel  und  Becken  der  breiten  Knochenberührungs- 
flächen wegen  in  keinem  Falle  gefährdet  ist. 

Die  Beweglichkeit  des  Gliedes  unmittelbar  nach  der  Operation 
erscheint  so  beträchtlich,  dass  sich  die  Zurückfuhrung  in  diejenige 
Stellung,  welche  es  beim  aufrechten  Stehen  einnahm,  sehr  leicht  be- 
werkstelligen lässt.  Dabei  gleicht  der  Eingriff  die  durch  die  Flexions- 
stellung bedingte  Lordose  und  die  scheinbare  der  Adduction  folgende 

♦^  S.  auch  Centralblatt  f.  Chir.  1874.  No.  1. 

24* 


372  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  24. 

Verkürzung  aus,  während  die  wirklichen,  auf  Luxation,  cariöeen  De- 
fecten  u.  s.  w.  beruhenden  Verkürzungen  durch  erzwungene  Abduc- 
tionsstellung  des  Schenkels  und  daraus  resultirende  Beckensenkung 
ausgeglichen  werden. 

Neun  auf  solche  Weise  ausgeführte  Osteoclasen  und  Osteotomieen 
heilten  unter  Lister  ohne  Reaction^  mit  vollkommener  Gebrauchs— 
fahigkeit  des  Gliedes. 

Ebenso  befriedigend  war  der  Erfolg  in  2  schweren  Fällen  von 
Kniegelenksankylosen,  wo  in  einem  der  Oberschenkel  dicht  oberhalb 
der  Condylen  durchmeisselt  wurde/  während  man  im  anderen  Falle 
sowohl  den  Femur^  als  auch  die  Tibia  dicht  unter  der  Tuberosität 
durchschlug.  Damit  wurde  natürlich  das  Kni^elenk  mobilisirt  und 
leicht  in  die  erwünschte  Stellung  gebracht.  — 

Gesichts-  und  Brustkrebse.*)      Theer-,    Paraffin- 

und  Russkrebse. 

Lippenkrebse.  20  Fälle;  17  bei  Männern,  3  bei  Frauen  be- 
obachtet, 19  Mal  auf  die  Unterlippe  beschränkt.  19  Fat.,  bei  denen 
noch  keine  Infection  der  Lymphdrüsen  bestand,  operirt.  Von  17  der- 
selben das  fernere  Schicksal  bis  Decbr.  1874,  resp.  bis  zum  Tode 
verfolgt.  14  sind  danach  völlig  geheilt  geblieben  und  dauerte  die 
Heilung  zwischen  5^2  J^^  — 12  Monate.  Die  Ansicht,  dass  ein  an 
Lippenkrebs  Operirter,  der  nach  1—2  Jahren  noch  kein  Recidiv  hat, 
airf  die  Dauer  geheilt  bleibt,  möchte  auch  nach  diesen  Erfahrungen, 
die  denen  von  Billroth  und  Thiersch  entsprechen,  eine  relativ 
berechtigte  sein. 

Krebse  der  Gesichtshaut.  27  Fälle;  16  Männer,  11  Frauen; 
22  die  flache  Form ,  4  die  des  ulc.  rodens,  5  die  tiefgreifende  Form 
repräsentirend.  22  operirt;  14  von  ihnen  noch  Anfang  1875  ohne 
Recidiv,  welches  zwischen  23  —  4  Monaten  ausgeblieben  war.  Von 
den  5  übrigen  leben  2  mit  Recidiven,  l  starb  am  Recidiv,  2  an  den 
Folgen  der  Operation. 

Krebse  der  Gesichts-  und  Nasenschleimhaut.  9  Fälle; 
4  Männer,  5  Frauen.  Von  7  Operirten  starb  1  an  der  Operation,  2  an 
Recidiven.     Vier  sind  zwischen  24 — 14  Monaten  gesund  geblieben. 

Brustkrebse.  33  Fälle  (1  Mann).  Davon  im  Ganzen  26,  im 
Verlauf  des  Jahres  1873  22  operirt.  Von  diesen  starben  an  der 
Operation  3,  an  Recidiven  bis  Anfang  1875  11.  2  leben  mit  Reci- 
diven, 6  sind  bisher  gesund  geblieben  zwischen  16—21  Monaten,  Bei 
3  der  letzteren  Categorie  kam  die  Ablatio  mammae,  bei  den  übrigen 
gleichzeitig  die  Ausräumung  der  Achselhöhle  zur  Anwendung. 

Aetiologisch  konnte  die  Entwicklung  der  Neubildimg  aus  aller- 
hand bald  mehr  acuten,  bald  mehr  chronischen  Reizungszuständen, 
die  zuweilen  im  Zusammenhang  mit  der  Gravidität,  dem  Wochenbett, 
der  Lactation  standen,  nachgewiesen  werden.   — 

*;  Die  Abschnitte  über  die  Krankheiten  des  Gesichts  und  Abdomens  sind  voa 
Dr.  Schede  bearbeitet. 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  24.  373 

Nach  einer  eehr  klaren  Darl^ung  des  Unterschiedes  in  der  Ver- 
breitung der  Carcinome  und  Sarcome,  und  der  Charakterisirung  der 
dem  carcinös  erkrankten  Gebiete  zunächst  Uzenden  Lymphdrüsen 
als  Filter^  welche  zunächst,  ehe  sie  selbst  in  die  Neubildung  aufge- 
gangen sind,  die  Generalisation  der  Carcinome  geradezu  hindern,  folgt 
eine  Darlegung  der  Schwierigkeiten,  die  Yerbreitungswege  der  Brust- 
krebse genauer  zu  bestimmen.  Wenn  auch  gewöhnlich  die  Achsel- 
drüsen das  nächste  Gebiet  der  Secundärerkrankungen  darstellen,  so 
scheint  bisweilen  die  relative  Dünne  der  Brustwand  die  directe  Propa- 
gation  auf  die  Eingeweide  des  Thorax  und  des  Abdomen  zu  gestatten. 
Schwer  erklärbar  ist  weiter  die  discontinuirliche  Ausbreitung  entgegen 
der  Saftströmung  innerhalb  der  Lymphgefasse.  Es  kommen  hier  in 
Frage  die  active  Bew^lichkeit  und  Auswanderungsfahigkeit  der  Krebs- 
zellen, sowie  die  Möglichkeit,  dass  ein  bis  dahin  stabiler  Krebs  mobil 
werden  kann. 

Die  Verbreitung  innerhalb  der  Lymphwege  zu  den  Achseldrüsen 
hin  anlangend,  kommen  offenbar  Unregelmässigkeiten  in  der  Lage 
und  Ausdehnung  der  Wurzeln  der  Lymphgefasse  und  deren  QueU- 
gebiete  in  Betracht.  Im  allgemeinen  fliessen  wohl  die  Lymphgefasse 
von  Stemum  gegen  die  Achsel,  während  in  der  Mitte  desselben  ein 
neutraler  Streifen  bleibt.  Doch  schieben  sich  einzelne  Bamificationen 
über  die  Mittellinie  hinaus,  während  andere  direct  über  die  Clavicula 
in  die  Oberschlüsselbeingrube  sich  hieben. 

Daneben  pflegt  die  Lage  und  Begrenzung  der  Milchdrüse  selbst 
weniger  bestimmt  zu  sein,  als  man  gewöhnlich  annimmt,  so  dass  aus- 
nahmsweise Lappen  weit  über  ihren  Standort  hinaus  in  Lymphbezirke 
hinein  sich  erstrecken,  die  unter  gewöhnlichen  Verhältnissen  andere 
Wurzelgebiete  haben.  Alle  solche  Factoren  lassen  Propagation  und 
Generalisation  im  Einzelfalle  doch  nicht  mit  Sicherheit  berechnen. 

Die  grosse  Mehrzahl  aller  Carcinomrecidive  sind  continuirliche, 
d.  h.  sie  entwickeln  sich  deshalb,  weil  bei  der  Operation  doch 
etwas  zurückgelassen  wurde.  Infolge  dessen  treten  die  Becidive  im 
Allgemeinen  schnell  ein;  die  Heilung  darf  erwartet  werden,  wenn 
nach  der  Operation  ein  volles  Jahr  verflossen  ist,  ohne  dass  man 
örtliche  Becidive,  Drüsentumoren  u.  s.  w.  nachweisen  kann.  Nach 
2  Jahren  ist  man  gewöhnlich,  nach  3  Jahren  fast  ausnahmslos  sicher 
(s.  a.  die  Statistiken  von  Cooke  und  Benjamin). 

Immerhin  ist  bis  jetzt  aber  auch  das  Vorkommen  nicht  continuir- 
lieber  und  auch  später  Becidive  nicht  abzuleugnen.  Letztere  könn- 
ten durch  Keime,  welche  bei  der  Operation  zurückgelassen  wurden, 
und  Jahre  lang  latent  blieben,  oder  aber  auch  so  bedingt  werden, 
dass  die  epithelialen  Elemente  zunächst  zu  Erkrankungen  durchaus 
gutartiger  Natur  disponiren,  welche,  noch  nicht  Krebs,  doch  zu  spä- 
terer Entstehung  desselben  führen. 

Sicherer  als  diese  Verhältnisse  ist  die  Behauptung,  dass  unsere 
gegenwärtigen  operativen  Besultate  auch  in  Bezug  auf  das  Ausblei- 
ben der  Becidive  besser  sich  gestalten,  als  die  der  älteren  Chirurgen. 


374  '  Centralblatt  fÖT  Chirurgie.    No.  24. 

Die  Nothwendigkeit  der  Operation  ist  schon  durch  den  Nachweis  des 
Ausbleibens  der  Rückfalle  in  einer  Quote  von  ]F%llen  entschieden^  2u 
ihren  Gunsten  scheinen  auch  statistische^  allerdings  noch  unvollkom* 
mene  Berechnungen  zu  sprechen^  insofern  sie  ergeben,  dass  selbst  in 
den  Fällen,  in  denen  der  Eingriff  Recidiven  und  Metastasen  nicht 
vorbeugt,  das  Leben  dennoch  im  Durchschnitt  verlängert  wird. 
Technik  und  Nachbehandlung  siehe  im  Original. 

Theer-,  Paraffin-,  Kusskrebs  (Schornsteinfegerkrebs). 

Infolge  der  in  der  Umgebung  Halle's  in  den  letzten  10  Jahren 
sehr  emporgekommenen  Production  voü  Theet,  Photogen  etc.  aus 
Braunkohle  (erkranken  namendich  diejenigen  Leute,  w^die  längere 
Zeit  hindurch  mit  den  noch  flüss^en  Fabrikationsartikeln  in  Berüh- 
rung kommen,  am  Hautkörper  in  der  Weise,  daes  zunächst  eine  ver- 
mehrte Anbildung  von  Epidermis  und  eine  gesteigerte  Thätigkeit  der 
Talgdrüsen  Platz  greift,  wobei  die  Haut  spröde,  trocken  und  rissig  wird. 

Die  ge^ucherten  Epidermiszellen  bilden  dann  sammt  dem  Haut- 
talg an  einzelnen  Stellen,  namentlich  am  Scrotum,  kleine  Knötchen 
oder  flache,  rundliche,  schmutzigbraune  Schilder,  unter  denen  die 
Cutis  im  Zustande  chronischer  Reizung  freiliegt.  Daneben  am  gan- 
zen Körper,  namentlich  wieder  am  Scrotum,  rothe,  flache,  oder 
acne-,   resp.  psoriasisart^e  Flecke,  Papeln  und  Beiden. 

Nach  diesem  ersten  acuteren  Stadium  steigern  sich  dann,  nament- 
lich bei  schmutzigen  Leuten,  diese  hyperplastischen  Processe  bis  zur 
Entwicklung  multipler,  warziger  oder  papillaerer  Bildungen,  aus  denen 
in  einzelnen  Fällen  wirkliche  Hornkrebse  sich  entwickeln.  Haupt- 
sitz dieser  Vegetationen  sind  der  Vorderarm  und  das  Scrotum. 

An  der  Hand  der  Litteratur  wird  nachgewiesen,  dass  diese  Er- 
krankung die  gleiche  ist,  welche  von  den  Engländern  als  Schom- 
st^einfegerkrebs  beschrieben  wtirde.  Beide  Beobachtungsreihen  machen 
es  höchst  unwahrscheinlich,  als  ob  es  sich  hier  um  zuföU^  am  Scro- 
tum von  Kaminkehrem  und  Theerarbeitem  entwickelte  primäre  Krebse 
(die  ja  sonst  so  überaus  selten  sind)  handeln  könne. 

Die  Prognose  der  Krankheit  ist  insofern  eine  günstige,  als  die 
etwa  sich  bildenden  Geschwüre  lange  Zeit  hindurch  nur  local  zerstö- 
rend wirken,  erst  spät  die  Lymphdrüsen  und  noch  später  die  Bauch- 
eingeweide befallen,  und  gelungene  und  rücksichtslos  ausgeführte  Ex- 

cisionen  nur  höchstens  Spätrecidive  im  Gefolge  haben  dürften. 

Wflh.  Kock  (Berlin). 

W.    BtiBCli.      Zweite    Fortsetznng   Aet   Mittheilungen    über 

Schussversuche. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVIII.  Hft.  2.] 
B.  hält  gegenüber  Küster  und  Wahl  sowohl  nach  Berechnun- 
gen, als  nach   seinen  Experimenten  daran  fest,   dass  die  Blcfiiheile, 
welche  der  Chassepotkugel-Spitze  und  dem  irunächst  gelegenen  Man- 
teltheile  angehören,  beim  Durchschlagen  der  Knochen  bis  zum  S^Aimel^ 


Centralblatt  für  Chinurgie.    No.  24.  375 

S6B  erhitet  werden.  DasB  femeor  der  grosse  Ausguigskrater  nicht 
Torwiegend  durch  Knochensplitter^  wie  Heppner  und  Garfinkel 
woUea^  sondern  mehr  noch  durch  die  aussprfihenden  Meifiragmente 
bewirkt  wiid^  dafiir  spricht  die  Beobachteng,  dase  von  einer  Kürass* 
Spange  abgelenkte  Bkifiragmente  die  Weichtheile  des  Halses  auf  einer 
Seite  rofB  der  Mittellinie  bis  zur  Wirbelsäule  vollständig  serrissen 
hatten.  Die  Aotation  der  Chassepotkugel  —  sie  macht  nadi 
Richter,  während  sie  den  0,55  M.  langen  Lauf  passirt,  eine  Um- 
drehung —  bewiifct,  dass  die  von  dem  Zusammenhange  der  Kugel 
gelösten  Bleitbeils  mit  sehr  grosser  Gewalt  die  Gewebe  treffen,  und 
es  wird  das  tangentiale  Auseinanderfiüiren  der  Bleisplitter  und  der 
von  ilmen  in  die  gleiche  Bewegung  versetsten  Gewebstheile  wesent- 
lich auf  die  Gestalt  der  Wunde  einwirken.  Ebenso  schreibt  B.  gegen 
Richter  auch  der  Rotation  der  unversehrten  Kugel  einen  Theil  der 
zerstörendem  Wirkung  zu. 

In  dem  folgenden  Theile  (IV)  werden  Untersuchungen  mitge- 
theilt,  welche  sich  auf  das  Verhalten  verschieden  elastischer 
Körper  gegen  die  modernen  Gewehrprojectile  beziehen.  B.  fand 
nun,  dass  die  Erfahrungen  über  das  Durchschlagen  von  Glas- 
platten durch  Kugeln  aus  glatten  Gewehren,  welche  Richter  und 
W  ahl  auch  für  die  modernen  Gewehre  acceptiren,  für  diese  letztere^ 
nicht  stimmen.  Die  mit  grosser  lebendiger  Kraft  eine  Glasplatte 
durchschlagende  Chassepot-  imd  Zündnadelkugel  bewirkt  im  Glase 
einen  unreineren  Substanz  Verlust  und  theilt  ihre  Erschütterungen 
auf  ein  grösseres  Gebiet  der  Glasscheibe  mit,  als  die  schwächere 
Revolverkugel  oder  gar  der  Zündspiegel.  Melsens  fand  ebenso  bei 
2,5  grm.  Pulverladung  eine  vollständige  Zertrümmerung  der  Glas- 
scheiben, bei  0,2  grm.  ein  Loch  mit  kurzen,  beinahe  geradlienigen 
Sprüngen  in  der  Umgebung.  Duroh  eine  Reihe  interessanter  Ver- 
suche fand  B.,  dass  Projectile  von  geringer  lebendiger  Kraft  Luft 
vor  sich  her  durch  ein  geringes  Hindemiss  hindurchtreiben.  Eine 
durch  lose  aufgehängtes  Giunmizeug  durchschlagende  Chassepotkugel 
bewirkt  nim  nicht  das  leiseste  Schwanken  desselben,  so  dass  Verf. 
den  Schluss  machen  muss,  die  vor  der  Kugel  befindliche  Luft  durch- 
schlage das  Gummizeug  wie  ein  fester  Körper.  Da  sich  die  Luft 
beim  Durchschlagen  der  Glasscheibe  ebenso  verhält,  so  blieben  für 
die  Erklärung  des  eigenthümlichen  Verhaltens  der  Schussöffnimg  noch 
die  Wärme  der  Kugel  und  ihre  Rotation  übrig.  Da  B.  selbst  an 
bereiften  Glasscheiben  eine  nachweisbare  Wärmeabgabe  nicht  fand, 
so  bleibt  allein  die  Rotation  als  Ursache  der  grösseren  Splitterung 
zurück.  Maas  (Breslau). 

Kaposi   (Wien).     Die  Syphilis    der  Haut  und  der  angren- 
zenden Schleimhäute  3.  Lieferung. 

Wisn,  Verlig  ▼.  W.  BraumflUer.   1875.   (29  Tafeln.) 
D«M   Toiiiegende  Hefit  bildet  den  Schluss  des  Werkes.    Es  ent» 
hält  die  Cbpitel:    pustulöses  Syphilid  tmd  Knotensyphilid  der  Haut| 


376  Centralblatt  Mr  Chirurgie.    No.  24. 

femer  die  Schilderung  der  symptomatischen  Syphiliserscheinungen 
der  Schleimhaut  (die  acute  und  die  chronische  Angina  syphilitica^ 
Psoriasis  linguae  u.  s.  w.)^  endlich  die  Betrachtung  der  syphiliti- 
schen Haut  imd  Schleimhauterkrankungen  der  Neugeborenen.  Der 
Grundsatz,  vom  pathologisch  -  anatomischen  Standpunct  bei  der  Ein- 
theilung  der  Erkrankungsformen  auszugehen^  ist,  wie  in  den  früher 
erschienenen  Theilen,  so  auch  hier  festgehalten;  Symptomatologie^ 
Diagnose,  Verlauf  der  Erkrankungsform  ist  ausführlich  behandelt  und 
namentUch  jederzeit  das  Verhältniss  zur  syphilitischen  Allgemeiner- 
krankung genauer  Erörterung  gewürdigt.  Näher  auf  den  Inhalt  ein- 
zugehen, ist  an  dieser  Stelle  nicht  möglich. 

Die  chromolithographischen  Tafeln,  von  Heitzmann  ausgeführt , 
enthalten  zum  Theil  gute,  zum  Theil  aber  auch  ganz  mittelmässige, 
schablonenhaft  gezeichnete  und  colorirte  Abbildungen. 

Wlniwarter  (Wien). 

Cartaz.     Du  pansement  ouatä. 

(Progrfes  m^dical  1875.  No.  5.) 

Der  Gu^rin'sche  Watteverband  ist  von  einer  Commission  der 
Academie  des  sciences  einer  Prüfung  unterzogen  worden.  Gosse- 
lin  theilt  die  Resultate  der  Academie  mit.  Die  Vortheile  des  Ver- 
bandes bestehen  darnach  in  Folgendem:  1)  Das  Wundfieber  der  ersten 
Tage  fehlt  oder  ist  nur  in  geringem  Grade  vorhanden.  2)  Schlaf 
und  Appetit  bleiben  gut.  3)  Schmerz  ist  nicht  vorhanden  oder  nur 
sehr  massig.  4)  Wenn  man  (am  20.  oder  22.  Tage)  den  Verband 
entfernt,  hat  man  eine  gut  aussehende  Wunde  vor  sich,  keinen  üblen 
Geruch,  wenig  Eiter.  5)  Wenn  auch  nicht  constant,  so  ist  wenig- 
stens sehr  häufig  der  Operirte  ausser  Gefahr  an  purulenter  Infection 
zu  sterben  und  wird  geheilt.  —  Diese  Vortheile  werden  bewirkt  zum 
grossen  Theil  durch  die  Filtration  der  Luft,  dann  aber  auch  durch 
die  gleichmässige  elastische  Compression  und  durch  die  Unbeweglich- 
keit  des  verwundeten  Gliedes.  —  Der  Verband  hindert  dagegen  nicht, 
wie  Guerin  meint,  das  Auftreten  von  Bacterien.« 

Ol  Her  meint  dazu,  dass  die  Bacterien  weniger  Vitalität  besitzen, 
als  an  einer  offenen  Wunde,  femer  in  geringerer  Menge  vorhanden 
seien;  wenn  Septhämie  oder  Pyohämie  dennoch  auftreten,  dann  ver- 
laufen sie  chronisch,  so  dass  man  Zeit  habe,  sie  zu  bekämpfen. 

Verf.'s  eigene  Betrachtungen  können  wir  übergehen. 

Petersen  (Kiel), 

Werdnig.    Ueber  ein  neuerfundenes  Transportmittel  für  Ver- 
wundete im  Gebirgskriege. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  12.) 

Die  Idee  zur  Herstellung  dieses  Transportstuhles  stammt  von 
Prof.  Mundy.  Der  Stuhl  hat  eine  hohe  Rücklehne,  die  aus  vierkanti- 
gen Vertical-  und  Querstangen  in  einfachster  Weise  hergestellt  ist.  Am 


Centralblatt  far  CMruigie.    No.  .24. 


377 


Sitzstücke  befindet  sich  beiderseits  je  eine  abnehmbare  Stange  für  die 
Träger;  an  der  Bücklehne  sind  2  Angriffspuncte  in  Form  von  kuh- 
hornformigen  Henkeln,  ähnlich  wie  beim  Tragbocke  zum  Holztragen, 
angebracht,  damit  der  Stuhl  mit  dem  darauf  befindlichen  Fat.  even- 
tuell von  einem  Manne  allein  getragen  werden  könne.  An  den  Bück- 
lehnestangen ist  jederseits  ein  horizontal  stellbarer  Balken,  an  welchem 
der  Arm  des  Verwundeten  befestigt  werden  kann.  An  den  vorderen 
Tragstangen  des  Sitztheiles  ist  unten  beweglich  das  Fussbrett;  ange- 
bracht. Der  Fat.  wird  mit  Gurten  am  Stuhle  befestigt;  ein  Schurz 
von  Caoutchouc-Leinwand  schützt  ihn  vor  Bogen  etc.  Der  Stuhl  ist 
25  Ffd.  schwer.  Ein  Gebirgsstock  dient  als  Zugabe  für  den  Träger. 
Das  nähere  Detail  siehe  im  Originalauf satze. 

Fr.  Steiner  (Wien). 


H.  Mackenzie.     On  the  treatment  of  bronchocele. 

(Binninghain  medical  reiriew  1875.  January.) 

Verf.  beobachtete  in  7  Jahren  (seit  Januar  1868)  447  Fälle  von 
Struma  und  zwar  104  parenchjrmatöse ,  187  fibröse  und  26  fibro- 
cystische  Kröpfe,  76  einfache  Cysten,  2  Gefassstrumen,  23  Mal  die 
colloide  und  29  Mal  die  cirrhotische  Form.  —  81  Mal  handelte  es  sich 
um  gut  situirte  Personen,  366  Mal  um  Leute  aus  niederen  Ständen. 

Geg^  die  häufig  spontan  sich  zurückbildende  parenchyma- 
töse Form  (struma  follicularis  moUis  Virchow's)  wurde  am  vor- 
theilhaftesten  Jod  in  verschiedenen  Applications  weisen  angewandt. 
Auch  Electroljse  erwies  sich  nützlich.     Die  Besultate  sind  folgende: 


Summa  dar 

Heilang. 

Beisening. 

Kein  Erfolg. 

Erfolg  anbe- 
kannt. 

Jod  innerlich 

Jod  innerl.  und  Jodtinctur 

äusserlich 
Jodtinctur  äusserlich 
Jod  parenchymatös  injicirt 
Uectrolyse 
Nicht    nfiher    bezeichnete 

Behandlungen 

41 

19 

11 

9 

13 

11 

21 

13 
5 
9 
9 

6 
2 

2 

20* 
2»* 

4 

11 

ToUl 

104 

57 

10 

20- 

15 

Die  fibröse  Struma  beseitigte  Verf.  bis  zum  Jahre  1872  in 
etwa  ^/s  der  Fälle  rasch  und  sicher  mittelst  des  Haarseiles.  Seitdem 
benutzter;  aufmerksam  gemacht  durch  Luton's  und  Lücke's  Publi- 
cationen,  mit  besserem  Erfolge  und  grösserer  Bequemlichkeit  für  den 
Kranken  die  parenchymatöse  Jodinjection  (Jodtinctur  1 :  20^  3—5  Tro- 
pfen pro  Sitzung).  Ueble  Zufälle  wurden  dabei  nie  beobachtet.  In 
Fällen  von  »suffocative  goitre«  wurde  wegen  der  grösseren  Schnellig- 
keit der  Wirkung  wieder  zum  Haarseil  zurückg^riffen.  Femer  kam, 
wenn  wegen  seitlicher  Lage  des  Kropfes  die  Anwendung  des  Haar- 

*  Hier  wurde  zu  einer  anderen  Behandlung  geschritten,  deren  Art  und  Effect 
aus  dem  Original  nicht  ersichtlich. 

**  Statt  dessen  Jod  parenchymatös  mit  Erfolg. 


378 


Centralblatt  fiXt  Chinirgie.    No.  24. 


seiles  geföhrlich  und  gleichzeitig  wegen  enonner  Grösse  des  Ta- 
mors  die  Jodinjection  als  zu  langsam  wirkend  erschien,  die  i»cau^ 
tirisation  en  flaches«  nach  Maisonneuve  zur  Anwendung.  In 
34  Fällen  von  187  wurde  eine  operative  Behandlung  nicht  unter- 
nommen.   In  den  restirenden  153  wurden  folgende  R^ltate  erzielt: 


Summa  der 
FftUe. 

Heilung. 

BeBserung. 

Kein  Erfolg. 

Erfolg  unb«- 

Haarseil. 

Aetzpfeil 

Haarseil  und  Aetzpfeil 

Jod  parenchymatös  injicirt 

72 
5 
3 

73 

45 
2 

59 

15 

3 
3 

d 

5 
3 

7 
2 

Total 

153 

106 

30 

8 

9 

Die  Struma  cystica  behandelte  Verf.  ausschliesslich  durch 
ein-^  selten  zweimalige  Injection  von  wässeriger  Eisenchloridlösung 
(4^0—8^0  je  nach  der  Ghrösse  der  Cyste)  und  Liegenlassen  der  Kanüle 
bis  die  (durch  Breiumschlage  beförderte)  Eiterung  sich  gemässigt. 
Durchschnittliche  Dauer  der  Cur  betrug  6 — 8  Wochen.  Es  unter- 
lagen dieser  Behandlung  59  Fälle  mit  58  Heilungen  und  einem 
Todesfall  (durch  Lufteintritt  in  eine  Vene). 

Die  Behandlung  des  fibrocystischen  Kropfes  bestand  in 
sachgemässer  Combination  der  beim  fibrösen  und  beim  Cystenkropf 
geübten  Methoden.  Von  23  behandelten  Fällen  wurden  auf  diese 
Weise  geheilt  16^  gebessert  4;  in  2  Fällen  blieb  der  Erfolg  unbe- 
kannt; einer  starb. 

ELiankengeschichten  und  zahlreiche  vor  und  nach  der  Cur  ge- 
nommene photographische  Fortraits  belegen  die  (nicht  abgeschlossene) 
Mittheilung.  Bappreeht  (Halle). 


Störok.     Abnorme  Secretion  der  Balg-  und  Schleimdrüsen. 

(Sitzung  der  k.  k.  Gesellschaft  der  Aerzte  in  Wien  1875.  9.  April.) 

Bei  der  einen  Kranken  waren  die  enorm  hypertrophirten  Ton- 
sillen theilweise  abgetragen  worden.  An  den  zurückgebliebenen  Stüm- 
pfen beobachtete  St.  häufig  recidivirende  Entzündungserscheinungen^ 
die  sich  auf  den  ganzen  Rachenraum^  den  Kehlkopf  und  die  Luft- 
röhre weiter  erstreckten.  Bei  Sonnenbeleuchtung  sah  St.  an  der  hin- 
teren, wulstförmig  geschwellten  rothen  Wand  der  Luftröhre  bis  zur 
Bifurcation  hinab,  jedoch  nur  an  der  pars  fibrosa,  kleine,  weisse,  über 
2  stecknadelkopfgrosse  Pfropfe,  die  aus  den  Schleimdrüsenmündungen 
perpendiculär  herausn^ten.  Die  Schleimhaut  sah  wie  mit  milch- 
weissen  Pfropfen  gespickt  aus. 

In  jüngster  Zeit  sah  St.  einen  ähnlichen  Fall  an  einem  OoUegen, 
der  3  Monate  zuvor  eine  heftige  Angina  und  Pharyngitis  überstanden 
hatte.  Seit  jener  Zeit  hatte  dieser  Patient  an  der  rechten  Tonsille, 
so  wie  am  ganzen  Zungengrunde,  aus  allen  Stomata  der  Balgdrüsen 
i — 2  Linien  weit  vorragende,  weisse,  käsige  Pfropfe,  so  dass  Tonsille 
imd  Zungengrund  weiss  gesprenkelt  aussahen.  -^  St.  bemerkt  noch 


Centralblatt  für  Chiturgie.    No.  24.  379 

hierzu^  da^s  man  bei  oft  wiederkehrenden  Entzündungen  die  Schleim- 
drüschen in  der  Mucosa  der  beiden  Arytenoid-Ueberzüge  bei  Sonnen- 
beleuchtung mit  freiem  Auge  als  kleine,  weisse  Knötchen  sehen  könne. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

L.  Orossmann.  Beiträge  zur  galvanocaustischen  Behandlung 
bei  Neubildungen  und  Fremdkörpern  in  den  Ohrenhöhlen  etc. 

rWiener  med.  Presse  1875.  No.  11,  12,  14  u.  15.) 

6.  beschreibt  mehrere  Fälle  (6 — 7)  aus  seiner  Praxis^  in  denen 
er  zu  yerschiedenen  Zwecken  die  galvanocaurtische  Behandlung  ein- 
geleitet  hatte.  Das  Resum^  seiner  Erfahrungen  ist  folgendes:  Die 
Galvanocaustik  ist  gut  zu  yerwerthen  bei  derben^  hartfaserigen 
Polypen  im  Gehöigange^  welche  so  rascher  und  schmerzloser  entfernt 
werden^  als  mit  Messer  und  Scheere  oder  Aetzung. 

Die  galvanocaustisch  ausgeführte  Trommelfellperforation  hat 
gegenüber  der  Myringotomie  und  Myringectomie  den  Vorzug,  dass 
man  im  Trommelfell  eine  beliebig  grosse  Oeffnung  schaffen  kann, 
ohne  erheblichen  Schmerz  für  den  Pat. 

Bei  aufgequollenen  Fremdkörpern  im  äusseren  Grehötgange  ist 
die  Galvanocaustik  (zur  Zerstücklung  desselben)  von  grossem  Werthe, 
wenn  die  Extraction  in  anderer  Weise  unmöglich  ist. 

Ein  weiterer  Vortheü  ist  der,  dass  keine  Blutung  erfolgt,  und 
die  Beaction  meist  sehr  gering  ist.  Die  Schmerzempfindung,  welche 
der  glühende  Draht  verursacht,  ist  individuell  verschieden,  doch  stets 
weit  geringer,  als  jene  bei  Anwendung  des  Messers  oder  der  Aetz- 
mittel  etc. 

Die  Eigenthümlichkeit  der  leichten  Biegbarkeit  der  galvanocausti- 
schen Instrumente  ermöglicht  es,  an  sonst  kaum  zugängliche  Stellen 
zu  gelangen.  Auch  braucht  man  nach  der  galvanocaustischen  Ab- 
tragung eines  Neugebildes  kein  Aetzmittel,  da  man  mit  dem  Glüh- 
draht touchiren  kann.  Pr.  Steiner  (Wien). 

A.  Imdrik.    Zur  Casuistik  und  Behandlung  der  Selbstmord- 
versuche durch  Kehlkopfschnitt. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  13.) 
Verf.  zieht,  theil weise  mit  Bücksicht  auf  2  von  ihm  beobachtete 
einschlägige  Fälle,  welche  er  beschreibt,  für  obengenannte  Verletzungen 
den  Schluss,  dass  hierbei  die  Laryngotomie  im  Ligam.  conic.  durch- 
aus empfehlenswerth  sei.  Die  Kehlkopf  wunde  als  Passage  für  die 
Luft  zu  gebrauchen,  sei  verwerflich,  da  hierdurch  neue  Schwellung, 
GlottiBödem,  Heilungsverzögerung  der  Wunde  etc.  zu  Stande  kom- 
men. Verf.  stellt  sich  als  Regel  auf:  nie  eine  Kanüle  in  einer 
Wunde  des  Schildknorpels  liegen  zu  lassen,  imd  bei  Querwunden 
des  Larynx  ausnahmslos  die  Eröfihung  der  Luftwege  unterhalb  des 
Schildknorpels  zu  machen.        Fr.  Steiner  (Wien). 


380  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  24. 

E.  Chardin.     Des  an^vrysmes  de  Taxtere  pulmonaire,  d^ve- 

lopp^s  dans  les  cavernes  du  poumon. 

Paris.   1874.   Adrien  Delahaye. 

Nach  Aufzählung  einer  Reihe  von  Fällen,  in  denen  Phthisiache 
an  Lungenblutung  zu  Grunde  gingen  und  bei  denen  die  Section  ein 
in  einer  Caverne  liegendes  geplatztes  Aneurysma  eines  Zweiges  der 
Pulmonalarterie  ergab,  spricht  sich  Verf.  dahin  aus,  dass  solche  Aneu- 
rysmen wohl  durch  chronische  Arteritis  mit  Erweichung  der  Gefass- 
wände ^  welche  dem  Blutdruck  nachgäben^  entständen  (entgegen 
Rokitansky  und  Rasmussen).  Doch  spiele  der  atheromatöse 
Process  dabei  keine  Rolle.  Die  Blutung  sei  entweder  sehr  stark, 
oder  wiederhole  sich  in  geringerem  Maasse  öfters^  wobei  die  eine  Ca- 
verne ausstopfenden  Blutgerinnsel  temporären  Stillstand  herbeiführen. 

Solche  Aneurysmen  können  sich  in  allen  Stadien  der  Phthisis 
bilden. 

Die  Diagnose  kann  nicht  mit  Sicherheit  gestellt  werden. 

X«  Bidder  (Mannheim). 

Weinlechner.     Erweiterbarkeit  der  weiblichen  Harnröhre. 

(Sitzung  der  k.  k.  Gesellschaft  der  Aerzte  in  Wien  1875.  23.  April.) 

Die  Dilatationsfähigkeit  der  weiblichen  Harnröhre  darzuthun^  be- 
richtet W.  über  3  Fälle^  wo  er  Blasensteine  durch  Erweiterung  und 
blosse  Extraction  entfernte^  ohne  dass  eine  Beschwerde  darnach  zu- 
rückblieb. Weiter  spricht  für  diese  Erweiterbarkeit  der  Coitus  per 
urethram,  wovon  W.  3  beobachtete ;  in  einem  dieser  Fälle  war  atresia 
vaginae^  in  einem  zweiten  Defectus  vaginae,  im  3.  Falle  eine  Stric- 
tura  post  partum  vorhanden. 

Zum  Zweck  der  Untersuchung  hält  W.  das  Einführen  des  Fin- 
gers für  besser  als  das  Speculum  (Hiss  und  Simon]. 

In  einem  Falle  erweiterte  W.  die  weibliche  Urethra^  um  einen 
Fremdkörper,  eine  incrustirte  Haarnadel,  zu  entfernen.  Am  3.  Tage 
hörte  die  Incontinenz  auf.  Ebenso  bestand  in  einem  2.  Falle  von 
Düatation  der  Urethra  die  Incontinenz  nur  durch  einige  Tage.  —  W. 
meinte  dass  Einrisse  bei  langsamer  Erweiterung  seltener  sein  werden. 

Fr.  Stetner  (Wien). 

Demarquay.  Quelques  r^flexions  sur  le  traitement  des  grosses 

h^matoceles  vaginales. 

(Gaz.  des  hdpitaiix  1875.  No.  38.} 

Während  die  Heilung  kleiner,  dünnwandiger  Hämatocelen  ent- 
weder —  bei  flüssigem  Inhalt  —  durch  einfache  Function  und  Jod- 
injection,  oder  —  wenn  das  Blut  geronnen  —  durch  Incision  und 
Drainage  in  der  Kegel  ohne  Schwierigkeit  gelingt,  erfordert  die  Be- 
seitigung grosser,  lange  bestehender  Hämatocelen  weit  eingreifendere 
Operationsverfahren. 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  24.  381 

Bei  der  blossen  Incision  wurde  in  diesen  Fällen  eine  gewaltige, 
weit  klaffende  Wundhöhle  dem  Einfluss  der  Luft  exponirt;  die  starr- 
wandige  Höhle  würde,  selbst  im  glücklichsten  Falle,  erst  nach  langer 
Eiterung  schrumpfen  und  ausheilen^  bis  zu  diesem  Zeitpunct  aber  die 
Pat.  aUen  Gefahren  einer  septischen  Infection,  weiter  verbreiteter 
Entzündimgen,  Erysipele  etc.^  ausgesetzt  sein.  Günstigere  Heilungs- 
bedingungen bieten  die  Castration  und  Decortication.  Erstere  ist  am 
ungefährlichsten,  kommt  jedoch  selbstverständlich  nur  in  Betracht, 
wenn  der  Hoden  nicht  mehr  functionsfahig  ist,  oder  wenn  man  fürch- 
tet, dass  der  Pat.  eine  längere  Eiterung  nicht  überstehen  würde.  Bei 
der  von  Gosselin  voigeschlagenen  »Decortication«  werden  die  neu- 
gebildeten Schwarten  mit  dem  Spatel  oder  den  Fingern  entfernt,  der 
Hoden  aber  intact  gelassen.  Die  Heilung  erfolgt  rascher  als  nach 
der  blossen  Incision,  langsamer  als  nach  der  Castration.  Die  Ge- 
fahren septischer  Infection  etc.  hat  sie,  wenn  auch  in  geringerem 
Grade,  mit  der  Incision  gemein.  D.  hat  2  Todesfalle  unter  seinen 
Operirten.  Die  Castration  führte  er  in  einem  ausfuhrlich  mitgetheil- 
en  Falle  bei  einem  48jähr.  Pat.  wegen  einer  fast  kindskopfgrossen 
Hämatocele  mit  Glück  aus.       Schädel  (Berlin). 

Koller.     Bruchschnitt. 

(Wiener  med.  Fresse  1875.  No.  9.) 

Die  beiden  Brüder  K.  veröffentlichen  neuerdings  ihr  (l)  Verfahren 
bei  eingeklemmten  Leistenhernien,  welches  darin  besteht,  dass  der 
Bruchsack  freigelegt  aber  nicht  eröffnet  wird.  Dann  wird,  mit  dem 
Fingernagel  zwischen  Bruchsack  und  einklemmender  Stelle  vordrin- 
gend, letztere  wenigstens  zollbreit  (!)  durchrissen.  Die  äussere 
Wunde  wird  dann  vollständig  vernäht.  Von  10  seit  1867  so  operirten 
Kranken,  starben  3,  geheilt  wurden  7.  Fr*  Steiner  (Wien). 


Collin.    De  rinflanimation  de  la  bourse  s^reuse  r^tro-calca- 

nöenne. 

(Gaz.  des  h6pitaux  1875.  No.  35.) 

Der  zwischen  der  Vorderfläche  der  Achillessehne  und  der  hintern 
Seite  des  obern  Theils  des  Calcaneus  gelegne  Schleimbeutel  (bursa 
calcanea)  wird  in  seltnen  Fällen  der  Sitz  einer  Entzündung,  welche 
sich  bei  dem  innigen  Zusammenhang  der  Bursa  mit  dem  umgeben- 
den lockern  Fett-Zellgewebe  leicht  weiter  verbreiten  kann.  C.  be- 
obachtete 2  solcher  Fälle.  Beide  boten  ziemlich  dieselben  Symptome 
dar:  die  Gegend  der  retro-maUeolaren  Gruben  war  stark  geschwollen, 
die  Haut  geröthet,  jeder  Druck  und  jede  Bewegung,  bei  welcher  die 
Sehne  gegen  den  Schleimbeutel  angepresst  wurde,  schmerzhaft.  Bei 
dem  ersten  Pa(.  ging  die  Entzündung  in  Eiterung  über ;  der  Abscess 
musste  von  beiden  Seiten  geöffnet  und  drainirt  werden.  Bei  dem 
andern   Pat.  bildete   sich   die   Entzündung  zurück.    —    Als  Ursache 


8S2  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  24. 

wurde  ein  Fall  nach  einem  starken  Marsche  und  eine  kleine  Erosion 
an  der  Ferse ,  von  welcher  sich  die  Entzündung  auf  das  suhcutaue 
Bindegewebe  und  secundär  auf  die  Bursa  fortgepflanzt  hatte,  ange- 
führt.    Sehi4rt  (BeriinJ. 

Kleinere  Mittheilungen. 

Heaton.    A  case  of  opium-poisoning  successfully  treated  by  Belladonna. 

(Med.  tim.  and  gas.  1S75.  April  17.  p.  413.) 
Ein  28jähr.  Mann  hatte  um  10  Uhr  Abends  2  Unzen  Tinct.  opii  genommen  — 
ein  sofort  gereichtes  Emeticum  bewirkte  2 — 3  Mal  Erbrechen.  Um  Mittemacht 
wird  er  halb  bewusstlos  in's  Spital  gebracht.  Mittelst  der  Magenpxmipe  wird  der 
Magen  2  Mal  mit  Wasser  ausgespfilt.  Bis  sum  Morgan  znnehmende  Bewosstlosig- 
keit  mit  stertorösem  Athmen,  doch  war  Fat.  noch  immer  durch  Anrufen  momentan 
zu  ermuntern.  Zweimal  Veo  Oran  Atropin  wird  subcutan  injicirt:  die  vereng- 
ten Pupillen  erweitem  sich,  der  Puls  wird  voller,  das  Bewusstsein  kehrt  wieder. 
Im  Ganzen  wurden  5  Atropininjectionen  k  Veo  Oran  gemacht,  und  giebt  H.  diesen 
wiederholten  Dosen  den  Vorzug  vor  einer  einmaligen  grossen  Oabe. 

Ranke  (Halle). 

Gases  of  papilloma  of  the  tongue. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  April  17.  p.  416.) 

1)  21jähr.  Mann,  im  University  eoUege  hospital  beobachtet,  hatte  seit  8  Jahren 
eine  Geschwulst  auf  dem  linken  Zungenrücken ,  die  jetzt  etwa  Mandelgrösse  hat 
und  pilzförmig  aufsitzt;  Excision.    Heilung.    Fall  nicht  welter  verfolgt. 

2)  Einer  50j&hr.  Frau  wurde  im  Middlesez  hospital  ein  seit  5  Monaten  be- 
merktes reines  PapUlom  vom  Zungenrücken  entfernt.     Heilung. 

3}  In  Gu/s  hospital  wird  einem  55jihr.,  früher  syphilitischen  Manne  eine 
5/4"  lance,  9/^''  breite  ulcerirte  Geschwulst  der  Zunge  galvanocauatisch  entfernt, 
das  Recidiv  nach  5  Wochen  mit  dem  Glüheisen  zerstört.  9  Tage  später  schliesat 
die  Beobachtung.     Die  Untersuchung  ergab  ein  Epitheliom.        Ranke  (Halle). 

Vemeuil.    Polype  nasopharyngien. 

(S6ance  de  la  Soc.  de  Chir.  1874.  9  Decbr.) 
V.  stellt  einen  Fat.  vor,   der  einen  Nasenrachenpolypen ,  anscheinend  einen 
erectilen  Tumor,  hatte,  welchen  V.  mit  dem  Oauter.  actusje  zerstörte.    Die  Keil- 
beinsinus sind  offen;    der  Stiel  des  Tumors   sass  an  der  unteren  Fläche  dieses 
Knochens.  Fr.  Steiner  (Wien). 

C.  Lederer.    Durohbruch  der  Cornea. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  14.) 
Einem  Manne  flog  beim  Holzhacken  ein  Splitter  in's  rechte  Auge.  Irisvorfall, 
der  abgetragen-  wurde.  Atropin  und  Einreibung  von  Unguent.  einer,  cum  Opio  in 
die  Stirn.  Heilung  ohne  vordere  Synechie;  die  Iris  sog  sich  ganz  zurück.  Vor- 
dere Kammer  bald  wieder  hergestellt.  Die  rechte  PupiUe  jetzt  3  Mal  grösser  als 
die  linke.    Ausser  etwas  Lichtscheu  keine  nennen swerthe  Sehstörung. 

Fr.  SteiHer  (Wien). 

8.  Brown.     Siebenjähriges  Verweilen    von    28   Steinchen   in    beiden 
äusseren  Gehörgängen.     Entfernung.     Heilung. 
(Arch.  for  Augen-  und  Ohrenheilkunde  1874.  Bd.  UI.  Abthlg.  II.) 
Bei  dem  lOjfthr.  sonst  gesunden  Fat.  war  das  Hörvermögen  so  gesch wicht, 
dass  er  die  eigene  Stimme  nicht  hören  konnte  und  infolge  dessen  die  Sprache  zu 
verlieren  begann.     Bis  zum  9.  Jahre  Hörf&higkeit  gut;    Verlust  derselben,  nach- 
dem Pat.  während  des  Spielens  beide  Qehörgänge  mit  Kieselsteinen  angefdllt  hatte. 
Die  im  vorderen  Theile  des  Qehörganges  liegenden  Steinchen  wurden  von  der  Mutter 
des  Kindes  damals  entfernt,  wihrend  die  tiefer  liegenden  ungestört  7  Jahre  lang  lie- 
gen blieben.    B.  entfernte  in  mehreren  Sitzungen  mittelst  Sonde  und  Spritze  die 


CentTalbiatt  für  Chiruigie.     No.  24.  383 

FremdkSrp^r.  Beide  Trommelfelle  waren  lutverletzt,  ohne  Narben,  UefMen  aber  die 
Eindrücke  der  Eckes  und  Kanten  der  Kiesel  bemerken.  Trommelfelle  von  marmonr- 
tem  Aussehen,  gedehnt  und  schlaff  (besonders  rechts).  Schliesslich  Trommelfell  links 
normal,  rechts  Manubrium  schwach  sichtbar,  proc.  brevis  angedeutet.  Beiderseits 
membr.  tymp.  zum  Theil  grauweise  getrübt.  HörfÜhigkeit  beträchtlich  gebessert 
(I.  Uhr  11",  r.  U.  6  Zoll  —  Stimme  32'}.  TUlminiig  (Leipzig). 

E.  Bocholt.     Schulterhalsbruch.  —  Querbruch  der  Scapula.  —  Bruch 

des  Acromion. 
(Wiener  med.  Presse  1S75.  No.  10  u.  H.) 

Der  schwächliche,  marastische,  72jähr.  Fat.  ist  Tags  vor  der  Au£ciahme  in's 
Spital,  mit  der  linken  Schulter  auf  eine  hölzerne,  massive  Rinne  aufgefallen.  Be 
der  Untersuchung  zeigte  sich  eine  Fractur  des  Collum  scapulae.  Exposition.  Drei- 
eckiges Kissen.    Mitella. 

An  der  hinteren  Fläche  des  Schulterblattes  starke  Schwellung  und  Schmerz- 
empfindung; keine  Crepitation,  auch  am  Acromion  nicht.  Nur  prominirte  der 
proc.  coracoid.  auf  der  kranken  Seite  weniger,  als  an  der  gesunden,  und  schien 
nach  aussen  unten  gerückt  zu  sein.  Zu  Ende  der  4.  Woche  starb  Fat.  an  rechts- 
seitiger Fleuritis  und  Emphysem.  —  Bei  der  Section  fand  sich  eine  fractur.  colli 
scapulae,  ein  Querbruch  der  Scapula  und  ein  Bruch  des  Acromion.  Verf.  citirt 
die  einschlägigen  derartigen  Fälle  aus  der  Litteratur,  und  beschreibt  das  Fräparat 
genauer,  wo  äinlich  wie  in  anderen  Fällen,  die  Gelenkfläche,  der  proc.  coracoid., 
die  tubercula  supra-  und  infraglen.  nebst  einem  schmalen  Streifen  dea  oberen 
Scapularandes,  abgebrochen  waren.  Ferner  zeigte  sich  eine  geringe  Verschiebung 
4es  Bruchstückes  nach  abwärts  und  eine  kleine  Rotation  um  eine  zur  Körperachse 
parallel  gedachte  Linie,  so  daas  der  proc.  corac  mehr  horizontal  zu  Uegen  kam 
und  weniger  prominirte. 

Verf.  hebt  die  grosse  Aehnlichkeit  der  Symptome  obiger  Verletzung  mit  denen 
der  Luxation  des  Humerus  nach  unten  innen  hervor.  Zur  Differentialdiagnoee 
empfic^t  er,  die  Entfernung  des  proc.  coracoid.  vom  Acromion,  vom  Schildknor- 
pel und  dem  Rande  des  Stemums,  zu  messen.  Freilich  gelte  dies  nur  für  jene 
Fälle,  wo  der  proc.  corac.  mit  abgebrochen  sei.  Als  Therapie  für  die  Scapulahals- 
brüche  empfiehlt  er:  warme  Bäder,  active  und  passive  Bewegung  des  Humerus, 
anstatt  erfolgloser  Repositionsversuche.  Fr«  Stelner  (Wien). 

Perier.  Hernie  etrangl^e  rMuite  par  la  taxis  pendant  l'inversion  du  sujet. 

(S6ance  de  la  Soci6t6  de  Chir.  1874.  11.  Nov.] 
Bei  einer  schon  oft  reponirten,  auf's  Neue  incarcerirten  Leisten-Scrotalhernie 
versuchte  Gössel  in  erfolglos  die  Taxis.  Im  Spital  —  46  Stunden  nach  dem 
Eintritt  der  Xncarcerationssymptome  —  gelang  es  F.  während  der  Inversion  die 
Hälfte  der  Geschwulst,  bestehend  aus  Bruchwasser,  in's  Abdomen  zurückzudrän- 
gen. Die  Beduction  der  Darmpartie  wurde  in  horizontaler  Lage  des  Fat.  be* 
endet.  Fr.  Steiner  (Wien). 

De  la  Ohataigneray.     De  rinversion  dans   la   rMuction   des  hemies. 

(Journal  de  th^rapeutique  1875.  No.  2.  p.  64.) 
Nach  einer  kurzen  historischen  Bemerkung  über  die  Inversion  des  Körpers 
zur  Reduction  eingeklemmter  Hernien,  wonach  diese  Methode  auf  Fabricius  ab 
Aquapendente  zurückzuführen  ist,  referirt  de  la  Ch.  Über  einen  von  ihm  nach 
genannter  Methode  mit  Erfolg  behandelten  Fall  einer  eingeklemmten  Leistenhernie. 
Nach  einigen  vergeblichen  Versuchen  der  manuellen  Taxis  wurde  der  Kranke  mit 
Hülfe  von  Kissen  derartig  gelagert,  dass  das  Becken  höher  stand  als  das  Abdomen. 
Sofort  Hessen  die  Schmerzen  nach  und  nach  einer  Stunde  war  die  Reposition 
spontan  erfolgt.  YalkmaHii  (Halle). 

Hernie  inguinale  etranglee  —  Reduction  spontan^e. 

(Gaz.  des  höpitaux  1875.  No.  33.) 
Grosse  linkseitige  Leistenhernie,    seit  8  Tagen  eingeklemmt.     Seit  7  Tagen 
besteht  Ileus.    Als  am  Morgen  nach  der  Aufnahme   des  Fat.  die  Operation  aus- 


384  Centralblatt  fQr  Cbirurgie.    No.  24. 

geführt  werden  sollte,  zeigte  es  sich,  dass  der  Bruch  im  Laufe  xLer  Nacht  spontan 
zurückgegangen  war.  Sehidel  (Berlin). 

Barrow  (Kings  College  hospital,  Fergusson) .    Gase  of  calculus  due  to 

foreign  body  in  the  bladder. 
(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  April  17.  p.  416.) 
Ein  2djähr.  Dienstmädchen  hatte  2  Monate  vor  der  Aufnahme  in's  Hospital 
eine  Haarnadel  durch  die  Urethra  in  die  Blase  geführt.  Seit  dieser  Zeit  HArn- 
beschwerden.  Indsion  in  die  linke  Seite  der  Urethra  (nichts  N&heres  angegeben), 
bis  der  Finger  eingeführt  werden  konnte ;  Extraction  der  Nadel  mit  einer  Seques- 
terzange,  der  Phosphatsteinfragmente  mit  einer  Steinsange.    Rasche  Heilung. 

Bänke  (Halle). 

Anger.     Reunion  des  sections  tendineuses  traumatiques  anciennes. 

(Gaz.  des  h6pitaux  1875.  No.  19.) 

Eine  alte  nach  Verletzung  der  Extensorensehne  entstandene  Contractur  des 
kleinen  Fingers  beseitigte  A.  durch  Isolirung  der  beiden  Sehnenstümpfe  Yon  dem 
fest  adh&renten  Narbengewebe  und  Anlegung  einer  Silbersutur. 

Obgleich  beim  Knoten  der  Sutur  die  retrahirten  Sehnenenden  nur  bis  auf 
2  Cm.  einander  genfthert  werden  konnten,  war  das  Endresultat  doch  ein  sehr  be- 
friedigendes, da  der  Zusammenhang  der  Sehne  durch  neugebildetes  Narbengewebe 
wieder  hergestellt  war.  Schädel  (Berlin). 

E.  Boohelt.     lieber  die  Naht  getrennter  Sehnen. 

(Wiener  med.  Presse  1874.  No.  27.) 
Verf.  durchschnitt  an  Kaninchen  die  Achillessehne  und  nähte  die  beiden  Enden 
mittelst  eines  Catgutfadens  zusammen.  Auch  die  Hautwunde  wurde  durch  Catgut- 
f&den  geschlossen  und  die  Extremität  auf  einer  Pappschiene  fixirt  20  Tage  nach 
der  Operation  war  die  Gebrauchsfähigkeit  des  Gliedes  eine  ToUständige.  40  Tage 
nach  der  Operation  konnten  an  dem  getödteten  Thiere  weder  die  Catgutfäden  noch 
irgend  eine  Differenz  zwischen  der  durchschnittenen  und  der  gesunden  Sehne  auf- 
gefunden werden.  Winiwarter  (Wien.) 

Fredet.     Luxation  partielle  medio-tarsienne. 

(S^ance  de  la  Soci6t^  de  Chir.  1874.  9.  Decbr.) 

An  einem  60jähr.  Individuum,  das  durch  einen  Sturz  8  Meter  hoch  herab, 
sich  die  Wirbelsäule  gebrochen  hatte,  fand  sich  eine  partielle  Metatarsalluxation 
am  linken  Fusse.  Der  vordere  Theil  des  Fusses  war  einwärts  geneigt  und  im 
Niveau  der  Metatarsusgegend  bildete  der  Kopf  des  Astragalus  einen  Vorsprung 
unter  der  Haut.  Das  KaJinbein  hatte  sich  an  die  innere  Seite  des  Astragalus  ge- 
stellt; das  Würfelbein  blieb  in  der  normalen  Lage.  F.  bemerkt,  das  vorliegende 
Object  diene  zur  Aufklärung  eines  unsicheren  Punctes  in  der  Pathologie  dieser 
Luxation.  Sonst  würde  man  gesagt  haben,  der  Astragalus  habe  seine  Höhlung 
verlassen,  während  das  Kahnbein  eigentlich  von  seiner  Stelle  gerückt  ist.  Die 
Hauptkennzeichen  der  Luxation  sind:  der  vorspringende  Astragaluskopf  am  Fuss- 
rücken ;  der  Vorsprung  des  Kahnbeines  nach  innen ;  Schwinden  des  inneren  Fuss- 
randes  und  Abflachung  der  Fusssohle. 

Despr^s  hat  auch  einen  Fall  von  dieser  Luxation  der  Gesellschaft  präsentirt. 
In  demselben  waren  die  Strecksehnen  zwischen  die  Gelenkflächen  gelagert,  das 
Kahnbein  vollständig  auf  den  Kppf  des  Astragalus  luxirt. 

Fr.  Stelner  (Wien). 

Berichtigung: 
S.340,  Z.  6  t.  Q.  lies  Ewer  Büschen  statt  Ewens*  sehen.  —  3.  346,  Z.  7  t.  n.  liesLabbtf  statt-LabU. 

Orlginalmitthellungen,  Monographieen  und  Sep&ratabdrüeke  wolle 
man  an  Dt.  H.  TlUmanm,  Leipzig,  Marienstrasse  Ko.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlung, 
BftUkopf  und  Bärtelj  einsenden. 

Druck  und  Verlag  Ton  Breitkopf  nnd  HSrtel  in  Leipzig. 


Gentralblatt 


Ar 


CHIRURGIE 


herausgegeben 

TOB 


Dr. L Lesser,  Dr.EMde,  Dr. E TUIimiis 

in  Berlin.  in  Halle  a.  8.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  be^  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


NE:  26.  Sonnabend,  den  19.  Jnnl.  1876. 


bÜUÜts  KJebt,  Regeneration  des  Plattenepithels.  —  TeherfMitky-BaritclMWSky,  Heilong 

der  Darm  wanden  nach  der  Enterorapbie.  —  Rpavler,  Untersuchungen  Aber  Blutkörper- 
chen. —  Stricker,  Elterungsprozess.  —  Rabuteau,  Elnfluss  des  Eisens  auf  den  Stoffwechsel. 

—  Kocher,  Sprengwirkung  der  modernen  Kleingewehrgeschosse.  —  Sands,  £smarch*sche 
Methode.  —  Mayer,  Lister's  Wundbebaudlung.  ^  V»  Blacrea,  Bietfolie  als  Wundverbsnd.  — 
Laiider-Brunton,  Fayrer,  Natur  und  Wirkung  der  Schlangengifte.  —  Odcbrecbt,  Zur  Lehre 
▼om  Intraabdominellen  Druck.  —  Cazenavc,  Biegsame  Elfenbein sonden.  —  Lawric,  Phimo- 
sis  und  Ctreumcision.  --  ChalllCUX,  Larynx-Fraoturen.  ~  Vlllaret,  Eine  Gummiaderpresse. 

—  Cznbcrka,  Cbirurgisch-medieinisches  Vademecum. 

Maat,  Anheilen  gänzlich  getrennter  Körpertheile.  —  Schmitz,  Carbolsiure  in  ihrer  klini* 
sehen  Verwerthung.  —  Scbeibicr,  Man&gebewegungen.  —  Anger,  Behandlung  der  Pseud- 
arthrose.  —  Bcrtbold,  Luxation  des  6.  Halswirbels.  —  Warrtn,  Scalpining  durch  Maschinen- 
Verletzung.  —  Jacobe,  Gesichts-  und  Pharynxerysipel.  —  Talko,  Cysticercus  cellul.  subcon- 
Jnnctivalis.  —  Wltzolewskl,  Bericht.  —  Buck,  Ausgedehnte  Brandnarben.  —  v.  Langenbeck, 
Handgelenkresectionen.  —  BrocbOWtki,  Exarticulatio  brachli.  —  Markonet,  Menzel,  Ova- 
liotomieen.  -^  EnglitCb,  Verengerung  des  Ureters.  —  Stoolo,  Hydrocelebel  Leistenhoden.  — 
V.  Mosengoil,  Extractlon  eines  Steines  aus  der  Harnrohre ;  Heilung  eines  totalen  Dammrisses. 


E.  Elebs.    Die  Begeneration  des  Plattenepithels. 

(Arch.  ffir  eiperim.  Pathologie  und  Pharmakologie  Bd.  III.  Hft.  2.  p.  125.) 

Wir  glauben  dem  Inhalt  obiger  für  die  neuere  Untersuchungs- 
methodik der  pathologischen  Anatomie  höchst  bemerkenswerthen  Arbeit 
am  besten  in  Kürze  gerecht  zu  werden^  wenn  wir  einfach  des  Verf. 's 
eigene  Schlussresultate  citiren.  Es  ergiebt  sich  hiernach  für  die 
Regeneration  der  Plattenepithelien  Folgendes: 

1)  ^»Dieselbe  wird  ausschliesslich  durch  ein  Auswachsen  der  Epi- 
thelien  und  zwar  derjenigen  der  tiefsten  Schicht  bewirkt.« 

2)  »Entweder  geschieht  dieses  in  der  WeisCi  dass  die  einzelnen 
Zellen  dieser  Schicht  contractu  werden^  sich  schliesslich  loslösen  und 
epitheliale  Wanderzellen  darstellen^  die  sich  wieder  zu  Netzen  an- 
einander legen  können;  oder  das  Auswachsen  findet  gleichmässig  an 
allen  Zellen  des  Epithelrandes  (in  der  tiefsten  Schicht  desselben)  statt 

25 


386  Centralblatt  (ür  Chirurgie.     No.  25. 

und  entsteht  hierdurek  em  gleiehmässiges  Randwachsthum  des  B^i- 
thels;  welches  nur  scheinbar  durch  den  Erguss  eines  homogenen 
Plasma  gebildet  wird^  vielmehr  durch  die  Entwicklung  gesonderter 
und  ebenfaHs  ccmtrtctiler  Frotoplasmacylinder  bewirkt  Wird,  wilche 
ebenfalls  aus  den  Zrilen  des  Epithelrandes  herverwacksell.c 

3)  »Diese  letzteren  zerfallen  durch  Furchung  (ähnlich  wie  die  Ei- 
zelle) in  polygonale  kernhaltige  Platten,  welche,  der  Contractilität 
entbehrend,  die  neugebildeten  fixen  Epithelzellen  darstellen.« 

4)  »Die  Kerne  der  an  der  R^eneiation  betheiligten  Epithelzellen 
zerfallen  in  der  bekannten  Weise  zu  Theilkenien  und,  indem  sie  die 
Nucleoli  verlieren,  zu  hellen  Kugeln  oder  Blasen  werden,  während 
neue  Kerne  in  dem  contractilen  Plasma  entstehen,  ähnlich  wie  in 
den  Furchungskugeln  von  Anodonten-Eiem  (Flemming),  durch 
Auseinanderweichen  und  strahlige  Anordnung  die  Protoplasmakömer 
um  ein  sich  aufhellendes,  ellipsoides  Centrum.« 

5)  »Die  Kemkörperchen  werden  ausserhalb  dieser  hellen  ElKpsoide 
gebildet  •  und  treten  in  dMselben  ein,  veorändem  zuerst  ihren  Ott 
(contractile  Nucleoli?  Auerbach)  und  fixiren  sich  dann  in  den 
beiden  Centren  des  EUipsotds,  oder  auch  in  der  Mitte  arwisehen  bei- 
den (Kerne  mit  einem  oder  mit  zwei  Kemkörperchen).« 

6]  »Eine  hyperplastische,  pathologische  Entwicklung  der  Kerne 
geschieht  durch  Apposition  heUer  Kugeln,  die  ausserhalb  der  Kerne 
entstehen,  dann  mit  denselben  verschmelzen  (randstandige  helle 
Kugeln) ;  eben  dahin  zu  rechnen  ist  auch  die  Bildung  grösserer  Kör- 
nerhaufen an  Stelle  der  Kemkörperchen  durch  Apposition  glänzender 
Kömer.  Auch  diese  Formen  können  wieder  unter  Bildung  von  Blasen 
und  Theilkemen  untergehen.« 

7)  »Bei  der  Bildang  definitiver,  fixer  Epithelzellen  wandeln  sich 
dfe  Kerne  unter  Bildung  einer  Membran  in  mucinhaltige  Blasen  um, 
welche  wohl  noch  eine  nnltkive  Function  haben  mögen ;  für  Prolife^ 
rations-  und  Regenerations-Yorgänge  aber  ohne  Bedeutung  sind.« 

8)  »Die  Bildung  neuer  Kerne  in  dem  contractilen  epithelialen 
Plasma  geht  vor  oder  während  der  Furchung  oder  auch  in  den  durdk 
die  Furchung  abgesonderten  Stücken  vor  sich  und  beginnt  auch  hier 
mit  der  Bildung  heller  Kugeln.« 

K.  fögl  weiterhin  hinzu: 

»Indem  wir  keinen  Grnind  haben,  den  Satz  von  der  »legitimen 
Succession  der  Zellent  zu  bestreiten,  acceptiren  wir  nicht  die  Meinung 
derjenigen,  welche  jedes  Partikekhen  Protoplasma  mit  allen  Exgen- 
sdüiften  ausstatten  wollen,  welche  zur  Erzei^ng  von  Geweben  noth- 
wendig  sind  (Beale's  living  matter).  Vielmehr  glauben  wir  anneh- 
men' zu  dürfen,  dass  nur  solche,  durch  Ablarchuttg  getrennte  Stücke 
des  Plasma  hierstu  geeignet  sind,  welche  die  Fähigkeit  der  Kembil- 
dung  besitssen.  IX^e  aber  werden  auch  schon  vor  der  Kembildung 
den  Namen  der  Zelle  in  obigem  Sinne  verdienen.« 

Verf.  ist  überzeugt,  dass  obige  Ergebnisse  besonders  bedeutungs- 
voll für  die  Lehre  von  dem  Cancroid  und  Carcinom  werden  dürften. 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  25.  S87 

Die  Anordnung  der  Versuche  und  die  entsprechenden  Vorrich- 
tungen beschreibt  K.  gleich  zu  Anfang  seiner  Mittheilungen  und  ver- 
spricht in  dankenswerther  Weise  die  genauere  Beschreibung  der  tech- 
nischen Einrichtungen  in  extenso  in  einem  der  nächsten  Hefte  seines 
Archivs.  Lesser  (Berlin). 


S.  Tchertneisky-BarisohewBky.     Zur  Ytage  aber  die  Hei- 
lung der  Wunden  des  Darmes  nach  der  Entetoraphie. 

Indug.-DfiM.  St.  Pet«r»bürg.   18t5,  niisiftch. 

Verf.  stellte  Untersuchungen  mit  Hunden  an,  indem  er  quere 
und  Längswunden  an  Därmen  anlegte  und  cylindrische  Stücke  von 
d — S5  Cm.  Länge  aus  dem  Darm  aussöhnitt.  Hierauf  legte  er  eine 
sutura  nodosa  an,  vorzuglich  die  Knoten  auf  der  Seite  der  Schleim- 
haut anbringend.  Der  Zweck  bestand  in  der  Beobachtung  des  Gan- 
ges der  Heilung  dieser  Wunden.  Dazu  Wurden  die  operirten  Hunde 
zu  verschiedenen  Zeiten  getodtet,  nach  1,  2,  4,  1,  10,  14,  2t  Tagen 
und  na(^  1,  2,  3  bis  6  Monaten,  und  die  Därme  einer  mikroskopi- 
schen Untersuchung  unterworfen.  Ausserdem  wurden  an  allen  Hun- 
den bei  Lebzeiten  Temperaturmessungen  angestellt  und  eine  passende 
Diät  vorgeschrieben.    Die  Zahl  der  operirten  Hunde  war  35. 

Auf  Grund  dieser  Untersuchungen  kam  Verf.  zu  folgenden  Re- 
sultaten : 

1)  Von  35  operirten  Hunden  gingen  6  tu  Grunde. 

3)  Der  Tod  der  Hunde  trat  gewöhnlich  am  4.  oder  5.  Tage  ein 
und  fiel  in  die  Zeit  des  Durchschneidens  der  meisten  Nahtösen,  da 
ungefähr  die  Hälfte  der  Knoten  in  der  Zeit  vom  3. — 5.  Tage  abföUt. 
Die  nachbleibenden  Knoten  aber  fallen  immer  langsamer  und  lang- 
samer ab,  so  dass  die  letzten  Knoten  erst  nach  3  Wochen  sich  lösen. 

3)  IKe  Periode  der  stärksten  örtlichen  entzündlichen  Reaction 
ftBt  WQith  in  die  ersten  4 — 5  Tage. 

4)  Die  Ränder  der  Schleimhaut  wulsteten  sich  detmassen  nach  aus- 
sen, dass  sie  stark  der  Vereinigung  der  Wundilächen  entgegenwirkten 
(vorÄügHch  bei  Querwunden). 

5}  Beim  Zusammenwachsen  iiät  das  fibrinöse  die  Ränder  der 
Wunde  zusammenklebende  Exsudat  von  grosser  Wichtigkeit.  An 
seiner  Stelle  beginnt  schon  von  den  ersten  Tagen  an  jutiges  Binde- 
gewebe sich  zu  bilden,  welches  mit  der  Zeit  iu  eine  feste  Narbe 
übergeht.  Ausserdem  trägt  zum  dauerhaften  Zusammenhalten  der 
Wundränder  das  Ankleben  des  grossen  Netzes  in  det  Region  der  zu- 
sammengenähten Wunde  bei.  Das  angewachsene  Netz  macht  sich 
gewöhnlich  mit  der  Zeit  (etwa  nach  6  Monaten)  los,  durch  Schwin- 
den der  verlöthenden  G^websmassen. 

6)  Auf  der  Seite  der  Mucosa  sftellt  die  zusammengenähte  Wunde 
eine  eiternde  Fläche  von  der  Gestalt  eines  schmalen  ßändchens  dar. 
Die  völlige  Uebefkleidung  mit  Epithel  tritt  erst  ungefähr  am  14. 
Tage  ein. 

25* 


388  Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  25. 

7)  Die  späteren  Veränderungen  bestehen  in  d^r  Verdichtung  der 
Narbe^  wodurch  die  früheren  Ränder  der  Wunde  sich  immer  mehr 
und  mehr  nähern.  Das  Muskelgewebe  durchwächst  die  Narbe  (nach 
2^2 — 3  Monaten),  aber  nur  in  Gestalt  unregelmässig  verlaufender 
Fasern. 

8)  Es  ist  am  besten^  die  einzelnen  Oesen  der  Nähte  nicht  weiter 
als  etwa  in  der  Entfernung  von  3  Mm.  von  einander  anzulegen  und 
dabei  die  Knoten  auf  der  Seite  der  Schleimhaut  zu  machen.  Von 
den  6  gestorbenen  Hunden  crepirte  nur  einer  mit  auf  diese  Weise 
angebrachten  Nähten.  Die  anderen  5  aber  starben  bei  Nähten, 
deren  Oesen  in  grösserer  Entfernung  von  einander  angebracht  waren, 
oder  bei  Nähten,  deren  Knoten  auf  der  Seite  der  Serosa  lagen. 

9}  Da  beim  Ausschneiden  ganzer  Stücke  aus  dem  Darme  man 
auch  keilförmige  Mesenteriumstücke  ausschneiden  musste,,  so  wurden 
zum  Zusammenbringen  der  Bänder  des  letzteren  auch  Nähte  ange- 
legt, welche  ebenfalls  eine  Einkapselung  erfuhren. 

10]  Der  Temperaturmessung  wurden  17  Hunde  unterworfen. 
Gleich  nach  der  Operation  fiel  die  Temperatur  beinahe  um  1,5^C. 
und  stieg  dann  nach  einigen  Stunden  allmälig  mit  Morgenremissionen 
bis  zum  Abend  des  3.  Tages,  wo  sie  im  Mittel  39,5^0.  erreichte. 
Vom  Morgen  des  4.  Tages  begann  die  Temperatur  von  Neuem  etwas 
zu  fallen,  und  vom  6.  Tage  an  wurde  sie  normal  (38,1^C.).  Bei 
Todesfällen  stieg  die  Temperatur  noch  am  4.  Tage  bis  40^  C.  und 
der  Tod  trat  dann  meist  am  4.  Tage  selbst  oder  am  nächstfolgenden 
Tage  bei  gleich  hoher  Temperatur  ein.  Pawloff  (St.  Petersburg]. 


L.  Banvier.    Recherches  sur  les  ^l^ments  du  sang. 

(Arch.  de  physiologie  1875.  p.  1 — 15.) 

Mit  Hülfe  sehr  verdünnten  Weingeistes,  den  £.  als  Reagens  be- 
nutztC;  gelang  es  ihm,  in  den  rothen  Blutkörperchen  der  Amphibien 
Kemkörperchen  zu  erkennen.  Ebenso  wies  er  nach,  dass  die  Um- 
hüllung der  rothen  Blutkörperchen  von  einer  weichen  und  überaus 
biegsamen  Substanz  gebildet  wird,  da  sie  von  körperlichen  Elemen- 
ten durchsetzt  wird  und  sich  hinter  diesen  wieder  so  schliesst,  dass 
durchaus  kein  Zeichen  auf  den  stattgefundenen  Durchtritt  deutet. 
Beim  Axolotl,  dessen  Zellenprotoplasma  so  durchsichtig  und  wenig 
lichtbrechend  ist,  dass  die  Kerne  darin  sichtbar  sind,  als  wären  es 
freie  Kerne,  sah  R.  in  der  feuchten  ELammer  eine  Theilung  der  Kerne 
der  weissen  Blutzellen  sich  unter  seinen  Augen  vollziehen.  Der 
Axolotl  besitzt  ausserordentlich  grosse  weisse  Blutkörperchen;  die 
grössten  fein  granulirten  haben  im  Mittel  einen  Durchmesser  von 
25  Mikromillimeter  im  ruhenden  Zustande,  bei  amöboider  Bewegung  und 
ausgestreckten  Fortsätzen  erreichen  sie  bis  zu  50  und  ihre  Kerne  zu- 
weilen bis  zu  30  Mikromillimeter  Länge^  während  beim  Frosch  die  ent- 
sprechenden Werthe  nur  7«  ^^  Vs  ^^  ^^^^  angeführten  ausmachen. 
Die  Formen,  welche  R.  die  Zellen  bis  zur  erfolgten  Theilung  der  Kerne 


Centralblatt  ftir  Chirurgie.   No.  25.  389 

und  des  Protoplasma  hinter  einander  annehmen  sah,  sind  durch  eine 
Reihe  von  Abbildungen  dargestellt.  Zunächst  sieht  man  das  Protoplasma 
Fortsätze  ausstrecken,  der  Kern  nimmt  eine  bizarre  Form  an,  es  ent- 
steht an  ihm  eine  Einschnürung,  die  Einschnürung  und  Furchung 
der  Kerne  rervielfacht  sich  und  schliesslich  kommt  eine  vollständige 
Kemtheilung  zu  Stande.  Während  so  die  Kerne  schon  von  einander 
getrennt  sind,  bildet  das  Protoplasma  zwischen  ihnen  noch  einen  un- 
regelmässigen Streifen,  endlich  theilt  sich  auch  dieser  und  zwar  geht 
dann  die  Spaltung  so  glatt  und  schnell  vor  sich,  als  wäre  sie  durch 
eine  scharfe  Schneide  erfolgt.  R.  meint,  dass  das  Protoplasma  das 
eig^tlich  Active  sei,  während  die  Kemtheilung  so  zu  sagen  nur 
passiv  unter  dem  Einfluss  der  Bewegung  des  Zellenleibes  zu  Stande 
kommen  soll.  J.  Mnnk  (Straasburg  i/E.). 

S.  Stricker.    Untersuchungen  über  den  Eiterungsprocess. 

(Wiener  Medicinische  Jthrbacher  Xahrg.  1874.) 

Nach  einer  eingehenden  Discussion  über  die  angewandte  Unter- 
suchungsmethode, über  den  Unterschied  der  Gold-  und  Silberfarbung, 
erklärt  Verf.  zunächst  einige  Silberbilder  der  Cornea,  welche  der  Nach- 
barschaft entzündeter,  resp.  eiternder  Stellen  entnommen  sind.  St. 
betont  die  Verschiedenheit  der  Bilder  beim  Frosch  je  nach  der  Tiefe 
der  Schicht.  Die  Gewebsschichten,  welche  man  mit  der  Descemet '- 
sehen  Haut  abzieht,  zeichnen  sich  durch  das  Aussehen  der  verästeten 
Homhautkörper  aus.  In  der  nächsten  LameUe  ist  das  Bild  ein  an- 
deres ;  die  hier  auftretenden  granulirten  verästigten  Korper  sind  weni- 
ger plastisch.  Hervorzuheben  ist,  dass  man  durch  Silber  ganz  ana- 
loge verästete  und  granulirte  Homhautkörper  darstellen  kann,  wie 
durch  Gold.  —  Besonders  schön  treten  die  Homhautkörperchen  her- 
vor,  wenn  man  die  normalen  Corneae  halbausgewachsener  Katzen 
in  situ  mit  Silber  färbt;  die  gelungenen  Stellen  zeigen  auf  dunklem 
Grunde  ein  helles,  nach  längerer  Lichteinwirkung  fein  granulirtes 
Netz  von  reichster  Verzweigung.  In  entzündeten  Corneen  dagegen 
finden  sich  Stellen,  um  welche  die  Bilder  noch  normal  oder  fast  nor- 
mal sind;  dann  —  gegen  das  Centrum  einer  solchen  Stelle  —  wer- 
den die  Balken  des  Netzes  granuUrt,  dann  durch  braune  Streifen  in 
anfangs  grössere  Abschnitte  zerlegt.  Die  Balken  schwellen  an,  die 
Grundsubstanz  wird  spärlicher,  die  Theilung  macht  Fortschritte'.  Die 
Theilstücke  werden  immer  kleiner;  endlich  fehlt  die  Grundsubstanz 
ganz,  aus  dem  Comealgewebe  ist  ein  aus  Zellen  bestehender  Knoten 
geworden.  Dass  diese  ungleich  grossen  Theibtücke  Zellen  sind  und 
dass  das  Erscheinen  der  braunen  Linien  Theilung  bedeutet^  geht  da- 
raus hervor,  dass  das  Balkenwerk  wächst,  an  Masse  zunimmt,  und 
granulirte  kernhaltige  Massen  ablöst.  Neben  den  kernhaltigen  Theil- 
stücken  kommen  auch  kernlose  vor. 

So  bildet  sich  also  bei  der  Keratitis  ein  Knoten,  das  Gewebe  zerfallt, 
es  ist  ein  Abseess  vorhanden  und  die  Formelemente  des  Eiters  sind  zer- 


390  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  25. 

fallen^  z^rtheiltes  Gewebe,  histolc^sche  Beobachtuugeu^  welche  iiach 
Verf.  mit  den  klinischen  £i:fahTungen  harmoniren.  Einerseits  liegt  in 
der  Knotenbildung  der  Schwerpunct  der  Keratitis  traumatica,  andererseil« 
kommt  —  auf  Grund  zahlreichster  histologischer  Beobachtungen  — 
ohne  Knotenbildung  in  dem  erwähnten  Sinne  keine  Abscessbildung 
zu  Stande.  Nicht  jede  Knotenbildung  ist  als  bestimmtes  Zeichen 
des  folgeuden  Gewebszerfalles  anzusehen. 

Rings  um  den  Aetzschorf  beobachtet  man  eine  Zone,  in  welcher 
durch  die  Silberfarbung  kein  Netzwerk  zur  Anschauung  kommt.  Die 
Grundsubstanz  erscheint  gleichmässig  dunkel  mit  unverzweigten  hellen 
Feldern  pder  Inseln,  weldie  isolirte  Formelemente  darstellen.  Ausser- 
halb des  Schorles  hat  nämUch  der  Aetzstift  das  Gewebe  nicht  abgetödtet, 
hier  theilen  sich  vielmehr  die  Homhautkörper  und  bilden  isolirte 
Elemente.  Ob  ausser  diesen  isolirten^  aus  Hornhautzellen  stammenden 
Formelementen  noch  andere  vorkommen,  welche  von  aussen  in  die  Cor- 
nea eingewandert  sind,  ist  nach  Str.  für  die  centrale  Keratitis  eine  ganz 
nebensächliche  Frage.  Bis  jetzt  ist  nach  Verf.  noch  nicht  der  Be- 
weis geführt,  dass  eine  Einwanderung  stattfinde  und  noch  weniger, 
dass  die  Einwanderer  farblose  Blutkörperchen,  sind.  Auch  für  ge- 
fässhaltige  Gewebe  ist  die  Theorie,  nach  welcher  die  Auswander- 
ung  farbloser  Blutkörperchen  zu  Stande  komme,  einerseits  noch  nicht 
erwiesen ,  andererseits  stehe  dieselbe  in  Widerspruch  zu  den  Erfahrun- 
gen am  Krankenbett  und  an  der  Leiche« 

.  Den  Uebergang  von  verästeten  Hornhautkörperchen  in  Eiterzellen 
sah  St.  sehr  schön  an  der  Fischcomea,  welche  an  gewissen  Stellen 
isolirte,  verästete  pigmentirte  Körper  besitzt.  Letztere  waren  im  Eiter- 
knoten untergegangen  und  hatten  pigmentirte  »Eiterkörpera  geliefert, 
die  stellenweise  noch  strangformig  zusammenhingen. 

Zum  Schlüsse  theilt  Verf.  seine  Ansichten  über  den  Bau  der 
HomhautzeUen  mit.  St.  hält  daran  fest,  dass  die  Homhautkörper, 
re^p.  ihre  Ausläufer  ein  Netz  bilden.  Dafür  spricht  die  vergleichende 
Histologie,  die  Genese  und  die  krankhaften  Zustände.  Ob  es  selbst- 
ständige Formelemente  in  der  Cornea  giebt,  ob  die  Maschen  dea 
Netzwerkes  immer  gleich  gross  sind  (bei  verschiedenen  Thieren),  wie 
sie  sich  femer  zur  Grundsubstanz  verhalten,  lässt  Verf.  unentschie- 
den. Auch  über  die  Bedeutung  der  Saftkanälchen  enthält  sich  Verf. 
jeden  Urtheils.  Es  ist  möglich,  dass  sie  stets  von  Protoplasma  er- 
füllt sind,  oder  stellenweise  dauernd  oder  vorübergehend  kein  Proto- 
plasma enthalten  und  nur  Emährungssäfte  leiten. 

TUlmanns  (Leipzig), 

Babuteau.     De  Taction  du  fer  sur  la  nutrition. 

(Compt^  rendus  T.  80.  S.  1169-^70.) 

R.  hat  an  sich  selbst  Versuche  über  den  Einfluss  des  Eisens  auf 
den  Stoffwechsel  angestellt.  Jede  Versuchsreihe  erstreckt  sich  über 
15  Tftge,  während  welcher  R.  bei  durchaus  gleicher  Ernährung  und 
Lebensweise  verharrte.    Es  wurden  an  den  ersten  5  Ti^eo  die  tag* 


Centralblatt  fOr  Chirmgie.    No.  25.  391 

liehen  Ausscheidungen  genau  festgestellt^  yom  6.  bis  zum  10.  Ti^ 
dann  2  Gran  (0,12)  Eisenchlorür  pro  die  genommen  und  weiter  die 
Beobachtung  fortgesetzt  und  in  den  letzten  5  Tagen  die  Versuchs- 
reihe mit  Aussetzung  des  Eisens  geschlossen.  Es  zeigte  sich,  dass 
die  Menge  des  Harns  ziemlich  dieselbe  blieb,  dagegen  der  Säuregrad 
desselben  durch  das  Eisen  erheblich  zunahm.  Diese  Thatsache  ver- 
mag die  Anwendung  von  Eisenpräparaten  bei  dem  aus  ausgeschiede- 
nen Phosphaten  bestehenden  Hamgries  und  der  Oxalurie  zu  recht- 
fertigen und  die  günstigen  Erfolge,  die  man  zuweilen  davon  sieht, 
in's  richtige  Licht  zu  stellen.  Die  Menge  der  festen  Bestandtheüe 
und  ebenso  des  Harnstoffs  nimmt  unter  Eisengebrauch  um  etwa  10^ 
zu;  es  wird  also  durch  das  Eisenchlorür,  selbst  in  massigen  Dosen, 
der  Stoffwechsel  nicht  unbeträchtlich  angeregt.  B.  erwähnt,  dass 
schon  vor  ihm  Pourowski  unter  dem  Einfluse  des  Eisens  eine  Tem- 
peraturerhöhung gefunden  hat,  die  auf  die  gesteigerte  Oxydation,  wo- 
für die  Harnstofizunahme  spricht,  zu  beziehen  wäre. 

J.  Mank  (Strassburg  i/E.)- 

Kocher.     Ueber  die  Sprengwirkung  der  modernen  Kleinge- 

wehrgeschosse. 

(Correspondenzblatt  f.  sehweiz.  Aerste  t875.  No.  1,  2,  3.) 

Auf  Orund  zahlreicher  Schussversuche  auf  Cadaver,  sowie  auf 
Körper  von  versehiedener  Resistenz  kommt  K.  zur  Ansicht,  dass  die 
von  Busch  angenommene  Centrifugalkraft  der  rotirenden  Kugel  nur 
wenig  Bedeutung  habe. 

Die  grossen  trichterförmigen  Defecte,  welche  in  den  Muskeln 
von  den  Geschossen  gesogener  Gewehre  erzeugt  werden,  können  nach 
Verf.,  wenn  die  Kugel  nur  Weichtheile  traf,  auch  nicht  durch  das 
Abschmelzen  derselben  erklärt  werden;  es  bleibt  nur  anzunehmen, 
dass  sie  durch  den  plötzlich  wirkenden  hydrostatischen  Druck,  durch 
die  plötzliche  Verdrängung  incompressibler  Flüssigkeiten  in  den 
Weichtheilen  ihren  Einfluss  geltend  mache.  Dem  hydrostatischen 
Druck  ^d  auch  die  ausgedehnte  Sprengung  von  Schädel  und  Dia- 
physen  in  der  Hauptsache  zuzuschreiben  w^en  des  unmöglichen 
AuBweichens  des  Mark*  resp.  des  Gehiminhaltes. 

Die  Abschmelzung  von  Blei  kann  nach  K.  nur  bei  Knochen- 
schüssen in's  Gewicht  fallen. 

Aus  diesen  Sätzen  lassen  sidi  folgende  Consequenzen  ziehen: 

t)  Um  die  Abschmelzung  der  Geschosse  zu  verhüten,  sollen 
Metalle  mit  möglichst  hohem  Sehmelzpunct  gewählt  werden  (z.  B. 
Kupfer  oder  Eisen).  Alle  Legirungen  von  Blei  mit  Metallen  von 
noch  niedrigerem  Sehmelzpunct  sind  zu  vermeiden. 

2)  Um  den  hydrostatischen  Druck  möglichst  gering  ausfallen  zu 
lassen,  wäre  das  Volumen  der  Geschosse  auf  ein  Minimum  zu  redu- 
ciren.  •  CHrard  fStrassburg  i/E.). 


392  Centralblatt  fdr  (Chirurgie.     No.  25. 

H.  B.  Sands.     Esmarch^sbloodless  method. 

(New  York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXI.  p.  1.) 
S.  giebt  eine  erschöpfende  Darstellung  der  Anwendungsweise, 
des  Nutzens  und  der  möglichen  Nachtheile  des  Esmarch'schen  blut- 
losen Operationsverfahrens.  Aus  einer  Zusammenstellung  von  zahl- 
reichen Fällen  in  der  Hospital-  und  Privatpraxis  New- Yorker  Aerzte 
gewinnt  S.  Material  für  eingehende  Beurtheilung. 

Acht  Mal  wurde  partielle  Gangrän  der  Hautlappen  bei  7  primä- 
ren. Amputationen  und  einer  Resection,  zehn  Mal  nach  secundären 
Amputationen  beobachtet.  Ausser  in  einem  Fall  (Resection  der  Car- 
palknochen)  war  ein  Zusammenhang  zwischen  Gangrän  und  allzu 
starkem  Druck  der  elastischen  Binde  höchst  unwahrscheinlich.  4 
Nachblutungen  werden  verzeichnet  als  jedenfalls  unabhängig  vom 
Operationsverfahren.  Ein  Mal  trat  Lähmung  des  Vorderarms  und  der 
Hand  nach  Nekrotomie  am  Humerus  auf.  Dieselbe  wurde  durch 
Electricität  etc.  im  Laufe  von  2  Monaten  fast  vollständig  geheilt. 
Nach  Nekrotomie  der  Scapula  folgten  ein  Mal  2  Wochep  lang  dauernde 
neuralgische  Beschwerden.        Madelung  (Bonn). 

L.  Mayer.     Ueber  Lister's  Wundbehandlung. 

(Aerstl.  Intelligenzblatt  1875.  No.  17.  p.  167.) 
In  einem  Vortrage  über  die  Li  st  er 'sehe  Methode  der  Wundbe- 
handlung bestreitet  Verf.  zunächst  die  Richtigkeit  der  derselben  zu 
Grunde  liegenden  Theorie  über  die  Ursachen  der  septischen  Processe, 
indem  er  die  »Pilzfabel«  einer  sehr  abfälligen  Kritik  unterzieht  und 
den  nicht  ausbleibenden  »Pilzkrach«  prophezeit.  Als  Beweis  gegen 
die  Lister'sche  Theorie  werden  namentlich  die  Erfolge  der  offenen 
Wundbehandlung  angeführt.  Nach  den  Anschauungen  des  Verf.'s^ 
welche  übrigens  nicht  mit  Ergebnissen  eigener  Untersuchungen  be- 
legt werden^  sind  die  »Pilze«  immer  nur  accidentelle  Erscheinungen« 
für  deren  Wucherung  schlechte  Wundverhältnisse  ein  besonders  gün- 
stiges »Mistbeet«  (1  Ref.}  bieten;  ihre  Wirkung  is^  immer  nur  eine 
mechanische,  sofern  sie  im  Falle  massenhafter  Wucherung  als  localer 
Entzündungsreiz  wirken  können.  Die  septischen  Stoffe  werden  für 
rein  chemische  Körper  erklärt,  die  Ursache  der  Sepsis  in  den  »malig- 
nen Gewebsverhältnissen  des  Individuuma  gesucht. 

In  Betreff  der  Wirksamkeit  der  Li  st  er 'sehen  Verbandmethode 
bestreitet  Verf.  den  derselben  zugeschriebenen  unfehlbaren  Schutz 
gegen  accidentelle  Wundkrankheiten  und  führt  als  Belege  zwei  von 
ihm  nach  dieser  Methode  ausgeführte  Operationen,  eine  Ovariotomie 
und  eine  Fussgelenksresection  an,  bei  denen  Jauchung  mit  todtlichem 
Ausgange  eintrat.  Der  Hauptvorzug  der  Lister 'sehen  Methode  liegt 
nach  seiner  Ansicht  in  der  mit  derselben  verbundenen  grossen  Rein- 
lichkeit, der  geringen  Reizung  der  Wunde  und  der  hierdurch  ver- 
minderten Eiterung«  Um  zu  einem  definitiveti  Urtheile  über  den 
Werth  der  Methode  zu  gelangen,  werden  Controlversuche  in  der  Rieh- 


Centraiblatt  für  Chirurgie.    No.  25.  393 

tung  verlangt,  »ob  mit  einfiEichem  Mull  ohne  Antisepticuin,  aber  ganz 

nach  Lister's  Intention  (!  Ref.)  verbunden^   nicht  ebenso  g^te  Re* 

sultate  erzielt  werden,  ob  anderes  antiseptisches  Verbandmaterial,  be- 

sonders  in  vereinfachter  Form  angewandt,  nicht  dasselbe  leistet«. 

P«  Bnins  (TübiDgen). 

van  Blaeren.    De  remploi  du  plomb  lamin^  en  Chirurgie. 

(Archives  m^dicales  beiges  1876.  Hft.  4.  p.  251—269.) 

B.  wendet  nach  dem  Vorgange  von  Burggraeve  Bleifolie  von 
der  Dicke  guten  Schreibpapiers  zum  Verbände  von  Wunden  an  und 
rühmt  an  dieser  Methode  im  Allgemeinen  die  günstigen  Wirkungen 
der  Wundocclusion  oder  des  Ausschlusses  atmosphärischer  Noxen^ 
nämlich  Verhinderung  von  Entzündung  und  Wundfieber,  Beschränk- 
ung der  Eiterung  und  Herabsetzung  der  Gefahr  accidenteller  Wund- 
krankheitcn.  Weitere  Vorzüge  sind  Einfachheit  und  Sauberkeit .  des 
Verbandes,  seltener  vorzunehmender  Wechsel  desselben  und  vor  Allem 
die  Möglichkeit,  die  Wunde  zu  irrigiren,  ohne  sie  zu  entblössen,  also 
unter  Vermeidung  des  directen  Einflusses  der  Irrigationsflüssigkeit  auf 
die  verletzten  Gewebe.  Toxische  Wirkungen  des  Bleies  sind  nicht 
zu  befürchten;  dagegen  bildet  sich  in  der  Umgebung  der  Wunde 
häufig  ein  lästiges  Eczem,  besonders  in  den  späteren  Stadien  der 
Wundheilung.  Am.  Hiller  (Berlin). 

T.  Lauder-Bnmton  &  J.  Fayrer.    On  the  natura  and  physio- 
logical    action    of  the   poison  öf  naja  tripudians   and   other 

indian  venenous  snakes. 

(Proceedings  of  the  royal  tociety  of  London  1874.  Vol.  XXII.) 

Die  Vff.  haben  ausgedehnte  chemische  imd  experimentelle  Unter- 
suchungen über  die  Natur  und  Wirkung  des  erwähnten  Schlangen- 
giftes angestellt.  Die  Wirkung  des  untersuchten  Giftes  gleicht  im 
Wesentlichen  der  von  Curare.     (Die  Details  siehe  im  Original.) 

Künstliche  Respiration^  Transfusion^  häufiges  Ausspülen  des 
Magens,  Anwendungen  diuretischer  und  sialogoger  Mittel  etc.  werden 
als  therapeutische  Mittel  empfohlen  und  zwar  die  Transfusion  auf 
Grund  der  Thatsache,  dass  auch  ganz  besonders  das  Blut  vergifteter 
Thiere  inficirt  ist  und  anderen  Thieren  beigebracht  giftig  wirkt.  Aber 
weder  mit  den  genannten  Heilmitteln^  noch  mit  subcutanen  Injec- 
tionen  von  Ammoniak  ist  es  den  Vff.  gelungen^  bei  ihren  Experi- 
menten lebensrettende  Erfolge  zu  erzielen.  Tillmanns  (Leipzig). 


E.  Odebrecht  Aus  der  gynäkologischen  Klinik  des  Prof.  H  e  g  ar 
in  Freiburg i.  B.  Beitrag  zur  liehre  vom  intraabdominellen  Druck. 

(Beil.  klinische  Wochenschrift  J875.  No.  14.) 
Um   Bedingungen   aufzuklären ,    unter   denen    bei    gewöhnlicher 
Ruckenlage  Aspiration  nach  Hohlorganen  des  Unterleibes  erfolgt^  theilt 


394  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  25. 

Verf.  zwei  einsdilftgige  Beobacktungsfalle  mit.  Im  ersten  findet  sich 
eine  vom  allgemeinen  intraabdominellen  Drucke  Terschiedene,  oder 
wie  Verf.  sagt,  »separate  Druckprovinzc  in  der  Blase,  Eine  Wöch- 
nerin, bei  welcher  schon  vor  der  Geburt  ein  Tumor  neben  dem 
Uterus  constatirt  wurde,  bekam  angeblich  durch  Zerfall  der  Ge- 
schwulst eine  Peritonitis ;  die  Folge  waren  Verwachsungen  der  Blasen- 
wand mit  umgebenden  Partieen.  Narbiger  Zug,  durch  Druck  deB 
Fingers  oder  eines  Manometerrohres  im  Rectum  oder  in  der  Scheiden- 
wand eventuell  verstärkt,  bewirkte  beim  Versuch,  zu  kathetrisiren, 
nicht  nur  Retention  des  Harns,  sondern  auch  zischendes  Einströmen 
von  Luft.  Nach  der  Genesung,  schon  während  der  Reconvalescenz, 
schwand  das  Phfinomen  und  es  stellte  sich  schwaches  Pressen  ein, 
unter  dem  der  Urin  durch  den  Katheter  entleert  wurde.  Bei  spon- 
tanem Uriniren  drückte  schliesslich  die  Bauchpresse  den  Urin  aus. 
Ein  zweites  Mal  wurde  Aspiration  von  Luft  durch  den  Katheter  in 
die  Blase  bemerkt,  als  einer  Person,  bei  welcher  man  Hydro-Pyone- 
phrose  diagnosticirt  hatte,  und  wo  Urin  zur  Untersuchung  abgenom- 
men werden  sollte.  Eigenthümliche  Configuration  der  concaven,  ge- 
spannten Bauchdecken  geben  hier  dem  Verf.  Anhalt  zur  mechanischen 
Erklärung.  Zugleich  ist  zu  erwähnen,  dass  diese  Patientin,  wiewohl 
nicht  immer,   so  doch  fast  exclusive  Thoraxinspirationen  ausführte, 

und  dass  hierbei  Aspiration  von  Luft  in  die  Blase  erfolgte» 

v.  Mosengeil  (Bonn). 

Casenave.    Sur  des  bougies  et  des  sondes  en  ivoire  flexible. 

(Bulletin  de  l'acad6mie  de  medecine  1875.  No.  11.) 
Biegsame  Elfenbeinsonden  stellt  sich  C.  seit  dem  Jahre  1838 
dadurch  her,  dass  er  Elfenbeinstäbchen  von  entsprechender  Form  in 
verdünnte  Salzsäure  legt  und  sie  dadurch  ihrer  Kalksalze  beraubt. 
Die  zurückbleibende  Masse,  eine  Art  Elfenbeingelatine,  ist  weich  und 
biegsam,  lässt  sich  jedoch  auch  in  trockenem  und  hartem  Zustande 
aufbewahren.  Solche  Sonden  sind  auch  dauerhaft,  und  kann  ihre 
Haltbarkeit  durch  Zumischung  leicht  adstringirender  und  conserviren- 
der  Stoffe  bei  der  Präparation  bedeutend  erhöht  werden.  Auf  Grund 
langjähriger  vergleichender  Erfahrungen   giebt  ihnen  C.    den  Vorzug 

vor  den  Wachs-,  Dannsaiten-  und  Gummi-Bougies. 

An.  HUler  (Berlin). 

Ed.  Lawrie.     Fhimosis  and  Circumcision. 

(The  Ind.  Med.  Gazette  1875.  Vol.  X.  No.  1.  p.  13.) 
Wiederholte  Beobachtungen  haben  L.  zur  Ueberzeugung  geführt, 
dass  die  Phimose  der  Kinder  in  den  seltensten  Fällen  eine  angeborene 
sei ;  sie  entstehe  vielmehr  durch  adhäsive  Entzündungen  der  Präputial* 
Schleimhaut  und  der  Glans  penis  infolge  der  Unterlassung  der  Retrao- 
tion  der  Vorhaut  und  gehöriger  Reinigung  der  betreffenden  Theile. 
Es  sind  L.  öfters  Kinder,  bei  denen  er  sich  bei  der  Geburt  von  der 


r 


Centralblatt  fOr  Chiruigie.    No.  25.  395 

Retractionsfahigkeit  der  Vorl^aut  überzeugt  hatte,  nach  6  Moaaten 
wegen  Phimose  gebracht  worden.  Die  örtlichen  entzündlichen  Er- 
scheinungen wurden  von  den  Pflegerinnen  übersehen.  Zuweilen  fand 
er  bei  Kindern^  die  ihm  w^en  Unruhe  und  nächtlichen  Weinens 
gebracht  wurden^  weiter  keine  Affection  als  die  genannten  entzünd-* 
Üchen  Erecheinungen  der  Vorhaut.  Bei  weitem  Orificium  der  Vor* 
haut  empfiehlt  Verf.  in  solchen  Fällen  von  Phimose  die  Vorhaut  ge- 
waltsam oder  auch  mit  Hülfe  von  Scheeienschnitten  von  der  Glans 
abzuziehen.  Bei  enger  Präputialöfinung  empfiehlt  er  die  Circumcision 
und  zwar  soll  das  ganze  hypertrophische  Präputium  entfernt  werden, 
weil  die  zurückbldjienden  Theile  zu  hypertrophiren  geneigt  sind. 

A.  Bvrgeor  (London). 

G.  CShaillowL     Quelques  considärations  sur  les  fractures  du 
larynx  cons^cutives  ä  la  Strangulation  et  la  pendaison. 

(Th^se.   Paris,  1874.) 

Ch.  behandelt  vom  chirurgisch-forensischen  Standpuncte  aus  die 
seltenen  Fälle  von  Larynx- Fracturen^  welche  durch  Erwüigen  und 
Erhängen  bewirkt  werden,  bringt  jedoch  nur  Bekanntes  ohne  weseut^ 
lieh  neue  Gesichtspiuikte.  Die  zu  Grunde  gelegte  Casuistik  ist  be- 
reits in  dem  Werke  von  Gurlt  über  Knochenbrüche  vollständiger 
enthalten,  mit  Ausnahme  einiger  neuerer  Fälle,  welche  jedoch  nicht 
Eigenthum  des  Verf. 's,  sondern  fremden,  an  anderen  Orten  bereits 
publicirten  Beobachtungen  entlehnt  sind.  p,  Brus  (Tübingen). 


Villairet,     Eine  Gummiaderpresse. 

(Deutsche  müitärftraü.  Zeit8ohnft  1875.  Hft.  3.) 

V.  empfiehlt  für  den  Feldgebrauch,  namentlich  für  Krankenträ- 
ger auf  dem  Schlachtfelde,  folgenden  höchst  einfachen  Ersatz  des  bis- 
her gebrauchlichen  Knebeltourniquets  durch  die  Esmarch*sche  Con- 
striction:  man  nimmt  ein  B  Cm.  breites  und  7^  Meter  langes  Stück 
eines  dünnen,  aber  festen  Gummischlauchs ;  dasselbe  wird  dicht  ober- 
halb der  blutenden  Stelle  um  die  Extremität  geschlungen  und  unter 
leichter  Dehnung  durch  einmaliges  Knoten  befestigt.  Das  Verfahren 
setzt  so  wenig  anatomische  Kenntnisse  voraus,  dass  es  auch  von  dem 
Unerfahrensten  geübt  werden  kann.  Dabei  erfordert  die  Anlegung 
viel  weniger  Zeit^  als  das  Feldtoumiquet,  auch  ist  der  Verschluss  des 
Gefasses  an  jeder  Stelle  der  Extremität  ein  vollkommen  sicherer,  wäh- 
rend beim  Toumiquet,  besonders  auf  dem  Transport,  die  Felotte  sich 
leicht  verschiebt  oder  das  Band  sich  lockert.  Grösste  Einfachheit, 
Schnelligkeit  und  Sicherheit  der  Blutstillung  sind  namentlich  für 
manche  Eventualitäten  des  Krieges,   wie  Nachtgefechte,  Winterkalte, 

Blutung  aus  grossen  Gefässen  u.  s.  f.  unschätzbare  Vorzüge. 

Am*  HUier  (Berlin). 


396  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  25. 

Csnberka.     Chirurgisch-medicinisches  Vademecum. 

Wien,  C.  Fromme's  Verlag  1875.   16.  525  S. 

Das  Büchlein  ist  fiir  den  selbstständig  handelnden,  auf  sich  allein 
beschränkten  Axzt  bestimmt  und  giebt  in  conciser  Form  über  die 
Untersuchungsmethoden  der  einzelnen  Korpertheile,  über  Sphygmo- 
graphie,  Mikroskopie ,  Laryngo-  und  Rhinoskopie,  die  Technik  des 
Katheterismus,  der  Zahnextraction  und  die  einfachsten  chirurgi- 
schen, oculistischen  und  gynäkologischen  Technicismen,  namentlich 
auch  solche,  welche  gewöhnlich  auf  den  Universitäten  nicht  Gegen- 
stand besonderer  Unterweisung  sind,  wie  das  Schröpfen,  die  Appli- 
cation von  Blutegeln,  die  subcutane  Injection,  die  Anlegung  des 
Katheters  beim  Weibe  u.  s.  w.,  höchst  praktische  und  nützliche  Be- 
lehrung. An.  Hiller  (Berlin). 


Kleinere  Mittheilungen. 

H.  Maas.     Ueber  das  Anheilen  gänzlich  getrennter  Körpertheile   auf 

frischen  Wundflächen. 

(Deutsche  Klinik  1875.  No.  2.  p.  9.) 

Verf.  beobachtete  2  Fälle  von  Wiederanheilung  gänzlich  abgeschlagener  Stücke 
der  Nase  bei  Gelegenheit  von  Schlägermensuren.  In  dem  ersten  Falle  war  der 
freie  Rand  des  Nasenflügels  und  ein  Theii  der  Nasenspitze  etwa  in  der  Grösse 
eines  Zweigroschenstückes  abgeschlagen  worden ;  das  Stück  wurde  sofort  angenäht 
und  heilte  mit  th eilweiser  Abstossung  der  Epidermis  vollständig  an.  Im  zweiten 
Falle  war  ein  Stück  aus  der  Dicke  des  Nasenrückens  herausgeschlagen  und  konnte 
erst  nach  einiger  Zeit  (wie  lange?  Ref.)  wieder  angenäht  werden;  dasselbe  heilte 
gleichfalls  nach  Abstossung  der  Epidermis  vollständig  an.  Die  Nachbehandlung 
bestand  in  beiden  Fällen  in  einfacher  Bedeckung  mit  Oelläppchen  und  Watte  und 
Ausstopfen  eines  oder  beider  Nasenlöcher  mit  Wattetampons. 

P.  Bnuis  (Tübingen). 

A,  SohmitB.    Die  Carbolsäure  in  ihrer  klinischen  Verwerthung. 

Inaug.-Diss.  Bonn.   24.  März  1875. 

Verf.  giebt  in  seiner  fleissigen  Arbeit  zuerst  historische  Notizen  über  Ent- 
deckung» chemische  Darstellungsmethoden  der  Carbolsäure ,  physikalische  und 
physiologische  Eigenschaften  derselben.  Es  ist  dann  compilatorisch  gesammelt,  was 
über  Experimentelles,  äusserliche  und  innerliche  therapeutische  Verwendung  zu  sagen 
ist.    Eigene  Versuche  oder  Beobachtungen  liegen  nicht  vor. 

T»  Mosengeil  (Bonn). 

Scheibler.     Manägebewegungen.     K.   k.  Gesellschaft  der  Aerzte^  8. 

Jan.  1875. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  3.) 

Seh.  demonstrirt  Man^ebewegnngen  eines  Hundes  nach  Embolie  der  Art. 
carotis  int.  Körner  von  Mohn  etc.  wurden  als  Embolie  benutzt.  Meynert  deutet 
die  Manfegebewegung  durch  >fitörung  im  Muskelsinn  infolge  von  Empfindungs- 
anomalieen  bedingt,  wofür  der  Umstand  spricht,  dass  die  Thiere  nach  einiger  Zeit 
von  selbst  wieder  geradlinige  Bewegungen  ausführen  lernen. 

T«  Mosengeil  (Bonn). 


Onttalblatt  fflr  Chirurgie.     No.  25.  397 

B.  Anger.     Pseudarthrose.  —  R^ction^  Penetration  des  fragmenta. 

(ReTue  de  th^rapeutique  m4dic.-chirurg.  1875.  No.  7.) 

Ausgehend  ron  der  Erfahrung,  dass  Fracturen  mit  Einkeilung  immer  am  besten 
consolidiren,  r&th  A.  in  den  Fällen,  in  denen  die  übrigen  Mittel  gegen  die 
Psendarthroee  sich  als  erfolglos  erwiesen  haben,  einen  ähnlichen  Zustand  nachzu- 
ahmen, indem  man  Ton  dem  unteren  Fragmentende  einen  kleinen  Keil  abpräparirt 
und  diesen  in  die  Markhöhle  des  oberen  Fragments  eintreibt.  Abgesehen  von  der 
unyermeidlichen  Verkflnung,  ist  die  Operation,  wie  er  gesteht,  ziemlich  eingreifend 
und  invoWirt  eine  Reihe  ernster  Gefahren.  (Ob  A.  sie  überhaupt  schon  ausgeführt, 
ist  aus  der  Mittheilung  nicht  ersichtlich.)  Am«  HUler  (Berlin). 

L.  Berihold.    Rechtsseitige  Luxation  des  6.  Halswirbels. 

(Aentl.  Intelligensblatt  1875.  No.  14.  p.  135.) 

Verf.  beobachtete  den  sehr  seltenen  Fall  einer  durch  reine  Muskelaction  be- 
dingten rechtsseitigen  Halswirbelluxation  bei  einem  I9jähr.  Menschen,  welcher  sich 
dieselbe  beim  Waschen  seines  Nackens  im  Momente  einer  raschen  Wendung  des 
Kopfes  nach  der  linken  Seite  zugezogen  hatte.  Die  Reposition  gelang  eine  Stunde 
nach  der  Verletzung  ohne  Narkose  bei  aufrechter  Stellung  des  Patienten  durch 
Extension  und  Rotation  des  Kopfes.  Die  Extension  wurde  in  der  Weise  ausge- 
führt, dass  der  Operateiir,  auf  einem|Stuhle  stehend,  mit  beiden  Händen  den  Kopf 
am  Hinterhaupte  und  Kinn  in  die  Höhe  hob,  so  dass  di^  Contraextension  durch 
das  Körpergewicht  bewirkt  wurde.  P«  Bnms  (Tübingen). 

Warren.     Scalpirung  durch  Maschinenverletzung. 

(The  Boston  med.  and  surg.  Journal  1875.  No.  7.  p.  203.) 

Der  Fall  bietet  nur  Interesse  wegen  der  Ausdehnung  der  Verletzung.  Die 
herunterhängenden  Haare  eines  jungen  Mädchens  wurden  plötzlich  von  einer 
Maschinen-Walze  erfasst  und  nun  die  ganze  Kopfhaut  von  der  protub.  occipit.  ext. 
an  einschliesslich  der  Stimhaut,  der  oberen  Augenlider  und  ein  Theil  der  rechten 
Wange  abgeschält;  geringe  Blutung;  möglichste  Adaptirung  der  Theile  und  Ver- 
einigung derselben.  Innerhalb  3  Wochen  geht  der  grösste  Theil  gangränös  zu 
Grunde;  frühzeitige  Transplantation  auf  der  eiternden  (!)  Wunde  ist  erfolglos;  spä- 
tere Transplantation  hat  Erfolg;  nach  2  Jahren  ist  die  Wundfläche  erst  um  Vs 
Terkleinert.  Pili  (Stettin). 

Jacobs,  ^ferysip^le  de  la  face  suivi  de  F^rysipöle  du  pharynx.  —  Endo- 

cardite. 
(La  Presse  m6d.  beige  1875.  No.  16.) 

Ein  21  jähr.  Mädchen  wurde  von  einem  massig  heftigen  Oesichtserysipel  be- 
fallen. Bei  der  Aufnahme  in's  Hospital  wurden  gleichzeitig  Zeichen  von  Endo- 
carditis  des  linken  Herzens  constatirt.  Beide  Affectionen  waren  am  5.  Krankheits- 
tage, nach  einem  reichlichen  Aderlass  und  Darreichung  von  Calomeli  in  der  Rflck- 
bildung  begriffen,  als  am  Abend  neuer  Frost,  Schlingbeschwerden,  Trockenheit  im 
Halse  und  lebhafte  Röthung  des  ganzen  Pharynx,  der  Mandeln  und  des  weichen 
Gaumens  erfolgten,  verbunden  mit  massiger  Anschwellung  dieser  Theile.  Nach 
weiteren  5  Tagen  war  vollkommene  ReconTaleaoens  eingetreten. 

Auch  diese  Endocarditis  erklärt  sich  nach  Verf.  ebenso,  wie  dieselbe  Compli- 
cation  bei  anderen  acuten  Infectionskrankheiten,  aus  der  durch  die  Allgemeininfeo- 
tion  bedingten  veränderten  Blutmischung  (und  der  mechanischen  Friction  der  Theile 
bei  der  Herzaction.  Die  Bchliessungslinien  der  Klappen!  Bef.).  Aehn- 
liche  Beobachtungen  von  einem  Uebergreifen  des  Hauterysipels  auf  Schleimhäute 
und  auch  umgekehrt  sind  nach  J.  seit  1864  (Discuasion  hierüber  in  der  Soci6t6 
midie,  des  m^ecins  des  höpitaux  de  Paris)  mehrfach  gemacht  worden. 

Am.  Hlller  (Berlin). 


398  Centralblatt  für  Chii^n?»e.     No.  25. 

TaUBO.     Ojrstioercttfl  cell,  subconjunctivalis. 

(Medycyna  1875.  No.  17,  polniseh.) 

Nach  einem  kurzen  Ueberblicke  der  in  Europa  aberhaupt  und  in  Polea  und 
Hussland  insbesondere  beobachteten  Fälle  schildert  T.  den  von  ihm  op0rirten  und 
zwar  bei  einer  13jähr.  Jüdin,  die  seit  3  Wochen  zwar  nicht  über  Schmenen,  aber 
doch  über  ein  Gefühl  eines  fremden  Körpers  im  Auge  klagte.  Die  Cyste  war  von 
der  Grösse  eines  Kleinfingernagels  und  in  der  inneren  Hälfte  der  unteren  Con- 
junctivalfalte  gelegen.  Operation  vermittelst  eines  horizontalen  Schnittes,  wobei 
eine  gelbliche  Gallerte  und  ein  weisses  Bläschen  entleert  wird.  —  Mikroskopische 
Untersuchung  des  Bläschens  weist  charakteristische  Häkchen  und  Sangnäpfe  nach. 
Heilung  nach  4  Tagen  ohne  Reaction.  Oballnski  (KrakauJ. 

WisBXiiewski.     Bericht  über  die  in   den  Jahren  1870 — 1874   auf  der 

Chirurg.  Abtheilung  des  St.  Lazarusspitals  gemachten  Amputationen. 

(Pnseglnd  lekarski  1S75.  No.  10,  12,  13.  polnisch.) 

Auf  die  Gesammtsumme  von  2569  Kranken  kommen  45  Amputationen  (57 : 1). 
—  Die  Sterblichkeit  betrug:  Vorderarm  25X  —  Oberarm  25X  —  Unterschenkel 
38,8X  —  Oberachenkel  44,4^  —  überhaupt  37,7X.  —  Da«  mittlere  Alter  der  ge- 
heilten Fälle  betrug  30  Jahre  —  der  Verstorbenen  42  Jahre.  —  Die  Beh^dlungs- 
weise  war  in  allen  Fällen  vermittelst  in  Carbolsäurelösung  getauchter  Gharpie  und 
Watte.  Die  Schnitte  meist  Lappenschnitte  —  Seidenligatur  und  Metallsutur.  Die 
mittlere  Heilungsdauer  betrug  am  Vorderarme  24  Tage ;  Oberarm  29  Tage ;  Unter- 
schenkel 31  Tage  —  Oberschenkel  78  Tage.  Obalinski  (Krakau). 

G.  Buok.     Cicatrical  contractions  from   bums  inrolving  the  face  and 

hand. 
New-York,  John  F.  Thow  and  son,  1874. 

Ein  16  Monate  altes  Kind  erlitt  eine  ausgedehnte  Hautverbrennung  durch 
Petroleum.  4  Jahr  7  Monate  alt  kam  es  in  B.'s  Behandlung.  Die  Haut  der  lin- 
ken Schädelhilfte  und  Schläfe,  der  Wange  und  Nase  war  in  Narbenmasse  umge- 
wandelt Es  bestand  ein  ausserordentlich  starkes  Ectropium  der  äusseren  Hälfte 
des  linken  oberen  Augenlides.  Das  untere  Augenlid  war  durch  die  Narbencon- 
traction  nach  unten  gezogen,  ebenso  der  linke  Mundwinkel  nach  oben.  Die  Haut 
des  ganzen  linken  Vorderarms  und  dei  Hand  war  gleichfalls  Narbe.  Die  Finger 
der  Hand  waren  durch  die  starke  Contraction  der  Dorsalhaut  bis  zum  äussersten 
Orad  hyperextendirt,  besonders  Daumen  und  Zeigefinger,  bis  zur  Luxation  im  Meta- 
carpophalangealgelenk  nach  hinten.  Sechs  Operantionssitzungen  im  Laufe  eines 
vollen  Jahres  waren  nöthig,  um  diese  Fehler  zu  verbessern.  Dies  gelang,  wie  die 
beigegebenen  Abbildungen  zeigen,  in  befriedigendsm  Ghrade,  die  Beseitigung  des 
Ectropium  bedurfte  dreier,  die  der  Verstellung  des  Mundwinkels  einer,  die  der 
Fingerverkrümmung  dreier  Operationen.  Aus  den  ausführlich  mitgetheilten  Ope- 
rationsberichten sei  hier  nur  erwähnt,  dass  B.  noch  gegenwärtig  seine  »Silberdraht- 
Zapfennah t«  benutzt  und  deren  Vortheile  darlegt.  HadelaJig  (Bonn). 

tr.  Langenbeck.     lieber  Handgelenkiesectionen.     Berl.  med.  Gesell- 
schaft» 10^  Jan.   1875. 
(Berl.  kliniscfae  Wooheniohrift  1875.  No.  14.) 

t.  L.  demonstrirt  zwei  Fälle  von  Handgelenkresection :  Bei  einem  Patienten 
sind  nntef  Anirendung  des  Dorso^Badialschnittes  alle  Kittpalknochen,  zwei  Metakar- 
palknochen  und  die  unteren  Gcflenkflächen  der  Vorderarmknochen  entfernt.  Re- 
sultat befriedigend.  Ein  ganz  vortreiTlicbes  Resultat  kam  bei  Entfernung  aller 
Karpalknochen,  mit  Ausnahme  des  os  multangul.  maj.  und  pisiforme,  sowie  der 
Oelenkfläehed  von  Uhia  und  Radius  heraus.  Bei  beiden  Fällen  lag  eine  tuberku- 
löse Synovitis  vor,  und  empfiehlt  v.  L.  für  derartige  Erkrankungen  die  Früh- 
reseotion.  ¥•  Mosengell  (Bonn). 


Oentratblatt  fflr  Chirurgie.    No.  25.  399 

Oirookowskl.     Eine  Exarticnlatio  btachii  mit  guteth  Erfolg. 

(Oaxeta  lekanlia  Bd.  XVIl  No.  25,  polnisch.) 

Bei  einem  d2j&hr.  £necht  wurde  die  obere  linke  Extremität  infolge  einer 
complicirten  Doppelfractur  des  Oberatmbeines  nach  der  Larrey'sehen  Methode 
(en  raquette]  exarticulirt.  Nach  5  Wochen  ging  Patient  hemm;  die  Wnnde  heilte 
vollständig  nach  4  Monaten.  OballBSkl  (Krakau). 

Q.  F.  MarlLoiiet.     Ueber  Ovariotomie. 

(Verhandlungen  der  Chirurgiflchen  Oesellschaft  in  Moskau  1875.    1.  Theil.  p.  78.) 

M.  beschreibt  einen  nngQn«tig  verlaufenen  Fall  Toa  Ovariotomie,  welcher  von 
ilitt  1871  an  einer  46  Jahre  alten  Frau,  Mntter  von  5  Kindern,  ausgeführt  wurde. 
Das  Leldeft  derselben  entwickelte  sich  in  2  Jahteli  als  bilocultoe  Cyste  ebne  Ad* 
häsioneti,  anhaftend  mti  kursem,  dickem  Stiel  an  der  hinteren  Fläche  des  rechten 
breiten  MutterbandiS.  Der  Btiel  wurde  mati  3  Ligataren  abgebunden.  Während 
des  Abtrennens  der  Cyste  vom  Stiele  glitt  eine  Ligatur  ab;  es  entstand  eine  hef- 
tige artefielle  Blutung,  die  ein  abennaliges  Hervorziehen  des  Stiels  «od  eine  neue 
Unterbindung  des  blutenden  Oefitosee  erforderte.  Tod  am  6.  Tage  an  Septikämie 
infolge  von  Ansammlung  blutig-eitriger  Froducte  in  den  unteren  Bauchfellfialten. 
In  ähnlichen  Fällen  erwartet  Verf.  in  Zukunft  viel  von  der  Drainage  des  Douglas '- 
sehen  Baumes.  W*  GHäb«  (Charkow). 

A.  BCenvel  (Triest).    Zwei  Ovariotomieen. 

(Wiener  med.  WoehanBohrift  1874.  No.  47.) 

I.  Polycyste  des  linken  Ovarioms.  Totaler  Vorfall  der  Gebärmutter.  Voll- 
koBunene  HeUung  duieh  Ovariotomie. 

Lb  linken  Hypogastvium  einer  23Jähr.  Patientin  lassen  sich  mehrere  Cysten 
und  ein  härtlioker  Tuaaot  bemerken.  Der  Uterus  seit  eiBem  Jahre  proUibirt.  Ope- 
ntion,  wobei  die  grösseren  Cysten  punetirt  wurden.  Der  Stiel  wird  in  2  Portionen 
unterbunden.  Im  Ganzen  6  Massenligatomi  (Seide).  Sie  werden  in  die  Baueh-» 
hMß  vevsenkt.  Baiisehwunde  vOUig  vereinigt,  der  prolabirte  Uterus,  nicht  kOnst- 
lieh  reponirfe«  sog  sich  nach  4  Tagen  völlig  ivrOokt  wahrseheinÜeh  durch  Tractio- 
nen  der  mit  dem  Uterus  verklebten  Därme.  «Eine  schmenhaft  harte  Stelle  im  lin* 
ken  Hypogastrium  bildete  sieh  langsam  futOck;  ebenso  h6rten  allmälig  die  öfter 
vorkommenden  kolikartigen  Attaquen  auf. 

II.  Polycyste  des  rechten  Ovariums.  Ovariotomie,  grosser  Abdominalabscess. 
Drainage.    Symptome  vim  Pyäaüe.    Heilung. 

Bei  einer  48jähr.  MaMpaM  war  seit  3  Jaihren  unter  xeitweiligen  heftigen 
Schmersen  der  Unterleib  geschwollen.  Stsorke  Alteration  des  Allgemeinbefindens 
swang  sur  Operation.  Bei  derselben  platste  während  des  Lösens  von  Adhäsionen 
eine  apfelgroese  Geschwulst  und  entleerte  sich  sum  Theil  in  das  Cavum  abdominis. 
Der  hmge,  dicke  Stiel  wurde  mit  der  dicksten  Seide  in  3  Portionen  unterbunden. 
Diese  und  andere  Massenligaturen  wurden  in  die  Bauchhöhle  versenkt.  Die  auch 
hier  völlig  vereinigte  Bauchwunde  musste  im  unteren  Winkel  geöffnet  werden,  da 
sich  eine  Eiterung  einstellte.  Etwa  5  Mal  täglich  Irrigation  der  Bauchhöhle  mit 
IX-  Carboliösungf  Schüttelfröste  mit  Fieber  von  40°  folgten.  Schliesslich  trat  auch 
hier  Heilung  ein.  T*  Moseil^^  (Bonn). 

Bnglifloli^    Verengerungen  des  Ureters. 

(Wiener  mied.  Woehensehrüt  1875.  No.  3.) 

£.  demonstrirt  an  xahlreichen  Präparaten  tMlaehe  YerengenmgeH  des  Ureters 
in  fötalen  und  extrauterinen  Lebensphasen.  Dabei  ist  die  Muscularis  verdickt, 
während  die  Adventitia  glatt  darüber  wegsieht.  Der  geschlängelte  Verlauf  des 
Ureters  zeigt  sich  bei  Neugeborenen  fast  immer.  Die  angeborenen  Verengerungen 
halten  Nierensteine  auf  und  liefern  die  mechanische  Erklärung  für  Genese  der 
Hydronephrose  ab.  v«  MoSengeil  (Bonn). 


400  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  25, 

Ch.  Steele.     Hydrocele  in  der  Bauchhöhle,  verursacht  durch  Leisten- 

hoden. 
(The  Lancet  1875.  Vol.  1.  p.  233.) 
Folgende»  immerhin  nicht  häufige  Beobachtung  von  Hydrocele,  welche  einen 
Leistenhoden  complicirte,  wurde  im  Königl.  Spitaie  zu  Bristol  gemacht.  Ein  28j. 
Mann,  welcher  viel  gehen  musste,  bekam  vor  6  Jahren  plötzlich  heftige  Schmerzen 
im  linken  noch  nicht  heruntergetretenen  Hoden;  es  bildete  sich  Inder  lin- 
ken Leiste  eine  allmälig  an  Grösse  zunehmende  Geschwulst,  die  nicht  nur  das  Ge- 
fühl von  Schwere  und  Schmerzen  hervorrief,  sondern  jetzt  auch  das  Gehen  ganz 
unmöglich  machte.  Der  Tumor  von  8"  Lange  und  Breite  war  von  dem  ftusseren, 
schiefen  Bauchmuskel  bedeckt,  die  übrige  Bauchmuakulatur  lag  hinter  ihm,  er 
zeigte  deutliche  Fluctuation;  die  Function,  durch  welche  30  Unzen  klaren  Serums 
entleert  wurden,  schaffte  dem  Patienten  bedeutende  Erleichterung.  Nachdem  ein 
eingelegtes  Setaceum  Eiterung  im  Sacke  hervorgerufen  hatte,  erfolgte  nach  Be- 
seitigung einer  eingetretenen  Eiterverhaltung  dauernde  Heilung. 

Pill  (Stettin). 

T.  Mosengeil.    Extraction  eines  Steines  aus  der  Harnröhre  durch  ein 

besonderes  Verfahren. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  17.  p.  222.) 
Li  einem  Falle,  wo  die  plötzliche  Einklemmung  eines  Blasensteines  im  Pro- 
stataabschnitt der  Urethra  eine  mit  hochgradigen  Beschwerden  verbundene  Urin- 
retention  von  bereits  zweitägiger  Dauer  bewirkt  hatte,  gelang  v.  M.  die  prompte 
Extraction  des  ellipsoiden,  H/g  Cm.  langen  und  ohngefilhr  halb  so  dicken  Harn- 
säure-Steines dadurch,  dass  er  einen  Bilab  bis  zu  dem  Concrement  yorschob  und 
hier  das  Urethrallumen  durch  Auseinanderspreitzen  der  Branchen  lu  dilatiren 
suchte,  während  der  in  den  Mastdarm  eingeführte  Zeigefinger  der  anderen  noch 
disponiblen  Hand  direct  durch  die  bei  diesem  Fat.  dflnne  Prostata  auf  den  Stein 
drückend,  denselben  in  der  Richtung  nach  dem  orif.  cutaneum  urethrae  allmälig 
vorbewegte.  —  v.  M.  räth  in  ähnlicher  Weise  auch  bei  Fremdkörpern  im  Ohr  zu 
verfahren,  bes.  bei  Kindern.  Er  chloroformirte  dieselben,  Hess  sie  horizontal  mit 
dem  betreffenden  Gehörgang  in  der  Uichtung  nach  abwärts  halten  und  führte  eine 
Tenette  mit  feinen  Branchen  bis  zum  Fremdkörper.  Durch  Ausunanderweichen 
der  Branchen  wurde  auch  hier  der  meatus  audit.  dilatirt,  so  das«  der  Fremdkörper 
oft  durch  seine  eigene  Schwere  ganz  heraus,  oder  wenigstens  zwischen  die  Bran- 
chen der  Tenette  fiel. 

Derselbe.  Heilung  eines  totalen  Dammrisses  durch  Naht  der  Rectal- 

wand  von  der  Wunde  aus. 
(Ibid.  p.  223.) 
Bei  einer  Primipara  heilte  v.  M.  einen  frischen,  mit  Trennung  Ton  Vagina  und 
Mastdarm  complicirten  Dammriss,  wobei  er  jedoch  die  tiefgreifenden  Rectalsnturen 
nicht  im  Mastdarm,  sondern  in  der  Perinealwunde  knotete.  Das  eine  lang  ge- 
lassene Ende  der  Seidensuturen  wurde  zwischen  den  Nähten  der  Dammwunde  nach 
aussen  geleitet.  Auch  liess  Verf.  die  Suturen  nicht  frei  im  Mastdarmlumen  zu 
Tage  treten,  sondern  führte  sie  submucös  durch,  um  für  jeden  Fall  vor  dem  Ent- 
stehen kleiner  Rectoperinealfisteln  beim  Durchsehneiden  der  Fäden  sicher  zu  sein. 
Die  Vaginalsuturen  wurden  selbstverständlich  in  der  Vaginalhöhle  geschlossen. 

Lesser  (Berlin). 

Beriohtigungs 
B.  aes,  2. 13  ▼.  oben  Um  Lucet  statt  Biituh  med.  JonniAl, 


Originalmittheilnngen,  Monographleen  und  Separat&bdrüoke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TiUmannMf  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagahandlnng, 
TWtlikoff  ttnd  Härid,  einsenden. 

Dnick  «nd  Varlac  von  Breitkopf  and  Hflrtel  in  Leipxig. 


Gentralblatt 


fttr 


CHIRURGIE 

heransgegeben 

von 

Dr.  l.  Leser,  Dr.  E  Mele,  Dr.  E  Tillnaniis 

in  Berlin.  in  Halle  a.  8.  in  Leif «if. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  de«  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

Hi-  26.  Sonnabend,  den  26.  Jnni.  1876. 


Inhalt!  Stottdener,  Knocbenentwicklong  und  Knochenwachsthnm.  —  Fischer,  Chirnr- 
gische  Beitnge.  —  TarchaMflly  Gommunication  der  Blut-  und  LympbgeflLMe.  —  TmI0, 
Temperatursteigerang  nach  Oontusion  der  Wirbelsaale.  —  Heakef  Obere  und  untere  Llp- 
penmuakeln.  —  H^nocqiie,  Electropunctor  des  Herzens.  —  OnimiiS,  Fingerkrampf  bei 
Telegrapbenbeamten.  —  Raba,  Hellung  der  Oberscbenkelfracturen.  —  Berndt,  Behand- 
lang der  Obencbenkelf^sctttien.  —  Thomas,  Resultate  nach  Amputationen.  —  Mac  Cor* 
nae,  Knlegelenkresectionen.  —  Tsevan,  Subcutane  Urethrotomie. 

Papillaud,  Tetanus  gebeilt  durcb  Gbloral.  —  AmHSSat,  Sonde  ä  dard.  —  FoA,  Mann- 
Hebe  Hysterie.  —  Rlvingfon,  Pulsirender  Orbitaltamor.  —  Pollak,  Epidemisches  Vor- 
kommen der  Parotitis.  —  Hillko,  Behandlung  der  Handverletzungen.  •—  Eldfldge,  Bar- 
Itw,  Mathows,  Geheilte  Aneurysmen.  —  Spokool,  Perityphlitis.  —  FOttCras,  Hernia 
diaphragmatica«  —  Hofmokl,    Callusbildung ;   Blasenstein;   Oarcinom  des  Penis.   —  Cal- 

mell,  Hypertrophie  der  vorderen  Muttermundslippe. 


P.  Stendener.  Beiträge  zur  Lehre  von  der  Knochenentwicke- 
lung und  dem  Knochen  wachs  thum. 

(Au8  den  Abhandlungen  der  naturforschenden  Oesellschaft  zu  Halle  1875.) 

Verf.  untersuchte  die  Knochenentwickelung  bei  menschlichen 
Embryonen  nach  der  Strelzoff 'sehen  Methode  (HaematoxUin-Carmin- 
Färbung)  und  ist  dabei  zu  wesentlich  anderen  Resultaten  gekommen^ 
als  Strelzoff.  Er  fiigt  seiner  Arbeit  eine  grosse  Zahl  sehr  instruc^ 
tiver  mikroskopischer  Abbildungen  bei. 

■ 

Entwickelung   und   Wachsthum   der   cylindrischen 

Knochen. 

Wahrend  sich  im  centralen  Theil  der  knorpeligen  Anlage  einer 
Phalangeal-Diaphyse  die  Knorpelzellen  stark  blähen  und  sich  dann 
nicht  mehr  am  Wachsthum  betheiligen^  wuchern  sie  in  den  seitlichen 

26 


402  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  26. 

Theilen  und  bewirken  Längen-  und  Diqkenzunahme ;  es  entsteht 
hierdurch  das  Bild  einer  mittleren  Einschnürung.  Zu  gleicher  Zeit 
sondert  sich  das  Perichondrium  in  den  mittleren  Theilen,  die  Ein- 
schnürung nach  Oben  und  Unten  überragend,  in  eine  äussere  &serige 
Schicht,  und  eine  ionere  zellige,  die  »osteoplastische  Schicht«.  Wäh- 
rend hierauf  die  Verkalkung  der  Knorpelgrundsubstanz  in  dem  gross- 
zelligen  Theile  beginnt  (Yerkalkungspunct) ,  bildet  sich  an  der  inne- 
ren Seite  der  osteoplastischen  Schicht  des  Ferichondriums  die  erste 
Knochenlamelle,  die  »Grundschicht  des  perichondralen  Knochens«. 

Diese  wird  durch  einen  wuchernden  Fortsatz  der  osteoplastischen 
Schicht  an  einer  circumscripten  Stelle  in  schräger  Richtung  (dem 
Verlauf  der  späteren  arteria  nutritia  entsprechend)  durchbohrt,  und 
während  innerhalb  der  verkalkten  Grundsiibstanz  die  Knorpelzellen 
ohne  vorherige  Froliferation  molekular  zerfallen,  erfüllt  der  von  einem 
Gefäss  begleitete  wuchernde  Fortsatz  des  Ferichondriums  die  Knorpelhöh- 
len mit  granulationsähnlichen  Zellen.  Durch  Zusammenfliessen  der  rei- 
henweise angeordneten  Knorpelhöhlen  entsteht  der  primordiale  Markraum. 

Ein  Theil  der  granulationsartigen  Markzellen  legt  sich  epithel- 
artig um  die  stehen  gebliebenen  Bälkchen  der  verkalkten.  Grundsub- 
stanz und  bildet  als  Osteoblasten-Schicht  die  erste  Anlage  des  »en- 
dochondralen  Knochens«.  Die  so  innerhalb  der  verkalkten  Grund- 
substanz entstehenden  KnochenrÖhrchen  erweitem  sich  allmälig  zu 
unregelmässigen  Markräumen,  während  die  Knochenbälkchen,  an  Zahl 
ab-,  an  Dicke  zunehmend,  später  nur  unregelmässige  Reste  der  ver- 
kalkten  Knorpelgrundsubstanz  einschliessen. 

Die  Vergrösserung  der  Knochenbälkchen  und  Markräume  kommt 
durch  eine  Combination  von  Anbildungs-  und  Resorptionsvorgängen 
zu  Stande. 

Als  directen  Beweis  für  das  Vorhandensein  eines  interstitiell- 
expansiven  Knochenwtfchsthums  führt  Strelzoffan,  dass  in  den 
älteren  Knochenbälkchen  die  Abstände  der  einzelnen  Knochenkör- 
perchen  von  einander  grösser  sind,  als  in  den  jüngeren.  Verf.  be- 
stätigt, dass  die  Breite  der  zwischen  den  Knochenkörperchen  liegenden 
Knochengrundsubstanz  im  älteren  Knochen  grösser  ist,  als  im  jün«* 
geren;  misst  man  aber  die  Abstände  der  Centren  der  Knochenkör- 
perchen, so  kommt  man  zum  umgekehrten  Resultat.  Strelzoff  hat 
übersehen,  dass  im  älteren  Knochen  die  Körperchen  erheblich  kleiner, 
oft  kaum  halb  so  gross  sind,  als  im  jüngeren. 

Würde  die  Verdickung  der  endochondralen  Knochenbälkchen 
durch  Knochenexpansion  vor  sich  gehen,  so  müsste  hierdurch  eine 
Erweiterung  des  Ringes  der  endochondralen  Grrundschicht  entstehen; 
dieses  ist  nicht  der  FaD,  wie  Messungen  der  Querschnitte  von  Kno- 
chen verschiedenen  Alters  zeigen.  — 

Im  weiteren  Verlauf  der  Entwickelung  schwindet  der  endochon- 
drale  Knochen  mehr  und  mehr  und  die  Markraumbildimg  greift  dann 
durch  die  endochondrale  Grrundschicht  auf  die  perichondnJe  über, 
bis  zuletzt  auch  diese  der  Resorption  anheimfällt. 


Centralblatt  fdr  Chirurgie.   No.  26.  403 

Auch  die  von  St  reiz  off  als  »aplastisch«  bezeichneten  Stellen  bei 
Rohrenknochen  älterer  Embryonen ,  an  denen  man  endochondralen 
Knochen  an  das  Periost  grenzend  findet,  sind  nicht  durch  mangelnde 
Anbildung  perichondralen  Knochens,  sondern  durch  Resorption  be- 
reits gebildeten  zu  erklären,  da  sehr  häufig  neben  dem  perichondralen 
Knochen  auch  integrirende  Theile  des  endochondralen  (endochondrale 
Grundschicht)  fehlen. 

Entwickelung  der  Rippen  und  des  Schulterblattes. 

Die  ersten  Verkalkungs-  und  Yerknöcherungsyoigänge  bei  den 
Rippen  sind  denen  bei  cylindrischen  Knochen  ganz  analog.  Sobald 
endochondraler  Knochen  gebüdet  ist,  schwindet  der  perichondrale 
vom  Verkalkungspuncte  nach  beiden  Seiten  fortschreitend,  auf  der 
inneren  Rippenfläche,  im  weiteren  Verlauf  auch  der  endochondrale, 
während  sich  auf  der  Aussenseite  immer  neue  Lagen  von  perichon- 
dralem  Knochen  anbilden.  Nach  fortgesetzter  Resorption  auf  der 
einen  und  Anbildung  auf  der  anderen  Seite,  besteht  die  Rippe 
schliesslich  ganz  aus  dem  perichondralen  Knochen  der  Aussenseite; 
nur  am  Wirbel-  und  Brustbeinende  zeigen  sich  restirende,  der  Innen- 
säte der  Rippe  näher  liegende  Kegel  von  endochondralem  Knochen, 
deren  Spitzen  dem  Verkalkungspunct  zu  li^en. 

Das  Schulterblatt  entwickelt  sich  ebenfaUs  aus  einer  knorpeligen 
Anlage;  der  Yerkalkungskern  hat  eine  linsenförmige  Gestalt.  Eine 
Besonderheit  findet  sich  bei  der  Yerknöcherung  der  Spina  und  des 
oberen  Theils  der  Scapula,  indem  diese  Theile  nach  Resorption  des 
perichondralen  Knochens  der  fossa  infraspinata  und  subscapularis  und 
ihrer  eigenen  endochondralen  Knochenanlage  schliesslich  nur  aus  dem 
perichondralen  Knochen  der  fossa  supraspinata  gebildet  werden.  — 

Entwickelung  des  Unterkiefers. 

Ob  der  Unterkiefer  aus  einer  ganz  knorpeligen  oder  einer  theil- 
weise  membranösen  Anlage  hervorgeht,  lässt  Verf.  unentschieden, 
hält  letzteres  jedoch  für  wahrscheinlich.  Beim  Verknöcherungsvorgang 
ist  bemerkenswerth ,  dass  auf  der  Innenseite  der  perichondrale  Kno- 
chen, im  weiteren  Verlauf  auch  der  endochondrale  resorbirt  wird, 
und  das  Wachsthum  vorzüglich  durch  Anbildung  perichondralen 
Knochens  auf  der  Aussenseite  vor  sich  geht. 

In  endochondralen  Ejiochen  restiren  oft  grössere  Strecken  ver- 
kalkter Grundsubstanz.  Man  findet  hier  Bilder,  die  für  Strelzoffs 
Lehre  von  dem*directen  Uebergang  von  Ejiorpelzellen  in  Knochenkör- 
perchen  zu  sprechen  scheinen;  genaue  Untersuchung  lehrt,  dass  es 
sich  um  Eröffnung  von  Knorpelhöhlen,  mit  darin  liegenden  Mark- 
zellen handelt.  — 

Das  postembryonale  Wachsthum  der  Knochen. 

Verf.  glaubt  sich  durch  seine  Untersuchungen  zu  dem  Schlüsse 
berechtigt,  dass  das  postembryonale  Wachsthum  bis  zu  seinem  defi- 
nitiven Abschluss  nach  denselben  Gesetzen  vor  sich  geht,  als  das 

20  • 


404  Centralblatt  für  Cbirui^ie.    No.  26. 

embryonale.  Den  Auseinandersetzungen  Wolfs  gegenüber  hält  er 
das  Wachsthum  der  Knochen  durch  eine  Combination  von  Appa- 
sitions-  und  Resorptionsvorgängen  für  allein  möglich. 

Die  Knochenresorption  wird  durch  die  K  ö  11  iker' sehen  Osteo- 
clasten  auf  dem  Wege  der  Bildung  Ho wship' scher  Lakunen  ein- 
geleitet. 

Verf.  macht  schliesslich  auf  den  Umstand  aufmerksam,  dass  sich 
der  Schenkelhals  in  den  ersten  Lebensjahren  in  einem  stumpferen 
Winkel  an  den  Schaft  des  Femur  ansetzt^  als  späterhin;  es  spricht 
dieser  Umstand  jedenfalls  direct  gegen  die  Annahme  einer  gleichmas- 
sigen Knochenexpansion  als  einzigen  Factors  des  postemhryonalen 
Knochenwachsthums.  A«  Gensmer  (Halle). 

EL  Fischer.    Klinische  Beitrage  zur  Lehre  vom  Brande  (aus 

der  chirurgischen  Klinik  zu  Breslau). 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVIU.  Hft.  2.) 

A.   Das  Mal  perforant  du  pied. 

Verf.  gieht  zuerst  eine  geschichtliche  Uehersicht  der  von 
N61aton  zuerst  1852  (im  Original  ist  1872  ein  Druckfehler)  beschrie- 
benen,  von  Vesigni^  »Mal  perforant«  genannten  Erkrankung  mit 
Berücksichtigung  der  sehr  umfänglichen  französischen,  und  vergleichs- 
weise kleinen  englischen  (nur  Piffard)  und  deutschen  Litteratur^ 
aus  letzterer  Adelmann,  Schuesster,  Sonnenburg,  Estlan- 
der hervorhebend.  Die  hauptsächlichsten  Symptome  der  Er- 
krankung sind  nach  dem  Verf.  die  allmälig  und  unaufhaltsam  bis 
in  die  Knochen  und  Gelenke  dringende  Yerschwärung,  der  chronische, 
schmerzlose  Verlauf;  der  Widerstand  gegen  locale  Behandlung,  grosse 
Neigung  zu  Bückfallen  und  successives  Befallen  verschiedener  Theile 
desselben  oder  beider  Füsse,  Sensibilitätsstörungen  in  der  Nähe 
des  Geschwürs  und  am  ganzen  Gliede,  trophische  Störungen^ 
Circulationsstörungen  und  Veränderungen  in  der  Temperatur  der 
Theile.  Die  Erkrankung  kommt  meist  bei  schwer  arbeitenden  Leu- 
ten mit  unzweckmässiger  Fussbekleidimg  vor,  nur  Sedillot  wül 
andere  Beobachtungen  gemacht  haben«  femer  meist  bei  Männern 
nach  dem  40.  Jahre.  Die  Symptome  der  trophischen  Störung 
erläutert  F.  durch  7  einschlägige  Beobachtungen,  welche  wir 
hier  nur  kurz  anführen  können : . 

Fall  1.  Mann,  32  Jahre  alt,  Myxom  des  Rückei\marks,  leproide 
Brandform  der  Finger,  der  Zehen,  grosse  leproide  Geschwüre  an  den 
Armen  und  Füssen.  Mal  perforant,  Störungen  der  Sensibilität  und 
Motilität  der  Extremitäten.  Fat.  starb,  als  er  einige  Wochen  be- 
obachtet war,  an  einer  Lungenaffection. 

Fall  2.  Frau,  seit  10  Jahren  an  der  linken  Körperseite  gelähmt 
infolge  eines  Schlaganfalls,  trophische  Störungen,  Mal  perforant  am 
5.  Metatarsalknochen,  erfolglose  Behandlimg. 

Fall  3.   Mann,  vor  8  Jahren  Verletzung  des  linken  N.  ischiadicus 


Centralblatt  far  Chimrgie.    No.  26.  405 

durch  eine  Kreissäge^  Lähmung  des  Beines,  trophische  Störungen, 
Mal  perforant  am  Ballen  der  linken  grossen  Zehe  bis  in  das  Gelenk 
dringend  mit  Nekrose  der  Gelenkenden;  trotz  Resection  derselben 
keine  Heilung. 

Fall  4.  Knabe,  13  Jahre,  vor  IIY2  Jahre  Luxatio  iliaca  traumatica 
des  linken  Oberschenkels  mit  Atrophie,  Paralyse  und  trophischen 
Störungen,  Mal  perforant  an  den  Köpfchen  des  4.  und  5.  Metatarsal- 
knochen,  ungeheilt. 

Fall  5.  Mann,  36  Jahre  alt,  Lähmung  des  Unterschenkels  nach 
einer  schlecht  geheilten  Fractur,  trophische  Störungen,  Mal  perforant 
unter  dem  1.  Metatarsalknochen  am  inneren  Fussrande.  Fat.  ver- 
weigerte die  voigeschlagene  Amputation. 

Fall  6.  Mann,  Schuss  durch  die  Hinterbacke  mit  Verletzung  des 
N.  ischiadicus,  rechter  Fuss  gelähmt,  unempfindlich,  atrophisch.  Mal 
perforant  an  der  Ferse,  die  Sonde  drang  in  den  erweichten  Calcaneus. 

Fall  7.  Mann,  50  Jahre  alt,  Neuralgieen  und  Sensibilitätsstörun- 
gen am  rechten  Bein  aus  unbekannter  Ursache;  ohne  trophische 
Störungen.  Mal  perforant  der  Ferse  bis  auf  den  Calcaneus,  Heilung 
durch  Ueberpflanzung  eines  Hautlappens  und  längere  Anwendung 
des  galvanischen  und  faradischen  Stromes. 

Zur  pathologischen  Anatomie  des  Mal  perforant  be- 
merkt Verf.,  dass  an  dem  Geschwüre  selbst  keine  charakteristischen 
Zeichen  sind,  an  dem  Knochen  findet  sich  eine  rareficirende  Ostitis ; 
das  Hauptgewicht  fällt  auf  die  atheromatösen  Verände- 
rungen der  Gefässe  (Lucain),  welche  durch  die  Section  in  6 
Fällen  constatirt  wurde.  Femer  fand  auch  Duplay,  Poncet, 
Sedillot  Erkrankung  der  Gefasse,  welche  ersterer  als  eine  End- 
arteritis  auffasst.  F.  selbst  fand  im  Fall  1  nirgends  in  den  grösseren 
Fussarterien  Atherose,  dagegen  waren  die  kleineren  Gefässe  in 
der  Nähe  des  Geschwürs  verengt,  sehr  derb,  ihr  Lumen 
im  Querschnitt  unregelmässig,  die  Intima  durch  junges 
Bindegewebe  un.d  kleinzellige  Infiltration  verdickt, 
ebenso  war  ihr  Endothellager  verdickt,  fettig,  trübe.' 
Auch  verschiedene  Veränderungen  der  Nerven  sind  beobachtet  wor- 
den (Duplay  und  Morat,  Estlander,  Poncet);  Verf.  konnte  in 
seinem  Falle  keine  Veränderungen  nachweisen. 

In  Betreff  der  Pathogenese  führt  Verf.  die  Anschauungen  der 
Autoren  darüber  an,  welche  das  Uebel  für  ein  gewöhnliches  Geschwür 
(Sedillot),  Entzündung  und  Vereiterung  von  Schwielen  und  Schleim- 
beuteln) Decubitalgeschwür  (Leplat,  Streubel),  Veränderung  des 
secretorischen  Apparates  der  Sohlenhaut  (Adel mann),  primäre  Kno- 
ohenerkrankung  (Maurel),  Cancroid  (Volk mann),  inveterirte  Syphi- 
lis (Pitha,  Esmarch)  halten;  für  einen  urämischen  und  glycosämi- 
schen  Ursprung  spricht  V^signi^,  für  eine  Erkjankung  der  Gefässe 
eine  grosse  Zahl  von  Chirurgen,  theils  für  eine  Atherose,  theils  für 
Embolien  (Lucain),  welche  letztere  Ansicht  F.  ausführlich  durch  3 
Beobachtungen  widerlegt;    es  nimmt    die  Embolie  der  Fussarterien 


406  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  26. 

einen  durchaus  anderen  Verlauf.  Verf.  selbst  hält  das  Mal  perfoiant 
für  die  am  tiefsten  greifende  und  bösartigste  neuropara- 
lytische  V^rschwärung,  er  schlägt  deswegen  vor  dea 
Nichts  besagenden  Namen  Mal  perforant  fallen  zu  lassen 
und  ihn  durch  den  zutreffenden  der  neuroparalytischen 
Verschwärung  zu  ersetzen.  Zur  Heilung  ist  ausser  der  betref- 
fenden Localbehandlung  die  längere  Anwendung  des  Constanten  und 
indncirten  Stroms^  daneben  Jodkali  zu  empfehlen.  Erweisen  sich 
diese  Mittel  erfolglos,  so  bleibt  nur  die  Amputation  übrig. 

B.  Der  symmetrische  Brand. 
F.  beobachtete  2  Fälle  des  von  Keynaud  zuerst  näher  beschrie- 
benen symmetrischen  Brandes.  Die  1.  Beobachtung  machte  er  bei 
einem  46  Jahre  alten  Maurer,  der  an  Intermittens  gelitten  hatte. 
Die  symmetrischen  Brandstellen  betrafen  die  beiden  kleinen  Finger^ 
die  beiden  Ohren,  die  Wangen  und  die  beiden  Seiten  der  Nasen- 
spitze. —  Der  2.  Fall  betrifft  einen  34jähr.  Mann,  der  nach  dem 
Flecktyphus  blaue  Färbung  der  Ohren,  der  Nase  und  der  Zehen 
bekam.  Während  sich  diese  Erscheinungen  am  Kopfe  zurückbilde- 
ten, trat  an  den  Füssen  Gangrän  ein,  welche  eine  Doppelamputation 
nothwendig  machte.  Verf.  sucht  die  Ursache  in  einem  vasomoto- 
rischen Gefässkrampfe,  gegen  welchen  Chinin  und  Electricität 
anzuwenden  ist.  Maas  (Breslau). 

Tarohanoff.     Des  pr^tendus  canaux  qui  feraient  communi- 
quer  les  vaisseaux  sanguins  avec  les  lymphatiques. 

(Gaz.  m^d.  1875.  No.  13.  —  Soc.  de  biol.  p.  157.) 

Auf  Grund  einer  grösseren  Reihe  von  Controllversuchen  polemi- 
sirt  T.  gegen  die  Arnold'schen  Beobachtungsresultate  (Virch.  Arch. 
Decbr.  1874),  wonach  die  Blut-  und  Lymphgefässe  durch  ein  System 
von  sternförmigen  Saftcanälchen  direct  mit  einander  communidien. 
T.  wiederholte  die  Arnold'schen  Versuche  in  der  Weise,  dass  er 
Fröschen  nach  vorheriger  Unterbindung  der  Cruralvene  20  Kcm.  einer 
mit  Berliner  Blau  gefärbten  Gelatinelösung  in  den  Bulbus  aortae  mit 
einem  Druck  von  80 — 100  Mm.  Quecksilbersäule  injicirte  und  dann 
die  Vorgänge  an  der  Schwimmhaut  beobachtete.  Am  2.  und  3.  Tage 
nach  der  Unterbindung  fand  er  die  Blutgefässe  stark  dilatirt,  mit 
Blut  strotzend  gefüllt,  die  Wandungen  an  einzelnen  Stellen  geboxstea 
und  von  Hämorrhagieen  umgeben.  Die  Injectionsmasse  trat  nun  eben- 
falls aus  den  Rupturstellen  heraus  und  bildete,  indem  sie  sich  zvri- 
sehen  den  extra vasirten  Blutkörperchen  verbreitete,  ein  Netz  von  unt^ 
einander  communicirenden  sternförmigen  Figuren.  Das  Eindringen 
von  Injectionsmasse  in  Pigmentzellen,  wie  es  Arnold  beschreibt, 
konnte  T.  nie  beobachten,  eben  so  wenig  einen  directen  Zusammen- 
hang der  Lymph-  und  Blutgefässe.  Nur  zwischen  den  Bindegewebs- 
fibrülen  communicirte  die  sich  verbreitende  Injectionsmasse.     Wurde 


Cfintralblatt  fttx  Ghinirgie.     No.  26.  407 

das  Blut  aEUTor  durch  Injection  einer  Kochsalzlösung  vollständig  aus 
den  Gefassen  entfernt,  also  auch  die  Bildung  von  Extravasaten  ver- 
hindert^ so  fand  nur  ein  diflfuses  Austreten  der  blauen  Injectionsmasse 
statte  ohne  dass  irgendwie  bestimmte  Figuren  entstanden.  —  Das 
vermeintliche  System  von  Safkcanälchen  ist  nach  T.'s  Ansicht  dem* 
nach  nichts  weiter^  als  ein  artificielles  Netz  der  zwischen  die  Blut- 
körperchen sich  verbreitenden  Injectionsmasse. 

0*  Tolkmami  (Halle). 

Teale.    Excessive  and  long-maintained  high  temperature  after 
injury  to  the  spine.     (Clin,  society,  26.  Febr.  1875.) 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  March  20.  p.  326.) 

Eine  junge  Dame  stürzte  mit  ihrem  Pferde ;  letzteres  kam  auf 
die  Beiterin  zu  liegen  und  wälzte  sich  mehrere  Mal  über  ihrer  Brust. 
Der  Boden  war  steinig. 

Nach  kurzer  Bewusstlosigkeit  wurde  sie  nach  ScarI;^orough  ge- 
schafft (5.  Septbr.  1874).  T.  constatirte  einfachen  Bruch  in  der  Mitte 
der  linken  5.  und  6.  Rippe.  Leichtes  Fieber  14  Tage  lang.  Schmer- 
zen im  Rücken^  namentlich  am  6.  Rückenwirbel.  October :  Tempera- 
tur 100 — lOl^F.  Leiehte  Symptome  einer  Reizung  des  Rückenmarks. 
Am  3.  Novbr.:  103,5°,  6.  Nov.:  106°,  7.  Nov.:  107°,  Puls  nicht 
über  100. 

Keine  Paralysen,  Bewusstsein  klar.  Quecksilbereinreibungen. 
8.  Nov.:  110°,  U.— 13.  Nov.:  111—114°,  14.  Nov.:  122°!  Puls 
jetzt  120,  klein.  Schnelle  Abnahme  der  Ernährung,  zeitireüige  Un- 
fähigkeit zu  schlucken.  December:  Temperatur  zwischen  110 — 114°. 
Dabei  allmälige  Zunahme  der  Ernährung.  Am  7.  Jan.  1875  Fallen 
der  Temperatur  auf  104°,  am  8.  auf  102°,  am  10.  war  sie  normal. 

Schnelle  Besserung;  schon  am  22.  Jan.  konnte  Pat.  ausgehen. 
Die  angegebenen  Temperaturen  beziehen  sich  auf  die  rechte  Achsel- 
höhle ;  an  ihrer  Richtigkeit  kann  nicht  der  geringste  Zweifel  erhoben 
werden;  z.  B.  sind  Controllmessungen  mit  im  ganzen  7  Thermometern, 
darunter  4  normirten,  an  den  verschiedenen  Messungsstellen  gemacht 

worden.     (104°F.  entspricht  40°C.,  122°F.=50°C.) 

Bänke  (Halle). 

W.  Henke.     Die  oberen  und  unteren  Muskeln  der  Lippen. 

(Zeitschrift   für  Anatomie*  und  Entwicklungsgeschichte   von  His   und  Braune. 

Bd.  I.  p.  107.) 

Während  die  Ursprünge  der  Gesichtsmuskeln  gut  gekannt  sind, 
fehlt  es  an  genauen  Angaben  über  ihre  Ansätze  in  der  Haut.  H. 
geht  von  den  mit  dem  sogenannten  Orbicularis  oris  in  Verbindung 
stehenden  Muskeln  aus  und  untersucht  ihr  Verhalten  beim  Eintritt 
in  die  Lippen.  Die  Präparation  legt  Werth  auf  Vermeiden  des  üb* 
liehen  Glattstreichens  der  aufgedeckten  Ansätze,  und  zerlegt  die  sich 
durchkreuzenden  Faserzüge  durch  successive  Aufdeckung.     Die  Er- 


408  Centralblatt  för  Chirurgie.    No.  26. 

gebnisse  der  Untersuchung  werden  in  den  Abbildungen  eines  auf  der 
Bostocker  Naturforscherversammlung  demonstrirten  Präparates  vorge- 
führt. 

Neben  der  Grrundlage  der  Lippenmuskulatur,  der  Fortsetzung  des 
Buccinator^  gruppirt  H.  die  von  beiden  Kiefern  hinzutretenden  Mus- 
keln in  2^  für  beide  Lippen  analoge  Arten:  1)  Muskeln,  welche  die 
Grrenze  beider  Lippen  nicht  überschreiten  (quadrat.  inf.  und  sup.. 
He  nie).  2)  Muskeln^  welche  diese  Grenze  überschreiten  (triangu- 
laris  inif.  und  super.  ^  Henke).  Topographisch  besteht  der  Unter- 
schied, dass  der  obere  Triangularis  vom  Quadratus  bedeckt  wird, 
während  an  der  Unterlippe  das  entgegengesetzte  Verhalten  stattfindet. 
—  Diesen  Gruppen  schliessen  sich  noch  Zygomaticus  und  Risorius  an. 

I.  a)  Quadrat,  sup.  kommt  von  oben  mit  glatter  Yorderfläche 
zu  seinem  Hautansatze  in  der  schrägen,  von  dem  hinteren  Rande 
des  Nasenflügels  nach  unten,  etwas  oberhalb  des  Mundwinkels  ver- 
laufenden Linie;  seine  tieferen  Fasern  verbreiten  sich  in  dem  Dreieck 
an  der  Peripherie  der  Oberlippe  seitwärts  vom  Nasenflügel,  welches 
meist  keinen  starken  Bartwuchs  zeigt. 

b)  Quadratus  inferior  besitzt  keine  glatt  präparirbare  Yor- 
derfläche, verläuft  aber  analog  dem  oberen;  er  hat  eine  ausgebreitete 
Insertion  an  der  Haut  des  Seitentheiles  der  Unterlippe,  vom  Rande 
des  Triangularis  bis  zum  Rande  der  Lippenspalte.  Ein  Eintreten 
von  Fasern  in  den  Orbicularis  findet  bei  beiden  Muskeln  nicht  statt; 
der  obere  sucht  die  Oberlippe  nach  oben,  der  untere  die  Unterlippe 
nach  unten  vor  den  Zähnen  auseinander  zu  ziehen. 

n.  Die  Trianguläres  sind  getrennt  nur  bis  zu  den  auf  einander 
stossenden  Spitzen  zu  verfolgen.  Unter  theilweiser  Anerkennung  des 
He  nie 'sehen  Ligamentes  der  Lippencommissur  als  Insertionspunct 
nimmt  H.  vor  allem  eine  Durchkreuzung  der  beiderseitigen  Bündel 
an.  Der  scharfe  Rand,  welcher  einen  oft  angegebenen,  aber  nicht  vor- 
handenen Uebergang  beider  Muskeln  in  einander  vortäuscht,  entsteht 
durch  eine  der  Aufwicklung  des  Pectoralis  major  ähnliche  Anordnung; 
die  Fasern  beider  Muskeln  verlaufen  nach  der  Kreuzung  medianwärts, 
und  zwar  die  des  oberen  in  der  Unterlippe  und  umgekehrt.  Die 
oberflächlichen  Lagen  der  daraus  hervorgegangenen  Faserbündel 
setzen  sich  an  der  Haut  in  der  Gegend  von  den  Seitenenden  der  In- 
sertionen der  entgegengesetzten  Quadrati  an.  Die  tieferen  Schich- 
ten der  gekreuzten  Triangtilares  bilden  in  der  Mitte  der  Lippe,  an 
die  Haut  sich  ansetzend,  den  grössten  Theil  der  oberflächlichen  Lag^i 
des  Orbicularis.  Jeder  einzelne  Triangularis  stellt  einen  als  Einheit 
wirkenden  zweibäuchigen  Muskel  dar;  je  zwei  von  linker  und  rechter 
Seite  zusammen  eine  in  der  Mitte  zusammenhängende  Schlinge. 

m.  Unter  den  abgetragenen  Trianguläres  erscheint  jetzt  der  Buoco- 
labialis,  mit  einer  »Spur«  directer  Anknüpfung  oberer  und  unterer 
Orbicularisfasem  an  einander.  Einige  Buccinatorfasern  endigen  ausser- 
dem unter  dem  medialen  Rande  des  unteren  Triangularis  hervortre- 
tend in  der  Haut. 


Ontralblatt  für  Chirurgie.    No.  26.  409 

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TV.  Von  den  Nebenmuskeln  ist  der  Ansatz  des  Zygomaticus  un- 
bestimmty  nur  geht  er  nicht  in  den  Seitenrand  des  unteren  Triangu- 
laris  über.  Theils  yerläuft  er  mit  dem  Quadrat,  sup.^  theils  mit 
dem  Triangulär,  superior;  theils  biegen  Fasern  schon  oben  in  den 
Orbicularis  um. 

Der  Bisorius  war  in  dem  Präparate  kaum  vertreten;  er  schloss 
sich  dem  Verlaufe  und  Ansätze  des  Quadratus  in  der  Unterlippe  an. 
Die  übrigen  Nebenmuskeln  sind  von  H.  nicht  verfolgt. 

Für  den  aus  der  oberflächlichen  Schicht  des  Orbicularis  einerseits 

und  dem  zugehörigen  Triangularis  andererseits  gebildeten^  als  Eioheit 

nachgewiesenen  Muskel  fuhrt  H.  den  Namen  Circumflexus  ein.     An 

letzter  Stelle  werden  die  gewöhnlichen  physiologischen  und  mimischen 

Combinationen  des  Gebrauchs  der  Muskeln  analysirt  (siehe  das  Original) . 

Bänke  (Halle). 

k 

A.  Henocque.    L'electropuncture  du  coeur. 

(Gaz.  hebdom.  1874.  No.  52.) 

Mit  dem  Hinweise  auf  die  Experimente,  welche  Yulpian  an 
Hunden  angestellt  hat,  bespricht  H.  die  Faradisirung  des  Herzens 
als  Wiederbelebungsmittel  in  der  Chloroformsynkope.  Yulpian  hat 
nämlich  bei  Faradisirung  des  Herzens  des  Hundes  completen  Herz- 
stillstand beobachtet.  Die  dabei  verwendeten  electrischen  Ströme, 
sowohl  intermittirende  als  continuirliche ,  werden  von  H.  nur  ganz 
allgemein  als  »verhaltnissmässig  wenig  intensiva  bezeichnet.  Er  kommt, 
nach  weiterer  Auseinandersetzung  der  Beobachtungen  Vulpian's, 
zu  dem  Schlüsse,  dass  die  Electropunctur  des  Herzens  als  zu  gefilhr- 
lieh,  beim  Menschen  vorläufig  nicht  angewendet  werden  soll. 

(Die  Anfuhmngen  aus  Steiner's  Arbeit  zeigen,  dass  H£- 
nocque  das  wesentlich  Negative  der  Resultate  dieser  Arbeit  ent- 
gangen ist.  Dass  starke  Ströme  gefährlich  sind,  hat  St.  aus- 
drücklich hervorgehoben  und  die  Stärke  des  intermittirenden  Stro- 
mes, welche  ohne  Nachtheil  verwendet  werden  kann,  genau  ange- 
geben.    Der  Ref.)  Fr»  Steiner  (Wien.) 

OnimiiB,     Craxnpes  des  employ6s  au  t^ögraphe. 

(Gai.  m^d.  1875.  No.  15.  p.  175.) 
Der  mitgetheilte  Fall  von  Fingerkrampf  betrifft  einen  seit  19  Jahren 
bei  der  Telegraphie  (Mo  r  s  e'sches  System)  angestellten  Beamten,  bei  dem 
sich  als  erstes  Symptom  des  beginnenden  Uebels  die  Schwierigkeit  be- 
merkbar machte,  eine  Reihe  von  Funkten  zu  telegraphiren.  Diejeni- 
gen Buchstaben,  die  mit  einem  Strich  beginnen  (d),  wiirden  dem 
Patienten  leichter,  als  die  mit  einem  oder  mehreren  Punkten  binnen-' 
den  (s,  i,  v).  Nach  allmäliger  Zunahme  des  Uebels  arbeitete  Pat. 
allein  mit  dem  Daumen.  Nach  Verlauf  von  2  Jahren  wurde  auch 
dieser  vom  Krampf  ergriffen,  und  der  Kranke  benutzte  nun  der  Reihe 
nach  den  Zeige-  und  Mittelfinger,  endlich  den  Daumenballen,   Auch 


410  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  26. 

hierbei  stellten  sich  nach  einiger  Zeit  clonische  Krämpfe  des  Vorder- 
anns ein^  die  sich  bei  grösserer  Anstrengung  auf  den  ganzen  Arm 
und  sogar  das  Bein  der  betreffenden  Seite  fortsetzten,  wozu  sich  noch 
Nackenschmerzen  und  bisweilen  Schwindel  und  Schlaflosigkeit  ein- 
stellten. —  Zur  Vermeidung  des,  wie  es  scheint,  nicht  seltenen  Uebels 
empfiehlt  O.  im  Gebrauch  des  Morse*schen  und  des  Hugh'schen 
Systems  abzuwechsehi.  O.ToUanaim  (Halle). 

Habe.    Zur  endgültigen  Heilung  der  Brüche  am  oberen  Ende 

des  Oberschenkelknochens. 

(Zeitschrift  für  Anatomie  und  Entwickelungsgeschichte  von  His  und  Braune^ 

Bd.  I.  p.  121.J 

Das  von  R.  beschriebene  Präparat  stammt  von  der  linken 
Beckenhälfte  eines  muskelstarken  Mannes  und  wurde  auf  der  Leip- 
ziger anatomischen  Anstalt  vorgefunden;  über  die  Geschichte  dessel- 
bau  war  nichts  zu  eruiren.  Die  Veränderungen  an  dem  Präparate, 
nach  einem  vor  Jahren  erlittenen  Bruche  durch  beide  Trochanteren 
mit  Einkeilung  ^  ergaben  eine  Architectur  der  Bruchstelle  im  Sinne 
einer  Wiederherstellung  der  alten  Bogensysteme  an  Stelle  des  ur- 
sprünglichen CaUus.  In  den  entfernteren  Theilen  fisind  sich  eine 
tiefgreifende  Umänderung  der  tragenden  Bestandtheile  durch  Verstär- 
kung oder  Atrophie  entsprechend  der  durch  die  Fractur  veränderten 
Lage  und  Inanspruchnahme;  im  Widerspruche  zu  Wolff  zeigt  das 
Präparat,  dass  eine  Veränderung  in  der  Richtung  der  Bälkcheneüge, 
soweit  sie  nicht  bei  dem  Bruche  zerstört  sind,  zu  einer  genauen  Wie- 
derherstellung der  ursprünglichen  Systeme  für  die  Gebrauchsfähigkeit 
des  geheilten  Beins  nicht  nothwendig  ist. 

Die  Photographien  und  die  Präparatbeschreibung  müssen  im  Ori- 
ginal nachgesehen  werden.  Baoke  (Halle). 

A.  Berndt«   Zur  Behandlung  einfacher  Oberschenkelfiracturen. 

Inaug.-DisB.  Breslau.  1B74. 
B.  hat  ein  Material  von  61  einfachen  Oberschenkelfractiiren, 
welche  in  10  Jahren  in  der  chirurgischen  Klinik  zu  Breslau  behan- 
delt wurden^  zu  einer  vergleichenden  Zusammenstellung  über  die 
Resultate  der  verschiedenen  Behandlungsmethoden  be- 
nutzt. Es  waren  20  Falle  ausschliesslich  durch  Lagerung 
auf  ein  Planum  inclinatum  duplex  behandelt;  sie  ergaben 
l)  eine  Consolidationszeit  zwischen  4—8  Wochen,  im  Durch- 
schnitt 6  Wochen;  2)  eine  Behandlungsdauer  zwischen  4—48 
Wochen,  im  Durchschnitt  10  Wochen  und  3)  in  den  genau  ange- 
gebenen Fällen  keine  Verkürzung  3  Mal,  nicht  über  Y2"  ^  ^!^> 
zwischen  V2-— 1"  S  Mal,  über^  T  3  Mal.  Der  Gypsverband  ergab 
in  13  ausschliesslich  so  behandelten  Fällen  ad  1.  3 — 9  Wochen»  im 
Durchschnitt  auch  etwa  6  Wochen,  ad  2.  6 — 16  Wochen,  imDuxch- 
schnitt  gleichfalls  10  Wochen  und  ad  3.  in  den  genau  nodrten  Fällen 


Centralblatt  ftlr  Chinugie.    No.  26. 


411 


keine  Verkiirziing  2  Mal^  nicht  über  ^j^  3  Mal^  zwischen  Vi^^' 
2  Mal^  über  1"  1  Mal.  —  Mit  der  permanenten  Extension 
wnrden  ebenfalls  13  Fälle  behandelt;  von  diesen  Fällen  fehlen  über 
Punkt  1  die  Angaben^  ad  2.  schwankt  die  Zeit  zwischen  3—19  Wo» 
chen^  im  Durchschnitt  7  Wochen,  ad  3.  unmerklich  in  5  Fällen, 
nicht  über  Vj"  in  2  Fällen,  zwischen  V2— 1"  in  1  Fall,  über  1"  in 
2  Fällen,  in  3  Fällen  fehlen  die  Angaben.  Ausserdem  wurden  15 
Fälle  durch  Combination  verschiedener  Methoden  behandelt,  auf  deren 
Besultate  wir  hier  nicht  näher  eingehen.  Ol^leich  Verf.  selbst  aus 
der  kleinen  Statistik  keine  Schlüsse  ziehen  will,  heben  wir  die  in 
Betreff  der  Behandlungsdauer  günstigen  Resultate  der  Extensions- 
Methode  hervor  (3  Wochen  im  Durchschnitt  weniger,  als  bei  den  an- 
deren Methoden).  ,     Haas  [Breslau). 

M.  Thomas«     The  results  of  amputations  performed  in   the 
Glasgow  royal  infirmary  during  twenty  five  years. 

(Glasgow  med.  Journal  1875.  April.) 

In  dem  Glasgower  Krankenhaus  wurden  in  den  25  Jahren  von 
1849—1874  1412  grössere  Amputationen  ausgeführt.  Davon  starben 
im  Granzen  452  =3  32^1  X*  1^^®  Mortalität  der  primären  Amputationen 
betrug  36^5^,  der  secundären  51,7^^  der  pathologischen  2\,%fi. 

Die  Resultate  der  Haupt -Amputationen  ergiebt  folgende  XJeber- 
sicht : 


Primftr 


Summ» 


TodetflUle 


Secun  dar 

Snmma        TodaafUle 


Pathologisch 


Summ« 


Todwfille 


Oberschenkel 
Untenchenkel 
Oberarm 
Vorderarm 


118 
109 
134 
112 


52,50/0 
44,9 
33,5 
11,6 


42 
50 
22 
21 


76 
58 
31,8 
28,9 


Vo 


204 
83 
30 
21 


30,8o/o 
22,9 
16,6 
4,7 


Selildel  (Berlin). 


Hao  Cormac.      Cases  of  knee-joint  excision.     (St.  Thomas' 

hospital.) 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Mai  1.  p.  464.) 

M.  C.  operirt  operirt  bei  Kniegelenkresection  mit  vorderem  Bo- 
genschnitt^  sägt  von  der  Patella^  bei  nicht  zu  intensiver  Erkrankung 
derselben,  nur  die  Gelenkfläche  ab ;  alle  erkrankten  Weichtheile  wer- 
den sorgfältigst  mit  Messer  und  Scheere  entfernt ;  die  Nachbehandlung 
findet  auf  einer  modificirten  Schiene  —  von  ÄFIntyre  —  nur  in  eini- 
gen Fällen  im  Gipsverband  statt.  Die  Schiene  wird  die  ersten  6  Wo- 
chen nicht  gewechselt,  bis  zur  beginnenden  Consolidation.  Die  Es- 
march'sche  Compression  wird  nicht  «angewandt. 

1)  4jährige8  Mädchen  mit  angebrochenem  Tumor  albus  des  rech- 
ten Knies.  Resection  mit  Entfernung  der  Patella.  Rasche  Heilung^ 
keine  knöcherne  Vereinigung,  so  dass  die  Neigung  zur  Flexion  durch 


41i  Centralblatt  fttr  Chirurgie.    No.  26. 

eine  Lederkappe  bekämpft  werden  musste.    i  1  Monate  nach  der  Ope- 
ration gehend  entlassen. 

2)  2  2  jähriges  Mädchen^  mit  seit  4  Jahren  bestehender  Erkrankung 
des  rechten  Kniegelenks.  Resection  mit  Erhaltung  der  Fatella. 
Sequester  des  Tibiakopfes  wird  vorgefunden.  Tod  10  Tage  später 
an  »acute  double  pneumoniae.     Sectionsbefiind  fehlt. 

3)  12jähriges  Mädchen^  mit  seit  8  Jahren  nach  einem  Fall  ent- 
standener Entzündung  des  linken  Kniegelenks.  Resection  mit  Erhal- 
tung der  Patella.  In  4  Wochen  Heilung  der  Operationswunde^  dann 
Abscedirungen  in  ihrem  vorderen  Theile.  Sechs  Wochen  nach  der 
Operation  wird  feste  Vereinigung  der  Ejiochen  constatirt.  Im 
4.  Monat  nach  der  Operation  mit  bestehenden  Fisteln  gehend  ent- 
lassen. 

4]  21jähriges  Mädchen;  von  Solly  im  Februar  1865  resecirt^ 
hat  bisher  das  Bein  nicht  gebrauchen  können.  Grosse  Ansahl  Fisteln^ 
kein  biossliegender  Knochen.  Verkürzung  2^4  Zoll,  betrifft  vorwie- 
gend die  Tibia;  Atrophie  des  ganzen  Beines,  Fuss  in  äusserster 
Equinusstellung  fixirt.  Kein  Eiweiss  im  ITrin,  Lungen  gesund.  Nach 
der  Tenotomie  der  Achillessehne  Verbesserung  der  Fu^sstellung,  unter 
einfacher  Behandlung  Heilung  der  Fisteln.  Fat.  beginnt  mit  hoher 
Sohle  zu  gehen,  (lieber  Winkelstellung  im  Knie  wird  nichts  be- 
richtet.) 

5)  14jähriger  Knabe,  4 jähriges,  linksseitiges  Kniegelenkleiden; 
grosser  Eitererguss.  Resection  am  24.  Juni  1874  mit  Entfernung 
der  Patella.  Gipsverband.  Nach  6  Wochen  leidlich  feste  Vereinigung 
constatirt.  Fat.  geht  zur  Zeit,  die  Operationsnarbe  ist  oberflächlich 
ulcerirt. 

6)  20 jähriger  Mann,  seit  3  Jahren  behandelt;  Kräftezustand 
schlecht.  Ossale  Form  der  Entzündung  des  (welches?)  Knies.  Resection, 
Gipsverband.  Eingriff  wird  gut  vertragen,  nach  6  Wochen  feste  Ver- 
einigung schon  eingetreten.  Mit  Fisteln,  nicht  gehend  entlassen. 
Jetzt  manifeste  Lungentuberkulose. 

Die  Wundbehandlung  M.  C.'s  wird  nicht  weiter  angegeben. 

Bänke  (HaUe). 

Teevan.     Subeutaneous  urethrotomy.    (Clin,  society.  8.  Jan.) 

(Med.  lim.  and  gaz.  1875.  Jan.  23.  p.  103.) 

T.  hat  vor  einem  Monat  nach  amerikanischem  Vorgange  eine 
Strictur  auf  einem  Itinerarium  mit  einem  vom  Perineum  aus  einge- 
stochenen Tenotom  getrennt.  Die  von  T.  für  England  in  Anspruch 
genommene  Priorität  fiir  die  Einführung  dieser  Methode  wird  von 
Hulke  Fergusson  vindicirt.  Der  benutzte  gerinnte  Katheter 
soll,  vor  der  Operation  den  Urin  abfliessen  lassend,  beweisen,  dass  man 
wirklich  auf  ein  in  der  Harnröhre  befindliches  Instrument  einschnei- 
det. T.  glaubt,  die  Operation  sei  weniger  gefährlich  als  die  äussere 
Urethrotomie.  Bänke  (Halle}. 


Centralblatt  für  Chinirgie.    No.  26.  413 

Kleinere  Mittheilungen. 

L.  Papillaud.     Observation  de  t^tanos  gu6ri  par  le  chloral. 

(Gaz.  m6d.  1875.  No.  15.  p.  176.) 
Ein  20jähriger  Eisenbahnarbeiter  wird  nach  einer  starken  Quetschung  des 
-N'agelgliedes  eines  Fingers  von  einer  Steifigkeit  des  ganzen  Körpers  namentlich 
aber  der  Kaumuskeln  befallen,  zu  der  sich  bald  heftige  Krampfanf&lle  gesellen. 
Von  einer  Chlorallösung  (S:  200}  wird  stündlich  ein  Esslöffel  bis  zum  Aufhören 
der  Krämpfe  verabreicht.  Nachdem  der  Kranke  im  Ganzen  72  Gramm  Chloral  ver- 
braucht hat,  ist  er  nach  Verlauf  von  22  Tagen  bis  auf  eine  gewisse  Steifigkeit  des  lin- 
ken Arms  vollständig  wieder  hergestellt.  —  P.  glaubt,  dass  die  innerliche  Anwendung 
des  Chlorals  in  allen  Fällen  ausreicht  und  verwirft  die  intravenösen  Injectionen 
desselben.  0«  Yolkmann  (Halle). 

Amuflsat.     Sonde  k  dard. 

(Revue  de  th^rapeutique  m^dico-chirurgicale  1S75.  No.  5.) 
In  einer  Anzahl  von  Fällen,  in  welchen  ein  Prostataabscess  in  die  Urethra 
prominirte,  dessen  Fluctualion  wahrgenommen  werden  konnte  (wie?  Ref.),  bediente 
sich  A.  eines  1843  nach  seiner  Angabe  von  Charriöre  construirten  Instrumentes, 
von  der  Form  eines  gewöhnlichen  Katheters,  welches  bei  Druck  auf  einen  Knopf 
des  Hi^dgriffes  eine  zweischneidige  Klinge  aus  dem  offenen,  abgerundeten  £nd- 
atOck  in  der  Axe  des  letzteren  hervorspringen  und  beim  Nachlassen  des  Druckes 
wieder  zurückschnellen  lässt.  Bnppreeht  (Halle). 

F.  Fodt.     Attaque  d'hystirie  cbez  iin  homme^  trait^e  et  guerie  par 

la  compression  des  testicules. 
(Gaz.  hebdom.  1874.   No.  50.) 

F.  beschreibt  einen  heftigen  Anfall  von  Convulsionen  mit  vollkommenem 
Schwinden  des  Bewusstseins  bei  einem  Manne.  F.  comprimirte,  im  Momente  dai 
hochgradigsten  Steigerung  dieser  Zustände,  lebhaft  die  Hoden  des  Patienten,  worauf 
nach  Ablauf  von  weniger  als  1  Minute  der  Anfall  vollständig  schwand ,  bis  auf  eine 
Art  von  Betäubung,  die  etwa  noch  1  Stunde  anhielt.  Patient  hatte  schon  früher 
derartige  Anfälle  wiederholt  gehabt,  diesmal  war  er  den  Tag  vor  dem  Anfalle 
durch  Etwas  sehr  erregt  worden,  worauf  ein  fixer  Schmerz  in  der  linken  Schläfe 
sich  einstellte.    Gähnen  und  grosse  Müdigkeit  gingen  dem  Anfalle  voran. 

F.  meint,  das  Verschwinden  des  Anfalles  komme  im  obigen  Falle  auf  Rech- 
nung des  Schmerzes  (durch  die  Hodencompresaion).  Fr*  8teiner  (Wien). 

Bivington«  Pulsating  tumour  of  the  orbita.  (Roy.  med.  and  chir.  society.) 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Mai  1.  p.  484.) 

Historisch -kritische  Besprechung  der  seltenen,  pulsirenden  Orbitalgeschwülste, 

gestützt  auf  62  gesammelte  Fälle.     Der  von  R.  beobachtete  Kranke  hatte  eine 

Schädelfractur  erlitten;   6  Wochen  später  Entwickelung  der  Geschwulst,   welche 

nach  den  verschiedensten  Heilversuchen  durch  Ligatur  der  Carotis  beseitigt  wurde. 

Bänke  (Halle). 

8.  FoUak«    lieber  das  epidemische  Vorkommen  der  Parotitis. 

(Wiener  med.  Presse  1875.   No.  12.) 

P.  berichtet  über  eine  epidemisch  in  Tyrnau  aufgetretene  idiopathische  Paro- 
titis. £s  herrschte  zur  Zeit  keine  Scarlatina  im  Orte.  Die  Parotitis  war  durchweg 
doppelseitig,  betraf  insbesondere  Kinder  und  junge  Leute  beider  Geschlechter,  in 
allen  Schichten  der  Bevölkerung.  Rachenkatarrh  fehlte  dabei  ganz.  Der  Verlauf 
war,  bei  einer  Krankheitsdauer  von  3 — 8  Tagen,  stets  der  in  Zertheilung.  Die 
Anwendung  der  Kälte  und  der  Wärme,  letztere  in  Form  von  Cataplasm.  emoll., 
hatten  das  gleiche  Basultat:  es  minderte  sich  die  Empfindlichkeit  und  die  Ent- 
zündung Toim.  ab. 

Kurz  nach  dem  Aufhören  dieser  Epidemie  kamen  ScarlatinafäUe  vor.  P.  meint 
darum,  es  Ipcalisire  sich  ein  dem  Scarlatinagift  verwandtes,  weniger  heftig  wir- 
kendes Gift  in  den  drüsigen  Organen  und  führe  zur  Parotitis.      Fr«  Steiner  (Wien). 


414  Centralblatt  fttr  Chirurgie.    No.  26. 

HuUlo.  On  a  wound  of  the  palm. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Mai  1.  p.  463.) 

Der  klinische  Vortrag  H.'s  soll  die  Nothwendigkeit  der  Lagerung  des  Armes 
auf  einer  Schiene  beweisen ,  wenn  eine  Wunde  der  Hand  mit  arterieller  Blutung 
complicirt  gewesen ,  die  verletzte  Arterie  aber  nicht  unterbunden  werden  konnte. 

Der  2üjährige  Patient  hatte  einen  Messerstich  durch  das  4.  spatium  interosseum 
der  (welcher?)  Mittelhand  erhalten.  Die  starke  Blutung  stand  spontan.  Behand- 
lung auf  einer  Schiene  (in  horizontaler  Lage,  da  H.  die  Vortheile  der  verticalen 
Suspension  durch  die  Leichtigkeit  der  Verbreitung  der  entzündlichen  Stoffe  auf 
den  Vorderarm  pandlelisirt  sieht  1 )  mit  sorgfältiger,  aber  leichter  Einwickelung  von 
den  Fingeropitzen  an.    Heilung  ohne  Zwischenfall. 

Ein  zweiter  ähnlicher  Fall  bei  einem  Mftdchen ,  in  derselben  Weise  behandelt, 
veriief  gleich  günstig.  Büke  (Halle). 

3  Fälle  von  geheilten  Aneurysmen. 

(The  Americ.  Journal  of  med.  scienc.  1875.  Jan.) 

1)  St.  Eldridge.  Aneurysma  der  Femoralis  über  dem  Abgang  der  Profunda; 

Heilung  durch  fordrte  Flexion. 
Traumatiaohes  Aneurysma,  entstanden  durch  das  Auffallen  eines  schweren 
Balkens  auf  die  Leistengegend.  Da  Fat.  jede  blutige  Operation  verweigerte,  wurde 
die  forcirte  Flexion  versucht.  Während  der  ersten  5  Tage  Bandagiren  de«  Ober^ 
schenkeis  gegen  den  Rumpf  bis  zur  ftussersten  Grenze  des  Ertrftgliehen.  Nur  1 
Stunde  täglich  wird  die  Binde  gelöst,  damit  die  Anschwellung  des  Beines  nicht 
allzu  bedeutend  werde.  Der  Tumor  nahm  während  dieser  Zeit  nicht  zu,  seine  Wände 
wurden  fester.  Einer  Fortsetzung  dieser  Behandlung  widersetzte  sich  Fat.  entschie- 
den und  suchte  des  Nachts  die  Bandagen  zu  entfernen.  Es  wurde  daher  von  einer  so 
hochgradigen  Flexion  abgesehen  und  das  Bein  in  erträglicher  Beugestellung  mittelst 
Gurten  g^^n  eine  fest  den  Thorax  umschliessende  Jacke  angezogen.  Die  befestigen- 
den Kupferdrähte  waren  an  ihren  zusammengedrehten  Enden  mit  einem  Siegel  ver^ 
sehen  (!)  In  dieser  Lage  verharrte  Fat.  continuirlich  15  Tage.  Nach  Abnahme 
der  Bandagen  zeigt  sich  der  Tumor  vollkommen  hart,  jede  Pulsation  war  ver- 
schwunden, der  Umfang  hatte  entschieden  abgenommen.  Eine  leichte  Steifigkeit 
im  Hüftgelenk  verschwand  in  kurzer  Zeit  durch  passive  Bewegungen.  6  Monate 
nachher  sah  Verf.  den  Fat.    Die  Heilung  war  vollkommen. 

2)  B.  Bartow.  Aneurysma  der  Femoralis;  anfangs  Compreesion,  dann  Ligatur 

der  Art.  Iliac.  Heilung. 

Auch  hier  handelt  es  sich  wahrscheinlich  um  ein  traumatisches  Aneurysma. 
Der  36jähr.  Fat.  war  Dampfkesselschmied  und  hatte  beim  Kesselnieten  die  Eisen- 
stange gehalten,  gegen  welche  die  Nieten  platt  geschlagen  werden.  Um  diese 
Stange  fest  zu  halten,  hatte  er  sie  häufig  gegen  den  Oberschenkel  gestemmt  und 
so  die  ganze  Erschütterung  der  Hammerschläge  auf  denselben  übertragen. 

Die  Geschwulst  war  langsam  entstanden  und  im  Verlaufe  von  5  Monaten  zur 
Grösse  einer  doppelten  Mannsfaust  herangewachsen.  Sie  sass  ungefähr  4  Zoll  un- 
terhalb des  Ligam.  Poupart.  Da  Fat.  durch  Schmerzen  und  Schlaflosigkeit  ziem- 
lich entkräftet  war,  so  entschloss  man  sich  zunächst  nicht  zur  Unterbindung,  ver- 
suchte vielmehr  die  centrale  Gompression. 

Eine  distündtge  Digital-Compression  hatte  nur  geringen  Erfolg;  die  Fort- 
setzung musste  wegen  Mangel  an  Assistenz  aufgegeben  werden.  Nicht  viel  mehr 
wurde  durch  die  Gompression  mittelst  eines  eigens  construirten  Gompressoriums 
(dem  Es march 'sehen  Aortencompressorium  ähnlich)  erreicht. 

3  Wochen  nach  der  Aufbahme  schritt  man  daher  zur  Unterbindung  der  Iliaca 
etc.  Bereits  2  Tage  nachher  hatte  sich  der  Tumor  um  4  Zoll  im  Umfitng  ver^ 
kleinert.  5  Wochen  nach  der  Operation  konnte  Fat.  ausser  Bett  sein.  Die  Ge- 
schwulst verkleinerte  sich  mehr  und  mehr  und  wurde  härter.  Bei  der  Entlassung 
57f  Monate  nach  der  Operation,  hatte  sie  nunmehr  die  Grösse  und  Form  des 
Hutes  eines  mitteigrossen  Filzes. 


Gentralblatt  fOr  GhiniTgie.    No.  26.  415 

3)  Tb.  üathewB.  Anearysma  der  Aorta  abdominalia  erfolgreich  mit  Jodkalium 

behandelt 
3Sjfthr.  Frau  litt  an  einem  Aneurysma  der  Aorta  abdom.,  welches  sich  vom 
Stemum  bis  lum  Nabel  hin  erstreckte.  Durch  die  Erfolge  von  Dr.  Balfoor 
(The  Americ.  Journal  of  med.  scienc.  April  1874)  ermuntert,  gab  Verf.  in  je  24 
Stunden  4  mal  15  gran.  Kalium  jodat.  Obwohl  diese  grossen  Dosen  anfänglich 
den  Magen  etwas  irritirten,  b^ann  Pat.  sich  alsbald  sehr  viel  wohler  su  fohlen. 
Nach  5  monatiieher  Behandlung  constatirt  der  Verf.  folgenden  Erfolg:  während 
Yor  Beginn  der  Kur  Pat.  stets  su  Bett  lag  und  ohne  Morphium  nicht  schlafen 
konnte,  geht  sie  jetzt  umher,  fthrt  aus,  reitet  selbst,  und  schläft  ohne  jegliches 
Soporificum.  Die  aneurysmatischen  Geräusche  fraher  so  deutücfa,  sind  fast  gani 
venehwunden,  die  Geschwulst  ist  swar  noch  in  fohlen  aber  sehr  viel  kleiner  als 
fraher.  LOMen  (Heidelberg). 

Spokeel.     Fhlegmon  de  la  fosse  iliaque.  —  Caries  multiples.  —  Tu- 
berculose  miliaire  aigue.  ~  Symptdmes  de  dyssenterie. 

(Progris  m^dical  1875.  No.  5.) 
Der  bei  einem  vorher  gesunden  22j.  Soldaten  (in  Folge  einer  Perityphlitis?) 
sich  entwickelnde  Abscess  wurde  unter  dem  Arcus  cruralis  geöffnet.  Eine  Zeit 
lang  schien  eine  Communication  swischen  dem  Eiterheerde  und  dem  Darm  su  be- 
«tehen,  indem  aus  der  Incisionsöffnung  und  aus  dem  After  die  gleiche  Flüssig- 
keit (Koth  und  Eiter  gemischt)  abging.  Bei  der  Section  war  am  Darm  Nichts 
von  einer  stattgehabten  Perforation  su  entdecken.  Petersen  (Kiel). 

Fouoras.     Hernie  diaphragmatique  immense. 

(Gas.  des  HopiUux  1875.  No.  37.) 
F.  fand  bei  einem  32j.  Gutsbesitzer,  der  ihn  wegen  Magen-  und  Verdauungs- 
beschwerden consultirte,  eine  gani  colossale  linksseitige  Hemia  diaphragmatica. 
Die  linke  Lunge  war  bis  über  die  4.  Eippe,  das  Hers  nach  der  rechten  Seite 
▼erdrängt.  Den  ganzen  unteren  Theil  des  Thoraxraumes  füllte  der  Magen  und 
andere  Baucheingeweide  aus.  Auf  die  Diagnose  führte  einmal  die  Anamnese  und 
dann  ein  eigenthümlich  plätscherndes,  glucksendes  Geräusch,  welches  bei  der 
Succussion  und  bei  jeder  lebhafteren  Bewegung  von  dem  Pat.  sowohl,  wie  von  dem 
Untersucher  deutlich  wahrgenommen  wurde.  Die  Lunge  war  normal,  firüher  nie 
erkrankt  gewesen.  Pat.  erzählte  mit  aller  Bestimmtheit,  dass  er  dies  Geräusch 
erst  bemerkt  habe,  seit  ihm  vor  ca.  10  Jahren  ein  schwerer  Baumstamm  auf  den 
Rücken  gefallen  sei.  Als  Spuren  dieser  Verletzung  Hess  sich  eine  winklig  geheilte 
Fractur  des  3.  Lendenwirbels  und  beiderseitige  Subluxation  der  Sacro-Iliacal. 
Synchondrosen  noch  nachweisen.  Nach  langem  Krankenlager  hatte  er  sich  soweit 
erholt,  dass  er  selbst  schwere  Feldarbeiten  wieder  verrichten  konnte,  lieber  Ver- 
dauungsstörungen klagte  er  erst  seit  einigen  Monaten.  Trotz  der  ärztlichen  Be- 
handlung verschlechterte  sich  sein  Zustand  sehr  erheblich,  er  magerte  ab,  wurde 
schwächer  und  starb  ganz  plötzlich  an  einer  Magenblutung.  Bei  der  Section  fand 
sieh  im  Abdomen  nur  ein  kleiner  Theil  der  Intestina ;  der  Magen  bis  zum  Pylorus, 
ein  Theil  der  Därme  und  die  Milz  lagen  in  der  linken  Brusthöhle,  die  mit  der 
Bauchhöhle  eine  grosse,  gemeinschaftliche  Höhle  bildete.  Von  der  linken  Hälfte 
des  Zwerchfells  waren  nur  kleine,  der  Basis  des  Thorax  adhärirende  Reste  übrig. 
Da  das  Duodenum  an  der  rechten  Seite  durch  seine  Ligamente  fixirt  war,  konnte 
es  dem  Zug  des  dislocirten  Magens  nicht  genügend  folgen  und  zog  sich  straff 
gespannt  gegen  den  Pylorus  hin ;  in  seinem  oberen  Theil  sass  ein  5  frankgrosses 
Geschwür,  welches  in  der  Mitte  perforirt  und  jedenfalls  su  tödtlicher  Blutung 
geführt  hatte.  Eine  genauere  Untersuchung  des  Präparats  (ob  carcinomatöses 
Geschwür?)  konnte  nicht  vorgenommen  werden.  Schftdel  (Berlin). 

J.  Hofmokl.     Ueber  Callusbildung. 

(Wiener  Medicinische  Jahrbücher  1874.) 
H.  studirte  die  Callusentwickelung  an  Thieren  (Kaninchen,   Ratten,   Katzen) 
und  an  Menschen. 


416  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  26. 

Beiilglich  der  phyviologischen  Entwickelnng  des  normalen  Knocken» 
hebt  H.  henror: 

1)  Die  bei  der  Entwicklung  des  Knochens  aus  den  ELnorpeUellen  entstehenden 
Markzellen  tragen  in  ihrer  weiteren  Metamorphose  zur  Knochenbiidung  bei. 

2)  Die  Knorpelzellhöhlen  sammt  ihrem  Inhalte  werden  zu  Markrftomen. 

3)  Die  primäre  Ablagerung  der  Knochenerde  an  den  ersten  Verkalkungsponcten 
erfolgt  ohne  deutlich  ausgesprochene  Gefitesentwickelung. 

4)  Die  Büdung  des  endochondralen  Knochens  erfolgt  nur  wenig  firüher,  als 
die  periostale. 

Die  normale  Bildung  des  Callus  geschieht  histologisch  nach  dem  Sdiema 
der  physiologlsdien  Knochenentwickelung.  Wie  bereits  bekannt  partidpiren  Pe* 
riosty  Knochenmark,  Knochen  und  die  benachbarten  Weiohtheile  an  der  Galloa- 
bilduog  und  zwar  im  Anfang  besonders  das  Periost,  während  im  späteren  Stadium 
der  Knochen  vorzugsweise  in  den  Yordeigrund  tritt.  Der  perioÄalen  Knochen- 
büdung  geht  starke  Gef&ssneubildung  mit  Verkalkung  des  neugebildeten  Knorpels 
voraus.  Die  Knochenzellen  nehmen  an  der  Callusbildung  wesentliehen  AntheU, 
indem  sie  sich  vergrössem,  vermehren  und  so  primäre  Markräume  mit  Biarksellen 
bilden.  Die  Knochenbildung  geht  stets  vom  Bande  eines  Markraumes  aus,  gleich- 
viel ob  er  eine  Geftssschlinge  besitzt,  oder  nicht 

Bezüglich  der  Ausdehnung  des  Periostcallus  ist  zu  bemerken,  dass  derselbe 
gewöhnlich  von  der  Bruchstelle  an  weiter  reicht,  als  der  Markeallus. 

TfHmaiiBfi  (Leipzig). 
Derselbe.     Lithiasis.  —  Carcin.  medulläre  penis. 

(Wiener  med.  Presse  1875.   No.  15.) 

H.  eotfemte  bei  einem  76jährigen  Patienten  einen  ziemlich  grossen  hamsauren 
Stein  durch  die  Lithotomie  nach  Thom.  Teale.  Stumpfe  Dilatation  des  Sphincters 
und  der  Prostata.    Leichte  Extraction.    Heilung  ohne  Zwischenfiüle. 

An  einem  52jährigen,  seit  seiner  Jugend  mit  Phimose  behaftet  gewesenen 
Patienten  entfernte  H.  ein  seit  etwa  ^U  Jahren  bestehendes  Carcinom  des  Penis 
mit  dem  Messer.  Die  Anlegung  der  Esmarch' sehen  Schlinge  verhinderte  eine 
stärkere  Blutung.  Rasches,  continuirliches  Recidiv.  Die  zweite  Operation,  gal- 
vanocaustisch  ausgeftthrt,  hatte  am  zehnten  Tage  darnach  Pyämie  zur  Folge  und 
Exit.  lethalis.  Fr.  Steiner  (Wien). 

Calmeil.    Hypertrophie  de  la  l^vre  anterieure  du  col  utirin. 

(Stonce  de  la  soci^t^  de  Chirurgie  1874.  Dec.  16.) 

C.  fand  bei  einer  eben  gebärenden  Frau  einen  fleiichigen,  weichen  Tumor  in 
der  Scheide;  darüber  lag  der  Kopf  des  Foetus.  Die  Entbindung  des  letzteren 
erfolgte  rasch;  es  blieb  aber  ein  kindskopi^osser  Tumor  in  der  Scheide  zurQck, 
mit  einem  dicken,  zum  Uterus  hin  sich  fortsetzenden  Stile.  C.  entfernte  in  wieder- 
holten Sitzungen  den  Tumor  sammt  dem  Stiele  durch  Abbinden  mit  starken  Fäden  und 
dem  SchlingenschnOrer.  Auf  dem  Durchschnitte  zeigte  sich  der  Tumor  als  solide  Maaae, 
von  Schleimhaut  überzogen,  die  dem  unterliegenden  Gewebe  fest  adhänrte^  ein 
stark  vaskularisirtes  Fibrom.    Das  lab.  uterin.,  wo  er  sich  inserirte,  war  geschwollen. 

Blot  hält  den  Tumor  für  eine  hypertrophirte  und  oedematöse  vordere  Mutter* 
mundslippe.  In  einem  Falle  sah  er  bei  einer  Gebärenden  auch  einen  solchen  Tumor 
in  der  Scheide,  der  aber  sodann  allmälig  atrophirte,  so  dass  1  Monat  nach  der 
Entbindung  nichts  mehr  von  ihm  da  war.  Bl.  meint,  C.  hätte  auch  in  seinem  Falle 
zuwarten  sollen ,  da  überdies  Operationen  in  der  Puerperalperiode  gefährlich  seien. 

Verneuil  theilt  Blot 's  Ansicht;  er  sah  den  angeblichen  Polypen,  der  sicherlich 
kein  solcher  war.  Bei  der  Section  einer  während  des  Gebarens  verstorbenen  Frau, 
fand  er  einmal  einen  enormen  derartigen  Tumor,  ebenfalls  eine  Hypertrophie  der 
vorderen  Muttermundslippe  darstellend.  Fr«  Stelner  (Wien). 

Originalmittliellnngen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  woJle 
man  an  Dr.  H.  liUmafUU,  Leipzig,  Karienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlung, 
BreUkopf  vni  HärtäLj  einsenden. 

Drael  vad  Verlag  von  Br«it1iopf  and  Hirtel  ia  L«iptig. 


Gentralblatt 


für 


CHIRURGIE 

herftttsgegeben 

Ton 

Dr.  L.  Lesser,  Dr.  IL  Mele,  Dr.  H.  TUlBaim 

iB  Berlin.  in  Halle  a.  8.  in  Leipsig. 


^-.^■w^-  ■v»  \  ■*  ^ 


Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nnmmer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjfthriger  Pr&- 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Fostanstalten. 

N^  27.  SonnalMsnd,  den  3.  JaU.  1875. 


Inlialt;  ROMr,  Zur  Lehie  von  den  GranolatioDskr&nkheiten.  (Orlglnal-Mittheilang.) 
IforMClliloffy  VerUuf  der  motorlsohen  und  sensiblen  Bahnen  durch  das  Lenden- 
mark des  Kaninchen.  —  BrodOWSki,  Ursprung  der  Riesen zellen  und  Tuberkel .  — 
Hirschberg,  Mathematische  Grundlagen  der  medicinlschen  Statistik.  —  Blldin,  Coyne, 
Verhalten  der  Pupille  während  der  Chloroformnarcose.  —  London,  Lepra.  —  Eborth, 
Bacterien.  —  DospriSf  Metastatische  Abscesse.  —  Kochor,  Analogleen  von  Schulter- 
und  HQftgelenksluxationen.  —  Lefort,  Verband  für  Patellaftacturen.  —  Thonij^n^  Hun- 
dert Steinoperationen.  —  Zahn,  Praeputialsteine. 

Olononn,  Hauttransplantationen.  —  Laiiront,  Aneurysmen  als  CompHcation  von  Frac- 
tnren.  —  Jourdin,  Miquoh  Ghloral.  —  Conrad,  Aetiologie  der  congenitalen  Gelenk- 
diffoimitäten.  —  Lotzorich,  Diphtherie  der  Impfwunden.  -^  Knapp,  Tumoren.  —  Fuck, 
Angeborene  Trennung  der  Speiseröhre.  —  Bacholdor,   MamiUitis.  —  Toalo,  Exploration 

der  Bauchhöhle  bei  Darmyerschlüssen. 


Zur  Lehre  von  den  Granulationskrankheiten. 

Von 
Prof.  W.  Roser  in  Marburg. 

Bei  der  sogenannten  Narbenzusammenziehung  sind  zwei  wichtige 
Erscheinungen  wohl  zu  unterscheiden^  die  atrophische  Verdichtung 
des  jungen  Bindegewebes^  wodurch  die  Hautränder  angezogen 
werden^  und  die  Atrophie  der  oberflächlichen  Capillar-Gefässe^ 
welche  beim  Heilen  zum  völligen  Schwund  gelangen.  Diese  beiden 
Atrophie-Processe  müssen  einander  entsprechen^  sie  müssen  parallel 
mit  einander  verlaufen  ^  wenn  die  Vernarbung  ihren  regelmässigen 
Gang  gehen  soll.  Entsprechen  die  beiden  Atrophie-Processe  einan- 
der nichts  so  ist  der  Heilungsprocess  mehr  oder  weniger  gestört. 

Tritt  z.  B.  die  Verdichtung  und  Schrumpfung  des  jungen  Binde- 
gewebes verhältnissweise  früher  und  in  grösserem  Umfang  auf^  als 
die  Atrophie  der  obersten  Capillarschicht,  so  kann  eine  ganze  Reihe 
von  Störungen  daraus  hervorgehen^   namentlich  kann  die  Blutzufuhr 

27 


418  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  27. 

und  Blutrückfuhr  in  den  Granulations-Capillareii  dadurch  leiden  und 
es  kann  somit  eine  Stase  oder  Anämie^  Ischämie,  Atrophie^  Nekrose 
u.  s.  w.  der  Granulations-Capillaren  hierdurch  bedingt  sein. 

Wohl  die  auffallendste  unter  diesen  Erscheiiiimg^i  ist  die  durch 
Narben  zusammen  Ziehung  verursachte  Granulations— 
Nekrose.  Seit  vielen  Jahren  bin  ich  gewohnt,  diese  Art  von  Gra— 
nulationszerstörung  unter  dem  Namen  »gutartiger  Granulationsbrandc 
klinisch  zu  demonstriren.  Die  Gelegenheit  dazu  kommt  wohl  jeden 
Monat  einmal  vor.  Wichtig  ist  zwar  die  Sache  nur  in  sofern^  als 
leicht  eine  falsche  Diagnose^  z.  B.  auf  Nosokomial-Gangrän»  dabei 
gemacht  werden  kann,  aber  sehr  interessant  war  mir  immer  die 
Aetiologie,  sofern  sich  kaum  daran  zweifeln  lässt,  dass  bei  den. 
Fällen  dieser  Art  eine  Sohnunpfkng  der  jungen  Bindegewebeschicht, 
welche  hinter  den  eigentlichen  Granulationen  liegt,  den  Granulations- 
capillaren  die  Zufuhr  abschneidet  und  sie  dadurch  zum  Absterben  bringt. 

Die  Erscheinungen  sind  folgende:  eine  Wunde,  die  im  besten 
Heilen  begriffen  ist,  z.  B.  eine  im  Verkleinern  begriffene  Wunde 
nach  Amputation  der  Brust,  zeigt  auf  einmal  missfarbene  Stellen  an 
der  Granulationsfläche ;  eine  graugelbliche  oder  bräunliche  auch  wohl 
dunkelbraune  Entfärbung  geht  dem  Zerfall  der  betroffien^i  GiKmula- 
tionstheile  voraus;  nach  ein  paar  Tagen  sind  die  kranken  Granula- 
tionstheile  verschwunden,  der  Detritus  derselben  ist  mit  dem  Eiter 
weggegangen,  neue  Graaulationen  wachsen  nach,  die  Heilung  schreitet 
weiter  und  die  anfangs  gefährlich  aussehende  Erscheinung  ist  ohne 
alle  unangenehme  Folgen,  ohne  Fieber,  ohne  Schmerz,  ohne  SehcUlen 
vorübergegangen. 

Da  diese  Art  der  Granulationsgangrän  nur  im  Stadium  der  Ver- 
Schrumpfung  einer  granulixenden  Wunde  beobachtet  wird  und  da 
auoh  die  Erscheinungen  keine  andern  sind,  als  man  sie  bei  aitfge- 
hobener  Blutzufuhr  erwarten  kann,  so  scheint  mir  die  Theorie  voll- 
kommen gerechtfertigt,  wonach  eine  Zusammensclmämng  der  Gefasse, 
welche  durch  das  schrumpfende  Bindegewebe  zu  den  Granulationen  hin- 
gehen, als  Ursache  solcher  Granulationsgangrän  betrachtet  werden  muss. 

Bis  jetzt  ist  diese  Art  der  acuten  Granulationsgangrän  wohl 
noch  nirgends  asur  Besprechung  gekommen.  Sollte  Jemand  von  den 
Fachgenossen  eine  andere  Theorie  derselben  aufzustellen  haben,  so 
wäre  die  Veröffentlichung  derselben  wohl  recht  wünschenswerth. 


^i^ 


Worosebiloff.    Der  Verlauf  der  motorischen  und  sensiblen 
Bahnen  durch  das  Lendenmark  des  Kaninchen. 

Mit  11  Uokschnitten  mid  17  Lichtdnuiken. 

(Aus  dem  physiologischen  Institute  zu  Leipzig.     Bericht  der  mAthem.-pky8iBchBn 
Classe  der  Königl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Leipzig  1874.) 

Nach  den  Erfahrungen  von  Miescher  und  Nawrocki  verlau- 
fen sensible  Fortsetasungen  des  n.  ischiadicus  innerhalb  des  Xioiden-- 
markea  ausschliesslich  durch  die  Seitenstränge   zu   den  reflecio- 


Gentralblatt  lAr  Cbirui^.   No.  27.  419 

Tischen  CrefasBcentren  der  med.  oblongata.  Es  bfieb  zu  erörtern ,  ob 
«of  demselben  W^^  auch  diejenigen  Fasern  yerlaufen^  welche  Be- 
fiese in  den  Skelei-  und  Hautmuskeln  herrormfen.  Von  Dittmar 
war  femer  bewiesen  worden^  dass  die  verengenden  Oefilssnerven  dureh 
die  Seitenstränge  aus  dem  verlSngerten  Mark  in  die  Torderen  Nerven- 
wuizeln  übergehen.  Auch  hier  fragte  es  sich^  ob  sich  alle  Fasern 
der  vordem  Wurxeln  in  diesen  Bahnen  vereint  vorfinden.  Um  die 
Beobachtungen  der  genannten  Forscher  nach  der  ai^egebenen  Rich- 
tung zu  vervollständigen^  hat  Verf.  unter  Ludwig' s  Leitung  aus- 
gedehnte Untersuchungen  angestellt.  — 

Es  wurden  2  verschiedene  Wege  der  Untersuchung  eingeschla- 
gen. AnjREmgB  wandte  W.  eine  unvollkommene  Veigiftnng  der  Ka- 
ninchen durch  Ourare  an;  während  des  Höhestadiums  derselben^  wo 
das  Thier  eine  äusserst  geringe  Beweglichkeit  besass,  wurde  dann  die 
Duichschneidung  des  Markes  ausgeführt.  War  diese  geschehen  und 
die  Wunde  verrat,  so  wurde  die  künstEche  Athmung  so  lange  fort- 
gesetxt,  bis  das  Thier  wieder  seine  volle  Beweglichkeit  erlangt  hatte ; 
bei  schwacher  Vergiftung  sind  hiersm  mindestens  2  Stunden  noth- 
wendig.  Da  aber  bei  dieeem  Verfahren  bald  die  Muskeln  der  Ex- 
tremitäten, bald  aueh  die  des  Bumpfes  auch  nach  scheinbar  vollkom- 
mener Wiederkehr  der  Beweglichkeit  in  ein  Zittern  gerathen  und 
hierdurch  die  Erfolge  der  Reizung  mit  mancherlei  Unsicherheiten 
behaftet  sind,  so  operirte  Verf.  schliesslich  nur  an  unvergifteten 
Thieren,  deren  unterster  Brust^  und  oberster^  Lendenwiibel  mittelst 
swei  an  einem  Stativ  befestigter  Zangen  (cf.  Original)  fixirl  war.  Ein 
sehr  sinnreicher  Apparat  mit  Schutzmessem  (cf.  Original)  eiiaubte 
mit  grosser  Genauigkeit  das  Mark  an  einer  bestimmten  Stelle  und 
Iris  SU  einer  bestimmten  Grenze  su  aerstören,  nadidem  mittelst 
eines  kleinen  Trepans  und  einer  feinen  Knochenzange  der  Wirbel- 
bogen entfernt  und  die  harte  Hirnhaut  mit  einem  feinen,  sehorfen 
Messer  durchschnitten  war.  — 

Nach  sorgfaltiger  Verschliessung  der  Wunde  durch  die  Naht 
wurden  entweder  sogleich  oder  aueh  nach  I  Stunde  functionelle  Prü- 
fungen am  Thiere  vorgenommen.  Zur  Bnmttelung  der  ncKib  vor- 
handenen Leitungsfahigkeit  bediente  sich  W.  der  Erregung  sensibleF 
Flächen  unter  Beobachtung  der  hierdurch  ausgelösten  Bewegungen, 
üemer  des  Verhaltens  der  Gliedmassea  beim  Sitzen  imd  Laufen  und 
«sdlich  jener  Bewegungen,  welche  am  Körper,  namenüich  aber  in  den 
Beinen  eiAtmten,  während  das  unter  dem  Oalamus  sciiptorius  durch- 
schnittene Mark  tetanisch  gereizt  wurde.  Als  Reizmittel  diente  der 
Induetionsstrom  und  der  Druck  mit  den  Fingern.  —  Nach  dem  Tode 
des  Versuchsthieres  wurde  ein  gröeseres  Stück  des  Marks  oberhalb 
und  unterhalb  der  opmrten  Stelle  exstirpirt,  in  Alkohol  und  2®/p 
chsoms.  Ammoniak  gehärtet,  in  Paraffin  eingebettet  und  nach  makro* 
skopischer  Untersuchung  von  demjenigen  Schnitt  eine  photographische 
AüÄiahme  bei  etwa  £5facher  Vergrossemng  gemacht,  an  welchem 
sieh  die  geringste  Masse  des  Marks  erbalten  zeigte.  — 

27» 


420  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  27. 

Verf.  kam  zu  folgenden  höchst  interessanten  Resultaten: 

I.  Die  weissen  Hinter-  und  Yorderstränge  und  die 
ganze  graue  Masse  können  quer  durchschnitten  werden, 
ohne  dass  eine  sichtbare  Alteration  in  dem  reflectori- 
schen  Zusammenhange  zwischen  der  unteren  und  der 
oberen  Körpermasse^  oder  eine  Störung  im  Sitzen^  Lau- 
fen und  Springen  eintritt  (Taf.  I — V).  Somit  sind  in  den 
weissen  Hinter-  und  Yordersträngen;  ebenso  wie  in  der 
grauen  Masse  keine  Leitungsbahnen  enthalten,  welche 
den  functionellen  Zusammenhang  des  Hirnes  mit  den 
aus  dem  Rückenmark  entspringenden  Nerven  bedingen. 
—  Im  Gegensatz  zu  den  langen  —  den  Him-Riickenmaiksbahnen  — 
enthalten  jene  Theile  dagegen  kurze  Yerbindungswege, 
durch  welche  die  einzelnen  in  nächster  Nähe  von  einan* 
der  entsptingenden  Nervenwurzeln  mit  einander  ver- 
knüpft sind.  Denn  wenn  man  Durchschneidungen  der  hinteren 
und  vorderen  weissen  Stränge  im  Bereich  der  unteren  Lendenwirbel 
vomimmtj  so  hört  die  Bewegung  der  Beine  ganz  auf.  — 

IL  Dass  in  der  That  in  den  Seitensträngen  die  sen- 
sibeln  und  motorischen  Bahnen  von  den  Wurzeln  aus 
zum  Hirn  emporsteigen  und  dass  der  Seitenstrang  einer 
jeden  Markhälfte  Reflex  und  Bewegung  erzeugende  (sen- 
sible und  motorische)  Fasern  für  beide  Beine  führt,  dafür 
sprechen  die  weiteren  Beobachtungen,  welche  sich  fanden,  wenn  alle 
Theile  des  Markes  mit  Ausnahme  des  weitaus  grössten 
Theiles  eines  der  beiden  Seitenstränge  zerstört  wurden 
(cf.  Original).  — 

HL  Bezüglich  der  Anordnung  der  motorischen  und  sensiblen 
Bahnen  hat  Yerf.  festgestellt^  dass  in  allen  Theilen  des  Seiten- 
stranges neben  den  sensiblen  auch  motorishe  Bahnen 
anzutreffen  sind.  Beide  sind  also,  soweit  die  Zerglie- 
derung des  Seitenstranges  ein  Urtheil  gestattete,  durch- 
weg gemischt  vorhanden.  —  Sensible  und  motorische  Fasern 
für  die  beiden  Beine  sind  in  jedem  einzelnen  der  beiden  Sehenstrange 
vorhanden.  — 

Bezüglich  des  Yerlaufs  der  sensiblen  Fasern  ist  zu  bemerken, 
dass  in  dem  ungleichnamigen  Seitenstrang  Fasern  verlaufen,  welche 
die  Muskeln  des  Yorderkörpers  zu  stärkeren  Reflexen  veranlassen,  als 
diejenigen,  welche  im  gleichnamigen  Seitenstrang  emporsteigen  (ge« 
kreuzte  Hyperaesthesie) .  —  Die  motorischen  Fasern  sind  ebenfalls 
nicht  an  idlen  Stellen  von  gleicher  Leistungsfähigkeit.  (Die  genaue- 
ren Resultate  siehe  im  Original,  p.  282  u.  285  etc.) 

lY.  An  die  letzteren  Yersuchsreihen ,  in  welchen  das  Mark  von 
hinten  nach  vorne  zeigliedert  wurde,  schliessen  sich  nun  andere  an, 
in  welchen  die  Zerlegung  von  rechts  nach  links  geschah.  —  Aus 
den  hier  constatirten  Befunden  betonen  wir,  dass  an  diejenige  Ab^ 
theilung,  welche  zwischen  den  seitlichen  Hervorragungen  der  grauen 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  27.  421 

Blasse  eingeschlossen  ist,  sich  die  Befähigung  knüpft,  coordinirte 
Bewegungen  zu  übertragen  und  die  allzu  grosse  Empfindlichkeit  der 
sensiblen  Nerven  etwas  niederzuhalten.  — 

Die  Bahnen  für  die  Muskeln  des  Unterschenkels  und  des  Fusses 
liegen  weiter  nach  dem  seitlichen  ümÜEinge  der  Seitenstränge,  die  des 
Oberschenkds  dagegen  mehr  gegen  die  Mitte  hin. 

Von  besonderem  Interesse  ist  es,  dass  man  sowohl  in  der  Rich- 
tung von  vom  nach  hinten,  als  auch  in  der  von  rechts  nach  links 
grossere  Stücke  des  Seitenstranges  entfernen  kann,  ohne  dass  die 
Functionen  der  sensiblen  und  motorischen  Theile  des  Beines  leiden. 
Ist  die  Beobachtung  richtig,  so  muss  man  hiemach  annehmen,  dass 
derselbe  Muskel,  oder  dieselbe  Hautfläche  schon  innerhalb  des  Rücken- 
marks an  verschiedenen  Stellen  ihre  »Vertretung  finden«. 

V.  Um  über  den  anatomischen  Bau  der  Seitenstränge  Aufschluss 
zu  erhalten,  verglich  W.  die  Flächenmaasse  der  einzelnen  Rücken- 
marksstränge  auf  verschiedenen  Höhen  sowohl  unter  einander,  als 
auch  mit  dem  Flächeninhalt  der  Wurzelquerschnitte.  Es  ergiebt  sich, 
dass  die  Seitenstränge  von  unten  nach  oben  gerade  so 
wachsen,  als  ob  sie  in  ihrer  Masse  eine  gewisse  Anzahl 
von  Fasern  aus  jedem  neu  hinzukommenden  Nerven  sam- 
melten und  dem  Gehirn  zuführten.  — 

Die  Entscheidung,  ob  und  in  wie  weit  der  Faserverlauf  im 
menschlichen  Rückenmark  mit  dem  des  Kaninchens  überein* 
stimmt,  muss  klinischen  und  pathol.-anatom.  Studien  vorbehalten 
bleiben.  —  TUlmanns  (Leiprig). 

Brodowski  (Warschau).     Ueber  den  Ursprung  sogenannter 
Riesenzellen  und  über  Tuberkel  im  Allgemeinen. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXin.  p.  113.) 

Die  Beobachtung,  dass  sc^en.  Riesenzellen  neben  ausgebildeten 
Capülargefassen  und  anderen  kleinen  Blutgefässen  hegen,  berechtigt 
noch  nicht  dazu,  sie  als  einfache  Auswüchse  derselben  darzustellen, 
ab  entstanden  in  Folge  der  Proliferation  der  die  Gefässwand  zusammen- 
setzenden Zellen.  Nicht  von  den  Wänden  alter  oder  neuer  bereits 
vollkommen  ausgebildeter  Blutgefässe ,  sondern  von  den  Keimen  neuer 
BlutgefiUse  nimmt  der  grösste  Theil  der  Riesenzellen  seinen  Ursprung. 
Neben  den  sogen.  Riesenzellen  finden  sich  sowohl  in  Tuberkeln  als 
in  anderen  pathologischen  Gebilden  »kleine«  Riesenzellen;  in  der 
Reaction  gegen  Farbstoffe,  in  der  Anordnung  der  Kerne  mit  jenen 
übereinstimmende ,  an  Umfang  und  Zartheit  der  Structur  abweichende 
Gebilde  der  verschiedensten  Form.  Zwischen  beiden  Arten  sind  die 
mannigfaltigsten  Uebeigangsformen  bemerkbar ,  die  Entwickelung  der 
Einen  aus  den  Andern  unterliegt  keinem  Zweifel.  Der  Zusammen- 
hang zwischen  den  kleinen  Riesenzellen  und  capillären  Blutgefässen 
lässt  sich  in  Form  von  protoplasmatischen  Brücken,  deren  Anfange 
von  den  Blutgefässen  aus  zu  injiciren  gelingt,  nachweisen.     Die  Bil- 


422  Centralblatt  fOr  cyruTgie.    No.  27. 

düng  der  Riesenz^en  ist  abzuleiten  von  einer  anormalen  produo- 
tiven  Thätigkeit  der  Blutgefässe.  Abnorm  ist  die  Hypertrophie  einiger 
Theile  der  protopläsmatischen  Keime  5  die  BUdung  einer  ungewöhnlich 
grossen  imzahl  von  Kernen,  abnorm  der  Stillstand  in  der  weitem 
Entwickelung.  So  erklärt  sich  leicht  die  Lagerung  der  zahlreichen 
Kerne  an  der  Peripherie  ^  die  Bildung  der  durchsichtigen  blasen-«* 
förmigen  Gebilde  inmitten  der  Zellen,  die  nicht  selten  zu  beobach- 
tende Anwesenheit  von  Blutzellen  oder*  Pigment.  Vielleicht  geben, 
nebenbei  auch  Keime  von  Lymphgefässen ,  deren  Entwickelung  ron 
der  der  Blutgefässe  sieh  nicht  wesentlich  unterscheidet;  den  genannten 
Gebilden  den  Ursprung. 

Verf.  schlägt  vor,  die  protoplasmatischen  Gebilde,  denen  die  Keime 
neuer  Blutgefässe  den  Ursprung  geben,  Angioblasten  (riesenartige^ 
missgestaltete  etc.  etc.)  zu  nennen. 

Der  Tuberkel  ist  nach  Br.'s  Meinimg  nur  eine  Modifioation  des 
Granulationsgewebes.  Zwischen  dem  gewöhnlichen  Grranulations*- 
gewebe  und  den  in  neuester  Zeit  als  Tuberkel  bezeichneten  Gebilden 
besteht  ein  Unterschied  nur  darin,  dass  in  letzteren  die  Stelle  von 
fertigen  Blutgefässen  mehr  oder  woniger  missgebildete  Keime  der- 
selben, d,  h.  entweder  nur  riesenhafte  oder  sogar  nur  netzförmige 
Angioblasten,  einnehmen.  Das  Granulationsgewebe  liefert  ja  auch 
bekanntlich  den  geeignetsten  Boden  für  die  Entstehung  dieser  Neu- 
bildung. Verf.  schlägt  als  anatomischen  Namen  für  Tuberkel  Gra- 
nuloma giganto-angioblasticum  vor.  Der  Tuberkel  ist  danach 
als  kleinheerdige  Entzündung  aufzufassen.  Hadeluig  (Bonn). 


J.  Hirsohberg.     Die  mathematischen  Grundlagen  der  medi- 

cinischen  Statistik. 

Leipzig,  Telt  &  Comp.,  1874.    8.    94  Seiten. 

Abgesehen  von  der  reinen  Mathematik  erfreuen  sich  unsere  ge- 
sammten  naturwissenschaftlichen  Kenntnisse  nur  eines  mehr  oder 
minder  hohen  Grades  von  Wahrscheinlichkeit,  die  allerdings  in  der 
Physik  und  Chemie  mit  der  Gewissheit  nahezu  zusammenfällt.  Dies 
gilt  namentilioh  für  die  aus  pathologischen  und  therapeutischen  Beobach-* 
tungsreihen  abgeleiteten  Besultate  (medicinische  Statistik),  da  hier  die 
Z&hlungen  oder  Beobachtungen,  aus  denen  man  Schlüsse  ziehen  will, 
niemals  vollständig  beendigt,  sondern  immer  nuj  zu  einem  kleinen 
Theile  durchgeführt  werden  können,  üeber  diese  ünvollkommenheit 
hilft  uns  zum  Theil  die  Wahrscheinlichkeitsrechnung  hinweg.  Sie 
kann  und  soll  uns  zeigen,  wie  weit  in  der  Medicin  die  Beobachtungen 
auizudehnefti  sind,  damit  die  Resultate  auf  allgemeinere  Gältigkeit 
Anspruch  haben ,  und  welchen  Grad  von  Genauigkeit  die  gewöhnlich 
pubUcirten  Beobachtungsreihen  besitzen. 

Auf  Grund  dieses  Baisonnements  giebt  nun  H.  im  I.  Abschnitt 
einen  elementaren,  verständlichen  Abriss  der  Wahrscheinlich- 


Centralblatt  ffir  Chirurgie.    No.  27.  423 

keitsrechnung  ftir  Mediciner  und  erörtert  darin  an  zahlreichen 
arithmetischen  Beispielen  die  Wahrscheinlichkeit  aas  Gründen  oder 
a  priori  und  diejenige  aus  Beobachtungen  oder  a  posteriori ,  die  ab- 
solute und  relative^  die  einfiiche  und  zusammengesetzte  Wahrschein- 
lichkeit (mehrerer  Ereignisse),  und  die  mathematische  Hoff- 
nung. 

Der  II.  Abschnitt  behandelt  die  Grundziige  der  medicini- 
schen  Statistik  und  enthält  den  ausfuhrlichen  Beweis  der  beiden 
Hauptsfitse  derselben.  Der  erste  Satz,  das  Bernouilli'sche  Gesetz 
der  grossen  Zahlen,  welches  nach  A.  Fick  zu  den  bemerkenswerihe- 
sten  und  allgemeinsten  Wahrheiten  zu  rechnen  ist,  die  bis  jetzt  vom 
menschlichen  Geist  mit  Sicherheit  erkannt  sind,  besagt,  dass  man 
durch  genügend  oft  wiederholte  Versuche,  wenn  nur  2  Ereignisse 
A  und  B  möglich  sind ,  die  wirkliche  Wahrscheinlichkeit  von  A  inner- 
halb gewisser  Grensen  mit  einer  der  Sicherheit  beliebig  angenäherten 
Wahrscheinlichkeit  auf&nden  kann.  Der  Beweis  beruht  auf  den  Eigen- 
schaften des  Binoms.  -*  Der  zweite  Lehrsatz  lautet :  Hat  man  in  einer 
grösseren  Reihe  von  vergleichbaren  Fällen  statistisch  ermittelt,  wie 
oft  ein  bestimmtes  Ereigniss  (z.  B.  der  tödtliche  Ausgang  bei  einer 
bestinmiten  Krankheit)  eingetreten  ist  und  wie  oft  nicht,  so  kann 
man  mittelst  der  durch  diese  Statistik  gelieferten  Zahlen  immer  den 
möglichen  Fehler  des  Beobachtungsresultate«  berechnen,  d.  h.  fest^ 
stellen,  um  wieviel  sich  die  beobachtete  Frequennahl  des  Ereignisses 
von  seiner  wirklichen  Chance  unterscheiden  kann. 

Zum  Schluss  behandelt  H.  die  Bchlussfolgerungen,  welche 
aus  dem  Vergleich  von  2  Statistiken  desselben  Ereignisses  mittelst  deor 
Wahxscheinlichkeiterechnuug  sich  abstrahiren  lassen,  und  besonders 
die  therapeutische  Statistik  ^  unter  Zugrundelegung  eines  Vergleiches 
zwischen  der  v.  Gräfe'schen  Linearextraction  des  Staars  und  dem 
älteren  Lappenschnitt.  Arn.  Hiller  (Berlin). 

Budin  et  Coyne.  Recherches  cliniques  et  exp^rimentales 
sur  r^tat  de  la  pupille  pendant  Tanesthesie  chirurgicale  pro^ 

duite  par  le  chloroforme. 

(Axüh.  de  Physiologie  1875.  p.  61  —  101.) 

Die  experimentellen  Untersuchungen  an  Hunden  und  die  klinischen 
Beobachtungen  der  Verf.  haben  zu  nicht  unwichtigen  Resultaten  ge- 
führt^ die  sich  in  folgende  Puncte  zusammenfassen  lassen.  Während 
der  Periode,  in  der  noch  Reactionen  erfolgen^  ist  die  Pupille  er- 
weitert; ist  diese  Periode  vorüber  ^  so  verengt  sich  die  PupÜle  meht 
und  mehr^  bleibt  aber  im  Uebrigen  auf  Reize  reflectorisch  erregbar. 
Während  der  tiefsten  Anästhesie  ist  die  Pupille  ad  maximum  verengt 
und  absolut  unbeweglich.  Es  besteht  so  eine  innige  Beziehung  zwi- 
schen der  vollständigen  Anästhesie  und  Verengerung  nebst  XJnbeweg- 
lichkeit  der  Pupille ,  ebenso  wie  zwischen  der  Rückkehr  zur  Sensibi* 
lität  und  der  Erweiterung  und  Reflexreactionsfahigkeit  der  Pupille. 


424  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  27. 

Mithin  giebt  das  Verhalten  der  Pupille  bei  Chlorofonninhalation  den 
besten  Anhalt  für  die  Beurtheilung ,  ob  tiefe  Anästhesie  besteht  oder 
nicht.  Erweitert  sich  während  der  Operation  die  PupUle  allmälig, 
so  ist  das  ein  Zeichen^  dass  die  Anästhesie  nicht  genügend  tief  ist 
und  dass  die  Rückkehr  zur  Sensibilität  nahe  bevorsteht.  Will  man 
daher  den  Fat.  vollständig  anästhetisch  und  analgetisch  machen,  so 
muss  man  die  Chlorofonninhalation  so  weit  treiben,  dass  die  Pupille 
constant  eng  und  unbeweglich  bleibt.  Brechbewegungen  können  eine 
Erweiterung  der  Pupille  erzeugen  und  zugleich  die  Anästhesie  ver* 
schwinden  machen.  Dagegen  giebt  der  Zustand  der  Pupille  keinen 
Fingerzeig  für  drohende  Asphyxie  oder  Paralyse;  es  überhebt  daher 
die  Beob^htung  der  Pupille  keineswegs  von  der  sorgsamen  Ueber- 
wachung  des  Pulses,  der  Respiration  und  des  Allgemeinzustandes^ 
aus  deren  anormalem  Verhalten  einzig  und  allein  drohende  ZufiQle  er- 
schlossen werden  können.         J«  Mimk  (Strasabuig  i/B.). 

London.     Mittheilungen  ans  den  Leprösen  Hütten  »Biut  et 

Massakin«  in  Jerusalem. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.    No.  13  u.  14.) 

Verf.  beschreibt  einen  Fall  von  »Lepra  anaesthetica,  compliciit 
mit  Myoatrophie  und  Motilitätsparalyse  und  nachheriger  Knotenbil- 
dung«. Zuerst  tritt  zufallig  entdeckte  Empfindungslosigkeit  auf  an 
eiQzelnep  Stellen^  dann  zeigen  sich  Blasen,  hirsekom-  bis  erbsengross, 
die  aufgestochen  gelbe,  klare  Flüssigkeit  entleeren;  die  Blasen  heilen 
dann  glatt  oder  mit  feiner  Narbe.  Furchen  zwischen  den  Metakarpen, 
Contracturen  der  Finger  folgen,  die  Haare  an  Armen  und  Unterschenkeln 
fallen  aus,  die  Transpiration  hört  am  Unterschenkel  und  Fuss  auf.  Septum 
narium  schivindet ,  in  Haut  von  Armen ,  Wangen  etc.  entwickeln  sich 
Knoten,  Augenbrauen  fallen  aus.  Musculatur  stellenweis  staik  ge- 
schwunden, ebenso  der  Panniculus  adiposus.  Fingerspitzen  kolbig 
verdickt;  am  nervus  ulnaris  in  der  Gegend  des  Cond.  intern,  zwei  Ver- 
dickungen zu  fühlen.  Oberhaut  an  Fuss  und  Unterschenkel  wegen 
Sclerosirung  des  Unterhautgewebes  wenig  verschiebbar.  Entwiclelungs- 
dauer  der  Krankheit  vier  Jahre.  —  In  anderen  Fällen  immer  früher 
die  Characteristica  für  Lepra  cutanea  (sive  maculosa,  s.  tuberculosa) 
entwickelt,  und  zwar  symmetrisch  auf  beiden  Extremitäten  Franc^ 
grosse,  glatte,  theilweise  über  das  Niveau  prominirende,  hell-  oder 
dunkelrothe  Flecke,  aus  denen  sich  höher  oder  tiefer  sitzende,  kleinere 
oder  grössere  Knoten  entwickeln.  Später  werden  auch  Schleimhäute 
von  solchen  Knoten  afficirt.  Die  mit  der  Lepra  cutanea  histologisch 
verwandte  Lepra  nervorum  entwickelt  sich,  indem  zuerst  bei  febriler 
Bewegung  Hyperästhesie  auftritt,  der  später  Anästhesie  f^lgt;  symme- 
trisch entwickeln  sich  Pemphigusblasen  mit  serös -eitrigem  Inhalt, 
theils  vernarbend,  theils  ulcerirend.  Es  folgt  Muskelatr^phie  an  Hän- 
den, Armen  und  im  Gesicht.  Im  Stadium  der  Anästhesie  entwickeln 
sich    Gangränescenzeu ,     Exfoliation    von     einzelnen    Finger-    oder 


Centralblatt  für  Chinirgie.    No.  27.  425 

Zehengliedem,  sehr  selten  von  ganzen  Fingern^  nie  von  Extremi- 
täten. Fiel  ein  Zwischenglied  aus ,  so  restringirt  sich  das  NagelgUed 
auf  den  Stumpf.  Bei  histologischer  Untersuchung  finden  sich  im 
Ckffium  und  subcutanen  Bindegewebe  ^  besonders  deutlich  im  Um&ng 
d^  zu  Grunde  gegangenen  Haarbälge,  isolirt  oder  heerdartig  grup- 
pirt  runde  kernhaltige  Zellen,  grössere  runde  Kerne,  spindelförmige 
Elemente  und  spärliche  Intercellularsubstanz , '  welche  sich  auf  Zusatz 
Yon  Essigsäure  trübt.  Die  Zellen  sind  morphologisch  den  entzünd- 
lichen Proliferationen  des  Bindegewebes  ähnlich.  —  Aetiologisch  ist 
das  Hereditäre  der  Lepra  zu  erwähnen:  contagiös  ist  sie  nicht.  Die 
Gegenden  Palästinas,  in  denen  Lepra  emheimisch  ist,  sind  auch  von 

Intermittens  geplagt.     Die  Therapie  bis  jetzt  völlig  erfolglos. 

▼•  Mosengeil  (Bonn). 

C.  J.  Eberth.     Untersuchungen  über  Bacterien. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXII.  p.  464.) 

Im  ungefärbten  sowohl,  wie  im  blauen  und  rothen  Schweiss 
kommen  Bacterien  in  sehr  grosser  Zahl  vor.  Diejenigen  des  blauen 
Schweisses  können,  wie  dies  von  denen  des  blauen  Eiters  bereits 
dargethan  ist,  bei  Körpertemperatur  gezüchtet  werden  und  findet  dabei 
ein^  Production  des  Farbstoffes  statt.  Madelnng  (Bonn). 


A.  Despres.     Les  vari^t^s  de  siöge  des  absces  m^taatatiques 

dans  rinfection  purulente. 

(Bulletin  de  Tacad^mie  de  m^decine  1875.  No.  U.) 

Verf.  glaubt,  dass  ausser  den  auf  embolischem  Wege  erzeugten 
metastatischen  Herden  in  Lungen  und  Leber  die  mannigfachen  pjämi" 
sehen  Abscesse  in  inneren  Organen  mit  einer  Prädisposition  die- 
ser Organe  für  entzündliche  Erkrankungen  in  Zusammenhang  stehen, 
bedingt  einestheils  durch  voraüfgegangene  Krankheiten,  anderntheils 
durch  schädliche  Einflüsse  der  Lebensweise.  So  finde  man  Leber- 
abscesse  bei  Potatoren,  Milzabscesse  bei  Malariakranken,  metastatische 
Gelenkvereiterungen  bei  Bheumatikern.  im.  Hiller  (Berlin). 


TIl  Kocher.     Die  Analogieen  von  Schulter-  und  Hüftgelenk- 
luxationen  und  ihrer  Repositionsmethoden. 

(Sammlung  klinischer  Vorträge.    No.  83.) 

Verfasser  will  nicht  bei  der  auf  Aetiologie  begründeten  Therapie 
stehen  bleiben ,  will  das  sogenannte  physiologische  Repositionsverfahren, 
die  luzirten  Gelenkenden  auf  demselben  Wege  zurückzubringen,  auf 
dem  sie  auseinander  gewichen,  durch  ein  »anatomisches«  ersetzen. 
Von  vielen  Luxationen  weiss  man  nicht ,  wie  sie  entstanden,  noch 
lassen  sich  an  der  Leiche  experimentell  dieselben  Arten  darstellen. 


425  Centralblatt  ftr  Chirurgie.    No.  27. 

Bigelow  hat  nachgewiesen^  dato  der  bestimmende  Factor  für 
Stellung  des  Schenkels,  sowie  das  wesentliche  Repositionshindemiss 
im  Lig.  ileo-femorale  liegt.  Es  serreisst  so  selten,  dass  H.  die 
mit  Zerreissung  complicirten  Luxationen  als  »unregelmKssige«  den 
anderen  »regelmässigen«  gegenüberstellt.  Am  Sdliultergelenk  ist  das 
Lig.  coraco-hnmerale  von  analoger  Dignität,  auch  wie  jenes  yon 
verkehrt  Y-förmiger  Gestalt.  Die  Analogie  räumlicher  Verschiebung 
bei  Hüft'  und  Schultergelenkluxationen  wird  durch  einige  Differeneen 
im  Bau  der  Gelenke  beeinträchtigt:  sur  Bildung  der  Pfiinne  des 
Schultergelenks  concurriren  swei  Knochen  (os  coracoides  und  scapula) , 
bei  der  Hüfbe  tritt  zu  dem  den  genannten  entsprechenden  os  pubis  und 
08  ilei  noch  das  os  ischii  hinzu.  Es  kann  an  der  Schulter  der  Kopf 
beliebig  weit  nach  unten  und  vorn  medianwärts  ^rutschen,  an  der 
Hüfte  hemmt  der  ringsgeschlossene  Knochenrahmen.  An  der  Schulter 
aber  sind  wegen  des  Aeromialgewölbes  (Acromion  und  lig.  acroinio- 
coracoideum)  Luxationen  nach  oben  oder  oben  und  vom  unmöglich. 

Das  Schema  der  Luxationen  ist  demnach  folgendes: 

Schulter.  Hüfte. 

a.  Lux.  praeglenoidea     /  1  superior.  fehlt  ilio-pubica. 

(nach  vom)         \  2  inferior,    subcoracoidea  obturatoria. 

b.  Lux.  infraglenoidea       3.  axillaris  infracotjloidea. 

(nach  unten) 

c.  Lux.  retroglenoidei    (  4  inferior,    infraspinata     ischiadica. 

(nach  unten)        \  5  superior.  subacromialis  iliaca. 

d.  Lux.  supraglenoidea      6.  fehlt.  supracotyloidea. 

(nach  oben) 

Diese  Luxationen  haben  bei  unversehrtem  Y-Lig.  dieselben  Stel- 
lungen ;  Unregelmässigkeiten  sind  stets  dtirch  Zerreissungen  der  Ligg. 
bedingt. 

1.  Lux.  praeglenoidea  sup.  sive  ileo-pubica  (ohne 
Analogen  an  der  Schulter).  Drei  Varietäten^  je  nachdem  der  Kopf  am 
Schambein  Halt  machte  über  dasselbe  steigt  oder  nach  oben  und 
aussen  bis  unter  Spina  ant.  inf.  geht.  Bei  allen  ist  die  Kapsel  vom 
zerrissen^  lig.  ileo-femorale  geht  stark  gespannt  über  den  Schenkelhals. 
(Es  folgt  hier  ein  interessanter  Obductionsbericht.)  Von  Bigelow's 
sechs  Repositionsmethoden  hierfür  sind  einige  mechanisch  unausführbar, 
und  empfiehlt  Verf.  als  Nomialverfahren :  Zug  in  der.  gegebenen  Stel- 
lung (Extension  und  AuswärtsroUung);  Druck  auf  den  Schenkelkopf  von 
oben  her^  Flexion  zur  Ersehlafiung  des  lig.  ileo«-fem.  und  eventuell^ 
falls  der  Druck  auf  den  Kopf  nicht  zur  Beposition  genügt,  Rotation 
nach  innen. 

2.  Lux.  praeglenoidea  inf.  (obturatoria  an  der  Hüfte,  suboora* 
coidea  an  der  Schulter) .  Diese  haben  ihren  Kapselriss  am  unteren  vor** 
deren  Umfang  der  Kapsel;  obere  Kapselpartie  und  Ligament  sehr 
stark  gespannt.     Gegenüber  anderen  Ansichten  will  Verf.  diese  Lux. 


Gft&tralblatt  für  CUniigie.     No.  27.  427 

beeondera  von  der  Buheetellung  des  GliedeB  aus  'Au  Stande  kommeta 
lassen.  Scctionsbefunde  bei  Lux«  obtuiatoria  nur  nngpenügend ;  ex* 
perixn^itell  ist  Lux.  obtor.  herstellbar.  Es  lässt  sich  Lux.  pubica  ver« 
meiden^  wenn  die  vordere  Kapselwand  unzerrissen  bleibt,  die  iscihiadica; 
wenn  jede  EinwärtsroUung  vermieden  wird.  Normalreduction  besteht 
in  Flexion  bis  zum  rechten  Winkel,  Zug  und  starke  Auswärtsrollung. 
Bei  Lux.  subcoracoidea  beweisen  zahlreiche  Autopsieen  und  Präparate : 
Kapsekiss  am  vorderen,  unteren  Umfang,  bis  unter  musc.  subscapularis 
gehend,  dessen  untere  Fasern  eingerissen  sind,  bisweilen  Tuberc. 
majus  abgerissen;  vorderer  Schenkel  des  Lig.  coraco-humerale  straff 
gespannt  (bei  der  irregulären  Lux.  infraclavicularis  zerrissen).  Zur 
Normalreduction  wird  zuerst  Schinzinger's  Auswärtsrotation ,  dann 
Flexion  (Elevation  in  sagittaler  Richtung)  in  schwacher  Abdüction 
empfohlen ,  wonach  durdi  Einwärtsrollen  und  Strecken  die  Reposition 
erfolgt.  Durch  dies  Rotation  •'Flexiousmanöver,  das  von  mehreren 
Chirurgen  (besonders  Lücke)  lobend  anerkannt  wird^  sind  glückliche 
Repositionen  auch  alter  Lux.  bewirkt. 

3.  Lux.  infraglenoidea.  Bei  der  Lux.  infragl.  coxae  bald 
Em*,  bald  Auswärtsrollung,  steta  mit  starker  Flexion  wegen  Span- 
nung des  Lig.  —  Reposition  erfolgt  meist  durch  Zug  in  der  gege- 
benen Stellung.  Als  Methode  ist  zu  nennen:  starke  Flexion,  dann 
Zug  bei  Abdüction  und  etwas  Auswärtsrollung.  -^  Die  Lux.  axil- 
laris, nach  Malgaigne  so  selten,  soll  nach  Pitha's  irriger  Ansicht 
der  subooraooidea  nueist  vorausgehen.  Kapselriss  vom  unteren  Rande 
des  subscapularis  unten  herum  bis  zu  den  Teresmaskeln  laufend; 
Kapeel  meist  am  Kopfe  al^rissen ;  der  Kopf  dreht  sich  auf  der  kleinen 
Facies  subglenoidea  der  Scapula.  lig.  coraeo-humerale  stark  gespannt, 
bedingt  Abductionsstellung*  Reposition  durch  Elevaitom,  Zug  und 
Auswärtsrollung. 

4.  Lux.  retroglenoidea  inferior  umfasst  die  infraspinata 
und  ischiadica.  Bei  L.  ischiadica  Kapselriss  am  untern  Umfang, 
Flexion  und  Einwärtsrollung  ausgesprochener,  als  bei  der  iliaca.  Beson- 
ders innerer  Schenkel  des  Lig.  ileo-fem.  stark  gespannt,  Kapselwand, 
hinten  nicht  zerrissen»  hindert  das  Höhertieten  des  Kopfes.  Reposition 
durch  Einwärtsrollen,  Flexion  bis  zum  rechten  Winkel,  Zug  und 
Auswärtsrollen. 

Die  so  seltene  L.  infraspinata  ist  zu  reponiren  durch  Einwärts- 
rollen  des  Oberarms,  Abdüction,  Zug  in  dieser  Richtung  und  fol- 
gende Auswärtsrollung. 

5.  Lux.  retroglen.  superior;  iliaea  und  subacromialis.  Die 
L.  iliaca  ist  die  häuflgste  Hüflgelenkluxation.  Kapselriss  hinten; 
Kopf  tritt  über  den  Sehnen  der  m.  obturatc»rii  aus,  falls  diese  nioht 
mit  dar  unter  ihnen  liegenden  Kapsel  zeixissen  sind.  Lig.  ilio^fem. 
besonders  im  äusseren  Schenkel  gespannt.  Reposition  am  besten 
durch  starke  Einwärtsrotation  in  gegebener  Adductionsstellung  und 
Flexion,    Zug  in  dieser  Richtung  und  Flexion  bis  rechten  Winkd'^ 


428  Gentralblatt  fOr  Ckiruigie.    No.  27/ 

durch  Auewärtsrollung  und  Streckung  geht  dann  der  Kopf  in  die 
Pfanne.  —  Die  L.  subacromialis  ist  durch  kräftige  Einwftrtsrotation  in 
der  gegebenen  Flexionestellung ,  Zug  in  dieser  Richtung,  dann  Aua* 
wärtsrotation  und  Streckung  zu  reponiren. 

6.  Lux.  supraglenoidea^  nur  an  der  Coxa  beobachtet^  kann 
direct  entstehen  und  aus  der  iliaca  hervorgehen ;  die  genetischen  Mo- 
mente sind  dieselben  wie  bei  der  L.  iliaca^  nur  Auswärtsrotatiou  statt 
EinwärtsroUung.  Die  Repositionshindemisse  sind  bei  beiden  gleich  und 
in  derselben  Weise  zu  überwinden.  y.  Mosengeil  (Bonn). 


If*  Lefort.     Note  sur  mi  appareil  pour  la  fracture  transver- 
sale de  la  rotule. 

(Bulletin  g6n6ral  de  th^rapeutique  Yol.  LXXXVII.] 

L.'s  Vorrichtung  für  die  Patellafractur  ist  der  Trelat'scken  sehr 
ähnlich.  Zwei  Ghittaperchaplatten  werden  oberhalb  und  unterhalb  der 
Fragmente  nach  genügender  Erweichung  in  siedendem  Wasser  an- 
gepresst  und  mit  einer  nassen  Binde  fixirt.  Sind  die  Platten  voll- 
ständig erhärtet,  und  nach  Abnahme  der  Bindentouren  mittelst  Heft- 
pflasterstreifen  befestigt^  dann  werden  die  beiden  zugekehrten  Bänder 
mit  starken  Kleiderhaften  versehen.  Es  geschieht  dies  sehr  leidit^ 
indem  man  die  an  einer  Kerzenflamme  heissgemachte  Haft  in  das 
Guttapercha  mit  Pincetten  zur  Hälfte  hereinstösst.  Wenn  die  Garni- 
tur beider  Bänder  vollständig  ist,  so  spannt  man  zwischen  den  Haf- 
ten einen  starken  Kautschuckfaden,  der  abwechselnd  von  einer  Platte 
zur  anderen  geht,  bis  alle  Haften  gegen  einander  angezogen  werden. 

Ohne   diesen  Verband  ganz  besondere  Vorzüge  zuschreiben  zu 

wollen^    hebt  L.   dessen  Einfachheit   und  leichte  Anlegung  hervor. 

I>ie  Fälle  von  Patellufractur,  die  er  damit  behandelte,  sind  auch  mit 

verhältnissmässig  geringer  Zwischenmasse  geheilt. 

Girard  (Strassbuig  i/E.). 

H.  Thompson«    Hundert  Steinoperationen. 

(The  Lancet  1875.  Vol.  I.  p.  466.) 

Mit  Bücksicht  auf  die  vielfach  citirte  Statistik  Marti neau 's  (Nor- 
wich),  welcher  von  1804—20  unter  84  Steinschnitten  nur  2  Todesfälle 
beklagte,  giebt  Th.  eine  Serie  von  100  Operationen^  welche  ohne 
Auswahl  die  Fälle  von  Weihnachten  1872  bis  heute  umfassen.  Er 
betont,  dass  seine  Statistik  mitderMartineau's  nicht  gut  vergleichbar 
sei^  weil  der  Steinschnitt  im  Kindesalter  und  dem  guten  Mannesalter 
günstig  verlaufe  und  Martineau's  Operationsreihe  allein  34  Fälle  unter 
15  Jahren,  24  zwischen  50  und  60  Jahren  und  nur  12  über  60  Jahren 
begreife.  Er  berichtet,  dass  unter  seinen  100  Operirten,  unter  wel- 
chen sich  4  Frauen  finden,  nur  4  ein  Alter  unter  50  Jahren,  65 
aber  über  60  Jahren  hatten.     Von  den  96  Männern  wurde  bei  9  der 


Centiclblatt  far  Chintxgie.    No.  27.  42t 

Steinschnitt  gemacht,  davon  starben  2,  ein  61  und  63jähriger 
Mann  (die  anderen  standen  im  Alter  ron  36 ,  59  [2],  70  ^  75  und 
79  Jahren).  Bei  den  übrigen  87  wurde  die  Steinzertrümmerung  ge- 
macht^ 4  starben  im  Alter  von  61^  65,  66  und  81  Jahren. 

Einmal  hatte  Th.  das  Glück  unter  51  nach  einander  Operirten 
keinen  Todes&U  zu  sehen. 

(Wenn  Th.  auch  von  einem  Vergleich  beider  Statistiken  abstehen 
will,  so  fuhrt  er  ihn  dennoch,  um  seine  geringe  Mortalitätsziffer  in 
das  rechte  licht  zu  setzen,  selbst  durch,  ohne  dass  Lithotomie  und 
Lithotripsie  als  gleich'werthige  Eingriffe  angesehen  werden  können. 
Ref.)  Pill  (Stettin). 

F.  W.  Zahn,     lieber  Frfiputialsteine. 

(Virch.  ArchW  Bd.  LXII.  p.  464.) 
Ein  52jähr.  Bauer  litt  bei  angeborener  Phimose  an  einer  derartigen 
Anhäufung  von  14  Präputialst^en,  dass  der  Urin  nur  mit  äusserster 
Schwierigkeit  entleert  werden  konnte.  Es  entstand  Cystitis  und  Nieren- 
erkrankung und  der  Tod  trat  unter  urämischen  Erscheinungen  ein. 
Die  chemische  Untersuchung  der  28,5  Gr.  wi^enden  Steine  ergab  als 
Hauptbßstandtheile  hamsaure  Alkalien,  phosphorsauren  Kalk  und 
phosphorsaure  Ammoniakmagnesia.  Ihrer  Natur  nach  sind  die  Prä- 
putialconcretionen  in  zwei  Categorien  zu  theilen,  wirkliche  Steine 
(wie  die  obigen) ,  und  einfache  Incrustationen  des  eingedickten 
Smegma.  Die  letzteren  aus  Epithelien,  Cholestearin  und  Kalk  be- 
stehend sind  ihrer  Entstehung  nach  leicht  erklärt.  Gegen  die  Ansieht, 
als  gäbe  für  die  echten  Steine  etwa  aua  den  Hamwegen  gekommener 
Hamgries  den  Kern  ab ,  spricht  die  Thatsache ,  dass  diese  bereits  bei 
Kindern  und  zwar  in  den  ersten  Lebensjahren  beobachtet  werden. 
Vielmehr  scheinen  die  beim  Fötus  und  Neugeborenen  in  der  die  Vor- 
haut und  Eichel  verbindenden  Epithellage  mehr  oder  minder  zahlreich 
und  gross  sich  findenden  Epithelperl^  zur  Bildung  dieser  Präputial- 
steine Veranlassung  geben  zu  können,  indem  sie  bei  verengter  IVä- 
putialöfihung  sich  gleich  Fremdkörpern  verhalten  und  mit  Hamsalzen 
incrustiren.  Madelimg  (Bonn). 

Kleinere  Mittheilungen. 

Clemens.     Ueber  Hauttransplantationen. 

(Berl.  kliniflche  Wochenschrift  1875.  No.  18.) 

Ein  20jähr.  Midchen  fiel  in  einen  Maiachbottig ,  in  dewen  73— 740R.  heissen 
Maische  es  vollstftndig  untertauchte.  Der  untere  Theil  des  Körpen  gerieht  unter 
den  800  R.  heiaaen  Strom  sufliessenden  Waasers.'  Drei  Viertheile  der  Körperober- 
fläehe  waren  Terbraht,  an  den  Beinen,  die  ihrer  Eptdermis  TöUig  beraubt,  war  die 
Siterung  enorm.  Troti  7  Wochen  lang  dauernder  starker  Eiterung  keine  Albu-* 
mtnurie.  Prof.  Ried  machte  die  ersten  Hauttransplantationen;  diese  Hautatflckchea 
wurden  aber«  wie  auch  die  danach  luerst  von  Cl.  selbst  angelegten  durch  die  Eiterung 
weggeschwemmt.  Cl.  bestrich  nun  die  Wundfläche  an  den  Beinen  mit  Sol.  arg.  nit. 
1  :  30  und  pflanste  danach  zuerst  15  HautstQckchen  mit  Erfolg  auf,  spAter  noch 


4S0  Centxalblatt  Mr  Chinugie.    No.  27. 

abw  hundert.  Er  tntnftkm  die  Hautaiacke  tmi  aaderea  Pecaoneii  dvmk  AV- 
•chneiden  mit  troekenem  oder  mit  WiMser  oder  Oe\  bestrichenem  Meeaer.  Die  nüt 
befeuchtetem  Messer  abgeschnittenen  wölbten  sich  durch  Aufnahme  des  Waisexa. 
Am  besten  heilten  mögUchst  dflnne,  mit  trockenem  Messer  geschnittene  an,  be- 
sonders, wenn  der  Transplantationsgrund  erst  mit  Leinwand  abgetupft  worden ;  war 
er  lu  fefcht,  so  wölbten  sioh  auch  hier  die  HaulstAckchen.  lieber  der  Tihia  legte 
Cl.  die  Hautstückchen  so  dicht,  dass  sie  sich  berOhrtan«  -*  Im  prolonghten  oder 
permanenten  Wasserbad  starben  Hautstücke,  die  erst  3 — i  Tage  lagen,  ab ;  lagen  sie 
schon  8  Tage,  so  blieben  sie  zwar  meist  haften,  aber  blieben  in  der  £ntwickelang 
zurück  und  producirten  Tiel  Epidermisschuppen ,  ähnlich  der  Hautschmiere  der 
Neageboreaen.  BchUesslich  theilt  Verf.  noch  einen  Fall  von  Aaheilung  eines 
tVsCm.  langen,  £s8t  1  Qn.  breiten  Stüpkes  Haut  mit  Nagielpartw  von  der  Finger^ 
spitze  mit.         ,   ,  ?•  Mosengell  (Bonn). 

G.  Laurent.     Aneurysmen  als  Complication  von  Fracturen. 

rni^e,  Paris,  1875.) 

Diese  61  Seiten  starke  Tliese,  deren  Hauptwerdi  in  den  litterarisehen  Er- 
bebnngstt  liegt  -^  einige  neuere  Fälle  sind  übersehen  —  handelt  auf  Grundlage 
von  27  Beobachtungen  über  die  Aneurysmen}  welche  durch  Fracturen  einschliessUch 
der  Schusstracturen  heryorgerufen  wurden  und  von  denen  allein  17  den  Unter- 
schenkel betreffen.  Nach  Berücksichtigung  der  über  diesen  Gegenstand  vorUegenden 
Arbeiten ,  führt  Verf.  sämmtKche  Fälle  mehr  oder  minder  ausführKch  an ,  schUesst 
daran  die  nichts  Neues  bietende  Aetiolog^e,  Symptomatologie  und  Diagnostik 
(6  mal  wurde  das  Aneurysma  für. einen  Abscess  gehalten  und  pqaotirt>,  und  be- 
stätigt die  unter  diesen  Verhältnissen  langsamere  Consolidation  der  Fractnr.  Im 
Capitel  Therapie  werden  die  einzelnen  Behandlungsmethoden  besprochen ,  die  früher 
beliebte  Amputation  verworfen ,  in  erster  (f)  Reihe  die  Ligatur  des  Hauptstammes, 
in  zweiter  die  Digitalcompression  desselben  empfohlen.  Pili  (Stettin). 

Jonrdsn.   Etude  aur  le  chlonJ  dans  le  t^tanos. 

(Ihkm,  Pam,  1S74.) 

Miquel«    Du  chloral  et  de  son  emploi  apr^s  les  Operations  chirui^* 

cales. 

(Th^,  Paris,  1874.) 

Jourdan  verlheidigt  die  Ghloralbehandiung  bei  Tetanus;  er  führt  einige  neue 
Fälle  von  Heilung  unter  Anwendung  dieser  Behandlungsweise  an.  Man  soll  nur 
so  früh  wie  möglich  und  gleich  mit  hohen  (8 — 12  Gr.)  Dosen  beginnen.  Ambesten 
wäre  es,  wenn  man  das  Chloralhydrat  schon  während  des  tob  Blair  herrorgehobe- 
nen  PnMbromalstadinBn  des  Tetanus  darreichen  könnte.  Verf.  schliessl  mH  eiaet 
Verurtheilung  der  Or6'schen  intravenösen  Chloralinjection. 

Die  zweite  Dissertation  enthält  nur  Bekanntes.        Girard  (Strassburg  i/E.). 

Ck>nrad«    Zur  Aetiologie  der  Goxtgemtalen  Gelenkdiffonnitäteu. 

(Oorrespondenxbiatt  f.  schweis.  Aemte  1875.  No.  6.) 

VerL  beobachtete  3  Frauen,  welche  während  ilurer  Sohwangersohaft  einen  ab- 
Borssen  Wssserabfluss  aus  den  Genitalien  gefolgt  von  wehenartigen  Scbmecsen 
hatten.  Darauf  Abnahme  der  Kindesbewegnngen ,  geringe  Ausdeluuiag  des  Untef-> 
leibes*  Bei  der  Geburt  fehlte  des  Naohweiiser  gfinsiieb ,  das  Vonrasser  war  in  avei 
Fällen  sehr  spirlieh,  ein  Msl  gar  niohi  TocbandeiL  Die  gebonnen  Kinder  knnen 
alle  i  Mk  lUunipfÜlssen ,  das  eine  mit  einer  Kiumphand  zur  Welt.  Vf.  ist  geneigl 
ebige  eongenitale  DtfformitMen  weU  nicht  diieet  mit  der  Raumbesehtänkung  dnesk 
Wasserabftnss,  vieUeieht  aber  mit  spastischen  Oontractionen  des  Uterus  in  Zu- 
sammenhaag zu  bringen.  Gimrd  (Bern). 


0«ütmlblatt  fOr  Chkuigie.    No.  27.  431 

L«  JMm&gMi.    EiB  FaU  von  Diphtherie  der  Impfvrunden^  ftllgemeiiie 

Diphtherie,  Tod,  etc. 
(Virch.  Archiv  Bd.  LXIII.  p.  178.) 
Bei  einem  4  Monate  alten  gesunden  Kind  entwickelte  sich  am  13.  Tag  nach 
der  Impfung  in  der  Umgebung  der  VaccinationssteUe  eine  erysipelatdse  Schwellung, 
dann  trat  ödemati^ae  Anschwellung  dea  ganxea  Kdrpers  und  hoehgradigor  loCecna 
ein.  Petechien  yon  Flohstich  bis  Linsengrdsse.  Am  12.  Tag  djBPr  Krankheit  Tod. 
Der  Sectionsbefund  ergab  die  Veränderungen,  die  bei  an  allgemeiner  Diphtherie 
gestorbenen  Kindern  gefunden  werden.  L.  hat  gefunden,  dass  Vaecine,  welche 
durch  Diphtherieorganismen  inficirt  wird,  keine  Vaocinepusteln  su  erzeugen  im  Stande 
ist  und  dass  so  inficirte  Lymphe  nach  der  Impfung  looale  und  mit  Schnelligkeit 
auch  allgemeine  Diphtherie  hervorbringt.  Da  in  dem  erw&hnten  Fall  sur  richtigen 
Zeit  in  normaler  Weise  Impfpusteln  auftraten ,  so  muss  die  lur  Impfung  verwaadt« 
Lymphe  nicht  inficirt  gewesen  sein  und  die  locale  Diphtherie  der  Impfwunden  mit  nach- 
folgender allgemeiner  Diphtherie  somit  ala  ein  secundftrer  Frocess  aufgefaset  werden« 

Madeliug  [Bonn). 
H.  Knapp.     Tumors  of  the  optic  nerys;  removal  of  tumor  whithout 

removal  of  eye  ball. 
(New  York  med.  Journal  1S75.  Bd.  KXI.  Hft.  3.  p.  283.) 
Bei  einer  Frau ,  die  an  heftigen  periodisehen  Sohmersen  in  der  OMta  «nd  der 
einen  Seite  dea  Kopfes  litt,  war  seit  3  Jahren  Nemo-Betiaitia  oanstalSrt,  Jod- 
kalinm  und  QuecksUber  ohne  Erfolg  gegeben.  Dann  wurde  cäne  Oesehwulst  an 
der  inneren  Seite  des  Auges  erkannt,  die  sich  mit  dea  Augapfel  bewegte.  Mit 
der  Soheere  wurde  die  Conjunctiya  eingeachnitten  und  awlsehen  die  mm.  tecti  ein*^^ 
gedrungen.  Finger  und  Soheere  lösten  die  Gesehwulst,  die  bis  a«m  foramen  op*-* 
tkam  reiohte,  aas  ihrem  Zusammenhang  mii  dem  aervus  optkns,  S.ein  Muskel 
wurde  Terletst  und  die  Geschwulst,  die  ein  Drittel  grösser  war  ak  ein  Auge,  ent* 
lernt  Heilung  ohne  jede  Eiterung;.  Die  innere  H&lfte  dev  Conjunotiva  blieb  ge« 
fuhlloa.  Das  Auge  selbst  funetionirte  weiter  durohaua  normal.  Die  OeechwuIU 
war  careinomatös ,  ohne  eigene  Scheide  und  umgriff  dea  nerrus  optiotts. 

Kadalug  (Soan). 

Fuok.    Ajigeborene  Trennung  der  Speiseröhre. 

(The  Botton  med.  and  sorg.  Journal  1875.  pi.  449.) 

Sia  anscheinend  nonnaler  neugeborener  Knabe  tchlen  bald  nach  der  Geburt 
yiel  SoMekn  in  dea  Lungen  »i  haben ,  und  seigte  nack  einer  halben  Stunde  Ueiehe 
Hautfarbe  mit  auaeetaender  Atbnuag;  auf  Kitseln  des  Bacheas  wurde  etwas  Schleim 
entleort;  der  darauf  gereichte  Vlo.  ipecacuanae  blieb  ohne  WiriLung,  gleichwohl  war 
ia  der  Nacht  die  A^dunung  besser.  Am  folgandea  Tage  arbiaok  das  Kind  riel 
Sshieiaa ,  die  niehstsn  2  Tage  alles  Genossene ;  die  Untersaehuag  eigab  nur  Schleim- 
lasseln  in  den  Langen.  Am  6i.  Tage  erfolgte  Erbrechen  blutiger  Massen,  daan 
ein  sich  bessernder  asphyktischer  Anfall;  nachdem  vorher  weiteres  blutiges  Ei^ 
bvecben  eiagetreten  war,  starb  das  JBLind  erschöpft  am  7.  Tage. 

Bai  der  Section  fand  man  den  Pharynx  und  das  obere  Ende  der  Speiseröhre 
in  einen  Blindsack  ausgehen  in  der  Höhe  der  Theüungsstelle  der  Luftröhre ;  direct 
darunter  lag  das  freie,  durch  einen  Sohliessmuskel  umgebene,  enge  Luaen  dev 
Speiseröhre,  angelöthet  an  die  Luftröhre;  es  bestand  durchaus  keine  Verbindung 
der  beiden  Theile  der  Speiseröhre.  Der  Ductus  arter.  Bolalfi  war  aueserordentlicft 
erweitert»  der  eigentliche  Bogen  so  klein,  dass  die  pars  thorac.  desc.  Aortae  als 
direete  Fortsetauag  des  belb.  Aortae  ersehien.  Die  unteren  Theile  beider  Lungen 
sehr  ausgedehnt,  waren  dunkelroth,  ohne  Luftgehalt ,  und  hatten  das  Aussehen  (?) 
hftmorrhagiseher  lalarcte.  Uebar  Aussehen  und  inhah  des  Magens  und  Darms  ist 
nichts  gesagt.  Pila  (Stettin). 

F.  Baohelder.    Mamillitifl. 

(The  Boston  med.  and  suig.  Journal  1875  p.  437.) 
Bei   wunden  Brustwarzen  empfiehlt  B.   folgendes  Verfahren,   das  ihm  gute 
Dienste  geleistet  haben  soll.    Da  beim  jedesmaligen  Saugen  des  Kindes  die  Warse 


432  Centralblatt  für  Chiruigie.    No.  27. 

an  der  Fissuntelle  wieder  abgehoben  und  die  beginnende  Vereinigung  hierdurch 
immer  wieder  gestört  wird ,  so  fixirt  B.  die  seitlich  abgezogene  Brustwane  in  dieser 
schrftgen  Stellung  durch  Heftpflasterstreifen  und  behandelt  die  dauernd  offen  gelegte 
Fissur  mit  Höllensteinlösung ;  nach  jedem  Säugen  muss  die  Fixation  erneut  werden. 
Die  Heilung  soll  schnell  eintreten.  PUl  (Stettin). 

P.  Teale.     Exploration  der  Bauchhöhle  behufs  Aufsuchung  des  un- 
bekannten Sitzes  von  Darmyerschlässen. 
(The  Lancet  1875.    Vol.  I.  p.  369.) 
Während  bisher  die  Eröffnung  der  Bauchhöhle  nur  selten  gemacht  ist ,  um  den 
unbekannten  Sitz  und  die  Art  des  Darmverschlusses  zu  erforschen  und  sich  über 
die  zweckmässigste  Art  der  Darmeröffnung   (in  der  Weiche  oder  Lende)   zu  ent- 
scheiden, so  hofft  T.,  nachdem  in  den  letzten  Jahren  die  Scheu  vor  Eröffnung  des 
Peritonealsacks  sich  gemindert,   und  Hutchinson  diesen  Weg  erfolgreich  ein- 
geschlagen habe,  dass  in  Zukunft  häufiger  ein  ezplorativer  Bauchschnitt  gemacht 
werde.     Zum  weiteren  Belege  giebt  er  folgende  3  Beobachtungen,  von  denen  die 
erste  bedeutungsvoller  ist. 

1)  Ein  40jähr.  Mann  klagte  viel  über  Kreuzsohmerzen,  über  Abgang  von 
Schleim  und  Blut,  in  den  spärlichen,  schmal  geformten  Fäces ;  diese  beiden  wurden 
durch  diätische  und  medicamentöse  Verordnungen  gebessert.  8  Monate  später  trat 
plötzlich  wirklicher  Darmverschluss  auf,  welcher  weder  durch  Abführmittel  noch 
durch  Injectionen  gehoben  wurde.  Da  4  Wochen  nach  Beginn  dieses  Zustandea 
die  heftigsten  Schmerzen  neben  zeitweisen  Delirien  bei  höchstem  Verfall  der  Kräfte 
einsetzten ,  so  machte  T.  in  der  Narkose  die  Eröffnung  des  Abdomens  in  der  linea 
alba.  Dem  sehr  ausgedehnten  Colon  transversum  sich  entlang  tastend,  fühlte  er 
am  vorderen  Theile  des  Darmbeinkammes  einen  wallnussgrossen ,  der  Darmwand 
fest  ansitzenden  Tumor,  der  den  Darm  geknickt  hatte;  die  Explorationswunde 
wurde  provisorisch  geschlossen  und  die  Colotomie  gemacht ;  es  entleerten  sich  ausser 
Flatus  reichliche ,  halbilüssige  Massen ;  jetzt  bei  verminderter  Spannung  konnte  die 
genaue  Vereinigung  der  Bauchwunde  in  der  Mittellinie  geschehen.  Die  ersten  zwei 
Tage  passirten  die  Fäces  den  künstlichen  After ,  seit  dem  3.  Tage  den  natürlichen, 
späterhin  vorzugsweise  den  künstlichen  After.  Fat.  erholte  sich  nach  der  Ope- 
ration schnell  und  zeigte  wahren  Heisshunger;  während  des  Aufenüialts  im-  Hos- 
pitale konnte  ein  Wachsthum  der  Geschwulst  constatirt  werden.  Nach  Vs  J^^hre 
sieht  Fat.  noch  wohl  aus ,  der  Tumor  hat  aber  bedeutend  an  Grösse  zugenommen 
und  heftige  Schmerzen  erfolgen  beim  Durdigange  der  Fäces  durch  das  Rectum. 

2)  Im  2.  Falle  erfolgte  am  4.  Tage  nach  der  Ovariotomie  plötzliches  Sinken 
der  Kräfte  bei  kleinem  Pulse,  Auftreibung  des  Leibes  ohne  Abgang  von  Flatus. 
Die  Bauchwunde  wurde  wieder  eröffiiet.  Verklebung  der  Därme,  Vs  Unze  röth- 
lichen  Serums  wird  entleert;  Function  der  aufgeblähten  Därme;  obwohl  sich  Fat. 
nach  diesem  Eingriffe  sichtlich  erholt ,  tritt  dennoch  am  2.  Tage  durch  Erschöpfung 
der  Tod  ein» 

3)  Im  3.  Falle  klagte  ein  60jähr.  Mann  plötzlich  über  heftigen  Schmerz  in  der 
fosaa  iliaca  dextr.,  es  erschien  bald  Erbrechen ,  Tympanitis ,  CoUaps  und  eine  ver- 
dächtige Dämpfung  in  der  Goecalgegend.  Da  der  Mann  vor  o^ehreren  Jahren  einen 
rechtseitigen  Leistenbruch  gehabt  haben  will,  der  seit  3  —  4  Jahren  nicht  mehr 
zum  Vorschein  kam,  so  wurde  am  3.  Tage  der  Erkrankung  bei  zunehmendem  Verfall 
der  Kräfte  der  rechte  Leistenkanal  eröffnet ;  hier  bestand  Eiterung  des  alten  Sackes 
ohne  Communication  mit  der  Bauchhöhle.  Nachdem  am  inneren  Leistenringe 
adhärenter  Darm  gelöst  war,  quoll  eine  Unze  stinkenden  jauchigen  Eiters  hervor, 
welcher  herstammte  von  einer  Ferforationstelle  des  Coecums,  in  die  sich  bequem 
ein  Finger  einführen  liess;  binnen  Kurzem  trat  tödtlicher  Ausgang  ein. 
Füi  (Stettin). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Septratabdrücka  wolle 
man  an  Dr.  H,  TUtmofinf,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlong, 
BreUkopf  und  HärUl,  einsenden. 

Orack  und  Verlag  von  Breitkopf  and  Hirtol  in  Lelpitig. 


Gentralblatt 


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herauBgegeben 

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Dr.  L.  Lesser,  Dr.  ft  Mele,  Dr.  E  Tilliuiiis 

in  Berlin.  in  HaÜA  n.  8.  in  Leipxig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Freit  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbj&hriger  Prä- 
numeration.    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

NE:  28.  Sonnabend,  den  10.  JnU.  1875. 


InluÜt;  Tlllnaint,  Ein  Wort  zur  Lister'schen  Wundbehandluogsmethode.  (Original- 
Mittheilung.) 

Flelwr,  Chirurgische  Erfahr angen.  —  Rabuteau,  Bromoform  als  Anästheticum.  — 
Toriilon,  Studien  aber  Darmelnklemmung.  —  Dletl,  TheilungSTorgänge  an  Nervenzellen.  — 
K^laczeky  Beiträge  zur  Oeschwulstlehre.  —  Battig,  Galyauocaustische  Behandlung  der 
Angiome.  —  Jamet ,  Behandlung  der  Acne  und  des  Cancroids.  —  Buraw ,  Laryngologische 
Hitthellungen.  —  Servier,  Behandlung  der  Clavicularfracturen.  —  Dubreuil ,  Fes  varus.  — 
Vereeull  ^  Unclpressur. 

Ketll,  Fractur  des  Felsenbeins.  —  Stekee,  Tumor.  —  Hutchleten,  Gommotio  cerebri.  — 
L6w,  Gomplicirter  Schädelbruch.  —  Porter,  Resection  des  Schultergelenks.  —  Dlmarquay, 
NeuTom  der  Achselhohle.  —  Ohiemann ,  Luxation  des  unteren  Endes  der  Ulna.  —  Anger, 
Luxation  des  Astragalus.  —  Fagan,  Amputation  nach  Syme.  —  Bennett,  Eingeklemmte 
Schenkelhernie.  —  GuSSenbauer,  Harnblasenmyom. 

Ein  Wort  zur  Lister'schen  Wundbehandlungsmethode. 

Von 

H.  Tillmanns, 

Privatdocent  für  Chirurgie  an  der  Universität  Leipsig. 
(Vortrag  gehalten  in  der  med.  Gesellschaft  zu  Leipzig.) 

Als  im  Juni  dieses  Jahres  der  Erfinder  der  antiseptischen  Wund- 
behandlungsmethode den  chirurgischen  Kliniken  in  Leipzig  und  Halle 
seinen  Besuch  abstattete  ^  überzeugte  sich  derselbe  in  den  genannten 
klinischen  Instituten  mit  grosser  Freude  von  der  strengen  und  erfolg- 
reichen Anwendung  des  antiseptic  treatment.  Bei  dieser  Gelegenheit 
demonstrirte  Herr  Prof.  Yolkmann  in  seiner  Klinik  in  Gegenwart 
List  er 's  und  zahlreicher  auswärtiger  Gäste  eine  grosse  Zahl  operativer 
Fälle^  die  als  Belege  für  die  Wirkung  und  die  Technik  des  antiseptischen 
Verbandes  dienen  sollten.  Als  Einleitung  zu  dieser  klinischen  Demon- 
stration gab  Volkmann  einige  kurze  statistische  Angaben^  welche 
einerseits  ein  beredtes  Zeugniss  ablegten  für  das  überaus  reichhaltige 

28 


434  Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  28. 

chiruigische  Material  der  Hallenser  Klinik^  andererseits  aber ^ auch 
nicht  minder  bewiesen,  welche  auffallenden  Erfolge  man  durch 
strengste  Durchführung  des  antiseptischen  Verfahrens  erreichen  kann. 
Die  Yon  Yolkmann  damals  mitgetheilten  statistischen  Angaben  hier 
kurz  zu  reproduciren«  schien  mir  deshalb  um  so  mehr  gerathen,  als 
leider  auch  in  Deutschland  namhafteste  Chirurgen  dem  Li  st  er 'sehen 
Verfahren  noch  nicht  die  verdiente  Anerkennung  zollen^  nicht  zu 
erwähnen^  wie  viele  noch  indifferent,  ja  direct  negirend  der  doch  so 
wichtigen  Frage  gegenüberstehen.  —  Der  Güte  des  Herrn  Prof.  Volk- 
mann  und  der  freundlichen  Unterstützung  des  Herrn  Dr.  Ranke 
verdanke  ich  die  statistischen  Angaben  sowie  detaillirtere  Notizen  über 
jene  Fälle  ^  welche  ich  bei  der  oben  erwähnten  klinischen  Demonstra- 
tion gesehen. 

Wie  die  unten  mitzutheilenden  statistischen  Angaben  aus.  den 
Jahren  1874  und  1875  ergeben^  hat  Volkmann  durch  die  antiseptische 
Wundbehandlung  Resultate  erzielt ,  welche  zu  den  besten  gehören, 
die  bis  jetzt  bekannt  sein  dürften,  Resultate,  welche  wohl  auch 
den  Gegnern  des  antiseptic  treatment  das  Geständniss  abnöthigen, 
dass  solche  Erfolge  unter  Anwendung  der  früher  allgemein  üblichen 
Wundbehandlungsmethoden  bisher  nicht  beobachtet  wurden.  Mit 
diesem  Zugeständniss  ist  für  die  Anerkennung,  für  die  Verbreitung 
des  Lister'schen  Princips  schon  viel,  wenn  auch  nicht  Alles  ge* 
Wonnen.  —  Zu  diesen  überaus  befriedigenden  Erfolgen,  welche 
Volkmann  und  mit  ihm  andere  hervorragende  Vertreter  der  antisepti- 
schen Methode,  wie  Thiersch,  Bardeleben  u.  A.  erreichten,  kommt 
noch  die  nicht  minder  wichtige  Thatsacbe,  dass,  wie  uns  versichert 
wurde,  seit  2  Jahren  in  der  Halle'schen  Klinik  keine  im  Hause 
entstandene  Pyämie  vorgekommen  ist,  weder  Pyaemia  simplex  noch 
multiplex.  —  Bevor  ich  die  statistischen  Angaben  aus  der  Hallenser 
Klinik  mittheile  und  über  die  von  mir  und  anderen  Fachgenossen 
gesehenen  Fälle  berichte ,  sei  es  mir  gestattet,  mit  ein  paar  Worten  kurz 
die  Technik  des  von  Prof.  Volkmann  geübten  antiseptischen  Verfah- 
rens hervorzuheben.  Derselbe  hält  sich  zunächst  noch  genau  an  die  von 
Lister  gegebenen  Vorschriften.  Ausser  dem  typischen  Lister-Verband 
kommt  auch  bei  leichteren  Verletzungen  der  Thiersch'sche  Salicyl- 
verband  zur  Anwendung.  Besonders  aber  wird  die  Salicylwatte  als 
zweckmässige  Verstärkung  des  typischen  Lister-Verbandes  sehr  häufig 
angewandt,  um  an  gewissen  Körperstellen,  wo  dies  sonst  auf  grosse 
Schwierigkeiten  stösst,  ja  in  einzelnen  Fällen  fieist  unmöglich  sein 
würde,  vollständigen  Luftabschluss  zu  bewirken,  so  bei  Ope- 
rationen an  der  Mamma,  in  der  Achselhöhle,  am  Hals,  in  der  Sero- 
tal-  und  Inguinalgegend  u.  s.  w.  Ich  sage  absichtlich  »vollständigen 
Luftabschluss«,  weil  Volkmann  im  Gegensatz  zu  Li  st  er  der  An- 
sicht ist,  dass  in  der  That  durch  den  Verband  ein  vollständiger  Luft- 
abschluss der  Wunde  effectuirt  werden  muss,  wenn  grosse  und  absolut 
sichere  Resultate  erzielt  werden  sollen,  dass  somit  ein  wirklicher 
Occlusiv- Verband  hergestellt  wird.     Wie  die  Salicylwatte  so  wird  in 


Cantralblatt  fOr  Chirurgie.     No.  28.  435 

der  allerneuesten  Zeit  auch  die  Benzoewatte  (4^  und  10  bis  U  ^) 
zur  Yerstäikuxig  des  antiseptischen  Verbandes  oder  zur  Ausfüllung  yon 
Lücken,  Ungleichmässigkeiten  der  Körperoberfläche  etc.  benutzt. 

Sodann  möchte  ich  noch  ein  Moment  bezüglich  der  Technik  des  in 
der  Halle'schen  Klinik  angewandten  Lister 'sehen  Verfahrens  ganz  be* 
sonders  betonen,  das  ist  die  methodische  Compression  bei  der 
Anlegung  des  Verbandes,  ein  Moment,  auf  welches  Volkmann  unter 
besonders  sorgfaltiger  Ausbildung  der  Drainage  mit  Recht  ein  grosses 
Gewicht  legt.  Durch  die  methodisch  und  kunstgerecht  ausgeführte 
Compression  wird  nach  meiner  Ansicht  die  primäre  Verklebung  der 
Weichtheile  wesentlich  begünstigt  und  so  erkläre  ich  mir  die  über- 
raschenden Heilungen  per  primam,  welche  Volkmann  bei  grossen 
Lappenwunden  z.  B.  nach  Oeschwulstexstirpationen,  nach  Ausräumung 
der  Achselhöhle  bei  Amputation  der  Mamma,  überhaupt  bei  Amputar 
tionen  an  den  Extremitäten  etc.  erzielt.  Bekanntlich  befindet  sich 
Volkmann  hier  im  Widerspruch  mit  Lister.  Letzterer  wendet 
durchaus  keinen  Druck  bei  der  Anlegung  seines  Verbandes  an,  um 
nicht  den  Abfluss  der  Wundsecrete  zu  verliindem.  Wohl  ist  es  richtig, 
dass  die  Compression,  wenn  sie  von  ungeübten  Händen  gedankenlos 
gemacht  wird,  ihre  grossen  Gefahren  hat,  aber  in  der  Hallenser  Klinik 
ist,  wie  uns  ernstlichst  versichert  wurde,  nie  ein  Nachtheil  Ton  der- 
selben  beobachtet  worden^  im  Gegentheil,  sie  ist  ein  wichtiger^  unter- 
stützender Factor  bei  der  Heilung  per  primam  unter  dem  antisepti- 
schen Verbände  geworden. 

Diese  wenigen  Worte  mögen  genügen,  um  so  mehr»  als  Volk- 
mann*)  ja  in  jüngster  Zeit  seine  Ansichten  über  den  »Lister 'sehen 
Occlusiv- Verband«  eingehend  dargelegt  hat.  ^ —  Doch  zur  Sache  1 

Die  hier  mitgetheilte  statistische  Uebersicht  über  die  in  den  Jahren 
1874  und  1675  in  der  Hallenser  Klinik  behandelten  traumatischen  und 
operativen  Fälle  bezieht  sich  nur  auf  die  in  der  genannten  Zeit*  Tor- 
gekommenen  Amputationen,  Besectionen  und  Osteotomieen. 
Ausserdem  geben  wir  eine  totale  Statistik  sämmtlicher  nach  Lister 
conservativ  behandelter  complicirter  Fracturen  für  die  ganze 
Zeit  seit  der  Anwendung  der  antiseptischen  Methode.  Bezüglich  der 
Operationen  aus  dem  Jahre  1873  muss  auf  das  bereits  oben  erwähnte 
Werk  Volkmann 's  (Heiträge  zur  Chirurgie)  hingewiesen  werden. 

L    Complicirte  Fracturen. 

Die  Zahl  der  conservativ  und  stets  nach  den  Principien  der 
antiseptischen  Methode  behandelten  complicirten  Fracturen  be- 
trägt 44  und  wurden  sämmtlich  geheilt  (im  Jahre  1873  17;  1874 
20;  1875  bis  jetzt  7).  Diese  44  complicirten  Fracturen  vertheüen 
sich  folgendermassen  auf  die  verschiedenen  Körpergegenden:  Hume- 
rus  3 ;  Vorderarm  und  Ellbogengelenk  1 1 ;  Femur  1 ;  Kniegelenk  3 ; 
Unterschenkel  2^;  Fibula  3;  Fussgelenk  1. 


*)  R.Volk  mann,  Beiträge  sur  Chirurgie.    Iieip2ig  1875.    Breitkopf  &  Härtel. 

28» 


436  Centralblatt  fQr  Chiiurgie.   Ko.  28. 

U.   Amputationen. 

Im  Jahre  1875  wurden  von  Prof.  Volkmann  bis  jetzt  27  Ampu- 
tationen ohne  einen  einzigen  Todesfall  ausgeführt^  darunter 
6  Oberschenkelamputationen  und  1  Hüftgelenkexarticulation.  (1  Exar- 
ticulatio  femoris;  —  Tumor.  —  6  Amp.  femoris;  —  l  Tumor;  2  in- 
termediär traumatische;  1  primär  traumatische;  2  Kniecaries.  --  4  Amp. 
cruris.  —  3  Caries;  1  Verletzung  mit  ausserhalb  der  Anstalt  acqui- 
rirter  Pyämie.  —  2  Operationen  nach  Syme  bei  Caries.  —  4  Opera- 
tionen nach  Pirogoff.  —  3  Caries;  1  primär  traumat.  —  1  Chopart 
wegen  ErlBierung.  —  1  Lisfranc  desgl.  2  Amp.  Metatars.  desgl.  — 
1  Amp.  humeri  —  primär  traumatisch;  —  5  Amp.  des  Vorderarms  — 
primär  traumatisch.) 

Im  Jahre  1874  machte  Prof.  Volkmann  40  Amputationen 
mit  6  Todesfällen  und  zwar:  1  Exarticul.  humeri  bei  bereits  be- 
stehender septischer  Phlegmone  nach  Trauma ;  —  7  Amputationen  des 
Humerus,  3  primär^  2  intermediär^  1  secundär  nach  Trauma,  1  wegen 
Caries  cubiti;  —  7  Amput.  des  Vorderarms,  3  primär,  2  secundär 
nach  Trauma,  2  bei  Caries;  —  9  Amput.  des  Femur  (Diaphyse),  2 
primär  nach  Trauma ,  3  intermediär  bei  ausserhalb  der  Anstalt  in  Be- 
handlung durch  auswärtige  Aerzte  acquirirtem  acut,  purul.  Oedem  und 
Gangraena  progrediens,  3  wegen  cluron.  Eiterungen,  1  wegen  Neu- 
bildung; —  4  transcondyl.  Amput.  des  Femur,  1  primär  nach  Traumaj 

1  bei  erysipelatösen  Gelenkvereiterungen,  2  wegen  Neubildungen;  — 
8  Amput.  cruris,    1  primär  nach  Trauma,  1  secundär  nach  Trauma^ 

2  wegen  Caries  pedis,  3  wegen  chron.  Unterschenkelgeschwüre,  1 
w^en  Neubildung;  —  4  partielle  Fussamputationen ,  2  nach  Piro- 
goff wegen  Caries,  1  Pirogoff  wegen  Neubildung,  1  Chopart 
primär  nach. Trauma. 

Unter  den  erwähnten  6  Todesfallen  befinden  sich  4  Kranke ,  die 
bei  bereits  bestehender  Septikämie  infolge  von  ausserhalb  der  Klinik 
entstandenen  Verjauchungen  amputirt  wurden  (1  Exarticul.  humeri 
imd  3  intermediäre  Oberschenkelamputationen).  Somit  bleiben  nur 
2  Todesfalle  übrig;  der  eine  Patient  starb  vor  Beginn  der  Beaction 
(amputat.  femoris)  bei  gleichzeitiger  Commotio  cerebri  und  1  Ober- 
schenkelamputation (Neubildung,  Privatpraxis)  starb  an  Pyaemia  sim- 
plex.  Der  Fall  ist  übrigens  in  dem  erwähnten  Werke  Volkmann's 
von  1873  bereits  verrechnet. 

m.  Osteotomieen. 
1874:  13  Fälle  ohne  Todesfall;  1875:  bis  jetzt  3  Fälle 
ebenfalls  alle  geheilt.  Von  den  16  Fällen  zeigte  sich  nach  An- 
gabe von  Prof.  Volkmann  nur  bei  3  Patienten  eine  minimale  Eite- 
rung, die  übrigen  13  Fälle  heilten  ohne  jede  Eiterung;  in  allen 
Fällen  zeigte  sich  weder  Phlegmone  noch  Eitersenkung. 

IV.    Resectionen  der  Gelenke. 
Im  Jahre  1874  hat  Volkmann  24  Totalresectionen  mit  7  To- 
desfällen ausgeführt  und  zwar:  2  Schulterresectionen ,   1  bei  Caries 


Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  2S.  437 

fiingosa  und  1  wegen  Splitterfractur  des  Gelenkkopfs;  4  Ellbogen- 
resectionen^  3  bei  Caries,  1  bei  acuter  Vereiterung;  12  Hüftgelenks- 
resectionen^  1  wegen  acuter  Verjauchung  des  Hüftgelenks  nach  Becken- 
schuss^  1  puerperale  Coxitis^  10  Caries;  4  Resectionen  des  Knie- 
gelenks wegen  Caries  und  2  Fussgelenkresectionen^  die  eine  wegen 
acuter  traumatischer  Vereiterung,  die  zweite  wegen  einer  schlecht- 
geheilten  Malleolenfractur. 

Bezüglich  der  7  letal  verlaufenen  Resectionen  heben  wir  hervor, 
dass  von  den  12  Hüftgelenksresectionen  5  starben  und  zwar  2  an 
Septikämie,  welche  bereits  bei  der  Aufnahme ''der  Pat.  in  die  Anstalt 
bestand  (1  acute  Verjauchung  des  Hüftgelenks  nach  Beckenschuss 
und  1  puerperale  Coxitisj .  Ein  kleines,  etwa  2  Jahre  altes  Kind  mit 
Hüftresection  coUabirte  rasch  nach  der  Operation  und  starb  noch  vor 
Beginn  der  Reaction;  die  Section  zeigte  übrigens  eine  allgemeine 
Tuberkulose.  Endlich  starben  2  Hüftresecirte  an  Tuberkulose,  nach- 
dem bereits  die  Operationswunde  bis  auf  eine  feine  Fistel  geheilt 
war.  Ferner  starb  1  Pat.  mit  Kniegelenksresection  ebenfalls  an  Tuber- 
kulose nach  fast  vollständiger  Heilung  bei  fortbestehender  Fistel. 
Der  letzte  Todesfall  war  eine  EUbogenresection ,  welche  bei  einem 
alten  Manne  bei  bereits  bestehender  schwerer  septischer,  ausserhalb 
der  Klinik  entstandener  Phlegmone  wegen  Caries  ausgeführt  worden  war. 

Resectionen  aus  der  Continuität  wurden  1874  und  1875 
bis  jetzt  4  wegen  Pseudarthrose  (3  Tibia,  1  Femur)  gemacht  und 
sämmtlich  geheilt. 

1875  wurden  bis  jetzt  14  Resectionen  in  der  Hallenser  Klinik 
ausgeführt  und  zwar  8  Hüftgelenkresectionen,  3  Kniegelenkresectionen, 
2  Resectionen  des  Humerus  und  1  im  Cubitalgelenk.  Von  diesen 
14  FäUen  führten  nur  2  zum  Tode.  Der  eine  der^beiden  Todesfälle 
betraf  ein  sehr  kleines  noch  nicht  1  Jahr  altes  Kind,  mit  grossem 
Abscess  am  Femur  und  abgelöstem ,  im  Acetabulum  liegenden  Gelenk- 
kopf; das  Kind  erholte  sich  nicht  ordentlich  aus  der  Chloroform- 
narkose, brach  viel  und  starb  am  nächsten  Morgen  nach  der  Opera- 
tion. In  dem  anderen  letal  endigenden  Falle  handelte  es  sich  um 
multiple  scarlatinöse  Gelenkaffectionen  mit  Verjauchung  des  Hüft- 
gelenks und  Nierenaffection ;  der  Pat.  wurde  in  trostlosestem  Zustande 
in  die  Klinik  gebracht,  so  dass  die  Aussichten  auf  Heilung  sehr  ge- 
ring waren. 

(Schlusfl  folgt.) 

Carl  Fieber.  Chirurgische  Studien  und  Erfahrungen  mit 
Zugrundelegung  der  im  italienischen  Feldzug  des  Jahres  1866 

gemachten  Beobachtungen. 

(Allgem.  Wiener  med.  Zeitung  1875.    No.  13—22.) 

Der  Verf.   wurde   zwei  Tage   nach    der  Schlacht   von  Custozza 

(26.   Juni    1866)    einem    österreichischen    Feldspitale   in   Verona   zur 

Dienstleistung  zugetheilt  und  verblieh  bei  demselben   bis  zu  dessen 

Auflösung  (10.  October  1866).     Er  fand  eine  verhältnissmässig  grosse 


438  Centralblatt  för  Chirurgie.    No.  28. 

Zahl  Schwerverwvmdeter^  namentlich  Soldaten  der  zuriickweicheuden 
Armee ;  Ende  Juli  mussten  überdies  die  sämmtlichen  noch  nicht  trana- 
portablen  Fälle  mehrerer  anderer  Spitäler  übernommen  werden.  Die 
zur  Verwendung  kommenden  Localitäten  waren  1)  ein  Mädchenerzieh- 
ungsinstitut mit  grossem  Hofe  (Belegraum  etwa  200  Betten) ;  2)  ein 
Garten^  in  welchem  48  Zelte  aufgeschlagen  waren  (384  Betten); 
endlich  3)  eine  kleine  Kirche^  die  etwa  90—100  Betten  fassen  konnte 
—  in  beschränktem  Masse  wurden  zwei  Filialen  mit  einem  Belegraum 
von  fast  400  Betten  in  Anspruch  genommen.  Lage  ziemlich  günstig» 
zwei  Brunnen  mit  gutem  Wasser»  die  Aborte  und  Latrinen  in  befrie* 
digendem  Zustand.  Die  Zelte»  obwohl  sehr  mangelhaft  ausgerüstet 
(gewöhnliche  Lagerzelte)»  erwiesen  sich  zur  Unterbringung  der  Ver- 
wundeten am  geeignetsten;  am  wenigsten  entsprach  die  Kirche»  die 
deswegen  bald  evacuirt  wurde.  Die  Gesammtzahl  der  Verwundeten 
und  Kranken  (16.  Juni  bis  10.  October)  betrug  2270»  883  direct  auf- 
genommen» 1387  aus  anderen  Spitälern  transferirt.  Entlassen  als 
geheilt  1210»  ungeheilt  131»  evacuirt  787  in  andere  Spitäler,  33  in  die 
Privatpflege.  Gestorben  109.  Höchste  Krankenziffer  770  (am  26.  Juni). 
Wartepersonal  (militärische  Krankenwärter)  anfangs  höchst  un- 
genügend; erst  später  wurden  einige  barmherzige  Schwestern  requirirt» 
freiwillige  Krankenpfleger  gab  es  nicht.  Ln  Maximum  neim  Aerzte. 
Notizen  über  die  vom  Verbandplatz  oder  von  anderen  Spitälern  über- 
nommenen Verwundeten  mangelten  vollständig;  es  fehlt  somit  die 
Möglichkeit»  genaue  statistische  Tabellen  zu  construiren.  In  Folgendem 
einige  ziffermässig  festgestellte  Daten.  Von  435  unmittelbar  nach  der 
Schlacht  aufgenommenen  Verwundeten  hatten 

Verletzungen  am  Kopfe  20 

9               D    Gesichte  19 

»               )o    Hals  8 

»              D    Brust  und  Rücken  51 

9              »    Bauch  und  Becken  37 

Zusammen  am  Rumpfe     96  (22^). 

Verletzungen  an  den  oberen  Extremitäten  134  {Zi  ^). 
»  »9    unteren  »  166  (38)1^). 

Zahl  der  im  Spitale  behandelten  Verwundeten  überhaupt  786 
mit  99  Todesfällen »  welche  sich  folgendermassen  yertheilen  (grössten- 
theils  Diagnosen  intra  vitam) : 

Pyämie  und  Septikämie  43 

Urämie  1 

Pyopneumothorax  13 

Meningitis  2 

Nosokomialgangiän  7 

Tetanus  1 

Anderweitige  Todesursachen     32 

99~ 
bei  welchen  aber  nur  in  den  wenigsten  Fällen  die  Section  gemacht  ist. 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  28.  439 

Von  aceidentellen  Wundkrankheiten  wurde  echtes  Erysipel  nur 
einmal  (Heilung)^  Nosokomialgangrän  in  43  Fällen^  acut  purulentes 
Oedem  3  mal  (2  Todesfälle)^  Tetanus  einmal  beobachtet.  Bei  Noso- 
komialgangrän wurde  nur  bisweilen  energisch  geätzt  (Salpetersäure) , 
gewohnlich  beschränkte  man  sich  auf  Chlor wasser^  Kali  hyperman- 
gan.  etc. 

Secundäre  Blutungen  erforderten  je  einmal  die  Unterbindung  der 
Art.  hrachialis  und  der  A.  radialis^  zweimal  jene  der  Art.  femoralis, 
einmal  die  der  Art.  iliaca  externa. 

An  penetrirenden  Brustwunden  (17  Fälle)  starben  13  Verletzte^ 
4  wurden  als  Beconvalescenten  entlassen.  Von  den  penetrirenden 
Bauchschüssen  wurd^i  3  Fälle  geheilt. 

Complicirte  Schussfracturen  der  Röhrenknochen  und  Gelenkschüsse 
233  Verletzte  mit  70  Todesfällen.  Conservative  Behandlung  meist  mit 
Gyps-,  häufig  auch  mit  Schienenverbänden;  keine  Extensionsyerbände. 

Operative  Behandlung  der  Schussverletzungen  an  den  Extremi- 
täten: 

Amputationen:  Primäre  1.         Intermed.  4.-        Secundäre  9. 

1  geheilt.  4  gestorben.    2  geheilt^  7  gestorben. 

Exarticulationen :  Intermed.  4.  Secund.  i. 

3  geheilt,  1  gestorben.       1  geheilt. 

Resectionen:  Intermediär  1.  Secundär  4. 

1  gestorben.       2  geheilt,  2  gestorben. 

Summe:  24  Operationen  mit  15  Todesfällen. 

Hierbei  sind  die  aus  anderen  Spitälern  übernommenen  Operirten 
nicht  mitgezählt.  —  Die  Methode  der  Wundbehandlung  war  Be- 
deckung mit  Charpie,  die  in  Kalilösung,  Kampherschleim  oder  Borax- 
lösung  getaucht  war  oder  Gerate.  Carbolsäure  wurde  nicht  verwendet. 
Keine  Irrigation,  viel  Eis,  wenig  Kataplasmen.  Die  internen  Erkran- 
kungen, welche  ebenfalls  im  Spitale  Aufnahme  fänden,  betrafen  mei- 
stens schwere  Malariafieber  und  Dysenterie. 

Was  die  Bemerkungen  betriffl;,  die  der  Yerf.  seinen  Beobachtungen 
beifügt,  so  sei  nur  erwähnt,  dass  er  sich  gegen  die  zu  weit  getriebene 
conservative  Methode  ausspricht  und  namentlich  vor  ausgedehnten 
Resectionen  in  der  Continuität  der  grossen  Röhrenknochen  warnt,  die 
damals  (1866)  ziemlich  häufig  ausgeführt  wurden.  Im  Uebrigen  sind 
wohl  durch  die  umfassende  Litteratur,  die  sich  seit  1866  auf  kriegs- 
chirurgischem Gebiete  angesammelt  hat,  die  aus  den  damals  gemachten 
fragmentarischen  Beobachtungen  gezogenen  Schlüsse  längst  von  an- 
deren überholt  worden ,  die  an  grösserem  Materiale  arbeiten,  nament- 
lich aber  mit  grösserer  Genauigkeit  dasselbe  ausnützen  konnten. 

Wlni warter  (Wien). 


440  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  28. 

Rabuteau.     Recherches  sur  les  propri^t^s  anestli^siques  du 

bromoforme. 

(Soci6t6  de  Biologie.  S^noe  du  10  janv.  1875.  —  Oaz.  mM.  1875.  No.  5.) 
Das  Bromoform^  wie  es  R.  durch  Einwirkung  eines  Alkalis  auf 
das  Bromal  erhielt,  stellt  in  reinem  Zustand  eine  klare,  sehr  schwere 
und  angenehm  riechende  Flüssigkeit  dar.  Durch  Jod,  welches  sich 
in  ihm  lost,  förbt  es  sich  carminroth.  Die  Wirkungsweise  des  ßromo- 
forms  ist  ganz  analog  der  des  Chloroforms.  Inhalationen  des  ersteren 
versetzten  die  Versuchsthiere  nach  einem  anfänglichen  Excitations- 
Stadium  in  tiefen  Schlaf;  mit  vollständiger  Anästhesie,  Erschlaffung 
der  Musculatur  und  Dilatation  der  Pupille.  Das  Erwachen  aus  der 
Narkose  erfolgte  ziemlich  schnell,  selbst  wenn  die  Inhalationen  durch 
längere  Zeit  (V2  Stunde)  hindurch  fortgesetzt  worden  waren.  R.  hofft, 
dass  das  Bromoform  bald  neben  dem  Chloroform  als  Anästheticum 
Verbreitung  finden  wird.  0*  YolkmanB  (Kettwig). 

Terillon.     Note  sur  Talgidit^  et  les  symptomes  chol^riformes 
aecompagnant  les  ^tranglements  intestinaux. 

Note  sur  le  r^tablissement  de  la  circulation  des  matieres 

föcales  avec  une  ligature  de  rintestin. 

(Gas.  m6d.  1875.  No.  3,  p.  29  u.  30.) 

Die  bekannten,  dem  Stadium  algidum  der  Cholera  sehr  ähneln- 
den CoUapszustände,  welche  die  Einschnürung  des  Darmes  begleiten^ 
hielt  Demarquay  (1860)  für  direct  durch  letztere  hervorgerufen. 
Verneuil  und  sein  Schüler  Ledoux  glaubten,  dass  bei  Constriction 
des  Darmes  durch  Vermittlung  der  nerv,  splanchnici  eine  congestive 
Hyperämie  der  Lunge  und  als  deren  Folge  ein  plötzliches  Sinken  der 
Temperatur  erzeugt  werde.  Eine  dritte  Theorie  ist  endlich  von 
Humbert  aufgestellt,  wonach  der  GoUaps  in  der  ersten  Zeit  der 
Constriction  durch  eine  Reizung  des  nerv,  sympathicus,  im  weiteren 
Verlauf  aber  durch  einen  septikämischen  Zustand,  bewirkt  durch  die 
Resorption  fäcaler  Massen,  hervorgerufen  werde.  —  Zur  Prüfung 
dieser  verschiedenen  Theorien  experimentirte  nun  T.  an  einer  An- 
zahl von  Hunden  in  der  Weise,  dass  er  den  chloroformirten  Thieren 
durch  einen  in  der  linea  alba  angelegten  Schnitt  eine  Darmschlinge 
herauszog  und  mit  einem  Faden  abband.  Sobald  sich  die  vollstän- 
dige Abschnürung  durch  Blauwerden  der  Darmschlinge  manifestirte, 
wurde  letztere  in  die  Bauchhöhle  reponirt  und  die  äussere  Wunde 
durch  Suturen  geschlossen.  Die  Temperatur  wurde  vor  wie  nach  der 
Operation  (im  weiteren  Verlauf  nur  2  mal  täglich)  per  rectum  ge- 
messen. T.  fand  nun  bei  7  von  10  Hunden  schon  nach  4  Stunden 
eine  merkliche  Temperatursteigerung.  Ein  unbedeutendes  Sinken  der 
Temperatur  bei  den  übrigen  Versudisthieren  glaubt  er  dem  heftigen 
Erbrechen  zuschreiben  zu  müssen.  Die  experimentellen  Resultate 
gestatten  somit  keinen  Rückschluss  auf  die  erwähnten  Zustände  beim 


Centralblatt  ffir  Chirurgie.   No.  28.  441 

Menschen.     Ein  congestiver  Zustand  der  Lungen  wurde  weder  durch 
die  Auscultation^  noch  durch  die  Autopsie  bestätigt. 

T.  fand  nun  femer  bei  seinen  Experimenten^  dass  die  Hunde 
nach  den  ersten  stürmischen  Symptomen  sich  ziemlich  rasch  erholten 
und  dass  schon  ca.  am  10.  Tag  der  Yerdauungsapparat  wieder  normal 
functionirte.  Wie  die  Section  ergabt  war  die  abgeschnürte  Darm* 
schlinge  um  diese  Zeit  wieder  vollständig  wegsam.  In  Folge  der 
Peristaltik  hatte  nämlich  der  abschnürende  Faden  die  Darmschlinge 
allmälig  durchschnitten ,  während  jedoch  die  Yemarbung  der  durch- 
schnittenen Partien  auf  dem  Fusse  folgte.  So  war,  wenn  der  Faden 
vollständig  durchgeschnitten  hatte,  die  Continuität  der  Darmwandung 
gleichwohl  wieder  hergestellt  und  die  Fäces  konnten  nun  auch  wie- 
der die  Schlinge  passiren.  Die  kleine  Padenschlinge  fand  sich  an 
den  zusammengelötheten,  inneren  Wandungen  der  Darmschlinge,  zum 
Theil  frei  in  deren  Lumen  flottirend.  An  der  Stelle,  wo  sie  ur- 
sprünglich gesessen  hatte,  zeigten  die  äusseren  Wandungen  eine 
kreisförmige,  etwas  nach  innen  vorspringende  Narbe,  die  jedoch  nach 
einem  Monat  kaum  noch  sichtbar  war.  0*  Yolkmaiin  (Halle). 


M.    J.    DietL      Beobachtungen    über   Theilungsvorgänge   an 

Nervenzellen. 

(Aub  dem  physiologiscben  Institute  zu  Innsbruck.     Sitzungsberichte  der  Wiener 

Academie  1874.    Bd.  LXIX.  Hft  1  —  5.  3.  Abth.) 

D.  suchte  an  Durchschnitten  des  in  Ueberosmiumsäure  gelegenen 
Ganglion  Gasseri  des  Frosches  die  noch  so  streitige  Frage  (Mayer^ 
Schwalbe)  zu  eruiren^  ob  eine  Theilung  fertiger  Nervenzellen  im 
erwachsenen  Thiere  stattfinde  oder  nicht.  D.  erhielt  Zellenformen^ 
welche  durch  Theilung  alter  Zellen  entstanden  zu  sein  schienen. 
Allerdings  sah  D.  hier  und  da  im  Gas s er' sehen  Knoten  Gebilde, 
welche  sich  mit  den  für  den  Sympathicus  beschriebenen  Kern- 
nestem  vergleichen  liessen  und  bei  der  Genesis  der  sympathischen 
Nervenkörper  wahrscheinlich  eine  Rolle  spielen.  Ob  nun  jene  er- 
wähnten Kerne  im  Gasser'schen  Ganglion  irgend  eine  bestimmte 
Beziehung  zur  Entwickelung  der  Nervenzellen  haben  ^  lässt  D.  un- 
entschieden. Dagegen  ist  Verf.  im  Anschluss  an  KöUiker,  Beale 
und  Henle  der  Ansicht,  dass  er  in  der  That  Theilungs-^und  Fur- 
chungsprocesse  an  Zellenformen  beobachtet  habe,  die  den  Eindruck 
fertiger  Zellen  machten.  TUlmanns  (Leipzig). 

Kolaczek.     Beiträge  zur  Geschwulstlehre  (aus  der  chirurgi- 
schen Klinik  zu  Breslau). 

(Arch.  f.  kUniscbe  Chirurgie  1875.  Bd.  XVIU.  Hft.  2.) 
Verf.   bringt   sehr   sorgf&ltige   Untersuchungen   über   eine  Reihe 
höchst  interessanter  Geschwülste^    auf  deren  Details  wir  hier  nicht 
näher  eingehen  können^  sie  müssen  im  Originale  nachgesehen  werden. 


442  Centralblatt  für  Chinugie.    No.  28. 

Der  erste  Fall  ist  ein  Fibro-Sarcoma  mit  Perlkugeln,  in 
5  Jahren  bei  einem  40jähr.  Manne  subcutan  an  der  linken  EUenbeug« 
entstanden,  yielleidit  aus  einem  Schleimbeutel.  —  Ein  Myxo^Sar* 
coma  perivasculare  der  rechten  Steissbeingegend  fand 
sich  bei  einem  2V2J<^hrigen  Mädchen,  als  dessen  Ausgangspunct  die 
Lu seh  k ansehe  Steissdrüse  oder  ein  in  ähnlicher  Weise  sich  auflösender 
Gefässabschnitt  der  Sacralarterie  anzunehmen  ist.  —  EinSarooma 
perivasculare  der  Nase  hatte  sich  bei  einem  54jähr.  Manne  in 
1  Jahre  entwickelt.  —  Uei  einer  26jähr.  Frau  kam  eine  Cyste  der 
vorderen  Vaginalwand  zur  Beobachtung,  welche,  in  ca.  5  Jahren 
entstanden,  bis  zwischen  die  Schenkel  herabhing.  Nach  Excision 
eines  Stückes  der  ganzen  Wand  und  Herausschälung  des  Balges  trat 
schnelle  Heilung  ein.  Nach  der  Beschaffenheit  des  Epithels  nimmt 
K.  an,  dass  die  Cyste  durch  eine  Ausstülpung  der  Harnröhre  ent- 
standen sei.  —  Zwei  Entero-Teratome  des  Nabels  ca.  bohnen- 
gross  wurden  bei  2  Knaben  mit  dem  Messer  entfernt.  Sie  bestanden 
aus  Schläuchen,  den  Li  eberkühn 'sehen  Darmdrüsen  vollständig 
ähnlich,  deren  Cylinderepithel  auf  der  Oberfläche  der  Geschwulst 
noch  erhalten  war.  —  Ein  osteogenes  Alveolar-Sarcom  des 
Kreuzbeins,  welches  zuerst  sowohl  klinisch ,  als  auch  mikroskopisch 
für  ein  primäres  Knochencarcinom  gehalten  wurde,  kam  bei  einer 
35jähr.  Schneiderin  vor.  Es  war  im  Kreuzbein  entstanden  und  hatte 
vielfieiche  Metastasen  in  den  Schädelknochen,  dem  Manubrium  stemi, 
den  Beckenknochen,  beiden  Oberschenkeln  u.  s.  w.  gemacht.  Der 
Verlauf  der  Erkrankung  hatte  ca.  ^4  Jahre  gedauert.  —  Bei  einem 
31  jähr,  kräftigen  Manne  war  nach  einem  Stosse  mit  einer  Deichsel 
ein  Adenom  des  Blinddarms  entstanden,  welches  in  der  rechten 
Lendengegend  dicht  über  der  Crista  Uei  durchgebrochen  war ,  eine  Gre- 
schwulstform,  die  von  anderen  Autoren  auch  als  Carcinoma  cylindr. 
bezeichnet  worden  ist.  Ein  ähnliches  Adenoma  carcinomatosum 
der  Flexura  iliaca  hatte  sich  bei  einer  29jähr.  Frau  nach  einem 
Stosse  mit  einem  Eimer  entwickelt.  Haas  (Breslan). 


Alfred  Battig.     Die  Angioma   und  ihre  galvanokaustische 

Behandlung. 

Inaug.  -  DiB8.  Breslau.  1874. 
Verf.  bespricht  nach  einer  Uebersicht  über  die  histologischen  Ver- 
hältnisse der  Angiome  und  ihre  Behandlungsmethoden  die  Vortheile 
der  galvanokaustischen  Behandlung.  Er  hebt  u.  A.  die 
äusserst  geringe  allgemeine  und  locale  Beaction  hervor,  die  von  allen 
Operateuren  beobachtet  worden  ist  und  in  den  »Neuen  Unter- 
suchungen über  Entzündung«  vonCohnheim  ihre  Erklärung 
findet.  Cohnheim  weist  nach,  dass  man  bei  Anwendung  eines 
Aetsmittels,  welcher  Art  es  auch  sei,  immer  die  anfangliche,  weit- 
greifende Erweiterung  der  Gefasse  mit  allmähger  Bückbildung,  um 
den  Aetzschorf  die  Zonen  der  Stase,  der  überwiegenden  Diapedesis 


Centnablatt  für  Cadnurgie.    No.  28.  443 

aus  stagnixenden  CapillaTen  und  der  Emigration  aus  fliessenden  Ca- 
pillaten  und  dilatirten  Venen  sowie  die  Transsudation  in  diesem  Be- 
zirke findet,  wahrend  bei  der  Glähbitze  nur  die  Gefassdilatation  mit 
aUmäliger  Bückbüdung  eintritt,  ein  Vorgang ,  der  in  keinem  causalen 
Zusammenhange  mit  den  späteren  Gefassroigängen  steht,  die  wir  als 
qpecifisch  entzündlich  ansehen.  In  einer  casuistischen  Zusammen- 
stellung der  in  den  Jahren  1870  —  73  in  der  chirurgischen  Klinik  zu 
Breslau  und  der  von  Fischer  und  Maas  privatim  behandelten 
47  Fälle,  findet  B.  36  Falle  mit  Galvanokaustik,  9  mit  Excision,  1 
mit  Eleetrolyse,  1  durch  Aetzung  mit  Säure  behandelt;  die  mdusten 
Tumoren  (35)  hatten  ihren  Sitz  am  Kopfe  und  waren  fissuraler  Natur; 
1  Fall  (Tumor  cavem.  an  der  Stirn  eines  4jähr.  Mädchens]  endete, 
mit  Gralvanokaustik  behandelt,  am  3.  Tage  nach  der  Operation  durch 
Meningitis  tödtlich.  —  Es  wurden  in  der  Klinik  in  den  letzten 
20  Jahren  (vgl.  Maas,  Arch.  f.  klin.  Chir.  Bd.  XIL  p.  548)  von 
Middeldorpf ,  Fischer  und  Maas  155  Fälle  von  Angiomen  operirt, 
davon  137  galvanokaustisch  mit  nur  1  Todesfalle,  so  dass  B.  die  Me«- 
thode  mit  Recht,  neben  der  Excision  für  passende  Fälle,  ganz  be- 
sonders empfiehlt.  Maas  (Breslau). 

C.  James.    Des  ^ruptions  de  la  face. 

(Gas;  m6d.  1875.  No.  13.  p.  153  ss.) 

J.  giebt  lediglich  therapeutische  Rathschläge  2ur  Behandlung  der 
Akne  und  des  Cancroids.  Erstere  empfiehlt  er  mit  einer  Salzsäure- 
lösung (1 — 3  :  10  Alkohol]  zu  betupfen  und  danach  mit  einer  Lösung 
von  Kali  chloricum  (4  :  100)  abzuwaschen.  Nach  einer  2  bis  3tägigeh 
Wiederholung  dieser  Behandlung  sollen  die  Akneknoten  in  kurzer  Zeit 
einschrumpfen  und  verschwinden.  —  Gegen  das  Cancroid  empfiehlt 
J.  das  cosmische  Pulver  in  seiner  ursprünglichen  Zusammensetzung 
(6  Th.  Zinnober,  3  Th.  Asche  verbrannter  Schwämme  und  1  Th. 
weissen  Arsenik),  eine  Therapie,  die  von  Manec  in  der  Salpdtridre 
seit  über  40  Jahren  angeblich  mit  den  besten  Erfolgen  angewendet 
wurde.  Die  Wirkung  des  cosmischen  Pulvers  soll  sich  nur  auf  die 
erkrankten  Partien  erstrecken.  Mit  denselben  bildet  es  einen  festen 
Aetzschorf ,  unter  welchem  sich  allmälig  gesunde  Granulationen  ent- 
wickeln. Auch  bei  Cancroiden,  die  die  Grösse  eines  Zweifrankstückes 
überschreiten,  ist  das  genannte  Mittel  noch  anzuwenden,  wenn  man 
durch  Einhalten  gehöriger  Zwischenräume  (9 —  10  Tage)  zwischen  den 
einzelnen  Applicationen  der  Gefahr  einer  Arsenikintoxication  vorbeugt. 

0.  Yolkmann  (Kettwig). 

Burow.    Laryngologische  Mittheilnngen. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XYUL  Hft.  2.) 
I.    lieber   Chorditis    vocalis    inferior    hypertrophica. 
Die  unter  diesem  Namen  von  Gerhardt   beschriebene,    auch  von 
Türck    beobachtete    chronisch -entzündliche    Affection   der   Stimm- 
bänder, welche  in  dem  Falle  von  Türck  und  in  zwei  Fällen  des 


444  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  28. 

Verf.'B  auch  die  vordere  Fläche  der  hinteren  Kehlkopfswaud  in  Mit- 
leidenschaft  gezogen  hatte ,  beobachtete  B.  4  Mal:  Bei  einem  45jHhr. 
Manne  hatte  sich  die  Affection  nach  einem  Typhus  entwickelt.  Bei 
der  larjmgoficopischen  Untersuchung  erschien  der  Kehlkopf  bei  der 
Phonation  normal,  während  man  bei  der  Inspiration  unter  den  aus- 
einanderweichenden Stimmbändern  zwei  genau  symmetrische  Wülste 
sah,  welche  sich  durch  tiefe  rothe  Farbe  von  den  weissglänzenden 
Rändern  scharf  absetzten  und  nur  einen  feinen  Spalt  zwischen  sich 
liessen.  Zunehmende  Suffocationserscheinungen  machten  die  Tracheo- 
tomie  nöthig;  Jodkalium  verschaffte  geringe  Besserung;  Fat.  wurde 
mit  der  Kanäle  entlassen.  -^  Die  3  folgenden  Fälle  (Frau,  20  Jahre 
alt,  Mann  30  Jahre  alt,  Frau  23  Jahre  alt)  zeigten  ähnliche  Befunde 
und  wurden  ebenfiEJls  tracheotomirt  und  mit  der  Kanüle  entlassen. 

II.  Zwei  Larynxabscesse  unter  der  Leitung  des  Spie- 
gels incidirt.  B.  fügt  den  9  von  ihm  in  der  Litteratur  au%efundenen, 
mit  Hülfe  des  Kehlkopfspiegels  diagnosticirten  Larynxabscessen ,  von 
denen  fünf  mit  dem  Messer  eröfihet  wurden ,  folgende  2  Fälle  hinzu. 
Bei  einem  33jähr.  Manne  entwickelte  sich  in  6  Wochen  Heiserkeit, 
Dyspnoe,  Dysphagie,  Schmerzhaftigkeit  bei  Druck  auf  die  linke 
Schildknorpelplatte.  Die  Untersuchung  zeigte  eine  pralle  Geschwulst, 
welche  links  von  der  Epiglottis  medianwärts  in  das  Lig.  ary-epiglot- 
ticum  überging  und  den  ganzen  Sinus  pyriformis  ausfüllte.  Eine  In- 
cision  mit  dem  gedeckten  Kehlkopfmesser  entleerte  reichlichen  Eiter ; 
Heilung  in  10  — 14  Tagen.  —  Der  zweite  Abscess  hatte  sich  in  etwa 
6  Wochen  bei  einem  67jähr.  Manne  in  der  Grube  rechts  zwischen 
dem  Lig.  ary-epiglotticum  medium  und  laterale  dextr.  entwickelt 
und  hatte  die  Grösse  einer  halben  Pflaume.  Nach  der  Incision  er- 
folgte schnelle  Heilung. 

ni.  Tracheotomie  bei  acutem  Glottisoedem.  Bei  einem 
26jähr.  Mann  entstand  in  Folge  einer  Phlegmone  colU  lat.  sin.  ein 
acutes  Glottisoedem,  welches  die  Tracheotomie  nothwendig  machte. 
Erst  9  Tage  später  wurde  die  Phlegmone  incidirt,  7  Tage  später 
die  Kanüle  entfernt. 

IV.  Amyloide  Degeneration  von  Larynxtumoren,  Ka- 
nüle 7  Jahre  lang  getragen.  Mehrfache  Tumoren  des  KehlkopfSs- 
einganges  indicirten  bei  einem  50jälir.  Arbeiter  im  Jahre  1866  die 
Tracheotomie.  Nach  Entfernung  eines  der  Tumoren,  welcher  sich  als 
ein  Fibroid  erwies,  zeigten  sich  an  Stelle  der  Aryknorpel  zwei  grosse 
Tumoren,  deren  Entfernung  zum  Theil  wegen  Weigerung  des  Pat. 
nicht  gelang.  Pat.  lebte  mit  der  Kanüle  bis  Mai  1873.  —  Die  er- 
wähnten Geschwülste,  wegen  deren  sehr  interessanten  Verhaltens  wir 
auf  das  Original  verweisen ,  füllten  den  Kehlkopf  vollständig  aus  und 
zeigten  sich  bei  der  Untersuchung  (Prof.  Neumann)  als  amyloide 
Tumoren. 

V.  Polyp  des  Kehlkopfs  bei  einem  8jährigen  Kinde 
erfolgreich  operirt.  Bei  einem  8jähr.  Mädchen  machte  ein  Polyp 
des  rechten  Stimmbandes  (Papillom  mit  dünnem  Stiele)  so  hochgradige 


Centralblatt  fflr  Ghiruigie.    No.  28.  445 

Dyspnoe^  dass  die  Tracsheotomie  nothwendig  wurde.  Etwa  8  Monate 
später  gelang  es  B.  mit  verschiedenen  Instrumenten  den  Tumor  zu 
entfernen  ynd  die  Fat.  vollfitändig  herzustellen. 

VI.  Nussgrosses  Sarcom  der  Epiglottis^  ohne  Heiser- 
keit oder  Dyspnoe.  Der  erwähnte  Tumor  fand  sich  bei  einem 
30jähr.  Landmanne  links  von  der  Mittellinie  aufsitzend  an  der  unteren 
Fläche  der  Epiglottis  und  verursachte  nur  Schlingbeschwerden. 
Er  wurde  in  mehreren  Sitzungen  entfernt. 

VII.  Nussgrosses  Fibroid  aus  dem  linken  Morgagni'- 
sehen  Ventrikel  wuchernd,  wurde  bei  einem  Manne  in  einer 
Sitzung  mit  der  Störck'schen  Guillotine  entfernt. 

Vni.  Ungestielter  Polyp  des  rechten  Stimmbandes 
mortificirte  bei  einer  Frau  nach  Zerquetschen  mit  der  Tobold'scdien 
Zange  und  wurde  durch  Cauterisation  vollständig  beseitigt.  —  Mit 
den  früher  (Arch.  f.  klin.  Cbir.  XV.  2)  mitgetheilten  5  Fällen  hat 
B.  also  9  Fälle  von  Kehlkopfspolypen  erfolgreich  operirt. 

(Brealatt). 


Servier«    Fractures.    Gouttieres  de  linge  pldtr6. 

(Gas.  hebdom.  1874.  No.  52.) 
Bei  einem  jungen  Soldaten  war  die  Clavicula  in  der  Mitte  ge- 
brochen. Starke  Verschiebung  der  Fragmente,  die  nach  vom  einen 
Winkel  bilden.  1  Woche  nach  der  Verletzung,  nachdem  die  Schwel- 
lung verschwunden  war,  applicixte  S.  folgenden  Apparat  aus  Gips: 
Patient  wurde  auf  den  Rücken  gelegt,  und  ein  langes  RoUkissen  zwi- 
schen die  Schultern  befestigt.  Dadurch  kommen  die  Fragmente  in 
die  richtige  Stellung.  Ein  feines  Leinwandstück  wurde  auf  die  kranke 
Brustseite  gelegt  und  darauf  Gipsbrei  in  dicker  Schicht  aufgetragen, 
so  dass  fossa  supra  —  und  infraclavicul.  und  das  ganze  Schlüsselbein 
von  der  pars  acrom.  der  Scapula  bis  zum  Stemum,  nach  abwärts  bis 
nahe  an  die  Brustwarze,  hinten  bis  an  den  Vorsprung  des  Muse, 
trapez.  davon  bedeckt  waren.  Die  2  Cent,  dicke  Gipsschicht  wurde, 
nachdem  sie  etwas  erstarrt  war,  mit  queren  und  schrägen  Binden- 
touren am  Thorax  befestigt,  gleichzeitig  der  Arm  der  kranken  Seite 
bis  zur  völligen  Immobilisirung  mit  einbandagirt.  Hierauf  durfte 
Fat.  frei  umhergehen.  Am  24.  Tage  nach  der  Verletzung  wurde  der 
Verband  abgenommen.  Die  Consolidirung  war  nahezu  vollkommen. 
Anlegung  der  Mittella.  Die  Heilung  ist  schliesslich  ohne  jede  Ver- 
schiebung der  Bruchstücke  erfolgt ;  rechte  und  linke  Clavicula  gleich  lang. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

Dubreuil.     Traitement  du  pied  bot  varus. 

(Siance  de  la  societ6  de  chir.  1875.  6.  Jan.) 

Verf.   bringt  in   der  Darstellung   der  Pathologie  des    pes  varus 

nichts  Neues.    Therapeutisch  empfiehlt  er  bei  hochgradigem  pes  varus 

an  nicht  mehr  ganz  jungen  Individuen  die  Durchtrennung  des  M.  ti- 

bial.  post.,  seltener  die  des  M.  tibial.  antic.  als  hin  und  wieder  nützUch. 

Fr.  Steiner  (Wien). 


446  Centralblatt  ffl?  CbirttTgie.    No.  28. 


De  la  forcipressrure. 

(S^nce  de  la  8oci^i6  de  chir.  1875.  6.  Jan.) 
Mit  Rücksicht  auf  die  Arbeit  von  Vanzetti  aber  ^e  »Unci* 
preesurc  theilt  V.  Beine  Erfahrungen  mit,  wobei  dieses  allerdings 
nicht  neue  Verfahren  guten  Erfolg  hatte.  Wir  heben  einige  davon 
heraus  und  verweisen  im  Uebrigen  auf  den  Originalbericht:  1)  Ab- 
tragung eines  dünngestielten  Uteruspolypen  mit  der  Scheere;  heA;ige 
arterielle  Blutung;  Blutstillung  mittelst  der  Pol3^n2ange^  die  einige 
Tage  hängen  gelassen  wurde.  2)  Heftige  Blutung  aus  der  A.  mammar. 
intern,  infolge  einer  Sequesterextraction  bei  Nekrose  des  Stemums ; 
Arterien  und  umgebendes  Gewebe  mit  Pincette  gefasst,  letztere 
48  Stunden  liegen  gelassen;  guter  Erfolg.  3)  Starke  arterielle  Blu- 
tung aus  der  Knochenschnittfläche  bei  Trepanation  wegen  einer  Schädel- 
exostose;  V.  druckte  mit'  einer  Zahnzange  den  Knochen/  so  dass  das 
Grefass  comprimirt  wurde  und  die  Blutung  stand.  4)  Bei  einer  Ober- 
schenkelamputation wurde  schlecht  comprimirt;  V.  schnitt  die  A.  fe- 
moral, durchs  legte  eine  Schieberpincette  ä  demeure  an  und  beendete 
dann  die  Operation.  _^ Fr.  Steiner  (Wien). 

Kleinere  Miitheilum|en. 

E.  KetU.     Bilaterale  Lahmung  des  N.  facial.  und  abducens  mit  Taub- 
heit, in  Folge  von  Fractur  des  Felsenbeins. 
(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  19.) 

Ein  23jähnger  Kutscher  yrax  mit  seinen  Pferden  in  einen  tiefen  Graben  ge- 
stant,  und  ein  Pferd  fiel  ihm  dabei  auf  den  Kopf.  Man  fand  den  Mann  ohn- 
mächtig, aus  dem  Munde  und  dem  linken  Oehöigange  blutend;  sonst  keine  Ver- 
letzung sichtbar.  Der  bewustlose  Zustand  dauerte  3  Tage,  dann  war  and  blieb 
Pat.  ganz  bei  Sinnen.  Taubheit  des  «linken  Ohres,  Doppeltsehen,  Ohrensausen 
bestanden  fort  und  dauerten  durch  6  Wochen  an.  Zu  Ende  dieser  Zeit  stellte  sich 
Ptftt.  dem  Verf.  vor.  K.  fand  die  Symptome  einer  doppelseitigen  Facialis -Lähmung. 
Die  fando  -  mmkuläre  Gontractilität  der  gelähmten  Theile  ist  aufgehoben ,  während 
die  galvano-muskuläre  Reaction  bedeutend  erhöht  ist ;  an  beiden  Augen  Strabismus 
conyerg.  von  doppelseitiger  Abducenslähmung.  Beständiges  Ohrensausen ;  am  linken 
Ohre  gar  keine  Oehörempfindung ,  am  rechten  Ohre  ist  dieselbe  —  wiewohl 
sehr  geschwächt  —  vorhanden ;  beide  Trommelfelle  zerrissen  und  eiternd,  Knochen- 
fragmentchen  darin.    Das  Allgemeinbeflnden  dabei  gut,  Extremitäten  frei. 

K.  urtheilt  daraus ,  dass  Gaumensegel  und  Uvula  nicht  gelähmt  sind ,  dass  der 
Nerv,  facial.  an  der  Stelle  lädirt  worden  sei ,  wo  mit  ihm  ^e  Chorda  tympani  ver- 
läuft, welche  mit  verletzt  sein  dürfte,  da  der  Oeschmacksinn  an  der  vorderen 
Zungenhälfte  gänzlich  aufgehoben  ist  und  ein  abnormes  Trockenheitsgefühl  im 
Monde  besteht  (verminderte  Speichelsecretion).  K.  ist  daher  geneigt,  eine  Fractur 
beider  Felsenbeine  in  der  Gegend  der  Paukenhöhle  anzunehmen.  Ueber  den  Vor- 
lauf ist  nichts  weiter  geeagt.  Fr«  Steiner  (Wien). 

Stokea.     Pachydermatocele  or  Fibro- Molluscum. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  Janaary.  p.  69.) 
S.  zeigte  der  pathologischen  Gesellschaft  in  Dublin  eine  Geschwulst ,  die  er  bei 
einem  33jähr.  Manne,  bei  dem  sie  im  6.  Jahre  entstanden  war,  eoutiipirt  hatte. 
Die  eine  Seite  des  Kopfes  einnehmend ,  hing  sie  bis  zur  Schulter  hinab ,  war  leicht 
beweglich,  uneben,  mit  bohnen-  bis  wallnu^sgrossen  Höckern  besetzt.  Blutung 
bei  der  Exsürpation  sehr  stark;  trotzdem  war  8  Tage  ^äter  Patient  ausser  Bett. 
Histologische  Untersuchung  ergab  Hypertrophie  der  Haut. 

H.  BraVD  (Heidelberg). 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  28.  447 

Hutohinflon.    Death  from  large  clot  of  blood  between  dura  mater  and 

bone  (London  hospital}. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  März  27.  p.  337.) 
Ein  52j&hr.  Mann  war  Abends  auf  den  Hinterkopf  gefallen  und  war  sofort  be- 
wusstlos;  12  Stunden  später  wurde  er  ins  Hospital  aufgenommen.  Ausser  der  Be- 
wussUofligkeit  wird  Lähmung  der  Extremitäten  und  der  Thoraxmusculatur  constatirt, 
»abdominal  respiration*.  Eine  Pupille  war  erweitert,  eine  Stunde  später  auch  die 
andere.  Tod  3  Stunden  später.  Section :  Leichte  Contusion  des  linken  Vorderlappen, 
ein  Blutklumpen  von  4—5  Unzet»  befand  sich  zwischen  Dura  und  Knochen  in  rechter 
hinterer  Schädelgrube.  Knochen--' oder  Arterien  Verletzung  wurde  nicht  gefunden, 
und  wird  die  sofort  nach  dem  Niederfallen  eingetretene  Bewusstlosigkeit  auf  eine 
gleichzeitige  Commotio  cerebri  bezogen.  Bänke  (Halle). 

H.  Iiöw.     Complicirter  Schädelbruch.     Heilung. 

(Wiener  med.  Presse  1875,  No.  5.) 

Ein  I3jähriger  Junge  war  mit  dem  Kopfe  in  eine  Maschine  gerathen.  Da* 
die  Blutung  infolge  der  Verletzung,  die  er  hierbei  erlitt,  sehr  heftig  war,  so  legte 
L.  gleich  einen  Charpiedruckverband  an ,  der  erst  am  3.  Tage  nach  der  Verletzung 
geöffnet  wurde.  Himsymptome  waren  inzwischen  nicht  aufgetreten.  Es  zeigte  sich 
jetzt  1  Zoll  über  der  Haargrenze  eine  ellipsoide,  28  Cm.  messende,  4  bis  5  Cm. 
klaffende  Wunde.  Die  Stimgegend  ist  um  1  Cm.  deprimirt;  in  der  Mitte  der 
Wunde  stand  ein  3eckiges  Stflck  des  Stirnbeins  in  die  Höhe;  die  Fissur  ging 
durch  die  ganze  Dicke  des  Knochens,  von  welchem  das  Periost  abgelöst  war.  Ein 
8  Cm.  langes,  21/2  Cm.  breites  Stück  des  Stirn-  und  linken  Seitenwandbeines ,  die 
Coronamaht  mitfassend,  war  herausgeschnitten  iind  machte  die  Himbewegungen 
mit.  Dicht  daneben  ein  anderes,  7  Cm.  langes  Knochenstück  vom  linken  Seiten* 
wandbein,  das  ebenfalls  die  Himbewegungen  mitmachte  und  dessen  unterer  Rand 
durch  einen  von  dem  in  die  Höhe  stehenden  Stirnbein-Stück  ausgehenden,  11  Cm. 
langen  und  V2  Linie  klaffenden  Sprung  gebildet  war.  Ein  2  Cm.  langer  Splitter, 
der  in  der  dura  mater  stak,  wurde  entfernt. 

Die  beschriebenen  3  Knochenbruchstücke  gingen  nach  14  Tagen  nekrotisch  ab. 
Nach  3  Monaten  war  Pat.  vollkommen  geheilt.  Fr.  Steiner  (Wien). 

J.  H.  Porter.     Excision  of  the  head  of  the  right  humerus  for  cariefl^ 

the  result  of  on  injury. 
(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  February.  p.  85.) 
Bei  einem  21  jähr.  Soldaten  soll  in  Folge  eines  Schlages  auf  die  Schulter  ein 
Abscess  entstanden  sein,  dem  Fieber,  Abmagerung,  Schweisse  und  eine  Dislocation 
des  betreffenden  caput  humeri  nach  vom,  folgten.  Resection  eines  2^2  Zoll  langen 
Stückes  des  Humerus.  Endresultat  unter  Anwendung  von  Blectrioitftt  und  passiver 
Bewegung  recht  befriedigend.  P.  räth  eine  Drainage  nach  hinten  durch  die  Wunde  zu 
zu  legen  und  den  vorderen  Längsschnitt  zu  schliessen.      IL  Braiui  (Heidelberg). 

Dämarqnay.     N^vrome  de  Taisselle. 

(S6ance  de  la  Soc.  de  Chir.  1874.    30.  Dec.) 
D.  entfernte  bei  einem  24jähr.  Manne  einen  Tumor,   der  seit  2  Monaten  in 
der  rechten  Achselhöhle  sichtbar  geworden  war.     Seit  6  Monaten  bestanden  die 
heftigsten  Schmerzen.    Es  zeigte  sich,  dass  der  Tumor  vom  Nerv,  musculo-cutan. 
ausging  und  ein  kleinzelliges  Sarcom  war.  Fr«  Steiner  (Wien.) 

Ohlemann.     lieber  eine  einfache  Luxation  der  ülna  im  Handgelenk 

nach  der  Vola. 
(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVm.  Hft.  2.) 
Der  folgende  Fall  wurde  in  der  Klinik  von  Baum  beobachtet.  Einem  42jähr. 
kräftigen  Arbeiter  war  von  einem  Pferde  der  Unke  Vorderarm  gegen  eine  Krippe 
gedrängt  worden.  —  Die  Untersuchung  zeigte  ein  Abweichen  der  Ulnaraxe  nach 
der  Radialseite,  die  ulnare  Wölbung  der  Streckseite  fehlte.  Pro-  und  Supination 
waren  aufgehoben,  radialwärts  und  rückwärts  vom  Os  pisiforme  fühlte 
man  das  Köpfchen  der  Ulna.  —  Bezüglich  der  Luxatipnen  des  unteren  Endes 


448  Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  28. 

der  Ulna  cf.  Tillmanns,  Statistische  Beiträge  zur  Lehre  von  den  Luxationen, 
Arch.  der  Heilkunde  1874.  p.  249.  —  Die  Reduction  erfolgte  in  der  Narkose  mit 
einem  schnappenden  Geräusche ;  Fat.  war  in  14  Tagen  geheilt.  Haag  (Breslau). 

Th.  Anger.     Luxation  de  Tastragale  r^duite  par  les  tractions  continueB. 

(S6ance  de  la  Soc.  de  Chir.  du  6.  Janv.  1875.) 

Ein  Mann  fiel  racklings  eine  Kellertreppe  herab ,  wobei  sein  Fuss  sich  zwischen 

zwei  Stufen  fing.    Daraus  entstand  eine  vollkommene  Astragalusluxation  nach  Yome 

aussen;   der  Fuss  in  forcirter  Adductionsstellung ;   die  Haut  über  dem  Astragalus- 

kopf  gespannt.    A.  reponirte  folgendermassen:  ein  Tuch  unter  dem  Schenkel  diente 

zur  Contraeztension ;  eine  Heftpfiasteransa  am  vorderen  Theile  des  Fusses  hinderte 

das  Abgleiten  der  Caoutchoucbinden ,   die  sich  überdies  noch  gegen  ein  Querholz 

am  Bette  stemmten.    Nach  10 — 12  Minuten  massigen  Anziehens  fühlte  Fat.  grosse 

Müdigkeit  im  kranken  Beine ;  A.  fasste  nun  den  Unterschenkel  mit  der  einen  Hand, 

mit  der  anderen  den  vorderen  Fusstheil,   stützte   sein  Knie  auf  den  Astragulus, 

worauf  die  Einrichtung  unter  Knacken  vor  sich  ging.        Fr«  Steiner  (Wien). 

*^J.  Fagan.     Report  on  a  cctse  of  Syme's  amputatiou  of  foot^  following 

removal  of  necrosed  bone  by  means  of  the  gouge. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.    March.  p.  257.) 

Eine  Fussgelenkentzündung  entwickelte  sich  bei  einem  lljähr.  Knaben  nach 
einem  Stoss  an  einen  Stein.  Sondenuntersuchung  ergab  nach  einiger  Zeit  Ent- 
blössung  des  Astragalus.  Mit  dem  Hohlmeissel  wurden  die  kranken  Knochen- 
theile  entfernt;  temporäre  Besserung;  bald  hohes  Fieber,  Appetitmangel ,  Schlaf- 
losigkeit. Nach  Syme  operirt,  4  Wochen  später  Knabe  geheilt  entlassen.  F.  hält 
die  Anwendung  des  Hohlmeisels  überhaupt  für  unzulänglich,  plump  und  unwissen- 
schaftlich. H.  Braun  (Heidelbergj . 

E.  H.  Bennett.     Strangulated  femoral  hemia. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  March.  p.  262.) 
Eine  62jähr.  Frau  hatte  in  Folge  schwerer  Arbeit  plötzlich  eine  VergrAsserung 
ihres  schon  lange  bestehenden  Bruches  bekommen,  der  bald  Verstopfung  und  Er- 
brechen folgten.  Abführmittel,  warme  Umschläge,  Eis,  Opium  wurden  ebenso 
vergeblich,  wie  alle  Taxisversuche,  zuletzt  im  Vollbad,  versucht.  Nach  3  Tagen 
Hemiotomia  externa.  Einklemmungserscheinungen  dauern  fort ;  2  Tage  später  Tod. 
Section  ergiebt  Verwachsungen  zwischen  der  eingeklemmten  IleumschUnge  und  dem 
Bruchsacke,  an  einer  Stelle  ebendaselbst  Ansammlung  eitriger  Flüssigkeit ;  die  Mucoaa 
an  der  Einschnürungsstelle  ulcerirt.  Bei  der  Operation  war  nur  der  Inhalt  des  Darms, 
nicht  aber  das  Ueum  selbst,  reponirt  worden.  H*  Braun  (Heidelberg). 

C.  QuBsenbauer,  Exstirpation  eines  Hamblasenmyoms  nach  voraus- 
gehendem tiefen  und  hohen  Blasenschnitt,  Heilung. 
(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVHI.  Hft.  2.) 
Bei  einem  lOjähr.  Knaben  diagnosticirte  Billroth  nach  wiederholten,  sorg- 
fältigen Untersuchungen  einen  ca.  Manns faust  grossen  Tumor  der  Blase, 
der  sich  in  10  Monaten  entwickelt  hatte.  Zur  Entfernung  des  Tumors  wurde  zuerst 
die  Sectio  lateralis  gemacht  und  so  constatirt,  dass  der  Tumor  an  der  hinteren 
Wand  der  Blase  aufsitze  und  sich  nach  dem  Scheitel  zu  ausdehne.  Es  wurde  dann 
noch  die  Sectio  alta  gemacht,  die  Recti  an  ihren  Insertionen  quer  getrennt, 
auch  die  Blasenwunde  in  dieser  Richtung  erweitert.  Die  Geschwulst  wurde  an  ihrem 
Ansätze  mit  den  Fingern  durchrissen  und  die  Excision  des  Oeschwulststieles  bei 
massig  invertirter  Blase  vorgenommen ;  der  Stiel  ging  von  der  Musculatur  der  Blasen- 
wand aus.  —  Durch  die  Blasenwunden  wurde  ein  Drainrohr  gelegt.  Die  Heilung 
erfolgte  in  ca.  4  Wochen.  —  Die  mikroskopische  Untersuchung  des  Tumors  ergab 
ein  Myom. Maas  (Breslau). 

Originalmltthellcngen,  Monographieen  und  Separatabdrüoke  wolle 
man  an  Dr,  B.  Tillmannt,  Leipzig,  Marlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlnng, 
BftUkopf  und  Härtdj  einsenden. 

I>Taek  Bild  Verlag  von  Br»itkopf  and  HIrieL  in  Loipsig. 


Gentralblatt 


fOr 


CHIRURGIE 


herausgegeben 

▼OB 


Dr.  LLesser,  Dr.  I.  SM,  Dr.  H.  Tillniuis 

»  Berlin.  ia  UaIU  ».  8.  in  Uipuig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N^  29.  Sonnabend,  den  17.  Juli.  1875. 


Inhalt:    LQcke,  Ueber  die  Eigenschaft  des  Durchscheinens  bei  festen  Geschwillsten 
(Original-Mittheilang.)  —  Tlllmtliiit ,  Hin  Wort  tut  Llster^scben  Wandbehandhingsmethode' 
(Original  -  Minbeilnng.) 

Paaum,  Transfasion.  —  Bolllngtf,  Aetiologie  der  Kalberlähme.  —  Vojtollai,  Neues 
Stethoskop.  —  Ulwertky,  Traumatische  Lebereutzündong.  —  Spiegelbtrg,  Fissur  des 
Blasenhalses.  —  Fehling,  Leopold,  Kystische  Myome  des  Uterus. 

Julllard,  Neue  MeUUsonde.  —  Wahlborg,  Wrighf,  Tumoren.  —  Woir,  Ichthyosis.  — 
Forgntsoa  M'fiill,  Aneurysma  der  Subclavia.  —  MsoriMaux,  Innere  Urethrotomie  mit 
Endoscopie.  —  Lannolonguo,  Urethro-Perinealflsteln.  —  Brock,  Eingeklemmte  Her« 
nien.  —  Ranko,  Operation  einer  Pseudarthrose  des  Unterschenkels. 


lieber  die  Eigenschaft  des  Durchsclieiiieiis  bei  festen 

Geschwülsten. 

Von  * 

Professor  Dr.  Lflcke« 

Die  Eigenschaft  des  Durchscheinens  hat  man  bisher  wesentlich 
flüssigen  Ansammlungen^  insbesondere  den  Hydrocelen  und  ein- 
zelnen Cystenformen  zugeschrieben  und  bei  denselben  diagnostisch' 
verwerthet.  Wir  wissen  indessen ,  dass  selbst  bei  massig  starkem 
Tageslicht  dieselbe  Eigenschaft  den  Fingern  ^  den  Ohren  und  bei  in- 
tensiverer Beleuchtung  auch  Theilen  des  Handtellers  und  des  Vorder- 
arms zukommt.  So  weit  mir  bekannt ,  hat  man  diesfe  Eigenschaft  für 
die  Geschwülste  bisher  nicht  beachtet  und  es  ist  mir  ebenso  gegangen^ 
bis  mich  vor  Kurzem  ein  Tumor  mit  dieser  Eigenschaft  überraschte 
und  zu  einer  falschen  Diagnose  verleitete. 

Es  stellte  sich  in  der  Klinik  ein  Mann  mit  einem  linksseitigen 
Hoden tumor  vor,  welcher  seit  mehreren  Monaten  entstanden  war  und 

29 


450  CentralblaU  für  Chirurgie.    No.  29. 

nun  die  Grösse  eines  Gänseeies  erreicht  hatte.  Die  Geschwulst  war 
schmerzlos^  hinten^  der  Epididymis  entsprechend,  enthielt  sie  eine 
kleinere  etwas  knollige  und  harte  Masse,  während  die  nach  vom  ge- 
legene Hauptmasse  des  Tumors  deutlich  das  Gefühl  von  Fluctuation 
zeigte  und  lugleich  bei  massig  hellem  Tageslicht  sich  als  durchaus 
durchscheinend  erwies.  Wir  stellten  deshalb  die  Diagnose  auf  eine 
Hodentttberkulose  nebst  sie  b^leitender  Hydrocele.  Die  Castration 
wurde  ausgeführt  und  ich  war  nicht  wenig  erstaunt,  beim  Durch- 
schneiden der  exstirpirten  Geschwulst  statt  auf  die  erwartete  Flüssig- 
keit auf  graue,  trübe,  schwammige  Massen  zu  treffen,  welche  un- 
zweifelhaft als  Sarcom  au&ufassen  waren,  wie  das  auch  durch  das 
Mikroskop  bestätigt  wurde  (Rundzellensarcom).  Auch  nach  der 
Herausnahme  konnte  das  Phänomen  des  Durchscheinens  dieser  Ge- 
schwulst und  zwar  noch  deutlicher  und  selbst  noch  nach  24  Stunden 
constatirt  werden  und  unter  Anwendung  aller  Cautelen,  namentlich 
dem  Ausschluss  seitlich  einfallender  Lichtstrahlen. 

Es  ist  wohl  begreiflich,  dass  eine  Geschwulst,  welche  das  be- 
kannte, weichen  Sarcomen  besonders  eigenthümliche  Symptom  der 
Pseudofluctuation  zeigte  und  durchscheinend  war ,  für  eine  Hydrocele 
gehalten  werdeix  konnte,  denn  gerade  auf  diese  beiden  Symptome 
pflegen  wiir  die  Diagnose  des  Wasserbruches  zu  begründen.  Hier 
würde  die  Probepunction  allein  directen  Aufschluss  zu  geben  im 
Stande  sein. 

Wir  sind  gewohnt  die  in  Rede  stehende  Eigenschaft  des  Durch- 
scheinens als  eine  Eigenschaft  mit  heller^  durc^ichtiger  Flüssigkeit 
gefüllter  Hohlräume  zu  befrachten  xmd  allerdings  ist  es  ja  bekannt, 
dass  cholestearinhaltige  Hydrocelenflüssigkeiten,  sowie  die  der  Sperma- 
tocelen  dieses  Phänomen  in  viel  geringerem  Grade  zeigen,  dass  bei- 
gemengtes Blut  dieselben  Flüssigkeiten  mehr  oder  minder  undurch- 
sichtig macht.  Das  Durchscheinen  der  Ohren  und  Finger  u.  s.  w. 
wird  doch  wohl  auch  nur  dadurch  wesentlich  möglich,  dass  die  in 
diesen  Theilen  circulirenden  Flüssigkeiten  klar  sind.  Um  so  auf- 
fallender ist  es  für  den  ersten  Augenblick,  dass  Geschwülste,  deren 
Zellen  doch  einen  melbr  oder  minder  trüben,  mit  vielen  Kömchen 
erfüllten  Inhalt  haben,  ebenso  deutlich  durchscheinen,  wie  Hydrocelen 
und  sogar  bei  gewöhnlichem  Tageslicht,  natürlich  mit  der  Beihülfe, 
dass  man  das  lacht  zur  Untersuchung  durch  ein  dunkles  B^hr  gegen 
das  Auge  gelangen  lässt.  Ich  habe  mich  seitdem  auch  überzeugt^ 
dass  exstirpirte  hjrpertrophische  Lymphdrüsen ,  ohne  käsige  Entartung 
freilich  j  ausserhalb  des  Körpers  ebenfalls  durchscheinend  sind.  Das 
Licht  muss  diese  Gewebe  aber  durchdringen,  wie  es  mattgeschliffenes 
Glas  durchdringt; 

Es  ist  zu  vermuthen,  dass  das  Durchscheinen  noch  an  mancherlei 
anderen  Creschwülsten  wird  constatirt  werden  können,  wenn  ihre  Lage 
im  Körper  nur  eine  zu  dieser  Untersuchung  hinreichend  zugängliche 
ist,,  so  wahrscheinlich  an  Lipomen  und  Myxomen;  ich  vermuthe, 
dass  Krebsen  und  Adenomen  diese  Eigenschaft  fehlen  wird.     Ob  vrir 


f 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  29.  451 

nun  durch  genauere  Beobachtung  noch  im  Stande  sein  "werden^  fei- 
nere Unterschiede  in  der  Art  des  Durchscheinens^  in  seiner  Inten- 
sität, vielleicht  auch  in  gewissen  Farbennüancen  des  durchfallenden 
Lichtes  herauszufinden,  yermag  ich  nicht  zu  bestimmen;  es  ist  aber 
doch  wohl  jedenfalls  der  Mähe  werth,  darauf  hin  mit  geeignetem  Licht 
und  mit  geeigneten  Instrumenten  etwas  genauer  zu  untersuchen. 
Strassburg,  den  30.  Juni  1875. 


Ein  Wort  zur  Lister'schen  Wundbehandlungsmethode. 

Von 

H.  Tillmanns, 

Privatdocent  für  Chirurgie  an  der  UniTersit&t  Leipzig. 

(Vortrag  gehalten  in  der  med.  Gesellschaft  zu  Leipzig.) 
(Schiusa;  cf.  CentralblaU  No.  28  p.  433  —  437.) 

Im  Anschluss  an  die  gegebenen  allgemeinen  statistischen  Angaben 
sei  es  mir  gestattet,  einige  prägnante  Fälle  besonders  hervorzuheben^ 
welche  von  Prof.  Volkmann  vorgestellt  wurden. 

Zunächst  erwähne  ich  2  Kesectionen  des  Schulter- 
gelenks;  welche  wegen  Caries  sicca  gemacht  wurden.  Vor  der 
Sesection  war  der  total  zerstörte  Gelenkkopf  unter  den  proc.  co- 
racoid.  verschoben;  es  bestand  vollständige  Ankylose  nebst  hoch- 
gradiger Schmerzhaftigkeit  des  Gelenks.  Der  Verlauf  nach  der  Ope- 
ration war  in  beiden  Fällen  fieber-  und  schmerzlos^  so  dass  beide 
Patientinnen  am  14.  Tage  nach  der  Operation  mit  dem  operirten 
Arme  wuschen ,  die  Stube  reinigten  und  passive  Bewegungen  inner- 
halb beschränkter  Grenzen  vollständig  schmerzlos  waren.  Beide 
Patientinnen  sind  nicht  bettlägerig  gewesen  und  hätten  ebenso  gut 
poliklinisch  behandelt  werden  können.  Bei  der  einen  Patientin  (Frau 
Kröwing,  26  Jahre  alt)  waren  am  Tage  der  klinischen  Demonstra- 
tion 6  Wochen  seit  der  Operation  verstrichen  und  die  Vemarbung 
bereits  vollendet.  Hingegen  war  die  zweite  Patientin  (Marie  Koch^ 
26  Jahre  alt)  vor  16  Tagen  operirt  worden^  trotzdem  war  die  Wunde 
bis  auf  eine  linsengrosse ^  nicht  fistulöse  Stelle  geheilt;  Prof.  Volk- 
mann  und  mehrere  anwesende  CoUegen  übten  den  heftigsten  Druck 
auf  dies  vor  16  Tagen  resecirte  Gelenk  aus ,  ohne  dass  die  Patientin 
auch  nur  den  geringsten  Schmerz  empfunden  hätte.    . 

Es  ist  selbstverständlich^  dass  eine  so  überraschend  schnelle  Hei- 
lung nur  deshalb  möglich  war^  weil  es  sich  beide  Male  um  nicht 
fistulöse  Affectionen  handelte.  —  Von  den  Resectionen  des  Ell- 
bogengelenks demonstrirte  Volkmann  einen  Fall  (Friedr.  Farst^ 
39  Jahre  alt)^  welcher  wegen  Zerschmetterung  der  Ulna  durch  Pferde- 
huftritt  mit  Eröffiiung  des  Gelenks  erst  am  dritten  Tage  nach  der 

29» 


452  Gentralblatt  far  Chirurgie.    No.  29. 

Verletzung  resecirt  worden  war.  Trotzdem ,  nach  Angabe  Volk- 
mann 's  absolut  typischer  Verlauf^  totale  Tiefemrerklebung,  nie  ein 
Tropfen  Eiter  im  wörtlichsten  Sinne !  Bei  der  Vorstellung  befand  sich 
Patient  am  14.  Tage  nach  der  Operation  und  erhielt  erst  den  5.  Ver- 
band. Die  Gelenkhöhlenwunde  war  vollständig  primär  verklebt^  die 
Hautwunde  bis  auf  eine  einzige  Drainstelle  ebenfalls  verheilt.  Aus 
der  Drainröhre  9  die  noch  an  demselben  Tage  ganz  entfernt  wurde, 
floss  bei  stärkstem  Druck  auf  das  Gelenk  nicht  ein  Tropfen  Be- 
eret; keine  Schmerzhaftigkeit  des  Gelenks  bei  Druck  etc.;  leichtere 
passive  Bewegungen  erzeugten  keinerlei  Empfindungen.  Der  Arm 
war  auf  einer  Watson'  Schiene  gelagert,  welche  von  Volkmann 
in  der  Weise  modificirt  ist,  dass  die  Hand  in  Supination  steht,  wo- 
durch zugleich  die  Lagerung  eine  sehr  viel  sichere  und  festere  wird. 
Volkmann  wendet  diese  ausserordentlich  brauchbare  und  bequeme 
Schiene  bei  Ellbogenresectionen,  bei  complicirten  Fracturen  des  Vorder- 
arms etc.  mit  grosser  Vorliebe  und  gutem  Erfolge  an.  —  Uebrigens 
erfahre  ich  nachträglich,  dass  auch  in  diesem  FaUe  am  19.  Tage 
(6.  Lister'scher  Verband)  die  Wunde  total  und  bleibend  vernarbt  war. 

Hüftgelenksresectionen  befanden  sich  gleichzeitig  6,  bei 
Kindern  zwischen  dem  2.  und  11.  Ijebensjahre,  in  Behandlung;  sie 
waren  sämmtlich  wegen  Caries  gemacht  worden  und  verliefen  durchaus 
typisch.  Die  bezüglichen  Operationen  waren  ausgeführt  worden  am 
16.  März,  am  15.  April,  17.  April,  26.  April,  20.  Mai  und  2.  Juni. 
2  Fälle  von  vorwiegendem  Interesse  wurden  von  Herrn  Prof.  Volk- 
mann  besonders  demonstrirt  und  besprochen.  In  dem  einen  han- 
delte es  sich  um  einen  sehr  schweren  mit  weiten  Hautablösungen 
verbundenen  Fall  (Carl  Neuhaus,  8  Jahre  alt).  Der  Knabe  war 
vor  6  Wochen  resecirt;  bei  der  Vorstellung  waren  die  Defecte  voll- 
ständig ausgefüllt,  nirgends  mehr  fistulöse  Eiterung,  nicht  die  geringste 
Schmerzhaftigkeit.  In  dem  zweiten  Falle,  einer  erst  vor  9  Tagen 
wegen  Caries  und  totaler  Luxation  ausgeführten  Hüftresection  bei 
jeinem  11  jähr.  Knaben,  constatirten  wir  prima  intentio  der  Wunde 
bis  auf  eine  einzige  Drainstelle.  Bei  stärkerem  Drucke  auf  die  Ge- 
lenkgegend, gegen  den  der  Knabe  völlig  unempfindlich  war,  entleerten 
sich  aus  der  Drainröhre  kaum  Spuren  eines  rein  serösen  nicht  eitrigen 
Secrets,  und  selbst  ausgiebige  Bewegungen,  welche  mit  dem  resecirten 
Oberschenkel  gemacht  wurden,  verursachten  durchaus  keinen  Schmerz. 

Kniegelenksresectionen  befanden  sich  3  in  Behandlung. 
Sie  waren  sämmtlich  wegen  Caries  mit  Luxation  des  Unterschenkels 
nach  hinten  bei  Kindern  von  6  bis  9  Jahren  unternommen  worden. 
Auch  hier  typischer,  d.  h.  vollkommen  reactionsloser  Verlauf.  Alle 
wurden  in  Blechhohlschienen  mit  j_  förmiger  Fussstütze  behandelt. 
Der  merkwürdigste  Fall,  welcher  zugleich  das  glücklichste  von  Volk- 
mann  bei  Knieresectionen  unter  dem  List er'schen  Verbände  erzielte 
Resultat  darstellt,  ist  folgender: 

Anna  Meyer,  9  Jahre  alt,  Caries  des  rechten  Kniees  mit  Luxa- 
tion nach  hinten  und  sehr  grossem,   noch  geschlossenem  Abscess  an 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.     No.  29.  453 

der  äuBseren  Seite  des  Femur.  Reseetion  des  Gelenks  y  Spaltung  und 
sorgfältige  Ausschabung  des  Abscesses  am  10.  Mai.  Absolut^  prima 
intentio  sowohl  der  Gelenkspalte  und  der  Hautwunde,  als  auch  des 
Abscesses.  Das  die  Gelenkspalte  erfüllende  Blutcoagulum  organisirte 
sich.  Am  Tage  der  Vorstellung,  also  nach  4  Wochen,  sah  ich  die 
Patientin  bereits  im  geschlossenen  Gypsverband,  welcher  seit  einiger 
Zeit  angelegt  worden  war.  Ende  Juni  ging,  wie  ich  später  erfuhr, 
Patientin  bereits  sehr  gut  ohne  Stock  in  einem  geeigneten  Schienen- 
apparate. Die  Narbe  in  der  Haut  über  dem  Gelenk  ist  hier  so  fein  wie 
nach  der  gelungensten  plastischen  Operation.  —  Dieser  gewiss  über 
alle  Maassen  günstige  Verlauf  in  dem  letzteren  Falle  war  natürlich  nur 
möglich,  weil  der  Abscess  noch  nicht  aufgebrochen  war.  Die  Kno* 
chen  hatte  Volkmann  nicht  abgesägt,  sondern  mit  dem  Messer  ab- 
geschnitten,  wie  dies  bei  Kindern  fast  ausnahmslos  möglich  ist. 

Von  den  Fussresectionen  sahen  wir  einen  älteren  Fall  aus 
dem  Jahre  1874.  Bei  einer  Frau  in  den  vierziger  Jahren  war 
wegen  schlecht  geheilter,  in's  Gelenk  penetrirender  Fractur  mit 
hochgradiger  Valgusstellung  des  Fusses  die  Totalresection  des  Tibio- 
Tarsalgelenks  ausgeführt  worden.  Das  Resultat  dieser  nach  voll- 
ständig verheilter  Fractur  vorgenommenen  Reseetion  war  in  der  That 
ausgezeichnet:  es  hatte  eine  sehr  schöne  Regeneration  des  Knochens 
stattgefunden,  der  Fuss  stand  in  sehr  guter  Stellung,  vollständig 
rechtwinklig  ohne  die  geringste  Pro-  und  Supination  und  das  Sprung- 
gelenk war  deutlich  activ  beweglich.  Der  vorli^ende  Fall  zeigt, 
dass  es  möglich  ist,  nach  der  Reseetion  gute  functionelle  Resultate 
bei  activ  beweglichem  Fussgelenke  zu  erzielen,  Resultate,  welche  ce- 
teris  paribus  doch  wohl  die  nach  Ankylose  übertreffen  dürften. 
Immerhin  werden  solche  Fälle  zu  den  Ausnahmen  gehören.  — 

Von  den  Amputations fällen  erwähne  ich  kurz  folgende. 
Zunächst  demonstrirte  Herr  Prof.  Volkmann  eine  Exarticulatio  coxae 
bei  einem  45jährigen  Manne  (Myxolipom  des  Oberschenkels  von  der 
Hinterbackenfalte  bis  zur  Kniekehle  reichend,  fast  2  Fuss  im  Durch- 
messer). Am  Tage  der  Vorstellung  war  derselbe  vor  10  Tagen  operirt 
worden  (vorderer  Lappen);  Fat.  war  fieberfrei  und  die  Operations- 
wunde bis  auf  die  2  Drainstellen  prima  geheilt.  Pat.  hatte  sich  übri- 
gens am  Nachmittage  des  Operationstages  so  wohl  gefühlt,  dass  er 
rauchend  im  Bett  gefunden  wurde. 

Von  Interesse  ist  noch,  dass  der  Esmarch'sche  Schlauch  in 
diesem  Falle ,  ohne  Aortencompression ,  eine  vollständig  blutlose  Ope- 
ration ermöglichte. 

Von  den  Oberschenkelamputationen  sah  ich  eine  primäre  Ampu- 
tation nach  Zermalmung  des  Beines  durch  Ueberfahrung  bei  einer 
84jähr.  (!)  Frau  (Frau  Hüter).  Pat.  war  vor  7  Tagen  operirt  worden : 
es  war  absolute  Tiefenverklebung  trotz  geringer  geruchloser  I^appen- 
gangrän  eingetreten.  Pat.  war  fieberfrei,  hatte  nach  Angabe  Volk- 
mann's  überhaupt  kaum  gefiebert;  keine  Schmerzen,  keine  Schwellung 
des  Stumpfes.     Wie  ich  nachträglich  erfahre   befindet  sich  Fat.  auch 


454  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  29. 

heute  noch  wohl  und  sitzt  bereits  im  Bett.  —  Das  so  günstige  Resultat 
bei  dieser  alten,  noch  dazu  anämischen  Frau  wurde  wohl  zum  Theil 
auch  durch  die  Esmarch'sche  Blutleere  ermöglicht.  Dass  man  jetzt 
bei  heruntergekommenen^  äusserst  anämischen  Patienten  besonders 
Amputationen  mit  Aussicht  auf  Erfolg  wagen  kann^  das  verdanken 
wir  ausser  der  antiseptischen  Methode  ganz  besonders  auch  der 
£smarch*schen  Blutleere.  —  Die  beiden  anderen  in  der  Heilung  be- 
griffenen Oberschenkelamputationen  betrafen  Männer  mit  schweren 
complicirten  Unterschenkelfracturen ,  wo  die  conservative  antiseptische 
Methode  theils  wegen  Blutungeir^  theils  wegen  der  erst  im  Verlauf 
der  Behandlung  sich  herausstellenden  zu  grossen  Schwere  der  Knochen- 
verletzung aufgegeben  werden  musste.  In  beiden  Fällen  war  mit  vor- 
derer Lappenbildung  operirt  worden  ^  es  war  absolute  Tiefenverklebung 
erreicht;  beide  Patienten  waren  fieberfrei. 

Von  6  osteoplastischen  Operationen  nach  Pirogoff  er- 
wähne ich  besonders  einen  älteren  Fall  (Zermalmung  des  Fusses 
durch  Auffallen  einer  mehrere  Centner  schweren  Eisenplatte].  Der 
Fall^  am  21.  April  operirt,  war  deshalb  von  ganz  besonderem  Interesse, 
weil  nach  Aussage  von  Prof.  Volkmann  nicht  nur  absolute  prima 
intentio  erfolgte  und  die  Heilung  also  wirklich  ohne  einen  Tropfen 
Eiter  von  Statten  ging,  sondern  Pat.  auch  am  30.  Tage  nach  der 
Operation  die  ersten  Gehversuche  auf  dem  Stumpf  zu  machen  begann. 
Das  Bett  hatte  Pat.  schon  14  Tage  nach  der  Operation  verlassen  können. 

Ein  2.  Fall  zeigte  ein  nicht  minder  schönes  functionelles  Resultat. 
Eine  vor  längerer  Zeit  operirte  Frau  war  im  Stande  ohne  Prothese 
auf  dem  nackten  Stumpf  Trab  zu  laufen,  mit  nur  geringem  Hinken. 
—  Prof.  Volkmann  benutzte  hier  die  Gelegenheit,  um  die  Vor- 
theile  der  von  ihm  geübten  schiefen  Durchsägung  sowohl  des  Unter- 
schenkels, als  des  Calcaneus  klar  zu  legen,  Vortheile,  welche  der 
zuletzt  erwähnte  vorgestellte  Fall  besonders  illustrirte. 

Zwei  Syme'sche,  am  Tage  unseres  Besuches  in  Halle  noch  in 
Behandlung  befindliche  Fussamputationen  waren  ebenfalls  local 
vollständig  reactionslos  verlaufen.  In  beiden  Fällen  war  wegen  Caries 
der  Fusswiuzel  bei  gleichzeitiger  schwerer  Erkrankung  des  Calcaneus 
operirt  worden,  in  dem  einen  bei  einem  12jähr.  Knaben,  in  dem 
anderen  bei  einem  ISjähr.  Mädchen.  Der  Knabe,  welcher  bereits  am 
3.  Tage  nach  der  Operation  das  Bett  verlassen  hatte,  war  am  Vor- 
stellungstage vor  5  Wochen,  das  Mädchen  vor  4  Wochen  operirt  wor- 
den. —  Zum  Schlüsse  sei  noch  einer  Amputation  des  Humerus 
und  einer  Handexarticulation  gedacht.  In  dem  ersteren  Falle 
(Herm.  Schramm,  19  Jahre  alt)  war  vor  7  Tagen  wegen  einer  Ma- 
schienenverletzung  die  primäre  Amputation  des  Oberarms  gemacht 
worden.  Kein  Fieber,  Heilung  per  primam ;  Pat.  ist  nicht  bettlägerig 
gewesen  und  hat  vom  4.  Tage  an  weitere  Spaziergänge  gemacht. 
Die  Handexarticulation  (primär  traumatisch,  Ferd.  Richter,  38  Jahre 
alt)  war  vor  15  Tagen  operirt  worden,  auch  hier  absolute  prima  in- 
tentio mit  fieberlosem  Verlauf. 


Centralblatt  für  Chimigie.    No.  29.  455 

Von  Osteotomieen  wurden  ein  älterer  und  zwei  neue  Fälle 
vorgestellt.     Die  beiden  letzteren  betrafen: 

1)  Resectio  cuneiformis  tibiae  wegen  diffortn  geheilter  Unter* 
schenkelfractur  mit  äusserster  Valgustellung.  Fieberfreier  Verlauf 
ohne  die  geringste  Eiterung;  vor  4  Wochen  operirt^  bereits  consolidirt. 

2)  Keilresection  aus  dem  Femur  dicht  über  der  Gelenkspalte 
wegen  spitzwinkliger  Ankylose  und  gleichzeitiger  Luxation  dee  Unter- 
schenkels nach  aussen  (Edm.  Ludwig,  23  Jahre  alt).  Der  Fall  ver- 
lief  ohne  Eiterung,  Temperatur  bis  38,0,  sonst  nie  erhöht.  Auch 
hier  war  die  Wunde  bereits  seit  längerer  Zeit  vernarbt. 

Von  Mammaamputationen  sahen  wir  5  Fälle,  davon  4  Fälle 
mit  Ausräumung  der  infiltrirten  Achseldrüsen.  Die  Achselhöhlen- 
wunde  hatte  sich,  wie  uns  versichert  wurde,  in  allen  vier  Fällen 
per  primam  geschlossen,  obgleich  es  sich  um  sehr  ausgedehnte 
Operationen  handelte.  Z.  B.  hatte  Volkmann  in  dem  einen  Falle 
gleichzeitig  die  Mm.  pectorales  major  und  minor  vollständig  hinweg* 
genommen,  den  proc.  coracoid.  blossgelegt  und  in  allen  4  Fällen 
die  Achselvenen  in  grosser  Ausdehnung  frei  präparirt.  Drei  dieser 
Fälle  verliefen  ganz  iieberlos. 

Zum  Schlüsse  erwähnen  wir  noch  einer  vor  wenigen  Tagen  aus- 
geführten und  gelungenen  Uranoplastik  nach  v.  Langenbeok 
und  eines  Fibrosarcoms  zwischen  Scapula  und  Wirbelsäule.  Lti 
dem  letzteren  ganz  besonders  interessanten  Falle  war  die  Geschwulst 
von  stark  Kindskopfgrösse  (Längsdurchmesser  25  Cm.)  und  griff  zum 
Theil  weit  unter  die  Scapula.  Die  von  Volkmann  ausgeführte  Ex«* 
stirpation  der  Geschwulst  war  eine  ausserordentlich  eingreifende  Ope« 
ration :  die  proc.  spinosi  der  Wirbelsäule  sowie  der  hintere  Rand  des 
Schulterblattes  und  der  Spina  scapulae  wurden  blossgelegt,  die  Rücken- 
muskeln  zwischen  Columna  und  Scapula  weggenommen  und  letztere 
selbst  vom  Thorax  abgelöst.  Es  trat  absolute  prima  intentio  der  grossen 
Lappen  ein ,  so  dass  nur  in  der  Mitte  ein  flacher  Defect  zurückblieb, 
weil  hier  die  mit  dem  Tumor  verwachsene  Haut  hatte  weggenommen 
werden  müssen.  Die  Temperatur  war  nur  2  Mal  über  38,0  erhöht. 
Fat.  war  vor  9  Tagen  operirt  und  ist,  wie  mir  nachträglich  mitgetheilt 
wurde,  am  14.  Tage  nach  der  Operation  entlassen  worden.  Der  Fall 
ist  einer  der  grossartigsten  Erfolge,  welche  nach  Aussage  von  Prof. 
Volk  mann  unter  dem  antiseptischen  Verbände  mit  methodischer 
Compression  in  der  Halle'schen  Klinik  beobachtet  vnirden. 

Gerade  in  solchen  Fällen,  wie  im  vorliegenden >  fordert  die  me» 
thodische  Compression  die  Heilung  per  primam  gewiss  ganz  ausser- 
ordentlich. 

Das  sind  die  Resultate,  welche  Volkmann  durch  strengste 
Durchführung  des  antiseptischen  Princips  erzielt  hat.  Ich  kann  es 
wohl  unterlassen,  hier  nochmals  das  Ungewöhnliche,  das  Neue  in 
den  vorliegenden  Angaben  hervorzuheben.  So  viel,  glaube  ich,  steht 
fest,  in  den  Erfolgen  Volkmann 's  und  auch  anderer  Anhänger 
Lister's,    z.   B.    Thiersch's,    finden    sich   zum  Mindesten   über- 


456  Centralblatt  far  Chirurgie.     No.  29. 

zaachende  Momente;  sie  müssen  den  Gegnern  des  antiseptic  treatment 
viel  zu  denken  geben.  Die  Resultate  fallen  schwer  in  die  Wagschaale 
für  di&  Bichtigkeit  des  Lister'sdien  Princips.  In  der  That  giebt  es 
wohl  f&x  den  praktischen  Chiruigen  kaum  eine  wichtigere^  ernstere 
Frage  als  die  der  Wundbehandlungsmethode.  Um  so  mehr  muss  man 
sich  wundem^  dass  die  von  Lister  behaupteten  Thatsachen  bis  jetzt 
so  wenig  einer  ernsten  Prüfung  von  den  Fachgenossen  unterworfen 
worden  sind.  Wir  müssen  leider  gestehen^  dass  wir,  wie  Volk- 
mann mit  Recht  sagt  (1.  c.  p.  3),  »in  der  List  er- Frage  einerseits 
über  den  die  Beweisgründe  nicht  allzu  ängstlich  abwägenden  prin- 
cipiellen  Enthusiasmus  und  andereAeits  über  die  principielle  passive 
Negation  kaum  noch  hinausgekommen«.  Manche  Fachgenossen  werden 
dutch  theoretische  Bedenken  von  einem  Versuch  des  antiseptic  treat- 
ment abgehalten,  sie  können  sich  nicht  zu  der  List  er 'sehen  An- 
nahme verstehen,  dass  die  deletären  Formen  der  Eiterung  und  Ent- 
zündung auf  einem  parasitären  Einflüsse  beruhen.  Wie  uns  aber  das 
Beispiel  von  Volkmann  und  Thiersch  beweist,  kann  man  in 
praxi  treuer  Anhänger  der  antiseptischen  Wundbehandlung  sein, 
ohne  deshalb  der  »Pilz -Theorie«  ohne  Weiteres  beipflichten  zu 
müssen.  Auch  wird  in  diesem  Puncto  L  i  s  t  e  r  wohl  seine 
früheren  Ansichten  modificiren,  nachdem  Ranke*}  in  typisch  ver- 
laufenden Fällen  unter  dem  Liste r*schen  Verbände  Bacterien  etc. 
gefunden  hat.  --  Wieder  andere  Fachgenossen  halten  den  Li  st  er '- 
sehen  Verband  für  zu  theuer,  um  Versuche  damit  anstellen  zu  können. 
Ich  glaube  auch  diese  Entschuldigung  dürfen  wir  nicht  gelten  lassen. 
Zunächst  muss  man  bedenken,  dass  die  Kostspieligkeit  des  Ver- 
bandes dadurch  geringer  wird,  dass  die  Zahl  der  Verpflegungstage 
der  einzelnen  Patienten  bei  der  antiseptischen  Behandlung  eben- 
falls abnimmt.  Sodann  kann  man  bekanntlich  auch  den  Preis 
wesentlich  dadurch  herabsetzen,  dass  man  die  Thiersch 'sehe**) 
Methode  wählt  oder  beim  typischen  List  er -Verbände  statt  der  ge- 
wöhnlichen Lister'schen  Carbolbinden  einfache  in  wässrige  Carbol- 
lösung  getauchte  Mtdlbinden  anwendet.  Und  wenn  wir  schliesslich 
noch  an  die  wohl  feststehende  Thatsache  erinnern,  dass  strengste 
Antisepsis  am  wirksamsten  vor  Hospitalbrand,  Pyämie  und  Septikämie 
schützt,  dass  sie  somit  aus  einem  in  sanitärer  Beziehung  schlechten 
Hospitale  ein  gutes  macht,  dann  sollte  man  meinen,  dass  die  Kost- 
spieligkeit des  antiseptischen  Verbandes  nicht  allzu  sehr  von  seiner 
Anwendung  abhalten  dürfte. 

Zum  Schlüsse  möchte  ich   nur  noch  einen  Punct  hier  kurz  er^ 
wähnen.      Wenn   man    die   heutige    chirurgische   Journal- Li tteratur 


*)  Centralblatt  für  Chirurgie  1874.  No.  13. 

**)  C.  Thiersch,  Kliniache  Ergehnisse  der  Lister'schen  Wundbehandlung 
und  über  den  Ersatz  der  Carbolsäure  durch  Salicylsäure.  Sammlung  klinischer 
Vortrftge  herausgegeben  von  Prof.  Volk  mann.  No.  84— 85.  Leipzig  1875.  Breit- 
kopf &  Hftrtel. 


Centralblatt  für   Chirurgie.    No.  29.  457 

durchblättert,  so  findet  man  oft  casuistische  Mittlicüungen ,  in  wel- 
chen kurz  für  oder  gegen  Li  st  er  raisonnirt  wird.  Es  ist  irgend  ein 
Fall  angeblich  »streng  nach  Listera  operirt  worden  und  je  nach 
dem  Erfolg  wird  für  oder  gegen  die  antiseptische  Wundbehandlung 
Stellung  genommen.  Solche  einmaligen  Versuche  beweisen  aber 
nichts.  Möchten  doch  die  betreffenden  Autoren  nicht  glauben  ^  dass 
sie  wirklich  »streng  nach  List  er«  verfahren  haben.  Man  kann 
nicht  so  ohne  Weiteres  die  antiseptische  Methode  praktisch  durch- 
führen, sie  muss  erst  durch  ernste  Uebung  erlernt  werden,  besonders 
muss  das  Wartepersonal  geschult  werden,  will  man  Erfolge,  wie  die 
oben  mitgetheilten,  erzielen.  Ebenso  wie  diesen  einmaligen  List  er- 
Versuchen fehlt  auch  den  rein  theoretischen  Kaisonnements  ohne 
praktische  Belege  jede  Beweiskraft. 

Doch  wenn  wir  auch  eine  noch  allseitigere  Prüfung  der  Lister'- 
schen  Methode  baldigst  wünschen  möchten ,  so  wollen  wir  doch  vor- 
läufig damit  zufrieden  sein,  dass  das  antiseptische  Princip  der  Wund- 
behandlung in  Deutschland  wenigstens  festen  Fuss  gefasst  hat.  Viel- 
leicht dürfen  wir  erwarten,  dass  auch  die  hier  mitgetheilten  Erfolge 
Volkmann 's  den  einen  oder  anderen  Fachgenossen  zu  einem  ernst- 
gemeinten Versuch  mit  der  antiseptischen  Wundbehandlungsmethode 
anregen. 

Und  wenn  sich  erst  das  Princip  der  antiseptischen  Wundbehand- 
lung allgemeiner  Bahn  gebrochen,  dann  werden  sich  zweifellos  bald 
die  heilsamen  Folgen  auf  die  Eutwickelung  unserer  chirurgischen 
Disciplinen  zeigen.  Es  ist  noch  nicht  abzusehen,  in  wie  weit  die  chi- 
rurgischen Indicationen ,  die  Operationstechnik  etc.  von  dem  antiseptic 
treatment  modificirt  werden  wird.  Bezüglich  der  chirurgischen  Sta- 
tistik können  wir  schon  heute  sagen ,  dass  sie  durch  die  antiseptische 
Methode  jedenfalls  gewaltig  umgestaltet  wird.  Die  früheren  Zahlen 
werden  mehr  oder  minder  an  ihrem  Werthe  verlieren,  ganz  andere 
Gesichtspuncte  werden  bei  der  Anfertigung  statistischer  Zusammen- 
stellungen massgebend  sein.  — 


P.  L,  Panuin.     Zur  Orientirung  in  der  Transfusionsfretge. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXIÜ.  p.  1 .) 

Die  Ansicht,  es  sei  möglich  durch  Bluttransfusion  einem  Indi- 
viduum  unmittelbar  Nahrungsmaterial  zuzuführen ,  ist  falsch.  Es  ist 
nicht  möglich  das  Leben  eines  Individuums  durch  wiederholte  Trans- 
fusionen zu  erhalten ,  wie  P.  schon  durch  frühere  Experimente  nach- 
gewiesen hat.  So  nimmt  bei  der  Inanition  die  relative  Blutmenge 
nicht  ab ,  die  relative  Menge  der  Blutkörperchen  und  des  Faserstoffes 
wird  nicht  merklich  verändert.  Die  Menge  der  Eiweissstoffe  des  Serum 
wird  etwas,  aber  nur  unbedeutend  vermindert  und  nicht  einmal  ganz 


458  Ceniralblatt  für  Chirurgie,     Nol  29. 

constant.  Ebenso  bleibt  der  grösste  Theil  der  einem  hungernden  Thiere 
durch  wiederholte  Transfusionen  zugeführten  fremden  Hlutkörperchen 
erhalten.  Ihre  Substanz  dient  nicht  als  Nahrungsmaterial  zur  Deckung 
der  unvermeidlichen  Abgabe  des  Stoffwechsels^  ihre  Gegenwart 
scheint  im  Gegentheil,  vielleicht  durch  Vermehrung  des  Sauerstoff» 
Verbrauches,  zur  Yergrösserung  des  bei  der  Inauition  eintretenden 
Gewichtsverlustes  beizutragen.  Die  physiologische  Bedeutung  des  Blutes 
für  die  Ernährung  besteht  darin,  dass  es  als  ein  flüssiges  Gewebe  mit 
Hülfe  des  Kreislaufes  zum  Transportmittel  dient  für  andere  Stoffe^ 
welche  nicht  den  eigentlichen  constituirenden  Bestandtheilen  des  Blutes 
angehören ,  namentlich  für  die  vom  Darm  aufgenommenen  Nahrungs- 
stoffe auf  ihrem  Wege  zu  den  Geweben.  Von  der  grossen  Masse 
dieser  Stoffe  aber,  die«  in  24  Stunden  durch  das  Pfortaderblut  und 
durch  den  Chylus  vom  Darm  aufgenommen  werden»  ist  in  jedem 
einzelnen  Moment  nur  sehr  wenig  im  Blute  vorhanden. 

»Ebensowenig  kann  man  den  Organismus  durch  eine  mitDepletion 
verbundene  Transfusion  von  schädlichen  Excretionsstoffen  oder  von 
solchen  giftigen  Substanzen  befreien,  welche  immerfort  im  Organismus 
gebildet  und  reproducirt  werden.«  Das  bei  Pyämie,  Erysipelas^  Diph- 
theritis  wirksame  Gift  wird  sicher  nicht  nur  im  Blut,  sondern  auch 
immerfort  in  den  Geweben  des  kranken  Organismus  erzeugt.  Bei  der 
Grösse  dieser  Bildungsfahigkeit,  bei  der  Schnelligkeit  des  Kreislaufes 
ist  die  Giftmenge,  welche  sich  durch  die  Depletion  entfernen  lässt,  ver- 
schwindend klein  zu  nennen,  im  Verhältniss  zu  der  während  eines  Tages 
producirten  Menge.  Nach  P.  lassen  sich  Blutkörperchen  von  einem 
Individuum  in  ein  anderes  Individuum  derselben  Art  recht  wohl 
transplan tiren.  Sie  bewahren  im  gequirlten,  defibrinirten  Blut  ihre 
Form  und  ihre  Fähigkeit  durch  Aufnahme  von  Sauerstoff  Oxyhämo- 
globin  zu  bilden.  Defibrinirtes  Blut  soll  also  für  die  Transfusion 
gleichwerthig  mit  ursprünglichem  nicht  defibrinirtem  Blut  sein. 

Die  Transfusion  hat  nur  eine  unzweifelhaft  rationelle  Indication. 
Sie  ist  nur  am  Platz ,  wo  der  Mangel  an  functionsfähigen  rothen  Blut- 
körperchen die  primäre  und  wesentliche  Krankheitsursache  bildet. 
Zur  Diagnose  dieses  Blutkörperchenmangels  genügt  es  nicht,  auf  Puls, 
Gesichtsfarbe,  Temperatur,  Rücksicht  zu  nehmen,  sondern  die  Vor- 
nahme einer  sorgsamen  Blutuntersuchung  ist  unerlässlich.  Dieselbe  soll 
nach  P.'s  Vorschlag  nach  der  Methode  von  Malasse 2  (cf.  CentralbL 
f.  Chir.  1874,  p.  37)  geschehen,  was  in  etwa  V2  Stunde  und  mit 
einem  nur  kleinen  Bluttröpfchen  ausführbar  ist. 

Als  Contraindication  der  Transfusion  erscheint  grosse  Schwächung 
des  Nervensystems,  speciell  der  Herznerven,  welche  den  Eintritt  einer 
Paralyse  des  Herzens  während  der  Transfusion  befürchten  lässt.  — 
Aus  dem  zweiten,  längeren  Theil  der  P. 'sehen  Arbeit,  die  in  vor- 
wiegend polemischer  Art  sich  mit  den  Arbeiten  von  Gesellin s  und 
Hasse  beschäftigt  und  zum  Theil  in  ihren  Resultaten  mit  denen  von 
Ponfick  (CentralbL  für  Chirurg.  1875,  No.  19)  völlig  überein- 
stimmt,  seien  nur  folgende  Sätze  hervorgehoben.     Die  unmittelbare 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  29.  459 

Transfusion  ist  ohne  grosse  Schwierigkeit  ausführbar^  aber  mit  drei 
wesentlielien  Misslichkeiten  verbunden.  Die  transfundirte  Blutmenge 
ist  nur  dadurch  zu  bestimmen,  »dass  man  die  beiden  betreffenden 
Individuen,  vor  und  nach  der  Transfusion,  auf  einer  hinreichend 
grossen  und  fein  ziehenden  Wage  wägt;  man  ist  also  ausser  Stand 
die  Transfusion  gerade  dann  zu  unterbrechen,  wenn  eine  vorher  be- 
stimmte Blutmenge  transfundirt  ista.  Das  von  Hasse  benutzte  Zeichen 
des  Eintritts  von  Ohnmacht  und  Bewussdosigkeit  bedeutet  nur,  dass 
in  dem  Moment  das  Leben  des  Individuums  durch  Ueberfiillung  des 
rechten  Herzens  bedroht  ist,  es  zeigt  nicht  an,  ob  die  Blutmenge, 
die  der  Kranke  bekommen  hat,  gross  oder  gering  ist,  indem  man 
durch  schnelle  und  forcirte  Injection  die  genannten  Erscheinungen 
schon  mittelst  einer  verhältnissmässig  sehr  geringen  Blutmenge  hervor- 
bringen  kann.  Bei  der  unmittelbaren  Transfusion  ist  man  niemals 
sicher,  dass  nicht  Blutgerinnsel  mit  transfundirt  werden.  Die  Schnellig- 
keit des  Ueberströmens  des  Blutes  ist  nicht  zu  reguliren  und  es  kann 
die  Transfusion  aus  diesem  Grunde  lebensgefahrlich  werden.  —  Die 
Transfusion  mit  defibrinirtem  Blut  verdient  nach  P.  mit  Kücksicht 
auf  die  leichte  und  sichere  Ausführung  der  Operation  unbedingt  den 
Vorzug  vor  der  mit  nicht  defibrinirtem  Blut.  Neue  Versuchsreihen 
beweisen,  dass  Magendie's  Theorie  von  der  Bedeutung  des  Faser- 
stoffes für  den  Durchgang  des  Blutes  durch  die  Capillaren  unrichtig 
ist.  Transfusion  von  Lammblut  oder  Thierblut  überhaupt  ist  nicht 
im  Stande  dem  Mangel  an  functionstüchtigen  Blutkörperchen  abzu- 
helfen ,  da  die  fremdartigen  Blutkörperchen  sehr  bald  im  blutempfan- 
genden Organismus  zu  Grunde  gehen.  —  Zahlreiche  werthvoUe  Be- 
merkungen über  die  Technik  der  Operation  finden  sich  in  der  ganzen 
Arbeit  zerstreut  und  sind  im  Original  nachzusehen. 

Madelung  (Bonn). 


BoUJnger.     Zur  Aetiologie  der  Kälberlähme,   nebst  Bemer- 
kungen über  Vergiftung  durch  Kalbfleisch. 

(Deutsche  Zeitechrift  f.  Thiermed.  u.  vergl.  Pathologie  1875.  Bd.  I.  Hft  1.) 

Wie  früher  für  die  Fohlenlähme  (Virch.  Arch.  Bd.  58,  p.  329), 
so  weist  B.  jetzt  auch  für  die  als  Lähme  oder  Gelenkseuche 
bezeichneten  Krankheitsformen  innerhalb  der  ersten  Lebenswochen 
bei  Kälbern  nach,  dass  das  Wesentliche  des  Processes  eine  mit  Me- 
tastasen einhergehende  Pyämie ,  ausgehend  von  einer  eiterigen  Nabel- 
yenenentzündung ,  sei.  Die  Ursache  der  grossen  Häufigkeit  dieser 
Processe  sieht  B.  in  der  vollkommen  mangelnden  Nabelpflege  und  der 
häufigen  Berühnmg  der  frischen  Nabelwunde  beim  Niederlegen  des 
Thieres  in  einem  aus  Koth ,  Harn  und  Fäulnissproducten  zusammen- 
gesetzten Bade,  welches  die  Wunde  auf  die  einfachste  Weise  mit 
giftigen ,   fermentirenden  Stoffen  inficirt.     Das  enzootische  Auftreten 


460  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  29. 

der  Lähme  in  Gestüten  vergleicht  er  mit  dem  endemischen  Auftreten 
der  Pyämie  und  Septikämie  in  unsern  Gebärhäusern;  doch  besteht 
insofern  ein  wesentlicher  Unterschied  zwischen  Mensch  und  Thieren, 
als  in  Gebärhäusern  in  der  Kegel  mit  der  Pyämie  der  Säuglinge 
gleichzeitig  Puerperalfieberepidemieen  beobachtet  werden ,  während  bei 
den  Thieren  letztere  meist  fehlen.  Dies  erklärt  B.  aus  der  Seltenheit 
der  manuellen  Untersuchungen  und  Hülfsleistungen  bei  Hausthieren^ 
sowie  aus  dem. Umstände ,  dass  die  Lösung  der  Placenta  bei  letzteren 
aus  anatomischen  Gründen  ohne  Gefösszerreissung  vor  sich  geht^ 
mithin  auch  die  Innenfläche  des  Uterus  nach  der  Geburt  keine  eigent- 
liche Wundfläche  darstellt. 

Im  AnscUuss  daran  wird  ein  Fall  mitgetheilt,  in  welchem  der 
Fleischgenuss  eines  frisch  geschlachteten  Kalbes  mit  congenitaler 
Pyämie  schwere  Vergiftungserscheinungen  bei  27  Personen  und  einen 
Todesfall  herbeiführte.  Die  Symptome  bestanden  in  heftigem  Brech- 
durchfall mit  cerebralen  Störungen  und  ähnelten  denen  bei  Wurstgift- 
intoxication.  Am.  Hiller  (Berlin). 


Voltolini.     Ein  besonderes  Stethoskop. 

(Berl.  klinische  Wochensohrift  1875.    No.  16.) 

Verf.  bedient  sich  eines  Hörrohrs,  bestehend  aus  einem  1  —  l^j' 
langen  Gummischlauch ^  der  unten  ein  trichterförmiges  Ende,  oben 
einen  eichelformigen  Zapfen  trägt.  Letzteren  stopft  man  sich  in  das 
Ohr,  das  erstere  setzt  man  auf  die  zu  untersuchende  Stelle.  Es  ist 
dieser  Apparat  sowohl  acustisch  richtig  construirt,  als  praktisch 
brauchbar.  Bei  unseren  gebräuchlichen  soliden  oder  durchbohlten 
Stethoskopen  liegt  der  Hauptfehler  darin,  dass  die  »physikalisch  un- 
begreifliche Platte«,  aufweiche  die  Ohrmuschel  aufgelegt  wird,  nicht 
dicht  durch   das   Ohr  geschlossen  wird;  jener  Zapfen  dagegen  kann 

bis  an  den  knorpeligen  Theil  des  Ohres  fest  eiugespresst  werden. 

r.  Mosengeil  (Bonn). 


AL  Ulwersky.      Zur  Frage  über    die    traumatische   Leber- 

entzündung. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXÜI.  p.  189.) 

Die  Untersuchungen  wurden  im  Laboratorium  für  allgemeine 
Pathologie  in  Kiew  ausgeführt.  Zum  Hervorrufen  der  Entzündung 
wurden  Holzsplitter,  zusammengedrehte  Seidenfäden  in  die  Leber  von 
Fröschen,  Kaninchen,  Hunden  eingeführt,  desgleichen  durch  Einstich 
verdünnte  Ammoniaklösung  eingespritzt.  Die  Leberzellen  nehmen 
keinen  activen  Antheil  an  der  Entzündung ,  sondern  werden  auf  dem 
Wege  regressiver  Metamorphose  zerstört.  Die  Eiterkörperchen  stellen 
nicht  Theilungsproducte  der  Leberzellen  dar,   sondern  sind  emigiirte 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  29.  461 

farblose  Blutkörperchen.  Die  Neubildung  von  Bindegewebe^  als  Pro- 
duct  der  Entzündung^  erfolgt  wahrscheinlich  auch  auf  Kosten  der 
letzteren.  Hadelmig  (Bonn). 

Spiegelberg.  Ueber  die  Fissur  des  Blasenhalses,  mit  Be- 
merkungen  über  die  rapide  Dilatation   der  Harnröhre  beim 

Weibe. 

(Vortrag  in  der  med.  Section  der  Schlesischen  OesellBchaft.) 
(Berl.  klinische  WochenBchrift  1875.  No.  16.) 

Verf.  berichtet  über  die  in  der  Litteratur  bisher  nirgends  erwähnte 
Affection,  dass  er  sie  bei  rapider  Dilatation  der  Harnröhre  in  einem 
Falle  von  lange  bestellenden  Blasenkrämpfen  entdeckte.  Nach  einem 
Wochenbette  waren  dieselben  zurückgeblieben  und  keiner  Behandlung 
gewichen.  Sp.  vermuthete  Polypen  im  sogenannten  Blasenhalstheile^ 
fühi'te  zu  ihrer  Beobachtung  ein  Ellinger'sches  Dilatatorium  in  die 
Urethra  und  öffnete  es.  Es  folgte  heftiger  Schmerz^  der  bald  nach- 
Uess ;  Polypen  wurden  nicht  gefunden.  Es  besserte  sich  der  Zustand 
merklieh.  Verf.  führte  nach  einigen  Tagen  einen  Husch'schen  Di- 
latator  ein,  und  danach  ein  sogenanntes  Intrauterinspeculum  nach 
Jobert.  Jetzt  konnte  man  an  der  obersten,  engsten  Partie  der 
Urethra  eine  IV2  Cm.  lange  wunde,  granulirt  aussehende  Stelle  er- 
kennen. Sie  blutete  nicht.  Aetzung  mit  dem  l^apisstifte  führte  in 
5  Tagen  völlige  Heilung  herbei.  Ein  Parallelfall,  der  auch  aus  dem 
Wochenbette  datirte,  wurde  in  der  Narcose  gleichartig  behandelt  und 
ebenso  schnell  geheilt.  Die  Bezeichnung  Fissur  ist  von  dem  seinem 
Wesen  nach  ähnlichen  Leiden  gleichen  Namens  am  Anus  genommen. 
—  Hinsichtlich  der  brüsken  Dilatation  sagt  Sp.,  dass  sie  zuerst  von 
P.  Hybord  und  Simonin  1872  geübt  sei.  Sp.  selbst  nimmt  meist 
mit  Dilatatorien  (nach  Ellinger,  Busch 's  Uterusdilatator ,  Si- 
mon'sche  Specula  etc.)  die  Erweitenmg  vor.  Andere  mit  den  Fin- 
gern. In  der  Narkose  kann  man  bia  auf  2^2  Cm.  erweitem,  ohne 
Incontinenz  fürchten  zu  müssen.  Nach  der  Dilatation  kann  man 
Digitalexplorationen ,  Inspectionen  und  die  eigentlichen  Operationen, 
deren  Voract  die  Erweiterung  war,  vornehmen. 

T«  Mosengeil  (Bonn). 

H.  Fehling  und  O.  LeopoIcL  Ein  Beitrag  zur  Lehre  von 
den  kystischen  Myomen   des  Uterus    (Myosajrcoma  lymphan- 

giectodes  uteri). 

(Novembersitzung  1874  der  geburtshülflichen  Gesellschaft  zu  Leipzig.) 

Bei  einer  an  Tumor  uteri  leidenden  37jähr.  Frau  war  die  Diagnose 
auf  Fibromyom  des  Uterus  mit  theilweiser  kystischer  Entartung  gestellt» 
Mit  einem  krummen  Troikart  wurde  vom  vorderen  Vaginalgewölbe 
die  fluctuirende  Stelle  der  Geschwulst  punctirt  und  hierbei  1500  Gm* 
einer  hellgelben  Flüssigkeit  entleert  >  die  sofort  an  der  Luft  zu  einer 


462  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  29. 

klaren  Gallerte  gerann,  chemisch  wesentlich  nnr  durch  ihren  Gehalt 
an  Fibrin  von  Ovarialcysteninhalt  sich  unterschied.  In  die  Punc- 
tionsöffnung  wurde  ein  M  e  r  c  i  e  r'scher  Katheter  eingelegt^  aus  dem  sich 
in  den  nächsten  Tagen  noch  etwas  Flüssigkeit  entleerte.  Septicämi- 
sches  Fieber,  Abgang  von  Blut,  später  chocoladenfarbiger  Jauche  aus 
der  Punctionsöffhung.  Tod.  Nach  Leopold' s  Untersuchung  war  die 
G^eschwulst  aufzufassen  als  Myom,  dessen  Hohlräume  durch  die  Er- 
weiterung wirklicher  Lymphgefasse  herbeigeführt  worden  waren.  Den 
diagnostischen  Werth  der  Functionen  bei  Unterleibstumoren  macht 
auch  dieser  Fall  deutlich.  Aber  ebenso  erhellt  auch  hieraus  die  Ge- 
fahr der  Functionen,  wenn  man  es  mit  Kysten  zu  thun  hat,  deren 
dicke  Wandungen  sich  nach  der  Function  nicht  an  einander  legen 
können.  Jedenfalls  empfiehlt  es  sich  den  Di eulafoy'schen  Apparat 
zu  benutzen  und  nur  so  viel  Flüssigkeit  abzuzapfen ,  als  zur  Stellung 
einer  sicheren  Diagnose  nöthig  ist.  Madelnng  (Bonn). 


Kleinere  Mittheilungen. 


G.  Juillard.     Note  sur  une  nouyelle  sonde  metallique. 

(Bulletin  de  la  8oci6t6  m6dicale  de  la  Suisse  romande.  1875.  No.  4.) 
Zur  leichten  Einführung  von  elastischen  Kathetern  in  die  Blase ,  wenn  silberne 
ohne  grosse  Mühe  sich  einführen  lassen,  während  erstere,  wie  es  nicht  selten  ist, 
entweder  gar  nicht  oder  nur  sehr  schwer  hineingebracht  werden  können,  bedient 
flieh  J.  eines  silbernen,  vom  abgeschnittenen  durch  einen  dickgeknöpften  Mandrin 
verschliessbaren  Katheters. 

Nach  Entfernung  des  Mandrin  wird  durch  den  Katheter  ein  geknöpfter  70  Cm. 
langer  silberner  Leitungsdraht  eingeführt,  über  welchen  zunächst  der  silberne  Ka- 
theter herausgezogen,  und  dann  der  vorn  ebenfalls  abgeschnittene  elastische  hinein- 
geführt wird. 

Verf.  theilt  5  Fälle  mit ,  wo  es  nur  durch  diese  Methode  möglich  wurde ,  zum 
Ziele  zu  kommen.  Clirard  (Bern}. 

C.  F.  Wahlberg.     Mikroskopisk  undereäkning  af  tumörer. 

(Finska  Lakaresänskapets  Handlingar  Bd.  XVI.  No.  4.) 

Es  werden  die  Resultate  der  Untersuchung  zweier  Tumoren  aus  der  Vagina 
mitgetheilt»  eines  Spindelzellen-  und  eines  kleinzelligen  Rundzellensarcoms.  Beide 
Waren  stark  vascularisirt.  Die  zweite  Geschwulst  stammte  aus  der  Vagina  eines 
2jähr.  Kindes  und  war  von  so  weicher  Consistenz,  dass  der  Operateur  sie  nur  in 
sehr  kleinen  Stücken  entfernen  konnte.  Die  Grösse  des  Tumors  deshalb  sehr 
schwer  zu  bestimmen ;  das  grösste  Stück ,  welches  zur  Untersuchung  kam ,  war 
etwa  von  der  Grösse  einer  Wallnuss,  sehr  weich  und  auf  der  Schnittfläche  braun 
und  weisslich.  An  diese  beiden  Fälle  wird  eine  Betrachtung  über  das  Entstehen 
der  Kundzellensarkome  geknüpft.  In  der  ersten  Geschwulst  war  nämUch  die 
Bindegewebsnatur  leicht  zu  erkennen.  Die  Zellen  des  zweiten  Tumors  glichen 
aber  durchaus  den  farblosen  Blutkörperchen  und  müssen  als  solche  betrachtet  werden. 
Zu  Gunsten  dieser  Ansicht  spricht  auch  der  Bau  des  Tumors,  denn  erstens  war 
derselbe  reich  an  Venen  und  Capillaren,  durch  welche  eine  Diapedesis  der  Blut- 
körperchen stattfindet.  Dagegen  war  die  Zahl  der  Arterien  eine  sehr  kleine  und 
in  Folge  dessen  muss  die  venöse  Blutcirculation  i  durch  Mangel  einer  starken  vis 
a  tergo  eine  sehr  langsame  gewesen  sein,  welches,  wie  Cohnheim  nachgewiesen, 
eine  nothwendige  Bedingung  für  das  Zustandekommen  einer  Diapedesis  ist.  Zwei- 
tens ist  die  Aehnb'chkeit  zwischen  dieser  Geschwulst  und  einem  organisirten  Thrombus 


Centralblatt  far  Ckirurgie.     No.  2d.  463 

allxu  gross ,  um  ignorirt  werden  su  ktonen ,  und  drittens  sieht  man  innerhalb  der 
Oefässe  Zellen  von  derselben  Natur,  wie  die  in  der  Geschwulst. 

W^eitere  Studien  in  dieser  Frage,  mit  welcher  der  Verf.  beschäftigt  ist,  sollen 
später  mitgetheilt  werden.  Wahlberg  (Helsingfors) . 

Wright.    Stillborn  foetus  at  füll  term^  witb  congenital  lipoma  attached 

to  the  roof  of  mouth  and  case  of  skull. 
(New  York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXI.  Hft.  4.  p.  392.) 
Ein  sonst  wohlgebildetes  und  ausgetragenes  Xind  stirbt  sofort  nach  der  Geburt. 
Ein  einer  Zungenspitze  fihnliches  Gebilde  ragte  zwischen  den  Lippen  hervor.  Es 
ist  das  Vorderstück  einer  abgeplatteten  eiförmigen  Geschwulst,  die  am  harten  Gaumen 
und  der  Schädelbasis  festsitzt,  die  Choanen  verschliessend  bis  auf  eine  enge  nur 
eine  Sonde  durchlassende  Spalte.  Die  Oberfläche  der  Geschwulst  bedeckt  weiches 
flaumiges  Haar  und  ein  Epithellager  mit  Haarbälgen  und  Talgdrüsen.  Die  eigent- 
liche Masse  der  Geschwulst  besteht  aus  quer  gestreiften  Muskeln  und  aus  Fett- 
gewebe. Madelung  (Bonn). 


B.  F.  Weir.     Ichthyosis  of  the  tongue  and  vulva. 

(New  York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXL  Hft.  3.  p.  240.) 
Verf.  giebt  nach  Aufzählung  des  bisher  über  diese  Affection  in  der  englischen 
und  französischen  Litteratur  Mitgetheilten  9  Krankengeschichten  von  Ichthyosis  der 
Zunge  y  eine  von  dem  bisher  unbeobachteten  Vorkommen  desselben  Leidens  auf 
der  Schleimhaut  der  Scheide.  Eine  Frau  litt  seit  dem  16.  Jahre  an  ausserordentlich 
starkem  Pruritus  vaginalis,  gegen  den  sie  in  letzter  Zeit  vergeblich  10  — 12  Gran 
Morphium  täglich  nahm.  Excision  und  Galvanocauterisation  der  Schleimhaut  der 
Labia  minora  waren  ohne  dauernden  Erfolg.  1869  wurde  die  Ichthyosis  der  kleinen 
and  theilweise  der  grossen  Schamlippen  constatirt  und  ohne  Erfolg  behandelt.  1 870 
mussten  dieselben  Theile  wegen  ausgebildeten  Bpitheliacalrcinoms  entfernt  werden. 

Madelung  (Bonn.) 

FerguBson  M'QiU.   Aneurysma  der  Subclavia  behandelt  mit  temporärer 

directer  Compression  des  Gefässes. 
(The  Lancet  1875.  Vol.  1 ,  p.  612.  '  Med.  chirurg.  Gesellsch.) 
M'Gill  berichtet  über  einen  Fall  von  Aneurysma  der  Subclavia  bei  einem 
34jähr.  Manne,  der  seit  3  Jahren  eine  pulsirende  Schwellung  im  äusseren  Drittel 
der  Subclavia  bemerkt  haben  will.  Dxgitaleompression  und  Knetung  wurde  ohne 
Erfolg  angewandt)  dagegen  schaffte  Galvanopunctur  mehrfach  vorübergehende  Besse- 
rung. Als  das  Aneurysma  immer  mehr  zunahm ,  die  Sehmerzen  im  Arme  heftiger 
wurden,  legte  Verfasser  an  der  im  ersten  Drittel  freigelegten  Subclavia  (bei  der 
Freilegnng  wurde  die  Pleurahöhle  eröffnet)  eine  Torsionszange  durch  10V2  Stunde 
an ,  om  ohne  (?)  Schädigung  der  Gefäashäute  Gerinnung  im  Sacke  herbeizuführen ; 
am  2.  Tage  erfolgte  von  Neuem  vorübergehende  Pulsation  im  Aneurysma;  bald 
auftretende  Pleuritis  und  Bronchitis  führten  nach  5  Tagen  den  Tod  herbei.  Die 
Untertuohung  des  Aneurysma  ergab  volle  Ausfüllung  mit  Fibrinmassen ,  die  Wan- 
dnngen  an  der  Compressionsstelle  gesund;  das  Aneurysma  begann  y^"  entfernt 
Tom  tmnc.  thyr.  cervic.  und  mass  31/4  Länge.  Der  Operateur  glaubt,  dass  der 
Seetionsbefund  eine  Heilung  des  Aneurysmas  hätte  erwarten  lassen  (?). 

Pill  (Stettin). 

BÖBormeaux.     Ur6throtomie  interne  endoscopique. 

(Kevue  de  th^rapeutique  m^dic-ohirurg.  1875.  No.  4.) 
D.  räth,  die  innere  Urethrotomie  der  grösseren  Sicherheit  wegen  immer  in 
Verbindung  mit  der  künstlichen  Beleuchtung  der  Harnröhre  (Endoscopie)  aus- 
zuführen und  beschreibt  zu  dem  Zweck  den  von  ihm  erfundenen  Beleuchtungs- 
apparat. Bereits  am  5.  Juli  1863  hat  er  der  Soci6t6  de  Chirurgie  17  auf  diese  Weise 
mit  günstigem  Erfolge  behandelte  Fälle  mitgetheilt ;  doch  ist  er  bis  heute  noch  der 
einzige  Chirurg  zu  Paris,  der  die  Endoscopie  hierbei  anwendet. 

Arn.  HUler  (Berlin). 


464  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  29. 

Lannelongue.     Fistules  imnaiies  multiples;   induration  du  p6rinee; 

r^section.  ^ 

(Revue  de  th^rapeutique  m^dic.-chirurg.  1875.  No.  3.) 
Mehrfache  Urethro-Perinealfisteln  mit  Induration  des  umliegenden  Gewebes 
heilte  L.  dadurch ,  dass  er ,  nach  Einführung  eines  dicken  elastischen  Gummicathe- 
ters  in  die  Harnröhre  und  Spaltung  des  längsten,  median  gelegenen  Fistelganges, 
die  indurirten  Dammpartieen  sammt  den  kleinen  G&ngen  excidirte  und  die  Wunde 
mit  dem  Glüheisen  cauterisirte.  Das  Verfahren  stammt  von  Voillemier  (Gas. 
hebdom.  1874,  379),  der  auf  diese  Weise  11  Kranke  heilte. 

Arn*  Hiller  (Berlin). 

H.  W.  Brock.     Report  of  cases  of  strangulated  inguinal  hemia. 
(New  York  med.  Journal  1874.  Oct.     No.  115.  p.  381.) 

1.  Fall.  Hemia  inguinal,  obliq.  bei  einem  61jähr.  Manne,  seit  11  Jahren 
bestehend,  während  eines  Kittes  incarcerirt.    Taxis  erfolglos.    Tod  nach  48  Stunden. 

2.  Fall.  Hemia  inguinal,  obliq.  Bei  einem  70jähr.  Manne.  Nach  42stündiger 
Incarceration  und  erfolgloser  Taxis  Hemiotomie  mit  Eröffnung  des  Bruchsackes. 
Der  Inhalt  des  Bmches  bestand  aus  einer  Darmschlinge  und  Netz.  Nach  dem  Ein- 
schneiden des  Annul.  inguin.  ext.  wurde  die  Darmschlinge  reponirt,  eine  Partie 
des  hypertrophirten  Netzes  abgebunden  und  abgeschnitten.    Heilung. 

3.  Fall.  Hemia  inguinal,  direct.  Bei  einem  Manne  von  27  Jahren.  Nach 
14stündiger  Incarceration  Hemiotomie  mit  Eröffnung  des  Bruchsackes  und  Bepo- 
sition  mehrerer  Darmschlingen.     Heilung. 

4.  Fall.  Doppelseitige  angeborene  Leistenhernie  mit  Oryptorchismus  bei  einem 
24jähr.  Manne.  Rechterseits  nach  lOstündiger  Incarceration  und  erfolgloser  Taxis 
Hemiotomie  mit  Eröffnung  des  Bruchsackes  (Process.  vagin.).  Der  Inhalt  des 
Bruchsackes  bestand  aus  einer  Darmschlinge  und  dem  etwas  atrophischen  Hoden. 
Nach  Einschneiden  des  Bruchsackhalses  wurde  die  Reposition  der  Darmschlinge 
und  hierauf  die  Exstirpation  des  unvollständig  descendirten  Testikels  gemacht. 

P.  Brans  (Tübingen). 

Bänke.     Aus   der  Klinik   des  .Prof.  Volkmann.     Pseudarthrose  des 
Unterschenkels ;  treppenformige  Reseetion  mit  Aneinandemietung  diirch 

Elfenbeinstifte.  Heilung. 
(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  17.) 
Bei  einem  Falle  von  Pseudarthrose  mit  bedeutender  Uebereinanderschiebung 
der  Fragmente  orwies  sich  das  in  der  Ueberschrift  angegebene  Verfahren  von 
bestem  Erfolg.  Bei  einer  anscheinenden  Uebereinanderschiebung  der  Fragmente 
von  2V2"  war  nur  eine  Bein  Verkürzung  von  5/4"  vorhanden.  Es  war  ein  ur- 
sprünglicher Schragbruch  gewesen,  die  Bruchenden  täuschten  aber,  durch  Callus- 
'  Wucherung!  verdickt,  einen  Querbruch  mit  starker  Verschiebung  vor.  Die  Frag- 
mente wurden  durch  einen  fünfzölligen  Hautschnitt  frei  gelegt,  die  ftussersten 
Enden  abgesftgt,  vom  vorderen  Fragmente  die  hintere  Hälfte,  vom  hinteren  die 
vordere,  soweit  sie  übereinander  lagen  mit  dem  Meissel  weggenommen,  die  wund- 
gemachten Knochenflächen  an  einander  gepasst  und  durch  geeignete  Lage  der 
Sprengflächen  richtige  Stellung  der  etwas  nach  innen  rotirt  gewesenen  Fussspitae 
erzielt.  In  der  coaptirten  Stellung  der  Fragmente  wurden  diese  doppelt  durch- 
bohrt und  durch  Elfenbeinstifte  zusammen  genagelt  Lister'scher  Verband  und 
gefensterter  Oypsverband.  —  Trotz  günstigem  Wundverlauf  anfangs  starkes  Fieber. 
Nach  7  Wochen  die  gelockerten  arrodirten  Stifte  entfernt.  Heilung  erfolgte  nach 
Ausstossung  einiger  Knochensplitter  mit  flacher  aber  ausgedehnter  Callusbildung. 

r*  Mosengeil  (Bonn). 

Originalmitthellungeu,  Monograpbieen  und  Separat&bdrücke  wolle 
man  an  Dr,  H,  TillmafkM,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlnug, 
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Uwf,  Histologie  des  Lnpus.  —  Klebt^  Beitrige  rar  Oeschwulstlehre.  —  Cornil,  Me- 
thylaniiln-Ylolett  in  der  mikroskopischen  Technik.  —  BlanC,  Pulver  Yon  Goa  hei  Haut- 
krankheiten. —  Neitlor,  Yeränderungen  in  den  Lungen  nach  GehirnTerletsnngen.  — 
V.  Wolkf  ntteln ,  Besorption  der  Haut.  —  BrilM,  Tempor&re  Ligatur  der  Arterien.  — 
Witt,  Massage.  —  HlfiChberg,  Glaucom.  —  Ball,  Casuistik.  —  FaucOR,  SynoTialoysten. 

—  DasprISy  Affection  der  Ferse  durch  anhaltendes  Stehen. 

■orice,  Tetanus  bei  Affen.  —  Affre,  Locale  Atrophie  in  der  Gegend  der  Glabella.  — 
Btaga,  Osteom  des  Sinus  frontalis.  —  Hlrtchfelder,  Pustula  maligna  mit  Mycosis  cerebrl. 

—  Laadgraff,  Hautkrankheiten.  —  Fturcauld,  Fremdkörper  im  Larynx.  —  Aiigeri  Sper- 
matocele  mit    gleichzeitiger  Hydrocele.    —    Gnflar,    Hodentuberknlose.    —    KlniitMar 

Beckenfractur. 


Chronische  vollständige  Dysphagie ,  veranlasst  durch 
Verdickung  des  Bingknorpels  des  Larynx. 

Von 
Prof.  Wemher  in  GieBsen. 

lieber  vollständige  Dysphagie,  veranlasst  durch  chronische  An- 
schwellung und  Yerknöcherung  des  Schildes  der  Cartilago  cricoidea, 
existirt  bis  jetzt  nur  eine  Beobachtung ,  von  Travers,  »A  case  of 
ossification  and  bony  growth  of  the  cartilages  of  the  larynx,  preven- 
ting  deglutition«,  welche  in  Vol.  VII  der  London  med.  chirurgical 
transactions  mitgetheilt  worden  ist.  Die  systematischen  Handbücher 
der  Chiruigie  übergehen  diese  Ursache  der  Unfähigkeit,  Nahrung  durch 
den  Oesophagus  passiren  zu  lassen,  durch  welche  eine  enge  Strictur 
desselben  täuschend  simulirt  wird,  durchaus.  Die  Specialisten ,  wie 
Türck  (Klinik  der  Kehlkopf krankheiten) ,  geben  nur  die  Beobachtung 

30 


466  Centralblatt  für  Chiruigie.     No.  30. 

von  Travers  und  auch  nur  nach  der  ungenauen  üebersetzung  von 
Albers  (Pathologie  und  Therapie  der  Kehlkopf krankheiten] .  Dieser 
hat  in  dem  betreffenden  Abschnitte  noch  einige  weitere  Citate^  welche 
sich  aber^  bei  Yergleichung  der  Originalien^  als  nicht  hierher  gehörig 
erwiesen  haben,  ao  aus  Bonetus.  Hamburger  (Oesoph«gu6-«Krank- 
heiten]  citirt  ohne  nähere  Angabe  Shaw^  wahrscheinlich  aber  nur 
aus  einer  Verwechslung  mit  Paw,  den  Alb  er  s  unrichtig  anfuhrt. 

Somit  scheint  unsere  Kenntniss  dieser  Form  yon  Dysphagie  auf 
einer  einzigen  Beobachtung  zu  beruhen.  Da  aber  Verknöcherungen 
und  Anschwellungen  der  Kehlkopfknorpel  in  vorgerücktem  Alter 
durchaus  nicht  selten  sind,  so  halte  ich  es  für  sehr  möglich,  dass  sie 
weniger  ungewöhnlich  ist,  als  es  scheint,  und  dass  sie  nur,  wegen 
der  täuschenden  Aehnlichkeit  der  Erscheinungen,  mit  Stricturen  des 
Oesophagus  verwechselt  wird.  Es  scheint  mir  daher  nicht  ungeeignet, 
durch  Besprechung  der  nachfolgenden  Beobachtung  die  Aufmerksam- 
keit von  neuem  auf  diesen  Gegenstand  zu  lenken. 

P.  C^anz,  ein  gesund  und  kräftig  aussehender  Mann  von  54  Jah- 
ren>  suchte  im  academiechen  Hospitale  Hülfe  wegen  beinahe  voHstän- 
diger  Unfähigkeit  zu  schlingen.  Seit  etwa  9  Wochen  ist  er  ausser 
Stande  Anderes ,  als  Flüssigkeiten,  Milch  und  Wasser  hi^tiftb^ubringen 
und  auch  diese  können  nur  mit  Beschwerden,  Schmerz,  und  indem 
häufig  einzelne  Theile  in  die  Stimmritze  gelangen,  geschluckt  werden. 
Die  Speisen  werden  häufig  unverändert  regurgitirt.  Diese  weitgehende 
Dysphagie  war  das  erste  und  ist  bis  jetzt,  die  aus  dem  Nahiwig^ 
mangel  entspringende ,  nicht  sehr  beträchtliche  Abmagerung  tpid  Ent- 
kräftung  abgerechnet,  das  einzige  subjective  Sympton  der  Krankheit. 
Der  Kranke  hat  kein  Fieber,  Reapirationsstörungen ,  Husten  sin4 
nicht  beobachtet  worden.  Die  ScUeknhaut  des  Mundes,  die  Tcmnllen 
und  die  Schilddrüse  sind  normal ;  die  Stimme  ist  nicht  verändert  und 
der  Kehlkopf  folgt  den  Bewegungen  des  Schlingens.  Die  laryngosko- 
pische Untersuchung  ergiebt  Nichts.  Eine  Schlundsonde  von  gewöhn- 
licher Dicke  wird  etwas  höher  oben,  als  es  bei  Stricturen  des  Oeso- 
phagus zu  geschehen  pflegt,  aufgehalten,  und  alle  Versuche  sie  weiter 
zu  fuhren  sind  vergeblich.  Auch  dünnere  Sonden  und  zuletzt  ein 
Harnröhrenkatheter  l^önnen  nicht  über  das  Hindemiss  gebracht  wer- 
den. Nur  nach  vielen  Versuchen  gleitet  derselbe,  als  man  ihn  mit 
einem  Mandrin  versehen  einfuhrt  und  möglichst  weit  nach  hinten  und 
zur  Seite,  nach  links,  richtet,  über  das  Hindemiss  weg  und  jetzt  ohne 
Anhalt  beliebig  tief.  Diese  Versuche,  die  Sonde  einzulegen,  sind 
sehr  wenig  schmerzhaft  und  erregen  kaum  Würgen*  Augenscheinlich 
ist  die  verengte  Stelle  nur  ganz  schmal  und  sehr  wenig  empfindlich. 
Nach  und  nach  lernt  man  auch  die  stärksten  Sonden  mit  Leichtigkeit 
einfuhren,  indem  man  ihre  Spitze  nach  links  richtet  und  den  Kehl- 
kopf von  vorn  umfasst  und  von  der  Wirbelsäule  abzieht.  Auch 
die  stärksten  Sonden  werden  nicht  festgeklemmt,  wenn  sie  duibh  die 
verengte  Stelle  durchgeführt  sind.  Wenn  der  Finger  möglichst  tief 
in    den  Pharynx    eingebracht   wird^    so    erreicht   seine    Spitze    den 


Centrtiblatt  für  Chiruifie.    No.  30.  467 

ruodlicheii  glatten  Voitprtuaig,  den  die  Cartilago  eriooid«a  in  den 
ScUund  hinein  macht  und  auf  welchem  sich  die  Sonden,  wenn  sie 
ohne  die  obenbeschriebene  Manipulation  eingeführt  werden,  Sfuf- 
stemmen. 

Wiederholte  Einführungen  von  Sonden  verschiedenen  CaUbers, 
der  Gebrauch  Ton  Narcoticis  etc.  bleiben  völlig  erfolglos.  Der  Kranke 
ist,  nachdem  eben  erst  die  dickste  Sonde  bis  in  den  Magen  geführt 
worden  war,  ebenso  unfiihig  zu  schlucken,  als  vorher.  Die  Ursache 
der  Sehlingbeschwerde  lag  nicht  in  dem  Oesophagus ,  sondern  im  La- 
rynx,  namentlich  in  der  Anschwellung  der  Cartilago  criooidea,  und 
wenn  hiermit  jede  Hofihung  aufgegeben  werden  musste,  durch  Schlund- 
dilatation etwas  zu  erreichen,  so  erschien  doch  die  Gefahr  geringer, 
als  bei  Schlundstrieturen,  weil  die  Krankheit,  aller  Wahrscheinlich- 
keit nadbi,  nicht  fortschreitend  ist,  und  Schlundröhren  auf  die  oben 
angegebene  Weise  immer  werden  eingeführt  werden  können. 

Ueber  die  Ursachen  ist  Nichts  bekannt  geworden.  Def  Kranke 
war  nie  syphilitisch,  entsündliche  Zustände  sind  nicht  vorausgegangen. 
Die  Veranlaesung  scheint  allein  in  der  Disposition  zu  suchen  su  sein, 
weldie  das  vorgerückte  Alter  für  Yerknöcherungen  des  Kehlkopfes 
giebt. 

Augenscheinlich  war  in  dem  vorliegenden  Falle  die  Anschwellung 
der  Cartilago  cricoidea  nicht  mit  endzündlichen  Erscheinungen  und 
nicht  mit  der  Bildung  sub-perichondraler  Absoesse  verbunden.  Hierin 
liegt  seine  höhere  Bedeutung  für  die  Feststellung  einer  besonderen 
Form  chronischer  Dysphagie.  SchÜngbeschweiden  bei  acuten  KeU* 
kopfkrankheiten ,  bei  Perichondritis  laryngea  und  Larynx-Abscess  sind 
nicht  seken  und  die  Verkalkungen  der  Kehlkopfknorpel  sind  im 
höheren  Alter  so  häufig,  dass  sie  kaum  als  pathologische  Zustände 
angenommen  werden  können.  Nekrosen  und  Caries  der  verkalkten 
Knorpel  sind  oft  beobachtet,  und  damit  sugleidi,  weim  flieh  I^ryn* 
geal-Abscesse  bilden,  Schlingbeschwerden.  Dagegen  war  eomplete 
Dysphagie  bei  durchaus  entsündungslosen  Verkalkungen  des  Ring- 
knorpels bis  jetzt  so  gut  wie  unbeachtet.  —  Da  die  Beobachtung  von 
Travers  ebensowohl  zur  Bestätigung,  als  zur  Ergänzung  der  eigenen, 
wie  umgekehrt  dient,   so  setze  ich  sie  in  kurzem  Auszuge  hier  her. 

Eine  SOjähr.  Frau  empfand  seit  Kurzem  ohne  bekannte  Veran- 
lassung Beschwerden  beim  Schlingen.  Dieselben  nahmen  so  rasch 
zu,  dass  bald  nur  nc»ch  Flüssigkeiten  in  geringen  Quantitäten  und 
mit  Mühe  hinabgebracht  werden  können.  Adstringirende  Gurgel- 
Wasser  und  Calomel  haben  keinen  Erfolg.  Als  Travers  zugesogen 
wird,  ist  die  Kranke  schon  so  heruntergekommen,  daes  Hülfe  drin- 
gend nöthig  scheint.  Da  die  linke  Tonsille  bis  zur  Grösse  einer 
Wallnuss  angeschwollen  war,  so  wurde  sie,  da  man  in  ihr  die 
Ursaehe  der  Dysphagie  suchte,  abgetragen;  jedoch  ohne  allen 
Nutzen,  da  das  Schlingen  unmittelbar  darauf  ebenso  unmöglich 
war,  als  vorher.  Als  der  Finger  möglichst  tief  in  den  Schlund 
eingefülirt    worden    war,     entdeckte    man    eiiken    Vorsprung,    der 

30» 


468  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  30. 

ihn  völlig  ausfüllte.  Nur  nach  links*  hin  schien  ein  schmaler 
Baum  offen  geblieben  zu  sein.  Doch  gelingt  es  trotz  aller  angewen- 
deten Mühe  nicht,  auch  nur  eine  Hamröhrensonde  durch  denselben 
zu  bringen.  Da  die  Kranke  der  Erschöpfung  nahe  war,  so  erlaubte 
man  sich  nicht,  andere  operative  Mittel  zu  versuchen  und  beschränkte 
sich  auf  den  Gebrauch  ernährender  Klystiere.  Vierzehn  Tage  später 
trat  der  Tod  in  völliger  Erschöpfung  ein. 

Section :  Die  Ary-  und  Cricoidknorpel  waren  verdickt  und  völlig 
verknöchert.  Sie  drückten  den  Oesophagus  kreisförmig  zusammen, 
der  Schlund  selbst  war  von  normaler  Beschaffenheit.  Die  übrigen 
Kehlkopfknorpel  waren  in  ähnlicher  Weise,  wie  die  genaimten,  aber 
leichter  verändert. 

Die  Uebereinstimmung  dieser  Beobachtung  mit  der  eigenen  ist 
augenfällig;  beide  ergänzen  sich  g^enseitig.  In  der  letzten  wird 
auch  durch  die  Section  bewiesen ,  dass  eine  chronische  Anschwellung 
der  Cartilago  cricoidea  einen  solchen  Vorsprung  in  den  Schlund  hinein 
bilden  kann,  dass  eine  sehr  enge  Strictur  vorgetäuscht  wird  und  die 
Einführung  vomSchlundröhren  zur  künstlichen  Ernährung  so  uimiög- 
lieh  scheint,  dass  Travers  sich  auf  den  Gebrauch  von  Klystieren 
zurückgebracht  glaubte.  Die  eigene  Beobachtung  zeigt,  dass,  trotz- 
dem dass  der  Schlund  in  gleicher  Weise  völlig  geschlossen  schien, 
ein  kleiner  Kunstgriff  genügt,  um  die  Einführung  auch  der  stärksten 
Röhren  zu  ermöglichen.  Hätte  Travers  keine  Aufklärung  durch 
die  Section  erhalten,  so  würde  er  die  Ursache,  durch  welche  das 
SchUngen  absolut  unterbrochen  war,  sicherlich  in  einer  sehr  engen 
Schlundstrictur  gesucht  haben. 

Dass  nur  der  Vorsprung,  welchen  der  Knorpel  in  den  Schlund 
in  beiden  Fällen  bildete,  und  nicht  etwa  wie  Alb  er  s  annimmt,  ge- 
störte Muskelbewegung  das  Hinabbefordem  der  Speisen  hinderte,  ergab 
sich  aus  den  Untersuchungen  mit  der  Sonde.  Dieselben  und  natürlich 
auch  die  Speisen,  sassen  wie  auf  einer  undurchbohrten  Platte  auf, 
so  lange  der  Larjmx  nicht  von  der  Wirbelsäule  abgezogen  war.  Dass 
nach  links  hin  der  Oesophagus  etwas  weniger  vollständig  geschlossen 
war,  als  nach  rechts,  ergiebt  sich  aus  der  Lage  desselben  zur  Trachea, 
die  ihn  nach  rechts  vollständiger  als  nach  links  deckt. 

Ein  besonderes  Interesse  wird  den  beiden  vorgeführten  Beobach- 
tungen dadurch  g^eben,  dass  sie  völlig  entzündungslos  verlie- 
fen, sowie  dass  Athmen  und  Sprechen  vollkommen  normal  blieben« 
so  dass  also  die  Aufmerksamkeit  in  keuier  Weise  auf  den  Kehlkopf 
gelenkt  wurde.  Da  jedoch  die  Schlingbewegungen  schmerzhaft  und 
sehr  beschwerlich  waren,  so  ist  es  möglich,  dass,  in  analogen  Fällen, 
Entzündungen  der  Perichondrien  und  Perichondralabscesse  früher  oder 
später  hinzutraten.  Eine  Beobachtung,  welche  hierher  zu  gehören 
scheint,  findet  sich  in  den  Transactions  of  the  pathological  Soc.  22 
von  Morell  Makenzie.  Bei  einer  Frau  von  65  Jahren  war  eine 
Geschwulst  von  Täubeneigrösse  am  oberen  TheUe  des  Schlundes  ent* 
standen.     Nur  Flüssigkeiten  konnten  geschluckt  werden.     Der  Ring- 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  30.  469 

knorpel  war  geachwollen  und  die  Bewegung  der  Stimmbänder  ver- 
mindert.  Einige  Monate  später  verwandelte  sich  diese  Schwellung 
in  einen  Abscess.  Bei  der  Section  fand  sich  ein  nekrotisirtes  Kno- 
chenstück vom  Ringknorpel  in  diesem  Abscesse. 

Das  klinische  Resultat  der  vorstehenden  Beobachtungen  resumirt 
sich  in  Folgendem: 

Es  giebt  eine  Form  chronischer  Dysphagia  compressoria,  bei  wel- 
cher zuerst  das  Schlucken  fester  und  dann  auch  flüssiger  Speisen 
vollständig  und  bis  zur  Erschöpfung  unterbrochen  wird.  —  Sie  simu- 
lirt  um  so  mehr  undurchgängige  Schlundstricturen^  als  die  Einfuhrung 
selbst  sehr  dünner  Sonden  unmöglich  scheint. 

Sie  hängt  von  einer  entzündungslos  entstandenen  Verdickung  und 
Verknöcherung  des  Schildes  des  Ringknorpels  ab. 

Sie  kann  mit  Leichtigkeit  überwunden  werden,  so  dass  auch 
Sonden  von  dem  stärksten  Caliber  ohne  Schwierigkeit  eingeführt 
werden  können ,  wenn  man  dieselben  etwas  nach  links  dreht  und  den 
Kehlkopf  von  der  Wirbelsäule  ablüftet. 


£•  Lang.     Zur  Histologie  des  Lupus. 

(Wiener  med.  Jahrbücher  1875.  p.  237.) 

L.  fasst  das  Resultat  seiner  Arbeit  am  Schlüsse  dahin  zusam- 
men: »Die  als  Lupus  bekannte  Hautkrankheit  zeichnet  sich  durch 
Ernährungsstörungen  aus^  welche  zu  einem  fortwährenden  Entstehen 
und  Vergehen  von  Bindegewebe,  Gefässen  und  epithelialen  Bildun- 
gen fuhren;  je  nach  dem  Stadium  des  Krankheitsprocesses  werden 
bald  die  progressiven^  bald  die  regressiven  Producte^  das  eine  Mal 
dieser,  das  andere  Mal  jener  Gewebsart  in  die  Augen  springen ;  stets 
wird  man  aber  wahrnehmen,  dass  der  (von  den  Gefässen  ausgehenden) 
ZellenproUferation  die  Hauptrolle  zufallt,  und  dass  in  den  letzten  Sta- 
dien der  Krankheit  nicht  allein  Resorption  der  retrograd  metamor- 
phosirten  Bildungen,  sondern  auch  Organisation  von  Zellenneubildung 
zu  Bindegewebe  eingeleitet  wird,  wodurch  eben  die  lupöse  Haut  auch 
ohne  vorausgegangene  Verschwärung  ein  narbenartiges  Aussehen  ge- 
winnt«. 

Von  Einzelheiten  mögen  folgende  erwähnt  werden :  Ausgangspunct 
des  Lupus  bilden  Auswachsungen  des  Frotoplasmarohres  der  Capilla- 
reu  und  der  Adventitiaelemente.  Diese  Auswüchse  vereinigen  sich 
zu  dem  »Lupusnetza,  und  zwar  tritt  die  Neubildung  entweder  als  in- 
filtrirte  oder  herdförmige  auf.  Die  Zellen  des  Herdlupus,  die  durch- 
aus granulationsähnlich  geworden  sind,  quellen  in  der  Mitte  auf, 
hängen  aber  noch  lange  mit  dem  Lupusnetze  deutlich  zusammen. 
Nun  tritt  das  als  Riesenzelle  bezeichnete  Gebilde  auf,  durch  Anein- 
anderrücken der  gequollenen  Elementargebilde  unter  Verlust  der  Con- 
tonren^  während  die  Kerne  noch  lange  ihre  Widerstandsfähigkeit  be- 
halten.     Im  Innern  der  Lupusherde   ist    von  Gefässen  keine  Spur. 


470  Centralblatt  für  Chirtu^e.    No.  30. 

Eine  andere  Venrendnng  der  answachsenden  Zellen  zu  einem  System 
eines  sehr  feinen  Böhrennetzes  cf.  im  Original. 

Die  ursprüi^liclien  Gefilsse  werden  von  dem  in  Fortpflanzung 
begriffenen  Lupuszellennetze  aUmälig  erdrOckt^  und  verfallen  densel- 
ben j&näkrungeetönmgen,  wie  die  Lupuszellen  selbst  Glasige  Ver- 
quellung fem  vom  Lupus  befindlicher  Gefässe  wurde  von  L.  beob- 
achtet und  für  die  oben  erwähnten  Gefösse  vermuthet.  An  den 
Schweissdrüssen  wurde  ausser  den  gleichen^  vom  den  umspinnenden 
Blutgefässen  ausgehenden  Processen  das  Auswachsen  von  anfangs  so- 
liden^ später  theilweise  hohl  werdenden  Strängen  beobachtet.  Im 
Lupus  eingebettet  geben  dieselben^  regressiver  Metamorphose  ver&l- 
lend>  ebenfalls  jene  vielkemigen  opaken  Massen.  Talgdrüsenneubil- 
düngen  gehen  sowohl  von  bereits  bestehenden  Drüsen^  als  vom  Bete 
Mslpighi  aus.  Ihre  Schicksale  sind  denen  der  Schweissdrüsenaus- 
wüchse  analog;  von  ihnen  stammen  die  vielkemigen  Massen  ab,  die 
den  Balg  der  bekannten  FoUikelausdehnungen  constituiren  helfen. 

Zwischen  die  Epithelien  treiben  die  im  Corium  liegenden  Zellen 
vielfiEkch  Fortsätze,  und  bilden  stellenweise  die  ganze  Dicke  der  Ober- 
haut durchsetzende  Netze.  Nie  hat  L.  aber  wahrgenommen,  dass 
Epithelien  sich  zu  Lupus  transformirt  hätten,  oder  dass  überhaupt 
eine  Zellenart  in  die  andere  übeig^angen  wäre. 

Zuletzt  werden  die  zerfallenen  Zellenmassen  des  Centrums  resor- 
birt,  der  übrige  Theil  des  Lupusaellennetaes  in  Bindegewebe  verwan- 
delt. Die  Ha ssar  sehen  Körper  (corpora  amylacea)  bleiben  lange 
unverändert  in  den  Geweben  Uegen.  Der  alte  Drüsenappaimt  kann 
durch  einen  neugebildeten  ziemlich  complet  ersetzt  werden,  während 
doroh  die  Besorption  des  in  den  PapillarkSrper  gesetzten  lupösen  Infil- 
trates aHein  schon  die  Haut  das  Aussehen  einer  Narbe  erhakini  kann. 

Baske  (HaUe). 

E.  Klebs.    Beiträge  zur  Geschwulstlehre. 

(Prager  Vierte^ahrschrift  f.  die  prakt.  Heilkunde  1875.  Bd.  U.) 

I.  Einleitende  Bemerkungen.   Unser  gegenwärtiger  Standpunct.    Cellu- 
lare  Theorie.  Versuch  einer  Eintheilung  auf  genetischer  Grundlage. 

Verf.  schlägt  vor^  aus  der  Geschwulstlehre  diejenigen  Bildungen 
auszuscheiden^  »welche  aus  einer  Betention  Ton  Secreten,  Körpersäf- 
ten oder  nicht  mehr  entwickelungsfdhigen  Gewebsbestandtheilen  her- 
▼ergehen«.  Tuberkulose,  Bcrophulose  und  Perlsucht^  Syphilis^  Lupus 
und  Rotz  sollen  mit  der  entzündtichen  Neubildung  in  eine  Gruppe 
gebracht  werden^  welche  auch  die  kleinzelligen  Ablagerungen,  wie 
sie  bei  mehreren  Infectionskrankheiten  vorkommen,  umfassen  solL 
Diese  Gruppe  will  K.  als  »Infections-Geschwülste«  bezeichnen,  oder, 
da  er  auch  die  leukämischen  Neubildungen  himsurechnet,  für  die  Leu- 
kämie jedoch  eine  Infectiun  nicht  nachweisbar  ist,  als  »Leukocytome« 
(an  Stelle  von  Virchow*s  Bezeichnungen:  Granulome,  Graniila- 
tionsgescfawülste) . 


Centralblatt  fftr  Chirurgie.    No.  30.  471 

Die  übrigen  Geschwülste^  deren  Bau  schon  complicirten  Organen 
entspricht  >  nennt  er  »organoide  Geschwülste«.  Der  Mutterboden 
sämmtlicher  otgabidi'deir  Neubildungen  ist  das  Bindegewebe^  aber  nur 
insofern,  als  es  die  Blut-  und  Lymphgefässe  enthalt^  welche  die 
eigentlichen  trSj^eir  der  Neubildungen  sind. 

CHorsmy  (Wien). 


Comil«  SuT  ra)>][>licRtion  du  violet  de  möthylaniÜBe  dans  la 
technique  microscopique  et  stir  les  r^sultats  obtenus  par  son 
emploi  dans  T^tude  de  la  dög^n^rescence  amyloide  des  organes. 

(Gas.  m^d.  1875.  No.  21.  —  Soci6t6  de  Biologie.  S6ance  du  8.  mal  1875.) 

C.  bedient  sieh  zur  Färbung  mikroskopischer  Präparate  einer 
dünnen,  wässrigen  Lösung  des  Methylanilin -Violetts.  £Ke  Schnitte, 
gleichTiel  ob  frisch  oder  erhärtet^  nehmen  nach  einem  4 — 5  Minuten 
langem  Verweilen  in  der  Losung  eine  gesättigte  und  dauernde  blau- 
violette  Färbung  an.  Ihre  Aufbewahrung  geschieht  in  Wasser  oder 
verdünntem  Glyoerin;  durch  Zusatz  einer  Spur  Essigsäure  wird  die 
Färbung  etwas  au%eheUt  und  die  Contoure>  namentlich  der  Zellkerne 
treten  deuUioher  hervor.  In  Alkohol ,  Terpenthin  und  Nelkenöl  ver-* 
lieren  die  Präparate  ihre  Färbung  vollständig.  —  Einen  ganz  beson- 
deren Werth  hat  das  Methylanilin-Yiolett  zur  Untersuchung  amyloider 
Orgaiie.  Dutch  eine  constant  eintretende  Farbentrennung  werden  die 
amyloid  entarteten  Partien  roth  gefärbt ,  während  die  übrigen  Gewebe 
blauviolett  erscheinen.  Diese  Eigenschaft  des  Methylanihn-Violetts 
gewährt  vor  der  üblichen  Färbungsmethode  amyloider  Organe  mit  Jod 
und  Schwefelsäure  den  Vortheil,  dass  auch  die  zartesten  Gewebsele- 
mente  Form  und  Structur  behalten^  dass  die  zu  untersuchenden  Or- 
gane vor  der  Färbung  vollständig  erhärtet  werden  können  und  dass 
man  endlich  die  Schnitte  in  Glycerin  aufbewahren  kann,  ohne  irgend- 
wie eine  Abschwächung  oder. Veränderung  der  oben  erwähnten  Fär- 
bung befürchten  zu  müssen.  —  Die  ausfuhrlich  mitgetheilten  histo- 
logischen Details  mehrerer  von^C.  untersuchten  amyloiden  Organe 
siehe  im  Original.  0.  Volkmann  (Kettwig). 

H.  Blanc.     Note  sur  Tusage  externe  de  la  poudre  de  Goa 

dans  certaines  maladies  de  la  peau. 

(Journal  de  th^rapeutique  1875.    No.  10.   p.  375.) 

Das  nach  seinem  Fabrikationsort  benannte  Pulver  von  Goa  ist 
eine  noch  nicht  genau  analysirte  vegetabilische  l^bstatiz,  deren  Haupt- 
bestandtheil  (80—84^)  nach  Attfield  Chrysophansäure  bildet.  In 
heissem  Wasser  ist  das  Pulver  nur  wenige  in  kaltem  Wasser  gar  nicht 
lösUch.  l)ie  in  Wasser  unlöslichen  Theile  lösen  sich  dagegen  leicht 
in  Benzin.  —  Die  äussere  Anwendung  des  Goapidvers  gegen  Haut- 
krankheiten alter  Art  ist  in  Indien  eine  sehr  verbreitete  und  der  Con- 


472  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  30. 

sum  des  Pulvers  daher  ziemlich  bedeutend.  BL,  der  es  nur  gegen 
die  von  den  Engländern  mit  »Ringworm«  bezeichnete»  parasitäre  und 
exquisit  contagiöse  Form  des  Herpes  cirdnnatus  anwendete»  erzielte 
damit  die  besten  Erfolge.  Die  erkrankten  Stellen  wurden  nach  vor- 
heriger Anfeuchtung  2  mal  täglich  mit  einer  kleinen  Quantität  des 
Pulvers  eingerieben.  Die  Heilung  trat  in  3 — 4  Tagen  ein.  Für 
Anwendung  im  Gesicht  empfiehlt  Bl.  eine  alkoholische  Losung»  na- 
mentlich um  dem  eventuellen  Eindringen  des  Pulvers  in  die  Augen 
vorzubeugen.  0«  Volkmaim  (Kettwig). 


BL  Heitier.   Studien  über  die  in  den  Lungen  nach  Verletz- 
ungen des  Gehirns  auftretenden  Veränderungen. 

(Stricker's  med.  Jahrbacher  1875.  p.  59.) 

H.  verletzte  das  Gehirn  von  Kaninchen  an  verschiedenen  Stel- 
len^ theils  durch  einfache  Einstiche^  theils  durch  Einfuhrung  dünner 
Stifte  in  dasselbe.  Er  beobachtete  darauf  Ecchymosen  unter  der  Pleura, 
Hyperämien  und  Hämorrhagien  in  den  Lungen,  namentlich  den  Un* 
terlappen,  und  zwar  öfter  unter  stärkerem  Befallenwerden  der  der 
kranken  Himhälfte  entsprechenden  Lunge.  Hypostasen  waren  aus- 
zuschUessen.  Daneben  kamen  Hämorrhagieen  in  andern  Organen,  in 
Leber,  Magen,  Orbita,  auch  im  Beckengrunde  vor.  Die  Verletzung 
verschiedener  Himtheile  konnte  in  den  Lungen  die  gleichen  Verän- 
derungen nach  Quantität  und  Qualität  hervorbringen;  auch  bei  Ver- 
letzung derMedulla  oblongata  wurden  dieselben  beobachtet,  während 
wieder  andere  Himabschnitte  ohne  Folgen  für  die  Lungen  verletzt 
werden  konnten.  Das  Genauere  über  diesen  Punct  siehe  im  Original 
—  abgeschlossen  sind  die  Versuche  nach  dieser  Hinsicht  nicht. 
H.  macht  darauf  aufmerksam,  dass  er  unter  4  geschlachteten,  gesun- 
den Kaninchen  bei  einem  die  Lungen  hämorrhagisch  fand,  bei  4  durch 
Chloral  vergifteten  Kaninchen  waren  Ecchymosen  unter  der  Pleura 
vorhanden.  B«ike  (HaUe). 


A.  y.  Wolkenstein.   Zur  Frage  über  die  Resorption  der  Haut. 

(CentralblaU  fOr  die  med.  Wissensch.  1875.  No.  26.) 

Verf.  zog  Fröschen  die  Haut  der  Extremitäten  handschuhfinger- 
artig  ab,  füllte  die  so  gebildeten  Hautsäcke  mit  Wasser  und  hängte 
sie  darauf  in  die  zu  prüfenden  Lösungen  von  Salzen  und  Alcaloiden. 
Aehnliche  Versuche  machte  er  mit  der  Haut  von  jungen  Katzen, 
Kaninchen  und  Mäusen.  Resultate:  »1.  Die  Haut  ist  permeabel  für 
wässerige  Lösungen,  jedoch  nicht  für  concentrirte.  2.  Eine  Temperatur- 
erhöhung der  Lösung  vergrössert  die  Resorptionsfähigkeit  der  Haut; 
die  Resorption  steht  in  directem  Verhältniss  zur  Temperatur  der  Flüs- 
sigkeit.    3.  Bei  jungen   Thieren  resorbirt  die  Haut  besser,    als  bei 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  30.  473 

alten  derselben  Gattung.  4.  Haare  und  Wolle  erschweren  die  Re- 
sorption. 5.  Einige  Alcaloide  werden  ebenfalls  von  der  Haut  resor- 
birt  und  haben  Erscheinungen  der  Intoxication  zur  Folge«.  Die  Haut 
todter  Frühgeburten  der  Thiere  ist  nur  bei  höherer  Temperatur  per- 
meabel. ^  Bidder  (Mannheim). 


F.  Bnins.    Die  temporäre  Ligatur  der  Arterien  nebst  einem 

Anhange  über  List  er 's  Catgutligatur. 

(DeuUcbe  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 

Seit  einigen  Jahren  wendet  V.  v.  Bruns  das  von  ihm  bereits  früher 
als  Filopressur  beschriebene  Verfahren  der  temporären  Ligatur  bei 
Unterbindungen  in  der  Continuität  und  am  Gefässende  an.  Es  be- 
steht darin^  dass  die  Enden  der  das  Gefäss  umfassenden  carbolisirten 
Seidenligatur  durch  das  Bruns' sehe  Ligaturröhrchen  (s.  Orig.)  ge- 
zogen und  über  einem  daran  befindlichen  Querstabchen  geknotet  wer- 
den. Das  Ligaturröhrchen  ragt  mit  dem  einen  Ende^  welches  den 
Knoten  trägt,  aus  der  Wunde  hervor.  Die  Ligatur  wird  nach  läng- 
stens 3  Tagen  entfernt,  indem  man  den  Knoten  abschneidet,  imd 
während  man  das  Instrument  fixirt,  die  Ligatur  an  einem  Ende  fasst 
und  extrahirt. 

Diese  Methode  wurde  bei  145  Amputationen  und  Exarticulatio- 
nen,  worunter  48  Oberschenkelamputationen,  und  bei  13  Unterbin- 
dungen in  der  Continuität  geübt.  Im  Ganzen  kamen  2  Nachblutun- 
gen vor:  eine  nach  Continuitätsunterbindung  der  Carotis  comm., 
wobei  der  Faden  zu  lange  (5  Tage)  gelegen  hatte^  die  andere  bei  der 
Lösung  des  Fadens  von  der  Art.  femoralis  nach  3  Tagen,  in  einem 
Falle  von  Amputation.  Durch  Versuche  an  Thieren  fand  Verf.,  dass 
meist  keine  vollständige  Trennung  der  Continuität  der  Arterie  an  der 
Stelle  der  Ligatur  stattfindet,  und  dass  bei  Ligaturen  am  durch- 
schnittenen Gefasse  das  abgebundene  Stück  meist  nicht  nekrosirt. 

Der  Vortheil  der  temporären  gegenüber  der  bleibenden  Ligatur 
ist  hauptsächlich  der,  dass  schon  nach  3  Tagen  kein  fremder  Körper 
mehr  in  der  Wunde  liegt,  der  die  Heilung  verzögern  könnte.  Aus- 
serdem ist  das  Bruns'sche  Instrument  bequem  bei  Ligaturen  in 
grösserer  Tiefe,  und  es  wurde  dasselbe  auch  zur  Naht  bei  Blasen- 
scheidenfisteln  verwendet,  wobei  es  sich  namentlich  dadurch  als  nütz- 
lich bewährte,  dass  die  Lösung  der  Naht  ohi^e  jede  Zerrung  der 
Wunde  möglich  war. 

Des  Verf.  Versuche  mit  Lister' sehen  Catgutligaturen  ergaben, 
dass  dieselben  in  nicht  eiternden  Wunden  erst  etwa  vom  10.  Tage 
an  Erscheinungen  der  Resorption  zeigen,  dass  die  vollständige  Er^ 
weichung  bei  fortwährendem  Contacte  mit  Eiter  jedoch,  je  nach  der 
Stärke  der  Saite,  in  50 — 110  Stunden  erfolgte.     Er  folgert  daraus. 


474  Cetitralblatt  for  Cbiturgte.    No.  30. 

dass  diese  Ligaturen  nur  als  integrirender  Bestandtheil  einet  streng 

antiseptischen  Wundbehandlung  von  Werth  seien. 

Gersuiy  (Wien). 

H.   P.    Witt.      Ueber   Massage.      Vortrag,  gehalten   in  der 

General- Versammlung   des   Vereins   Schleswig-Holsteinischer 

Aerzte  aan  12.  August  1874  in  Flensburg. 

(Ar^.  f.  klinisohe  Chirurgie  1875.  Bd.  XYIO.  Bit,  2.) 

Nach  einer  kurzen  historischen  Uebersicht  über  den  Gebrauch  der 
Massage  bespricht  W.  die  Anwendung  dieses  Verfahrens  von  Mezger 
in  Amsterdam.  Die  Wirkung  soll  wesentlich  auf  Beschleunigung  des 
Blut-  und  Lymphstroms^  Zerreissung  der  Gefässe  von  Granulationen 
und  Fungositäten,  Erregung  einer  schnell  zurückgehenden  Entzündung 
beruhen.  Mezger  verbindet  mit  dem  Ebneten  active  und  passive 
Bewegungen  und  lässt  die  an  den  entsprechenden  Muskel-  und  Ge- 
lenkkrankheiten leidenden  Patienten  herumgehen.  —  Als  spezielle, 
für  die  Behandlung  passende  Krankheiten  fuhrt  W.  an: 
Hyperaemien  (?),  Blutaustritte,  Exsudate,  Verdichtungen  und  Ver- 
dickungen der  Gewebe,  Adhärenzen  zwischen  Sehnen  und  Sehnen- 
scheiden und  überhaupt  Entzündungsproducte,  welche  ohne  Nachtheil 
wieder  in  den  Kreislauf  aufgenommen  werden  können.  Speciell  von 
Gelenkkrankheiten  werden  angeführt  acute  und  chronische  Synovitis 
und  Tenosynitis,  periarticuläre  Entzündung,  hyperplastische,  fuügöse 
Synovitis,  periarticuläre  und  intraarticuläre  Blutextravasate  und 
falsche  Ankylosen.  Das  Kneten  wird  mit  bedeutendem  Kraftaufwande 
gemacht.  Ais  Curiosum  fuhrt  W.  an,  dass  auch  Hautkrankheiten 
mit  Exsudationen  und  Verdickungen  im  Coriirai,  sowie  eine  acute 
Bfastitis  erfolgreich  massirt  wurden.  —  W.  hat  mit  Erfolg  Steifheit 
der  Finger  und  des  Handgelenks,  sowie  eine  acute  Synovitis  mit  der 
Massage  behandelt.  —  Maas  (Bre&lau). 

J.  Hirschberg  (Berlin).     Zur  Pathologie  und  Therapie   des 

Glaucoms. 

(Arcb.  f.  Augen-  ufid  Oht^nheUkunde  1874.    Bd.  III.  Abth.  11.) 

H.  beobachtete  den  interessanten  Fall,  dass  eine  anscheinend  bis 
dahin  gesunde  Dame  sich  durch  eine  einmalige  Attopineinträufelung 
doppelseitiges  acutes  Glaucom  ziizog.  Sodann  theilt  H.  einen  Fall  von 
Glaucoma  malignum  mit  (cf.  v.  Graefe,  Arch.  f.  Ophthalm.  Bd.  15. 
Hft.  3.  p.  202),  in  welchem  die  vorgenommene  Operation  den  Verlust 
des  Sehvermögens  beschleunigte.  Nach  der  Operation  erlosch  die 
Sehkraft  des  operirten  Auges  vollständig.  2  Tage  spätet  trat  Um- 
nebelung  des  anderen  Auges  ein.  Zweimalige  Function.  Irideotanie. 
Darauf  auch  rechts  Verlust  der  Sehkraft.  lUlBHUlnt  (Leiprig). 


Centniblait  fttr  Chirurgie.    No.  SO.  475 

C9i.  B.  BalL    Notes  from  surgical  practice. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  sciences  1875.    Febr.  p.  87.) 

I.  Depressed  firaeture  of  skuU,  Elevation,  Pyftmia^  Recovefry. 

Durch  einen  Fall  von  bedeutender  Höhe  erlitt  ein  Mann  eine 
Hautwunde  mit  Fractur  und  Depression  des  rechten  os  parietale ;  zu- 
gleich eine  Contusion  an  Hüfte  und  Fussgelenk.  Bewusstlosigkeit^ 
stertoroses  Athmen,  langsamer  Puls,  weite  und  unbewegliche  Papillen. 
Mit  Eleration  des  deprimirten  Stückes  Aufhören  aller  Gehimerschei- 
nungen.  8  Tage  später  Frost ^  heftiges  Fieber^  abhängig  von  Eite- 
rung im  Hüft-  und  Fussgelenk.  Incision^  Verband  nach  Lister ^ 
4  Monate  später  Heilung. 

n.  Fracture  of  the  base  of  the  skull  by  force  communicated 
through  the  lower  jaw  with  impaction  of  the  condyle;  recovery. 

B.  diagnosticirte  diese  seltene  Verletzung  —  die  Hineintreibung 
des  Processus  condyloideus  mandibulae  in  die  SchädelhShle  —  bei 
einem  36jähr.  Manne  ^  der  einen  Huf  schlag  gegen  das  Kinn  erhalten 
hatte.  Anhaltspuncte  dafür  waren  die  Blutung  aus  dem  Mund  und 
den  Ohren  nebst  Bewusstlosigkeit  bei  der  Verletzung;  später  der 
AubAuss  klarer  Flüssigkeit  aus  dem  rechten  Ohre,  die  Schwierigkeit 
den  Mund  vollkommen  zu  öfinen  oder  zu  schliessen,  das  Höherstehen 
des  rechten  Unterkieferwinkels  und  Schwindelanfälle  bei  stärkeren 
Bewegungen.  Als  Beweis  für  das  Vorkommen  dieser  Verletzung 
werden  die  im  Museum  des  St.  Greorges  und  Ouy's  Hospital  befind- 
lichen Präparate  und  eine  Beobachtung  Chassaignac's^  dessen 
Kranker  5  Monate  nach  der  Verletzung  an  einem  Abscess  des  Schläfen- 
lappens starb,  angeführt.  Die  Heilung  des  vorliegenden  Falles  wurde 
ein  halbes  Jahr  später  noch  constatirt. 

in.  Unusual  fracture  of  the  base  of  the  skull,  with  observations. 

Ein  Eisenbahnarbeiter  fiel  von  einem  Wagen  herab  auf  den  Kopf; 
es  erfolgte  Blutung  aus  dem  linken  Nasenloche  und  dem  linken  Ohre, 
später  Abfliessen  heller,  wässriger  Flüssigkeit;  vierstündige  Bewusst- 
losigkeit; Lähmung  des  linken  n.  facialis,  Blutung  unter  die  Conjunc- 
tiva  und  Strabismus  des  linken  Auges ,  Congestion  der  Betinalgefässe 
und  Prominenz  der  papilla  n.  optici.  3  Wochen  später  Aufhören  aller 
Erscheinungen  vom  linken  Auge  aus.  Die  Fracturlinie  soll  durch 
das  Felsenbein  nach  vorn  bis  zum  Dach  der  Nasenhöhle  quer  über 
die  «sphenoidal  fissure«  (?)  gelaufen  sein. 

TV.  Implication  of  the  nutrient  art'ery  of  the  tibia  in  a  case  of 
Compound  fracture  of  the  leg. 

Einstürzende  Steinmassen  erzeugten  bei  einem  jungen  Manne  eine 
complicirte  Querfiractur  des  rechten  Unterschenkels.  Blutung  anfangs 
unbedeutend,  wird  nach  etwa  2  Stunden  sehr  profus;  Stillung  durch 
einen  mit  Eisenchlorid  getränkten  Tampon,,  der  nach  14  Tagen  sich 
losstösst.  Ein  Vierteljahr  später  wurde  ein  Sequester  entfernt,  der 
die  Oefihung  für  den  Eintritt  der  a.  nutritia  in  die  Tibia  enthielt; 


476  Centralblatt  fflr  Chimrgie.    No.  30. 

die  Quelle  für  die  bei  der  Verletzung  entstandene  Blutung  war  da- 
durch erklärt.  Aus  dem  ganzen  Falle  zieht  B.  den  Schluss,  dass  die 
Heilung  der  Fractur  allein  vom  Periost  aus  erfolge ,  da  die  Ernährung 
der  inneren  Partieen  des  Knochens  aufgehört  hätte  (?). 

V.  Spontaneous  fracture  of  the  femur  in  necrosis;  amputation; 
recovery. 

Patientin  15  Jahre  alt,  der  vor  einem  halben  Jahr  ein  Abscess 
am  Oberschenkel  geöffnet  worden  war ,  fiel  auf  ebener  Erde  hin ,  wo- 
nach sich  eine  Fractur  des  Femur  fand.  Nachdem  dieselbe  einen  Monat 
mit  Schienen  behandelt  worden  war,  hatte  sich  noch  keine  Consolida- 
tion  entwickelt,  dagegen  hectisches  Fieber  und  ein  grosser  Sequester 
war  zu  fühlen.  Nach  der  Amputation  fand  man  Spuren  von  Ostitis, 
Stalaktiten  an  der  Bruchstelle  und  oberhalb  der  Fracturlinie  den 
grossen  Sequester. 

VI.  Gase  of  spina  bifida  treated  with  the  aspirator  and  elastic 
ligature;  death  on  the  fourteenth  day. 

Der  bei  einem  Smonatlichen  Kinde  in  der  dorso-lumbaren  Region 
sitzende,  orangengrosse  Tumor  wird  anfangs  mit  Watteeinwickelung 
palliativ  behandelt.  Nachdem  er  jedoch  2  Monate  später  die  Grösse 
einer  Cocosnuss  erreicht  hatte  und  oberflächlich  ulcerirt  war,  ver- 
langten die  Eltern  eine  Operation.  Im  Sacke  von  Rückenmark  oder 
Nerven  nichts  zu  sehen.  B.  unterbindet  mit  elastischer  Ligatur  den 
Stiel,  der  3^2  Zoll  im  Umfang  misst,  nachdem  mittelst  der  feinsten 
Nadel  eines  Aspirateurs  20  Unzen  Flüssigkeit,  die  Spuren  von  AI- 
bumen  und  Zucker  und  grosse  Mengen  Chlomatrium  enthielt,  aus- 
gezogen waren.  Anfangs  günstiger  Verlauf,  nach  14  Tagen  plötzlich 
Tod  unter  Convulsionen.  H«  Brau  (Heidelberg). 


Fauooxi*    Kystes  synoviaux  ä  grains  riziformes. 

(S^ance  de  la  Booi6t6  de  Chirurgie  1874.  23.  Dec.) 

F.  theilt  die  Synovialcysten  des  Handwurzelgelenkes  in  2  Cate- 
gorien,  solche,  wo  die  Fat.  durch  die  Grösse  des  Tumors,  Entzün- 
dung und  Eiterung  der  Cyste,  den  Gebrauch  der  Hand  ganz  verloren 
haben,  und  solche,  wo  das  Leiden  nur  eine  Functionseinschränkung 
herbeiführte.  Diese  letzteren  Fälle  machen  die  Frage ,  ob  man  hierbei 
überhaupt  etwas  thun  solle  oder  nicht,  schwierig.  D^marquay  hat 
einen  Fall  von  Heilung  publicirt,  in  welchem  er  Jodinjection  und 
Drainage  anwandte;  über  die  endliche  Function  der  Hand  war  aber 
nichts  bemerkt.  Ueberdies  ist  nach  Anwendung  der  Jodinjection  die 
Herstellung  der  Fingerbewegung  in  der  That  nicht  so  häufige  wie 
manche  (F ollin]  angaben. 

Despr^s  bemerkt,  dass  jeder  operative  Eingriff  an  einer  der- 
artigen Cyste,  bevor  sie  im  spontanen  Aufbruche  b^riffen  sei,  von 


Gentralblatt  fflr  C!hiraxgie.    No.  30.  477 

schweren  Folgen  begleitet  sein  könne  ^  während  das  Abwarten  der 
spontanen  Entzündung  des  Tumors  gute  Resultate  gebe. 

Boinet  machte  in  einem  derartigen  Falle  eine  subcutane  Func- 
tion mit  dem  Tenotom  imd  drängte  den  Inhalt  heraus.  14  Tage  später 
erneute  Function  mit  dem  Troikar;  wieder  etwas  ausgedrückt  und 
einige  Tropfen  Jodtinctur  injicirt.  Heilung  ohne  Functionsstörung 
der  Hand.  Gleich  günstig  war  der  Erfolg  dieser  Methode  in  einem 
2.  Falle. 

A.  Guirin  bemerkt^  er  hätte  sich  früher  nie  an  diese  Cysten 
gewagt  Seit  der  Einführung  des  Watteverbandes  spaltet  er  selbe  weit^ 
um  sie  zu  entleeren,  steckt  etwas  Watte  in  die  Wunde  und  applicirt 
darauf  den  Watteverband  und  eine  elastische  Compression.  £Üe  Re- 
sultate sollen  gut  sein.  (S.  auch  Vo  1km ann,  Beiträge  zur  Chirurgie, 
Leipzig,  Breitkopf  &  Hftrtel  1875,  p.  206.   Red.)        Fr.  Steiner  (Wien). 


Despres.     D'une  maladie  chirurgicale  caus^e  par  la  Station 

debout.     De  la  contnsion  du  talon. 

(Gaz.  des  höpitaux  1875.  No.  52.) 
D.  theilt  die  Krankengeschichte  dreier  Fat.  mit,  bei  welchen  sich 
in  Folge  anhaltenden  Stehens  eine  bisher  von  den  Autoren  noch 
nicht  beschriebene  Affection  der  Ferse  entwickelt  hatte.  Bei  allen 
3  Fat.  —  zufallig  sämmtlich  Sergeants  de  ville  • —  war  in  ganz  über- 
einstimmender Weise  die  Ferse,  ohne  dass  irgend  welche  entzündliche 
Erscheinungen  vorausgegangen  waren,  allmälig  so  empfindlich  gewor- 
den, dass  sie  ihren  Dienst  nicht  mehr  versehen  konnten.  Da  die 
Fersenhaut  durchaus  normal,  wenn  auch  ziemlich  zart  war  und  sich 
weder  eine  krankhafte  Veränderung  am  Calcaneus,  noch  andere  Ent- 
zündungs-Symptome nachweisen  liessen,  verlegt  D.  den  Sitz  des  Lei- 
dens in  das  gefassreiche,  derbe,  subcutane  Fett-Bindegewebe  und  glaubt, 
dass  dasselbe,  durch  den  anhaltenden  Druck  contundirt,  eine  einfache 
Ernährungsstörung  erlitten  habe.  Diese  Ansicht  findet  er  bestätigt 
durch  die  gleichzeitige  Beobachtung  eines  Fat.,  der  nach  einer  hef- 
tigen Contnsion  bei  einem  Sturz  auf  die  Ferse  ganz  analoge  Symptome 
darbot.  In  allen  Fällen  genügte  längere  Bettruhe  zur  Beseitigung 
des  Leidens.  Da  es  jedoch  leicht  recidivirt,  müssen  die  Patienten, 
sobald  sie  wieder  zu  gdien  anfangen,  derbsohlige  Stiefel  mit  elastischer 

Kautschuk-Einlage  tragen,  um  ihre  Ferse  möglichst  zu  schonen. 

Sehftdel  (Berlin). 

Kleinere  Mittheilungen. 

A.  Morioe.     Du  t^tanus  chez  le  singe. 

(Gas.  m^d.  1875.  No.  16.  p.  194.  —  Soci6t6  de  Biologie.  S^ance  du  3  avr.  1875.) 

M.  theilt  4  Fftlle  von  Tetanus  bei  Affen  yenchiedener  Arten  mit.  In  2  von 
ihm  selbst  wfthrend  seines  Aufenthaltes  in  Cochinchina  beobachteten  Fällen  trat 
die  Erkrankung  nach   unbedeutenden  durch  die  Fesseln  der  betreffenden  Thiere 


478  Centralblaft  fiOr  Ohinirgie.    No.  SO. 

yerursacbten  Varletzungen  ein.  Si«  yevlief  ganz  analog  wie  bei»  Meniolion  mit 
Trismus,  Opisthotonus  und  Contracturen  der  Extremitäten  und  endete  in  aämmt- 
liehen  F&llen  nach  kurzer  Zeit  mit  dem  Tode.  0*  Yolkmann  (Kettwig). 

Aifire.     Aplasie  laminease  mediane. 

(Oaz.  m6d.  1875.  No.  17.  p.  201.) 

Bei  einer  zur  Zeit  24jährigen  Frau  bildete  sich  im  dritten  Monat  einer  tonst 
normalen  8dLwangerschaft,  ohne  jede  äussere  Ursache  in  der  Gegend  der  Qkbella 
eine  allmälig  zunehmende  Vertiefung.  Dabei  stellten  sich  heftige  Kopfschmerzen 
ein,  die  namentlich  unmittelbar  nach  der  Niederkuaft  sehr  hochgradig  wurden. 
Gegenwärtig  befindet  sich  auf  der  Stirn  der  Kranken  eine  von  der  Nasenwurzel 
nach  rechts  oben  bis  in  die  Nähe  der  sutura  coronaria  reichende  tiefe  Depression 
Ton  iVs  bis  2  Ctm.  Breite.  Die  sie  bedeckende  Haut  ist  dünn  und  trocken,  die 
Haare  der  betreffenden  Steile  spärlich  und  ungefärbt,  die  Muskalatur  ausser  dem 
m.  pyramidalis  gänzlich  geschwunden.  Der  Knochen  scheint  intact  zu  sein.  Die 
ganze  erkrankte  Gegend  ist  sehr  empfindlich,  so  dass  schon  ein  leichter  Stoss  die 
lebhaftesten  Schmerzen  verursacht.  Auch  die  Anfälle  von  Kopfschmerzen  dauern 
noch  fort. 

Dieser  Fall  einer  »medianen  Aplasie«  spricht  nach  A.'s  Ansicht  gegen  die  bis- 
herige Auffassung  solcher  Affectionen  als  trophische  Störungen  im  Bereich  das 
n.  trigeminus.  A.  hält  sie  vielmehr  mit  Laude  (Th^e  1873)  für  rein  locaie 
Atrophien  der  bindegewebigen  Schicht.  0.  YAttmaan  (Kettwig). 

H.  Banga.     Ein  Fall  von  Oateom  des  Sinus  frontalis  sin. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  IV.  Hft.  5  u.  6.) 

Ein  18j ähriger  Bauer  wurde  in  der  chirurgischen  Klinik  zu  Basel  wegen  eines 
Osteoms  operirt,  das  seit  etwa  3  Jahren  bestand,  am  inneren  Theil  des  Daches  der 
1.  Orbita  festzusitzen  schien,  und  den  Bulbus  verdrängte.  Vor  5—4  Jahren  hatte 
der  Kranke  einen  Schlag  mit  dem  Peitechenstiel  auf  das  linke  Auge  erlitten. 

Die  Abmeisselung  des  mit  einem  ziemlich  dünnen  Stiel  aufsitzenden  Tumors 
gelang  leicht,  der  Verlauf  war  in  den  ersten  8  Tagen  günstig.  Am  8.  Tage  trat 
Meningitis  auf,  unter  sehr  heftigem  Erbrechen;  am  10.  Tage  nach  der  Operation, 
dem  Todestage,  war  dem  Erbrochenen  etwas  Blut  beigemengt.  Der  Tumor,  dessen 
unxegelmässig  höckerige  Oberfläche  durch  den  Widerstand  der  Weichtheile  der 
Orbita  bedingt  war,  wog  78  Gramm,  war  etwa  hühnereigvoes  und  f^  durchaus 
elfenbeinhart;  nur  in  der  Gegend  seines  Ansatzes  befand  sich  eine  kleine,  von 
spongiösem  Gewebe  umschlossene  Markhöhle. 

Ausgangspunct  der  Geschwulst  war  der  Boden  des  Sinus  ftrontalis,  nahe  dem 
Ausfahrungsgang,  wo  der  Tumor  auch  das  Orbitaldaoh  durchbrochen  hatte.  Wei- 
ter nach  hinten  fand  man  durch  einen  Defect  im  Orbitaldache  die  Dura  mater 
blossUegen,  in  ihr  einen  Biss,  und  dieser  Stelle  entgprechend  einen  Hirnabeoesa. 

Diffuse  eiterige  Meningitis  über  den  vorderen  Theil  der  linken  Hemisphäre. 

Im  Centrum  tendineum  des  Zwerchfells  fanden  sich  2  nur  durch  einen  dünnen 
sehnigen  Strang  getrennte  Löcher ;  durch  eines  derselben  drängte  sich  die  Milz  gegen 
die  Pleurahöhle  vor,  durch  das  andere  der  Magengnmd,  in  welchem  sich  ein  Ein- 
riss  befand.  In  der  Pleurahöhle  fand  sich  ergossener  Mageniahalt,  während  in 
die  Peritonealhöhle  nichts  gedrungen  war. 

B.  führt  noch  einen  zweiten  Fall  an,  in  welchem  nach  einer  Kopfverletzung 
(Hiebwunde)  Meningitis  auftrat,  die  unter  fortdauerndem  heftigen  Erbrechen  zum 
Tode  führte;  bei  der  Section  fand  sich  ein  Einrisa  im  Foramen  oesophageum  des 
Zwerchfells,  und  ein  Riss  im  Magen,  am  Uebergang  in  den  Oesophagus. 

Oersnny  (Wien). 

O.  Hirtohfelder.    Ein  Fall  von  Pustula  maligna  mit  Mycosis  cerebri. 

(Ateh.  d.  Heilkunde  1875.     Hft^4.  p.*  376'-381.) 
Verf.  beschreibt  einen  Fall  von  Pustula  maligna  bei  einem  18jährigen  jungen 
Mann.    Die  an  der  rechten  Halsseite  befindliche  Pustel   soll  (wie  es  scheint,  ohne 


Q9»tr«lblatt  fflr  Qhimi^e.     Na.  30.  470 

BetüiijUnpg)  gebfiiU  ma;  doek  sUrti  P»t.  «a  OolUps.  Bei  der  Section  fan- 
den moh  uäilmche  Erweickungsherde  und  Haemorrhagieen  im  Gross-  und  Klein- 
hirn, mit  sIeUenweiser  Eiterbildung,  Pas  MikroalLop  wies  yahlreiohe  PiJznassen 
naehj  nelehe  die  CapiUaigefAsae  umlagerten.  In  den  geschwollenen  Halslymph- 
drOaea  Candeia  aich  keine  PiUe,  ebfinaowenig  wie  in  anderen  Organen. 

A.  Bidder  (Mannheim] . 

H.  Landgraf.     Ein   Beitrag  zur    Casuistik  der  Hautkrankheiten  mit 

Beziehung  auf  deren  vasomotorische  Genese. 

(Arch.  d.  Heilkunde  1S75.  16.  Jahrg.  Hft.  IV,  p.  345—361.) 

Verf.  bringt  zunächst  die  Qeschiohte  eines  27jfthrigen  Kranken,  an  dessen 
rechtem  Oherschenkel  seit  firfihester  Kindheit  ein  zwischen  Lupus  und  Akne  in  der 
Mitte  stehender  Hautausschlag  bestand.  Dieser  nimmt  den  Oberschenkel  in  3 
bestimmten  Abtheilungen  ein:  die  erste  entspricht  dem  Verbreitungsbezirk  des 
Nervus  Ueo-inguinalis,  die  zweite  dem  des  N.  cutan.  fem.  medius,  die  dritte  dem 
des  N.  cut-  fem.  extern.  Der  Ausschlag  änderte  sich  während  der  Beobach- 
tungszeit nicht. 

Der  aweite  Kxankheits£all  betritt  ein  acutes  pemphigus-artiges  Exanthem  an 
Hand  und  Vorderen^  bei  einem  15jährigen  Mädchen.  Die  Blasen  bildeten  sich 
s4;hneU,  vertrockneten  zu  Bocken  und  heilten  dann.  Oft  war  die  Kranke  wochen- 
lang gesund,  dann  zeigte  sich  der  Ausschlag  wieder  an  den  betreffenden  Stellen. 
Im  dritten  Falle  handelt  ea  aich  um  eine  diffuse  Capillarectasie  der  Haut  des  ganzen 
Körpers  bei  einem  Mann  von  55  Jahren,  dessen  linke  untere  Extremität  seit  der 
Kindheit  atrophisch  und  paretisch  war.  Fast  die  ganze  Haut  ist  blauroth  und 
zeigt  hier  und  da  einzelne  hellrothe,  Unsengrosse  Fleckchen.  Die  sichtbaren 
Schleimhäute  sind  carminroth.  Die  Hautröthe  weicht  dem  Fingerdruck;  sonst  ist 
die  Haut  unverändert  und  weich. 

Verf.  hält  das  Leiden  für  eine  aus  unbekannten  OrQnden  entstandene  chro- 
nische fluxionäre  Hyperämie,  vielleicht  bedingt  durch  ,, vasomotorische  Neuro-Pa- 
rese."  Die  weiteren  Betrachtungen  aber  die  Beziehungen  der  Nerven  zu  Haut- 
affectionen  bieten  nichts  Neues.  A«  Bidder  (Mannheim). 

Fouroanld.    Observation  d'aphonie  due  k  la  presence  d'un  corps  itran- 

ger  dans  le  larynx. 

(Gaz.  des  Hopiteux  1875.  No.  51.) 

Fat.  hatte  in  iV>lge  einer  Wette  fflnf  20  Frank-  und  zwei  10  Frank-Stücke 
verschluckt.  Unmittelbar  darnach  trat  Heiserkeit,  etwas  später  absolute  Aphonie 
•auf.  Am  andern  Morgen  fanden  sich  nur  6  QoldstOcke  im  Stuhlgang,  das  7. 
blieb  verschwunden.  Da  die  Weilte  bei  Gelegenheit  eines  Diebstahls  ausgeführt 
war,  fühlte  sich  Fat  nicht  veranlasst  davon  zu  reden;  da  er  ausserdem  an  Tu- 
berkulose der  Lungen  und  Hoden  litt,  wurde  die  Diagnose,  ohne  laryngoscopische 
Untersuchung,  auf  Uibeykulöse  Laryngitis  gestellt  und  derogemäss  erfolglosv behan- 
delt, bis  die  vrahre  Ursache  nach  Verlauf  von  1^4  Jahren  bei  einem  heftigen  Hut- 
tenanfall  in  Gestalt  des  vermissten  10  Frankstücks  zu  Tage  kam. 

Von  diesem  Monent  an  war  die  Aphonie  vollständig  gehoben. 

Sehftdel  (Berlin). 

Anger.     Kyste  spermatique  et  hydroc^le.     Ponction. 

(Gaz.  des  h6pitaux  1875.  No.  61.) 

A.  beobachete  einen  Fall  von  Spermatocele  mit  gleichzeitiger  Hydrocele.  Beide 
Cysten  waren  deutlich  von  einander  getrennt  im  Hodensack  zu  fahlen.     Die  oben 


480  Centralblatt  fftr  Chirurgie.    No.  30. 

gelegene,  kleinere  Spermatocele  hing  mit  dem  Nebenhoden  luiammen »  war  rund, 
weder  fluctuirend  noch  transparent  und  harter  wie  die  Hydrocele..  Nach  Angabe  des 
Fat.  war  sie  lange  Tor  der  Hydrocele  entstanden.  Nachdem  die  Diagnose  fest* 
gesteUt  war,  schlug  A.  sein  gewöhnliches  Verfahren  sur  Radicalcur  der  Hydroeele 
ein,  indem  er  beide  Cysten  punctirte,  ihren  Inhalt  abfliessen  lies«  und  dum  mitr- 
telst  eines  mit  angeschmolsenem  Höllenstein  armirten  Stiletts  ihre  Wandungen  gehö- 
rig cauterisirte.    Nach  14  Tagen  war  Fat.  geheilt.  SehXdel  (Berlin). 

Calfer.     Tuberculisation  des  organes  gemto-urinaires  (SociM  anato- 

mique;  säance  du  4.  dec.  1874.). 

(Frogr^s  m^dical  1875.  No.  12.) 

Ein  56j&hriger  Mann  hatte  seit  1  Jahre  Schmerzen  in  beiden  Hoden,  seit 
4  Monaten  Harn-  und  Stuhlbeschwerden.  Im  Urin  war  nie  Blut  oder  Eiter.  Be- 
trftchtUohe  Schwellung  der  Hoden,  besonders  der  Nebenhoden,  auch  Frostata  und  Sa- 
menbiftschen  vergrössert  und  höckerig.  Zuerst  geringe,  nachher  grössere  Druckem- 
pfindlichkeit der  erkrankten  Organe.  Allmftlige  Erweichung  der  Höcker  der 
Frostata  und  der  Samenbläschen,  dann  der  Hoden.  Kein  Erguss  in  die  tun. 
propr.  Nachweisbare  Veränderungen  in  den  Lungen  ausser  Emphysem  und  pleurit. 
Reibungsgeräuschen  (Fat  hatte  in  den  lotsten  4  Jahren  mehrere  Fleuritiden 
aberstanden)  an  den  Spitzen  zeigten  sich  erst  kurz  vor  dem  Tode.  Fat.  ging 
hektisch  zu  Grunde.  —  Section:  In  den  Lungen  Tuberkel  neueren  Datums,  Em- 
physem, pleurit.  Adhäsionen.  Darm  yollkommen  gesund.  In  den  Hoden  Tuber- 
kel, besonders  entlang  den  Scheidewänden.  Nebenhoden  mit  theilweise  ver- 
wachsenen  Käsemassen  durchsetzt,  eine  sich  bildende  Careme  in  der  Höhe  des 
Kopfes.  Frostata  und  Samenbläschen  in  einen  Brei  erweichter  Tuberkelmasse  ver- 
wandelt. Die  Bedeckungen  der  Organe  verdickt.  Nieren,  Ureter  und  Urethralschleim- 
haut  zeigten  keine  Veränderung,  dagegen  fanden  sich  in  der  Blase,  was  nicht  diagno- 
sticirt  werdenkonnte,  indurirte  Geschwüre,  5  im  Fundus,  deren  eins  in  der  Grösse 
eines  20  Cenlim. -Stückes ,  4  noch  grössere  im  Scheitel,  3  an  der  hintern  Wand. 
Die  Geschwüre  waren,  wie  die  mikroskopbche  Untersuchung  (Cadiat)  ergab,  tu- 
berkulöser Natur.  Petersen  (Kiel). 

Kirmisson.  Diajonction  des  symphyses  du  bassin;  fractures  de  Tos 
iliaque  et  du  sacrum.  (Soci^t^  anatomique^  s^ance  du  13.  nov.  1874.} 

(Frogr^s  m6dical  1875.  No.  9.) 

Ein  30jähr.  Mann  war  aus  dem  5ten  Stock  auf  die  Erde  geftiUen.  Kurz  an- 
dauernde Unbesinnlichkeit.  Zerreissung  der  Fenishaut  an  der  Basis  der  Ruthe: 
die  Haut  war  vom  Fenis  abgezogen,  so  dass  die  Schwellkörper  frei  zu  Tage  lagen. 
Beim  Beugen  des  linken  Oberschenkels  starke  Crepitation  am  Becken.  —  Feritonitis, 
Tod  nach  5  Tagen.  Section :  Diastase  der  Schamfuge  (273  Centim.)  und  der  Kreuz- 
Darmbeinfuge  (Vs  Centim.)-  Die  hintern  Bänder  der  letztem  intact.  In  der  Nähe 
senkrechte  Fractur  des  linken  Darmbeins.  Das  Kreuzbein  zeigte  eine  Längsfractur 
nach  aussen  von  den  linken  foramin.  sacral. ,  ausserdem  eine  Querfractur  in  der 
Höhe  des  ersten  foram.  sacral.  ant.  —  Inoomplete  Fractur  der  spin.  ant.  sup.  sin. 
—  In  der  Bauchhöhle  etwas  freies  Blut.  Der  rechte  Hoden  ausgedehnt  durch  Blut- 
erguss,  Albuginea  intact,  am  linken  die  Albuginea  zerrissen,  freies  Blut  in  der 
tunic.  vaginal.    Venöse  Stase  im  Gehirn.  Peteneil  (Kiel). 


Origintlmittheilangen,  Monographieen  und  Separstabdrücke  wdle 
man  an  Dr.  H.  TXümaamä,  Leipzig,  Marlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlniig, 
BreiOtopf  und  HärUl,  einsenden.  ^ 


Drnek  nad  Verlag  von  Breitkopf  und  nirtel  In  Leiptig. 


Gentralblatt 


fllr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOB 

Dr.  L.  Leser,  Dr.KSdeie,  Dr.  I.  Tülniaiuis 

in  Berlin.  in  Hftlle  ».'  B.  in  Leipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöehentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prft* 
numeration.     Zu  beliehen  durch  alle  Buehhandlungen  und  Postanstalten. 

NE:  31.  Sonnabeiid,  den  8L  JnU,  1876. 

Inlialt:  Reser»  Zur  Lebre  tou  den  GnnnUtlonskrsnkheiteB.  (Qriginal-Bfittheilung.) 

Pnstear,  Colin ,  Pegglale,  Ueber  Oihrung  und  FEalnii«.    —  Feltz,  Experimentelle 
Cntersuchnngen  über  die  toxische   Wirkung  septischen  Blutes.   —    Grehint,    Modrze- 

Kivski,  Zersetzung  der  Biweisskörper  Im  Yacuum.  —  Czerny,  Aneurysma  Tsricosum.  — 
■iBier,  Ursache  der  Furankei.  —  ^Landsberf  y  Intra-  und  extmoculare  Sareome.   — 
Terllloa,  Experimentelle  Studien  über  Lebercontusion. 

Czeray,  Casuistik.  —  BolllnQery  Ursache  plötzlicher  Todesfälle.  ^  fiamfee,  Trauma* 
Üsches  Aneurysma  der  art.  menlngea  media.  —  Blot,  Opeiation  der  Hasenscharte.  — 
Haaow,  Saileylslnre  gegen  Dipkthetitis.  —  Fflrbrlnfer,  Sallcylsaure  gegen  Gatarrhe  der 
haroleitenden  Organe.  —  Balehy  Oesophagusstrictur.  —  CelSOn,  Aenssere  Herniotomie» 
—  Behandlung  der  Harnröhrenstrioturen.  —  Ergotintinctur  bei  Haemorrhoiden.  -*  Ath- 
toiiy  Fractur  des  Trochanter  major.  —  eiKerboCk,  Geheilte  Hüftgelenkresection. 


Zur  Lehre  von  den  Granulationskrankheiten. 

(Zweite  Mittheilung.] 

Von 
Prof.  W.  Böser  in  Marburg. 

Dem  acuten  gutaitigen  Granuktionsbrand,  welcher  in  No.  27 
dieses  Blattea  beschrieben  wuide,  kann  ein  analoger  Zustand  gegen-* 
übergestellt  werden  ^  welcher  bei  langsamer,  chronischer  Schrumpfung 
des  Granulations- Bindegewebes  entsteht  und  den  wir  zunächst  als 
gelbe  Granulations-Anämie  und  als  gelbe  chronische 
Granulations-Nekrose  bezeichnen  möchten.  Wenn  die  Granu- 
lationen bei  mangelhafter  Blutzufuhr  anämisch  werden ,  so  nehmen 
sijs  öfters  eine  gelbliche  Farbe  an  und  die  gelbliche  Farbe  erklärt  sich 
gans  natürlich  4us  dem  ITeberwiegen  der  Eiter&rbe  über  die  Blutfarbe. 
So  lang  die  Granulationscapillaren  gesund  sind  und  frische  Blut* 

81 


482  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  31. 

circulation  besitzen,  sehen  sie  roth  aus,  werden  sie  blutarm ^  so  bat 
man  gelbliche  Färbung  zu  erwarten.  Verlieren  solche  Granulationen 
ihre  Zufuhr  ganz^  so  fallen  sie  ab,  theUs  in  Form  von  feinem  De- 
tritus y  theils  in  ganzen  Stücken ;  solche  abfallende  Granulationsfetzen 
sieht  man  häufig  aus  kalten  Abscessen  herauskommen. 

Man  wird  nicht  Toraussetzen  dürfen ,  dass  alle  gelbliche  Entfär- 
bung der  Granulationen  und  alles  Absterben  solcher  Granulations- 
schichten von  der  gestörten  Blutzufuhr  und  von  der  aufhörenden 
Gefassverbindung  zwischen  dem  Zellgewebe  und  den  Granulations- 
capillaren  hergeleitet  werden  müsse,  sondern  es  wird  überhaupt  noch 
zu  untersuchen  sein,  welche  Ursachen  der  chronischen  Granulations- 
nekrose  zu  Grunde  liegen.  Bei  dieser  Untersuchung  wird  sich  wohl 
herausstellen,  dass  die  gelbe  Granulationsentfarbung  und  die  gelbe 
chronische  Granulationsnekrose  grossentheils  von  der  Yerschrumpfung 
uq^^Verdichtung  des  unterliegenden  Bindegewebes  herkommen.  Was 
es  sojMt  noch  für  Ursachen  geben  mag,  soll  in  diesem  Augenblick 
iiiuht  eiürtert  werden. 

•OiU£e  Erscheinung,  welche  hier  mit  erwähnt  werden  muss^  ist 
diB^^Ulräbarkeit  der  schlechternährten  Granulationsschicht.  Alle 
chifuiigiMitMtt-'  Praktiker  und  alle  pathologischen  Anatomen  kennen 
dMsliidBhwdi%B^ng.      Bei   chronischen   fistulösen  Abscessen  trifft  man 

^^^^^o^v^smi^^^^^^^^^  Schicht  der  Abscessmembran  so  ablösbar, 
dass. dBftAikaiWiSiiSBftlt  dem  Finger  in  dem  fistulösen  Gang  hinzustreifen 
braucht,   um  die  ganze  sogenannte  Membran  abzulösen.      Theils  als 


ge^ob^scAidit^  ^ttiM  ^  n4%ff  ^  Capillargefässschicht  eingetreten  sein  muss. 
UAtf  ^j^l^^^jfg^j^gJI^^  wohl  aus  einem  theilweisen  Schwund  der 
Gefässverbindungen  zwischen  dem  in  Verdichtung  begriffenen  Binde- 
gewebe und  den  Granulationscapillaren  erklärt  werden  können. 

Vielleicht  H^pi^  die  Lehre  rvom  Auslöffeln  der  alten  Granula- 
tionen hfiftm&flCTftßy^fic'THltj^  Begründung  entnehmen. 
Es  leuchtet  ein,  dass  alte  ^Grani^^f ionsschichten ^  welche  keine  gute 
Ernährung  von  ihrem  Mutterboaen  aus  erhalten,  auch  zur  Heilung 
schlecht  geeignet  sind.  Es  mag  bM¥er  sein ,  sie  herauszuschaben  oder 
zu  zerstören,  als  ihre,  äussecst  %^ä^[^  weitere  Atrophie  und  ihren 
spontanen  Zerfall  ab'sm warten. '  Scham  man  die  schlechte  Granula- 
titiisscilichli  me^ovo  4iflr£'^^fltii^<^aiteli ,^Ma8s  eine  frische,  besser 
«HBlpd^  i]afläUiSsali;gdbriief«io^  dass  diese  frische  Schicht 
ie:if^JauixftiulAA\}j^^  die  Schichte,  welche 
mija  >aiha>AkA  vbtfeBnfc  Hat;/  iibl^^no   dsddv^e^ohi 

9  d  dSasi  o^itfdö&liil  di^t  iäieilMv/n<$dhn«iik/^aikte^6  wichtiges  Motiv, 
näadUnfi)  diij)  aIxteB^ti8ob^Wilk1xag{^^sgf(5lft  Fälle,  wo  das 

AiidäfliBlnoGfer,aiilta9€lrafanliit&^  dass  man 

eäiBs  lolfifeptidahd  dHSOIiaq^diAaM^  b^b^Al^iiib^te.      Hiermit 

w.eKfl«ktiittadihUadßoil6Bikß^^«ibtm^f^«^  über 

d^taflSutefashdesbAAslfifiUnfrrgttASnmtivIlqfbedffoi^ßlxfn  9. 

to 


Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  31.  4g3 

Pasteur,  Colin  und  Poggiale.    lieber  Gährung  und  Fäulniss. 

(Bulletin  de  racad6mie  de  med:  de  Paris  1875.  No.  7,  8,  9,  10,  11,  12.  13,  16.) 

In  8  mehrstündigen  Sitzungen  hat  die  Pariser  Acadimie  de  ni6* 
decine  die  Frage  der  GähruDg  und  Fäulniss  einer  erneuten  Erörterung 
unterzogen.  Die  Anregung  hierzu  gab  die  Arbeit  Bergeron's  (cf. 
Centralbl.  f.  Chir.  1875  No.  21)  über  Vibrionen  im  Abscesseiter,  aus 
welcher  Fasteur  den  Anlass  entnahm^  von  Neuem  für  die  Unhaltbar- 
keit  der  Lehre  von  der  Generatio  aequivoca  zu  plaidiren.  Einer  längeren 
Discussion  über  dies  unfiruchtbare  Problem  wurde  zeitig  vorgebeugt 
durch  die  Erklärung  Gosselin's^  dass  es  sowohl  Bergeron^  als  ihm 
selbst  (der  die  Arbeiten  B.'s  inspirirt  hatte)  fem  gelegen  habe,  damit 
Je  die  Autogenesis  der  Vibrionen  beweisen  zu  wollen.  G.  glaubt  viel- 
mehr, dass  die  Keime  dieser  Organismen  durch  Respiration  und  Di- 
gestion von  Aussen  in  den  Körper  aufgenommen  und  durch  die 
Circulation  den  Abscessen  zugeführt  seien.  Der  Eiter  warmer  Abscesse 
könne  öfters  Bacterien  und  Vibrionen  enthalten ;  diese  vermöchten  dann 
wohl  dem  Organismus  nachtheilige  Zersetzungen  anzuregen,  seien  je- 
doch nach  dem  gegenwärtigen  Stande  der  Wissenschaft  selbst  nicht 
die  gefährlichen  Agenden,  gegen  welche  wir  bei  Wundfieber  und  ac- 
cidentellen  Wundkrankheiten  zu  ringen  haben. 

Die  Beziehung  dieser  Organismen  zur  Gährung  und  Fäulniss 
kam  an  3  Specialfragen  zur  Erörterung,  nämlich  1)  an  der  spontanen 
Fäulniss  der  Hühnereier,  2)  der  alkalischen  Zersetzung 
des  Harns,  und  3)  ander  Alkoholgährung  in  reifen  Früchten. 

1)  Colin  erinnert  zunächst  an  die  Zersetzungen  in  Leichentheilen, 
welche  dem  Zutritt  atmosphärischer  Fermente  nicht  ausgesetzt  sind, 
und  welche  ohne  die  Gegenwart  von  Vibrionen  erfolgen.  Aehnlich 
verhalte  sich  die  Fäulniss  der  Hühnereier,  die  bei  unversehrter  Schale 
der  erhöhten  Temperatur  des  Brütens  ausgesetzt  seien.  Woher  stammen 
hier  die  Fäulnisserreger?  Dass  sie  schon  bei  der  Bildung  des  Eies 
demselben  in  dem  mütterlichen  Eierstock  beigemischt  würden,  sei 
nicht  anzunehmen,  da  die  Entwickelung  des  Eies  ungestört  von 
Statten  gehe.  Auch  hat  C.  eine  ganze  Reihe  frischer  Eier  vom  Huhn, 
Taube,  Sperling  und  anderen  kleineren  Vögeln  mikroskopisch  unter- 
sucht, ohne  etwas  Anderes  zu  finden,  als  die  bekannten,  häufig  mit 
Molecularbewegung  begabten,  kleinen  Eiweisskömchen,  welche  ge- 
legentlich wohl  zu  Irrthümem  Anlass  geben  könnten.  Die  Annahme, 
dass  das  Ei  während  des  Durchganges  durch  den  Oviduct  imd  die 
Cloake  Vibrionen  aufnehme,  weist  er  damit  zurück,  dass,  wie  er 
experimentell  nachweisst,  das  mit  Membran  und  Kalkschale  umkleidete 
Ei  zwar  für  Gase  und  Wasser,  aber  nicht  für  feste,  in  flüssigen 
Medien  suspendirte  Körperchen  durchgängig  sei.  Unter  Anderm 
blieb  ein  Ei,  welches  48  Stunden  in  faulendem  Blut  gelegen  hatte, 
frei  von  Vibrionen-  (und  von  Fäulniss),  während  es  3,5  decigr.  Blut- 
flüssigkeit in  dieser  Zeit  absorbirt  hatte.  Ja,  die  Eier  vieler 
Thierarten,  welche  nur  eine  membranöse  Umhüllung  besässen,  z.   B. 

31» 


4$4  C^ntraUatt  far  Chirurgie.    No.  81» 

Exemplaren  in  wahren  Brutstätten  niederster  Organismen^  im  Schlamm 
der  Flüsse^  in  Sumpfwässem  und  anderen  f^ulnissheerden^  durch  die 
Sonne  oder  däe  bei  der  Zessetaung  umwendende  Wäxme  ausgebrütet^ 
HOud  gingen  fast  nie  in  FiUdniss  über.  —  Dass  dageg^  l^cr  ohne 
den  Zutritt  solcher  Fermente  bei  unversehrter  Sehale  dennoch  unter 
gewissen  Bedingungen  im.  Zersetzung  gerathen  können»  zeigte  Colin 
duxch  Yexeuehe.  In  der  ersten  Beihe  wiucden  idie  Eier  kleinerer 
Vögel  unter  gewöhnlichßn  Yechaltnusen  aufbewahrt  und  innerhalb 
deüT  ersten  zwei  Wochen  imteisuoht;  de  zeigen  sieh  siuBEKvatlich  iiiich 
uad,  soweit  nadiweisbai^  frei  von  Oiganismen.  Eine  zweite  Reihe 
vom  Eiern  wurde  mehrere  (4*^5)  Tage  lang  eijuer  kiinstlichen  BriUuiig 
unterworfen  und  dann  über  einen  Monat  bei  gewöhnlicher  Temperatur 
aufbewahrt;  diese  Eier  boten  sämmüich  in  verachiedenem  Giade 
Veränderungen  dax^  welche  C.  ak  faul  bezeichnet,  nämUch  Gewi«htfr- 
Verlust  uud  eine  entsprechende  Zunahme  des  Li^traums  im  Ei  bis  zu 
V2f  JA  V4  des  Volums,  Vermischung  von  Gelb  und  Weiss,  Bräunung 
und  Eintrocknung  des  Inhalts^  und  ein^i  £akuligen  Gerueh.  Mikro* 
skopisch  fand  er  die  normal  darin  enthaltenen  beweglichen  Kömchen 
vermehrt,  doch  nichts  wae  unzweifelhaft  als  Vibrionen  hätte  gedeutet 
werden  können  (übereinstimmende  Erfahrungen  machte  Billroth 
\ind  Bef.) .  Eine  dritte  Anzahl  von  Eiern ,  welche  nur  in  Watste  ver- 
packt mehrere  Monate  aufbewahrt  wurd^,  wax  siach  Ablauf  dieser 
Zeit  trockener  geworden,  zum  Theü  sogar  fast  ausgetrocknet,  zeigte 
aber  nur  geringe  (nicht  naher  bezeichnete)  Grade  von  Zersetzung. 

Colin  schliesst,  daas  alle  Eier  unter  gewissen  Bedingungen  in 
Fäulniss  gerathen  könnten,  und  diese  Fäulniss  nicht  gebunden 
sei  an  die  Intervention  von  Organismen  oder  deren  Kei-* 
men.  »Für  gewöhnlich,  bei  offenem  Luftzutritt,  mögen  die  Organis- 
men eine  Bolle  spielen  bei  der  putariden  Zersetzung.  Sie  leben  von 
ihjoen  Producten,  welche  ihnen  die  Bedingungen  ihrer  Existenz  dar- 
bieten; sie  modificiren  sie  in  ihrer  Weise,  wie  die  Milben,  die  In^ 
sectenlarven ,  die  Würmer,  die  Cryptogamen.  Aber  sie  sind  mebr 
Zuschauer,  Beneficianten,  als  Errege  (acteurs)  der  Fäulniss«.  — 

Pasteur  stützt  sidi  in  seiner  Argumentation  auf  die  Unter- 
suchungen seines  Präparators  Gayon,  welche  vieles  Abweichende 
von  den  Besultaten  Colin's  darbieten.  G.  &nd,  dase  nicht  alle 
Eier  in  Fäulniss  übergehen ;  er  konnte  solche  über  ein  lang  Jahr  unzer- 
setzt  erhalten.  In  fiuilen  Eiern  dagegen  will  er  immer  Vibrionen  ha- 
ben constatiren  können;  auch  in  denjenigen,  welche  Colin  vorgestellt 
und  als  spontan  gefault  bezeichnet  hatte,  femd  er  unter  der  Sehale  Bao- 
terien  (Aerobien)  und  in  der  Mitte  Vibrionen  (Anaerobien).  Er  nimmt 
an,  dass  diese  Organismen  im  Oviduct,  in  welehen  sie  von  der  Ckake 
aus  gelangten,  unter  dem  Einfluase  eines  erhöhten  Dnsckes  durch  die 
EihüUen  in  das  Innere  dringen.  Dieser  Vorgai^g  betneffis  aber  ünmer 
nur  einzehie  Eier,  da  ja  eine  ganze  Anaahl  der  gelegten  frisch  bliebe. 
Die  Penetrationsfähigkeit  der  Vibrionen  hatte  G.  auch  noch 


CentralblAtt  far  Chirargie.   No.  31.  485 

experimentell  näker  geprüft,  indem  er  Eiet  in  Tetsehiedeae  putride 
und  Ton  Organismen  bekbte  Flüssigkeiten  tri&rend  einiger  Wochen 
liineiolegtef  und  andenr  Bier  derselben  Pteoedtir  unter  etwas  eriiöhtem 
Druck  aussetzte.  Es  eigab  sich,  das«  die  Eier  der  ersten  Heike 
frisch  blieben  (in  Uebereinstimmung  mit  dem  Ref.  —  diesjähr. 
deutscher  Chirurgen-Congress  in  Berlin),  also  Vibrionen  weder  durch 
die  endosmotische  Strömung  noch  durch  ihre  Eigenbewegung  hindurch- 
zudringen vermochten,  die  Eier  der  zweiten  fteihe  dagegen  unter  Or- 
ganismenentwickelung  in  Fäulniss  übeigingen.  G.  und  Pasteur 
halten  somit  die  Aufnahme  von  Keimen  aus  dem  Oviduct  unter  dem 
Einflüsse  eines  höheren  Druckes  für  erwiesen. 

Hiergegen  replicirt  Colin,  dass  er  es  sehr  wohl  fUr  möglich 
halte,  Eier  unter  Umständen  ein  Jahr  lang  und  darüber  zu  conser- 
viren;  bei  gewöhnlicher  Temperatur  gingen  eben  die  Veränderungen 
sehr  langsam  vor  sich,  aber  sie  erfolgten  schneller  und  ausnahms- 
los, wenn  das  Ei  zuvor  von  der  Henne  bebrütet  und  in  der  l^rütung 
unterbrochen  worden  war.  Dass  Gayon  bei  seiner  Methode  der 
Conservirung  nur  33  (bis  lb)ßi  faulet  Eier  erhiek,  erklirt  C.  atis 
der  niedrigen  und  gleichmässigen  TemperaAuf,  «ns  der  relativ  kurzen 
Zeit  der  Beobachtung,  sowie  aus  dem  Umstände,  dass  Gayon  Ver-« 
änderungen,  wie  die  von  Colin  beschriebene  Mumifieation  und  Ma^ 
ceration  des  Eönhalts,  den  laulaigen  gar  nieht  zurechne.  Sokon  R^- 
aumur  habe  angegeben,  das8  alle  Eier,  deren  Embryo  während  dev 
Entwickelung  stirbt,  in  Fäulniss  gerathen  oder  mumificiren ;  ja  Donn4 
wollte  sogar  durch  einfaches  Schütteln  des  Eies  und  Vennisehung 
von  Gelb  und  Weiss  schon  Erscheinungen  von  Zersetzung  haben 
eintreten  sehen.  Dass  also  Eäerfönlniss  immer  durch  eine  Infection 
mit  Organismen  bedingt  sei,  könne  man  nickt  behaupten.  Der  obere 
längere  Abschnitt  des  Oviducts,  in  welchem  das  Ei  noch  in  häutigeif 
Umkleidung  sich  befinde,  sei  überdies  frei  von  Vibrionen,  ihr  Ein-* 
dringen  auch  schon  deswegen  höchst  unwahrscheinlich,  weil  die  struc- 
turlose,  mit  den  Kalksalzen  imprägnirte  Eihaut  gar  keine  offenen 
Poren  besitze.  Den  Experimenten  Gayon' s  mit  erhöhtem  Druck 
hält  C.  entgegen,  dass  dabei  Rupturen  der  Eihäute  zu  Stande  kommen 
könnten,  gerade  so  wie  die  Gefässrupturen  in  der  Nasensohleimhaut 
und  der  Conjunctiva  von  Thieren  unter  dem  Becipienten  der  Luft- 
pumpe. Nadi  den  Untersuchungen  B^champ's  und  Gayon' s 
sollen  neben  Fäulniss  auch  Alkoholgäfarung,  Buttersäur^  und  Milok- 
säuregährung  im  Ei  vorkommen;  es  müssten  nach  der  Theorie 
Pasteur's  somit  auch  für  diese  Umsetzungen  die  entsprechenden 
organisirten  Fermente  von  aussen  eingedrungen  sein,  d.  h.  das 
Ei  eine  förmliche  Arche  Noah  für  allerhand  winzige  Geschöpfe  re- 
präsentiren.  Wenn  man  diese  Möglichkeit  der  Invasion  überhaupt 
zulasse,  müsse  der  Vorgang  als  ein  viel  häufigerer  angenommen 
werden  und  man  dürfe  sich  wundem,  dass  für  gewöhnlieh  nicht 
mehr  Eier,  als  Pasteur  angiebt,  in  Fäulniss  geriethen.  Die  That- 
Sache  aber,   dass  alle  diese  hjrpothetisch  angenommenen  Keime  im 


486  Ceotxalblatt  für  Chirurgie.    No.  31. 

Ei  die  Entwickelung  des  Embryo  bei  der  Brütung  notorisch  nicht 
hindern^  beweise  entweder^  dass  diese  Hypothese  unrichtig  sei»  oder 
dass  diese  Keime  in  dem  unzersetzten  Eiweiss  nicht  zu  vegetiren 
yermöchten  (cf.  Billroth  und  Ref.}. 

Poggiale  hat  ebenfalls  beobachtet»  dass  alle  Eier  früher  oder 
später^  namentlich  im  Sommer,  faulige  Zersetzungen  erleiden.  Sollte 
man  hier  also  annehmen»  dass  sämmtliche  Eier  von  Hause  aus  Bac- 
terienhaltig  wären?  Allein  Gayon  habe  ja  nur  in  einzelnen  Fällen 
derartige  Organismen  gefunden,  und  B^champ  und  Donn6  konnten 
niemals  im  Weiss  oder  Gelb  frischer  Eier  Bacterien»  Vibrionen^ 
Schimmelsporen  oder  andere  Organismen  constatiren.  Die  Gründe 
Gayon* s  für  eine  Invasion  von  Vibrionen  im  Oviduct  seien  unzu* 
länglich.  Er  hält  die  Frage»  wie  diese  spontane  Fäulniss  der 
Hühnereier  zu  Stande  komme»  für  eine  sehr  schwierige  und  warnt 
vor  vorzeitigen  Schlussfolgerungen. 

Nachdem  schliesslich  Fasteur»  nicht  ohne  einige  leidenschaft- 
liche Bemerkungen,  noch  einmal  energisch  erklärt,  es  faulten  nur 
einzelne  Eier»  und  diese  enthielten  Vibrionen,  bekräftigen  auch 
Colin  und  Poggiale  ihrerseits  noch  ein  Mal»  dass  alle  Eier  in 
Fäulniss  übergingen»  auch  die»  welche  keine  Vibrionen  enthielten» 
[Ref.  glaubt»  nach  neueren  Untersuchungen  über  diesen  Gegenstand» 
dass  Pasteur  vollkommen  Recht  hat,  wenn  er  sagt»  dass  man  Eier 
bei  gewöhnlicher  Temperatur  viele  Monate  lang  frisch  erhalten  könne; 
aber  er  muss  auch  Colin  und  Poggiale  darin  beistimmen,  dass 
alle  Eier»  die  einer  kurzen  natürlichen  oder  künstlichen  Brütung 
unterworfen»  dann  durch  Abkühlung  in  dem  Entwickelungsvoigange 
unterbrochen  und  bei  mittlerer  oder  warmer  Sommertemperatur  auf- 
bewahrt werden»  ohne  Ausnahme  Zeichen  von  Zersetzung  darbieten. 
Man  findet  in  solchen  Eiern»  die  oft  deutlich  fotid  riechen,  mikro- 
skopisch eine  grosse  Zahl  kleiner  gleichmässiger»  molecularbeweglicher 
(bacterienähnl icher)  Kömchen»  von  denen  der  grösste  Theil  in 
Kalilauge  löslich  ist,  während  die  anderen  an  Fetttröpfchen  oder 
Gasbläschen  erinnern.  Auch  Billroth  hebt  hervor»  dass  man  in 
Eiern»  die  scheusslich  stinken»  oft  keine  Organismen  finde.  Ref. 
hält  für  diese  spontane  Zersetzung  des  angebrüteten  Hühnereies  die 
Erklärung  für  zulässig»  dass  bei  der  Keimung  der  Bildungszellen  des 
Eies »  wie  ja  auch  bei  anderen  Thier-  und  Pflanzenzellen »  ^  Stoffe 
(Fermente)  gebildet  werden,  welche  physiologisch  die  Umbildung  des 
Emährungseiweisses  zu  thierischer  Gewebssubstanz  vermitteln,  also 
diejenigen  chemischen  Lebensvorgänge  einleiten»  die  man  unter  dem 
Namen  des  Stoffwechsels  und  der  Zellenemährung  zusammenfasst; 
dass  diese  Fermente  beim  Aufhören  des  Lebens  der  Zellen  an  sich 
nicht  unwirksam  werden,  sondern  noch  weiterhin»  bei  wärmerer  Tem* 
peratur  schneller,  bei  niedriger  langsam,  postmortale  Umsetzungen 
hervorrufen,  die  wir  in  die  Kategorie  der  Fäulnisserscheinungen  ein- 
reihen müssen.    Vermuthlich  finden  ähnliche  postmortale  Umsetzungen 


Centralbktt  fAr  Cbiruigie.    No.  31.  4§|r 

durch  physiologische,  in  den  Geweben  gebildete  Fermente  auch(^ 
der  Thier-  und  Menschenleiche  noch  statt  (Leichengift?).]  ^9 

SchluBfl  folgt.  Am.  Hiller  (Berlin).    ^^ 


V.  FeltB,     Etüde  exp^rimentale  sur  le  principe  toxique  dU 

sang  putr6fi6.  ßb 

(Comptes  rendofl  T.  80.  1875.  p.  1338^40.)  ^ 

Die  in  seinen  Versuchsreihen  über  die  Wirkung  septischen  Blut^ 
(s.  Centralblatt  1875,  No.  13)  benutzten  Flüssigkeiten  liess  F.  f^ 
der  Luft  ausgesetzt  Monate  lang  stehen.  Die  von  Zeit  zu  Zeit  TQtr 
genommene  mikroskopische  Untersuchung  ergab,  dass  die  Bewegliobt 
keit  der  Spirillen  und  Vibrionen  mehr  und  mehr  abnahm;  schliesslich 
entsch^randen  sie  dem  Blicke  so  vollständig,  dass  auf  Zerfall  und 
Auflösung  derselben  in  der  faulenden  Flüssigkeit  geschlossen  werden 
musste.  Die  Bacterien  und  die  Zoogloea-Membranen  widerstehen  dir 
Fäidniss  längere  Zeit,  büssen  aber  ihre  Beweglichkeit  gleichfalls  ein, 
zuletzt  sieht  man  in  der  Flüssigkeit  nichts  mehr  als  unbewegliche 
Trümmer  von  Stäbchen  und  Kömchen.  Gleichzeitig  wird  der  Geruch 
des  Blutes  weniger  penetrant,  indem  die  Bildung  ammoniakalischer 
Froducte  abnimmt.  Die  Zeit,  d.  h.  längeres  Stehen  frei  an  der  Lu^ 
wirkt  auf  faules  Blut  ganz  in  der  gleichen  Weise,  wie  nach  F.  lef|^ 
gerer  Contact  mit  Sauerstoff  oder  fortgesetzter  Aufenthalt  im  leer^ji^ 
Baume.  Wurde  von  diesem  faulen  Blute  eine  Injection  von  Y2  ^9 
2  Kbcm.  in  die  Venen  bei  Hunden  gemacht,  so  traten  bei  all^ 
(6  an  der  Zahl)  Infectionserscheinungen  auf,  Temperatursteigerun^ 
Appetitlosigkeit,  Erbrechen,  gallige,  selbst  blutige  Durchfalle.  Vier 
von  den  Thieren  starben,  aber  erst  nach  10 — 12  Tagen,  die  zwgi 
anderen  erholten  sich  allmälig  wieder  vollständig.  Altes,  gefaul^ 
Blut,  in  welchem  jedes  sichtbare  Leben  erloschen  ist,  hat  demnag^ 
dieselbe  toxische  Wirkung,  wie  das  Blut,  in  dem  die  organisch^ 
Keime  und  Pilze  in  voller  Lebensthätigkeit  sich  befinden  und  muji 
müsste  als  unmittelbare  Ursache  der  septischen  Fähigkeit  chemisc)ip 
Veränderungen  annehmen,  bewirkt  durch  die  Gegenwart  resp.  dfgi 
Zerfall  der  Organismen,  nicht  die  Organismen  selbst.  —  Andererseite 
aber  zeigt  das  Blut  der  durch  so  gefaultes  Blut  inficirten  und  gi(- 
storbenen  Thiere  zahlreiche  Bacterien  und  Coccobacterien,  obwo^ 
doch  in  dem  injicirten  Blute  kein  lebendiger,  bewegungsfähiger  Kei^ 
vorhanden  gewesen  ist.  —  Putrides  Blut,  welches  5  Monate  lang  in  4^ 
Sonne  gestanden  und  eine  teigige  Consistenz  durch  Verdunstung  e;^ 
langt  hatte,  wurde  im  Luftbade  vollkommen  getrocknet  und  zu  ein^^ 
feinen  Pulver  zerrieben.  Fein  gesiebt  wurde  es  in  der  Dose  vongp 
Y2  Kbcm.  mit  2  —  3  Kbcm.  Wasser  vermischt  und  diese  kräftige 
Hunden  in  die  Cruralvene  eingespritzt.  Anfangs  zeigten  die  Thic^ 
eine  massige  Depression,  nach  4  —  5  Tagen  stellte  sich  Fieber  ei||> 
gallig-blutige  Diarrhoe,  Erbrechen,  gallenfarbstoffhaltiger  Harn  u.  s.  jfy. 


488  Centnlblatt  f^r  Chmngie.    No.  ai. 

Von  den  drei  Hunden  etaiben  2  nach  10  vesp.  16  Tagen.  Auch  hier 
enthielt  das  Blut  Bacterien^  auch  hier  zeigten  die  rothen  Katkörper* 
chen  die  bekannte  Formveränderung  und  den  Zerfall^  wie  im  Blut  sep- 
tisch inficirter  Thiere.  Und  doch  konnte  die  genaueste  Untersuchung 
des  getrockneten  und  mit  Wasser  yermischten  Pulvers  nichts  Ton 
lebenden  Bacterien  oder  Vibrionen  darin  entdecken.  Da  somit  auch 
das  Blut^  welches  durch  alle  Perioden  d^  Fäulniss  bis  zur  gänzlichen 
Austrocknung  hindurchgegangen  ist,  immer  nach  einer  gewissen 
Incubationsdauer  septische  Erscheinungen  hervorbringt,  so  muss  man 
nach  F.  annehmen ,  dass  in  der  eingespritzten  Flüssigkeit  bewegungs- 
lose und  scheinbar  todte  Keime  vorhanden  gewesen  sind,  die  in  nor- 
males Blut  eingeführt  gleichsam  wieder  aufleben  und  nun  ihre  sep- 
tische Fähigkeit  von  Neuem  entwickeln  können. 

J.  Muk  (StBBMbug  i/E.) . 


N.  Oröhant  und  B.  ModnejewskL    Von  der  Zersetzung  der 

Eiweisskörper  im  Yacuum. 

(Denkbl&ttet  d.  Warsdiaaer  äntL  Gesellschaft  1^75.  Hft.  1  n.  2.  p.  167.) 

In  dem  Laboratoriimi  von  Claude-Bersard  in  Ptois  unternah- 
men die  Verff.  eine  Reihe  von  Untersuchungen,  tun  festzustellen,  wel- 
cher Natur  die  gasformigen  Producte  sind,  welche  sich  aus  dem  ^ute, 
nachdem  m^n  die  gewöhnlichen  Blutgase  ausgepumpt  bat,  entwickln. 
Sodann  aber  sollten  die  Quellen  dieser  Grasbildung  und  etwaige  Ein* 
flüsse  angesucht  werden,  welche  die  Quantität  und  QuaKföt  der  Gras- 
bildung zu  modificiren  lA  Stande  wären. 

Das  entgaste  Ittut  lieferte  im  hifdeeren  Raum  und  bei  constanter 
Erwärmung  auf  einen  bestimmten  Wärmegrad,  ein  €remisch  von 
Kohlensäure,  Wasserstoff,  Schwefelwasserstoff  und  Stickstoff  und  zwar 
in  grosser  Menge  und  während  einer  sehr  langen  Zeitperiode  (einzelne 
Versuche  dauerten  bis  zu  2  Monaten),  am  reichlichsten  bei  einer  Tem- 
peratur von  40^  C.  Ptodlelversuche  mit  Hühnereiweiss,  Serum, 
Paraglobulin  und  Casein  zeigten ,  dass  die  Grasbildung  auf  der  Zer- 
setzung von  Eiwdsskörpern  im  Sennn,  und  im  Blut  speciell  auf  der- 
jenigen des  Paraglobulin  beruhe.  —  Dass  diese  Zersetzung  eine 
Fäulniss  von  Eiweisskörpem  sei,  schlössen  die  Verf.  einmal  aus  dem 
charakteristischen  Fäulnissg^puch  von  Proben,  die  sie  während  der  Gras- 
entwickelung aus  den  sidi  zersetzenden  Flüssigkeiten  entnahmen  (nach 
vollendeter  Gasproduction  war  ein  charakteristbcher  Fäulnissgemch 
an  den  zersetzten  Substanzen  nicht  mehr  wahrnehmbar),  und  zweitens 
aus  der  constanten  Anwesenheit  in  reichlicher  Vermehrung  begriffimer 
Mikroorganismen.  —  Alle  weiteren  Bemühungen  der  Verf.  um  die 
Entwickelung  der  letzteren  zu  hindern,  blieben  erfolglos.  Weder 
durch  Anwendung  aller  Cautele,  um  den  Zutritt  der  Mikrooiganismea 
zu  den  Untersuchungsflüssigkeiten  zu  hindern,  npch  durch  Modiftea- 
tion   der  Temperatur    des   erwärmenden   Wasserbades,    noch    durek 


I 


C«ntEalblatt  fQr  Chinugie.    IXo.  31.  4g9 

BjBa«fi]gen  antUeptiflcber  StofSa  2u  den  eiwcmhabigeft  F%i«8igkeiten 
(es  wurde  Jod^  Aig^.  nitr.^  CyanqnecksSber,  Seeedbi  und  KoUcn-^ 
oxydgas  augefugt)  gelang  es  dde  Entwickelung  jener  kleinen  evgani* 
sehen  Grebiide  zu  stören.  So  fimden  sie  sich  in  grosser  Menge  bei 
constaater  Erwärmung  des  Serum  bis  auf  75  ^;  dag^en  wax  die  Menge 
der  gebüdeten  Grase  auffallend  Terringert,  wenn  man  die  Temperatur 
des  Wasserbades  auf  19°  C.  herabsetzte,  statt  sie  auf  40°  C.  zu  hal* 
ten.  —  Mit  Kohlenoxydgas  gesättigtes  Biut  zeigte  selbst  nach  längerer 
Zeit  die  Blutkörperchen  relativ  wohl  erhalten.  Mikroorganismen  wtuden 
dagegen  noch  nach  2  Monaten  in  einer  au%ehobenen  Probe  dieses 
Blutes  nachgewiesen.  —  Im  S^mm,  welches  mit  Jod  und  dann  mit 
HöUensteinlösung  veisetst  worden,  soll  das  entwickelte  Gasqnantum 
um  ein  Drittel  Ueiner  gewesen  sein,  als  im  unveimisefaten  Serum.  «-* 
Bei  Anwendung  von  Cyanquecksilber  wurde  die  Gasentwickebing  auf 
ein  Minimum  rc^drt,  trotzdem  reichliche  Mikrooiganismen  anwesend 
waren.  —  Ebenso  setzte  Seesalz  in  einer  Lösung  von  Hühnereiweiss 
die  Gasbildung  ganz  beträchtlich  herunter.  —  Die  Verff.  resümiren 
ihre  Ergebnisse  dahin,  dass  die  angewandten  Giftstoffe  (Cjanqueck^ 
Silber,  sowie  Äntiseptica,  z.  B.  Seesalz)  keinen  hindernden  Einfluss 
auf  die  Entwickelung  von  Mikroorganismen  üben,  dass  sie  aber  die 
cfaemisehen  Zersetzungen  eiweisshaltiger  Substanzen  und  die  hiermit 
verbundene  Bildung  gasiger  Producte  abhalten.  Diese  Gasbildung 
wird  stets  begleitet  von  einer  Entwickelung  von  Mikroorganismen, 
ohne  dass  durch  letztere  die  Quantität  oder  Qualität  der  Gase  ver^ 
ändert  würde. 

Zuletzt  suchen  die  Verf.  den  schädlichen  Einfluss  der  gasförmigen 
2lersetzungsproducte  von  Eiweisskörpem  auf  die  Gesundheitsverhält- 
niflse  in  Wohnungen,  Spitälern  und  in  der  Nähe  von  Schlachthäusern 
u.  s.  f.  au  beleuchten.  Lesser  (Berlin). 


¥.  CSsamgr.     Ein  Aneurysma  varicostuoi.     Ein  Beitrag  sur 
Lehre  von  der  Organisation  geschichteter  Thromben. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXIL  p.  464.) 

Die  jüngst  ausgesprochenen  Ansichten  Boser's  imd  Ha  in 's 
(Chirurg.  Centralbl.  1874.  p.  477)  über  die  Natur  des  aneurysmatisehen 
Sackes  in  frischen  Fällen  von  Aneurysma  traumaticum  kritisirt  C. 
unter  gleichzeitiger  Mittheilung  des  Untersuchungsbefundes  an  einem 
von  ihm  operirten  Aneurysma  varicosum  der  Arteria  und  Vena  femo- 
raUs.  Dasselbe  war  bei  einem  20jähr.  Mann  durch  den  Stich  eines 
Taschenmessers  entstanden.  Instrumentelle  und  6  Tage  fortgesetzte 
#  Digitalcompression,  4  Tage  dauernde  forcirte  Flexion ,  ebenso  die 
Unterbindung  der  Schenkelschlagader  nach  Hunt  er  brachten  keine 
Heilung.  4  Monate  nadii  der  Entstdiung  wurde  mit  Benutzung  der 
Es march 'sehen  Methode  der  Sack  blossgelegt,  gespalten,  die  Fibrin- 
coagtda  ausgeräumt,  die  Arterie  und  Vene  unterbunden.    IDer  losgelöste 


490  Centxalblatt  fttr  Chirurgie.    No.  31. 

r 

Theil  des  Aneuiysmasackes  wurde  ausgeschnitten.  Nach  Ueberstehung 
eines  Erysipels  Heilung.  —  Das  Wesentliche  am  Befunde  des  aus- 
geschnittenen Aneurysma  ist  das  Bestehen  eines  leicht  isolirbaren, 
derben  Bindegewebssackes ,  der  dadurch  an  Dicke  zunimmt,  dass 
die  Innenfläche  granulationsartig  in  die  äussersten  Fibrinschichten 
hineinwächst,  während  sowohl  Fibrin  als  rothe  Blutkörperchen  resor- 
birt  werden  oder  vielleicht  zum  kleineren  Theil  als  Intercellularsub- 
stanz  persistiren.  Nach  Vergleichung  mit  dem  Roser 'sehen  Befund 
erscheint  die  Annahme  am  natürlichsten,  dass  der  Böser 'sehe  Fibrin- 
sack gleichsam  als  Modell  für  die  hereinwachsenden  Blutgefässe  und 
für  die  nachfolgende  Gewebsbildung  gedient  hat,  dass  somit  die 
Boser'schen  Fälle  blos  das  früheste  Entwickelungsstadium  des  trau- 
matischen Aneurysma  darstellen.  Im  obigen  Fall  wenigstens  fand  ein 
temporärer  Abschluss  in  der  Bildung  eines  derben  Bindegewebssackes 
statt.  Madelung  (Bonn). 


Semmer.     lieber  die  Ursache  der  Furunkel. 

(Deutoche  Zeitschrift  f.  Thiermed.  u.  vergl.  Pathologie  1875.  Bd.  I.  Hft.  2  u.  3.) 

Bei  Bewohnern  eines  Hauses^  die  einige  Zeit  an  mehr  oder  we- 
niger zahlreichen  Furunkeln  gelitten  hatten^  führt  S.  die  Erkrankung 
auf  den  Genuss  verschimmelten  Sauerkohles  zurück.  Er  fand  in  den 
von  den  Furunkeln  ausgestossenen  Eiterpfropfen  ein  zahlreiches  Ge- 
flecht von  Pilzfaden  y  die  den  Mycelfaden  des  Kohls  vollkommen 
gleich  waren.  Schimmelsporen  werden  durch  Siedehitze  schwer  zer- 
stört^ ausserdem  war  der  Kohl  theils  ungekocht  genossen  worden; 
»es  hatte  also  eine  Einwanderung  von  Schimmelsporen  vom  Darm 
aus  ins  Blut  stattgefunden.«  Am.  HUler  (Berlin). 


Landsberg.     Zur  Aetiologie  und  Prognose  intra-  und  extra- 

ocularer  Sarcome. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXIII.  p.  267.) 

L.  erzählt  einen  Fall  von  Fibrosarcom  der  Aderhaut  ^  zu  dessen 
Bildung  ein  eitrig  chorioiditischer  Process  den  Ausgangspunkt  gegeben. 
Einer  28jähr.  Frau  wird  das  Hymen  exstirpirt.  Phlebitis.  Abscessbildimg 
in  den  grossen  Schamlippen  und  inneren  Schenkelflächen.  Plötzlich 
auftretende  heftige  Schmerzen  im  linken  Auge^  rasch  fortschreitende 
Sehstönmg,  metastatische  Chorioiditis.  4  Monate  später  wurde  das 
total  amaurotische  Auge  enucleirt.  In  der  Höhle  des  Bulbus  befindet 
sich  fast  ein  Theelöffel  Eiter ;  daneben  eine  solide  Geschwidst  von  Hasel- 
nussgrösse  ^  die  vom  äusseren  Abschnitt  der  Aderhaut  ausging.  Nach 
2^2  Jahren  keine  Spur  eines  Recidivs.  —  Den  Uebergang  einer  einfach 
hyperplastischen  Neubildung  (Schleimpolyp  der  Nasenhöhle]  in  ein 
ausserordentlich  bösartiges  y  sich  in  benachbarte  und  durch  knöcherne 


CentaralbUtt  fOr  Chirurgie.   No.  31.  491 

Wände  geflchiedene  Höhlen  (Orbital-^  Schädel-  und  Stirnhöhle)  auB- 
breitendes  Sarcom  (parviceUuläres  Myxo-Sarcom)  zeigte  ein  55jähriger 
Mann. 

Den  Orbitalsarcomen  giebt  die  bereits  in  einem  frühen  Stadium 
der  Neubildung  ausgesprochene  Tendenz  zur  Verbreitung  in  die  Tiefe 
der  Orbita  resp.  über  diese  hinaus  eine  prognostisch  schlimme  Bedeu- 
tung. Die  vom  Bulbus  selbst  ausgehenden  Sarcome  dagegen  behalten 
selbst  nach  Perforation  des  Bulbus  die  Neigung  zu  einer  concentrischen 
Verbreitung.  Bei  ihnen  ist  es  möglich,  durch  reine  Exstirpation 
dauernde  Heilung  oder  mehrjährigen  Stillstand  zu  erzielen.  Nach 
Exstirpation  eines  vielzelligen  Melanosarcom^  welches  von  der  Cho- 
rioidea  ausgehend  die  Orbita  ausfüllte,  blieb  2  Jahre  laug  jedes  Recidiv 
aus.  Dann  wurde  ein  kleines  Recidiv  und  nach  drei  Jahren  ein  zweites 
exstirpirt.  Bis  jetzt  in  weiteren  drei  Jahren  kein  neues  Zeichen  des 
Fortbestehens  des  Leidens.  Ebenso  zeigte  ein  Patient,  dem  wegen 
kleinzelligen  von  der  Sclera  ausgehenden  tmd  die  ganze  Orbita  aus- 
füllenden M edullarsarcoms  der  ganze  Inhalt  der  Orbita  inclusive  dem 
unteren  Lid  exstirpirt  wurde  y  zwei  Jahre  nachher  noch  kein  Recidiv. 

Madelug  (Bonn). 


Terillon.     l^tude  exp^rimentale  sur  la  contusion  du  foie. 

(Arch.  de  Physiologie  1875.  p.  22  —  32.) 

Ueber  die  Wunden  der  Leber  liegen  eine  Reihe  von  Arbeiten 
vor^  unter  denen  aus  neuester  Zeit  besonders  die  von  L.  Mayer  zu 
erwähnen  ist;  spärlich  sind  dagegen  die  Erfahrungen  über  Contusion 
der  Leber.  T.  hat  letztere  experimentell  in  der  Art  studirt^  dass  er 
Hunden,  die  rücklings  gelagert  wurden,  durch  brüsque  Erschütterung 
des  rechten  Hypochondriums  mit  Hämmern  von  verschiedener  Di- 
mension und  Schwere  Contusionen  der  Leber  beibrachte.  Auf  die 
Läsion  folgte  stets  eine  ausserordentlich  geringe  Reaction.  Die  All- 
gemein Wirkung,  die  anfangs  recht  bedeutend  erscheint,  verschwindet 
schnell;  ungeachtet  der  Ausdehnung  der  Verletzung  ist  der  Erguss 
in  die  Bauchhöhle  nur  spärlich,  die  Peritonitis  bleibt  auf  die  direct 
afficirten  Partieen  localisirt  und  giebt  weiterhin,  wenn  auch  nicht  ge- 
rade häufig,  zur  Bildung  von  Adhärenzen  und  Verwachsungen  Ver- 
anlassung. Selten  entsteht  allgemeiner  Icterus,  selten  ist  icterischer 
Harn.  Bei  allen  Hunden  folgte  auf  Contusion  der  Leber  Wieder- 
herstellung. Meistens  enstanden  wenig  tiefe  und  wenig  ausgebreitete 
Fissuren  des  Lebergewebes,  die  von  einem  weichen  Blutgerinnsel  er- 
füllt waren.  Die  Länge  und  Tiefe  der  Fissuren  ist  sehr  verschieden ; 
sie  kann  bis  auf  10 — 15  Cm.  sich  belaufen.  Bei  sehr  heftigen  Con- 
tusionen entsteht  ein  klaffender  Spalt  von  einer  Tiefe  von  4  —  5  Cm. 
mit  zackigen  Rändern,  der  ebenfalls  von  einem  Blutcoagulum  aus- 
gefüllt wird.  Bei  allen  diesen  Verletzungen  war  zugleich  die  Glis- 
son'sehe  Kapsel  mit  zerrissen.     Ist  dagegen,   was  auch  vorkommt, 


402  Centvalblatt  fUr  Chirurgie.    No.  81. 

^se  intact^  bo  findet  »oIl  ein  BhiCerguss  ian  iet  Leber  ^  der  tmtcrr 
der  Kapsel  sitzt  und  dite  Kapsel  l^ulenctfftig  eca  dieser  Stelie  empor- 
wölbt; das  Blut  findet  sich  dann  in  einem  oberflächlichen^  unmi<lieibar 
uAter  4er  Kapsel  gelegenen  Leberriss.  —  Nicht  selten  kommea  noch 
in  der  Tiefe  multiple  kleine  Blutheerde  von  Stecknadelkopf-  bis  Hasel* 
nussgrösse  vor,  die  indess  mit  dem  oberflächlichen  Heerde  in  durchaus 
keiner  Communication  stehen.  In  den  Fällen,  wo  die  Kapsel  mit* 
gesprengt  ist,  findet  sich  24 — 48  Stunden  nach  der  Contusion  rings  nm 
das  Blutgerinnsel,  welches  die  Ränder  der  Fissur  mit  einander  ver- 
klebt und  überdeckt,  eine  mehr  oder  weniger  dichte  Lage  von  jungen 
Zellen  vor,  wodurch  der  Blutheerd  von  den  übrigen  Leb^läppchen 
6oharf  abgegrenzt  wird.  Diese  Zellenschicht  geht  über  die  Fissur 
hinaus ,  breitet  sich  pilzförmig  über  die  Leberoberfläche  aus  und  bildet 
80  eine  die  Fissur  verdeckende  Pseudomembram.  Diese  jungen  Zellen 
sind  abgeplatteten  und  verlängerten  LeberzeUen  ähnlich;  um  die  Fissur 
herum  besteht  beträchtliche  Hyperämie.  In  der  Umgebung  der  üLsion 
sind  die  Leberzellen  stark  granulirt,  ihre  Kerne  treten  nur  undeutlich 
hervor.  Am  vierten  bis  fünften  Tage  findet  man  reichliche  Spindel- 
zellen zumeist  in  den  peripherischen  Partieen.  Das  Blutgerinnsel  hat 
an  Umfang  abgenommen  und  ist  von  allen  Seiten  von  dem  embryo- 
nalen Gewebe  eingeschlossen,  welches  die  Tendenz  zur  Organisation 
zeigt.  Gegen  den  neunten  Tag  iBt  die  Vemarbung  vollendet,  auf 
der  Leberoberfläche  bleibt  dann  nur  als  Zeichen  der  verheilten  Ver- 
letzung eine  leichte  Depression  von  graulich  durchscheinender  Farbe 
zvvüok.  —  Ist  die  Kapsel  nicht  zerrissen,  der  Bluterguss  also  unter  ihr 
gelegen,  so  zeigt  sich  im  weiteren  Verlauf,  was  die  Veränderungen 
des  Lebergewebes  und  die  Entwickelung  der  jungen  Zellenbrat  an- 
langt, kein  Unterschied  von  der  erst  geschilderten  Art  der  Verheilung; 
nnr  geht  gerade  bei  dieser  Form  der  Verletzung  die  Vemarbung  auf- 
fallend langsam  vor  sich  imd  beginnt  erst  am  8.  bis  10;  Tage.  Wäh- 
rend dieses  Zeitraums  gehen  die  dem  Blutheerde  benachbarten  Leber- 
läppchen fettige  Degeneration  ein,  dann  kommt  es  zur  Einkapselung 
des  Blutheerdes,  zu  dessen  Resorption  ausserordentliche  lange  Zeit 
erforderlich  ist.  So  kann  man  noch  nach  V/2  Monaten  mehrere  dies« 
kleinen  Heerde  mit  schwarzen  Pigmentmassen  erfüllt  sehen.  Schnitt- 
wunden, die  T.  Hunden  durch  Messerstiche  beibrachte,  welche  bald 
der  Längs«-,  bald  der  Querrichtung  nach  etwa  1  Gm.  tief  in  die  Leber 
geführt  wurden,  zeigten  in  ihrer  Verheilung  nichts  Specifisches,  was 
sie  von  den  ein&chen  Contusionsfissuren  der  Leber  unterscheiden 
könnte.  Der  Frocess  der  Wiederherstellung  geht  auf  Kosten  der  jungen 
Zellenbrut  vor  sich ,  welche  sich  iu  fibröses  Bindegewebe  verwandelte 
nnd  so  die  Narben  bildet.  Diese  jungen  Zellen  sollen  nach  der  An- 
sicht einher  Autoren  aus  dem  Blut  direct  emigrirte  farblose  Blutzellen 
sein,  nach  anderen,  besonders  Joseph  imd  L.  Mayer  von  den  Leber-* 
Zellen  herstammen.  T.  meint,  dass  in  den  Fällen  wo  die  Kapsel 
zerrissen  ist  und  also  die  Wunde  mit  der  Bauchhöhle  communicirt, 
die  jungen  Zellen  zum  Theil  vtNi  dem  Endothel  der  Serosa  herrühren,  das 


CentralUatt  fOjr  Chirvxgi«.    No.  31.  493 

nach  Comil  und  Bau  vi  er  bei  entzündlicber  Bsuimg  4er  Pmtoamdt* 
Oberfläche  anschwillt  ^  proliferirt  und  daom  sich  von  der  Serosa  ablost. 
Hierfür  spricht  auch^  dass  bei  der  subcapsidären  Verletzung,  wo  der 
Blutheerd  nicht  mit  dem  Peritoneum  in  mrecter  Communication  steht^ 
die  jungen  Zellen  und  die  durch  sie  eingeleitete  Vemaxbung  sehr  spät 
auftreten.  Was  das  Endothel  der  die  Leber  bedeckenden  Serosa  anlar^^ 
so  war  an  ihm  an  den  Stellen^  wo  es  über  der  figsuniten  Partie  ver* 
loflren  gegangen  war^  amvnahmglos  eine  rasche  Begenemtioin  zu  oon«* 
statireuj  die  gewöhnlich  am  10.  Tage  gänsKch  vollendet  war.  Diese 
schnelle  Regeneration  erklärt  nach  T.^  weshalb  man  nach  Lebercon- 
tusion  so  selten  zwischen  der  Leberoberfläche  und  den  Bauchwan- 
dungen Adhärenzen  findet.  J«  Mnnk  (Strassburg  i/£.)- 


Kleinere  Mitthettungen. 

Csemy«     Brinnerungen  aus  meinen  Lehrjahren  an  der  Billrot  ha- 
schen Klinik. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.    No.  8  u.  9.) 

1]  Phosphornekrose.     Subperiostale  Kesection  beider 
Oberkiefer  und  beider  Jochbeine  vom  Munde  aus. 

Verf.  berichtet  Ober  diese  von  ihm  während  einer  Ferienzeit  in  einer  Sitzung 
vorgenommene,  sonst  noch  nicht  richtig  beschriebene  Operation.  Ein  40jähr.  Pat. 
hatte  seit  seinem  14.  Jahre  in  einer  Zündholzfabrik  gearbeitet,  stets  gute  Z&hne 
gehabt,  bis  ein  Jahr  vor  seinem  Eintritt  in  die  Klinik  ein  Backzahn  cariös  wurde 
und  schnell  ausfiel.  Unter  Schmerzen  verlor  er  fast  alle  Zähne,  erst  des  Ober- 
kiefers derselben,  dann  der  anderen  Seite.  Nekrose  folgte  unter  starker  Jauche- 
absonderung ;  schlaflose  Nächte  und  mangelhafte  Ernährung  brachten  den  Pat.  sehr 
herunter.  C.  nahm  Ablösung  des  mucOs-periostalen  Ueberzugs  des  Gaumens ,  sowie 
der  vorderen  Fläche  des  Oberkiefer  vor  und  sprengte  mittelst  horizontal  verlaufender 
Meisselschläge  die  knöcherne  Gaumenplatte  ab.  Die  übrigen  Partieen  der  Oberkiefer 
und  Jochbeine  Hessen  sich  theils  durch  stumpfes  Lösen,  theils  durch  Meissel  und 
Knochenzange  entfernen.  Ein  kleiner  äusserer  Hautschnitt  wurde  durch  3  E.nopf- 
nähte  geschlossen,  der  Gaumenüberzug  mit  der  Gingiva  vereinigt.  Die  Nase  be- 
hielt als  Stütze  das  Knorpelgerüst ,  Vomer  und  Nasenbeine.  Drainagerohre  gingen 
durch  die  Nasenlöcher  in  die  Höhlen.  Da  die  Blutung  sehr  gering  war,  konnte 
die  C^erat¥3fi  i^  der  Narkose  ausgeführt  werden.  Nach  4  Wodwn  wurde  Pat.  auf 
seinen  Wunsch  entlassen,  nach  2  weiteren  Tagen  im  bewusstlosen  Zustand  in  das 
Budolf-Spital  aufgenommen,  wo  er  bald  verschied.  Eine  Sinusthrombose  war  die 
Todesursache. 

2)  Exslirpation  eines  kopfgrossen  subpleuralen  Lipoms. 

Tod  durcli  septische  Pleuritis. 

Biei  einem  18jä^.  Fat.  war  in  3  Jahren  unterhalb  der  üaken  Scapula  ein  Tumor 
entstanden ,  der  in  Forsi  und  Grösse  einem  Manness^hädel  gUith,  nach  einem  Fall 
auf  die  betreffen4e  Stelle  entstanden  sein  soll ,  unter  Haut  und  MwcuUiur  sase, 
sich  bei  der  Operation  als  Lipom  manifestirte,  von  welchem  ein  faustgrosser  Lappen 
zwischen  7.  u^d  8.  Bippe,  die  er  i^useinander  gedrängt,  in  den  Thorazraum  ragte. 
Dieser  Tbfiil  wurdej  nacUem  die  äussere  Partie  entfernt  war,  heraiMgeBchält,  ohne 
die  ihm  dlaht  anHjBgeade  Pleura  au  perforiren.  Ee  eriblgte  jauchige  Eitenwg»  Pei- 
UoßtÜQüt  septi9ehe  Pleuritis  un4  dej;  Tod.     Bin  Obducftmabeflund  ist  beigegeben. 

T*  Mosengeil  (Bonn*) 


494  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  31. 

Bollinger.     üeber  die  Ursache   plötzlicher  Todesfälle   und   den   so- 
genannten Rothlanf  bei  Schweinen. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Thiermed.  u.  vergl.  Pathol.  1875.  Bd.  I.  Hft.  1.) 

In  zwei  F&Llen  yon  plötslichem  Tod  ohne  vorauf  gegangene  Krankheitaerachei- 
nungen  (»bösartiger  Eothlauf«)  fand  B.  als  die  Ursache  Pallisadenwürmer 
(Strongylus  paradoxus)  in  den  mittleren  und  feinsten  Bronchien,  eine  reich  ent- 
wickelte Brut,  Eier  und  Embryonen;  im  Lungengewebe  selbst  dadurch  bedingtes 
acutes  Lungenödem.  Er  glaubt,  dass  alle  Erscheinungen  dea  sog.  »Bothlaufs«  der 
Schweine  sich  auf  obige  Affeotion  werden  zurückfahren  lassen. 

Arn,  Hiller  (Berlin). 

8.  Gamgee.     Verletzung  der  Arteria  meningea  m^dia;   traumatisches 

Aneurysma,  Blutungen,  Ligatur  der  Carotis  communis;  Tod. 

(The  Lancet  1875.    Vol.  I,  p.  535.) 

Am  7.  März  wurde  ein  Polizeidiener  mit  Verletzung  am  linken  Ohre  pulslos 
im  Hospitale  aufgenommen ;  die  Stichwunde  ging  durch  den  Tragus  und  Iftngs  der 
vorderen  Wand  des  äusseren  Oehörganges  in  die  Tiefe ;  graduirte  Compreasen  und 
Eis  wurden  applicirt;  am  13.  konnte  Fat.  die  noth wendigen  Aussagen  zu  ProtocoU 
geben;  am  17.  bildete  sich  eine  kleine  pulsirende  Schwellung  unter  dem  linken 
Ohre  aus,  in  welcher  deutlich  »Geräusch«  zu  hören  war;  Abends  lOVs  Uhr  erfolgte 
erneute  Blutung  aus  dem  Ohre ;  directe  Compresaion  und  Eis  brachte  dieselhe  zum 
Stillstand.  Da  die  pulsirende  Schwellung  um  daa  Ohr  herum  zugenommen  hatte 
und  die  Pulsation  nach  Compression  der  Carotis  erlosch,  so  wurde  70  Stunden  lang 
Digitalcompression  von  Studirenden  mit  dem  Erfolge  durchgeführt,  dass  die  Pul- 
sation und  das  Geräusch  in  dem  Aneurysma  sehr  schwach  und  der  Tumor  aelbst 
fester  wurde.  Nach  Aussetzen  der  unerträglich  gewordenen  Compression  erfolgten 
leichtere  Blutungen,  bis  am  23.  eine  starke  Nachblutung  zur  Ligatur  der  Carotis 
communis  zwang,  die  in  Aether- Narkose  mit  Catgut  ausgeführt  wurde.  Pat.  war 
bald  wieder  völlig  bei  Bewusstsein  und  die  Blutung  stand  dauernd;  aber  nach 
4  Stunden  erfolgten  Delirien,  nach  8V2  Stunden  rechtsseitige  Hemiplegie  und  am 
folgenden  Tage  der  Tod. 

Section:  Der  Catgutfaden  in  situ,  die  Intima  durchschnitten.  Im  centralen 
Ende  ein  fester,  vollkommen  adhärenter  Trombus,  das  peripherische  Ende  leer. 
Die  Membrana  tympani  zerriaaen.  Eine  irreguläre  Höhle  zwischen  den  Mm.  pte- 
rygoid  mit  in  eitriger  Umsetzung  begriffenem  Blut  erfüllt;  die  Dura  mater  und 
das  Gehirn  voUständig  (?)  normal ;  die  Art  meningea  media  durch  Knochensplitter 
an  der  Verbindungsstelle  der  pars  petrosa  und  squamosa  des  Schläfenbeins  zer- 
rissen; von  dieser  Stelle  führte  ein  unregelmässiger  Gang  zum  aneurysmatischen 
Sacke.  Pils  (StetUn). 

Biet.    Consid6rations  pratiques  sur  l'op^ration  du  bec-de-lievre^  tirtes 
de  la  clinique  de  M.  le  Dr.  Delore^  ä  l'hdpital  de  la  Charit^  de  Lyon. 

(Bulletin  g6n6ral  de  th6rapeutique  1875.  No.  8.) 

Verf.  beschreibt  aufa  Genaueate  alle  Regeln,  welche  in  der  obengenannten 
Klinik  bei  der  Haaenschartenoperation  beobachtet  werden.  Vielea  ist  schon  be- 
kannt und  bedarf  keiner  Erwähnung.  D.  näht  mit  Silber  und  legt  regehnäsaig 
eine  vollatändige  hintere  Schleimhautnaht  an.  Sie  aoU  nebenbei  den  Vortheil  haben, 
daaa  die  kleinen  Operirten  gegen  die  Oberlippe  mit  der  Zunge  nicht  zu  drücken 
verauchen ,  indem  aie  aich  gegen  die  acharfen  Enden  der  Silbernähte  atechen.  Die 
Entapannung  der  Lippe  geachieht  mittelst  eines  IV2  Cm.  breiten  Heftpflasterstreifena, 
der  3  Mal  um  den  Kopf,  abwechaelnd  Aber  und  unter  den  Ohren,  geht. 

Bei  prominirendem  und  abaolut  nicht  zurQokzubringendem  Zwiachenkiefer, 
wie  aolchea  bei  einaeitig ,  aeltener  bei  doppelseitig  complidrten  Haaenacharten  vor- 
kommt, fahrt  D.  bekanntlich  die  aubperioatale  Exciaion  einea  Keüea  aua  dem 
Vomer  aua.  Girard  (Straaaburg  i/E.). 


Centralblatt  für  Chirurgie .     No.  3 1 .  495 

Hanow.    Die  Salicykäure  gegen  Diphtheritis. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  20.) 

Verf.  hat  mit  Salicybiure  innerlich  (stOndlich  1  Löffel  Ton  0,5  Acid.  salicyl. 
auf  150,0  Waaser  langsam  su  Terschlucken)  bei  einer  Diphtheritisepidemie  gute  Er- 
folge erzielt.  Nach  der  dritten  bis  vierten  Gabe  reichliche  Abstossung  der  diph- 
theritischen  Fetzen  und  Abfall  des  Fiebers.  Nach  12  Stunden  begann  Becon- 
▼alescenz.  T«  Mosengell  (Bonn). 

Faul  Fürbringer.     Aus  der  Klinik  des  Prof.  Friedreich.     Salicyl- 
säure  gegen  Katarrhe  der  hamleitenden  Organe  mit  ammoniakalischer 

Gährung  des  Harns. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  19.) 

Bei  4  bezüglichen  Fällen  vurde  SaUcylsAure  in  Tagesdosen  von  durchschnittlich 
1,0  Gramm  in  schleimigen  Decocten,  Schüttelmizturen  etc.  gereicht.  Dabei 
schiranden  die  alkalische  Beaction,  flbler  Geruch  und  Bacterien  im  Urin,  oder,  wie 
Verf.  sagt,  »die  Erreger  und  Producte  der  ammoniakalischen  O&hrung«;  der  Eiter- 
bildungsprocess  wurde  aber  nicht  sistirt.  Bei  künstlichen  septischen  Fiebern  infolge 
putrider  Infection  bei  Kaninchen  erwies  sich  Salicylsäure  gleichfalls  wirksam,  nicht 
aber  bei  reinen  Entzündungsfiebern  (cf.  Centralbl.  f.  Chir.  1875.  No.  22). 

T«  Mosengeil  (Bonn). 

G.  B.  Baloh.     Stricture   of  tihe  Oesophagus,   with  the  lodgment  in  it 

of  a  foreign  body. 

(New  York  med.  Journal  1875.    Bd.  XXI  HfU  3  p.  272.) 

Fat.  hatte,  2V2  ^fthr  alt,  zufällig  etwas  SchwefeUäure  Terschluckt.  Nachdem 
die  Gefahr  für  das  Leben  überwunden  war»  konnte  Fat.  6  Jahre  lang  nichts  als 
flüssige  und  halbflflssige  Nahrung  zu  sich  nehmen.  Seitdem  er  angefangen  feste 
Speisen  zu  gemessen,  hatte  er  wiederholt  Verstopfungen  des  Oesophagus  durchge- 
macht, yon  der  Dauer  weniger  Minuten  bis  zu  fünfzig  Stunden.  '  Im  15.  Lebens- 
jahr blieb  ein  Stück  gekochtes  Bauchfleisch  in  der  Speiseröhre  sitzen  und  man 
versuchte  vergeblich,  es  nach  abwärts  zu  stossen  oder  auszuziehen.  Es  wurde  dem 
Fat.  Salzsäure  gegeben,  um  das  Fleisch  zu  verdauen  und  aufzulösen  und  nach  36 
Stimden  lang  dauernder  Obstruction  schluckte  Fat.  das  Stück  herunter.  Im  27.  Jahr 
wiederholte  sich  dies  mit  einem  Stück  Boastbeef.  Auf  den  Gebrauch  von  Salzsäure 
und  Fepsin  gelang  es  nach  37  Stunden  die  Verstopfung  zu  heben. 

Madelang  (Bonn). 

A.    OolBon«      De  l'op^ration   de  la  bemie  etranglte    sans    Ouvertüre 

du  sac. 

(Thöse,  Faiis,  1874.) 

Verf.  betont  den  Werth  der  äusseren  Herniotomie  gegenüber  dem  Bruchschnitt 
mit  Eröffnung  des  Sackes.  Er  veröffentlicht  11  neue  Fälle,  die  nach  ersterer  Me- 
thode operirt  wurden.  Nur  ein  Fat.,  zu  welchem  er  zu  spät  gerufen  wurde,  starb 
nach  diesem  Eingriff;  die  10  anderen,  obgleich  2  darunter  ein  heftiges  Ersyipelas 
durchzumachen  hatten,  kamen  alle  durch.  Girard  (Strassburg  i/E.). 

Notes  of  hospital  pratice  (Roosevelt  hospital). 

(New  York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXI.  Hfb.  3.) 
1)  Jodoform  in  stricture  of  the  Urethra, 

Mit  vielem  Vortheil  wurde  folgende  Methode  angewandt.  Jeden  Tag  wurde 
die  Strictur  mit  3  Bougies  erweitert.     Nach  Entfernung  der  grössten  derselben 


4d6  Centrattlatt  far  Chirorgie.    No.  31. 

wurde  eine  kleinere,  die  mit  Jodofonnsalbe  bestrichen  wafi  eii^geführt,  dioa  der 
Penis  comprimirt  und  so  beim  Ausziehen  der  Bougie  die  Salbe  in  der  Urethra 
vertheilt. 

2)'  The  use  of  ergot  in  the  treaitment  of  haemovrhoids. 

Elystiere  von  einer  Drachme  von  Ergotintinctur  und  drei  Unzen  Wasser  wur- 
den mit  zufriedenstellendem  Erfolg  bei  Behandlung  Ton  Hfimorrhoiden  angewandt. 

Madelung  (Bonn). 

J.  ABhton.    Fractur  und  Ablösung  des  Trochanter  major. 

(Lancet  1875.  Vol.  I.  p.  231.) 

Ein  16jähriger  Knabe ,  den  Kammeiraden  auf  dem  Felde  hin-  und  herge- 
schwungen und  dann  auf  den  Boden  hatten  gleiten  lassen,  klagte  nach  einigen 
Tagen  über  heftige  Schmerzen  im  HflftgelenlLe  und  dessen  Umgebung;  der  ganze 
Oberschenkel  und  die  anliegenden  Fartieen  erschienen  stark  geschwolien  und  em- 
pfindlich ;  Hautwunde  und  Cr^itation  fehlte,  dabei  Teruraachte  Bewegung  im  Haft- 
gelenke hochgradige  Sehmerzen,  beide  Beine  sollen  gleiche  (?)  Länge  gehabt  ha- 
ben, doch  wurde  am  folgenden  Tage,  als  eine  beschr&nkte  Fluctuation  fohlbar  wurde, 
Verlängerung  des  kranken  Beines  erkannt.  Der  Puls  war  klein,  schnell,  unreal- 
massig,  Zunge  braun,  dauerndes  Delirium.  Nachdem  am  2.  Tage  der  Abi cess  ge- 
öffnet worden,  war  deutlich  Crepitation  vorhanden ;  nach  2  Tagen  erfolgte  der  Tod. 
Aus  dem  Sectionsbefund  wird  nur  hervorgehoben,  dass  der  fracturirte  Trochanter 
major  in  toto  abgelöst  und  der  Schenkelhals  xmd  oberes  Femurende  cariös,  das 
Hüftgelenk  zerstört  waren.  Dem  Krankheitsverlaufe  wird  schliesslich  noch  hinzuge- 
fügt, dass  der  Knabe  nach  dem  Unfälle  bis  vom  Abend  gearbeitet  und  anfangs 
nur  etwas  Steifigkeit  im  Beine  verspOrt  habe.  Die  nächsten  2  Tage  ging  er  wieder 
zur  Arbeit  —  "Morgens  und  Abends  einen  Weg  von  3  englischen  Meilen  —  dann 
erst  blieb  er  der  St^meroen  wegen  zu  Hanse.  Für  wissensdiaftliche  Verwerdiung 
läset  Kraakengesckidite  und  Sectionsbefand  manehe  Angabe  zu  wünschen. 

Pfls  (Stettin). 

G'üterbook.      lieber   einen   Fall   von   geheilter    Hiiftgelenkresection, 
Vortrag  gehalten  am  13  Jan.  1875  in  der  Berl.  med.   Geselkchaft. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  13.» 

O.  fand  bei  einem  2jährigen  Kinde  Contis;  Adduction,  EinwärtsroUung, 
Flexion,  Abscess  oben  und  aussen  am  Oberschenkel  und  Fieber.  Unter  Exten- 
sionsbehandlung  Zunahme  des  Abscesses  und  Fiebers;  nach  zwei  Monaten  durch 
dreimal  wiederholte  Aspiration  Eiter  entleert.  Danach  spontaner  Aufbruch  an 
mehreren  Stellen,  femer  mokiple  phlegmonöse  Absoesse  und  allgemeine  Vecschlim- 
merung.  Nach  Aufgabe  der  mechanischen  Behandlung  allmälige  Besserung  und 
Luxatio  coxae.  Resection  unter  Anwendung  Esmarch' scher  Constriction  (auf 
diese  Constriction  wird  die  Genese  eines  Abseeseee  zurückgeführt,  welcher  später 
entstand  und  nicht  mit  der  Wunde  in  Communication  stand).  Die  Heilung  erfolgte 
schnell  mit  starker,  caUusartiger  Knochenneubildung  —  anfangs  Lagerung  im  Ex- 
tensionsverband  — später  Tayjlor'sche  Maschine.  Schliesslich  theilt  G.  die  Ope- 
rationsstatistik von  19  Kesect.  coxae  wegen  Caries  aus  dem  Kinderhospital  in 
London  (nach  Holmes)  mit^  von  denen  6  am  Leben  blieben,  wovon  aber  3  nur 
unvollständig  heilten.  Trotzdem  empfiehlt  G.  die  Operation  häufiger,  jedoch  mit 
sorgfältiger  Auswahl,  vorzunehmen.  Y«  MoBengeU  (Bonn). 

Originalmitthelluafeny  Monographleen  und  SeparstabdrÜcke  wolle 
man  an  Dr,  H.  TiUnumns,  Leipzig,  ICarienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagsbandluug, 
BftUkopf  und  Härta,  einsenden. 

Ihni«ikmBd  Ttitag  vob  Bialtkopf  laä  Hlrtel  UL^Ipiig. 


Gentralblatt 


ftr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOB 

Dr.  L.  Lener,  Dr.  I.  ScMe,  Dr.  I.  Tilliaiiin 

in  BotUb.  U  Halle  ».  8.  U  Leiptig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prft- 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N2:  32.  Sonnabend^  den  7.  August  1876. 


Inhalt:  Ranke,  Casulstischer  Beitrag  zur  Lehre  von  der  Brurheinklemmang.  (Original- 
MittbeiluDg.) 

Pattear,  Ctlia,  Pegflalt,  Ueber  Gährong  und  FSulniss  (Scbluss).  —  Hit,  Lympb- 
system.  —  Wlattraltz,  Bedeutung  der  Hantfunctlon  f&r  die  Körpertemperatur.  ^  Bai- 
mar,  Hautstörungen  bei  progressiver  Muskelatropbie.  —  Cboop|iey  Wirkung  der  Emetlca. 

—  Heyfeldery  Transfusionen.  ^  Graele  und  SaamltCll,  Handbuch   der  Augenheilkunde. 

—  Mder,  Mechanismus  der  Brucheinklemmung.  —  Albert,  Genu  recurvstum. 

Dretebke,  Lyssa.  —  SeallfmOllar ,  traumatische  Retning  des  Hals-Sympathlous.  — 
Welnlechner,  Fistula  colli  congenita  und  Oesopbagusdlyertlkel.  —  Pozxl,  Reoidivirende 
Osteoperiostitis.  —  Annandale,  Behandlung  irreducirbarer  Luxationen.  —  Chanca,  Knie- 
gelenksreseetion.  —  Mae  Cormac,  Erkrankungen  des  Knie-  und  des  Haftgelenkes.  — - 

Sarauiy,  Behandlung  eingeklemmter  brandiger  Hernien.  —  Haydtarelcll,  Uteruspolyp. 


Gasuistischer  Beitrag  zur  Lehre  von  der  Bruch- 

einklemmiing. 

Von 

Dr.  H.  IL  Ranke, 

Assistenzarzt  der  chirurg.  Klinik  zu  Halle. 

Die  durch  Lossen  zur  Erklärung  der  Brucheinklemmung  her- 
beigezogenen Experimente  haben,  meines  Wissens,  bis  zur  Zeit  keine 
Prüfung  durch  solche  Beobachtungen  am  Krankenbette  erfahren,  in 
denen  es  möglich  war,  die  Uebereinstimmung  der  Verhältnisse  mit 
den  Lossen 'sehen  Versuchsbedingungen  festzustellen.  Die  nach  den 
Lossen' sehen  Vorschriften  gemachten  und  gelungenen  Repositionen 
können  keinen  Anspruch  auf  Beweiskraft  erheben ,  da  sie  diese  Be- 
dingung natürlicherweise  nicht  zu  erfüllen  yermögen.     Somit  dürfte 


82  ^    I 


498  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  32. 

die  Veröffentlichung  des  nachfolgenden  Falles  von  Hemiotomie  ge- 
rechtfertigt sein. 

Am  7.  Juli  75  wurde  Professor  Volkmann  zu  einer  73jährigen 
Dame  gerufen,    die   seit   4   Tagen   unter  heftigen    Einklemmungser- 
schdniungen  erkrankt  war.      Schon  viele  Jahre  besass  dieselbe  einen 
linksiekigen   Schenkelbruch  ^   welchen  sie  jedoch  stets  leicht  bis  auf 
einen   kleinen    Rest   hatte    zurückbringen  können.      Ein    Bruchband 
hatte  sie  nicht  getragen.     Die  Einklemmung  war  plötzlich  bei  einer 
Anstrengung   erfolgt.     Die  etwa  klein-apfelgrosse  Hernie  widerstand 
sowohl  den  gewöhnlichen^  als  den  Lossen' sehen  Repositionsversuchen 
auch  in  tiefer  Narkose,   so  dass  sofort,   bei  den  schon  bedrohlichen 
Erscheinungen,  dem  heftigen  Kothbrechen,  zur  Operation  geschritten 
werden  musste.     Die  Taxis  gelang  nach  Freilegung  des  Bruchsackes 
ebensowenig  wie  vorher ;  da  ein  Finger  leicht  neben  dem  Bruchsack- 
halse in  die  Pforte  einzuführen  war,  durfte  man  hier  auch  nicht  den 
Sitz  der  Einklemmung  suchen.     Der  dicke  Brüchsack  wird  nunmehr 
schichtweise  gespalten.     In  ihm   findet   sich   ausser   einer   geringen 
Menge  braunrotheu  Bruchwassers  zunächst,  mit  der  vorderen  Wand  fest 
durch  alte  Adhäsionen  verbunden,  ein  blattförmiges,  flaches  Stückchen 
Netz,   kleiner  als   eine  Daumenendphalanx;   der  nicht  4  Mm.  dicke 
Stiel  ist  schwielig  und  mit  der  Bruchsackwand  verwachsen.   Hinter  ihm 
liegt,  mit  ihm  und  den  Sackwänden  durch  frische  Adhäsionen  theil- 
weise  lose  verklebt,  eine  Dünndarmschlinge.    Ausschliesslich  auf  der 
convexen  Seite  derselben  finden  sich  über  eine  3  Ctm.  lange  Strecke 
verbreitet  zum  Theil  conAuirende,  durch  die  ganze  Dicke  der  Darmwand 
gehende,    gegen  die  Umgebung  stark   ringesunkene   GangtSnAecke. 
Der  Darm  wird  etwas  vorgezogen ;  der  vom  liegende  (wie  sich  später 
herausstellte,  zuführende)  Schenkel  zeigt  eine  circuläre,  scharf  be- 
grenzte, ca*  4  Mm.  breite  gangränöse  Einschnürung,  der  einklemmen- 
den,  engsten  Stelle  im  Bmchsackhalse  entsprechend,   während  am 
hinteren  (abführenden)  nur  eine  einfache  Einschnürung  zu  bemerken 
ist.   Unter  diesen  Umständen  verzichtete  Prof.  Volkmann  auf  die  Re- 
position,  und  spaltete  die  Schlinge  von  dem  erwähnten  gangränösen 
Ringe  anfangend  an  der  convexen  Seite  in  der  Ausdehnung  von  3 — 4 
Ctm.     Bis  auf  eine  nicht  tropfbare,   der  Darmwand  anhaftende 
Menge  röthlichen  Serums  stellt  sich  die  Schlinge  als  vollständig  leer 
heraus.     Druck  auf  den  Leib  befordert  ebensowenig  wie  gleichzeitig 
eintretende  Brechbewegungen  Darminhalt  zu  Tage.   Die  einklemmende 
Stelle  des  ßruchsackhalses  wird  auf  dem  Finger  flach  incidirt,  trotz- 
dem erscheint  kein  Koth.  Ein  mehrmaliges  Eingehen  mit  dem  Fin- 
ger in  den  vorderen  (zuführenden)  Schenkel  bis  über  die  Wurzel  desselben 
hinaus  in  die  Bauchhöhle  constatirt  bis  hierher  absolute  Leere  des 
Darmes,  und  erst  bei  eintretenden  peristaltischen  Bewegungen  kommt 
stossweise  je  eine  Portion  sehr  dünnflüssigen  Kothes  zu  Tage.     Ein 
eingeführtes  Drainrohr  besorgt  seitdem  den  Abfluss  der  durch  die  Peri- 
staltik intermittirend  herangeschafliben  Kothmeng^n. 

In  diesem  Fallei  in  welchem  alle  Symptome  der  Einklemmung  rot'^ 


Gentnablatt  für  Chirurgie.     No.  32.  499 

handen  waren^  kann  demnach  ebensowenig  yon  einer  abaehUessendeii 
Wirkung  des  Daxminhaltes  in  der  Höhe  der  Einklemmungsstelle^  als 
andererseits  von  einer  Yerengening  der  Pforte  durch  nachrüdLendes 
Netz  etc.  die  Rede  sein.  Die  DTuckyerhältnisse  im  [Abdomen  zeigen 
keinerlei  Einfluss  auf  die  Schlinge.  Dass  der  zuführende 
Schenkel  die  schwereren  Spuren  der  Conatriction  zeigte  ist  nicht  so 
sehr  zu  betonen  als  die  Leere  der  Schlinge. 

Die  Koe  her 'sehe  Modification  der  Busch' sehen  Theorie  der 
Abknickung  des  abführenden  Schenkels  durch  Blähung  des  zuführen- 
den Schenkels  in  der  Bauchhöhle  ist  durch  die  über  diese  Stelle  weit 
hinausgehende  Fingeruntersuchung  für  unsem  Fall  ebenfidls  ausge«- 
sdblosaen.  Für  die  Kocher 'sehe  Coacession  an  Roser  fehlt  der 
Inhalt  in  der  Schlinge.  Am  ehesten  entsprechen  die  Verhältnisse  den 
Bidder'schen  Ausführungen  in  Langenbeck's  Archiv^  Bd.  XVIII, 
pag.  291 ;  nur  hat  sich  die  Transsudation  auf  eine  seröse  Durchträn- 
kung der  Darmwand  beschränkt. 


w 


Fasteur,  Colin  und  Poggiale,    lieber  Gährung  und  Fäulnias. 

(Bnlletin  de  l'acad^mie  de  med.  de  Paris  1875.  No.  7—13,  15  u.  18.) 

(SchluM  aus  No.  31.) 

2)  ü^ber  die  Ursachen  der  alkalischen  Harngähruag 
hatte  bereits  vor  t  Jahre  in  der  Academie  eine  Discussion  stattge* 
fundan«  Man  hatte  sich  darüber  geeinigt^  dass  der  Harn  In  der 
Blase  spontan  alkalisch  werden  könne;  nur  gingen  die  ALeiBungen 
auseinaad^  bezüglich  der  Frage  ^  ob  diese  Umsetzung  des  Harnstoffs 
durch  ein  Ferment  bedingt  werde ,  oder  auf  einer  gewöhnliehea 
chemischen  Reaction  beruhe.  Poggiale,  der  diese  Frage  wieder 
anregt  I  neigt  sich  zur  letztesen  Ansicht  und  führt  eine  Reihe  von 
Beispielen  an,  in  welchen  Harnstoff  ohne  Fermentwirkimg  in  kohlen^ 
saures  Ammomiak  und  Wasser  zerlegt  wird,  z.  B.  Erwärmen  auf  140^ 
C,  Einwirkung  von  Kali  cau^ticum  oder  verdünnter  Schwefelsäure. 
Der  Harnstoff  theile  mit  allen  Amiden  die  Neigung,  unter  Wasser- 
aufnahme das  entsprechende  Ammoniaksalz  zu  bilden;  so  geht  Aeetar- 
mid  in  essigsaures  Ammoniak,  Oxamid  in  oKalsaures  Ammoniak 
«nd  Carbamid  in  kohlensaures  Ammoniak  über.  Andererseits  hält 
es  P.  für  beachtenswerth ,  dass  die  Bildung  von  kohlensaurem  Am- 
moniak innerhalb  der  Blase  immer  mit  einer  Alteration  des  Blasen- 
scUeisss  zasammenfalle. 

P  a  s  t  e  u  r  vertritt  die  entgegengesetzte  Ansicht,  dass  zur  alkalischen 
Hamgährttng  immer  ein  Ferment,  und  zwar  ein  organisirtes  Fer- 
ment, erfcH'derlich  sei.  Er  giebt  zu,  dass  die  Umsetzung  des  Harn- 
stoffs auch  noch  durch  andere,  rein  chemische  Einflüsse  erfolgen 
kSone;  aber  bei  jeder  sogenannten  alkaliscfhen  Hamgährung  finde 
man,  wie  auch  andere  Beobachter  bestätigt  haben,  immer  Organismen. 
Bei  der  HamstoffzerseCeong  innerhalb  der  Käse  seien  letztere  ent- 

32» 


500  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  32. 

weder  mit  dem  Katheter  eingefährt  (Traube),  oder  man  müsse  an- 
nehmen^ dass  sie  vermöge  ihrer  Eigenbewegungen  von  der  Harnröhren- 
mündung  bis  zur  Blase  hinaufdringen. 

Colin  bestreitet  entschieden  diese  letztere  Möglichkeit  und  er- 
innert an  die  physikalischen  Schwierigkeiten,  die  sich  einem  selbst- 
ständigen Vordringen  kleinster  Wesen  durch  die  geschlossene  oder 
vom  Hamstrahl  bestrichene  Urethra  entgegenstellen.  Auch  sei  die 
Bedeutung  der  Bacterien  für  die  Hamstoffzersetzung  wohl  keine  so 
grosse  und  unbedingte,  wie  Pasteur  annehme,  da  es  ihm  gelungen 
sei,  einer  Kuh  drei  mal  hintereinander  mit  Zwischenräumen  von  ei- 
nigen Tagen  je  25  Ccm.  stark  alkalischen  Harns  in  die  Blase  zu  in- 
jiciren,  ohne  dass  Harnfäulniss  innerhalb  der  Blase  eintrat,  oder  der 
gelassene  Harn  an  der  Luft  früher  alkalisch  wurde,  als  unter  sonstigen 
Verhältnissen.  C.  hält  es  darum  auch  gar  nicht  für  erwiesen,  dass 
eine  alkalische  Gährung  in  der  (gesunden!  Ref.)  Blase  überhaupt 
vorkomme,  oder  mit  andern  Worten,  dass,  wenn  man  kohlensaures 
Ammoniak  in  frisch  gelassenem  Urin  finde,  derselbe  ein  Gährungs- 
product  des  Harnstoffs  sein  müsse.  Kohlensaures  Ammoniak  komme  in 
vielen  Se-  und  Excretiönen,  in  mancherlei  Geweben  als  normaler  Be- 
standtheil  vor,  so  in  der  Exspirationsluft,  im  Magensaft,  im  Darmin- 
halt, im  Erbrochenen  bei  Puerperalfieber,  in  Speicheldrüsen  und  Nieren- 
steinen, (Brandt,  Lassaigne).  Es  könne  daher  auch  in  Fällen 
alkalischen  Harns  sehr  wohl  von  den  Nieren  gebildet  und  ausge- 
schieden sein. 

Mialhe  bezweifelt  dies,  da  von  exacten  Chemikern,  Liebig, 
Lehmann,  Scherer  u.  A.,  unter  Anwendung  sorgfältiger  Methoden 
kohlensaures  Ammoniak  im  firisch  gelassenen  Harn  niemals  hatte 
nachgewiesen  werden  können,  und  Pasteur  erwiedert,  dass  die  Ge- 
genwart von  kohlensaurem  Ammoniak  im  Urin  und  die  Hamgährung 
verschiedene  Dinge  seien;  bei  letzterer  träten  immer  Vibrionen  auf. 
Colin* 8  Versuche  an  der  Kuh  bewiesen  nichts,  da  man  nicht  wisse, 
ob  die  Blase  der  Kuh  überhaupt  empfönglich  sei  für  Hamgährung, 
ja  ob  nicht  immer  eine  Blasenaffection  dazu  erforderlich  sei.  Ueber- 
dies  könnte  die  Kuh  bei  der  nächsten  Miction  die  Versuchsflüssigkeit 
vollständig  wieder  entleert  haben. 

Diesen  Einwand  weist  Colin  zurück;  die  Entleerung  sei  niemals 
eine  so  vollständige,  dass  nicht  einige  Tropfen,  mithin  auch  eine 
Anzahl  von  Keimen  der  vermeintlichen  Fäulnisserreger  in  der  Blase 
znrückblieben.  Es  könne  also  die  Einführung  von  Vibrionen  mittelst 
des  Katheters  nicht  als  die  ausschliessliche  Ursache  der  Hamftulniss 
angesprochen  werden. 

Dies  erläutert  Gofsselin  schliesslich  dahin»  dass  es  im  Oq^aoiB-» 
mus  immer  pathologischer  Bedingungen  bedürfe,  schwerer  Allgemein- 
leiden (Typhus)  oder  Blaseneiterung,  welche  als  prädisponirende 
Momente  wirkten,  damit  die  durch  die  Sonde  eingeführten  Fermente 
septogene  Kraft  erhielten.  Jeder  Chirurg  wisse,  dass  alkalischer  Ham 
auch  bei  Nichtsondirten  vorkomme.    Er  theilt  2  BeobaohtungeH  mi^ 


Cenirdblatt  für  Chirurgie.    No.  32.  501 

in  welchen  sich  nachweisen  liess^  durch  Liegenlassen  eines  Katheters 
nach  voraufgegangener  Ausspülung  der  Blase  mit  Carbolwasser,  dass 
der  direct  aus  den  Nieren  abgesonderte  Ham^  ohne  in  der  Blase  zu 
verweilen ,  alkalisch  sein  (oder  doch  auf  dem  Durchgange  durch  die 
Harn  Wege  alkalisch  werden  —  Ref.)  könne.  Dass  in  solchen  Fällen 
Vibrionen  durch  die  (geschlossene)  Harnröhre  nach  aufwärts  »gewandertt 
seien,  daran  glaubt  Gosselin  auch  nicht;  würden  sie  in  alkalischem 
Harn  bei  Nicbtsondirten  gefunden ,  so  könnten  sie  nur  durch  den 
Sespirations-  und  Circulationsapparat  (und  durch  die  Digestion,  resp. 
die  Cbylusgefässe  —  Ref.)  den  Nieren  zugeführt  sein. 

3)  Die  Erörterung  der  alkoholischen  Gährung  in  Früchten 
bietet  lediglich  theoretisches  Interesse  bezüglich  der  vitalistischen 
Lehre  Fasteur's.  Lechartier  und  Bellamy  hatten  gefunden, 
dass  reife  Birnen  und  Aepfel,  ohne  dass  ein  Alkoholferment  in  ihnen 
nachweisbar  war,  im  Verlauf  von  Monaten  messbare  Mengen  von  CO^ 
und  Alkohol  entwickelten  (1  Birne  von  329  Gramm  Gewicht  in  9 
Monaten  sogar  11,4  Gramm  Alkohol).  Sie  schlössen  daraus,  dass 
die  alkoholische  Gährung  des  Zuckers  möglich  sei  ohne 
Plefe.  Ppggiale,  der  diese  Beobachtungen  mittheilt,  hält  diese 
Umsetzung  gebunden  an  die  Action  der  Pflanzenzellen ,  welche  sich 
hinsichtlich  ihrer  Vitalität  von  den  Hefezellen  nur  dadurch  unter- 
schieden, dass  ihre  Thätigkeit  eine  gewisse  Zeit  dauert  und  die  Zellen 
dann  absterben  (f),  während  die  Hefezellen  sich  reproduciren.  Aehn- 
lieh  sei  auch  die  Beobachtung  von  Schützenberg  er  zu  deuten, 
welcher  Buttersäuregährung  erfolgen  sah,  wenn  er  den  Stengel  von 
Elodea  canadensis  unter  Zuckerwasser  tauchte.  Diese  Thatsachen 
sprächen  jedenüeills  gegen  die  Auffassung  Fasteur's,  dass  „alle 
Gährung  gebunden  sei  an  die  Gegenwart,  Entwickelung  und  Ver- 
mehrung von  Zellen'^.  Denn  hier  sei  die  Gährung  ohne  Zellen- 
vermehrung erfolgt. 

Faste ur  hält  diese  Beobachtungen  nur  für  eine  eclatante  Bestäti- 
gung seiner  Theorie,  welche  er  vor  Kurzem,  durch  mehrfache  Erfahrun- 
gen ganz  ähnlicher  Art  genöthigt,  dahin  erweitert  hi^tte,  dass  »jedes 
Wesen,  jedes  Organ,  jede  Zelle,  welche  die  Fähigkeit 
besitze,  eine  chemische  Action  ohne  freien  O  durchzu- 
führen, Gährungserscheinungen  hervorrufen  könne«. 
In  diesem  Sinne  hatte  er  selbst  bereits  die  Beobachtung  mitgetheilt, 
dass  mehrere  Schimmelarten  unter  geeigneten  Bedingungen  als  Alko- 
holfermente wirken  könnten.  Dennoch  seien  alle  derartigen  Um- 
setzungen, auch  die  Fruchtgährung,  verschieden  von  der  eigentlich 
sogenannten  Alkoholgährung ;  denn  sie  erfolgen  ohne  Bildung  von 
Bemsteinsäure ,  Glycerin,  Cellulose,  Fett  (und  ohne  Zellenver- 
mehrung! Ref. ) ,  welche  Stoffe  bei  der  gewöhnlichen  geistigen 
Gährung  des  Zuckers  nie  fehlen.  —  Pasteur  benutzt  gleichzeitig 
die  Gelegenheit,  noch  einmal  seinen  für  die  ganze  Theorie  funda- 
mentalen Versuch  mitzutheilen,  in  welchem  in  einer  gekochten  Nähr- 
flüssigkeit, die  75  Gramm  milchsauren  Kalk  enthielt,  bei  völligem 


502  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  32. 

Luftabschluss  auf  Einsaat  von  Vibrionen  eine  nachweisbare 
Vetmehrung  derselben  erfolgte  und  zugleich  eine  UmwandkiDg  des 
milchsauren  Kalks  (in  etwa  200  mal  grosserer  Quantität)  in 
buttersauren  Kalk  (Buttersäur^ährung) .  Er  folgert  daraus^  dass 
Leben  und  Vermehrung  dieser  kleinsten  Organismen  ohne  freien 
O  möglich  sei^  dass  alle  Gährung  eben  die  Folge  dieses  Le- 
bens ohne  O  sei,  und  schliesst  mit  dem  Satze:  »Dans  la  thto- 
rie  9  que  je  viens  de  präsenter  ....  il  y  a  une  proposition  ca- 
pitale:  c'est  celle  de  la  yie  sans  air  ivraie,  la  tkiorie  mbsüte; 
inezade,  la  thiorie  s^Scraulea.  (Diesem  Satze  Pasteur's,  dem 
Leben  ohne  freien  O,  auf  welchem  bekanntlich  auch  die,  als  irr- 
thümlich  erkannte ,  von  Pasteur  aber  immer  noch  festgehaltene, 
Unterscheidung  der  Bacterien  und  Vibrionen  als  Aerobien  und  An- 
aerobien  bosirt,  und  welcher  die  Grundlage  seiner  heutigen  Gährungs* 
und  Fäulnisstheorie  bildet,  ist  in  neuerer  Zeit  von  Brefeld,  zum 
Theil  auch  durch  die  Resultate  Paschutin's,  entgegengetreten 
worden.    Ref.) 

Colin  sieht  dennoch  mit  Poggialein  den  angeführten  Beobach* 
tungen  einen  Widerspruch  zu  der  ausgesprochenen  Ansicht  Paste  ur's, 
dass  jede  Gährung  auf  Entwickelung  und  Vermehrung  von 
Zellen  beruhe.  Er  vergleicht  die  Gährung  in  abgelösten,  reifen 
Früchten  mit  den  in  Leichen  ohne  Organismen  vor  sich  gehenden 
Zersetzungen;  in  beiden  Fällen  kämen  unzweifelhaft  gährungsartige 
und  faulige  Umsetzungen  zu  Stande  ohne  Zellenvermehrung.  Dem- 
nach  müsse  man  annehmen,  dass  hier  die  Zellen  des  Thier-  und 
Pflanzenkörpers  die  Rolle  der  Hefen  und  Vibrionen  übernehmen,  also 
ihre  Vitalität  auch  nach  dem  Tode  noch  eine  Zeit  lang  bewahrten. 

[Ref.  kann  diese  Ansicht  Colin 's,  die  Uebertragung  des  Vita- 
lismus auf  den  todten  Thier-  und  Pflanzenkörper,  nicht  theilen. 
Die  Vitalität  einer  Zelle  erlischt  nothwendig  mit  dem  Tode  dersel- 
ben, resp.  des  Gesammtorganismus ;  dagegen  ist  es  sehr  wohl  zuläs- 
sig, sich  vorzustellen,  dass  gewisse  während  des  Lebens  von  der  Zelle 
gebildeten  Stoffe,  welche  die  Fähigkeit  haben,  auf  bestimmte,  flüssige 
oder  gelöste  organische  Körper  ihrer  Umgebung  fermentirend  zu  wir- 
ken, diese  Eigenschaft  auch  nach  dem  Absterben  der  Zelle  bei  einer 
gewissen  Temperatur  noc^  beibehalten.  Kennen  wir  doch  eine  ganze 
Reihe  chemischer,  von  Zellen  herstammender  (physiologischer)  Fer- 
mente, welche  ganz  unabhängig  von  dem  Lebenszustand  der  Mutter- 
zellen und  getrennt  von  denselben  ihre  Wirksamkeit  äussern.  Die 
Annahme  eines  postmortal  noch  fortdauernden  vitalen  Actes  der 
Zelle  erscheint  daher  so  wenig  nothwendig,  als  überhaupt  wahr- 
scheinlich.] Arn.  HUler  (BerUn). 

W.  His.    Ueber  die  Entdeckung  des  Lymphsystems. 

(His  und  Braune,  Zeitschrift  für  Anatomie  Bd.  I.  p.  128.) 
Die  Wiederentdeckung  der  schon  dem  Alterthume  bekannt  gewe- 
senen Milchsaftgefösse  geschah  1622   durch   Caspar  Aselli  in  Cre- 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  32.  ^03 

mona.  A.  folgte  der  zu  seinerzeit  noch  herrschenden  Galen'schen 
Lehre  von  der  Function  der  Leber,  und  liess  auch  seine  Gefässe  zu 
derselben  treten,  indem  er  die  in  das  »Pancreas  Aselli«  (das  bei 
Fleischfressern  an  der  Wurzel  des  Gekröses  liegende  Lymphdrüsen- 
paquet)  eintretenden  Leberlymphgefclsse  far  die  zur  Leber  führenden 
Fortsetzungen  der  Chylusgefasse  hielt. 

1628  wurden  die  Milchsaftgefässe  beim  Menschen  nachgewiesen, 
und  zwar  auf  Veranlassung  des  Bathsherm  Peiresc  zu  Aix  an  der 
Leiche  eines  hingerichteten  Verbrechers. 

In  der  ersten  Abbildung  der  menschlichen  Chylus-Gefässe  durch 
Vesling  (1641)  treten  dieselben  sämmtlich  zum  echten  Pancreas. 

1647  entdeckte  Joh.  Pecquet  aus  Dieppe  den  Milchbrustgang 
in  seiner  wahren  Bedeutung;  der  Gang  war,  von  Eustachius  ent- 
deckt, für  eine  Vene  erklärt,  dem  Bewusstsein  der  späteren  wieder 
ganz  entschwunden.  -  Hiermit  wird  die  alte  Lehre  von  der  Blutbe- 
reitung durch  die  Leber  gestürzt. 

Die  Entdeckung  der  eigentlichen  Lymphgefässe  und  ihrer  Be- 
ziehung zu  den  Chylusgefassen  wird  von  drei  Anatomen :  Budbeck, 
Bartholinus,  Jolyff  beansprucht. 

Budbeck  ist  der  erste  Entdecker.  Ligaturen,  um  die  vermeint- 
lichen Leberchylusgefässe  angelegt,  zeigten  ihm  die  wahre  Bichtung 
der  Flüssigkeitsbewegung  in  denselben.  1656  fand  er  selbstständig 
den  ductus  thoracicus. 

Bartholinus  lässt  1652  in  seiner  Schrift  über  die  Chylusge- 
fasse noch  den  ühylusstrom  sich  spalten  in  eine  nach  der  Leber, 
und  eine  nach  dem  ductus  thoracicus  abfliessende  Hälfte.  1653 
tritt  B.  in  einer  neuen  Schrift  als  völlig  selbstständiger  Entdecker  der 
Ijymphgefässe  auf,  datirt  die  Entdeckung  vom  28.  Februar  1652.  In 
der  2.  Auflage  datixt  B.  die  Entdeckung  auf  den  December  1651  zu- 
rück, nachdem  er  in  der  Zwischenzeit  Budbeck's  Publication  ken- 
nen gelernt  hatte. 

Der  Prioritätsstreit  zwischen  B.  und  B.  ist  nach  Koller  vutriu- 
que  inciviliter  gesta  lis.« 

Jolyff  ist  nach  einer  beiläufigen  Angabe  Wharton's  vom 
J.  1656  als  erster  Entdecker  der  Lymphgefässe  genannt  worden  — 
selbst  hat  J.  nichts  geschrieben.  Bänke  (Halle). 


Winternits.     Die  Bedeutung  der  Hautfunction  für  die  Kör- 
pertemperatur und  die  Wärmeregulation. 

(Stricker'«  med.  JahrbQcher  1875.  p.  1.) 

W.  sucht  nach  einem  approximativen  zifFermässigen  Werth  für 
die  quantitative  Herabsetzung  oder  Vermehrung  der  Wärmeabgabe 
von  der  Haut  unter  den  verschiedenen  Circulationsverhältnissen.  Den 
Versuchen  liegt  der  Gedanke  zu  Grunde,  die  Erwännung  eines  dem 


504  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  92. 

Volum  nach  befltimmten  Luftraumes  von  einer  gemessenen  Haut- 
fläche in  einer  bestimmten  Zeit  zu  messen.  Das  Calorimeter  besteht 
aus  einem  doppelwandigen ,  cubischen  Kästchen^  mit  15  DCtm. 
Grundfläche,  dessen  eine,  auf  die  Haut  gesetzte  Seite  mit  einer  im- 
permeabeln  Membran  von  feinstem  Guttaperchapapier  geschlossen  ist. 
Die  Versuche  wurden  theils  gleichzeitig  an  einer  symmetrischen, 
theils  nach  einander  an  derselben  Hautstelle  ausgeführt. 

1)  Die  mechanische  Blutverdrängung  aus  einem  Körpertheile  ver- 
mittelst der  Esmarcb' sehen  Einwicklung,  2)  eine  venöse  Stauung  ver- 
mittelst einer  massig  einschnürenAsn  circulären  Einwicklung,  3)  eine 
durch  starke  Hautreize  bewirkte  seröse  Ausschwitzung  in  der  Haut, 
endlich  4]  Abkühlung  der  Körperoberfläche  bewirken  eine  Verminde- 
rung der  Wärmeabgabe,  welche  von  wenigen  bis  60  Procent  betragen 
kann.  Bei  negativen  thermischen  Einwirkungen  war  dieselbe  am 
beträchtlichsten ;  bei  venöser  Stauung  grösser  als  bei  der  mechanischen 
Blutverdrängung. 

Eine  durch  mechanische  imd  chemische  Reize  bewirkte  Erweite- 
rung der  Hautgefasse  kann  eine  Erhöhung  der  Wärmeabgabe  von 
der  Peripherie  bewirken,  die  von  einer  Zunahme  um  wenige  Procente 
bis  nahe  an  100  )|^  betragen  kann.  —  Aus  der  ferneren  Verwertbung 
der  Versuchsresultate  ist  zu  erwähnen :  die  erschlossenen  Schwankun- 
gen des  Wärmeverlustes  vermögen  Schwankungen  der  Wärmepro- 
duction  um  das  3fache  der  normalen  Grösse  zu  compensiren. 
Sie  reichen  aus,  um  die  Temperaturconstanz  unter  den  gewöhnlichen 
Erwärmungs-  und  Abkühlungsbedingungen  zu  erklären.  Die  Ver- 
minderung der  Wärmeabgabe,  also  die  Wärmeretention  nach  Wär- 
meentziehungen, reicht  selbst  bei  gleichbleibender  Wärmeproduc- 
tion  aus,  die  Verluste  in  kurzer  Zeit  wieder  zu  ersetzen.  Die  Be- 
schränkung des  Verlustes  allein  kann  in  manchen  Fällen  eine  fieber- 
hafte Temperatursteigerung,  eine  Steigerung  des  Verlustes  die  oft  sehr 
rasche  Entfieberung  erklären.  Die  Körpertemperatur  könnte  nämlich 
bei  Bedingungen  der  Abgabe  in  der  ganzen  Haut  wie  bei  der  £s- 
march' sehen  Einwicklung  in  2^2  Stunden  (die  Fehlerquelle  aus 
der  totalen  Circulationsaufhebung  bei  den  Versuchen  wird  bei  dieser 
Berechnung  nicht  berücksichtigt),  bei  venöser  Stauung  in  der  Haut 
in  lYs  Stunden,  nach  Abkühlung  der  Oberfläche  in  weniger  als  1^4 
Stunden  um  1^  zunehmen,  in  Y4  Stunden  dann  bei  Erweiterung  der 
peripheren  Gefasse  um  1^  abnehmen.  Bänke  (Halle). 


H.  Balmer.    Hautstörnngen  bei  progressiver  Muskelatrophie. 

(Arch.  d.  Heilkunde  1875.     16.  JtihTg.  Hft.  4.  p.  327—343.) 

Nach  Anfuhrung  zweier  von  Friedreich  mitgetheilter  Fälle,  in 
denen  sich  neben  progressiver  Muskelatrophie  an  den  Händen  eigen* 
thümliche  atrophische  Störungen  in  Form  von  Geschwür-  und  Blasen^ 
bildungen  etc.  zeigten,  was  F.  als  eine  Cumbination  von  progressiver 


Centralblatt  fQr  ChiruTgie.    No.  32.  505 

Muskelatrophie  mit  Lepra  anaesthetica  bezeichnet  hatte  ^  theilt  Verf. 
einen  ähnlichen  Fall  aus  der  Leipziger  Klinik  mit,  den  er  auch  für  die 
eben  erwähnte  Muskelerkrankung  combinirt  mit  auffallenden  Haut- 
störungen glaubt  halten  zu  müssen. 

Verf.  weist  auf  die  Beziehungen  des  Sympathicus  zu  diesen^ 
Leiden  hin,  und  wünscht  eine  genauere  Untersuchung  derselben. 
Ueber  die  weiteren  theoretischen  Betrachtungen  wolle  man  sich  im 
Original  orientiren.  ^  Bldder  (Mannheim). 

ChoTippe.      Quelques    recherches   sor  le   mode  d'action    des 

vomitifs  las  plus  employ^s. 

(Gm.  m^d.  1875.  No.  3.  p.  37.  Soc.  de  Biol.  S^ance  d.  26.  Dec.  1874.) 

Gh.  entfernte  bei  mehreren  Hunden  den  Magen  inclusive  der 
untersten  Partie  des  Oesophagus  und  der  obersten  des  Duodenums 
und  machte  sodann  Injectionen  von  Apomorphin  und  Emetin.  Er  er- 
hielt dieselben  Resultate  wie  bei  seinen  früheren  Versuchen^  wo  er  sieh 
auf  die  Durchschneidung  der  Vagi  beschränkt  hatte.  Das  Apomorphin 
rief  auch  jetzt  noch  lebhafte  Brechbewegungen  hervor ,  während  das 
Emetin  ohne  alle  Einwirkung  blieb.  Der  Tartarus  stibiatus  wirkt, 
wie  bereits  Magen  die  mit  Sicherheit  nachgewiesen  hat,  ebenfalls 
auch  nach  völliger  Entfernung  des  Magens  noch  brechenenegend. 
Ch.  hofft  diese  lediglich  auf  die  Magenschleimhaut  localisirte  Einwir- 
kung des  Emetins  zu  weiteren  Untersuchungen  über  den  Verlauf  und 
die  Anastomosen  der  Vagusendigungen,  sowie  über  deren  physiologische 
Bedeutung  verwerthen  zu  können.  ^-  0.  Volkmann  (Kettwig). 


O.  Hejrf eider.     Zur  Lehre  von  der  Transfusion. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  IV.  Hit.  5  u.  6). 
cfr.  Centralblatt  f.  Chirurgie  1874.  No.  35.  p.  553. 

Die  mit  dem  Apparate  von  Rons  sei  ausgeführten  Transfusionen 
theilt  H.  in  3  Gruppen : 

1]  9  mi|l  „Transfusio  curativa^  an  8  Kranken ,  bei  allen  mit 
glänzendem  Erfolg.  (1.  Anämie  in  Folge  von  Psoasabscess.  2.  und 
3.  Transfusion  an  demselben  Individuum^  innerhalb  weniger  Tage  bei 
Empyem  und  Nephritis  parenchymat.  4.  Leukämie.  5.  6.  Anämie 
durch  Blutungen.     7.  8.  9.  Anämie  bei  Skorbut.) 

2)  10  Fälle  von  „palliativer  Transfusion^  (10.  Anämie  durch 
eine  Operation  noch  gesteigert  —  geheilt.  11.  Inanition  durch  ein 
Fibroma  retropharyngeale  —  Verlängerung  des  Lebens.  12.  Anämie 
bei  einem  Falle  von  noch  nicht  ganz  abgelaufenem  Typhus.  Tod 
noch  an  demselben  Tage.  13.  Anämie  durch  Knievereiterung.  Tod 
3  Tage  nach  der  Transfusion.  14.  Anämie  bei  Caries  —  vorübergehende 
Besserung.      15.   Anämie  bei  Miliartuberkulose^  momentaner  Erfolg, 


506  Centralblatt  fQr  Chirurgie.     No.  32. 

durch  eine  starke  Blutung  aus  der  Operationswunde  wieder  zerstört. 
16.  17.  18.  Bei  anämischen  Geisteskranken.  Vorübergehende  Bes* 
serung  der  Anämie.  19.  Erschöpfung  und  Anämie  nach  doppelseiti- 
ger Pneumonie  bei  einem  Kinde  von  1  Jahr  10  Monaten.  Transfu- 
sion von  60  Gramm.     Tod  am  Tage  nach  der  Operation.  — ) 

Im  Falle  5  wurde  der  Kranke  nach  Injection  von  100  Grammen 
ohnmächtig. 

In  den  übrigen  Fällen  (ausgenommen  noch  Fall  19)  wurden 
200 — 300  Gramm  Blut  injicirt.  Bei  den  meisten  der  Fälle  ist  ein 
Schüttelfrost  notirt;  aufiallender  Weise  wurde  nicht  in  einem  einatgen 
Falle  Blut  oder  Eiweiss  im  Harn  gefunden^  was  H.  jedesmal  aus- 
drücklich erwähnt. 

Die  dritte  Gruppe  enthält  6  Fälle  von  ^demonstrativer  Transfu- 
sion" bei  gesunden  Individuen.  ütersnay  (Wien). 


Oraefe  und  Saemisch.     Handbuch  der  gesammten  Augen- 
heilkunde. 

Leipzig,  W*  Engrelnuuin. 

Das  Werk  wird  sieben  Bände  umfassen,  wovon  zwei  auf  Anato- 
mie und  Physiologie,  fünf  auf  Pathologie  und  Therapie  entfallen. 
Man  kann  jetzt  schon,  berechtigt  durch  die  Anlage  der  bisher  er- 
schienenen Bruchtheile  und  durch  die  XJebersicht  der  Namen,  die  die 
Bearbeitung  des  für  dieses  Jahr  und  den  Anfang  des  nächsten  ver- 
sprochenen Bestes  übernommen  haben,  versichert  sein,  dass  der 
Inhalt  der  Specialwissenschaft  möglichst  vollständig  erschöpft  werden 
wird.  Wie  weit  Ansprüche  auf  Vollständigkeit  auf  Befriedigung 
rechnen  dürfen,  ist  wohl  aus  dem  Inhalte  des  bereits  erschienenen 
siebenten  Capitels :  „Organologie  des  Auges.  Vergleichende  Anatomie 
von  R.  Leuckart^'  zu  ersehen,  dessen  Aufnahme  in  ein  Handbuch 
der  Augenheilkunde  gewiss  ebenso  neu,  als  allen  denen  erwünscht 
ist,  die  es  für  keinen  Nachtheil  halten,  den  Gegenstand  von  möglichst 
vielen  Seiten,  diesmal  vielleicht  von  einer  ganz  neuen,  beleuchtet 
zu  sehen. 

Die  übrigen  bisher  erschienenen  Kapitel  des  anatomisch-physio- 
logischen Iheiles  enthalten  der  Reihe  nach:  I.  Makroskopische  Ana- 
tomie von  Fr.  Merkel.  II.  Mikroskopische  Anatomie  der  Cornea, 
Sklera,  Lider  und  Conjunctiva  von  Waldeyer.  III.  Mikroskopische 
Anatomie  des  Uvealtractus  und  der  Linse  von  Iwan  off  und  Arnold. 
IV.  Mikroskopische  Anatomie  des  Sehnerven,  der  Netzhaut  und  des 
Glaskörpers  von  Schwalbe.  V.  Entwicklungsgeschichte  und  VI. 
Missbildungen  des  menschlichen  Auges  von  Manz.  VII.  Circula- 
tions-  und  Emährungsverhältnisse  von  Leber.  Die  letzten  vier 
Capitel  bilden  die  erste  Hälfte  des  zweiten  Bandes,  dessen  zweite  Hälfte 
—  Physiologische  Optik  von  Aubert — ,  im  Laufe  dieses  Jahres  erwar- 


*  Oentralblatt  fflr  Chinngie.    No.  «32.  507 

tet  wird.  — Vom  pathologisch-therapeutischen  Theile  liegt  vor  der  dritte 
Band^  enthaltend  Cap.  I.  Functionsprüfungen  von  Snellen  und 
Landolt  und  Cap.  II.  Operationslehre  von  Arlt,  und  vom  vierten 
Bande  Cap.  III.  Krankheiten  der  Conjunctivae  Cornea  und  Sklera 
von  Saemisch  und  Cap.  IV.  Krankheiten  der  Lider  von  Michel. 
Die  übrigen  Mitarbeiter  sind  nach  der  Keihenfolge  der  von  ihnen 
übernommenen  Capitel:  v.  Wecker,  Schmidt,  Becker,  Leber, 
Graefe,  Nagel,  Schirmer,  Berlin,  Förster,  Hirsch  (Berlin), 
der  mit  der  Geschichte  der  Ophthalmologie  das  Werk  abschlicsst, 
das  der  Augenarzt  künftig  für  um  so  unentbehrlicher  halten  muss, 
je  schwerer  mit  der  Zeit  die  monographischen  Arbeiten  zugänglich 
werden,  die  in  Jahrzehnte  umfassenden  Zeitschriften  zerstreut  nehen 
der  mündlichen  Ueberlieferung  vielfach  als  einzige  Quelle  gelten 
konnten.  FrUnkel  (Chenmiitz). 

A.  Bidder.      Experimentelles    über   den  Mechanismus  der 
Brucheinklemmung  und  2  Fälle  von  Herniotomie  mit  selt- 
neren Complicationen. 

(Arch.  f.  kUnische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVin.  Hft.  2.) 
B.  sucht  nachzuweisen^  dass  unter  gewöhnlichen  Verhältnis- 
sen eine  Einklemmung  nach  der  Theorie  von  Lossen  nicht  möghch 
sei.  Ist  die  Bruchpforte  eng  (ca.  1  Ctm.  breit),  so  kann  durch  ein- 
fachen Druck  überhaupt  kein  Darminhalt  in  die  vorgefallene  Schlinge 
gebracht  werden,  es  gelingt  dies  nur  vermittelst  eines  dünnen  Kathe- 
ters; die  so  gefüllte  Schlinge  lässt  sich  nicht  reponiren,  ihr  Inhalt 
nicht  entleeren,  es  entsteht  der  Roser*sche  „Klappen"-  Einklem- 
mungsmechanismus.  —  Ist  dagegen  die  Bruchpforte  weit  (ca.  2  Ctm.), 
so  wird  das  zuführende  Darmrohr  bei  schneller  Füllung  sich  allerdings 
so  weit  ausdehnen,  dass  es  den  abführenden  Schenkel  verschliesst.  Es 
ist  aber  selbst  bei  einer  Füllung  des  ganzen  menschlichen  Dünndarms 
mit  einer  dickbreiigen  Masse  sehr  leicht  möglich,  den  Inhalt  durch 
die  zuführende  Schlinge  wieder  in  die  Bauchhöhle  zurückzubringen. 
Für  die  Lossen* sehe  Theorie  wäre  es  noch  nöthig,  dass  sich  dann 
oberhalb  des  zuführenden  Darmrohrs  noch  eine  innere  Einklemmung 
befände.  —  Auch  die  Bus ch' sehe  Abknickungstheorie  hält  B.  hier- 
nach nicht  für  richtig,  sondern  die  Einklemmung  ist  stets  auf  Com- 
pression  oder  Stenose  im  Bruchring  zurückzufuhren.  —  Hieran  knüpft 

B.  die  Mittheilung  eines  Falles,  in  welchem  bei  einem  linksseitigen 
Leistenbruche  (Mann  26  Jahre)  die  Einklemmung  im  Bruchsackhalse 
sass  und  eines  zweiten  Falles,  von  eingeklemmter  Schenkelhemie  bei 
einer  39jährigen  Frau.  liier  war  die  Serosa  des  Darmes  zum  grossen 
Theile  mit  dem  Bruchsacke  verwachsen.  Der  Operateur  verletzte  bei 
Losungsversnchen  den  Darm,  so  dass  B.,  der  eigentlich  assistirte,  die 
Operation  vollenden  musste.  Er  löste  die  Adhaesionen,  legte  vier 
Darmnähte  an,  welche  er  kurz  abschnitt  und  reponirte  den  Darm.  Die 
Patientin  wurde  geheilt.  Maas  (Breslau). 


508  Ceniralblatt  fftr  Chirurgie.    No.  32. 

E.  Albert,     Ueber  das  genu  recurvatum. 

(Wiener  med.  Presse  1875.    No.  17,  19  und  22.) 

A.  citirt  erst  einschlägige  Fälle  aus  der  Litteratur.  Er  bemerkt^ 
dass  unter  den  Begriff  9,genu  recurvatum^,  wenn  darunter  verstanden 
sein  soll,  dass  der  Unterschenkel  mit  dem  Femur  einen  Winkel  von 
mehr  als  180^  bildet.  Zustände  verschiedener  Art  gehören:  1]  die 
angeborenen  Luxationen  der  Tibia  auf  die  Vorderfläche  des  Femur; 
2)  jene  Fälle,  wo  nach  einem  Trauma  eine  Ankylose  im  hohlen 
Winkel  sich  bildete;  3)  das  genu  recurvatum  der  paralytischen 
Kinder,  welches  auf  Erschlaiiung ,  insbesondere  der  ligg.  cruciat.^ 
und  auf  vermindertem  Tonus  des  ganzen  Muskelsystems  beruht.  Bei 
Tabetikem  und  erwachsenen  Paralytikern  bildet  sich  ein  ähnlicher 
Zustand'  aus. 

A.  beschreibt  dann  2  Fälle  von  genu  recurvat.  Der  erste  stellt 
das  Präparat  eines  genu  recurvat.  congenit.  dar,  wo  beide 
Unterschenkel  mit  dem  Oberschenkel  einen  hohlen  Winkel  bilden, 
der  bis  270°  gesteigert  werden  kann,  zugleich  mit  etwas  Abduction 
und  Rotation  des  Unterschenkels  nach  aussen ;  hochgradige  Plattfiisse 
(das  nähere  Detail  siehe  im  Originalaufsatze].  A.  stellt  sich  die 
Frage,  ob  hier  eine  angeborene  Luxation  oder  eine  Contractur  vorliege, 
und  schliesst*  aus  dem  Mangel  eines  oberen  Recessus  der  Kapsel,  der 
Verbildung  der  Menisci,  der  abnormen  Lagerung  der  Gefasse,  dass 
hier  eine  Contractur,  keine  Luxation  vorliege.  Als  wichtigste  ana- 
tomische Veränderung  zeigte  sich  die  Verlagerung  der  Gelenkfläche 
und  die  daraus  hervorgehende  Bewegungsbeschränkung. 

Der  2.  Fall  stellt  eine  bänderige  Ankylose  in  der  Stellung  des 
genu  recurvatum  dar.  —  Ein  16jähr.,  sonst  gesundes  Mädchen  war 
vor  2Y2  Jahren  zufällig  am  linken  Knie  angeschossen  worden. 
Gegenwärtig  bildete  der  Unterschenkel  der  getroffenen  Seite  mit  dem 
Oberschenkel  einen  Winkel  von  225°  und  ist  in  dieser  Stellung  fast 
ganz  ankylotisch ;  die  Tibia  in  leichter  AbductionssteUung  und  etwas 
nach  aussen  rotirt;  Patella  beweglich;  oberhalb  der  Patella  2  Narben, 
eine  median,  die  andere,  2  Quadratzoll  gross,  lateral,  nicht  am  Kno* 
chen  fixirt.  Pat.  war  nach  der  Verletzung  mit  gestrecktem  Beine 
gelagert  worden;  4 — 5  Tage  floss  Synovia  aus  der  Wunde;  Heilung 
der  letzteren  nahezu  ohne  Eiterung.  Erst  später  traten  lebhafte 
Schmerzen  auf.  Pat.  war  17  Wochen  im  Bette,  ging  dann  auf 
Krücken ,  mit  ganz  steifem,  aber  geradem  Knie.  Vor  3/4  Jahren  be- 
merkte Pat.,  dass  das  Knie  nach  vorn  concav  ward,  was  unter 
periodischen  Schmerzen  sicl^  immer  mehr  steigerte. 

In  wiederholten  Sitzungen  brachte  A.,  in  der  Narkose  der  Pat., 
den  Unterschenkel  beträchtlich  zurück,  und  konnte  sich  über- 
zeugen, dass  die  Contractur  von  Veränderungen  im  Gelenke  herstamme. 
Pat.  ging  schliesslich  mit  Unterstützungsapparat,  ohne  Stock;  das 
Hctive  Flectiren  blieb  ihr  versagt. 


CentralblaU  fflr  Chirurgie.   No.  32.  509 

A.  bespricht  schliesslich  die  Therapie^  welche  als  Ziel  die  Gerade- 
Stellung  der  Extremität  in  einem  Apparate,  oder,  wenn  knöcherne 
Ankylose  eingetreten  ist,  die  forcirte  Brechung,  mit  oder  ohne  sub- 
cutane Osteotomie,  anzustreben  hat.  Fr«  Steiner  (Wien). 


Kleinere  Miitheilungen. 

Th.  Dresohke.     Beitrag  zur  Casuistik  der  Lyssa  humana. 

(Arcb.  d.  Heilkunde  1875.  16.  Jahrg.  Hft.  4.) 

Ein  12jähriger  Knabe  wurde  von  einem  tollen  Hunde  so  leicht  in  die  Ober- 
lippe gebissen,  dass  die  kleine  Kisswunde  bereits  am  folgenden  Tage  verheilt 
war.  Mehr  als  2  Monate  später  stellten  sich  Schlingbeschwerden  und  sonstige 
Erscheinungen  der  Wasserscheu  ein,  wobei  Fat.  sich  2  Tage  noch  ziemlich  wohl 
befand;  erst  8  Stunden  vor  dem  Tode  traten  maniakalische  Erscheinungen  auf. 
Dampfbäder,  Morphium  nutzten  nichts.  Die  Section  ergab  besonders  Hyperämie 
des  Gehirns  und  eigenthümliche  Erosionen  in  der  Magenschleimhaut. 

Verf.  hebt  die  lange  Incubationsdauer  bei  diesem  Kranken  hervor;  ferner  die 
Acuität  des  Verlaufes  und  das  Fehlen  von  Lähmungserscheinungen  und  tonischen 
Krämpfen.  Eigenthümlich  war  es,  dass  nur  bei  Berührung  des  rechten 
Nasenloches  Schlundkrämpfe  sogleich  eintraten. 

Wie  gefährlich  kleine  Gesichtswunden  sind,  zeigt  auch  dieser  Fall;  denn  2 
von  demselben  Hunde  in  Oberschenkel  und  Oberarm  gebissene  Personen,  deren 
Wunden  stark  bluteten,  blieben  gesund.  A«  Bidder  (Mannheim). 

A.  Seeligmüller.     Ein  Fall  von  acuter,   traumatischer  Reizung  des 

Hals-Sympathicus. 

(Arch.  fOr  Psychiatrie  und  Nervenkrankh.  1875.  Bd.  V.  Hft.  3.) 

Ein  31  jähriger  Schmied  wurde  durch  ein  mit  grosser  Gewalt  gegen  seine  linke 
Supraclaviculargegend  geschleudertes  eisernes  Siederohr  zu  Boden  geworfen  und 
war  längere  Zeit  bewusstlos.  Zwei  Tage  später  fand  Ref.  an  ihm  alle  Zeichen  von 
Reisung  des  linken  Halssympathicus,  nämlich :  Erweiterung  der  linken  Pupille  und 
Lidspalte  und  Protrusion  des  linken  Bulbus.  Ausser  diesen  oculopupillären  Sympto- 
men zeigten  sich  auch  vasomotorische,  jedoch  nur  in  Anfällen,  von  denen  Ref. 
einen  zu  beobachten  Qelegenlieit  hatte.  Während  dieser  Anfälle  war  die  linke 
Oeaicfatshälfte  auffällig  blasser  als  die  rechte  und  zeigte  eine  Temperaturdifferenz 
von  0,150  C.  (später  einmal  0,90C.).  Erst  nach  circa  6  Wochen  waren  die  oculo- 
pupillären Erscheinungen  verschwunden  und  ebenso  sind  seit  dieser  Zeit  die  vaso- 
motorischen Anfälle,  deren  Fat.  selbst  im  Ganzen  et¥ra  5  beobachtet  hat,  nicht 
wiedergekommen.  Ref.  zieht  daraus  den  Sohluss,  dass  in  gewissen  Fällen 
von  Sympathicusaffection  die  vasomotorischen  Erscheinungen 
sich  darum  der  Beobachtung  entzogen  haben,  weil  dieselben  nur 
sporadisch  und  in  Anfällen  von  kurzer  Dauer  aufgetreten  sind. 

Seeligmfiller  (Halle). 

J.   Weinleolmer.      lieber  die   Fistula  colli  congenita  und  Divertikel 

der  Speiseröhre. 

(Sitzung  der  k.  k.  Gesellschaft  der  Aerzte  in  Wien  1875.  28.  Mai.) 

W.  erörtert  erst  die  embryologischen  Vorgänge  und  das  Zustandekommen  der 
Pistula  colli  durch  gestörte  Schliessung  der  Kiemenbögen.  Die  Fistula  colli  congenita 
kommt  häufig  beiderseitig,  und,  wenn  einseitig,  häufiger  rechts  vor.  Die  weitere 
Auseinandersetzung  bringt  nur  Bekanntes.  — >  Die  Therapie  sei  ziemlich  machtlos 
gegen  diese  Fistel.    Am  besten  sei  es,  dieselben»  namentlich  wenn  sie  vollständig 


5101  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  32. 

sind,  bcstehien  eu  lassen.  Von  der  angeblich  wirksamen  Jodinjecüon  hatW.  dabei 
keinen  Erfolg  gesehen.  Eher  noch  lassen  die  unvollständigen  ilusaeren  Fisteln  eine 
gründliche  Heilung  zu.  Für  diese  Fälle  empfiehlt  W.  die  ^xstirpation ,  nament- 
lich, wo  durch  Heilungsversuche  Verschluss  der  Oeffnung  mit  Eiterretention  ent- 
stand. In  2  Fällen  hat  W.  der  Länge  nach  gespalten,  den  Gaagherauspräparirt, 
und  so  Heilung  erzielt. 

Hieran  knüpft  W.  klinische  Mittheilungen  über  2  von  Prof.  Kl  ob  in  einer 
früheren  Sitzung  demonstrirte  Oesophagus-Divertikel.  Zunächst  über  das  in  Folge 
von  Syphilis  des  Bachens  entstandene  Divertikel.  Als  die  syphilitischen  Ulceradonen 
an  der  hinteren  Bachenwand  zu  heilen  begannen,  entstanden  immer  grössere 
Schlingbeschwerden,  es  wurde  immer  schwieriger,  in  den  Oesophagus  zu  gelangen, 
endlich  war  es  ganz  unmöglich;  Patientin  musste  per  anum  ernährt  werden.  Da- 
raus zieht  W.  den  Schluss,  dass  das  Divertikel  nicht  —  wie  Prof.  Klob  meinte  — 
aus  einem  Abscess  der  hinteren  Rachenwand  hervorgegangen  sei,  sondern  dass, 
als  die  halbperiphere  Ulceration  zur  Heilung  kam,  die  Narbe  in  Gestalt  einer  sichel- 
förmigen Falte  heranwuchs,  und  bei  der  stetigen  Schrumpfung  wie  ein  Diaphragma 
Über  dem  Schlundkopf  sich  bildete  ^  und  Über  ihr  die  Kachenwand  durch  die  In- 
gesta  zu  einem  Sacke  nach  hinten  und  unten  ausgebuchtet  wurde. 

Der  zweite  Fall  ist  eine  Divertikelbildung  in  der  Höhe  des  Ringknorpels. 
Die  Fat.  litt  schon  13  Jahre  an  Schlingbeschwerden.  Dieselbe  gab  an,  dass  daa 
Hinderniss  anfangs  höher  war,  und  mit  der  Zeit  immer  tiefer  hinabrückte. 

Auf  letzteres  Symptom  und  auf  die  grosse  Wandelbarkeit  des  Erfolges  beim 
Schlingen  und  Einführen  von  Bougies,  weist  W.  insbesondere  hin.  Sie  gestatten 
die  Diagnose  von  Speiseröhrendivertikel  nur  dann,  wenn  die  Einwirkung  eines 
corrüsiven  Giftes  auszuschliessen  ist,  denn  auch  Stricturen  zeigen  ähnliche  Symptome. 

Ist  die  Diagnose  „Divertikel*^  gesichert,  so  könnte  man  auch  an  eine  Operation 
gehen ,  wie  bei  der  Oesophagotomie  und  dann  das  Divertikel  entweder  abbinden 
oder  abschneiden  und  eine  Naht  anlegen. 

Auch  bei  einem  13  jährigen  Mädchen  mit  Oesophagus-Divertikel  zeigte  sich 
das  Symptom  des  allmäligen  Tieferrückens  des  Hindernisses.  Fflr  diesen  Fall 
meint  W.  wohl  auch  das  Längenwachsthnm  der  Speiseröhre  in  Betracht  ziehen  zu 
müssen. 

Prof.  Klob  glaubt,  die  Ursache  der  Abnahme  der  Beschwerden  beim  Herab- 
steigen der  Oesophagus-Divertikel  liege  in  dem  dadurch  bedingten  Engerwerden 
der  Eingangsöffnungen  derselben.  Fr.  Stefner  (Wien). 

Poszi.     Recidive  de  cause  interne  d'une  ancienne  affection  osseuse. 
(Soci6t6  anatomique,  e^ance  du  J8.  d^c.  1874.    Progr^s  m6dical  1875.  No.  14.) 

Ein  'Ißjähriger  Schlosser  hatte  vor  8  Tagen  nach  einer  Verdrehung  des  Kreuies 
(tour  de  reins)  heftige  Schmerzen  in  der  rechten  Hinterbacke  bekonunen,  die  in 
den  Oberschenkel  ausstrahlten,  nicht  verschwanden,  sondern  schlimmer  wurden. 
Vor  32  Jahren  hatte  Pat.  eine  schwere  Erkrankung  des  rechten  Oberscbtnkels  in 
der  untern  Epiphysengegend  überstanden.  Man  fand  jetzt  eine  eingesogene  am 
Knochen  adhärente  Narbe.  Der  Knochen  zeigte  eine  beträchtliche  Hyperostose. 
Pat.  hatte  in  den  32  Jahren  nie  Schmerzen  an  der  früher  kranken  Stelle  gehabt, 
das  rechte  Bein  war  nur  etwas  weniger  kräftig.  Seit  einigen  Wochen  hustete  Pat. 
Nachweisbare  Veränderungen  in  den  Langen.  Rechtes  Knie  staik  geschwollen, 
geringer  Erguss  ins  Geienk,  Hauptschwellung  in  der  Epiphysengegend.  Bildung 
eines  grossen  Abscesses,  Oeffnung  desselben,  die  Sonde  gelaagt  auf  entbk^iMrten  Kno* 
eben,  Drainage.  Abundante  Eiterung.  Schleimigeitriger  Auswurf.  Verfall.  Tod  2 
Monate  nach  Aufnahme  ins  Hospital.  —  Section :  Frische  Miliartuberkulose  in  den 
Lungen,  in  den  Spitzen  kreidige  Knötchen  (alte  Käseheerde).  —  Spindelförmige 
Hyperostose  des  Femur  in  grosser  Ausdehnung,  Knochen  elfenbeinhart,  kein  11  ark- 
canal  an  der  affidrten  Stelle.  In  der  Abscessgegend  Periost  abgehoben,  cirottm* 
Scripte  Ostitis.  —  P.  glaubt,  dass  die  acute  Entwicklung  der  Millartuberculose  <l»e 
Veranlassung  einer  Affection  an  einer  schon  lange  geschwäohten  Stelle  gewMM.  -^ 

Vern«uil,   der  P.   veranlasst  hat,   den  Fall  der  anatomischen  QeseUschaft 


Centralblatt  ffir  Chirur^e.    No.  32.  511 

voRulegen ,  ist  denelben  Meinung,  da  solche  Fälle  nicht  selten,  aber  zu  wenig  stu- 
dirt  seien.  Er  berichtet  über  andere  derartige  Fälle:  Ein  Kutscher  hatte  vor  fünf 
Jahren  eine  AfTection  der  bursa  trochanterica,  war  seit  3  Jahren  Tollständig  geheilt, 
dann  fing  er  an  zu  husten  und  der  Abscess  kam  wieder.  —  Bei  einer  Frau  reci- 
divirte  eine  s^t  lange  geheilte  Affection  (l^sion)  unter  dem  Einflüsse  des  Puerpe- 
riums. -^  Ein  27jähriger  Mann,  der  vor  20  Jahren  einen  subperiostalen  Abscess 
an  der  Tibia  gehabt  hatte,  wurde  syphilitiBch.  An  der  früher  krank  gewesenen  Tibia 
rasende  Schmerzen,  Schwellung,  es  entstand  ein  Gumma,  welches  vereiterte.  Die 
Syphilis  hatte  sich  für  ihren  Sitz  den  locus  minoris  resistentiae  gewählt.  Man  weiss 
seit  langer  Zeit,  dass  syphilitische  Veränderungen  an  den  untern  Extremitäten  be- 
deutender sind  bei  Individuen,  die  an  Varicen  leiden. 

Charcot  sagt,  dass  man  in  der  internen  Medicin  Analogien  findet.  Variola- 
pusteln  sind  sehr  zahlreich  auf  Narben  von  Blasenpflastern.  —  Die  Gicht  befällt 
oft  Gelenke,  welche  vorher  schon  eine  Disposition  zu  Erkrankungen  zeigten. 

Parrot  erwähnt,  dass  man  dasselbe  bei  Neugeborenen  sieht:  wenn  bei  den- 
selben die  Haut  an  den  Hinterbacken  gereizt  ist,  dann  zeigen  sich  hier  zuerstund 
intensiver  die  Rötheln.  Varicellen  hinteriassen  oft  Spuren  auf  dem  Gesicht,  wahr- 
scheinlich, weil  die  Haut  des  Gesichts  weniger  geschützt  ist  gegen  Kälte  und  alle 
Reizungen,  als  die  des  übrigen  Körpers.  Petergeil  (Kiel). 

Th.  Azmandale.     Clinical  remarks  on  unreduced  dislocations. 

(Med.  tim.  and.  gaz.  1875.  Mai  29.  p.  576.) 

Demonstration  und  Operation  zweier  veralteter  Luxationen.  A.  macht,  bei 
nicht  gelingenden  späten  Red uctions versuchen ,  Incisionen  behufs  Feststellung  des 
Repositionshindernisses ;  lässt  sich  letzteres  nicht  anders  heben,  so  folgt  die  par- 
tielle oder  totale  Resection  des  Gelenkes.  Die  Gefahren  dieses  Vorgehens  glaubt 
A.  durch  das  antiseptische  Verfahren  aufgehoben  (cfr.  Annandale,  Edinb.  m6d. 
joum.  1875.  No.  1.  pag.  612). 

1)  Einfache  Luxation  des  rechten  Vorderarms  nach  hinten,  vor  4  Monaten 
durch  Fall  aquirirt.  Beim  Versuch,  mittelst  Cooper' scher  Methode  zu  reponiren, 
bricht  das  Olecranon  ab.  Die  spätere  Incision  von  der  Hinterseite  aus  ergab  eine 
alte  Fractur  des  proc.  coronoid.,  Callusbildung  mit  Verwachsung  der  Ulna  und  des 
Humems.    Resection  «der  Ulna,  des  Radius,  des  Olecranon. 

2)  Luxatio  subclavicularis  der  rechten  Schulter,  bei  einer  62jährigen  Frau  seit 
6  Wochen  bestehend.  Bedeutende  Schmerzen,  Verdrängung  der  Art.  axill.  Nach 
vergeblichen  Repositionsversuchen  Indsion  am  inneren  Rande  des  Deltoideus,  Re- 
section des  fest  mit  den  Rippen  durch  fibröse  Adhäsionen  verbundenen  Kopfes. 
Bei  Lösung  derselben  mit  dem  Finger  wird  eine  Circumflexa  durchrissen;  Ligatur 
war  wegen  Atherom  unmöglich»  deshalb  Unterbindung  der  Axillaris  ober-  und 
unterhalb  des  Abgangs  des  blutenden  Gefässes.  Zwei  Tage  ^ter  Gangrän  des 
Unterarms,  gefolgt  von  Tod  am  3.  Tage  nach  der  Operation.         Bimke  (Halle). 

Chance.    Excision  of  Knee-joiat  (London  hospital). 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Juni  11.  p.  634.) 

Bericht  über  eine  von  Maunder  an  einem  8jährigen  Mädchen  ausgeführte 
rechtseitige  Knieresection,  wegen  seit  2  Jahren  bestehender  offener  Caries. 

Hufeisenschnitt,  Entfernung  der  Patella,  Knochennaht  des  Femur  und  der 
Tibia,  Gypsverband,  keine  Naht  des  Lappens,  hydropathischer  Umschlag.  Opera- 
tion unter  Es maroh' scher  Blutleere.  Ranke  (Halle). 

Mao   Cormao.     Cases  of  Hip-and  Knee-joint  disease.    (St.  Thomas' 

hospital.) 
(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Juni  12.  p.  634.) 
M.  C.  resecirt  nur  selten  bei  chronischer  Coxitis  im  Kindesalter.    Wie  weit 
er  mit  d«'r  conservativen  Therapie  geht,  zeigt  der  erste  der  mitgetheilten  Fälle  — 


512  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  32. 

betreffend  ein  Mädchen  mit  beiderseitiger,  aufgebrochener  Caries  de«  Hüftgelenks, 
die  Heilung  erfolgte  in  10  Monaten  (permanente  Extension).  Die  3  Hüftresectionea 
eignen  sich  ebenso  wenig  zum  Referate,  als  die  beiden  angefügten  Knieresectionen. 

Bänke  (Halle). 

Surmay.     Hernie  etranglee;  Gangräne  de  rintestiii;  anus  contre  na- 

iure;  gu^rison. 

(S^ance  de  la  sooi^t6  de  Chirurgie  1874.  30.  Dec.) 

Gelegentlich  des  Berichtes  über  einen  mit  gutem  Erfolge  angelegten  künstlichen 
After  (in  Folge  einer  eingeklemmten,  gangränösen  Hernie),  erhob  sich  die  Frage, 
ob  man  den  einklemmenden  Bruchring  erweitem  solle ,  wenn  Gangrän  des  Darmes 
vorhanden  sei. 

Tillauz  bemerkt  hierzu,  der  Darm  sei  nun  allerdings  offen,  aber  die  Koth- 
massen  passiren  schwierig  durch  den  künstlichen  After,  wenn  der  einklemmende 
Ring  zuvor  nicht  erweitert  wurde.  T.  ist  daher  dafür,  auch  bei  Darmgangrän  den 
Bruchring  zu  erweitern,  wie  zum  Zwecke  der  Reduction  der  Hernie,  um  den  Aus- 
tritt der  faeoes  zu  erleichtern. 

Lannelongue  will  die  Fälle  unterschieden  wissen »  Zuweilen  sei  wohl  der 
Austritt  der  Faecalmassen  wegen  der  Enge  der  Oeffnung  erschwert,  doch  nicht 
immer.  Und  wenn  die  Oeffnung  auch  enge  wäre,  so  seien  dafür,  da  fast  immer  der 
Dünndarm  von  Gangrän  betroffen  ist,  die  Entleerungen  flüssig,  und  treten  darum 
leicht  aus, 

Desprös  stimmt  der  Ansicht  Tillauz's  bei:  wenn  man  den  Darm  aussen 
befestigen  müsse,  so  sei  es  unumgänglich  nöthig  zuvor  zu  erweitern.  Der  erschwerte 
Austritt  der  Faecalmassen  bestehe  nur  durch  24  Stunden,  dann  erfolge  er  regel- 
mässig, wenn  nicht  Peritonitis  eintritt. 

•  A.  Gu^rin  meint,  man  müsse  in  dieser  Beziehung  Inguinal-  und  Cruralhemien 
trennen.  Bei  gangränösen  Inguinalhernien  sei  es  schlecht,  den  Ring  zu  erweitern, 
der  ziemlich  weit  sei,  die  Erweiterung  erleichtere  daher  den  Rücktritt  des  Darmes ; 
bei  Cruralhemien  könne  man  unter  Umständen  die  Erweiterung  befürworten. 

Fr«  Steiner  (Wien). 

Heydenreioh.     Polype  de  Tut^rus.    [Soci^tä  anatomique^  Seance  du 

18.  Dec.  1874.) 

(Progr^s  m6dical  1875.  No.  13.) 

Bei  einer  49jährigen  Frau  trat  nach  einer  heftigen  Bewegung  eine  Metro- 
rrhagie ein,  die  im  Hospital  verschwand.  Man  fand  nur  Metritis  mit  Fieberbewe- 
gungen. Mitte  October  regelmässige  Menstruation.  Am  6.  Nov.  Cauterisation  des 
Cervix  mit  dem  Glüheisen,  14.  Nov.  regelmässige  Menstruation,  17.  Nov.  Perito- 
nitis, 18.  Nov.  Tod.  Section:  Eiterige  Peritonitis,  Eiter  in  den  Tuben,  am  ämsem 
Ende  der  rechten  eine  mit  derselben  communicirende  Eiterhöhle.  Linkes  Ovarium 
atrophisch,  am  rechten  alle  Zeichen  frischer  Schwellung.  Am  Uterus  oben  rechts 
ein  nuRSgrosses,  nach  aussen  vorspringendes  Fibrom.  Uterus-Wandungen  von  nor- 
maler Dicke,  Mucosa  geröthet,  mit  schleimigem  Eiter  bedeckt.  Im  Innern  vom 
Fundus  ausgehend,  ein  länglicher,  schwärzlicher,  weicher  stark  vascularisirter 
Sohleimpolyp ,  bis  ungefähr  1  Centim.  oberhalb  des  orific.  extern,  herabreiehend 
(nicht  diagnosticirt).  Petersen  (Kiel). 


Origin&lmittheilungen,  Monographieen  und  Separttsbdrfioke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TUtoumn«,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlmig, 
Bratkopf  und  HärUly  einsenden. 


Drqek  and  Verlag  tab  Braitkopf  «ad  HIrtel  In  Leipzig. 


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Gentralblatt 


ftlr 


CHIRURGIE 


heransgegeben 

▼OB 


Dr.  L.  Lm,  Dr.  I.  ScMe,  Dr.  H.  Ti 


in  Berlin.  in  Halle  a.  S.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlimgen  und  Postanstalten. 


N2;  33.  Sonnabend,  den  14.  Angust.  1875. 

Inhalt:  P.  Bruns^  Zur  Simon* sehen  Methode  der  unblutigen  Erveitening  der  weib- 
lichen Harnröhre.  (Original-Mittheilung.) 

Erb,  Westphal,  Sehnenrefleze.  —  Va]da,  Heymann,  Desinfectionsmittel.  —  MDIIer, 
Sslicylsiure.  —  Hohenhausen ,  septische  Pneumonie.  —  Dammaniiy  Experimente  Ober 
Wasserinjectionen  in  den  Darm.  ~  Fltch,  Neuer  Trolkar.  —  Rivington,  Aneurysma  or- 
bitale. »  Lindner,  Distichiasls.  —  Duplay,  Periostitis  des  Schläfenbeins.  —  Desor^s, 
Leberechinococcus.  —  Dobson,  zweimalige  Lithotomie.  —  Harfmann,  Gelenkrheumatis- 
mus. —  GttSSenbauer,  Methoden  der  Knochentrennung. 

Glemanti,  Blutegel  in  der  Glottis.  —  Sldney  Jonas,  Gastrotomie.  —  Rinteln,  Ga- 
suistik.  —  Reltland,  Eingiessen  von  Wasser  in  den  Darm  bei  Bleikolik.  —  Kelth,  Ex- 
stirpation    Ton    Uterustumoren.    —    v.  Flllenbaum,    Seitenstein  schnitt ,    Crurallsligatur, 

Exstirpation  einer  Gelenkmaus. 


Zur  Simon 'sehen  Methode  der  unblutigen  Erweiterung 

der  weiblichen  Harnröhre. 

Von 

Dr.  P.  Bruns, 

Priyatdocent  der  Chirurgie  in  Tübingen. 

Die  von  G.  Simon  ausgebildete  und  kürzlich  empfohlene  Me- 
thode der  raschen^  unblutigen  Erweiterung  der  weiblichen  Harnröhre 
ist  als  ein  neues  und  sicheres  diagnostisches  und  therapeutisches  Hülfs- 
mittel  unzweifelhaft  von  grösster^  praktischer  Wichtigkeit.  —  Nach- 
dem mir  vor  Kurzem  bei  einem  Besuche  der  Heidelberger  Klinik 
Professor  Simon  sein  Verfahren  demonstrirt  hatte  ^  fand  ich  bald 
darauf  Gelegenheit^  dasselbe  in  einem  Falle  von  Fremdkörper -Ex- 
traction  aus  der  weiblichen  Harnblase  anzuwenden  und  seine  Vorzüge 
kennen  zu  lernen.  Die  nachstehende  Mittheilung  dieser  Beobachtung 
mag  daher  dazu  beitragen,  die  Simon 'sehen  Erfahrungen  zu  bestä- 
tigen und  die  yerdiente  allgemeine  Aufnahme  des  Verfahrens  in  die 
Praxis  zu  fördern.     Zugleich  bietet  vielleicht  auch  die  Beobachtung 

33 


514  CentTftlblatt  für  Chirurgie.     No. 

noch  deshalb  einiges  Interesse,  weil  bisher  i 
Publikationen  aus  der  Heidelberger  Klinik  (G. 
klinischer  Vorträge  von  ß.  Volkmann.  No. 
Arch.  für  klin.  Chirurgie.  Bd.  XVIII.  p.  167)  . 
nodi  nicht  zur  Extraction  eines  FiemdkÖrpers  i 
Wendung  gekommen  ist,  bei  der  es  sich  genu 
haft  erweist. 

Der  Fall  betraf  ein  24jährige8  Mädchen,  i 
Monaten  eine  Haarnadel  in  der  Harnblase  behf 
reits  dreimal  der  Versuch  dei  Extraction  mitte 
glückt,   worauf  sich  Pat.  in  die  hiesige  Khnik 

In  der  Chloroform  narkose  wurden  nach  2  s 
des  oberen  und  unteren  Randes  der  HamiöhTei 
mern  der  Simon'schen  Erweiterungs-Specula  < 
Harnröhre  eingeführt  und  letztere  hierdurch  1 
messer  von  2  Ctm.  (^  Umfang  von  6,3  Ctm 
konnte  der  Zeigefinger  und  neben  demselben  n 
in  die  Blase  eingeführt  und  mit  leichter  Mühi 
gezogen  werden,  trotzdem  dieselbe,  wahrscheini 
heren  Extractionsversuche ,  stark  verbogen  wa 
Schenkels  der  Haarnadel  betrug  7  Ctm.)  D 
wenigen  Minuten  beendet  und  »von  keinerlei 
Unmittelbar  nach  der  Operation  ergab  die  anges 
Wassereinspritzung  in  die  Dlase  vollständige  Su 
Schlusses;  auch  spater  trat  keinen  Augenb 
tiaenz  auf.     Patientin  wurde  nach  2  Tagen  < 


W.  Erb.   Ueber  Sehnenreflexe  bei  Gesund 
marksktanken. 

lArch.  f.  Paychiatrie  und  Nerven krtnkheiten  )8' 

C.  WestpbaL     Ueber  einige  durch  mech 
auf    Sehnen    und    Muskeln    hervorgebrac 
scheinungen. 
Ibidem. 
Erb   und  Westphal  haben   unabhängig 
Bewegungserscheiuungen  studirt,  welche  durch 
kung  auf  Sehnen  und  Muskeln  hervorgebracht  i 
erste   dieser  Erscheinungen,    welche  Erb   als 
Unterschenkelphänomen  bezeichnet,  wird  am  dei 
men   an  der   Sehne  des  Quadriceps.     Klopft  i 
Finger  oder  Fercussionshammer  kurz  und  leid 
patellae  während  der  Unterschenkel   der  sitzei 
schlaff  herabhängt,  so  wird  dieser  durch  eine  1 
refiectorische  Contraction  des  Quadriceps  plötzlii 
dert.    Weniger  augenfällig  kann  man  dieselbe  El 


_.J_  ,. 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  33.  515 


Klopfen  oberhalb  der  patella  heryorrufen ;  an  den  Sehnen  anderer 
Mnskebi,  auch  solcher  der  Oberextremitäten,  ist  dieser  Versuch  eben- 
falls gelungen. 

Ein  zweites  Phänomen  wird  von  Erb  als  Reflexclonus,  voii 
Westphal  als  Fussphänomen  bezeichnet:  Macht  man^  indem  man 
den  vorderen  Theil  des  Fusses  mit  der  vollen  Hand  ergreift,  eine 
plötzliche  kräftige  Dorsalflexion  desselben  und  hält  ihn  in  dieser 
Stellung  fest,  so  tritt  sofort  ein  rhythmisches^  klonisches,  rasches  Zu- 
cken des  Fusses  ein  —  eine  Reihe  kurzer  energischer  Plantarflexionen, 
offenbar  durch  rhythmische  Contraction  der  Wadenmuskeln,  besonders 
des  Soleus  hervorgerufen.  Diese  Zuckungen  können  durch  passive  Plan- 
tarflexion des  ganzen  Fusses,  nicht  (wie  Brown-Soquard  beobachtet 
haben  will}  der  grossen  Zehe  allein  sofort  sistirt  werden. 

Der  physiologische  Grund  des  Seflexclonus  muss  der  gleiche 
sein,  wie  der  des  Patellarsehnenreflexes ;  denn  bei  diesem  handelt  es 
sich  nur  um  eine  einmalige  Contraction  von  Muskelfasern  durch  mini- 
males Klopfen  auf  die  Sehnen;  bei  jenem  dagegen  um  rhythmische 
Zuckungen,  hervorgerufen  durch  plötzliche  Dehnung  (resp.  Erschüt- 
terung) ihrer  Sehnen  und  gleichzeitige  Fixirung  des  Unterschenkels 
in  einer  Stellung,  in  welcher  die  letzteren  gedehnt  sind.  Wenn  wir 
nun  annehmen  dürfen,  dass  durch  plötzliche  Dehnung  der  Sehne 
eines  Muskels  eine  Contraction  derselben  entsteht  (Schiff),  so  erklärt 
sich  der  Reflexclonus  einfach  aus  dem  foitwährenden  Wechsel  zwischen 
der  passiven  Dorsalflexion  und  der  durch  Contraction  der  Waden- 
muskeln entstehenden  Plantarflexion. 

Beide  Erscheinungen  werden  zuweilen  an  demselben  Individuum 
beobachtet,  zuweilen  nur  eine  derselben.  Sie  finden  sich  auch  bei 
Gesunden,  in  besonders  ausgesprochenem  Grade  aber  bei  Kranken 
und  zwar  1.  bei  solchen  mit  Compression  des  Rückenmarks  mit  oder 
ohne  myelitische  Symptome  in  Folge  hochgradiger  Kyphose  der  Wir- 
belsäule; 2.  bei  diffuser  chronischer  Myelitis;  3.  bei  Ataxie,  jedoch 
nur  in  solchen  Fällen,  wo  die  Degeneration  der  Hinterstränge  sich  nicht 
bis  in  den  untersten  Brust-  und  Lendentheil  erstreckt;  eine  Beobach- 
tung, die  vielleicht  diagnostisch  zu  verwerthen  ist  (Westphal)  und 
4.  bei  Hemiplegien  und  Hemiparesen  (Westphal). 

Erb  macht  darauf  aufmerksam,  dass  man  vielleicht  aus  einer 
bestimmten  Verbreitung  der  Reflexe  auf  den  Sitz  einer  Erkrankung 
in  bestimmter  Höhe  des  Rückenmarks  schliessen  könne.  Drei 
von  ihm  darauf  hin  genau  untersuchte  Fälle  von  Compression  des 
Brust-,  resp.  Lendentheils  bei  hochgradiger  Kyphose  scheinen  hierfür 
zu  sprechen.  SeellgrmtQler  (Halle). 

Vajda  und  Hesnnann.    lieber  den  Werth  einiger  organischer 

Desinfectionsmittel. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  6,  7,  8,  11,  12,  15,  16,  19,  21  und  23.) 
Die  Verff.    verglichen  die  von   Kolbe  als  Conservirungs-   und 
Desinfectionsmittel  besprochene  Salicylsäure  mit  der  Phenylsäure  und 

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Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  33. 


deren  Analogon,  der  Kressylsäure.  Die  Verff.  suchten  zuerst  den 
absoluten  Desinfectionswerth  der  genannten  Mittel  festzustellen.  'Die 
verwendeten  Lösungen  der  3  Mittel  waren  zweierlei:  1)  stärkst  concen- 
trirte  Lösungen^  2]  gleiche  Concentrationen.  —  Als  stärkste  Concen- 
tration  für  die  Carbolsäure  wurde  1  :  30  ermittelt^  für  die  Kressylsäure 
1  :  70.  Von  der  Salicylsäure  wurde  als  stärkste  Concentration  die  von 
Thiersch  angegebene,  genommen,  nämlich:  1  Theil  Salicylsäure, 
3  Theile  phosphorsaures  Natron  und  50  Theile  Wasser.  —  Das  Des- 
infectionssubstrat  bildete  der  blutige  Harn,  der  von  einer  blennor- 
rhagischen  Haematurie  herrührte,  und  sehr  leicht  ammoniakalisch 
wurde.  Als  Grenze  des  Experiments  wurde  jedesmal  der  Punct  betrach- 
tet, wo  die  reichliche  Zahl  der  Pilze  eine  weitgehende  Zersetzung 
anzeigte.  lieber  die  Methode  der  Untersuchung  ist  im  Originalaufsatze 
nachzusehen. 

Aus  den  Versuchen  ging  hervor,  dass  der  beschriebene  native 
Urin  binnen  24  Stunden  seine  saure  Reaction  verliert,  während  der 
mit  Phenylsäure  versetzte  Harn  seine  saure  Reaction  darüber  hinaus 
behielt.  Minder  wirksam  zeig^  sich  die  Kressylsäure,  am  intensivsten 
wirkte  die  Salicylsäure,  welche  nach  72  Stunden  noch  keine  Alkales- 
cenz  erscheinen  liess.  Auch  ohne  Zusatz  von  phosphorsaurem  Natron 
übertrifft  die  Salicylsäure  die  beiden  andern  in  dieser  Beziehung. 

Bezüglich  der  Erhaltung  der  Formelemente  zeigt  sich  die 
Thierse  h'sche  Lösung  der  Salicylsäure  auffallig  günstig ;  der  Zellenleib 
der  weissen  Blutkörperchen  zeigte  erst  nach  96  Stunden  die  Zeichen 
des  Zerfalles  (Mischung  1:1);  bei  der  Phenylsäure  waren  die  Form- 
elemente nach  48  Stunden  im  Zerfall  begriffen.  Im  nativen  Urin 
waren  sie  schon  nach  24  Stunden  im  Zerfall. 

Auch  bezüglich  der  Hemmung  der  Bildung  von  pilzlichen  Or- 
ganismen scheint  die  Salicylsäure  obenan  zu  stehen. 

Die  Verff.  haben  nun,  um  die  Grenze  zu  ermitteln,  wie  weit 
man  bei  einer  bestimmten  Menge  des  absolut  concentrirten  Desinfec- 
tionsmittels  mit  dem  Zusätze  des  gewählten  Substrates  gehen  könne, 
weitere  Versuche  gemacht,  und  sind  zu  dem  Resultate  gekommen, 
dass  die  Salicylsäure  die  Grenze  ihrer  Wirkungskraft  in  der  oben 
angegebenen  Form  noch  nicht  erreicht  hat  zu  einer  Zeit,  wo  die 
beiden  andern  Mittel  dieselbe  längst  überschritten  haben.  Dasselbe 
Resultat  ergab  sich  bei  völlig  gleicher  Concentration  der  3  Mittel. 
Die  weissen  Blutkörperchen  erhielten  unter  Einwirkung  der  Salicyl- 
säure eine  schwachbräunliche  Färbung,  in  Folge  deren  sie  ihre  Quell- 
barkeit  temporär  eingebüsst  zu  haben  scheinen.  Die  beiden  anderen 
Mittel  zeigten  nicht  diese  Einwirkimg. 

Bezüglich  der  Einwirkung  auf  höher  organisirte  Pilze  lehrten 
die  angestellten  Versuche,  dass  alle  3  IVIittel  eine,  wenn  auch  nicht 
direct  zerstörende,  so  doch  hemmende  Wirkung  besitzen,  doch  steht 
hierin  keines  dem  anderen  vor. 

Weiter  prüften  die  Verff.  das  Verhalten  der  3  Mittel  bei  der 
Resorption  im  thierischen  Oiganismus  und  kamen  zu  dem  Schlüsse, 


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Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  33. 


517 


da88  die  Salicylsäure  selbst  in  grösserer  Menge  die  physiologischen 
Functionen  des  Organismus  nicht  wesentlich  beeinträchtigt^  weder 
momentan  bei  grösseren  Gaben  ^  noch  bei  längerem  Gebrauche  in 
kleinen  Dosen.  Die  Kressylsäure  dagegen  wirkt,  ähnlich  wie  die 
Phenylsäure,  giftig,  insbesondere  durch  Reizung  des  Rückenmarkes, 
sodann  durch  Veränderung  des  Chemismus  der  Säftemasse. 

Als  Yerbandmittel  zeigt  die  Salicylsäure  keine  der  üblen  Neben- 
wirkungen, wie  die  Phenylsäure ;  ebenso  fehlen  die  localen  Reactions- 
erscheinungen.  Auf  die  Pilze  im  Wundsecrete  ist  die  Salicylsäure 
von  zerstörender  Wirkung ;  dieselben  verschwinden  bald  ganz.  Auch 
begünstigt  die  Salicylsäure  die  Granulation. 

Für  offenbar  inficirte  Wundflächen  leistet  die  Salicylsäure  Nichts 
(wie  die  Behandlung  kleiner  Geschwüre  damit  zeigt) ;  hier  ist  die 
Phenyl-  und  Kressylsäure,  die  als  Aetzmittel  wirken,  am  Platze. 

Die  Salicylsäure  überragt  nach  Obigem  die  2  andern  Mittel; 
1)  dadurch,  dass  sie  die  Formelemente  conservirt,  2}  dass  sie  direct 
und  indirect  ein  pilzhemmendes  Mittel  ist,  3]  dass  sie  selbst  in 
stärkster  Concentration  keine  üblen  lokalen  Wirkungen  zur  Folge 
hat.  Hierzu  kommt  noch,  dass  Farbe  und  Geruch  der  Salicylsäure 
fast  Null,  und  der  Geschmack  derselben  nicht  unangenehm  ist. 

Die  Verff.  betonen  schliesslich,  dass  unter  den  neueren  organi- 
schen Desinfectionsmitteln  die  Salicylsäure  jedenfalls  obenan  stehe, 
und  der  Versuch  ^  sie  auch  bei  Infectionskrankheiten  (Cholera  etc.) 
zu  verwenden,  empfehlenswerth  erscheine.  Fr«  Steiner  (Wien). 


Julius    Müller.      Ueber    die    antiseptische    Eigenschaft  der 
Salicylsäure  gegenüber  der  der  Carbolsäure. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  19.) 

^Asoo  Salicylsäure- Verdünnung  sistirte  auf  24  Stunden  die  Gäh- 
rung  einer  10^  Traubenzuckerlösung,  welche  mit  Presshefe  versetzt 
war;  Carbolsäure  in  derselben  Verdünnung  nicht.  Auf  Gerinnung 
der  Milch  ist  Carbolsäure  in  so  reichlicher  Verdünnung,  wie  Salicyl- 
säure von  keinem  Einfluss  mehr.  Urin  hielt  sich  aber  bei  bestimm- 
tem Carbolzusatz ,  bei  gleicher  Quantität  Salicylsäure  jedoch  nicht. 
Ebenso  Leberinfus.  Der  Spaltung  des  Amygdalins  durch  Emulsin 
wird  durch  Salicylsäure  besser,  als  durch  Carbolsäure  entgenge wirkt. 
Ebenso  wird  schon  durch  geringe  Salicylquanta  die  Umwandlung  des 
Glycogens  in  Zucker  gehemmt.  (Alle  Säuren  hemmen  nach  M.  und 
Ebstein  die  Umsetzung  des  Glycogens.) 

Ausser  Leber-  und  Speichel-Ferment  wird  auch  das  Pepsin,  in 
seiner  verdauenden  Wirkung  beeinträchtigt.  —  Als  Gesammtresultat 
ist  zu  erwähnen,  dass  die  Salicylsäure  eine  die  Gährung  und  Fäulniss 
bedeutend  hemmende  Substanz  ist  und  dass  sie  die  Wirkung  der  so- 
genannten unorganisirten  Fermente  ungleich  stärker  aufhält^  als  die 
Carbolsäure.     Die  Löslichkeitsverhältnisse   der  Salicylsäure   sind:   in 


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518  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  33. 

Wassey  1  :  300  —  Alkohol  1:4  —  heissem  Oel  1  :  50  —  heissem 
Glycerm  1  :  50  (ohne  nachfolgende  Ausscheidung^  die  auch  nicht 
eintritt,  wenn  man  1  SaUcylsäure  in  20  heissen  Glycerins  löst  und 
dann  80  Wasser  zusetzt).  t.  Mosengeil  (Bonn). 

G.  Hohenliausen.     Experimenteller  Beitrag  zur  Kenntniss 

der  septischen  Pneumonie. 

fInaug.-Diss.  Dorpat.  1875.) 

Eine  Keihe  von  Experimenten  haben  dem  Verf.  gezeigt^  dass  sich 
bei  Hunden  durch  wiederholte  Einspritzung  von  5—10  Tropfen  fau- 
lender Flüssigkeit,  insbesondere  sich  zersetzenden  Blutes  in  die  Bron- 
chien, ausgesprochene  lobäre  Pneumonie  erzeugen  lasse. 

Gesundes,  frisches  Blut  bewirkt,  in  die  Trachea  eingebracht, 
wie  schon  andere  Autoren  gefunden  haben,  auch  nach  des  Verf. 
Versuchen  keine  Lungenentzündung;  diese  tritt  aber  wohl  ein,  wenn 
nach  Injection  des  Blutes  das  Thier  gezwungen  wird,  durch  mehrere 
Stunden  hindurch  Fäulnissgase  einzuathmen,  welche  letztere  aber  für 
sich  allein  nicht  geeignet  scheinen,  entzündliche  Processe  des 
Lungengewebes  hervorzurufen.  Nur  beiläufig  erwähnte  Experimente 
mit  Einblasen  von  feinem  Meersand  in  die  Bronchien  ergaben  ein 
n^atives  Resultat.  A.  Bidder  (Mannheim). 

DammaniL     Versuche    über  Einführung   grösserer   Wasser- 
mengen in  den  Darmcanal  der  Hausthiere. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Thiermed.  u.  vergl.  Pathologie  1875.     Bd.  L  Hft.  1.) 

Forcirte  Wasserinjectionen  mittelst  des  Hegar 'sehen  Apparates 
Kautschukschlauch  mit  hoch  erhobenem  Glastrichter)  in  den  Mast- 
darm von  Pferden,  Schweinen  und  Hunden  in  der  Chloroformnarkose 
ergaben  das  Resultat,  dass  bei  Hunden  mit  ihrem  kürzeren  ca.  1  Meter 
langen  Dickdarm  das  eingegossene  Wasser  sehr  schnell  bis  in  den 
Dünndarm  vordringt,  während  es  bei  Schweinen  und  Pferden  mit 
einem  4  resp.  7  Meter  langen  Colon  die  valvula  Bauhini  nicht  über- 
schreitet. Hieraus  erklärt  Verf.,  wie  es  auch  beim  Menschen  mit 
seinem  kurzen  Dickdarm  möglich  sei,  sogar  in  einfacher  Rückenlage, 
durch  solche  Wassereintrichterung  selbst  höher  hinauf  gelegene  Darm- 
partieen  ausgiebig  zu  erweitem,  sie  event.  local  zu  behandeln,  z.  6. 
bei  Ruhr,  und  stagnirende  Fäcalmassen  flott  zu  machen. 

Am.  Hiller  (Berlin). 

Simon  Fitch.     The  dome-trocar;   its   application  to  ovario- 

tomy,  aspiration,  and  transfosion. 

(New  York  med.  Journal  Bd.  XXI.  Hft.  4.  p.  379.) 

Verf.  empfiehlt  eine  Modification  des  Doppel- Kanülen -Troikarts 
(Sp.  Wells).     Das  Ende  der  innem  Kanüle  ist  durch  ein  abgerun- 


^f^^mter^ 


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Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  33.  519 

detes  oder  kuppelförmiges  Dach  überdeckt,  welches  nur  an  seiner 
unteren  Seite  ein  ovales  Fenster  trägt.  Ist  die  innere  Kanüle  nur 
bis  zu  einem  bestimmten  Punct  vorgeschoben,  so  kann  das  Instru- 
ment gleich  einer  Sonde  gebraucht  und  frei  in  der  Höhle  bewegt 
werden,  ohne  Gefahr  ein  Eingeweide  zu  verwunden  und  ohne  dass 
Flüssigkeit  ausfliessen  kann.  Weiter  voigeschoben  dient  die  Kanüle 
zum  Austritt  der  Flüssigkeit,  ohne  dass  durch  Vorlagerung  der  Höhlen- 
wand die  Oefihung  verl^t  werden  kann.  Neben  dem  offenbaren 
Nutzen  dieses  Instrumentes,  welches  natürlich  in  verschiedenster 
Grösse  gearbeitet  sein  kann,  für  die  Function  der  Ovarial-  und  Hy- 
datidentumoren,  für  die  Paracentese  des  Abdomens,  soll  der  »Kuppel- 
troikart«  besonders  eine  Vereinfachung  und  Sicherstellung  der  Trans- 
fusion ennöglichen,  indem  man  ohne  Hlosslegung  der  Vene  den 
Troikart  einstechen  kann,  ohne  Lufteintritt  befürchten  zu  müssen. 

Madelmigr  (Bonn). 


W.  Bivington.     Aneurysn>a  orbitale. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  I.  p.  426.     Lond.  med.  chirurg.  Soc.) 

R.  berichtet  in  der  Gesellschaft  über  einen  eigenen  Fall  von  er- 
folgreicher Carotisligatur  bei  einem  nach  Fractura  basis  cranii  entstan- 
denen Orbital- Aneurysma,  nachdem  vorher  vergeblich  Injection  von 
Liq.  ferr..  Digital-  und  Instrumental-Compression  und  innerlich 
Veratrum  in  Anwendung  gezogen  war  (cf.  Centralbl.  f.  Chir.  1875. 
No.  26).  Hieran  schliesst  er  eine  Uebersicht  der  über  die  Natur  dieses 
Leidens  aufgestellten  Ansichten.  —  Während  Travers  (1809)  und  nach 
ihm  Dalrymple  das  Aneurysma  als  ein  Aneur.  per  anastomosin  in 
ihren  Beobachtungen  deuteten,  sahen  es  B  u  s  k  und  eine  Reihe  anderer 
Operateure  als  ein  An.  der  Art.  ophthalmica  innerhalb  der  Augenhöhle 
an.  Nachdem  Nunnely,  gestützt  auf  2  Sectionen,  die  Aufmerk- 
samkeit auf  die  hinter  der  Orbita  gelegenen  Gefässe,  Art.  carot. 
int.  innerhalb  des  Sin.  cavem.  und  Art.  ophthalm.  innerhalb  der 
Schädelhöhle ,  Bowman  auf  die  Verstopfung  des  Sin.  cavernos., 
petrosus  und  trans versus  gelenkt  hatten  und  Nelaton  für  einige 
traumatische  Fälle  die  Communication  der  Carot.  int.  mit  dem  Sin. 
cavernosus  nachgewiesen  hatte,  war  die  verschiedenartigste  Genese 
des  in  Frage  stehenden  Leidens  über  jeden  Zweifel  erhoben.  —  Mit 
Bezug  auf  das  Vorkommen  berichtet  R.  als  Ausbeute  seiner  littera- 
rischen Forschungen,  dass  von  den  62  bekannt  gewordenen  Fällen 
29  spontanen,  33  traumatischen  Ursprungs  waren;  von  ersteren  fanden 
sich  tl  linksseitig,  13  rechtsseitig,  von  letzteren  22  links,  9  rechts. 
In  therapeutischer  Hinsicht  räth  er:  Belladonna,  Digitalis,  Veratrum 
und  Eis  zu  versuchen,  die  schmerzhafte  und  wegen  des  Druckes  auf 
die  Nervenstämme  am  Halse  nicht  gleichgültige  Instrumental-Com- 
pression, wie  auch  die  Galvanopunctur  zu  verlassen,  die  Injection 
coagulirender  Flüssigkeiten  nur  beim  Aneur.  art.-venosum ,   dagegen 


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Centnlblatt  fOr  ChiTurgie.     No.  33. 

gitalcompreBsion  der  Carot.  com.  jedenfalls  zu  veisucheii.  Das 
te  Mittel  bleibe  die  Lig^atuj  der  CarotiB  conunuiuB,  sei  aber 
ii  erster  Instanz  zu  machen,  sondern  erst  nach  Erfolglosigkeit 
deren  angerathenen  Massnahmen.  Pils  (Stettin] . 


idner.    Neue  Operationsmethode  der  Distichiasis. 

(Allgem.  Wiener  med.  Zeitung  1675.  No.  26.) 

3  Fällen  von  Distichiasis,  theilweise  mit  narbiger  Schnimpf- 
1er    Conjnnctivtt    palpebrarum,     bei    welchen     die    anomalen 

aus  dem  inneren,  scharf  markirtcn  Lidrande  hervorwuch- 
lat  Verf.  folgendermassen  mit  momentanem  Erfolg  operirt ; 
:  längs  des  Lidrandee  bis  auf  den  Tarsus,  die  ConjunctiTa 
rarum  wird  nach  einwärts  IYj  Linien  weit  abpräparirt, 
iet  die  pathologischen  Haarbälge  tragende  Band  des  Tarsus 
von  hinten  und  oben  nach  vom  und  unten  resecirt.  Die  zu- 
räparirte  Conjunctiva  wird  dann  mit  dem  vorderen  Band  des 
[iglichen  Schnittes  durch  Naht  vereinigt. 

Wlnlwartor  (Wien). 


Lplay.     De  la  periostite  du  temporal  compliquant  Totite 
purulente, 

(Arcb.  giniralee  de  med.  1875.  No.  6.) 
;i  eitrigen  Entzündungen  in  der  Paukenhöhle  sieht  man  häufig 
mplication  eine  Schwellung,  Böthung  und  SchmerzhaOigkeit, 
ers  an  der  hintern  Ohrgegend  eintreten,  welche  den  Verdacht 
reiterung  der  Cellulae  mastoi'deae  lenken  können. 
I  handelt  sich  aber  manchmal  einfach  um  eine  secundäre  Pe- 
I  des  Schläfenbeins  durch  Fortpflanzung  des  entzündlichen 
les  vom  Periost  des  Cavum  tympani  auf  dasjenige  der  Äussen- 
des  OB  temporale. 

ese  Periostitis  tritt  mit  mehr  oder  weniger  heftigen  allgemeinen 
calen  Erscheinungen  auf;  selten  geht  sie  von  selbst  zurück, 
Keigt  sich  Eiterung,  die  sich  selbst  überlassen  entweder  spou- 
ch  aussen  oder  in  den  Gehörgang  hinein  sich  entleert.  Ist 
dem  Eiter  Abfluss  gescbafit  worden,  so  geht  die  Heilung 
h  rasch  von  statten  innerhalb  20 — 30  Tagen.  Einigemal  sah 
i  Frocess  eine  grosse  Ausdehnung  bekommen  und  auf  die 
^knochen  übergehen. 

IS  Hauptinteresse  dieses  Zustandes  liegt  in  der  Möglichkeit 
Verwechslung  mit  der  Entzündung  der  Cellulae  mastoi'deae. 
n  ist  derselbe  bis  jetzt  nur  zu  wenig  beachtet  worden,  und 
in  wahrscheinlich   mehr  als  eine  unmotivirte  Trepanation  des 


Centralblatt  far  Chirurgie.     N6.  33.  521 

Warzenfortsatzes  Toigenommen.  Ein  Hauptmerkmal  bei  der  Difieren- 
tial-Diagnose  liegt  darin ,  dass  bei  der  Periostitis  die  Böthe  und 
Schwellung  nicht  localisirt  ist,  sondern  über  die  Grenzen  des  War- 
zenfortsatzes meist  hinausgeht.  Die  Ohrmuschel  scheint  abgehoben 
zu  sein ;  der  Schmerz  ist  lebhafter ;  die  Wandungen  des  äusseren  Ge- 
hörgangs sind  überall  gleichmässig  geschwollen,  während  die  Schwel- 
lung bei  dem  anderen  Zustand  nic^t  selten  gering  ist  und  auf  die 
hintere  Wand  localisirt  erscheint. 

Hauptsächlich  fehlen  Gehimerscheinungen.  Verf.  giebt  jedoch 
zu,  dass  es  Fälle  geben  kann,  wo  die  Diagnose  sehr  schwierig  oder 
unmöglich  zu  stellen  ist. 

Die  Prognose  ist  günstig;  selten  bleiben  durch  necrotische 
Knochentheile  unterhaltene  Fisteln.  ^ 

Die  Behandlung  kann  bei  geringen  Erscheinungen  eine  antiphlo- 
gistische sein ;  jedoch  räth  Verf.  frühzeitig  einen  Einschnitt  bis  auf 
den  Knochen  zu  machen. 

Man  soll  nicht  warten  bis  Eiterung  vorhanden  ist.  Auf  den 
Schnitt  schwinden  rasch  alle  Symptome.  Sollten  sie  jedoch  nach  24 
Stunden  nicht  weichen,  so  ist  es  dann  sicher,  dass  man  es  mit  einer 
Vereiterung  der  Cellulae  mastoideae  zu  thun  hat  und  jetzt  kann  man 
die  Eröflhung  derselben  ruhig  ausführen.  Aber  überall,  wo  man 
seiner  Diagnose  nicht  vollständig  sicher  ist,  soll  man  sich  vorläufig 
mit  dem  Schnitt  begnügen. 

Verf.  hebt  übrigens  hervor,  dass  diese  Vorsichtsmassregeln  schon 

von  Wilde  empfohlen  wurde^  und  meint,  dass,  wenn  man  sie  stets 

befolgte,  viele  Trepanationei^iatten  unterbleiben  können. 

Glrard  (Bern). 

Despres.     Kyste  hydatique  du  foie.  —  Cautere  et  ponction. 

Gu^rison. 

(Gaz.  des  höpitaux  1875.  No.  60.) 

D.  zerstörte  vor  Function  der  Cyste  die  Bauchdecken  durch  Wie- 
ner Aetzpaste.  Er  will  hierdurch  den  Ausfluss  von  Cysteninhalt  in 
die  Peritonealhöhle  nicht  nur  bei  der  Function,  sondern  auch  bei 
einer  eventuell  später  erforderlichen  Incision  möglichst  verhüten. 
Geschieht  dies  nicht  und  tritt,  wie  in  nicht  seltenen  Fällen,  schon 
nach  der  einfachen  Function  plötzlich  Verjauchung  in  der  Cyste  ein, 
so  kann  man  gezwungen  sein,  die  Incision  vorzunehmen,  noch  ehe 
sich  solide  Adhäsionen  gebildet  haben.  Ebenso  hat  dies  Verfahren 
den  Vortheil,  dass  es,  falls  die  Function  zur  Heilung  nicht  genügt, 
die  Incision  vorbereitet,  während,  wenn  es  unnöthig  sein  sollte,  die 
Fat.  von  der  unbedeutenden  Verwundung  in  keinem  Falle  Schaden 
haben  können. 

In  dem  mitgetheilten  Falle  wurde  Fat.,  eine  27jährige  Näherin, 
durch  einmalige  Function  geheilt.  Die  Durchätzung  der  Bauchdecken 
dauerte  10  Wochen. 


'522  Centralblatt  fflr  Chirurgie.     No.  33. 

Uebrigens  muss  man  sich  hüten,  die  Äetzun: 
setzen,  bie  die  Cyste  eröffnet  oder  Entzündung  ii 
tietes  ist,  da  sonBt  natürlich  sofort  auf  die  Incisio 


Dobson.  Lithotomie  zum  zweiten  Male  glücn.iiuii  uusgciuiut.. 
(The  Lancet  1875.  Vol.  I.  p.  GIO.] 
Im  Juli  1872  wurde  ein  3jähr.  Pat.,  der  seit  seiner  Geburt  Beschwer- 
den und  später  immer  Schmerzen  beim  Urinlassen  gehabt  haben  soll,  in 
demselben  Zustande  mit  prolapsus  recti  und  allen  Symptomen  eines 
Blasensteins  ins  ßristoler  allgemeine  Hospital  angenommen.  Durch 
Sfeitensteinschnitt  wurde  ein  83  Crran  schwerer,  aus  Harnsäure  be- 
stehender glatter  Stein  in  toto  entfernt,  ein  zweiter  Stein  konnte  nicht 
gefühlt  werden.  Nach  4  Wochen  verUess  das  sichtlich  gekräftigte 
Kind  das  Krankenhaus.  —  Nach  21/2  Jahren  musste  bei  demselben 
Kinde  wegen  eines  neuen  sehr  grossen  Steines,  welcher  die  heftigsten 
Beschwerden  verursachte  und  die  Gesundheit  untergraben  hatte,  von 
D.  die  zweite  Operation  gemacht  werden;  der  entfernte  Hamsäure- 
stein  wog  326  Gran ,  die  Heilung  ging  schnell  von  Statten ,  Pat.  er- 
holte sich  sichtlich.  Interessant  ist  der  Fall  nicht  nur  wegen  der 
zweimal  glücklichen  Operation  an  demselben  Individuum,  sondern 
auch  w^en  des  Nachweises,  daES  innerhalb  2'/i  Jahren  sich  ein  so 
grosser  Stein  bilden  kann.  —  Unter  den  im  Norfolk  und  Norwich 
Hospitale  operirten  1015  Steinkranken  bildete  sich  nur  in  27  Fällen, 
darunter  bei  3  Kranken  unter  6  Jahren,  ein  Stein  wieder;  der  grösste 
dort  entfernte  Stein  bei  einem  Kinde  unter  6  Jahren  wog  210  Gran. 

File  [Stettin]. 

F.  Hartmann,  Der  acute  und  chronische  Gelenkrheumatismus. 
Erlangen,  Verlag  von  F.  Enke,  1874.  p.  212  nebst  XI  Tafeln. 
Auf  Grund  zahlreicher  casuistischer  Beobachtungen  stellte  Verf. 
mit  Zuhülfenahme  der  einschlägigen  Litteratur  das  betreffende  Werk 
zusammen.  Die  erste  Hälfte  des  Buches  ist  dem  aculen,  die  zweite 
dem  chronischen  Gelenkrheumatismus  gewidmet.  —  Die  pathologisdi- 
anatomischen  Verhältnisse  des  acuten  vrerden  an  6  ObductionsfäUen 
erläutert.  In  einem  der  Fälle  trat  der  Tod  am  5.  Tage  der  Erkran- 
kung (ohne  nach'ffeigbnre  Ursache)  ein,  im  zweiten  am  32.  nach  com- 
plicirender  Peritonitis,  in  zweien  in  Folge  von  Pericarditis,  in  je  einem 
bedingt  durch  Marasmus  und  Klappenfehler.  Aus  den  hierbei  ge- 
wonnenen Befunden  leitet  Verf.  den  Satz  her,  dass  der  acute  Gelenk- 
rheumatismus in  seinem  anatomischen  Bild  eine  acute  Entzündung 
der  Synovialmembran,  resp.  aller  Synovialmembranen  sei,  analog  der- 
selben Erkrankung  der  Schleimhäute;  auch  könne  der  weitere  Ver- 
lauf dieser   Erkrankungen   bei    Synovialis  und  Mucosa   ein   gleicher 


iy-yr 


Centralblatt  für  CKinirgie.    No,  33. 


523 


sein.  —  Die  Symptomatologie  wird  durch  4  Fälle  von  verschiedener 
Intensität  illustrirt^  wie  überhaupt  die  ganze  Monographie  durch  eine 
ausgiebige  Verwerthung  der  aus  dem  Krankenjoumal  gezogenen  Da- 
ten eine  lebhafte  'Färbung  erhält.  Verf.  geht  danach  die  Anatomie  der 
verschiedenen  Gelenke  durch.  Es  folgen  kurze  Schilderungen  der  com- 
plicirenden  Erkrankungen  von  mehr  oder  minder  typischer  Häufigkeit. 
Für  die  beim  acuten  Gelenkrheumatismus  auftretenden  auscultatorischen 
Geräusche  am  Herzen  stellt  Verf.  die  Erklärung  als  Hypothese  auf^  dass 
Congestivzustände  des  Endocardium  eine  Functionsstörung  der  Klappen 
und  Papillarmuskeln  veranlassten.  Im  vierten  Theil  etwa  aller  Fälle  seien 
Complicationen  durch  Herzaffection  gefunden.  —  lieber  Verlauf,  Dauer 
und  Ausgänge  des  acuten  Gelenkrheumatismus  ist  nichts  Neues  ge- 
sagt. —  Im  Capitel  über  Aetiologie  wird  eigentlich  nur  die  Erkältung 
als  Ursache  hervorgehoben.  Geographische  und  klimatische  Verbrei- 
tung werden  nach  Hirsch  abgehandelt.  Kurze  Erwähnung  finden 
die  durch  erbliche  Anlage,  Geschlecht,  Alter,  Beschäftigung  etc.  be- 
dingten Momente.  —  Im  Capitel  über  Therapie  giebt  H.  der  sympto- 
matischen Behandlung  den  Vorzug:  Mässigung  des  Fiebers  und 
Linderung  der  Schmerzen.  Kälte  scheint  er  besonders  gern  als 
Anästheticum  anzuwenden ;  Inimobilisirung  im  Contentivverband 
scheint  ihm  unbekannt.  Die  sonst  übUchen  äusserlichen  und  inner- 
lichen Behandlungsmethoden  werden  kurz  ausgeführt,  ohne  weitere 
kritische  Beleuchtung-  — 

Vom  chronischen  Gelenkrheumatismus  sagt  H.  zuvörderst  aus,  dass 
dieser  Art  Gelenkentzündung  eine  rheumatische  Ursache  zu  Grunde 
liegen  müsse,  dass  hier  mehr  der  Character  der  Organisation  und 
Neubildung,  beim  acuten  derjenige  der  Destruction  auftrete.  Auch 
bei  der  chronischen  Form  soll  zunächst  die  Synovialis  betheiligt  sein, 
hierauf  Sehnenscheiden,  Muskelansätze,  Knorpel  und  Gelenkknochen. 
Auf  den  Grad  der  pathologischen  Veränderung  der  Gelenke  soll  we- 
niger die  Dauer  der  Entzündung,  als  die  öftere  Wiederholung  von 
Einfluss  sein.  Fälle  von  langem  Bestand  ohne  besondere  Intensität 
der  Erkrankung  werden  als  Beweis  angeführt.  Bei  Schilderung  der 
bekannten  Veränderungen  an  den  Knochen  erwähnt  Verf. ,  dass  die 
Pfannen  der  Gelenke  besonders  dann  Umgestaltungen  erfahren,  wenn 
ein  Abgleiten  der  Gelenkenden  möglich  ist.  Von  der  Pfanne  des 
Hüftgelenkes  sagt  er,  dass  sie  sich  besonders  nach  oben  und  hinten 
erweitere,  der  Kopf  nachsteige  (wohl  richtiger:  die  Pfanne  vor  sich 
hertreibe)  und  die  Pfanne  sich  selbst  in  die  Beckenhöhle  hineinschiebe, 
hier  auf  der  Innenseite  eine  Vorwölbung  bildend.  Beispiele,  welche 
auf  rheumatischer  und  traumatischer  Basis  beruhende  Affectionen  der 
verschiedensten  Gelenke  zeigen,  sind  angeschlossen. 

Unter  den  ätiologischen  Momenten  wird  hier  zunächst  der  acute 
Gelenkrheumatismus  angeführt ;  für  die  von  vornherein  chronisch  ver- 
laufenden Fälle  andauernde  Einwirkung  einer  kalt-feuchten  Atmo- 
sphäre (Wäscherinnen,  Forstleute,  Schiffer,  Taglöhner  etc.).  Hin- 
sichtlich des  Geschlechts  ist  zu  erwähnen,  dass  mehr  Männer  befallen 


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Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  33. 


werden  j  hinsichtlich  des  Alters  ^  dass  selbst  das  Kindesalter  nicht 
verschont  bleibt,  der  Beginn  der  Erkrankung  aber  meist  im  Alter 
zwischen  30  und  40  Jahren  liegt.  Im  Capitel  über  Symptomatologie 
und  Verlauf  des  chronischen  Gelenkrheumatismus  sind  prägnante 
Beispiele  und  anschauliche  Schilderungen  verschiedener  typisch  ver- 
laufender Fälle  gegeben.  Am  Schluss  dieser  Abtheilung  macht  Verf. 
auf  kleine^  auch  vom  Ref.  mehrmals  beobachtete ,  rundliche  An- 
schwellungen in  der  Nähe  der  Gelenke  aufmerksam.  Sie  sind  bei 
Druck  schmerzhaft^  rühren  von  Exsudaten  in  das  Unterhautzell- 
gewebe her^  wölben  die  Haut  etwas  hervor^  treten  mit  subacuten 
Anfallen  auf  und  verschwinden  mit  ihnen.  —  Im  Capitel  über  Diag- 
nose wird  die  Differentialdiagnose  zwischen  chronischem  Gelenkrheu- 
matismus und  Gicht  ^  Gelenkneurosen  (sehr  characteristisch  geschil- 
dert), und  ähnliche  Symptome  vortäuschenden  Bückenmarksleiden 
gegeben.  Hinsichtlich  der  Prognose  ist  Verf.  noch  besonders  günsti- 
gen Urtheils,  indem  er  sagt,  dass  der  chronische  Gelenkrheumatismus 
im  Allgemeinen  zwar  bis  an  das  Ende  des  Lebens  mit  herumgetragen 
werde,  aber  unter  ausnahmsweise  günstigen  Bedingungen  Heilung 
eintrete. 

Bei  der  Therapie  führt  H.  unter  den  prophyl  actischen  Mitteln  das 
Abhärten  durch  Kaltwasserbehandlung  an,  welcher  er  aber,  und  wohl 
mit  Recht,  keinen  grossen  Nutzen  zutraut,  mehr  schon  den  kalten 
Douchen  nach  römisch-irischen  Bädern.  Seebäder,  deren  Gebrauch 
er  nach  vorausgegangenem  Gebrauch  verweichlichender,  warmer  Bäder 
empfiehlt,  sowie  eine  zahlreiche  Menge  innerlich  und  äusserlich  an- 
zuwendender medicamentöser  Mittel,  aber  auch  mechanische  Mass- 
nahmen (bei  Beginn  der  Schwellung  nach  vorausgegangenem  acu- 
ten Anfall  Compressiwerbände  und  bei  starken  Ergüssen  Entleerung 
durch  Aspiration]  werden  angeführt.  Der  Electricität  als  Resor- 
bens  wird  Lob  gespendet  (sowohl  dem  galvanischen,  als  dem  indu- 
cirten  Strom) .  Auch  die  Massage  wird  berührt  und  schliesslich  in  aus- 
gedehnter Weise  der  Nutzen  der  Bäder,  besonders  der  Wiesbadener 
hervorgehoben,  der  mehr  auf  ihrer  allgemeinen,  als  auf  ihrer  localen 
Wirkung  beruhe.  In  diesem  Abschnitte  sind  mehrfach  interessante 
Bemerkungen  enthalten,  hinsichtlich  deren  auf  das  Original  zu  ver- 
weisen ist.  —  Eine  chromolithographische  Tafel,  das  Obductionsbild 
eines  an  acutem  Gelenkrheumatismus  erkrankten  Fussgelenkes  dar- 
stellend und  schwarze  Lithographien  von  durch  chronischen  Gelenk- 
rheumatismus verkrüppelten  Händen  sind  beigegeben. 

T.  Mosengeil  (Bonn). 


Oussenbauer.     Die  Methoden  der  künstlichen  Knochentren- 
nung  und  ihre  Verwendung  in  der  Orthopaedie. 

(Arch.  f.   klinische  Chirurgie  1875.      Bd.  XVIII.    Hft.   1   u.   2.) 

Eine   sorgfältige  historische  Uebersicht   und   kritische    Sichtung 
der  bei  der  künstlichen  Knochentrennung  in  Frage  kommenden  Me- 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  93.  525 

thoden^  auf  welche  in  einer  zweiten  Hälfte  die  in  der  Billroth'- 
Bchen  Klinik  während  eines  Zeitraums  von  5  Jahten  mit  der  Opera- 
tion gemachten  Erfahrungen  folgen. 

Da  die  zahbeichen  historischen  Daten  eines  Auszugs  kaum  fähig 
sind^  muss  sich  Ref.  bescheiden,  das  aus  denselben  entwickelte  Schema 
der  einzelnen  Yerfahrungsweisen  kurz  wiederzugeben. 

I.  Methoden  der  künstlichen  Knochentrennung  ohne  Haut- 
verletzung. 

Ij  Der  künstliche  Knochenbruch  durch  Ueberwindung  der  relativen 
Knochenfestigkeit; 

a.  Nach  dem  Princip  des  zweiarmigen  Hebels 

a)  ohne  Instrumente  durch,  blossen  Händedruck 

ß]  mit  Instrumenten  (Osteoklasten  von  Purmann^  Boschi^ 
Oesterlen  und  Rizzoli 

b.  nach  dem  Princip  des  einarmigen  Hebels 

a)  ohne  Instrumente 

ß)  mit  Instrumenten  (Einspannen  der  Stelle^  welche  zerbrochen 
werden  soll,  in  den  Schraubstock;  Esmarch's  und  Volk- 
mann 's  Instrumente) 

2)  Der  künstliche  Knochenbruch  mit  Ueberwindung  der  absoluten 
Knochenfestigkeitj 

a)  ohne  Instrumente  (Extensionsmethode  mit  der  Hand) 

ß)  mit  Instrumenten  (z.  B.  Schneider-Mennel) 

II.  Methoden  mit  Verletzung  der  Haut. 

i)  Knochenbruch  mittelst  partieller  oder  totaler  Continuitätsresection 
(May  er 's  partielle  Durchsägungen,  Khea  Barton 's  u.  A.  keil- 
förmige Besectionen) 

2)  mittelst  der  Osteotomie.  Langenbeck's  subcutane  Osteotomie, 
Brainard's  Perforationsmethode,  Meisseloperationen  von  Bill- 
roth, von  Nussbaum  u.  A.) 

Von  schlecht  geheilten  Knochenbrüchen  wurden  ein  Ober- 
schenkel mit  dem  Mennel- Schneider 'sehen  Apparate,  ein  Unter- 
schenkel nach  4  Jahren  mit  dem  Instrumente  von  Bizzoli,  ein 
Oberschenkel  bei  einem  10jährigen  Knaben  mit  der  Hand  wiederge- 
brochen und  mit  guter  Gebrauchsfähigkeit  geheilt.  —  Bei  rachitischen 
Verkrümmungen  macht  Billroth  bei  noch  in  gewissem  Grade  bieg- 
samen Knochen  die  gewaltsame  Streckung  in  der  Narkose  mit  nach- 
folgendem Gypsverbande,  oder  er  bricht  bei  nicht  mehr  biegsamen 
Knochen  die  Knochen  mit  der  Hand  und  legt  einen  Gypsverband  an 
oder,  wo  auch  dies  nicht  gelingt,  macht  er  die  subcutane  Osteotomie 
mit  dem  Meissel  und  nachfolgender  Infraction.  Die  Methoden  sind 
von  G.  durch  Krankengeschichten  erläutert.  —  Drittens  macht  Bill- 
roth   die    subcutane    Osteotomie    bei    Winkelstellungen    des    Knie- 


^^ 


526  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  33. 

und  Hüftgelenks,  Fälle,  für  welche  A.  Mayer  die  Osteotomia  cu- 
neiformis  empfahl^  und  auch  R.  Volkmann  unter  dem  Namen 
der  Osteotomia  subtrochanterica  ein  keilförmiges  Stück  mit  dem  Meissel 
subperiostal  entfernte.  Schliesslich  erwähnt  G.  noch  2  Fälle^  in  denen 
die  künstliche  Knochentrennung  ebenfalls  vermittelst  partieller  Con- 
tinuitaeteresection  yorgenommen  wurde.  —  Maas  (Breslau). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Clement!.      Geschichte  eines    seltenen    Falles    von    Anheftung    eines 

Blutegels  an  die  Wandungen  der  Glottis. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVIII.  Hit.  1.  p.  194  ff.) 

Der  Blutegel,  eine  H.  sanguisorba,  welche  sich  von  der  medicinalis  durch 
grössere  Haftbarkeit  unterscheiden  soll,  sass,  wie  die  lar}iigoskopi8che  Untersuchung 
zeigte,  bei  einer  58jährigen  Frau  mit  seiner  kleineren  Mundsaugscheibe  am  oberen 
Rande  des  rechten  Oiessbeckenknorpels,  w&hrend  der  Körper  durch  die  Glottis  in 
den  hintern  Abschnitt  der  Trachea  hineinragte.  £r  verursachte  periodische  Suf- 
focationsanf&lle  und  eine  mehr  oder  weniger  erhebliche  Stimmlosigkeit,  und  war  wahr- 
scheinlich beim  Trinken  in  die  Trachea  gelangt. 

Seine  Entfernung  konnte  erst  am  15.  Tage  mittelst  einer  yom  Munde  aus 
eingeführten,  scharfgezähnten  Zange  effeotuirt  werden.    .    WUh.  KO€h  (Berlin) . 

Sydney  Jones.     Gastrotomie  wegen  Oesophagusstrictur. 

(Lancet  1875.  Vol.  I.  p.  678.) 

Ein  67jährigeT  Mann  hat  seit  10  Monaten  Beschwerden  beim  Schlucken  und 
kann  seit  6  Wochen  nichts  Festes  mehr  schlingen.  Die  Sonde  lässt  sich  über  den 
Anfangstheil  der  Speiseröhre  nicht  hinunterführen;  hinter  dem  Stemalende  der 
Clavicula  ist  ein  harter  Tumor  fühlbar.  Gastrotomie,  Schnitt  1"  unter  dem  Rippen- 
knorpel beginnend,  3  Zoll  lang,  trifft  den  äussersten  Kand  des  linken  Muse.  rect. 
Die  Ernährung  erfolgt  am  2.  Tage  durch  die  Magenwunde;  Entzündung  um  die- 
selbe und  Flatulenz  stören  den  Verlauf,  die  Nahrung  wird  vorzugsweise  durch 
Mund  und  After  gereicht.  Am  3.  Tage  findet  sich  etwas  Blut  im  Auswurfe,  reich- 
liche Blutung  durch  den  Mund,  Blutcoagula  lagen  an  der  Magenfistel ;  die  Schleim- 
absonderung in  den  Bronchien  wird  ernstlicher,  die  Expectoration  schwächer:  am 
40.  Tage  nach  der  Operation  erfolgte  der  Tod. 

Seotion:  Carcinom  des  Pharynx,  am  unteren  B4mde  der  cart.  cricoid.  begin- 
nend und  den  linken  Schilddrüsenlappen  involvirend;  viel  Schleim  in  den  Lun- 
gen; die  Magenwände  in  fester  Vereinigung  mit  der  Bauchwand. 

Pils  (Stettin). 

Binteln«     Mittheilungen  aus  der  Praxis. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  21.) 

I.  Heilung  von  Kothbreehen  durch  Abgang  eines  invaginirten 
Darmstückes.  Eine  60jährige  Fat.  litt  lange  an  Diarrhoe,  danach  an  kolikar* 
tigen  Schmerzen  und  hartnäckigster  Stuhlverstopfung  mit  Erbrechen,  das  nach 
einigen  Tagen  Koth  per  os  zu  Tage  förderte ;  dabei  starker  Meteorismus.  Am  25. 
Tage  waren  5—6  Stuhlentleerungen  erfolgt,  in  denen  ein  10  Ctm.  langes  Dünn- 
darmstück  von  schwärzlich  brandigem  Aussehen  enthalten  war.    Heilimg. 


71— rrwrr*^ 


Centralblatt  fQr  Chinirgie.    No.  33.  527 


II.  Gangraena  senilis  am  Fuss  (Obturation  der  art.  tib.  ant.},  Abstossen 
brandiger  Zehen,  Schmerz  nur  durch  Morph,  und  die  ständige  Applikation  des 
Eisbeutels  auf  den  Fuss  zu  beseitigen.    Heilung. 

ni.  Lungenvorfall  durch  eine  Brustwunde.  Heilung.  Messerstich 
in  den  neunten  linken  Intercostalraum  bei  einem  10jährigen  Mädchen.  Vorfall 
und  Einklemmung  einer  Partie  der  Lunge.  Diese  Partie,  schon  sehr  insultirt, 
umgab  R.  mit  einer  Ligatur,  welche  täglich  fester  gezogen  wurde.  Abstossung 
am  8.  Tage.    Spontane  Heilung.  y*  Mosengreü  (Bonn). 

Beialand.     Ein  Fall  von  Bleikolik  ^  behandelt  mit  Eingiessen  grosser 

Wassermengen  in  den  Darm. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  21.) 

Bei  einem  Töpfer,  welcher  zum  Qlasiren  sich  des  Bleiglanzes  (Schwefelbleies) 
bedient,  waren  Symptome  einer  Bleivergiftung  eingetreten.  Dabei  hochgradige 
Obstipation  und  Erbrechen.  Drastica  wurden  mit  ausgebrochen.  Schliesslich 
durch  öfter  wiederholtes  Eingiessen  von  3 — 4^/2  Liter  lauen  Wassers  in  den  Mast- 
darm bei .  Knieellenbogenlage  (nach  He  gar)  wurden  die  Schmerzen  und  die  Ob- 
stipation beseitigt.  T«  Mosengeil  (Bonn). 

Th.  Keith.     Drei  glückliche   Entfernungen  fibro-cystischer  Tumoren 

des  Uterus. 

(Lancet  1875.  Vol.  I.  p.  676.) 

Bei  Uterus-Geschwülsten,  die  K..  speciell  in  grösserer  Zahl  unter  die  Hände 
gekommen  sind,  hatte  er  bisher  von  operativer  Entfernung  —  sofern  sie  nicht  in- 
trauterin gelegen  durch  die  Vagina  erreichbar  waren  —  Abstand  genommen,  weil 
ihm  die  damit  verbundenen  Gefahren  zu  gross  erschienen.  Jetzt  hat  er  in  drei 
F&llen,  von  denen  zwei  ausführlich  mitgetheilt  werden  und  von  denen  der  erstere 
durch  falsche  Diagnose  zur  Operation  kam  (das  erste  Mal  bei  seinen  194  Oyario- 
tomieen),  glücklich  die  Exstirpation  ausgeführt  und  hoflft,  dass  auch  auf  diesem  Ge- 
biete die  Chirurgie  weitere  Triumphe  feiern  werde.     Die  Fälle  sind  kurz  folgende  : 

Ein  52jährige8  Fräulein  bemerkte  eine  Geschwulst  im  Leibe,  die  schnell  bis 
zur  Höhe  des  Nabels  emporstieg  und  nun  deutlich  das  Vorhandensein  einer  Cyste  er- 
kennen liess;  da  der  Tumor  schnell  bis  zur  Höhe  der  Rippen  anwuchs,  wurde  am 
2.  Nov.  1874  in  der  linea  alba  der  Bauchschnitt  gemacht  und  nach  geschehener 
Function  der  Tumor  aus  dem  Abdomen  herausgehoben;  mit  ihm  erschien  das 
hühnereigrosse  linke  Ovarium  und  der  in  die  Geschwulstmasse  hineingezogene 
Uterus.  Da  an  dem  auf  Armdicke  vergrösserten  Gebärmutterhalse  keine  Klammer 
anzulegen  möglich  war,  so  wurde  im  unteren  Theile  desselben  nach  Umlegen  eines 
starken  Eisendraths  die  Geschwulst  abgetrennt,  die  Uteruswunde  genau  vereinigt 
und  der  so  erhaltene  Stumpf  im  unteren  Winkel  der  vereinigten  Bauch  wunde 
fixirt.  Die  entfernte  Geschwulst  wog  1 1  Pfund  ;  der  Uterus  enthielt  in  seiner  Höhle 
einen  l^einen  Polypen.  Am  36.  Tage  konnte  Fat.  in  ihre  Heimat  geheilt  entlassen 
werden. 

Der  zweite  Fall,  welcher  grössere  Schwierigkeiten  für  die  Operation  darbot, 
betraf  eine  44jährige  Person;  der  cystische  Tumor  erfüllte  das  grosse  Becken, 
reichte  bis  zum  Nabel,  war  unbeweglich ;  der  cerviz  uteri,  kaum  abzureichen,  schien 
in  die  Geschwulst  überzugehen.  Da  innerhalb  von  2  Monaten  ein  bedeutendes  Wachs- 
thum  statt  hatte,  die  rechte  Lendengegend  stark  vorgetrieben  wurde,  so  machte 
X.  die  Function  im  Nabel;  dieselbe  entleerte  rothbraune  Flüssigkeit;  ihr  folgte 
Entzündung  der  Cyste  und  starke  Zunahme  des  bestehenden  Ascites.  Obwohl  unter 
diesen  Verhältnissen  ein  operativer  Eingriff  wenig  Chancen  hatte,  so  wurde  auf 
weiteres  Drängen  dieser  Weg  versuchsweise  betreten.  Nach  Einschnitt  in  der  linea 
alba  erschien  ein  dunkelbrauner  von  starken  Venengeflechten  umsponnener  Tumor, 
der  in  der  rechten  Lenden-  und  Darmbeingegend  mit  dem  grössten  Theile  der  vorderen 
Bauchwand  feste  Verwachsungen  eingegangen  war.    Mit  einem  gewissen  Kraftauf- 


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528  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  33. 

wände  geLang  eine  schnelle  Lösung  derselben;  der  Tumor  wurde  durch  die  erwei- 
terte Bauchwunde  schnell  herausbefördert  und  am  Collum  uteri  wie  im  ersten  Falle 
abgetrennt;  dennoch  erfolgte  durch  heftige  Blutung  ausserordentliche  Erschöpfung. 
Sehr  mühsam  war  die  Blutstillung  besonders  am  hinteren  Leberrande,  und  während 
die  Operation  selbst  nur  wenige  Minuten  gedauert  hatte,  konnte  die  Bauchwunde 
erst  nach  2  Stunden  geschlossen  werden.  Die  Fat.  war  puLilos,  erst  nach  Vs 
Stunde  der  Badialpuls  deutlich ;  in  der  2.  und  3.  Woche  erfolgte  erschwerter  Stuhl- 
gang. 6  Wochen  nach  der  Operation  reiste  Fat.  nach  Hause;  ein  späterer  Be- 
richt meldet  »volle  Gesundheitff. 

Im  3.  Falle  wuchs  bei  einer  40jährigen  Fat.  eine  fibro -cystischer  Tumor  des 
Uterus  sehr  schnell ;  es  wurden  ausser  dem  Uterus  beide  Ovarien  entfernt ;  auch  hier 
erfolgte  Genesung;  ein  ausfahrlicher  Bericht  Aber  diesen  Fall  wird  versprochen. 

Pilz  (Stettin). 

V.  Fillenbaum.     Mittheilungen  aus  der  chirurgischen  Äbtheilung  des 

k.  k.  Gamisonsspitals  No.  2.  in  Wien. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  17  und  18.) 

L  Zwei  Fälle  von  Seitensteinschnitt.  Bei  einem  ISjähr.  Soldaten  fand 
sich  in  der  contrahirten  Blase  ein  Concrement.  Dasselbe  war  schon  beim  Fatien- 
ten,  als  er  ein  6jähr.  ELnabe  war,  nachweisbar  gewesen,  in  seinem  12.  Jahre  nicht 
mehr  aufgefunden  worden  und  hatte  im  Verlauf  seiner  Militärdienstzeit  während 
eines  Jahres  nach  jedem  Reiten  Bluthamen  und  Beschwerden  veranlasst.  Litho- 
triptische  Versuche  misslangen.  Durch  Seitensteinschnitt  zwei  Steine  (20  und  1 3V2  Or.) 
entfernt,  welche  den  Uretherenöffnungen  gegenüber  lagen  und  an  zwei  denselben 
entsprechenden  Functen  warzenförmige  Hervorragungen  zeigten;  hamsaure  Kerne 
von  Fhosphaten  schaalig  umlagert;  Heilung.  —  Ein  anderer  Fat.  datirt  seine  Be- 
schwerden auch  aus  der  ELindheit.  Nur  in  gekrümmter  Stellung  hockend  konnte 
er  unter  Schmerzen  uriniren ;  Harnstrahl  oft  unterbrochen,  Fahren  höchst  beschwer- 
lich. Während  seiner  Militärzeit  Steigerung  der  Beschwerden,  Urin  stets  blut- 
haltig.  Durch  Seitensteinschnitt  wird  ein  Concrement  mit  Fhosphatkem  von  Harn- 
säureschichten   umgeben  und  von  beträchtlicher  Härte  entleert.    Heilung. 

n.  Stichwunde  am  Oberschenkel.  Ligatur  der  Art.  crura- 
lis  in  inguine.  Ein  Thierarzneischüler  stach  sich  mit  einem  Fräparirmesser 
in  die  Innenseite  des  linken  Oberschenkels.  Eine  starke  arterielle  Blutung  durch 
Naht  und  Compressiwerband  für  8  Tage  gestillt;  darnach  neue  erschöpfende  Blu- 
tungen. Unter  Esmarch'scher  Einwicklung  Unterbindung  zweier  Muskelarterien 
in  der  erweiterten  Wunde.  Nach  einigen  Tagen  neue  Hämorrhagien,  Unterbindung 
der  art.  cruralis  in  inguine  durch  Catgut.  Aus  der  Unterbindungswunde  nach 
4  Wochen  neue  Blutung,  nachdem  die  Granulationen  daselbst  zerfallen.  Kälte 
sistirte  sie.    Heilung. 

ni.  Exstirpation  einer  Gelenkmaus.  Ein  Jäger  litt  an  einer  Knie- 
gelenkmaus mit  allen  bezüglichen  Beschwerden.  Die  Entstehung  datirt  er  nicht 
von  einem  heftigen  Trauma,  sondern  von  wiederholtem  Knieen.  Der  freie 
Körper  Hess  sich  auch  bei  starker  Gelenkbeugung  immer  leicht  zum  Vorschein 
bringen.  Excision  unter  Esmar  ch 'scher  Einwicklung,  nach  deren  Entfernung 
zwischen  den  Nähten  hervor  starke  Blutung  eintrat,  die  durch  Gompressivverband 
gestillt  wurde.  Die  Structur  des  ziemlich  grossen,  flachen,  metallisch  glänzenden 
Gelenkkörpers  ist  die  des  Knorpels,  umgeben  von  einer  bindegewebigen  Fartie. 
Die  reihenweise  geordneten  Knorpelzellen  waren  an  der  Feripherie  transversal,  in 
der  Tiefe  vertical  geordnet.  Heilung  erfolgte  diirch  Eiterung,  doch  blieb  das  Ge- 
lenk beweglich.  —  T«  Mosengell  (Bonn). 

Oilginalmittheilangen,  Monographieen  and  Separat&bdrücke  wolle 
man  an  l>r.  H.  TUlmaam»,  Leipzig,  Harlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlang, 
BreWcopf  und  HäfUl^  einsenden. 

Druck  und  Verlag  von  Breitkopf  und  Hirtel  in  Leipzig. 


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CHIRURGIE 


herausgegeben 

von 


Dr.  L.  L«,  Dr.  I.  ScMe,  Dr.  H.  Ti 


in  Berlin.  in  Halle  a.  8.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  aUe  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


N2^  34.  Sonnabend,  den  21.  Angnst  1875. 


Inhalt:  Kdnig,  Lehrbuch  der  speclellen  Chirurgie.  —  Gaehigens,  Wirkung  des  Ar- 
sens. —  HWXf  8corbut.  —  Tarchanolf,  Wechsel  der  Zahl  der  farblosen  Blutzellen.  — 
Mackenzie,  Injectionen  in  Lymphdrüsentnmoren  am  Halse.  —  Englisch,  Tamponade  der 
Nasenhöhle.  —  Nicoladoni,  Phlebarteriectasie.  —  Roser,  Klappen  formige  Darmstenosen.  — 
Derselbe,  Hindernisse  bei  Reposition  von  Darmvorfallen. —  Marlon  Slms,  Utero-Lapa- 
rotomie.  —  GliyOn,  Einspritzungen  von  Sodawasser  ln*s  Colon  bei  Undurchgängigkeit 
der  Darme.  —  Keyet^  Injectionen  in  die  Blase.  —  Wlldt,  Methoden,  um  die  weibliche 
Blasenhöhle  zugänglich  zu  machen.  —  Warren  Brickell,  Operation  der  Dammrisse.  — 
Echeverria,  Fussgelenkresectionen. 

Redniky  Inflammatio  retrobulbaris.  —  Masony  Tumor  der  Nasenscheidewand.  —  Pon- 
cet, Schussverletznng  der  clavicula.  —  Burtonshaw,  Anwendung  des  Aspirators  bei 
Empyem.  —  Hafffter,  Echinococcus  multilocularis  der  Leber.  —  Sturm,  Uterusmyom.  — 
De  Saint-Germaln,  Mastdarmvorfall.  —  JaCCOUd,  symmetrische  Gangrän  der  Extremitäten. 
—  Pantler,  Contentiwerband  für  Patellarfracturen.  —  Auglor,  Mehrfache  Beckenfractur. 


P.    König.      Lehrbuch  der  speciellen   Chirurgie  für  Aerzte 

und  Studirende.     Erster  Band. 

Berlin  1875.  Avgnst  Hirschwald. 

Der  vorliegende  erste  Band  der  speciellen  Chirurgie,  mit  zahlreichen 
Abbildungen  9  erreicht  in  vollkommener  Weise  das  Ziel,  welches  sich 
der  Verf.  in  der  Vorrede  gesteckt  hat.  Vollständig  sind  neben  der 
eigen tUch  chirurgischen  Litteratur  die  Gebiete  der  Physiologie,  der 
normalen  und  pathologischen  Anatomie,  der  experimentellen  Patho- 
logie durchforscht  und  mit  scharfer  Kritik  das  Wissenswerthe  her- 
ausgenommen und  zusammengestellt.  ]>ie  subjectiven  Anschauungen 
des  Verf.  treten  einerseits  nirgends  das  Maass  eines  Lehrbuches  über- 
schreitend hervor,  während  andererseits  der  erfahrene  Chirurg  beson- 
ders für  die  in  ihren  Indicatioiien  zweifelhaften  Operationen  in  so 
bestimmter  Weise  seine  Ansichten   ausspricht ,    dass   sie    dem   Arzte 

34 


Centialblatt  für  Oiimrgie.     No.  34. 

Kichtschour  für  sein  Handeln  dienen  können.  —  Der 
schnitt  des  Buches  behandelt  die  Krankheiten  des 
erletzungen  der  Weichth eile,  der  knöchernen  Schädelkapsel 
idelinhalts,  ein  Abschnitt,  auf  den  eine  ganz  besondere 
rendet  ist.  —  Die  Schwierigkeit  des  Capitcls  ist  in  aus- 
weise vom  Verf.  gelöst;  sehr  inatructive  Zeichnungen 
A.  die  Formen  der  Fracturen  und  ihren  Verlauf;  überall 
Jägige  Litteratur  in  der  oben  angegebenen  Weise  benutzt, 
iht  kommenden  Fragen  nach  Möglichkeit  in  klarer  Weise 
Der  folgende  Abschnitt  behandelt  die  chirurgischen 
1  des  Gesichts;  bei  den  plastischen  Operationen  sind  die 
iven  Zeichnungen  des  Werkes  von  Szyraanowski 
ie  Krankheiten  der  Nase  und  der  mit  ihr  in  Verbindung 
öhlen  bilden  den  ersten  Theil  der  Krankheiten  der  ein- 
e  des  Gesichts;  es  folgen  dann  die  Krankheiten  des 
Kiefer,  des  Gaumens,  der  Mandeln  und  des  angrenzenden 
'harynx,  der  Zunge,  der  Speicheldrüsen  und  des  äusseren 
dritte  Abschnitt  enthält  die  Krankheiten  des  Jlal- 
rsten  Theil  die  angeborenen  Krankheiten  bilden ,  den 
!  Verletzungen,  die  entzündlichen  Processe,  diese  mit 
erücksichtigung  der  Bindegewebs  räume  zur  Erklärung 
i  Abscessformen.  —  Die  Vemarbung  am  Halse,  beson- 
rbrennungeu,  wird  besonders  besprochen.  Den  4.  Theil 
bschnittes  bilden  die  Geschwülste  am  Halse,  den  5.  die 
1  der  Schilddrüse,  deren  pathologische  Veränderungen 
ich  Virchow  besprochen  sind,  dann  die  Krankheiten 
nnd  Oesophagus.  Es  folgen  die  Krankheiten  des  Kchl- 
;r  Trachea,  deren  laryngoskopisclier  Theil  [§  90 — 100) 
learbeitet  ist.  K.  spriclit  sich  mit  Recht  für  die  Tra- 
ibst  in  den  späteren  Stadien  der  Diphtherie  aus ;  die 
ienen  ihm  ausser  von  dem  Alter  der  Patienten,  dem 
r  Operation,  der  Schwere  der  herrschenden  Epidemie, 
Theil  auch  von  der  Methode  der  Nachbehandlung  ab- 
en  letzten  Abschnitt  des  ersten  Bandes  bilden 
ten  der  Brust,  in  dem  zuerst  die  congenitalen  und  er- 
ndungsdefecte,  sowie  die  Formfehler,  dann  die  Verletz- 
itzündlichen  Processe  und  Geschwülste  des  Thorax  und 
lie  Krankheiten  der  Brustdrüse  besprochen  werden.  Bei 
m  der  Mamma  empfiehlt  K.,  um  die  bei  der  gewöhn- 
führuDg  zuweilen  vorkommenden  Eiters enkungeu  in  die 
1  vermeiden,  den  gebräuchlichen,  längs  des  unteren  Ran- 
tctoralis  major  verlaufenden  Schnitt  zur  Exstirpation  der 
[licht  längs  des  Muskelrandes  in  die  Achselhöhle  hinein 
,  sondern  auf  sein  äusseres  Ende  einen  senkrechten 
Achselhöhle  zu  führen,  so  dass  ein  dreieckiger  Lappen 
Die  Wunde  wird  nach  Listcr  behandelt,  genäht  und 
i'^enn,  wie  vorauszusehen,   der  zweite  Theil  dem  ersten 


iff-      ' 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  34. 


531 


entspricht  y  ist  die  deutsche  Chirurgie  durch  ein  Werk  bereichert, 
welches  sich  bald  in  allen  Kreisen  der  Mediciner  Freunde  erwerben 
wird.  Maas  (Breslau). 


C.  Groehtgens.     Zur  Kenntniss  der  Arsenwirkungen. 

(Centralblatt  für  die  med.  Wissensch.  1875.  No.  32.) 

Die  Erfahrungen  über  den  Einfluss  des  Fiebers,  der  Zuckerham- 
rühr ,  der  Phosphorvergiftung  auf  die  Steigerung  der  Zersetzung  von 
»Organeiweiss«,  veranlassten  den  Verf.  auch  das  Arsen  in  dieser  Hin- 
sicht zu  prüfen.  Nachdem  ein  grosser  Hund  während  15  Tagen  einem 
sog.  »protrahirten  Hungerversuch«  unterworfen  und  die  Ausscheidung 
von  N  durch  den  Harn  gleichmässig  geworden  war  (4,7  gm.  für  den 
mittleren  Versuchstag),  bekam  er  ausser  Wasser  nur  noch  Natrium- 
arsenat  in  steigender  Dose.  Am  27.  Tage  war  die  Stickstoffausschei- 
dung  ca.  8,7  gm.  Verf.  schliesst  daraus:  »die  im  Zustande  der  Ar- 
senvergiftung stattfindende  Steigerung  der  Stickstoffausscheidung  er- 
folgt daher  ohne  Zweifel  in  Form  von  Harnstoff^  der  sich  aus  dem 
untersuchten  Harn  in  Masse  darstellen  liess,  während  peptonartige 
Stoffe  vergebens  darin  angesucht  wurden  (ebenso  Milchsäure)«. 

Wahrscheinlich  wirken  auch  nicht  nur  toxische,  sondern  auch 
geringere  arzneiliche  Gaben  ähnlich  auf  die  Umsetzung  der  eiweiss- 
artigen  Körperbestandtheile  des  Menschen  und  sind  wohl  darauf  die 
Heilwirkungen  des  Arsens  in  manchen  Krankheiten  zu  beziehen.  — 
Die  ausführliche  Darstellung  der  Versuche  soll  im  Archiv  fÜr  experi- 
mentelle Pathologie  und  Pliarmakognosie  erfolgen.  Auch  sollen  ähn- 
liche Versuche  in  Bezug  auf  Antimonpräparate  angestellt  werden. 

A*  Bldder  (Mannheim). 


Felix.     Etiologie  du  scorbut. 

(Gaz.  m6d.  1875.  No.  24.  p.  289.) 

Angesichts  der  bemerkenswerthen  Thatsache,  dass  der  Scorbut 
im  Westen  Europas  immer  seltner  wird,  während  er  im  Osten,  na- 
mentlich in  Russland  und  Rumänien  jährlich  neue  Opfer  fordert,  hat 
Professor  Felix  in  liukarest  bereits  im  Jahre  1871  auf  4en  Zusam- 
menhang der  Krankheit  mit  der  verminderten  oder  gänzlich  aufge- 
hobenen Fettzufuhr  während  der  langen  und  strengen  Fasten  der 
griechischen  Kirche  aufmerksam  gemacht.  Die  strenggläubigen  grie- 
chischen Christen  nähren  sich  während  der  Fastenzeiten  fast  aus- 
schliesslich von  Vegetabilien  und  vegetabilischen  Oelen.  Letztere  sind 
jedoch  wegen  ihres  sehr  hohen  Preises  den  Armen  gar  nicht  zugängig, 
und  werden  auch  den  Soldaten  und  Strafgefangenen  beinahe  vollstän- 
dig entzogen.  Gerade  dieser  Thcil  der  Ikvölkerung  aber  ist  es,  unter 
dem   regelmässig   kurze   Zeit   vor  oder  nach  den  grossen  kirchlichen 

34  ♦ 


t 


532  Centwiblatt  fdr  Chirurgie.    No.  34. 

Pesten  der  Scorbut  ausbricht.  —  Entspreclieiid  seiner  Theorie  hat 
daher  F.  anstatt  der  bisher  üblichen  Therapie  eine  reichliche  Fettzu- 
fiihr  (Leberthran)  voi^schlagen.  O.VolkmanB  (Kettwigl. 


Tarohanoff.  Recherches  sur  les  variations  du  nombre  des 
globules  blancs  dans  le  sang  veineux  de  l'oTeille  du  lapin 
S0U8  rinfluence  de  la  section  du  aympathique,  de  la  constric- 
tion  totale  de  roreille,  de  la  compression  isol^e  des  veines 
et  des  excitations  inflammatoires. 
(3oc.  de  Biol.    S^nce  du  5.  juin  1875.    Goz.  mM.  1375.  No.  25.) 

T.  fand  bei  seinen  am  Kaninchenohr  angestellten  Versuchen, 
dass  eine  Durchschneidung  des  N.  sympatbicus  die  Zahl  der  weissen 
Blutkörperchen  im  Venenblut  herabgetzt.  Uen  Grund  davon  erblickt 
er  in  der  relativ  verminderten  Verdunstung ;  denn  die  Zahl  der  weis- 
sen Blutkörperchen  glich  sich  wieder  in  beiden  Ohren  aus,  wenn 
letztere  mit  einem  undurchdringlichen  Fimiss  überzogen  wurden.  Die 
vollständige  Abschnürung  des  Ohres  hat  eine  beträchtliche  Vermin- 
derung der  weissen  Blutkörperchen  zur  Folge. 

Wird  nur  der  arterielle  ZuäuBs  abgesperrt,  so  tritt  anfänglich 
eine  Verminderung,  späterhin  aber  eine  Vermehrimg  der  weissen 
Blutkörperchen  ein.  T.  erklärt  dies  dadurcli,  dass  die  aniangliche 
starke  Auswanderung  der  weissen  Blutkörperchen  späterhin  bei  Zu- 
nahme de^  Odems  gänzlich  aufhört.  —  Während  in  diesem  Fall  die 
erwähnten  Eis  ch  ei  nun  gen  ganz  auf  das  eine  Olir  beschränkt  bleiben, 
werden  durch  Entzündungsreize  die  weissen  Blutkörperchen  sowohl 
im  entzündeten  als  auch  im  gesunden  Ohr  vermehrt.  —  Die  Com- 
pression der  Venen  allein  vermehrt  die  Zahl  der  weissen  Blutkör- 
perchen ausserordentlich  und  zwar  ohne  dass  eine  Vermiiideruug  der- 
selben vorherginge.   —  0.  TolVniann  (KettwiRl- 


BEackenzie.     On   the   hypodermic  treatment  of  indolent  en- 
largements  of  the  cervical  glands. 

(Med.  tin.  and  gaz.  1875.  Mai  29.  p.  577.) 
Die  chronischen ,  indolenten  Lymphdrüsen  Schwellungen  hat  M. 
in  zweierlei  Absicht:  Resolution  oder  Destruction  herbeizuführen,  mit 
parenchymatösen  Injectionen  behandelt.  Zur  Erreichung  der  ersteren 
empfiehlt  M.  die  Essigaäure.  Er  hat  in  27  Fällen  zwischen  5  und 
20  Tropfen  der  gewöhnlichen  verdünnten  Essigsäure  [etwa  1  Theil 
acid.  acet.  und  1 1  Theile  Wasser)  durchschnittlich  einmal  wöchent- 
lich injicirt.  15  Fälle  sind  geheilt,  4  gebessert,  in  5  Fällen  tmt 
Eiterung  ein,  und  3  Patienten  brachen  die  Behandlung  zu  früh  ab. 
Die  Flüssigkeit  muss  möglichst  in  die  Mitte  der  Drüse  injicirt  werden. 


W^FT 


Centralblatt  ffli  Chirurgie.     No.  34.  533 

Die  eitrige  Zerstörung  txitt  am  eicherstea  ein  durch  InjectioQ 
einer  Höllensteiolösung  (1  Drachme  auf  1  Unze],  und  zwar  von 
3—5  Tropfeu.  In  drei  Fällen  von  fünf  so  behandelten  war  die  Cur 
erfolgreich.  VerBuche  mit  Injectionen  von  Pepsin  und  verdünnter 
Salzsäure  hat  M.  aufgegeben.  Baake  (Holle). 


J.  Ünglisch.     Zur  Tamponade  der  Nasenhöhle. 

[Wiener  med.  Freue  1B75.  No.  21,  23,  24  u.  26.J 
E.  fand  wiederholt  bei  Individuen,  die  Jahre  lang  an  penodisch 
wiederkehrenden  Nasenrachenkatarrhen  litten,  au  den  hiuteren  Enden 
der  Nasenmuschelu  und  im  Bachen,  Wucherungen  an  der  Schleim- 
haut, die  bei  der  leisesten  Kerühning  bluteten,  woraus  sich  erkläre, 
dasB  öfter  auch  nach  der  Tamponade  der  Nasenhöhle  die  Blutung 
hinten  noch  fortbestehe.  E.  fuhrt  die  verschiedenen  iimerlichen  und 
äusserlichen  Mittel  an,  die  im  Laufe  der  Zeit  gegen  Naseublutungeu 
empfohlen  wurden ;  immer  kehrte  man  wieder  zur  Tamponade  mit 
der  Bellocque'schen  Röhre  zurück,  als  dem  sichersten  Verfahren. 
Doch  sei  es  auch  nicht  ganz  tadelfrei,  da  der  zum  Munde  herausge- 
leitete  Faden  häufig  quälende  Salivation  herbeiführe.  Am  zweck- 
entsprechendsten erscheine  das  in  neuester  Zeit  erdachte  Instrument 
von  Küchenmeieter-ClosBet.  Dieses  besteht  aus  einem  Kaut- 
schukballou  von  etwa  1  Ctm.  DurchmeBser  und  P/4  Ctm.  Länge,  der 
in  einen  dünnen  zur  Nase  herauszuleitenden  Kautschukschlauch  über- 
geht. Mitelst  eines  sogenannten  Embolus  wiid  das  Instrument  in 
die  Nasenrachen  höhle  geführt,  mit  Wasser  gefüllt,  vorgezogen,  wobei 
es  sich  fest  an  die  Choanen  andrückt;  eine  Klammer  schliesst  den 
Schlauch  ab.  So  ist  der  Verschluss  gegen  die  Rachenhöhle  vollkom- 
men ;  die  Nasenhöhle  wird  dann  in  der  gewöhnlichen  Weise  tamponirt. 
Den  einzigen  UebelBtaud,  oämlich  das  mögliche  Zurückschlüpfen 
des  Ballons,  zu  beheben  und  gleichzeitig  mit  demselben  Appa- 
rate den  Verschluss  der  NEieenhöhle  herzustellen,  verwandte  E. 
zwei  Ballons  von  Kautschuk,  die  durch  ein  Mittelstück  mit  einander 
verbunden  sind  und  deren  einer  in  den  Schlauch  übergeht.  1 — '/i 
Unzen  Wasser  genügen  zur  AnfüUung  der  Ballons,  Der  Verschluss 
geschieht  mittelst  einer  Fadenschlinge.  Der  »innere«  Ballon  verschUesst 
die  Choanen ,  der  oäusseie«  die  Nasenhöhle  und  darf  nic^t  über  die 
äussere  Nasenöffnung  vorragen;  sie  fixiren  sich  gegenseitig  in  ihrer 
Lage.  Das  Einfuhren  des  Apparates  geschieht  mit  einer  Pincette  etc. 
E.  verwendet  dazu  zwei  Metallstäbe  von  P/j  Mm.  Breite,  die  an 
einem  Ende  miteinander  verbunden ,  am  andern  Ende  auseinander 
federn  und  durch  einen  Ring  geschlossen  werden;  hiermit  wird  der 
innere  Ballon  eingeführt. 

Auch  für  andere  Fälle  wird  der  Apparat  zu  verwenden  sein;  E. 
empfiehlt  ihn  für  Blutungen  beim  Steinschnitte.  Der  innere  Ballon 
wird  iu's  Rectum  eingeführt,  der  äussere  hegt  vor  der  Aftermündung 


534  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    N 

und  sichert  angefüllt  die  Lage  des  inneren.  I 
Blase  und  Prostata  gegen  die  Symphyse  und 
ung  das  kleine  Kecken  ganz  aus. 

(Ein  dem  obigen  ganz  ähnlicher  Appar»..  ..«.  .»..^^  ^u..^.  ... 
Prof.  Billroth's  Klinik  zum  Verschlusse  der  Blaseumündmig  nach 
der  gelungenen  plastischen  Operation  bei  Ectopia  vesicae  au  weibli- 
chen Individuen,  versuchsweise  angewendet  worden.     Ref.) 

Fr.  StelHer  (Wien). 


C.  Niooladoni.  Phlebarteriectasie  der  rechten  oberen  Ex- 
tremität. 
(Arch.  f.  kLiniache  Chirurgie  1875.  Bd.  XVIU.  Ut't.  2.) 
N.  beschreibt  einen  sehr  interessanten  Fall  von  Phlebarteriec- 
tasie des  rechten  Armes  bei  einem  ITjährigen  Arbeiter,  die  sich 
seit  dem  8.  Lebensjahre  entwickelt  hatte.  —  Es  handelte  sich  uin  ein 
cirsuides  Aneurysma  des  ganzen  Arterien  Systems  der  rechten  oberen 
Extremität  gleichzeitig  mit  einer  ganz  bedeutenden  Varicosität  der  Ve- 
nen. —  Die  Erkrankimg  erstreckte  eich  bis  an  die  Subclavia,  welche  er- 
weitert und  geschlängelt  erschien.  Die  von  W.  Krause  (Arch.  f. 
klinische  Chirurgie  Hd.  II.)  nur  an  den  feinen  Gefässeu  der  Finger 
beobachtete  Communication  zwischen  Venen  und  Arterien  zeigte  sich 
an  2  grossen  Venensäckeu  anf  dem  Dorsum  manus ,  welche  selbst- 
ständig  pulsirten ;  ihre  Fulsation  nahm  bei  leichtem  oentralen  Drucke 
zu  und  verschwand  nicht,  wenn  man  sie,  wie  es  leicht  gelang,  seit- 
lich verschob.  Die  Erkrankung  begann  an  der  Hand,  und  nimmt 
N.  im  Wesentlichen  eine  Fortpflanzung  des  chronisch  entzündlichen 
Processes  per  continuitatem  an.  —  Entgegen  Krause  nimmt  N,  wohl 
mit  Recht  erhöhte  Widerstände  der  Blutcirculation  in  der  erkrankten 
Extremität  an  und  erklärt  hieraus  die  vorhandene  bedeutende  Hyper- 
trophie des  Herzens.  —  Das  bei  Compression  der  erkrankten  Bra- 
cbialis  auftretende  Phaenomen  einer  Pulsverlangsamung  sucht  N. 
durch  die  vermehrte  Füllung  des  ganzen  übrigen  Arteriensystems, 
also  auch  der  erweiterten  Subclavia  zu  erklären.  Die  Subclavia  drückt 
so  auf  den  Nerv,  laryng.  recurrens,  durch  welchen  sich  der  Reiz  auf 
den  Vagus  fortpflanzt.  —  In  Betreff  der  Therapie  kommt  N.  nach 
der  Casuistik  zu  den  Schlüssen,  dass  bei  Erkrankungen  einzelner 
Finger  die  Unterbindung  der  zuführenden  Arterien  und  im  Falle  des 
Misslingens  die  Amputation  zu  machen  ist,  ebenso  bei  Erkrankungen 
des  Metaoarpus.  —  Bei  weite^ebender  Entartung  ist  von  der  Unterbin- 
dung nichts  zu  hofi'en.  In  dem  Falle  von  Krause  hob  die  Compression 
der  Brachialis  nicht  einmal  den  Puls  in  der  Radialis  und  Ulnaris 
auf,  und  in  dem  vorliegenden  Falle  entstand  bei  der  Compression 
eine  heftigere  Pulsation  und  lauteres  Geräusch  auf  der  Streckseite  des 
Ober-  und  Vorderarms,  und  das  Volumen  der  Extremität  wurde 
nicht  wesentlich  vermindert.     In  Betreff  der  Amputation  spricht 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  34.  535 

sich  N.  dahin  aus ,  dass  so  lange  der  Arm  einigermaassen  brauchbar 
istj  Ulcerationen  und  quälende  Empfindungen  nicht  auftreten,  von 
ihr  abzusehen  ist,  besonders  da  in  dem  Falle  von  Schottin  die  Er- 
krankung 55  Jahre  auf  eine  Extremität  beschränkt  blieb. 

Maas  (Breslau). 

Böser,     lieber  klappenformige  Darmstenosen. 

(Sitzungsberichte  von  dem  IV.  chirurgischen  Congress.) 
(Beri.  klin.  Wochenschrift  1875.  Juni  28.) 

Es  giebt  Darmstenosen,  welche  sich  mit  eigenthümlich  klappen- 
artiger  Verschliessung  des  Darmrohrs  verbinden.  Der  Klappen -Me- 
chanismus bei  diesen  Fällen  beruht  auf  der  unverhältnissmässig  star- 
ken Ausdehnung  des  Darms  oberhalb  der  engen  Stelle;  vermöge  der 
sackartigen  Ausdehnung  dieses  Darmtheils  werden  die  Bänder  der 
Verengungsstelle  klappenartig  gegeneinander  gedrängt  (zum  besseren 
Verständniss  diene  die  Vergleichung  der  Figuren  in  der  Berl.  klin. 
Wochenschrift) ;  es  kann  dies  so  weit  gehen  y  dass  der  Darminhalt 
gar  nicht  mehr  durchpassirt,  sondern  sich  massenhaft  hinter  der  Ste- 
nose ansammelt.  Am  Mastdarm  gelingt  es  zuweilen,  eine  solche 
Stenose  zu  erkennen  und  durch  Einfährung  einer  Röhre  oder  eines 
Halbcylinders  die  Klappe  zu  lüften.  Die  Copro-Stase  im  Darmkanal 
kann  hierdurch  auf  älinliche  Art  beseitigt  werden ,  wie  die  Urin- 
retention  durch  den  Katheter  bei  manchen  Prostataerkrankungen. 
Es  ist  ja  bekannt,  dass  es  Prostataaffectionen  giebt,  bei  welchen  die 
klappenformige  Verschliessung  des  Blasenhalses  erst  dann  eintritt, 
w^enn  die  Fat.  ihren  Urin  zu  lange  zurückgehalten,  die  Blase  also  zu 
grosser  Ausdehnung  haben  kommen  lassen. 

Bei  der  sogenannten  Knickung  eines  Darms  und  den  davon 
abhängigen  Ileus -Erscheinungen  dürfte  ein  ähnlicher  Mechanismus 
öfters  vorkommen.  Wenn  eine  Darmschlinge  durch  lokale  Peritonitis 
an  ihrer  Spitze  angewachsen  und  daselbst  nur  massig  verengt  ist,  so 
kann  durch  Uebei-fiillung  des  oberen  Darmtheils  eine  solche  klappen- 
artige Compression  des  unteren  Stücks  erzeugt  werden,  dass  nun  der 
Durchgang  des  Darminhalts  vollständig  gehemmt  wird.  Wenn  man 
unter  solchen  Umständen  einen  Darmschnitt  macht  und  den  gedehn- 
ten Darm  entleert,  so  kann  der  Ileus  gehoben  und  die  Function  des 
Darms,  die  Fortschaffung  des  Darminhalts  nach  unten,  wieder  her- 
gestellt werden.     (Man  kann  alsdann,  wie  N^laton  gezeigt  hat,  die 

künstlich  angelegte   Kothfistel   wieder  zuheilen  lassen.) 

Böser  (Marburg). 

Böser.     Ueber  ein  klappenartiges  Hinderniss  bei  Keposition 

von  Darmvorfallen. 

(Sitzungsberiehte  von  dem  IV.  chirurgischen  Congress.) 
(Beri.  klin,  Wochenschrift  1875.  Juni  28.) 

Bei  aufgeschnittenen  oder  aufgeplatzten  Bruchsäcken  kann  man 
im  Zurückbringen  der  Darmschlingen  dadurch  gehindert  werden^  dass 


536  Centralblatt  für  Chirurgie,     No.  34. 

bei  jedem  Repositionsversuch  die  enge  Stelle  mit  zurückgedrängt  und 
zusammengeschoben  wird  und  dass  sie  dabei  eine  Compression  und 
eine  klappenartige  Verengung  erfahrt.  Das  einfachste  Beispiel  hier- 
von bietet  sich  bei  einem  aufgeschnittenen  Nabelbruch  dar;  jeder 
Druck  auf  die  vorliegende  Darmschlinge  schiebt  zugleich  die  Bruch- 
pforte und  die  umgebende  vordere  Bauchwand -Partie  nach  innen, 
der  Bauchraum  wird  dadurch  beengt^  und  die  Bruchpforte  kann  da- 
bei^ einem  gespannten  Knopfloch  ähnlich^  verengt  werden. 

Man  muss,  um  das  Hindemiss  in  solchen  Fällen  zu  überwinden, 
die  enge  Oeffnung  mit  mehreren  stumpfen  Haken  angezogen  und 
erweitert  halten,  während  man  die  Darmschlinge  zurückschiebt.  Die 
Fälle,  wo  man  Ursache  hat,  zu  den  stumpfen  Haken  als  Hülfsmittel 
der  Darmreposition  zu  greifen,  kommen  bei  der  Herniotomie  nicht  all- 
zuselten vor.  Wenn  ein  tiefsitzender  Bruchsackhals  Sitz  der  Ein- 
klemmung war  und  dieser  künstlich  erweitert  worden  ist,  so  kann 
die  Reposition  noch  immer  grosse  Mühe  machen,  weil  das  Bauchfell 
bei  jedem  Druck  auf  die  Darmschlinge  mit  zurückgedrängt  wird.  Mit 
den  stumpfen  Haken  wird  diese  Schwierigkeit  auf  einfache  und 
leichte  Art  überwunden. 

Bei  geplatzten  Bruchsäcken  mit  heraushängenden  Darmschlingen, 
z.  B.  bei  einem  geplatzten  Mastdarm-  oder  Scheiden bruch,  wird  man 
das  Loch  im  Bruchsack  in  ähnlicher  Art  erweiteit  halten  müssen, 
während  man  die  Darmschlinge  hineinzuschieben  bemüht  ist. 

Böser  (Marburg). 

Marion  Sims,     Utero-Gastxotomy. 

(The  American  Journal  of  med.  scienccs  1875.  April.) 

In  der  New-York  medical  Society  (1875.  Febr.  15)  be- 
richtet S.  über  zwei  von  ihm  wegen  grösser  Fibroide  ausge- 
führte Exstirpationen  des  Uterus  mittelst  Bauchschnitt.  Beide  ende- 
ten tödtlich,  die  eine  35  Minuten  nach  der  Operation  in  Folge 
profuser  Blutungen  aus  erweiterten  Venen,  die  andere  76  Stunden 
nachher  durch  Septikämie.  In  beiden  Fällen  verfuhr  S.  nach  der 
Methode  von  P6an  (doppelte  Unterbindung  des  supravaginalen 
Theiles  des  Cervix  sammt  den  breiten  Mutterbändem ,  Amputation, 
Herausleiten  des  Stieles  durch  den  unteren  Winkel  des  Bauchschnit- 
tes), ist  aber  von  den  Vortheilen  derselben  nicht  besonders  einge- 
nommen. Er  empfiehlt,  die  breiten  Mutterbänder  isolirt  zu  umschnü- 
ren und  an  ihrer  Insertion  am  Uterus  abzubrennen.  Ebenso  soll  der 
abgetrennte  Cervix  an  seiner  Schnittfläche  cauterisirt  werden.  Die 
so  behandelten  Stiele  versenke  man  in  die  Bauchhöhle  und  überlasse 
sie  sich  selbst. 

Was  die  Utero-Laparotomie  überhaupt  betrifil,  so  sei  diese  Ope- 
ration noch  eine  neue  und  bedürfe  entschieden  der  Prüfung.  In- 
dessen, so  viele  Gegner  sie  auch  habe^  so  werde  sie  doch  zweifellos 
denselben  siegreichen  Weg  gehen,  wie  die  Ovariotomie.     In  Amerika 


Centrtilblalt  f(ir  Chirurgie.     No.  34.  537 

sei  sie  bis  jetzt  erfolgreich  von  Kimball,  Buinham,  Boyd, 
Storer  und  Darby  ausgeführt  worden;  in  England  vun  CharleB 
Clay,  Flctcher,  Law  Bon  Tait.  Koeberle  in  Strassburg 
habe  von  6  Fällen  4  geheilt,  während  Pran  in  FariB  in  It  Fällen 
7  Heilungen,  nach  einer  neuen  Publication  eiuee  seiner  Schüler 
(Urdy  [vergl.  Centnübl.  f.  Chir.  IS75.  No.  7]),  in  20  Fällen  15 
Heilungen  (75^)  aufzuweisen  habe.  LoBsen  (Heidelbeig). 


Gayon.     (^bstruction  intestinale  trait^e  avec  succes  par  l'in- 
jection  d'eau  gazeuse  dans  le  gros  intestin. 

(Journal  de  luM.  et  de  chir.  prat.  1875,  Juin  p.  230  et  JuiUet  p.  292.) 
Bei  einem  62jähi'igcn  Manne  war  eine  Inguinalhemie  bei  bedeu- 
tenden Kinklcmniuiiffssymptumen  reponirt  worden,  worauf  nach  eini- 
gen Stunden  Erbrechen  sich  wieder  einstellte,  das  bald  unter  Col- 
lapserBcheinungeu  fecal  wurde.  Massenreduction  war  nicht  anzu- 
nehmen. So  wurde  denn  mit  Hülfe  einer  Schlundsonde,  die  mau  40  Ctm. 
hoch  hiuau^eführt ,  Sodawasser  injicirt,  der  Inhalt  etwa  zweier  Sy- 
phons,  wovon  der  erste  zum  grossen  Theil  zurückfloss.  Sehr  rasch 
folgte  heftige  Kolik  und  Entleerung  stinkender,  flüssiger  Massen, 
dann  harter  Kothhallen.  2  Stunden  nachher  war  der  Kranke  ausser 
Gefahr.  In  einer  Nute  wird  weiter  erwähnt,  dass  Bouchut  in  zwei 
Fällen  und  auch  Behier  in  einem  Falle  vun  Intestiualobstruction 
durch  harte  Kothballon  in  derselben  Weise  mit  Glück  verfuhren. 
Das  Abdomen  schwoll  durch  das  Gas  unter  heftiger  Kolik  in  allen 
Fällen  bedeutend  an,  und  die  Ausleerung  trat  sehr  rasch  ein. 

PageKstecher  (Elberfeld}. 

B.  L.  Keyes.     The  injection  of  the  bladder. 

(The  American  Jouratd  of  med.  sciencea  1675.  April.) 
Verf.,  ein  grosser  Verehrer  der  Behandlung  acuter  und  chroni- 
scher Blasenkatarrhe  mittelst  Injectionen,  insbesondere  Warm-  und 
Kaltwasserinjectionen ,  beschreibt  einen  von  ihm  construirten  lu- 
jcctionsapparat,  mit  dem  der  Pat.  sich  selbst  die  Einspritzungen  je- 
derzeit machen  kann. 

Der  Apparat  ermöglicht  es,  sowohl  die  stossweise  Einspritzung 
der  Clysopompes,  wie  die  mit  Luft  gemischte  der  Gummiballons  zu 
vermeiden.  Er  irritirt  weder  den  Hals  der  Hisse,  wie  der  Verweil- 
katbeter, noch  läast  er  auf  die  tonisiiende  Füllung  derselben  verzich- 
ten, wie  der  doppelläufige  Katheter. 

Die  Zusammensetzung  des  ganzen  Apparates  ist  höchst  einfach. 
Er  besteht  aus  einem  weichen  GuramikaÜietei ,  einer  metalleneu  T- 
Köhre  mit  doppeldurchbohrtem  Uahn  und  einem  Kautschukballon, 
der  an  seiner  am  Boden  befindlichen  Ausflusaö^ung  einen  langen 
Kautscbukschlauch  trägt. 


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Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  34. 


Soll  die  Injection  beginnen,  so  wird  der  mit  warmem  oder  kal- 
tem Wasser  gefiillte  Ballon  mindestens  6  Fuss  über  dem  Boden  auf- 
gehängt und  der  Kautschukschlauch  mit  dem  einen  Ende  der  T-Röhre 
in  Verbindung  gesetzt,  wahrend  man  den  vertical  abgehenden  Schen- 
kel in  ein  tiefer  stehendes  Gefäss  leitet.  Nachdem  durch  kurzes 
Oeffnen  des  doppeldurchbohrten  Hahnes  alle  Luft  aus  dem  Schlauch 
entfernt  ist,  führt  sich  der  Pat.  den  Katheter  in  die  Blase  und  fügt 
ihn  dem  noch  freien  Ende  der  T-Röhre  an.  Wird  nun  der  Hahn 
nach  dem  verticalen  Schenkel  der  Röhre  hin  geöfiiiet,  so  entleert 
«ich  die  Blase  vollkommen;  richtet  Pat.  aber  den  Hahn  nach  den 
horizontalen  Schenkeln  hin,  so  strömt  das  Wasser  unter  einem  Drucke 
von  ca.  6  Fuss  in  die  Blase.  Ist  diese  gefüllt,  so  bewerkstelligt  ein 
einfaches  Umstellen  des  Hahns  sofort  deren  Entleerung  und  Pat.  kann 

solcher  Weise  auf  das  sorgfaltigste  die  Ausspülung  vornehmen. 

Losscn  (Heidelberg). 


H.  Wildt.     Neue  Methoden,    die   weibliche  Blasenhöhle  zu- 

gängig  zu  machen. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1S75.  Bd.  XVIII.  Hft.  1.  p.  167—186.) 

Eine  Beschreibung  der  von  Simon  (Heidelberg)  neuerdings 
geübten  und  vervollkommneten  Massnahmen^  das  Innere  der  weiblichen 
Harnblase  dem  Finger  und  dem  Gesicht  zugänglich  zu  machen. 
Dieselben  bestehen  1)  in  der  methodischen  Erweiterung  der  Harnröhre, 
2)  in  der  Spaltung  der  Blasenschcidewaiid. 

Die  Harnröhrenerweiterung,  welche,  wenn  auch  nicht  in  so  voll- 
kommener Weise,  Christopher  Heath  (Med.  Times  and.  Gaz. 
1874,  11.  April)  vorgeschlagen  hatte,  wud  in  einmaliger  Sitzung  nach 
voraufgegangener  Narkose  und  Einkerbung  der  Schleimhaut  des  Ori- 
ficium  urethrae  mittelst  röhrenförmiger  Specula  aus  Hartgummi  vorge- 
nommen. Dieselben  sind  nach  dem  Muster  der  Vaginalspecula  con- 
struirt,  mit  einem  vorne  conischen  Obturator  versehen,  6Y2  Ctm. 
lang.  Sie  werden  in  7  verschieden  dicken  Nummern  benutzt^  deren 
erste  eine  Dicke  von  9  Mm.,  deren  letzte  eine  solche  von  2  Ctm. 
besitzt.  Natürlich  muss  mit  dem  Speculum  No.  1  angefangen  werden, 
dem  No.  2  u.  s.  w.  folgt.  Wenn  man  nachher  nicht  das  ganze 
Speculum,  sondern  nur  den  Obturator  auszieht,  so  legt  sich  nach 
Abfiuss  des  Urins  die  hintere  Blasenwand  an  das  Lumen  des  Specu- 
lums  an  und  man  kann  so  successive,  indem  man  das  Instnunent 
nach  verschiedenen  Richtungen  wendet,  einen  grossen  Theil  der 
Schleimhaut  dem  Gesicht  zugänglich  machen.  Nach  Entfernung  des 
Speculums  7  gelingt  es  leicht,  auch  den  voluminösesten  Zeigefinger 
und  daneben  noch  Instrumente  in  die  Blasenhöhle  zu  führen.  Incon- 
tinenz  des  Urins  ist  bislang  dem  Verfahren  niemals  gefolgt.  Die 
diagnostischen  und  therapeutischen  Vortheile  desselben  s.  im  Original. 

Die  Spaltung   der  Scheideublasenwand ,    ein  augenblicklich  ganz 


rtTi..    -/ 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  34.  539 

gefahrloses  Unternehmen^  da  der  Verschluss  in  jedem  Falle  späterhin 
operativ  sieher  zu  erreichen  ist,  kommt  in  Frage,  wenn  es  sich  um 
Entfernung  von  Steinen,  um  Beseitigung  von  Blasenkatarrhen ^  endlich 
um  Ausrottung  von  Geschwülsten  aus  dem  Blaseninnem  handelt. 
In  Anbetracht  der  hohen  Erweiterungsfähigkeit  der  Harnröhre  sind 
die  beiden  ersten  Indicationen  jedoch  nur  dann  zwingende,  wenn  die 
Steine  excessiv  gross  sind,  der  Katarrh  ein  äusserst  hartnäckiger  ist, 
und  man  wird  den  Schnitt  zu  rein  diagnostischen  Zwecken  oder 
behufs  Tumorenbeseitigung  natürlich  ebenfalls  nur  dann  machen, 
wenn  die  Erkrankung  mit  Wahrscheinlichkeit  ihren  Sitz  in  den 
höchsten  Theilen  der  Blase  hat  oder  sich  bis  dahin  erstreckt.  Der 
Schnitt  beginnt  am  hintern  Ende  der  Harnröhre  und  spaltet  die 
Blasenscheidewand  in  der  Axe  der  Vagina  bis  zum  Muttermund. 
So  kann  man  bequem  mit  2  Fingern  in  die  Blase  dringen  und,  wäh- 
rend man  von  den  Bauchdecken  aus  die  höheren  Theile  dem  unter- 
suchenden Finger  entgegendrückt,  die  tiefsten  Buchten  der  Blase 
betasten.  Kommt  man  auf  diese  Weise  nicht  zum  Ziele,  so  kann 
man  dem  Längeschnitt  noch  einen  im  vorderen  Scheidengewölbe  an- 
zulegenden Querschnitt  hinzufügen  und  nun  durch  Druck  von  den 
Bauchdecken  aus  die  l^lase  förmlich  umstülpen  und  in  die  Scheide 
hineindrängen,  also  alle  Theile  derselben  nicht  nur  palpiren,  sondern, 
auch  inspiciren. 

5  Krankengeschichten  illustriren  die  vorstehend  gegebenen  De- 
tails. Wilb.  Koch  (BerUn). 

Warren  Brickell.   Rupture  of  the  Perineum.  With  a  descrip- 

tion  of  a  new  Operation. 

(The  American  Journal  of  med.  sciences  1875.   April.) 

In  kurzer  Einleitung  klagt  Verf.  über  die  im  Grossen  und  Gan- 
zen unzureichenden  Hülfsmittel  zur  Operation  des  zerrissenen  Dam- 
mes. »Welches  sind  zur  Zeit  (1875)  die  allgemein  anerkannten  Ope- 
rationsmethoden?« fragt  er  und  antwortet:  »Die  Klammernaht,  die 
Balkennaht  und  die  unterbrochene  Naht«  (Knopfnaht) .  Der  einfachen 
Knopfnaht  mittelst  Silberdraht,  deren  sich  Verf.  früher  bedient  zu 
haben  scheint,  wird,  und  wohl  nicht  mit  Unrecht,  vorgeworfen,  dass 
sie  die  einander  genäherten  Wundränder  von  hinten  nach  vorn  auf- 
rolle und  hierdurch  sowohl  die  prima  intentio  fraglich  mache,  als 
auch  die  ursprüngliche,  keilförmige  Gestalt  des  Dammes  nicht  wieder 
herzustellen  vermöge. 

Diesem  Aufrollen  der  Wundränder  zu  begegnen,  construirte  Verf. 
iünne,  vernickelte  Stahlstäbchen  von  verschiedener  Länge  (von  y^ — 
2Yi  Zoll  variirend),  welche  oben  und  unten  gabelförmig  enden,  und 
sucht  mit  diesen  die  Suturen  in  der  Sichtung  von  hinten  nach  vorn, 
wie  mit  Sperrhölzchen,  auseinander  zu  halten.  Die  Anwendung  ist 
folgende:  Nachdem  die  zusammengehörigen  Theile  in  ausgiebiger 
Weise  angefrischt  sind,  wird  ein  Silberdraht  wie  bei   der  Knopfnaht 


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Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  34. 


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durch  die  ganze  Dicke  der  Wundränder  hindurchgeführt.  .  Nun  nimmt 
man  ein  Stäbchen^  dessen  Länge  den  Querschnitt  der  Wimdääche 
um  ein  Weniges  übertrifil^  setzt  es  zwischen  den  klaffenden  Rändern 
mit  seinem  gabelförmigen  Ende  auf  die  in  der  Tiefe  der  Vagina  lie- 
gende Suturenschlinge^  drängt  es  an  und  schliesst  nun  über  der  oben 
herausstehenden  anderen  Gabel  die  Enden  des  Drahtes.  Durch  ein 
festeres  Zusammendrehen  des  letzteren  werden  die  Wundränder  mehr 
und  mehr  aneinander  gezogen,  ohne  dass  die  Sutur  dieselben  ein- 
rollen kann.  Solcher  auseinandergespreizten  Nähte  legt  Verf.  je  nach 
der  Länge  des  Bisses  2,  3  und  mehr  in  Abständen  von  % — V2  Zoll. 
Daneben  sollen  oberflächliche  Hülfsnähte  die  genaue  Coaptation  der 
Schleimhaut  und  äusseren  Haut  besorgen. 

Die  Stäbchen  und  Suturen  werden  am  4.,  5.  oder  6.  Tage  ent- 
fernt. Zu  dem  Zwecke  ist  die  eine,  in  der  Tiefe  liegende  Gabel 
zum  Abnehmen  eingerichtet  und  kann  nach  Durchtrenuung  der  Sutur 
mittelst  einer  Zange  aus  der  Vagina  hervorgeholt  werden.  Der  Schaft 
des  Stäbchens  wird  sodann  von  vom  her  herausgezogen. 

Verf.  macht  sich  selbst  den  Einwand,  es  könnten  die  Stahlstäb- 
chen Fisteln  zurücklassen;  meint  indessen,  diese  schlössen  sich  sehr 
rasch  spontan. 

4  Fälle  werden  zur  Illustration  des  neuen  Verfahrens  angeführt- 
In  dreien  war  das  Perineum  zerrissen,  zweimal  Vs  ^^^^  w®^*  ^^ 
den  Mastdarm,  einmal  halbwegs  bis  zum  Anus.  In  sämmtlichen  Fäl- 
len bestand  vollkommener  Prolapsus  uteri.  Der  vierte  Fall  betraf 
eine  Cystocele  mit  Vorfall  des  Uterus  bei  starker  Relaxation  der  Scheide 
und  des  Dammes  ohne  vorau%egangene  Zerreissung. 

Die  Heilung  des  genähten  Dammes  erfolgte  in  allen  4  Fällen. 
Die  engen  Kanäle  der  Stahlstäbchcn  schlössen  sich  in  wenigen  Tagen 
nach  der  Herausnahme  der  letzteren.  Nur  einmal  war  eine  Aetzung 
nothwendig.  In  den  beiden  letzten  Fällen  verwandte  Verf.  anstatt 
des  Silberdrahtes  Catgut  zur  Naht  und  sah  theilweise  Resorption  der 
Fäden. 

Verf.  hebt  in  allen  Fällen  die  vorzügliche  Höhe  und  Festigkeit 
des  neugebildeten  Dammes  hervor.  Gleichwohl  bekommen  sämmt- 
liche  Pat.  bei  ihrer  Entlassung  aus  der  Behandlung  ein  Hodge- 
Pessarium.  (Die  heutzutage  wohl  überall  bekannten  und  anerkann- 
ten Operationsmethoden  des  veralteten  Dammrisses,  die  Dieffen- 
b  ach 'sehe,  von  Simon  weiter  ausgebildete  trianguläre  Naht,  die 
Heppner'sche  Achter tour,   die  Perineosynthese   von   v.  Langen- 

beck  scheinen  dem  Verf.  vollkommen  unbekannt  zu  sein.     Ref.) 

Lossen  (Heidelberg). 


P.  P.  Echeverria.     De  la  rösection   tibio-tarsienne  dans  les 

luxations  compliquees. 

(Thfese,  Paris,  1874.) 
E.   hat  aus  der  Litteratur   77  Resectionen  des   Fussgelenks  bei 
complicirten  Luxationen  desselben  zusamme^estellt,  an  welcher  Zahl 


K 

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Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  34.  541 

Deutschland  nur  mit  einem  geringen  Procentsatz  Theil  nimmt.  7  To- 
talresectionen  gaben  keinen  Misserfolg;  35  Reseetionen  der  Unter- 
schenkelknochen allein  gaben,  ausser  2  Nachamputationen  mit  1  To- 
desfall^ 8  Todesfälle  oder  22,8^;  die  31  Reseetionen  des  Tibiaen- 
des  allein  endeten  in  Oenesung,  die  4  des  Wadenbeins  (2  mit  Weg- 
nahme des  Astragalus)  in  gleicher  Weise.  Diesen  Zahlen  legt  E. 
selbst  nur  einen  relativen  Werth  bei.  — 

Die  Indicationen  der  Resection  sind  bei  mittelschweren  compli- 
cirten  Luxationen  gegeben ;  die  Functionsunfahigkeit  des  Fusses  nach 
nicht  mit  oflFenen  Wunden  complicirten,  unreducirt  geheilten  Luxatio- 
nen gilt  £.  ebenfalls  als  Indication.  üontraindicationen  sind  bedeu- 
tende Weichtheilquetschung,  und  Ausdehnung  der  Fracturen  bis  auf 
den  Körper  der  Tibia.  Die  subperiosteale  Resection  ist  unter  allen 
Umständen  zu  versuchen;  knöcherne  Vereinigung  der  Gelenkenden 
hindert  die  Gebrauchsfahigkeit  nicht.  Die  Resection  ist  ungefähr- 
licher als  die  Amputation,  nur  bei  Tuberkulösen  ist  letztere  vorzu- 
ziehen. E.  glaubt,  die  resecirten  Knochenenden  seien  bei  der  Nach- 
behandlung in  unmittelbaren  Contact  zu  bringen. 

Zwei  der  mitgetheilten  Krankengeschichten  scheinen  anderweitig 
nicht  veröffentlicht  zu  sein. 

1)  Riebet,  im  Hötel-Dieu,  1874.  Der  49jährige  Pat.  hatte 
in  Folge  einer  subcutanen,  vor  5  Monaten  erlittenen  Malleolenfractur 
einen  pes  valgus,  der  durch  Maschinen  nicht  zu  bessern  war.  Ent- 
blössung  der  Fibula  und  Durchsägung  derselben  mit  der  Kettensäge 
an  der  Fracturstelle.     Heilung.     Functionelles  Endresultat? 

2)  Riebet,  ebenfalls  im  Hotel-Dieu,  1874.  Der  43jährige 
Pat.  war  vor  2^2  Monaten  verunglückt,  60  Tage  bettlägerig  gewesen ; 
Gehversuche  wurden  bald  durch  Schmerzen  unmöglich.  Luxation  en 
dehors,  mit  Fractur  beider  Malleolen.  Subperiosteale  Resection  der 
Tibia  mit  T- Schnitt  an  der  inneren  Seite ;  Abtragung  von  4  Ctm.  mit- 
telst der  Kettensäge.  Fractur  der  in  Dislocation  consolidirten  Fibula. 
12  Tage  lang  permanente  Irrigation.  Verlauf  durch  mehrere  Absce- 
dirungen  gestört.     Der  Fall  war  zur  Zeit  der  Veröffentlichung  noch 

nicht  abgeschlossen,  es  fehlt  daher  auch  hier  das  Endresultat. 

Ranke  (Halle). 

Kleinere  Mittheilungen. 

J.    Bednik.      Inflammatio     retrobulbaris     e    phlebitide    venae     oph- 

thalmicae. 
(Wiener  med.  Presse  1875.     No.  18.) 

Ein  54jähriger,  trunksüchtiger  Tagelöhner  stellte  sich  mit  einer  fluctuirenden 
Geschwulst  in  der  linken  Schläfengegend  —  angeblich  nach  einem  Falle  ent- 
standen —  in  der  Klinik  vor.  Augenlider  und  Conjunctiva  stark  geschwollen,  letz- 
tere stark  injicirt,  der  bulbus  beträchtlich  gerade  nach  vorn  herausgedrängt,  un- 
beweglich und  kaum  rückdrückbar. 

Incision :  reichliche  Eiterentleerung ;  die  Sonde  stösst  auf  entblössten  Knochen. 
Pat.  verliess  trotz  Warnung  das  Spital.  3  Tage  später  kam  er  wieder,  doch  voll- 
kommen stumm,   völlig  apathisch;  hohes  Fieber;   die  Tncisionswunde  war  ver- 


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542  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  34. 

klebt,  wurde  geöffnet ;  reichliche  Entleerung  von  stinkendem  Eiter.  2  Tage  später 
—  Pat.  konnte  wieder  etwas  sprechen  —  trat  auch  das  rechte  Auge  vor,  wodurch 
die  Diagnose  Meningitis  gesichert  war;  nach  2  weiteren  Tagen  exitus  lethalis. 

Die  Section  ergab:  zwischen  Muse,  temporalis  und  Cranium  eine  Eiterhöhle, 
der  Knochen  missfarbig;  der  Muse,  pteryg.  ext.  von  Jauche  durchsetzt,  welche 
durch's  Foramen  ovale  in  die  Scbädelhöhle  gedrungen  ist;  auch  im  Sin.  cavern. 
Jauche,  ebenso  ist  das  Ganglion  Gasseri,  der  Sin.  circul.  Kidley  und  über  die  sella 
turcica  hin  auch  der  Sin.  cavern.  dext.  jauchig  infiltrirt.  Im  Fettgewebe  der 
Unken  Orbita  sind  die  Aeste  der  Yen.  ophthalm.  gansfederdick  mit  Eiter  und 
eitrig  zerfallenden  Thromben  erfüllt ;  ähnlich  in  der  rechten  Orbita ;  zudem  Pachy- 
meningitis  und  eitrige  Meningitis. 

Als  besonders  bemerkenswerth  in  diesem  Falle ,  hebt  R.  das  Auftreten  der 
Stummheit  bei  normalem  Zustande  der  Insel ,  und  die  Wiedererlangung  der  Spra- 
che, hervor.  Fr.  Steiner  (Wien). 

Mason«  (St.  Thomas's  hospital.)  Myeloid  sarcoma  of  the  septum  nasi. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Mai  22.  p.  552.) 
Der  60jährige  Pat.  hatte  zuerst  vor  einem  halben  Jahre  bald  nach  einem  hef- 
tigen Nasenbluten  eine  leicht  blutende  Geschwulst  im  linken  Nasenloch  bemerkt, 
welche  vom  Septum  ausging.  19.  Septbr.  1874  Entfernung  mittelst  Polypenzange. 
Das  1.  Kecidiv  wurde  am  14.  Octbr.  mit  dem  Messer  entfernt,  nachdem  die 
Nasenhöhle  durch  einen  seitlich  verlaufenden  Schnitt  durch  die  Weichtheile  und 
durch  partielle  Resection  des  Oberkiefemasenforteatzes  freigelegt  war.  Das  2. 
Ilecidiv  wurde  am  6.  Jan.  1875  in  ähnlicher  Weise  entfernt;  dabei  musste  der 
Schnitt  durch  die  Oberlippe  hindurch  verlängert  und  ein  Theil  derselben  geopfert 
werden.  Schnelle  Heilung.  Bis  zum  11.  April  1875  frei  von  Kecidiv.  Die  mi- 
kroskopische Untersuchung  ergab  ein  »myeloid  sarcoma«.  Bänke  (Halle). 

Poncet.  Coup  de  feu  sous  la  clavicule  droite;  atrophie  musculairc 
enyahissant  le  bras  droits  le  bras  gauche  et  le  tronc. 
(Soci6t^  de  Biologie.  S^ance  d.  5.  juin  1875.  Gaz.  m^d.  1875.  No.  25.) 
Ein  33jähriger,  früher  stets  gesunder  Marineinfanterist  erhielt  bei  Monssac 
(S^dan)  einen  Schuss  in  die  rechte  Brust.  Die  Kugel  drang  2V2  Ctm.  vom  Ster- 
num  und  IV2  Ctm.  von  der  Articulatio  sterno-clavicul.  entfernt  in  den  Thorax  ein 
und  durchschnitt  ihn  in  der  Richtung  nach  hinten  und  aussen.  Die  AusgangsölT- 
nung  befand  sich  unterhalb  der  spina  scapularis.  In  dem  Moment,  wo  der  Ge- 
troffene zusammenstürzte,  stellte  sich  eine  krampfhafte  Contractur  der  rechten  Hand 
ein ,  so  dass  das  in  letzterer  gehaltene  Gewehr  nur  mit  Mühe  entfernt  werden 
konnte.  Als  Pat.  nach  einer  3tAgigen  Bewusstlosigkeit  erwachte,  war  der  rechte 
Arm  gelähmt.  Nach  8  Monaten  war  der  Schusskanal  vollständig  vernarbt,  während 
die  Lähmung  des  rechten  Armes  trotz  angewandter  Electricität  fortdauerte.  Im 
Jahr  1873  wurde  Pat.  wegen  einer  zunehmenden  Schwäche  des  linken  Armes  aber- 
mals in  Behandlung  genommen ,  ohne  dass  auch  jetzt  die  fortgesetzte  faradische 
Behandlung  eine  Besserung  des  Zustandes  zur  Folge  gehabt  hätte.  Eine  im  Mai 
1875  angestellte  Untersuchung  ergab  eine  Atrophie  fast  sämmtlicher  Muskeln  des 
Schultergürtels  sowie  der  oberen  Extremitäten.  Besonders  hochgradig  ist  die 
Atrophie  der  Extensoren  am  Vorderarm,  so  dass  durch  das  Uebergewicht  der 
gut  functionirenden  Flexorengruppe  die  Hände  und  Finger  beständig  contrahirt 
sind.  Auch  die  Rücken-  und  Wadenmuskeln  zeigen  beginnende  Atrophie.  Die 
Sensibilität  ist  im  Allgemeinen  vermindert,  an  der  Dorsalseite  der  Vorderarme  voU- 
ständig  aufgehoben.  Seitens  der  übrigen  Organe  keinerlei  Störungen.  Da  bei  der 
noch  vorhandenen  Functionsf&higkeit  der  Vorderarmflexoren  eine  vollständige 
Durchtrennung  des  rechten  plexus  brachialis  durch  den  Schuss  auszuschliessen  ist, 
so  muss  man  nach  P.'s  Ansicht  annehmen,  dass  nur  die  starke  Erschütterung  des 
plexus  hinreichte,  um  eine  vorübergehende  totale  Lähmung  und  später  eine  all- 
mälig  vorwärts  schreitende,  von  rechts  nach  links  übergehende  Atrophie  der  ner- 
vösen Elemente  hervorzurufen.  O.  Yolkmann  (Kettwig). 


Centralblatt  rar  Chirurgie.    No.  34.  543 

C'asee   itlustrating  ilic   use   of  the  pneumatic  aspirator. 
(North-eastem  hospital  for  children.) 
[Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Mai  2S.  p,  551.] 
Empyein ,    1    frische    Pleuritis  durch  Functioa  und  AtipiratioD 

Knabe,  seit  H  Monaion  bestehendea  linkeBcitiges  totales  Empyem, 
tieerung  einer  halben  Finte  Eiters ,  7  Tage  apSter  bei  erneuter 
iinction,  Ausspülung  der  HnMe  mit  verdünnter  Jodünctur.   Letz- 

2.    Febr.  1S75  bis  12.  Febr.  täglich  durch  die  letite  Punctions- 
men ;  Heilung  mit  gewühnlicher  Thoraxdeformitat. 
her  Knabe  mit  rechtseitigem  Empyem ,  nach  Masern,  vor  2   Mo- 
Die  Aspiraüon  entleerte  6  Unzen  Eiters.     Heilung  mitEinzieh- 
Seite. 

Knabe,  seit  0  Wochen  erkrankt,  linksseitiges  Eknpyem.  Durch 
I  2'/t  Unze  Eiters  entleert.     Entlassung  mit  schwach  athmender 

Mädchen,  seit  3  Tagen  erkrankt;  Dämpfung  am  Thorax  links 
e  der  Scapula.  Eine  Wuche  später  Dämpfung  über  die  ganze  linke 
tieerung  von  23  Unzen  Serum  vermittelst  Aspiration  bei  beatehen- 
r.  IG  Tage  später  geheilt  entlassen  —  kleine  Athmungsunter- 
h  vorhanden.  Ranke  (Halle). 

in  Fall  von  Echinococcus  multilocularis  hepatis. 

d.  Heilkunde  1S75.  IG.  Jahrg.  Hft.  4.  p.  3G2-37I.) 
!  Frau  litt  an  intensivem  Icterus.  Durch  Ausschluss  liesa  aich  die 
lilocularen  Leberechinococcus  stellen,  »as  durch  die  Sectien  be- 
^ahlreiche  kleine  Echinococcen  hatten  besonders  den  linken 
lisetzt  und  den  dtictus  hepaticus  verlegt.  Die  Gallenblase  war 
asse  gefallt-  Verf.  glaubt,  dass  in  diesem  Falle  nachweislich 
langen,  r.ymph- und  BlulgefisKen  Ech in ococcenblaaon  sich  befunden 
onnten  übrigens  in  keiner  einzigen  Blase  der  Leber  entdeckt 
A.  Bldder  (Mannheim). 

1  eeltner  Fall  von  Utcruamyom. 

d.  Heilkunde  1875.  IG.  Jahrg.  Hft.  4.  p.  371-370.) 
ibt  ein  colossales  Myoma  cysticum  einer  4!)jährigen  Frau.  Es 
)varialtumor  gehalttn  und  lu  operiren  versucht.  Die  Operation 
brochen  werden,  und  bei  der  bald  darauf  stattfindenden  Section 
grosses  vom  Fundus  uteri  ausgehendes  Myom,  dadurch  besonders 
»  zwischen  die  beiden  Blätter  des  nünndarmmesenterium  empor- 
A.  BIMer   (Mannheim). 

doin.       Chute   du  rectum ;    traitement   par   la   douclic 

sur  I'anuB  et  le  perinec. 
arn.  de  med.  et  de  chir.  prat.  1975.  Mw  p.  209.) 
mhautvorrällen  der  Kinder  wurde  durch  Application  eines  starken 
Anus  und  Perineum  nach  vorgingiger  Keduction  selbst  da  noch 
alle  anderen  Mittel,  bis  zum  OlOheisun,  erfulglos  geblieben  waren. 
Ulglich  -wiederholt,  die  Heilungsdauer  betrug  in  dem  schlimmsten 
icidive  blieben  aus.  Auch  bei  einem  Erwachsenen ,  der  an  Pro- 
amurrboiden  litt,  war  nach  48  Sitzungen  die  Heilung  vollendet. 

Pagonsl«<!ber  (Elberfeld). 
fr^ne  symctrique  ilea  extrerait^s. 
n.  de  med.  et  de  chir.  prat.     1S75.   Mai  p.   19H,) 
(Ihrigen  Manne  wurde  die  Gangrän ,    die   sich  im  I,aufe  von  3'/j 
firfach  sich  wiederholenden  Attaquen  auf  kleine  Stellen  der  Haut 


544  Centralblatt  fOr  Chirargie.    No.  34. 

der  2.  und  3.  linken  Zehe  und  der  plauta  derselben  Seite  bes 
einmal  symmetrisch.  Unter  den  heftigsten  Schmerzen  wurden  4 
und  3  der  linken  Hand  kalt  und  schwa»  bis  zur  Wurzel.  Zugleich  waren  aicsel- 
ben  Zehen  wie  früher  ergriSca  und  Schmerzen  in  den  Ohren  und  der  Nase  vor- 
handen ohne  CirculationistOrungen.  In  wenigen  Tagen  indesa  bildete  sich  der 
OangrAn  drohende  Zustand  der  Finger  zurück  bis  auf  einen  oberflächlichen  Schorf 
der  3.  Phalanx  des  rechten  kleinen  Fingers  und  einen  ebensolchen  der  Pulpa  des 
Zeigefinger«  derselben  Hand, 

Mit  dem  ersten  Auftreten  der  Gangrän  am  Fusse  war  SwöchentÜche  Amblyopie 
verbunden  gewesen.  Arterien  etwas  atheramatfiB ,  leichtes  QerSusch  beim  1.  Ton 
an  der  Herzspitze. 

Die  an  den  Fall  geknöpften  Erarterungen  bieten  keine  neuen  Qesichtspuncte. 
P«g«iiBtecher  (Elberfeld). 
Fantier.    Äppareü  poui  les  fractureB  transversaleB  de  la  lotule. 
(Joum.  de  mM.  et  de  chir.  prat.  Hai  1S75.  p.  315.) 
Zwei  getrennte  Leim  verbin  de  werden,  der  eine  von  den  Malleolen  zum  untern 
Bande,  der  andere  ron  der  Mitte  des  Oberschenkels  lum  obem  Rande  der  Knie- 
Hcheibe  angelegt.    So  lange  der  Leim  noch  nicht  spröde  geworden ,   werden  ent- 
sprechend der  vorderen   Circurofereni  der  EitremiUt  in  die  einander  zugekehrten 
Kinder  des  Verbandes  LOcher  gebohrt,   die  am  anderen  Tage  mittelst  durchgezo- 
genen Schnflrriemens  noch  Unterpolsterung  mit  Watte  zur  Annäherung  der  lieiden 
VerbandstOcke  und  damit  der  Fatellarfragmente  verwandt  werden. 

PagenBtecher  (Elberfeld). 
Angler.  Triple  fracture  verticale  du  basBin  par  compreseion.  — 
D^chinire  de  l'urfethre.  —  Infiltiatiou  d'urine.  —  Mort  Bept  jours 
apt^s  l'acddent. 
[8oci£t£  anatornique,  sbance  du  27.  nov.  1ST4.) 
(Progrfee  mMcal  1675,  No.  11.) 
Einem  4Tj&hrigen  Manne  war,  nachdem  er  gefallen  war  und  noch  (auf  der 
Seite)  lag ,  ein  schwerer  Balken  quer  aufs  Decken  gefallen.  Bei  I^ebzeiten  war 
eine  Fractur  nicht  zu  constaüren,  der  Fat.  konnte  ohne  grosse  Scbmenen  im 
Bett  seine  Beine  bewegen.  Harnverhaltung,  Katheter  entleerte  am  Abend  Blut 
mit  etwas  Urin  vermischt,  am  folgenden  Tage  reinen  Urin  Desormeaux  [auf 
dessen  Abtheilung  der  Fat.  lag)  liess  den  Katheter  liegen.  Am  Scrotum  nnd  Damme 
Blutunterlaufung.  Anfangs  kein  Fieber,  aber  urinöa  riechender  Athem.  Bei  einer 
Kectaluntenucbung  kurz  vor  dem  Tode  fühlte  Desormeaux  den  Katheter  dicht 
unter  dem  Finger,  Es  zeigte  sich  Urin  Infiltration ,  aber  nicht  des  Hodensackea, 
und  des  Dammes,  sondern  an  der  innem  und  untern  Partie  des  Oberschenkela.  — 
Mach  einer  Incision  am  Perineum  fUhlte  man  die  nackte  Sonde  in  einer  Ausdehnung 
von  mehreren  Centimetem  in  einer  grossen  Hohle.  An  den  Oberschenkeln  wurden 
auch  mehrere  Tncizionen  gemacht.  Temperatur  in  den  letzten  Tagen  39*.  —  Die 
Section  ergab  ausser  der  Ruptur  der  Urethra  aubperitoneale  Blutunteriaufung  in 
der  fossa  iliaca,  Dlastaae  der  Sohamfuge,  senkrechte  Fractur  durch  die  horizonlÄlcn 
und  absteigenden  Aeste  beider  Schambeine  und  durch  die  rechte  Hdlfte  des  Kreuz- 
beins, Fractur  des  Querfortsatzes  des  letzten  Lendenwirbels.  Von  der  Fractur  des 
linken  horizontalen  Scham  bei  nastes  aus  ein  Spalt  bis  in  die  Pfanne,  Der  Ham- 
röhreoriss  befand  sich  in  der  Oegend  der  pars  membr.,  ■/(  Ctm.  vor  dem  caput 
gaUinaginis.  —  A.  meint,  diese  BeckenfVactur  sei  interessant  wegen  der  Leichtig- 
keit, mit  welcher  man  den  Mechanismus  der  Fractur  (entstanden  durch  Compresrion 
des  Beckens  in  querer  lUchtung)  erklären  könne.  Petersen  (Kiel). 

OrlglnalmUthellnngen,  Honographleen  nnd  Separatabdrüeke  wnlle 
m*n  an  Dr,  H.  ItUmaniu,  Leipzig,  Htrionstnsse  No.  3,  oder  ui  die  Verlicshindlanf, 
BpeÜtop/'  und  Härtü,  einsenden. 


•-» 


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Gentralblatt 


far 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

von 

Dr.  L.  L w,  Dr.  I.  SGMe,  Dr.  I.  TüImdiis 

in  Berlin.  in  Halle  ».  S.  in  Leipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beliehen  durch  aUe  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


N^  35.  Sonnabend,  den  28.  Angnst  1875. 


Inhalt:  Braune,  Yenenelasticltät.  —  Prtvott,  David,  Dejerine,  Veränderungen  des 
RüekenmATks  bei  MuskeUtrophie.  —  Wlnl warter,  Das  maligne  Lymphom  und  das  Lym- 
phosareom.  ~  Siedamgrotzky,  Milzbrandbacterien.  —  Celra^,  Einfluss  der  Bakterien  auf 
Blut  und  Blutcirculation.  —  Poupler,  Einfloss  der  Alkalien  auf  die  Blutbeschaffenheit.  — 
8alko\M8ky,  Sallcylsäure  und  Benzoesäure.  —  Chlene,  Wundheilung  durch  Bliitgewebe.  — 
M&kUf  Zusammensetzung  der  Darmsteine.  —  Münchmeyer,  Urticaria.  —  da  Costa  Alva- 
renga,  Kieselsaures  Kali  gegen  Erysipel.  —  BigelOW,  Die  corpora  cavernosa  der  Muschel- 
beine. —  Schwarz,  Lingualisligatur  bei  Zungencancroiden.  —  Sommerbrodt ,  Seltene 
Deglutitionshindernisse.  —  Kefth,  lY.  Serie  von  50  Oyariotomieen.  —  Emmert,  Repeti- 
torium  der  Verbandlehre.  —  Lee,  Hüftverrenkung. 

Lane,  Aneurysma  der  Occipitalis.  —  Schmidt,  Extraction  eines  Fremdkörpers  aus  der 

Trachea.     Totalexstirpation  eines  Kehlkopfes.  —  Sidio,   Glottis-Stenose.   —  Rlckmann, 

Strictur  des  Oesophagus.  —  Borland,  Stern um-Fracturen.  —  Wacquez,  Lumbarabsceas.  — 

Weir,    Lumbocolotomie.    —   OtlS,   Keflexneuralgie  bei  Urethralstricturen .  —   Burnbam, 

Excision  des  Steissbeins.  —  MeuSOl,  Kniegelenksresection. 

■ 

W.  Braune.     Beiträge  zur  Kenntniss  der  Venenelasticität. 

(Beiträge  zur  Anatomie  u.  Physiologie,  als  Festgabe  C.  Ludwig  zum  15.  Oct.  1874 

gewidmet  von  seinen  Schülern.) 

Leipzig,  1874.    Verlag  Yon  F.  C.  W.  Yogel. 

Ausgehend  von  der  Thatsache^  dass  Spannung  und  Erschlaffung 
eines  Gefassrohres  an  sich  die  Bewegung  der  darin  enthaltenen  Flüs- 
sigkeit beeinflusse^  suchte  Br.  zu  eruiren^  welche  Stellungen  des 
Kumpfes  und  der  Extremitäten  eine  Spannung  und  welche  eine  Er- 
schlaffung der  Hauptvenen  veranlassen.  Durch  eingestochene  Nadeln 
wurde  die  Längenzunahme  der  Venen  gemessen.  Es  ergab  sich 
durchweg  eine  nicht  unbeträchtliche  Verlängerung  der  unteren  Hohl- 
vene  bei  starker  Bumpfüberstreckuug^  der  vena  jugul.  dextr.  int.  bei 
Hintenüberbiegung  und  Drehung  des  Kopfes.  Dasselbe  Verhältniss 
der  Spannung  zeigte  sich  an  der  vena  cephalica^  basilica  und  me- 
diana. Das  gesammte  System  wird  gespannt  und  verlängert  bei  Strek- 
kung  des  Armes  im  Ellenbogengelenk  und  erschlafll  bei  Beugung. 

35 


546 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  35 


Die  Venen  der  unteren  Extremitäten  werden  gespannt,  wenn  man  die 
Oberschenkel  möglichst  weit  spreizt. 

Um  die  Elasticitätsverhältnisse  der  Venen  zu  messen,  experimen- 
tirte  Br.  mit  kleineren  und  grösseren  Gewichten.  Bei  Belastungen  ist 
die  Verlängerung  der  Vene  den  dehnenden  Gewichten  nahezu  propor- 
tional. Selbst  bei  grossen,  aber  kurz  dauernden  (Y4  Min.)  Belas- 
tungen bleibt  die  Elasticität  eine  vollkommene.  Man  konnte  die  vena 
saphena  z.  B.  in  einem  Falle  mit  1000  Gramm. belasten,  ohne  dass 
dadurch  eine  bleibende  Verlängerung,  sowie  eine  dauernde  Gewebs- 
veränderung hervoi^ebracht  worden  wäre.  Freilich  betraf  diese  Deh- 
nung ein  jugendliches  Individuum,  während  bei  einem  46jährigen 
Manne  (Säufer)  schon  bei  75  Gramm  und  bei  einem  58jährigen  an 
Tuberculose  gestorbenen  M'anne  schon  bei  6  Gramm  sidi  die  Vene 
nicht  mehr  schnell  auf  ihre  frühere  Grösse  zurückzog.  Aehnliche 
Unterschiede  zeigten  sich  an  der  vena  cephalica,  cava  inferior  und 
jugul.  int.  Tfllmamis  (Leipzig). 


--•■■? 


t.r^- 


Pr6vo8t  et  David.    Note  sur  un  cas  d'atrephie  des  muscles 
de  r^minence  th^iiar  droite  avec  lösion  de  la  moSlte  ^piniere. 

(Arch.  die  Physiologie  1875.  p.  59&->6<^l-.) 

Pe^eriiiie.     Note  sur  T^tat  de  la  moelle  ^piniere  dans  un  cas 

de  pied-bot  equin. 

(Ibidem.  1875.  p.  253—257.) 

Im  ersten  Falle  handelte  es  uch  um  Atrophie  mit  fettiger 
D«g«B£ration,  die  einzig  unil  allein  die  Muskeln  des  rechten  Dau- 
menballens  ergriffen  hatte.  Die  Atrophie  datirte  nach  den  An- 
gaben des  Fat.  aus  firühestec  Jugend  und  fiel  zusammen  mit  einer 
circumscripten  Läsion  des  Rückenmarks,  die  charakterisirt  war  durch 
1)  deutliche  Atrophie  der  vorderen  Wurzeln  des  achten  Halsnerven- 
paares  rechterseits  2)  leichte  Atrophie  der  vorderen  Wurzeln  des  7. 
Halsn^rvenpaares  derselben  Seite  3]  Atrophie  des  rechten  Yorderhoms 
der  grauen  Substanz  in  dieser  Höhe,  welche  sich  2  Cm.  der  Länge 
nach  erstreckte.  (Aehnliche  FSHe  sind  bereits  von  Cornil,  Vul- 
pia»,  Charcot,  Müller,  Duch^ne  u.  A.  und  neuerdings  von 
Roth  [Virch  .Arch.  Bd.  53.]  beschrieben.  Ref.)  Zugleich  geht  aus 
dieser  Beobachtung  hervor,  dass  die  Nerven,  welche  die  Muskeln  des 
Daumenballens  beherrschen,  von  dem  unteren  Halstheil  des  Rücken- 
markes durch  die  vorderen  Wurzeln  des  7.  und  hauptsächlich  8. 
HalsnervenpaafPes  austreten. 

Der  Fall  von  Dejerine  betraf  einen  4Gjährigen  Mann^  dessen 
pes  equinus  von  frühester  Kindheit  her  datirte  und  der  schliesslich 
an  einer  Pleuritis  zu  Grunde  ging.  Der  pes  equinus  war  höchsten 
Grades;  beim  Auftreten  sah  die  Fusssohle  nach  hinten  und  oben, 
der  Fussrücken  berührte  den  Boden ;  ausserdem  bestand  unvollständige 
Luxation  des  Talus  auf   das   Os  naviculare.     Die  Dorsalflexo^en  des 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  35.  547 

Unterschenkels  und  die  Peronei  waren  merklieh,  atrophisch.  Die 
Untersuchung  des  erhärteten  Rückenmarks  ergab  1]  im  mittleren 
Theile  der  Lendenanschwellung  eine  deutliche  Atrophie  der  rechten 
Seite  gegenüber  der  linken.  I)ie  Atrophie  erstreckte  sich  zumeist 
auf  den  Seitenstrang  und  in  geringerem  Grade  auf  den  Hinterstrang. 
Das  rechte  graue  Yorderhom  ist  zumeist  in  seinem  vorderen,  äusseren 
Theile  verkleinert,  ebenso  das  rechte  Hinterhom,  dieses  nur  massigen 
Grades.  In  der  atrophischen  Zone  des  rechten  Yorderhoms  sind  fast 
alle  Ganglienzellen  verschwunden,  an  ihrer  Stelle  findet  sich  fibrilläres 
Bindegewebe  mit  reichlichen  Kernen  und  vielen  neugebildeten  Ge- 
fässen,  deren  Wandung  verdickt  ist.  Der  atrophische  Seitenstrang 
ist  sklerosirt,  seine  Neuroglia  vermehrt,  ein  grosser  Theil  seiner  Ner- 
venfasern geschwunden.  2)  Die  vorderen  Wurzeln  sind  rechterseits 
nur  Y3  so  dick  als  linkerseits,  von  grauer  Farbe.  Die  Läsion  ist  am 
ausgesprochensten  im  mittleren  Theile  der  Lendenanschwellung  und 
nimmt  nach  oben  wie  nach  unten  an  Intensität  ab.  Die  Muskeln 
zeigten  einfache  Atrophie  bei  erhaltener  Querstreifung  mit  Yermehrung 
des  interstitiellen  Fettgewebes;  die  Muskelfasern  selbst  waren  nicht 
fettig  degenerirt,  nur  waren  einzelne  Primitivfasem  auffallend  schmal 
(entsprechend  dem  Befunde  von  Yolkmann.) 

Die  Atrophie  der  grauen  Substanz  der  Yorderhömer,  des  Seiten- 
strangs und  der  vorderen  Wurzeln  bei  spinaler  Eänderlähmung  ist 
auch  von  Privost  und  Yulpian,  Clarke^  Johnson  u.  A. 
constatirt  worden.  J»  Mimk  (Strassburg  i/E.). 

Winiwarter.    Ueber  das  maligne  Lymphom  und  das  Lym- 

phosarcom. 

(Arch.  f.  kHnische  Chirurgie  Bd.  XVUI.  Hft.  1.  p,  98—167.) 

W.  glaubt  die  Claasification  der  primär  aus  den  Lymphdrüsen 
sich  entwickelnden  Lymphdrüsengeschwülste  folgendermassen  aufstellen 
zu  können: 

I.  Hyperplastische  Formen,  Lymphome. 
Hierher  gehören: 

Die  Drüsenhyperplasieen  bei  der  Scrophulose;  scrophulöse 
L3nnphome. 

Die  einfache  Drüsenhyperplasie  Yirchow*s. 

Die  leukämischen  Lymphdrüsentumoren  (immer  combinirt  mit 
Yeränderung  der  Blutbeschaffenheit). 

Das  maligne  Lymphom  Billroth' s,  jene  raschwachsende  Form, 
die  früher  unter  den  Begriff  Pseudoleukämie ,  metastasirendes  Lym- 
phom, malignes  Lymphosarcom  gefallen  ist. 

II.  Heteroplastische  Formen,  Lymphosarcome : 

Die  primäre  Sarcomentwickelung  in  den  Ljrmphdrüsen^  wobei  die 
Geschwulst  von  Anfang  an  aus  dem  Bahmen  des  Lymphdrüsentypus 
heraustritt  und  sich  als  etwas  Selbstständiges,  als  Sarcom  weiter  ent- 
wickelt. 

35  • 


i 


548 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  35. 


,/ 


Das  maligne  Lymphom  wird  nach  den  bisherigen  Erfahrungen 
und  20  sehr  ausführlich  mitgetheilten ^  bei  Billroth  beobachteten 
Fällen  als  eine  Hyperplasie  der  Lymphdrüsen  mit  unbeschränktem 
Wachsthum  charakterisirt;  wobei  jedoch  im  Ganzen  immer  der  Typus 
des  Lymphdrüsengewebes  eingehalten  wird.  Die  farblosen  Elemente 
des  Blutes  sind  in  der  Kegel  nicht  vermehrt^  können  es  aber  unter 
gewissen  Umständen  sein.  Befallen  werden  zuerst  ganz  circumscripte 
Drüsengruppen^  gewöhnlich  die  Halsdrüsen  einer  Seite^  welche  unter 
einander  durch  den  Lymphstrom  in  unmittelbarem  Connex  stehen. 

Im  weiteren  Verlaufe  können  die  Lymphdrüsen  des  ganzen  Kör- 
pers und  die  nach  dem  Typus  des  Lymphdrüsengewebes  angelegten 
Theile  der  inneren  Organe  (z.  B.  die  Follikel  der  Milz)  in  Mitleiden- 
schaft gezogen  werden. 

Metastasen  nach  inneren  Organen^  die  ebenfalls  wieder  den  Cha- 
rakter des  Lymphdrüsengewebes  haben^  sind  dieser  Geschwulstgattung 
ebenso  eigenthümlich  wie  die  Tendenz^  nicht  über  den  Mutterboden 
hinaus  zu  greifen  und  in  Gewebe  anderer  Natur  hineinzuwuchem. 
Im  Gegentheil  leidet  ihre  Umgebung  meistens  nur  durch  Druck.  — 

Das  Lymphdrüsensarcom  besteht  in  der  Entwickelung  von  Sar- 
comelementen primär  in  einer  Lymphdrüse. 

Es  vergrössert  sich  vollständig  unabhängig  von  der  Lymphdrüse, 
greift  weiter  nach  der  Peripherie^  lässt  vielleicht  die  nächstgelegenen 
Drüsen  intact  imd  wuchert  dafür  mit  ganz  demselben  unumschränkten 
Fortschreiten  wie  das  Sarcom  anderer  Organe  in  die  Nachhalte  webe. 
Die  AUgemeininfection ^  welche  in  den  meisten  Fällen^  man  kann 
sagen  in  der  Regele  gerade  die  Lymphdrüsen  freilässt,  manifestirt  sich 
durch  Metastasen  von  entschiedenem  Sarcomgewebe.  Endlich  hat  das 
Sarcom  in  weit  höherem  Grade  die  Tendenz  zu  exulceriren  und  re- 
trograde Metamorphosen  einzugehen. 

Die  klinische  Differentialdiagnose  hat  sich  im  Wesentlichen  an 
die  anatomischen  Merkmale  zu  halten.  Beim  malignen  Lymphom 
erkrankt  in  der  Regel  eine  Gruppe  von  Drüsen  aus  demselben  Ge- 
biet zugleich  —  beim  Sarcom  geht  die  Erkrankung  von  einem  viel 
circumscripteren  Heerde  aus  und  verbreitet  sich  von  da  in  die  Um- 
gebung^ die  sie  frühzeitig  af&cirt;  es  ist  deshalb  die  Geschwulst  in 
frühen  Stadien  bereits  fixirt^  während  das  Lymphom  im  Allgemeinen 
sehr  beweglich  ist. 

Die  längere  Dauer  des  Leidens  spricht  im  streitigen  Falle  eher 
für  Lymphom^  die  Schmerzhaftigkeit  mehr  für  Sarcom^  die  Af- 
fection  von  Drüsen  an  andern  Körperstellen  entschieden  für  Lymphom, 
das  Auftreten  von  Geschwülsten  an  einem  Theile  des  Körpers,  an 
dem  sich  lymphatische  Neubildungen  in  der  Regel  nicht  finden,  für 
Sarcom. 

Verwachsung  der  Haut  mit  dem  Tumor  ^  oder  Durchbruch  der- 
selben und  Hervorwuchem  der  Geschwulstmassen  ist,  ebenso  wie  Zer- 
fall der  Geschwulst^  ohne  dass  ein  äusserer  Eingriff  hierzu  Veranlassung 
gegeben  hätte,  charakteristisch  für  Sarcom. 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  35.  549 

Endlich  wäre  noch  hervorzuheben,  dass  die  malignen  Lymphome 
mit  ganz  überwiegender  Majorität  in  den  Drüsen  des  Halses  zu 
wachsen  beginnen,  dass  also  ein  an  anderer  Stelle  sich  entwickelnder 
Tumor  mehr  Wahrscheinlichkeit  für  Sarcom  darbietet. 

WUh.  Koeh  (Berlin). 

Siedamgrotzky.     Zur  Kenntniss  der  Milzbrandbacterien. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Thiermed.  u.  vergL  Pathologie  1875.  Bd.  I.  Hft.  4.) 

Neben  den  bekannten  stäbchenförmigen  Gebilden,  an  welchen 
S.  übrigens,  wie  schon  Bollinger,  eine  zarte  kurzcylindrische  Glie- 
derung wahrgenommen  haben  will,  fand  Verf.  im  Impfcarbunkel  und 
Blut  sogenannte  Bacterienkeime,  d.  h.  kleine  kugelförmige  Kör- 
perchen, welche  besonders  den  Lymphzellen  aufsitzen  und,  hier  zu 
Stäbchen  auswachsend,  denselben  bisweilen  ein  maulbeerförmiges  oder 
morgensternartig  gerändertes  Aussehen  verleihen  sollen.  Beide,  Stäb- 
chen sowohl  wie  Keime  sind  unbeweglich.  Bezüglich  der  Beziehungen 
dieser  Gebilde  zur  Milzbranderkrankung  hebt  S.  als  das  Resultat 
anderthalbjähriger  Untersuchungen  hervor,  dass  dieselben  während 
des  Lebens  der  inficirten  Thiere  im  Blute  nur  in  einzelnen  Fällen 
und  dann  nur  vereinzelt,  dagegen  constant  in  wechselnder  Menge  im 
Impfcarbunkel  nachgewiesen  werden  konnten  ;  dass  ferner  auch  nach 
dem  Tode  dieselben  in  einzelnen  Fällen  im  Blute  nicht,  dagegen 
stets  in  der  Milz  aufzufinden  waren.  Stäbchen  können  meist  erst 
wenige  Stunden  vor  dem  Tode  im  Blute  nachgewiesen  werden,  nie 
gelang  es  früher  als  24  Stunden  vor  dem  lethalen  Ausgang.  Aehnlich 
verhält  es  sich  mit  den  Bacterienkeimen ,  die,  wenn  isolirt,  nach  S. 
kaum  von  äusseren  Verunreinigungen  unterschieden  werden.  Wie 
schon  Bollinger  erwähnt,  scheint  nach  dem  Tode  die  Entwickelung 
der  Stäbchen  schneller  vor  sich  zu  gehen;  man  findet  stets  mehr 
Bacterienkeime,  wenn  man  die  Section  24  Stunden  nach  dem  Tode 
macht,  als  wenn  sie  unmittelbar  p.  m.  erfolgt.  Das  constante,  oft 
überreichliche  Auftreten  dieser  Gebilde  in  der  Milz  erklärt  S.  so, 
dass  die  mit  den  Keimen  besetzten  farblosen  Blutkörperchen  in  dem 
Filtrirwerk  der  Milz  hängen  bleiben  und  hier  sich  eher  als  an  allen 
anderen  Orten  weiter  eniwtckeln. 

« 

Versuche,  die  Milzbrandbacterien  zu  isoliren,  misslangen  dem 
Verf.  Impfungen  mit  dem  Filtrat  des  mit  Kochsalzlösung  versetzten 
Blutes  und  dessen  Rückstände  ergaben  in  beiden  Reihen  ein  sehr 
variables  und  darum  wenig  brauchbares  Resultat.  Bei  Impfungen 
mit  ganzem  Blut  in  die  Haut  von  Kaninchen  und  Schweinen  liessen 
sich  nach  24  Stunden  im  Impfcarbunkel  Bacterien  nachweisen  oder 
doch,  wo  diese  noch  zu  fehlen  schienen,  stets  Bacterienkeime.  Aller- 
dings sind  nach  S.  die  frei  in  der  Flüssigkeit  schwimmenden,  kuge- 
ligen Gebilde  weder  zahlreich,  noch  prägnant  über  alle  Zweifel  er- 
haben. Ungleich  reichlicher  werden  sie  bereits  nach  48  Stunden  an  der 
Impfstelle  gefunden,  so  dass  man  dann  bisweilen  dichte,  wurstförmige 


550  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  35. 

Agglomerate  von  Stäbchen  aus  dem  Gewebe  auspressen  kann.  Die 
Ausbreitung  der  Bacterien  hält  jedoch  mit  der  Weiterverbreitung  des 
Carbunkels^  die  'wesentlicb  im  Ünterhautzellgewebe;  in  der  Richtung 
der  abführenden  Lymphgefässe^  erfolgt^  nicht  gleichen  Schritt;  sie 
finden  sich  nie  aa  der  Peripherie  der  Anschwellung  und  anfanglich 
auch  nur  ca.  5  Mm.  von  der  Impfstelle  entfernt.  Der  Tod  in  Folge 
von  Milzbrand  trat  bei  den  Thieren  nur  dann  ein^  wenn  subcutan 
das  Milzbrandblut  eingespritzt  wurde^  ohne  dass  Verf.  jedesmal  Bac- 
terien an  der  Impfstelle  nachweisen  konnte. 

Für  eine  mechanische  Wirksamkeit  der  Bacterien  vermochte 
S.  keine  Beweise  in  seinen  Versuchen  aufzufinden ;  dagegen  ist  er 
geneigt  anzunehmen^  »dass  dieselben  Stoffe  erzeugen^  welche 

chemisch  auf  den  Thierkörper  einwirken«. 

Arn.  Hiller  (Berlin). 

Ceirafy«  lieber  die  Wirkung  der  Injection  putrider  Flüs- 
sigkeiten in  die  Lymphbahnen  von  Amphibien  auf  die  Cir- 

culation  in  den  Blutcapillaren. 

(Oeorge's  Hospital  Reports.  Vol.  VII.  p.  17.) 

Verf.  hat  die  Versudie  über  die  Wirkung  von  Bacterien  auf 
die  Bestandtheile  des  Bluts  und  dessen  Circulation  in  den  Ca- 
pillaren  unter  Klein's  Leitung  in  der  »Brown  Institution«  von 
Neuem  aufgenommen  und  zieht  aus  seinen  Versuchsreihen  ^  die  am 
Mesenterium  von  Bufo  Tulg.  imd  der  Schwimmhaut  von  Rana  tem- 
por.  mit  allen  nothwendigen  Cautelen  angestellt  wurden,  folgende 
Schlüsse : 

1)  Die  Injection  putrider^  animaler  Flüssigkeit  in  die  Lymphbahn 
von  Amphibien  ist  von  einer  Entzündung  gefolgt,  welche  von 
einer  auf  andere  Weise  hervorgerufenen  Entzündung  nur  darin  ab- 
weicht, dass  sie  schneller  eintritt. 

2)  Grosse  Dosen  wirken  direct  giftig  auf  das  Nervensystem  und 
verursachen  dadurch  Herzparalyse  und  allgemeine  Stase. 

3)  Die  Anhäufiing  von  weissen  Blutkörperchen  und  die  Bildung 
vom  Thromben  ist  keine  locale  Wirkung  der  Bacterien  auf  die  Ge- 
fösswandung  oder  auf  das  Plasma  des  Blutes  oder  auf  die  Blutkörper- 
chen selbst,  sondern  einfache  Folge  1)  der  Entzündung,  2)  der  Paralyse 
des  circulatorischen  Centrums,  3)  der  Insultation  der  Gefasswand 
durch  Zug  etc. 

Die  Details  der  Versuchsreihen  müssen  im  Original  eingesehen 
werden.  PÖ*  (Stettin). 

Z.  Foupier.  Action  des  alcalins  sur  la  composition  du  sang. 
Kecherches  exp^rimentales  sur  la  pretendue  an^nxie  alcaline. 

(Compt.  rend.  1875.  T.  80.  p.  1146—49.) 

Im  Gegensatz  zu  der  ziemlich  verbreiteten  Anschauung,  dass  un- 
ter längerem  Gebrauch  von  Alkalien  Blutarmuth  eintritt,  weist  P.  mit 


«■■■« 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  35.  551 

Hülfe  der  Methode  von  Malassez  (s.  Centralblatt  1874  No.  3)  nach^ 
dass  wenigstens  unter  normalen  Verhältnissen  bei  gesunden  Menschen, 
wie  ancb  bei  Thieren  (Hunden,  Kaninchen,  Hühnern)  die  Menge  der 
rothen  Blutkörperchen,  das  Körpergewicht  und  die  Temperatur  bei 
alkalischem  Regime  zunehmen.  Anders  ist  es  dagegen  bei  Krankhei- 
ten; hier  zieht  längere  Zeit  fortgesetzter  Gebrauch  von  Alkalien 
Anaemie  und  Abnahme  des  Körpergewichts  nach  sich.  Bemerkens- 
werth  ist  insbesondre  ein  Fall,  betreffend  einen  47jährigen  Mann, 
der  seit  18  Jahren  taglich  mindestens  16 — 20  Gramm  Natr.  bicarb. 
zu  sich  genommen  hatte ;  nur  zweimal,  bei  intercurrenten  acuten  Krank- 
heiten von  kurzer  Dauer,  war  das  Mittel  ausgesetzt  worden.  Dieser 
Mann  bot  plethorisohen  Habitus,  und  kein  Zeichen  der  häufig  be- 
schriebenen Anämie  dar.  Bei  der  vorgenommenen  Zählung  der  rothen 
Blutkörperchen  wurde  eine  Zahl  gefunden,  die  den  von  Malassez 
auf  Grund  zahlreichen  Bestinmiungen  berechneten  Mittelwerth,  noch 
um  ein  Geringes  übersteigt.  Dagegen  zeigte  es  sich,  dass  mit  dem 
Auftreten  eines  mit  Fieber  verbundenen  Zustandes  ihm  das  Natr. 
bicarb.  nicht  bekam  und  gewissermassen  instinktmässig  Widerwillen 
erzeugte.  So  lassen  sich  die  scheinbar  widersprechenden  Erfahrungen 
der  klinischen  Beobachtung  vereinigen  und  den  Alkalien  ihre  gesi- 
cherte Wirkung  bewahren.  Wie  sie  unter  normalen  Verhältnissen 
den  Stoffwechsel  anregen  (Vermehrung  der  Körpertemperatur  und  des 
Gewichtes),  so  setzen  sie  diese  Wirkung  auch  bei  fieberhaften  Pro- 
cessen weiter  fort,  hier  allerdings  zum  Nachtheil  des  schon  an  und 
für  sich  in  stärkere  Oxydation  versetzten  Organismus.  In  fieberhaften 
Zuständen  ist  somit  längerer  Gebrauch  von  Alkalien  besonders  in 
grossen  Dosen  contraindicirt.  J»  Mimk  (Strassburg  i/E.). 

IL  SalkowBky.     Ueber  die  antiseptische  Wirkung  der  Sali- 

cylsäure  und  der  Benzoesäure. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  22.) 

Verf.  hat  Experimente  angestellt^  aus  welchen  hervorgeht,  dass 
Salicylsäure  bei  Zusatz  zu  eiweisshaltigen  Substanzen  (Infosen  von 
gehacktem  Fleisch)  die  Fäulniss  aufschiebt,  dass  dieselbe  aber  mit 
dem  allmälig  eintretenden  alkalisch  Werden  des  Gemisches  doch  erfolgt. 
Eigenthümlicher  Weise  zeigte  »ich  in  dem  Falle  keine  weitere  Fäul- 
niss, noch  Auftreten  niederer  Organismen,  in  welchem  S.  intensiv 
faulende  Ascitesflüssigkeit  zugesetzt  hatte,  um  besonders  günstige  Ver- 
hältnisse für  Fäulnissentwickelung  zu  schaffen.  Diese  faulige  Zusatz- 
flüssigkeit war  2Y2  Jahre  alt  und  Hess  mikroskopisch  keine  Bacterien 
entdecken.  Alle  Gemische  mit  gesättigter  Salicylsäurelösun^  gingen 
in  etwa  12  Tagen  in  Fäulniss  über,  die  mit  der  genannten  Zusatz^ 
flüssigkeit  versetzten  gar  nie,  auch  nicht  bei  einem  Gehalt  'von  nur 
0,25  ^  Salicylsäure.  —  Desodorirende  Eigenschaften  besitzt  die  Sa- 
licylsäure nach  S.  nicht.  Ihre  Wirkung  kommt  nicht,  wie  Kolbe 
vermuthet,  durch  Spaltung  in  Carbolsäure  und  Kohlensäure  zu  Stande. 


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552  Centxalblalt  fttr  Chirurgie.     No.  35. 

« 
Sie  ist  in  weit  geringerer  Concentration,  als  Carbolsäure  wirksam  und 
lässt  sich  aus  Fäulnissgemengen  durch  Extraction  mit  Aether  leicht 
wieder  darstellen,  Carbolsäure  dagegen  nicht  nachweisen.  —  Weit  stär- 
kere auti  septische  Eigenschaften  als  die  Salicylsäure  besitzt  die  Ben- 
zoesäure. Binnen  3  Monaten  trat  in  einem  Infus  von  Fleisch  gar 
keine  Fäulniss  hier  ein.  Sowohl  die  aus  Harz  gewonnene,  als  die 
aus  Fferdeharn  dargestellte  Benzoesäure  zeigten  gleiches  Verhalten. 
Die  Benzoesäure  empfiehlt  sich  durch  geringen  Preis.  Innerlich  sind 
beide  Stoffe  als  Antiseptica  zu  verwerfen,  da  sie  bei  ihrer  Aufnahme 
in's  Blut  in  die  unwirksamen  Natronsalze  übergehen.  Als  Antiseptica 
empfiehlt  Verf.  schliesslich  ausser  Phenol  dessen  Substitutionspro- 
ducte:  Thymol,  Chlor-  und  Brom-phenol.  v.  Mosengeil  (Bonn). 


J.  Chiene,     Die  Wundheilung  durch  »Blutgewebe«. 

(The  Lancet.  1875.  Vol.  II.  p.  47.) 

Die  beobachtete  Organisatoin  von  Blutcoagulis  in  Wunden,  die 
streng  nach  Lister  behandelt  worden  sind,  brachte  Ch.  auf  den 
Gedanken,  die  offenen  Wunden  behufs  der  Heilung  speciell  mit  Blut 
auszufüllen.  Der  mitgetheilte  einschlägige  Fall  betrifft  eine  dreieckige 
Wunde  an  der  Ferse,  deren  jeder  Schenkel  174"  lang  und  welche 
reihst  ^12"  tie{  y?3i.  Die  beobachteten  Veränderungen  (unter  Li  st  er 's 
Verband]  waren  kurz  folgende:  am  6.  Tage  erschien  die  gallertartige 
Masse  noch  dunkel  gefärbt,  war  am  12.  fester  und  dunkelbraun  und 
lieferte  beim  Bekratzen  der  Oberfläche  keine  Blutung,  am  16.  stiess 
sich  eine  oberflächliche  Schicht  in  der  Dicke  der  benachbarten  Horn- 
schicht  ab;  jetzt  erfolgte  auf  leichtes  Kratzen  im  Centrum  Blutimg 
und  das  frisch  entstandene  Coagulum  machte  dieselbe  Metamorphose 
durch.  Am  30.  Tage  war  die  frühere  scharfe  Abgrenzung  des  gesun- 
den Homepithels  verschwunden  und  dafür  Epithelbildung  an  den 
Ecken  des  Coagulums  vorhanden;  am  34.  Tage  war  die  frühere  Coa- 
gulum-Oberfläche  mit  einer  Epitheldecke  überzogen.  — 

Pilz  (Stettin). 

C.  Mehu.     Analyse  des  calculs  intestinaux. 

(Bobin's  Journ.  de  l'anat.  et  de  la^phys.  1875.  No.  3.  p.  325.) 

.  Unter  furchtbaren  Beschwerden  waren  von  einem  Kranken  3 
Darmsteine  entleert  worden.  Zwei  von  diesen  wogen  15^4  grammes; 
aussen  waren  sie  braun  gefärbt,  wie  Cacaosaamen,  auf  dem  Durchschnitt 
schwarzbraun.  Besonders  beim  Trocknen  entwickelten  sie  einen  starken 
Faecalgeruch.  Auf  100°  C.  getrocknet  wurden  sie  ganz  geruchlos 
und  verloren  gleichzeitig  die  Hälfte  ihres  Gewichtes.  Gallenfarbstoff 
oder  Derivate  desselben  waren  nicht  nachweisbar.  An  Asche  enthiel- 
ten sie  39^  vom  Trockengewicht.  Von  oiganischen  Bestandtheilen 
lieferten  sie  überwiegend  in  Chloroform  und  Aether  übergehende  neu- 
trale Fette,  etwa  18^;  ausserdem  etwa  36  j^  oiganischer,  in  Alkohol, 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  35.  553 

Aether,  Chloroform  und  Ammoniak  unlöslicher  Substanz  (ein  grosser 
Theil  der  letzteren  dürften  wohl  an  Kalk  gebundene  Fettsäuren  sein^ 
die  reichlich  in  den  Faeces  vorkommen  und  erst  nach  Säurezusatz  in 
den  Aether  übergehen ;  an  diese  Möglichkeit  scheint  M.  nicht  gedacht 
zu  haben;  Ref.).  Von  unorganischen  Bestandtheilen  fanden  sich: 
dreifach  phosphorsaurer  Kalk  zu  36^2^^  kohlensaurer  Kalk  zu  1,2^ 
Kochsalz  und  alkalische  Salze  1>4^  und  Kieselsäure  0,2^.  Die  Pro- 
centangaben  beziehen  sich  auf  das  Trockengewicht  der  Steine. 

J.  Mank  (Strassburg  i/£.). 

Münchmeyer.     Einiges  über  die  Urticaria. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.   No.  20.) 

Aetiologisch  ist  nach  M.  die  Urticaria  entweder  auf  rein  ausser- 
liehe  Initamente  der  Haut  oder  auf  innere  Vorgänge  im  Organismus 
zurückzuführen.  Bei  beiden  Fällen  die  gleiche  Quaddel^  eine  scharf 
umschriebene^  platte^  anämische^  oft  röthlich  geränderte  Erhabenheit 
der  Haut,  eine  local  beschränkte  Exsudation  in  das  Cutisgewebe.  Bei 
einer  Quaddel,  die  Verf.  durch  Brennnesselstich  in  der  geschorenen 
Cutis  eines  Kaninchens  hervorrief,  waren  die  Capillaren  durch  die 
Exsudation  comprimirt.  Dass  Transsudation  aus  den  feinsten  Ge- 
fassen  dabei  vorliegt,  wird  dadurch  (?)  bewiesen,  dass  biswei- 
len bei  der  Rapiditftt  des  Processes  nicht  nur  Flüssigkeit,  sondern 
auch  Formelemente  (rothe  Blutkörperchen)  durch  die  Interstitien  der 
relaxirten  Gefässwandung  durchtreten  (Urticaria  hämorrhagica).  —  Bei 
vom  Verf.  an  sich  selbst  vorgenommenen  subcutanen  Injectionen  von 
destillirtem  Wasser  sah  er  öfter  plötzlich  oberhalb  der  Injectionsstelle 
(10  — 12  Ctm.  davon)  juckende  Urticaria  entstehen.  Er  will  dies 
durch  Anstechen  eines  Lymphgefasses  und  plötzliche  UeberfüUung  der 
Lymphbahnen  erklären,  nicht  aber  durch  Hineintreiben  der  Injections- 
flüssigkeit  in  die  Cutis.  Die  scharf  begrenzte  Bänderung  der  Pom- 
phi  soll  sich  durch  Eeizzustände  der  organischen  Muskelfasern  der 
Cutis  ergeben.  —  Ferner  theilt  Verf.  einen  eigenthümlichen  Fall  mit, 
in  welchem  bei  einem  Soldaten,  so  oft  er  sein  Gesicht  einem  schar- 
fen, kalten  Winde  aussetzte,  3  grosse  Quaddeln  auf  Wangen  und  Kinn 
entstanden.  Er  nimmt  hier  zur  Erklärung  keine  reflectorische  Ge- 
fasserweiterung, sondern  directe  Reiz  Wirkung  an.  Für  die  nicht  auf 
äusseren  Reiz  entstehenden  Urticarien  nimmt  M.  an,  dass  sie  eben 
Theilerscheinung  der  eigentlichen  Erkrankung  seien.  —  Bei  Aufzäh- 
lung der  ätiologisch  unterschiedenen  Formen  beginnt  Verf.  mit  Urti- 
caria febrilis  (Scarlatina,  Morbillen,  Nesselausschlag  etc.).  Eingefügt 
ist  die  Beschreibung  eines  Gastrokatarrhes  mit  starkem  Fieber  und 
einer  flüchtigen  Urticaria -Eruption,  wobei  sich  um  den  Nabel  con- 
centrisch  wachsend  ein  Pomphus  bildete,  der  die  ganze  Bauchhaut 
bedeckte.  Die  gemeinschaftliche  Ursache  aller  derartigen  Urticarien 
sucht  Verf.  in  Reizung  der  Nervenendigungen  in  den  Schleimhäuten 
und  reflectorisch  darauf  folgender  vasomotorischer  Affection    (evident 


554  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  35. 

bei  Urt.  ab  ingestis).  Die  für  das  Zustandekommen  der  Urticaria  im 
Allgemeinen  so  bedeutungsvolle  Idiosynkrasie  einzelner  Individuen 
wäre  damit  fxeüich  noch,  nicht  erklärt.  v.  Mosengell  (Bonn). 


F.  F.  da  Costa  Alvarenga.    Do  silicato  de  Fotassa  no  tra- 

tamento  da  Erysipela  etc. 

(Memoria  der  Akademie  d.  Wissenschaften  zu  Lissabon  1875.  4.  180  S.) 

Das  Mittel  soll  ein  oder  mehrere  Mal  täglicb  auf  die  erysipelatösen 
Stellen  mit  dem  Pinsel  aufgestrichen  werden^  entweder  pur  oder 
mit  Wasser  zu  gleichen  Theilen  oder  im  Verhältniss  von  1  :  11  ver- 
mischt. Je  concentrirter  die  Lösung^  desto  rascher,  nach  A. ^  der 
Erfolg.  Es  werden  48  Beobachtungen  aus  Lissabon  und  7  aus  Rio 
de  Janeiro  mitgetheilt  und  empfiehlt  Verf.  das  kieselsaure  Kali  als 
wirksamstes  und  durchaus  billiges  Mittel  bei  erysipelatösen  Affectionen. 
(In  Deutschland  bereits  mehrfach  angewandt;  auch  zu  Injectionen 
in  die  Blase  bei  Katarrhen.     Red.)  UUersperg«r  (München). 


Bigelow.     Die  corpora  cavemosa  der  Muschelbeine. 

(The  Boston  med.  and  surg.  Journal  1875.  p.  489.) 

Vielfach  wird  bei  der  Schwellung  der  Sehn  ei  der 'sehen  Schleim- 
haut der  Nasenhöhle  von  venöser  Congestion;  ausgedehnten  Venen, 
Sinus  artigen  Venen,  Venenplexus  etc.  gesprochen ;  dennoch  sind  diese 
Bezeichnungen  alle  nicht  zutreffend,  sondern  es  findet  sich  hier  nach 
B.  wirklich  erectiles,  cavernöses  Gewebe.  Die  Differenz  des  coUa- 
birten  und  ausgedehnten  Gewebes  ist  am  Besten  an  der  unteren  Mu- 
schel zu  erkennen,  aber  auch  über  derselben  und  .am  Septum  vor- 
handen, woselbst  dieselbe  noch  biB  Y4"  betragen  kann.  Die  genauere 
Untersuchung  ergiebt  echtes,  cavernöses  Gewebe,  dessen  Hohlräume 
ziemlich  gleich  gross,  dicht  an  einander  gelagert,  durch  unregelmässige 
Oeffnungen  mit  einander  communiciren,  während  schmale  Bänder  und 
Quersepta  ihre  Wandungen  verbinden.  Die  Wandungen  selbst  be- 
stehen aus  Bindegewebe  mit  einzelnen  eingestreuten  muskulösen  und 
elastischen  Elementen.  6  beigegebene  gute  Abbildungen  illustriren 
diese  makroskopischen  und  mikroskopischen  Verhältnisse,  die  gewiss 
vollste  Berücksichtigung  verdienen.  Pub  (Stettin). 


Schwarz.      Bemerkungen    zur    Ligatur    der    Lingualis    bei 

Cancroid  der  Zunge. 

(British  med.  Journal.  1875.    Vol.  I.  p.  34.) 

Nach  Angabe  der  allgemeinen  Indicationen  zur  Ligatur  der  Lin- 
gualis, Blutungen  aus  Cancroiden  der  Zunge  und  als  Vorakt  vor  Ex- 
stirp  ationen  derselben ,  verweilt  S.  besonders  bei  der  Anwendung  der 


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Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  35.  555 

Ligatur  zur  palliativen  Besserung  des  bestehenden  Oancroids,  nennt 
hierauf  sich  beziehend  einige  französische  und  englische  Operateure 
und  verweist  besonders  auf  die  bekannte  Arbeit  von  Demarquay  in 
den  Archives  gen.,  der  unter  12  Ligaturen  8  zur  Wachsthums-Hin- 
derung  resp.  Verminderung  angewandt,  registrirt  hat.  Während  aber 
D.  und  die  meisten  ihm  folgenden  Operateure  stets  die  beidersei- 
tige Ligatur  machten,  räth  Schwarz  auf  neuere  Erfahrungen 
gestützt,  die  einseitige  Ligatur  auszuführen,  sobald  das  Cancroid  nur 
am  Rande  sich  befinde  oder  auch  die  Mittellinie  noch  nicht  über- 
schritten habe.  Stets  soll  nach  der  Ligatur  das  Aussehen  des  Can- 
croids  sich  bessern,  die  jauchige  Absonderung  sich  mindern,  die 
Schwellung  der  Theile  nachlassen,  die  Beschwerden  beim  Schlucken 
und  Kauen  geringer  werden  und  der  Appetit  sich  heben;  die  locale 
Affection  und  die  Infiltration  der  Drüsen  schreite  langsamer  fort. 

Drei   ausfuhrliche  als  Beleg  angeführte  Krankengeschichten  er- 
strecken sich  leider  nur  über  wenige  Wochen.  PUs  (Stettin). 


P.  Söminerbrodt.   Ueber  zwei  seltene  Deglutitionshindernisse 
mit    Bemerkungen     über     die     granulöse    Erkrankung    des 

Schlundkopfes. 

Vortrag  gehalten  in  der  medicin.  Section  der  Schlesiscfaen  Gesellschaft  für  vater- 

Undische  Cultur. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  24  u.  25.) 

Bei  einem  68jährigen  Pat.  seit  einem  Jahre  stetig  gesteigerte 
Schlingbeschwerden.  Die  Schlundsonde,  etwa  20  mal  eingeführt,  traf 
im  obersten  Theil  der  Speiseröhre  einen  Knoten,  an  dem  beim 
Ausziehen  der  Sondenknopf  schwierig  passirte.  Schliesslich  kann 
nur  flüssige  Nahrung  verschluckt  werden.  Die  hintere  Pharynxwand 
im  Niveau  der  Zunge  vorgewölbt.  Laryngoskopisch  eine  runde  Vor- 
wölbung zu  sehen,  welche  die  hintere  Partie  der  Rima  glottidis  und 
die  Gegend  der  Arytaenoidknorpel  verdeckt  und  die  ganze  Breite  des 
Pharynx  eiimimmt.  Palpatorisch  ist  diese  Erhabenheit,  welche  den 
Larynxeingang  zum  Theil;  den  zum  Pharynx  fast  ganz  verl^t,  gleich- 
massig  hart,  dabei  schmerzlos.  Nirgends  Drüsenschwellung,  Larynx 
auf  Druck  von  aussen  schmerzlos,  der  vordere  obere  Winkel  des 
Schildknorpels  stark  vortretend.  Bei  Entkleidung  des  Patienten  findet 
sich  starke  Kyphose  im  obersten  Theil  der  Brustwirbelsäule  und  com- 
pensirende  Lordosis  der  Halswirbel ;  die  Yorwölbung  ist  durch  die  nach 
vom  gedrängten  Wirbelkörper  bedingt.  William  Adams  giebt 
(Lectures  on  the  Pathology  and  Treaiment  of  lateral  and  other  forms 
of  curvature  of  the  spine,  London  1875)  einen  ähnlichen  Fall  an.  — 
Da  Combination  der  Lordosis  und  Kyphosis  zusammen  mit  seitlicher 
Verkrümmung  häufiger  vorkommen,  als  sie  rein  für  sich  bestehen, 
so  wird  in  diesen  Fällen,  wie  Verf.  hervorhebt,  der  Oesophagus  seit- 
lich ausweichen  und  die  Cervicallordose  kein  Deglutitionshindemiss 
abgeben. 


556  CentralbUtt  fOr  Chirurgie.     No.  35. 

1d  einem  zweiten  Falle  handelte  es  sich  um  eine  spastiBche 
Strictur  des  Oeeopha^us  bei  einem  jungen  Mädchen.  Es  war  eine 
hochgradige  Pharyngitis  granulosa  vorhanden.  Durch  Berührung  der 
erkrankten  hinteren  Fharynxwand  mit  den  Speisen  wurde  leflectorisch 
ein  Krampf  des  unteren  Bachenschnürers  ausgelöst.  Die  locale  Bepin- 
selung  der  afificirten  Partie  mit  der  von  Man  dl  in  Paris  empfohlenen 
Lösung  von  Jod  und  Carbolsäure  in  Glycerin  brachte  sofort  Besse- 
rung und  nach  3  Wochen  Heilung. 

In  der  Litteratur  hat  nur  Green  in  New-York  drei  ähnliche 
Fälle  verzeichnet.  Statt  der  spastischen  Stricturen  hat  aber  Sommer- 
brodtselbst  vielfach  Husten  affecte  bei  Pharyngitis  granulosa  beobach- 
tet, welche  hei  langem  Bestand  theilweise  schon  Tuberkulose  vor- 
täuschten und  meist  schnell  zu  heilen  waren.  Als  bestes  aller  von  ihm 
erprobten  örtlichen  Heilmittel  wird  obige  Mandl'sche  Bepinselung 
(Jodi  puii,  |acid.  carbol.  ana  1.  Kai.  jod.  2.  Glycerin  100.  empfohlen^. 
In  den  letzten  2  Jahren  hat  er  dieselbe  ausschliesslich,  und  zwar  hei 
168  Fat.  mit  Erfolg  angewandt.  r.  Mosengell  Bonn). 

T.  Keith.     IV.  Serie  von  50  Ovariotomien. 

{Britiah  med.  Journ.  IBT5.  Vol.  I,  p.  836.) 
Nachdem  K.  im  Lancet  7.  Sptbr.  1867  die  erste  Serie,  20.  Aug. 
1870  die  zweite  und  16.  Nov.  1872  die  dritte  veröffentlicht  hat,  gieht 
er  jetzt  seine  vierte.  Die  Mortalität  betrug  in  der  ersten  11  Todes- 
fälle, in  der  zweiten  8,  in  der  dritten  S  und  in  der  vierten  6  Todes- 
fälle. (In  der  letzten  Zeit  hat  er  4  Mal  diagnosticirte  Cysten  des 
breiten  Mutterbandes,  die  er  wahrscheinhch  früher  durch  Operation 
entfernt  hätte,  duicb  Function  geheilt.) 

Unter  den  letzten  öO  Fällen  sind  2  Operationen  nicht  vollendet 
worden;  von  aUen  Operirten  starben  6  an  Fyämie  und  unter  diesen 
befanden  sich  2  mit  malignen  Geschwülsten  und  war  einmal  die 
Bauchhöhle  drainirt  worden.  Nach  seinen  Eafahrungen  räth  K.  durch- 
aus zur  Kauterisation  des  zu  versenkenden  Stieles. 

Was  die  Ovarialgesohwülste  anlangt,  so  waren  7  solide,  maligne 
Geschwülste;  in  3  Fällen  wurden  fibro- cystisch  entartete  Ovarien 
sammt  Uterus  entfernt  [cfr.  Centralblatt  f.  Chir.  1875,  No.  33);  nur 
in  9  Fällen  bestanden  keine  Adhäsionen,  dag^en  in  der  Mehrzahl 
derselben  sehr  ausgedehnte;  in  4  Fällen  wurden  acut  suppurirende 
Cysten,  3  mal  beide  Ovarien  entfernt ;  einmal  wurde  die  Ovariotomie 
im  5.  Monate  der  Schwangerschaft  erfolgreich  au^eführt.  l>ie  Ope- 
rirten standen  im  Alter  von  20 — 67  Jahren,  darunter  22  im  Alter 
zwischen  20—30  Jahren.  PU«  (Stettin). 


B.  Emmert.     Repetitorium  der  chirurgischen  Verbandlehrc. 

Bern  1876.  ient  und  Belnert» 
In  einer  für  das  Examen  bestimmten  Zusammenstellung  wird  ein 
Schema  der  Verhandlebre  gegeben,  das  der  Lehrer  ausfüllen,  der  mit 
den  Verbänden  selbst  und  der  Technik  Vertraute  repetiren  kann. 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  35.  557 

Verbandmaterial  (weiche^  feste,  erhärtende  Stoffe)^  Eintheilung  der 
Verbände  nach  allgemeinem  Zweck,  Aufzeichnung  derselben  nach  der 
Körperlocalität  und  specielle  Verbände  bei  Fracturen  sind  die  den 
Inhalt  bildenden  Rubriken.       t.  Mosengreil  (Bonn). 

S.  Lee.     Geschichte  einer  Hüftverrenkung. 

(George's  Hospital  Reports  Vol.  VE.  p.  169.) 
Verf.  war  in  der  seltenen  Lage  folgende  Untersuchung  machen 
zu  können.  Ein  45jähriger  Eisenbahnwärter  fiel,  durch  einen 
Wagenpuffer  gestossen^  auf  die  rechte  Seite ;  das  rechte  Bein  konnte 
der  sehr  angegriffene  Fat.  nicht  mehr  bewegen.  Alsbald  in  das  Hos- 
pital gebracht^  erkannte  man  an  dem  coUabirten  Manne  eine  Luxation 
des  Oberschenkelkopfes  nach  hinten^  es  fehlte  aber  Adduction  und 
Verkürzung  des  Beines;  am  2.  Tage  erfolgte  der  Tod.  Es  fand  sich: 
der  Schenkelkopf  direct  hinter  der  Pfanne  unter  dem  Muse,  pyrif., 
die  Gelenkkapsel  bis  auf  einen  kleinen  Rest^  an  der  Vorder-  und 
Hinterseite  dem  Femur  ansitzend^  gänzlich  zerrissen;  das  lig.  teres 
aus  dem  Schenkelkopf  ausgerissen^  an  der  Pfanne  aber  erhalten.  Bei 
der  weiteren  Präparirung  sah  man  die  das  Gelenk  umgebenden  Mus- 
keln stark  gedehnt^  aber  nicht  zerrissen,  der  Gelenkknorpel  des 
Schenkelkopfes  normal.  Bei  den  nun  angestellten  Repositionsversuchen 
gaben  die  Muskeln  das  Repositionshinderniss  ab.  Hieran  anschliessend 
giebt  Verf.  die  wenig  bekannt  gewordenen  anatomischen  Befunde  nicht 
reponirter  Hüftgelenksluxationen  von  A.  Cooper,  Scott,  Billard 
und  Quain,  von  denen  der  instructivste  letzte  Fall  hier  wiedergegeben 
werden  soll.  Der  Kopf  stand  ebenfalls  dicht  hinter  der  Pfanne  unter 
dem  Muse,  pyrif.,  umgeben  von  einem  Blutergusse;  der  Muse, 
glut.  max.  war  normal,  die  Fasern  un  hinteren  Theüe  des  im  Uebri- 
gen  erschlafften  Muse.  glut.  med.  eingerissen,  der  Muse,  pyrif. 
leicht  gedehnt,  die  Mm.  gemelli  und  obturat.  ext.  in  äusserster  Span- 
nung ;  wirklich  yerletzt  war  der  letztere  und  der  Muse,  quadrat.  fem. 
Das  Kapselband  war  am  inneren  und  unteren  Theile  eingerissen,  das 
Ug.  teres  am  Schenkelkopfe  abgerissen,  ebenso  der  Pfannenrand  ab- 
gebrochen. PUl  (Stettin). 


Kleinere  Mittheilungen. 

J.    Lane.      Aneurysmatische    Erweiterung   der    Occipitalis.      Ligatur 

der  Carotis. 
(British  med.  Journal  1875.  Vol.  I.  p.  635.) 
Ein  37jähriger  Mann  erlitt  durch  Fall  auf  das  Fussbrett  eines  Omnibus  eine 
kleine  Wunde  in  der  linken  Parietalgegend,  4''  über  dem  proc.  mastoid.  Derselbe,  an- 
fangs durch  den  Blutverlust  ohnmächtig  geworden,  erholte  sich  bald  und  konnte  nach 
geschehenem  Verbände  allein  nach  Hause  gehen.  Am  folgenden  Tage  schon  empfand 
Fat.  Sausen  und  Klopfen  im  linken  Ohre,  das  immer  stärker  wurde,  ihn  zuletzt 
seine  Arbeit  ganz  aufgeben  liess  und  sogar  am  Schlafen  hinderte.  Obwohl  jetzt 
nach  4  Monaten  keine  äussere  Schwellung  bestand,  hört  man  doch  mit  dem  Stetho- 
skop  ein  ausserordentlich  lautes  Geräusch  und  fühlt  deutlich  Pulsation  am  proc. 


i 


558  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  35. 

maat. ;  hier  und  auf  die  Garot.  comin.  angevandte  Digitalcompression  lassen  alle 
objectiven  und  subjectiven  Erscheinungen  versch winden.  Instrumentalcompression 
durch  6  Wochen  scheint  die  Erscheinungen  tilgen  zu  wollen,  mit  ihrem  Nachlasse 
treten  die  alten  Erscheinungen  wieder  auf  und  nehmen  schnell  zu.  Deshalb  wird 
zur  Ligatur  der  Carot.  comm.  geschritten  und  dieselbe  1"  unter  der  Theilungsstelle 
mit  Catgut  ohne  jede  nachtheilige  Folge  ausgeführt;  Eiterung  an  der  Unterbin- 
dungsstelle besteht  eine  Zeit  lang.  Die  ersten  3  Tage  sind  alle  Erscheinungen 
von  Seiten  des  Aneurysma  gehoben,  dann  ist  wieder  ein  schwaches  Geräusch  zu 
hören,  welches  durch  Compression  hinter  dem  proc.  mast.  schwindet;  Puls  in  der 
tempor.  und  facial.  fehlt  noch.  Da  es  wahrscheinlich  ist,  dass  in  der  Art.  cervic.  prof. 
die  Collateral-Bahn  gegeben  ist,  so  wird  eine  Nadel  unter  ihr  hindurchgefilhrt  und 
durch  umschlungene  Nath  das  Qefäss  auf  ihr  comprimirt ;  der  Effect  war  anfangs 
zufriedenstellend,  später  aber  konnte  man  durch  das  Stethoskop  ein  Geräusch  in 
der  Occipitalis  wahrnehmen.  Die  Hoffnung,  dass  die  consecutive  Entzündung  noch 
weitere  Hülfe  bringen  würde,  wurde  wirklich  realisirt,  indem  Fat.  bald  nicht  mehr 
das  Sausen  resp.  Pulsiren  wahrnahm.  Dasselbe  war  nach  V2  ^^^  <^uch  objectiv  ge- 
schwunden und  nach  Jahresfrist  noch  nicht  wiedergekehrt.  Pill  (Stettin). 

M.  Schmidt.     Mittheilungen  aus  der  chirurgiBcIien  Casuistik. 

(Arch.  f.  klinische  Chiruigie  1875.  Bd.  XVIII.  Hft.  1.  p.  186—194.) 

1.  Eztraction  eines  Fremdkörpers  aus  der  Trachea  von  oben  her. 
Ein  27jähriger  Mann  hatte  19  Monate  vor  der  Operation  ein  Knochenstück 

verschluckt,  welches,  wie  die  tracheoskopische  Untersuchung  ergab,  unter  der  Mitte 
der  Luftröhre  in  sagittaler  Richtung  sass.  Nach  wiederholten  misslungenen  Ver- 
suchen gelang  die  Entfernung  mittelst  einer  gewöhnlichen  Kehlkopfpolypenzange, 
welche  durch  die  Glottis  eingeführt  wurde  und  den  Fremdkörper  in  2  Stücken  bis 
zu  den  Stimmbändern  emporhob.  Von  hier  aus  wurde  er  mit  Leichtigkeit  aus- 
gehustet. — 

Sehr  leicht  war  die  Extraction  eines  114  Mm.  langen  Fischbeinst&bchens,  welches 
sich  ein  Mädchen  durch  eine  unterhalb  des  Ringknorpels  belegene  Trachealfistel 
behufs  Entfernung  festsitzenden  Schleims  eingeführt  hatte.  Dasselbe  erschien  bei 
jedem  Hustenstosse  in  der  Tjrachealöffnung  und  konnte  hier  leicht  gefasst  werden. 

2.  Totalexstirpation  desKehlkopfs  mit  ungünstigem  Ausgange. 
Bei  einem  56Jährigen  Viehhändler  entwickelte  sich  aus  einem  Geschwür  des 

rechten  Stimmbandes  ein  fibröser  Krebs,  der  nach  2^/2  Jahren  bereits  das  ganze 
Kehlkopfsinnere  ausfüllte  und  trotz  energischer  Aetzungen  weiter  um  sich  griff. 

Seine  Ausrottung  mit  dem  Messer  gestaltete  sich  ungewöhnlich  schwierig  durch 
eine  erhebliche  Blutung,  durch  die  Unmöglichkeit,  den  Kehlkopf  mit  Zangen  nach 
unten  zu  ziehen  und  durch  die  Schwierigkeit,  das  Knorpelgewebe  von  nachbar- 
lichem hartem  Bindegewebe  zu  unterscheiden,  welches  sich  in  Folge  einer  früheren 
Tracheotomie  um  den  Larynx  und  die  oberen  Tracheairinge  entwickelt  hatte.  Tod 
am  5.  Tage.    Keine  Section.  WiUu  Koch  (Berlin). 

Th.  Sidlo.    Ueber  einen  seltenen  Fall  von  Glottis-Stenose. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.    No.  26,  27  u.  29.) 

Ein  Infanterist  hatte  vor  Jahren  rechterseits  Bruststechen  gehabt,  spielte 
später  ein  Blasinstrument  und  erkrankte  zuletzt  an  Husten,  Heiserkeit  und  Schling- 
beschwerden. Bissen  und  selbst  Flüssigkeiten  seien  ihm  im  Halse  stecken  geblie- 
ben, hätten  Erstickungsanfälle  hervorgerufen,  bis  sie  durch  Husten  und  Brechen 
wieder  entfernt  worden.  Schmerz  sei  nie  dabei  vorgekommen.  Die  DyspnoS  stei- 
gerte sich,  Cyanose  trat  ein  und  alle  Symptome  einer  Larynxstenose.  Zugleich  war 
recente  Spitzeninfiltration  vorhanden.  Bei  Inspirationen  zeigte  sich  ein  motus  perversus 
der  Stimmbänder,  indem  diese  sich  mehr  oder  minder  beim  Inspiriren  schlössen.  Der 
Grund  lag  in  Lähmung  der  Glottiserweiterer  und  Wirkung  der  Antagonisten.  Nachdem 
andere  Behandlung,  Electricität  etc.  vergeblich  versucht  worden ,  nahm  S.  Kathete- 


/ 


vrrr 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  35.  559 

zisationen  -Tor,  und  es  gelang,  die  rima  glottidis  zu  erweitern  und  alle  Erstickungs- 
gefabr  zu  beseitigen,  in  der  Pat.  bis  dahin  beständig  geschwebt  hatte. 

Allein  Pat.  ging  dennoch  kurze  Zeit  darauf  an  Pneumonie  zu  Grunde.  Die 
Section  erwies  eine  Narbe  an  der  hinteren  Wand  des  Larynx,  wo  durch  starke 
Constriction  des  Narbengewebes  die  Aryknorpel  bis  zur  Juztapposition  an  einander 
gerückt  waren.  —  Parallelfälle  (von  Gerhardt,  Riegel  u.  A.)  werden  angeführt. 

T.  Mogengeü  (Bonn). 

Biokman.     Traumatische  Strictur  dei  Speiseröhre  beim  Kinde. 

(The  Lancet  1875.    V6L  I.  p.  583.) 

Während  neuere  englische  Schriftsteller  vom  Gebrauche  der  Schlundsonden 
zur  allmäligen  Dilatation  bei  Stricturen  der  Speiseröhre  abrathen,  fand  R.  diese 
Behandlung  bei  einem  jungen  Kinde  so  erfolgreich,  dass  er  sich  zur  Publication 
des  Falles  gedrängt  fühlt. 

Ein  vierjähriges  Mädchen  hatte  Essigsäure  genossen,  es  folgte  heftige  Hals- 
entzündung, später  erschwertes  Schlingen;  jetzt  konnten  feste  Speisen  nicht  mehr 
geschluckt  werden.  In  der  Narkose  zeigte  sich  eine ,  im  oberen  Drittel  des  Oeso- 
phagus belegene  Strictur,  die  für  eine  elastische  Schlundsonde  durchgängig  war, 
welche  nur  die  Stärke  eines  englischen  Katheters  No.  6  hatte.  Nachdem  man  an- 
fangs jeden  2.  resp.  3.  Tag  in  der  Narkose  bougirte,  wurde  spä^jsr  alle  Wochen 
einmal  eine  Schlundsonde  eingeführt ;  nach  5  Monaten  konnte  schon  No.  19  durch- 
geführt werden.  Jetzt  ist  das  früher  elende,  blasse,  abgemagerte  Kind  wohl,  frisch, 
gut  genährt  und  kann  bequem  feste  Speisen  gemessen.  Pil2  (Stettin). 

Borland.     2  Fälle  von  Stemum-Fractur. 

(The  Boston  med.  and  surg.  Journal  1875.  p.  492.) 
Bei  der  Seltenheit  dieser  PäUe  —  nach  Malgaigne  wurde  im  Pariser  H6tel- 
Dieu  innerhalb  11  Jahren  nur  1  Fall,  im  Lond,  Middlesez  Hospital  unter 
1901  F^actur  dieselbe  nur  2  mal  beobachtet  —  giebt  B.  2  eigene  Beobachtungen. 
Die  erstere  reiht  sich  den  sehr  seltenen  Fällen,  von  directer  Muskelwirkung  im 
Oebäracte  an,  von  welchem  Chaussier  2,  Compte  und  Martin,  Lucchetti 
und  Porta  je  eine  gesehen  haben;  die  letztere  entstand  angeblich  durch  Contre-coup. 

1.  Eine  unverheirathete ,  19  Jahr  alte  Person  vor  6  Tagen  normal  entbunden, 
zeigte  am  5.  Tage  ihres  Spitalaufenthaltes  eine  deutliche  Sternum-Fractur  im  unte- 
ren Theile  desselben;  die  darüber  liegende  Haut  starb  ab,  es  folgt  schlechte  Ei- 
terung und  am  12.  Tage  trat  der  Tod  ein. 

2.  Zwei  Brüder  arbeiteten  auf  einem  40'  hohen  Gerüst,  dasselbe  gab  nach,  sie 
stürzten  hinab,  beide  lagen  besinnungslos  da:  der  eine  in  vollen  Krämpfen  ohne 
weitere  Verletzungen,  am  4.  Tage  war  Pat.  wieder  wohl  auf;  der  andere  lag  mit 
vorgebeugtem  Körper  und  zeigte  eine  Vorwölbung  des  Nackens ;  es  war  das  Brust- 
bein quer  an  der  Verbindungsstelle  des  Körpers  und  HandgriJSes  gebrochen  und 
das  obere  Ende  hinter  das  untere  dislocirt.  Eine  andere  Verletzung  war  am  ganzen 
Körper  nicht  aufzufinden,  deshalb  glaubt  B.  die  Ursache  der  Fractur  in  der  Wir- 
kung des  Contre-coup  zu  sehen;  Pat.  genas.  FiLc  (Stettin). 

Wacques.    Absehe  lombaire  d^termin^  par  un  corps  ^tranger  (ealcul  ?) 

(Archives  mH.  beiges  1875.  Hft.  5.) 
Bei  der  Eröffnung  eines  unter  der  lebhaftesten  Schmerzempfindung  sich 
langsam  entwickelnden  Abscesses  in  der  rechten  Lumbaigegend,  fand  man  nach 
Abfluss  des  Eiters  in  der  Tiefe  eine  runde,  bohnengrosse  Goncretion  von  phosphor- 
saurem und  kohlensaurem  Kalk  mit  Spuren  von  Cholestearin,  Eisen  und  organischer 
Substanz ,  welche ,  zwar  unbekannten  Ursprungs ,  als  der  Ausgangspunct  der  Ab- 
scedirung  angesprochen  wird.  Am»  lilller  (Berlin). 

B.  F.  Weir.    Lumbo-Colotomy.  Stricture  of  colon. 

(New  York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXI.  Hft.  4.  p.  414.) 
Bei  einer  Frau,  die  an  einer  oberhalb  der  Mitte  des  colon  transversum  gele- 
genen Strictur  litt,  wurde  die  Lumbo-Colotomie  gemacht.    Tod  einen  Tag  später. 


560  Centralblatt  fflr  Chirurgie.    No.  35. 

Bei  einer  einige  Zeit  (wann  ?)  vor  der  Operation  vorgenommenen,  manuellen  Rec- 
talexploration war  es  möglich,  über  die  flexura  sigmoidea  aufwärts  zu  gehen  und 
mit  den  Fingerspitzen  die  rechte  Niere  zu  berühren.  Bei  der  Autopsie  fand  sich 
zwar  keine  Verwundung  des  Mastdarms,  aber  eine  bis  zum  Anfang  der  flexura 
sigmoidea  reichende  Ecchymose.  Das  Peritoneum  an  der  Uebergangsstelle  vom 
Uterus  zur  vorderen  Mastdarmwand  war  oberflächlich  eingerissen. 

Madelnng  (Bonn). 

F.   N.   Otis.     Gase  of   longstanding   grave    reflex   disturbance  asso- 

ciated  with  urethral  constrictions  etc. 

(New  York  med.  Journal  1875.    Bd.  XXI  p.  152.) 

Bei  einem  50jährigen,  an  hypertrophischer  Phimose  leidenden  Arzt  entwickelte 
sich  wahrscheinlich  nach  Follicularulceration  der  Harnröhrenschleimhaut  Urininfil- 
tration und  Fistelbildung  im  Hodensack.  Nach  5^2  jährigem  Bestehen  derselben 
Bildung  zahlreicher  Abscesse  am  Scrotum  und  Kücken  des  penis  mit  Durchbruch 
des  Eiters  nach  aussen.  Entzündliche  Paraphimosis.  Bildung  von  Urethralfisteln. 
Heftige,  hauptsächlich  Nachts  auftretende  Schmerzen,  die  vom  penis  nach  dem 
Oberschenkel  und  selbst  bis  in  die  Fersen  ausstrahlen.  Dem  aufs  Aeusserste  ge- 
schwächten Pat.  wurden  mehrfache  verengerte  Stellen  der  Harnröhre  gespalten  und 
erweitert.     Heilung  der  Abscesse.    Sofortiger  Nachlass  der  Schmerzen. 

Madelung  (Bonn). 
Bumham.    Entfernung  des  Steissbeins  wegen  Coccygodynie.   Heilung. 

(The  Boston  med.  and  surg.  Journal  1875.  p.  613.) 

Die  jetzt  44  Jahr  alte  unverheirathete  Nätherin  fiel  angeblich  im  15.  Lebens- 
jahre heftig  auf  das  Kreuz-  und  Steissbein;  der  anfangs  starke  Schmerz  mässigte 
sich  in  den  letzten  Wochen  ohne  ganz  zu  erlöschen.  Nach  etwa  4  Jahren  traten 
die  heftigsten  neuralgischen  Schmerzen  in  den  Beckenorganen ,  besonders  im 
Mastdarm  und  After  auf;  die  Defäcation  und  das  Sitzen  verursachten  viele  Schmer- 
zen. Da  innerliche  Medication  nicht  zum  Ziele  geführt,  die  Untersuchung  hoch- 
gradigste Empfindlichkeit  des  os  coccygis,  dessen  Wirbel  einen  rechten  Win- 
kel bildeten,  nachwies,  so  wurde  dasselbe  ohne  besondere  Blutung  mit  Messer  und 
Xnochenscheere  entfernt.  Nach  6  Wochen  Heilung;  die  Schmerzen  sind  gänzlich 
geschwunden,  der  After-Schliessmuskel  ist  normal  thätlg.  Das  Allgemeinbefinden 
hat  sich  wesentlich  gehoben.  Pilz  (Stettin). 

Mensel*    Eine  Sniegelenksresection  nach  Schuss Verletzung. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  20.) 

Ein  Bevolverschuss  fast  au  bout  portant  abgegeben,  war  Vi  Zoll  unter  der 
Patella  mitten  durch  das  Lig.  pat.  in  die  Tibia  eingedrungen.  Kugel  sass  fest 
eingekeilt.  Gelenk  frei  beweglich,  nicht  schmerzhaft,  ohne  Schwellung.  Im 
Gyps verband  nach  6  Tagen  Schwellung,  am  8.  Tage  Temp.  40^  und  Eiterung  im 
Schusskanal.  Am  folgenden  Tage  Resection  der  oberen  Tibia-  und  unteren  Femur- 
partie ;  Patella  und  Perone  unverletzt  gelassen.  Mit  der  Kugel  Hosenzeug  ent- 
fernt. In  der  achten  Woche  solide  Vereinigung  zwischen  Ober-  und  Unterschen- 
kel. Resectionsschnitt  quer  durch  Lig.  pat.  Verkürzung  5  Ctm.  Parallelfall  von 
V.  Nussbaum  1870  resecirt  und  von  M.  nachbehandelt,  wird  erwähnt,  wobei 
6  Ctm.    Verkürzung.  —  T.  Mogengeil  (Bonn). 

Berichtigung: 
In  Ko.  32,  p.  503,  Zeile  12  ?.  a.  lies:  Haller  statt  Koller. 

Originalmitthellungen,  Monographieep  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr,  H.  TlllmaivM^  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlung, 
Breitkopf  und  Härielj  einsenden. 

Dmek  und  Verlag  von  Breitkopf  und  Hirtel  in  Leiptig. 


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Gentralblatt 


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CHIRURGIE 


herausgegeben 


von 


Dr.  LLesser,  Dr.  I.  ScMe,  Dr.  E.  TUlmiiis 


in  Berlin. 


in  Halle  a.  3. 


in  Leipsig. 


V^-^-^W  V-- 


Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


N^36. 


Sonnabend,  den  4.  September. 


1875. 


Inhalt:  Morfon»  Amputationsatatistlk.  —  Hannover,  Endresultate  von  Gelenkresectio- 
neii.  —  Schmidy  Form  und  Mechanik  des  Hüftgelenks.  —  Forlaninl,  Foulls,  Structur 
des  Tuberkels.  —  Llebman,  Krebs  des  Gebärmntterhalses.  —  Foulls,  Structur  des 
Eierstocks.  —  Rfamer,  Argyrla.  —  Franzolinli  Carbolinjectionen.  —  v.  Schroff, 
Chininwirkungen.  —  Mora,  Seltene  Sectionsbefunde.  —  Heyfelder,  Transfusionen.  — 
GarvenS,  Iridotomie.  —  Simmont,  Schiene  für  Fracturen  der  unteren  Extremitäten.  — 
Vogt,  Fussgeienkresectionen. 

Hertz,  Ghloroxaläthylen.  —  CalattrI,  Behandlung  des  Trismus  und  Opisthotonns.  — 
Weber,  Pyämie.  —  HQter,  Intraarticuläre  Carbolinjectionen.  —  Sonnenburg,  Eplgnathus. 
—  Verneull,  Gongenitaler  Tumor  am  Boden  der  Mundhöhle.  —  Guillaumet,  Congenitale 
Cyste  in  der  Nackengegend.  —  Workman,  Osteochondrom  des  Oberkiefers.  —  BIdder, 
Vom  Narbenepithel  recidivlrender  Hautkrebs.  Diffuses,  periostales  Sarcom  der  Schädel- 
basis. —  Maberly,  Leberabscess.  —  Mö,  Drei  Fälle  von  Hydronephrose.  —  Hoath,  13  Litho- 
tomieen.  —  Willard,  Urethrotomia  ext.  —  Browne,  Ligatur  der  Carotis  communis.  — 
Goodall,  Doppelseitiges  Aneurysma  der  Art.  poplit.  —  HIrtz,  Einrenkung  von  Daumen- 
iDxationen.  —  Eidam,  Symphysenspaltung  während  der  Geburt.  —  8ts.  Marie,  Arthritis 
sicca.  —  Hutchinson,  Sectionsbefunde.  —  van  Buren,  Watteverband. 


'■^ 


T.  Morton.  Statistical  Account  of  the  cases  of  amputation 
performed  at  the  Pennsylvania  Hospital  from  Jan.  1.  1870 
to  Jan.  1.  1875;  with  a  gQ^eral  summary  of  the  Mortality 
oUowing  this  Operation  in  that  Institution  for  forty-five  years. 

(The  American  Journal  of  med.  sciences  1875.  April.) 
Von  den  152  Amputationen^  welche  von  1870 — 1874  incl.  an 
151  Pat.  vorgenommen  wurden,  endeten  41  tödtlich  (21  ß^).  116, 
darunter  1  Doppelamputation  ^  waren  primär  (innerhalb  der  ersten 
24  Stunden  ausgeführt):  81  heilten,  34  starben  (29^);  5  waren  se- 
cundär:  3  heilten,  2  starben  (40)|^j;  29  betrafen  chron.  Fälle:  23 
heilten,  6  endeten  tödtlich  (26  ^j;  2  primär  Amputirte  wurden  von 
den  Angehörigen  nach  der  Operation  mitgenommen. 

Die  Vertheilung  der  Operationen  und  Todesfälle  auf  die  einzelnen 
Gliederabschnitte  übergehen  wir,   da  sie  in  der  nun  folgenden  Ge- 

36 


562  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  36. 

sammtstatistik  der  letzten  45  Jahre  wiederkehrt.  Zu  dieser  Zusam- 
menstelhmg  benutzte  Verf.  sowohl  die  im  Americ.  Journal  veröffent- 
lichten Statistiken  von  G.  Norris  und  dessen  Angaben  in  den 
Pennsylvania  Hospital  Reports ,  als  auch  die  eigene  im  Octoberheft 
dieses  Journals  von  1870  mitgetheilte  Statistik  der  Jahre  1860 — 1870. 
Sie  umfasst  902  Amputationen  an  896  Patienten.  Hiervon 
wurden  663  geheilt,  230  starben  (25^),  3  verUessen  nach  der  Ope- 
ration das  Hospital.  618  Amput.  waren  primär:  460  heilten,  155 
starben  (25^);  95  waren  secundär:  55  heilten,  40  starben  (42^); 
183  betrafen  chronische  Fälle:  148  heilten,  35  starben  (19^).  Von 
den  230  Todesfallen  trafen  59  innerhalb  der  ersten  5  Tage,  32  zwischen 
dem  5.  und  10.,  139  nach  dem  10.  Tage  ein.  Die  Todesfdle  vertheilen 
sich  sehr  verschieden  auf  die  einzelnen  Monate,  so  zwar,  dass  auf 
Januar  11,  Februar  15,  März  15,  April  16,  Mai  27,  Juni  25,  Juli  29, 
Angust  22,  September  19,  October  21,  November  11  und  auf  De- 
cember  19  fallen. 

Verf.  glaubt,  es  hänge  dies  mit  der  Ventilation  der  Krankensäle 
zusammen,  welche  in  den  Wintermonaten  durch  die  Heizung  und 
künstliche  Luftzu-  und  Abfuhr  weit  ausgiebiger  sei,  als  im  Frühjahr, 
Sommer  und  Herbst,  wo  man  sich  nur  mit  dem  Oeffhen  der  Fenster 
begnüge.  Eine  von  E.  Richardson  ausgeführte  Zusammenstellung 
der  im  Hospital  von  1850 — 1874  incl.  überhaupt  vorgekommenen 
Todesfälle  (2015  an  der  Zahl)  habe  zudem  ergeben,  dass  Februar  und 
November  die  niedrigste  Nummer  der  Sterbefalle  tragen,  dass  die 
Sterblichkeit  von  Mai  bis  September  stets  steige,  dass  Juli  und  August 
immer  die  doppelte  Zahl  aufzuweisen  haben,  als  Februar.  [Ohne  die 
Richtigkeit  dieser  Schlussfolgerung  bezweifeln  zu  wollen,  scheint  mir 
für  eine  derartige  monatliche  Mortalitätsstatistik  die  fCenntniss  des 
monatlichen  Krankenzugangs  von  der  grössten  Wichtigkeit.     Ref.] 

Von  Interesse  ist  die  Vertheilung  der  Operationen  und  Todesfälle 
auf  die  einzelnen  Gliederahschnitte. 

6  Exarticulationen  der  Hüfte. 

(5  bei  chronischen  Leiden):  2  geheilt,  3  gestorben;  auch  die  eine 
primäre,  gestorben. 

12  1  Oberschenkelamputationen. 

49  primäre:  24  geheilt,  25  gestorben  (51  j|^);  18  secundäre:  11 
geheilt,  7  gestorben  (39 )i^);  54  bei  chronischen  Leiden:  41  geheilt, 
13  gestorben  (24^). 

33  Kniegelenkamputationen. 
(Ob  Exarticulationen  oder  Amputationen  im  Knie  ist  nicht  zu  er- 
sehen.    Ref.)  24  primäre:   16  geheilt,  8  gestorben  (33^);    2  secun- 
däre:   1  geheilt,  1  gestorben  (50^);  7  chronische:  6  geheilt,   1  ge- 
storben (17^). 

293  IJnterschenkelamputationen. 
190  primäre:   118  geheilt,  72  gestorben  (38^);  34  secundäre:    15 
geheilt,  19  gestorben  (56^);  67  chronische:  53  geheilt,   14  gestorben 
(21  ^);  2  primäre  verliessen  nach  der  Operation  das  Hospital. 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  36.  *  563 

65  Fussamputationen. 

47  primäre:  37  geheilt,  10  gestorben  (21  )|^) ;  5  secundäre:  4  geheilt^ 
l  gestorben  (20)^);  13  chronische:   12  geheilt^   1  gestorben  (8^). 

25  Schulterexarticulationen. 
19  primäre:   12  geheilt^  7  gestorben  (^1  ßi);   1  secundäre^  geheilt; 
5  chronische,  geheilt. 

138  Oberarmamputationen. 
107  primäre:  87  geheilt,  20  gestorben  (19^)  —  1  primäre  verliess 
nach  der    Operation  das  Hospital;    19  secundäre:    12  geheilt,    7  ge- 
storben (37^);   11  chronische:  9  geheilt,  2  gestorben   (18^). 
160  Vorderarmamputationen. 
127  primäre:    115  geheilt,    12  gestorben  (9^);    15   secundäre:    10 
geheilt,   5   gestorben   (33^);    18    chronische:    17   geheilt,    1    gestor- 
ben  (6^). 

3  Ellenbogenexarticulationen:  3  primäre,  geheilt. 

52  Handgelenk-  und  Handamputationen. 

48  primäre,  geheilt;   1  secundäre,   gebeut;  3  chronische,  geheilt. 

Von  881  Patienten  wird  das  Alter  notirt.  Unter  diesen  standen 
288  in  den  Jahren  unter  20.  Von  ihnen  wurden  246  geheilt,  42 
starben  (Ibßi).  259  Patienten  standen  zwischen  20  und  30  Jahren: 
193  geheilt,  66  gestorben  (25  ^);  176  Pat.  standen  zwischen  30  und  40 
Jahren:  124  geheilt,  52  gestorben  (30^);  105  Pat.  standen  zwischen 
40  und  50  Jahren:  71  geheilt,  34  gestorben  (32^);  und  53  Pat. 
waren  älter  als  50  Jahre:  28  geheilt,   25  gestorben  (47^).  — 

Lossen  (Heidelberg). 

A.  Hannover.     Fernere  Mittheilungen  über  das  Endresultat 
der  Resectionen  im  Kriege  1864  in  der  dänischen  Armee. 

(Stricker' B  med.  Jahrbücher  1875  p.  189.) 

Eingangs  der  Abhandlung  weist  H.  den  auf  dem  IQ.  Chirurgencon- 
gross  zu  Berlin  (1874)  erhobenen  Vorwurf  zurück^  als  hätten  politische 
Motive  bei  den  dänischen  Aerzten  in  Nachbehandlung  und  Beurtheilung 
des  Endresultates  der  Resectionen  eine  Rolle  gespielt.  Ebenso  wenig 
will  H.  die  seinem  absprechenden  Urtheüe  über  Gelenkresectionen  von 
von  Langenbeck  beigelegte  Allgemeinheit  anerkennen.  Die  von 
V.  L.  aus  dem  Invalidengesetze  abgeleitete  Fehlerquelle  einer  un- 
günstigen Abfassung  des  Befundes  durch  die  deutschen  Militärärzte 
im  Interesse  einer  grösseren  Unterstützung  des  Invaliden  fällt  nach 
H.  Angaben  für  die  dänischen  Berichte  zum  grössten  Theile  fort. 
Die  Nachbehandlung^  welche  erwartet  werden  kann,  muss  vor  der 
Resection  in  gleicher  Weise  berücksichtigt  werden,  wie  etwa  die  in- 
dividuellen Verhältnisse  für  hohe  oder  tiefe  Unterschenkelamputation 
Berücksichtigung  verlangen.  Eine  Art  progressiver  Muskelatrophie 
als  Ursache  eines  ungünstigen  Ausfalles  hält  JEI.  gegenüber  von  Lan- 
genbeck aufrecht. 

36» 


564 


Centxalblatt  für  Chirurgie.    No.  36. 


Berichte  über  15  Schulterresectionen ,  16  Ellenbogenresectionen, 
1  Knieresection  ^  3  Fussgelenkresectionen^  die  bis  in  die  neueste 
Zeit  verfolgt  sind,  folgen.  Erwähnenswerth  ist  ein  Sectionsbefund 
nach  Resection  des  rechten  Schultergelenks,  mit  Bildung  eines  Ge- 
lenkes zwischen  dem  Humerusende  und  einem,  in  die  Sehne  des 
Subscapularis  eingeschalteten  Knochenstückchen.  Ranke  (Halle). 


P.  Schmid.     Ueber  Form  und  Mechanik  des  Hüftgelenkes. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 
Die  dem  Verf.  von  Aeby  empfohlene  Methode  der  Untersuchung 
bestand  darin,  dass  in  einer  Wachstafel  ein  dem  zu  messenden  Umriss 
beiläufig  entsprechender  Ausschnitt  gemacht  wurde,  dessen  erweichter 
Rand  dann  durch  Andrücken  an  den  Schenkelkopf  in  der  gewählten 
Ebene  einen  genauen  Abdruck  der  betreffenden  Begrenzungslinie 
darstellte;  letzterer  konnte  nach  dem  Erhärten  des  Wachses  leicht 
auf  Papier  übertragen  werden.  In  einem  einzigen  Falle  (unter  21) 
war  der  Kopf  ein  reiner  Kugelabschnitt«  in  allen  andern  Fällen  ein 
ElUpsoid,  welches  entsteht,  wenn  ein  Kreissegment  sich  um  eine  (hier 
naliezu  horizontal  gestellte]  Achse  dreht,  welche  nicht  durch  das 
Centrum  des  zu  dem  Segmente  gehörigen  Kreises  fallt;  und  zwar  hat 
der  Rotationskreis  bei  Erwachsenen  einen  kürzeren,  bei  Kindern  einen 
längeren  Radius,  als  das  rotirende  Kreissegment ;  die  kindliche  Form 
des  Femurkopfes  muss  somit  durch  die  reine  Kugelform  in  die  Form 
des  erwachsenen  übergehen,  und,  wie  es  scheint,  ziemlich  frühzeitig, 
wenigstens  stammte  der  eine  kugelförmige  Schenkelkopf,  den  S.  fand, 
von  einem  dreijährigen  Kinde.  Diese  Formveränderung  ist  wahr- 
scheinlich durch  die  Function  bedingt,  denn  die  Rotationsachse  des 
EUipsoids  fällt  mit  der  Drehungsachse  des  Kopfes  bei  Beugung  und 
Streckung  zusammen.  Die  Details  der  Arbeit,  namentlich  die  ge- 
fundenen Maasse  können  hier  nicht  wiedergegeben  werden.  Die 
Messungen  der  Hüftpfanne  ergaben,  dass  ihre  Oberfläche  beim  Er- 
wachsenen der  des  Gelenkkopfes  fast  vollständig  congruent  ist,  der 
Unterschied  ist  so  gering,  dass  er  durch  die  Elasticität  ausgeglichen 
werden  kann ;  wenn  die  Rotationsachse  des  Kopfes  und  der  Pfanne 
zusammenfallen  (also  in  der  Ruhelage,  bei  der  Beugimg  und  Strek- 
kung),  findet  eine  vollkommene  Berührung  der  Oberflächen  von  Kopf 
und  Pfanne  statt.  Eine  andere  Reihe  von  Versuchen  erwies  neuerdings, 
dass  der  Luftdruck  allein  hinreicht,  den  Gelenkkopf  in  der  Pfanne 
zu  erhalten,  um  die  ganze  Last  der  Extremität  zu  tragen.  Li 
S.'s  Versuchen  betrug  das  Maximum  der  so  getragenen  Belastung 
18  Kilogr.  «ersimy  (Wien). 

C.  Forlanini.      Sulla    struttura    del    tubercolo     (Vorläufige 

Mittheilung). 

(Annali  univ.  di  Medic.  e  Chir.  1875  Gennajo.) 
F.,    Prosector   Assistent  am  Ospitale  maggioxe  in  Mailand,    ist 
durch  viele  Untersuchungen  über  die  Structur  und  Entwicklung  des 


I      I     JPIIU"!        fx't 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  36.  565 

Tuberkels  zu  folgenden  Resultaten  gekommen :  Jeder  Tuberkel  besteht 
ursprünglich  aus  einem  granulirten  Protoplasmaklumpen  mit  zahl- 
reichen Kernen.  Dieser  Klumpen  wächst  durch  Zunahme  des  Pro- 
toplasma's  und  durch  Vermehrung  der  Kerne.  Gleichzeitig  geht  an 
der  Peripherie  der  Masse,  als  regressive  Metamorphose,  eine  reichliche 
Alveolenbildung  vor  sich.  Das  Schlussresultat  ist,  dass  man  an  der 
Peripherie  des  Tuberkels  ein  protoplasmatisches  Beticulum,  in  der 
Mitte  einen  von  Alveolenbildung  frei  gebliebenen  Protoplasmaklumpen 
mit  Kernen,  die  sogen.  Kiesenzelle  vorfindet. 

In  manchen  Fällen  ist  die  Alveolenbildung  spärlich,  die  Kem- 
wucherung  reichUch  (Lungen)  und  man  findet  dann  ein  zartes  Reti- 
culum  oder  gar  keines ;  in  andern  Fällen  hat  man  schöne  grosse  Al- 
veolen d.  i.  ein  gut  ausgebildetes  Netzwerk  mit  spärlichen  Kernen 
(Lymphadenom  Wagner)  und  in  manchen  Fällen  soll  das  Protoplasma 
des  Keticulum  zu  grossen  epithelioiden  Zellen  auswachsen. 

Was  den  Ort  der  Entstehung  der  primären  Protoplasmaklumpen 
betrifft,  so  glaubt  F.,  dass  sie  in  einigen  Fällen  im  Lumen  von 
Blutgefässen  (Schüppel),  in  andern  Fällen  in  Lymphgefässen  ihre 
Entstehung  haben  könnten.  Verf.  hofft  in  Bälde  gründlicheren  Auf- 
schluBs  hierüber  geben  zu  können.  Menzel  (Triest). 


Foulis.     A  study  of  tubercle. 

(The  Glasgow  Medical  Journal  1875.  July.) 

Verf.  studirte  im  Laborat.  von  Prof.  Stricker  in  Wien  die 
Tuberkelfrage  experimentell,  indem  er  bei  Meerschweinchen  und 
Kaninchen  theils  in  die  Bauchhöhle,  theUs  in  die  Lungen  Injectionen 
von  mit  Wasser  zerriebenen  tuberkulösen  Lungen,  von  Mischungen 
fein  pulverisirten  Korkes  mit  Wasser,  von  serös-blutiger  Flüssigkeit 
normaler  Thiere  und  von  Zinnober-Mischung  machte,  und  gelangte  zu 
dem  Resultate,  dass,  wenn  man  die  Periotonealoberfläche  mit  solchen 
Flüssigkeiten  in  Contact  bringt,  welche  Zellen,  Detritus,  Zinnober 
etc.  enthalten,  innerhalb  3  Wochen  eine  diffuse  Eruption  weisser 
Knötchen  entsteht,  welche  nicht  von  Miliartuberkeln  zu  unterschei- 
den wären.  Diese  Knötchen  bestehen  hauptsächlich  aus  rapid  vom 
Peritoneal-Endothel  sich  entwickelnden  Zellen,  sind  Entzündungs- 
producte  und  unterscheiden  sich  von  der  gewöhnlichen  entzündlichen 
Hyperplasie  nur  durch  den  Mangel  an  Blutgefässen.  Sie  sind  zu- 
sammengesetzt aus  Zellen  verschiedenster  Grösse  nnd  gelingt  es  in 
ihnen  die  den  Beiz  ausübenden  Partikelchen  der  Injectionsflüssigkeit, 
falls  es  ihre  Natur  gestattet  (Zinnober)  eingeschlossen  zu  finden. 
Dagegen  erstreckt  sich  die  Eruption  dieser  Knötchen  nur  so  weit, 
als  ein  Contact  mit  den  reizenden  Partikelchen  möglicherweise  statt- 
gefunden haben  kann.  Besondere  Elemente  in  den  Tuberkelknötchen 
giebt  es  nicht,  sie  bestehen  aus  Zellen  jeglicher  Art.  In  Fällen,  wo 
die  Tuberkulose  allgemein  wird;   handelt  es  sich  (falls  sie  nicht  in 


i 


566  Centtalblatt  tat  Chirurgie.    No.  36. 

der  BuccessiveD  Veränderung  der  Z eilen thatigkeit  der  Organe  Hegt) 
um  eine  metaBtatische  Entzündung.  —  Aus  der  nach  Zinnober- Inj ection 
reeultirenden  Tuberkulose  ergiebt  sich  die  Nichtspecifität  der  Tuber- 
kel. —  Es  ist  deihgemäss  der  Tuberkel  das  Resultat  einer  localen 
Entzündung,  welche  in  gewissen  Zellen  [Endothel),  deren  Vitalität 
gestört  ist,  angefacht  wird.  Der  Grund  dieser  gestörten  Vitalität  liegt 
in  einer  Reizung  der  Zellen  durch  solide  Fartikelchen  oder  durch  die 
Zellen  heterogener  Flüssigkeiten.  Die  Tuberkel  zer&llen  meistens  aus 
Mangel  an  Vascularisation ,  obgleich  sie  auch,  wie  nicht  selten  ge- 
schieht, durch  Absorption  verechwinden  können..  Dass  der  »Zerfall«  in 
der  Natur  der  Tuberkel  liege,  muss  entschieden  geläugnet  werden. 
Mu-Ckmld  (Berlin). 

C  Liebman.     Cenni  clinici  intorno  ai  primi  stadf  del  cantro 

del  collo  uterino. 

(Oioraale  Veneto  1875.  Aprile.j 

Verf.  weist  nach,  wie  der  Krebs  viel  öfter  als  angenommen  wird, 
im  Inneren  des  Cervicalkanals  (am  innem  Muttermund)  seine  Ent- 
stehung nehme  und  von  da  erst  später  auf  den  äussern  Muttermund 
und  die  Vaginalportion  sich  ausbreite.  —  Es  folgen  4  Krankenge- 
schichten von  Fällen,  in  welchen  L.  diese  Entstehungsart  beobachten 
konnte.  Der  3.  Fall  ist  besonders  interessant  durch  die  Schwierigkeit, 
die  er  der  Diagnose  darbot.  Weder  durch  Betastung  noch  durch 
blosse  Besichtigung  der  Vaginalportion  und  des  äusseren  Muttermundes 
wäre  es  in  diesem  Falle  möglich  gewesen  die  Diagnose  auf  Krebs  zu 
stellen. 

Verdächtig  war  das  übelriechende  Secret,  femer  der  Umstand, 
dass  die  Sonde  über  dem  äussern  Muttermunde,  entsprechend  dem 
Cervicalkanal  eine  geräumige  Höhle  constatirte ;  Sicherheit  rer- 
schafi^e  erst  die  Untersuchung  eines  mit  dem  I^öffel  aus  dem  Cervi- 
calkanal herausbeförderten  Stückchens.  Heniel  (Triest). 


Foulis.      Die  Stnictur  des  Eierstocks  in  Bezug  auf  gewisse 
Erkrankungen  desselben. 

(British  med.  Joum.  1876.  Vol.  I.  p.  841.) 
Während  nach  Waldeyer  ein  genetischer  Unterschied  zwischen 
primordialem  Ei  und  FollicuWepitbel  nicht  besteht,  lässtF.,  gestützt 
auf  eigene,  mehijährige  Untersuchungen,  das  Epithel  der  Follikel  vom 
Bindegewebe  des  Ovarialstroma  abstammen  (?) ,  Wie  F.  weiterhin  die 
Bildung  der  Graafschen  Follikel  aus  den  Fflüger'schen  Schläuchen 
in  der  von  Waldeyer  angegebenen  Weise  von  der  Hand  weist, 
seine  eigenen  Ansichten  unter  Beibringung  histologischer  Details  dar- 
legt, darüber  veigl.  das  Original.  —  Was  nun  die  pathologische  Cy- 
stenbildung  anlangt,  so  b^inne  diese  im  GraaFschen  Follikel  durch 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  36.  567 

excessive  Secretion  der  Epithelien.  Dieser  »Ueberausdehnung«  folge 
dann  eine  verbreitete  Cyetenbildung.  Die  Sarcome  bilden  sich  nach 
den  Untersuchungen  des  Verf.,  durch  excessive  Proliferation  sowohl 
der  die  Cyste  auskleidenden  Epithellagen,  als  auch  der  Bindegewebs- 
körper;  und  gerade  die  Proliferation  der  Epithelien  könne  diagnos- 
tisch zum  Nachweise  eines  bestehenden  Ovarialsarcoms  benutzt  wer- 
den, wenn  solche  in  der  durch  Punction  entleerten  Flüssigkeit  sich 
finden  (?).  Als  Bel^  führt  er  ausführlich  2  Fälle  an  in  welchen 
aus  obigem  Befunde  (es  handelte  sich  um  spontane  -Berstung  von 
Ovarialcysten,)  die  Diagnose  intra  vitam  gestellt  und  durch  die  Section 
bestätigt  werden  konnte  (?).  Pü»  (Stettin). 


B.  Biemer.     Ein  Fall  von  Argyria. 

(Arch.  d.  Heilkunde  1875.  16.  Jahrgang.  Hft.  4.  p.  296—326.) 

Ein  43jähriger  Mann  erhielt  im  Laufe  von  2  Jahren  wegen  Tabes 
34^032  Grm.  Argent.  nitric.  in  Pillenform;  es  hatte  sich  eine  Grau- 
färbung fast  der  ganzen  Hautoberfläche,  besonders  im  Gesicht  einge- 
stellt. Er  starb  schnell  an  einem  Lungenleiden.  Fast  in  allen  in- 
neren Organen  fand  sich  stellenweise  Silberfarbung  ^  wo  sich  Binde- 
gewebe zu  stärkeren  Lagen  oder  Membranen  formirt.  Besonders  stark 
war  die  Silberablagerung  in  der  Haut^  und  diese  unterzog  Verf.  einer 
genauen  Untersuchung.  In  dem  Bindegewebe  des  Corium,  besonders 
in  der  Umgebung  der  kleinen  Blutgefässe  und  in  den  Scheiden  der 
Schweissdrüsenknäuel  fand  sich  das  Silber  in  zahlreichen  Körnchen 
abgelagert;  die  Epidermiszellen  in  allen  Schichten  waren  frei^  ebenso 
die  Lymphgefasse ;  es  lag  nirgends  in  oder  zwischen  Zellen^  auch  nicht 
zwischen  den  Endothelzellen  der  Blutgefässe^  sondern  in  deren  Adventitia ; 
wie  überhaupt  das  Silber  nur  dem  Bindegewebe  und  den  dem  Binde- 
gewebe angehörigen  homogenen  Membranen  ein-  oder  angelagert  war. 
Verf.  nimmt  an,  dass  das  Silber  in  rein  mechanischer  Weise  als  reducirtes 
Metall  von  den  Blutgefässen  abgelagert  wird,  besonders  in  den  Se- 
cretionsgebieten  der  Haut,  aber  die  Epidermisschicht  nicht  passiren 
kann  und  daher  unterhalb  derselben  liegen  bleibt.  Auf  die  Begrün- 
dung dieser  Ansichten,  sowie  auf  die  Beschreibung  der  detaillirten 
Untersuchungen  der  verschiedensten  Hautpartieen  kann  hier  nicht 
näher  eingegangen  werden.       A«  Bidder  (Mannheim). 

F.  Franzolini.     Contributo  alla  storia  delle  applicazioni  delP 

acido  fenico  in  terapie  chirurgica. 

(Giornale  Veneto  1 875.  Aprile.) 

In  einem  Falle  von  Synovitis  hyperplastica  granulosa  wurden  von 
F.  nach  Versuch  der  verschiedenartigsten  Mittel  (Gewichtsextension 
etc.)  Injectionen  von  Carbolsäure  vorgenommen.  Trotz  der  hohen 
Concentration  (33 — 50^),  in  der  die  Einspritzungen  lauwarm  in  die 
Gelenkhöhle   vorgenommen  wurden,    zeigte   sich    nie   die   geringste 


568  Centralbhtt  fflr  Chtrargie.    No.  36. 

Keaction;  im  Gegeotbeil,  es  fand  nach  jedesmaliger  Einepiitzung 
(12 — 25  Ctgrm.  Sauie)  eine  vollkommene  Remission  der  Schmelzen 
statt,  welche  1 — 2  Tage  anhielt  und  dem  Kranken  hei  weitem  an- 
genehmer war,  als  die  durch  Morphin  inj  ectionen  bewirkte  Schmerz- 
linderang.  Gleichzeitig  wurde  die  locale  Affection  von  Tag  zu  Tag 
besser.  Der  Kranke  erlag  jedoch  einer  ausgebreiteten  Lungen-  und 
Darmtuberkulose.  Heniel  fTriest). 

C.  T.  Schroff.     Beitrag  zur  Kenntniss  der  Chininwirkung. 

(Stiicker's  med.  Jahrbflcher  1875.  p.  IT5.J 
Die  Herabsetzung  der  Beflexerregbarkeit  durch  Chiningaben,  wie 
sie  von  Fröschen  bekannt,  und  entweder  als  Erregung  der  Reflex- 
hemmungscentren  (Chap^ron)  oder  als  secundäre  Störung  in  Folge 
der  Herzlähmung  (Meihuizen,  Heubach)  gedeutet  ist,  untersuchte 
S.  an  Kaninchen  und  Hunden,  denen  er  das  Gehirn  in  der  Höhe 
des  vorderen  Randes  des  Pons  durchtrennte,  nachdem  durch 
Chininvergiftung  die  ßeäexerregbarkeit  derselben  entschieden  her- 
abgesetzt war.  Da  nun  die  ßeflexenegbarkeit  nach  Abtrennung  des 
GroBsbims  nicht  zunahm,  kann  diese  Chininwirkung  nicht  auf  der 
Erregung  der  Hemmungscentren  beruhen,  und  hat  somit  die  Cha- 
p^ron'sche  Theorie  wenigstens  für  Warmblüter  keine  Geltung. 

In  Betreff  der  Frage,  ob  die  Herabsetzung  eine  primäre  oder  se- 
cundäre in  Folge  mangelhafter  Versorgung  der  Centmlorgane  mit 
Blut  sei,  weist  S.  darauf  hin,  dass  zu  der  Zeit,  wo  die  Reäexerreg- 
barkeit  der  Vasomotoren  bis  auf  ein  Minimum  herabgesetzt  ist,  die 
Herzthätigkeit  zwar  weniger  &equent  ist,  aber  in  ihrer  Energie  keine 
Verminderung  erkennen  lässt. Bänke  (Halle). 

A.  Hora.    II  Laboratorio  e  Gabinetto  patologico  dello  Spedale 
maggiore  di  Bergamo. 

(Annali  univeriaU  di  medicina  e  chinigia  1615.  Oeuuajo.) 
Unter  diesem  Titel  werden  zunächst  die  wichtigsten  anatomischen 
Präparate   des   Spitals   zu  Bergamo  mit  klinischen  Erörterungen  ver- 
öffentlicht. 

I.  Der  erste  Fall  betrifft  eine  cystische  Degeneration  einer  Niere 
bei  einem  Manne,  welcher  gleichzeitig  an  Paraplegie  litt.  Der  Lum- 
bartheil des  Rückenmarks  fand  sich  in  gelber  Erweichung.  Es  wird 
nun  die  Frage  erörtert,  ob,  wie  die  klinische  Anamnese  es  annehmen 
liesse,  die  Myelitis  secundär  zu  der  Nierendegeneiation  hinzugetreten 
sei ;  mit  andern  Worten,  oh  die  Myelitis  durch  eine  progressive  Ent- 
zündung der  Reikalnerven  angefacht  worden  sei.  Ohne  in  diesem 
Falle  eine  sichere  Entscheidung  treffen  zu  können,  liegen  doch  Fälle 
(von  Leyden  und  Kussmaul)  vor,  wo  zweifellos  die  Rückenmarks- 
erweichung von  Leiden  des  Urogenitalsystems  ausging. 

II.  Der  zweite  Fall  gehört  zu  den  Seltenheiten,     Es  handelt  sich 


Centralblatt  fAr  Chirurgie.     No.  36.  569 

um  ein  weiches  Kieinspindelzellensarcom^  welches  sich  primär  in  den 
Lungen  entwickelte. 

in.  Im  dritten  Fall  handelte  es  sich  um  ein  Myom  der  Darm- 
muscularis^  welches  Invagination  des  Darmes  und  Ileus  zur  Folge 
hatte.  Es  stiess  sich  eine  42  Ctm.  lange  Darmschlinge  (invaginirt) 
mit  dem  Myom  gangränös  per  anum  ab  und  der  Fall  endete  mit 
völliger  Genesimg. 

IV.  Im  Fall  IV  fand  sich  bei  einem  an  Pellagra-Marasmus  ver- 
storbenen Individuum  ein  kirschgrosses  Elfenbein-Osteom  in  der  Dura 
mater  über  dem  sinus  falciformis.  Memel  (Triest). 


O.  Heyfelder.     Zur  Lehre  von  der  Transfusion. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 
(Vergl.  Centralbl.  f.  Chir.  1874.  No.  35  u.  1875  No.  32.) 

H.  berichtet  über  sechs  von  ihm  ausgeführte  directe  Transfu- 
sionen von  Arterie  zu  Vene ;  4  davon  mit  Lammblut^  und  zwar  2  bei 
vorgeschrittener  Tuberkulose  ^  wobei  einmal  länger  dauernde  ^  einmal 
rasch  vorübergehende  Besserung  erzielt  wurde,  die  beiden  anderen 
nach  abgelaufenem  Typhus^  und  zwar  in  dem  einen  Falle  wegen 
Anämie  und  EnteroheÜLOsis  mit  rasch  vorübergehender  Besserung^  in 
dem  anderen  wegen  Anämie  und  Drüseneiterungen  mit  darauf  folgender 
Heilung.  Die  beiden  letzten  Transfusionen  wurden  mit  Menschenblut 
gemacht  9  mittelst  directer  Ueberleitung  des  Blutes  aus  der  Art.  bra- 
chialis  in  eine  Armvene.  In  dem  einen  Falle  (fortschreitende  Lun- 
gentuberkulose) wurde  dauernde  Besserung,  in  dem  anderen  (hoch- 
gradige Anämie)   Heilung  erzielt. 

Die  Verletzung  der  Blutspender  heilte  beide  Male  rasch. 

H.  sucht  bei  jeder  Transfusion  von  Arterie  zu  Vene  den  Blut- 
strom durch  rhythmische  Compression  des  Ueberleitungsrohres  zu  ver- 
langsamen ,  um  allzustürmische  Reaction  zu  verhüten.  Nur  in  dem 
letzten  Falle  trat  Hämaturie  ein^  in  den  übrigen  nicht. 

H.  empfiehlt  auch^  vor  der  Transfusion  Darm  und  Blase  des 
Blutempfangers  zu  entleeren^  weil  sonst  während  oder  gleich  nach  der 
Operation  unwiderstehlicher  Stuhl-  und  Harndrang  auftrete. 

Gersuny  (Wien). 

E.  H.  Garvens.     Ueber  die  Iridotomie. 

Manchen  1874.    Th.  Ackermann. 

Nach  einem  längeren  historischen  Ueberblicke^  der  mit  Mau- 
chart's  Bericht  über  die  von  ihrem  Erfinder  Thomas  Woolhouse 
Diaeresis  genannte  Operation  beginnt^  kommt  der  Verf.  zu  dem 
eigentlichen  Anlasse  seiner  Abhandlung ,  zu  einer  Monographie 
V.  Weck  er 's  über  Iridotomie  (Extrait  des  Annales  d'OcuIistique.  Sep- 
tembre^  Octobre  1873).  —  v,  Wecker  unterscheidet  die  einfache  und 


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570  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  36. 

doppelte  Iridotomie ;  die  einfache  wird  bei  vorhandener  Linse  als  rein 
optische^  nur  zum  Zwecke  der  Pupillenbildung  ausgeführt  bei  Schicht- 
staar^  centralen  Homhautflecken  und  adhärirenden  Leucomen,  wenn  die 
Scheerenpincette  noch  durch  die  freigebliebene  Pupillaröffiiung  durch- 
zuführen ist.  Mit  seinem  couteau  k  arr^t  macht  er  eine  innen  4 
Mm.  grosse  Homhautwunde,  durch  welche  seine  Scheerenpincette  ein 
und  mit  einer  Branche  unter  den  gegenüberliegenden  Fupillarrand 
geführt  wird ;  ein  kräftiger  Scheerenschlag  stellt  dann  die  gewünschte 
Oeffhung  her.  Der  Vortheil  der  Operation  besteht  in  diesem  Falle 
erstens  in  der  Kleinheit  der  künstlichen  Pupille  und  zweitens  darin^ 
dass  die  Homhautwunde  nicht  vor  derselben  liegt^  sie  also  nicht  durch 
etwaige  Trübung  beeinträchtigt. —  Die  doppelte  Iridotomie  wird  bei  nicht 
mehr  vorhandener  Linse  und  Pupillarverschluss  gemacht;  das  Messer 
durchbohrt  mit  der  Cornea  auch  die  Iris,  deren  Wunde  die  eine  Branche 
der  Scheerenpincette  zur  Ausführung  eines  einfachen  oder  doppelten 
Schnittes  aufzunehmen  hat;  es  wird  hierbei  ausser  der  optischen  auch 
eine  antiphlogistische  Wirkung  angestiebt.  —  Specieller  werden  vier 
von  Kothmund'operirte  Fälle,  die  der  Verf.  beobachtet  hat,  unter 
Abbildung  der  erzielten  Pupillen  mitgetheilt;  eine  Tabelle  bringt 
dann  eine  Uebersicht  von  sämmtlichen  15  Iridotomieen,  theils  ein- 
fachen, theils  doppelten,  die  Rothmund  bisher  ausgeführt  hat;  ob 
die  Kesultate  gegenüber  denen  concurrirender  Operationen  sehr  ver- 
lockend sind,  wagt  Ref.  nicht  zu  entscheiden.  —  Anhangsweise  erwähnt 
Verf.  neue  Indicationen ,  die  v.  Wecker  in  den  Annales  d'Oculi- 
stique.  Tome  LXXI  für  die  Iridotomie  nachträglich  aufgestellt  hat. 
V.  Wecker  räth,  Nachstaare,  die  für  die  Nadeldiscision  zu  dick  sind, 
mittelst  Iridotomie  double  zugleich  mit  dem  sphincter  iridis  einzu- 
schneiden; letzterer  soll  bei  der  Retraction  den  fast  immer  angewach- 
senen Nachstaar  in  günstiger  Weise  dislociren.  Weiter  ersetzte 
V.  Wecker  in  einem  Falle  die  Iridectomie  vor  einer  Discision  durch 
die  Iridotomie ,   ohne   dass  während  der  drei  Monate  dauernden  lin- 

senresorption  das  Auge   eine  Injection  gezeigt  hätte. 

Fränkel  (Chemnitz). 


W.  Simmons,     Description  of  a  splint  for  combined  Sus- 
pension  and  Extension    in  the  treatment  of  firacture  of  the 

lower  extremity. 

(The  American  Journal  of  med.  Bciences  1875.   April.) 

Der  durch  eine  Abbildung  veranschaulichte  Apparat  besteht  aus 
2  schmalen,  seitlichen,  in  der  ganzen  Länge  des  Beines  herablaufenden 
Holzschienen,  zwischen  welchen  das  Glied  auf  2  oder  mehreren  breiten 
ßindenstreifen  ruht.  Unten  tragen  die  Schienen  ein  unbew^liches 
Fussbrett,  in  dessen  oberes  Ende  eine  dritte,  dickere  Schiene  beweglich 
eingefügt  ist,  welche  über  die  Rückenfläche  des  Beines  bis  nach  oben 
reicht.    An  dieser  starken,  von  2  langen  Ausschnitten  unterbrochenen 


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Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  36.  571 

Schiene  sind  die  beiden  seitlichen  mittelst  zweier  Drahtbogen  in  der  Weise 
suspendirt^  dass  jeder  Bogen  in  einer  beweglichen  Rolle  hängt,  welche 
sich  in  dem  betreffenden  länglichen  Ausschnitt  je  nach  der  Richtung  des 
Zuges  hin  und  her  bewegt. 

Der  ganze  Schienenapparat  wird  durch  eine  feste  Schnut  schwebend 
an  der  Zimmerdecke  oder  an  einem  das  Bett  überragenden  Galgen 
befestigt.  Diese  Schnur  läuft  durch  2  an  den  Enden  der  Rücken- 
schiene befindliche  Ringe  und  zieht^  sobald  der  Aufhängepunkt  gegen 
das  Fussende  hin  verlegt  ist^  den  ganzen  Apparat  und  mit  ihm  das 
suspendirte  Bein  nach  abwärts.  Die  Contraextension  wird  durch  die 
Schwere  des  Körpers  vermittelt. 

[Der  als  neu  beschriebene  Apparat  ist  nichts  anderes ,  als  eine 
complicirte  Nachahmung  der  Schiene  von  Smith^  die  dem  Erfinder 
unbekannt  zu  sein  scheiot.     Ref.]  Lossen  (Heidelberg). 


Vogt.     Ueber  ßesection   des  Fussgelenkes   wegen  Ankylose 

in  fehlerhafter  Stellung  des  Fusses. 

(Dissertation.    Jena  1875.) 

Ein  Mal  wegen  Eq^uinusstellung  nach  Polyarthritis  rheumatica, 
in  einem  zweiten  Falle  wegen  Flexions-,  Adductions-  und  Supinations- 
Stellung  nach  Mascbinenverletzung  wurden  die  mit  einander  ver- 
wachsenen drei  Knochen  des  Fussgelenkes  in  toto  entfern t^  so  zwar, 
dass  ein  2  Ctm.  hohes  Knochenstück  (1  Ctm.  vom  Unterschenkel, 
1  Ctm.  vom  Talus]  herausgesägt  wurde.  —  Ried  machte  einen 
L -Schnitt,  den  verticalen  Schenkel  hart  hinter,  den  horizontalen  untet 
den  Malleolen.  Dann  wurde  zunächst  im  grössten  Breitendurchmesser 
der  Malleolen  und  femer  dicht  unter  dem  Malleolus  internus  je  ein 
transversaler  Bohrkanal  angelegt,  von  welchen  aus  mit  der  Stichsäge 
horizontal  nach  vom  und  hinten  gesägt  würde.  Lagerung  des  flec- 
tirten  Gliedes  auf  die  Aussenseite;  Cerat-Charpie.  Nach  3  Wochen 
fester  Verband.     In  beiden  Fällen  gutes  functionelles  Resultat. 

Bapprecht  (Halle). 

Kleinere  Mittheilungen. 

A.  Herts.    Das  Chloroxaläthylen. 

Inaug.-Diss.    Bonn  1875. 

Verf.  hat  auf  Veranlassung  von  Prof.  Binz  das  von  Wallach  dargestellte 
Chloroxal&thylen  (C6HgClN2)  in  seinen  Wirkungen  auf  den  Organismus  un- 
tersucht. Es  wurde  das  leicht  lösliche  salzsaure  Salz  der  Base  in  schwach  alkali- 
scher Lösung  verwandt.  Chemisch  ist  der  Stoff  den  Alkaloiden  der  Nicotingruppe 
ähnlich  ;  toxisch  ist  es  ein  Gift  rein  narcotischer  Art,  das  zuerst  die  Nerrencentren, 
absteigend  auch  die  peripheren  Nerven  und  wahrscheinlich  auch  die  Muskeln  lähmt. 
Es  steht  in  seinen  Wirkungen  dem  Coniin  nahe,  lähmt  die  Ceniralorgane  schneller, 
die  peripheren  Nerven  langsamer,  als  dieses.  Nicotin  wirkt  viel  energischer  und 
verschieden.  Kaninchen  und  Hunde  werden  in  ihrem  Allgemeinbefinden  wenig  be- 
einflusst,  Frösche  und  Katzen  leicht  getödtet.  Genauere  Prüfung  der  Wirkungen  auf 
einzelne  Bahnen,   die    motorische  und  die   sensible  Sphäre  der  Nerven,   auf  die 


572 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  36. 


Muskel-  und  die  Herzth&tigkeit  folgt.  —  Im  Harn  ist  der  Stoff  nach  subcutanen 
Injectionen  schnell  nachweisbar.  — 

Für  therapeutische  Zwecke  ist  vor  der  Hand  noch  kein  fester  Anhaltepunkt 
gewonnen.  (v.  Mosengcll  Bonn). 

Ii.  OalaBtri»     Caso  di  tetano  parziale  traumatico  successivo  ad  emor- 

Tofilia.  Guerigione  con  mezzi  meccanici. 
(Gaz.  med.  ital.  Lombardia  1875.  No.  27.) 
Ein  17jähriger  Bauembursche  wurde  wegen  Hämophilie  in's  Spital  aufgenom- 
men. Derselbe  hatte  gleichzeitig  Nasen-,  Nieren-,  Magen-  und  Darmblutungen 
und  blutete  ausserdem  aus  einer  kleinen  Wunde  an  der  grossen  Zehe.  Nach  Hei- 
lung der  Hämophilie  entwickelte  sich  eine  auffällige  Starre  der  Nackenmuskulatur 
und  Trismus.  Als  nach  8  Tagen  dieser  Zustand  fortdauerte,  machte  C.  forcirte 
Bewegungen  des  Kopfes  und  sperrte  den  Mund  mit  Gewalt  durch  einen  Mund- 
spiegel täglich  auf.  Nach  zwei  Wochen  lang  fortgesetzten  Uebungen  war  der 
Kranke  geheilt.  (In  Folge  der  Uebungen?!    Ked.)  Menzel  (Triest). 

N.  Weber.     Three  cases  of  pyämia  and  one  of  acute  general  miliary 
tuberculosis  complicated  with  pyämia.   (Clin,  society  of  London.) 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Mai  22.  p.  564.) 
Bei  den  4  Fällen  führte  eine  Erkrankung  des  Schlundes  zu  einer  Affection 
des  mittleren  Ohres,  und  von  hier  aus  erfolgte  die  AUgemeininfection.  Der  letzte 
Fall  betrifft  einen  10jährigen  Knaben,  der  nach  einer  Otitis  media  mit  käsigen 
Ablagerungen  an  allgemeiner  acuter  Miliartuberkulose  starb.  Die  Section  ergab 
ausserdem  pyämische  Leberabscesse.  Bänke  (Halle). 

O.  Hüter.    Zur  Anwendung  der  intraarticulären  Carbolinjectionen  bei 
perforirenden  Gelenkwunden,  insbesondere  des  Kniegelenkes. 

(Deutsche  Zeitschrift  f  Chirurgie  Bd.  V.) 
H.  hat  in  einem  neuen  Falle  yon  perforirender  Kniegelenkswunde  die  Heilung 
unter  Anwendung  intraarticulärer  Injectionen  einer  zweiprocentigen  CarboUösung  er- 
folgen sehen.  Die  Injectionen  wurden  nicht  durch  die  Wunde  gemacht,  um  dieselbe 
nicht  zu  irritiren,  sondern  an  den  am  stärksten  geschwollenen  und  schmerzhaften 
Stellen  des  Gelenkes,  und  zwar  mit  der  Pravaz'schen  Spritze  (1—3  Spritzen  toU 
auf  einmal).    Details  über  den  Verlauf  des  Falles  fehlen.       Oersnny  (Wien). 

Sonnenburg.    Ein  FaU  von  Epignathus.     Operation.     Heilung. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 

Träger  der  Geschwulst  war  ein  5  Tage  altes,  ausgetragenes  und  sonst  gut  ent- 
wickeltes Kind  von  gesunden  Eltern.  Das  Gebilde  war  birnförmig,  füllte  die 
Mundspalte  fast  ganz  aus,  war  von  Cutis  bedeckt  und  mit  Wollhaaren  besetzt. 
Der  breite  Stiel  kam  aus  einer  Spalte  des  harten  Gaumens  hervor  und  sass  wahr- 
scheinlich an  der  Schädelbasis  fest.  Die  Abtragung  wurde  mit  der  galvanokausti- 
schen  Schlinge  in  der  Höhe  des  harten  Gaumens  gemacht.  Die  Geschwulst  enthielt 
Fett,  Drüsen,  Knochen  und  Zähne.  Gegen  den  Stiel  zu  ging  die  Cutis  in  Schleim- 
haut über;  am  Stiele  sass  ein  fast  vollkommen  entwickeltes  Augenlid.  Verf.  be- 
trachtet die  Geschwulst  als  einen  rudimentär  entwickelten  Kopf.  Der  Verlauf  der 
Heilung  nach  der  Operation  war  gunstig. 

S.  giebt  schliesslich  eine  Aufzählung  von  17  Fällen  von  Epignathie  aus  der 
Litteratur.  Gersnnj  (Wien). 

Verneuil.     Tumeur  cong^nitale  polycystique  inser^e  k  la  sympbyse 
du  maxillaire  inf^rieur  et  ä  la  face  inferieure  de  la  langue. 

(Bulletin  de  l'Acad^mie  de  m^decine  1875.  No.  22.) 

Bald  nach  der  Geburt  eines  8monatlichen  Fötus  wurde  ein  über  kindskopf- 
grosser  Tumor  ausgestossen ,  der  seiner  äusseren  Beschaffenheit  nach  erkennen 
liesS;   dass  er  von  der  nicht  vereinigten  Symphyse  des  Unterkiefers,   sowie 


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Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  36« 


573 


von  dem  Boden  der  Mundhöhle  ausgegangen  und  hier  während  des  Oeburtsactes 
abgerissen  war.  Die  nähere  Untersuchung  ergab  ein  mehrkammeriges  Cystoid, 
dessen  Wandungen  aus  derbem,  fibrösem  Bindegewebe  mit  zahbreichen,  knorpeligen 
und  knöchernen  Kernen  bestanden,  und  dessen  Hohlräume  mit  einer  zähklebrigen, 
zellenreichen  Flüssigkeit  erfüllt  und  theils  mit  Platten-,  theils  mit  Cylinderepithel 
ausgekleidet  waren.  Die  Epithelien  entsprachen  den  Zellen  des  Schmelzorgans  und 
der  UmhüUang  des  kindlichen  Zahnkeimes.  Y.  hält  daher  die  Cysten  für  ent- 
artete Zahnfollikel  und  die  ganze  Geschwulst  für  ein  von  dem  ersten  Kiemenbogen 
ausgegangenes  Neoplasma. 

Gegen  diese  Ansicht  spricht  sich  aus  verschiedenen  Gründen  Depaul  aus. 
£r  betrachtet  diesen  Fall  als  ein  neues  Beispiel  von  fötaler  Inclusion  oder  £pi- 
gnathismus,  wie  solche  seit  Geoffroy  St.  Hilaire  mehrfach,  unter  Anderen  von 
Ahlfeld  beobachtet  und  beschrieben  worden  sind.  Am»  Hiller  (Berlin). 

Gkiillaiimet.  Kyste  s^reux  cong^nital  de  la  nuque  et  du  cou  chez 
un  foetus  de  quatremois  et  demi.   (Soci6t6  anatomique^  s^ance  du  13. 

nov.  1874.) 
(Progr^s  m6dical  1875.  No.  9.) 
G.  demonstrirte  der  anatomischen  Gesellschaft  einen  Fötus  von  41/2  Monat  mit 
einer  Nackengeschwulst  von  der  Grösse  einer  kleinen  Orange.  Die  Geschwulst 
war  durchsichtig  fluctuirendi  nicht  compressibel,  sass  mit  breiter  Basis  auf,  reichte 
vom  Hinterhaupt  bis  zum  untern  Winkel  des  Schulterblatts,  nahm  den  Nacken  und 
die  Seitentheile  des  Halses  ein.  Beim  Eröffnen  flössen  ungefähr  10  grm.  einer  röth- 
lichen  Flüssigkeit  aus.  Die  Cyste  zeigte  weisse  Wandungen  und  4  Fächer^  die 
miteinander  eommunicirten.  Nirgends  eine  Communication  mit  der  Schädelhöhle 
oder  dem  Kanal  der  Wirbelsäule,  die  vollständig  intact  war.  —  Die  mikroskopische 
Untersuchung  fehlt.  Petersen  (Kiel). 

Workman.     Osteochondrom  des  Oberkiefers. 

(Boston  med.  and  surg.  Journal  1875.  p.  553.) 
Die  24jährige  Fat.  erhielt  vor  4  Jahren  einen  Schlag  gegen  den  oberen  inneren 
SchneidezaJin  der  rechten  Seite;  nach  2  Jahren  bildete  sich  angeblich  genau  an 
dieser  Stelle  eine  kleine,  harte,  schmerzhafte  Schwellung.  2  Zähne  mit  den  cariö- 
sen  Alveolen  wurden  entfernt;  im  folgenden  Jahre  wurde  die  anliegende  Alveolar* 
partie  schmerzhaft,  schwoll  an  und  bald  erfolgte  schnelle  Bildung  einer  Geschwulst 
an  der  Innen-  und  an  der  Aussenseite  des  Alveolarfortsatzes.  Die  erkrankten 
Knochen  mit  der  von  ihnen  eingeschlossenen  Geschwulst  wurden  in  der  Narkose 
entfernt;  schnelle  Genesung.    Die  Geschwulst  war  ein  Osteochondrom. 

Pik  (Stettin). 

A.  Bidder.     Ein  Beitrag  zur  Geschvirulstlehre. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 

1.  Ueber  ein  vernarbendes,  vom  Narbenepithel  recidivirendes 

Carcinom  der  Haut* 
Nach  Ausschabung  eines  Epithelioms  mit  dem  scharfen  Löffel  kam  es,  wenige 
Tage  nach  der  Vernarbung,  zum  Recidiv  in  der  Narbe,  die  ebenso  entfernt  wurde. 
Die  mikroskopische  Untersuchung  ergab  einen  Zusammenhang  der  Epithelzapfen 
mit  dem  Narbenepithel.  B.  deutet  diesen  Befund  so,  als  wäre  das  Hecidiv  von 
dem  Narbenepithel  ausgegangen,  ohne  die  Wahrscheinlichkeit  in  Betracht  zu  ziehen, 
dass  ein  zurückgebliebener  Carcinomrest  mit  dem  Narbenepithel  könnte  in  Ver* 
bindung  getreten  sein. 

2.  Ein  diffuses,  periostales  Sarcom  der  Schädelbasis,  der 
oberen  Halswirbel  und  der  Retropharyngeal-Gegend,   Spondylitis 

cervicalis  vortäuschend. 

Der  einzige  Umstand,  welcher  in  diesem  Falle  Zweifel  an  der  Diagnose  »Spon- 
dylitis« erregen  konnte,  war,  dass  die  Gewichtsextension  die  Schmerzen  steigerte, 
während  sie  dieselben  sonst  rasch  lindert.  Gersuny  (Wien). 


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Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  36. 


F.  H.  Maberly.      Lai^e  abecess  on  the  surface  of  the  right  lobe  of 

the  liver^   communicating    with  the   colon    and  tapped  through  the 

wall  of  the  ehest. 
(Birmingham  medical  review  1875.  April.) 
Bei  einem  fiisenbahnunfall  wird  ein  Mann  gegen  die  Decke  des  Wagens  ge- 
schleudert. Seitdem  anhaltende  Schmerzen  im  Leibe,  obwohl  die  Zeichen  einer 
ernsten  Laesion  fehlen.  Nach  einem  Vierteljahr,  während  einer  Anstrengung, 
plötzlicher  heftiger  Leibschmerz  rechts.  Keine  Zeichen  von  Bauchfellruptur. 
Nach  zwei  Tagen  acute  .Bronchitis.  Später  fällt  Prominenz  des  rechten  Hypochon- 
drium  auf  und  entdeckt  man  jetzt  daselbst  tympanitischen  Percussionsschali  bis 
hinauf  z^  zweiten  Rippe,  sowie  Herzverdrängung  nach  links.  Profuser,  eiteriger 
Auswurf,  Fieber,  Delirien.  —  Man  diagnosticirt  jetzt  Pyopneumothorax  und  aspi- 
rirt  31/4  »pints«  übelriechenden  Eiters.  Hierauf  Nachlass  aller  Erscheinungen. 
Nach  wenigen  Tagen  jedoch  kehren  Fieber  und  Dyspnoe  zurück.  Incisiou  an  der 
Aspirationsstelle  und  Einführung  eines  Drainrohrs.  In  den  letzten  14  Lebens- 
tagen wiederholt  Bluthusten  und  Abfluss  von  Faecalmassen  aus  der  Schnittwunde 
in  der  Brust.  —  Die  Section  ergab  einen  grossen  Abscess  zwischen  der  unteren 
Fläche  des  Diaphragma  und  der  oberen  des  rechten  Leberlappens,  und  freie  Com- 
munication  desselben  mit  dem  Colon  transversum.  Sappreebt  (Halle) . 

G.  Mo.     Tre  casi  di  idronefrosi  dipeudenti   da  chiusura  deir  uretere 

per  calcolo  urinario. 
(Societä  di  Medicina  e  Chirurgia.  Torino.  —  Gazzetta  delle  cUniche  1875.  No.  7.) 

1.  Ein  34j  ähriger  Mann  wurde  mit  einer  Kopfcontusion  in's  Spital  aufgenommen 
und  starb  wenige  Stunden  später.  Wir  übergehen  die  Beschreibung  der  Hirn- 
verletzung. Die  rechte  Niere  ist  in  einen  durchscheinenden  Sack  umgewandelt, 
mit  einer  Flüssigkeit  gefüllt,  welche  die  Charaktere  des  Urins  nachweist,  obwohl 
die  Nierensubstanz  vollkommen  geschwunden  ist.  Im  obersten  Theile  des  entspre- 
chenden Ureters  ist  ein  Stein  eingekeilt,  welcher  denselben  fast  vollständig  ver- 
schliesst.  Interessant  ist,  dass  in  den  Bronchial-  und  Mesenterialdrüsen  und  auf  den 
Wänden  des  colon  transv.  sich  Kalkablagerungen  vorfinden.  Es  scheint,  dass  die 
linke  Niere  allein  nicht  genügte,  sämmtliche  Salze  aus  dem  Blute  zu  entleeren.  Dies 
würde  mit  der  Ansicht  Virchow's  übereinstimmen,  wonach  die  Kalksalze  sich 
in  den  Geweben  ablagern  sollen,  sobald  die  Nieren  deren  Elimination  nicht  mehr 
besorgen.  Das  Volumen  der  functionirenden  Niere,  nach  der  verdrängten  Flüs- 
sigkeit gemessen,  betrug  210  Ccm.,  ihr  Gewicht  50  Gramm. 

2.  Bei  einer  56jährigen  Frau,  an  Pneumonie  verstorben,  war  der  linke  Ure- 
ter durch  einen  Stein  vollkommen  verstopft.  In  diesem  Falle  war  aber  nicht 
die  Niere  selbst  in  einen  Sack  umgewandelt,  sondern  blos  das  Becken  zu  einem 
grossen  Sacke  (viel  grosser  als  in  Fall  1)  ausgedehnt,  welcher  mit  Urin  gefüllt 
war.  Die  rechte  allein  functionirende  Nieie  hat  ein  Volumen  von  720  Ccm.  und 
ein  Gewicht  von  125  Gramm. 

3.  Dieser  Fall  betrifft  eine  22jährige  Frau,  welche  unter  urämischen  Erscheinun- 
gen zu  Grunde  ging.  Es  fanden  sich  in  beiden  Ureteren  Steine  vor.  Die  linke 
Niere  war  fast  vollkommen  atrophirt,  in  ihrer  Substanz  fand  sich  auch  ein  Stein; 
die  rechte  Niere  massig  atrophisch,  ihr  Becken  massig  ausgedehnt. 

Mensel  (Triest). 

O.  Heath.     13  Lithotomien. 

(Lancet  1875.  Vol.  I.  p.  790.) 
Verf.  veröffentlicht  seine  innerhalb  18  Monaten  im  Newcastler  Hospital  und 
in  der  Privatpraxis  gemachten  Steinschnitte,  sämmtlich  an  männlichen  Fat.  2  Per^ 
sonen  standen  im  Alter  über  60  Jahre  und  4  unter  10  Jahren,  bei  2  fanden  sich 
3  Steine  vor.  Der  kleinste  Stein  wog  15  Gran,  der  grösste  354  Gran;  die  chemisch 
Zusammensetzung  war  nur  bei  2  Steinen  eine  gemischte.  In  2  Fällen  wurde  der 
Steinschnitt  in  der  Mittellinie  gemacht,  sonst  immer  seitlich;  in  einem  Falle  ent- 
stand eine  ziemlich  heftige  Blutung.    Sämmtliche  Patienten  sind  geheilt  entlassen. 

Pilz  (SteUin). 


Centralblatt  fOi  Ghinugie.    No.  36. 


575 


Wülard.     Perineal  section. 

(Med.  Examiner,  Chicago  1875.  Mai  1.) 

Der  Verf.  tritt  wann  f&r  die  äussere  Urethrotomie  ein,  welcher  in  der  Hei- 
math  desselben  fast  stets  die  Function  vorgezogen  wird.  Der  mitgetheilte  Fall 
betrifft  einen  Arbeiter  mit  hochgradiger,  aber  für  ein  feines  Bougie  durchgängi- 
ger Strictur  in  Folge  einer  Gonorrhöe;  keine  Fistelbildung;  absolute  Harnver- 
haltung seit  T2  Stunden.  Heilung;  nach  der  Operation  war  der  permanente  Ka- 
theter eingelegt  worden.  Bänke  (Halle). 

H.  K  Browne.     Gase  of  aneurism  of  the  external  carotid ;  ligature ; 

recovery. 
(Birmingham  medical  review  1875.  April.) 

Eine  29jährige  Arbeiterin  fühlte ,  während  sie  eine  bedeutende  Last  auf  dem 
Kopfe  trug,  plötzlichen  Schmerz  in  der  rechten  Seite  des  ELalses.  Es  bildete  sich 
daselbst  unter  zunehmenden  Schmerzen  eine  langsam  wachsende  Anschwellung, 
welche  nach  6  Jahren  die  Grösse  einer  Orange  erreicht  hatte,  Athem-  und  Schluck- 
beschwerden und  quälenden  Husten  bedingte  und  alle  Symptome  eines  Aneurysma 
darbot.  Dieselbe  sass  beweglich  zwischen  Unterkieferwinkel  und  Zungenbein.  Unter- 
bindung der  Carotis  communis  mit  catgut  unter  genauer  Befolgung  der  Lister'  sehen 
antiseptischen  Cautele.  Weder  locale  Erscheinungen,  noch  Fieber,  noch  Zeichen 
gestörter  Hirncirculalion  complicirten  die  am  16.  Tage  vollendete  und  nach  einem 
Jahre  noch  andauernde  Heilung.  Alle  subjectiven  Symptome  waren  geschwunden. 
Der  Tumor  war  solid  und  hatte  sich  nur  wenig  verkleinert. 

Bnppreeht  (Halle). 
Gk>odaU.  Aneurysma  popliteum  links^  später  rechts.  Flexion  und  Com- 

pression.     Heilung. 
(Lancet  1875.  Vol.  I.  p.  680.) 

Ein  30j  ähriger  Gelbgiesser ,  vor  4  Monaten  so  gefallen ,  dass  sein  linkes  Bein 
unter  den  Leib  zu  liegen  kam,  bemerkte  seit  9  Wochen  eine  langsam  wach- 
sende Schwellung  in  der  Kniekehle.  Jetzt  findet  man  dort  eine  weiche,  ezpan- 
sible,  pulsirende  Geschwulst;  der  Fuss  und  das  Bein  sind  ödematös,  der  Tumor 
selbst  und  seine  Umgebung  sehr  empfindlich.  Flexion  in  einem  Winkel  von  bO° 
lässt  die  Pulsation  erlöschen;  dieselbe  kehrt  nach  4  Stunden  wieder,  die  Flexion 
wird  verstärkt;  nach  21  Tagen  wird  Gompression  der  FemoraUs  zu  Hülfe  genommen ; 
vom  folgenden  Tage  ab  erlischt  dauernd  die  Pidsation.  Heilung.  Drei  Monate 
später  erscheint  Fat.  wieder  mit  taubeneigrossem  Aneurysma  in  der  rechten  Knie- 
kehle, dass  angeblich  auch  nach  Fall  entstanden  sein  soll.  Ausser  der  Flexion 
wurde  noch  Gompression  der  Femoralis  benutzt ;  später  musste  letztere,  da  dieselbe 
vom  Kranken  nicht  gut  ausgeübt  wurde,  durch  Digital-Compression  ersetzt  werden. 
Volle  Heilung.  PII2  (Stettin). 

Hirts«  Luxation  du  pouce ;  expMient  simple  pour  en  op6rer  la  r6duction. 

(Revue  de  th^rapeutique  m^dic.Hshirurg.  1S75.  No.  14.) 

H.  benutzt  zur  Reduction  hartnäckiger  Luxationen  des  Daumens  einen  ein- 
fachen, 1  Ctm.  breiten  Riemen  von  Rindsleder,  welcher  in  der  Mitte  zusammen- 
gelegt und  zu  einer  Schlinge  geknotet  wird.  Hieran  wird  der  zuvor  mit  Watte 
gepolsterte  Daumen  angeschlungen  und  durch  kräftige,  mit  den  beiden  Riemen- 
enden ausgeführte  Tractionen  reponirt.  Das  Verfahren  soll  ebenso  schnell  und 
schonend  zum  Ziele  führen,  wie  die  Reduction  mittelst  Zangen. 

Am.  Hiller  (Berlin). 

H«  Eidam.     Ein  Fall  von  Symphysenspaltung  während  der  Geburt. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.  No.  28.) 

Eine  kräftige  Multipara  wurde  von  einem  in  U.  Querlage  befindlichen  Kinde 
durch  combinirte  Wendung  auf  den  Steiss  und  Extraction  entbunden.     Es  erfolgte 


■t 


1 


576  Centralblatt  für  Chirurgie,    No.  36. 

eine  Spaltung  der  Symphysis  ossium  pubis.  Schmerzen  und  Fieber  nahmen  zu, 
bis  ein  Beckengürtel  angelegt  wurde,  welcher  die  Knochen  auf  einander  presste. 
Damach  Hessen  Schmerz  und  üble  Allgemeinerscheinungen  schnell  nach.  Dem 
frühen  Anlegen  der  Beckenbinde  schreibt  Verf.  auch  das  Ausbleiben  intensiverer 
localer  Entzündungen  zu.  —  Hinter  manchem  schweren  Puerperium  mit  Unf&higkeit, 
die  unteren  Extremitäten  zu  bewegen  (fälschlich  als  Lähmung  gedeutet),  yermuthet 
Verf.  eine  Symphysentrennung.  T«  MosengroU  (Bonn). 

Ste.  Marie«     Arthrite  s^che  suppur^e.    (Soci^te  anatomique^    B^nce 

du  27.  nov.  1874.) 
(Progr^s  med.  1875.  No.  11.) 
Nach  S.-M.  soll  eine  Arthritis  deformans  des  Hüftgelenks  bei  einem  40jährigen 
Mann  in  Eiterung  ühergegangen  sein.  Fat.  ist  mit  einem  grossen  Abcess  in 
Duplay's  Abtheilung  aufgenommen  worden.  S.-M.  begründet  seine  Diagnose 
auf  Arthritis  deform,  durchaus  nicht,  der  Sectionsbefund  spricht  auch  nicht  dafür, 
sondern  für  eine  gewöhnliche  Caries.  Dieser  Meinung  sind  in  der  Debatte  auch 
Verneuil  und  Houel.  Charcot  findet  Aehnlichkeit  zwischen  den  Gelenkent- 
zündungen bei  Tabes  und  der  Arthritis  deform. ,  stimmt  jedoch  Houel  bei,  der 
auseinandersetzt,  daas  sich  bei  Geienkleiden  der  Tabetiker  keine  Stalaktiten 
finden,  und  dass  der  Knochen  selbst  Sitz  einer  Entzündung  sei. 

Petersen  (Kiel). 
Hutohinson.     (London  Hospital]  Sectionsbefunde. 

(Lancct  1875.  Vol.  I.  p.  857.) 

1.  Ein  Matrose,  welcher  auf  einem  Tau  unter  einer  Raae  stand,  glitt,  ergriff 
mit  den  Händen  das  Tau,  konnte  sich  aber  nicht  lange  halten  und  fiel  30  Fuss 
hoch  herab  auf  das  Deck,  woselbst  er  stehend  ankam.  Fast  pulslos  in  das  Hospital 
gebracht,  wurden  hier  die  bis  zu  den  Knieen  reichenden  Stiefel  entfernt.  Nun  sah 
man  an  der  Innenseite  des  rechten  Fusses  eine  8"  lange  Wunde;  femer  Commi- 
nuliv-Fractur  des  Fersenbeines ,  Fractur  des.  Schien-  und  Wadenbeins  direct  über 
dem  Gelenke ;  an  dem  linken  Fuss  dieselbe  Verletzung,  nur  erschien  das  Fersenbein 
einfach  gebrochen.  Schienenverband.  Er^'sipelas  des  rechten  Beines;  Tod.  Die 
Section  ergab :  die  Fersenbeine  in  eine  Menge  kleiner  Stückchen  gebrochen ;  Schien- 
und  Wadenbein  beiderseits  in  der  Epiphysenlinie  durchgebrochen,  Ecchymosen  re- 
troperitoneal,  am  rechten  Muse,  psoas  entlang  und  an  beiden  Ureteren. 

2.  Ein  82jähriger  Mann  fiel  5  Fuss  hoch  von  einer  Leiter  auf  sein  linkes  Bein ; 
dasselbe,  stark  geschwollen,  zeigte  bedeutende  Schwellutig  des  Kniees  und  Fractur 
beider  Unterschenkelknochen.  Delirium,  Bronchitis,  Tod.  Die  Section  erwies  eine 
Schrägfiractur  der  Tibia  mit  Splitterung  im  oberen  Drittel  und  einen  Bruch  der 
Fibula  im  obersten  Theile  mit  Spaltung  bis  ins  Tibiofibular-Gelenk.  Das  Kniege- 
lenk mit  Blut  erfüllt,  welches  nach  genauer  Untersuchung  seinen  Weg  dahin  aus 
dem  Tibiofibular-Gelenke  genommen  hatte. 

3.  Im  dritten  Falle  fiel  der  34jährige  Mann  etwa  5  Fuss  hoch  durch  Abgleiten 
von  einer  Leiter  platt  auf  das  Pflaster ;  erst  nachher  klagte  er  über  heftige  Schmer- 
zen in  dem  tympanitischen ,  gegen  Berührung  schmerzhaften  Leibe;  kleiner  Puls, 
Erbrechen  und  nach  30  Stunden  Tod.    Die  Section  zeigte  als  Ursache  der  Ferito- 

^.  nitis  die  Perforation  eines  älteren  Duodenalgeschwüres.  TUE  (Stettin). 

Wm.  H.  van  Buren.     Raw-Cotton  Dressings  for  wounds. 

(New  York  med.  Journal  1875.    Bd.  XXI.  Hft.  3.  p.  268.) 
Verf.  giebt  die  Geschichte  des  Gu6r in' sehen  Watteverbandes  und  empfiehlt 
diesen  Verband  für  kriegschirurgische  und  Hospitalpraxis.    Eigene  Beobachtungen 
sind  nicht  mitgetheilt.  Madelnng  (Bonn). 

Originalmittheilongen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TUlmann8f  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlung, 
Breitkopf  und  Härtely  einsenden. 

Onick  und  Verlag  von  Breitkopf  und  HBrtel  in  Leipzig. 


w^'. '.''W''. 


Gentralblatt 


fttr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOB 

Dr.  L.  Lesser,  Dr.  I.  SU,  Dr.  E  TillMniis 

in  Berlin.  in  Halle  a.  S.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N=  37.  Sonnabend,  den  11.  September.  1875. 

Inhalt;  Simons  Methoden,  die  weibliche  Urinblase  zngängig  zu  machen.  —  Mullier, 
Massage.  —  Krtfnlein,  Historisch-kritische  Bemerkungen  zum  Thema  der  Wundbehand- 
lung. —  Bose,  Znr  antiseptlschen  Wundbehandlong.  —  BowditCh,  Instrament  zur  Be- 
stimmimg der  Färbekraft  des  Wassers.  —  BouChllt,  Ophthalmoscopischer  Befund  bei  com- 
motio  und  contnslo  cerebri.  —  Bouchut,  Ghloralhydrat  bei  acutem  Gelenkrheumatismus 
mit  Cerebralerscheinungen.  —  Annandale,  Behandlung  des  Zungencarcinoms.  —  Ohle- 
mann,  Oberkiefergeschwülste.  —  Krieg,  Enchondrom  der  Speicheldrüsen.  —  Thaden, 
Wirbelverletzungen.  —  Kerr,  Steinkrankheit  in  China.  —  Budge,  Function  des  m. 
levator  anl.  —  Annandale ,  Operation  bei  genu  valgum. 

Heath,  Arterienvereiterung.  —  Howe,  Transfusion  von  Ziegenmilch.  —  Mosler,  Arte- 
rielle Transfusion  bei  Typhus  abdominalis.  —  Schwalbe,   Electrotherapeutlsche  Beiträge. 

—  Smith,  Fall  von  Erysipelas  bei  einer  Amme.  —  Schweninger,  Fall  von  Enchondrom. 

—  MUller,   Carcinom  der  männlichen  Brustdrüse.    —   Otls,  Oarles  der  Wirbelsäule  mit 
Nieren-  und  Hodentuberktüose.  —  Dupont,  Luxation  der  rechten  Beckenhälfte.  —  Fagan, 

Verletzung  des  Ileo-Sacral-Gelenks  beim  Kinde. 


G.   Simon«     Ueber  die  Methoden,  die  weibliche  Urinblase 
zugängig  zu  machen  und  über  die  Sondirung  des  Harnleiters 

beim  Weibe. 

(Sammlung  klinischer  Vorträge,  herausg.  von  R.  Volkmann.    No.  88.) 

Leipzig.    Breitkopf  und  HftrteL  1875. 

Verf.  theilt  die  in  den  letzten  Jahren  auf  seiner  Klinik  in  Hei- 
delberg ausgebildeten  Methoden^  die  weibliche  Blase  zugängig  zu 
machen  9  mit.  Von  sämmtlichen  bisherigen^  meist  nur  behufs  Ent- 
fernung von  Fremdkörpern  vorgenommenen  Operationen  dürften  fer- 
nerhin nur  die  unblutige  Erweiterung  der  Harnröhre  und  der  Schei- 
denblasenschnitt  die  relativ  sichersten  und  ungefährUchsten  Methoden 
bleiben.  Die  unblutige  Erweiterung  der  Harnröhre  geschieht  besser 
schnell^  als  allmälig^  da  sie  in  wenigen  Minuten  dieselbe  Dilatation 
ergiebty  als  die  langsame^  bei  dieser  aber  durch  langes  Liegenlassen 
der   Zapfen   Entzündung    und    Geschwüre    der  Harnröhre  entstehen 

37 


578 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  37. 


^.    I 


können.  Die  unblutige  Urethralerweitening  beim  Weibe  ist  sehr  alt 
(Franco  1561^  Fabricius  Hildanus  etc.).  1837  hat  A.  Cooper 
5  mal  Steine  in  der  Weise  entfernt^  dass  er  theils  langsam,  theils 
rapide  die  Urethra  dilatirte.  Hybord  (1872)  und  Christopher 
Heath  (1874)  empfehlen  das  Verfahren  gleichfalls. 

S.'s  Verfahren  der  Blasenuntersuchung  besteht  in  3  Arten: 
l)  Einkerbung  des  Orificialrandes  der  Urethra,  des  engsten  und  rigi- 
desten Theils  der  Harnröhre,  durch  zwei  seitliche,  Y4  Ctm.  tiefe 
Schnitte  und  einen  nach  unten  gehenden  von  1/2  Ctm.  Länge.  Die 
Einkerbungen,  am  besten  mittelst  der  Scheere  gemacht,  erleichtem 
das  Eindringen  des  untersuchenden  Pingers,  verkürzen  die  Harnröhre 
um  Y4 — Y2  Ctm. ,  schaden  der  Continenz  nicht,  Übernarben  und 
bleiben  permanent. 

2)  Die  DUatation  erfolgt  durch  Erweiterungszapfen  (andere  Ope- 
rateure bedienen  sich  direct  des  Fingers,  wodurch  öfters  an  den 
engern  Stellen,  wie  unter  dem  arcus  pubis,  die  Schleimhaut  zerrissen 
wird  und  Incontinenz,  wenn  auch  nur  für  einige  Tage  entsteht) .  Als 
solche  Zapfen  dienen  Specula  aus  Hartgummi,  vorn  gerade  abgeschnit- 
ten und  mit  abgerundetem  Mandrin  versehen.  S.  hat  7  verschiedene 
Nummern,  deren  stärkste  2,  deren  schwächste*  ^4  Ctm.  Durchmes- 
ser hat. 

3)  Einschieben  des  Zeigefingers  durch  die  Harnröhre  bis  zur 
Blase  und  Palpiren  derselben.  Dabei  wird  der  Mittelfinger  nicht  in 
die  Hand  eingeschlagen,  sondern  gleichzeitig  in  die  Scheide  ein- 
geführt, so  dass  sich  der  Band  des  Septum  urethro- vaginale  an  die 
Commissur  beider  Finger  andrückt.  Femer  wird  der  Vertex  der 
Blase  mit  der  andern  Hand  dem  untersuchenden  Finger  entg^enge- 
drückt.  Nur  die  höchst  gelegenen  seitlichen  Theile,  welche  am 
Knochen  festgewachsen  sind,  sind  so  weniger  gut  zu  erreichen. 

Ueber  das  Maass  der  erlaubten  Dilatation  haben  Hybord  und 
Spiegelberg  Angaben  gemacht,  doch  sind  Hybord's  Maasse  zu 
klein,  Spiegelb erg's  zu  gross.  Nach  Simon  kann  man  beim 
erwachsenen  Weibe  ohne  nennenswerthen  Nachtheil  mit  Speculis  von 
1,9 — 2,0  Ctm.  Durchmesser  eindringen.  Die  Continenz  bleibt  unmit- 
telbar darnach  bei  Einspritzen  von  Wasser  in  die  Blase  selbst  in  auf- 
rechter Stellung  der  Frau  erhalten.  Bei  jüngeren  Mädchen  darf  der 
Grad  der  Ausdehnung  natürlich  nicht  so  gross  sein. 

Was  die  Casuistik  betrifft,  so  hat  S.  bis  jetzt  in  2^/^  Jahren 
die  Methode  in  mehr  als  60  Fällen  angewandt.  Zu  ihrer  Ausführung 
bringt  man  die  Pat.  in  die  Steiss-Rückenlage  und  chloroformirt.  Bei 
öfteren  Wiederholungen  kann  man  später  die  Narkose  weglassen. 

Die  zweite  Methode,  die  Blasenhöhle  zugängig  zu  machen,  besteht 
im  Scheidenblasenschnitt.  Man  wendet  Um  an,  wenn  die  vorige 
Methode  tmgenügend  erachtet  wird.  Es  kann  danach  eine  Blasen- 
scheidenfistel  bleiben  ^  welche  eine  fernere  Operation  nöthig  machen 
würde,  doch  sind  die  Chancen  der  Heilung  sehr  gross. 

Durch  Versuche   am   Cadaver  bestimmte  Verf.  als  beste  Schnitt- 


'S 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  37.  579 

führung  beim  ScheidenblasenBchnitt  einen  etwa  3  Ctm.  langen  Quer- 
schnitt im  vorderen  Vaginalgewölbe,  V4"*V2  Ctm.  vor  der  vorderen 
Muttermundslippe^  von  dessen  Mitte  ein  zweiter,  zwei  Ctm.  langer 
Schnitt  gerade  nach  vom  gegen  die  Harnröhre  läuft.  Durch  solch 
einen  Schnitt  gelingt  die  Umstülpung  und  Hervorwölbung  des  Vertex 
und  oberen  Theiles  des  Blasengrundes,  was  bei  Schnitten  in  sagittaler 
Richtung  nicht  möglich  ist.  Die  Umstülpung  wird  durch  den  Zug 
feiner  Doppelhäkchen,  welche  in  die  Mucosa  eingesetzt  werden,  und 
Herabdrücken  der  Blase  von  aussen  her  mittelst  der  über  der  Sym- 
physe eingesetzten  Hand  bewirkt.  Die  Schnitte  fuhrt  man  bei  Er- 
weiterung der  Scheide  durch  Simon' sehe  Specula  oder  solche  von 
Bozeman  und  bei  starker  Spannung  der  Blasenwand,  oder  nach 
Herabziehung  des  Uterus  und  des  oberen  Theils  der  Blasenscheiden- 
wand.  —  Die  Operationswunde  wird  später  genäht. 
Die  Indicationen  zur  Erweiterung  der  Harnröhre: 

1)  Zur  Diagnose  der  Krankheiten  der  Blasenschleimhaut. 

2)  Zur  Diagnose  von  Fremdkörpern  und  Steinen,  welche  mit 
Instrumenten  oft  durchaus  nicht,  mit  den  Fingern  oft  leicht  zu  finden 
sind. 

3)  Zur  Extraction  derselben. 

4]  Bei  hartnäckigem  Blasenkatarrh  zum  Auspinseln  der  Blase  mit 
concentrirten  Aetzmitteln.   (Sehr  ungleiche  Erfolge.) 

5)  Zur  Heilung  von  Fissuren  der  Harnröhre  (gleichfalls  oft  ohne 
Erfolg) . 

6)  Zur  Diagnose  von  Defecten  der  Blasenscheidenwand  bei  ver- 
schlossener Scheide. 

7)  Zur  Diagnose  des  Sitzes  und  der  Ausdehnung  von  Gewächsen 
und  Geschwülsten  in  der  Blasenscheidenwand. 

8)  Zur  Exstirpation  von  Geschwülsten,  besonders  von  Papillomen 
an  den  Blasenwandungen.  (Ausschaben  mit  scharfen  Löffeln  und  Ab- 
reissen  mittelst  Zangen.) 

9)  Zur  Aufßndimg  und  Extraction,  resp.  Ausschneidung  von 
Nierensteinen  aus  dem  Blasenstück  des  Harnleiters. 

10)  Zur  Eröffiiung  einer  Hämatometra,  deren  Entleerung  zwischen 
Blase  und  Mastdarm  unmöglich  oder  zu  gefährlich  ist,  z.  B.  bei  an- 
geborenem Mangel  des  ganzen  oder  des  grössten  Theils  der  Scheide. 
—  Scanzoni's  Vorschlag,  in  solchem  Falle  vom  Rectum  aus  zu 
eröfhen,  ist  wegen  der  damit  verknüpften  Peritonealverletzung  viel 
gefahrlicher;  dagegen  geht  vorne  am  Uterus  der  Peritonealüberzug  nicht 
so  weit  herab. 

11)  Zur  Heilung  einer  Dick-  oder  Dünndarm-Blasenfistel  (ein 
sehr  quälendes  Leiden,  das  bisher  tödtlich  verlief)  durch  Aetzung  des 
Ostium  vesicale  der  Fistel.  — 

Indicationen  für  den  Scheidenblasenschnitt: 

1)  Bei  sehr  grossen  Steinen  und  bedeutender  Empfindlichkeit  der 
Blase. 

2)  Zum  unmittelbaren  Abfluss   des  Urins  bei  sehr  hartnäckigem 

37* 


580  Centralblatt  für  C 

Blasenkatarrh  mit  Ulcerationen  de 
setzten  Unna  soll  ao  verliütet  wen 

3)  Exstirpatiou  von  Geschwü^»^^  uuu  ^^^.co^vo^ou ,  »tv  ^^ 
hoch  in  den  Seitentheilen  der  Blase  eitzea,  ohne  anderweitig  erreicht 
werden  zu  können. 

4)  Operation  der  Dünn-  und  Dickdarm-BIasenfisteln,  die  durch 
Aetzungen  allein  nicht  geheilt  werden  können.  — 

Id  den  beiden  letzten  Fällen  ist  natürlich  T-Schnitt  und  Blasen- 
umstülpung  nöthig  und  kann  die  T-Wunde  erst  nach  Heilung  der 
Operatiouawunde  in  der  Blasenwand  geachloseen  werden. 

Ferner  können  durch  die  künstlich  hergestellte  Zugängigkeit 
der  Blasenhöhle  auch  die  Sondirung  und  die  Kathetrisirung  der 
Harnleiter  vorgenommen  und  somit  Pliimleiter-  und  Nierenkrankheiten 
der  Behandlung  zugänglicher  gemacht  werden. 

Es  wird  durch  S.'s  Methode  für  die  Frau  viel  mehr  dabei  ge- 
wonnen, alä  durch  Tuchmann 's  Methode  für  den  Mann  (cfr. 
Chirurg.  Centralbl.  1874  p.  471,  aus  Wien.  med.  Wochensch.  1874 
No.  31  u.  32  —  und  Deutsche  Zeitachr.  f.  Chir.  1875.  Bd.  V.  Hft.  1). 
T.'a  Verfahren  kann  nur  für  diagnostiscshe  Zwecke  verwandt  werden. 
Simon  hat  bis  jetzt  die  Harnleiter  9  mal  sondirt  und  S  mal  kathe- 
trisirt,  also  in  17  Fällen,  und  zwar  hei  11  Frauen.  Je  einmal  gelang 
Sondiren  und  Kathetriairen  nicht.  Bei  hinlänglich  langen  Instrumen- 
ten gelangte  Verf.  ohne  Schwierigkeit  ins  Nierenbecken,  und  wurde 
die  Operation  steta  ohne  geringsten  Nachtheil  vertragen.  Sonde  und 
Katheter  sind  von  festem,  nicht  biegsamen  Metall,  oben  schwach  ge- 
bogen und  25  Ctm.  lang.  —  v.  MosengeU  (Bonn). 

Hullier.     Quelques  remarques  sur  le  traitement  de  certaines 
affections  chiriu'gicales  par  le  massage  local. 

(Archives  m^dicales  beiges  1875.  Hft.  7.) 

Auch  M.  ist  t^ach  mehijähriger  Erfahrung  zu  dem  Urtheil  ge- 
langt, dass  wir  in  der  Massage  [veigl.  Centralbl.  f.  Chir.  1874, 
No.  26  und  1875,  No.  30)  ein  äusserst  wirksames,  die  Resorption 
hcfbiderndes  Mittel  besitzen,  dessen  Anwendung  sich  besonders  bei 
Verstauchungen  jeden  Grades  und  bei  Quetschungen  mit  starken 
Blutergüssen  empfehle.  Entgegen  den  subtilen  Unterscheidungen 
mancher  Autoren  hinsichtlich  der  Technik  (nfrictions,  foulage,  petris- 
sage,  sciage,  malaxation,  pincement,  pcrcussioQ,  hachure,  claquement, 
vibrations  pointees  et  profondes»!]  glaubt  er  als  Praktiker,  dass  man 
mit  3  Manipulatiouen  in  jedem  Falle  auskomme,  nämlich  1)  dem 
Streichen  der  GHeder,  2)  dem  Kneten,  und  3)  den  Tractionen,  ver- 
bunden mit  passiven  Bewegimgen  im  Gelenk. 

Man  bestreicht  zunäclüt  die  aflicirte  Extremität  mit  Glycerin, 
umfasst  sie  dann  unterhalb  der  Verletzung  mit  beiden  Händen  un ' 
führt  nun,  unter  stärkerem  oder  gelinderem  Druck,  aufwärts  streichend 


Cerltralblatt  für  Chirurgie.     No.  37.  581 

Bewegungen  in  der  Bichtung  der  Sehnen  und  der  Venen  aus.  Mit 
Bücksicht  auf  den  stets  vorhandenen  Schmerz  beginnt  man  immer 
mit  ganz  leichten  Frictionen  mittelst  der  flachen  Hand ;  später,  wenn 
der  gewöhnlich  sehr  rasch  erfolgende  Nachlass  der  Schmerzen  ein 
energischeres  Eingreifen  gestattet,  fangt*man  an,  mit  Zuhülfenahme  der 
Finger  die  verletzte  Stelle  gehörig  zu  kneten.  Ist  neben  dem  Schmerz 
endlich  auch  die  Schwellung  beseitigt,  dann  dienen  Tractionen  und 
passive  Bewegungen  dazu,  die  Motilität  und  Gebrauchsföhigkeit  der 
Extremität  zu  beschleunigen. 

2  Sitzungen  täglich,  jede  von  V4 — Y2  S^^^^^de  Dauer,  reichen 
aus;  selten  ist  man  genöthigt,  die  Behandlungsweise  länger  als  2 — 3 
Tage  fortzusetzen.  L'eber  Intensität  und  Dauer  der  jedesmaligen  Be- 
arbeitung entscheiden  die  Empfindlichkeit  des  Fat.  und  die  Schwere 
der  Verletzung. 

Die  Resultate  dieses  Heilverfahrens  werden  durch  eine  kurze 
Cebersicht  über  sämmtliche  während  der  Jahre  1871 — 1874  im 
Militärhospital  zu  Namur  nach  verschiedenen  Methoden  behandelte 
Distorsionen  veranschaulicht.     Hiernach  wurden  behandelt: 

a)  nach  der  immobilisirenden  Methode  (1771 — 1872) 

42  Fälle  (vorzugsweise  Distors.  pedis),  mit  in  Summa  1078  Be- 
handlungstagen, oder  pro  Kopf  und  Verletzung  2  5,6  Tage. 

b)  mit  der  Massage  (1873—1874) 

37  Fälle  (desgl.),  mit  in  Summa  nur  344  Behandlungstagen,  oder 
pro  Kopf  und  Verletzung  9,03  Tage. 

Es  ergiebt  sich  mithin,  bei  einer  Durchschnittszahl  von  etwa  40 
Beobachtungen  für  jede  Behandlungsweise,  die  sehr  bemerkenswerthe 
Abkürzung  der  durchschnittlichen  Heilungsfrist  um  15  Tage  zu 
Gunsten  der  Massage. 

Schliesslich  empfiehlt  M.   das  Verfahren  noch  als  diagnostisches 

Hülfsmittel  bei  manchen  Fracturen,   zur   schnellen  Beseitigung  von 

starken  Schwellungen,  welche  die  Diagnose  hindern. 

Arn.  HlUer  (Berlin). 

Erönlein.     Historisch-kritische  Bemerkungen  zum  Thema  der 

Wundbehandlung. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  Bd.  XVIII.  Hft.  1.  p.  74—98.) 

(Ein  Ueberblick  über  die  Entwickelung  der  verschiedenen  Wundbehandlungsarten 

bis  zur  neuesten  Zeit.) 

Die  Reaction  gegen  den  XJnrath  der  sonderbarsten,  ohne  jede 
Kritik  verwendeten  Verbandmittel  des  Alterthums  und  des  Mittel- 
alters beginnt  nach  Verf.  erfolgreich  erst  zu  Ende  des  vorigen  tmd 
Anfang  des  jetzigen  Jahrhunderts.  Sie  führte  auf  der  einen  Seite  zu 
einer  Wundbehandlung,  welche  sich  von  der  jetzigen  offenen  wenig 
unterscheidet  und  wesentlich  an  die  Namen  Vincenz  v.  Kern  und 
Philipp  V.  Walther  sich  knüpft;  andererseits  zu  einer  Methode, 
welche  das  Prototyp  aller   späteren  Occlusionsverfahren  geworden  ist 


•^^:' 


582  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  37. 

und  an  welche  sich  auch  das  antiseptic  treatment  direct  anlehnt^ 
nämlich  zur  Heilung  der  Wunden  unter  dem  Schorf  ohne  Eiterung. 
J.  Moore^  Hunter,  A.  Cooper  u.  A.  machten  sich  vor  Allen 
um  die  Cultivirung  dieses  Verfahrens  verdient.  Erst  Lister  indess 
erklärte  sich  die  Thatsache,  dass  bei  der  Hunt  er' sehen  Schorfhei- 
lung  die  Eiterung  fehle^  genauer.  Nach  seiner  Theorie  lag  die  Ur- 
sache der  letzteren  bei  offenen  Wunden  in  der  fauligen  Zersetzung 
des  ersten  Wundsecrets.  Diese  Zersetzung  wurde  eingeleitet  durch 
die  in  der  Luft  suspendirten  staubartigen  Bestandtheile :  dadurch, 
dass  der  trockene  Blutschorf  diese  letzteren  von  der  Wundfiäche  fern- 
hielt^ verhinderte  er  Zersetzung  und  Eiterung.  Indem  es  ihm  ge- 
lang, die  Einwirkung  dieser  festen  Luftbestandtheile  auf  Wunden  zu 
paralysiren,  löste  er  das  Problem,  nicht  nur  einzelne  kleinere,  son- 
dern auch  grössere  Wunden,  die  sich  zur  unmittelbaren  Vereinigung 
nicht  eignen,  mittelbar  und  ohne  Eiterung  heilen  zu  lassen. 

Die  Frage  der  praktischen  Bedeutung  des  L  ist  er  ^schen  Verfah- 
rens ist  nach  Verf.  noch  nicht  gelöst.  Er  meint,  dass  sehr  sorgfal- 
tige Statistiken  nothwendig  sein  werden,  um  zunächst  den  Cardinal- 
punct,  d.  h.  über  die  Grösse  der  Mortalität  und  über  das  Verhältniss 
derselben  zu  der  nach  der  offenen  Wundbehandlung  beobachteten 
Sterblichkeitsziffer  zu  ermitteln.  Wilh,  Koch  (BerHn). 


H.  Bose.     Zur  antiseptischen  Wundbehandlung. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  28.) 

Verf.  hat  Versuche  gemacht,  eine  concentrirtere  Lösung  von 
Salicylsäure  in  Wasser  zu  erhalten,  als  die  Thiersch'sche  1  :  300. 
Er  fand,  dass  10  Theile  Salicylsäure  in  100  Wasser  gelöst  bleiben^ 
wenn  man  8  Theile  Borax  zusetzt,  und  dass  die  Salicylsäure  alsdann 
nicht  ausschliesslich  als  salicylsaures  Natron,  welches  bekanntlich  als 
Antisepticum  unwirksam  ist,  gelöst  sei.  Folgendes  Experiment  be- 
weist, dass  die  Salicylsäure  als  solche  in  Lösung  bleibt:  6,9  Salicyl- 
säure werden  in  100  Aq.  durch  Kochen  gelöst,  und  mit  2,89  dop- 
peltkohlensaurem Natron  versetzt.  Es  entweicht  die  Kohlensäure  und 
das  Natron  wird  durch  SaUcylsäure  gebunden;  beim  Erkalten  starrt 
die  ganze  Flüssigkeitsmenge  von  ausgeschiedener  crystallisirter, 
überschüssiger  Salicylsäure.  Erwärmt  man  wieder  bis  zur  Lösung 
und  fugt  3,58  Borsäure  zu,  so  bleibt  die  Lösung  beim  Erkalten 
beständig.  Durch  Borsäure  allein  ist  die  Lösung  nicht  zu  erzie- 
len. Ein  Quantum  Eiter  wurde  mit  concentrirter  wässriger  Salicyl- 
säurelösung  gemischt  und  ein  zweites  mit  gleicher  Menge  2^/^^ 
SaUcylsäure-Boraxlösung.  Das  erste  b^ann  nach  8  Tagen  sich  von 
oben  an  zu  verfärben  und  schimmelte;  das  zweite  Ptäparat  blieb 
unverändert.  Bei  kleineren  Operationen  hat  B.  seine  Lösung  viel- 
fach mit  grossem  Erfolg  angewandt.  Von  zufälligen  Wunden  sei  der 
Fall  erwähnt,  dass  eine  gerissene  Wunde,  welche  eine  Sehne  getrennt 


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Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  37.  583 

und  das  darunter  liegende  Metakarpo-phalangealgelenk  weit  geöffnet 
hatte^  ohne  Eiterung  unter  dem  ersten  Verbände  heilte.  Zu  Unter- 
bindungen und  Suturen  verwendet  Verf.  Catgut  und  legt  grossen  Werth 
darauf,  zu  Nähten  die  dünnsten  Fäden  zu  gebrauchen.  ■ —  Lösungen  mit 
mehr  als  4 — 5^  Salicylsäure  sind  zum  Desinficiren  unzweckmässig, 
da  sie  reizen ;  auch  kommen  dabei  manchmal  capilläre  Blutungen  vor. 

V.  Hosengreil  (Bonn). 

H.    P.    BowditclL      Ein    Instrument    zur    Bestimmung    der 
Färbekraft  des  Wassers  verschiedener  Flüsse. 

(Keports    of    the   medical   Commission   upon    the   sanitary   qualities   of  the   etc. 

river-waters.) 

Bockwell  and  Churchill,  Boston  1875. 

Als  Mitglied  einer  Commission^  welche  entscheiden  sollte,  in  wie 
weit  das  Wasser  verschiedener  Flüsse  tauglich  war,  durch  eine  Was- 
serleitung der  Stadt  Boston  zugeführt  zu  werden^  construirte  B.^  um 
eine  Norm  für  die  Färbung  der  verschiedenen  Wässer  zu  gewinnen, 
folgenden  Apparat:  Zwei  Metallrohre  sind  luftdicht  in  einander  ver- 
schiebbar und  werden  einseitig  durch  genau  aufpassende  Glasplatten 
verschlossen.  In  dem  nicht  verschlossenen  Ende  des  inneren  Bohrs 
steckt  ein  schwaches  (Hartnack'sches)  Ocular.  In  dieser  fem  rohr- 
ähnlichen Vorrichtimg  wird  nun  durch  die  beiden  Glasplatten  ein 
cylindrischer  Baum  abgegrenzt,  dessen  Höhe  wechselt  mit  der  stär- 
keren oder  geringeren  Einschiebung  der  Bohre  in  einander,  und  welcher 
durch  ein  eingelöthetes  Böhrchen  hindurch  mit  einem  die  zu  unter- 
suchende Flüssigkeit  enthaltenden  Gefass  communicirt.  —  Zwischen 
den  mit  Flüssigkeit  gefüllten  Cylinder  und  das  Ocular  ist  ein  recht- 
winkelig geschliffenes  Doppelprisma  so  eingefügt,  dass  der  eine  Winkel 
des  Bhombus  über  die  äussere  Bohrhülse  hinausragt.  Bringt  man  nun 
eine  weisse  Fläche  vor  die  äusserste  Glasplatte  der  Vorrichtung,  und 
stellt  das  Ocular  auf  den  oberen  Band  des  Prisma  ein,  so  kommen 
in's  Gesichtsfeld  einmal  Strahlen,  die  am  Tubus  vorbei  den  vorsprin- 
genden Winkel  des  Prisma  treffen,  hier  doppelt  reflectirt  werden  und 
so  zur  Perception  gelangen  und  dann  Strahlen,  welche  direct  in  der 
Längsaxe  des  Instrumentes  sich  bewegen,  aber  erst  den  Flüssigkeits- 
cylinder  durchdringen  müssen,  ehe  sie  zum  beobachtenden  Auge  ge- 
langen. So  erscheint  jetzt  das  Gesichtsfeld  halb  weiss  und  halb  ge- 
färbt, und  zwar  je  nach  der  gewählten  Höhe  des  Flüssigkeitscylinders. 
Fügt  man  vor  den  vorspringenden  Winkel  des  Prisma  eine  gefärbte 
Glasplatte  ein ,  so  ist  jetzt  auch  die  zweite  Hälfte  des  Gesichtsfeldes 
gefärbt.  Auf  diese  Normalfärbung  kann  nun  diejenige  der  Flüssig- 
keit sehr  einfach  dadurch  gebracht  werden,  dass  man  durch  Ver- 
schieben der  Bohre  (mit  Hülfe  einer  Mikrometerschraube)  die  Höhe 
des  Flüssigkeitscylinders  ändert.  — 

Die  Beschreibung  dieses  Apparates  erscheint  gerechtfertigt,  weil 
derselbe    auch    für    Farbenuntersuchungen     von    Körperflüssigkeiten 


h 


584  Centralblatt  fflr  Chirurgie,     ü 

(Blut,    Galle   u.   s.    w.)    sich    bewähren    du 

Farbstoffen  zu  bestimmen   auf  anderen  Wegen  mit  vielen  Umstanden 

und  Schwierigkeiten  verknüpft  ist.  lesser  [BerUn). 

Boucbnt.    Des  signes  ophthalmOBcopiques  diif<§rentiel8  de  la 
commotion  et  de  la  contusion  du  cerveau. 

[Comptes  rendu»  T.  81.  1875.  p.  102.) 
B.  hat  sich  zeit  10  J&hren  mit  sorgfältiger  Aufiiahme  des  oph- 
thalmoskopisch'en  Befundes  bei  der  Himerschütterung  und  Hirn- 
quetschung beschäftigt  und  glaubt  nun  sein  Resultat,  wie  fulgt, 
zusammenfassen  zu  können :  In  den  Fällen,  wo  nur  Himerschütterung 
vorliegt,  zeigt  der  Sehnerv  seine  normale  Form,  Klarheit  und  Fir- 
buQg,  die  Netzhaut  bietet  ebenso  wenig  wie  die  sie  durchziehenden 
Venen  eine  merkliche  Veränderung  dar.  Bei  der  Hirnquetschung 
dag^en  (gleichgiltig ,  ob  ihr  Entzündung  folgt  oder  nicht)  oder  bei 
serösem  resp.  blutigem  Erguss  in  das  Ilim,  mit  oder  ohne  Schädel- 
fractur,  erscheint  der  Sehnerv  merklich  geschwollen,  abgeplattet, 
rosafarben,  zuweilen  reichlicher  vascularisirt;  seine  Contouren  sind 
weniger  deutlich,  er  ist  diffus  oder,  circumscript  von  einem  se- 
rösen E]^U8S  durchsetzt,  der  sich  auf  die  benachbarten  Netzhautpsr- 
tien  mit  opalin-duichsichtiger  Färbung  verbreitet;  dadurch  erscheint 
der  Pupillarrand  gleichsam  verschleiert.  Hat  die  Suffusion  die 
Scheide  des  Sehnerven  erreicht,  so  erscheinen  die  Betiualarterien  bis- 
weilen verengt.  Die  Netzhau tvcncn,  die  mehr  oder  weniger  erweitert 
sind,  weisen  durch  die  Verlangsamung  ihrer  Circulation  auf  eine  in  ähn- 
licher Weise  innerhalb  des  Schädels  bestehende  Stauung  in  der  Blut- 
bew^ung  hin.  J«  Miink  (StraBsbarg  i/E.). 

Bouohnt.      Nouvelle  m^thodc  du  traitement  du  rhumatisme 

c^r^bral  par  l'hydrate  de  chloral. 

(Comples  renduB  T.  80.  1875.  p.  1341.) 

Die  CompUcation  des  acuten  Qrelenkrheumatiemus  mit  Cerebral- 
erscheinungen ,  denen  in  der  Mehrzahl  der  Fälle  eine  acute  Menin- 
gitis zu  Grunde  liegt,  gilt  für  ein  schweres  und  bedenkliches  Symptom. 
Der  ophthalmoskopische  Befund  crgiebt  eine  seröse  Infiltration  der 
Pupille  und  der  benachbarten  Netzhauttheile  mit  Erweiterung  der 
Retin alveuen.  Dieser  sogenannte  Himrheumatismus  kündigt  sich 
durch  mehr  oder  weniger  heftige  Delirien  an,  die  zuweilen  sehr  ra- 
pide zu  Coma  und  Asphyxie  und  so  innerhalb  weniger  Stunden  zum 
Tode  führen. 

In  drei  Fällen  derartiger  Ilimerscheinungen  im  Gefolge  des  acuten 
Gelenkrheumatismus  hat  B.  bei  innerlichem  Gebrauch  von  Chloral 
zu  3 — 6,0  p.  dosi,  mehrmals  am  Tage  gereicht,  gute  Erfolge  gesehen; 
es  trat  eine  sofortige  Verminderung  der  Himsymptome  ein  und 
alle  drei  Fälle  gingen  in  Heilung  über.  !•  Mnnk  (Scrassburft  i/E.). 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  37.  585 

Th.  Anoandale.     Behandlung  des  Zungencarcinoms  mit  Be- 
richt über  Zustand  des  Tastsinns  und  der  Sprache  nach  der 

Exstirpation  desselben. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  1.  p.  834.) 

A.  plädirt  dafiir^  bei  ausgesprochenem  Carcinom  nicht  lange  zu- 
zuwarten^ sondern  schnell  zu  operiren,  nicht  aber  kleine  Excisionen 
zu  machen^  sondern  bei  einseitiger  Erkrankung  sogleich  die  Hälfte 
der  Zunge  ^  bei  Verbreitung  des  Carcinoms  über  die  Mittellinie  die 
ganze  Zunge  zu  opfern^  bei  Erkrankung  der  Spitze  hinter  derselben 
im  Gesunden  die  galvanocaustische  Schneideschlinge  resp.  den 
Ecraseur  anzulegen.  Bei  Entfernung  der  halben  oder  ganzen  Zunge 
räth  A.  nach  dem  Syme' sehen  Verfahren  die  Haut  der  Lippen-,  der 
Kinn-  und  der  Unterkinngegend  in  der  Mittellinie  bis  zur  Gegend  des 
Zungenbein»  zu  spalten,  den  Unterkiefer  in  der  Symphyse  zu  trennen, 
nach  beiden  Seiten  auseinandergezogeu  zu  halten  und  nun  die  Ab- 
tragung mit  galvanocaustischer  SchneideschUnge  oder  Ecraseur  zu 
machen,  da  erfahrungsgemäss  nach  der  Messer-Operation  die  meisten 
Fälle  von  Pyämie  und  Phlebitis  gefolgt  sind.  Am  besten  werde  stets 
die  Zunge  in  der  Mittellinie  gespalten  und  je  nach  Bedarf  die  eine 
oder  beide  Hälften  entfernt.  Nöthigenfalls  müssten  die  arcus  gloss. 
palat.  quer  eingeschnitten  werden.  Nach  der  Operation  werden 
die  Kieferhälften  durch  Drathsutur  geschlossen,  ebenso  die  Weichtheile 
vereinigt;  die  ersten  2 — 3  Tage  kann  die  Ernährung  mittelst  der 
Schlimdsonde  nothwendig  werden.  Ein  Operations-Fall  dieser  Art 
wird  ausführlich  wiedergegeben. 

Hieran  schliesst  sich  der  Bericht  G.  Mc.  Kendrick's  über  ei- 
nige physiologische  Untersuchungen  eines  solchen  Operirten.  Die 
Tastempfindung  ist  normal  an  den  Lippen,  an  dem  Zahnfleische,  der 
Wange,  dem  Boden  und  Gewölbe  der  Mundhöhle,  ist  erhöht  an  der 
Narbe;  die  Geschmacksempfindung,  prompter  für  leicht  lösliche  Ge- 
genstände, war  deutlicher  an  den  Rändern  der  Narbe  als  an  den  mitt- 
leren Theilen  derselben ;  Säuren,  Tannin  und  scharfe  Stofie,  als  Senf 
und  Alkohol,  gaben  keine  Geschmacksempfindung  nur  die  Empfindung 
des  Brennens ;  Beste  von  Papulae  circumvall.  konnten  in  der  Umgegend 
der  Narbe  nicht  mehr  aufgefunden  werden.  Beigeschmack  und  Ekel 
waren  normal.  Ueber  die  Untersuchungen  der  Stimme  und  der 
Sprache  muss  das  Original  nachgesehen  werden.         Pll»  (Stettin). 


Ohlemann.    Beitrag  zur  Statistik  der  Oberkiefergeschwülste. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVIII.  Hft.  3.  p.  463—476.) 

Ein  Ueberblick  über  die  in  der  Göttinger  chirurgischen  Univer- 
sitätsklinik seit  1856  zur  Beobachtung  gekommenen  und  operirten  32 
Oberkiefergeschwülste.  Carcinome  kamen  am  häufigsten  vor;  sie 
machten   15  mal  die  totale^    2  mal  die  partielle  Resection   nöthig. 


586 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  37. 


Unter  den  Sarcomeu  figuriren  5  Riesenzellen- ^  drei  Spindelzellen-j 
ein  Rundzellen-  und  ein  Medullarsarcom^  von  denen  nur  letzteres 
und  ein  zu  bedeutender  Grösse  angewachsenes  Riesenzellensarcom  die 
totale  Resection  erforderten.  Als  vereinzelte  Fälle  schliessen  sich 
ihnen  zwei  Cylindrome  mit  partiellen  Resectionen^  2  Epitheliome  mit 
fast  totaler  und  ein  Enchondrom  mit  totaler  Resection  an.  Unter 
den  20  totalen  Reseotionen  befinden  sich  B  Todesfalle  und  17  Hei- 
lungen^ unter  den  12  partiellen  kein  Todesfall.  Die  Carcinome  en- 
deten^ auch  wenn  die  Resection  gelungen  war^  1 — 3  Jahre  nach  der- 
selben tödtlich.  —  Bronchopneumonien  wurden  durch  strengste  Des- 
infection  der  Wunde  yermieden.  Nachblutungen  tödteten  2  mal; 
Erysipele  traten  öfter  auf^  hatten  aber  keine  erhebliche  Bedeutung. 

Die  Diagnosen  der  Tumoren,  in  specie  die  differentiellen  zwischen 
Sarcom  und  Carcinom  stützen  sich  nur  zum  Theil  auf  genaue  mi- 
kroskopische Untersuchungen.  Wilh.  Koch  (Berlin). 


L»'. 


R.  Krieg.     Beiträge  zur  Lehre  vom  Enchondrom  der  Spei- 
cheldrüsen. 

Inaug.  Diss.    Tübingen.  1874. 

Pie  Arbeit  enthalt  eine  kurze  Besprechung  der  pathologisch- 
anatomischen und  klinischen  Eigenthümlichkeiten  der  Enchondrome 
der  Speicheldrüsen  und  eine  Zusammenstellung  Yon  61  Fällen  der- 
selben aus  der  Litteratur  und  den  Journalen  der  Tübinger  chirurgi- 
schen Ehnik.  Es  gehören  hiervon  53  Fälle  der  Farotisgegend^  6  der 
Submaxillargegend  und  2  der  Sublingualgegend  an.  Die  in  der  Tü- 
binger Klinik  beobachteten  imd  operirten  9  Fälle  werden  ausführlich 
mitgetheilt.  Unter  denselben  befinden  sich  7  Fälle  von  Enchondromen 
der  Parotisgegend  ^  von  denen  4  innerhalb  und  3  ausserhalb  der 
Drüsensubstanz  ihren  Ursprung  genommen  hatten;  2  mal  bestand 
Combination  mit  Carcinom,  1  mal  mit  Myom^  i  mal  mit  Cystenbil- 
dung  (seit  dem  Abschlüsse  dieser  Arbeit  sind  noch  2  weitere  Fälle 
von  reinen  Enchondromen  der  Parotis  in  der  Tübinger  Ellinik  be- 
obachtet worden.  Ref.).  Die  übrigen  2  Fälle  betreffen  Enchondrome 
der  Submaxillardrüse  bei  einem  28jährigen  Manne  und  einer  36jäh- 
rigen  Frau  (ein  3.  Fall  bei  einer  Frau  von  68  Jahren  ist  im  Juni 
dieses  Jahres  vom  Bef .  exstirpirt  worden) .  —  Als  Anhang  folgt  noch 
die  Mittheilung  einiger  Fälle  von  Enchondromen  in  anderweitigen 
Weichtheilen ,  um  die  in  der  Tübinger  Klinik  beobachteten  Weich- 
theü- Enchondrome  überhaupt  zusammen  bekannt  zu  geben.  Der 
1.  Fall  betrifft  ein  Enchondrom  des  linken  Testikels  bei  einem  25jähri- 
gen  Manne^  welches  durch  die  Castration  entfernt  wurde,  der  2.  Fall 
ein  Echondrom  im  Unterhautzellgewebe  der  Stime  bei  einer  Frau 
von  32  Jahren,  der  3.  Fall  ein  wallnussgrosses  Enchondrom  der 
Oberlippe  (ausser  diesem  sind  nur  noch  3  Fälle  von  Enchondrom  der 
Lippen  von  Paget,  Dolbeau  und  Puppe  bekannt  gegeben;  ein 


i 


■T-' 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  37.  587 

5.   Fall  bei   einem   60jälirigen  Mann  ist  vor  Kurzem  wieder  in  der 

Tübinger  Klinik  beobachtet  und  exstirpirt  worden.     Ref.). 

P*  Bnws  (Tübingen).  / 

Thaden.     Ueber  Wirbelverletzungen. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVUI.  Hft.  3.  p.  426-463.) 

Unter  etwa  1200  im  Altonaer  Krankenhause  zwischen  1861  und 
1874  incl.  behandelten  Fracturen  sind  28  Wirbelbrüche  bei  26  Män- 
nern und  1  Weibe  notirt.  Die  Fat.  standen  zwischen  dem  19.  und 
70.  Lebensjahre;  bei  etwa  10  derselben  waren  Lähmungen  entweder 
nicht  oder  nur  in  ganz  geringfügiger  Art  nachweisbar. 

Halswirbel.  Verstauchungen  derselben  kamen  bei  13  Män- 
nern Yor^  stets  als  Nebenverletzungen  und  anscheinend  nicht  durch 
directe  Gewalt.  Alle  klagten  über  lebhaften  Nackenschmerz  und 
Empfindlichkeit  bei  Druck  resp.  Rotation.  Schlingbeschwerden^  Läh- 
mung der  Blase  und  Extremitäten  wurden  nur  je  einmal,  Uebergang 
in  Spondylitis  niemals,  auch  nicht  bei  Scrophulösen  beobachtet. 

Unter  den  9  Brüchen  sind  zu  erwähnen,  einer  des  proc.  odontoideus^ 
einer  im  Körper  und  in  der  linken  Bogenhälfte  des  Epistropheus. 
Die  damit  Behafteten  kamen  zu  Fuss  ins  Spital,  konnten  den  steif 
gehaltenen  Kopf  nicht  drehen ,  hatten  keine  Gliederlähmungen,  aber 
heftigen  Schmerz  in  der  oberen  Nackengegend.  Die  Section  verificirte 
die  Verletzung  einmal  nach  8  Tagen,  einmal  nach  5^2  Jahren. 

Zweimal  kamen  Diastasen  der  durch  Rheumarthritis  ankylosirten 
Halswirbel  zur  Beobachtung.     Sie  führten  schnell  zum  Tode. 

Im  Bereich  der  8  oberen  Rückenwirbel  zeigten  sich  bei  3 
Individuen  zum  Theil  mehrfache  Brüche,  bei  4  anderen  Contusionen. 
Im  letztern  Falle  waren  schmerzhaft:  einmal  der  4.,  einmal  der 
1.  Wirbel,  die  anderen  Male  sämmtliche  oberen  Wirbel  resp.  die 
Gegend  zwischen  den  Schulterblättern.  Lähmung  kam  nur  1  mal 
vor  und  verschwand  in  14  Tagen. 

Bezüglich  der  Wechselwirkung  zwischen  diesen  Cfontusionen  und 
der  Spondylitis  erwähnt  Verf.,  dass  von  8  mit  Wirbel  Vereiterung  be- 
hafteten Erwachsenen  nur  2  und  der  eine  gewiss  mit  Unrecht  ein 
Trauma  als  deren  Ursache  angaben. 

An  den  4  untern  Dorsalwirbeln  und  den  Lenden- 
wirbeln wurden  17  Contusionen,  meist  Folge  gewaltsamer  Vorn- 
überbeugung, nachgewiesen.  Gebrochen  waren  die  4  unteren  Rücken- 
und  der  1.  Lendenwirbel  bei  8  Männern.  Von  diesen  waren  5  ge- 
lähmt. Die  Lähmung  verlor  sich  in  5  Wochen  bei  2,  die  3  übrigen 
starben.  Die  Diagnose  stützte  sich  bei  fehlender  Lähmung  und  Cre- 
pitation  auf  die  plötzliche  Unfähigkeit  zu  stehen,  auf  den  fixen 
Schmerz  an  der  Bruchstelle,  auf  die  Deformität  (fehlende  Lumbal- 
Lordose  mit  compensirender  dorsaler  Abflachimg) ,  auf  die  langdau- 
emde  Steifigkeit  und  das  lange  Krankenlager. 

Die  4  unteren  Lendenwirbel  waren  bei  6  Männern  im  Wirbel- 
körper gebrochen  und  zwar  2  mal  mit  Blasenlähmung,  1  mal  mit 


Wl 


588  Centralblatt  für  ChiruTgie.     3 

totaler  Paralyse  der  Beine,  viermal  ohne  eicliei  oavuircmixuc  x^auuiuiif^ 
derselben.  Drei  Männer  von  36 — 42  Jahren  kamen  zur  Section, 
welche  nach  der  Verletzung  die  unteren  Gliedmaseen  gut  bewegt 
hatten,  von  denen  nur  1  an  Blasenlähmung  litt.  Der  Bruch  betraf 
den  2.,  3.  und  4.  Lendenwirbel,  und  zwar  stellte  der  3.  Wirbel  eine 
sogenannte  Compressionsfractur  dar. 

Die  anscheinende  Immimität  des  5.  Lendenwirbels,  welche 
Gurlt'  s  Casuistik  von  fast  300  Fällen  vor  10  Jahren  eigab,  ist  durch 
neuere  Mittheilungen  widerlegt.  Trennung  des  Bogens  zwisdien 
oberem  und  unterem  Gelenkf orte  atz  desselben  ist  sogar  relativ  läufig 
nachgewiesen  und  zum  Theil  wenigstens  auf  ein  früheres  Trauma 
zurückzuführen.  — 

Von  24  Erwachsenen  mit  Spondylarthrocace  oder  Kyphosis  lumbo- 
dorsalis  gaben  5  Trauma  als  Ursache  ihrer  Krankheit  an. 

Wllh.  Koch  [Beriin). 

L  G.  Eerr.    Urinary  calculus  in  China. 

(New  York  med.  Journal  1S76.  Bd.  XXI.  p.  5Ö6.) 
Im  Medical  missionary  society's  hospital  zu  Canton  in  China  wurden 
in  den  letzten  4  Jabren  151  Steinkranke  operativ  behandelt.  Es 
werden  114  Lithotomieen  mit  7  Todesfallen,  37  Lithotripsieen  mit  1 
Todesfall  verzeichnet.  —  Eine  übersichtliche  Tabelle  ordnet  Opera- 
tions- und  Todesfälle  nach  dem  Älter.  Die  Chinesen  ziehen  die  Opera- 
tion durch  Schnitt  vor,  Madelong  (Bonn). 


D.  Budge.     UebeT  die  Function  des  Muse,  levator  ani  mit 
Rücksicht  auf  Pathogenese. 

[Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  27.) 

Verf.  giebt  hier  aus  seinen  Experimenten  und  Studien  gewonnene 
Resultate,  soweit  dieselben  für  Praktiker  hinsichtlich  der  Pathogenese 
von  IntereSBC  sind.  Entweder  sah  man  den  Levator  ani  als  Heber 
und  Erweiteret  des  Anus  oder  (Cruveilhier,  Henle,  Leshaft) 
als  zweiten  Sphineter  an.  Zur  richtigen  Würdigung  seiner  Function 
ist  sein  Verhältniss  zur  Beckenfascie  zu  constatiren.  Zu  ihr  hat  er 
sowohl  Ursprungs-  als  Ansatzpuncte,  ersteie  am  arcus  tendineus,  letz- 
tere an  den  bew^licheren  l'heUen.  Bei  Anspannung  des  Muskels 
wird  die  sonst  nach  unten  trichteiformig  sich  vertiefende  Fascie 
nach  oben  verflacht;  durch  diesen  Gegendruck  von  unten  wird  die 
BauchpresBe  vervollständigt,  wird  also  unter  Umständen  Defaecation 
zu  bewirken  gesucht.  — 

Die  FuncüoD  des  m.  levat.  ani  als  Fascienspannei  ist  nicht  die 
wichtigste.  Er  entspringt  ausser  am  arcus  tendineus  am  ram.  horiz 
ossis  pubis,  Spina  ossis  ischii  und  vorderen  Ende  des  Steissbeins 
Seine  Fasern  verlaufen  so,  dass  der  ganze  infraperitoneale  Theil  de: 
Rectum   von   ihnen    eingeschlossen   und    bei   Contractionen  bis  zum 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  37.  589 

After,  der  frei  bleibt,  eingeschnürt  wird.  Experimentell  hat  B.  nach- 
gewiesen, dass  am  eben  getödteten  Thiere  Beizung  des  Muskels  völligen 
Abschluss  des  Rectums  für  durchlaufendes  Wasser  bewirkte.  Für 
Vögel  hat  schon  Cuvier  diesen  Muskel  als  Sphincter  erklärt.  Als 
Defaecator  wirkt  er  nur,  wenn  die  Bauchpresse  angewandt  wird  und 
der  Sphincter  ani  nicht  contrahirt  ist.  Nimmt  aber  die  Contractions- 
fähigkeit  des  Levator  ani  ab,  so  kann  Obstruction  folgen  (z.  B.  Nach 
langem  Fahren,  übermüdenden  Märschen,  bei  allgemeinem  Emäh- 
rungsmangel,  bei  Nervenaffectionen  etc.). 

Schliesslich  beweisst  Verf.,  dass  nicht  der  N^laton'sche  Sphinc- 
ter ani  superior,  sondern  der  Levator  ani  bei  zerstörtem  Sphincter 
ani  vicariirend  die  Retentio  alvi  bewirkt.  v.  Mosengeil  (Bonn). 


Th.  Annandale.   Neue  Operation  für  gewisse  Fälle  von  hoch- 
gradigem Genu  valgum. 

(Edinburgh  med.  Journal  1875.  July.  p.  18.) 

In  Fällen  von  genu  valgum,  bei  denen  die  Condylen  des  Ober- 
schenkels sehr  schräg  geneigt  stehen,  kann  man  eine  Besserung  der 
Stellung  des  Unterschenkels  dadurch  erreichen,  dass  man  den  Ober- 
schenkel, wenn  auch  seine  Axe  im  mittleren  oder  im  unteren  Drittel 
gekrümint  ist,  an  der  Äbknickungsstelle  durchtrennt  und  gerade  rich- 
tet, oder  dass  man  von  den  Condylen  des  Oberschenkels  durch  eine 
genau  horizontale  Schnittlinie  die  schräg  geneigte  Epiphysenpartie 
entfernt.  Obwohl  der  letztere  Vorschlag  wegen  der  damit  verbunde- 
nen Eröffnung  des  Kni^elenks  der  gefährlichere  ist,  so  hat  ihn  A. 
dennoch,  weil  er  ihm  als  der  sichere  erschien,  und  er  durch  streng 
gehandhabtes  »antiseptisches«  Verfahren  den  Gefahren  der  Kniegelenks- 
entzündung vorzubeugen  hoffte,  bei  einem  6jährigen  Mädchen  erfolg- 
reich durchgeführt.  —  An  der  Innenseite  des  Kniees  wurde  ein  5 
Zoll  langer  Längsschnitt  gemacht,  das  Gelenk  eröfihet,  die  ligg.  la- 
teralia  (das  int.  und  das  ext.)  und  die  ligg.  cruciat.  quer  durchtrennt, 
und  nun  in  horizontaler  Schnittlinie  die  darüber  vorspringende  Partie 
beider  Condylen  abgesägt.  Das  jetzt  vollkommen  geradlinige  Bein 
wurde  auf  eine  Schiene  gelagert.  Operation  und  Verband  geschahen 
natürlich  unter  antiseptischen  Cautelen.  Geringe  Eiterung  trat  ein, 
doch  brauchte  am  8.  Tage  der  Verband  nur  alle  2  Tage  gewechselt 
zu  werden.  Nach  6  Wochen  volle  Heilung;  beide  Beine  waren  gleich 
lang;  seitliche  Bewegung  im  Knie  nur  in  geringem  Grade  möglich, 
aber  leider  Flexion  und  Extension  ebenso  beschränkt.  Daher  nach 
5  Wochen  in  der  Narkose  Trennung  der  Adhäsionen  im  Gelenk  durch 
forcirte  Beugung.  Nach  2  Tagen  ging  das  Kind  mit  Hülfe  von 
Krücken  wieder  umher ;  die  Beweglichkeit  im  Gelenk  war  entschieden 
gebessert  (Endresultat  nicht  angegeben).  PH«  (Stettin). 


590  Centralblatt  fQr  Chirargie.    No.  37. 


Kleinere  Mittheilungen. 

Ohr.  Heatfa.  (University  College  Hospital.)  Zwei  Fälle  von  Arterien- 
vereiterung. 

(The  Lancet  1875.  Vol.  II.  p.  50.) 

1.  Eine  28j&hrige  Frau  hatte  einen  kleinen  oystischen  Tumor  an  der  Aussen-- 
Seite  des  Unterschenkels,  3"  unter  dem  Knie,  der  früher  durch  Function  entleert, 
jetzt  von  H.  exstirpirt  wurde.  Am  3.  Tage  erfolgte  ein  Frostanfall,  dann  Röthung 
des  Beines  mit  nachfolgendem  Oedem  und  Schwellung  der  Inguinaldrüsen.  Bei  con- 
stant  hohem  Fieber  zunehmende  Schmerzen  um  das  Knie,  besonders  an  der  Innen- 
und  Hinterseite.  Das  Knie  selbst  schwillt  an,  unter  Entwickelung  eines  Abscesses  an 
der  Innenseite  des  Oberschenkels.  Incision,  profuse  Eiterung,  hohe  Prostration 
der  Kräfte.  16  Tage  vor  dem  Tode  profuse  Blutung  aus  der  Incisionsstelle ;  6  Tage 
vor  dem  Tode  Gangrän  einiger  Zehen;  kein  Puls  in  Tibialis  ant.  und  post.  Tod 
durch  Erschöpfung.  • —  Section:  Kniegelenk  hochgradig  verändert,  commu- 
nicirt  durch  mehrere  Oeffnungen  mit  dem  grossen  Oberschenkelabscesse,  der  zwischen 
sämmtliche  Muskeln  sich  hinauf  erstreckt  und  bis  zur  Operationsstelle  herabreicht; 
das  Tibio-Fibular-Gelenk  normal.  Die  Art.  poplit.  lag  in  der  Abscesshöhle  an  dem 
vorspringenden  Theile  des  condyl.  int. ,  hier  war  ihre  vordere  Wand  auf  1  Zoll 
Länge  arrodirt,  ebenso  Vs"  ^^^^  ^^  ^^^  ihrer  Innenseite  abgehender  starker  Ast,' 
der  jetzt  mit  schwachem  Thrombus  verschlossen  intra  vitam  die  Blutung  geliefert 
hatte.  Unter  der  arrodirten  Stelle  war  die  Intima  der  Poplitea  sehr  verdickt;  ein 
sehr  weicher  Thrombus  befand  sich  in  der  erkrankten  Arterie.  Ausser  diesen  Ver- 
änderungen noch  rechtsseitige  Pleuro-Pneumonie. 

2.  In  Folge  eines  Stosses  hatte  sich  bei  einem  sonst  vollkommen  gesunden 
Manne  eine  chronische  EUenbogenentzündung  ausgebildet,  die  zu  einer  fast  voll- 
kommenen Ankylose  geführt  hatte.  H.  versuchte  mit  scheinbar  gutem  Erfolge 
forcirte  Streckung,  der  gewonnenen  Beweglichkeit  folgte  aber  schnell  heftige  Ent- 
zündung mit  mehrfachen  Abscedirungen.  Trotz  fortgesetzten  passiven  Bewegungen 
wurde  nicht  viel  erreicht  und  deshalb  die  Excision  des  Gelenks  vorgenommen. 
Hierbei  erfolgte  ein  kleiner  Hautriss  an  der  Beugeseite  des  Gelenks.  Am  5.  Tage 
fand  an  dieser  Stelle  eine  beträchtliche  Blutung  statt,  die  am  9  Tage  wieder- 
kehrte und  die  directe  doppelte  Unterbindung  des  blutenden  Gefösses  in  der  er- 
weiterten Wunde  erforderte.  Trotzdem  trat  noch  eine  3.  Blutung  ein  und  nuin 
machte  jetzt  die  Ligatur  der  Brachialis  im  mittleren  Drittel ;  eine  fernere  Blutung 
f&hrte  zur  Amputation  im  Oberarme.  Schon  nach  wenigen  Stunden  erfolgte  hier- 
auf der  Tod.  Einige  Tage  vorher  hatte  man  noch  linksseitige  Pleuritis  diagnostizirt. 
Section:  Die  obere  Ligatur  umschloss  eiterndes  Bindegewebe  an  der  Vorderseite 
der  Arterie  und  lag  der  unteren  sehr  nahe,  letztere  umschloss  genau  die  Arterien- 
wand, aber  unter  ihr  war  die  vordere  Arterienwand  auf  1"  Länge  gänzlich  ge- 
schwunden bis  zur  Bifurcationsstelle,  woselbst  Kadialis  und  Ulnaris  in  einen  Sinus 
ausmündeten:  zwischen  beiden  Ligaturen  ging  kein  Gefäss  ab.  Vena  brachial, 
enthielt  kein  Gerinnsel;  die  übrigen  Gefässe  waren  normal;  die  Brachialis-Liga- 
tur  lag  etwas  unter  der  Stelle,  wo  anastomotische  Zweige  von  dem  Hauptstamm 
abgingen.  Pil8  (Stettin}. 

J.  W.  Howe.    Transfusion  of  goat's-milk. 

(New  York  med.  Journal.  1875.  Bd.  XXI.  p.  506.) 

Ein  39j  ähriger  Arbeiter  litt  an  chron.  rheumat.  Arthritis  des  Kniegelenks, 
Lungen-  und  Peritoneumtuberkulose.  Nachdem  P.  mehrere  Tage  keine  feste 
Nahrung  genommen  und  seine  Kräfte  rasch  verfielen,  wurden  ihm  17s  Unzen  Zie- 
genmilch in  die  vena  cephalica  »auf  die  gewöhnliche  Art«  transfundirt  (Blut  konnte 


Ccntralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  37.  591 

nicht  rasch  genug  beigeschafft  werden).  Der  Fat.  klagte  über  Schwindel,  Trü- 
bung des  Gesichtsfeldes  und  Nystagmus.  Puls  unverändert.  Wenige  Minuten 
später  waren  diese  Symptome  verschwunden.  Injection  einer  weiteren  Unze  Milch. 
Als  4  Minuten  später  abermals  eine  Unze  eingespritzt  wird,  klagt  der  Fat.  über 
Schmerz  in  der  Brust  und  Kurzathmigkeit.  Als  jetzt  die  Kanüle  entfernt  wurde, 
verschwand  Beides.  Der  Fuls  schien  sich  gehoben  zu  haben.  Acht  Stunden 
später  wiederum  Injection  von  3  Unzen.  Am  folgenden  Tag  fühlte  sich  Fat.  viel 
besser  und  wünschte  eine  neue  Injection.  Ein  Tag  später  Tod.  Die  Venen,  in 
welche  die  Milch  injicirt  war,  waren  gesund.  Verf.  glaubt,  dass  diese  Transfusionen 
weder  den  Tod  des  F^t.  beschleunigt,  noch  sein  Leben  um  eine  Stunde  verlängert 
haben.  Madelimg  (Bonn). 

W.  Mosler.    Ueber  arterielle  Transfusion  deiibrinirten  Menschenblutes 
bei  Darmblutung  im  Verlauf  von  Typhus  abdominalis. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  20.) 

Nach  einer  erschöpfenden  Blutung  in  dem  durch  dis  Ueberschrift  charakteri- 
sirten  Falle  wurde  eine  arterielle  Transfusion  ausgeführt ;  von  einer  venösen  wurde 
wegen  hochgradiger  Hersschwäche  Abstand  genommen.    Genesung. 

T»  Mosengeil  (Bonn). 

C.  Sohwalbe.    Electrotherapeutische  Beiträge. 

(Virchow's  Archiv  Bd.  LXIII.  p.  462.) 

Varicen,  chronische  Beingeschwüre,  Elephantiasis,  femer  Erysipele,  Fhlegmonen, 
Urticaria,  Entzündungen  einzelner  Gelenke  sowie  acute  und  chronische  Folyarthri- 
tiden  hat  S.  durch  Behandlung  der  benachbarten  Haut  mit  der  electrischen  Geissei 
behandelt  und  will  hierbei  gute,  oft  überraschend  glänzende  Erfolge  erzielt  haben ; 
bei  Beingesohwüren ,  bei  Erysipelen,  selbst  bei  der  Gesichtsrose  wurden  die  Fat., 
nach  den  Angaben  von  S. ,  nur  ambulant  behandelt.  —  Dann  werden  noch  aus- 
gezeichnete Heileffecte  bei  Fleuropneumonie  und  Lungenphthise  von  der  Anwen- 
dung der  electrischen  Geissei  auf  die  Haut  des  Thorax  berichtet  und  giebt  S.  an, 
dass  er  schon  jetzt  »diese  neue  Methode«  veröffentliche,  um  sich  die  Friorität  der 
Erfindung  zu  wahren.  Madelung  (Bonn). 

J.  Lewis  Smith.    Erysipelas^  and  its  effect  on  a  child  at  the  breast. 

(New  York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXI.) 

Die  Amme  eines  7  Wochen  alten  Kindes  erkrankte  an  Erysipel.  Das  Kind 
nahm  noch  2  Tage  lang  die  Brust,  bekam  dann  Diarrhoe  und  starb  nach  3  Tagen. 
In  der  Peritoneidhöhle  wurden  2  Unsen  Eiter  gefunden.      Madelmg  (Bonn). 

B.  Sehweninger«    Beitrag  zur  Lehre  vom  Enchondrom. 

(Aerztl.  Intelligenzblatt  1875.  No.  24.  p.  241.) 

Mittheilung  eines  Falles  von  Enchondrom  der  Tibia  bei  einem  i  7jährigen 
Mädchen,  durch  Trauma  entstanden.  Amputation  des  Oberschenkels  nach  Gritti, 
13  Monate  später  tödtlicher  Ausgang  in  Folge  von  metastatischer  Enchondrombil- 
düng  im  Becken  und  in  den  Lungen.  Die  genaue  anatomische  Untersuchung  stellte 
fest,  dass  der  metastatische  Beckentumor  seinen  Ausgang  von  den  Lumbal-  und 
Betroperitonealdrüsen  durch  Infection  auf  dem  Wege  der  LymphgeflUsse  genommen 
hatte;  die  Enchondromknoten  in  den  Lungen  dagegen  waren  durch  den  Blutstrom 
verschleppt,  indem  die  Geschwulstmasse  im  Becken  in  die  Vena  cava  hineinge- 
wuchert war  und  sich  die  Lungenarterien  mit  Thromben  derselben  Neubildung 
ausgestopft  zeigten.  P*  Bmns  (Tübingen). 


592  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  37. 

Müller.     Ein  Fall  von  Carcinom  der  männlichen  Brustdrüse. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 

Der  Fall  bietet  keine  Besonderheiten.  Es  kam  widerholt  zu  Becidiven  in  der 
Narbe,  die  geätzt  wurden;  schliesslich  glaubte  M.  bei  Anwendung  des  constanten 
electrischen  Stromes  ein  verlangsamtes  Wachsen  der  Neubildung  zu  bemerken. 

Gersnny  (Wien). 
Otifl.     Caiies  of  the  vertebrae;  Tubercular  disease  of   kidneys  and 

testicles. 
(New  York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXI.  p.  514.) 

Ein  4^ähriger  Mann  litt  seit  Jahren  an  den  heftigsten  Schmerzen  beim  Uri- 
niren. Blasenkatarrh  I  Abgang  von  Blut  und  kalkigen  Massen  mit  dem  Urin  ge- 
sellten sich  zu  den  Schmerzen,  welche  sich  so  steigerten,  dass  dem  Fat.  das  Leben 
zur  Qual  wurde.  Obgleich  kein  Stein  zu  entdecken  war,  wurde  der  mediane  Stein- 
schnitt ausgeführt.  Man  vermuthete  einen  Stein  in  einem  Divertikel  der  Blase 
und  hoffte  jedenfalls  durch  die  Operation  Besserung  des  Blasenkat^hs.  Es  wurde 
kein  Stein  gefunden.  Ein  Monat  lang  wurde  die  Blasenwunde  offen  gehalten.  Die 
Linderung  der  Schmerzen  dauerte  einige  Monate.  Fat.  starb  nach  Jahresfrist  an 
Caries  der  Wirbelsäule.  Die  rechte  Niere  war  hochgradig  cystisch  degenerirt,  die 
linke,  dreimal  grössere,  enthielt  einen  grossen  Abscess.  Die  Blasenwandungen 
waren  verdickt.  Hinter  der  Frostata  fand  sich  ein  Divertikel,  »der  gut  geeignet 
war,  einen  Stein  zu  enthalten«,  aber  keinen  enthielt.  Der  rechte  Hoden  tuberculös 
entartet.  Madelung  (Bonn). 

Dupont.    Luxation  compl^te  de  la  moiti6  droite  du  bassin. 

(Archives  m^dicales  belges|1875.  Hft.  7.) 
Ein  Fionier  wurde  während  der  Uebungen  an  der  Scheide  mit  dem  Rumpf 
heftig  zwischen  zwei  Fontons  eingekeilt,  zwar  gleich  befreit,  doch  ohnmächtig  und 
pulslos  in  das  Lazareth  gebracht,  wo  er  schon  nach  3  Stunden  starb.  Aeussere 
Verletzungen  waren  an  dem  Manne  nicht  zu  constatiren  gewesen.  Die  Section  er- 
wies, ausser  einem  reichlichen  Bluterguss  in  die  rechte  fossa  iliaca,  eine  Trennung 
der  Schambeinfuge  und  gleichzeitige  Ablösung  und  Verschiebung  des  rechten  Darm- 
beins im  Ileo-Sacral-Gelenk  nach  hinten,  sodass  die  ganze  rechte  Beckenhälfte  mit 
der  daran  hängenden  Extremität  nach  aussen  und  hinten  luxirt  erschien.  Fractu- 
ren  der  Beckenklxochen  oder  schwerere  Beschädigungen  der  bedeckenden  Weich- 
theile  fehlten  merkwürdigerweise.  Am«  Hiller  (Berlin). 

J.  Fagan.     Verletzung  des  Üeo-Sacral-Gelenkes  beim  Kinde. 

(The  Lancet.  1875.  Vol.  II.  p.  49.) 
Ein  4j  ähriges  Mädchen  zeigte  nach  Fall  die  linke  Sacral-  und  Olutäal-Gegend 
stark  geschwollen,  die  Haut  darüber  geröthet,  glänzend,  von  starken  Venengefleoh- 
ten  durchzogen;  es  bestand  deutliche  Fluctuation.  Durch  Aspiration  wurden  14 
Unzen  dünnen  Eiters  entleert,  anscheinend  die  Hälfte  des  Inhalts;  am  folgenden 
Tage  erschien  eine  kleine  Schwellung  in  der  linken  Inguinalgegend ,  die  in  den 
nächsten  Tagen  ebenfalls  fluctuirte  und  per  Aspiration  4  Unzen  Eiter  entleeren 
liess.  Innerhalb  der  nächsten  24  Tage  der  Behandlung  wurde  7  mal  eine  Eiter- 
Ausziehung  bewirkt.  Als  Residuum  des  Leidens  blieb  eine  tiefe  Rinne  zwischen 
proc.  spin.  des  Kreuzbeins  und  dem  hinteren  Theile  der  crista  ilei,  welche  unter 
Druckverband  bald  verschwand ;  das  Kind  konnte  bei  der  Entlassung  ohne  jeden 
Schmerz  normal  gehen.  In  einer  grösseren  Auseinandersetzung  über  Differential- 
Diagnose  dieses  Ealles  stützt  F.  seine  Diagnose  auf  die  Gegend  der  Verletzung 
und  die  secundäre  Eiteransammlung  in  der  Leiste.  Pilz   (Stettin). 

Orlginalmittheilnngen,  Monographleen  und  Separatabdrficke  wolle 
man  an  Dr.  H.  Tillmanns,  Leipzig,  Marienstiasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlnng, 
BteUkopf  und  Hartelt  einsenden. 

DraelE  und  Verlag  von  Braitkopf  und  HIrtel  in  Leipzig. 


Gentralblatt 


für 


i 


CHIRURGIE 

heransgegeben 

TOB 

Dr.  LLesser,  Dr.  M.  Mele,  Dr.  H.  Tllloiaoiis 

in  Berlin.  in  Halle  m.  S.  in  Leipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N=  38.  Sonnabend,  den  18.  September.  1875. 

Inhalts  Roser,  Rippenresection  bei  Empyem.  (Original-Mittheilang.) 

Sander,  Qeschichte,  Statistik,  Bau  und  Einiichtnng  der  Krankenhäuser.  —  Burger 
Compendium  der  Operativ-Chirurgie.  —  Gu^rln,  Wundbehandlung.  —  Sloll,  Verglei- 
chende Untersuchung  über  die  Zwischenrippen-  und  Bauchmuskulatur.  —  Tuchmann, 
Künstlicher  Verschluss  der  einen  Harnleitermündung.  —  Jakowlckl,  Physiologische  Wir- 
kung der  Bluttransfusion.  —  GelSSOl,  Kriegscbirurgische  Keminiscenzen.  —  BllChanan, 
Bericht.  —  H^noque,  Phlegmonöse  Periostitis.  —  d'AzambaJa,  Tlllot,  Ozaena.  —  Robert- 
son, Haematom  des  Ohres.  —  Harvey,  Zwischensubstanz  der  Hoden. 

Fiorese,  Tetanus  durch  Ghloral  geheilt.  —  Berti,  Splaggia,  Transfusion.  —  Valoranl, 
Fall  von  Schädelcarcinom.  —  Lafont,  Spontane  Heilung  eines  Nasenrachenpolypen.  — 
West,  Tumor  in  der  Oberhalsgegend.  —  MaCCblavelll ,  Aortenaneurysmen.  —  Bian- 
Chetti,  Phlegmonöse  Gastritis.  —  Lalller,  Eisenchlorid  gegen  Herpes  Zoster.  —  Moronf, 
Oangraen  des  Fusses  bei  Diphtherltis.  —  GrOSSmann,   Gasuistik  fi-emder  Körper  in  der 

Harnröhre. 


üeber  Bippenresection  bei  Empyem. 

Von 
Prof.  Böser  in  Marburg. 

Der  Bearbeiter  der  Pleuritislehre  in  dem  Ziemssen' sehen  Sam- 
melwerk^ Herr  Dr.  Fraentzel,  lässt  mich  den  »schlechten  Rath<x 
geben  ^  dass  man  bei  jedem  Empyemschnitt  eine  Rippenresection 
machen  solle.  Gegen  das  Missverständniss  ^  welches  hier  vorliegt^ 
muss  ich  Verwahrung  einlegen ;  mein  Bath  war  immer  nur  der,  dass 
man  bei  eng  zusammengerückten  Rippen,  wenn  dieselben  die  Ent- 
leerung des  Eiters  hindern,  zur  Resection  schreiten  soll.  Und  diesen 
Rath  wird  hoffentlich  Niemand  als  schlecht  bezeichnen  wollen. 

Die  Fälle  von  Empyemfistel ,  bei  welchen  man  die  Rippen  so 
eng  zusammengerückt  findet,  dass  sich  das  Einfuhren  oder  Einlegen 
einer  Kanüle  nicht  wohl  machen  lässt,  kommen  nicht  allzuselten  vor. 

38 


594  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  38. 

Nachdem  dies  von  Reybard  schon  lange  gezeigt  worden,  haben 
sich  wohl  alle  chirurgischen  Kliniker  hiervon  überzeugt  und  es  hat 
deshalb  mein  Vorschlag,  in  solchen  Fällen  ein  Stückchen  Rippe  zu 
rfeseciren  (Archiv  für  lü^ßilkunde  1865),  viele  Nachahmung  gefunden. 
Ich  kann  mich  hier  auf  die  chirurgischen  Kliniker  im  Norden  und 
Süden  berufen.  Ich  könnte  auch  noch  eine  Reihe  von  neuem  Fällen 
aus  der  Marburger  Klinik  anführen,  es  scheint  mir  dies  aber  unnöthig 
und  somit  will  ich  lieber  von  der  Verbesserung  der  Operation  sprechen, 
als  dass  ich  Längstbekanntes  nochmals  wiederholte  oder  Krankheits> 
geschichten,  wie  sie  auf  jeder  Klinik  zu  haben  sind,  abdrucken  Hesse. 

Bei  meinen  ersten  Operationen  dieser  Art  war  ich  sehr  sparsam 
mit  Reseciren,  ich  fand  aber,  dass  man  genöthigt  sein  kann,  die 
Operation  zu  wiederholen,  wenn  sich  durch  Knochenwucherung  oder 
durch  Hinaufrücken  des  Zwerchfells  der  Ausflussraum  allzusehr  wie- 
der verengt.  Ich  rathe  demnach,  lieber  ein  grösseres  Stück,  drei  bis 
sechs  Ctm.,  wegzunehmen.  Bei  den  Operationen  der  letzten  Jahre 
habe  ich  es  immer  so  gemacht.  Einige  Collegen,  mit  welchen  ich 
über  diesen  Gegenstand  sprach,  theilten  mir  dieselbe  Erfahrung  mit. 

An  der  Knorpelgrenze  der  Rippen  ist  die  Resection  sehr 
leicht  zu  macjien,  besonders  bei  Kindern.  Hat  man  erst  vorn  den 
Knorpel  durchschnitten,  so  lässt  sich  die  Rippe  sehr  leicht  an  ihrem 
vorderen  Ende  fassen  und  hervorheben  und  die  Operation  wird  da- 
durch zu  noch  grösserer  Einfachheit  und  Sicherheit  gebracht.  Es 
versteht  sigh  von  selbst,  dass  man  so  viel  als  möglich  subperiostal 
operirt  und  dass  man  die  ganze  Resection  damit  anfangt,  das  Periost 
zu  spalten  und  die  Weichtheile  mit  dem  Meissel  nach  beiden  Seiten 
abzudrängen. 

Eine  Gefässverletzung  ist  mir  bei  meinen  zahlreichen  Empyem- 
operationen  nie  vorgekommen,  ich  habe  aber  immer  den  Grundsatz 
befolgt,  mehr  dehnend,  mit  der  Kornzange  und  den  stumpfen 
Haken  oder  dem  Finger,  als  schneidend,  mir  den  Weg  in  die  Pleura- 
höhle frei  zu  machen. 

Es  ist  die  Frage  aufgestellt  worden"^),  ob  es  nicht  in  manchen 
Fällen  besser  sein  möchte,  an  zwei  Rippen  ein  Stück  wegzunehmen. 
Mir  ist  es  nicht  zweifelhaft,  dass  dies  vortheilhaft  sein  kann  und  so 
habe  ich  schon  früher  und  auch  in  diesem  Sommer  wieder  danacli 
gehandelt.  Ein  5jähriges  Kind  mit  schon  viele  Monate  bestehender 
Empyemiistel  hatte  seine  Fistel  an  der  sechsten  Rippe  links,  ganz 
nahe  der  Zwerchfellsinsertion ;  ich  resecirte  das  entsprechende  Rippen- 
stück, sah  aber  gleich,  dass  dies  auf  die  Länge  schwerlich  ausreichen 
würde.  Somit  fügte  ich  sogleich  die  Resection  eines  Stückchens  aus 
der  fünften  Rippe  hinzu.  Es  fand  sich  eine  sehr  merkliche  Knochen- 
wucherung zwischen  und  hinter  den  beiden  Rippen  und  die  Oeflhung 
wurde  erst  durch  die  zweite  Resection  weit  genug,  um  den  Zeigefin- 
ger in  den  Thorax  einzuführen. 


*)  König,  Lehrbuch  I.  p.  635. 


'*^ 


Centralblatt  fflr  Chirurgie.    No,  38. 


595 


Die  Heilung  ging  in  sehr  befriedigender  Art  von  statten. 

Auch  in  der  Nachbehandlung  habe  ich  das  Umwälzen  der  Kran- 
ken solcher  Art  sehr  nützlich  gefunden.  Wo  das  Umwälzen  nicht 
hinreicht,  z.  B.  bei  engen  Empyemfisteln  (die  man  doch  nicht  so- 
gleich mit  dem  Messer  angreifen  will),  kann  durch  Luft- Ein- 
spritzung, in  Verbindung  mit  dem  Umwälzen,  die  Austreibung  des 
Eiters  erleichtert  werden.  Doch  wird  das  Lufteinspritzen  nur  mit 
Vorsicht  und  ohne  Kraftanwendung  gestattet  sein;  es  sind  mir  ver- 
schiedene Fälle  mitgetheilt  worden,  wo  bei  raschem  Lufteinspritzen 
ein  ohnmachtartiger  Zustand  oder  sogar  Apoplexie-Zufälle  entstanden 
waren.  Ich  vermuthe,  dass  eine  plötzliche  Hemmung  des  venösen 
Rückflusses  im  Thorax  die  Ursache  solcher  Zufalle  gewesen  sein 
mag.  Bei  einem  Falle  solcher  Art,  welcher  in  meiner  Abwesenheit 
in  der  Marburger  Klinik  vorkam,  war  eine  plötzliche  seitliche  Läh- 
mung und  eine  mehrtägige  Aphasie,  also  sehr  beunruhigende  Er- 
scheinungen, nach  einer  wohl  zu  raschen  und  gewaltsamen  Injection 
von  Ijuft  beobachtet  worden.  Bekanntlich  sind  auch  bei  unvorsich- 
tigen Wasserinjectionen  ähnliche  Zufälle  in  verschiedenen  Kliniken 
zum  Vorschein  gekommen. 


P.  Sander.     Ueber  Geschichte,  Statistik,  Bau  und  Einrich- 
tung der  Krankenhäuser. 

(Nebst  einem  Bericht  über  das  Krankenhaus  der  Stadt  Barmen.) 
Köln  1875.    M.  Dnmont-Schauberg'sche  Buchhandlung. 

Verf.  erörtert  in  eingehendster  und  durchaus  anregender  Weise 
die  praktisch  so  wichtigen  Fragen,  welche  auf  Bau  und  Einrichtung 
von  Krankenhäusern  Bezug  haben.  Die  vortreffliche  Arbeit  soll  gleich- 
sam dem  Bauprogramm  des  neu  zu  errichtenden  Barmer  Kranken- 
hauses als  Unterlage  dienen.  Wir  empfehlen  hiermit  das  lehrreiche 
Werk  auf  das  Wärmste   der  allseitigsten  Beachtung.  — 

Nach  einem  kurzen  historischen  üeberblick  ))zur  Geschichte  der 
Krankenhäusera  bespricht  Verf.  zunächst  die  Krankenhaus-Statistik. 
Bezüglich  derselben  wird  mit  Recht  betont^  dass  es  fast  niemals 
Werth  hat,  die  Todten  -  Ziffern  der  verschiedenen  Anstalten  oder 
Jahre  mit  einander  zu  vergleichen,  oder  aus  der  Mortalität  auf 
den  Einfluss  zu  schliessen,  welchen  irgend  ein  Differenzpunct  aus- 
geübt hat.  Eine  Oleichartigkeit  zweier  Krankenanstalten  bezüglich 
des  Krankenmaterials,  der  sanitären  Verhältnisse  etc.,  die  solche  Ver- 
gleiche gestattet,  kommt  fast  niemals  vor.  Somit  sind  auch  Statisti- 
ken, wie  die  von  W.  Farr  vollständig  werthlos,  welcher  bekannt- 
lich eine  Tabelle  über  die  Sterblichkeits-Ziffer  einer  Anzahl  von 
grösseren  und  kleineren  Hospitälern  aufstellt  und  es  darnach  für  erwie- 
sen hält,  dass  die  Mortalität  in  grossen  Hospitälern  grosser  Städte  dop- 
pelt so  gross  ist,  als  in  kleinen  Krankenhäusern  kleiner  Städte.  Nicht 
minder  verfehlt  ist  der  Versuch  der  Miss  Nightingale^  aus  einer 

38» 


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596 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  38 


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Vergleichung  der  Sterblichkeit  der  Wärter  mit  jener  der  gleichalterigen 
übrigen  Bevölkerung  auf  die  gesundheitlichen  Verhältnisse  eines 
Krankenhauses  zu  schliessen.  —  Ebenso  unsichere  Resultate  erzielt 
man^  wenn  man  die  Mortalität  bestimmter  Krankheiten  als  Maassstab 
für  die  Beurtheilung  der  Salubrität  eines  Kraukenhauses  anlegt^  wie 
es  z.  B.  Simpson  in  seinen  bekannten  Arbeiten  über  Hospitalism 
bezüglich  der  Amputationen  gethan  hat.  Aus  der  blossen  Zusammen- 
stellung von  2098  Amputationen  aus  der  Privatpraxis  mit  10,8)^ 
Mortalität  und  2087  Fällen  aus  der  Hospitalpraxis  mit  41  ^  Sterblich- 
keit darf  man  nicht  mit  Simpson  den  Schluss  ziehen,  dass  die 
grossen  Hospitäler  an  sich  grössere  Gefahren  bieten,  dass  deshalb  an 
ihre  Stelle  Dörfer  von  kleinen  eisernen  einstöckigen  Hütten  treten 
müssen,  die  alle  paar  Jahre  abgerissen  und  an  einem  anderen  Orte 
wieder  aufgebaut  werden  können.  Es  ist  hier  zu  bedenken,  dass  die 
von  Simpson  gegebenen  Notizen  sowohl  aus  der  Privatpraxis,  als 
aus  den  einzelnen  Krankenhäusern  unvollständig  sind;  nicht  minder 
zu  betonen  ist,  dass  die  einzelnen  Aerzte,  abgesehen  von  dem  ver- 
schiedenen Grade  ihrer  Glaubwürdigkeit  etc.,  die  Indication  zur  Am- 
putation nicht  in  gleicher  Weise  stellen,  dass  endlich  die  Fälle  selbst 
je  nach  der  Art  der  Verletzung,  nach  der  Zeit  der  Operation,  je 
nach  der  Constitution  der  Kranken  sowie  bezüglich  der  Nachbe- 
handlung etc.  etc.  durchaus  ungleichartig  sind,  alles  Momente,  welche 
es  verhindern,  die  Amputationsfälle  als  solche  ohne  weiteres  in  Be- 
ziehung auf  den  Einfluss  der  Oertlichkeit  mit  einander  zu  vergleichen. 
Verf.  erörtert  sodann  die  Beeinflussung  der  Wunden  durch  die 
sog.  Hospitalkrankheiten  und  die  angeblich  in  Krankenhäusern  leich- 
ter stattfindende  Verbreitung  der  Infectionskrankheiten.  (Exantheme, 
Ruhr,  Typhus,  Cholera,  Puerperalfieber.)  Bezüglich  der  ersteren  steht 
fest,  dass  sie  auch  in  der  Privatpraxis  vorkommen  und  man  kann 
deshalb  nach  S.  nur  fragen,  ob  die  sog.  accidentellen  Wunkrankheiten 
in  den  Hospitälern  häufiger  vorkommen,  als  in  der  Privatpraxis. 
Aber  um  hier  eine  praktisch  brauchbare  Antwort  zu  erhalten,  fehlt 
es  an  genügendem  statistischem  Materiale.  Dass  die  Pyämie  und 
Septikämie  in  Krankenhäusern  häufiger  vorkonmit,  als  in  der  Privat- 
praxis, ist  wohl  nur  deshalb  der  Fall,  weil  die  schweren  Verletzungen, 
welche  vorzugsweise  dazu  führen,  meist  in  öffentlichen  Krankenan- 
stalten Aufnahme  finden.  So  erklärt  auch  Billroth  die  Annahme, 
dass  in  schlechten  Krankenhäusern  viel  und  in  guten  wenig  Pyämie 
vorkomme,  für  ganz  unerwiesen,  während  in  der  That  die  Mehrzahl 
der  Chirurgen  der  Ansicht  sind,  dass  durch  das  Zusammenliegen 
vieler  Wundkranken,  durch  mangelhafte  Ventilation  etc.  der  Häufigkeit 
der  Pyämie  Vorschub  geleistet  und  durch  gute  Hospital-Einrichtungen 
dieselbe  gemildert  werden  könne.  Leider  aber  sind  imsere  Kennt- 
nisse über  die  Entstehung  der  Pyämie  noch  gering,  gleichwohl  aber 
ist  auf  strengste  Reinlichkeit,  gute  Luft  etc.  der  grösste  Werth  zu  legen ; 
nur  dürfen  wir,  wie  S.  mit  Recht  hervorhebt,  nicht  glauben,  »mit 
diesen  Mitteln  alles  Unheil  verhüten  zu  können«.     Während  bei  der 


s. 


* 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  38.  597 

Pyämie  der  Kranke  nach  S.  keinen  specifischen  Stoff  erzeugt,  der  auf 
Andere  übertragbar  ist  und  hier  dieselbe  Krankheit  hervorrufen  kann, 
nimmt  es  derselbe  bezüglich  der  Kose  höchst  wahrscheinlich,  vom  Hos- 
pitalbrand dagegen  sicher  an,  dass  es  geschieht.  Von  den  schweren 
Zellgewebs-Entzündungen  ist  es  nicht  erwiesen,  dass  sie  durch  An- 
steckung entstehen.  Selbstinfection  ist  für  viele  der  letzten  Fälle 
wahrscheinlich,  während  die  von  Billroth  angenommene  Impf- 
barkeit  aller  acuten  Entzündungsprodukte  nach  den  bisherigen  Ver- 
suchen an  complicirte  Bedingungen  bezüglich  der  Temperatur  und 
Wassermenge  gebunden  ist.   — 

In  einer  kurzen  Besprechung  der  Pilztheorie  besont  S.  das  Un- 
sichere derselben,  um  so  mehr,  als  noch  nicht  einmal  der  sichere 
Nachweis  des  constanten  Vorkommens  der  Bacterien  bei  den  betref- 
fenden Wund-  und  Infectionskrankheiten  gegeben  sei.  Wenn  auch 
in  Zukunft  eine  festere  Begründung  der  Pilztheorie  nicht  unmöglich 
ist,  so  beeinflusst  sie  doch  vorläufig  wenigstens  unsere  praktischen 
Maassregeln  der  Krankenhaus- Verwalturg  durchaus  nicht.  Bezüglich 
des  List  er' sehen  Verbandes  müssen  grössere  Erfahrungen  abgewar- 
tet werden,  bis  wir  dem  Verband  bei  allen  seinen  sonstigen  grossen 
Vorzügen  auch  die  wichtigste  Eigenschaft  vindiciren  können,  dass  er 
bei  strengster  Handhabung  das  Entstehen  der  Wundkrankheiten  sicher 
verhindert.  Aber  es  widerspricht  nach  Verf.  entschieden  den  bishe- 
rigen Erfahrungen,  dass  alle  Infection  von  Aussen  den  Kranken  be- 
fällt und  dass  die  Wundkrankheiten  durch  Verhinderung  einer  Aus- 
sen-Infection  ganz  vermieden  werden  könne.  —  Bezüglich  der  eigent- 
lichen Krankenhaus-Statistik  ist  Verf.  der  Ansicht,  dass  sie  keine 
sichere  Antwort  bezüglich  der  besten  Einrichtung,  der  Bauart  und 
Grösse  eines  Hospitals  gebe.  Nur  allgemeine  Erfahrungen  und  Er- 
wägungen geben  im  Gegensatz  zum  Centralbau  eine  Reihe  von  Grün- 
den für  das  Pavillon-  oder  Barackensystem  (»Blocksystem«),  wie  Verf. 
besonders  in  dem  3.  Theile  seines  Buches  darlegt.  Ausführlich  und 
klar  bespricht  hier  S.  Bau  und  Einrichtung  von  Krankenhäusern;  die 
Wahl  des  Bauplatzes  und  der  Bauart,  die  Unterabtheilungen  für  die  ver- 
schiedenen Arten  von  Kranken,  die  Krankensäle,  Ventilation,  Heizung, 
Beleuchtung,  Mobiliar,  Nebenräume  der  Krankensäle,  Speise-  und 
Waschküchen ,  Desinfections-Anstalt ,  Leichenhaus ,  Verwaltungsge- 
bäude und  Wasserversorgung.  In  den  vorstehenden  Capiteln  legt 
Verf.  seine  Erfahrungen  nieder,  welche  er  zum  Theil  aus  der  Be- 
sichtigung zahlreicher  Hospitäler  gewonnen  hat  und  bezüglich  des 
hier  gegebenen  reichen  Inhaltes  müssen  wir  auf  das  Original  verwei- 
sen. Den  Schluss  des  Buches  bildet  die  Geschichte  und  der  gegen- 
wärtige Zustand  des  T^armer  Krankenhauses  mit  einer  Statistik  über 
grössere  Operationen  aus  den  Jahien  1862 — 1874  und  einer  Zusam- 
menstellung des  in  den  genannten  Jahren  stattgehabten  jährlichen 
Krankenbestandes  (cf.  Orig.).  Tilimanns  (Leipzig). 


ii 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  38. 

ivagor'.     Compendiiim  der  Operativ-Chirurgie. 

Leipzig,  Verlag  von  C.  L.  Hlrsclireld.  1875.  . 

1  eo  dankenswerthes  Unternehmen  es  gewesen  sein  würde, 
er  Verfasser  sich  die  Aufgabe  gestellt  hätte,  in  der  übersicht- 
''orm  eines  Lehrbuchs  dem  Studireuden  und  Praktiker  die 
hen  Fortschritte  zugänglich  zu  machen,  welche  auf  dem  Ge- 
'  operativen  Chirurgie  iti  der  neueren  Zeit  fast  nach  jeder 
g  hin  geschehen  sind,   eo  wenig  hat  der  Autor  eich  bemüht, 

gewiss    von   Vielen   empfundenen    Kedürüiiss    Rechnung    zu 

Die  Hurger'sche  Operativ-Chirurgie  ist  wieder  nur  eine 
ler  leider  vielfach  gebräiichlicheii  Zusammenstellungen  von 
;h  vielen  alten  und  ältesten  Methoden  und  Namen,  von  Gu- 
1  Schlechtem,  Nützlichem  und  Verwerflichem,  wobei  es  dem 
rot?  der  jedem  Methodeiicomplex  angehängten  »Würdigungu 
teils  selbst  überlassen  bleibt,  sich  das,  was  er  brauchen  und 
orten  kann,  herauszusuchen.  Am  meisten  befremdet  aber  die 
aliche  Sorgfalt,  mit  welcher  der  Verfasser  es  vermieden  hat, 
nzenden  Errungenschaften  der  jüngsten  Entwickluugsphase 
Wissenschaft  zu  berücksichtigen.     Was  nicht  ganz  verschwie- 

ist  entweder  nur  in  durchaus  ungenügender  und  unverständ- 
^eise  besprochen,  oder  Verf.  findet  sich  in  den  wunderbarsten 
eni  darüber  befangen.  In  gleicher  Weise  sind  eine  ganze 
ler  neueren  vervollkommneten  Instrumente  gänzlich  ignorirt 
So  wird,  um  nur  einiges  hervorzuheben,  unter  den  Metho- 

Neurotomie  und  Neurectomie  weder  die  Wagner'schc  Auf- 
ing  des  Infraorbital canal s ,  noch  die  Lücke'sche  temporäre 
in  des  Jochbeins ,  noch  die  Paravicini'sche  Durcbschnei- 
ts  nerv,  inframaxill.  vom  Munde  aus  der  Erwähnung  für  werth 
i;  der  Regnoli-Hillroth'schen  Methode  der  Zungenex- 
n,  der  Exstirpation  des  Kehlkopfes  nach  Billrotb,  der  Niere 

mon,  der  Tracheotomie  nachBose  undMaxMüller  (nicht 
die  Tracheotomie  inf.  ist  genannt),  der  Plastik  der  Unterlippe 

Langenbeck,  der  Khinoplastik  mit  federndem  Stützlappen 
olkmann,  der  Operationen  der  Hypospadie  und  Epispadie 
liersch  wird  in  dem  ganzen  Buche  mit  keiner  Silbe  gedacht. 
gutligatur    ist    nirgends    erwähnt.    —    Der    neue  Aufschwung, 

die  Transfusion  und  ihre  Technik  genommen  hat,  wird  mit 
rten  abgefertigt:  "Neuerdings  hat  man  angefangen,  frisches 
inirtesThier-  (Kalbs- oder  Lamm-]  Blut  zurTrans- 

zu  verwenden«.  —  Aus  der  sehr  kurz  gehaltenen  Beschrei- 
es  Esmarch'schen  Verfahrens  erfahrt  man  nicht  einmal, 
,n  sich  zur  Einwicklung  des  Gliedes  am  zweckmässigsten  einer 

ibinde  bedient.  —  Die  Drainage  kennt  Verf.  nur  als  eine 
i  der  Behandlung  der  Cystenkröpfe  —  u.  s.  w.  Die  zahlreichen 
n  Unterlassungssünden  aufzuzählen  würde  viel  zu  weit  fuh- 
id  mache  ich  daher  nur  noch  auf  die  Capitel  über  Ankylosen- 


F  •» 


Centralblatt  fttr  Chirurgie.     No.  38.  599 

operatioueii  und  Oßteotomieen  aufmerksam,  die  auch  ihrerseits  an 
Vollständigkeit  sehr  viel  mehr  zu  wünschen  übrig  lassen,  als  man 
selbst  von  einem  kurz  gehaltenen  Lehrbuche  erwarten  sollte.  — 
Aehulich  verfährt  Verf.  mit  den  Instrumenten.  Die  Nela  ton 'sehe 
Soude,  die  electrischen  Kugelsucher,  die  amerikanische  und  Löff- 
1er' sehe  Kugelzange  finden  in  seinem  Buche  keinen  Platz.  Bei  der 
Besprechung  der  Operation  der  Ohrpolypen  wird  gerade  das  Instru- 
ment, dessen  sich  alle  Ohrenärzte  so  gut  wie  ausschliesslich  bedie- 
nen, der  Wilde 'sehe  Polypenschnürer,  nicht  erwähnt.  Ebenso  fin- 
det sich  nichts  von  einem  Bruns' sehen  scharfen  Löffel,  nichts  von 
einem  Süersen-Hohl'schem  Obturator  bei  Gaumenspalte,  nichts 
von  einem  Langen  b  eck 'sehen  Nähwerkzeug  für  die  Uranoplastik 
und  Staphyloraphie,  nichts  von  einem  Meier-Meltz  er 'sehen  Draht- 
ecraseur  für  Uteruspolypen.  Von  allen  Toumiquets  wird  nur  das 
Schraubentourniquet  von  Petit  erwähnt.  —  Die  Beschreibung  der 
neueren  amerikanischen  Zahuzangen  lässt  die  wirkliche  Gestalt  der 
Instrumente  kaum  ahnen  u.  s.  w.  — 

Die  pathologischen  und  therapeutischen  Anschauungen  des  Verf. 
sind  damit  im  Einklang.  Die  Warnung  vor  der  »Heleidigung  der 
inneren  gefässreichen  Auskleidung«  der  Todtenlade  bei  der  Necrotomie 
(p.  88) ,  die  Vorschrift,  nach  jeder  bedeutenden  Operation  der  Art 
mehrere  Tage  Eisumschläge  zu  machen  (p.  89),  der  Rath,  nach  einer 
Gelenkresection  die  Wunde  »ganz  oder  theilweise«  zuzunähen  (p.  97), 
die  Empfehlung  der  liigatur  »bei  alten  Mastdarmfisteln,  bei  denen 
eine  schnelle  Heilung  nicht  wünschenswerth  ist«  ^ —  der  unbedingte 
Vorzug,  der  der  Goyrand' sehen  Methode  der  Excision  von  Ge- 
lenkkörpern in  zwei  Acten  eingeräumt  wird,  mögen  nur  als  einzelne 
Beispiele  für  den  Geist,  der  das  Ganze  durchweht,  herausgehoben 
werden.  — 

Auch  in  Bezug  auf  die  Wundbehandlung,  auf  welche  Verf.  an 
zahlreichen  Stellen  zu  sprechen  kommt,  sucht  man  vergebens  nach 
den  Spuren  eines  Einflusses  der  letzten  Jahrzehnte.  Naht,  Eis,  vor- 
zugsweise aber  Heftpflaster  und  Charpie  —  das  ist  alles.  Der  bis 
dahin  sorgfältig  verschwiegenen  offenen  Wundbehandlung  geschieht 
nur  bei  den  Amputationen  (p.  141)  in  folgender  eigen thümlicher  Weise 
Erwähnung:  »Schapira  unterlässt  jede  Vereinigung,  weil  dadurch 
das  Wundsecret  zurückgehalten  werde.  Er  belegt  die  Wunde  ein- 
fach mit  einem  Leinwandläppchen  und  versucht  die  Wundränder  erst 
mit  Heftpflaster  einander  zu  nähern,  wenn  die  Granulation  der  Wunde 
in  vollem  Gange  ist.«  Sind  Burow,  Kose,  Krönlein  dem  Verf. 
unbekannt?  Dass  das  antiseptische  Verfahren  in  dem  ganzen  Buche 
einfach  todtgesch wiegen  wird,  kommt  einem  nach  dieser  Probe  von 
Litteraturkenntniss  fast  selbstverständlich  vor.  — 

Was  das  Buch  an  Vollständigkeit  und  Kritik  leistet,  beweist 
aber  wohl  am  besten  der  Artikel  über  Ovariotomie,  in  welchem  bei- 
spielsweise von  allen  Methoden  der  Behandlung  des  Stiels  nur  die 
Masseuligatur  mit  folgendem  Einnähen  desselben  in  die  Bauchwunde 


'J.x 


600 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  38. 


genannt  und  schliesslich  die  Kritik  der  Operation  in  folgender  naiver 
Weise  eingeleitet  wird :  »Die  Exstirpation  endlich  betreffend,  so  gehen 
die  Ansichten  der  Wundärzte  über  die  Zulässigkeit  derselben  weit 
auseinander.  Die  statistischen  Notizen  sprechen  nicht  zu  Gunsten 
der  Operation;  diese  weisen  nach«  dass  ^3 — y^  der  Operirten  der- 
selben zum  Opfer  fiel,  und  dass  bei  etwa  dem  vierten  Theile  die 
Operation  unvollendet  bleiben  musste.  Nach  diesen  Ergebnis- 
sen ist  es  nicht  zu  verwundern,  dass  diese  Operation 
gegenwärtig  nur  höchst  selten  mehr  zur  Ausführung 
kommt.«  Bei  einer  Operation,  in  Betreff  deren  die  Einzelstatistik 
mancher  Operateure  der  Zahl  1000  nicht  mehr  fem  steht,  gewiss  eine 
mehr  als  sonderbare  Behauptung. 

Ref.  ist  daher  nicht  in  der  Lage,   dem  Verf.  Recht  zu  geben, 
wenn  er   in    seinem  Vorwort  behauptet,    dass  »der  Praktiker  alles 

Wissenswerthe  in  gedrängter  Kürze  in  seinem  Buche  vorfinde«. 

Schede  (Halle). 


■1 


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A«  GueriiL    Role  pathog^nique  des  ferments  dans  les  mala* 

dies  chirurgicales. 

(Gaz.  hebdom.  1875.  No.  4.) 

Gosselin  rapportirt  über  die  obige  Arbeit  G.'s,  und  hebt  her- 
vor, dass  G.  in  derselben  nur  einzelne  chirurgische  Krankheiten, 
insbesondere  die  Amputationswunden  berücksichtigt.  Für  diese  letz- 
teren habe  G.  seine  aus  Pasteur's  Untersuchungen  abstrahirte  Ver- 
bandmethode ersonnen. 

Gosselin  erörtert  nun:  1)  ob  der  Watteverband  gut  sei;  2)  ob 
derselbe  seine  Wirksamkeit  ausschliesslich  dem  von  G.  angefülirten 
Grunde  verdanke.  Die  erste  Frage  betreffend,  sei  constatirt  das 
Ausbleiben  oder  doch  nur  schwache  Auftreten  von  Wundfieber;  Ap- 
petit und  Schlaf  bleiben  gut;  Schmerz  fehlt  oder  ist  sehr  massig; 
wird  nach  20 — 22  Tagen  der  Verband  entfernt,  so  zeigt  sich  eine 
vorzügliche  Wunde,  an  der  dicker,  nicht  übebiechender  Eiter  in 
massiger  Menge  vorhanden  ist;  hierzu  komme,  dass  der  Fat.,  wenn 
nicht  stets,  so  doch  sehr  häufig,  der  purulenten  Infection  entzogen 
werde;  leider  fehle  eine  Mortalitätsstatistik,  doch  sprechen  die  be- 
kannten Erfahrungen  für  den  Watteverband. 

In  Bezug  auf  die  2.  Frage  erörtert  Gosselin  G.'s  Behauptung, 
dass  die  Baumwolle  die  Eigenschaft  habe,  die  atmosphärischen  Fer- 
mente zurückzuhalten  und  dass  man  auch  nach  24  Tagen  im  Eiter 
der  Occlusionsverbände  nie  Bacterien  oder  Vibrionen  finde.  Er  be- 
merkt, dass  er  doch  auch  im  Eiter  der  Occlusionsverbände  zuweilen 
Bacterien  und  Vibrionen  gesehen,  trotzdem  seien  aber  die  Wunden 
trefflich  geheilt,  von  putrider  Infection  keine  Spur  dagewesen.  Der 
Watteverband  verhindere  also  nicht  stets  die  Vibrionenbildung. 

Verf.  sucht  daher  die  Ursache  der  günstigen  Wirkung  des  Watte- 
verbandes zunächst  in  der  gleichmässigen  Compression,  welche  derselbe 


V 


ü-;. 

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Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  38.  601 

ausübt^  wodurch  die  Resorption  des  an  der  Wundfläche  haftenden  Blu- 
tes begünstigt^  erneute  Hämorrhagieen  verhindert^  und  die  ersten 
Exsudate ,  die  ja  leicht  zur  Zersetzung  neigen^  zur  Resorption  gebracht 
werden.  Ueberdies  dürfte  auch  die  gleichmässige  Wärme,  die  Un- 
beweglichkeit  des  kranken  Theiles,  welche  diese  Verbaudmethode  her- 
stellt^ zur  Mässigung  der  Entzündung  und  zur  Absetzung  eines  der- 
artigen Eiters  beitragen,  der  zur  fauligen  Zersetzung  nicht  geneigt 
ist  (?!j;  endlich  mag  auch  das  seltnere  Reinigen  der  Wunde  von 
günstigem  Einflüsse  sein. 

Den  atmosphärischen  Fermenten  will  Gosselin  einen  gewissen 
Einfluss  bei  der  Wundinfection  nicht  absprechen,  doch  wirken  sie 
nach  ihm  nicht  auf  alle  organischen  Gewebe  schädlich  ein;  die  in- 
tensive traumatische  Entzündung  sei  eine  der  Bedingungen,  unter 
welchen  sie  schädlich  einmrken  können. 

Nach  obiger  Erörterung  sei  Gu^rins  Verbandmethode  als  ein 
nachahmenswerther  Fortschritt  zu  bezeichnen. 

Fr.  Stelner  (Wien). 

E,  SiolL     Vergleichende  Untersuchungen  über  die  Zwischen- 
rippen- und  Bauchmuskulatur  der  Wirbel thiere. 

(Inaug.-Diss.) 

Verf.  unterwirft  in  seiner  fleissigen  Arbeit  die  über  die  Entwick- 
lung der  Bauch-  und  Zwischenrippenmuskulatur  oft  erheblich  diffe- 
rirenden  Ansichten  der  vergleichenden  Anatomen  (Meckel,  Müller, 
Owen,  Staunius,  Gegenbaur  etc.)  einer  «ingehenden  Prüfung 
und  kommt  an  der  Hand  seiner  eignen  Untersuchungen  zu  folgenden 
Resultaten.  Bei  den  untersten  Klassen  der  Wirbelthiere,  den  Fischen 
und  kiemenathmenden  Urodelen  bestehen  nur  zwei  auf  beiden  Seiten 
des  Rumpfes  symmetrisch  belegene  Muskelmassen.  Durch  einen 
sehnigen  Längsstreifen  werden  dieselben  jederseits  in  eine  dorsale  und 
eine  centrale  Hälfte  getheilt  und  zerfallen  ausserdem  durch  eine  den 
Querabtheilungen  der  Wirbelsäule  entsprechende  Anzahl  sehniger 
Querblätter  in  eben  soviel  Myocommen  benannte  Querabschnitte.  Der 
Dorsaltheil  dieser  primitiven  Seitenrumpimuskulatur  tritt  bereits  bei 
den  höheren  Fischen  in  eine  innigere  Verbindung  mit  der  Wirbel- 
säule; bei  den  niederen  Amphibien  beginnt  er  mit  den  Rippen  zu 
verwachsen  und  in  seinen  tiefsten  Schichten  eine  Art  primitiver  In- 
tercostales  zu  bilden.  Der  ventrale  Theil  bildet  durch  innigere  Ver- 
wachsung seiner  Myocommen  und  Absonderung  von  der  übrigen 
Muskelmasse  den  m.  rectus,  der  zu  beiden  Seiten  der  Mittellinie  liegt 
und  vom  Becken  bis  zum  Zungenbein  verläuft.  Bei  den  niedcru 
Amphibien,  und  zwar  zuerst  bei  Proteus  und  Siredon,  tritt  femer  in 
Gestalt  des  direct  auf  dem  Peritoneum  aufliegenden  und  mit  querer 
Faserung  von  den  Querfortsätzen  der  Wirbelsäule  nach  der  Mittel- 
Unie  des  Bauches  zu  verlaufenden  m.  transversus,  der  erste  selbst- 
ständige Bauchmuskel  auf.     Während  nun  aber  bei  den  Kiemenath- 


ß02  Centralblatt  für  Chiiurgie.     No.  38. 

meni,  sowie  bei  den  Larven  der  (jatamandnnpii  uiid  u»gEDi.ii«aiii.H:i> 
liatrachier  die  Hauchböhle  sammt  den  ersten  Bauchmuskeln  noch 
vollständig  vom  Bauchtheil  der  primitiven  Seiten rumpfmuskulatur 
umschlossen  wird,  fallt  letztere  bei  den  entwickelten  Individuen  und 
den  beschuppten  Amphibien  bis  auf  den  bereits  früher  getrenuten 
lectuB  weg  und  es  tiitt  dafür  zuerst  bei  Triton  als  neuer  selbststän- 
diger Seite ubauchmuskel  der  obliquus  externus  hinzu.  Derselbe  ent- 
sjmngt  mit  Zacken  von  den  Rippenrudiineutcn  und  verläuft  unmit- 
telbar unter  der  Haut  liegend  und  ohne  Andeutungen  von  Queiab- 
theiluugen  schräg  nach  vorn  und  unten  Über  dem  rcctus  hinweg  bis 
zur  Mittellinie.  —  Die  intercostatcB  exteini  [sowie  die  intertransver- 
sarii  und  inf«rspiuales}  entstehen,  wie  bereits  oben  angedeutet  wurde, 
aus  den  tiefsten  Schichten  des  Dorsaltheiles  der  piimitiveu  Seiten- 
ruinpfmuskulatur.  Die  m.  intercostales  intern i  und  der  obliquus 
internus  dagt^eu  entwickeln  sich  mit  dem  Wiederauftreten  der  Rippen 
bei  den  beschuppten  Amphibien  als  ganz  neue  Muskclgruppe.  Der 
obliquus  internus  ist  nämlich  nach  S.  nichts  anderes  als  die  hinterste 
Partie  der  intercostales  intemi ,  die  sich  anfänglich  bis  zu  den  ludi- 
tnentäreu  liendcurippen,  später  aber  bei  fortschreitender  Entwicklung 
bis  zu  den  IJeckeiiknochoii  «"streckt.  —  Die  weiteren  Aus-  rcsi», 
Rückbildungen,  die  die  erwähnten  Muskelgruppen  noch  hei  den 
höheren  Vertebratcn  erleiden,  sind  nicht  sehr  wesentlich  und  meist 
durch  die  veränderten  Athem verhältniese  und  die  immer  schärfer 
auftretende  Trennung  vou  Brust-  und  Bauchhohle  bedingt.  Das 
Nähere  darüber  muss  im  Original  verglichen  werdi-n. 

0.  Tolkmano  (Keilwig;. 

Tuchmann.      lieber   den    künstlichen    Verschluss    der   einen 
Harnleitermündung. 

(DeuUehe  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 

Diese  Arbeit  ist  lediglich  eine  Erweiterung  des  Aufsatzes  in  der 
Wiener  med.  Woeheuschr.  (Jahrg.  1874)  über  diesen  Gegenstand  von 
demselben  Verf ,  und  kann  diesbezüglich  auf  das  Referat  im  Ceutralbl. 
;Jahi^.    1874.  p.  471)   verwiesen  werden.  Gersnnj  (Wien). 


5 


A.  Jakowioki.     Zur  physiologischen  "Wirkung  der  Bluttrans- 
fusion. 

(Inang.-DisB.  Dorpat.  1875.) 
tn  eisten  Theil  der  Arbeit  führt  Verf.  einige  Experimente  an, 
welche  die  schädliche  Wirkung  ungleichartigen  Blutes,  sei  es  defibri- 
nirt  oder  nicht,  bei  der  Transfusion  bestätigen  sollen.  [Vergl.  darüber 
die  Arbeiten  von  Ponfik;  referirt  im  Centralbl.  f.  Chirurgie  1875. 
No.  19.  undvonPannm:  Virchow's  Arcli.  Bd.  LXIII.) 


m  -  ^    -- 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  38.  603 

Im  zweiten  Abschnitt  theilt  er  experimentelle  Untersuchungen 
über  das  von  A.  Schmidt  dargestellte  Fibrinferment  mit  und  fasst 
seine  Resultate  in  folgenden  Sätzen  zusammen: 

1.  »Das  Fibrinferment  ist  ein  constanter  BestandtheU  des  circu- 
lir enden  Blutes^  seine  physiologische  Menge  ist  aber  äusserst  gering. 

2.  »Der  Organismus  zerstört  (oder  wandelt  um)  sowohl  das  in 
ihm  circulirende  als  auch  das  injicirte  Fibrinferment  imd  kehrt  einige 
Zeit  nach  der  Fermentinjection  zur  Norm  zurück. 

3.  dEs  sind  im  lebenden  Organismus  Bedingungen  vorhanden, 
welche  sowohl  das  circulirende  als  auch  das  injicirte  Ferment  in  seiner 
Wirkung  hemmen,  bis  es  zerstört  (oder  umgewandelt  und  ausge- 
schieden) wird«.  A.  BWder  (Mannheim).  x  >^ 


R.    Geissei.      Kriegschirurgische    Reminiscenzen    von    1870 

bis  1871. 

(Deutsche  Zeitschrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 

Das  vom  Verf.  in  Form  einer  Tabelle  zusammengestellte  Beo- 
bachtungs -Material  umfasst  37  Fälle,  in  welchen  43  grössere  Opera- 
tionen ausgeführt  wurden,  und  zwar  23  Amputationen  (14  Todesfälle, 
9  Hfeilungen),    13  Resectionen  (9    Todesfälle,    4  Heilungen),   7  Arte- 

ricnligaturen  (an    I  Kranken,  ohne  Todesfall] .  Details  s.  im  Original. 

Gersuoy  (Wien). 

G.  Buchanan.     Clinical  surgery  report  for  the  year  1874. 

(Glasgow  med.  Journal  1875.  July.) 

Der  Bericht  besteht  nur  aus  einigen  statistischen  Zahlen  und  kur- 
zer Angabe  der  Todesfälle.  Aufgenommen  wurden  306  Fat.,  17  star- 
ben. Unter  anderen  wurden  behandelt  87  einfache,  19  complicirte 
Fracturen,  16  Luxationen  (1  veraltete),  13  Schädelwunden  etc.  — 
39  Operationen  mit  5  ^  Mortalität :  8  glückliche  Oberschenkelampu- 
tationen nach  Garden  (Amp.  transcondylica) ,  1  im  oberen  Dritttheil 
mit  lethalem  Ausgange  an  Shok;  7  Unterschenkelamputationen  im 
unteren  Dritttheil  (2  •}•;  1  Pyämie;  1  traumatic  fever  (!?)  3  Fussam- 
putationen  nach  Syme  (1  f).  2  partielle  Fussamputationen.  1  Ober- 
l  Unterarmaraputation.  7  plast.  Operationen.  12  Geschwulstexstirp. 
1  Zungenexcision.  1  EUenbogenresection ;  alle  mit  glücklichem  Er- 
folge. 2  Herniotomieen  (l  f  an  Peritonitis).  1  Radicaloperation  der 
Hernie  nach  Wood  etc.  etc.  Marckwald  (Berlin). 

G.  Buchanan.      Surgical   practice  in   the   westem  infirm  ary 
from  the  1.  Nov.   1874  tili  1.  Mai  1875. 

(Glasgow,  med.  Journal  1875.  July.) 

Neues  Hospital:  behandelt  176  Kranke  (136  m.  40  w.)  mit 
0,2  ''^  Mortalität.     67  Operationen  mit  1  f  (Oberarraexarticulation  Dach 


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604 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  38. 


Gangrän).  Es  wurde  bei  den  Operationen  Es  mar  ch' 8  Constrictions- 
binde  angewandt^  doch  ohne  die  Theile  vorher  zu  bandagiren.  Ope- 
rationen: 1  Oberarmexarticulation  (f).  5  Oberschenkelamputationen 
nach  Garden  (1  secundäre)  und  1  Oberschenkelamputation  in  der 
Mitte,  alle  6  mit  glücklichem  Erfolge.  2  Syme'sche  Operationen. 
3  Ellenbogen-  und  1  Handgelenk-Resection,  2  Seiten-Steinschnitte,  l 
Herniotomie  etc.  etc,  ohne  Todesfälle.  —  Marckwald  (BerUn). 


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Henocque.    Traitement  de  la  periostite  phlegmoneuse  diffuse. 

(Gaz.  hebdom.  1875.  No.  4.) 

Girald^s  hat  zunächst  darauf  hingewiesen ,  dass  rücksichtlich 
der  Therapie  des  obigen  Leidens  neue  Fortschritte  zu  verzeichnen 
seien.  Die  grossen,  bis  auf  den  Knochen  gehenden  Incisionen  sind, 
bei  festgestellter  Diagnose,  allgemein  als  nützlich,  ja  nöthig,  ange- 
sehen. 

Weiter  aber  hoflft  G.,  gestüzt  auf  seine  Erfahrungen,  die  Periode 
der  Lösung  des  Sequesters  beseitigen  zu  können,  indem  er,  die  necrot. 
Knochenpartieen  frühzeitig,  vorder  Lösung,  entfernt.  Am  Femur 
und  am  oberen  Theile  des  Humerus  sei  eine  Ausnahme  zu  machen, 
überall  sonst  sei  die  Entfernung  der  betreffenden  Knochenpartieen 
am  Platze,  sobald  die  erste  Incision  gezeigt  hat,  dass  das  Periost  vom 
Knochen  völlig  getrennt  sei.  Giraldes'  Vorgänger  in  dieser 
Methode  war  Holmes.  G.  kommt  zur  Schlussfolgerung:  Die  sub- 
periostale Resection  soll  baldmöglichst  gemacht  werden,  wenn  ein 
Knochen  am  grössten  Theil  der  Diaphyse  entblösst  ist;  ist  eine  Nei- 
gung zum  TJebergreifen  der  Erkrankung  auf  die  Epiphyse  oder  das 
Gelenk  vorhanden,  so  wird  je  nach  der  Ausdehnung  des  Leidens  die 
Resection  eine  partielle  oder  totale  sein. 

Für  alle  Fälle  sei  es  aber  angezeigt,  die  subperiostale  Resection, 
wenn  schon  nicht  frühzeitig,  so  doch  alsbald  dann  zu  machen,  wenn 
man  die  Bildung  eines  Sequesters  beobachtet.        ^*  Steiner  (Wien). 


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A.  d'Azambuja.     De  TOzene  et  de  son  traitement. 

(Paris.  Adrian  Delahaje«  1875.  p.  84.) 

Nachdem  Verf.  zuerst  besonders  darauf  aufmerksam  gemacht  hat, 
dass  der  Ausdruck  »Ozäna«  nur  ein  Symptom,  den  fötiden  Gestank 
der  Exspirationsluft  der  Nase,  bezeichnet,  welche  bei  verschiedenen 
Arten  der  Coryza  auftreten  kann,  bespricht  er  diese  und  betont  da- 
bei, dass  es  auch  eine  Ozäna  geben  könne  bei  chronischer  Cor)'za 
ohne  Geschwürsbildung.  In  den  meisten  Fällen  trete  die  Ozäna  in 
Folge  constitutioneller  Affectionen,  hauptsächlich  bei  Scropheln  und 
Syphilis,  auf,  auch  als  Nachkrankheit  verschiedener  Infectionskrank- 
heiten;   wohl   nur  selten  bei  sonst  gesundem  Organismus  aus  localer 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  38.  605 

Ursache^  z.  B.  durch  Eczem  der  Schleimhaut^  Traumen  etc.  Die 
Besprechung  der  Symptomatologie  und  der  differentielle  Diagnosen 
bietet  wohl  nur  Bekanntes;  wer. sich  dafür  näher  interessirt^  wolle 
daher  die  betreffenden  Abschnitte  im  Original  nachsehen. 

In  Bezug  auf  die  Behandlung  empfiehlt  Verf.  besonders  die 
Nasendouche  (nach  Th.  Weber  oder  mit  dem  einfachen  Irrigator) 
und  die  directe  Cauterisation  der  Geschwüre.  Necrotische  Knochen- 
stücke müssen  vor  allen  Dingen  entfernt  werden.  Nur  in  den  selten- 
sten Fällen^  wenn  alle  anderen  Mittel  nicht  helfen ,  wiU  er  sich  zu 
dem  operativen  Verfahren  von  Rouge  in  Lausanne  (cf.  im  Centralbl. 
f.  Chirurgie,  1875  No.  1)  entschliessen ,  das  allerdings  vortrefflich 
schnelle  Heilung  bringe,  aber  doch  gefährlich  sei,  da  Rouge  unter 
9  Operrirten  einen  Todesfall  in  Folge  von  eitriger  Meningitis  zu 
beklagen  habe.  Die  Operationsgeschichten  von  Rouge  werden  wört- 
lich wiedergegeben  und  ausserdem  12  Krankheitsfalle  (bisher  noch 
nicht  veröffentlicht)  aus  der  Ambulanz  der  Herren  Duplay  und  Foix 
genauer  beschrieben.  A*  Bidder  (Mannheim). 


Tillot.     Traitement  de  la  rhinite  chronique  et  de  l'ozene  par 

Teau  pulveris^e  de  Saint-Christau. 

(Journal  de  mSd.  et  de  chir.  prat.  1875.   Juin  p.  262.) 
Auszug  aus  Annales  des  malad,  de  Toreille  et  du  larynx. 

5 — 10  Minuten  hindurch  wird  die  Nasendouche  im  vollen  Strahle 
gegeben,  um  Crusten  etc.  zu  entfernen,  dann  der  Pulverisateur  in 
das  Nasenloch  eingeführt  und  10 — 20  Minuten  in  Wirksamkeit  gesetzt. 
Das  Wasser  von  Saint-Christau  enthält  neben  Eisen  und  Kupfer 
Spuren  von  Jod  und  Arsenik.  Pagenstecher  (Elberfeld). 

A.  Bobertson.    Haematoma  auxis. 

(The  Glasgow  MedicalJournal  1875.  July.) 

Die  Blutgeschwulst  des  Ohres,  obgleich  gelegentlich  bei  »Fussballa- 
Spielern  als  Resultat  directer  Gewalt  beobachtet,  kommt  fast  aus- 
schliesslich bei  Geisteskrankheit  und  zwar  der  verschiedensten  Art, 
am  meisten  bei  allgemeiner  Paralyse  der  Irren  vor  und  hat  dort  nach 
Verf.  ihren  Grund  nicht  in  einer  Verletzung,  sondern  in  einer  func- 
tionellen  Störung  des  Hals-Sympathicus,  combinirt  mit,  oder  viel- 
leicht resultirend  aus  •  der  vorhandenen  Cerebral-  oder  Cerebrospinal- 
Erkrankung.  Denn  1)  entsteht  die  Blutgeschwulst  nicht  selten  in 
beiden  Ohren  gleichzeitig  und  2)  kommen  zuweilen  noch  gleichzeitig 
andere  Blut^ffusionen  (unter  der  Conjunctiva  des  Auges)  vor,  ohne 
dass  eine  Gewalteinwirkung  erkennbar  oder  eine  Blutdiathese  vor- 
handen, und  3)  hat  Verf.  einen  Fall  beobachtet,  bei  dem  neben  dem 
haematoma  auris  noch  andere  Störungen  des  vasomotor.  Systems  be- 


^ 


(>()6  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  38. 

standen.     Die  Prognose  ist  durchaus  ungünstig  in  Betreff  der  Geistes- 
krankheit.     Verf.    hat  im  Gegensatz  z»  anderen   noch  keinen  Pat. 

genesen  gesehen,  bei  dem  dieses  Symptom  vorhanden  gewesen.  — 

Marckwald  (Berlin), 

R.  J.  Harvey.     Ueber  die  Zwischensubstanz  der  Hoden. 

(Centralblatt  für  die  med.  Wissensch.  1875.  No.  30.) 

Verf.  hält  die  Hodenzwischensubstanz  für  nervöses  Gewebe, 
welches  aus  reichhaltigen  mit  Zellen  versehenen  vasomotorischen 
Nervenfasern  besteht.  Nähere  Auseinandersetzungen  folgen  an  einem 
anderen  Ort.  A..  Bidder  (Mannheim). 

Kleinere  Mittheilungen. 

P.  Florese.     Tre  casi  di  tetano  traumatico  guariti  col  eloralio. 

(Qazz.  med.  ital.  Prov.  Veneto.  No,  27.) 

In  allen  drei  Fällen  waren  die  leichten  Verletzungen  an  den  Extremitäten.  In 
keinem  war  der  Krampf  der  Nackenmuskeln  und  der  Trismus  zu  grosser  Intensität  ge- 
diehen.    Alle  drei  wurden  durch  Chloraihydrat  geheilt.  Menzel  (Triest). 

E.  Berti.     Sopra  una  trasfusione  di  sangue. 

(Gazzetta  clinica  di  Palermo  Anno  VI.  Fascic  VI.) 

Ein  35jähriger  Mann  wurde  wegen  complicirter  Fractur  des  Femur  in's  Spital 
von  Livorno  aufgenommen.  Nach  mehr  als  2  Monaten  entwickelte  sich  unter  dem 
festen  Verbände  ein  grosser  Abscess,  welcher  his  zum  Knie  reichte,  vielfache  In- 
cisionen  nöthig  machte  und  durch  die  profuse  Eiterung  und  wiederholte  Schüttel- 
fröste das  Leben  des  Kranken  gefährdete.  B.  dachte  an  eine  hohe  Oberschenkel- 
amputation. Da  jedoch  der  Mann  durchaus  zu  schwach  war,  um  eine  solche  zu 
ertragen,  so  wollte  ihn  B.  durch  eine  Transfusion  kräftigen.  Es  wurde  ungefähr 
40  Grm.  delibrinirten  Lammblutes  transfundirt.  Besserung.  5  Tage  darauf  eine 
2.  Transfusion  von  circa  80  Grm.  Nicht  nur  der  Allgemeinzustand,  sondern  auch 
die  localen  Verhältnisse  besserten  sich  derart,  dass  von  einer  Amputation  Abstand 
genommen  werden  konnte.  Der  Kranke  ging  von  der  Zeit  an  seiner  Heilung 
ziemlich  rasch  entgegen.  Meaiel  (Triest). 

S.  Spiaggia.  Oligaemia  da  metrorragia  —  trasfusione  del  sangue  —  raorte. 

.^n  einem  40jährigen  Weibe,  welches  durch  wiederholte  Uterusblutungen  äus- 
serst anämisch  geworden  war,  wurden  in  die  Arteria  radialis  200  Grm.  venösen  Men- 
schenblutes  injicirt.  Die  Kranke  starb  10  Minuten  nach  der  Transfusion  bei  klei- 
nem Pulse,  Dyspnoe,  kühlen  Extremitäten  etc.  Verf.,  welcher  mehreren  von  Al- 
ba nese  ausgeführten  Transfusionen  beigewohnt  hat,  glaubt  annehmen  zu  sollen,  dass 
derartige  Todesfalle  nach  Transfusion  wesentlich  durch  den  moralischen  Eindruck 
den  die  Operation  und  deren  Vorbereitungen  auf  den  Kranken  üben,  veranlasst 
werden  (?).  Mensel  (Triest). 

F.  Valerani.     Vasto  Carcinoma  del  cranio  esportato  coli'  ansa  galva- 
nica.     Morte  dopo  5  mesi  per  ascesso  cerebrale. 

(Gazzetta  delle  cliniche  1875.  No.  7.) 

Ein  46jährige8  Weib  hat  seit  20  Jahren  einen  kleinen  Geschwulstknoten  in 
der  Hinterhauptgegend.  Vor  4  Jahren  begann  der  Knoten  zu  wachsen  und  wurde 
mit  der  Canquoin' sehen  Paste  zerstört.    Nach  2  Jahren  kehrte  der  Tumor  wieder 


'JT^r- 


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Centralblatt  fflt  phirorgie.    No.  38 . 


007 


« 


und  erreichte  in  weitern  2  Jahren  eine  erstaunliche  Grösse.  Seine  Basis  erstreckt 
sich  von  einem  proc.  mastoid.  bis  zum  andern  and  nach  aufwärts  bis  nahe  zur  Mitte 
der  sutura  sagittaria.  Der  Umfang  mass  49  Ctm.  Nur  an  den  lländem  schien  die 
Geschwulst  beweglich.  Die  Geschwulst  wurde  ohne  Narkose  mit  der  galvanokau- 
stischen  Schlinge,  in  mehreren  Portionen  abgetragen.  Ungefähr  im  Centrum  der 
Basis  der  Geschwulst  war  ein  Defcct  im  Knochen  von  der  Grösse  von  2  Fünffrank- 
stücken. An  dieser  Stelle  war  die  Geschwulst  mit  der  Dura  mater  verwachsen  und 
wurde  letztere  ebenfalls  abgetragen,  so  dass  das  Gehirn  nackt  pulsirte. 

Der  Verlauf  war  anfangs  merkwürdig  günstig,  die  Kranke  sollte  schon  das 
Spital  verlassen,  als  sie  circa  5  Monate  nach  der  Operation  comatös  wurde,  und 
unter  Krämpfen  in  wenigen  Tagen  starb.  Bei  der  Section  fand  man  einen  hühner- 
eigrossen  Abscess  im  rechten  hintern  Grosshirnlappen.  Mensel  (Triest). 

E.  Iiafbnt.     Note  sur  un  cas  de  guerison  spontauee  d'un  polype  naso- 

pharyngien  chez  un  adolescent. 

(Gaz.  hebdom.  1S75.  No.  3.) 

Ein  24jähriger,  kräftiger,  sonst  gesunder  Arbeiter  litt  i^eit  3 — 4  Jahren  an 
häufigem,  heftigem  Nasenbluten  und  Schmerzen  in  der  linken  Nasenseite.  £s  waren 
dies  die  Symptome  des  Wachsthums  eines  Nasenrachenpolypens,  der,  wie  jetzt  die 
Untersvichung  zeigte,  insbesondere  im  linken  Sinus  maxillaris  festsitzend ,  Bulbus 
und  Oberkiefer  dieser  Seite  und  das  Gaumensegel  vordrängte  imd  das  linke 
Nasenloch  völlig  verlegte.  Trotz  des  Drängens  des  Fat.  wurde  die  Operation  als 
nicht  dringlich  verschoben ,  und  er  verliess  das  Spital  mit  der  Weisung  wiederzu- 
kommen, wenn  die  Geschwulst  wüchse.  </2  ^^^^  später  stellte  sich  Fat.  wieder 
vor:  an  der  linken  Gesichtshälfte  war  kaum  noch  ein  Vorsprung  sichtbar,  der 
Exophthalmus  verschwunden ,  das  Gaumensegel  nicht  mehr  vorgebaucht ;  nur  das 
linke  Nasenloch  noch  durch  eine  kleine,  röthliche  Geschwulst  etwas  verlegt; 
die  Blutungen  hatten  sich  allmälig  vermindert.  L.  verlor  hiernach  den  Fat.  aus 
den  Augen,  meint  aber  sicher  annehmen  zu  können^  dass  er  im  Fall  einer  Ver- 
schlimmerung des  Leidens  wiedergekommen  wäre.  L.  citirt  einen  analogen  Fall 
Guerin's,  der  ihn  veranlasst  hatte,  im  obigen  sich  abwartend  zu  verhalten. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

J.  P.  West.     Notes  of  a  case  of  fibro-cystic  tumour  or   hydrocele  of 

the  neck. 

(Birmingham,  med.  review.  1875.  April.) 

Ein  43jähriger  Herr  trug,  seit  4  Jahren  einen  bis  zu  Hühnereigrösse  angewach- 
senen Tumor  rechts  zwischen  Unterkieferwinkel  und  Zungenbein.  Function  ent> 
leerte  trübes,  gelbes  Serum.  Trotz  Incision  und  Drainage  wuchs  nach  Verschluss 
der  Wunde  der  Tumor  rapide.  James  Paget  erklärte  ihn  deshalb  für  maligner 
Natur.  Exstirpation.  Heilung  in  14  Tagen.  Jjeeson's  (in  Birmingham)  Unter- 
suchung ergab :  als  Cysteninhalt  gelbes,  durch  rothe  Blutkörperchen  tingirtes  Flui- 
dum.  Die  Wand  des  Balges  bestand  aus  Bindegewebe  mit  Muskelfasern,  Fett- 
zellen und  eingestreuten  grossen,  einem  kubischen  Epithel  ähnelnden 
Zellen.  Die  Dicke  der  Wandung  schwankte  zwischen  Vi6  ^^^  V-2  ^oll  und  zeigte 
letztere  an  einer  Stelle  eine  einwärts  gerichtete,  ringförmige  Frominenz  von  dem 
Durchmesser  einer  halben  Krone,  deren  Oberfläche  das  Aussehen  einer  Erdbeere 
hatte.  —  Der  Tumor  wurde  der  »pathological  society  of  London«  vorgelegt»  welche 
Faget  beistimmte.  Verf.  hält  an  seiner  Diagnose  einer  gutartigen  Cyste  fest. 
(Carcinomatös  entartete  Kiemengangscyste ?    Ref.)  Rappreeht  (Halle). 

F.  Maoohiavelli.    Suir  elettro-agopuntura  applicata  a  mezzo  curativo 

degli  aneurismi  dell'  aorta  toracica. 

(Gaz.  med  ital.  Lombardia  1875.  No.  22,  24,  25,  26.) 

Verf.  veröffentlicht  3  Fälle  von  Aortenaneurysmen,  welche  mit  Electropunctur 
behandelt   wurden.     In  jedem   Falle  wurden  3   Nadeln  eingestochen.     Alle  drei 


608  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  38. 

Aneurysmen  hatten  die  Thoraxwand  schon  durchbrochen.  Für  den  letzten  Fall 
ersann  M.  ein  besonderes  Verfahren,  um  die  Erschütterungen  beim  Stromwechsel 
zu  vermeiden.  Der  2.  Fall  ist  offenbar  an  den  Folgen  der  Operation  gestorben, 
indem  bei  der  Section  ein  grosser  Bluterguss  In  der  Pleura  nachgewiesen  wurde, 
welcher  aus  den  durch  die  Nadeln  erzeugten  Substanzverlusten  des  Sackes  stammte. 
Bei  den  beiden  übrigen  Fat.  wurden  die  subjectiven  Beschwerden  merklich  gebessert. 
Der  eine  von  diesen  lebt  noch  heute,  d.  h.  über  15  Monate  nach  der  Operation,  der 
andere  ist  nach  mehr  als  2  Jahren  an  einem  Blutsturze  gestorben. 

Menzel  (Triest}. 
G«  BiazLohetti.     Sopra  un  caso  di  gastrite  flemmonosa. 

(Gaz.  med.  ital.  Prov.  Veneto.  No.  28.) 
Die  Erkrankung  trat  bei  einem  30jährigen  gesunden  Manne  unter  dem  Bilde 
eines  acuten  Magenkatarrhs  auf,  zu  welchem  sich  bald  Erscheinungen  von  Perito- 
nitis hinzugesellten.  Bei  der  Obduction  fand  B.  eitrige  Peritonitis,  eitrige  Infil- 
tration des  submucösen  Zellgewebes  des  Magens,  stellenweise  Gangränescenz  der 
Magenschleimhaut.  Menzel  (Triest). 

Lailler.     Traitement  du  zona. 

(Journal  de  med.  et  de  chir.  prat.  1875.  Juillet.  p.  297.) 
Eine  Lösung  von  10  Eisenchlorid  in  40  Alkohol  soll,  im  Initialstadium  des 
Herpes  zoster  (vor  der  Ausbildung  der  Bl&schen)  auf  die  gut  getrocknete  Haut  ein- 
gepinselt, den  Process  zu  coupiren  im  Stande  sein. 

Pagenstecher  (Elberfeld). 
D.  F.  Moroni.     Gangrena  d'un  estremitä  in  seguito  a  difterite. 

(Giomale  Veneto  1875.  Aprile.) 
Bei  einem  7jährigen  Knaben,  der  eben  eine  schwere  Rachendiphtheritis  über- 
standen hatte  und  noch  immer  an  Paralyse  des  Gaumensegels  litt,  entwickelte  sich, 
als  er  eben  Reconvalescent  war,  eine  erysipelatöse  Anschwellung  des  r.  Fusses,  welche 
bald  in  trockene  Gangrän  überging.  Die  Gangrän  demarkirte  sich  an  der  Grenxe 
zwischen  mittlerem  und  oberem  Drittel  des  Unterschenkels,  nachdem  M.  dem  Knaben 
zuvor  etwa  150  Gframm  Blut  zur  Ader  gelassen  hatte.  Es  konnte  die  Amputation  an 
der  Stelle  der  Wahl  ausgeführt  werden.  Das  gangränöse  Bein  war  einer  Untersuchung 
nicht  mehr  zugänglich,  doch  vermuthet  M.  eine  Embolie  der  Poplitea  und  dies 
um  so  mehr,  als  verschiedene  Autoren  gezeigt  haben,  dass  Myo-  und  Endo- 
carditis  eine  gar  nicht  seltene  Complication  der  Rachendiphtherie  ist. 

Menzel  (Triest). 

Qrossmann.     Zur  Casuistik  fremder  Körper  in  der  Ramrölire. 

(Wiener  med.  Presse  1876.  No.  29.) 
Ein  30j ähriger  Mann  hatte  in  hypochondrischer  Sorge,  an  einer  Harnröhren- 
strictur  zu  leiden,  sich  wiederholt  selbst  ein  Bougie  eingeführt.  Als  Verf.  gerufen 
wurde,  stak  das  Bougie  fest  in  der  Urethra  und  konnte  nicht  extrahirt  werden. 
Erst  bei  stärkerem  Zuge  folgte  dasselbe  so  weit,  dass  Gr.  sich  überzeugen 
konnte,  dass  es  oben  umgeknikt  und  so  in  doppelter  Lage  vorgeschoben 
war.  Gr.  fixirte  nun  das  obere,  umgeknikte  Ende  in  der  Urethra  und  drückte  es 
zugleich  nach  abwärts,  während  er  am  freien  Ende  in  entgegengesetzter  Richtung 
stark  anzog.     Unter  massiger  Blutung  erfolgte  die  Extraction. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

Berichtigung: 

S.  578,  Z.  6v.  0.  lies  Acten  stfttt  Arten. —  S.  584,  Z.  10  v.  u.,  Z.  23  T.  n.  lies  Papille  nnd  Papil- 
lär ran  d  statt  Pnpille  and  Pnpi  Harr  and.  —  S.  5SS,  Z.  20  t.  n.  lies  J.  Budge  statt  D.  Bndge. 

Originalmittbeilungen,  Monographieen  nnd  Separat&bdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H,  2^Umanns,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlnng, 
Breiikopf  und  Härtelj  einsenden. 


Dmclc  nnd  Verlag  von  Breitkopf  nnd  Ilirtel  in  Leipzig. 


Gentralblatt 


fOr 


CHIRURGIE 


herausgegeben 

▼on 


Dr.  L.  lesser,  Dr.  IL  ScMe,  Dr.  H.  Tilliiiaiiiis 

in  Barlin.  in  Halle  «.  8.  in  L«ipsif. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbj&hriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N=  39.  Sonnabend;  den  25.  September.  1875. 

—  ■' — — —       ■        ■  I 

Inhalt:  Ranke,  Messungen  des  intraarticuläien  Druckes  am  Kniegelenk  des  Lebenden. 
(Original-MittheUong.) 

Holnuf  reu»  Methode  zur  Beobachtung  des  Kreislaufs  in  der  Froscblunge.  —  Berliner- 
blau, Directer  Uebergang  der  Arterien  in  Venen.  —  Jerusallmsky,  Wirkung  des  Croton- 
Chloral-Hydrat.  —  Volkmann,  Lupus  und  Tuberkulose.  —  v.  Langenbeck,  Auftreten 
von  Gardnomen  auf  luposen  Hautnarben.  —  Morotoff,  Einfluss  der  Dlstractionsmethode 
auf  Hüft-  und  Kniegelenk.  —  v.  Puky,  Gompliciite  dorsale  Luxation  im  Metacarpo- 
Phalangealgelenk  des  Zeigefingers.  —  Wex,  Narbencontracturen  nach  Verbrennung  der  Hand. 

Denison,  Neuer  Extensionsapparat.  —  Apparat  für  Patella-Pseudarthrosen.  —  Salicyl- 
saure  als  Verbandmittel  bei  Verbrennungen.  —  Tetanus  mit  Gelseminum  behandelt.  — 
Bulko,  Ergotlninjectionen.  —  Warren ,  Intussusception.  —  Pemborton,  Darmverscbluss. 
—  Torsujtff,  Hemia  diapbragmatica.  —  Model,  Bruchschnitt.  —  Rhelnsildtor,  Diagnose 
und  Behandlung  der  Ovariencysten.  —  Thaden,  Stein  in  der  Prostata  und  Harnblase.  — 
Haag,  Lithotritie  bei  Kindern.  —  Dubrlsay,  Congenitale  Knlegelenksluxation. 


Messungen  des  intraarticulären  Druckes  am  Kniegelenk 
des  Lebenden.    Vorläufige  Mittheilung. 

Von 

Dr.  H.  B.  Ranke, 

Assistenzarzt  an  der  chirurgischen  Klinik  zu  Halle. 

Es  ist  neuerdings  die  Frage  ^  in  welcher  Weise  die  permanente 
Extension  den  intraarticulären  Druck  l)eeinflusst^  von  verschiedenen 
Seiten  erörtert  worden.  Eine  endgültige  Entscheidung  derselben  ist 
bis  zur  Zeit  nicht  erfolgt.  Während  nun  die  bisherigen  Bearbeitun- 
gen des  Gegenstandes  sich  nur  auf  Leichenversuche  stützen,  gaben 
mir  in  der  Volk  mann 'sehen  Klinik  ausgeführte  Gelenkpunctionen 
Grelegenheit,  die  fraglichen  Verhältnisse  am  Lebenden  zu  prüfen. 

Bei  20  Gelenkpunctionen  sind  Druckmessungen  von  mir  ange- 

39 


610  CentralblaU  für  Chirurgie.    No.  39.     . 

stellt.  Anfänglich,  so  lange  mir  die  Technik  nioht  geläufig  war^  er- 
hielt ich  vielfach  widersprechende  Resultate;  iu  Folge  davon  sind 
die  5  ersten  Functionen  nicht  zu  verwerthen.  Die  folgende  Mitthei- 
lung bezieht  sich  demnach  nur  auf  15  Versuche  am  Lebenden;  den- 
selben haben  sich  eine  grössere  Anzahl  von  Leichenexp^rimenten 
angeschlossen. 

Alle  Messungen  sind  am  Kniegelenk  gemacht.  Sie  beziehen  sich 
ausschliesslich  auf  den  intraarticulären  Druck.  Obschon  es  viel 
wichtiger  wäre,  den  Druck,  welchen  die  Contactflächen  der  Gelenk- 
körper auf  einander  ausüben,  zu  messen,  müssen  wir  doch  aus  tech- 
nischen Schwierigkeiten  von  vornherein  hierauf  verzichten. 

Eine  Beschreibung  des  benutzten  Troikart's  würde  ohne  Zeich- 
nung unverständlich  bleiben.  Es  sei  daher  nur  erwähnt,  dass  eine 
Seitenabzweigung  der  Kanüle  desselben  mit  einem  offenen  Quecksil- 
bermanometer' in  Verbindung  steht;  dass  man  femer  die  äussere 
Mündung  der  Kanüle  nach  Entfernung  des  Stilets  beliebig  öffiien 
und  schliessen  kann,  und  somit  sowohl  den  Gelenkinhalt  abzulassen 
als  auch  Injectionen  in  die  Gelenkhöjüe  zu  machen  im  Stande  ist. 
I3en  Einstich  ins  Gelenk  machte  ich  am  oberen  äusseren  Rande  der 
Fatella  unter  Beobachtung  aller  Cautelen  der  antiseptischen  Methode ; 
nach  Beendigung  der  Function  erhielt  die  Wunde  einen  Liste r'schen 
Verband,  die  Extremität  wurde  fiir  einige  Tage  auf  eine  Bleohschiene 
gelagert.  Für  kein  Gelenk  haben  sich  üble  Folgen  aus  diesem  Vor- 
gehen ergeben.  Wenn  an  einer  Leiche  das  eine  Knie  in  der  von 
Reyher  (Deutsche  Zeitschrift  für  Chirurgie  B.  IV)  angegrebenen  Weise, 
das  andere  aber  in  der  von  mir  benutzten  Art  punctirt  wird,  so  stim- 
men die  Versuchszahlen  von  beiden  Seiten  gut  überein. 

Die  Extension  wurde  sowohl  an  einem  Knöchelgurt,  als  vemit- 
telst  der  Heftpflasteransa  oder  an  einem  Stecknadelverbande  ausge- 
iibt ;  der  Knoten  des  Knöchelgurtes  lag  dabei  auf  dem  Fussrücken. 
Die  Contraextension  wurde  entweder  dem  Körpergewicht  überlassen 
oder  vermittelst  des  gewöhnlichen  Perinealgurtes  bewirkt.  Angezogen 
wurde  genau  in  der  bei  uns  sonst  üblichen  Weise.  Ein  Unter- 
schied in  der  Zugwirkung  der  verschiedenen  Verbände 
wurde  niemals,  weder  an  der  Leiche,  noch  am  Lebenden 
beobachtet.  Bei  den  letzten  Experimenten  glaubte  ich  deswegen 
mich  auf  den  bequem  anzulegenden  Stecknadelverband  beschränken 
zu  dürfen. 

Die  Messungen  ergaben  in  der  Kürze  Folgendes: 

1)  Relativ  frische,  d.  h.  2  bis  6  Tage  alte  Blutergüsse  ins  Knie- 
gelenk ohne  nachweisbar  gröbere  Verletzung  des  Bandapparates  lies- 
sen  in  voller  Streckung  das  Quecksilber  auf  1,5  —  20  Ctm.  Höhe 
steigen.  Letztere  excessive  Höhe  wurde  nur  einmal,  bei  einem  2  Ti^ 
alten  rechtseitigen  Hämarthros  beobachtet;  bei  der  gewöhnlichen, 
leicht  flectirten  Stellung  des  Gelenkes  zeigte  das  Manometer  auch 
hier  nur  einen  Druck  von  +9  Ctm.  Hg.  Die  bursa  extensoruBi 
war  in  diesem  Falle  auffallend  wenig  entwickelt. 


•      Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  39.  611 

Die  individuell  sehr  verschiedene  Geräumigkeit  der  Gelenkhöhle 
spricht  sich  darin  aus^  dass  die  Druckhöhen  nicht  der  Menge  des 
Inhaltes  bei  gleichaltrigen  etc.  Individuen  proportional  gefunden  werden. 

Von  voller  Streckung  ausgehend  sinkt  der  intraarticnläre  Druck 
zunächst  bis  zu  einer  Flexion  um  annähernd  30^;  bei  weiterer  Flexion 
gelangt  er  sodann  zu  einer  die  frühere  weit  übersteigenden  Höhe.  Die 
negative  Schwankimg  betrug  mit  Ausschluss  des  oben  erwähnten 
FaJles  zwischen  0,5  und  1,0  Ctm.  Hg.;  bei  rechtwinklig  fleotirtem 
Knie  stand  das  Quecksilber  3  bis  15  Ctm.  über  der  Anfangshöhe. 

Die  Einwirkung  der  Muskulatur  auf  den  intraarticulären  Druck 
liess  sich  am  leichtesten  bei  Contractionen  des  Quadriceps  beobach- 
ten.    Die  Drucksteigerung  betrag  dabei  8  bis  25  Ctm.  Hg. 

Wurde  das  im  Gelenkraum  angesammelte  Blut  abgelassen,  so 
sank  mit  der  Druckhöhe  in  der  Ausgangsstellung  auch  die  Höhe  der 
angeführten  Schwankungen;  an  der  Richtung  derselben  änderte  sich 
nichts. 

um  in  der  kurz  bemessenen  Versuchszeit  einen  Einfluss  des 
Extensionszuges  auf  den  intraarticulären  Druck  am  Quecksilberma- 
nometer constatiren  zu  können,  bedarf  es  namentlich  bei  erwachsenen 
Personen  auch  in  tiefer  Narkose  ziemlich  bedeutender  Gewichte;  die 
im  Folgenden  angeführten  Zahlen  beziehen  sich  sämmtlich  auf  die 
grösste  von  mir  angewandte  Belastung  der  Extensionsschnur  bei  Er- 
wachsenen mit  40  Pfd.,  bei  Kindern  mit  20  bis  25  Pfd. 

War  der  Druck  im  Gelenkinnem  bei  der  Lagerung,  in  welcher 
die  Extension  ausgeübt  wurde,  positiv,  so  bewirkte  der  Zug  stets 
eine  Drucksteigerung,  freilich  um  höchstens  2  Ctm.  Hg. ,  und  zwiu: 
war  die  Höhe  dieser  Steigerung  im  allgemeinen  der  Höhe  des  Druckes 
in  der  Ausgangsstellung  proportional.  Die  Drucksteigerung  durch  die 
Extension  wird  kleiner  bis  unmerklich,  wenn  der  Gelenkinhalt  all- 
mälig  abgelassen  wird. 

Nach  der  vollständigen  Entleerung  gelang  es  bei  zwei  Gelenken, 
die  sich  durch  einen  schlaffen  Bandapparat  auszeichneten,  durch 
Extension  ein  Fallen  des  Quecksilbers  um  nicht  ganz  0,5  Ctm.  zu 
erhalten.'  Somit  wirkte  die  Extension  unter  diesen  Bedingungen 
druckemiedrigend.  ' 

2)  Acute,  seröse  Ergüsse  kamen  nur  zweimal  zur  Function.  In 
voller  Streckung  betrug  die  Druckhöhe  +2,  resp.  +0,5  Ctm. 'Hg. 
Im  ersten  Falle,  bei  einem  Kinde,  bewirkte  die  Extension  ein  Stei- 
gen des  Quecksilbers  um  3  Ctm.,  im  zweiten,  bei  einem  Erwach- 
senen, um  nur  0,5  Ctm.  Stellungfs Veränderungen  waren  von  gleichem 
Erfolge  wie  unter  l)  begleitet;  Extensions versuche  bei  entleertem 
Gelenke  wurden  nicht  vorgenommen. 

3)  Chronische  Hydrarthrosen,  zum  Theil  mit  bedeutender  Bän- 
derdehnung, ergaben  eine  Druckhöhe  von  -|-0,5  bis  +3,0  Ctm.  Hg. 
Noch  weniger  als  bei  den  Fällen  unter  l)  war  hier  eine  Proportio- 
nalität zwischen  Inhaltsmenge  und  Druckhöhe  bei  den  verschiedenen 
kranken   Gelenken   vorhanden.      Die   Richtung   der   Druckänderung 

39» 


612  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  39. 

stimmte  bei  den  hier  ebenso  wie  unter  1)  ausgeführten  Versuchen 
mit  der  dort  gefundenen  überein;  die  Grösse  derselben  zeigte  die 
auffallendsten  Schwankungen.  So  lagen  z.  B.  bei  zwei  besonders 
bemerkenswerthen  Fällen  die  Druckhöhen  in  der  Ausgangsstellung 
kaum  um  1/2  Ctm.  Hg.  auseinander^  während  trotzdem  eine  Con- 
traction  des  Quadriceps  in  dem  ersten  Falle  eine  Drucksteigerung 
von  nur  1,5  Ctm.  Hg.,  in  dem  zweiten  dagegen  eine  solche  von 
17  Ctm.  Hg.  bewirkte.  Die  Extensionsdrucksteigerung  war  jedes- 
mal zu  constatiren,  ihre  Grösse  blieb  immer  unter  1,2  Ctm.  Hg. 
Extension  bei  entleertem  Gelenke  ergab  mir  bisher  nur  einmal  eine 
am  Manometer  ablesbare  Druckemiedrigung. 

4)  Eitrige  Ergüsse  bei  fungösen  Gelenkentzündungen  habe  ich 
bisher  zweimal  punctirt.  Beidemal  waren  jüngere  Kinder  erkrankt. 
Der  Gelenkinbalt  betrug  in  dem  frischeren  Falle  40  Kbctm. ;  das 
Manometer  zeigte  bei  voller  Streckung  einen  Druck  von  +5,5  Ctm. 
Hg.  im  Gelenkinneren  an;  der  Druck  sank  bei  einer  Flexion  um 
30®  auf  +1,75  Ctm.  Hg.;  bei  rechtwinkliger  Flexion  erreichte  er 
eine  Höhe  von  +14  Ctm.  Hg.  Die  Extension  mittelst  eines  Steck- 
nadelverbandes bewirkte  bei  einer  Belastung  von  25  Pfd.  eine  Stei- 
gerung des  Druckes  auf  +8,5  Ctm.  Hg.  Die  entsprechenden  Grös- 
sen in  dem  zweiten  Falle,  wo  die  Erkrankung  des  Gelenkes  bereits 
längere  Zeit  bestand,  sind  +2,0,  +0,2,  +6,0  und  endlich  +4,5 
Ctm.  Hg.  Nachdem  beide  Gelenke  möglichst  vollständig  entleert 
waren,  erzielte  die  Extension  immer  noch  einlB  deutliche  Druckstei- 
gerung, und  zwar  um  0,3  bis  1,0  Ctm.  Hg.  Beidemale  handelte  es 
sich  um  fast  kugelige,  pseudofluctuirende  Gelenkschwellungen. 

Die  Versuche  ergeben  somit: 

Bei  bestehendem  positiven  intraarticulären  Drucke 
bewirkte  die  Extension  am  Lebenden  eine  Steigerung 
der  Druckhöhe;  war  der  Druck  im  Gelenkinnern  gleich  0,  so 
wurde  in  einigen  Fällen  durch  den  Extensionszug  ein  weiteres  Sin- 
ken des  Manometerstandes  hervorgebracht,  während  in  den  Fällen 
sub  4]  auch  jetzt  noch  die  Drucksteigerung  eintrat. 


Somit  ergiebt  sich  ein  bedeutender  Widerspruch  gegen  die  Be- 
sultate  Reyher's  (1.  c.) ,  welche  an  der  Leiche  nach  Lösung  der 
Muskelstarre  gewonnen  wurden.  Sehr  überrascht  war  ich,  als  ich  (im 
Gegensatz  zu  den  Versuchen  am  Lebenden)  am  gleichen  Objecte 
Reyher's  Angaben  lediglich  bestätigen  musste.  Eine  weitere  Ver- 
suchsreihe, ebenfalls  an  der  Leiche  unternommen,  hat  mir  den  schein- 
baren Widerspruch  erklärt,  und  zwar  sind  die  Differenzen  durch  La- 
gerungsverschiedenheiten der  Extremitäten  an  der  Leiche  und  bei 
unseren  Kranken  bedingt.  Der  Extensionszug  wirkt  beim  Lebenden 
nie  von  der  vollständigen  Streckung  aus,  in  welcher  sich  das  Knie- 
gelenk der  todtfaulen  Leiche  befindet;  wir  unterstützen  vielmehr  die 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  39.  613 

Extremität  in  einer  leichten  Flexionsstellung  sowohl  des  Hüfi-  als 
des  Kniegelenks,  die  weitere  Besprechung  dieser  complicirten  Ver- 
hältnisse muss  bis  zu,,  einer  ausführlichen  Bearbeitung  verschoben 
werden. 


Ft  Holmgren.     Methode  zur  Beobachtung  des  Kreislau£s;  in 

der  Froschlunge. 

Beiträge  zur  Anatomie  und  Physiologie,  als  Festgabe  Carl  Ludwig  gewidmet  von 

seinen  Schülern.     1874.  ^ 

Zum  Versuch  dient  am  besten  Bana  esculenta^  welche  der 
Bana  temporaria  wegen  des  geringeren  Gehaltes  an  Pigmentzellen 
und  wegen  der  grösseren  Lungenalveolen  vorzuziehen  ist.  Das 
Thier  wird  mit  Curare  vergiftet^  wobei  es  gleichgültig  ist^  an  wel- 
chem Orte  und  in  welcher  Form  das  Gift  eingeführt  wird.  Kleine 
Dosen  Curare  verdienen  den  Vorzugs  doch  ist  es  bekanntlich  we- 
gen des  varürenden  Gehaltes  an  wirksamer  Substanz  nicht  möglich^ 
genau  die  Dosis  zu  bestimmen.  Die  Quantität  des  Giftes  soll  hin- 
reichen^  um  den  Frosch  2 — 3  Tage  gelähmt  zu  halten.  Nach  Verlauf 
der  Curarewirkung  wird  die  herauspräparirte  Lunge  wieder  in  die 
Brusthohle  gebracht^  die  Wunde  zugenäht  und  das  Thier  kann  am 
Leben  erhalten  werden.  Das  Herauspräpariren  der  Lunge  wird  in 
der  Weise  vorgenommen,  dass  mit  möglichster  Schonung  dicht  an  der 
Armhöhle  und  etwa  an  der  Grenze  zwischen  der  Rücken-  und  Bauch- 
haut eine  breite  Hautfiedte  mit  einer  Pincette  emporgehoben  wird; 
mittelst  einer  krummen  Nadel  wird  dann  durch  die  Basis  dieser  Fal- 
ten ein  Seidenfaden  durchgezogen  und  sofort  geknotet.  In  derselben 
Weise  wird  eine  zweite  Ligatur  nach  der  hinteren  Extremität  zu  an- 
gel^;  die  zwischen  den  beiden  Ligaturen  befindliche  Haut  wird  in 
einer  dem  Zweck  entsprechenden  Ausdehnung  weggeschnitten  und 
jedes  noch  blutende  Gefäss  sofort  unterbunden.  In  der  Wunde 
schimmert  sodann  am  Rande  des  grossen  Brustmuskels  die  mit  Luft 
gefällte  Lunge  durch  die  dünne  Muskellage,  welche  vorsichtig  mit 
einer  Pincette  kegelförmig  abgehoben  und  mit  der  Schedre  durch- 
schnitten wird.  Darauf  tritt  die  mit  Luft  gefüllte  Lunge  sofort  oder 
allmälig  aus  der  Wunde,  bleibt  eine  geraume  Zeit  in  diesem  aufge- 
blasenen Zustand  oder  fallt  plötzlich  zusaikimen  und  muss  durch  eine 
aus  Kautschuk  und  Messing  bestehende  Röhre  (cf.  Original)  wieder 
aufgeblasen  werden.  Die  für  das  bessere  Gelingen  des  Experiments 
vortheilhafte  FiUlung  der  Lunge  mit  Luft  ist  am  sichersten  zu  erwar- 
ten, wenn  man  die  beschriebene  Operation  zu  einer  Zeit  vornimmt, 
wo  die  Curarelähmung  ihre  Vollendung  noch  nicht  ganz  erreicht  hat. 
Schliesslich  wird  das  Thier  auf  dem  Objecttische  des  Mikroskopes  oder 
auf  einem  besonderen  mit  einem  Loche  versehenen  Brettchen  in  dei 
bekannten  Weise  befestigt.  Vortheilhafter  aber  ist  es,  besonders  auch 
für  stärkere  Vergrösserungen ,  wenn  auf  dem  Brette  eine  besondere 


614  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  39. 

Vorrichtung  (Lungenkammer)  angebracht  ißt  (cf.  Original).  Der  vom 
Verf.  hierzu  angegebene  Apparat  besteht  im  Wesentlichen  aus  einem 
mit  einem  Deckgläechen  bedeckten  hohlen  Messingcy linder,  welcher 
in  die  Durchbohrung  des  Brettchens  passt,  das  Niveau  des  letzteren 
überragend,  und  dieselbe  Grösse  hat,  wie  der  Durchmesser  des  Loches 
im  Objecttische  eines  Mikroskopes  von  Hartnack.  Ueber  dem  Cy- 
linder  ist  ein  horizontal  gestellter  Meesingring,  ebenfieüls  mit  Deck- 
gläschen versehen,  angebracht,  dessen  Oe&ung  dieselbe  Grösse  hat, 
wie  der  untere  Cylinder.  Der  obere  Ring  kann  durch  eine  am  B^nde 
des  Brettchens  befestigte  Zahnzange  in  verticaler  Richtung  auf  und 
*nieder  bewegt  werden.  Während  der  Frosch  auf  dem  Brett  in  der 
gewünschten  Lage  durch  Nadeln  auf  Korkstücke  fixirt  wird,  legt  man 
die  herauspräparirte  Lunge  zwischen  die  genannten  Deckgläschen, 
drückt  das  obere  der  letztem  leise  an  die  Lungenoberfläche  an  und 
kann  dann  das  herrliche  Schauspiel  des  Kreislaufs  bequem  besichti- 
gen. — 

Behufs  des  Studiums  feinerer  optischer  Eigenthümlichkeiten  der 
Blutkörperchen  ist  es  rathsam,  den  Blutstrom  durch  släikeres  Ein- 
blasen von  Luft  zu  verlangsamen  oder  fast  augenblicklich  zu  unter- 
brechen. Statt  mit  atmosphärischer  Luft  kann  man  die  Lunge  auch 
mit  einer  anderen  Grasart  aufblasen;  nicht  minder  gestattet  die  Me- 
thode, andere  Blutarten,  oder  überhaupt  allerlei  Flüssigkeiten  mittelst 
feiner  Kanülen  durch  eine  Vene  [grosse  Bauchvene,  oder  die  hintere 
äussere  Oberschenkelvene)  in  den  Kreislauf  des  Versuchsthiers  zu 
injiciren,  um  ihre  Wirkung  nach  jeder  Richtung  hin  zu  studiren. 
Um  die  Struetur  der  Capillargefösse  an  der  Lunge  zu  untersuchen,  ist 

es  am  besten,  das  Thier  vorher  verbluten  zu  lassen. 

TiUmanns  (Leipiig). 

Fanny  Berlinerblau,     üeber  den  directen  Uebergang  von 

Arterien  in  Venen. 

(Reieheit  und  du  Bois'  Archiv  für  Anatomie  1875.  p.  177-<-l%.) 

Sucquet  hat  zuerst  1856  beim  Menschen  directe  Communioa- 
tionen  zwischen  Arteri^a  und  oberflächlichen  Venen  beschrieben^  am 
Ellenbogen,  Handgelenk,  den  Fingern,  der  Kniegegend  und  besonders 
zahlreich  an  den  Zehen,  der  Nasen-,  Lippen-,  Stirn-,  Wangen-  und 
Ohxhaut  und  der  Schleimhaut  der  Nasenhöhlen.  Darauf  baute  S.  eine 
neue  Theorie,  wonach  die  oberflächlichen  Hautvenen  in  "äer  Norm 
wenig  oder  fast  gar  nicht  gefüllt  seien  und  erst  bei  Steigerung  der  Blut- 
fälle in  den  Arterien,  gewissermassen  als  Nebenschliesssung  dienen, 
d.  h.  aus  den  mit  überschüssigem  Blut  gefällten  Hauptstämmen  das 
Blut  ini  ihre  geräumigen  Bahnen  ableiten.  Später  hat  Hyrtl  bei  Fle-* 
dermäusen  und  in  neuester  Zeit  Hoyer  am  Kaninchenohr  ähnliche 
directe  Communicationen  beschrieben. 

Sucquet  war  durch  Injectionsversuche  zu  seinen  Kesultaten  ge- 
kommen, gegen  deren  Beweiskräftigkeit,  zumal  bei  blos  makroskopischer 


Centralblatt  tdt  cyruigie.    No.  59.  615i 

Prüfung^  He  nie  gewichtige  BedeBken  erhoben  hat;  desshalb  ist  von  B. 
unter  Anleitung  von  Aeby  (Bern)  der  Gegenstand  einer  nochmaligen 
Untersuchung  unterworfen  worden.  Zur  Injectionsmasse  verwandte 
sie,  wie  S.>  in  Alkohol  gelösten  Schellack,  dem  so  viel  Busspulver 
hinzugefügt  wurde,  als  zur  genügenden  Färbung  erforderlich.  Es 
wurde  dann  von  der  Axillarijs  aus  bei  der  Leiche  einer  80jährigen 
Person  eine  Injection  gemacht  und  nach  2tägiger  Erhärtung  mit  der 
Untersuchung  begonnen;  es  fand  sich  weder  am  Ellbogen  noch  an 
der  Hand  ein  directer  Uebergang  von  Arterien  in  Venen ;  eine  von  der 
V.  femoralis  ausgeführte  Injection  führte  bezüglich  der  unteren 
Extremität,  ebenso  wie  Injection  des  Kopfes  von  der  Carotis  aus 
gleichfalls  zu  einem  negativen  Ergebniss.  Die  Versuche  wurden  noch 
4mal  wiederholt;  nirgends  fand  sich  in  den  Venen  eine  Spur  von 
injectionsmasse ;  dies  allein  ist  jedoch  nicht  strikt  beweisend.  Entschei- 
dend war  die  Thatsache,  dass,  wo  die  Masse  aus  den  Arterien  in  die 
Venen  eindrang  und  man  so  die  von  S.  gelieferten  und  im  Sinne  von 
Uebergangsarterien  gedeuteten  Bilder  zu  Gesicht  bekam,  diese  wor 
der  zersetzenden  Kritik  des  Mikroskops  auskiahmslos  zerstoben«.  Aus 
diesen  Gründen  verwirft  B.  den  von  Sucquet  behaupteten  deriva- 
torischen  Kreislauf  in  den  oberflächlichen  Hautvenen.  Zu  demselben 
Resultat  ist  übrigens  jüngst  auch  Vulpian  gelangt  (Ecole  de  m6d. 
1875.  11.  Januar). 

Beim  Kaninchenohr  dagegen  ergaben  die  Versuche  von  B.,  dass 
hier  in  Wirklichkeit  arterielle  und  venöse  Bahnen  unmittelbar  ohne 
Dazwischentreten  von  Capillametzen  ineinander  übergehen  und  zwar 
geschieht  dies,  wie  aus  der  beigegebenen  Tafel  ersichtlich,  'mehrfach 
an  einem  und  demselben  Ohr,  namentlich  in  den  Randpartieen.  Ausser 
am  Ohre  haben  sich  ähnliche  Communicationen  nirgends  bei  Kanin- 
chen auffinden  lassen,  ebenso  wenig  bei  Fröschen. 

J.  Maak  (Strasflburg). 

N.  Jerusalimsky.      Beobachtungen    Über  die  Wirkung  des 

Croton-Chlordl-Hydrat 

(Mosk.  med.  Zeitung  1875.  No.  17.) 

Experimente  an  Thieren  eigaben  ein  Sinken  des  Blutdrucks, 
gleichgültig  ob  der  Einfluss  der  Gehimcentra  vorher  ausgeschlossen 
wurde  oder  nicht;  die  Wirkung  war  folglich  eine  das  Herz  paralysi- 
rende.  Bei  kleinen  Dosen  Verlangsamung,  bei  grossen  Stillstand  der 
Bespiration.  Zur  Schlaferzeugung  sind  viel  grössere  Dosen  nöthig,  als 
von  Chloral.  Control versuche  ergaben,  dass  kein  specifischer  Einfluss 
auf  den  Trigeminus  oder  andere  sensible  Nerven  stattfand.  Bei 
einem  Fall  von  Prosopalgie  bewirkten  40  Oran  keinen  Schlaf,  wohl 
aber  Uebelkeit,  Brustbeklemmung  mit  Ohnmacht  und  einen  Puls 
von  120.  Auf  SauerstoiTeinathmen  sank  die  Zahl  der  Pulsschläge. 
In  einem  anderen  Falle  wurde  eine  Neuralgie  geheilt,  in  einem  drit- 
ten der  Schmerz  gelindert.  —  W»  9r«be  (Charkow), 


616  Centralblatt  fQr  Chirurgie.    No.  39. 

R.  YolkmaniL    Lupus  und  Tuberkulose. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  30.) 

Verf.  theilt  in  Folge  der  in  letzter  Zeit  stattgefundenen  Discus- 
sionen  über  Lupus  seine  klinischen  und  anatomischen  Erfahrungen 
mit,  um  raschere  Verständigung  anzubahnen.  Es  wird  darauf  hinge- 
wiesen^ dass  sehr  häufig  Irrthümer  in  der  Diagnose  vorliegen,  beson- 
ders die  meist  bei  älteren  Leuten  vorkommenden  flachen,  spontan 
oder  nach  Gebrauch  von  Aetzmitteln  partiell  vernarbenden  Hautkrebse, 
welche  sich  durch  sehr  chronischen  Verlauf  auszeichnen  und  für  Lupus 
gehalten  werden.  Ein  Fall  wird  angeführt,  welcher  seit  17  Jahren 
als  Lupus  angesehen  und  behandelt  wurde  und  sich  schliesslich  als 
Krebs,  sowohl  klinisch  als  histiologisch,  manifestirte.  —  Der  einzige 
Zusammenhang  zwischen  Lupus  luid  Krebs,  den  Verf.  gelten  lässt, 
ist  der,  dass  sich  bisweilen  (v.  Langenbeck  sah  es  zweimal,  Volk- 
mann  viermal]  in  alten  Lupusnarben  Carcinom  entwickelt.  (Vergl. 
Lang,  Vierteljahrsschrift  für  Dermat.  imd  Syph.  1874  p.  165.  cf.  im 
Centralbl.  f.  Chir.  1875.  No.  20.]  »Seine  Ausgangspuncte  sind  dann 
das  Narbenepithel,  oder  in  die  Narbe  eingeschlossene  und  versprengte 
Reste  der  halbzerstörten  Hautdrüsen.  Chronische,  oder  immer  wie- 
derkehrende Beizungen  der  epidermoidalen  und  epithelialen  Decken 
sind  eben  allezeit  die  gewöhnlichsten  Ursachen  des  Carcinomsa. 

Den  anatomischen  Charakter  des  Lupus  fietsst  V.  mit  Zugrunde- 
legung der  Arbeiten  von  Virchow  und  Auspitz  als  den  einer  Ghra- 
nulationsgeschwulst  auf  und  stellt  ihn  in  eine  Gruppe  mit  Syphilis 
Lepra  und  Tuberkulose.  Mit  letzterer  ist  besonders  nahe  Verwandte- 
Bchaft  vorhanden.  Vielfach  kommt  Lupus  in  Familien  vor,  in  denen 
Tuberkulose  herrscht;  bei  Lupösen  selbst  hat  V.  öfter  scrophulöse 
Drüsen  exstirpirt,  chronische  Conjunctivitiden  und  Gelenkleiden  auf 
tuberkulöser  Basis  beruhend  gefunden.  Doch  scheint  es  ausserdem, 
als  ob  Lupus  eine  meist  local  bleibende,  wenig  infectiöse^  abge- 
schwächte Form  der  Tuberkulose  sei;  doch  kommen  Misch-  und 
Zwischenformen,  zwischen  Lupus  und  manifester  Haut-  und  Schleim- 
haut-Tuberkulose vor;  auch  entwickelt  sich  der  Lupus  der  Haut- 
decken zuweilen  neben  einer  Tuberkulose  der  Knochen  oder  der 
Lymphdrüsen.  Bezügliche  Beispiele  werden  angeführt.  Dem  histo- 
logischen Bau  nach  gehört  der  Lupus  stricte  zu  den  Tuberku- 
losen: es  finden  sich  im  lupösen  Granulationsgewebe  kleine  kuglige 
Knötchen,  die  wie  Miliartuberkel  zusammengesetzt  sind,  aus  grösseren 
endothelartigen  Zellen  bestehen,  welche  typische  Riesenzellen  ein- 
Bchliessen.  Die  Charakteristica  der  Tuberkel  (Knötchenform,  bekannte 
histologische  Zusammensetzung,  Gefässlosigkeit  und  Tendenz  zum 
Zerfall)  finden  sich  auch  beim  Lupus.  Die  Unterschiede  zwischen 
Lupusknötchen  und  Tuberkeln  sind  von  Ed.  Lang  (Stricker's 
med.  Jahrb.  1875  Hft.  H.]  präcisirt.  V.  zieht  noch  in  Erwägung, 
ob  nicht  die  Benennimg  »Tuberculoid«  für  lupös  die  Basis  einer  all- 
gemeinen Verständigung  abgeben  könnte.  — 

T.  Moseiigeil  (Bonn). 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  39.  617 

B.  y.  Langenbeck.     lieber  das  Auftreten  von   Carcinomen 
auf  luposen  Hautnarben.       Vortrag,   gehalten  in   der  Berl. 

med.  Gesellschaft  3.  März  1875. 

(Berl.  klinische  Wochenschrift  1875.    No.  24.) 

V.  L.  fuhrt  das  Vorkommen  carcinöser  Gebilde  auf  Lupusnarbeii 
auf  denselben  Grund  zurück^  wie  ihr  häufigeres  Auftreten  auf  Haut- 
narben Dach  tiefer  gehenden  Verbrennungen ,  nämlich  auf  die  fort- 
währende Irritation  und  dauernde  Entzündung,  v.  L.  hat  unter  allen 
von  ihm  beobachteten  Lupusfallen  nur  drei  gefunden,  bei  welchen 
später  Carcinom  zur  Entwickelung  kam.  Bei  allen  bestand  lupöse 
Erkrankung  der  Gesichtsgegend  seit  der  Kindheit;  bei  einer  Frau 
hatte  seit  15 — 20  Jahren  Heilung  bestanden^  in  ihren  vierziger  Jahren 
entwickelte  sich  Carcinom;  ein  zweiter  Fall  betraf  einen  59jährigen 
Mann 5  der  etwa  30  Jahre  an  Lupus  gelitten,  der  dritte  Fall  einen 
69jährigen  Fat. 

Der  Ansicht  v.  Lewin,  dass  Narbencontractionen  für  Lupusaf- 
fectionen  besonders  charakteristisch  seien,  pflichtet  v.  L.  nicht  bei. 
Die  Ulcerationen  sollen  hierbei  nicht  mehr,  als  andre  analoge  Processe 
wirken,  wenn  sie  an  leicht  beweglichen  Hautstellen  ihren  Sitz  haben. 
Dagegen  sollen  sich  gewisse  Formen  des  Hautkrebses  durch  gewaltige 
Narbenverziehungen  auszeichnen,  es  tritt  bei  ihnen  Naibenbildung  in 
den  ältesten  Partieen  ein,  während  excentrisches  Weiterwachsen  er- 
folgt. Schliesslich  erinnert  Verf.  an  die  homartigen  Epidermissdiwie- 
len,  die  auf  einzelnen  Hautkrebsen  vorkommen,  bei  Lupus  aber  nie 
beobachtet  sind.  ▼•  Mosengeil  (Bonn). 

P.  Morosoff.     Ueber  den  Einfluss  der  Distractionsmethode 
auf  das  Hüft-  und  auf  das  Kniegelenk. 

(Russische  Inaug.-Diss.  Charkow  1875.) 

Verf.  stellte  sich  auf  Vorschlag  des  Ref.  die  Beantwortung  fol- 
gender Fragen  zur  Aufgabe:  kommt  wirklich  eine  Diastase  der  Ge- 
lenkflächen im  Hüft-  imd  Kniegelenk  bei  der  Distraction  vor?  In 
welchem  Grade?  bei  welchen  Gewichten? 

Um  zunächst  die  normale  Form  und  Grösse  des  Oberschenkel- 
kopfes und  der  Gelenkpfanne  zu  bestimmen,  stellte  M.  16  Versuche 
an,  deren  Resultate  er  in  folgenden  ^Sätzen  zusammenfasst :  1)  Die  vor- 
wiegende Form  der  Krümmung  des  Oberschenkelkopfes  und  der  Gelenk- 
pfanne im  reifen  Alter  (20 — 35  JahrenJ  ist  regelmässig  kugelig;  2)  im 
höheren  Lebensalter  stellt  der  Kopf  einen  sphäroiden  Körper  mit  sehr 
unbedeutender  Vergrösserung  des  meridionalen  Durchmessers  vor;  3)  bei 
einem  16jährigen  Jünglinge  bildete  derselbe  ein  Sphäroid  mit  vor- 
wiegender äquatorialer  Krümmung;  4j  die  Krümmungen  des  Kopfes 
und  der  Pfanne  trefifen  gegenseitig  so  zusammen,  dass  zwischen  ihnen 
eine  dünne,  capillare  Schicht  Synovia  zu  liegen  kommt.  In  einigen 
Fällen  übrigens  trefien  die  Gelenkflächen  nicht  so  genau  auf  einan- 


618  Cemtralbktt  für  Chiruifie.    No.  30. 

der ;  es  bildet  sich  zwischen  ihnen  ein  Spalt  von  ^4^  %  sogar  Y2  ™™' 
Dies  wird  aber  nur  an  Leichen,  welche  nicht  mehr  ganz  frisch  sind» 
beobachtet.  5)  Bei  verschiedenen  Stellungen  des  Hüftgelenkes  schlies- 
sen  sich  die  Gelenkflächen  nicht  immer  vollständig  an  einander; 
existirt  dann  ein  Spalte  so  erreicht  er  doch  nie  die  Breite  eines  Milli- 
meters. — 

Die  Wiederholung  der  berühmten  Web  er 'sehen  Experimeiita 
über  Bedeutung  des  atmosphärischen  Druckes  für  die  Mechanik  des 
Hüftgelenkes  föhrte  Verf.  zu  interessanten  Resultaten.  Die  Grebr. 
Weber  bestimmten  den  hier  wirkenden  athmosphärischen  Druck  auf 
291/4  Pfd.  (bei  750  mm.  Barom.),  Schmid  —  auf  55  Pifd,;  Moro- 
soff fand  die  Grösse  desselben  zu  58,9  Pfd.  (bei  750  mm.  Barom.). 
Diese  Verschiedenheit  der  Resultate  beruht  auf  verschiedener  Bestim- 
mung der  Quecksilbersäulenbasis ,  welche  der  atmosphärische  Druck 
auf  das  Hüftgelenk  ausübt.  M.  nimmt  als  Basis  an  die  Ebene  des 
äquatorialen  Schenkelkopfkreises.  Diese  Annahme  hat  für  sich,  dass 
bei  Veränderung  der  Grösse  des  Schenkelkopfes  der  atmosphärische 
Druck  auf  das  Hüftgelenk  sich  ebenfalls  ändert.  Zwei  vom  Verf. 
gewonnene  Zahlen,  welche  sich  auf  den  atmosphärischen  Druck  be- 
ziehen —  die  eine  experimentell  gefunden,  die  andere  theoretisch 
berechnet  —  differiren  nur  um  0,9  Pfd. 

.  M.  führte  femer  7  Experimente  aus,  in  denen  nach  Durch- 
schneidung der  Kapselmembran  und  Entfernung  aller  das  Hüftgelenk 
umgebenden  Weichtheile  Gewichte  angehängt  wurden,  um  ein 
Auseinandergehen  der  Gelenkflächen  zu  bewirken.  Hierbei  wurden 
ebenfalls  grössere  Zahlen  gewonnen,  als  die  von  den  Gebr.  Webet 
angeführten.  Bei  20  Pfd.  wurde  nicht  der  geringste  Effect  erzielt; 
erst  bei  50—60  Pfd.  wurden  die  Gelenkflächen  getrennt  und  bis  auf 
4Y2  mm.  von  einander  entfernt.  Durchschnittlich  bestimmt  M.  die 
zur  Zerreissung  des  Hüftgelenks  nothige  Eiaft  auf  60  Pfd.  Das 
lig.  teres  hat  keinen  Einfluss  auf  die  Verbindung  der  Gelenkfläcben.  — 
Die  Gelenkflächen  werden  bei  gestreckter  Lage  des  Hüftgelenks  auch 
ohne  atmosphärischen  Druck  in  fester  Verbindung  erhalten,  und  zwar 
durch  die  Kapselmembran  und  das  lig.  Bertini.  In  dieser  Hinsicht 
sind  2  Experimente  M.'s  interessant:  man  durchbohrte  den  Boden  dar 
Pfanne  und  beseitigte  dadurch  den  Einfluss  des  athmosphärischen 
Druckes  auf  das  Hüftgelenk;  die  das  Gelenk  bildenden  Knochen 
blieben  nun  in  fester  Verbindung,  so  lange  die  Kapselmembran  und 
das  lig.  Bertini  erhalten  waren.  Die  Muskeln  hatte  man  in  beiden 
Experimenten  entfernt.  Bei  Anwendung  von  10 — 12  Pfd.  wurde 
nidit  das  geringste  Auseinanderweichen  der  Gelenkflächen  beobachtet, 
bei  20  Pfd.  eine  Diastase  von  Y2  nmi.,  bei  40  Pfd.  bis  zu  1  mm. 
Das  lig.  Bertini  bewirkt  also  bei  gestrecktem  Gelenk  allein  den  festen 
Schluss  der  Gelenkflächen.  Bei  diesen  Experimenten  wurde  ausserdem 
Folgendes  beobachtet:  bei  Gewichten  von  20—40  Pfd.. drehte  sich  der 
Oberschenkelknochen  stark  nach  aussen,  bei  40 — 60  Pfd.  in  entgegen- 
gesetzter Richtung,   d.  h.   bemerkbar  nach  innen.     Diese  Thatsache 


Oentralblatt  l«r  Chirwygie.    No.  39.  619 

ist  wichtig»  da  Einige  (Busch,  Reyher)  die  therapeutische  Wirkung 
der  Distraotionsmethode  b^  Gelenkkrankheiten  durch  Veränderung 
der  Berührungspuncte  der  Gelenkflachen  erklären. 

Von  den  das  Gelenk  umgebenden  Muskeln  schreibt  M.  dem  m. 
obtiirator  externus  eine  wichtige  Rolle  für  den  festen,  hermetischen 
Verschluss  der  Hüftgelenkshöhle  zu ;  derselbe  liegt  der  incisura  aceta- 
buli  fest  an.  Der  la.  ileopsoas  ist  ebenfalls  für  das  Festhalten  des 
Gelenkkopfes  in  der  Pfanne  bei  gestreckter  Lage  des  Hüftgelenks 
nöthig. 

Die  dritte  Gruppe  von  (S)  Versuchen  war  der  Wirkimg  der 
Distraotionsmethode  auf  das  Hüftgelenk  gewidmet.  Das  Ausweichen 
des  Oberschenkels  bei  der  Distraction  wurde  mittelst  zweier  Nadeln 
oontrolirty  Ton  denen  man  die  eine  in  den  Oberschenkel  und  die  an- 
dere in  das  os  ilei  eingedreht  hatte;  letztere  blieb  unbeweglich 
und  gaxantirte  dafür,  dass  das  Becken  fixirt  war.  Die  Resultate 
waren  folgende:  1)  an  der  Leiche  entsteht  wirklich  unter  dem  Ein- 
flüsse der  Distracdoosmethode  ein  Auseinanderweichen  der  Gelenk- 
flächen, welches  je  nach  der  Frische  der  Leiche  verschieden  leicht 
zu  Stande  kommt;  2)  bei  einem  Gewichte  von  9—12  Pfd.  entsteht 
nicht  das  geringste  Auseinandeigehen  der  Gelenkflächen;  3)  ist  die 
Leiche  nicht  mehr  frisch^  so  kann  bei  20  Pfd.  eine  Diastase  bis  zu 
V)  mm.  vorkommen;  4)  40 — 45  Pfd.  bewirken  eine  Diastase  bis  zu 
1  mm.;  5)  bei  grösseren  Gewichten  (60 — 80  Pfd.)  wird  kein  weite- 
res Auseinandergehen  beobachtet;  6)  die  von  den  Chirurgen  vorge- 
schlagene Abduction  hat  keinen  günstigen  Einfluss  auf  das  Zustande- 
kommen der  Diastase;  7)  eine  Diastase  der  Gelenkflächen  ist  am 
lebenden  Menschen  höchst  zweifelhaft,  so  lange  das  lig.  Bertini  er- 
halten bleibt.  —  In  Betreff  des  Kniegelenks  führte  M.  12  Experim. 
mit  gewöhnlicher  Distraction  aus.  In  3  anderen  Experim.  controlixte  M. 
"die  Experim.  von  Hüter,  Weidenmüller  und  Reyher;  letztere 
wurden  nach  der  manometrischen  Methode  ausgeführt.  Die  ersteren  Ex- 
perim. ergaben :  1]  im  Kniegelenk  besteht  unter  physiologischen  Ver- 
hältnissen bei  gestreckter  Lage  kein  Spaltraum  zwischen  den  Gelenk- 
flächen; 2)  eine  Distraction  mit  20  Pfd.  erzeugt  keine  Diastase; 
3)  bei  45  Pfd.  und  mehr  entsteht  ein  Spalt,  welcher  zwischen  den  in- 
neren Condylen  ^[^  mm.^  zwischen  den  äusseren  IY2  iiun.  beträgt. 

Die  letzten  3  Versuche  führten  zu  folgenden  Schlüssen:  1)  eine 
Diastase  der  Gelenkflächen  kommt  leichter  und  in  grösserem  Maasse 
zu  Stande^  wenn  die  Kniegelenkhöhle  eröffiiet  und  ein  Troikar  ein- 
geführt ist;  2)  Distraction  mit  12  Pfd.  führt  zu  keiner  Diastase; 
3)  grössere  Gewichte  (20 — 80  Pfd.)  führen  in  verhältnissmässig  kurzer 
Zeit  zu  vollständiger  Diastase;  4}  der  Wasserstand  im  Glasrohr 
sinkt  bei  plötzlichem  Anhängen  sogar  bedeutender  Gewichte  nur  all- 
mälig;  bei  schnellem  Abnehmen  der  Gewichte  hebt  sich  das  Wasser 
im  Kohre  nicht  zur  vorigen  Höhe^  sondern  nur  auf  einige  Ctm. 

Nach  ausführlicher  Kritik  der  verschiedenen  Meinungen  über  den 
Wirkungsmechasismus   der    Distraotionsmethode,    glaubt    Verf.    den 


620  Centralblatt  fttr  Chirofgie.     No.  39. 

guten   Einfluss    der    Distraction    bei   Entzündungen    des   Hüft-   und 
Kniegelenks  auf  folgende  Momente  zurückfuhren  zu  dürfen. 

1]  Bei  der  Distraction  wird  ein  leichter  gleichmässiger  Druck 
auf  die  entzündeten  Gelenkflächen  ausgeübt  durch  gleichzeitige  Stei- 
gerung des  intraarticulären  Druckes.  2)  Die  Contractur  der  jdie  Ge- 
lenke umgebenden  Muskeln  wird  yermindert.  3)  Die  Contactpüncte 
der  Gelenkflächen  werden  verändert.  4)  Die  Gelenke  befinden  sich 
während  der  Dbtraction  in  Buhe  und  Unbeweglichkeit.  —  Die  Ver- 
hältnisse der  normalen  Gelenkflächen  im  Hüft-  und  Kniegelenk 
studirte  Verf.  an  Sägefläohen  gefrorener  Leichen.  Sonst  wurden 
Becken  und  die  unteren  Extremitäten  in  einen  besonderen  Apparat 
gebracht;  das  Becken  fest  fixirt,  der  Oberschenkel  in  verschiedene 
Stellimgen  zum  Becken  gebracht  oder  am  Fusse  Gewichte  zur  Dis- 
traction angehängt.  Büttelst  Kälte-Mischungen  brachte  man  hierauf 
Becken  und  Extremitäten  zum  Gefrieren,  so  dass  sie  zu  feinen  Säge- 
schnitten sehr  geeignet  sich  zeigten.  Von  den  Sägeflächen  wurden 
genaue  Zeichnungen  gemacht  ^  ohne  alle  Schematisirung.  Der  sehr 
fleissigen,  unter  Prof.  Wagner 's  Leitung  ausgeführten  Arbeit  sind 
16  lithogr.  Tafeln  beigegeben,  ^welche  die  vom  Verf.  gewonnenen 
Resultate  aufs  Anschaulichste  illustriren.  W*  Grabe  (Charkow). 


A.  V.  Puky,     Complicirte  dorsale  Luxation  im  Metakarpo- 
phalangealgelenke   des   Zeigefingers  mit  Sehneninterposition. 

(Wiener  med.  Woclienschrift  1874.  No.  27  u.  28.) 
Verf.  citirt  zunächst  die  einschlägigen  Mittheilimgen  von  Goy- 
rand,  Kaisser^  Bertillon  u.  A.^  welche  über  ähnliche  Fälle 
berichten.  P.'s  Fall  ist  folgender:  Ein  Maurer  fiel  7  Fuss  hoch  von 
einer  Leiter  auf  die  vorgestreckte  linke  Hand.  Dabei  bohrte  sich  der 
luxirte  Kopf  des  zweiten  Mittelhandknochens  durch  die  Weichtheile 
der  Hohlhand.  Auf  dem  Dorsum  war  die  Gelenkfläche  der  Basale 
phalange  des  gebeugt  stehenden  Index  zu  fühlen.  —  Die  Reposition 
durch  Extension  und  Flexion  war  unmöglich,  gelang  aber^  als  wäh- 
rend der  Hyperextension  eine  Rotation  und  darauf  Flexion  vorge- 
nommen wurde.  In  einem  Schienenverbande  heilte  die  Wunde  in 
zwei  Tagen  unter  Eisbehandlung.  — 

Zur  Erklärung  des  erst  durch  Rotation  überwundenen  Reposi- 
tionshindemisses  will  Verf.  von  der  Hypothese  des  Muskel-  und 
Bänderknopfloches  und  der  Kapselinterposition  nichts  wissen;  da- 
gegen nimmt  er  die  von  mehreren  Autoren  schon  vermuthete  oder 
erwiesene  (Pitha,  Roser,  Lisfranc,  Dupuytren, 
Lorinser  u.  A.)  Interposition  von  Sehnen  an.  Leichenver- 
suche, sowie  das  Gelingen  der  Reposition  durch  Rotation  stützen 
diese  Ansicht.  Demarquay  und  Roux  reducirten  gleichfalls  durch 
Rotationsmanöver.  Die  litterarisch  mitgetheilten  irreponiblen  Falle 
werden  noch  angeführt  und  die  Behauptung  aufgestellt,  dass  durch 
Einführung  des  rotirenden  Momentes  die  Reposition  der  betreffenden 
Luxationen  ihre  Schwierigkeit  verliert.  ▼•  Mosengell  (Bonn). 


Gentralblatt  für  Chirur^e.    No.  39.  621 

O.  Wex.     Ueber  Narbencontracturen   nach    Verbrennungen 

an  der  Hand. 

(Inaug.-Diss.   Bonn.    1875.) 

Nach  einem  kurzen  Ueberbhck  über  Entwicklung  des  Narbengewe- 
bes im  Allgemeinen  geht  Verf.  zu  den  pathologischen  Verhältnissen  des- 
selben an  der  Hand  über,  bespricht  die  aus  ihnen  resultirenden 
Functionsstörungen  und  die  Methoden  zu  ihrer  Beseitigung^  sowie 
die  Indicationen  an  den  verschiedenen  Verfahrungsarten.  Als  Ver- 
fahren von  Busch  wird  dasjenige  beschrieben^  wobei  ein  dreieckiger 
Lappen^  mit  "der  Spitze  nach  dem  Carpus  sehend ^  und  die  Narbe 
möglichst  umschneidend^  abgelöst,  die  orthopädische  Nachbehandlung 
aber  erst  nach  Eintritt  der  Granulationen  begonnen  wird  (vergl. 
Madelung  in  Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  15,  ref.  im  Cen- 
tralbl.  f.  Chir.  1875.  No.  21).  —  Für  die  nach  Verbrennungen  vor- 
kommende Syndactylie  wird,  wie  sie  für  die  angeborene  mit  Erfolg 
verwandt  worden,  die  DitteTsche  Ligatur  empfohlen.  Aus  der 
Litteratuv  gesammelte,  sowie  zwei  vom  Verf.  auf  der  Bonner  Klinik 
beobachtete  Fälle  werden  mitgetheilt.  ▼•  Mosengell  (Bonn). 


Kleinere  Miitheilungen. 

Ch«  Deniflon.     A  new  extension  apparatus,  etc. 

(New  York  med.  Journal  1875.  Bd.  XXI.  p.  482.) 

Verf.  macht  der  üblichen  Behandlungsmethode  der  Fracturen  durch  Gewichts- 
extension den  Vorwurf,  dass  sie  eine  constant  gleich  wirkende  Kraft  anwende,  um 
bestftndig  wechselnde  Hindernisse  (Muskelcontraction  etc.)  zu  überwinden.  Statt 
der  Gewichte  benutzt  also  Verf.  einen  Kurbelapparat  mit  Spemrorrichtung.  Der- 
selbe hat  bei  grosser  St&rke  nur  die  Crrösse  einer  Taschenuhr  und  wird  in  hölzer- 
nen Unterlagen  und  Schienen  nach  Belieben  eingeschraubt.  Besonderen  Nutzen 
soll  dieser  Apparat  bei  Behandlung  von  Patellarfracturen  haben.  Das  Princip  der 
Anwendung  ist  dasselbe  wie  beim  B.  Bell' sehen  Verfahren  (Ref.).  Anstatt  der 
gepolsterten  Kiemen  drücken  oberhalb  und  unterhalb  der  Patella  quer  angelegte 
breite  Heftpflasterstreifen  die  Fragmentstücke  aneinander.  Anstatt  der  Schnallen 
sind  4  Kurbelapparate  eingeschaltet.  Wie  schon  Benjamin  Bell  angegeben, 
reicht  der  obere  Riemen  an  der  vorderen  Seite  des  Unterschenkels  bis  ziun  Fuss 
und  gewinnt  dort  seinen  weiteren  Halt.  Die  Anwendung  des  Heftpflasters,  die  es 
ermöglicht,  den  angewandten  Druck  auf  eine  grössere  Oberfläche  zu  vertheilen, 
erscheint  von  Vortheil.  Aehnliche  Apparate  kommen  bei  der  Behandlung  von 
Olecranonfracturen,  Riss  der  Achillessehne,  bei  Schenkelfracturen  und  zur  Exten- 
sion von  Knie-  und  Hüftgelenken  zur  Anwendung. 

Madelung  (Bonn). 

(Bellevue  hospital.)  Apparatus  for  old  cases  of  ununited  fracture 

of  patella^  to  enable  the  patient  to  walk. 

(New  York  med.  Journal  1875.    Bd.  XXI.  p.  610.) 

Ein  Gypsverband  umgreift  das  Bein  oberhalb  des  Kniees,  ein  zweiter  unterhalb. 
In  beiden  ist  je  ein  Ring  von  starkem  Eisendraht  befestigt,  der  theilweise  hervor- 
ragt. Ein  starker  Kautschukstrang  verbindet  die  beiden  Ringe  und  hält  das  Bein 
in  extendirter  Stellung  fest. 


622  Centralblatt  ffir  Ohirurgiei    Ko.  89; 

(RoBserelt  Hospital.)  Salieylic  acid  in  extensive  bum. 

Ibidem. 

Als  Emulsion  mit  Olivenöl  (1 :  16)  that  8alicylsaure  gute  Dienste  bei  Behand- 
lung einer  ausgedehnten  Brandwunde,  desgleichen  in  Solution  (1  :  500)  bei  Aus- 
spolung  von  Blase  und  Pleurahöhle  (Cystitis,  Empyem). 

(Charity  Hospital.)  Tetanus  treated  by  Gelseminum. 

Ibidem. 
Complicirte  Fractur  einer  Phalanx  des  Zeigefingers.      Amputation.     3  Tage 
nach  der  Verletsung  Tetanus.    20 — 30  Gran  des  flüssigen  Eztractes  von  Oetseminum 
wurden  alle  3^4  Stunden  gegeben.    Naehlaas  der  Muakelcontractionen  fiOr  4—^ 
Stunden.    Tod  durch  tetanische  Contracdonen  der  Respirattonsmuskeln. 

Madelung  (Bonn). 
K.  BuilLG.     Ergotininjectionen. 

[Sitzungsberichte  der  Kaiserl.  med.  Gesellsch.  zu  Wilna.  1875.  No.  2.  p.  56.) 

2  Fälle  von  Fibromyoma  uteri  wurden  g&nzlich  erfolglos  mit  je  50  Injectionen 
behandelt.  Jedesmal  heftige  Schmerzen  durch  20  Min.,  einmal  Verringerung  einer 
heftigen  intercurrenten  Metrorrhagie.  W*  CNmbe  (Charkow). 

8.  T.  Warren.     Two   cases  of  intussusception  succesfully  treated.  by 

fluid  injections. 
(New  York  med.  Journal.  1875.  Bd.  XXI.  p.  490.) 

Ein  7  Monat  altes  Kind  bekommt  plötzlich  Erbrechen,  Stuhlverhaltung, 
Schmerzen  im  Leib,  heftigen  Stuhldrang,  Blutabgang  aus  dem  Rectum.  Der  in 
.den  Mastdarm  eingeführte  Finger  entdeckt  eine  weiehe,  runde  Geschwulst,  die 
vollständig  den  Darm  verschliesst.  Injectionen  von  warmem  Seifenwasser  in  den 
Mastdarm.  Erst  beim  3.  Versuch  gelingt  es,  10—12  Unzen  Wasser  einzuspritzen, 
Dieselben  werden  zurückgehalten.    Heilung. 

Ein  zweites  9  Monate  altes  Kind  zeigte  dieselben  Symptome,  ausserdem  eine 
umschriebene,  ziemlieh  grosse,  harte  Geschwulst  unmittelbar  über  dem  Nabel.  Auch 
hier  führten  grosse  Injectionen  von  Seifenwasser  zur  raschen  Heilung. 

MadelnDg  (Bonn). 
Femberton,    DarmYerschluss.     Tod. 

(British  med.  Tourn.  1875.  Vol.  I.  p.  576.) 

Ein  50j&hriger,  imbeciller  Mann  sollte  seit  3  Tagen  an  Erbrechen  und  Stuhl- 
mangel leiden ;  die  Untersuchung  ergab  eine  massige  Spannung  des  Abdomen  und 
in  der  rechten  Inguinalgegend  einen  harten,  über  eigrossen,  schmerzlosen,  nicht 
durchscheinenden  Tumor  ohne  Oedem  der  Bedeckung.  Da  die  Folgen  des  Darm- 
verschlusses zunahmen,  so  wurde  auf  dem  Tumor  eine  Incision  gemacht ;  es  flössen 
2  Unzen  blutigen  Serum  aus  einer  Höhle  ab,  in  welcher  der  allseits  angelöthete, 
feste  Hoden  sich  vorfand;  der  Bruchsack  selbst  war  leer.  Die  von  hier  aus  an- 
gestellte Untersuchung  konnte  die  Stelle  des  Darmverschlusses  nicht  eruiren.  Nach 
24  Stunden  erfolgte  der  Tod  unter  den  Erscheinungen  der  Erschöpfung.  Section :  die 
Gegend  der  rechten  fossa  iliaca,  des  rechten  Hypochondrium  und  von  dort  zum 
Kreuzbein  hinab  war  ausgefoUt  durch  eine  enorm  ausgedehnte  Dickdarmschlinge, 
deren  Wandungen  bis  zu  membranöser  Durchsichtigkeit  verdünnt  waren ;  die  eben- 
falls sehr  ausgedehnten  Dünndärme  hatten  das  Zwerchfell  bis  zum  3.  Intercostal- 
räum  emporgedrtngt ;  eine  volle  Axendrehung  bestand  im  S.  romannm,  eine  2.  entge- 
gegengesetzt  gedrehte  im  Ueum.  Der  rechte  fibrös  entartete  Hoden  zeigte  gar  kein 
normales  Hodengewebe  mehr.  —  Pili  (Stettin). 

J.  ToTsujeff«    Ein  Fall  von  Hernia  diaphxagmatiksa. 

(Sitzungsberichte  der  Kaiserl.  med.  GeseUach.  im  Kaukasus.  1875.  Russiaoh.) 
Ein  22) ihriger  Mann  kam  wegen  hefdger  Schmerzen  im  Leibe,  die  sich  be- 
sonders nach  dem  Essen  und  Trinken  einstellten,  und  wegen  gleiohaeitiger  2tlgiger 


C^tralUatt  Air  Chinixgie.   Ko.  3d.  623 

Obstruction  in's  Krankenhaiu.  Temperatur  und  Puls  aber  der  Norm,  Berührung  dee 
eingesogenen  Leibes  schmerihaft,.  Oberschenkel  angezogen.  Fat.  bisher  gesund, 
erkrankte  nach  dem  Heben  eines  schweren  Kastens  sofort  unter  Schmerzen  und 
Erbrechen.  Diagnose  wegen  der  durch  Schmerz  sehr  behinderten  Untersuchung 
nicht  möglich.  Tod  nach  einem  Tage.  Linke  Lunge  bis  auf  ein  Viertheil  des 
Normalyolums  verkleinert,  in  der  linken  Thoraxh&lfte  alle  Dünndärme  und  das 
Omentum  majus;  OefFnung  im  Diaphragma  2  Finger  links  vom  Oesophagus 
von  der  Ghrösse  eines  lOOroschenstQckes  Die  Därme  mit  einander  durch  Exsudat 
verklebt.  W.  Grube  (Charkow). 

A«  HodeL     Bruchschniitt  bei  einem  Kinde  von  28  Wochen. 

(Bair.  Aerztl.  Intelligenzblatt  1875.  No.  30.  p.  301.) 

AusfQhrliche  Mittheilung  einer  Hemiotomie  bei  incarcerirter  Hemia  funiculi 
spermatici  bei  einem  Kinde  von  28  Wochen.  Operation  ohne  Eröffnung  des  Bruch- 
sackes (Process.  periton.  vaginalis).  Radicalheilung.        P.  BnuiB  (Tübingen). 

BlieinstAdter«     Diagnose  der  Ovariencyeten  und   Indicationen   ihrer 

Behandlung. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  18,19  u.  22.) 

*  Verf.  hat  in  Strassburg  besonders  Köberl6's  Künik  besucht  und  theilt  seine 
dort  gewonnenen  Kenntnisse  in  wohlgeordneter  Weise  mit.  In  höchst  dankens- 
werther  Weise  führt  B. ,  kurz  und  präcis  im  Ausdruck ,  den  «jetzt  üblichen  Gang 
der  Untersuchung,  resp.  die  Anwendung  der  diagnostischen  Hülfsmittel  in  ihrer 
zweckmässigsten  Aufeinanderfolge«  vor.  Die  Einzelheiten  sind  im  Original  nachzu- 
lesen. V«  MosengeU  (Bonn). 

Thaden.     Stein  in  der  Prostata  und  Harnblase. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875,  Bd.  XVUL  Hft.  3.  p.  595.) 

Ein  Beleg  für  jene  selteneren  Fälle,  in  denen  Steine  der  Niere  oder  Blase  sich 
in  der  Prostata  festsetzen ,  die  heftigsten  Hambeschwerden  verursachen  und  sich 
allmälig  mit  einem  Kalkmantel  umgeben.  Nach  Spaltung  der  vorderen  Mastdarm- 
wand sammt  Sphinoter  ani  und  Prostata  wurden  einem  7üjährigen  Gerichtsdiener 
zwei  Steine  entfernt,  deren  einer  in  der  ausgedehnten  pars  prostatica  und  mem- 
branacea  der  Harnröhre  sass,  bimförmige  Gestalt  und  Durchmesser  von  3,  4,  5 
Ctm.  hatte. 

In  seiner  oberen  vorderen  Circumfere'nz  sass  ein  genau  dem  ost.  vesicale  ure- 
thrae  entsprechender  Defect,  welcher  einen  anderen  Stein  von  reichlich  Wallnuss- 
grosse  umfasste.  Der  Prostatastein  bestand  aus  2  hamsauren  Xernen  und  kohlen- 
saurem Kalk,  welchen  letztem  wieder  eine  Harnsäureschicht  umschloss,  der  kleinere 
aus  Tripelphosphat  und  phosphorsaurem  Kalk. 

Die  erweiterte  pars  prostatica  durch  den  dilatirten  Sphincter  mit  der  engen 
Blase  in  stets  offener  Verbindung  gleicht  einer  Harnblase  in  Sanduhrform.  Dies 
Yerhähniss  erklärt  das  vor  der  Operation  beobachtete  Harn  träufeln. 

Willi.  Koch  (Berlin). 
F.  E.  Haag.     lieber  Lithotritie  bei  Kindern. 

(Annalen  der  chirurg.  Gesellsch.  zu  Moskau.  1875.  Bd.  I.  p.  85.) 

Gestützt  auf  eigene  Beobachtungen  hält  Verf.  die  Lidiotritie  bei  Kindern  für 
gleichberechtigt  mit  Lithotomie,  weil  die  instrumentelle  Technik  jetzt  vervoll- 
kommnet, die  Anästhesirung  leicht  und  die  Operation  relativ  gefahrloser  sei.  Der 
Kern  der  Steine  von  Kindern  besteht  gewöhnlich  nach  14  Untersuchungen  des 
Veif.'s  aus  Harnsäure  imd  hamsaurem  Ammoniak,  desto  sehner  enthält  er  oxalsaure 
Verbindungen,  was  für  die  Operation  günstig  ist.  Das  Abgehen  der  Steintrümmer 
und  die  Operation  wird  nicht  sohlechter  als  von  Erwachsenen  ertragen. 

W.  Brühe  (Charkow). 


624  Centralblatt  far  Chirurgie.   No;  39. 

J.  Dubrisay.     Luxation  cong^nitale  du  genou. 

(Le  Mouvement  m6d.  1875.  No.  19.) 

Ein  leicht  in  Kopflage  geborenes  Kind  (Mädchen)  einer  21j&hrigen  Primipara 
zeigte  sofort  nach  der  Geburt  folgende  Anomalie  im  linken  Kniegelenk:  der  Un- 
terschenkel in  spitzwinkliger  Hyperextension  und  mit  der  Fussspitze  nach  innen 
rotirt,  80  dass  der  linke  Fuss  leicht  mit  der  rechten  Leistengegend  in  Berührung 
^bracht  werden  konnte.  Bequem  und  ohne  Schmerzen  Hess  sich  aber  der  Unter- 
t  Schenkel  sowohl  in  einfache  Streckung  zurückbringen,  als  auch  in  ganz  ausgiebiger 
Weise  flectiren.  Das  Kind  selbst  war  ebenfalls  im  Stande  den  Unterschenkel  activ 
in  Flexion  zu  stellen;  nur  bei  der  Action  der  Extensoren  gerieth  der  Unterschen- 
kel wiederum  in  die  anomale  überstreckte  Stellung.  —  L&nge  der  beiden  unteren 
Extremitäten,  als  auch  der  Umfang  beider  Kniegelenke  waren  dieselben.  Weder 
an  den  knöchernen  Gelenkkörpem,  noch  an  der  Patella  des  afficirten  linken  Knie- 
gelenks war  eine  Difformität  nachweisbar.  Auch  die  das  Gelenk  bewegenden  Mus- 
keln fünctionirten  normal.  —  Die  überstreckte  Stellung  lieferte  das  typische  BÜd 
einer 'Luxation  des  Tibiakopfes  auf  die  Femurcondylen :  Eine  tiefe  Quer^rche  in  den 
Weichtheilen  an  der  Vorderseite  des  unteren  Femurendes,  oberhalb  des  promini- 
renden  Tibiakopfes,  und  eine  vollständige  Verflachung,  ja  Vortreibung  der  Knie- 
kehle durch  die  Femurcondylen,  auf  denen  dicht  unter  der  Haut  die  Pulaationen 
der  A.  poplit.  wahrgenommen  wurden.  Verneuil  bestätigte  die  gestellte  Diagno^ 
am  folgenden  Tage  und  ersetzte  den  primären  Pappwatteverband  durch  einen  Gut- 
taperchayerband  in  halb  flectirter  Stellung  des  Kniegelenks,   der  14  Tage  liegen 

I  blieb.    Beim  Verbandwechsel  überzeugte  man  sich,  dass  eine  Ueberstreckung  selbst 

bei  starker  Contraction  der  Streckmuskeln  sich  nicht  mehr  einstellte.  Aus  Vor- 
sicht wurde  jedoch  der  Verband  noch  einige  Tage  liegen  gelassen.  6  Wochen 
nach  der  Geburt  war  an  den  beiden  Extremitäten  absolut  kein  Unterschied  wahr- 

i  nehmbar.    Mit  13  I||Ionaten  lernte  die  Kleine  laufen,  und  geht  jetzt  in  ganz  nor- 

I  maier  Weise.  —  Verf.  citirt  Jacquemier,  der  ähnliche  Zustände  am  Ellenbogen- 

gelenk gesehen  haben  will.    Robert  theilt  (Des  vices  cong^nitaux  de  la  confor- 

I  mation  des  articulations ,  Thöse  de  concours  1851,  vergl.  Cannstatt's  Jahresbe- 

richt 1851,  p.  165)  eine  Beobachtung  Kleeberg' s  (Königsberg)  mit,  die  von  der 
beschriebenen  sich  jedoch  durch  grosse  Schmerzhaftigkeit  bei  den  passiven  Beu- 
gungsversuchen  unterschied.  Die  Fixirung  des  Gelenkes  erzielte  hier  schon  in 
12  Tagen  vollen  Erfolg.  Auch  einschlägige  Beobachtungen  von  Wutzer  und 
Cruveilhier  werden  angeführt.  —  Bei  Experimenten  an  Kinderleicben  ,fand 
Verf.,  dass  nach  Durchschneidung  von  Haut  und  Muskeln  die  Tibia  auf  die  Vor^ 
derfläche  der  Femurcondylen  sich  luxiren  Hess,  wenn  man  nach  Durchtrennung 
des  lig.  post.  auch  die  ligg.  cruciata  durchschnitt,  dass  aber  die  oben  dargestellte 
Ueberstreckung  mit  Rotation  des  Unterschenkels  nach  innen  erst  dann  entstand, 
wenn  man  neben  dem  lig.  post.  und  den  ligg.  cruciat.  auch  das  lig.  ext.  duroh- 
trennte.  —  Für  seine  kleine  Fat.  ist  Verf.  geneigt,  nicht  eine  Zerreissung,  son- 
dern eine  Dehnung,  vielleicht  eine  Entwicklungshemmung  der  genannten  Liga- 

j  mente  anzunehmen,  und  stützt  sich  zum  Theil  auf  die  Mittbeilung  von  Veterinär- 

I  ärzten,  welche  öfters  bei  Lämmern  ähnliche  Kniegelenksluxationen  beobachtet  und 

in  wenigen  Tagen  durch  leichte  Schienenverbände  geheilt  haben  wollen.  —   Ganz 

I  besonders  erwähnt  noch  Verf.,  dass  die  Mutter  des  lindes  vierzehn  Tage  vor  des- 

sen Geburt,  während  der  sonst  ganz  normalen  Schwangerschaft  in  ihrer  Wohnung 
ausgeglitten,  und  auf  ihre  Hände  und  ein  Knie  gefallen  sei.  —  (Vergl.  Maas, 
Arch.  f.  klin.  Chirurgie  1874.  Bd.  XVIL  Hft.  3,  ref.  im  Centralbl.  f.  Chirurgie 
1875.  No.  7.)  Lesser  (Berlin). 

I 

Origi^almitthellangen,  Monographleen  und  SeparatAbdrüeke  wolla 
man  an  Dr,  JET.  TiUmanntf  Leipzig,  Mailenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlnng, 
Bnithopf  und  Härld,  einsenden.  > 


Dndk  und  Verlag  tob  Breitkopf  and  Hittel  in  Leiptig. 


Gentralblatt 


fftr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

▼OB 

Dr.  L.  Lfaser,  Dr.  I.  Sckeie,  Dr.  E  Tilloiaiiiis 

in  Berlin.  in  HftUe  a.  8.  in  L«iprig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöohendioh  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Pri- 
numeration.     Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N2:'  40.  Somiabeiid,  den  2.  October.  1876. 

lülialt:  Holmer,  Chlrnrglscbe  Mittheüungen.  —  Kronecker,  Das  charakteristische 
Merkmal  der  Herzmnskelhewegmig.  —  Fleltchl,  Beschaffenheit  des  Axencylinders.  —' 
Vehy  Wirksamkeit  klar  llltrirter  faulender  Fiatsifkeiten.  —  MeybUfQ,  Milzbrand.  — 
DurOdl^y  Thrombose  und  Embolle.  —  Fayror/  Elephantiasia  srabum.  —  De  Cristoforl, 
Thoracentese.  —  Campbflli  Behandlung  der  Lsgeverindeningen  des  Uterus.  —  Sta4- 
faMi,  HaematoceU  zetronterina»  —  Sllveftri,  Amputation  mittelst  elsstischer  Ligatur. 

■ 

HortAloapy  Aneurysma  cirsoides.  —  Lailfr,  Ligatur  der  Carotis  communis.  —  Schaff, 
Zahnfleisch- Scorbut.  —  Garbl,  Amputation  mittelst  elastischer  Ligatur.  —  Menzel,  Be- 
seedon  des  Fuss^  und  Kniegelenks.  —  BontempS,  Prostatafaypertrophie. 

Ratf  r,  Nachtrag. 


Hohuer.      Mittheilungen  der  chirurgischen   Abtheilung  des 

Communehospitals  in  Kopenhagen. 

(Hospitalstidende  1875.  No.  .1—3  u.  5—6.) 
I.  Einige  Fälle  von  Kniegelenksreaectionen. 

Verf.  hebt  hervor^  dass  es,  um  die  EniegelenksreBectionen  richtig 
zu  würdigen,  von  Wichtigkeit  ist,  die  Beobachtungen  mehrere  Jahre 
nach  dem  Schlüsse  der  eigentlichen  Behandlung  fortzusetzen,  und 
fiihrt  von  den  von  ihm  ausgeführten  Resectionen  nur  diejenigen  Falle 
an,  welche  als  vollkommen  abgelaufen  angesehen  werden  können. 
Von  diesen  7  FäUen  sind  5  mit  gut  bräuchbarer  Extremität  geheilt, 

2  später  amputirt,  das  eine  mal  mit  todtlichem  Ausgange.  Die  Mor- 
talität war  also  eine  geringe  (14  p.  C).  Die  besten  Resultate  gaben 

3  Kinder  in  einem  Alter  von  5,  8  und  11  Jahren.  Bei  ihnen  wurde 
im  Laufe  von  1,  2  und  5  Monaten  knöcherne  Ankylose  erreicht,  bei 
den  geheilten  Erwachsenen  erst  in  8  bis  9  Monaten.  Die  beiden 
Umstände,  welche  das  Resultat  noch  lange  gefährden,  nämlich  fort- 

40 


626  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  40. 

dauernde  osteitische  Pfocesse^  und  bei  Kkideni  I|6|nmimg  des  Langen- 
wachsthutns^  werdeA  ia  den  Kiaukengeßoibichteii  noch  näher  beleuchtet : 

1.  Sjähriger  Knabe.  Arthritia  fungosa  mit  Destruction  der  6e~ 
lenkknorpel^  superficieller  Caries  der  Knochen  und  Congeetionsabscess 
am  Oberschenkel.     Resection  im  Juli  1871. 

Es  wurden  Y^'  dea  Femur  und  V4''  der  Tibia  waggenommen. 
Drei  Monate  nach  der  Operation  feste  knöcherne  Vereinigung.  Im 
Juni  1872  ging  Fat.  mit  erhöhter  Sohle  gut  ohne  Stocks  lief  umher 
und  kletterte  auf  die  Bäume.  Eine  kleine  Fistel  war  noch  vorhanden, 
heilte  aber  bald.  Die  l^tbelle  zeigt  das  Verhältniss  zwischen  den 
beiden  Extremitäten  im  Juni  1S72  und  2  Jahre  später,  während  dessen 
sich  kein  Recidiv  gezeigt  und  der  Knabe  den  vollen  Gebrauch  des 
Beines  gehabt  hat. 

Juni  1872  September  1874 


BAieoiste  Sitr.  CtosuAe  B^r. 

Länge 61Vs  Ctm.  637%  Otm. 

Schenkel    ....  34         -  347»     - 

Schienbein     .     .     .  271/«     -  29         - 

QrOsster  Umfang  |  »r         .  32 

des  Schenkels    i  * 

Qrösater  Umfang  (  oni/  001/ 

der  Wade  •  ^^*^«     '  ^'^     ' 


BeiMbto  Bxtr.  Gwaate  Acte. 
67  Ctm.  71  Ctm. 

40     -  41      - 

27      -  30     - 

24      -  24      - 

36      -  38      - 


Die  Verkürzung  hat  sich  demnach  von  2  Ctm.  auf  4  Ctm.  ge- 
steigert, während  die  resecirte  Extremität  um  51/»  Ctm.  gewachsen 
ist.  Verf.  nimmt,  namentlich  bei-  Yergieichung  mit  dem  Maasse  dtr 
gestinden  Extremität  an,  dass  die  Knochenenden  am  Knie  am  diesem 
Längenwachsthum  Theil  genonunen  haben ,  lun  so  mehr,  als  die  Epi- 
physenlinien  nicht  überschritten  waren.  Die  Frage  nach  käoftiger 
weiterer  Zunahme  der  V^pküraung  bmis»  unbeantwortet  goloooon  wer» 
den.  Es  ist  schwierig,  ein  absolut  sicheres  Maass  zu  erhalten,  da 
eine  unbemerkbare  Flexion  vielleicht  enjtstajiden  Bein  kana^  Yei& 
hebt  die  Bedeutung  einer  bessern  Ernährung  der  Extremitäten  durch 
fortgesetzten  Gebrauch  hervor. 

2.  11  jähriger  !Knabe.  Caries  patellae  mit  Perforation  in  das 
Gelenk.  Granulöse  suppurattve  Synovitis,  Ulocoration  der  Gelenk- 
knorpel. Besection  imNovember  1871.  Durcbsägung  des  Femur 
durc^  den  obem  Theil  der  Fovea  patellaris,  so  dass  hinten  etwas  von 
den  'knorpelbekleideten  Enden  der  Condyli  zurückgelassen  wurde. 
Von  der  Tibia  wurde  eine  dünne  Scheibe  w^genommen.  4  Wochen 
nach  der  Operation  knöcherne  Heilung.  Im  Juni  1872:  Lauft 
ohne  Stütze  den  ganzen  Tag.  Schwache  Flexion  im  Knie,  Verkür- 
5«ung  1 — 2  Ctm.     Im  September  1874: 

ItoiftQüia  Bitr.  aenads  Satt. 

.    66  Ctm.  68  Ctm. 


L&nge   

de«  Femur  .    . 

der  Tibi»     .    . 

Um£ang  des  Schenkek 

der  Wade  .    . 


37  -  39  - 

29  -  29  - 

37  -  38  - 

24  -  24  * 


Centralblan  für  Ohinur^e.    No.  40.  627 

Dm:  Wabhsthiim  der  reBeoirten  Ezüremität  hat  denmach  mit  der 
getfuiMleiQ!  ungefähr  3  Jahre  Schritt  gehalten. 

3.  4Y2Jähriger  Knabe,  Fnngöse  Arthritis  genu  mit  sehr  chro- 
mfchem  Verlauf^  später  suppaiative  Arthritis  mit  Durchbrueh  der 
Kapsel,  CoiügeBtioiisabscess  am  Femur.  Vergebliche  Behandlung  mit 
Pünoäön  und  grossen  Incisionen.  Im  Mai  1873  Resection.  Das 
untere  Ende  des  Femur  wurde  weggenommen,  und  zwar  vom  condyl. 
int^  etwas  mehr,  als  vom  ext.  (circa  2  Ctm.),  wodurch  die  Epiphysen- 
tinie  für  diesen  Gondylus  getroffen  k»  sein  schien.  Die  Patella  war 
cariös  und  wurde  exstirpirt.  Von  der  Gelenkfläche  der  Tibia,  welche 
gesund  war,  wurde  nur  eine  dünne  Scheibe  entfernt.  Silbersuturen. 
Antiseptischer '  Verband.  Sehwebeappamt  (fileohachiene  mit  Seiten- 
klappen für  das  Knie] .  Einen  Monat  später  beginnendes  Festwerden. 
4Y2  Monat  nach  der  Operation  feste  knöcherne  Ankylose  in  schwach 
flectirter  Stellung.  Februar  1874.  Die  Fisteln  vollständig  geheilt. 
Winkel  140°.  Die  Verkürzung  in  dieser  Stellung  circa  4  Ctm.  Die 
wirkliche  Verkürzung  kaum  3  Ctm.  8  Monate  später  (October  1874) 
scfiien  die  Verkürzung  um  1  Ctm.  zugenommen  zu  haben,  und  die 
Wachs thumshemmung  der  Tibia  zur  Last  zu  fallen.  Die  Angabe 
des  Maasses  ist  jedoch  nicht  ganz  sicher,  namentlich  weil  die  Flexion 
etwas  zugenommen  hatte.  Wegen  dieser  Nachgiebigkeit  der  Verbin- 
dung, selbst  nachdem  dieselbe  fest  scheint^  empfiehlt  Verf,  eine  stütz* 
ende  Schiene. 

Von  den  4  Resectionsfällen  bei  Erwachsenen  mussten  2  später  am^ 
putirt  werden;  der  eine  wegen  der  fortdauernden  Ostitis.  Als  der 
Pat.  geheilt  war,  trat  Caries  ossis  ilei  auf.  Beweis  seiner  schlechten 
Constitution.  In  dem  zweiten  Falle  wurde  die  Amputation  2^/^  Mo» 
nat  nach  der  Resection  vorgenommen.  Das  Knochenleiden  war  hier 
sehr  verbreitet  gewesen.  Bei  schlecht  werdender  Eiterung  und  Aus- 
bleibeiQ  ^et  k^a^ckdieffnen  Vereinigung;  Amputation  —  Tod.  Sectios: 
allgemeine  Tuberkulose. 

Die  beiden  Fälle,  wo  die  Resectionen  bei  Erwachsenen  zu  einem 
Sestiltate  ftihrten^  waren: 

1.  18jähriger  Mann.  Füngose  Arthritis.  Durchbruch  der  Kapsel. 
Beikkung  den  Schenkel  hinauf.  Subluxation.  Caries  der  Gelenkenden. 
Sesideiioti  im  October  1S71.  7/  des  Femur  und  y^"  der  Tibia  wur- 
den entfernt.  4  Monate  später  gttter  Festigkeit.  9  Monate  nach  der 
Qperadon  ging  er  auf  Krüoken  umher.  Beständig  secemirende 
Fisteln,  kein  denudirter  Knochen«  Verkünenng  6  Gtm.  Grösster 
Umfang  der  Wade  der  xesecirten  Extremität  28  Ctm. ,  der  gesunden 
Z%,  des  Schenkels  39  und  44  Ctm.  N>ach  1 1  und  13  Monaten  wurden 
die  Knochensuturen  entfernt.  Im  15.  Monat  bedeutendes  Evidement 
des  untern  Femurendes  mit  scharfiea  Löfleln.  Im  August  1873  feste 
Ankyiose,  keine  Schmerzen,  IdJehte  Flexion.  October  1874:  die 
Fisteln  secemiren  nur  seröse  Flüssigkeit;  Tägliche  Arbeit  mit  Fahren 
von  W^mateidal. 

2.  2Bjährig^s  Dienstmädchen.    Synorntis  granulosa.    Relativ  frühe 

40* 


628  CentMdblatt  fftr  Chirurgie.    No.  40. 

Rdseotion  wegea  Verdacht  einer  beginnenden  Tuberkulose  der  Basis 
cerebri.  Die  Gelenkknorpel  ulcerirten,  jedoch  nur  auf  einem  be- 
grenzten Theile  des  Condylus  int.  femoris  et  tibiae.  Denudation. 
Operirt  im  Februar  1873.  September.  Solide  knöcherne  Verei- 
nigung. Die  Knochensuturen  wurden  entfernt.  November.  Fängt 
an  ausBer  dem  Bette  zu  sein.  Januar  1874.  Evidement  der  Fisteln. 
Mai  18  74.  Verkürzung  4  Ctm ;  Umfang  des  Schenkels  der  gesunden 
Seite  41  Ctm. ,  der  reseclrten  36  Ctm.  Umfang  der  Wade  26  und 
27  Ctm.  (ein  wenig  Oedem.)  Herbst  1874.  Alle  Fisteln  sind  ge- 
heilt^  guter  Gang  ohne  Unterstützung. 

IL  Esmarch's  unblutige  Operationsmethode. 

Verf.  hat  die  Methode  mit  Erfolg  bei  Sequestrotomieen  und  Ex- 
stirpationen  von  Geschwülsten  an  den  Extremitäten  angewendet.  Bei 
Resectionen  des  Kniegelenks  hat  er  dieselbe  ein  einziges  Mal  mit  gu- 
tem Resultat  versucht,  er  benutzt  sie  aber  hier  doch  nicht  als  Regele 
wegen  der  Neigung  derselben,  eine  bisweilen  langwierige  capilläre  Hä- 
morrhagie  zu  veranlassen,  welche  zu  einem  die  nachherige  Behandlung 
störenden  Nachbluten  disponirt.  Dabei  furchtet  er  Gangrän  des  Haut- 
lappens (Textor's  Methode).  In  3  EUbogenresectionen  und  einzelnen 
Excisionen  der  Knochen  der  Fusswurzel  und  des  Mittelfusses  ist  die 
Methode  mit  Erfolg  angewendet  worden.  Femer  wurde  sie  bei  3 
Schenkelamputationen,  1  Exarticulation  des  Kniees,  2  Operationen  nach 
Syme  und  2  nach  C hepar t  benutzt.  2  Schenkelamputationen  bei 
Patienten  mit  sehr  geringer  Chance  endeten  todtlich;  die  übrigen 
Amputationen  wurden  geheilt.  In  keinem  dieser  Fälle  entstand 
Pyämie.  Panlli  (Kopenhagen). 

H.  Kronecker.     Das   cfaarakteristisGhe  Merkmal   der  Herz- 
muskelbewegung. 

(Beiträge  zur  Anatomie  und  Physiologie»  als  Festgabe  Carl  Ludwig  gewidmet  yan 

seinen  Schülern.    Leipzig,  F.  €•  W.  Yogel.  1875.) 

Mit  Hülfe  der  von  Ludwig  in  die  physiologische  Forschung 
eingeführten  graphischen  Methoden  wurden  bekanntHcK  die  Einflösse 
^er  verschiedenen  Herznerven  auf  den  Blutkreislauf  genau  zergliedert. 
—  Ludwig  war  es  auch^  welcher  1866  eine  Methode  angab,  die 
Function  des  isolirten  Froschheraens^  welches  mit  einem  kunst- 
lichen Kreislauf  in  Verbindung  gebracht  war»  zu  untersuchen  (Cyon). 
Sodann  entdeckte  Bowditch  unter  Leitung  Ludwig's  eine  neue 
Eigenthümlichkeit  des  Herzmuskels,  welche  diesem  ror  allen  and^ 
ren  Muskeln  zukommt:  die  Grösse  der  Zusammenriehung*  des  elec- 
triscli  gereizten  Ventrikels  ist  unabhängig  von  der  Starke  des  Beizesi 
nur  wechselnd  mit  dem  Ermüdungszustande  des  Muskels.  Genügten  die 
in  gleichen  Intervallen  folgenden  Reize  nicht  mehr,  um  maximale  Con- 
tractionen  des  Herzmuskels  auszulösen,  so  wurden  diese  nicht  kleiner, 


CentralblaU  für  Chirurgie.   No.  40.'  629 

sondern  unregelmässig  aussetzend.  —  Zum  Theil  um  die  Angaben  von 
Bowditch  zu  vervollständigen^  hat  Kr.  nun  in  Gemeinschaft  mit 
Stirling  ausgedehnte  Versuche  unternommen.  Er  fand  zunächst, 
dass  die  Pulse  nicht  aussetzend  >varen,  sondern  regelmässig  erfolgten, 
wenn  die  minimalen  Reize  ganz  genau  in  gleicher  Intensität  gehalten 
wurden,  oder  gänzlich  ausblieben,  wenn  die  Stromintensität  noch  um 
ein  Geringes  gemindert  wurde.  Erwärmen  steigert  die  Reizbarkeit  und 
Beweglichkeit  des  Herzens,  Abkühlen  setzt  beide  herab;  die  Pulse 
werden  zugleich  niedriger  und  langsamer.  Bei  sehr  niedriger  Tem- 
peratur (3  — 5°)  vermag  das  Herz  überhaupt  nicht  häufiger  als  etwa 
alle  10  See.  einen  Puls  zu  vollenden. 

Von  grösstem  Interesse  sind  die  Thatsachen,  welche  K.  bezüglich 
der  Ernährungsvorgänge  des  Froschherzens  fand.  Letzteres  besitzt 
keine  Coronararterien,  die  Ernährung  geschieht  nur  duxch  Diffusion 
des  Blutes  aus  dem  Lumen  in  die  Wandungen.  Die  grössere  oder 
geringere  Contractionsfähigkeit  des  Herzens  hängt  von  seiner  besseren 
oder  schlechteren  Ernährung  ab.  Je  frischer  und  arterieller  das  Blut, 
um  so  kräftiger  regt  es  die  Herzthätigkeit  an.  Bleiben  die  ruhenden 
Herzwandungen  einige  Zeit  mit  stagnirendem  Blute  in  Berührung,  so 
verliert  der  Muskel  an  Leistungsfähigkeit.  Jeder  Puls  steigert  die 
Energie  des  nächsten,  bis* die  Mischung  des  gebrauchten  und  frischen 
Blutes  in  dem  aufs  Herz  gesetzten  Röhrensystem  gleichmässig  ge- 
worden ist  (Bowditch).  Dem  entsprechend  werden  die  Herzschläge 
niedriger,  wenn  demselben  Blut  entzogen  wird.  Verdrängte  Kr.  das 
in  der  Herzhöhle  befindliche  Blut  oder  Serum  durch  unschädliche 
Kochsalzlösung  (0,6^),  so  sinken  die  Pulse  sehr  schnell  bis  zur  Un* 
merklichkeit,  bald  bleiben  nur  noch  matte  peristaltische  Bewegungen 
und  endlich  steht  das  Herz  in  Diastole  still,  unfähig  selbst  auf  cUe 
stärksten  Reize  die  leiseste  Bewegung  auszuführen.  Durchspült  maa 
das  erschlaffte  Organ  neuerdings  mit  Ohaltigem  Blute,  so  beginnen 
bald  fibrilläre  Zuckungen^  dann  schwache  Herzschläge,  bis  das  Herz 
ebenso  kräftig  arbeitet,  wie  im  frischen  Zustande  zuvor.  — 

Die  Yersuohe  wurden  in  der  Weise  angestellt,  dass  in  die  Ven- 
trikel eines  isolirten  Froschherzens  eine  Doppelwegkanüle  (cf.  Original) 
eingeführt  war;  die  Vorhöfe  wurden  um  letztere  fest  zugebundep,  so- 
dass das  Herz  noch  selbstständig  pulsirte  (Luciani). 

Die  Versuche  sind  von  hohem  praktischen  Interesse.  Bezüglich 
der  Wirkung  der  Transfusion  scheint  nach  den  von  Kr.  gefundenen 
Thatsachen  Alles  davon  abzuhängen,  dass  möglichst  rasch  dein  Het- 
zen arterielles  O  haltiges  Blut  zugeführt  wird.  Denn  die 
Gefahren  bei  grossen  Blutverlusten  beruhen  wohl  neben  den  Ano- 
malieen  des  Blutdrucks  ganz  besonders  in  Ernährungsstörungen  des 
Herzmuskels.  Doch  ist  Ref.  weit  entfernt,  die  am  Froschherzen  ge- 
wonnenen Thatsachen  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  ohne  Weiteres  auf 
den  Menschen,  übertritgen  55U  wollen.   —  TiUmaims  (Leipzig). 


630  Centralblatt  fttr  Chirurgie.    No.  40. 

R  Fleisohl.     Ueber  die  Beschaffenheit  de«  Axencylinders. 

(Beiträge  zur  Anatomie  und  Physiologie,  als  Festgabe  Carl  Ludwig  gewidmet  von 

seinen  Schülern.    Leipzig,  F*  €•  W*  Yogel.  1875.) 

An  mit  Chromsäure  ^  Carmin^  Terpentin  behandelten  Längs- 
schnitten vom  Rückenmark  des  Cyprinus  carpio  (Hinterstränge)  stellt 
sich  der  Axencylinder  als  ein  vielfach  gebogener  eingedrehter  Strang 
dar,  welcher  von  ungleichmässiger  Dicke  ist  und  mit  Excrescenzen 
von  verschiedenster  Fonn  besetzt  ist.  An  anderen  Stellen  erscheint 
der  Axencylinder  als  aufeinander  folgende,  quergestellte,  unregelmäs- 
sige Platten,  welche  auf  einen  längsverlaufenden  Faden  au^^reiht 
sind.  Die  Formen  des  Axencylinders  variiren  auf  Längs-  und  Ouer- 
schnitten  sehr.  An  Alkoholpräparaten  vom  Fischnickenmark  (Karpfen) 
sieht  man  nach  der  Carminfarbung  den  Axencylinder  auf  dem  Öuet- 
Bchnitte  als  eine  breite,  kreisrunde  oder  polygonale  Fläche  von  gleich- 
massig  rosenrother  Tinction  und  auf  dem  Längsschnitt  als  rosafaibe- 
ner,  regelmässiger  Streifen  von  beträchtlicher  Breite.  Zur  Controle, 
ob  das  Chromsäurebiid  oder  das  Alkoholbild  des  Axencylinders  als 
der  richtigere  Ausdruck  der  physiologischen  Verhältnisse  anzu- 
sehen sei,  wurden  frische,  in  Ueberosmiumsäure  präparirte  Rücken- 
marksfasern,  sowie  Querschnitte  von  in  derselben  Flüssigkeit  (1  :  1000) 
während  24  —  48  Stunden  gehärteten  Rückenmark  untersucht.  Sie 
stimmten  mit  dem  Alkoholbild  überein. 

Im  Allgemeinen  ist  die  Regel,  dass  Chrom  sehr  dünne,  utiregiel- 
mässige,  Alkohol  dicke  gleichmässige  Axencylinder  macht. 

Verf.  ist  deshalb  der  Ansicht,  dass  der  Axencylinder  aus  einer 
Substanz  bestehen  muss,  welche  verschieden  von  den  übrigen  Form- 
elementen des  Körpers  ist.  Weder  Protoplasma,  noch  das  leim- 
gebende Gewebe,  oder  die  Epithelialgebilde  zeigen  ein  ähnliches 
Verhalten  gegen  jene  Reagentien  wie  der  Axencylinder.  »Der  Axen- 
cylinder ist  im  Leben  eine  Flüssigkeitssäule,  deren  Volum  weit  mehr 
als  die  Hälfte  des  Volums  der  ganzen  Faser  betragt.  Das  Mark 
nimmt  in  der  lebenden  Nervenfaser  höchstens  den  Raum  ein,  wel- 
chen in  der  eben  abgestorbenen  die  Myelingerinnungen  einndimen. 
Die  Flüssigkeit,  aus  welcher  der  Axencylinder  besteht,  enthält  eine 
sehr  leicht  und  unter  verschiedenen  Ufuständen  in  sehr  verschiedener 
Art  gerinnende  Substana«. TUlaumas  (Leipng). 

F.  Veh.     Ueber   die   Wirksamkeit   klar  filtrirter  faulender 

Flüssigkeiten. 

(Inaug. -Diss.  Dorpat  1875.) 

Nach  einer  kurzen  historischen  tJebersicht  theilt  Verf.  in  seiner 
ersten  Versuchsreihe  1 9  an  Hunden  und  Katzen  angestellte  Versuche 
mit,  in  denen  er  den  Thieren  mit  Bacterien  inficirte  Pasteur'sche 
und  Cohn' sehe  Losungen  subcutan  injicirte.  Die  Lösungen  wurden 
verschieden  lange  Zeit  nach  der  Ansiedelung  von  Bacterien  benutzt 


Gentndblatt  Air  Ghiruigie.    No.  40.  63} 

und  in  kleineren  Quantitäten,  lal^  uü  »ehr  verschiodamet . Sfitp^r-*^ 
stellen,  in  kurzen  Intervallen  eingespritzt.  In  den  meisten  FtOlen 
vertrugen  die  Thiere  den  Eingriff  ohne  besondere  allgemeine  oder  lo- 
cale  Reaction;  in  einigen  Fällen  trat  putride  Infection  ein,  manches 
tnal  bildeten  sich  Abscesse  an  den  Einstichsstellen,  wobei  der  Umstand 
interessant  ist,  dass  einige  Male  bei  einem  Thiere,  dem  an  zwei  sym- 
metrischen KSrperstellen  gleichzeitig  2  Injectionen  gemacht  wurden, 
gerade  an  der  Körperhälfte  sich  ein  Abscess  bildete ,  an  welcher  die 
kleinere  Quantität  der  Flüssigkeit  injicirt  worden  war.  Mehrere  Sec- 
tionen  der  getödteten  Thiere  zeigten,  dass  sich  im  Unterhautzellgewebe 
eixuet  Injectiönsstelle;  auch  wenn  dieselbe  im  Leben  nicht  empfindlich 
und  geschwollen  gewesen  war,  doch  verbteitete  seröse  Infiltration  und 
venSße  Hyperämie  vorfanden  (die  beiden  letirten  E:2&perimente  wurden 
mil  durch  Frieren  geklärter  Flüssigkeit  angestellt). 

Verf.  kommt  zu  folgenden  Schlüssen: 

»1.  Localafifectionen,  durch  subcutane  Application  bacterienhalti* 
ger  Flüssigkeiten  hervorgebrachl,  lassen  si^h  am  lebenden  Thiere  nich% 
immer  nachweisen  und  bringt  hier  nur  der  Obducttonsbefund  mi 
klares  ReSttkat«. 

»2.  Die  Verschiedenheit  der  localen  Wirkung  bacterienhaltiger 
Flüssigkeiten  lässt  sich  nicht  immer  auf  Individualität  und  Speciea 
des  Versuchsthieres  und  Verschiedenkeit  der  faulenden  Flüssigkeit 
zurückfuhren,  sondern  es  spielen  hierbei  noch  andere  im  Einzelfall  nicht 
zu  eruir^nde  Momente  eine  Bolle«. 

v9.  Es  ist  wahrsdieinlich,  dass  dvtrch  multiple  subcutane  It^ectiön 
septischer  Flüssigkeiten  das  typische  Bild  der  putriden  Intoxiea^bieik, 
ebenso  wie  nach  Infusion  in  die  Venen,  hervorgebracht  werden  kann«. 

In  der  zweiten  Versuchsreihe  injicirte  Verf.  inficirte  Pasteur'- 
sche  Lösung,  welche  er  zuerst  durch  Tbonzellen  filtrirt  und  dann 
durch  Gefnerenlassen  vollständig  geklärt  hatte,  in  die  Jugularvene 
von  Hunden.  Diese  klare,  bacterienfreie  Flüssigkeit  erregte  in  fast 
allen  Fällen  putride  Intoxication ,  der  die  Hunde  recht  schnell  erla- 
gen; der  Seoüonsbefund  war  der  bei  dienet  latoxieation  bektumta.    * 

Daran  knüpft  Verf.  einige  Experittfinte,  in  dienen  er  gleichzeitig 
den  Blutdruck  und  die  Respirationsfrequenz  maass  und  einige  weitere, 
wo  >er  zur  Injection  faulendes,  mit  Wasser  versetztes  Lungengewebe 
und  faules  Blut  benutzte. 

Verf,,  welcher  seine  Versuche  selbst  für  noch  unvollendet  erklärt, 
glaubt  die  Vermuthung  ansprechen  zu  dürfen,  dass  das  »Filtrat  un- 
gleich schärfer  wirke,  als  die  trübe  Lösung«.  Den  Ghrund  findet 
er  darin^  dass  die  Filtration  sehr  zeitraubend  war,  und  dass  die  Flüs- 
sigkeiten daher  nicht  zu  einer  Zeit  angewandt  werden  konnten^  wo 
sie  am  wirksamsten  sind.  A.  BMder  (Mannheim). 


632  Centralblatt  ftlr  C^uruigie.    No.  40. 

H,  Meyburg.     lieber  Milzbrand. 

(Inaug.-Dis8.  Bonn.  1S75.] 

Als  Factoren  für  Entwicklung  des  Milzbrandgiftes  fuhrt  Verf. 
an:  Feuchten  Boden ^  Temperaturverhältnisse  (Kalte  Nächte  nach 
heissen  Tagen]  ^  mineralische  Düngstoffe  ^  besonders  Sulphate.  -- 
Träger  des  Anthraxgiftes  seien  alle  flüssigen  Bestandtheüe  des  er- 
krankten Organismus^  besonders  Blut  und  die  sog.  gelbe  Sülze,  eine 
gallertige  Masse  in  den  Höhlen  des  Körpers  und  den  Anthraxbeulenj 
femer  fauliges  Futter  und  das  an  Stellen  gewachsene,  wo  Müzbrand- 
cadaver  verscharrt  sind.  —  Am  empfänglichsten  sind  wohlgenährte 
und  hochträchtige  Thiere;  doch  ist  die  Placenta  ein  Filter,  durch 
welchen  das  Gift  nicht  auf  den  Foetus  übergeht.  —  Mikroskopisch 
fallen  die  Bacteridien  auf,  deren  längefre  Formen  meist  Knickungen 
zeigen.  Mit  beginnender  Fäulniss  wird  deren  Lebensprocess  gestört 
und  hört  Contagiosität  auf.  —  Anthraxkeime  wandern  ein:  durch 
Epidermiswunden,  Athmung  u&d  Verdauungsschlauch,  letzterer  Weg 
der  Infection  ist  am  mindesten  gefahrlich,  da  Verdauungssäfte  das 
Giift  zerstören  können. 

Arten  des  Auftretens:  1)  Apoplectiformer  Anfall,  nur  Minuten 
bis  Stunden ;  2]  acute  Form,  Stunden  bis  Tage  dauernd ;  3)  Subacute 
Form.  —  Incubationsstadium  Stunden  bis  12  Tage  dauernd.  —  Von 
den  Obductionsresultaten  fällt  besonders  Mangel  der  Todenstarre, 
theerig  flüssiger  Zustand  des  Blutes,  schnelles' Faulen  der  Cadaver  auf. 

Auf  Menschen  geht  die  Krankheit  meist  in  nachweisbarer  Art 
durch  directe  Impfung  über,  wohin  auch  der  Insektenstich  gehört; 
die  caxbunkulöse  Entzündung  tritt  in  84  ^  an  entblösst  getragenen 
Hautstellen  auf.  An  einem  Individuum  finden  sich  selten  über  4 
Carbunkel.  Durch  überstandene  Carbunkulose  wird  keine  fernere 
Immunität  erzielt.  —  Hinsichtlich  der  Therapie  l^gt  Verf.  besonderen 
Werth  auf  Prophylaxe,  sonst  auf  kräftiges  Aetzen  und  locale  Be* 
handlung;  innerlich  wird  Chinin  und  Carbolsäure  empfohlen. 

V*  Hosengell  (Bonn). 

I 

Dnrodia.     Etüde  sur  les  thromboses  et  les  embolies  veineu- 

ses  dans  les  contusions  et  les  fractures. 

(Th^e,  Paris,  1875.) 

Nach  einer  sorgfältigen  Zusammenstellung  der  Litteratur  über 
Embolie  und  Thrombose,  in  der  die  deutschen  Arbeiten  gebüh- 
rend gewürdigt  werden,  bespricht  Verf.  die  Ursachen  der  Thromben- 
büdung  in  fracturirten  und  contundirten  Gliedmassen.  Er  fuhrt  als 
locale  äussere  Ursachen  Compression  der  Venen  durch  Extravasate, 
Fragmente  und  zu  fest  angelegte  Verbände  an^  ausserdem  Ent- 
zündung der  Venen  uud  der  umgebenden  Gewebe  durch  Quetschung. 
Autochthone  Thromben  entstehen  femer  durch  Resorption  molecular 
zerfallener   Gewebstheile   und   septische   Infection.     Eine  allgemeine 


Centralblatt  fttr  ehinugie.    No.  46.  6^33 

üzsache  ist  durch  Herzschwäche  bedingte  VerlaiigBanimig-  der  Cir- 
culatioii. 

Seine  Angaben  über  die  anatomischen  Verhältnisse  der  Throm- 
bosen stützt  Verf.  auf  8  Sectionsbefunde  von  Kranken^  die  zwischen 
dem  5.  und  30.  Tage^  laachdem  sie  eine  (m^st  subcutane)  Fractur 
oder  schwerere  Contusion  erlitten,  an  purulenter  Infection  (wqhl  we- 
nig beweiskrilftig  Ref.),  Marasmus,  traumatischer  Peritonitis^  Delirium 
oder  Gehirnerschütterung  gestorben  waren. 

Er  beschreibt  die  Erscheinungen  der  Phlebitis  und  Periphlebitis 
und  fügt  selbst  hiiuu,  dass  für.  die  secundäre  Entstehung  derselben 
durch  die  Thromben  der  Umstand  spreche,  dass  bei  der  so  häufigen 
varicösen  Fonn  der  Thrombosen  den  freien  Intervallen  stets  auch  ge- 
sunde Stücke  der  Gefasswände  entsprechen,  und  dass  subcutane  Venen 
(am  Bein  die  saphena,  am  Arm  basilica,  cephalica  etc.),  obwohl  hier 
Phlebitis  ebensogut  entstehen  könnte,  als  bei  den  tiefliegenden  Gefä^ 
sen,  regelmässig  frei  von  Gerinnungen  getroffen  werden.  Am  häu- 
figsten finden  sich  die  venae  tibiales  anticae  und  posticae  und  die 
peroneae  thrombosirt;  in  der  vena  femoralis  Teichen  die  Thromben 
meist  bis  zur  Eintrittsstelle  der  saphena. 

Das  Losreissen  der  Thromben  wird  begünstigt  durch  regressiv^ 
Metamorphosen  (Verfettung,  schleimige  und  eiterige  Erweichung), 
veranlasst  durch  den  hergestellten  coUateralen  Blutstrom,  Muskelcon- 
tractionen,  Bewegungen  des  verletzten  Gliedes  und  alle  mechanisehen 
Läsionen  der  thrombosirten  Vene. 

Es  folgt  eine  Zusammenstellung  von  10,  grosstentheils  bereits 
anderweitig  veröffentlichten  Fällen  von  Embolie  d^  Lungenarterie 
nach  Fracturen  oder  Contusionen :  der  ursprüngliche  Thrombus  befand 
sich  4  mal  im  rechten,  3  mal  im  linken  Unterschenkel,  2  mal  im 
Oberarm;  in  einem  Falle  wurde  nach  Oberschenkelbruch  der  Throm- 
bus nicht  constatirt.  Die  hieratls  zu  folgernde,  in  Bezug  auf  Embo«- 
lieen  relativ  grösste  Gefährlichkeit  der  Unterschenkelbrücke  hat  wohl 
in  der  vorher  erwähnten  Prädisposition  der  venae  tibiales  und  pero- 
neae für  Thrombosen  ihren  €^nd.  Auffällig  ist,  dass  von  den  10 
Fat.  7  weiblichen  und  nur  3  männlichen  Geschlechts  waren;  aUe 
befanden  sich  bereits  in  gereiftem  Alter.  Der  Tod  erfolgte  zwischen 
dem  16.  und  60.  Tage  meist  ganz  plötzlich  nach  Bewegungen  der 
in  Beconvalescenz  befindlichen  Kranken ;  nur  einmal  gingen  drohende 
Symptome  dem  Tode  um  12  Stunden  voraus.  Dass  selbst  nach  den 
stürmischsten  und  eclatantesten  Erscheinungen  einer  Embolie  der 
Lungenarterie  nicht  nothwendig  der  Tod  eintreten  müsse  ^  zeigen  2 
weiter  angefühlte  Fälle  von  Genesung. 

Ueber  die  Häufigkeit  der  Embolieen  giebt  Verf.  statistische  An-^ 
gaben  aus  den  Journalen  des  Krankenhauses  St.-Andr^  zu  Bordeaux 
1864  finden  sich  114  Fälle  von  Fractur  mit  4  Fällen  von  Embolie. 
1867       »  »      133      >         »  »  »1  Fall         »  » 

1872  »         »     275      »        »     Gontus.    »    2  Fällen     ^  » 

1873  »         B     117      »        »     Fractur    »     1  Fall         »       <  •  » 


634  Oentndblatt  fOi  GliinitgiB.    No.  40. 

Im  G^üBMi  wuide«  von  1864  bis  1^73  12i6{Fitiofciixeft  behaadek 
mit  4  Fallen  von  Embolie  (300  :  1) .  Die  Zahl  der  in  dieser  Zeit  aar- 
mgiOnt  behandeltem  Contusioneii  beläiift  sich  auf  idSO,  mit  2  Fällen 
Ton  Embeüe  (1000:  1).  <— 

Die  Diagnose  der  Thrombose^  gegriimlet  auf  Oedf^me^  Schmers- 
haftigkeit  im  Verlauf  der  Venen  lind  Falpation  des  Thixnnbus  ist  bei 
4f^tn  so  ungemein  häufigen  Vorkommen  und  der  relativen  UngeftünAieh* 
keit  derselben  nicht  von  Belange  die  palpatorische  Untersuchung  lur 
den  Kranken  entschieden  ge(%&rlicli.  Embolie  ist  kaum  ru  yerkehnen. 
Die  Behandlung  muss  sich  auf  Prophylaxe  beschrän'ken :  <8chutt:  und 
möglichste  IminobÜisalion  des  Terl^tzten  Gliedes. 

▲•  4}eiinMr  (Hatte)* 


J.  Fayrar.    ElephantiaBia  axabum. 

(The  Fractitioner  1875.  August.] 

Eine  kurze  Abhandlung  über  Pathologie  und  Therapie  dar 
Elephantiasis  Arabum^  welche  Verf.  in  Indira  häufig  zu  beobachten 
Gelegenheit  hatte.  Der  eitste  Theil  enthält  vorwiegend  nur  Bekann- 
tes. BesBÜglich  der  Behandlung  der  Elephantiasis  empfiehlt  F.  im 
febrileik  Stadium  salinische  und  diaphoretische  Heilmittel^  sowie  solche 
Arzneimittel j  wie  sie  gegen  Malaria  gegeben  werden.  Jodprilparate 
mit  Chinin  9  Arsenik  und  Eisen  sollen  bis  eu  einem  gewissen  Grade 
ebenfidls  erfolgreich  sein.  Gegen  die  heftigen  Schmeraen,  welche 
besonders  im  Samenstrang^  Hoden  und  überhaupt  in  der  Lumbaxge- 
gend  den  Fat.  peinigen,  werden  Opiate,  Fomentationen  etc.  «npfi^Uen» 
Local  ist  Gompression  mit  gleidlzeitiger  Anwendung  von  Jod-,  Blei- 
und  Quecksilberpräparaten  von  Nutzen^  Das  wirksamste  Mittal  gegen 
Elephantiasis  ist  der  Wechsel  des  Klima.  Europäer»  welche  in  Ia- 
dien  von  Elephantiasis  be&llen  werden  und  dann  frühzeitig  nach 
Europa  zurückkehren,  werden  vollständig  gdbeilt.  Auch  Eingeborene 
können  durch  Uaftwechsel,  durch  Au&uehen  trockener  Grc^nden  ihm 
Kxankheit  cum  Stillstand,  ja  aur  Heilung  bringen.  —  Während  des 
Fieberstadium  schwellen  die  Samenstränge  zuweilen  so  beträchtlich 
an  9  dass  sie  den  Inguinalcanal  dauernd  erweitem  und  spater  dm 
Entstehung  von  Hernien  veranlassen.  —  Nach  d»a  Fiebcffstadium 
ist  die  Darreichung  von  Chinin,  bei  Anämie  mit  Eisen,  von  Nutaen; 
Tonica  haben  keixie  specifi^ohe  Wirkung  g^en  die  Krankheit. 

Besüglieh  der  ohinuigislshen  Behandlung  hebt  F.  hervor,  dass  sie 
besonders  antipyretisch  wirke.  Verf.  hat  ganz  beträehtlidse  Elephan* 
tiasis  des  Scrotum  von  80^60  Pfd.  operirt  und  mit  verhHltniasmässig 
gerin^r  Mwrtalitiät.  Die  Schnitte  werden  zu  beiden  Seiten  des  Dor- 
sum  pcnis  und  entsprechend  dem  Verlauf  des  Samenstrattgs  gefiifazt, 
Samenstiang^  Hoden  und  Penis  werden  frei  präparirt  und  dann  die  Qt^ 
schwulst  entfenU,  Die  Operationswunde  heilt  gewöhnlich  schnell  in 
2—4  Monaton,  die  Narbe  hat  keine  Neigung  zu  Recidiv.    Von  Yortheil 


OentnCblaU  für  Chinitgitt.    Nti.  40.  685 

iat,  vor  der  Enifisniung  grofider  Tumoireii  das  OpttmfionfiMd  noohEa«- 
fliftroh  Uudeer  zu  madben  und  Eis  zu  appliciien.  Die  Gefa8«e»  oft 
2ö-^M  und  mehr»  sind  soigfalti^  zu  unterUnden,  daaüt  die  oft  her-^ 
unteTgekommiehen  Fat.  nicht  noch  durch  Nadiblutungeu  geschwaoht 
^vesden.  Von  193  Fat  mit  Scrotal-Ebphantiam^  operivt  im  Medieai 
College  Hospital  in  Caloutta  von  1859^-^1871,  starben  35  und  awar  oa 
Pfämie,  Eiakohe»  Diarrhoe,  Tetanus  und  6hock  unter  zum  Theil  sehr 
«ngönstigm  «a&itäcen  Verhältnissen;  die  Pat.  standen  zwischen  dem 
20.  mA  50.  Lebemsjabise.  — 

Bai  Slephantiasifi  der  JGxlz^ipitäten  hikt  die  Unterbindung  der  be- 
trcffen^n  Arterie  keimen  dauernden  Erfolg,  um  so  weniger»  als  ja  die 
ElephaütidsiB-Gepchwulst  der  locale  Ausdruck  einer  constitutioneUeii 
Krankheit  ist  —  TiUmawis  (Leipwg). 


De  Cristofori.     La  toracentesi. 

(Annali  univ.  di  v^edicina  e  okiruzgia  tS75.  Gennc^o.) 

.    Nach  Mittheilung  mehrer  Fälle  von  Thoracentese  und  von  Thoia^ 
cotomie  kommt  Verf.  zu  folgenden  Schlussresultaften : 

1.  Die  ExploMillivpunction  ist  ein  vorzügliches  Hülfsmittel,  um 
die  Existenz  und  die  Natur  eines  pleuritischen  Exsudates  zu  be- 
stimmen, , 

2.  In  jedem  pleuritischen  Exsudat,  welches  durch  rasches  Knt- 
Mehen  und  Anwachsen  gefahrdrohend  w:hfd,  oder  wekhes  statiN^när  zt 
werden  droht,  ist  die  Thoracentese  angeieigt. 

3.  Beim  Empyem  ist  der  Schnitt  in  einem  Intercostalraum  mit 
Einfuhrung  einer  Doppelröhre  zur  Vornahme  täglicher  Irrigationen 
j«der  andereti  Metiiode  voreueieben.  MsMei  (IViest). 


H.  F.   Campbell.      Besume  of  a  report  on  position,  pneu- 
matic    pressure    and    mechanical    appliance    in    uterine    äißr 

pLacemeDts. 

(Abdru«k  mis  der  Juni-Nuaimer  des  Atlanta  medkal  attd  smgioai  joumal.    1S9S. 

Qeoigia.) 

.  In  einem  Vortrage,  an  den  sich  noch  eine  kurze  Disoussion  der 
med.  Gesellschaft  zu  Savanaah  anknüpft,  entwickelt  C.  seine  An« 
sichten  über  die  Behandlung  der  Lageverändeiungen  des  Uterus.  8ein 
seit  virien  Jal^en  geübtes  Verfahren  beruht  darauf,  dass  er  in  allen 
iSlIlen,  wb  die  Dislocation  des  Uterus  nicht  mit  Adhäsionen  etc.  com*' 
plioirt  ist,  die  Kranken  die  Kniebrustlage  (iKnee  and  breast  posturec) 
tiinnehnien  lässti  und  dann  die  Scheide  erölShet,  worauf  die  Luft  ein* 
strömt  und  nun  durch  die  »pneumatie  pressure«  oder  »air-*pressuTec 
der  Uteni»  reponirt  wird.  Dieselbe  Stellung  sei  auch  von  Sims  aa^ 
gewandt  worden,  aber  nur  zur  Operation  von  Fisteln.  Die  Beaeioh«- 
aung  »Kuieellenbogeulage«  und  äkoliehe  Benennungen  gäben  nur  zu 


636  €entrdblait  fdr  COiirurgie/  Ko.  40. 

Lrrtlitimern  Vearanlassimg,  und  nur  der  Ausdruck  oElniebrustlage«  sei 
richtige  weil  der  Rücken  hierbei  geiwungen  sei^  die  nc^tiiwendige  con-^ 
cave^  nach  unten  herabhängende  Fonn  eizuEunehmen.  Eine  instructive 
Zeichnung  und  mehrere  Diagramme  erläutern  die  Stellung  und  wird 
an  einem  Beispiel  die  physikaliche  Wirkung  der  in  die -Vagina  ein- 
strömenden Luft,  welche  im  luftleeren  Zustande  den  Uterus  gleichsam 
angesaugt  erhält^  auf  die  Reposition  der  Lageveränderung  erläutert. 

Sodann  giebt  C.  ein  eigenes,  von  ihm  constmirtes ,  einem 
Speculum  ähnliches  Instrument  an,  seinen  i»Pneumatic  Setf-Re- 
poftitotcr.  In  einaielnen  Fällen,  z.  B.  bei  Retroflexio  uteri,  be- 
sonders uteri  gravidi,  muss  allerdings  der  Uterus  zuerst  durch  den 
Colpeurynt^r  oder  andere  im  Mastdarm  vdigenommene  Manipulationen 
aus  der  Kreuzbeinaushölung  befreit  werden,  worauf  dann  die  »pneu- 
matic  pressure«  die  Stellung  vollständig  in  Ordnung  bringt.  Vor  An- 
legung von  Pessarien,  welche  zur  Erhaltung  der  guten  Lage  o$ 
wichtig  sind,  sollte  man  nach  C.  stets  die  »pneumatic  pressure«  an- 
wenden. C.  hat  vortreffKche  Erfolge  mit  diesem  VerÄhren  gehabt; 
denso  andere  Aerzte.  In  Bezug  auf  das  Nähere  der  interessanten 
Mittheilung  muss  auf  das  Original  verwiesen  werden. 

A«  BIdder  (Mannheim). 


Stadfeldt*     Mittheilung  der  gynäcologischen  Foliklinik  der 
Entbindungsanstalt  in  Kopenhagen.    2  Falle  von  Hämatocele 

retrouterina. 

(Ugeskrift  for  Loger  1875.  No.  20.) 

Verf.  nimmt  in  Folge  seiner  klinischen  Erfahrung  an  ^  dass  die 
Blutansammlung  bei  der  Hämatocele  retrouterina  bald  im  cavum  pe- 
ritonei^  bald  im  Bindegewebe  um  den  Uterus  herum  ^  und  bei  den 
schwereren  Fällen  oft  gleichzeitig  an  beiden  Stellen  gefunden  wird. 
Die  nachstehenden  beiden  Krankengeschichten  sprechen  für  diese 
Anächt. 

Bei  einer  27jährigen  Frau^  die  einmal  vor  5  Jahren  geboren  hatte 
und  später  regelmässig  menstruirt  gewesen  war^  fingen  nach  einer 
Anstrengung  während  der  Menstruation  heftige  Schmerzen^  Empfind- 
lichkeit des  Unterleibs;  nervöse  Symptome  und  Metrorrhagie  an. 
Neun  Tage  hielt  sich  der  Zustand  ziemlich  unverändert;  eine  Ge- 
schwulst war  von  aussen  nicht  zu  fühlen.  Jetzt  aber  zeigte  sich  mit 
steigenden  Schmerzen  die  Hämatocele  hinter  der  Symphyse  (erst  von 
diesem  Zeitf^unct  an  hat  Yerf.  selbst  den  Fall  beobachtet).  Die 
GhrCese^  die  Form  imd  zum  Theil  auch  die  Ctosistexiz  der  Gesohwuli^ 
waren  die  eines  graviden  Uterus  im  6.  Monate.  Der  Uterus  war  nach 
vom  und  nach  oben  verschobeuv  Die  Uterinsonde  wurde  7  Ctm. 
hineingeführt.  Die  untere  Begrenzung  der  Gesdiwulst  wurde  wie 
ein  halhmondförmiger  Band  ein. paar  Zoll  herunter  in  der  Sec^vagi- 
nalsoheidewand  gefohlt.     Im  Rectum  wurde  die  vordere  Wand  in  d^ 


Oehtsalblatt  fOr  COiinugie.    No.  40.  637 

Gegend  der  foasa  Dougltsii  henroigewölbt  oonstatirtj  und  die  von 
Aussen  und  Innen  gefühlte  Geschwulst  schien  eine  zusammenhängende 
Masse  zu  bilden.  Ungefähr  2  Wochen  spät^  perforirte  sie  ins  Reo* 
tum^  und  nach  der  Enileerung  der  Blutcoagula  wurde  die  Geschwulst 
in  der  fossa  Douglasii  unbedeutend,  während  die  Infiltration  in  den 
Parametrien  sich  eine  Zeitlang  hielt.  Secundäre  Entzündung;  Dila- 
tation der  Perforationsöffnung  mit  einem  Bruchmesser,  reinigende  In- 
jectionen  ins  Kectum;  Exacerbation  während  ein  paar  Ovulationspe- 
rioden;  Genesung  nach  drei  Monaten. 

Verf.  hat  die  Yermuthung,  dass  sich  das  Hämatom  zuerst  gebil- 
det hat,  erst  später  mit  den  allarmirenden  Symptomen  das  Extravasat 
im  Cavum  peritonei.  Dieser  Verlauf  konnte  in  einem  zweiten  Falle 
genau  constatirt  werden. 

Eine  27jährige  Frau,  die  vor  3  Jahren  geboren  und  eine  nach- 
folgende Parametriti^  im  Wochenbett  überstanden  hatte,  bekam 
während  der  Menstruation  Schmerzen  und  Empfindlichkeit  des  Unter- 
leibs, und  14  Tage  später  wurde  über  der  Symphyse  und  in*  den  beiden 
fossae  iliäcae  eine  in  der  Mitte  leicht  excavirte  Geschwulst  gefühlt. 
Die  Lage  der  Geschwulst  war  hauptsächlich  in  den  Seitenrändern  des 
antevertirten  Uterus,  in  der  Bectovaginalscheidewand  erstreckt«)  sie 
sich  ein  paar  Zoll  unter  das  Lacunar.  Die  Grösse  der  ganzen  Ge- 
schwulst die  eines  graviden  Uterus  im  4.  Monate.  Mit  heftigen 
Schmerzen  und  Neigung  zum  CoUaps  vergrösserte  sich  aber  jetzt  die 
Anschwellung  und  wurde  besonders  nach  der  Coagulation  des  Blutes 
mit  ihrer  obem  Grenze  in  der  Höhe  der  spina  ilei  ant.  »up.  gefühlt. 
Die  Ptominenz  von  der  fossa  Douglasii  trat  im  Rectum  starker  hervor 
und  im  Septum  rectovaginale  erstreckte  sich  die  Infiltration  bis  ein 
paar  Zoll  über  den  Anus.  Tbeils  durch  Resolution,  theils  durch 
Endeerung  bei  einer  Perforation  ins  Rectum  verminderte  sich  die 
Geschwulst,  usd  nach  2  Exacerbationen  in  den  Ovulationsperioden 
trat  die  Genesung  ein, Panlli  (Kopenhagen). 

O.  G.  Silvestri.    Dtie  casi  di  amputazione  del  mignolo  coUa 

legatura  elastica  per  indieazione  vitale. 

(Qai.  n»d.  ital.  prov.  Yen.  1975.  No.  2^.) 

S.  beobachtete  vor  ungefähr  20  Jahren  isinen  Fall,  wo  bei  einer 
jungen  Frau  sich  zu  einer  einftichen  Frostbeule  progressive  Gangrän 
der  oberen,  Extremität  hinzugesellte,  welche  die  Mitte  des  Oberarms 
erreichte,  pie  Frau  wurde  amputirt  und  starb  am  darauf  folgenden 
Tage.  Einem  ähnlichen  Fall  begegnete  S.  kürzlich,  die  Gangrän 
hatte  sich  aber  noch  nicht  über  die  2.  Phalanx  des  Kleinfingers  er- 
streckt. Es  wurde  eine  feste  elastische  Ligatur  über  der  1.  Phalanx 
angelegt  und  dauernd  liegen  gelassen  (Amputation).  Die  'Gangrän 
hatte  ,an  der  elastischen  Schnur  eine  dauernde  Barriere  gefunden. 

In  einem  2,  Falle  (Verletzung  des  Kleinfingerballens}  wurden 
die  ungemein  intensiven  Schmensen,  welche  sich  über  die  ganze  ent- 


688  OtatraMlatt  fOv  Cbinu^e.    Nov  iO« 

sfKsecbjeiide  Körperfaälfte  eitstreckten ,  ebeufdil»  duiA  eine  elaatiiehe 
Ligatiur  über  der  Verletzung  angehoben  (freitteh  mit  Aufopferung 
des  entapieehenden  Fingertbeiles}. 

S!.  gliarubt;  dass  auch  Phl^monen  auf  diese  Weise  am  Fortschrei- 
ten gehindert  werden  könnten.  Menael  (Titfeft). 


Kleinere  Miftheilungen. 


Horteloup.     Sarcome  teleangiectasique  du  cuir  cheveltt'^    compliqu^ 

d^an^vrysme  cirsoide.     Op^iration.     GuMson. 

(La  France  medicale  1875.) 

Eine  74  Jahre  alte  Dame  hatte  im  Alter  von  35  Jahren  zwei  linsengrosse 
Warzen  auf  dem  Hinterhaupte  bemerkt ;  die  eine  "«^ar  unverändert  geblieben,  die 
andere  allmftllg  und  ohne  Schmerz  zu  Terursachen,  gewachsen.  Im  Mai  1974  ent- 
stand auf  dem  grosseren  JLndtchen  eine  leicht  blutende  Ijlceratioiiv  die  jedoch  bald 
heilte.    Bar  Knoten  wuchs  jetet  bedeutender. 

Im  September  1874  bemerkte  Fat.  be^m  Erwachen  eine  heftige  Blutung  am 
E-opfe,  die  mit  Mühe  durch  auf|g;elegte  Eisenchloridwatte  gestillt  wurde. 

Der  Tumor  war  jetzt  apfelgross,  gestielt,  von  weisser  Haut  bedeckt,  Hess  diem 
llsdittl{mls  isochrdne  Schlftge  fAhten  und  durch  ias  Gesicht  erkennen.  Die  nm- 
gebenden  Aesf»  dar  Art«  oceipitsles  waren.*  oirioid  erweitert,  in  den  Arterien  Freiaii- 
seinent»  Compression  derselben  venninderte  die  PuiaaUoAen  der  OeschwuUt.  pi*9~ 
nose:  teleangiektatisches  Sarcom. 

Beide  arteriae  occipitales  wurden  durch  Simpson'sche  Akupuncturnadeln 
verschlosseii ;  da  die  cirsoide  Erweiterung  der  €fef)tose  eSne  ausgiebige  UmschneMuag 
vtohiDderte,  wurde  der  Stiel  unter  mfissigsr  Blutung  adt  Messer  wndEcrssBur  ab- 
Setras^n.  Die  Uatersuehung  dta  Tumor  eijgab  eine  deutliche  biudeg^webige  lUp- 
sei.  Er  w<u:  von  einem  erweitert^,  vielfach  anastomosirenden «  zartw^digpn  Oe- 
ffissnetz  durchzogen,  grauröthlich  und  bestand  im  Wesentlichen  aus  parallel  und 
eng  aneinanderliegenden  Spindelzellen.  Der  Wnndverlauf  War  durchaus  ganst%. 
8  Mona^a  nach  der  Ope^atiott  w«kr  kein  KecidSv  vorhanden. 

JL  GfiMmer  (BMLq)» 

H.  Latüb.    Theilweisd  Exstirpation  der  Glandtfk  sllbttmdUdrte.     Se* 
cundäre  Hämorrhagie.     Ligatur  der  Carotis  communis. 

(HiNqFitsIstMeod«  ia7&,  K(K.  a.) 

Nach  einer  eiq^toi^ativen  Ineisiöo  in  di»  OJaoidula  «ub^^^Uris^  mit  theilweiser 
Exstirpation  derselben  trat  Gangr&n  und  später  eine  sehr  bedeutende  Blutung  ein. 
Die  Carotis  communis  shi.  musste  mit  carbolii^er  S^de  Hgirt  werden.  Am  2J. 
Tage  fiel  die  Ligatur  ab.  8  Wooheb  nach  der  Operation  entoUnd  eine  arterielle 
H&morrhagie  aus  der  noch  nicht  geheilten  Wunde,  welche  mit  Eis  bekämpft  wurde. 
Darauf  völlige  (Genesung.  Wenige  Secunden  nach  der  Unterbindung  wurde  eine 
starke  Dilatation  det  linken  Pupille  beobttchtet,  welche  sich  4  Wochen  hielt. 

Faalli  (Kopenhagen)'. 

J.  Soheff.    Der  sogenannte  Zahnffeischscorbut. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  5.) 

Verf.  wendet  sich  gegen  die  oft  ganz  irrig  gebrauchte  Bezeichnung  »Scorbut«, 
für  gelockertes,  leicht  blutendes  Zahnfleisch,  wovon  oft  der  Zahnstein  die  Ursache 
sei,  nach  dessen  Entfernung  das  Zahnfleisch  wileder  getfttnd  werde.  Aildbrerseits 
fthle  oft  gerade  \Mi  Pikanten,  wddie  am  ganzen  Körper  Scorbut  haben,  derselbe 
aia  Zahnfleische.   Der  Scerbot  konfene  allev^Uags  am  Zahnfleisofae  ^ror^  aber  stets  als 


Qtfttralblatt  fttr  dhimigie.     No»  4<K.  >  Q^$ 

Folge  Yoraasgegangeiier  Entzündung;  im  Geffensatz  zum  Körper'-Scorbut.  Die  Haupt- 
ursache  eines  scorbüt.  erkrankten  Zahntfeisches  liege  in  vernachlässigter  Pflege  der 
ZftlMki|.  Verf.  «{uriclit  ausfülurücber  über  den  Zahnsteu»;  dieser  vuebese  zvischen 
Alveole  und  Zabnfl^ivch  hineiui  letsterea  wevdel entzündet,  stellenweise  kommt  es- dixui 
zur  Oangicftneacenz  desselben  «nd  naoh  des  Abstossung  der  «ecrot.  Partieen  enV 
sUben  die  sogenannten  asoorbutiseben  Gesehirüra«^  Dussb  die  Entsüadung  werden 
auob  die  Alveokm  zur  BesQvption  gebraofat,  das  Peridantiwn  entzündet  sich  nun 
auch,  und  die  Zübne  fallen  aus.  Nekrosen  der  Alveolen,  Ulesrationen  an  den 
Lippen«  der  Zunge«  dev  Wsnge  beglesten  dirnnr  Enicheinungan.  £nt  in  di»* 
Bern  Stadium  kö^ae  man  i^m  »ScorbutK  des  Zabnilefsobea  reden.  EntfexniiBg  des 
Zi^nsteins  i|b4  aergf&ltiga  iUiahaltung  durob  Bünsten  etc.  (Wasasv  mil  etwas  Ra- 
tanbiatinctur>  seien  die  sicberen  Mittel  dagegeni  es  erfolge  bald  Heilufkgi  wtiurend 
der  Körperscorbut  trotz  angewandter  Mittel  vielleiebt  fortbestehe,  ein  Beweis,  wie 
Verf.  meiwt,  49t»  die  beiden  Zustünde  verchiedenen  Ursachen  ihre  Entstehung 
verdanken.  Fr.  Steiner  (Wien). 

■ 

A.  Qarbi.  Amputazione  della  coseia  meiiiaAte  la  eetnprefstoione  «lastit^; 

(Öazz.  med.  ital.  Prov.  Venete  1875.  No.  7.) 

Ein  28j  übriger  tuberkulöser  Strüfling  sollte  wegen  Tumor  albus  des  Kniegelenks 
amputirt  werden.  Wegen  der  Schwäche  des  Pat.  wühlte  O.  die  elastische  Ligatur  als 
Amputadonsmelbode ;  sie  wuvde  den  5.  Deo.  1S34  angelegt.  Zwei  Tagn  daiauf  wurde 
im  &nie  esairtLtulurt  (I )  und  sünmlUiebe  Weiobthcöis  des  Obcvscbenkels  bis  10  Ctm, 
unter  des  Seblinge  bis  smf  den  Knochen  abgetragen.  Die  Oondjlen  des  Femur  wul^ 
den  somit  aus  dem  Bumpf  nackt  bervonagen  gelassen.  Die  vasa  nutiitia  des  Kno-» 
chens  bluteten.  F^  starb  am  £9.  Tage  nach  Anregung  der  Iigai|ui,.und  obwohl  wüb*- 
rend  dieser  Zeit  über  der  1.  eine  zweite  Ligatur  angelegt  wajrde,  naebidem  die  eiscein 
ihrer  Wirkung  stillstand,  waren  die  Weichtheile  naoh  29  Tagen  noch  niobt  gana 
duKcbtiennt.  Die  Art  war  duiohscbnitten  und  mit  einem  17  Ctnu  langen  Thvossbus 
erfüllt.  Dahingegen  wav  deor  nervus  ischialicus  noch  ziemliob  unversehrt.  Seine 
Penpberie  war  an  dar  EMMobnütungsstelle  um  l^  geringer  als  nebenan. 

Beideraestlge  Pneumonie,  Tubsrkulosa  derliwngen  und  Leber,  und  allg.  Hydrops. 

(Zugegeben,  dass  der  Tod  nicht  der  Operation  und  nicht  der  Methode  zur  Last 
zu  legen  sei,  so  wird  die  Methode  selbst  doch  schwerlich  Nachahmer  finden.  Wozu 
haben  wir  denn  Bamaztch's  Msthode,  ohne  BhiSverlust  tu  aaspntiren?  Sollte  aber 
auob  jene  gerisige  Blutmenge  ins  Gewkht  iaUen,  welcbe  nasb  LigsSnr  de^HaupCstÜmme 
und  der  Abnahme  der  Binden  verloren  geben  kann,  io  würde  sieb  Ref.  doeh  üoeh 
eher  entsohliessen ,  unter  Anwendung  der  hümostet.  Methode  galvanokaustisch  zu 
ampntiven.    lief.)  Mensel  fUrlest). 

r 

Cotiferenza  scientiflca  XV  U  tänutasi  neu*  ospedale  civlcö  di  Trieste 

il  23  Geunajo  1874. 

(Annali  univ.  di  med.  e  chirurgia  1875.  0ennajo.) 

Dr.  Mensel  stellt  zwei  Kranke  vov: 

I.  Resectlon  des  Fussgelenks  ^  gfehsüt. 

Ein  21jfihriger  Mann  zog  sich  durch  Fall  eine  starke  Distorsion  des  rechten 
Fusses  zu.  Acht  Monate  später  waren  um  beide  Knöchel  grosse  Abscesse  entsten- 
den ;  heftiges  Fieber  und  intensive  Schmerzen  brachten  den  Kranken  sehr  herunter. 
Den  8.  Februar  1873  totale  Kesection  des  Fussgelenks,  darauf  Gypsschwebe,  und 
offene  Wundbehandlung.  Regehnüssiger  Verlauf,  7  Monate  nach  der  Operation 
vollkoumene  Heihmg.  Der  Gang  des  Pat.  ist  als  «in  velttcommener  zu  beaeich-" 
nen  und  die  Heilung  (wie  dem  Ref.  aus  spätem  Nachrichten  bekannt)  eine  dauernde. 
Die  beiden  Malleolen  haben  sich  aus  dem  erhaltenen  Periost  fast  vollständig  wieder 
neugebildet 


640  Cd&taralUatt  ftr  Gliinagie.    No.  40.' 

II.  Resection  des  Kniegelenkes  —  geheut. 

Ein  lOjfthrigefl  Mädchen  litt  seit  4  Jahren  an  Tumor  albus  dee  rechten  Kniees 
mit  Fisteln.  Den  19.  August  1873  wurde  die  Resectlon  mit  Patellarlappen  Torge- 
nommen  und  die  Wunde  in  der  Gypssohwebe  offen  behandelt.  Von  Femur  und 
Tibia  zusammen  waren  im  Gänsen  4  Ctm.  abgesAgt  worden.  Zur  Zeit  der  Vor- 
stellung waren  47%  Monate  seit  der  Operation  yerstrichen  und  das  Mfldchen  ging 
ganz  behende  mit  Hülfe  eines  Stütsapparatee  (2  seitliche  Stahlschienen)  und  eines 
Stockes,  obwohl  noch  einige  Fisteln  offen  waren.  Gegenwärtig  (19.  Februar  1875) 
und  xwar  schon  seit  vielen  Monaten  sind  die  Fisteln  vollkommen  verheilt,  und 
geht  das  Midohen  ganz  frei  ohne  Stock.  Die  Verwachsung  ist  nicht  knöchern, 
sondern  fibrOt  und  da  noch  immer  eine  Neigung  lur  Flexion  des  Kniees  besteht, 
kann  die  Kleine  den  Stützapparat  noch  immer  nicht  entbehren. 

Mettfel  (Triest). 

C.  BontempB.  Hypertrophie  g6n6rale  de  la  prostate  avec  cystite  du 
col;  retentioxi  d'urine;  impossibilit^  de  pinitrer  dans  le  reservoir 
urinaire;   einq  ponctions  de  la  vessie;    Catheterisme  practicable  au 

bout  de  dix  joürs;  gu^rison. 

(Gaz.  hebdom.  1875.  No.  3.) 

Die  Krankengeschichte  ist  im  langen  Titel  gegeben.  Sie  betrifft  einen  78i&h- 
rigen  Zimmermann,  der  an  Prostatahypefrtrophie  leidend,  einmal  nach  reichlidaem 
Weingenuss  nicht  Harn  lassen  konnte.  3  Tage  hintereinander  wurde  vergeblich  der 
Oathetensmns  versucht;  inzwischen  warme  BSder  und  Belladonnaeinreibungen.  Am 
4.  Tage  wurde  dei^  Blasenstich  gemacht  (mit  einem  geraden  Troikar).  Rasche  Bes- 
serung der  gefahrdrohenden  Symptome.  Ein  Gummikatheter,  der  eingelegt  wurde, 
fiel  2  Tage  sp&ter,  durch  Ungesduck  des  Fat.,  heraus.  Erneute  Function,  da  das 
Eittfikhren  des  SLatheters  nicht  gelang,  in  der  ersten  Stiohiiffnung.  Noch  dreimal 
wiederholte  sich  diese  Fatalität  und  stets  musste  wieder  von  Neuem  in  der  ersten 
Stichöffnung  punctirt  wettlen.  Trotzdem  gering«'  Reaction.  Mtttlerweile  gelang  es 
B.,  von  der  Urethra  aus  in  die  Blase  su  gelangen.  Heilung  in  14  Tagen.  2  Mo- 
nate später  konnte  Fat  ai]^h  ohne  Katheter  urinireu.     .  Fr«  Steiner  (Wien). 

Die  Redaotion  «rhält  von  'Rtrin  Frof«  Roser  noch  folgende  Ergftnaong  sei- 
ner Qriginal-Mittheilung  Über  Bippearesection  bei  Empyem  in  .No.  88  die- 
ses Blattes.    Dieser  weitere  Beitrag  gehört  an  S.  595,  Z^  2.v.  o. 

•In  $Ü»n  Fällen,  wo  ich  Rippenresection  gemacht  hatte  und  auch  in  manchen 
anderen  Fällen  von  Empyem -Schnitt  fand  ich  fUr  gut,  den  Finger  möglichst 
einzufflhrei^  und  die  ![iunge,  das  Zwerchfell,  den  Rercbeutel,  die  innere  Brustwand 
mit  dem  Finger  zu  befühlen.  Ich  habe  Rippensplitter  gefunden,  Verwachsungen 
der  Lunge  erkannt,  einmal  auch  ein  Loch  im  Zwerchfell  wahrgenommen.  Einmal 
habe  ich  auch  das  Zwerchfell  gesehen  und  den  Kllnicisten  xeig^  können.  Nach 
dem  Befühlen  habe  ich  immer  die  Operirten  langsam  umgewälzt  und  sie  einige 
Zeit  schwebend  halten  lassen.  Bei  diesem  Verfahren  ist  die  vcülkonmene  Ent- 
leerung der  Fleura  besser  erreicht  worden,  als  es  wohl  je  mit  Einspritzungen  ge- 
lungen wäre.  —  Es  scheint  mir  vortheilhafter,  dass  die  Fleura  Luft  enthaltet 
als  eine,  immer  zur  Zersetzung  bereite,  wässrige'  Flüssigkeit.  —  Schädliche  FolgeUi 
z.  B.  Ohnmacht,  sind  bei  dem  Umwälzen  nie  vorgekommen«. 

Oiiginalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrflcke  wolle 
man  an  Dr.  B,  TiiUmmfi^  Leipzig,  MarieostrsMe  No.  ^  odfir  an  die  Yerbcshandlang, 
BtiWtopf  und  Bäridf  elnflBnden. 


•ms 


Droek  «ad  Y«rltg  yon  Breitkopf  uid  Hirtel  in  Leipnf. 


Gentralblatt 


für 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

Ton 

Dr.  L.  Lesser,  Dr.  ft  ScMe,  Dr.  H.  Tillüiaiiiij! 

in  Berlin.  in  Berlin.  In  Leipxlg. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöehentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjfthriger  Prir 
numeration.     Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N=  41.  Sonnabend^  den  9.  October.  1876. 

lalialts  Worm  MDIIer^  TraDsfusion  und  Plethora.  —  Viertel,  Knochenechinocoooen. 
—  Port,  KriegsTerbandstudien.  —  Hlckl,  Chirurgische  Mittheilungen.  —  BerthOld,  Un- 
tersuchung des  Augenhintergriindes,  des  Trommelfells  oder  des  Kehlkopfs.  —  erilbe, 
Statistik  und  Behandlong  des  Brustkrebses.  —  Blrentpruag,  Leberahsceas  nach  Kopf- 
verletzungen. —  Ravothy  Druckbehandlung  der  Yaricocele.  —  Lund,  Subcutane  Duzch- 
trennung  des  Schenkelhalses.  —  Roberts,  Plattfüss. 

Sotsehawa,  Tod  nach  Tacdnation.  —  Sellnsfcy,  Watte-Respirateur  als  Analysenr  In- 
fectiöser  Stoffe.  —  Dipterocarpus  trinervis.  —  Poray  •  Koschltz ,  Syphillsinfection.  — 
Maschka,  Lyssa.  —  Dolnlnger,  Nachtheile  der  Jodbehandlung  bei  Kropf.  —  Oortmasn, 
Behandlung  der  Thrinensackerkranknngen.  —  Hervleux,  Penetiirende  Bmstwunde.  — 
Stowart,  CompHclrte  Luxation  des  Yordeiarmes.  —  Risel,  Echinococcus  der  Leber  durch 
Incision  geheilt.  —  Laboulbine,  Suocussionsgeräusch  in  einem  Abdominal  -  Tumor.  — 
Marsh,  Ectopie  der  Blase.  —  Walten,  Traumatisches  Blasenleiden.  —  RabitSCh,  Thermo- 
galvanischer  Inciso-Cauterisator  bei  der  Behandlung  der  Prostatahypertr<^Ueen. 


J.  Worm  Müller.     Transfusion  und  Plethora. 

(Universitfttsprogramm  für  das  erste  Halbjahr  1875.) 
Christiania.    W.  C.  Fabritins.    1875. 

Vorliegende  Abhandlung  betrachtet  Verf.  als  eine  Fortsetzung 
seiner  physiologischen  Studien  über  die  Abhängigkeit  des  arteriellen 
Druckes  von  der  Blutmenge  (Berichte  der  Kgl.  Sachs.  Gesellsch.  d. 
Wiss./maüu  phys.  Cl.  Decbr.  1873  —ref.  im  Centialbltt.  f.  Chir.  1874 
p.  119  und  150).  Es  kam  W.  M.  darauf  an^  zu  untersuchen,  ob  und 
um  wie  viel  die  Blutmenge  eines  Thieres  vermehrt  werden  dürfe» 
ohne  dass  auf  die  Dauer  der  Organismus  danmter  leidet.  In  den 
bisher  vom  Verf.  angestellten  Experimenten  war  die  Beobachtungszeit 
für  Entscheidung  obiger  Frage  eine  viel  zu  kurze.  —  Die  Versuehe 
zerfallen  in  zwei  Hauptgruppen»  je  nachdem  das  Blut  derselben  Species 
oder  solches  einer  anderen  Species  benutzt  wurde.  '  Femer  kommt 
die  Unterscheidung  hinzu»  ob  das  Blut  vor  der  Einspritzung  defibri- 

41 


642  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  41. 

nirt  wurde ;  oder  ob  m^n.  dasselbe  dir^ct  aui  der  Arterie  des  Blut- 
spenders in  eine  Vene  des  Versuclisthieres  überleitete.  —  Die  meisten 
der  Versuche  sind  an  Hunden  ausgeführt  und  zwar  mit  Hunde-  oder 
mit  La^mblpt^  einige  auph  mit  Katsenblut ;  nur  ^inzelpe  ^xp^rinpiente 
betreffen  Kaninchen^  welcheii  defibriuirtes  Kaninchen-  odeir  defibrii^rtes 
Lammblut  eingespritzt  wurde. 

Um  die  Variationen  zu  studiren^  welche  die  Blutmenge  nach 
einer  Transfusion  im  Laufe  der  folgenden  Beobachtungszeit  erfährt, 
wurden  sowohl  mehrere  Tage  vor  als  auch  nach  der  Transfusion 
Blutkörperchen-Zählungen  nach  der  Methode  von  Malasses  (cf.  Cen- 
tralbl.  f.  Chir.  1874  p.  37)  unteri^oxKppaen  und  zur  ControUe  Bestim- 
mimgen  der  Färbekräft  des  Blutes  nach  den  von  Welcker,  Hei- 
de nhain  und  Panum  geg^bwen  {(^elp  ausgeführt.  Höchst  be- 
merkenswerth,  auch  für  die  sonstige  Brauchbarkeit  der  Methode  von 
Malasses;^  ist  der  Umstand,  dass  durchgekends  die  Blutkörperchfini- 
Zählungen  dieselben  Resultate  wie  die  Bestimmungea  der  Fätbekraft 
er|;«^ben.  — 

Um  femer  den  Einfluss  der  vermehrten  Blutmenge  auf  den  Stoff* 
Wechsel  kennen  zu  lernen,  hielt  es  W.  M.  für  nothwendig,  den  Thie- 
ren  eine  jede  Nahrungszufuhr  beinahe  e^Ie  Woche  vor  und  hs%  eben 
9A  lange  nach  der  Bluteinapritzuog  abzußchneiden.  AUe  24  Stundea 
wurden  die  htin^emden  Thiere  gewogen;  man  bestlHimte  ihre  Rec- 
tum temperatur,  femer  das  Quantum,  dl^a  speciflsc|;ie  Gewicht  und 
nach  Liebig' 8  Titiirmethode  den  Hamato%ehalt  des  in  24  Slinihden 
ende^rt^n  Urins. 

Mit  Rücksicht  auf  Tr^sfusionen  defibrinirten  Blutes  derselbeA  Spe^ 
des  kommt  Verf.  au  dem  Resultat^  dass  Hunde  eine  Venaehvujig  de» 
Blutn^euge  uii^  82 — 83  ^  ohne  Schaden  o^tr^en^  wenn  nur  die  ]Sii\- 
spritaiuDgen  langsam  uud  mit  Pausfcn  aufgeführt  werden.  -^  Bei  ^iner 
Vermehnmg  der  Blutmenge  um  154)|^  scheint  dagegen  die  GryeBse 
überschritten,  indem  hier  lebensgeffLhrliche  Symptome  auftraten.  Doch 
mögen  individuelle  Verhältnisse^  dae  Alter  und  dev  BrnÜkrung^u- 
stand  des  Thi^rest  ^ine  grosse  B^4eutui^  bei  Fixjürupg  pbiger  Grenze 
haben.  — 

Sodann  glaubt  aber  M.  W. ,  dass  die  wirkliche  Vermehrung  der 
Bhitmenge  erheblich  geringer  sei,  ah  das  eingespritzte  Matquantum, 
indem  bereits  ein  paar  Stunden  nach  der  Transftision  etwa  <Üe  Hälfte 
des  eingespritzten  Blu^ksma  durch  die  Oefi&sse  wieder  attstreton  aoH» 
Allein  aue^  die  factische  Vermehrung  ist  nur  von  kurzer  Dauer.  Nach 
einigen  (2 — 5)  Tagen  kehrt  die  Blutmenge  höchst  wahrecdieinlieh 
wieder  zur  Norm  zurück^  indem  dex  Oq^ismus^  wie  es  V-al»n-> 
tin  bereits  ausgesprochen^  in  der  That  einen  unverändevlichen 
Frocentgehalt  des  Gesammikörpers  an  Blut  lu  behaupten  scheint. 
Bei  dieser  Rückkehr  zur  Norm  in  quantitativar  Beziehung  verhaltMi 
sich  aber  die  Blutkörperchen  und  das  Blutplasma  sehr  verschieden. 
Letzteres  tritt  in  den  ersten  2,  3 — 4  Tagen  in  beträchtlichen  Quanti* 
täten  aua  den  Gef&ssen  heraus;  zu  gkieher  Zeit  arsoheint  die  Ham- 


Centralblatt  ftlr  Ghlrur^e.    No.  41.  643 

8toftecr«lJon  der  transfimdirten^  hungeraden  Thier^  erbeblic^h  t^rmdirt. 
Die  Bltttkörpercheii  dagegen  erhalten  sich  in  den  etsten  2*^4  Tagen 
nach  der  Transfusion  nnverändett,  sowohl  die  eigenen  des  Thie/ecr, 
als  auch  die  eingespritzten^  und  ewar  hatten  letztere  ihre  Lebens^ 
fähigkeit  fast  durohgehends  behahen^  wenn  auch  das  ein£ttspi4ti{ende 
Blut  vor  der  Transfusion  24  Stunden  im  Eis  aufbewiahtt  Mhxtdt, 
wenn  also  auf  die  rothen  Zellenelemente  während  dieser  Zeit  dänetnd 
eine  Temperatnr  von  blos  3— ^4^0.  eingewirkt  hatte.  Allein  der  einge^ 
fahrte  Ueberschuss  an  rothen  Blutkdrperchen  hat  wahrseheinlicb  aneli 
nur  eine  begrenzte  Lebensdauer.  £0  scheint,  dass  dieselben  wähnend 
eines  längeren  Zeitraumes  nach  und  nach  destrtrirt  werden  und  dem  Stotf« 
Wechsel  anheimfallen.  Möglicherweise  tragen  sie  zu  der  beöbaetitetetr, 
permanenten  Vermehrung  des  Hamstoffii  nneh  ThinsAisionen  bei. 
Dagegen  sixkd  die  Schieksale  des  hierbei  freiwerdenden  Bhrtfitrfo«ftoffei 
noch  unerfonsoht.  Eine  Yermehrung  des  OallenfarbstoA^  hat  1f .  M. 
nieht  gefunden,  auch  fehlte  in  allen  Yersüchen  Icterus.  ^  Bn  stcfttt 
dahin,  ob  nicht  die  Lefbensfiäiigk^t  der  eingespritzten  rorthen  Blttt^ 
seilen  verlängert  werden  kann  durch  gute  Emährong  des  Oigimismns. 
Se)bs<r?er0tandlich  keaante  Verf.,  da  et  an  hungeniden  Thiensn  etpeh 
rimentirte,  über  diesen  PunCt  keine  Auftchlusse  erhalten.  Dagegen 
will  er  sidi  überzeugt  haben,  dass  die  Lebenskraft  der  BltrfkcitpertAeft 
jedenfiedls  nicht  in  erheblichem  Orade  von  der  DeAbrination  und  auch 
nicht  von  der  Kälte  beeinftasst  wird.  —  Yielleicfat  wird  nach  den 
Untersuchungen  von  W.  M.  der  Valentin 'sehe  Satz  dahin  etwtniteti 
werden  müssen,  dass  für  die  Dainer  nicht  nur  die  Blutmenge  eines 
Organismus  eine  bestimmte  Grösse  besitzt,  sondern  dass  andv  in  der '- 
selben  nur  eine  bestimmte,  Ton  der  Quantiftäf  und  der  ZüsfMn^ 
mensetzung  des  Bkttplasma  abhängige-  Zahl  ton  Blirfkörpetichen 
für  die  Dauer  enthalten  sein  kann  (lief.).  ^  Im  Weiteren  sucht 
W.  M.  die  Unschädlichkeit  und  die  Bequemlichkeit  dfer  Defibrina- 
tion  des  Blutes  zu  begründen ,  indem  er  sich  fest  dufchgehends  den 
neuesten  Auseinandersetzungen  Panttm's  (cf.  Virch.  Arctdr  Bd.  6S 
—  ref.  im  Oentralbl.  f.  Chir.  tSl^  No.  Sf9.J  anschHesst.  vDie  Vofthefle 
de9  defibriinirten  B!hztes,c  sagt  er,  i»sind  se  unschätzbar,  daM  seine 
Anwendung  in  der  ärztlichen  T)tiai8,  tso  lange  man  keiit  T&jeiblüf, 
welches  das  Menschenbhi«  rsmphtciren  kann,  geftmden  hat,  unbedSagf 
vorgezogen  werden  muss^s  F^eüioh  sei  es  erAnrderlich,  dae  Blut  in 
ganz  reinen  und  trockenen  G^fdssen  aofimfiuigen ,  sorgfäkig  zu  deft'^ 
briniien  und  durch  zwei  dichte  Leinwandfilter  oder  dittch  eittett 
Atlasfilter  zu  filtriren. 

Guxiss  anders  gestalteten  sieh  die  Ergebnisse  S&t  Binsprifztmgen 
fremdartigen  Blutes.  Während  in  den  IVansfbsionsvetmchen  mit  ^m 
Kute  derselben  Thierart  keine  oder  nur  geringe  Störungen  sdbst  bei 
grosser  Ueberfüllung  des  G^efSsssystemtr  auftraten,  führten  bei  der 
difecten  oder  der  indirecten  Lanunbluttnmsfusion  Ktttquanfit,  die 
mehr  dh  2^  ^  Yon  der  Norm  betrugen,  den  Tod  dief  Hunde  her- 
bei.    Und  zwar  hatte  dSasaelbe   Qttantum   Lammbl'ut  im   Weseut- 

41» 


ß44  Centralblatt  für  ChiruTgie.     No.  41. 

lichea  gaxKZ. denselben  Effect^  mochte  eine  Depletion  vorhergegan- 
gen sein  oder  nicht.  Uebereinstimmend  mit  den  Befunden  von 
King,  Magnani,  Panum,  Mittler,  Landois  u,  A.  beobach- 
tete W.  M.  als  das  wichtigste  Symptom  der  Lammbluttransfusionen 
beim  Hunde  Blutungen  und  zwar  capillare  Blutungen  aus  Wunden, 
und  oft  sehr  starken  Blutfarbsto%ehalt  des  Urins  (Hämoglobi- 
nurie, Ponfickj;  sodann  fast  immer  starke  BlutüberfiiUung  der 
Nieren,  häufig  Lungenhyperämie  mit  Infarcten  oder  kleinen  Extrava- 
saten, Blutaustritte  in  den  Darmcanal  und  blutige  Färbung  des  In- 
halts seröser  Höhlen.  Die  Ursache  obiger  Symptome  ist  in  der  De- 
struction  der  rothen  Blutkörperchen  zu  suchen,  welche  auch  mikros- 
kopisch von  Landois  (Centralbl.  f.  med.  Wiss.  1873  No.  56  u.  57) 
und  von  C reite  (Zeitschr.  f.  rat.  Medicin  1869  Hft.  1  p.  90  u.  ff.) 
genau  studixt  worden  ist.  Es  kommt  hier  die  Wirkung  des  einge- 
spritzten Blutes  auf  die  Blutkörperchen  des  Versuchstbieres  oder  der 
Einfluss  des  Blutes  des  blutempfangenden  Organismus  auf  die  einge- 
spritzten Blutkörperchen  in  Frage.  Für  die  Lammbluttransfusionen 
beim  Hunde  hat  nun  W.  M. ,  die  Angaben  von  Landois  über  die 
grosse  Kesistenz  der  Hundeblutkörperchen  gegenüber  dem  Serum  sehr 
vieler  Arten  von  Säugethierblut  bestätigend,  ermittelt,  dass,  ganz  un- 
abhängig davon,  ob  defibriniites  oder  undefibrinirtes  Lammblut  ein- 
gespritzt wird,  im  Gefässsystem  des  Hundes  die  Iiammblutkörperchen 
faat  gänzlich  nach  kurzer  Zeit  au%elöst  und  zerstört  werden.  Die 
Sjchnelligk^it  iiex  Destruction  schont  vom  Mengenverhältnisse  zwischen 
Lammblut  und  Hundeblut  .abhängig  zu  sein.  Aber  auch  die  eigenen 
Blufkörperchen  des  ]lundes  er£a)iren  eine  wena  auch  sehr  geringfü-* 
gige  Destruction.  —  Nach  Verf.  erklärt  die  Destruction  der  Blutkör- 
pi^rcjiien  nur  den  HämOjglobingehalt  der  verschiedenen  Transsudate 
und  denjenigen  des  Harns.  Als  Ursache  der  oft  beträchtlichen  wirk- 
lichjen  Blut^ustritte  in  angelegte  Wunden,  sowie  in  den  Darmcanal 
siebt  er  siiJi  genöthigt,  einen  Einfluss  des  fremdartigen  Blutes  auf 
di^  Gefässwände  selb^  anzunehpien ,  wodurch  »auf  irgend  eine  Art 
^ine.  Integritätsstörung  der  Gefässwände«  zu  Stande  kommt.  Die  Er- 
I^läxung  der  I^lutungen  durcl^  eine  mehr  oder  minder  umfangreiche 
V^stopfung.  vpn  Capülaren  und  kleinen  Gefässen  in  den  verschiedenen 
Organen  durch  .zusammengeballte  Fremdblutkörper  und  Stromafibrin 
^^d  hierdurch  bedingte  Blutdrucksteigerung  in  den  noch  wegsamen 
Capillaren  (Landois)  erscfheint  Verf.  als  durchaus,  nicht  zureichend, 
namentlich  für  die  so  oft  schon  während  der  Transfusion  stattfinden- 
den  Blutungen. 

Schliesslich  betrachtet  Verf.  die  bisher  am  Menschen  ausgeführten 
Lammbluttransfusionen  und  findet,  dass  hier  die  Erscheinungen  im 
Wesentlichen  dieselben  sind,  wie  beim  Hunde.  Der  Grund,  warum 
beim  Menschen  eine  verhältnissmässig  geringere  Zahl  von  gefilhrlichen 
Symptomen  beobachtet  wird,  liegt  nach  W.  M.  lediglich  darin,  dass 
hier  die  transfundirten  Blutquanta  gewöhnlich  nur  Yio — Vso  ^^^  höch- 
stens Yi5  der  normalen  Blutmenge  betragen  haben.  — 


Gciliitralblatt  fOr  Ohlrtirgie.     No.  41.  049 

Im  Anschluss  an  Panum  (1.  c.)  giebt  W.  M.  vörltofig  detik  de- 
fibriniiten  Menschenblut  die  erste  Stelle  bei  Transfaräcmeii  aili'Meili 
sehen  y  da  das  transfundirte  Blut  vhattptsHchlicb  oder  Tielleiolit  ans^ 
schliesslich  y^rmlttelst  seiner  rothen  BlütkörperchiBn  dem  Oxganibmus 
zu  Nutzen  istc.  Als  Indicationen  für  Bluteinspritzungiön  dürifbii  attef» 
nach  W.  M.  nur  gelten:  starke  Blutungen,  getvisse  Vergifttaingeri 
(z.  B.  durch  Kohlenoxydgas]  ^  und  ferner  einige  chronische  Anändbeinl 
(nach  chronischen  Blutverlusten^  bei  Chlorose  und  Leukämie);       t;  ;* 

Eine  grosse  Zahl  interessanter  Eihzelbeobacfatungen^  sowie  cuiire^ 
gende  Aninerkungen  zu  denselb^i  finden  sich  im  Original  kn  Vielen 
Stellen.  So  betotit  z.  B.  Wi  Mi  mit  vollem  Ileicbt/  wie*  bei  Eitpeiv^ 
menten  über  Sepsis  n.  s.  f.  so  manche  der  bisheiligen  Differenzen.:  ticb 
würde  lösen  lassen^  wenn  man  bei  Injection  putrider  Stoffe  darauf 
Rücksicht  nähme,  ob  die  zu  den  Injectioneu  benutzten  septischen  oder 
faulenden  Substanzen  (Blut,  Eiter^  G)^web|i^iafuse)  von  derselben  H)^^ 
von  einer  anderen  Thierspecies  oder  Tiiiergattung  stammen.  Denn  nur 
so  liessen  sich  alle  die  Effecte  eliminiren,  welche  die  fremdartigen 
Flüssigkeiten  schon  an  sich  in  ihrem  iiioht  veränderten  Zustände  auf 
den  VersuchsoTganismus  ausüben.  ZweifidUos  würden  dann'  die  Ev-( 
gebnisse  so  mancher  experimentellen  Arbeiten  auf  dem  Gebiete  def 
Septikämie  und  Pyämie  in  einem  anderen  Lichte  'erscheinen  als  bisherJ 
Trotz  einiger  etwas  gewaltsamer  Deutungen  in  Bezug  auf  eiiischlägige 
Ergebnisse  anderer  Experimentatoren,  ist  die  vorliegende»  mit  tidfem 
wissenschaftlichen  Ernste  vollendete  Arbeit  als  ein  wesentlichef» 
Fortschritt  auf  dem  Wege  zu  verzeichnen,  auf  dem  allein  die  Tfans-^ 
fusionslehre  weiter  gefördert  werden  kann.  Losder  (B^rlm)*,  . 


VierteL     lieber    Knochenechinococcen.      Aus    der   chirurg^ 

Klinik  in  Breslau. 

(Arch.  f.  klinisfiie  Chinixgie  1875.  Bd.  XYIU.  Hft.  3.  p,  476—493.)      . 

Eine  Beobachtung  Fische  r^s  und  die  in  der  Littenttur  beschrieb' 
benen  26  Fälle  von  Knochenechinococcen  vertheilen  sich  auf  die- 
verschiedenen  Körperregionen^  wie  folgt :  Scfaädelknochen  4^  Wirbel*' 
säule  3^  Becken  5^  Humerus  5,  Fingerphalangen  1,  Femur  2,  Tibia  1. 

Die  Knochenechinococcen  stellen  langsam  wachsende  und  anfiings 
meist  indolente  Geschwülste  dar^  welche  zunächst  das  Bild  eines 
central  entstandenen  Knochentumors  ^  später  das  einer  Knochencyste 
bieten. 

Nach  dem  Sitz  der  Knochenechinococcen  richten  sich  auch  die 
von  ihnen  hervorgerufenen  Symptome,  die  von  dem  Bilde  eines  Hirn- 
tumors oder  eines  Bückenmarksleidens  bis  zu  dem  eines  Senkungs^ 
abscesses  auf  das  Mannigfaltigste  varüren  können.  Fracturen,  bis- 
weilen mit  consecutiver  Pseudarthrosenbildung»  und  Luxationen  seien 
häufig  in  ihrem  Gefolge.  Ebenso  können  sie  Knochenabscesse  und 
Necrosen  imd  chronische  Gelenkleiden  vortäuschen.    ' 


645  CeAtndUatfc  für  Chinugie.    No.  41. 

Diagnostidibar  idnd  sie  exet  wenn  der  Knoolien  usurirt  und  das 
Hydatidenschwinen  fühlbar  ist,  oder  wenn  durch  spontanen  Durch- 
bruch  u.  s.  w.  ein  Theil  des  Inhalts  entleert  wird*  — 

Beiäglich  der  Ptognose  stellen  sich  am  ungunstigsten  die  Schä^ 
delknochen»  die  Wirbel  und  das  Becken,  wen^er  ungünstig  die 
Extremitäten.  Fast  in  allen  Beobachtungen,  wo  sich  eine  Anamnese 
findet^  ist  eines  oft  lange  Zeit  Torhergegangenen  Trauma  Erwähnung 
gethan ;  indessen  fehlt  zur  Zeit  jeder  Grund,  dieses  Trauma  mit  dem 
Auftreten  der  Echinococcen  in  Causalnexus  zu  bringen. 

Die  Casuistik  und  die  sehr  interessante  Beobachtung  Fis^^her's, 
eine  Oystengesohwulst  des  Beckens  mit  nachfolgender  Perforation  ins 
Hüftgelenk  betreffend  s.  im  Original.  WiUi.  Koeh  (Berlin). 


Port.    Kriegsverbandstudien. 

(Deutsche  milit&rinBti.  Zeitschr.  1875.  Hft  5.) 

Verf.  erinnert  an  die  wenig  erbaulichen  Zustände,  die  der  Sani- 
tätsdienst nach  jeder  grösseren  Schlacht  bietet,  an  die  Ueberfiilludg 
der  Verbandplätze  und  Lazarethe,  an  das  Uebermaass  der  von  dem 
Einzelnen  zu  leistenden  ärztlichen  Arbeit  und  an  die  gewöhnliche 
Umnilänglichkeit  der  vorräthigen  Verbandmittel.  Er  sieht  den  Grund 
Uerfur  nicht  in  einem  Mangel  der  bestehenden  Einrichtungen,  son- 
dern in  der  Unzweckmässigkeit  der  üblichen  Fracturverbände  der 
Friedensohirurgie  für  den  Feldgebrauch.  Bei  der  Wirkung  des  heu- 
tigen Sehnellfeuers  seien  dieselben  viel  zu  umständlich,  erforderten 
soviel  Zeit  und  Hände  zu  ihrer  Anlegung,  soviel  Raum  zu  ihrer 
Unterbringung,  dass  sie  dadurch  sowohl  eine  Beschränkung  des  trans- 
portfähigen Materials,  als  auch  eine  unliebsame  Erschwerung  und 
Ausdehnung  der  ärztlichen  Thätigkeit  involvirten.  Das  Ziel  aller 
Kriegsverbände  sei,  solche  zu  finden,  die  zu  ihi^er  Anlegung  einen 
minimalen  Zeitaufwand  beanspruchen,  die  den  Anforderungen  für  den 
Transport  wie  for  die  Nachbehandlung  zugleich  entsprechen,  die 
der  Art  sind,  dass  man  sie  in  grösserer  Menge  vorräthig  halten 
kaan,  und  dabei  so  ein&ch  in  Construction  und  Material,  dass  man 
im  Felde  die  schwindenden  Vorräthe  sich  selbst  aller  Orten  er- 
setzen kann. 

Dieses  ideale  Ziel  hat  Verf.  in  folgender  Verbandmethode  an- 
gestrebt: er  fertigt  aus  Draht  und  Schnur  (die  man  im  Felde 
überall  findet)  sich  selbst  compendiöse  Gestelle,  welche  mit  Lein-^ 
wand  überflogen  1]  dem  verletzten  Glied  sofort  eine  solide  Unter- 
lage bieten,  und  2)  in  ihren  Drahtstäben  eine  solche  Festigkeit  be- 
sitzen, dass  der  darüber  anzulegende  Gypsverband  nur  aus  einer  ein- 
zigen Schicht  zu  bestehen  braucht  und,  unbeschadet  der  Festigkeit, 
a^  ganze  StFeehen  für  den  verwundeten  Theil  freigelassen  werden 
kann.  •*-  Solche  Gestelle  eignen  sich  bequem  zur  Suspmision,  und 
machen  bei.  der  Anlegung  der  Gypssdiicht  die  sonst  zur  Unterstützung 


G#iiti«R>latl  f«r  Cliinitgie.    No.  41.  041 

Terwendeten  Hände  der  Gtehfilfen  eilibelurlich ;  sie  erttHiglMlieli  ferner 
den  offenen  Zutritt  zur  Wunde,  den  freien  Abfluss  des  Seeifets  und 
eine  er.  Localbehandlung  (Irrigation};  endliob  eignen  eioh  diese  Yer- 
binde  für  den  Transport  ebensowohl  wie  für  dife  Nachbehandlung^ 
te««dien  mithin  bei  der  Ankunft  im  Lezareth  nicht  emendrt  zu  weirdeni 


1)  Drabtgestell  für  den  tJnterschettkelbruch. 

»Zwei  Seitentheile  bestehen  je  aus  2  in  einander  gesteckten  und 
durch  Schnur  mit  einander  verbundenen  rechtwinkeligen  Drahtrahmeni 
werden  gleiclifalls  mit  Schnur  an  das  Fussb^ett  befestigt,  darauf  i 
Bügel  an  die  verticalen  Stangen  der  Seitentheile  zum  Auseinander- 
halten derselben  gebunden.  Damit  ist  das  ganze  Gestell  fertig, 
tleberzieht  man  nun  das  Fussbrett  straff  mit  Leinwand  und  hängi 
man  in  die  oberen  horizontalen  Stangeü  der  Seitentheile  ein  äiiid^ 
ticinWand  so  ein,  dass  es  zur  Aufnahme  des  Gliedes  eine  Biiine  t)ilr 
iety  so  ist  alles  zum  sofortigen  Gebrauch  rorbereitet«. 

Die  Fixirung  der  Extremität  geschielit  durch  eine  ftollbindej 
weiöhe  um  den  Unterschenkel  und  die  oberen  Drahtstangen  der  Sei- 
tentheile herumgeführt  wird^  wobei  die  letzteren  einander  sich  nahern. 
Vollkommene  Fixirung,  z.  B.  für  den  Transport,  erreicht  inan  durch 
eine  einfache  Gypsbindenlage,  mit  entsprechenden  Ausschnitten  für 
die  Wunde.  —  Durch  Verschieben  der  Seitentheile  lasst  sick  ein 
solches  Verbandgestell  platt  zusammenlegen  und  bequem  verpacken. 
Der  Draht  der  vorräihifi^en  Verbände  soll  geglüht  sein,  eine  Dicke  von 
V/2  Mm.  besitzen  und  behufs  Conservirung  mit  Asphaltlack  überzogen 
werden. 

2]  Drahtgestell  für  den  Oberschenkel. 

An  das  Unterschenkelgestelt  werden  seitliche  Verlängerungen,  be- 
festigt, deren  äussere,  in  der  Gegend  des  Trochanter  ausgeschweift^ 
bis  zum  Hüftbeinkamm  reicht  und  dort  einen  Beckenhalbring  trägt, 
während  die  innere  bis  an  den  Damm  geht  und  hier  einen  Fortsatz 
zur  Stütze  des  Beckenhalbrings  abgiebt.  Je  nachdem  man  es  mit 
einer  rechten  oder  linken,  langen  oder  kurzen  Extremität  zu  thun  hat^ 
müssen  die  Verlängerungsstücke  in  verschiedener  Weise  an  das  Unter- 
schenkelgestell befestigt  werden.  Die  Fixirung  an  das  Becken  ge^ 
schiebt  durch  Bindentouren,  er.  Gyps. 

Ein  mit  Watte  gepolsterter  Riemen,  der  an  die  untere  Stange 
der  äusseiren  Verlängerung  und  an  den  Beckenhalbring  in  der  Unter- 
bauchgegend befestigt  wird,  dient  zur  Contraextension;  eine  einfache 
Kurbel,  gegen  die  Rückseite  des  Fussbretts  angelegt,  dient  zum  Auf- 
röllefii  der  Extcln^ionsstreifeü  und  wird  mittelst  eines  durch  die  Oesefii 
gesteckten  Drahtstabes  in  beliebiger  Stellung  flxirt. 

i)  Drahtgestell  für  die  obere  E:ittreniität. 
Ist   am   einfachsten  und  besteht  sos  einem  handbreiten  Draht- 
rahlUM  von  dei*  ungefähren  Läiigedes  ganzen  Arms,   dessen  Seiten- 
stäb^,  der  Quere  üach  durch  einige  leicht  gekrülnlnte  Bügel  ausein- 
ander ifehalteü,  am  oberen  Ende  zusammenlaufen  und  an  ihrfer  Spitze 


648  Contralblatt  fflr  Ghimrgie.    No.  41. 

den  Schulterlialbriiig  tragen.  Dieser  Bahmen  wird  straff  mit  einer 
Rollbinde  überspannt  und  zum  Gebrauch  in  der  Ellenbogengegend 
in  einen  beliebigen  Winkel  gebracht ,  so  dass  ein  Leinwandlager  £är 
die  Hinterseite  des  Ober-  und  Unterarms  entsteht.  Befestigung  wieder 
mit  Binde  oder  Gryps.  —  An  den  Thorax  kann  der  so  eingeschiente 
Arm  sehr  fest  durch  eine  Bindentour  angedrückt  werden»  welche  vom 
Vorderarm^  hier  befestigt^  durch  die  Achselhöhle  der  gesunden  Seite 
über  den  Nacken  und  wieder  zum  Vorderarm  zurückläuft.  Dieser 
Draht  braucht  nur  SYs — ^  Mm.  dick  zu  sein.  Die  beschriebenen 
Apparate  sind  durch  Zeichnungen  erläutert.  — 

Als  schliessliches  Auskunftsmittel,  wenn  an  blutigen  Gefechts- 
tagen der  ganze  Vorrath  an  Drahtgestellen  erschöpft  sei,  bleibe  dann 
noch  der  Gypsverband,  und  zwar  der  gefensterte  oder  der 
gegitterte.  P.  spricht  sich  dabei  für  die  Präformirung  der 
Fenster  (Szymanowsky,  Roser)  aus  und  schlägt  vor,  fertige 
Fensterstücke  von  verschiedener  Grösse ,  zu  deren  Anfertigung  er  ein 
eigenes  Verfahren  besitzt^  vorräthig  mitzunehmen.  Der  Gypsgit- 
ter verband  werde^  statt  mit  Holzstäben,  zweckmässiger  mit  Draht- 
stäben, angefertigt.  —  Schhesslich  könne  man  sich  mit  Vortheil  auch 
eines  Strohschienenverbandes  bedienen,  zu  dessen  Anfertigung 
für  den  Oberschenkel  er  ein  besonderes  Verfahren  angiebt. 

Betreffs  der  lesenswerthen  Einzelheiten  dieser  praktischen  Mit- 
theilungen muss  auf  das  Original  verwiesen  werden.  — 

Für  die  Lazarethe  empfiehlt  P.  noch  2  weitere  Drahtgestelle: 

1)  Eine  Schwebevorrichtung  für  die  obere  Extremi- 
tät^ bei  schweren  Verletzungen  derselben,  die  den  Kranken  zum 
Aufenthalt  im  Bett  zwingen;  und  2)  einen  Apparat  zur  Schiefla- 
gerung der  unteren  Extremität  für  jene  Brüche  am  oberen 
Ende  des  Femur,  bei  denen  durch  die  Wirkung  des  Beopsoas  das 
obere  Bruchstück  nach  vom  und  innen  gedreht  ist,  und  eine  Coap- 
tation  der  Bruchenden  nur  dadurch  erzielt  werden  kann,  dass  man 
das  untere  Bruchstück  in  dieselbe  Richtung  bringt.  Beschreibung 
und  Zeichnung  ebendaselbst. 

Den  Schluss  bilden  Bemerkungen  über  die  von  P.  mit  grossem 
Vortheil  geübte  Methode  der  Gypsrinnenbildung,  die  er  zur  Er- 
zielung von  ImmobiUsirung,  gleichmässigem  Druck  und  freier  Zu- 
gänglichkeit zur  Verletzung  nochmals  dringend  empfiehlt. 

An.  Hiller  (Berlin). 

Hiokl.     Mittheilungen  aus  Prof.  Weinlechner's  Abthei- 
lung   im   Rudolphspitale :    Erfahrungen  und  Beobachtungen 
über  die  Transplantation  gänzlich  abgetrennter  Hautstücke. 

(Wienar  med.  Wochenschrift  1875.  No.  31.) 
In  4  Jahren  sind  an  62  Kranken  1296  Hautläppchen  transplantirt 
842   (65^)   hafteten,  und  wurde  nur  auf   Geschwüre  transplantirt, 
welche  von  den  Rändern  her  benarbten  und  gesunde  Granulationen 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  41.  649 

zeigten.  Auf  ödematösen  Granulationen  hafteten  die  Läppchen  nichts 
wohl  aber  auf  solchen ^  die  stärker  eiterten^  wenn  der  Verband  oft 
emenert  wurde.  Bei  Narbenspannung  hafteten  die  Hautstückchen 
erst  nach  Umschneidung  der  Geschwüre.  Dauer  und  Ausdehnung 
der  Geschwäre^  Alter,  Ernährung  und  Constitution  der  Kranken 
hatten  keinen  Einfluss.  Läppchen  mit  Unterhautzellgewebe ,  sowie 
stark  gequetschte  hafteten  nicht.  Die  Epidermissohuppentransplantation 
nach  Fiddes  blieb  erfolglos.  Es  schien^  als  ob  Haut  desselben  In-^ 
dividuum  besser  anheilt  ^  als  von  Andern  entnommene.  Die  ersten 
Verbände  wurden  gelegt,  indem  zwischen  die  Transplantationsstuck-» 
eben  und  das  Heftpflaster  Stanniol  interponirt  wurde.  —  Absolute 
Rnhe  des  bepflanzten  Gliedes  ist  nothwendig.  Die  Grösse  der  Läpp^ 
chen  variirte  von  der  eines  Haferkoms  bis  zu  der  einer  Bohne.  Die 
kleinen  hafteten  besser.  —  Sehr  dicht  transplantirte  Läppchen  wurden 
nach  ihrer  Anheilung  stark  emporgehoben  und  ulcerirten  schliesslich. 
—  Beim  ersten  Verbandwechsel  nach  24  Stunden  sind  die  Läppchen 
verschieden  gefärbt^  je  nachdem  sie  von  den  Granulationen  schon 
Blutgefässe  erhalten  haben^  oder  nicht;  die  blassrothen^  vascularisirten 
liessen  sich  durch  einen  Wasserstrahl  nicht  mehr  abspülen  und  heilten 
an,  leichenfarbene  spülten  sich  ab;  die  von  ursprünglicher  Farbe 
heilten  später  an  oder  fielen  auch  ab.  Die  angeheilten  waren  etwas 
dicker  und  an  Umfang  kleiner,  als  vorher.  Die  Epidermisabstossung 
der  Läppchen  war  meist  am  3.  Tage  vollendet.  —  Die  nach  der 
Reverdin' sehen  Transplantation  erfolgenden  Narben  sind  nicht 
widerstandsfähiger,  als  die  ohne  dieselbe  entstehenden.  Die  Recidive 
der  Ulcerationen  entstehen  durch  Contractur  des  rückgebildeten  Gra- 
nulationsgewebes ^  das  unter  den  Läppchen  immer  vorhanden  bleibt. 
Circumcision  der  Geschwüre  und  Heftpflasterdruckverband  nach  Maas 
(Sammlung  klin.  Vortrl^e  von  R.  Volkmann  No.  60.)  sichern  am 
meisten  davor.  T«Mosengell  (Bonn). 


Berthold.     Beschreibung  einer  einfachen  Methode,  vermit- 
telst deren  zwei  Beobachter  gleichzeitig  den  Augengrand,  das 
Trommelfell  oder  den  Kehlkopf  untersuchen  können. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.   No.  25.) 

Die  Idee  B.'s  ist  die^  dass  der  eine  Beobachter  direct  durch  einen 
durchbohrten  Concavspiegel^  wie  es  meist  geschieht^  das  Object  oder 
sein  umgekehrtes  Bild  beobachten  soll,  Dieser  Concavspiegel  wird 
nicht  direct  von  einer  Lichtquelle^  sondern  durch  einen  anderen  zwei- 
ten Concavspiegel  beleuchtet,  durch  dessen  Durchbohrung  ein  zweiter 
Beobachter  blicken  kann,  um  das  Bild  im  ersten  Concavspiegel  zu 
betrachteil.  Der  Spiegel,  welcher  für  den  zweiten  Beobachter  und  als 
Lichtquelle  für  den  andern  Spiegel  dient,  muss  eine  Brennweite  haben, 
die  der  Entfernung  beider  Spiegel  von  einander  entspricht,  der  andere, 
welcher  dem  ersten  Beobachter  direct  dient,  das  Object,  z.  B.  Augen- 


050  Ctotralblatt  für  Ohimrgie.    Nd.  41. 

hintergrund^  beleuchtet  und  dem  zweiten  Beobachter  däU  Spiegelbild 
liefetn  soll,  muss  eine  Brennweite  haben,  die  ^ÖBäei  ist^  alä  die 
Entfernung  des  reellen  Hinteigiundbilddieng  yom  Spiegel  y  da  Cou'- 
cavspiegel  nur  dann  scharfe  Bilder  geben,  wenn  die  Objecto  sich  nicht 
zu  nahe  ihrem  Brennpuncte  befinden.  15-«-20  Zbll  ftrennWeite  giebt 
gute  Bilder.  Die  OefGaung  im  MittelpuAct  des  betreffendem  Spiegdii 
darf  nur  klein  sein,  da 'sonst  det  zweite  Beobachter  unter  Umstäilden 
das  Bild  aH  Stelle  der  Durchbohrung  würde  suchen  müssen.  Der 
Zweck  der  Methode  ist  selbstverständlich  ein  demonstrative.  Diö 
Beobachtung  von  Kehlkopf  uhd  Trommelfell  ist  mit  dieser  Methode 
für  den  zweiten  Beobachter  eine  leichtere,  als  die  des  Augenhintef« 
grundes,  da  bei  letzterem  Falle  leicht  störende  Beflexbilddr  von  Cor* 
n0Ei  und  linse  auftreten,  in  erSterem  nioht.  ▼«  Mosesgeil  Bomi)« 


W.  Grubd»    Zur  Statistik  und  Behandlung  des  Bruetki^bsw« 

[SitzuDgsbericIite  der  med.  Gesellschaft  zu  Charkow  1875.  Beilage  No.  2.  p.  89.) 

Gestützt  auf  ein  Material  von  ciroa  1000  Fällen  verschiedener 
Neoplasmen  der  Mamma  ans  seiner  16jährigen  Praxis  au  Charkow^ 
erörtert  Verf.  die  Diagnostik  ^ud  Therapie«  Yon  947  Tumoren  kamcaa 
auf  Caroinome  734,  Adenome  116,  Sarcome  97;  vier  Falle  betrafen 
Männer.  Die  häufigsten  Krebsformen  waten  carc.  simpl.j  fibrosumi 
medulläre  und  g^latinosum;  nur  ein  Fall  von  oaro.  mdanodcta. 
Möglichst  Mhe  Diagnose  ist  wegen  de»  Therapie  wünscheneWertk. 
Sie  ^ütat  sich  besonders  auf  das  Alter  (zwischen  40  und  50  Jahrta^ 
selten  früher)  • 

D^  Krebs  begann  fMier  ohne  Aü^nfthttiö  in  einer*  BitRStdi^M ; 
in  det  and^i^n  etst  i^ehr  späte  Entwickelung.  Beginn  äet  Afi^io^ 
ausnahmslos  mit  einem  Knoten;  mehrere  zu  Anfang  sprechen  sicher 
gegen  Carcinom.    Niemals  scharfe  Umgrenzung  des  Knotens,  der  hart, 

schmersslos,  beweglich  ist,  alhnäligf,  abet  beständig  wädiirt.  Bei 
doher«  Krebsdüignose  ist  Entfernung  der  ganzen  Drfise  indietrt  ilrift 
Schniti  bis  zur  Axilla^  wobei  die  Unte]fsuchung  d^t  subfai^^feialen 
Lymphdrüsen  ermöglicht  wird.  Operirt  wurden  287  Fälle,  da- 
runter 201  Patientinnen  Imal,  56  2mal,  US  3mal,  5  4n^d  und  3 
dmal.  10  jir  ddt  Operationen  hatten  einen  lethalen  Ausgang.  41  mal 
Etstirpation  paniell,  danach  37  BecidiVe.  Mach  159  totalen  ^tfüt-^ 
pationen  nur  18  Recidive,  worunter  4  nach  boomen.  Mikfotfköpidcih 
untersucht  wurden  522  Tumoren,  wovon  287  nach  der  Opetation;  29S 
öei  ülceration.  Unter  ersteren  waren  247  Carcinome,  33  Sarcome, 
7  Adenome,  nnter  letzteren  226  Carcinome  und  9  Sarcome. 

Jede  andere  Behandlung  gegen  Brustkrebs  ausser  der  operativen 
ist  zu  verwerfen.  W.  Ottvlhe  (CharkowJ. 


«•—aAAMai^B^ 


Centralblatt  Mr  Chivmgie.   No.  41.  051 

Baeransprting.    Der  Leberabscess  nach  Kopfverletzungen. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVIII.  Hfl.  3.  p.  556—594.) 

Ea  giebt  nach  B.  für  die  Entstehung  der  Leberabscesse  nach 
Kopfverletzungen  5  aetiologische  Momente :  1)  Gleichzeitige  Einwirkung 
einer  äusseren  Gewalt  auf  die  Lebergegend  ^  2)  die  Einwirkung  des 
Contrecoup  bei  Erschütterung  des  ganzen  Körpers^  3)  Emboli  von 
maligner  Beschaffenheit  aus  extrahepatischen  Pfortaderästen,  4)  solche 
aus  den  Lungenvenen,  endlich  5]  die  metastatisohe  Localisation  der 
Septikämie,  — 

Die  weitverbreitete  Ansicht,  als  seien  die  Leberabscesse  nach 
Kopfverletzungen  häufiger  als  nach  andern  YerletzungeUi  verwirft  B. 
auf  Grund  statistischer  Erhebungen  aus  den  Sectionsprotocollen  des 
Berliner  pathologischen  Institutes. 

Unter  732&.i5wisGhen  1859 — 1873  in  diesem  Institute  vorgenom- 
menen Sectionen  finden  sich  146  Kopfaffectipnen  und  unter  diesen 
89,  als  deren  tödtliche  Ursache  Pyämie  angenommen  werden  musste. 
Bei  diesen  katata  t9  mal  Lebetabsceese ,  rei^.  Rupturen  am  Beo^ 
bachtung  {IS  ßi  excl.  3  dutch  diteote  Beschädigung  der  Leber  ent- 
standener Abscesse). 

In  derselben  Periode  wurden  nach  Verletzung  oder  Entzündung 
äusseret  TheÜe  excl.  des  Kopfes  39  Leberabscesse  notirt,  zum  Be- 
vreise,  dass  es  durchaus  nicht  die  Kopfi^erletzung  als  solche  ist,  welche 
den  L^berabscess  bedingt,  sondern  dass  allein  in  der  Blutinfection 
deren  ursächliches  Moment  liegt.  Um  das  Yerhältniss  der  letzteren 
Kategorie  zu  ermitteln,  wurden  sämmtliche  Phlegmonen,  Verwun-- 
düngen  und  Operationen  des  übrigen  Körpers  zusammengestellt,  bei 
denen  zwischen  1868  — 1873  incl.  in  Folge  infectiöser  Wundkrank- 
heiten der  Tod  eintrat.  3177  Protocolle  ergaben  115  solche  Fälle 
und  imter  diesen  wieder  17  Leberabscesse  (IS^^)*  In  derselbeli  Zeit 
kamen  48  Kopfverletzungen  zur  Secticm.  Von  diesen  waren  der  sep- 
tischen Infeotion  33  erlegen  und  auf  diese  kommen  6  Leberabscesse 
—  18  ji^,  dieselbe  Zahl  wie  die  aus  den  Jahren  1859 — 73  gewonnene. 

Wnh.  Koch  (Berlin). 


>*«A*i»M*i 


Bavoth.    UebeT  Bruckbehandlung  der  Varicooele,  der  Beis^ 
zustände  ita  öenitalapparat,  sowie  der  Phlebectasieen  an  den 

Extremitäten. 

Vortrag,  gehalten  in  der  Hlfelaad'schen  Gesellschaft. 
(Berl.  klin.  Woohensohrift  l»7d.  No.  23.) 

Verf.  knüpft  an  seine  (cf.  No.  19^  1874,  der  BerL  klin.  Wochenr 
sehrift)  Empfehlung^  die  Varieocele  durch  Druok  einer  Bruchbandpe^ 
lotte  zu  heilen  (cf.  chir.  Centralbl.  1874  p.  224),  iUustrirende  Kran- 
kengeschichten. Mehr  oder  minder  hochgradige  Varicocelen^  schneller 
oder  langsamer  entstanden,  complicirt  mit  rerschieden  häufigen  8a- 
menergiessungen,  theilweise  ohne  geBcfalechdicke  Iteksustände,  wer^ 


552  Centralblatt  far  Chifaigie.    No.  41. 

den  häufig  schnell  gebessert  und  geheilt.  Die  Polltttioiien  «U 
stirten  bisweilen  mit  dem  Anlegen  der  Bandage^  die  Varicocelen 
nahmen  schnell  an  Volum  ab,  die  Neigung  zum  Onaniren  schwand. 
Neuralgieen  wurden  beseitigt  und  die  bei  grösseren  Varicocelen  ein- 
tretende Atrophirung  der  Hoden  wurde  rückgängig.  Unter  den  die 
Wirkung  der  Druckbehandlung  bedingenden  Momenten  hebt  Verf. 
hervor:  Circulationsbcschleunigung ,  Steigerung  des  Tonus  in  den 
Venen  und  im  Cremaster  ^  Beschränkung  der  Blutzufuhr,  'Entlastimg 
der  Vene  vom  Druck  der  regurgitirendeh  Blutsäule.  —  Zwei  Rille,  in 
denen  hochgradige  Varioen  durch  Schenkelbruchbänder  beseitigt  wurden, 
folgen;  in  einem  Falle  waren  XJlcera  varicosa  vorhanden.  Auch  eine 
als  stürmische  Fubertätsentwicklung  bezeichnete  Erkrankung  eines 
17jährigen  Menschen,  der  an  Erectionen,  Pollutionen  und  Nervosität 

litt,  wurde  durch  zweckmässige  Druckbehandlung  curirt. 

V»  MweHf^it  (Bonn). 


E.  Lund.    Erfolgreiche  beiderseitige  subcutane  Durchtreunung 

des  Schenkelhalses. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  258.) 

In  der  British  medical  Association  berichtet  L.  über  vorgenannten 
Fall.  Es  bestand  feste  Anchylose  beider  Hüftgelenke  in  gerader 
Stellung,  der  Beine ^  so  dass  Fat.  nicht  sitzen  konnte.  12  Wochen 
nach  der  Durchtrennung  des  linken  Sehenkelhalses  geschah  die  des 
rechten;  Fat.  konnte  jetzt  beide  Schenkel  bewegen  und  bequem  die 
Körperlast  auf  einem  der  Beine  tragen.  Füz  (Stettin). 


Oh.  Roberts.     Plattfdss. 

(George's  Hospital  Reporte.  1872—1874.  p.  211.) 

Bei  dieser  Untersuchung  sind  nur  die  höheren  Grade  des  Platt- 
ftisses  berücksichtigt^  bei  welchen  die  Sohle  ganz  plan  oder  sogar  nach 
unten  convex  vorspringt.  Die  Formen  mit  schwacher  Gewölbebildung 
im  Tarsus  und  Metatarsus  sind  ausser  Acht  gelassen.  Unter  10000 
Kindern  aller  Klassen  im  Alter  von  8 — 12  Jahren  fanden  sich  die 
höheren  Grade  des  Plattfusses  bei  42,7  per  Tausend;  ein  bedeutender 
Unterschied  wurde  durch  örtliche  Verhältnisse  mit  ihrer  Beschäfti- 
gungsweise bedingt.  So  ermittelte  er  bei  den  Kindern  der  ländlichen 
Districte  in  York^  Lancaster  und  Chester^  die  nur  gel^entlich  zu 
ländlichen  Arbeiten  mit  herangezogen  werden^  hauptsächlich  aber 
die  Schule  besuchen^  nur  17^1  von  Tausend.  Dagegen  bei  den 
Kindern  der  Fabrikorte,  die  vorzugsweise  von  schwächlichem  Bau  & 
Stunden  täglich,  meist  stehend,  in  heisser ,  dunstiger  Atmosphäre  ar- 
beiten, 79  per  Tausend.  Am  deutlichsten  erhellt  die  Wirkung  der 
Beschäftigung  auf  Ausbildung  des  Plattfusses  aus  den  nach  dem  Le- 
bensalter gecHxlneten  Zahlenreihen. 


Centndblatt  fflr  Chinugie.    No.  41.  653 

Es  zeigten  Plattfüsse  im  8.  Jahre  15,1  von  Tausend  Kindern, 
im  9.  Jahre  45,6  pr.  m.,  im  10.  Jahre  51,2  pr.  m.,  im  11.  Jahre  104,2 
pr.  m.  und  im  12.  Jahre  132,4  von  tausend  Kindern,  lieber  die 
späteren  Jahre,  welche  10  Arbeitsstunden  haben,  liegen  keine  stati- 
stischen Erhebungen  vor. 

Erst  gegen  das  S.  Lebensjahr  werden  die  Kinder  zum  Arbeiten 
herangezogen,  daher  hier  noch  die  kleine  Ziffer,  die  nun  schnell  zu* 
nimmt.  Als  besonders  schädlich  wird  das  lange  Stehen  angeführt, 
dagegen  ein  specielles  Vorwiegen  einer  constitutionellen  Erkrankung 
(Scrophulose,  Syphilis  oder  Rachitis)  in  den  Fabrikbezirken  in  Abrede 
gestellt.  Nicht  selten  beobachtete  R.  neben  Plattfuss  Erschlaffung 
der  Gelenkbänder,  besonders  des  Ellenbogen-  und  Kniegelenks  (genu 
valgum).  Pill  (Stettin). 


Kleinere  Mittheilungen. 

N«  Sotsohawa«    Tod  in  Folge  von  Schutzblattemimpfung. 
(Sitzungsberichte  der  med.  Geselhch.  zu  Charkow  1875.  Beilage  No.  2.  p.  97.) 

Bei  einem  4monatlichen  Kinde  entwickelte  sich  am  4.  Tage  nach  der  Impfung 
ein  Krysipelas  phegmonosum,  welches  sich  rasch  über  den  ganzen  Körper  verbrei- 
tete und  sohnell  tödtete.  Impf  schnitte  durch  den  Gemeindeimpf  er  2  Ctm.  lang  ge^ 
macht.  Schlechte  Lymphe  oder  unreine  Lanzette  (?).        W»  Grabe  (Charkow). 

J.  Selinsky.     Ein  Watte-Respirateur  als  Analyseur  infectiöser  Stoffe. 

(Sitzungsberichte  der  kaiserl.  med.  Gesellsch.  im  Kaukasus  1875.) 

Verf.  empfiehlt  einen  solchen  zur  Veminderung  von  Ansteckung  durch  Infec- 
tionskiankheiten  und  g^ubt  zugleich  die  Natur  der  Infectionsstoffe  durch  ihn  be- 
stimmen zu  können,  da  gasartige  Schädlichkeiten  ein  negatives  Resultat  der  Wat- 
teantersuehung  ergeben  würden,  moUeculftre  aber  eich  naohweisen  Hessen.  Im 
letsteren  Fall  wOrde  ein  Nutzen  von  der  Anwendung  des  Respirateur  zu  erwarten 
sein.  Wt  Grabe  (Charkow). 

Sau  tratamento  pelo  oleo  de  Dipterocarpus  tiinervis. 

(Oaz.  med.  de  Lisboa  1875.  No.  12.) 

Aus  der  Revista  de  pharmacia  de  Porto  wird  über  einen  Baum  berichtet,  dem 
iBlume  obigen  Namen  beigelegt  hat,  der  auf  Java  wächst  und  dessen  Harz  von 
den  Eingeborenen  zur  Heilung  veralteter  Geschwüre  benutzt  wird.  Mail,  Dou- 
glas und  Salisbury  empfehlen  das  Harz  auch  bei  Lepra  und  sollen  mit  demselben 
in  den  Hospitälern  Calcutta's  ausgedehntere  Versuche  angestellt  werden. 

Ullersperger  (München). 

W.    Poray-KotohitB«      Ein    Fall    von    Syphilisverbreitung    in    einer 

Werkstube. 

(Sitzungsberichte  der  med.  Gesellsch.  zu  Charkow  1875.  Beilage  No.  1.  p.  11.) 

Bei  drei  Arbeitern  waren  an  den  Lippen  primäre  Affectionen,  an  den  Genita- 
lien nur  secundäre,  beim  4.  am  Penis  Symptome  älterer  Ansteckung.  Die  Lifec- 
tion  wurde  durch  einen  gemeinschaftlich  benutzten  Knäuel  von  Zwirn  (Kürschner] 
vermittelt,  dessen  Faden  durch  den  Mund  gezogen  und  dann  abgebissen  wurde. 
Dadurch  wurden  die  Lippen  ecodirt  und  inficirbar.         W«  Grube  (Charkow). 


654  Oentnlblalt  Ittr  Chimrgle.   No.  41. 

Masolika«    Eiin  Fall  von  angeblicher  Lyssa. 

(Wiener  med.  Wockensohrift  1875.  No.  25.) 
Eine  52jfthrige  Tagelöhnerin  var  9  Monate  Tor  ihrem  Eintritt  ui  die  Kranken» 
anatalt  von  einem  Hunde  in  die  Oberlippe  gebisaen.  Drei  Tage  vor  der  Aufioabme 
Schlingbeschwerden  und  Krämpfe  bei  Deglutitionsversachen.  Diese  Reflexkr&mpfe 
wurden  immer  heftiger ,  erfolgten  schon ,  wenn  nur  einige  Tropfen  Flüssigkeit  in 
den  Mund  gelangten.  Salivation,  Inspirationsbeschwerden,  Fulsfrequens  ron  140. 
Es  wurde  die  Wahrscheinlichkeitsdiagnose  auf  Lyaaa  gestellt.  Nach  dem  Tode  er- 
gab die  Obduction  an  der  Basia  des  Gkhima  luuBiitlelbar  vor  dem  Chiasma  nerv, 
optic.  auf  der  l4amina  perforata  ant.  eine  birnförmige  fluctuirende  Cysticercus-Blase 
von  Haselnussgrösse ,  die  etwas  in  die  rechte  Sylvische  Grube  reichte.  Die  Him- 
aubstans  in  der  Nachbarschaft  geröthet  und  erweicht,     v«  Moa6ngefl  (Bonn). 

Deininger   (Dinkelsbühl)  •   Ueber   die   Nachtheile   der  Jodbehandlung 

des  Kropfes. 
(Bair.  Aerztl.  Intell. -Blatt  1875.  No.  26.  p.  261.) 
Verf.  vertheidigt die  Existenz  einer  »Kropf  resorptionskrankheit«,  indem 
er  annimmt,  dasa  gewisse  im  Gefolge  der  Jodbehandluog  von  Strumen  beobach- 
tete Krankheitserscheinungen,^  welche  sonat  fiv  Symptome  der  Jod-Intoxication 
gehalten  werden,  von  einer  Vergiftung  durch  die  in  die  Blutmasae  aufgenommene 
Kropfsubstanx  ( 1 )  abzuleiten  seien.  Zum  Beweise  theilt  J>.  einige  Fftlle  sm  «einer 
Praxia  mit,  is  denen  jene  Eveabaiaupgen  bei  der  von  ihm  auaBcbUesalLeh  «nge- 
wandtea  Behandlungsmethode  mittelst  innerlicher  (1)  Darreichung  von  Jod- Jodkdi- 
l6sung  eingetreten  sind.  Die  S]fmptome  beatanden  vorzugsweise  in  einer  tiefen  Stö- 
rung der  Blutbildung  und  EmShrung  (rasche  Abmagerung  und  Blässe  der  Haut  und 
Schleimh&ute),  sowie  in  eigenartigen  Störungen  des  Nervensystemea  (l&ethisnras, 
Kopfschmerz,  Heisshunger,  Herzklopfen,  Steigerung  der  Pulsfrequenz  u.  a.  f.). 

P.  Bnms  (Tübingen). 

li.  Oertznann«    üeber  die  Behandlung  der  Thränensackerkranktmgen. 

Inaug.-DIas.  Bonn.  1875. 

Verf.  fuhrt  alto'  Eh^krankungen  de«  Thrrfinenaackea  auf  ehi  einzigea  AtiolvgiBchea 
Moment,  Stenoee  dee  Tbrftneneanala  znrflok.  Dieae  selbal  ist  dmh  SelmMiuig 
der  Sokleinhftut  oder  narbige  Gontraeflur  naoh  ulcerOee»  Prooesaen  he^ge.  IMa 
Therapie  besteht  demnaeh  ih  SottfBren,  bei'  eventuriler  BlensoriMe  mit  diwieCep  Ap- 
pücatiott  von  Topiola  auf  die  Schleirahaut,  bei  ObKtemtioo  de»  Oanahr  ohne  Eipsto 
rung  dee  Saeke»  m  Verödung  mittelst  Gauterisation ,  bei  Hydrops  in  totaler  Sft« 
stirpation  der  Schleimhaut.  Letzterer,  von  Berlin  empfohlenen  Methode  wird  das 
Wort  geredet  und  4  Faüe  bosidiriebaiy  in  welcfaaa  am  Vtdahren.  m  dm  Sowwf 
Klinik  angewandt  wurde,  T«.  Mosengell  (Bonn). 

Hervieuz.    Flaie  p^n^trante  de  poitrine.     Ghi^rison. 

(Bulletin  de  l'acad^mie  de  m6d.  1875.  No.  ZO.) 

Bei  einem  Selbstmordverftich.  hatte  sieh  ein  junger  Mann  ein  Messer  in  dar 
Gegend  dea  Herzens,  und  zwar  inv  4.  Intercostalraum  8  Ctox.  linka  vom  Stemum, 
unmittelba«  dber  de«  Steller  des  Spitzenstosses ,  in  horizontaler  Eichtung  9  Ctm. 
tief  langsam  eingestossen ,  dann  die  Spitze  nach  aussen  gewendet ,  in  der  Absicht 
das  Herz  mögUdist  sicher  zu  tieifen,  und  da«  Messer  in  scfcigger  IBcbtuag  wie^ 
herausgezogen.  Eine  sehr  heftige  aorterietta  Blutung  —  nach  der  Schätzung  des 
Verf. 's  ^  Pfd^  ^  wurd«  von  ^vk  alabaid  berbeigerufsaen  Arzt  äaudu  die  Vereiniying 
der  Brustwunde  mittelst  der  umschlungenen  Naht  gestillt.  Damach  Thrombusbil- 
dung und  Emphysem  nech  aussen  und  unten  von  der  Wunde,  welches  die  Gfrösse 
von  2  Mannsfilusten  erreichte,  diann  jedoch  nicht  weiter  wuchs.  Tiefe  ErachOpfung, 
kleiner  unregelmfissiger  Puls  von  84  Schlflgen,  frequente  und  oberfiftchEche  Re- 
spiration ;  sonst  weder  Hustenreiz,  noch  blutiger  Auswurf,  noch  andere  bedrohlTche 
Krankheitserscheinungen.    Bei  einer  exspectativen  Behandlang  rerÜefen  die  ersten 


OantvfJl>la,tt  fftr  Cbimvgle.  No.  41.  695 

beiden  Tage  nach  dn  Verletfliuig,  abgesehen  ^on  Sotmnen  in  der  W^nd«»  Dyopnoe 
und  mfisfdgem  Fieber,  zufriedenstellend-  An^  c^itten  Tage  ergiebt  die  Augcultation 
und  PerouBsion  der  affibirten  Brustseite  nichts  Abnormes  mehr.  Am  4.  Tage  Ent- 
fernung der  l^ähte ;  W\inde  per  primam  geheilt.  Seitdem  fortschreitende  Reconva- 
lesc^nz  ohne  weiteren  Unfall  und  völlige  Genesung  nach  Verlauf  von  18  Tagen. 

In  den  epikritischen  Bemerkungen  hebt  Verf.  als  bemerkenswerth  hervor,  dass 
trotz  der  anatQqusc!i  günstigen  Bedingungen  eine  Läsion  des  Herzens  oder  des 
Hersbeutelf  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  nicht  erfolgt  sei,  und  dass  auf  der  andern 
3eite  d^e  als  sicher  anzunehmende  Lungenwunde  sich  weder  durch  I^ustenreiz, 
noch  durch  ^lutauswurf,  noch  durch  Zeichen  von  Pneumonie  oder  Pneumothorax 
manifestirt  habe.  Für  das  letztere  Verhalten  wird  an  eine  Reihe  fthnlicher  Fälle 
in  der  Litteratur  erinnert«  Am«  HUler  [Berlin), 

W.  p.  Stewart.      Compotmd    dislocation    of    elbow    and   Compound 

£i;acture  of  both  bon^s  of  fore  arm.    Fracture  of  olecr9,i^om» 

(Tbe  Indian  med.  Gau.  \m.  VqL  X.  No*  4.  p.  99.) 

Ein  lOjähriger  Knabe   hatte  durch  Fall  von  einem  Baume  eine  complicirte 

l4vsmtifm  des  VordeTarm»  naeh  biat#ni  auwendem  eine  oonpUeirte  Fifketnv  beider 

Vorderarmknochen  erlitten.    Das  durch,  eine  Querwunde  der  Haut  der  Ellenbeuge 

hervorgetretene  untere  Ende  de%  Humerus  ^rde  behufs  Reposition  der  Theile 

entfernt,   ebenso  das  abgesprengte  Olecranon.      Unter  CarbolOlverband  Heilung 

innerhalb  %  Monaten.  A«  Biirger  (London). 

Bis^L     Heilung  eines  Eohinocoecns  der  Leber  durch  Incision.  (Aus 

dem  Stadtkrankenhause  zu  Halle  a/S.) 
(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  Nq.  28.) 
Es  viu4e  duiKdi  ein  nodificirtea  ftimon'sohes  Verfalmen  e]na  Ecluno<K>oiCieA* 
blase  d«r  Lebe»  eröffnet  und  bei  «9epliseher  B^andlung  Heilung  corsieH.  Vov  der 
Ineisioii  wurden  etwa  40  CaiUbade«  Mädeln  i«  die  Qesohwulst  g^stocheni  spfttei;  in 
letsloiie  mit  Hülfe  de«  Simen'schen  Xfoiqusrta  eine  Pittel'schie  QmuAiMgatujr  ge- 
legt, um  Verwsobfung  der  aneinander  liegenden  Bauchfellflächen  und  Verödung  des 
swisehenliegeivlen  L^bergew^bes  j|u  erziele».  De?  Chimmiladei»  war  ftpeiVdi  sn 
dann ,  um  Pt^ch^chueiden  zu  vejx^las^en  un4  z^ui^ite  durch  4sA  Messer  in  seiner 
Wirkung  unterstützt  werden.  T»  Mosengeil  (Bonn). 

I#bo^|>9nA*     Sm  k^  suQcuasipQ  hippoc^atiqu^  per^ue  dan»  un^  tu- 

meuv  abdaminftift. 

(BoUiSin  de  Faoad6mie  de  m^deeiiie  1875.  No.  31.) 
Ab  dnem  kindskopfgroBsen,  sohsvf  abgegfensten  und  flvotuivenden  Tumot  In 
Unkeii  H3fpogaBtrium  einer  bMtinrigen,  sonst  gesuBden  Prau  könnt»  Verf.  nach 
Verlauf  von  H  Tagen,  wfi^ena  welcher  Zeit  derselbe  wuchs*  imd  duvoli  die  Bauch- 
de^en  sn  abscediren  sieh  anschicdtte,  an  Stelle  der  abeolutea  Dämpfung  keMen 
PeveusslonBSohall  und  bei  der  Bewegung  zwischen  zwei  Hände»  ein  deutliek  plät- 
sebemdes  Geräusch  wahrnehmen,  ähnlich  wie  in  ein«  halb  oder  drei  Viertel  mit 
Wasser  gefüllten  Flasche.  Zwei  Tage  später  zeigte  die  Geschwulst  sehr  lautes 
FUltsoham  und  ausgesprochenes  metallisches  Klingen.  Bei  dem.  wenige  Tage 
nachher  erfelgendeH  Aufbruch  entleerte  der  Tumor  bekräoktliohe  Mengen 
grünlichen  Eiters  und  Gase  yon  sehr  fötidem  Geruch.  Die  mikroskopische  Unter- 
suchung der  Flüssigkeit  constatirti^  afi^ S'pmel^^^nten  »ausschliesslichEiter- 
körperchen«. 

Ein  Zusammenhang  der  Geschwulst  mit  dem  Ovaiium  Hess  sich  nicht  nach- 
weisen; ebensowenig  eine  Communication  derselben  mit.  der  atmo^häxisohen  Luft. 
Die  Gesohlechstheile  waren,  bis  auf  eine  yorübengehende,  duxoh  die  Geschwulst  be- 
dingte Deyiation  des  Uterus  nach  rechts,  intact.  Uebrigens  erfolgte  unter  einem 
desinficirenden  Verbände,  welcher  später  durch  Jodinjectionen  in  die  Abscesshöhle 
ersetzt  wurde,  binnen  2  Monaten  vollständige  Heilung.       Am.  HUler  (Berlin). 


656  Centralblatt  f&r  Chirurgie.   No.  41. 

H.  Marsh.  Extroversion  der  Blase.     Operation.     Tod. 

(Barthol.  Hospital  Reports  1875.) 

3 jähriger  wohlgenährter  Knabe  mit  Spaltung  des  Abdomen,  der  Symphyse 
und  des  Dorsum  Penis.  Ein  2  0"  grosser  Lappen  mit  transversaler  Basis  wird 
mit  der  Epidermiseite  nach  einwärts  über  den  oberen  Theil  des  Spaltes  gelegt.  Zwei 
andere  Lappen  von  der  Inguinalgegend  entnommen,  werden  9ut  ihrer  Wundseite 
auf  diejenige  des  ersten  gelegt,  dabei  eine  Oeffnung  für  den  Abfluss  des  Urins 
gelassen.  In  den  ersten  2  Tagen  schien  Alles  günstig  zu  verlaufen.  Am  3.  Tage 
wurden  die  Ränder  der  Lappen  brandig  und  die  Suturen  schnitten  verschwärend 
ein.  Das  Kind  fing  an  blass  und  Übel  auszusehen,  verlor  den  Appetit  und  konnte 
ohne  Opium  nicht  schlafen.  Die  Lappen  gingen  bis  auf  kleine  Stümpfe  verloren. 
Die  Schwäche  nahm  zu  und  der  Tod  erfolgte  in  der  7.  Woche  durch  Erschöpfung. 

Verf.  warnt  vor  dieser  Operation  bei  zu  jungen  Kindern.  Zwei  Fälle  von 
Holmes,  ebenfalls  mit  tödtlichem  Ausgange  und  «einer  von  John  Wood,  bei 
Kindern  von  2  und  weniger  als  2  Jahren,  werden  angeführt.  Nach  Holmes  soll 
die  Operation  nicht  vor  dem  4.  Jahre  gemacht  werden.        Wenüier  (Giessen). 

H.  Walten.     Traumatisches  Blasenleiden^    Steinbildung ^   Operation, 

Heilung. 
(The  Lancet  1875.  Vol.  L  p.  675.) 
Der  jetzt  72  Jahr  alte  Fat.  bemerkte  nach  einem  Fall  von  einem  Balcon  vor 
31  Jahren  5  Tage  hindurch  Blut  in  den  Urinentleerungen,  diesem  folgte  Urin- 
träufeln bei  voller  Blase  und  das  Unvermögen  längere  Zeit  Urin  zu  halten.  Die* 
sem  begegnete  Fat.  durch  3 — 4  maligen  täglichen  Catheterismus.  Während  die 
ersten  5  Jahre  der  Urin  klar ,  ungetrübt  blieb ,  fing  er  später  an  sich  zu  trüben, 
auch  wurde  die  Entleerung  öfter  nothwendig;  jetzt  muss  der  Urin  stündlich  ent- 
leert werden  und  es  besteht  grosse  Reizbarkeit  der  Blase  und  Schmerzhaftigkeit 
in  der  Harnröhre;  die  Untersuchung  ergiebt  die  Anwesenheit  eines  Steines  und 
Vergrösserung  der  Frostata.  Nach  Entfernung  des  aus  Phosphaten  bestehenden 
Steines  erfolgte  schnelle  Heilung  und  Herstellung  der  normalen  Blasenthfttigkeit. 

Pllx  (Stettin). 
Babitsch.     Prof.  Bollini's  neuer  tbermo-galvanischer  Inciso-Caute- 
risator  bei  der  Behandlung  der  Prostatahypertrophieen. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  31.) 

Ein  Frostatotom  nach  Mercier  wird  mit  einer  Fiatinklinge  statt  mit  einer 
stählernen  armirt.  Die  männUohe  Branche  besteht  aus  zwei  durch  eine  Bifenbein- 
platte  isolirten,  kupfernen  Seitenlameilen.  An  das  Vesiealende  des  Kupferblattes 
ist  je  ein  Ende  des  Incisors  aus  Fiatina  gelöthet.  Eine  Scala  am  Griffe  bezeichnet 
die  Länge  des  Weges,  welchen  der  Incisor  zurückgelegt  .Die  Glühsohlinge  ist  von 
der  weiblichen  Branche  electrisoh  isolirt.  —  Die  Blutung  nach  Gebrauch  des  In* 
strnments  ist  kaum  nennenswerth ,  Yerheilung  der  Wundränder  wird  durah  den 
Glühschorf  gehindert.  —  Der  Cauterisator  besteht  in  einem  mit  Flatindiath  um- 
wickelten Forzellanstücke,  angebracht  am  durchbrochenen  Winkel  eines  Katheters. 
Die  verkette  Frostatapartie  soll  als  Detritus  mittelst  des  Harnstroms  ausgespült 
werden.  Bis  jetzt  liegen  nur  Versuche  an  der  Leiche  vor.  Klinische  Veröffent- 
lichungen sind  in  Aussicht  gestellt.  T«  Moseagell  (Bonn). 

Berichtigung: 

S.  631  Z.  4  t.  n.  lies  achwieher  statt  scbftrfer. 

Orlginalmlttbeilungen,  Monographieen  und  Separatsbdrüeke  wolle 
man  an  Dr.  B,  TIUmomM,  Leipzig,  Ifarlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshaiidlong, 
Breiikopf  und  Härtelj  einsenden. 


Dniek  und  Verlag  Ton  Breitkopf  «ad  HIrtel  in  Lelpilg. 


Gentralblatt 


für 

CHIRURGIE 

herausgegeben 

Ton 

Dr.  L.  Lflner,  Dr.ESGMe,  Dr.  H.  Tillniaiuis 

in  Berlin.  in  Berlin.  in  Leipiig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  ein»  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Biark,  bei  halbjähriger  Pri- 
numeration.     Zu  besiehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

NE'  ^.  Sonnabend,  den  16.  October.  1876. 

Inhalt:  M.  VOfel,  MechAnlsmus  der  Tripperinfection.  (Original-Mittheilnng.) 
Thll0,  Häufigkeit  scrophuloser  Erkrankungen  bei  phthisischer  Anlage.  —  Macrae, 
Yerhalten  der  Anaesthesie  bei  Lepra.  —  Eckhardt,  Oefissnerrenoentren.  —  Ma,  An» 
Wendung  des  Ghloral  in  der  Chirurgie.  —  Nicaisa,  Subcutane  Transfasion.  —  SdlHtfar, 
Epitheltrübungen  der  Mundschleimhaut  bei  Syphilitischen.  —  Rondot,  Sarcom  des  Ohr- 
lappchen.  —  Maundery  Dammriss-Operation.  —  HlfSCh,  Unterbindung  der  Vena  cru- 
ralis.  —  Baaek,  Eeseetlon  des  Fussgelenks  bei  Oaries. 

V.  Ebnar ,  Verhalten  des  Knochengewebes  im  polarisirten  Lichte.  —  Vidal,  Erectües 
Hautsaroom.   —   Johnson,    Lymphadenom.    —   Baumgarion,   Hirnarterien  -  Syphilis.    — 
RiChardSOn,  Künstliche  Respiration  bei  Dipbtheritis.  —  Taylor,  Wirbelfractur.  —  Wilkos, 
Atresia  anl.  —   Chouppo,  Txophische  Störungen  nach  Nerven-Yerletzungen. 


Zum  Mechanismus  der  Tripperinfection. 

Von 

Dr.  Martlii  Yogel^ 

prakt.  Arzt  In  Eisleben. 

Die  Frage .  »wie  gelangt  das  Trippersecret  in  die  Harnröhre  des 
Mannes?«  ist  eine  yielfach  ventilirte  und  es  knüpfen  sich  daran 
mannigfache  Hypothesen.  Einzelne  Autoren  gestehen  allerdings 
offen  zu^  dass  es  keine  ausreichende  Erklärung  dafür  gebe.  Denn 
Flüssigkeiten  vermögen  nur  von  Innen  kommend  die  Harnröhre^ 
welche  als  ganz  feiner  geschlossener  Spalt  sichtbar  ist,  in  eine  Oeff- 
nung  zu  verwandeln.  Von  Aussen  kommend  würden  sie  in  einem 
sehr  starken  Strahle  auf  die  Hamröhrenmündung  einwirken  müssen, 
um  deren  Lippen  auseinander  zu  drängen.  Da  es  sich  aber  bei 
dem  Trippercontagium  nur  um  eine  geringe  Menge  noch  dazu 
zäher  und  sehr  wenig  bewegter  Flüssigkeit  handelt,  so  ist  das 
Eindringen  derselben  mit  Becht  räthselhaft,  wenngleich  wir  uns  den- 
ken können,   dass  nur  ein  sehr  geringes  Quantum  nöthig  ist,   um 

42 


658  Centralblatt  fdr  Chirurgie.    No.  42. 

eine  Harnröhre  zu  inficiren.  Wenn  das  Trippersecret  auf  die  Con- 
junctiva  verpflanzt  wird;  so  ist  uns  der  Mechanismus  viel  leichter 
verständlich.  Ein  relativ  fester  Gegenstand,  z.  B.  der  Finger^  an 
dem  etwas  Secret  haftete,  strich  über  das  Auge,  um  es  auBZuwischen; 
dadurch  wurde  der  innere  Lidrand  etwas  herausgekehrt ,  und  kam 
mit  dem  inficirenden  Finger  in  Berührung;  das  Gift  war  nach  Art 
einer  Salbe  eingestrichen. 

Dass  das  Trippersecret  wirklich  während  des  verdächtigen  Coitus 
in  die  Harnröhre  eingebracht  wurde^  und  nicht  etwa  später  dadurch^ 
dass  vielleicht  an  der  Eichel  und  dem  Praeputiiun  Infectionsstofie 
hängen  geblieben  waren  ^  und  von  da  aus  nach  der  Harnröhre  sich 
einschlichen,  dafür  giebt  es  mancherlei  Gründe.  Es  würden  zunächst 
alle  Individuen,  die  der  Vorhaut  beraubt  sind,  eine  gewisse  Immu- 
nität gegen  die  Infection  besitzen.  Denn  wenn  schon  die  Schleim- 
haut der  Eichel  auch  bei  unbeschnittenen  Individuen  sehr  wenig  Ten- 
denz für  die  Infection  durch  Trippercontagium  hat,  um  wie^  viel  we- 
niger wird  die  Schleimhaut  einer  entblössten  Eichel,  welche  schon 
mehr  dem  Charakter  der  Oberhaut  sich  nähert,  das  Gift  beherbergen. 
Es  würde  sich  dasselbe  leicht  an  den  Kleidungsstücken  abreiben, 
und  höchstens  an  der  Corona  glandis  haften,  wo  es  aber  wieder  zu 
weit  entfernt  von  der  Urethralmündung  wäre.  Diese  Immunität 
besteht  jedoch  durchaus  nicht,  wie  z.  B.  die  Praxis  bei  den  israe- 
litischen Patienten  lehrt.  —  Femer  ist  es  eine  Erfahrung,  welche 
Specialisten  mit  reichlichem  Material  nicht  selten  machten,  dass 
Leute,  welche  gleich  nach  dem  verdächtigen  Coitus  urinirten, 
resp.  bei  denen  es  zum  baldigen  Samenerguss  kam,  vom  Tripper 
frei  blieben,  während  andere,  die  bei  demselben  Individuum  den 
Coitus  nicht  vollständig  ausführten,  oder  spät  urinirten,  davon  be- 
fallen wurden.  Zur  Erklärung  dieser  Thatsache  bleibt  nichts  an- 
deres übrig,  als  dass  das  Gift  schon  während  des  Coitus  in  die 
Harnröhre  gedrungen  war  und  durch  die  Flüssigkeiten  wieder  hin- 
weggeschwemmt wurde.  Bei  einem  länger  dauernden,  oder  wieder- 
holten Coitus  hat  sich  dagegen  das  Gift  zu  schnell  imbibirt,  und 
kann  nicht  mehr  ganz  durch  vorbeipassirende  Flüssigkeiten  hinweg- 
schwemmt werden. 

Zeissl  hat  in  seinem  Lehrbuche  der  Syphilis  nun  folgende 
Theorie  aufgestellt,  um  das  Eindringen  des  Trippersecrets  in  die 
Urethra  zu  erklären.  Die  Urethralmündung  des  Mannes  sei  aller- 
dings fest  geschlossen,  aber  beim  Eindringen  des  turgescirenden  mem- 
brum  virile  in  die  Vagina  werde  die  Hamröhrenmündung  auf  mecha- 
nische Weise  etwas  geöffnet,  indem  die  beiden  Lefzen  derselben  etwas 
auseinandertreten.  Es  entstehe  dadurch  ein  luftleerer  Raum  zwischen 
denselben,  der  vermöge  des  physikalischen  Gesetzes  von  einem  Tröpf- 
chen der  etwa  in  der  Vagina  befindlichen  Flüssigkeit  erfüllt  werde, 
und  dieser  werde  dann  um  so  sicherer  dort  zurückgehalten,  als  die 
Zurückziehung  des  Penis  das  Ostium  cutaneum  urethrae  jedesmal  wie- 
der schliesse.     Dadurch  sollen  bei  dem  wiederholten  Vorwärts-  und 


CeatxftUblatt  fOr  Chirurgie.    No.  42.  650 

BückwärtBbewQgen  iea  Penis  nach  und  naeh  mehrere  Tröpfchen  in 
der  Urethra  angesaimaalt  kreiden,  und  es  sucht  Zeissl  den  Beweis 
seiner 'Theorie  in  den  oben  angefuhrteo  Thatsachen^  dass  das  Gift 
durch  Sperma  oder.  Urin  wieder  hiaweggeschwemmt  werden  könne. 

Dieser  Theorie  widerspricht  Fr.  Wilh.  Müller  in  seiher  Patho- 
logie und  Therapie  des  Hamröhrentrippers.  Nach  Müller  und  Ande- 
ren kommt  die  Infection  sp  zu  Stande,  dass  eine  Berührung'  der  Harn- 
röhrenlippen  bei  fest  geschlossener  Harnröhre  mit  dem  anomalen  Secret 
erfolgt^  und  dass  selbst  bei  einem  flüchtigen  Coitus  der  roUständige  und 
unmiUelbare  Contact  der  Hararöhrenmündung  mit  der  erkrankten  Schei- 
denschleimhaut  Yollkommen  genügend  sei.  Von  der  äusseren  Mündung 
der  Urethra  aus  breite  siojh  dann  die  Entzündung  gleichmäsaig  längs 
der  fossa  navicularis  auf  die  weiteren  Thei}e  des  Canals  aus..  Müller 
citirt  für  dieselbe  Absicht  unter  Andern  auch  Ri.tjter  und  Dsondi. 

Piese  leichte  Entzündlichkeit  der  Harnröhrenlippen  ist  schwer 
zu  begreifen.  Denn  dieselben  haben  das  gleiche  Epithel  auf  ihrer 
Oberflache,  und  doch  wohl  dieselben  Eigenschaften,  wie  der  Ueber- 
zug  der  ganzen  Eichel  j  welche  für  die  Infection  mit  Trippersecret 
sehr  erschwerende  Verhältnisse  darbietet.  Im  Gegentheü  müssen 
wir  annehmen,  dass,  wenn  im  weiteren  Verlauf  des  Trippers  die  äus- 
seren Hamröhrenlippen  geröthet  und  geschwollen  erscheinen,  dies 
als  eine  von  Innen,  nicht  yon  Aussen,  kommende  Entzündung 
aufzufassen  ist,  bei  der  wir  die  primäre  Entzündung  in  der  Urethra 
finden. 

Von  dem  Einwände  Ritters,  dass  eine  Flüssigkeit  gar  nicht  in 
der  Urethra  zurückbleiben  könne,  da  sie  durch  den  natürlichen  Col- 
laps  derselben  wieder  herausgepresst  werde,  müssen  wir  ganz  Abstand 
nehmen,  da  bei  bestehendem  Tripper  ein  massenhaftes  Secret  zwi- 
schen den  collabirten  Hamröhrenwänden  Platz  hat. 

Was  nun  die  von  Zeissl  angestellte  Theorie  anlangt,  so  kön- 
nen wir  uns  ebenfalls  nicht  ganz  dadurch  befriedigt  fühlen.  Wenn 
wir  auch  zugestehen  müssen,  dass  jedenfalls  die  vorher  geschlossene 
Harnröhre  intra  coitum  sich  zeitweise  öflnet,  so  will  uns  die  Lehre 
von  der  Bildung  eines  luftleeren  Raumes  nicht  einleuchten,  durch 
den  die  Infection  zu  Stande  kommen  soll.  Es  setzt  diese  Theorie 
immer  das  Vorhandensein  eines  sehr  reichlichen  Secrets  voraus,  und 
doch  wissen  wir,  dass  lufectionen  möglich  sind  bei  Individuen,  bei 
denen  eine  Untersuchung  kaum  ein  Secret  constatiren  konnte. 

Wie  sollen  wir  uns  nun  aber  das  Eindringen  des  Giftes  in  die 
Harnröhre  erklären? 

Betrachten  wir  die  Hamröhrenmündung,  so  ist  sie  allerdings  ein 
fest  geschlossener  Spalt.  Dieser  Spalt  läset  sich  aber  sehr  leicht  öff- 
nen, wenn  wir  in .  seiner  unmittelbaren  Nähe  mit  den  Fingern  ver- 
tikal zu  seiner  Längsrichtung  etwas  nach  hinten  einen  seitlichen 
Druck  oder  Zug  ausüben.  Ja  noch  mehr,  es  bildet  sich  ein  deut- 
liches Ectropium  der  innem  Hamröhrenschleimhaut,  so  dass  zwei  er- 
habene oval  gestaltete  bläulich  rothe  Wülste  entstehen.   Diese  Schleimr 

42» 


660  CentralblaU  far  Cbiroigie.    No.  42. 

hautwälste  sind  um  so  beträchdicber^  je  weiter  die  Hamrolixe  überhaupt 
ist.  Zwischen  ihnen  ist  der  weitere  Verlauf  der  Harnröhre  durch 
eine  Vertie6ing  angedeutet.  Man  kann  nun  8<^t  auf  die  schon 
auegestälpten  Theile  nochmals  die  Finger  aufsetzen  und  durch  wei- 
teres Auseinanderziehen  noch  tiefer  liegende  Theile  der  Urethra  heraus- 
stülpen. 

Setzt  man  die  Finger  in  longltudinaler  Richtung  des  Harnröhren- 
Spaltes  auf,  so  wird  dieselbe  beim  Zug  oder  Druck  noch  intensiver, 
als  im  gewöhnlichen  Zustande  geschlossen.  Uebt  man  nun  aber 
^eichzeitig  mit  zwei  Fingern  den  longitudinalen  und  mit  zwei  an- 
deren Fingern  den  transversalen  Zug  aus,  so  stülpt  sieh  eine  noch 
beträchtlichere  Partie  der  Urethralschleimhaut  aus,  als  wenn  der 
transversale  Zug  allein  angewendet  wurde.  Dies  beruht  darauf,  dass 
die  Hamröhrenmündung  zwei  Commissuren  an  ihren  beiden  End- 
punkten besitzt;  werden  diese  durch  den  longitudinalen  Zug  abge- 
zogen, so  kann  die  herausgestülpte  Schleimhaut  freier  heraustreten.  — 
In  dieser  Weise  kann  nun  eine  Schleimhautfläche,  je  nach  der  Weite 
der  Harnröhre  —  von  einem  halben  bis  zu  drei  Vierteln  eines  Quad- 
ratcentimeters  hervorgestülpt  werden.  Ich  habe  dieses  Experiment  an 
vielen  Individuen,  nicht  blos  Trippeikranken,  sondern  so  oft  sich 
nur  bei  Patienten  Gel^enheit  zur  Untersuchung  der  Genitalien  bot, 
geübt.  Namentlich  habe  ich  bei  den  militärischen  monatlichen  Unter- 
suchungen der  Mannschaften  auf  diese  theilweise  Untersuchung  der 
Urethra  während  meiner  Dienstzeit  besondere  Rücksicht  genommen. 

Wir  müssen  gestehen,  dass  wenn  intra  coitum  durch  den  Zug, 
den  die  Eichel  beim  Vordringen  in  die  Vagina  erfahrt,  eine  gleiche 
Hervorstülpung  der  Urethralschleimhaut  stattfindet,  eine  hinlängliche 
Erklärung  ^für  gegeb^i  ist,  wie  das  Trippersecret  in  die  Harnröhre 
kommt.  Denn  wenn  eine  so  beträchtliche  Schleimhautfläche  der 
Urethra  von  einer  halben  bis  zu  drei  Vierteln  eines  Quadratcentime- 
ters  mit  der  erkrankten  Schleimhaut  der  Vagina  in  direkte  Berührung 
käme »  so  können  Entzündungsprodukte  sehr  leicht  von  der^  einen 
Schleimhaut  auf  die  andere  übertragen  werden,  und  bei  der  grossen 
Reizbarkeit  der  Urethra  Boden  fassen.  Vergegenwärtigen  wir  uns 
aber,  dass  beim  Eindringen  des  Penis  in  die  Vagina  die  Schleimhaut 
der  letzteren  die  Eichel  genau  umschliesst  —  auch  an  der  Spitze 
der  Eichel  —  so  muss  beim  Vordringen  eine  von  allen  Seiten  gleich- 
massig  erfolgende  Zerrung  der  Eicheloberfläche  durch  die  Vaginal- 
wände vom  Centrum  nach  der  Peripherie  und  nach  hinten  zu  statt- 
finden. Da  nun  im  Centrum  durch  die  Urethralöfinung  der  Ort  ge- 
geben ist,  wo  die  gezerrten  Weichtheile  der  Eichel  am  ehesten  nach- 
geben können,  so  wird  sich  die  Urethra  öffnen  und  hervorstülpen, 
gerade  wie  bei  der  Oeflhung  durch  die  Finger.  Nur  wird,  da  der 
Zug  der  Vaginalwände  viel  gleichmässiger  von  allen  Seiten  vertheilt 
ist,  die  Hervorstülpung  auch  eine  vollkommenere  sein.  Man  könnte 
mir  nun  einwenden,  dass  bei  der  Immissio  penis  die  Turgescenz  der 
Eichel  eine  so  bedeutende  wäre,  dass  die  Weichtheile  der  Eichel  nicht 


Centralblätt  fllr  Chirurgie.    No.  42.  661 

von  der  Urethra  her  nachgeben^  und  das  Ectropium  deshalb  nicht 
eu  Stande  kommen  könnte.  Die  Eichel  ist  aber  g^en  Druck  ein 
naohgiebiges  Organ,  irie  wir  bei  der  Reposition  der  Paraphimose 
z.  B.  sehen;  die  Vaginalwände  machen  also  durch  Druck  ebenÜEdls 
die  Eichel  weniger  strotzend  und  dadurch  nachgiebiger;  auch  ist  es 
überhaupt  nicht  denkbar^  dass  die  Eichel  bei  stärkster  Füllung  starr 
und  unnachgiebig  werden  könnte,  wie  die  Corpora  eavemosa  penis, 
sie  wird  stets  eine  mehr  weiche  elastische  Masse  darstellen.  Sie  wird 
sich  aber  beim  Eindringen  in  die  Vagina  um  so  leichter  verkleinern, 
da  sie  von  vom  dem  elastischen  Druck  der  Vaginalwände,  und  von 
hinten  dem  der  temporär  unnachgiebigen  corpp.  cavem.  penis  aus- 
gesetzt ist. 

Man  könnte  mir  einwenden,  dass  die  Urethra  in  ihrer  Länge 
bei  der  Erection  ad  maximum  gespannt  und  ausgedehnt  wäre,  und 
dass  deshalb  eine  weitere  Dehnung  durch  Ausstülpung  wenigstens 
im  erigirten  Zustande  nicht  möglich  wäre.  Gkmz  abgesehen  davon, 
dass  die  Urethralschleimhaut  wdiil  auch  bei  stärkster  Spannung  des 
Gliedes  als  ein  ursprünglich  faltenreiches  Organ  der  weiteren  Aus- 
dehnung fähig  sein  wird,  so  muss  man  doch  auch  in  Rechnung  zie- 
hen, da«s  durch  den  oben  erwähnten  Druck  der  Vaginalwände  und 
der  corpp.  cavemosa  die  Eichel  von  vom  nach  hinten  comprimirt 
wird,  und  dass  durch  diese  Verkürzung  schon  wieder  ein  Stück  für 
die  Dehnbarkeit  der  Urethra  gewonnen  wird. 

Der  Mechanismus  der  Tripperinfection  würde  also  auf  folgende 
Weise  zu  erklären  sein.  Beim  Eindringen  des  Penis  in  die  Vagina 
wird  die  Urethra  durch  den  zum  Theil  seitlichen  Zug  der  Vaginal- 
wände geöffiiet,  und  ein  Ectropium  der  Schleimhaut  der  Harnröhren- 
mündung gebildet.  Dieses  Ectropium  kommt  durch  seine  Lage  und 
und  durch  den  Zug,  den  das  Frenulüm  praeputü  auf  die  Hamröhren- 
mündung  ausübt,  mit  der  hintern  Vaginalwand  in  direete  Berührung, 
und  gleitet  auf  letzterer  aufveärts.  (Da  das  Ectropium  nunmehr  die 
Spitze  der  Eichel  bildet,  kann  es  selbst  wieder  einem  Zuge  von 
Seiten  der  Vaginalwände  ausgesetzt  sein.)  Beim  Zurückziehen  des 
Penis  geht  die  ausgestülpte  Urethralschleimhaut  in  ihre  ursprüngliche 
Lage  zurück,  und  die  Hamröhrenmündung  schliesst  sich,  um  bei  er- 
neutem Vordringen  wieder  ausgestülpt  zu  werden.  Auf  diesem  Wege 
sind  nun  mannigfache  Momente  vorhanden,  die  das  Zustandekommen 
einer  Inf ection  begünstigen  können.  Dahin  gehört  zunächst  ein  lange 
ausgedehnter  Coitus.  Wir  können  uns  leicht  vorstellen,  wie  durch 
das  häufigere  Aufvrärtsgleiten  die  schädlichen  Stoffe  in  die  Schleim- 
haut der  Harnröhre  intensiver  eingerieben  werden,  und  wie  dieselbe 
dabei  sogar  ihr  Epithel  theilweise  verlieren  kann.  —  Ein  Hypospa- 
diacus  wird  sich  leichter  infidren,  da  das  Ectropium  bei  ihm  in  seiner 
ganzen  Ausdehnung  mit  der  hinteren  Vaginalwand,  welche  haupt- 
sächlich die  Trägerin  der  Seerete  ist,  in  Berührung  kommt.  Ein 
Mensch  mit  weiter  Harnröhre  bietet  mehr  Schleimhautfläehe  der 
Urethra  dar;   ein   Mensch  mit  grossen   Genitalien  setzt  sich  einem 


662  Centralblatt  fflr  CHinugie.    No.  42. 

stärkeren  Zuge  der  Vaginalwände  aus,  wodurch  das  Ectropium 
der  Harnröhre  viel  bedeutender  wird.  Dasselbe  findet  naturlich 
auch  bei  enger  Vagina  statt.  Das  Gleiche  ist  der  Fall  bei  einem 
Individuum^  das  mit  einer  Phimose  behaftet  ist>  da  die  Vagi- 
nalwände an  dem  Präputium  einen  bessern  Halt  als  an  der  glat^ 
ten  Eichelfläcfae  finden^  die  Zerrung  dadiu^h  vermehrt  wird^  und 
das  Praeputium  nun  die  Ausstülpung  der  Harnröhre  vermittelt^ 
u.  8.  w. 

Es  erklärt  sich  auch  hinlänglich,  warum  durch  die  passirenden 
Flüssigkeiten  die  inficirten  Theile  wieder  abgewaschen  werden  kön- 
nen, so  dass  die  Ansteckung  verhütet  wird;  ebenso  erklärt  es  sich, 
warum  bei  einem  unvollkommenen  Coitus,  we  kein  Samenexguss 
stattfand;  leichter  eine  Infection  Platz  greifen  kann. 

Ebenso  wie  das  Trippersecret  in  die  Harnröhre  durch  Ectropium- 
bildung  gelangt,  ebenso  mü^ssen  wir  es  uns  vorstellen,  dass  Secrete 
von  Geschwüren  dott  hineingelangen  können,  und  zu  neuen  Ge- 
schwüren Veranlassung  geben.  Nur  ist  dieses  Vorkommniss  verhält- 
nissmässig  selten,  da  die  Geschwüre  beim  Weibe  meistentheÜs  den 
Introitus  der  Vagina  einnehmen;  wo  also  der  eindrängende  Penis  noch 
keine  solche  Zerrung  durch  die  Vaginal  wände  erKtten  hat,  dass  das 
Ectropium  hervorträte.  Jedoch  ist  auch  von  hier  aus  unter  Um- 
ständen eine  Infeeition  denkbar,  wenn  man  die  grosse  Nachgiebigkeit 
der  Hamröhrenlippen  kennt,  und  sich  vorsteUt,  dass  der  Penis 
durch  Zu£Edl  gegen  die  Gesohwür^egend  angedrängt  wurde,  wodurch 
ein  theilweises  Ectropium ,  vielleicht  nur  der  einen  Hamröhrenlippe, 
veranlasst  werden  kimn. 

Therapeutisch  Hesse  sich  wohl  noch  einiges  über  die  Abor- 
tivbehandlung  des  Trippers  anknüpfen.  Es  ist  nämlich  nach  dem 
Gesagten  wohl  nicht  unmöglich ,  dass  *  kurze  Zeit  nach  dem  Coitus 
eine  Infection  beseitigt  werden '  könnte ,  wenn  man  künstlich  mit 
den  Fingern  das  Ectropium  der  Hamröhrenschleimhaut  bildete,  und 
dasselbe  mittelst  eines  Pinsels  reinigte,  der  in  ein  Chainilleninfus, 
eine  schwache  Chlorkalisolution ,  verdünntes  Chlorwasser,  oder  der- 
gleichen desinfidrende  Lösungen  getaucht  wäre.  Man  würde  natür- 
lich starke  Mittel  vermeiden  müssen,  da  durch  dieselben  die  Urethra 
noch  mehr  gereizt  werden  könnte.  Es  versteht  sich  von  selbst,  dass 
nur  kurze  Zeit  nach  der  Infection  eine  solche  Reinigung  Aussicht 
auf  Erfolg  bieten  kann,  da  nur  so  lange  die  inficirenden  Stoffe  noch 
einigerinassen  lose  der  Schleimhaut  aufsitzen ,  eine  Entfernung  mög- 
lich sein  dürfte.  Immerhin  wäre  es  rathsam,  versuchswdse  in  den 
ersten  Stadien  des  Trippers  solche  Auspinselungen  noch  vornehmen 
zu  lassen,  so  lange  überiianpt  von  einer  abortiven  Behandlung  die 
Bede  ist.  Denn  dass  bei  Injectionen  von  Medicamenten  zu  diesem 
Zweck  mit  der  Spritze  gerade  die  am  meisten  befallenen  Theile  durch 
den  Spritzenschnabel  von  den  Medicamenten  abgesperrt  werden,  liegt 
auf  der  Hand.  —  Mir  sind  in  meiner  Praxis  nur  zwei  Fälle  vorge- 
kommen, wo  ich  Gelegenheit  hatte,  kurve  Zeit  nach  dem  verdächtigen 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  42.  663 

Coitus  solche  Aaspinselungen  Yorzunehmen.  Eine  Infection  hat  bei 
beiden  Individuen  nicht  stattgefunden,  ob  aber  die  Keinigung 
mittelst  des  Pinsels  die  Veranlassung  zu  diesem  günstigen  Umstände 
war,  kann  ich  um  so  weniger  behaupten,  als  ich  keine  Gelegenheit 
hatte,  mich  mit  eigenen  Augen  davon  zu  überzeugen,  dass  die  betr. 
weiblichen  Individuen  mit  Gonorrhoe  behaftet  waren,  und  mich  hierin 
auf  die  Aussagen  der  Fat.  verlassen  musste.  Von  einer  jener  Per- 
sonen wurde  übrigens  noch  constatirt,  dass  die  Menses  zur  Zeit  des 
Coitus  noch  nicht  abgelaufen  waren. 


A.  Thilo.     Ueber  die  Häufigkeit  scrophulöser  Erkrankungen 

bei  phthisischer  Familienanlage. 

(Inaog.-Diss.  Kiel.   1875.) 

Esmarch  hat  in  den  letzten  Jahren  bei  den  vielen  in  der 
Kieler  Klinik  vorkommenden  scrophulösen  Erkrankungen  durch  die 
Anamnese  zu  erfahren  gesucht,  ob  die  Eltern  der  Ejranken  oder  an- 
dere Familienmitglieder  an  ähnlichen  Erkrankungen  leiden  oder  ge- 
litten haben.  Die  Resultate  hat  Th.  in  seiner  Dissertation  nach 
einer  allgemeinen  Einleitung  in  einer  Statistik  veröffentlicht.  Auf  der 
stationären  Klinik  wurden  vom  1.  Jan.  1873 — 31.  Dec.  1874  behandelt 
74  scrophulöse  Krankheiten.  In  Betreff  der  Gesundheitsverhältnisse 
der  Familie  wurde  angegeben:  Phthisis  der  Eltern  oder  Grosseltem 
29  mal,  Phthisis  der  Geschwister  oder  naher  Blutsverwandten 
4mal,  nur  Scrophulöse  der  Eltern  3mal,  nur  Scrophulöse  der  Ge- 
schwister 5mal,  gesunde  Familienverhältnisse,  insbesondere  keine 
Phthisis  ISmal,  Nichts  16mal.  In  der  ambulanten  Klinik  kamen  in 
derselben  Zeit  130  scrophulöse  Erkrankungen  zur  Beobachtung.  Die 
Anamnese  ergab:  Phthisis  der  Eltern  oder  Grosseltern  21  mal,  Phthisis 
der  Geschwister  oder  naher  Blutverwandten  3mal,  nur  Scrophulöse 
der  Eltern  3mal,  nur  Scrophulöse  der  Geschwister  Imal^  Lues  des 
Vaters  Imal,  gesunde  Familienverhältnisse,  insbesondere  keine  Phthisis 
lOmal,  Nichts  9 Imal.  Lässt  man  diejenigen  Fälle,  in  denen  Nichts 
zu  ermitteln  war,  ausser  Betracht,  dann  ergiebt  sich,  dass  in  mehr 
als  der  Hälfte  aller  Fälle  Phthisis  der  Eltern  oder  Grosseltern  vor- 
handen war.  Verf  zieht  den  Schluss,  dass  »hier  die  Anerbung  der 
Scrophulöse  der  Kinder  auf  Phthisis  der  Eltern  zurückzuführen  ist.a 

Ferner  giebt  Th.  eine  Zusammenstellung  der  vom  1.  Juli  1872 
— 31.  Dec.  1874  auf  Esmarch's  Klinik  beobachteten  lupösen  Er- 
krankungen. Aus  derselben  geht  hervor,  dass  »einmal  der  Lupus  bis 
in  das  höchste  Alter  hinein  vorkommt  und  hier  vorwiegend  im  übrigen 
gesunde  Personen  befällt,  zweitens  aber,  dass  bei  jüngeren  Individuen 
(unter  35  Jahren)  der  Lupus  in  weit  über  der  Hälfte  aller  Fälle  mit 
Scrophulöse  combinirt  ist.a  Phthisis  der  Eltern  lag  in  34,6^  aller 
Fälle  und  in  48,5  )i^  aller  derer  vor,  wo  die  Erkrankten  das  35.  Le- 
bensjahr noch  nicht  überschritten  hatten,  femer  in  32,1  )i^  aller  der- 


664  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  42. 

jenigen  Fälle,  wo  die  an  Lupus  Erkrankten  zugleick  scrophulös  ge- 
wesen waren.  An  der  Hand  von  4  Krankengeschichten  zeigt  Th. 
alsdann,  dass  der  Lupus  direct  yon  einer  scrophulosen  Erkrankung 
ausgehen  kann,  und  kommt  zuletzt  zu  dem  Schluss,  dass  der  Lupus 
vorwiegend  eine  s er ophulöse  Erkrankung  sei,  ohne  damit  sagen 
zu  wollen,  dass  jeder  Lupus  scrophtdös  sei.  Fetersen  (Kiel). 


W*  Haorae.    Notes  on  the  distinction  of  the  sensations  of 
touch,  pain,  and  heat  in  the  sentient  nerves  of  lepers. 

(Med.  tim.  and.  gaz.  1875.  Juli  31.  p.  118.) 

M.  wurde  im  Aussatzspital  zu  Madras  zu  Untersuchungen  über 
die  Anästhesie  nach  ihren  verschiedenen  Richtungen  hin  angeregt, 
als  er  die  allgemeinen  Sensibilitätsprüfungen  bei  wiederholten  Unter- 
suchungen sehr  widersprechende  Resultate  geben  sah. 

Die  Ausdehnung  des  Verlustes  der  Tast-  und  Sohmerzempfindung 
war  sehr  oft  verschieden,  und  zwar  war  meistens  die  Schmerzempfin- 
dung in  grösserer  Ausdehnung  verloren ;  doch  constatirte  er  das  um- 
gekehrte Verhalten  in  2  Fällen.  Die  Defecte  waren  meist  symme- 
trisch und  traten  auf  den  Extensorenseiten  früher  auf  ^  als  auf  der 
Flexorenseite ;  sie  begannen  meist  an  den  distalen  Enden  der  Extre- 
mitäten. Isolirte  Stellen  mit  Verlust  der  Sensibilität  entsprachen 
nicht  immer  erkrankten  Hautpartieen.  Im  allgemeinen  entsprach  die 
Ausdehnung  der  fehlenden  Schmerzempfindung  auch  einem  Verluste 
des  Wärmesinnes.  Eine  Ausnahme  bUdete  ein  2  t jähriger  Fat.^  der 
Wärmeempfindung  trotz  des  Verlustes  der  Schm^zempfindung  in  den 
Fingern  behalten  hatte.  In  keinem  Falle  konnte  Muskelanästhesie 
constatirt  werden.  Bänke  (Halle). 


Eckhard.    Uebersicht  des  jetzigen  Standes  unserer  Kenntnisse 

über  die  Centren  der  Gref&ssnerven. 

(Pester  med.  chir.  Presse  1875.  No.  4,  5,  6»  9.] 

Nachdem  Bernard  1853  den  Halssympathicus  mit  bekanntem 
Effect  durchschnitten,  sahen  Budge,  Brown-S^quard  und  Schiff 
auch  nach  Bückenmarksdurchschneidungen  Gefassdilatation  und  Tem- 
peraturerhöhung gewisser  Körpertheile.  Man  schloss  hieraus  unrichtig 
auf  den  Ursprung  der  Gefassnerven  im  Bückenmark.  Wharton 
und  Bernard  constatirten  hierauf:  keine  Gefassdilatation  nach 
Durchschneidung  der  Ischiadicuswurzeln  im  Wirbelcanal;  wohl  aber^ 
wenn  unterhalb  der  Vereinigung  mit  dem  Sjrmpathicus  durchschnitten 
wurde.  Hieran  knüpfte  sich  wieder  der  Trugschlüsse  dass  im  Sym- 
pathicus  das  Gefassnerrencentrum  liege.  —  Gegen  Wharton 
wandte  sich   Lister^  gegen  Bernard  Ludwig  und  Schiff  mit 


r 


Centaralblatt  für  Chirurgie.   No.  42.  665 

der  (bis  heute  nicht  widerlegten)  Behauptung^  dass  die  die  Gefäta- 
lumina  regulirenden  Einflüsse  auf  die  ganze  Länge  des  Bückenmarks 
yertheilt  seien.  Später  erzeugte  Budge  Gefässverengerung  (Ohr] 
durch  Reizung  der  Grosshirnschenkel  und  Andere  durch  Beizung 
der  Yierbügel;  des  Cerebellum^  des  Grosshims.  Man  darf  hieraus 
nur  schliessen^  dass  von  den  genannten  Stellen  aus  die  fraglichen 
Gefässnervencentra  gereizt  werden  können.  Der  Begriff  eines  Ner- 
vencentrums  verlangt  den  Nachweis,  dass  bei  Erhaltung  gewisser 
Theile  des  Centralorgans  die  peripheren  Gefässlumina  spontan  oder 
reflectorisch  noch  Veränderungen  zeigen,  welcbe  nacb  Zerstörung  jener 
dauernd  in  Wegfall  kommen.  Die  Veränderung  der  Gefässlumina 
erkennt  man  1)  aus  dem  veränderten  Blutdruck^  2]  aus  Temperatur- 
veränderungen der  betroffenen  Theile^  3)  an  dem  direct  beobachteten 
Gefasscaliber.  —  Verf.  kam  unter  Zuhülfenahme  der  Methode  3)  zu 
demselben  Resultat,  wie  Ludwig  bei  Anwendung  der  Methode  1) 
—  nämlich,  dass  das  Centrum  sämmtlicher  (?)  GefHssnerven  im  un- 
teren Theile  des  Bodens  des  vierten  Ventrikels  zu  suchen  und  bei 
Kaninchen  ungefähr  Y2  Zoll  lang  ist.  Da  jedoch  die  Beobachtungen  des 
Verf.  sich  nur  auf  die  Ohrarterien  beziehen  und  die  Blutdruckmessun- 
gen Ludwig 's  die  Möglichkeit  nicht  ausschliessen,  dass  vereinzelte 
Körperprovinzen  ihre  besonderen  Gefässnervencentren*  haben,  so  be- 
hält List  er  (s.  oben)  bis  heute  Recht,  um  so  mehr,  als  neuerdings 
Goltz  nach  Durchschneidung  des  Rückenmarkes  z.  B.  die  erigirenden 
Nerven  noch  reflectorisch  erregen  konnte  ( —  reflectorisch  wirkende 
Rückenmarkscentren  für  die  Gefasse,  analog  denen  für  die  Skelet- 
musculatur?).  —  Ausserdem  nimmt  Schiff  im  Verlauf  der  Gefass- 
nerven  selbst  noch  besondere  gefässverengende  Vorrichtungen  an,  weil 
er  nach  Eliminirung  des  Hauptgefässnervencentrums  die  Ohrarterien 
nach  einiger  Zeit  sich  trotzdem  wieder  verengem  sah.  Wie  Verf. 
glaubt,  mit  JJnrecht.  Denn  auch  nach  Durchschneidung  des  N.  hy- 
poglossus  bemerkt  man  nach  einigen  Tagen  flimmernde  Bewegungen 
der  Zungenmuskulatur,  wahrscheinlich  durch  Einwirkung  der  Wund- 
secrete  auf  den  peripheren  Stumpf  des  durchschnittenen  Nerven.  — 
Für  die  Annahme,  dass  die  Ganglien  des  N.  sympathicus  Gefässner- 
vencentren seien,  spricht  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  nur  ein 
(noch  näher  zu  prüfendes)  Experiment  von  Vulpian  (cf.  Original).  — 

Strychnin  in  das  Blut  eingeführt,  reizt  (Sigmund  Mayer), 
Chloralhydrat  im  Gegentheil  lähmt  (Heidenhayn)  das  vasomoto- 
rische Centrum.  Durch  Athemnoth  wird  dasselbe  in  hohem  Grade 
erregt  (Traube,  Gscheidlen  u.  A.).  Bei  apnoischen,  curarisirten 
Thieren,  deren  Vagi  und  Sympathici  durchschnitten  sind,  steigt  der 
Blutdruck  beträchtlich  und  zeigt  dann  isochrone  Schwankungen  (im 
entgegengesetzten  Sinne)  mit  den  Phasen  der  eingeleiteten  künstlichen 
Respiration :  sog.  Athembewegungen  des  Gefasssystems,  ausgelöst  durch 
die  Thätigkeit  des  Respirationscentrums  (Hering). 

Bttpprecht  (Halle). 


666  Centrftlblatt  für  Chirurgie.    No.  42. 

H.  866.     Sur  Ttisage  du  chloral  en  Chirurgie. 

(Journal  de  th^rapeutique  1875.  No.  14;) 

S.  bedient  sich  im  Hospital  Sainte-Eug^nie  seit  circa  einem  Jahr 
fast  ausschliesshch  des  Chlorais  als  Yerbandmittel  und  ist  mit  seinen 
Erfolgen  so  zufrieden,  dass  er  das  Chloral  für  bestimmt  hält,  »alle 
bisherigen  Antiseptica  zu  ersetzen«.  Von  den  vielen  in  Behandlung 
gekommenen  Fällen,  erwähnt  er  2  Amputationen  des  Oberschenkels, 
2  Kesectionen  des  Ellenbogens,  6  Evidements  des  oberen  Theils  der 
Tibia,  2  Resectionen  des  Sprungbeins,  2  complicirte  Unterschenkel- 
fracturen,  eine  in  das  Gelenk  penetrirende  Wunde  des  Ellenbogens, 
zahlreiche  Quetschwimden  mit  ausgedehnten  Blutergüssen,  welche  alle 
unter  dem  Chloralverband  durchaus  günstig  verliefen.  In  mehreren 
Fällen  von  Erysipel  und  diffuser  Phlegmone  genügte  ein  2 — 3tägiger 
Chloralverband,  um  diese  schweren  Complicationen  verschwinden  zu 
lassen.  —  Die  Anwendungsweise  des  Chlorals  ist  sehr  einfach.  Fast 
immer  genügt  eine  1  %  Lösung,  mit  der  die  Wunden  irrigirt  und  in 
der  gewöhnlichen  Weise  verbunden  werden.  Das  Chloral  riecht  ange- 
nehm, ist  nicht  flüchtig  und  hat  keinerlei  irritirende  Eigenschaften. 
Seine  Resorption  bleibt  ohne  alle  üblen  Folgen,  so  dass  es  auch  bei 
Affectionen  des  Mundes  und  Rachens,  sowie  der  Nasenhöhle  ange- 
wendet werden  kann.  In  einem  Fall  wurde  es  sogar  bei  einer  Per- 
foration des  Oesophagus  mit  nachfolgender  Eiterung  im  hintern 
Mediastinalraum  mit  vortrefflichem  Erfolg  angewendet.  Endlich  glaubt 
S.  auch  auf  den  billigen  Preis  des  Mittels  aufmerksam  machen  zu 
müssen,  der  es  zur  Anwendung  in  der  Spitalpraxis  besonders  geeignet 
i]QiLcht. ' —  0.  Tolkmanii  (Eettwig). 

Nicaise.     Transfusion  du  sang  dans  le  tissu  cellulaire. 

(Gaz.  m^d.  1875.  No.  33.) 

Bei  einer  an  Uterusoarcinom  leidenden  fast  moribunden  Kranken 
wurde  von  N.  die  Transfusion  gemacht,  als  in  Folge  einer  plötzlichen 
Bewegung  die  Kanüle  aus  der  Vene  glitt,  so  dass  trotz  sofortiger 
Unterbrechung  der  Operation  circa  15  Gramm  Blut  in  das  subcutane 
Zellgewebe  drangen.  Die  hierdurch  entstandene  massige  Anschwellung 
war  schon  am  nächsten  Tag  vollständig  verschwunden  und  der  Zu- 
stand der  auf  das  äusserste  herabgekommenen  Kranken  nicht  unwe- 
sentlich gebessert  (?  Ref.).  Tod  nach  2  Tagen.  Die  Autopsie  ergab, 
dass  das  Extravasat  vollständig  verschwunden  und  an  seiner  Stelle 
nur  das  Zellgewebe  schwärzlich  verfärbt  war.  Die  Einstichsstelle  in 
der  Vene  war  obliterirt,  die  Venenwandungen  etwas  verdickt.  Ober- 
halb der  Einstichsstelle  befand  sich  in  dem  etwas  verengten  Venen- 
lumen ein  dünner  circa  3  Ctm.  langer  Thrombus. 

Mit  Bezug  auf  diesen  Fall  lenkt  N.  die  Aufmerksamkeit  auf  den 
schon  von  Karst  1873  angeregten  Gedanken,  die  intravasculäie 
Transfusion   durch   die   in   das   subcutane   Zellgewebe    zu    ersetzen. 


Centralbktt  fßr  Cbifurgie.    No.  42.  667 

Karst;  später  Landenberger^  Poncet  u.  A.  fanden  bei  ibren 
an  Thieren  angestellten  Versuchen  ^  dass  das  in  das  subcutane  Zell- 
gewebe injicirte  Blut  ausserordentlidi  schnell  resorbirt  wird.  Es 
treten  dabei  keinerlei  locale  oder  allgemeine  Störungen  ein^  wenn  das 
Blut  von  derselben  Tbierart  entnommen  ist^  defibrinirt  wird  und  eine 
Temperatur  von  37-^38^.  hat.  Bei  Entnahme  des  Blutes  von  an- 
deren Thiergattungen  erfolgte  zwar  die  Resorption  ebenfalls  sehr 
sehn  eil  f  doch  erlagen  die  Yersuchsthiere  schon  nach  kurser  2^it.  .— 

0.  Tolkmann '  (Slettwig) . 


Schuster.     Die  Epitheltrdbungen  der  Mundschleimhaut  bei 

Syphilitischen. 

(Archiv  d.  Heilkunde,  16.  Jahrg.  Hft.  5  u.  6.) 

Verf.  setzt  auseinander^  dass  die  Epitheltr Übungen  nicht  Folge 
von  Mercurialcuren  9  sondern  meist  bei  Leuten  zu  finden  seien  ^  die 
das  acute  Stadium  der  Syphilis  überwunden  hätten,  die  aber  die 
Mundschleimhaut  mannigfachen  localen^  mechanischen  Beizen ,  z.  B. 
durch  Tabakrauchen  aussetzten.  In  wie  weit  ein  damit  behaftetes 
Individuum  noch  fähig  ist,  andere  anzustecken,  oder  das  Gift  mit 
dem  Sperma  zu  übertragen,  lässt  sich  noch  nicht  mit  Sicherheit  be- 
stimmen. 

Die  Therapie  ist  besonders  eine  locale,  d.  h.  besteht  in  Lapis- 
ätzungen, verbunden  mit  einer  »Provocationscur«.  Nur  wo  noch  an- 
dere Symptome  hartnäckiger  Syphilis  bestehen,  sei  eine  specifische 
Cur  einzideiten.  A»  Bldder  (Mannheim). 

Bondot«     Sarcome  du  lobule  de  roreille. 

(Qaz.  rn^d.  1875.  No.  25.  p.  319.) 

Bei  einer  42jährigen  Frau  war  ohne  jede  nachweisbare  Ursache 
im  20.  Lebensjahr  eine  kleine  Anschwellung  des  rechten  Ohrläppchens 
entstanden,  aus  der  sich  im  Lauf  der  Jahre  ein  5  Ctm.  langer,  3,5 
Ctm.  breiter,  flacher,  weicher  Tumor  ausgebildet  hatte.  In  der  letz- 
ten Zeit  war  seine  Oberfläche  an  einigen  Stellen ,  namentlich  am 
hintern  Rand,  sowie  unterhalb  des  Tragus  ulcerirt.  Uebrigens  hatte 
die  Gesehwulst,  abgesehen  von  einigen  Schmerzen,  die  sich  besonders 
zur  Zeit  der  Menstruation  bemerklich  machten,  nie  besondere  Be- 
schwerden verursacht.  Die  benachbarten  Drüsen  waren  frei  —  Exstirpa- 
tion  des  Tumors.  Das  Mikroskop  bestätigte  die  auf  Sarcom  gestellte 
Diagnose. 

R.  macht  auf  das  höchst  seltene  Vorkommen  von  Sarcomen  am 
Ohrläppchen  aufmerksam.  Die  an  dieser  Stelle  auftretenden  Tumoren 
sind  meist  reine  Fibrome,  die  sich  bisweilen  aus  cicatricicllen  Keloiden 
entwickelt!.  Nach  einem  1864  erschienenen  Bericht  von  Sdint-Vel 
sind  namentlich  die  erwachsenen  Negerfrauen  zur  Entstehung  dieser 


6ßS  Centralblatt  fftr  Chirnfgie.    No.  42. 

GeBchwüUte  disponirt  und  zwar  in  Fo%e  der  unter  ihnen  yerbreiteten 
Sitte  I  sehr  schwere  Ohrringe  zu  tragen.  Das  Klima  soll  auf  die 
Ausbildung  dieser  fast  immer  recidivirenden  Geschwülste  ohne  Einfluss 
sein.  Nach  Campbell^  der  sie  häufig  bei  den  Einwohnern  von 
Nepul  fand,  treten  sie  nicht  selten  gleichzeitig  mit  Struma  auf. 

0.  YoUnuMUi  (Kettwig). 

Maiinder.     A  Suggestion  conceming  the  Operation  for  rup- 

tured  Perineum. 

(Med.  tim.  and.  gai.  1875.  Juli  10.  p.  40.) 

Die  37jährige  Pat.  hatte  vor  8  Jahren  einen  Dammriss  acquirirt; 
in  Folge  des  Vorfalls  der  hinteren  Scheidenwand  und  des  Uterus  grosse 
Beschwerden.  TJm  nun  bei  der  vorgenommenen  Operation  den  neu- 
gebildeten Damm  möglichst  resistent  zu  machen^  legte  M.  3  Catgut- 
suturen  von  der  Scheide  aus  oberflächlich  an^  im  übrigen  verfuhr  er 
ganz  wie  gewohnlich.  Vollständige  Heilung.  Die  Catgutsuturen 
waren  sich  überlassen  worden. 

In  zwei  Briefen  an  die  Redaction  der  Med.  Tim.  [abgedruckt  in 
der  Nummer  vom  17.  Juli  1875.  p.  78)  giebt  1)  6.  6.  Bantock  an^ 
die  erwähnten  oberflächlichen  Scheidenschleimhautsuturen  schon  vor 
5  Jahren  gebraucht  zu  haben;  2]  J.  Knowsley  Thornton^  dass 
Spencer  Wells  und  er  selbst  seit  2  Jahren  dieselben  Suturen  be- 
nutzt hätten^  und  zwar  theils  Catgut^  theils  feine  Seide  dazu  verwen- 
det worden  wäre. 

In  der  Med.  Tim.  vom  24.  Juli  1875  p.  106  giebt  Robert  Bar- 
nes an^  schon  vor  27  Jahren  Charles  Brooke  in  gleicher  Weise 
operiren  gesehen  zu  haben ;  er  selbst  habe  nach  diesem  Vorgange  die 
gleiche  Massregel  seitdem  befolgt. 

Maunder  fugt  aQem  diesem  hinzu  ^  dass  er^  unbestritten  der 
Priorität  anderer,  doch  selbstständig  auf  das  Verfahren  gekommen  sei, 
und  bedauert  nur,  dass  die  Methode  niclit  früher  veröffentlicht  sei. 

Bänke  (Halle}. 

R.  Hirsch.     Ueber  die  Unterbindung  der  vena  cruralis. 

(Inaug.-Diss.  Halle.  1875.) 

Braune  hat  durch  eine  grosse  Zahl  von  Injectionsversuchen  den 
Nachweis  geliefert^  dass  die  vena  cruralis  der  einzige  Weg  ist,  auf 
dem  Blut  aus  der  unteren  Extremität  in  die  Bauchhöhle  gefuhrt  wird. 
Auch  die  klinische  Erfahrung  spricht  für  Braune;  eine  von  Roux 
ausgeführte  Unterbindung  hatte  Gangrän  des  Beins  zur  Folge. 

Verf.  berichtet  über  einen  analogen  Fall  aus  der  Volkmann'- 
sehen  Klinik:  einem  51jährigen  Mann  wurde  nach  vorausgegangener 
Unterbindung  der  iliaca  ein  sehr  grosser,  im  Laufe  von  2  Monaten 
entstandener  Tumor  der  linken  Leistengegend  excidirt,  wobei  Vene 
und  Arterie  doppelt  unterbunden  und  exstirpirt  werden  muasten.    Der 


Gentxalblatt  für  OUnizgie.     No.  42.  S69 

Kranke  starb  am  3.  Tage,  naehdem  das  linke  Bein  an£Euigs  kalt  und 
geföbllos,  dann  blaofleckig  und  achliesslick  bis  zur  Leiste  gangr&nös 
geworden  war.  Dem  stehen  indessen  2  weitere  Fälle  aus  der  Halle'-* 
sehen  Klinik  gegenüber  (der  eine  d^nelben  ist  bereits  in  Volk» 
mann' 8  Beiträgen  zur  Chirurgie  p.  249  besohrieben] ,  in  denen  nach 
Exstirpation  grosser ,  aber  langsam  gewachsener  Tumoren  der  linken 
Leistengegend  ebenfalls  Vene  und  Arterie  unterbunden  werden  muss^ 
ten,  in  deren  einem  erst  einige  Wochen  nach  der  Operation  geringes, 
aber  längere  Zeit  anhaltendes  Oedem  des  Beins  und  starke  Füllung 
der  Hautvenen  eintrat,  nachdem  Pat.  bereits  herumgegangen  war, 
während  im  zweiten  Pat.  3  Tage  nach  der  Operation  an  Nachblutung 
starb,  ohne  dass  sich  eine  Spur  Ton  Gangrän  des  Beins  gezeigt  hatte. 
Zur  Erklärung  des  seheinbaren  Widerspruchs,  in  dem  diese  Fälle 
zur  Theorie  Braune' s  stehn^  njbnmt  Verf.  an,  dass  die  langsam 
wachsenden  Tumoren  durch  ganz  allmälige  Compression  der  Vene  zur 
Ausbildung  von  Collateralen  Veranlassung  gegeben  hatten :  es  besteht 
die  Berechtigung,  in  ähnlichen  Fällen  die  Unterbindung  der  Vene 
auszufuhren.  ^  Genimer  (Halle). 


1"** 


K*  Beuck.     Die   Eesection  4es  Fussgelenks  insbesondere  bei 

Caxies. 

(Inaug.-Difts.  Kiel.  1875.) 

Verf.  spricht  sich  zunächst  für  die  Resection  des  Fussgelenks 
wegen  Caries  aus  und  berichtet  dann  über  4  einschlägige  von  Es- 
march  operirte  Fälle,  die  sämmtUch- günstig  verliefen. 

I.  ISjährigee  Mädchen,  operirt  19.  Januar  1866  wegen  ungefähr 
seit  ^4  Jahr  bestehender  Fussgelenks-Entzündung.  Periost  erhalten, 
entfernt  wurde  unteres  Ende  der  Fibula  und  der  Tibia  und  oberste 
Kuppe  des  Talus.  Am  17.  Juni  waren  alle  Wunden  geheilt.  Active 
und  passive  Bewegungen  sehr  gut.     Stangenstiefel,  nicht  gut  ertragen. 

n.  17  jähriges  Mädchen.  Anfang  der  Fussgelenks -Entzündung 
Ende  Septbr.  1866.  Resection  26.  Mai  1868.  Entfernt  Gelenkenden 
der  TJnterschenkelknochen ,  der  Talus  und  ein  oberflächliches  Stück 
vom  Calcaneus.  Sehr  langsame  Heilung,  aufgehalten  durch  Typhus 
und  Erysipele.  Am  31.  Mai  1869  nekrotische  Knochenstückchen  ex- 
trahirt,  und  ein  2  Ctm.  langes  cariöses  Stück  von  der  Fibula  abge- 
meisselt.  Pat.  am  2.  April  1870  mit  Fisteln  entlassen.  (Ref.  kann 
über  das  Endresultat  berichten,  dass  Pat.  jetzt  vollständig  geheilt  ist 
und  auf  einer  hohen  Sohle  so  ausgezeichnet  geht,  dass  man  ein 
Hinken  kaum  wahrnimmt.    Sehr  lange  war  das  Auftreten  schmerzhaft.) 

SYJähriger  Knabe  aus  ungesunder  Familie.  Seit  5  Monaten 
Caries  der  Fusswurzelknochen.  Operation  am  26.  Febr.  1874.  Ent* 
femt  08  naviculare,  Talus  und  ein  Theil  der  übrigen  Fusswurzelknochen. 
10.  Juni  1874  mit  fast  geheilten  Wunden  entlassen.  Pat.  gegen  Ende 
des  Jahres  geheilt,  der  operirte  Fuss  ebenso  gebrauchsfähig 
wie  der  andere,  alle  Bewegungen  frei.     Verkürzung  kaum  Y2  C^- 


670  Centralblatt  ffir  GhitBigie.    No.  42. 


IV.  14jäliriges  Mädchen.  Mutter  schwindsüchtig.  Vor  6  Jahien 
Ostitis  d^s  unteren  Endes  der  TilHa.  Vor  4  Jahren  nach  Trauma 
Exacerbation  und  Uebergreifen  auf  mehrere  Eusswurzelknochen.  Am 
25.  Juli  1874  Entfernung  eines  5  Ctm.  langen  StücJLes.  der  Unter* 
Schenkelknochen  y  des  Talus  ^  Calcaneus,  os  navicul.  und  os  cuboid. 
Anfang  März  1875  nur  noch  2  Fistelöfihungen.  Verküszung  5  Ctm« 
Am  untern  Ende  der  Unterschenkelknocfaen  neiigebildete  Knochen- 
masse.    Fnss  noch  sehr  wackelig.  (Pat.  geht  mit  Stangenstiefel.  Ref.) 

Petersen  (Kiel). 


Kleinere  Mitiheilungen. 

V.  V.  Ebner.     Untetsuchungen  über  das   Verhalten   des  Knochenge- 
webes im  polarisirten  Lichte. 

(Sitzungsberichte  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien.  Bd.  LXX 

Hfl.  6.  1874.  p.  105—141.) 

Verf.  verwandte  zu  seinen  Untersudiungen  theils  trockene,  theils  in  Wasser 
unter  das  Mikroskop  gebrachte  Schliffe,  vorzugsweise  vom  Oberschenkel  des  Frosches 
und  der  Tibia  des  Menschen,  doch  stellte  er  auch  an  zahlreichen  anderen  Knochen 
von  Amphibien,  Vögeln,  Sftugethieren  und  Menschen  seine  Beobachtungen  an. 
—  Verf.  fasst  die  Resultate  seiner  Arbeit  in  folgender  Weise  zusammen : 

1)  Die  Erscheinungen,  welche  das  Knochengewebe  unter  dem  Polarisations- 
mikroskope zeigt,  lassen  sich  unter  folgender  Annahme  genügend  erkl&ren:  die 
doppelt  brechenden  Elemente  der  Orundsubstanz  sind  positiv  einaxig  und  in  der 
Hauptmasse  mit  ihren  optischen  Axen  den  langen  Durchmessern  der  Knochenkör- 
perchen  parallel  gestellt.  Nur  in  der  unmittelbaren  Umgebung  der  Knochencanfll- 
chen  (Kalkcanftlohen)  ist  eine  dünne  Schicht  Orundsubstanz»  in  welcher  die  optischen 
Axen  der  doppelt  brechenden  Elemente  diesen  Canalchen  parallel  geriditet  sind.  — 

2)  Jedoch  ist  möglich,  dass  die  doppeltbrechenden  Elemente  der  Knochengrund- 
substanz optisch  zweiaxig  sind.  In  diesem  Falle  läge  dann  die  lange  Axe  des 
Elasticitätsellipsoides  in  derselben  Richtung,  wie  die  eine  optische  Axe  im  vorher- 
gehenden Falle.  Der  Winkel,  welchen  die  beiden  optischen  Axen  möglicherweise 
einschliessen,  und  der  durch  die  lange  Axe  des  Elasticitätsellipsoides  halbirt  wird, 
könnte  nach  den  Versuchen  am  Oberschenkel  des  Frosches  15^  bis  20®,  nach  den 
Versuchen  an  der  Tibia  des  Menschen  10^  bis  12°  betragen.  — 

3)  Die  Voraussetzung,  welche  auf  Grund  unserer  E.enntnisse  über  die  Entwick- 
lung des  Knochengewebes  gemacht  werden  muss,  dass  die  doppeltbrechenden  Ele- 
mente des  Knochens  in  ihrer  Orientirung  von  der  Richtung  und  Lage  der  Knochen- 
körperchen  abhängen  werden,  hat  sich  auf  das  Glänzendste  bewährt.  Dass  die 
Folarisationserscheinungen  des  Knochengewebes  bisher  nicht  befriedigend  erklärt 
werden  konnten,  liegt  allein  daran,  dass  die  sehr  wechselvollen,  vom  Verlaufe  der 
Gef&sscanäle  nicht  direct  abhängigen  Lageverhältnisse  der  Knochenkörperchen, 
welche  von  massgebender  Bedeutung  sind,  nicht  gehörig  beachtet  wurden.  — 

4)  Bei  der  innigen  Beziehung  zwischen  der  Lage  der  Knochenkörperchen  und 
der  Orientirung  der  doppeltbrechenden  Elemente  in  der  Knochensubstanz  lassen 
sich  nun  umgekehrt  aus  den  Folarisationserscheinungen  Schlüsse  auf  Richtung  und 
Lage  der  Knochenkörperchen  machen.  Durchschnitte  von  Lamellen  sind  z.  B. 
senkrecht  zur  Längsrichtung  der  Knochenkörperchen  geführt,  wenn  diese  Lamellen 
wie  isotrope  Körper  sich  verhalten.  Wirken  dagegen  die  Lamellen  doppeltbrechend, 
so  liegen  die  langen  Durchmesser  der  Knochenkörperchen  in  der  Schliffebene  oder 
sind  zu  derselben  mehr  oder  weniger  geneigt  u.  s.  w.      TllliiUHliiS  (Leipzig). 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  42.  671 

Vidal.     Sarcomes  idiopaüiiques  de  la  peau. 

(Soci6t6  de  Biologie.  Slanoe  du  24.  juillet.  1875) 

Der  Yon  V.  der  Soci6t6  de  Biologie  Torgestellte  Fat.  erl^rankte  vor  3  Jahren 
mit  Jucken,  Ameisenkriechen  und  einer  schmerzhaften  Spannung  in  den  Extremi- 
täten. Es  entstanden  an  einzelnen  Stellen  der  Haut  rothe  Flecken,  auf  denen  sich 
sodann  anfänglich  flache,  später  mehr  prominirende  weiche  Tumoren  bildeten. 
Einige  der  letzteren  ulcerirten ,  andre  (en  der  Fusssohle)  bedeckten  sich  mit  einer 
dicken  Epidermisschicht.  Ein  ganz  ähnlicher  Tumor  entstand  neuerdings  auf  der 
Eichel.  Keine  Drüsenanschwellung.  Der  grösste  der  Tumoren,  der  gestielt  der 
Tordem  Fläche  des  Oberschenkels  aufsass,  wurde  exfftirpirt,  wonach  ausserordent- 
lich schnelle  Vemarbung  eintrat,  so  dass  schon  nach  Verlauf  Ton  14  Tagen  die 
Stelle,  wo  die  Geschwulst  gesessen  hatte,  nicht  mehr  zu  erkennen  war.  —  Die 
histologische  Untersuchung  ergab  ein  reich  vascularisirtes ,  an  einzelnen  Stellen 
pigmentirtes  Spindelzellensarcom  (nach  R  an  vi  er' s  Diagnose  »erectiles  Hautsar- 
com«).  —  Der  Allgemeinzustand  des  Kranken  ist  zur  Zeit  noch  leidlieh,  doeh  er- 
weckt eine  hartnäckige  Diarrhoe  den  Verdacht  auf  bereits  bestehende  Qeneralisation 
der  Tumoren.  0.  Tolkmun  (Kettwig). 

Johnson.     Gase  of  Lymphadenoma. 

(Med.  tim.  and.  gaz.  1875.  Juli  24.  p.  94.) 

Der  53jährige  Fat.  war  bis  vor  10  Monaten  gesund.  Seither  Drüsenanschwel- 
lungen zunächst  Ober  der  rechten,  dann  über  der  linken  Clavicula ;  es  folgten  Ver- 
grösserungen  der  Halsdrüsen,  der  Achseldrüsen.  Abnahme  der  Kräfte,  Kurzathmig- 
keit,  zuletzt  Schlingbeschwerden.  Vereiterung  einer  Drüse  unter  dem  linken  Obre. 
Die  obere  Körperhälfte  wurde  ödematöe.  Die  weissen  Blutkörperchen  waren  nicht  ver- 
mehrt, Leber  und  Milz  nicht  yergrössert.  Die  Drüsen  waren  weich,  schmerzlos, 
von  Nuss-  bis  Orangen-Grösse. 

Bei  der  Section  zeigte  sich  die  Trachea  von  vom  durch  ein  Faquet  Drüsen 
comprimirt. 

Arsenik  ist  nicht  angewandt  worden.  Bänke  (Halle). 

P.  Baumgarten.     Zur  Himarteriensyphilis. 

(Archiv  d.  Heilkunde,  16.  Jahrg.  Hft.  5  n.  6.  p.  45^—470.) 

Verf.  bestätigt  im  Wesentlichen  die  He  ubn  er' sehen  Angaben,  glaubt  die  letz- 
teren aber  dahin  erweitern  zu  müssen,  dass  die  Intimaerkrankung  nicht  das  »pri- 
märe« sei  und  die  Wucherung  der  Adventitia  erst  »errege«. 

Gegen  diese  Auslegung  seiner  Worte  verwahrt  sich  Heubner  (Ebendaselbst 
p.  538):  er  habe  die  Frage,  ob  die  Erkrankung  von  der  Intima  oder  Adven- 
titia ausgehe,  durchaus  offen  gelassen,  weil  für  ihre  Entscheidung  bis  jetzt 
sichere  Anhaltspuncte  noch  nicht  gegeben  seien.  B.  habe  ihn  offenbar  miss ver- 
standen. A»  Bidder  (Mannheim). 

B.  W.  Iliohardaon.    A  recovery  by  artificial  respiration   in  a  case  of 

diphtheritis  croup. 

(Med.  tim.  and.  gaz.  1875.  Jidi  17.  p.  64.) 

R.  hat  in  der  Med.  tim.  vom  2.  August  1873  einen  Fall  veröffentlicht,  wo 
künstliche  Bespiration  vermittelst  eiües  doppelt  wirkenden  Blasebalgs  5mal  die 
natürliche  Athmung  wieder  herstellte.  Als  weiteren  Beleg  für  die  Oüte  der  Me- 
thode vnrd  der  in  der  Ueberschrift  erwähnte  Fall  mitgetheilt.  lV2Tage  nach  der 
Tracheotomie  wurde  zunächst  die  innere  verstopfte  Kanüle  entfernt,  einige  Stunden 
später  die  äussere;  der  Fat.  athmete  kurze  Zeit  durch  die  Wunde,  wurde  dann 
asphyctisch.  Das  elastische  Endrohr  des  Blasebalgs  wurde  nun  in  die  Wunde  ge- 
bracht, und  stellte  sich  nach  wenigen  Minuten  wieder  spontane  Respiration  ein. 
Genesung.  Ranke  (Halle). 


672  Centralblatt  für  Ghimxgie.    No.  42. 

Taylor.    Notes  of  a  case  of  fiacture  of  cervical  spine  (Charin-Cross- 

hospital) . 

Der  P«t.,  33  Jalure  alt,  acquiriite  die  Fractur  durch  einen  Stoas  gegen  einen 
Balken,  wodurch,  der  Kopf  kräftig  hinten  über  gebeugt  wurde.  Sensibilit&t  von  der 
6.  Bippe  abwärts  verloren,  ebenso  Motilit&t.  Obere  Extremitäten  sind  nach  jeder, 
nur  mit  Mühe  auszufahrenden  Bewegung  geneigt,  sich  in  Flexion  su  istellen.  Bis 
zum  4.  Tage  sich  steigernde  Hyperästhesie  der  oberhalb  der  gelähmten  Parüeen 
gelegenen  ELörpertheile.  Tod  am  7.  Tage  nach  leichten  Convulaionen.  Temperatur 
nichts  bemerkenswerthes.  Der  ungenaue  Sectionsbericht  giebt  an,  dass  der  5.  Cervi- 
calwirbel  eine  Compressionsfractur,  der  6.  Wirbel  einen  Abbruch  des  proc.  spin.  zeigte. 
Die  Verbindung  des  6.  mit  dem  7.  Wirbel  war  gelockert,  doch  keine  Verschiebung 
vorhanden.  Die  Ligamente  intact,  ebenso  die  Rückenmarkshäute.  Ausgedehnter 
Bluterguss  in  die  Substanz  des  Rückenmarkes  entsprechend  dem  5.  und  6.  Wirbel. 

Bänke  (Halle). 
W.  Wilkes.     Case  of  imperforant  anus. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Juli  24.  p.  93.) 

Am  Tage  nach  der  Geburt  des  starken  Knaben  constatirte  W.  an  Stelle  des 
Anus  eine  nur  V2  Zoll  tiefe  Grube.  Am  3.  Tage  Entleerung  von  Meconium  durch 
den  Penis.  Tod  am  10.  Tage.  Das  Mesocolon  der  fiexura  sigmoidea  war  sehr  lang; 
der  Darm 'ging  nach  der  rechten  Seite  hinüber,  wo  er  zwischen  Bauchdecken  und  Co- 
cum  in  das  Rectum  überging.  Die  Mündung  desselben,  von  der  Stärke  des  Katheters 
No.  3  befand  sich  in  der  portio  membranacea  der  Harnröhre.  Abbildung  im  Original. 

Bänke  (Halle). 

Chouppot     Troubles  trophiques  k  la  suite  de  l^sions  traumatiques  des 

nerfs  de  la  jambe. 

(Social  de  Biologie.    S^ance  du  24.  juillet  1875.) 

Ein  24jähriger  Mann  erhielt  durch  einen  Granatspliter  eine  schwere  Verwun- 
dung am  äussern ,  obem  Theil  des  linken  Unterschenkels.  Ein  Theil  der  Fibula 
wurde  nekrotisch  und  erst  nach  6  Monaten  war  die  Wunde  vollständig  vernarbt. 
Als  Fat.  wieder  das  Bett  verliess,  war  das  Gefühl  im  linken  Unterschenkel  etwas 
vermindert,  im  übrigen  zeigten  sich  während  2  Jahren  keinerlei  Störungen.  Erst 
nach  dieser  Zeit  entstanden  an  der  Plantarseite  der  2  ersten  Zehen  sowie  an  dem 
innem  Fussrand  ganz  spontan  mehrere  tiefe  Ulcerationen  ohne  alle  Tendenz  zur 
Heilung.  Eines  dieser  Geschwüre  (an  der  grossen  Zehe)  besteht  zur  Zeit  noch  und 
ausserdem  haben  sich  noch  folgende  trophische  Störungen  des  linken  Unterschen- 
kels hinzugesellt.  Am  obem  Rand  der  ausgedehnten  Narbe  befindet  sich  eine 
stark  hyperästhetische  Stelle  von  der  Grösse  eines  2  Frankstückes.  Die  leisesten 
Berührungen  derselben  verursachen  dem  Kranken  sehr  lebhafte  Schmerzen.  Unter- 
halb der  Narbe  bestehen  in  der  Haut  einige  nach  den  Zehen  hin  strahlenförmig 
verlaufende  Partieen,  die  auf  Druck  unempfindlich,  aber  der  Sitz  lebhafter  spontaner 
Schmerzen  sind.  Die  erste  Zehe  ist  vollständig,  die  2.  und  3.  Zehe,  sowie  ein 
Theil  der  planta  pedis  theilweise  anästhetisch.  Die  Haare  des  erkrankten  Unter- 
schenkels sind  stark  hypertrophirt.  Die  Schweisssecretion  bedeutend  vermehrt. 
Sehr  merkwürdig  ist  femer  der  Widerstand  der  leidenden  Extremität  gegen  Tem- 
peraturunterschiede. Bei  einer  Temperatur,  die  die  Haut  des  gesunden  Beines  auf 
10 — 12*  abkühlt,,  zeigt  der  linke  Unterschenkel  mindestens  noch  eine  Temperatur 
von  28 — 30*.  Die  Muskulatur  des  linken  Beines,  namentlich  der  vastus  int.  sind 
atrophischer  wie  rechts,  jedenfalls  in  Folge  der  langen  Inactivität. 

Die  Behandlung  blieb  bisher,  abgesehen  von  vorübergehenden  Besserungen, 
erfolglos.  •—  0.  Yolkmann  (Kettwig). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrüoke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TUknanna,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlung, 
Breiikopr  und  HarUi^  einsenden. 

Drnek  und  Verlag  tob  Breit  köpf  und  HIrtel  In  Leipzig. 


Gentralblatt 


mr 


CHIRURGIE 


herausgegeben 


Br.  L.  Lfiser,  Dr.  H.  ScMe,  Dr.  H.  TlUmais 

in  Berlin.  in  Berlin.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbj&hriger  Prä- 
numeration.    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Poitanstalten. 

NE;  43.  Sonnabend^  den  33.  October.  1875« 

Imhalt:  EllaschtwitSCh,  Darmsaiten  und  andere  Fädeq  für  die  Knopfuaht.  —  Miri- 
noffy  Veränderungen  der  Darmsaitenligaturen.  —  KOster,  Pathologie  des  Hitzschlages.  — 
BaMenberg,  Quantitative  Schweissanomalieen.  —  Jacobson ,  Centrale  Ueberhiutung  bei 
carcinomatSsen  Geschwuren.  »  HoHf,  Struetur  des  Tonsülengevebes.  —  Rajowsky,  Re- 
sorption am  menschlichen  Zwerchfell.  —  Weichsel baum,  Gbylangioma  cavemosum.  ^  Frouildy 
Carcinom  im  weiblichen  Becken.  —  Tlzzoni,  Gaule,  Hoden  tuberkulöse.  —  Kalscheuofi 
Hydrophthalmns.  —  Hirschmann,  Behandlung  des  Trachoms.  —  Hardio,  Neue  Methode 
der  Rhinoplastlk.  —  Ädams,  Neues  Verfahren,  eingezogene  Narben  zu  behandeln.  — 
Szeparowicz,  Gasulstlk  der  Tracheotomie.  —  BrunS,  Mal  perforant  du  pied.  —  Lane, 
Behandlung  der  Haemorrholdalknoten.    — 

DIx,  Aneurysmen  durch  Compression  gehellt.  —  Stolz,  Transfusion.  —  Rtoroll-Macken- 
zlo,  Parenchymatöse  Injectionen  .bei  vergr&sserten  Dr&sen.  —  Nleden,  Unterbindung  der 
Carotis  communis.  —  AdamS,  Traumatisches  Emphysem.  —  BuSSard,  Vomeuil,  Leber- 
cysten.   —   BIrniMlum,  Catgutnaht  des  Uterus   beim  Kaiserschnitt.    —  GOnsburg,  Ver- 

leteungen  der  Vagina.  —  Tbadon,  Blasenstein.  —  Stvkowonkoff,  Stein  der  Urethra. 

^ »  ■       _ 

E.  Eliaschewitsch.     Darmsaiten  und  andere  Fäden  för  die 

Knopfiiaht.  ^ 

(Milit&r-med.  Journal  1875.  Juni,  russisch.) 

Verf.  dieser  experimentellen  Arbeit  wirft  folgende  Fragen  auf: 
Welchen  Einfluss  haben  die  Beschaffenheit  und  die  Dicke  der  Fäden 
auf  die  Beaction  in  den  Stichcanalen,  ferner  auf  das  Durchschneiden 
der  Wundränder  und  dann  auf  das  Zustandekommen  der  prima  in- 
tentio?  Schliesslich  erörtert  Verf.  das  Schicksal  der  Darmsaiten  im  Thier- 
körper.  Aus  der  vorausgeschickten  genauen  historischen  Uebersicht 
des  verschiedenen  Nahtmaterials  ergiebt  sich,  dass  Darmsaiten  schon 
900  vor  Chr.  gebraucht  wurden,  dann  aber  der  Vergessenheit  an- 
heimfielen, bis  sie  erst  Anfangs  dieses  Jahrhunderts  wieder  in  Frank- 
reich und  England  in  Gebrauch  kamen  (A.  Cooper,  Porta);  endlich 
wurden  sie  in  unserer  Zeit  in  Form  von  carbolized  catgut  durch  Lis- 
ter von  Neuem  eingeführt. 

43 


674  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  43. 

Nach  Rasirung  des  Rückens  bei  Hunden  wurden  verschiedene 
Nahtmaterialien  durch  eine  Hautfalte  durchgeführt  und  in  leichtt 
Schlingen  zusammengebunden.  Die  geringste  Reizung  in  den  Stich- 
canälen  rufen  die  glattesten,  gleichmässigsten,  mittelmässig  resistenten, 
nickt  hygroskopischen  Fäden  hervor.  Die  verschiedenen  Fäden  stel- 
len betreffs  Entzündung  und  Eiterung  folgende  abnehmende  Intensi- 
tätsscala  dar:  Baumwolle,  Lein,  Seide,  Metall,  fil  de  Florence,  See- 
gras, carbolisirtes  Catgut.  Es  giebt  kein  Material,  zu  dem  sich  die 
Gewebe  passiv  verhielten.  Metalldrähte  aus  verschiedenem  Material, 
aber  von  gleicher  Dicke  zeigen  keine  Differenz  in  der  Reaction;  der 
Silberdraht  hat  keine  Vorzüge  vor  dem  Eisen-  und  Kupferdraht.  Ge- 
wichste Seide  ist  gewöhnlicher  Seide  vorzuziehen.  Darmsaiten  ent- 
sprechen allen  Anforderungen  am  besten;  sie  werden  leicht  am  4. — 8. 
Tage  entfernt.  Nicht  carbolisirte  Saiten  reizen  weniger,  erweichen 
und  schwellen  aber  leichter,  wodurch  ihre  Festigkeit  leidet. 

Verf.  vereinigte  in  einer  ferneren  Eteihe  von  Experimenten  ab- 
sichtlich angelegte  Wunden  mit  allen  den  bezeichneten  Materialien 
und  überwachte  die  Heilung  mit  möglichster  Abhaltung  von  Schäd- 
lichkeiten. Es  wurden  lineare  Spaltwunden,  dann  1  Ctm.  breite  und 
schliesslich  tiefe  Wunden,  in  welche  fil  de  Florence  und  Catgut  eingelegt 
waren,  durch  die  Naht  geschlossen.  Bot  die  Wunde  an  und  für  sich 
genügende  Bedingungen  für  prima  intentio ,  blieb  aber  klaffend ,  so 
heilte  sie  unbedingt  langsamer,  als  mit  der  Naht.  Unter  dieser  Vor- 
aussetzung behindern  die  Nähte  die  prima  intentio  nie,  da  die  Reac- 
tion gegen  dieselben  sich  auf  die  nächste  Umgebung  beschränkt.  Die 
Anwesenheit  von  fil  de  Florence  oder  catgut  in  tiefen  Wunden  be- 
hindert die  prima  intentio  nicht. 

Das  Durchschneiden  der  Fäden  hängt  nun  einerseits  von  der 
Spannung  der  Wundränder,  andererseits  vom  Grade  des  Anziehens 
der  Naht  und  vom  Zustande  der  von  derselben  umfistssten  Theile  ab. 
Die  Eigenschaften  der  Nähte,  von  denen  die  Intensität  der  Entzündung 
in  den  Stichcanälen  abhängt,  haben  natürlich  auch  einen  grossen 
Einfluss  auf  das  Durchschneiden.  Darmsaiten,  welche  am  wenigsten 
reizen,  schneiden  ant  schwächsten  ein,  selbst  bei  starker  Spannung 
der  Ränder. 

Das  Schicksal  der  Catgut  schlinge  ist  Gegenstand  einer 
besonderen  Versuchsreihe.  Es  wurden  zu  diesem  Zwecke  Darmsaiten 
um  Arterien  (Carotis,  Femoralis)  und  Uterushömer  von  Hündinnen 
angelegt.  In  Müller' scher  Flüssigkeit  erhärtete,  in  90^  Spiritus 
aufbewahrte  Hautstücke  mit  Nähten  wurden  mit  Pikrocarmin  gefärbt 
und  gleichfalls  in  verschiedenen  Zeitintervallen  (5 — 25  Tage  nach 
Anlegung  der  Naht)  untersucht. 

Sobald  die  Granulationen  in  den  Stichcanälen  mit  den  Darm- 
saiten in  Berührung  kommen,  beginnt  in  der  ganzen  Peripherie  der 
Fäden  eine  Abfaserung.  Mit  dieser  Abfaserung  und  der  gleichzeitigen 
Verdünnung  der  Fäden  zerfallen  die  Fibrillen  in  grössere  oder  klei- 
nere Partikel  —  zuletzt  —  zu  kömigem  Detritus.     Die  Schnelligkeit 


r 


Centralblatt  für  Cliirui^e.    No.  43.  675 

dieses  Processes  hängt  von  dem  grösseren  oder  geringeren  Safitgehalt 
der  lebenden  Gewebe,  dem  Grade  ihrer  Reaction  und  yon  der  Art  der 
Zubereitung  der  Darmsaiten  ab.  Feine  nach  Li  st  er  zubereitete  car- 
bolisirte  Saiten  werden  in  5«— 6  Tagen  bis  zum  Maximum  verdünnt.  An 
Gefassen  fängt  ihr  Zerfall  vom  5.  Tage  an;  ebenso  an  den  Gebär- 
mutterhörnem.  Bei  Hunden ,  welche  einen  Monat  nach  Anlegung 
der  Ligatur  getödtet  wurden,  war  kein  Rest  der  Ligatur  zu  bemerken. 

W.  Gmbe  (Charkow). 

D*  MnrinofF.    lieber  Veränderungen  der  Darmsaitenligaturen. 

Inaug.-Diss.  Petersburg.  iS75  (russisch.). 

Verf.  studirte  an  Hunden  und  Kaninchen  die  makro-  und  mi- 
kroskopischen Veränderungen  verschieden  starker  und  verschieden 
zubereiteter  Darmsaiten  nach  Gefössligaturen  und  Unterbindung  der 
Uterushömer  (carbolized  catgut,  einfache  und  Chloraldarmsaiten) . 

Makroskopisch  zeigten  alle  Daimsaiten  nach  2 — 3  Tagen  nur 
Imbibition^  nach  7  Tagen  —  starke  Anschwellung,  Weichheit;  über 
ihnen  hatte  sich  eine  feine  durchsichtige  Bindegewebsmembran  gebil- 
det; die  Knotenenden  waren  mit  der  Umgebung  verklebt.  Dün- 
nere Saiten  wurden  rascher  resorbirt:  sie  verschwanden  in  10  Tagen, 
No.  3  von  Lister' 8  Catgut  —  in  20—30  Tagen.  Die  Knotenreste 
der  ersteren  erhielten  sich  bis  25  Tage,  der  letzteren  —  bis  70  Tage. 

Mikroskopisch  zeigten  sowohl  einfache  Saiten  als  Catgut  in  den 
ersten  Tagen  Zerfaserung,  später  —  alhnäliges  Schwinden  der  Fasern 
zwischen  den  Granulationen. 

Dicf  Zubereitung  der  Ligaturfäden  soll  ohne  Einfluss  'sein  auf  die 
Schnelligkeit  der  Resorption.  Carbolisirtes  Catgut  reizt  die  Umgebung 
schwach,  noch  weniger  irritiren  Chloralsaiten,  einfache  Darmsaiten  — 
gar  nicht.  Nach  Unterbindung  der  Uterushörner  ging  keines  der 
Thiere  zu  Grunde.  —  Gefässunterbindungen  wurden  110  gemacht  an 
17  Kaninchen  imd  13  Hunden.  Um  den  Einfluss  auf  Nachblutungen 
zu  erörtern,  durchschnitt  Verf.  jedem  Thiere  gleichzeitig  Carotis,  Fe- 
moralis  und  Brachialis,  und  unterband  beide  Enden  des  durchschnit- 
tenen Gefasses.  List  er 's  carbolisirtes  Catgut  gab  10^  Nachblutun- 
gen, Chloralsaiten  25)^,  einfache  Darmsaiten  87^.  Unter  48  Cat- 
gutligaturen  37Mal  prima  intentio,  unter  34  Ligaturen  mit  Chloral- 
saiten 28Mal,  unter  28  Ligaturen  mit  einfachen  Darmsaiten  8Mal. 

Die  Resorption  der  Gefässligaturen  scheint  langsamer  zu  erfolgen. 

W.  Grnbe  (Charkow). 

E.  Eöster.     Zur  Pathologie  des  Hitzschlages. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  34.) 

Verf.  theilt  das  Sectionsresultat  eines  an  Hitzschlag  gestorbenen 
Soldaten  mit.  Im  Wesentlichen  eigab  sich  Hämorrhagie  in  das 
Ganglion  supremum  dextr.  des  Sympathicus  land  Anschwellung  des  Un- 

43» 


676  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  43. 

ken  bis  auf  doppelte  Grösse  (Auseinanderdiängung  und  Zertrümmerung 
der  Nervenfasern]  y  kleinere  Hämorrhagieen  im  unteren  y  grössere  im 
oberen  Theile  des  Sympathicus ;  kleinere  Blutergüsse  in  und  um  beide 
Vagi  mit  Anschwellung  der  betreffenden  Stellen  und  in  die  Scheiden 
beider  Phrenici ;  hämorrhagische  Flecke  in  der  Gefassscheide  der  Ca- 
rotiden;  leichte  Hyperämie  des  Gehirns^  kleine  Ecchymosen  unter  das 
Ependym  des  linken  Ventrikels;  Lungen  in  Inspirationsstellung^  hä- 
morrhagische Infiltration  des  rechten  unteren  Lappens;  Ecchymosen 
unter  dem  Peri-  und  Endocard  des  linken  Ventrikels.  —  In  einem  ande- 
ren Falle  ^  in  welchem  Hitzschlag  nicht  vorlagt  sondern  wo  der  Tod 
bei  einer  gehetzten^  vor  Verfolgern  fliehenden  Frau  plötzlich  eintrat 
[»Hetzschlag«),  zeigten  sich  Hyperämieen^  hämorrhagische  Infiltrate 
und  Ecchymosen  an  ähnlichen  Stellen.  K.  will  durch  Mittheilung 
dieser  Fälle  zur  genaueren  Berücksichtigung  des  vasomotorischen 
imd  des  respiratorischen  Nervensystems  bei  Sectionen  solcher  Personen 
anregen^  die  an  Hitzschlag,  resp.  an  »Hetzschlag«  verstorben  sind.  — 

T«  Mosengell  (Bonn}. 

F,  Buddenberg.    lieber  quantitative  SchweissanomaÜeen. 

Inaug.-Diss.  Bonn.  1875. 

Auf  Grund  einiger  mitgetheilter  Beobachtungen  werden  sowohl 
totale  als  partielle  Anhidrosis  als  stets  auf  Lähmung  beruhend^  hin- 
gestellt. Wie  es  scheint^  Anhänger  der  Secretionstheorie  Pflüger's, 
sagt  B.  geradezu^  dass  da^  wo  Anhidrosis  in  einem  gelähmten  Bezirk 
vermisst  werde,  nicht  die  ganze  Nervenfaserung  ihre  Function  einge- 
biisst  habe.  Es  wird  ein  Fall  citirt,  in  welchem  bei  Parese  det  unteren 
Extremität  profuser  Schweiss  an  den  nicht  gelähmten  Partieen  ein- 
trat. —  Bei  der  Zittmann-Cur  eines  hemiplegischen  Syphiliticus 
schwitzte  nur  die  nicht  gelähmte  Seite  etc.  —  Bei  Besprechung  der 
Hyperhydrose  deutet  Verf.  auf  das  Fehlerhafte  der  Hypothese  hin» 
welche  den  Schweiss  als  physikalisches  Filtrat,  als  nur  abhängig  vom 
Gefässsy Stern  darstellt.  Der  Ausbruch  allgemeinen  Schweisses  in 
der  Fieberkrisis  bedeute  nichts  Anderes,  als  eine  veränderte  Thätig- 
keitsäusserung  des  Nervensystems,  »eine  Rückkehr  zur  normalen 
Function,  welche  so  lange  damiederlag,  als  die  fiebererregende  Potenz 
gegen  das  Nervensystem  vorging«.  — 

Claude  Bernard's  Experiment,  Hemidiaphorese  nach  Durch- 
schneidung des  Halssympathicus  an  Kopf  und  Hals  derselben  Seite  zu 
erhalten,  deutet  B.  in  der  Art,  dass  der  Sympathicus  so  gut  wie  Ge- 
fdssnerven  auch  Drüsennerven  enthalte,  welche  (wie  für  Glandula 
submax.)  Hemmungsnerven  sind.  »Den  Sympathicus  durchschneiden 
heisst  das  Hindemiss  wegnehmen;  die  secretorischen  Nerven  erhalten 
das  Uebergewichta.  Obductionsbefunde,  welche  nach  im  Leben  beobach- 
teter Hyperhidrosis  unilateralis  pathologisches  Verhalten  des  Sympathi- 
cus zeigten,  folgen.  Beziehungen  zum  morbus  Basedow ii  werden  auf 
anatomischer  Basis  aufgestellt  und  schliesslich  Beweisfälle  dafür  gebracht. 


Gentralblatt  för  Chiruxgie.     No.  43.  677 

dass  gewisse  Beize  (z.  B.  scharf  gewürzte  Speisen) »  wie  auch  besondere 
Irritabilität  der  die  Secretion  anregenden  Nerven  übermässige  Leis- 
tungen veranlassen  können.  t*  Mosengeil  (Bonn). 


A.  Jacobson.     Ueber  das  Vorkommen   centraler  Ueberhäu- 

tung  in  carcinomatösen  Geschwüren. 

Vortrag,  gehalten  in  der  Berl.  med.  Geaellsch.  1875.  17.  Mftrs. 
(Beri.^klin.  Wochenschrift  1875.  No.  27.) 

Entgegen  der  von  einzelnen  Klinikern  aufgestellten^  diagnostisch 
wichtigen  Behauptung^  dass  lupöse  Geschwüre  benarben,  carcinöse 
nicht,  führt  Verf.  einen  Carcinomfall  an,  in  welchem  centrale,  insel- 
förmige  Ueberhäutung  vorgekommen.  Makroskopisch  und  klinisch 
wurde  die  Sache  für  ein  ulcus  chronicum  gehalten,  bis  die  mikrosko- 
pische Analyse  den  carciuösen  Charakter  nachwies.  — 

Die  Entstehung  der  centralen  Narbe  erklärt  Verf.  dadurch,  dass 
der  krebsige  Heerd,  der  bei  seinem  Wachsen  allmälig  die  Oberfläche 
erreichte,  der  Ausgangspunct  für  die  centrale  Ueberhäutung  gewesen  sei. 

Auf  Grund  constatirter  Thatsachen  stellt  J.  schliesslich  den  Satz 
auf,  »dass  das  Vorkommen  centraler  Narben  mit  Epidermoidal-Ueber* 
zug  an  Stellen,  wo  die  Haut  mit  ihren  epithelialen  Adnexen  schon 
längst  zu  Grunde  gegangen  ist,  mit  ziemlicher  Sicherheit  uns  zur 
Diagnose  einer  exulcerirenden  epithelialen  Neubildung  hinweist«. 

y.  Mosengeil  (Bonn). 

G.  Horff.     Ueber  die  anatomische  und  pathologische  Struc- 

ttir  des  Tonsillengewebes. 

•  Inaug.-Diss.  Bonn.  1875. 

Indem  H.  mit  den  historischen  Notizen  beginnt,  dass  Kölliker 
1850  den  Normalbau  der  Tonsillen  richtig  erkannt,  Sachs  und  Bei- 
chert  noch  1859  dieselben  für  acinöse,  Böttcher  gar  für  patholo- 
gische Gebilde  angesehen,  Billroth,  Huxley,  He  nie  und  Schmidt 
aber  Kölliker  zugestimmt  haben,  schildert  er  kurz  die  histologischen 
Verhältnisse,  wobei  eigene  Beobachtungen  und  Deutungen  vorkommen. 
Besonders  hervorzuheben  ist  der  unmittelbare  Zusammenhang  des  folli- 
culären  wie  interfoUicuIären  Gewebes  mit  den  Lymphgefassen,  wie  aus 
den  unter  Prof.  Kost  er 's  Leitung  gefertigten  Präparaten  des  Verf. 
hervorgeht.  In  den  Tonsillen  findet  sich  ein  erweitertes  Binde- 
gewebfr-Saftcanälchensystem  und  sie  sind  ein  Haufen  von  Follikeln 
oder  von  Lymphdrüsen  in  einfachster  Form. 

Die  pathologischen  Verhältnisse  trennt  Verf.  je  nachdem  sie  die 
oberflächliche  Schicht  der  Schleimhaut  oder  das  eigentliche  Tonsillen- 
gewebe  betreffen.  Danach  ergeben  sich  1)  Oberflächlicher 
Tonsillenkatarrh,  dessen  Fundament  Hyperämie  ist,  und  welcher 
leicht  in  2)  lacunärenTonsillencatarrhübexgeht.  Hierbei  entste- 


678  Centralblatt  für  Cbirurgie.    No.  43. 

lien  die  nach  ihrer  Zersetzung  oft  so  widerlich  riechendien^  hervorstehen- 
den weissen  Pfropfe  dadurch  ^  dass  die  im  acuten  Stadium,  durch 
Epithel-  und  Detritusmassen  ausgefüllten  Lacunen  bei  Abnahme  der 
Schwellung  diese  Massen  nicht  mehr  beherbergen  können.  —  3)  C  r  o  u  - 
pöse  und  4)  diphtheritische  Tonsillitis.  Bei  jener  eine*  auf 
die  Schleimhaut  aufgelagerte  Membran^  aus  einem  zelligen  Netzwerk 
bestehend;  bei  dieser^  wenn  es  zur  Bildung  einer  Membran  kommt^ 
besteht  die  Membran  aus  der  necrotisiienden  Mucosa.  5)  Acute 
Tonsillitis^  a)  folliculäre  Form^  oft  übergehend  in  b)  diffuse 
lymphatische  Tonsillitis,  wobei  das  ganze  cytogene  und  übrige 
Bindegewebe  dicht  von  Lymphzellen  infiltrirt  ist.  Ebenso  sind  die 
Follikel  dicht  mit  lymphoiden  Zellen  gefüllt.  Confluiren  dieselben 
im  Centrum  des  Follikels,  so  ist  der  Beginn  der  multiplen  Abscesse 
bei  dieser  Form  gegeben.  6)  Chronische  Form,  a)  chronische 
folliculäre  Tonsillitis  b)  Interstitielle  zellige  Tonsillitis 
(besonders  in  der  Jugend  häufige  Tonsillen  stark  veigrössert,  von  geringer 
Consistenz;  Follikel  stark  vergrössert  mit  Erhaltung  des  Reticulum; 
lymphoide  Infiltration  im  cytogenen  Gewebe;  Crypten  unverändert). 
c)  Interstitielle  indurative  Tonsillitis,  meist  mit  dem  Sta- 
dium der  Hypertrophie  auftretend  und  in  das  der  Schrumpfung  über- 
gehend (Analogieen  bei  Lebercirrhose  und  interstitieller  Nephritis  zu 
finden) .  Als  Curiosa  werden  die  dabei  zuweilen  gefundeneu  CoUoid- 
cysten,  Tonsillensteine,  hyaline  Knorpel-  und  Knochengewebspartieen 
erwähnt,  d)  Senile  Atrophie;  nach  Krankheiten  und  bei  Marasmus. 

7)  Neoplasmata,  werden  nur  andeutungsweise  erwähnt. 

T.  Mosengeil  (Bonn). 

A.  Rajewsky,     Ueber  Resorption  am  menschlichen  Zwerch- 
fell bei  verschiedenen  Zuständen. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXIV.  p.  186.) 

Verf.  suchte  die  Aufsaugungsfähigkeit  des  menschlichen  Zwerch- 
fells im  normalen  Zustand  «u  bestimmen  und  zugleich  den  Unter* 
schied  zwischen  dem  normalen  und  pathologisch-yeränderten  Zustand 
nachzuweisen.  Er  resumirt  die  Resultate  seiner  Untersuchungen  folgen- 
dermassen.  Das  normale  menschliche  Diaphragma  hat  die  Fähigkeit, 
Flüssigkeiten  und  darin  suspendirte  Partikelchen  au&usaugen,  wie 
y.  Recklinghausen  vom  Kaninchenzwerchfell  gezeigt  hat.  Das 
menschliche  Zwerchfell  erlangt,  wenn  es  durch  entzündliche  Processe 
verändert  ist,  eine  grössere  Fähigkeit,  Flüssigkeiten,  die  mit  ihm  in 
Berührung  kommen,  seine  Bahnen  passiren  zu  lassen.  An  solchen  ent- 
zündeten Diaphragmen  erhält  man  unter  dem  minimalsten  Drucke  eine 
Injection  des  Saftcanalsystems,  welche  als  die  natürlichste  zu  betrach- 
ten ist.  So  hergestellte  Präparate  beweisen,  dass  die  Saftcanälchen  mit 
den  Lymphcapillaren  in  Verbindung  stehen,  dass  sie  femer  nicht  belie- 
bige Räume  oder  Spalten  sind,  sondern  besondre  Canälchen,  die  im 
lockeren  Bindegewebe  eingegraben  sind.    Entfernung  des  Endothel  der 


Centaralblatt  für  Chirurgie.   No.  43.  679 

Serosa  auf  natürlichem  oder  künstlichem  Wege  eröänet  neue  Bahnen 
für  den  Durchgang  der  Flüssigkeiten ,  nämlich  die  Saftcanälchen, 
welche  an  der  freien  Oberfläche  der  Serosa  beginnen.  —  Die  Unter- 
suchungen wurden  im  v.  Recklinghausen' sehen  Institute  ange- 
stellt. Madelung  (Bonn). 


A.  Weichselbaiim.     Eine  seltene  Geschwulstform  des  Me- 
senterium (Chylangioma  cavemosum). 

(Vi ich.  Archiv  Bd.  LXIV.  p.  145.) 

Bei  einem  80jährigen  Mann  fand  sich  zwischen  den  Blättern  des 
fettieichen  Gekröses  des  oberen  Ileum  eine  handtellergrosse  Geschwulst. 
Beim  Einschneiden  floss,  wie  aus  den  Poren  eines  Schwammes^ 
Flüssigkeit,  die  sich  nach  mikroskopischer  und  chemischer  Unter- 
suchung als  Chylus  erwies.  —  Die  Hohlräume  der  Geschwulst  ent- 
sprachen ihrer  Form  nach  derjenigen  der  cavemösen  Blutgeschwülste, 
zeigten  dieselbe  Structur,  das  gleiche  Endothel.  Die  Füllung  mit 
Chylus  beweist,  dass  sie  entweder  aus  Chylusgefässen  hervorgegangen 
oder  doch  mit  ihnen  in  Communication  getreten  waren.  Die  Ge- 
schwulst war  wahrscheinlich  Anfangs  ein  Lipom,  denn  die  Peripherie 
bestand  grösstentheils  noch  aus  Lipomgewebe.  In  ihm  entwickelte  sich 
das  cavernöse  Gewebe.  Einzelne  Partieen  der  Peripherie  waren  ge- 
eignet, die  Entstehungsweise  aufzuklären.  Längs  den  Bindegewebs- 
zügen  traten  Rundzellen  auf,  breiteten  sich  an  Zahl  zunehmend  auf 
Kosten  des  umliegenden  Fettgewebes  aus.  Da,  wo  diese  Zellen 
grössere,  rundliche,  den  Lymphfollikeln  ähnliche  Gruppen  bilden, 
waren  Hohlräume  vorhanden  von  characteristischer  Form  und  zackiger 
Begrenzung,  wie  sie  Kölliker  von  den  Lymphcapillaren  im  Schwanz 
von  Batrachierlarven  beschrieben.  —  Diese  Chyluscapillaren  dehnen 
sich  weiterhin  zu  den  eigentlich  cavemösen  Bäumen  aus.  Verf.  giebt 
eine  Zusammenstellung  und  Kritik  theils  der  so  seltenen  Litteratur- 
berichte  über  cavernöse  Lymphangiome,  theils  die  verschiedenen  An- 
sichten der  Autoren  über  die  Entstehungsweise  der  cavemösen  Tu- 
moren überhaupt.  Madelung  (Bonn). 

W.  A.  Freund.     Ueber  Ausgangspuncte  und  Verbreitungs- 
wege des  Carcinoms  im  w^eiblichen  Becken. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXIV.  p.  1.) 

In  Fällen  ausgedehnter  carcinomatöser  Erkrankung  der  Becken- 
organe bei  Weibern  ist  der  Nachweis  des  Ausgangspunctes  der  Neu- 
bildung schwierig  und  oft  unmöglich.  Die  ersten  Stadien  des  Leidens 
verlaufen  fast  symptomlos  und  die  Zeit  der  noch  möglichen  Con- 
statimng  des  Ausgangspunctes  der  Neubildung  geht  ungenützt  vor- 
über. Man  nimmt  in  solchen  Fällen  meist  die  Prädilectionsstelle  des 
Krebses  im  weiblichen  Becken^  den  Uterus  als  Ausgangspunct  des 


680  CentralblaU  für  Chiruigie.     No.-43. 

Carcinoma  an.  Fr.  vermochte  in  7  Fällen  theils  während  des  Lebens, 
theils  auf  dem  Sectionstisch  andere  Organe  als  primär  erkrankt  nach- 
zuweisen (Mastdarm,  Blase ,  Vagina)  und  in  einzelnen  Fällen  die 
weitere  Entwickelung  und  Fortsetzung  von  diesen  bis  zur  Serosa  des 
Uterus  oder  in  ihn  selbst  zu  constatiren.  Bei  der  Seltenheit  der  bis- 
her bekannt  jgewordenen  Fälle  von  fortgesetztem  Gebärmutterkrebs 
sind  solche  Mittheilungen  bemerkenswerth.  Die  Fälle  geben  aber 
zugleich  einen  guten  Beweis  für  die  Richtigkeit  unserer  Anschauungen 
über  den  bestimmenden  Einfluss  traumatischer  Insulte  auf  die  Ent- 
wickelung primärer  Krebserkrankung;  den  viel£Eichen  Insulten ,  wel- 
chen unter  gewöhnlichen  Umständen  der  Scheidentheil  der  Gebär- 
mutter ausgesetzt  ist,  entspricht  das  häufige  primär  krebsige  Erkranken 
dieser  Stelle.  —  Fr.  fand  keinen  Fall  von  primärem  Uteruscardnom 
bei  constatirtem  Schutz  dieses  Oigans  vor  mechanischen  Insulten. 
Vielmehr  blieb  die  Gebärmutter  in  einer.  Reihe  von  Fällen  kreosiger 
Erkrankung  in  ihrer  Umgebung,  welche  notorisch  vielfachen  mecha- 
nischen Insulten  unterworfen  ist,  eine  Zeitlang  vor  gleicher  Erkran- 
kung gleichsam  geschützt  und  wurde  erst  spät  durch  Ausbreitung  der 
Neubildung  auf  Umw^en  ergriffen.  Madelnng  (Bonn). 


G.  Tizzoni  und  J.  Oaule.    Ein  Beitrag  zur  Lehre  von  der 

Hodentuberkulose. 

(Vir eh.  Archiv  Bd.  LXln.  p.  386.) 

Die  Untersuchung  des  Hodens  eines  30jährigen  Individuums^  das 
an  chronischer  Tuberkulose  gestorben  war,  gab  den  Vcrff.  Gelegenheit 
das  Vorkommen  von  wahrer  Miliartuberkulose  des  Hodens  zu  consta- 
tiren. Der  Befund  ist  von  Wichtigkeit,  da  die  seither  in  der  Litte- 
ratur  berichteten  Fälle  nur  Knaben  oder  Individuen  mit  acuter 
Miliartuberkulose  betrafen.  Die  Tuberkel  waren  spärlich  im  Gebiet 
der  gewundenen  Samencanälchen,  am  reichlichsten  in  der  Epididymis. 
Eigentliche  käsige  Metamorphose  war  in  ihnen  noch  nicht  eingetreten. 

Derselbe  Hoden  zeigte  aber  eine  von  älteren  Forschem  öfters, 
wenn  auch  ungenau,  beschriebene,  von  Virchow  geleugnete  Affec- 
tion,  eine  intratubuläre,  käsige  Orchitis.  Während  im  Gebiet  der 
gewundenen  Samencanälchen,  wie  in  dem  der  geraden  nur  der  Be- 
ginn einer  Veränderung  des  Epithels  bestand,  traten  im  rete  testis 
und  epididymis  hauptsächlich  drei  Stadien  der  Erkrankung  hervor, 
1)  Wucherung,  2)  Zerstörung  des  Epithels  nebst  Auftreten  von  Rund- 
zellen und  eigenthümlichen  riesenzellenähnlichen  Klumpen  in  dem 
Lumen,  3)  Bildung  von  käsigen  Producten.  Ob  zwischen  der  käsigen 
Orchitis  und  der  Miliartuberkulose  ein  Zusammenhang  bestand,  Hess 
sich  an  der  Hand  des  einzelnen  Falles  nicht  entscheiden. 

Madelvng  (Bonn). 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  43.  681 

J.  Kalsoheuer.     Ueber  die  verschiedenen   Formen  des  Hy- 

drophthalmus. 

Inaug.-Diss.  Bonn  1875. 

Nach  einleitenden  Bemerkungen  beschreibt  Verf.  je  einen  Fall 
von  congenitalem  und  traumatischem  Hydrophthalmus  und  weist 
nach^  dass  die  Vorgänge  und  Veränderungen  in  beiden  Arten  von 
Fällen  ihrem  Wesen  nach  sich  dui'chaus  nicht  unterscheiden  ^  mit 
Ausnahme  derjenigen  Veränderungen,  welche  durch  das  Trauma 
direct  veranlasst  werden,  als  Narbenbildung  etc.  —  Es  folgen  makro- 
und  mikroskopische  XJntersuchungsresultate  des  enucleirten,  nach 
Trauma  entstandenen  hydrophthalmischen  Bulbus.  Für  beide  Arten 
giebt  Verf.  als  kurze  Charakteristica  an :  trübe  comea  globosa,  erhöhte 
Bulbusresistenz,  grosse  Ausdehnung  und  Verdünnung  des  Scleralsau- 
mes,  Druckexcavation  der  Papille,  Irisatrophie  und  Glaskörperver- 
flüssigung. 

Enucleation  empfiehlt  K.  nur,  wenn  sympathische  AfEection  des 
anderen  Auges  befurchtet  wird  oder  durch  die  grosse  Ausdehnung  des 
Bulbus  Lidschlag  und  Lidschluss  behindert  siild.  — 

T.  Mosenireil  (Bonn). 

L.  Hirsohmann.     Behandlung  des  Trachoms. 

(Sitzungsberichte  der  med.  Gesellschaft  zu  Charkow.  1S75.  No.  5.  p.  78.) 
Verf.  wandte  die  von  Sameiso hn  empfohlene  Behandlung 
hartnäckiger  Trachomformen  mittelst  Galvanokaustik  in  150  Fällen 
mit  günstigem  Erfolge  an.  Fälle,  welche  jahrelanger  Behandlung 
getrotzt  hatten,  wurden  in  2 — 2^2  Monaten  vollkommen  geheilt.  Die 
Zahl  der  Cauterisationen  schwankte  zwischen  1  und  15;  jedesmal 
wurden  1 — 8  wirkliche  trachomatöse  Kömer  cauterisirt.  Entzündliche 
Comealcomplice^fionen  waren  kein  Hindemiss.  Der  Schmerz  war  ge- 
ringe die  Reaction  nie  auffallend,  zuweilen  nur  3  — 12  Stunden 
ein  leichter,  vorübei^ehender  Beizzustand  der  Conjunctiva  vorhanden ; 
nie  Narben.  Becidive  selten,  und  in  diesem  Falle  bessere  Resultate 
durch  die  früheren  Mittel.  Wiederholung  der  Cauterisationen  nach 
4 — 7 — 10  Tagen.     Alle  Patienten  ambulatorisch  behandelt. 

Bestreuung  der  Lider  mit  Chin.  muriaticum  in  Pulverform 
und  energische  Einreibung  desselben  vermittelst  eines  Fingers  in  die 
Conjunctiva  durch  Y4 — Y2  Minute,  darauf  Abspülung  des  Restes,  er- 
gab gleichfalls  auffallend  gute  Resultate;  nur  traten  bei  dieser  Me- 
thode zuweilen  heftige  Blutung,  immer  ziemlich  heftige  Schmerzen, 
oft  für  mehrere  Stunden  ein,  wogegen  kalte  Compressen  mit  Vortheil 
angewandt  wurden.  Diese  Behandlung  erwies  sich  besonders  erfolg- 
reich in  veralteten  Fällen  mit  grossen  gallertigen  Kömern  oder 
gleichmässiger  Infiltration  der  narbigen  Conjunctiva,  mit  gleichzeitigem 
Pannus,  oft  schon  nach  1—2  Einreibungen,  jedesmal  mit  rascher  Er- 
leichterung. In  frischen  Fällen  keine  Besserung.  Wiederholung  der 
Einreibung  alle  2—4  Tage.  W.Örube  (Charkow).    • 


682  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  43. 

J.  Hardie.     Neue  Methode  der  Rhinoplaatik. 

[British  med.  Associat.  —  British  med.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  260.) 

Bei  einem  1 6jährigen  Mädchen^  welche  mit  Ausnahme  von  kleiuen. 
Resten  beider  Nasenflügel  die  ganze  Nase  verloren  hatte,  half  sich 
H.9  um  die  neue  Nase  genügend  zu  stützen  und  prominent  zu  ma- 
chen^  nachdem  er  seinen  ersten  Plan^  beide  proc.  nas.  des  Oberkiefers 
abzulösen  und  als  Stütze  zu  verwerthen^  aufgegeben  hatte  ^  auf  fol- 
gende Weise:  er  verpflanzte  das  letzte  Glied  des  4.  Fingers  an  die  Nase, 
indem  er  in  der  Volarseite  derselben  in  der  Mittellinie  die  Weich- 
theile  durchtrennte ,  dann  dieselben,  unter  Hinzufügung  eines  trans- 
versalen Schnitts  an  der  Basis  der. Phalanx  nach  beiden  Seiten  ab- 
löste und  diese  frischen  Wundränder  an  die  angefrischten  Ränder 
der  Nasenöffnung  annähte;  Hand  und  Arm  wurden  genügend  befes- 
tigt. Auf  der  einen  Seite  erfolgte  die  Vereinigung  durch  Granula- 
tionsbildungy  auf  der  anderen  per  primam ;  nach  3  Monaten  wurde  die 
Phalanx  abgetrennt.  In  weiteren  Nach  Operationen  vereinigte  man 
die  Reste  der  Nasenflügel  und  der  Scheidewand  mit  dem  Fingergliede 
und  entfernte  den  Nagel.  Obwohl  ein  genügender  permanenter  Na- 
senersatz geschaffen  war,  so  wich  derselbe  schon  in  den  nächsten 
Wochen  so  nach  der  Nasenhöhle  hinein,  dass  eine  Ueberdeckung 
mit  Haut  nothwendig  wurde.  Das  Mädchen  soll  ohne  besondere  (?) 
Beschwerden  dieses  Alles  ertragen  haben.     Doch  meint  H.,   dass  in 

geeigneten  ähnlichen  Fällen  mehr  als  eine  Phalanx  zu  benutzen  sei.  — 

Pilz  (Stettin). 


W.  Adams.  Neues  Verfahren,  eingezogene  Narben  zu  beheben. 

(British  med.  Associat.  —  British  med.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  260.) 

Die  nach  Drüseneiterungen  und  Knochenexfoliation  entstandenen 
vertieften  Narben  räth  A.  auf  folgende  Weise  zu  behandeln.  Ein 
Tenotom  wird  am  Rande  der  Narbe  eingestochen  und  nun  dieselbe 
in  ihrem  ganzen  Umfange  vom  Untergrunde  abgelöst,  die  beweglich 
gemachte  Narbendecke  hervorgedrückt  und  in  dieser  Lage  erhalten 
durch  2  feine  Hasenscharten-  Nadeln,  welche  vom  Rande  aus  unter 
ihr  in  rechten  Winkeln  sich  kreuzend  hindurchgelegt  werden;  nach 
3  Tagen  werden  dieselben  entfernt.  In  3  Fällen  erreichte  A.  den 
gewünschten  Erfolg,  die  Narbe  war  au  niveau  der  Haut  und  soll  all- 
mälig  auch  das  Aussehen  derselben  angenommen  haben. 

Pll2  (Stettin). 


J.  Szeparowicz.    Beiträge  zur  Casuistik  der  Tracheotomie.  — 

(Przegl^d  lekarski  1875.  No.  21—26,  polnisch.) 

1]  Tracheotomia  super,  bei  einem  5jähr.  Mädchen  am4.  Tage  der 
Laryngitis  Croup,  mit  gutem  Erfolge  —  Kanüle  verblieb  7  Monate. 


Centralblatt  ftr  Chinugie.    No.  43.  683 

2)  Ungünstiger  Ausgang  bei  einem  Själmgen  Knaben^  wo  die 
Tracheotomie  am  5.  Tage  der  Pharyngo-Laryngitis  diphtheritica  aus- 
geführt wurde.     Tod  am  3.  Tage  nach  der  Operation. 

3)  Diphtherie  bei  einem  4jährigen  Patienten;  am  4.  Krankheits- 
tage Operation;  nach  4  Tagen  Tod.  — 

4)  Laryngitis  crouposa  descendens  bei  einem  5jährigen  Knaben; 
Tracheotomie  am  7.  Krankheitstage  mit  gutem  Erfolge  —  Kanüle 
blieb  13  Tage  liegen«  — 

5)  Chorditis  vocalis  inf.  hypertrophica  bei  einem  22jährigen 
Manne  —  Tracheotomia  superior  —  Heilung  mit  Permanenz  der 
Kanüle.  —  Syphilis  konnte  als  Ursache  nicht  nachgewiesen  werden; 
dieser  Fall  gleicht  dem  yon  Burow  (Archiv  f.  klin.  Chir.  Hd.  XVIII. 
Hft.  2)  beschriebenen,  so  wie  denen  von  Gerhardt  und  Türck. — 

6)  19jähriges  Mädchen  mit  Perichondritis  arytenoidea  und  thyre- 
oidea  (syphilitica};  Tracheotomie  mit  gutem  Erfolge. 

7)  Cicatrices  laryngis  post  ulcera  syphilitica;  Tracheotomie  mit 
gutem  Erfolge. 

S]  Schnittwunde  des  Larynx  beim  Selbstmordversuch  —  Tracheo- 
tomie —  später  Tod  infolge  von  Pneumonie.  — 

9)  Carcinoma  epitheliale  laryngis  —  Tracheotomie  mit  Permanenz 
der  Kanüle. 

10}  S.  wurde  zu  einem  im  höchsten  Grade  Dyspnoetischen  gerufen, 
kam  aber  zu  spät,  nämlich  in  dem  Augenblicke^  als  der  Pat.  das 
letzte  Exspirium  machte;  dennoch  schritt  er  zur  Tracheotomie.  Nach 
28tündigem,  vermeintlich  nutzlos  unterhaltenem  künstlichen  Athmen, 
wurde  der  Pharynx  mit  einem  Federkiel  gereizt,  worauf  Reflexe  er^ 
folgten;  weitere  energische  durch  2  Stunden  fortgesetzte  Belebungs- 
versuche wurden  mit  Erfolg  gekrönt.  — 

11}  Perichondritis  tuberculosa  laryngis;  Tracheotomie;  Tod  am 
16.  Tage  nach  der  Operation  infolge  tuberculöser  Lungeninfiltration. 

12}  Ein  2jährige8  Mädchen  erkrankt  zusammen  mit  ihrem  klei- 
nen, etwas  älteren  Bruder:  das  erste  zeigte  nur  einfache  Mandelent- 
zündung, die  ein  paar  Tage  dauerte,  der  zweite  fiberte  stark,  es  stell- 
ten sich  Convulsionen  ein,  zuletzt  bemerkte  man  im  Pharynx  Diphtherie, 
die  nach  Höllensteinbepinselungen  in  ein  paar  Tagen  wich.  Durch  drei 
Wochen  Euphorie  bei  beiden ;  nach  dieser  Zeit  tritt  bei  beiden  zugleich 
Croup  ein  (keine  Zeichen  im  Pharynx,  dagegen  Aushusten  von 
Membranen};  das  Mädchen  wird  beinahe  in  Agone  tracheotomirt.  — 
Tod  am  2.  Tage.  Dem  älteren  Bruder  wurden,  da  er  nicht  so  grosse 
Dyspnoe  aufwies,  Inhalationen  mit  acid.  lacticum  applicirt,  die  sich  in 
ihren  Folgen  als  vortre£Elich  erwiesen.  — 

S.  erklärt  sich  gegen  die  Narkose  während  der  Tracheotomie  und 
plaidirt  für  das  von  Böse  beschriebene  Operationsverfahren.  — 

Obwohl  S.  Inhalationen  von  Milchsäure  für  ein  sehr  schätzbares 
Mittel  bei  Croup  hält,  so  betrachtet  er  doch  die  Tracheotomie  als  eine 
der  erfolgreichsten  Behandlungsmethoden  desselben,  die  nicht  nur  me- 
chanisch (gegen  Dyspnoe)  wirkt,  sondern  auch  durch  Erleichterung  des 


684  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  43. 

Athmungsprocesses  und  durch  Beseitigung  der  dadurch  bedingten  ve- 
nösen Hyperämie  des  Larynx  auf  den  Krankbeitsprocess  selbst  grossen 
Einfiuss  hat.  Darum  räth  S.  Tracheotomie  bei  Croup  in  frühen 
Krankheitsstadien  vorzunehmen;  nicht  so  bei  Diphthme.  Hier  solle 
man  abwarten^  bis  alle  anderen  Mittel  im  Stiche  gelassen  haben  und 
soll  deshalb  die  Tracheotomie  in  solchen  Fällen  als  ultimum  remedium 
bei  drohender  SuflFocation  angewandt  werden.  —  Was  des  Verf.  An- 
sicht über  das  Verhältniss  der  beiden  Krankheitsformen  zu  einander 
anbelangt^  so  stimmt  er  mit  0er tel  darin  überein^  dass  Croup  und 
Diphtherie  besondere  Krankheitsformen  seien ,  meint  aber^  dass  bei 
Diphtherie  zuerst  die  Blutkrase  und  dann  erst  die  Localisirung  auf- 
tritt. —  Obaliiski  (Krakau). 


P.  Brons.     lieber  das  »Mal  perforant  du  pied«. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  30,  31  u.  32.) 

Verf.  schliesst  jeden  pathologisch-anatomischen  Character  aus  und 
will  das  Leiden  nur  vom  klinischen  Standpunct  aus  betrachten.  Im 
Allgemeinen  stehen  sich  zwei  Ansichten  der  Autoren  gegenüber:  die 
Einen  betrachten  die  AfFection  als  einen  localen  Prooess,  die  Andern 
als  secundäre  Erscheinung  im  Gefolge  andrer,  zum  Theil  allgemeiner 
Störungen.  Druckwirkung,  Schwielenbildung,  Entzündung  und  tief- 
greifende Ulceration,  eventuell  unter  Betheiligung  eines  Schleimbeu- 
tels (ulceröse  Dermosynovitis)  wären  für  die  erstere  Anschauung  die 
zur  Erklärung  nötbigen  Momente ;  ähnlich  die  Hypothesen  von  pura- 
lentem  Hygrom,  Ostitis  oder  Neubildung.  Die  zweite  Classe  nimmt 
entweder  spedfische  Allgemeinleiden  an ;  Lues  und  atheromatöse  De- 
generation der  Arterien  (Gangraena  senilis)  werden  als  Grund  ange 
sehen,  ebenso  neuroparalytische  Verschwärungen  oder  Lepra  anaesthe- 
tica.  Die  vasomotorische  Lähmung  bedinge  zunächst  Atonie  der 
Gefässe,  verlangsamte  Circulation,  Stauung  und  passive  Hyperämie, 
sowie  den  malignen  Character  traumatischer  Affectionen,  und  in  diesem 
Sinne  sei  das  mal  perforant,  das  primär,  wie  sein  Sitz  (Ferse  und 
Köpfchen  der  Mittelfussknochenj  schon  sagt,  ein  Decubitus  ist,  eine 
neuro-paralytische  Verschwärung.  —  Die  Arten  der  primären  Ner- 
venaflFection  unterscheidet  Verf.  als  centrale  (spinale)  und  periphere. 
Unter  den  Affectionen  des  Rückenmarks,  in  deren  Gefolge  mal  per- 
forant beobachtet  wurde,  finden  sich  traumatische  Läsionen  und 
chronisch-degenerative  Processe.  Es  werden  4  Fälle  aufgeführt,  in 
denen  Fractur  der  Wirbelsäule  vorlag  mit  bleibender  partieller  Läh- 
mung; das  Plantargeschwür  trat  1—6  Jahre  nach  der  Verletzung  auf. 
Ferner  werden  als  ätiologische  Momente  FäUe  von  Tabes  dorsualis  mit 
Sensibilitäts-  und  Coordinationsstörung  citirt  und  andere  centrale 
Affectionen,  geheilte  Spina  bifida  mit  zurückbleibender  Schwäche  und 
Atrophie  der  unteren  Extremitäten,  progressive  Muskelatrophie  und 
spinale  Kinderlahmung.  Unter  den  peripheren  Nervenaffectionen 
geben  besonders  Verletzungen  des  Nervus  ischiadicus  zum  Auftreten 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  43.  685 

des  mal  perforant  Veranlassung.  Auch  wird  ein  Fall  erwähnt  ^  in 
welchem  durch  Druck  eines  Tumors  auf  die  Wurzeln  dieses  Nerven 
derselbe  Erfolg  bewirkt  wurde.  Schliesslich  ist  die  Lepra  anaesthetica 
hier  zu  erwähnen.  Das  Gesammtresultat  aller  Betrachtungen  des 
Verf.  ist^  dass  i»die  Besonderheiten  im  Auftreten  und  Character  des 
Plantargeschwüres  einzig  und  allein  ihren  Grund  in  der  praeexistiren- 
den  localen  Ernährungsstörung  durch  Nervendegeneration  habena. 
In  Betreff  der  Therapie  ist  ausser  der  gegen  das  Geschwür  gerich- 
teten zu  erwähnen ;  dass  nach  experimentellen  Beobachtungen  der 
Electridtät  grosser  Einfluss  zuzutrauen  ist.  Am  Ende  der  Arbeit 
folgt  eine  eigene  Beobachtung  in  ausfuhrlicherer  Mittheilung.  Bruch 
des  unteren  Theiles  der  Brustwirbelsäule  hatte  Paralyse  und  Anästhe- 
sie der  peripher  vom  Bruch  gelegenen  Partieen  zur  Folge.  Es  folgte 
Besserung  im  Laufe  der  Jahre  ^  es  trat  aber  am  Ballen  der  linken 
grossen  Zehe  mal  perforant  ein.  Die  Analgesie  an  den  Unterschen- 
keln war  sehr  entwickelt.  Doch  erfolgte  Heilung  mit  an  dem  Knochen 
adhärenter  Narbe.  —  v^Mosengeü  (Bonn). 


J.  Lane.     Die  Behandlung  der  Hämorrhoidalknoten  mittelst 
Klammer  oder  Cauterium  und  mittelst  der  Ligatur. 

(Lancet  1875.  Vol.  II.  p.  162.) 

H.  Smith  hat  im  Lancet  1875  Vol.  11,  p.  90  und  124  ausführ- 
licher über  seine  Erfolge  bei  Entfernung  von  Hämorrhoidalknoten 
und  Mastdarmvorfflllen  mittelst  seiner  verbesserten  Klammer  und  Glüh- 
eisen  berichtet;  darnach  hatte  er  nur  4  Todesfälle  bei  400  Fat.  zu 
beklagen.  Indem  er  bei  dieser  Gelegenheit  indirect  Lane  angreift, 
welcher  die  grossen  Yortheile  der  Methode  von  Smith  gegenüber  der 
Ligatur,  besonders  den  Schutz  gegen  Erysipele,  Pyämie  und  Nach- 
blutung nicht  anerkennen  wolle,  entgegnet  L.,  dass  seine  Erfahrungen 
für  die  Ligatur  noch  weit  günstigere  seien,  und  er  somit  keinen  Grund 
habe,  von  der  Ligatur  abzugehen.  Er  habe  in  St.  Mark's  Hospital 
bei  über  800  Operirten  nur  3  Todesfälle,  darunter  keinen  an  Pyämie 
und  Tetanus  gesehen;  ja  Allingham  habe  unter  400  mit  Ligatur 
behandelten  keinen  verloren.  Im  Ganzen  soll  in  St.  Mark' s  Hos- 
pital von  3210  mit  Ligatur  Operirten  keiner  an  Pyämie  gestorben  sein. 

Pilz  (Stettin). 


Kleinere  Mittheiiungen. 

J.  Dix.     Erfolgreiche  Behandlung  von  2  Aneurysmen  durch  Compres- 

sion  mittelst  Draht. 

(British  med.  Assocciat.  —  British  med.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  258.) 

Die  von  ihm  1864  angegebene  Methode  zur  Blutstillung  yerletzter  Qef&sse  hat  D. 

auch  erfolgreich  bei  einem  Aneurysma  der  Carotis  und  Femoraiis  angewandt.    Nach 

Blosslegung  der  Arterie   wird  mittelst  Aneurysmanadei  ein  Draht  um  die  Arterie 

gebracht,  jedes  der  beiden  Enden  in  eine  Nadel  eingef&delt  und  durch  die  Weich- 


686  Centralblatt  für  Ckinugie.    No.  43. 

theile  nach  auBsen  gefohrt,  so  das«  in  der  Haut  beide  Drahtenden  Vs''  auaeinander- 
liegen.  Jetzt  werden  dieselben  über  einer  in  der  Richtung  der  Arterie  li^^de 
Korkplatte  allmälig  zusammengedreht.  Bei  den  Aneurysmen  Hess  D.  die  ersten 
3  Tage  einen  geringen  Blutstrom  bestehen,  dann  erst  schloss  er  die  Arterie  ganz. 
Nach  24  Stunden  war  vollständige  Gerinnung  im  aneurysmatiachen  Sacke  einge- 
treten und  es  konnte  jetzt  der  Draht  entfernt  werden.  ~  Die  Vortheile  dieser 
modificirten  »Acupressur«  bestehen  nach  Verf.  in  der  allmiUgen  Blutabsperrung  und 
dadurch  begünstigter  Bildung  eines  CoUateralkreislaufes  zur  Vorbeugung  der 
Gangrän;  ferner  wird  die  Durchschneidung  der  Intima  und  so  Durcheiterung  des 
Oefitosrohn  und  die  Möglichkeit  einer  Nachblutung  Termieden.  Der  Draht  kann 
durchgehends  am  3.  Tage  entfernt  werden.  Pili  (Stettin) . 

W.  Stols.    Transfusion  bei  Anaemie. 

(Med.  Bote  1875.  No.  7,  russisch.) 
St.  spricht  sich  kategorisch  gegen  die  Transfusion  bei  acuter  puerperaler  Anaemie 
aus.  Er  sucht  nachzuweisen,  wie  es  bis  jetzt  unerwiesen  sei,  ob  das  Procent- 
▼erhältniss  Ton  Heilungen  nach  der  Transfusion  grösser  sei,  als  ohne  diese  Opera- 
tion (?),  femer  sei  die  Operation,  selbst  in  Händen  von  Chirurgen  mit  Schwierig- 
keiten verknüpft.  Verf.  führt  einen  Fall  an,  in  dem  sich  nach  heftigen  Nasenblutungen 
und  einer  zufälligen  Verletzung  während  der  Schwangerschaft  eine  acute  Anaemie 
mit  wiederholten  Ohnmächten,  Sinken  des  Pulses  etc.  entwickelte.  Es  wurde  die 
Transfusion  mit  einem  Robert-C ollin' sehen  Apparate  ausgefQhrt;  das  Blut 
wurde  einer  Vene  de«  Mannes  der  Kranken  entnommen.  Hascher  lethaler  Ausgang. 
Der  Mann  verblutete  sich  fast  (?),  denn  nach  Eröffnung  seiner  Vene  konnte  der 
Chirurg  an  der  Patientin  lange  kein  genügend  weites  Geftss  finden,  da  ihre  Venen 
stark  collabirt  waren.  W«  Gmbe  (Charkow). 

Morell-Maokezusie.      Die     Behandlung    veigrösserter    Drüsen    durch 

subcutane  Injection. 
(British  med.  Assocciat.  —  British  med.  Journal  1875.  Vol.  Ü.  p.  260.) 

Verf.  beschränkt  sich  in  der  Besprechung  nur  auf  die  CervicaldrQsen  und  ver- 
sichert, von  den  verschiedenartigst  venuchten  Injectionen  allein  die  mit  verdünnter 
Essigsäure  lebhaft  empfehlen  zu  können  (Quantum  und  Stärke  werden  nicht  ange- 
geben); in  36  Fällen  habe  er  sie  erfolgreich  erprobt  und  in  der  Woche  nur  eine 
Injection  gemacht;  sind  mehrere  Drüsen  afficirt,  dann  seien  sie  öfter  zu  machen. 

Pü]^  (Stettin). 
Hieden.     Unterbindung  der  Carotis  communis. 

(Correspondenzbl.  d.  ärztl.  Vereine  in  Rheinland  etc.  etc.  1875.  No.  16.  p.  53.) 

Nachdem  lOwÖchentliche  Compression  der  Carotis  comm.  sin.  zur  Heilung  eines 
Aneurysma  arteriae  ophthalroicae  (vgl.  Centralbl.  f.  Chirurgie  1874.  p.  543;  ohne  Er- 
folg angewandt  worden  war,  unterband  N.  die  Carotis  communis.  Cooper'schea 
Verfahren,  Catgut,  antiseptischer  Verband.  —  Heilung  der  Wunde  in  3  Tagen. 
Nach  Verlauf  eines  Jahres,  welches  Fat.  in  vollkommenem  Wohlbefinden  zugebracht, 
wird  constatirt,  dass  der  Bulbus  nur  noch  circa  1 — 1 V2  Linien  vor  dem  der  anderen 
Seite  hervorragt.  Das  Auge  kann  wieder  in  normaler  Weise  nach  aussen  gedreht 
werden,  die  Pulsation  und  das  Schwirren  sind  vollständig  zum  Stillstand  gekommen. 
Fat.  hört  noch  ein  sausendes  Geräusch  von  etwa  Vs  d«'  Stärke  des  früheren.  Seh* 
schärfe  «Vis-  Madelug  (Bonn). 

Adams.     Traumatisches  Emphysem  ohne  Verletzung  des  Thorax. 

(Lancet.  1875.  Vol.  II.  p.  129.) 

Ein  8j ähriges  Kind  wurde  durch  einen  leichten  Karren  am  oberen  Theile  des 

Rückens  flberfahren.    Bei  der  Aufnahme  im  Hospitale  bedeutendes  Bmphysem  des 

Gesichts,  der  Schläfe,  der  Brust,  der  linken  Rackenseite,  der  Bauchdeoken,  der 

Arme  und  Beine,  ausserdem  hochgradige  DyspnoS;  nirgends  eine  Hautvarletiung, 


CentTalblatt  far  Chirurgie.    No.  43.  687 

ebensowenig  ein  Rippenbruch  aufzufinden.  Unter  Zunahme  des  Emphysems  und 
der  Athmennoth  nach  H/s  Stunden  Tod.  Section:  Bei  Entfernung  des  Brustbeins 
entwich  Luft  aus  dem  Thorazraum.  Lungen  sehr  collabirt,  die  oberen  Lappen 
blutreich ;  am  vorderen,  seitlichen  Umfange  jeder  Lunge  ein  gerötheter  Fleck  und 
innerhalb  desselben  durch  Luft  ausgedehnte,  nicht  geborstene  Lungenbläschen. 
Die  Stelle  der  Ruptur  wurde  nicht  gefunden.  Trachea  und  Bronchien  enthalten 
rothe  schaumige  Flüssigkeit;  in  dem  fast  leeren  Herz  nur  sparsame  Blutgerinnsel. 
Die  Rippen,  Rippenknorpel  und  Wirbel  unverletzt,  die  Baucheingeweide  normal. 
Wahrscheinlich  hatte  der  Knabe  mit  dem  Gesicht  auf  der  Erde  gelegen ,  als  er 
aberfahren  wurde.  TUm  (Stettin). 

Bussard.     Kyste   hydatique    du   foie.    —  Guirison   apr^s  une  seule 

ponction  aspiratrice. 
(La  Presse  medicale  beige  1875.  No.  38.) 

VemeuiL    Kyste  hydatique  du  foie.  —  Ponction.     Sonde  ä  demeure. 

Desinfection  permanente. 
(Rerue  de  Therapeut,  m^d.  chirurg.  1875.  No.  16.) 

In  dem  von  B.  mitgetheilten  Falle  wurde  bei  einem  29  Jahre  alten  Soldaten 
durch  die  Function  der  Geschwulst  und  Aspiratioü  von  750  Gramm  einer  wftssri- 
gen,  Hakenkränze  enthaltenden  Flüssigkeit  vollstAndige  Heilung  erzielt.  Bis  nach 
3  Monaten  kein  Recidiv.  Bemerkenswerth  war  der  Ausbruch  eines  Urticaria-Ex- 
anthems auf  Bauch  und  Schenkeln  etwa  30  Stunden  nach  der  Operation.  —  Die 
Function  und  Aussaugung  von  Lebercysten  haben  Bieulafoy,  Jaccoud  und 
Desnos  empfohlen. 

y.  dagegen  verwirft  diese  Methode  als  unsicher.  Dauernde  Heilung  könne  nur 
durch  narbige  Schrumpfung  des  Sackes  erreicht  werden.  Zu  dem  Zwecke  punctirt 
V.  die  Geschwulst  mit  einem  dicken  Troikart  und  fahrt  nach  der  Entleerung  durch 
die  Halse  desselben  eine  starke  elastische  Gummisonde  ein,  welche  so  lange  liegen 
bleibt,  bis  rings  herum  Adhäsionen  zwischen  den  Peritonealblättern  zu  Stande  ge- 
kommen sind.  Alsdann  werden  bis  zur  Vemarbung  der  Geschwulsthöhle  Einspritz- 
ungen Ton  CarboUösung  und  Alkohol  gemacht.  Das  Verfahren  ergab  ihm  mehrfach 
▼ollständige  Heilungen.  —  In  dem  letzten  derartig  behandelten  Falle  beobachtete 
V.  ebenfalls  unmittelbar  nach  der  Function  Entwicklung  von  Urticaria. 

Arn.  Hiller  (Berlin). 

Birnbaum..     Catgutnaht  des  Uterus  beim  Kaiserschuitt. 

(Correspondenzbl.  d.  ärztl.  Vereine  in  Rheinland  etc.  etc.  1875.  No.  16.  p.  16.) 

Auf  Grund  seiner  Erfahrungen  bei  drei  Fällen  von  Kaiserschnitt  (1  Heilung) 
stellt  B.  folgende  Sätze  auf.  Die  Catgutnaht  bewirkt  keine  Heilung  der  Uterin- 
wunde per  primam  intentionem.  Sie  ist  zur  Schliessung  der  Uterinwunde  aberhaupt 
unsicher,  da  sie  theils  keine  hinreichend  lange  Dauerhaftigkeit  hat,  theUs 
aber  dadurch,  dass  die  Knoten  sich  bei  einiger  Gewalt  leicht  aufziehen.  Sie 
bewirkt  aber  äusserst  energische,  die  Blutung  stillende  Nachwehen.  Sie  ver- 
batet dadurch  die  Auswärtswendung  der  Wundränder,  die  zwar  etwas  klaffen,  aber 
gerade  gegeneinanderstehen ,  nicht  wie  sonst  so  oft,  in  dem  Schleimhautrande  viel 
enger  anein anderliegen ,  im  Rande  des  serösen  Ueberzugs  viel  weiter  auseinander- 
fallen. Trotz  ihrer  geringen  Dauerhaftigkeit  und  Haftbarkeit  vermag  sie  daher  die 
so  gefährlichen  Nachblutungen  aus  den  Wundrändern  dennoch  zu  verhüten. 

Madelang  (Bonn). 
M.  Oünsburg.     Verletzungen  der  Tagina. 

(Sitzungsberichte  der  med.  Gesellsch.  zu  Charkow  1874.  Bd.  II.  p.  20.) 

1)  Eine  alte  Frau  stiess  beim  Fallen  in  der  Dunkelheit  auf  eine  in  einem 
Kohlenhaufen  steckende  Schippe,  deren  Stiel  sie  sich  dabei  in  die  Vagina  eintrieb. 
Sofortige  heftige  Blutung  aus  den  Genitalien,  Ohnmacht.  G.  fand  bei  der  Unter- 
suchung einen  schräg-circulären  Riss  der  rechten  Scheidenwand,  welcher  von  der 
Urethralöffnung  bis  zur  hinteren  Commissur  verlief.  —  Während  der  Untersuchung 


688  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  43. 

—  heftige  BlutuQg,  beständige  Ohnmacht,  tödtliche  Bl&sse  der  Haut,  fadenförmiger 
Puls.  G.  tamponirte  sofort  die  Vagina  mit  Leinwandläppchen ,  die  in  Eiswasser 
angefeuchtet  wurden.  Als  die  Kranke  zu  sich  kam,  klagte  sie  über  heftige 
Schmerzen  in  der  Lendengegend  und  im  Steiss.  Nach  4 — 5  Tagen  erholte  sie  sich 
ailmälig;  erneuerte  Untersuchung  erwies  Verheilung  der  Bisswunde. 

2)  Ein  Bauer  brachte  seiner  Frau  —  einer  Idiotin  —  den  oberen  Theil  eines 
Schnapsgläschens ,  welches  am  Halse  abgebrochen  war,  in  die  Vagina  hinein,  24 
Stunden  darauf  wurde  O.  vom  Untersuchungsrichter  hinberufen.  Er  fand  die  Frau 
mit  stark  aufgetriebenem  Leibe,  ihre  Wäsche  ganz  mit  Blut  besudelt,  seit  1  Vs  Tagen 
keine  Urinentleerung.  Mittelst  des  Sims' sehen  Oebärmutterspiegels  und  einer 
Zange  extrahirte  Ver£/  das  Qlas ,  wobei  es  zerbrach  und  abermals  die  Vaginawand 
verletzte.    Die  Kranke  wurde  gesund,  ohne  bleibende  Folgen  der  Verletzung. 

Hieran  anknüpfend  bespricht  Verf.  die  Casuistik  der  Vaginalverletzungen  und 
zieht  den  Schluss,  dass  sie,  abgesehen  von  den  öfter  zur  Beobachtung  kom- 
menden Vaginalverletzungen  bei  geburtshülflichen  Operationen,  höchst  selten  sind, 
und  dass  die  Meinung  von  Kiwi  seh,  nach  der  nur  solche  Verietzungen,  welche 
die  Bulbi  vestibuli  betreffen,  zu  heftigen  Blutungen  Anlass  geben,  durch  obige  Fälle 
widerlegt  wird.  W.  Grabe  (Charkow). 

Thaden.     Section    eines   Falles  von  spontaner  peripherischer  Harn- 

steinzertrümmerung. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.    Bd.  XVIII.  Hft.  3.  p.  594.) 

Einem  im  75.  Lebensjahre  verstorbenen  Manne  gingen  in  16  Jahren  über  500 
Fragmente  (22  gr.)  ab,  die  ersten  vor  der  Sondirung,  welche  4mal  gemacht,  nur  ein- 
mal Berührung  mit  einem  Stein  ergab.  Ein  fühlbares  Zusammenstossen  der  Steine 
in  der  Blase  hatte  Fat.  nie  bemerkt,  Harnbeschwerden  traten  nur  bei  Entleerung 
der  Fragmente  auf.  8  Wochen  vor  dem  Tode  kam  zuerst  der  Katheter  in  Anwen- 
dung bei  saurem  Harn,  wegen  Blasenatonie ,  welche  binnen  4  Wochen  sich  mit 
Blaseneiterung  combinirte. 

Bei  der  Section  zahlreiche  Blasendivertikel ,  welche  Steinschalenstücke  beher- 
bergen; das  grösste  vor  der  linken  UreterenmOndung  gelegene  Divertikel  enthält 
einen  haselnussgrossen  Stein,  die  Blasenhöhle  ausserdem  noch  2  freiliegende  tau- 
beneigrosse.  Die  Divertikelsteine  bestehen  aus  Tripelphosphaten,  die  freiliegenden 
aus  einem  Kern  von  Harnsäure  und  einer  Umhüllung  von  Phosphaten. 

Wilh.  Koch  (Berlin). 

N,  Stokowenkoff.     Stein  der  Urethra. 

(Annalen  der  chirurg.  Gesellsch.  zu  Moskau  1875.  Bd.  1.  p.  295.) 

Ein  46j  ähriger  Bauer  klagt  über  heftige  Harnbeschwerden.  Er  leidet  seit 
früher  Kindheit  an  Blasensteinen,  von  denen  schon  im  5.  Jahre  durch  Operation 
3  entfernt  wurden.  Später  einmal  (im  28.  Lebensjahre)  Abscessbildung  am  Damm, 
Eröffnung  und  Entfernung  eines  Steines.  Jetzt  harter  Tumor  von  Apfelgrösse  am 
Perineum  mit  einer  Fistel  am  unteren  Ende.  Die  Sonde  von  hier  aus  und  der 
Katheter  von  der  Urethra  her  stossen  auf  einen  Stein.  Urinentleerung  auf  denselben 
Wegen.  Entfernung  des  Steins  durch  Einschnitt.  Derselbe  hatte  in  der  hypertro- 
phirten  pars  bulbosa  und  membranacea  urethrae  gelegen.  Excision  der  sclerosirten 
Urethralparti e.  Nach  einem  Monat  plastische  Operation  mit  Heilung  per  primam, 
aber  mit  bleibender  kleiner  Fistel.  (Cf.  den  sehr  ähnlichen  vom  Hef.  beschriebenen 
Fall  in  der  Berl.  klin.  Wochenschr.  1867.  No.  5,  auf  den  auch  Verf.  hinweist.) 

W.  Gmbe  (Charkow). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr,  JET.  TiUmamm,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlang, 
BfeUkopf  und  JSärUl,  einsenden. 

Dmek  and  Verlag  Ton  Braitkopf  and  Hirtel  in  Laipsig. 


Gentralblatt 


für 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

TOB 

Dr.  LLesser,  Dr.  I.  Sdiele,  Dr.  H.  Tillnoiis 

in  Berlin.  in  Berlin.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbj&hriger  Frftr- 
numeration.     Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N=  44.  Sonnabend,  den  30.  October.  1876. 

Inluüt:  Wolffy  Entwicklung  des  Knochengewebes.  —  Bidder,  Bedingungen  krankhaften 
Längenwachsthums  der  Bohrenknochen.  —  GuSSenbauer,  Knochenentzündungen  der  Perl- 
matterdrechsler.  —  Lasser,  Tr&nsfnslon  und  Autotransfnsion.  —  Hlller,  Experimenteller 
Beitrag  zur  Lehre  von  der  organlsirten  Natur  der  Contagien  und  von  der  Fäulnlss.  — 
da  8ln4ty,  Epithel  des  Uterus.  —  Stewart ,  Abdominalabscesse.  —  Bergeron  f  Behand- 
lung der  Mastdarmflsteln  mit  elastischer  Ligatur.  —  Colley,  Excision  von  Varioen  des 
Unterschenkels.  —  Berger ,  Circumcision  chronischer  Unterschenkelgeschwüre.  —  Howte, 
Resection  des  Kniegelenks  bei  genu  Talgum.  — 

Förster ,  Chirurgische  MittheÜongen.  —  Cornily  Epitheliom  des  Schädels.  —  Rebln, 
Blauer  Urin  bei  Hysterie.  —  Hagedorn,  Galvanocaustlsche  Schneideschlinge.  —  v.  Mosen- 

geil,  Magnetisch- electrischer  Rotationsapparat. 

J.    Wolflf..      Untersuchungen     über     die     Entwicklung     des 

Knochengewebes. 

Leipzig,  W.  Engelmann.  1875. 

Die  Arbeit  W.'s  ist  als  Fortsetzung  der  in  der  Petersburger  me- 
dicinischen  Zeitschrift  1868  veröffentlichten  Untersuchungen  zu  be- 
trachten. An  den  Schluss  der  historischen  Einleitung  stellt  W.  den 
Satz^  dass  es  nur  eine  Art  der  Knochengewebsbildung,  nämUch  die- 
jenige aus  embryonalem  Bindegewebe  ^  gebe.  Er  beschränkt  sich  in 
der  weiteren  Abhandlung  zunächst  darauf^  die  Entwicklung  des 
Knochengewebes  auf  bindegewebiger  Grundlage  zu  beschreiben.  Die 
bindegewebige  Grundlage  des  Knochens  stimmt  mit  dem  formlosen 
embryonalen  Bindegewebe  yollständig  überein.  Da  dasselbe  gegen 
die  äussere  Oberfläche  der  Knochenanlage  ganz  allmälig  in  fibrilläres 
Bindegewebe  übergeht^  so  darf  es  nicht  willkührlich  in  Schichten  zer- 
le^  werden.  Das  Gleiche  gilt  von  der  periostalen  Ossification.  Als 
vorbereitende  Prooesse  sind  Erweiterung  und  Neubildung  von  Gefässen 
und  eine  VeigrÖBS^rung  und  Vermehrung  der  Zellen  mit  gleichseitiger 

44 


690  Centralblatt  far  Chirurgie.     No.  44. 

Abnahme  der  faserigen  Intercellularsubstanz  zu  verzeichnen.     Wahr- 
scheinlich   wandern    dabei    aus    den    Gelassen    farblose    Blutkörper- 
chen aus.     Die  erwähnten  Zellen  (Gegenbaur's  Osteoblasten]  fasst 
er  mit  den  Zellen,  aus  welchen  Bindegewebe  und  Knorpel  hervorgeht, 
unter  dem  Namen  Bildungszellen  zusammen.    Die  wachsenden  Gefitose 
drängen  die  Faserbündel  der  bindegewebigen  Anlage  auseinander:  auf 
diese  Weise  entsteht  ein  Faseigerüst,  welches  zunächst  den  Bildungs- 
zellen, und  später,  nachdem  es  verkalkt,  der  ersten  Knochensubstanz 
zur  Stütze  dient.     Einzelne  stärkere  Fasern  halten  das  Fasergerüst 
und  nach  ihrer  Verkalkung  das  Gerüst  der  Knochenbalken  zusammen, 
und  verbinden  sie  mit  den  oberflächlichen  Lagen  des  fibrillären  Binde- 
gewebes: Sharpey*sche  Fasern,   von  W.  Stütz-  oder  Verbindungs- 
fasern   genannt.      Die   erste   Knochengrundsubstanz   tritt   in  einiger 
Entfernung  von  den  Gefassen  um  sie  herum  auf,  und  folgt  ihnen  in 
ihrer  Ausbreitung;  sie  entsteht  durch  eine  partielle  Differenzirung  des 
Protoplasma  der  anliegenden   Bildungszellen   und   Sclerosirung  ihrer 
zartfaserigen   Zwischensubstanz.     Gegen  Waldeyer  wird  behauptet, 
die  Bildungszellen  gingen  nicht  mit  ihren  Kernen  bei  diesem  Processe 
vollständig   unter.      Die   Betheiligung   der   einzelnen   Zellen  an  der 
Bildung  der  Knochengrundsubstanz  ist  eine  durchaus  ungleichmässige. 
Der   Uebergangszustand    des  Zellenprotoplasma  in   letztere  ist  wahr- 
scheinlich nur  von  kurzer  Dauer.    Die  mit  der  Bildung  der  Knochen- 
grundsubstanz  zusammenfallende    Sclerosirung    derselben   beruht  auf 
einer  gleichmässigen  Aufnahme  von  Kalksalzen  durch  dieselbe,   wel- 
cher Vorgang  von  der  Verkalkung  ausgebildeter  Gewebe  zu  trennen 
ist.     Mit   der  Verkalkung  der  stärkeren  Faserbündel   —  hier  bilden 
die   Kalksalze  auch  einen  kömigen  Niederschlag,   p.  42  —  nehmen 
dieselben  bedeutend  an  Umfang  zu,   und  zwar  unabhängig  von  den 
Bildungszellen.    Die  Bildungszellen  selbst  hält  W.  (gegen  Strelzoff) 
vor  ihrer  Differenzirung  zu  Knochengrundsubstanz  für  nicht  mit  Kalk- 
salzen imprägnirt. 

Bald  nach  dem  Auftreten  der  ersten  Knochengnmdsubstanz  wer- 
den auch  einzelne  von  den  anliegenden  Bildungszellen  durch  die 
Thätigkeit  der  benachbarten,  hinter  ihnen  liegenden  Zellen  und  auch 
in  Folge  des  Druckes  von  Seiten  der  erweiterten  Gefasse  auf  die 
Zellen  als  Knochenzellen  in  die  Grundsubstanz  eingeschlossen.  Voll- 
ständig eingeschlossen  fahren  dieselben  fort,  durch  Differenzirung 
ihres  peripherischen  Protoplasma  neue  Knochengrundsubstanz  in  ihrer 
Umgebung  zu  bilden;  in  Folge  davon  werden  die  Knochenhöhlen 
kleiner  und  nimmt  die  Entfernung  der  Zellen  von  einander  zu.  Junge 
Knochenzellen  vermehren  sich  dabei  auch  noch  durch  Theilung. 
Gegenüber  der  vielfach  angenommenen  secundären  Entstehung  der 
Knochencanälchen  hält  W.  dieselben  schon  bei  der  Einschlieseung 
der  Bildungszellen  zu  Knochenzellen  um  die  Fortsätze  derselben 
herum  für  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  vorgebildet;  sie  sind  von 
einem  dem  Zellenkörper  analogen  Protoplasma  erfüllt.  Das  Dünner- 
und  Längerwerden  der  Canälchen  ist  durch  Neubildung  von  Knochen- 


Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  44.  691 

grundsubstanz  an  den  Wandungen  der  Canälchen  in  Folge  fortgesetz- 
ter Umwandlung  der  peripheren  Schichten  der  in  ihnen  verlaufenden 
Zellenfortsätze  zu  erklären.  Die  Frage ,  ob  die  Zahl  der  Knochen- 
canälchen  und  die  Menge  ihrer  Anastomosen  mit  der  Entwicklung 
zunimmt,  kann  nur  schwer  durch  directe  Zählungen  beantwortet 
werden.  Aus  Vergleichung  der  sichtbaren  Knochencanälchen  ver- 
schieden alter  Knochenkörperchen  mit  einander  an  entsprechend 
behandelten  Schnitten  ist  W.  zu  der  Ueberzeugung  gelangt,  dass  Zahl 
und  Menge  dieselbe  bleibt,  nur  die  Objecte  bei  ausgebildeten  Kno- 
chenkörpem  in  der  stark  sclerosirten  Grundsubstanz  deutlicher  sicht- 
bar sind.  Die  bei  längerer  Einwirkung  von  Säuren  in  der  Knochen- 
grundsubstanz um  die  Knochenkörper  herum  auftretenden  Contoureu 
bezeichnen  ebenso^  wie  die  durch  Kochen  in  Wasser  isolirbaren 
Schichten  der  Grrundsubstanz  die  sogenannten  Wandungen  der 
Knochenhöhlen  und  Canälchen,  besonders  dichte  Theile  der  Knochen- 
grundsubstanz, welche  vollkommene  Analoga  der  Knorpelkapseln  dar- 
stellen. Abwechselnd  wird  die  Bildung  einer  zellenlosen  und  zellen- 
haltigen  Knochengrundsubstanz  wiederholt ;  dieses  ist  die  Ursache  der 
schichtweisen  Anordnung  des  Knochengewebes  in  Lamellen,  wobei 
die  in  eine  Reihe  zu  liegen  kommenden  Zellen  gleichsam  die  Grenzen  , 
der  Lamellen  bilden.  Die  Anordnung  der  Knochenkörper  aber  ist 
wesentlich  von  den  Capillargefassen  abhängig,  und  die  durch  sie  be- 
dingte Lamellenbildung  entspricht  an  Längsschnitten  dem  Verlauf 
und  an  Querschnitten  der  Peripherie  der  Gefasse.  Die  Ursache  der 
zeitweilig  unterbrochenen  Einschliessung  der  Bildungszellen  zu 
Knochenkörperchen  sucht  W.  in  einer  zeitweiligen,  gleichmässigen 
Erweiterung  der  Gefasse  auf  gewisse  Strecken  (gegen  Gegenbaur 
und  Waldeyer).  Die  Lamellenbildung  beruht  nicht  auf  einer  Unter- 
brechung in  der  Bildung  der  Knochengrundsubstanz. 

Den  Aufbau  des  Knochengewebes  und  die  Entstehung  der  Ge- 
fasscanäle  hat  W.  besonders  an  successiven  Längs-  und  Querschnitten 
durch  die  ganze  Dicke  von  Röhren-  und  Schädelknochen  verfolgt. 
An  embryonalen  Schädeldeckknochen  sieht  man,  dass  die  Knochen- 
foalken,  welche  sich  dem  Verlaufe  der  Gefasse  entsprechend  um  die 
stärkeren  Faserbündel  anbilden,  auf  Kosten  des  zellenreichen  Bil- 
dungsgewebes an  ihren  Enden  länger  werden,  und  dass  neue  Knochen- 
balken nur  im  Zusammenhange  mit  früher  gebildeten  und  von  ihnen 
aus  entstehen  und  weiterwachsen.  In  ganz  gleicher  Weise  nimmt 
das  subperiostale  Knochengewebe  der  Röhrenknochen  gegen  das  Pe- 
riost an  Dicke  und  zugleich  gegen  die  Epiphysen  an  Länge  zu.  Die 
scheinbar  nur  aus  Zellen  bestehenden  Fortsetzungen  an  den  Enden 
der  Knochenbalken  erklärt  W.  (gegen  Waldeyer)  für  von  der  Fläche 
gesehene  und  mit  Bildungszellen  bedeckte  Knochenbalken.  Die 
letzten  Seiten  sind  dem  Nachweis  für  die  Eingangs  aufgestellte  Be- 
hauptung gewidmet,  dass  die  Knochenbildung  in  knorplig  präformirten 
Knochen  in  gleicher  Weise  erfolgt.  Bamke  (HaUe). 

44* 


692  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  44. 

A.  Bidder.     Neue    Experimente    über  die   Bedingungen  des 
krankhaften   Längenwachsthums  von   Röhrenknochen,  nebst 

Bemerkungen  über  Knochenbildüng. 

(Arch.  f.  klin.  Chirurgie  Bd.  XVni.  Hft.  4.) 

Verf.  legte  sich  die  Frage  vor^  ob  ein  künstlich  vermehrtes 
Längenwachsthum,  wie  man  es  durch  Einschlagen  von 
Elfenbeinzapfen  in  die  Diaphyse  eines  Röhrenknochens 
hervorrufen  kann^  im  Stande  ist,  die  physiologische 
Thätigkeit  eines  functionell  gestörten  Epiphysenl^norpels 
zu  ersetzen.  Die  Frage  hat  deshalb  eine  grosse  praktische  Be- 
deutung, weil  die  künstliche  Verlängerung  gerade  häufig  bei  Eindem 
angestrebt  werden  muss^  bei  denen  eine  Störung  des  Epiphysen- 
knorpels  zu  einer  Verkürzung  geführt  hat.  —  B.  fand  nun,  dass 
das  Einlegen  von  Elfenbeinstiften  wohl  im  Stande  ist,  ein  gesteigertes 
Längenwachsthum  einer  Kaninchen-Tibia  zu  bewirken ;  doch  bleibt 
der  Knochen  stets  kürzer,  wenn  eine  traumatische  Ab- 
Sprengung  der  oberen  Epiphyse  stattgefunden  hat.  — 
Es  werden  sodann  einschlägige  Beobachtungen  von  Olli  er  und 
Letenneur  angeführt,  welcher  letztere  ein  vermehrtes  Längenwachs- 
thum  einer  Tibia  auf  den  Reitz  einer  Silbersutur  zurückführt ;  femer 
die  Arbeit  von  Poncet  über  den  Einfluss  der  Ostitis  auf  das  Län- 
genwachsthum.  Bei  der  mikroskopischen  Untersuchung  fand  B. 
die  Elfenbeinstifte  vielfach  arrodirt,  tiefe  in  die  Elfenbeinmasse  ein- 
dringende Löcher  und  Gänge,  und  diese  in  den  dicht  am  Elfenbein 
anliegenden  Theile  mit  Mark,  weiter  zurück  aber  mit  neugebildetem 
Knochengewebe  ausgekleidet.  Eine  nähere  Beziehung  der  Riesen- 
zellen zur  Resorption  des  Elfenbeinies  fand  B.  nicht.  Das  Auftreten 
von  Knochensubstanz  in  den  Lakunen  der  Elfenbeinzapfen  lässt  es 
bei  Pseudarthrosen  räthlich  erscheinen,  die  Zapfen  dauernd  zurückzu- 
lassen und  nicht  nach  einiger  Zeit  herauszureissen. 

(Ref.  hat  in  seiner  vom  Verf.  citirten  Arbeit  (Arch.  f.  klin. 
Chirurgie  Bd.  XIV.  p.  201)  das  Reizungswachsthum  wiederholt  bei 
den  bekannten  Versuchen  gesehen,  so  in  einem,  1.  c.  erwähnten  Falle 
bei  einfachem  Einbohren  von  Platinadrahtstiftchen  eine  Verlängerung 
der  Tibia  von  5  Mm.)  Maas  (Breslau). 

C,  Oussenbauer.     Die   Knochenentzündungen  der  Perlmut- 
terdrechsler. 

(Arch.  f.  klin.  Chirurgie  Bd.  XVIU.  Hft  4.) 

Anknüpfend  an  die  zuerst  von  Englisch  (Wi«n.  med.  Wochen- 
schrift 1870)  beschriebene  Knochenentzündung  der  Perlmutterdrechsler 
giebt  G.  zuerst  eine  Beschreibung  der  Arbeitsweise  und  der  chemischen 
Beschaffenheit  des  in  den  Arbeitsräumen  befindUchen  Perknuttesstau- 
bes  nach  Analysen  von  Kl  aus  er.  Es  enihält  im  Wesentlichen 
C02CaO  und   circa   10^  organische   Substanz,   reich  an  Stickstoff, 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  44.  693 

von  Fr^my  Conchiolin  genannt.  Dieser  Perlmutterstaub  dringt 
in  die  Lungen ^  der  C02CaO  wird  gelöst,  das  in  den  Gewebsflüssig- 
keiten unlösliche  Conchiolin  bleibt  zurück.  Nach  G.'s  Ansicht  gelangt 
nun  das  Conchiolin  in  den  Kreislauf  [?  ]^  sammelt  sich  in  den  Markcapil- 
laren  der  Knochen^  embolisirt  die  Capillaren  in  den  Diaphysenenden 
event.  den  kleinsten  Arterien  und  führt  so  zum  Infarct.  Aus  der  primären 
Osteomyelitis  entwickeltisich  dann  die  Ostitis^  Periostitis  und  Gelenkent- 
dung. Verf.  möchte  deshalb  der  Erkrankung  den  Namen  Conchiolin- 
Osteomyelitis  geben  und  sucht  zur  Kräftigung  seiner  Hypothese  nach  der 
noch  nicht  gefundenen  Homsubstanz-Osteomyelitis^  welche  bei  der  In- 
halation Ton  Homstaub  vorkommen  müsste.  Experimentell  gelang  es 
nicht,  bei  Kaninchen  durch  Inhalation  von  Perlmutterstaub  ähnliche  Er- 
krankungen hervorzurufen.  —  Den  Verlauf  und  die  Therapie  erläu- 
tern die  6  folgenden  in  der  Billroth 'sehen  Klinik  beobachteten  Fälle: 
1}  Pat.U5  Jahr  alt,  3  Jahre  Perlmutterdrechsler,  war  vor  seiner 
Aufnahme  in  die  Klinik  bereits  6  Mal  erkrankt.  Er  kam  mit  einer 
Entzündung  der  rechten  Unterkieferhälfte  3  Monate  vor  seiner  Auf- 
nahme poliklinisch  in  Behandlung ;  Einreiben  mit  XJng.  einer,  brachte 
in  6  Tagen  Heilung.  Am  30.  August  1871  war  Anschwellung 
des  ganzen  Unterkiefers  mit  Ausnahme  der  Gelenkfort- 
sätze vorhanden;  Schmerz,  welcher  vor  der  Bildung  der  Geschwulst 
in  der  Tiefe  des  Knochens  sass,  nur  noch  zeitweise ;  die  Geschwulst 
schmerzt  auf  Druck  und  bei  den  sehr  beschränkten  Kieferbewegungen. 
Basche  Resorption  erfolgte  bei  Einreibung  von  grauer  Salbe  und 
feuchtwarmen  Umschlägen.  Pat.  hatte  durchaus  normale  Zähne.  Am 
18.  März  1872  hatte  Pat.  eine  Anschwellung  des  linken  Vor- 
derarms; zu  Neujahr  1873  Schmerz  wieder  im  linken  Vorderarm 
mit  nachfolgender  Anschwellung  der  unteren  Diaphysenenden 
derUlna  und  des  Radius,  dann  auch  der  oberen  Diaphy- 
senenden; Hand  und  Ellenbogengelenk  bei  Bewegung 
schmerzhaft;  dieselbe  Therapie  und  Erfolg  wie  oben. 

2)  Pat.  17  Jahre  alt,  2  Jahre  Perlmutterdrechsler ^  am  3.  Octbr. 
1871  aufgenommen,  bekam  2  Monate  vor  seiner  Aufnahme  unter 
Schmerzen  Anschwellungen  beider  Vorderarmknochen 
über  den  Handgelenken;  8  Tage  später  Schmerzen  mit  folgender 
Anschwellung  des  vordem  Theils  des  rechten  Fusses  (Verf. 
schreibt  »Vorderfiissa !  Ref.];  bei  seiner  Aufnahme  Anschwellung 
der  unteren  Diaphysen  beider  Radii  und  Ulnae  von  fester 
Consistenz  wie  fibröses  Gewebe ,  scharf  gegen  die  Epiphysen  abgesetzt; 
Heilung  bis  zum  16.  November. 

3)  Pat.  16  Jahre  alt^  3  Jahre  in  der  Fabrik  beschäftigt^  aufge- 
nommen den  14.  November  1871^  bekam  14  Tage  vor  seiner  Aufnahme 
Schmerzen  und  Anschwellung  des  linken  äusseren  Knö- 
chels, an  dem  sich  eine  fluctuirende,  3  Finger  breit 
hinaufreichende,  scharf  abgesetzte  Geschwulst  befand. 
Heilung  unter  feuchtwarmen  Umschlägen  mit  rascher  Resorption  der 
Flüssigkeit  bis  zum  23.  Decbr. 


694  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  44. 

4)  Fat.,  15  Jahre  alt,  IV2  J&hre  in  der  Fabrik,  hat  seit  semem 
5.  Jahre  zeitweilig  an  Anschwellungen  seines  rechten  Ellenbogengelenks 
gelitten.  Seit  Monaten  entwickelte  sich  eine  Anschwellung  der 
rechten  Ulna  unter  dem  Olecranon,  die  bei  seiner  Aufnahme 
am  1.  Decbr.  1873  fibrös  derb  war,  auf  Druck  schmerzhaft  und  sich 
bis  zum  8.  Januar  1874  bis  auf  eine  haselnussgrosse,  knochenharte 
Stelle  bei  Anwendung  der  feuchten  Wärme  verlor. 

5)  Fat.,  14  Jahre  alt,  2  Jahre  Ferlmutterdrechsler,  zeigte  nach 
einander  folgende  Knochenerkrankungen:  1)  Ostitis  ossium  me- 
tatarsi  IV  et  V  pedis  sin.  mit  folgender  Anschwellung  der 
Tibia,  welche  erst  nach  Darreichung  von  Jodkali,  1  Grm.  pro  die 
verschwand;  Heilung  am  7.  Octbr.  1872.  2)  Ostitis  ulnae  sin. 
zuerst  im  Decbr.  1873,  recidivirend  im  Februar  und  im  Mai  1874. 
Während  der  Beobachtung  entwickelte  sich  Osteomyelitis,  Osti- 
tis und  Feriostitis;  Eäsbehandlung  erfolglos,  dagegen  schneller 
Erfolg  bei  Einreibung  von  grauer  Salbe  und  Jodkaligebrauch. 
3)  Ostitis  scapulae  sin.  fand  sich  am  5.  Octbr.  1874;  Heilung 
bis  zum  30.  Nov.,  Therapie:  feuchte  Wärme,  Ung.  einer;  Jodkalium. 
4j  Ostitis  humeri  sin.,  ossis  cuboidei  sin.  et  ossis  tali 
dextr.  bei  seiner  Aufiiahme  am  21.  Decbr.  1874;  später  noch  Ent- 
zündungen des  n.,  ni.,  IV.  Metatarsus,  des  Unterkiefers;  Heilung 
am  9.  März  1875.  — 

Alle  Fatienten  fieberten,  so  lange  die  Krankheits- 
erscheinungen im  Zunehmen  waren.  Die  Fatienten  erholten 
sich  aber  stets  sehr  schnell  und  boten  in  keinem  Falle  die  Symptome 
einer  Dyskrasie. 

Fall  6  wurde  ambulatorisch  behandelt:  Fat.,  18  Jahre  alt,  3Y2 
Jahre  Ferlmutterdrechsler,  früher  an  beiden  linken  Vorderarmknochen 
über  dem  Carpus  erkrankt,  kam  mit  einer  fluctuirenden  Ge- 
schwulst unter  dem  linken  Trochanter  major,  4  Zoll  nach 
abwärts  reichend,  in  Behandlung.  Nach  2  Wochen  war  bei  der 
Therapie  wie  im  Fall  5  nur  -  noch  eine  Verdickung  des  Feriosts 
wahrzunehmen . 

Aus  den  sich  noch  an  die  Krankengeschichten  anknüpfenden 
Bemerkungen  heben  wir  hervor^  dass  6.  die  wiederholten  Erkrank- 
ungen selbst  eines  Knochens  im  Ganzen  nicht  als  Recidive,  sondern 
als  Neuerkrankungen  aufzufassen  geneigt  ist.  —       Maas  (Breslau). 

L.  Lesser.     Transfusion  und  Autotransfusion. 

(Sammlung  klinischer  Vorträge  No.  86.) 
Die  Thatsache,  dass  ein  künstlich  plethorisch  gemachter  Hiuid, 
der  von  einem  andern  durch  unmittelbare  Transfusion  vielleicht  das 
doppelte  seines  ursprünglichen  Blutquantums  (zu  7  ^  des  Körperge- 
wichts berechnet)  erhalten  hat;  ohne  directe  Schädigung  seines 
Wohlbefindens,  mit  der  stark  vermehrten  Blutfulle  weiter  lebt,  führt 
zu  der  Frage,  an  welchen  Orten  der  Organismus  diese  vermehrte 
Blutmenge  beherbergt.    Blutaustritte,  mit  Ausnahme  höchstens  steck* 


Centralblatt  fdr  Chirargie.   No.  44.  695 

nadelkopfgrosser  Ecchymosen ^  kommen  selten  vor  (Worm  Müller 
und  Verf.)..  Ebensowenig  erfolgen  Exsudationen  in  seröse  Höhlen 
oder  Bindegewebsspalten  oder  ein  stärkeres  Fliessen  der  Lymphe  im 
Ductus  thoracicus,  wovon  man  sich  durch  Aufnahme  der  Lymphe 
während  der  Versuche  überzeugt  hat. 

Es  bleibt  also  der  grösste  Theil  des  zugeführten  Blutes  in  den 
Gefässbahnen  und  zwar,  wie  mit  Sicherheit  anzunehmen^  in  den  Ca- 
pillaren,  den  kleinen  Venen  und  den  kleinen  Arterien.  .  Diese  Bezirke 
sind  auch  in  den  einzelnen  Organen  schon  innerhalb  der  physiolo- 
gischen Breite  höchst  verschieden  gefällt  und  bilden  gleichsam  Re- 
eervoire,  welche  bedeutende  Blutmengen  aufnehmen  können. 

Noch  sichereren  Aufschluss  über  obige  Verhältnisse  giebt  uns  das 
Verhalten  des  arteriellen  Druckes  (Worm  Müller). 

Bei  Transfusion  von  2 — 4  ^  des  Körpergewichtes  steigt  der  Blut- 
druck in  geringem  Grade  und  vorübei^ehend^  um  bald  zur  ursprüng- 
lichen Höhe  zurückzukehren.  Weitere  Zufuhr  bis  zum  Zwei-  und 
Dreifachen  der  ursprünglichen  Blutmenge  kann  den  Blutdruck  nicht 
mehr  in  die  Höhe  bringen ;  dasselbe  Verhältniss  findet  statt  bei  Trans- 
fusionen an  verbluteten  Thieren. 

Dieses  hochgradige  Adaptionsvermögen  des  Gefasssystems  scheint 
die  Besorgnisse  einer  dauernden  gefilhrlichen  Steigerung  des  Blut- 
druckes bei  Transfusionen  am  Menschen  zu  widerlegen.  Nur  etwa 
bei  chronischer  Anaemie  mit  bereits  vorhandenen  Erkrankungen  am 
Gefassapparat  oder  bei  solchen  Leiden  innerer  Organe^  wo  jede  augen- 
blickliche Drucksteigerung  an  sich  schon  Gefahr  bringt  ^  wäre  eine 
solche  zu  fürchten.  —  Nach  unsern  Anschauungen  muss  auch  der 
depletorische  Aderlass  (ausser  etwa  bei  Vergiftungen)  bei  der  Trans- 
fusion wegfallen,  wie  auch  theoretisch  in  derselben  Weise  die  Be- 
fürchtungen bei  Anwendung  der  Esmarch 'sehen  Einwicklung 
(UeberfuUung  der  übrigen  Blutbahnen)  zurückzuweisen  wären,  wenn 
nicht  schon  die  Praxis  hierüber  entschieden  hätte. 

Im  Experiment  lAsst  sich  femer  keine  Aenderung  der  Leistungs- 
fähigkeit des  Herzens  und  keine  BlutüberfüUuug  der  Lunge  nach- 
weisen. Dagegen  erfolgt  bei  grosser  Blutzufuhr  eine  Blutstauung 
rückwärts  von  den  Hohlvenen,  Blutfiille  der  sichtbaren  Schleimhäute, 
der  sichtbaren  Hautvenen,  Spannung  des  Abdomen  und  Tenesmen, 
häufig  mit  Blutbrechen  und  blutigen  Diarrhoeen,  also  Stauung  bis 
in  die  Wurzeln  der  Pfortader  hinein.  Verf.  betont  daher,  wie 
wichtig  es  sei,  bei  Transfusionen  eine  gründliche  Voruntersuchung 
der  Abdominalorgane  vorzunehmen.  — 

Noch  bedeutsameren  ^ufschluss  über  die  Blutmenge  und  ihre 
Vertheilung  im  Organismu^efem  uns  die  Resultate  von  Verblutungen 
blutüberfüllter  Thiere. 

Ein  blutüberfuUtes  Thier  verliert  durch  tödtlichen  Aderlass,  d.  h. 
bis  der  arterielle  Druck==0  geworden  ist,  nicht  mehr  als  4 — 6  %  seines 
Körpergewichtes  an  Blut^  oder  eben  soviel  wie  ein  solches  mit  nor- 
malem Blutquantum.     So  kann  bei  tödtlicher  Verblutung  das  Thier 


696  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  44« 

doch  noch  mehrere  Hunderte  von  Grammen  über  die  normale  Bhit- 
menge  besitzen^  der  Tod  oder  der  tödtlich  tiefe  Stand  des  arteriellen 
Druckes  tritt  schon  da  ein,  wo  nicht  einmal  die  ganze  transfiindirte 
Blutmenge  wieder  abgeflossen  ist.  Künstlich  blutreich  gemachte 
Thiere  werden  also  gleichsam  empfindlicher  gegen  Blutverlust.  Diese 
Beobachtungen  beweisen  für  die  Therapie  die  wichtige  That- 
sache,  dass  bei  Blutverlusten  das  Individuum  nicht  sowohl  aus 
Mangel  an  Blut,  als  aus  Mangel  an  Blutbew^gung  stirbt.  Beim  Sin- 
ken des  arteriellen  Druckes  und  Aufhören  der  vis  a  texgo  bekommt 
das  Herz  und  damit  das  Hirn  kein  Blut  mehr.  Je  blutreicher  aber 
das  Individuum  vorher  war,  desto  mehr  Blut  wird  noch  im  Organis- 
mus vorhanden  sein,  und  desto  sicherer  wirkt  die  Therapie,  welche 
das  restirende  Blut  zur  Erhöhung  des  arteriellen  Druckes  zu  verwen- 
den sich  bestrebt  durch  Schieflegen  des  Körpers  mit  dem  Kopf  nach 
abwärts,  durch  Ausdrücken,  Massiren  der  Extremitäten,  noch  besser 
durch  systematische  Esmarch'sche  Einwicklung  derselben,  sodann 
durch  Kneten  des  Abdomen  und  Compression  des  Thorax. 

Diese  von  den  Franzosen  als  Autotran  sf  usi  on  kurz  bezeichneten 
Massnahmen  werden  in  folgenden  Fällen  ihre  systematische  Anwendung 
finden  und  dürften  wesentlich  das  Gebiet  der  Transfusion  einschränken. 

1)  Bei  Blutveriusten  massigen  Grades  mit  oft  unerklärlichem  Collaps 
als  Ersatz  der  Transfusion  oder  wenigstens  als  Vorversuch  vor  derselben. 

2)'  Bei  Anämischen.  Vor  und  nach  Operationen,  die  mit  einem 
neuen  Blutverlust  verbunden  sind. 

3)  Wenn  bei  Anämischen  zu  operativen  Zwecken  die  Narkose 
eingeleitet  werden  soll,  da  der  arterielle  Druck  durch  das  Chloroform 
schon  an  sich  beträchtlich  herabgesetzt  wird. 

4)  Als  Voract  einer  bei  hochgradigen  Blutverlusten  unumgäng- 
lichen Transfusion  in  der  Zeit  der  hierzu  nöthigen  Vorbereitungen. 
Sichert  oft  ganz  allein  einen  Erfolg  der  unternommenen  Blutein- 
spritzung. Auch  als  diagnostisches  Mittel  kann  die  Autotransfusion 
dienen.  Wenn  z.  B.  ihre  Wirkung  gegenüber  der  Intensität  des 
CoUapses  bedeutend  ausfallt,  so  beherbergt  der  Organismus  gewiss 
auch  eine  bedeutende  Blutmenge,  und  wir  können  häufig  dann  auf 
eine  Blutzufuhr  von  aussen  verzichten. 

Die  Bemerkungen  über  unmittelbare  und  mittelbare  Transfusion, 
über  Verwendung  des  defibrinirten  und  ganzen  Blutes ,  über  Thier- 
bluttransfusion  bei  Menschen  und  einige  Winke  über  die  Technik 
müssen  im  Original  nachgesehen  werden.  Pagenstecker  (Eiberfeld). 


Hiller.     Ein  experimenteller  Bakrag  zur  Lehre  von  der 
organisirten  Natur  der  Contagien  und  von  der  Fäulniss.*) 

(Arch.  f.  klin.  Chiru^e  1875.  Bd.  XVin.  Hft.  4.) 
H.  isolirte  die  Bacterien  aus  faulenden  Eiweisslosungen,  verdünn- 
tem   Blutserum,    Fleischwasser  und   Pasteur* scher   Lösung    durch 

*)  Vortrag,  ^ehalten  in  der  2.  Sitzung  des  IV.  Congresses  der  Deutschen  Oe- 
■eÜBchaft  fOr  Chirurgie,  am  8.  April  1875. 


Cenindblatt  für  Chinugie.    No.  44.  697 

Filtration  mit  Thonbechem  und  Auswaschen  mit  destUlirtem  Wasser^ 
Diffusion  durch  thierische  Membranen,  Ausfällen  u.  s.  w.  und  hielt  die- 
selben fiir  noch  lebensfähig,  weil  sie  sich  in  C  o  h  n '  scher ,  gekochter 
Nährflüssigkeit  vermehrten.  Bei  täglicher  Injection  einer  V2 
Pravaz'schen  Spritze  bekamen  die  V  ersuchsthiere, 
Hunde  und  Kaninchen^  weder  Fieber,  noch  mit  Aus- 
nahme eines  leichten  Oedems  locale  Erscheinungen.  — 
Auch  an  sich  selbst  hat  H.  sowohl  Impfungen,  als  auch  die  Injection 
von  0,5  Grm.  der  bacterienreichen  Flüssigkeit  ohne  Schaden  gemacht. 
H.  hält  deswegen  die  Bacterien  nur  für  häufige,  vielleicht  constante  Be- 
gleiter der  accidentellen  Wundkrankheiten,  welche  das  septische  Gifk  als 
Träger  desselben  verbreiten  und  vielleicht  auch  (ist  aber  nach  Verf.  un- 
wahrscheinlich) erzeugen  oder  reproduciren  können ;  dagegen  leugnet  er 
jede  selbstständige  mechanische  Action.  Schliesslich  theilt  H.  nocheinige 
Versuche  überFäulniss  mit.  Er  injicirte  mit  allen  Cautelen  bis  0,2 
seiner  Isolationsflüssigkeit  in  Hühnereier,  fand  diese  nach  mehreren  Ta- 
gen nicht  faulend,  woraus  er  schliesst,  dass  die  Bacterien  der  Fäulniss 
die  physiologischen  Erreger  der  Eiweisszersetzung  nicht  sind  und  das 
thierische  Eiweiss  in  unzersetzter  Form  nicht  assimiliren  können. 
Femer  spritzte  H.  in  Hühnereier  bacterienhaltige  Pasteur'sche 
Losung  und  schliesst  aus  dem  Nichtfaulen  derselben,  dass  höchst 
wahrscheinlich  auch  bei  der'  Vegetation  der  Bacterien  keine  Stofie 
gebildet  werden,  welche  die  Zersetzung  der  Eiweisskörper  zu  bewirken 
im  Stande  sind.  —  Femer  legte  Verf.  Eier  in  faulende  Flüssigkeiten, 
fand  sie  nach  10  Tagen  noch  frisch,  und  hält  (wenigstens  das  atmo- 
sphärische) Fäulnissferment  für  einen  festen  organischen  Körper. 
Endlich  infundirte  Verf.  Zimmerstaub  mit  destiUirtem  Wasser.  Es 
entwickelte  sich  Trübung ;  die  Flüssigkeit  wurde  in  Hühnereier  injicirt 
und  bewirkte  zum  Theil  stinkende  Fäulniss,  entwickelte  in  Züchtungs- 
flüssigkeit Bacterien  und  faulte.  Es  fuhrt  also  die  Luft  Bacterien- 
keime,  femer  ist  der  Staub  unserer  Luft  Träger  eines  Fäulnissfer- 
mentes ,  welches  jedoch  nicht  in  den  Bacterien  zu  suchen  ist ,  und 
schliesslich  fuhrt  der  Staub  föulnissfähige  organische  Substanz. 

(Bezüglich  der  Beweisfahigkeit  der  zuerst  referirten  Versuchsreihe 
möchte  Referent  anfuhren,  dass  neben  der  geringen  Quantität  die 
Controlversuche  auf  die  Infectionsfähigkeit  der  ganzen  faulenden  Flüs- 
sigkeit fehlen.)  Maas  (Breslau). 


De  Sinety.     Sur  repith^lium  de  Tut^rus. 

(Soci^t^  de  Biologie.    Sdance  du  15.  Mai  1875.  —  Oaz.  m6d.  No.  22.) 

Im  Collum  sämmtlicher  von  ihm  untersuchten,  den  verschieden- 
sten Lebensaltem  angehörigen  Uteri  fand  Verf.  die  eigenthümlichen 
Bechetzellen ,  die  nach  Friedländer's  Angabe  nur  im  kindlichen 
Alter  vorkommen.  Dieselben  sind  weniger  sphärisch  als  an  anderen 
Körperstellen,   zeigen  aber  sonst  dieselben  Eigenschaften  und  secer- 


698  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  44. 

niren  den  characteristischen  zähen  Schleim,  der  sidi  stets  in  wech- 
selnder Quantität  im  Collum  uteri  vorfindet.  Nach  oben  gehen  diese 
Becherzellen  in  Cylinderepithel  über,  an  welchem  Verf.  im  kindlichen 
Organ  nirgends  FUmmercilien  entdecken  konnte.  —  Analoge  Ver- 
hältnisse wie  beim  Menschen  fand  de  S.  beim  neugebomen  Meer- 
schweinchen und  beim  erwachsenen  Kaninchen.  Bei  ersterem  hatten 
jedoch  die  Becherzellen  eine  weit  weniger  oblonge  Form  als  im 
kindlichen  Uterus.  —  0.  Tolkmaui  (Kettwig). 


Grainger  Stewart.     On  abdominal  abscess. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  Juli  31.  p.  115.) 

Klinischer  Vortrag  über  Aetiologie,  Diagnose,  Verlauf  und  The- 
rapie der  Abscedirungen  in  der  Leibeshöhle.  Nachdem  (durch 
Function)  die  Anwesenheit  von  Eiter  festgestellt  ist,  soll  unter  anti- 
septischen Cautelen  incidirt  werden;  die  Vorzüge  des  antiseptischen 
Verbandes  haben  sich  Verf.  vielfach  bewährt.  Von  den  mitgetheilten 
Krankengeschichten  verdient  Erwähnung:  Perinephritis  rechts,  bei 
einer  alten  Frau;  Incision  nach  Annandale;  Tod  24  Stunden 
später«  Vollständiger  Verschluss  des  rechten  Ureter  durch  einen  am 
unteren  Ende  festgeklemmten  Stein;  vereiterte  Hydronephrose.  An- 
dere Niere  gesund,  daher  Urin  normal.  Ranke  (Halle). 


A.  Bergeron.     Du  traitement  des  fistules  anales  par  la  liga- 

ture  flastique. 

(La  France  m^cale  1875.) 

Die  Hehandlimg  von  Mastdarmfisteln  mit  der  elastischen  Ligatur 
(Dittelj  empfiehlt  sich  nicht  nur  durch  vollständige  Ungefahrlichkeit 
(Blutung^  Eiterung  und  Fieber  treten  nicht  ein),  sondern  auch  da- 
durch, dass  die  Patienten  dabei  ungestört  ihrer  Beschäftigung  nach- 
gehen können.  Man  benutzt  am  besten  einen  soliden  Gummifaden, 
den  man  mittelst  einer  geöhrten  Sonde  einfuhrt  und  fest  knotet; 
Drainagerohre  sind  weniger  brauchbar. 

Obwohl  der  Schmerz  in  den  ersten  Stunden  nach  der  Operation 
ziemlich  heftig  zu  sein  pflegt,  ist  Narkose  doch  durchaus  nicht  nöthig. 

Am  4.  bis  7.  Tage  pflegt  der  Faden  durchzuschneiden ;  Einfuhrung 
von  Wieken  etc.  ist  nicht  nöthig,  da  die  Wundflächen,  mit  nekro- 
tischem Gewebe  bedeckt,  durchaus  nicht  zur  Verklebung  neigen. 
Nach  einem  Monat  pflegt  die  Vemarbung  beendet  zu  sein.  Bei  blutr 
armen  Personen,  bei  Frauen  und  in  allen  den  Pallien,  wo  die  Fistehi 
hoch  hinauf  gehen,  ihre  Spaltung  demnach  mit  starker  Blutung  ver- 
bunden sein  würde,  sollte  man  stets  die  elastische  Ligatur  anwtoden. 

±.  (j^enimer  (Halle). 


Centralblatt  fiSr  Chirurgie.     No.  44.  699 

Davies  Colley.     Varicose  veins  of  the  lower  extremity  trea- 

ted  by  excision. 

(Guy '8  HospiUl  Keports  1875.  p.  431.) 

Ermuntert  durch  die  Erfolge  der  Lister' sehen  Behandlung  bei 
Eröffnung  der  Gelenke  und  Sehnenscheiden  führte  Verf.  in  2  Fällen 
die  Excision  von  Varicen  am  Unterschenkel  aus,  unter  Anwendung 
des  List  er' sehen  Verfahrens. 

1)  34jähriger  Mann  litt  seit  2^2  Jahren  an  varicösen  Anschwel- 
lungen beider  Unterschenkel.  Alles  Bandagiren  war  erfolglos  und 
Fat.  gezwungen j  seine  Beschäftigung,  bei  der  er  viel  stehen  musste, 
aufzugeben. 

Die  Venen  waren  beiderseits  ausserordentlich  ausgedehnt.  Ganz 
besonders  aber  prominirte  ein  4^2  Zoll  langes^  2^2  Zoll  breites  Con- 
volut  an  der  inneren  Seite  des  rechten  Unterschenkels.  Die  vielfach 
geschlängelte  Vene  hatte  fast  die  Dicke  eines  kleinen  Fingers. 

Unter  Anwendung  der  Esmarch' sehen  Blutsperre  und  des 
Lister' sehen  Carbol-Spray  wurde  der  Varix  mit  einem  5  Zoll  langen 
Schnitte  blossgelegt,  zuführendes  und  abführendes  Ende  mit  Catgut 
unterbunden  und  das  ganze  Convolut  herausgeschnitten.  Dasselbe 
lag  der  Vena  saphena  interna  auf,  stand  indessen  in  keiner  sichtbaren 
Verbindung  mit  derselben.  Heilung  unter  Lister' s  Verband',  ohne 
febrile  Symptome.     Fat.  nach  6  Wochen  geheilt  entlassen. 

2)  22jährige  Frau  litt  an  einer  2  Zoll  langen,  1^4  Zoll  breiten 
varicösen  Venen-Geschwulst  an  der  Innenseite  des  linken  Knies. 

Unter  Carbol-Spray  wurde  der  Varix  blossgelegt,  oben  und  unten 
mit  Catgut  unterbunden  und  herauspraeparirt.  Heilung  ohne  Zwischen- 
falle in  4  Wochen. 

Verf.  will  hiermit  keine  neue  Operationsmethode  erfunden ,  viel- 
mehr das  bereits  von  Celsus  empfohlene,  von  vielen  englischen 
Chirurgen  geübte,  wegen  der  Gefahr  der  Entzündung  und  der  Pyae- 
mie  aber  in  Misscredit  gerathene  Verfahren  wiederum  zu  Ehren  ge- 
bracht haben.  Seine  Vorzüge  vor  der  viel  angewandten  Acupressur 
bestehen  in  der  Vermeidung  der  Entzündung,  sowie  besonders  in  der 
Sicherheit,  welche  dasselbe  gegen  eine  Erweiterung  der  nächstliegen- 
den durch  die  Acupressur  nicht  verschlossenen  Venen  bietet. 

Lossen  (Heidelberg). 

P.  Berger.     Du  traitement  des  ulceres  de  jambe  par  Tinci- 

sion  circonferentielle. 

(La  France  m^dicale  1875.) 

Die  Nu  SS  bäum' sehe  (?)  Methode  der  Behandlung  alter  vari- 
cöser  Fussgeschwüre  mit  Umschneidung  soll  nach  B.  bereits  längere 
Zeit  vorher  von  Dolbeau  in  Paris  mit  ausgezeichnetem  Erfolg  an- 
gewandt sein. 

Die  durch  die  Umschneidung  erzielte  Erleichterung  der  Narben- 


700  Gentralblatt  für  Chiriugie.    No.  44. 

contraction  und  die  theilweise  Versetzung  des  Ilegeneiationsprocesses 
in  gesunde  Gewebe  sind  erst  in  zweiter  Linie  als  Vortheile  der  Um- 
sdmeidung  anzusehen;  in  der  localen  Alteration  des  Blutkreislaufes, 
die  durch  den  stark  blutenden  Schnitt  hervorgerufen  wird^  sieht 
Verf.  das  hauptsächlich  wirkende  Moment.  Infiltrationen^  Stasen  und 
Stauungen  innerhalb  der  callösen  Gewebe  der  Geschwürsumgebung 
sollen  dadurch  gehoben  werden;  Verf.  macht  auf  das  Analoge  der 
Behandlung  mancher  Homhautgeschwüre  durch  Peritomie  aufmerksam. 

Ein  starkes  Klaffen  der  Wundränder  ist  nicht  anzustreben;  sie 
sollen  möglichst  frühe  verkleben. 

Verf.  rühmt  die  Seltenheit  der  B^cidive  nach  Gircumcision.  Die 
Narbe  bleibt  stets  frei  von  Ulcerationen^  sollten  sich  solche  auch  am 
andern  Bein  oder  in  der  Nähe  des  geheilt-en  Geschwürs  einstellen. 

A«  CtonzBier  (Halle). 

G.  Howse.     Genu  valgum  treated  by  excision  of  the  knee- 

Joint. 

(Ouy'B  Hospital  Reports  1875.  p.  531.) 

Ein  12jähriges  Mädchen  hatte  nach  dem  Keuchhusten  eine 
Schwäche  im  rechten  Kniegelenk  zurückbehalten,  welche  allmälig  in 
Folge  abnormer  Belastung  zu  folgender  Deformität  des  Gelenkes 
führte.  Steht  Pat.  aufrecht^  die  Füsse  parallel  neben  einander,  so  ist 
das  rechte  Knie  soweit  nach  aussen  von  der  Mittellinie  gerückt,  dass 
zwischen  ihm  und  dem  normalen  linken  ein  Abstand  von  circa  4  Zoll 
besteht.  Das  rechte  Bein  bildet  einen  nach  innen  offenen  Winkel 
von  160^.  (Ein  genu  varum  also,  nicht  valgum.  Ref.).  Bei 
Bewegungen  fallt  die  ausserordentliche  Schlaffheit  des  Bandap- 
parates auf.  In  der  Beugestellung  gestattet  dieselbe  den  Unter- 
schenkel um  Y4  Kreisbogen  nach  innen  zu  rotiren,  so  dass  der  äus- 
sere Fussrand  gerade  nach  vom  sieht.  Das  Gehen  ist  in  Folge 
dessen  sehr  unsicher,  Pat.  muss  sich  stets  eines  Stockes  bedienen  und 
fällt  auch  hiermit  noch  oft  genug  zu  Boden. 

Von  anderen  Mitteln  sich  wenig  Erfolg  versprechend,  führte 
Verf.  die  Resection  des  Kniegelenkes  aus.  Es  zeigte  sich  hierbei, 
dass  neben  der  enormen  Schlaffheit  der  Bänder  eine  Wachsthums- 
anomalie  des  Femur  bestand.  Während  der  Condyl.  ext.  femur. 
vollkommen  entwickelt  ist,  bildet  der  internus  nur  eine  sehr 
geringe  Prominenz,  in  welcher  sich  noch  kaum  ein  Knochenkem 
entdecken  liess.  Xlm  diese  schiefe  Gel^nkfläche  in  eine  horizontale 
umzuwandeln,  musste  mittelst  der  Butch er' sehen  Säge  vom  Condyl. 
ext.  ein  ziemlich  bedeutendes  Stück  entfernt  werden,  während  am 
inneren  Condylus  nur  eine  dünne  Knorpelscheibe  abfiel.  Von  der 
Tibia  wurde  nur  die  überknorpelte  Fläche  abgetragen.  Die  ganze 
Operation  -  geschah  unter  Carbol-Spray  und  mit  Anwendung  des 
Esmarch' sehen  Verfahrens.  Lagerung  des  resecirten  Beines  auf 
eine  unterbrochene  Eisenschiene;  Lister's  Verband.    Heilung  ohne 


CentnablaU  fQr  Chiiurgie.    No.  44.  701 

besondere  Zwischenfälle.  Die  Eiterung  dauerte  an  der  inneren  Seite, 
wo  der  noch  knorpelige  Condylus  lag,  länger  als  an  der  äusseren. 
Pat.  nach  4Y2  Monate  entlassen,  konnte  mit  Hülfe  eines  Stockes  gehen. 
\^erkürzung  1  Zoll.  Drei  Monate  später  ging  das  Mädchen  ohne 
Stock.  Lossen  (Heidelberg). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Cooper  ForBter.     Surgical  Records. 

(Guys  Hospital  Reports  1875.  Vol.  XX.) 
Dem  Berichte  über  81  yerschiedene  F&lle  entnehmen  wir  die  folgenden: 

I.  Aneurysmen  der  Arterxa  poplitea.  (Fall  15  u.  16.) 

1 )  38jähr.  Pflasterer.  Atheromatose  fast  sämmtlicher  palpable^  Arterien.  Com- 
pression  beider  Femorales  mit  Finger,  Toumiquets  und  Gewichten.  Rechts  vor- 
übergehende Besserung.  Links  Status  idem.  In  Anbetracht  des  Allgemeinsustan- 
des der  Arterien  wurde  von  der  Ligatur  abgesehen. 

2)  40jihr.  Arbeiter.  Geschwulst  bestand  seit  3  Monaten.  Keine  Hersgerftusche. 
Digital-  und  Instrumentalcompression  der  Femoralis  5 — 6  Wochen  lang.  Aufhören 
der  Pulsation.    Tumor  hart  und  klein. 

n.  Hernien.  (FaU  19— 28.) 

1)  Incarcerirte  Femoralhernie.     Operation.    Heilung.     No.  19. 
53jähr.  Wittwe ;  bekam  vor  6  Monaten  rechtseitigen  Schenkelbruch ;  trüg  kein 

Bruchband.  Seit  12  Stunden  Verstopfung  und  Schmerzen  in  der  Leistengegend. 
Sie  hatte  sich  nicht  überangestrengt.  Taxis  erfolglos.  Herniotomia  interna.  Bruch- 
sack dunkelroth,  ebenso  Bruch wasser,  aber  klar.     Heilung  per  prim.  intent. 

2)  Incarcerirte  Femoralhernie.    Operation,  Heilung.  No.  20. 
44jähr.  Frau;   hatte  dreimal  geboren;   leidet  an  häufigem  Gallebrechen.    Bei 

solchen  Anfällen  bemerkt  sie  in  den  letzten  12  Monaten,  dass  ein  kleiner  Knoten 
an  der  rechten  Leiste  hervortritt,  welcher  schmerzt,  während  der  Nachtruhe  aber 
wieder  yerschwindet.  Vor  12  Tagen  war  er  wiederum  herausgetreten;  Pat.  hatte 
in  kurzer  Zeit  5  Stühle,  Ton  da  ab  Verstopfung.  Bei  der  Aufnahme  heftige  Leib- 
schmerzen, Tympanitis,  lebhafte,  deutlich  sichtbare  peristaltische  Bewegungen. 
Zunge  belegt,  ab  und  zu  Erbrechen  ohne  f&culenten  Geruch.  Unter  dem  rechten 
Lig.  Poup.  kleiner,  harter  Knoten.  Herniotomia  interna.  Bruchsack  entleert  kla- 
res Serum.  Im  Halse  eine  kleine  Darmschlinge  eingeklemmt.  Reposition;  Hei- 
lung nach  6  Wochen. 

3}  Inguinalhernie.  No.  24. 

11  jähr.  Pat.,  vor  einem  Jahre  durch  Ueberfahren  an  der  linken  Seite  des  Un- 
terleibes verletzt.  Drei  Tage  vor  der  Aufnahme  kam  der  Bruch  ohne  Veranlas- 
sung zum  ersten  Male  hervor.  Taxis  erfolglos.  Eisumschläge.  Anderen  Tages  ist 
die  Hernie  spontan  verschwunden. 

4)  Incarcerirte  Inguinalhernie;  Reposition  durch  Taxis  nach 
Anwendung  von  Eis  und  Opium.  No.  25. 

57jähr.  Mann.  Bruch  seit  20  Jahren.  Nie  Bruchband  getragen.  10  Stunden 
vor  der  Aufnahme  Hernie  vorgefallen ,  1  Stunde  später  Erbrechen  und  heftige 
Schmerzen,  die  sich  fortwährend  steigerten.  Kop^osse,  rechtseitige  Serotalhemie. 
Taxis  erfolglos.  Eisumschläge,  Opium.  (15  Tropfen  Tinctur.)  3  Stunden  später 
bei  nochmaliger  Taxis  Bruch  leicht  reponirbar. 

5)  Incarcerirte  Inguinalhernie;  spontanes  Zurückgehen  nach 
Anwendung  von  Eis  und  Opium.  No.  26. 

50jahr.  Maurer.  Bruch  seit  Kindheit,  stets  durch  Bruchband  zurückgehalten. 
Einige  Stunden  vor  der  Aufnahme  war  derselbe  während  heftiger  Anstrengung 


702  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  44. 

vorgefallen.  Sehr  bald  starke  Schmerzen;  kein  Erbrechen.  Linkseitige,  orange- 
grosse  Leistenhernie,  vollkommen  weich.  Taxis  erfolglos.  EisumschlSge,  Opium 
(2  8tQndl.  0,06;.  Am  anderen  Morgen  bei  dem  Erwachen  war  die  Hernie  von 
Selbst  zurückgegangen. 

6)  Incarcerirte  Leistenhernie;  Reposition  durch  Taxis  nach 
Anwendung  von  Eis  und  Opium.  No.  27. 

22jähr.  Musikant.  Bruch  besteht  seit  3  Jahren,  war  stets  reponibel.  Kein 
Bruchband.  TVs  Stunde  vor  der  Aufnahme  war  die  Hernie  wieder  vorgefallen  und 
liess  sich  nicht  zurückbringen.  Alsbald  Schmerzen  und  Erbrechen.  Grosse  recht- 
seitige  Scrotalhemie.  Zunge  belegt,  Aussehen  schlecht.  Taxis  erfolglos.  Eisum- 
schlftge  und  Opiiun  (0,06).    Anderen  Tages  gelang  die  Taxis  ohne  Mühe. 

7)  Incarcerirte  Leistenhernie.  Spontane  Reduction  nach  An- 
wendung von  Eis  und  Opium.  No.  28. 

ISjähr.  Arbeiter.  Bruch  bestand  seit  der  Kindheit.  Bruchband  bis  zum  Bten 
Jahre  getragen.  Später  erschien  der  Bruch  zeitweise,  war  indess  immer  reponibel. 
5  Stunden  vor  Ai^nahme  Hervortreten  der  Hernie.  Grosse  rechtsätige  Scrot«!- 
hemie,  weich,  aber  schmerzhaft.  Häufiges  Erbrechen.  Taxis  erfolglos.  Eis  und 
Opium    (4stündl.  0,06).    Anderen  Tages  ging  der  Bruch  spontan  zurück. 

in.  Ovariotomieen.  (Fall  40—44.) 

1)  Ovariotomie;  Heilung.  No.  40. 

31jähr.  Frau,  Mutter  von  5  Kindern.  Vor  17  Monaten  bemerkte  sie  eine  all- 
mälig  wachsende  Anschwellung  des  Abdomens.  Function  vor  6  Monaten.  Bei 
der  Aufnahme:  grosser,  deutlich  fluctuirender  Tumor  im  Unterleib;  Aussehen  der 
Fat.  gesund.  Ovariotomie.  Keine  Adhäsionen,  geringe  Blutung.  Stiel  in  Klam- 
mer gelegt.  Cyste  enthielt  eine  Menge  kleiner  Secundärcysten.  Wundverlauf  ohne 
Störung.  Klammer  löst  sich  am  12.  Tage.  Fat.  nach  6  Wochen  geheilt  entlassen. 
7  Monate  nach'  der  Operation  gebar  sie  ein  gesundes  Kind,  war  denmach  wahr- 
scheinlich schwanger  während  der  Operation. 

2)  Ovariotomie;  Heilung.  No.  41, 

43jähr.  ledige  Frau,  bemerkt  die  Anschwellung  des  Leibes  seit  9  Monaten. 
Untersuchung  ergiebt  einen  2-lappigen  höckerigen  Tumor,  der  1  Zoll  Über  den 
Nabel  nach  aufwärts  reicht.  Beide  Lappen  ziemlich  gleich  gross;  der  linke  zeigt 
Fluctuation,  der  rechte  ist  fest.  Allgemeinbefinden  gut.  Ovariotomie,  Function 
der  multiloculären  Cyste.  Entleerung  puriformer  Flüssigkeit,  von  welcher  etwas 
in  die  Bauchhöhle  fliesst,  aber  wieder  möglichst  rein  weggewaschen  wird.  Leichte 
Adhäsionen,  geringe  Blutung.  Stiel  in  Klammer  befestigt.  Wundverlauf  ohne  be- 
sondere Störung.  Klammer  löst  sich  nach  13  Tagen.  Fat.  nach  7  Wochen  geheilt 
entlassen. 

3)  Ovariotomie;  Tod  am  5.  Tage  durch  eiterige  Fe ritonitis.  No.  42. 

44jähr.  Frau,  verheirathet.  Seit  3  Jahren  bemerkt  sie  einen  Tumor  im  Un- 
terleib. Niemals  Function.  Untersuchung  ergiebt  grosse  Cyste  mit  sehr  deut- 
licher Fluctuation.  Ovariotomie.  Zahlreiche  Adhäsionen  mit  der  Bauchwand,  dem 
Darm  und  Netz.  Ziemlich  bedeutende  Blutung.  Stiel  in  Klammer  gefasst  Tod 
am  5.  Tage  in  Folge  eiteriger  Feritonitis. 

4)  Ovariotomie;  Multiloculäre  Cyste.     Tod.  No.  43. 

28jähr.  unverheirathete  Frau.  Schop  seit  10  Jahren  bemerkte  sie,  dass  ihr 
Leib  stärker  wurde.  Sechsmalige  Function.  Die  anfibiglich  klare  Flüssigkeit  war 
bei  den  letzten  Malen  dick  und  trüb. 

Grosse  Cyste.  Fat.  klagt  über  zeitweise  auftretende  Schmerzen.  Ovariotomie. 
Adhäsionen  mit  der  vorderen  Bauchwand  und  den  oberen  Abschnitten  des  Mesen- 
teriums  werden  mit  den  Fingern  gelöst;  der  Stiel  wird  in  einer  Klammer  befestigt. 
Tod  am  4.  Tage  in  Folge  allgemeiner  Peritonitis.  Eingeweide  durch  firische  Ad* 
häsionen  verklebt. 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  44.  703 

5)  OTariotomie,  Heilung.  No.  44. 

25jähr.  Pat. ,  yerheirathet.  4  Jahre  Tor  der  Aufnahme  erste  Schwellung  be- 
merkt. Menstruation  stete  vorhanden.  Grosse  Cyste  mit  unebener  Oberfläche. 
Oyariotomie.  Bei  der  Function  entleert  sich  eine  trübe,  dicke  Flüssigkeit.  Keine 
Adhäsionen.  Der  Stiel  wurde  in  einer  Klammer  fixirt.  Heilung  ohne  Zwischen- 
ftlle.  Ais  die  Klammer  sich  am  19.  Tage  noch  nicht  lösen  wollte,  wurde  der 
Stiel  mit  einem  Faden  fest  umschnürt.  Er  fiel  nach  3  Tagen  ab  und  Fat.  rer- 
Hess  4  Wochen  nach  der  Operation  geheilt  das  Hospital. 

IV.  Fracturen. 

1)  Complicirte  Fractur  des  Oberschenkels,  Heilung.  No.  67. 

75  Jahr  alte  Frau  hatte  den  Fuss  in  einer  Matte  verstrickt  und  fiel  zu  Boden. 
Fractur  des  Oberschenkels  dicht  über  dem  Knie;  wahrscheinlich  T-Bruch.  Knie- 
gelenk geschwollen  fluctuirend.  Aeussere  Wunde  klein,  hatte  indessen  stark  ge- 
blutet. Schienen  verband.  Nach  6  Wochen  beginnende  Consolidation  zu  consta- 
tiren.     Fat.  in  Heilung  entlassen. 

2)  Complicirte  Fractur  des  Humerus,  complicirte  Luxationen 
des  Daumen  und  Zeigefingers.  Secundär  -  Exarticulation  der 
Schulter.     Heilung. 

Mit  den  angeführten  Verletzungen  wurde  ein  33jähriger  Mann  aufgenommen. 
Conservativ-Behandlung  während  der  ersten  6  Wochen.  Intercurrentes  Erysipel. 
Vereiterung  des  Schultergelenks.  Exarticulatio  humeri.  Fat.  vollkommen  geheilt 
nach  5  Wochen  entlassen.  LOBsen  (Heidelberg.) 

Comil.     Epitheliome  perle  des  teguments  du  cräne. 

(Soci^te  de  Biologie.     S6ance  du  15.  Mai  187.^.  —  Oaz.  m6d.  No.  22.) 

Eine  68jährige  Frau,  der  in  früheren  Jahren  ein  Anzahl  Atherome  der  behaarten 
Sch&deldecke  entfernt  worden  waren,  wurde  im  Jahre  1874  abermals  wegen  eines 
auf  der  Mitte  des  Kopfes  bestehenden  Tumors  operirt,  der  sich  bei  der  histologi- 
schen Untersuchung  als  ein  Ferlepitheliom  erwies.  Wiewohl  bei  der  Operation 
der  Knochen  mit  abgeschabt  worden  war,  trat  doch  schon  nach  einigen  Monaten 
ein  Becidiv  ein,  welches  bei  der  Aufnahme  der  Kranken  im  Mftrz  1875  einen  faust- 
grossen,  höckrigen,  auf  dem  Schädel  unbeweglich  aufsitzenden  Tumor  darstellte. 
Spontane  Schmerzhaftigkeit.  Keine  Drüsenanschwellungen.  Exstirpation  des 
Tumors  am  8.  April.  Derselbe  zeigt  sich  auf  dem  Durchschnitt  weisslich,  fest, 
trocken,  ohne  sichtliche  Vascularisation.  Die  mikroskopische  Untersuchung  lässt 
in  ihm  Kugeln  von  concentrisch  gelagerten,  abgeplatteten  Hornzellen  mit  dazwischen- 
liegenden dünnen  und  gefösslosen  Bindegewebsbündeln  erkennen.  Die  isolirten 
Zellen  zeigen  gezähnelte  Ränder  und  unregelmässige  Fortsätze.  Die  Kerne  er- 
scheinen granulirt,  einzelne  colloid.  Bei  Färbung  mit  MethylaniHnviolett  lässt  die 
den  Zellinhalt  bildende  Hornsubstanz  eine  Menge  feiner,  theils  radiärer  Streifen 
erkennen.  Die  der  Mitte  der  Ferlkugeln  entnommenen  Zellen  haben  eine  kuglige 
Form  ohne  Fortsätze  und  entbehren  häufig  der  Kerne.  Ihr  Inhalt  ist  stark  licht- 
brechend und  nimmt  eine  intensive  violette  Färbung  an.  Diese  Zellen  ähneln 
vielfach  denen  der  diphtheritischen  Fseudomembranen. 

0«  Tolkmann  (Kettwig). 

Bobin.     Note  sur  un  cas  d'urine  bleue;   considerations  sur  la  nature 
probable  de  la  mati^re  bleue  contenue  dans  certaines.  urines. 

(Sod^tö  de  Biologie.    S^ance  du  26.  juin  1875.  —  Gaz.  m^d.  No.  28.  p.  345.; 

Eine  35jährige  hysterische  und  sehr  nervöse  Kranke  entleerte  zweimal  nach 
einem  jedesmaligen  heftigen  Schmerzanfall  in  der  rechten  Brust-  und  Lendengegend 
eine  kleine  Quantität  blauen  Urins.  Die  Farbe ,  namentlich  der  zuerst  entleerten 
Menge  war  ein  tiefes  Indigoblau.  Unter  dem  Mikroskop  Uess  der  Bodensatz  eine 
tiefblaue  amorphe  Masse  erkennen,  daneben  E^ithelien  aus  Blase  und  Vagina  mit 
blaasblauen  Kernen,  ferner  zahlreiche  Algen  und  Sporen.    Die  blaue  Masee  Itete 


704  Centzalblatt  für  Chinufrie.    Ko.  44. 

sich  in  Wasser,  Alkohol  und  Aether  nnr  wemg,  in  Chlorofoim,  Terpenthinftl  und 
Benzin  gar  nicht.  Von  den  Tenchiedensten  chemischen  Reactionen  war  besonders 
characterisdsch  die  mit  Salxsiure,  in  der  sich  die  genannte  Masse  mit  schön  car- 
minrother  Farbe  löste.  —  Da  eine  Simulation  in  diesem  Falle  bestimmt  ausiu- 
schliessen  ist,  so  reiht  sich  derselbe  einer  Ansahl  ähnlicher,  bereits  frfiher  gemach- 
ter Beobachtungen  an.  Die  Natur  des  eigenthümlichen  /  mit  den  Terschiedensten 
Namen  belegten ,  färbenden  Princips  li^  bisher  fast  völlig  im  Dunkeln.  R.  hält 
die  blaue  Substanz  nach  dem  Vorgang  Braconnots,  der  dieselbe  Cyanurin  nannte, 
fOr  ein  Oxjdationsproduct  der  Harnsäure.  Vielleicht  ist  sie  auch  ein  Derivat  des 
Indols  und  hängt  mit  einer  Erkrankung  des  Pancreas  zusammen. 

0.  V#llaunu  (Kettwig). 

Hagedorn.  Demonstration  einer  galyanokaastiBchen  Scbneideschlinge, 
welche  bei  der  Operation  eine  sichere  Blutstillung  ermöglicht.*] 
(Arch.  f.  klin.  Chiruigie  1S75.  Bd.  XVIH.  Hit.  4.) 
H.  hat  eine  galvanokaustische  Schneideschlinge  constmirt.  welche  man  zugleich 
als  Drahtecraseur  wirken  lassen  kann,  einen  gafvanokausti sehen  Draht- 
schnfirer,  wegen  dessen  genauer  Beschreibung  wir  auf  das  Original  verweisen* 
Um  femer  den  richtigen  Hitzegrad  der  Schlinge  zu  haben,  vor  allem  ein  zu  stari^es 
OlGhen  des  Drahtes,  der  dann  zu  schnell  durchschneidet  und  nicht  mehr  blutstillend 
wirkt,  zu  vermeiden,  macht  H.  auf  den  Widerstand  beim  Drehen  des  Wirbels  auf- 
merksam^ der  im  umgekehrten  Verhältnisse  ein  sicherer  Gradmesser  für  die  Olllh- 
Wirkung  der  SchHnge  ist.  SchnOrt  sich  der  Draht  zu  leicht  und  zu  schnell  zu- 
sammen, d.  h.'  slso,  glüht  der  Draht  zu  stark,  so  empfiehlt  es  sich,  den  Strom  nur 
kurze  Momente  einwirken  zu  lassen  und  längere  Momente  zu  unterbrechen.  H.  hat 
mit  seiner  Schlinge  unter  anderen  Operationen,  ohne  Blutung,  ohne  Unter- 
bindung und  ohne  Nachblutung  einen  Oberschenkel  und  einen  Unterschen- 
kel, dessen  Heilung  allerdings  2  Monate  dauerte,  amputirt,  femer  11  Brustampu- 
tationen wegen  Carcinomen  u.  s.  w.,  im  Ganzen  35  grosse  Operationen  gemacht, 
über  welche  er  später  Näheres  berichten  will.  Maas  (Berlin). 

y.  Mosengeil.    Demonstration  eines  magnetisch-electrischen  Rotations- 
apparates zu  galvanokaustischen  Zwecken.**) 
(Arch.  f.  klin.  Chirurgie.  Bd.  XVIQ.  Hft.  4.) 

Verf.  demonstrirte  einen  nach  dem  System  des  Dr.  ▼.  Hefner-Altenbeck 
construirten  magneto-electrischen  Apparat,  dessen  Princip  und  Wirkungs- 
weise auf  dem  Satze  beruhen,  dass  in  einem  in  sich  geschlossenen  electrischen 
Leiter  ein  Strom  entsteht,  wenn  Theile  yon  ihm  zwischen  zwei  entgegengesetzten, 
sich  fast  gegenüberstehenden  Polen  eines  Magneten  bewegt  werden.  In  dem 
Apparate  besteht  der  Leiter  aus  relativ  dickem,  umsponnenen  Kupferdraht,  der  um 
eine  Blechtrommel  gewickelt  ist,  die  Magnete  aus  fCLnlzig  gestrichenen,  starken 
Hufeisenmagneten  von  Wolframstahl.  Indem  wir  wegen  des  Genaueren  aiif  das 
Original  verweisen ,  heben  wir  hervor,  dass  v.  M.  selbst  auf  den  hohen  Preis  des 
Apparates  aufmerksam  macht.  Ref.  bemerkt  femer,  dass  ihm  eine  Hauptbedingung 
eines  guten  Apparates  fOr  galvanokaustische  Zwecke  abgeht:  die  Möglichkeit  nAm- 
lich,  den  Strom  genau  und  leicht  zu  dodren,  wie  dies  vor  allem  dieMiddeldorpf- 
sche  Batterie  gestattet.  Maas  (Berlin). 


*)  Yortrftg,  gehaltAn  %m  3.  Sitzangst^ge  des  lY.  CongresseB  dei  deatschen  Getellschaft  für  Chinir- 
gie  ZQ  Berlin,  am  9.  April  1875. 

**)  OemoutrfttioB  in  der  4.  Sitsang  des  IT.  Congresees  der  deateehen  Oeeellecluft  f&r  Chiraiq^e 
n  Berlin,  18.  April  1875. 

Origlnalmitthellnngen,  Monographieen  und  Separatsbdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  Tillmann»,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlang, 
Breühopf  und  Hättely  einsenden. 


Dmek  nnd  Verlag  Ton  Breitkepf  and  H Ariel  in  Leipaig. 


Gentralblatt 


ftr 

CHIRURGIE 

herauBgegeben 

yon 

Dr.  L.  L w,  Dr.  I.  Scliele,  Dr.  I.  Ti 

in  Berlin.  in  Berlin.  in  Leipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N=  45t  Sonnabend,  den  6.  Noyember.  1875« 

Inhalt:  Solokoff»  Einfiass  der  künstlichen  Unterdrückung  der  Hautperspiration.  — 
Gll^rln,  Pansement  ouat^.  —  Sarazin,  Antiseptische  Occlusion  der  Wunden.  —  Heschl, 
Reaction  auf  amyloid  degenerlrte  Gewebe.  —  FIck,  Wärmeentwicklung  bei  der  Zusam- 
men Ziehung  des  Muskels.  —  Chirurgischer  Bericht  des  St.  George*s  Hospital.  —  Ko- 
walski, Bericht.  —  Weigmann,  Steinrecidive,  —  BarSOW,  Exstirpation  der  Zunge.  — 
Heinzaly  Behandlung  und  Diagnose  der  Kniegelenkschüsse.  —  Bull,  Doppeltgetheilter 
Fuss  mit  11  Zehen.  —  Moritz,  Plantargeschwüre.  —  Nepvou,  Ruptur  der  Ovariencysten. 
—  Karpotschenko,  Ursachen  der  Brucheinklemmung. 

Kruof,  Künstliche  Ernährung  durch  subcutane  Injection.  —  RiiohlOi  Lammblut-Trans- 
fusionen. —  Bolsnot,  Transfusion.  —  Forbos,  Amylnitrit  bei  Tetanus.  —  Schmiedoberg, 
Digitalinwirkung  am  Herzmuskel.  —  Bresgon,  Partieller  Schichtstaar  nach  Verletzung 
der  Linse.  —  Slnowleff,  Künstliche  Perforation  des  Trommelfells.  —  Wagnor,  Ueber- 
zählige  Halsrippe.  —  Lovls,  Halscyste;  Enchondrom  der  Finger.  — KlopOtOWSlty,  Pene- 
trirende  Brustverletzung.  —  Wyscbinsky,  Schussverletzung  der  linken  Schulter.  — 
Bucholtz,  Uteruskrebs.  —  Maundor,  Subcutane  Operation  bei  Anchylose  des  Kniegelenks. 


N.  Solokoff.    lieber  den  Einfluss  der  künstlichen  Unterdrü- 
ckung der  Hautperspiration  auf  den  thierischen  Organismus. 

(Vir eh.  Archiv  Bd.  LXIV.  p.  40.) 

Zur  Unterdrückung  der  Hautperspiration  bei  Hunden  und  Kanin- 
chen erwies  sich  dem  Verf.  Bestreichen  mit  Leinöl  als  am  geeignet- 
sten. Bei  den  verschiedenartigsten  Versuchsformen  (46  Versuchen]^ 
beim  partiellen^  wie  beim  totalen  Bestreichen  blieben  die  klinischen 
Erscheinungen  immer  dieselben;  Eiweiss  und  geformte  Elemente  im 
Harn^  Durchfall,  Verfall  der  Herzthätigkeit  und  Athmung,  Störun- 
gen im  Nervensystem,  ab  und  zu  Krämpfe,  endlich  Erniedrigung 
der  Temperatur.  Bei  anatomischer  Untersuchung  fanden  sich  immer 
entzündliche  Affectionen  der  parenchymatösen  Organe,  ganz  besonders 
des  Darmcanals,  der  Leber,  der  Nieren.  Je  länger  das  Thier  mit 
theilweis  unterdrückter  Hautperspiration  gelebt  hatte,  um  so  auffallen- 
der waren  die  anatomischen  Veränderungen. 

45 


706  Centralblatt  für  Cbimigie.    No.  45. 

Die  uineTe  Temperatur  zeigte  bei  partiellem  Bestreichen  ia 
der  ersten  Zeit  nur  geringe  Schwankungen  (stieg  ein  wenig  bei  Hun- 
den^  fiel  ,bei  Kaninchen).     In    der   grössten  Anzahl    der  Fälle    fing 
die  Temperatur  einige  Tage  vor  dem  Tode  an,  stufenweise  zu  sinken^ 
zuweilen  indessen  machte  sich  wieder  eine  Steigerung  geltend^  die  so- 
gar  einen  intermittirenden  Character  hatte.     In  einigen  Fällen  zeigte 
die  Temperatur  gar  keine  Schwankungen ;  plötzlich  sank  sie  um  einige 
Grade^  worauf  das   Thier  bald  starb.     Wurden  dagegen   grössere 
Theile  der  Haut  bestrichen,  so  überlebte  das  Thier  das  Verfahren  nur 
um  wenige  Stunden,  die  Temperatur  fiel  sehr  rasch.  Schon  diese  thermo- 
metrischen    Messungen   zeigen,    dass   die  Erkrankung  und   der  Tod 
nach  künstlicher  Unterdrückung  der  Hautperspiration    nicht  Folge 
der  Wärmeabnahme  ist.     S.  fand  weiter,  entgegen  den  Angaben  yon 
Laschkewitsch,     dass    der  Grund    der    fortschreitenden    Abküh- 
lung nicht  in  der  Erweiterung  der  Blutgefässe  der  Haut  und  Unter- 
haut liege,  indem  beim  Bestreichen  der  Haut  keine  Lähmung  der  vaso- 
motorischen Nerven  wie  beim  Durchschneiden  des  Sympathicus  sich 
entwickelt.     Ebenso  wurden  entgegen  L.  durch  Umhüllung  mit  Watte 
sterbende  Thiere  nicht  erwärmt.     Selbst  wenn   die  Utnhüllung  un- 
mittelbar  nach  dem  Bestreichen  vorgenommen   wurde,   konnten   die 
Thiere  vom  Tode  nicht  errettet  werden.  —  Nach  S.  ist  die  beobach- 
tete  Erniedrigung   der  Temperatur  vielmehr  die  Folge  mangelhafter 
Wärmeerzeugung,  die     bewirkt  wird  durch  die  grossen  Veränderun- 
gen   (parenchymatöse   Entzündungen)   im  Organismus.     Die   niedrige 
Temperatur  kennzeichnet  die  schwere  Erkrankung,  ist  ein  Vorbote  des 
baldigen  Todes,  aber  nicht  die  Ursache   aller  Erscheinungen.  —  Als 
Ursache  der  klinischen  und  anatomischen  Befunde  ist  man  gezwungen 
eine  Vergiftung  des  Organismus  anzunehmen,  Svenn   auch  nach   den 
misslungenen  Erklärungsversuchen  Anderer  (Edenhuizen)  die  Frage 
nach  dem  Retentum  perspirabile,  dem  Gift  selbst,  fürs  Erste  bei  Seite 
gelassen  werden  muss. 

Mikroskopisch  gelang  kein  Nachweis,  ob  etwa  der  vergiftende  Stoff 
im  Blut  enthalten  sei.     S.  machte  Injectionen  vom  Blut  von  Tbie- 
ren,   die    durch   Unterdrückung    der  Hautperspiration    vergiftet  und 
bereits  in  der  Agone  befindlich  waren,   in  gesunde  Thiere.     Er  fand^ 
wie    Laschkewitsch  bei  demselben  Versuch,   keine  Temperatur- 
emiedrigung,  aber  bald  trat  bei  dem  der  Injection  ausgesetzten  Thier 
Albumen  im  Harn  auf.   welches   erst  am  3.  —   4.  Tag   wieder  ver- 
schwand.    Das  Blut  der  bestrichenen  Thiere  enthält  also   doch  ein 
Etwas,  was  wie  das  Bestreichen  selbst  wirkt,   nur  nicht   so  intensive 
Erscheinungen  hervomifik.     Dass  diese  Krankheitserscheinungen  nicht 
hochgradiger  werden,   dafür  sorgt  die  gesunde  Haut,   die  als  Oigan, 
welches  das  vermuthete  Gift  ausscheiden  kann,  in  voller  Tlatigkeit 
bleibt.     Thiere,  die  durch  Bestreichen  bereits  erkrankt  sind,  gesunden 
rasch,  wenn  man  den  Anstrich  entfernt. 

Verf.    wendet    sich    gegen    den  Vorschlag  von  Senator,  durch 
Ueberziehen  der  Haut  mit  imperspirabeln  Stoffen  bei  fiebernden  Kran- 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  45.  707 

ken  die  Temperatur  herabzuseteen  und  bestreitet  den  Werth  d€a:  Be- 
obachtungen^  auf  denen  S.  seine  Vorscbliige  baairt. 

Madelimg  (Bonn). 

A.  Querin.   Le  pansement  onat^. 

(Bulletin  de  Tacad^mie  m6decine  de  Paris  1875.  No.  84—36.) 
Anlässlicli  einer  Prioritätsfrage  gegenüber  Bonrggraeve  giebt 
G.  neue  Mittheilungen  über  Methode  und  Wirkung  des  Watte  Verban- 
des, die  grosstentheils  das  Bekannte  enthalten.  G.  legt  besonderes 
Gewicht  darauf,  dass  mit  der  »Luftfiltration«  combinirt  werde  eine 
»elastische  Compression«  der  Extremität,  absolute  XJnbeweglichkeit, 
gleichmässige  Lufttemperatur  und  seltener  Wechsel  des  Verbandes. 
G.  lässt  solche  Verbände  25—30  Tage  liegen.  Neu  dürfte  sein,  dass 
er  jetzt  seit  kurzer  Zeit  auch  prima  intentio  bei  seinen  Opera- 
tionswunden anstrebt  und  in  3  Fällen  glücklich  erreicht  hat.  Die 
eingeheilten  Ligaturfäden  wurden  hier ^ einige  Wochen  später  durch 
Eiterung  entleert. 

Bonnafont  wirft  der  Methode  vor,  dass  die  Watte  durch  Imbi- 
bition mit  Eiter  an  der  Wundoberfläche  sich  verfilze  und  so  schon 
nach  6 — 8  Tagen  eine  Eiterretention  bewirke,  die  zu  den  übelsten  Zu- 
fällen Anlass  gebe.  Seitdem  er  einmal  in  Afrika  bei  5  seiner  Amputirten 
den  Hautlappen  unter  diesem  Verbände  nach  8 — 10  Tagen  vollstän- 
dig brandig  gefunden,  habe  er  und  auch  Andere  von  dem  Verfahren 
gänzlich  Abstand  genommen. 

Bezüglich  der  Theorie  stimmt  Gosselin  mit  G.  nicht  ganz 
überein.  Namentlich  die  Angabe,  dass  der  Eiter  unter  dem  Watte  ver- 
bände von  Vibrionen  stets  frei  gefunden  werde,  bestreitet  er  ganz 
entschieden.  Er  hat  in  einer  sehr  grossen  Zahl  von  Fällen,  die  er 
daraufhin  untersuchte  —  und  Ollier,  Demarquay,  Verneuil, 
Nepveu,  Bergeron  geben  dasselbe  an  —  diese  Organismen  aus- 
serordentlich häufig  constatiren  können,  auf  Wunden,  die  übrigens 
durchaus  günstig  verliefen  und  von  jeder  infectiösen  Complication 
freiblieben.  Unter  4  Fällen  treffe  man  sie  mindestens  in  zweien 
an.  —  Die  günstige  Wirkung  des  Watteverbandes  müsse  daher  wohl 
auf  andere  Momente  bezogen  werden,  und  man  sei  genöthigt  anzu- 
nehmen, dass  es  neben  den  Vibrionen  und  Bacterien  in  der  Luft 
auch  noch  andere  schädliche  Stoffe  gebe,  die  durch  die 
Watte  von  der  Wunde  fem  gehalten  würden.  Den  schädlichen  Einfluss 
niederer  Organismen  auf  Wunden  hält  er  überhaupt  nach  den  vor- 
liegenden Erfahrungen  keineswegs  für  sehr  bedeutend.'^ —  (Ref.  erinnert 
daran,  dass  er  auf  einem  anderen  Wege,  nämlich  dem  des  Experi- 
ments, zu  dem  gleichen  Resultat  gelangte:  »dass  diese  atmosphä- 
rischen Fermente  höchst  wahrscheinlich  nicht  die  Bacte- 
rien sind,  sondern  irgend  ein  anderer  molecularer  organischer  Körper, 
gleichviel  ob  derselbe  an  den  Bacterien  haftet  oder  von  ihnen  getrennt 
ist.«  Laugenb.  Arch.  XVIII,  p.  694.)  Arn.  HiUer  (Berlin). 

45* 


708  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  45. 

Sarazin.  Nouvelle  m^thode  d'occlusion  antiseptique  des  plaies. 

(Archivefl  m^dicales  beiges  1875.  Heft  9.) 
Besteht  in  der  gleichzeitigen  Anwendung  von  Watte  und  Theer 
(occlusion  antiseptique) ,  und  hat  dem  Verf.  unter  Anderm  bei  ausge- 
dehnten Weichtheilverletzungen  durch  Granatsplitter,  mit  und  ohne 
Knochenbruch,  sehr  gute  Dienste  geleistet.  Dies  veranlasst  ihn,  das 
Verfahren  besonders  für  die  Kriegschirurgie  zu  empfehlen.  Der  Ver- 
band vereinigt  nach  S.  alle  Vorzüge  der  antiseptischen  Methode,  ist 
sehr  wenig  umständlich  und  kann  durch  Gehülfen  angelegt  werden. 
Seine  Wirkung  reicht  für  mehrere  Tage  und  somit  selbst  für  weite 
Transporte  der  Verwundeten  aus.  Arn.  Hiller  (Berlin). 

Hesohl.     Eine  hübsche   a  vista-Reaction  auf  amyloid  dege- 

nerirte  Gewebe. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  32.) 

Verf.  empfiehlt  die  violette  Tinte  von  Leonhardi  in  Dresden,  ein 

Gemisch^     dessen  färbendes  Princip   aus  AniUnblau  und   Anilinroth 

besteht  —  zur  Färbung  amyloid  degenerirter  Gewebe. 

Y.  Mosengeil  (Bonn). 

A«  Fick«     Ueber  die  Wärmeentwicklung  bei  der  Zusammen- 
ziehung des  Muskels. 

(Beiträge  zxir  Anatomie  und  Physiologie,  aU  Festgabe  Carl  Ludwig  gewidmet  tod 

seinen  Schülern.    Leipzig,  F.  €•  W.  Yogel.    1875.) 

Die  Wärmeentwicklung  beim  Tetanus  lässt  sich  durch  die  Yer- 
muthung  erklären^  dass  wahrscheinlich  für  jeden  vom  Nerven  kom- 
menden Reizanstoss  in  der  Muskelfaser  eine  bestimmte  Menge  zer- 
setzbaren  Stoffes  bereit  liegt,  welcher  durch  den  Reizanstoss  entzündet 
wird.  Oder  aber,  man  könnte  der  ehen  ausgesprochenen  Ansicht 
entgegengesetzt  annehmen,  dass  nach  dem  ersten  Reizanstoss  die 
ferneren,  welche  zur  Erhaltung  der  tetanischen  Zusammenziehung,  nicht 
zur  Vermehrung  der  letzteren  führen,  gar  keine  chemischen  Processe 
auslösten  und  nur  dahin  wirkten,  das  Entstehen  des  zweiten  Processes, 
welcher  die  Zusammenziehung  aufhebt,  zu  verhindern. 

Aus  den  vom  Verf.  angestellten  Versuchen  geht  nun  hervor,  dass  mit 
der  Dauer  des  Tetanus  die  Wärmemenge  bedeutend  wächst.  Aber  bei 
den  Acten  der  Verkürzung  und  Wiederverlängerung  des  Muskels  wird 
mehr  Wärme  entwickelt,  als  während  eines  ebenso  lange  andauernden 
Tetanus.  »Während  eines  in  constanter  Höhe  anhaltenden  Tetanus 
geschehen  zwar  fortwährend  chemische  Processe,  bei  denen  chemische 
Anziehungskräfte  Arbeit  leisten  und  zwar,  wie  es  scheint,  bei  nicht 
allzu  langer  Gesammtdauer  mit  annähernd  beständiger  Intensität,  aber 
diese  Intensität  erreicht  sicher  lange  nicht  die  Hälfte  des  Werthes, 
welchen  die  Intensität  dieser  Processe  hat  in  den  Zeiten,  während 
welcher  die  Zusanmienziehung  und  vielleicht  auch  die  Wiederausdeh- 
nung des  Muskels  stattfindet.«    Eine  Bestätigung  findet  dieser  Satx 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  45.  709 

in  der  merkwürdigen  Thatsache^  dass  bei  einer  Reihe  von  möglichst 
rasch  auf  einander  folgenden  Zuckungen  mehr  Wärme  frei  wird,  als 
während  eines  gleich  lange  dauernden  Tetanus,  hervorgebracht  durch 
eine  Frequenz  von  Beizanstössen,  die  eben  im  Stande  ist,  den  Muskel 
in  dauernder  Zusammenziehung  zu  erhalten.  Dass  im  Muskel  auch 
nach  Ablauf  des  ganzen  Erregungsvorganges  Wärme  entwickelt  wird, 
d.  h.  dass  chemische  Processe  in  ihm  ablaufen  ^  ist  sehr  wahrschein- 
lich.    Tillmaims  (Leipzig). 

Chirurgischer  Bericht  des  St.  George's  Hospital  für  1872. 

(Qeorge's  Hosp.  Reports  Vol.  VII). 
In  diesem  Jahre  wurden  behandelt  2074  Fat.,  darunter  1224  Männer 
und  682  Frauen;  die  106  Todesfälle,  —  14  wurden  fast  sterbend  einge- 
bracht —  vertheilen  sich  auf  80  Männer  und  26  Frauen.  Die  Mortalitäts- 
ziffer beträgt  5,2^,  der  mittlere  Spitals-Aufenthalt  31,7  Tage.  Von 
566  Verletzungen  mit  30  Todesfällen  betreffen  den  Kopf  118  (7  f  j, 
das  Gesicht  15  (1  f),  die  Wirbelsäule  3  (2  t),  den  Hals  4  mit  3  Selbst- 
mördern (1  t),  die  Brust  30  (1  f),  den  Unterleib  15  (i  f),  die  unteren 
Extremitäten  312  (13  f).  Von  24  complicirten  Fracturen  starben  8 
(12  Oberschenkel-,  5  Unterschenkel-,  2  Schädelfracturen) .  Von  grösseren 
Operationen  sind  zu  nennen  Amputationen  und  Exarticulationen  27 
(12  f).  Von  9  Resecirten  starb  je  1  Oberkiefer-,  Unterkiefer-  und 
Hüftgelenk-Resecirter.  Von  9  operirten  eingeklemmten  Hernien  an 
4  M.,  5  Fr.  starben  5  (2  M.  u.  3  Fr),  und  betrafen  von  4  Inguinal- 
hemien  1  W.  (f),  von  5  Femoralhemien  4  W.  (2  f);  alle  starben  an 
Peritonitis.  Von  6  Steinschnitten  (5  W.)  starben  2  W. ;  die  eine 
Ovariotomirte  starb.  1  traumatisches  Ubiar-Aneurysma  und  2  Popli- 
teal- Aneurysmen  wurden  geheilt.  Von  grossen  Gefössen  wurde  die 
Carot.  com.  erfolgreich  unterbunden,  von  22  wegen  Necrose  Operirten 
starben  2.  —  .  PH*  (Stettin). 

H«  Kowalski.     Bericht  über  die  chirurgische  Abtheilung  des 

Tarnower  Spitals  für  1874—75. 

(Przegl^d  lekarski  1875.  No.  32—36,  polnisch.) 
Von  361  Kranken  waren  196  chirurgische;  die  anderen  gehörten 
den  Augen-9  Haut-  und  venerischen  Krankheiten.  Davon  starben 
24=12,2^.  —  Bemerkenswerth  ist  ein  Fall  von  Hemiotomie,  wo 
Gangrän  des  vorliegenden  Darmes  mit  Erguss  des  Danninhaltes  in 
den  Bruchsack  vorgefunden  wurde;  die  Incarceration  wurde  einge- 
schnitten^ worauf  grosse  Kothmassen  entleert  wurden ;  Heilung  in  3 
Wochen.  Von  den  12  Amputationen  wurde  1  am  Oberschenkel; 
6  am  Unterschenkel^  1  am  Vorderarme^  4  an  Fingern  voigenommen^ 
alle  wurden  geheilt  entlassen.  —  Bei  den  8  grösseren  Amputationen 
wurde  Esmarch's  Blutleere  und  in  allen  ein  Charpie-Occlusivver- 
band  angewandt.  K.  gebraucht  beim  Verbandwechsel  eine  leichte 
Solutio  kaH  hypermanganici.  —  Obalinskl  (Krakau). 


710  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  45. 

Weigmann.     Ueber  Steinrecidive. 

(Arch.  f.  klinische  Chirurgie  1875.  Bd.  XVIII.  Hft.  3.  p.  516—556.) 

Keine  Art  der  Operation  schliesBt  die  Möglichkeit  solcher  Reci- 
dive  au8^  weder  die  Lithotomie^  noch  die  Lithotritie.  Piersig 
(Recidive  nach  Blasensteinschnitt^  in  B.  SchnQ.idt'8  Beiträgen  zui 
chirurgischen  Pathologie  der  Hamwerkzeuge)  sammelte  155  Fälle  von 
Recidiven  allein  nach  dem  Schnitt^  Verf.  86  ebensolche^  die  nach 
der  Lithotritie  beobachtet  wurden.  Auf  Grund  dieser  Erhebungen 
lässt  sich  Folgendes  behaupten.     Ursachen  der  Recidive  sind: 

1.  Das  Herabsteigen  eines  Concrements  aus  der  Niere  in  die 
Blase.  2.  Fortbestehen  des  chronischen  Blasenkatarrhs.  3.  Anomale 
Verhältnisse  der  vorangegangenen  Operation  (zurückbleibende  Stein- 
trümmer^  Charpie-,  Blutreste  etc.)^  restirende  Fisteln ,  die  sich  leicht 
incrustiren.  4.  Stauungen  des  Harns  in  der  Blase  (Blasenlähmung, 
Prostatahypertrophieen^  Stricturen  in  Folge  der  Vemarbung  u.  s.  w.) 

Häufigkeit  der  Recidive:  schwankt  nach  den  einzelnen 
Autoren  zwischen  1,0)^ — 16,6^. 

Häufigkeit  der  Recidive  bei  denselben  Kranken.  Ein 
zweites  Recidiv  trat  ein  bei  circa  22  )|^  der  Fälle  ^  ein  drittes  bei 
Ififii  ein  viertes  bei  2^25^.  Ein  siebentes  Recidiv  erwähnt  Ci- 
viale^  ein  elftes  Lisfranc. 

Geschlecht  und  Alter.  Steinrecidive  bei  Weibern  verzeichnet 
Piersig  3  Mal^  Verf.  5  Mal^  demnach  sind  dieselben,  wie  die  Stein- 
krankheit überhaupt,  bei  Frauen  selten.  Weiter  ergeben  die  Tabellen, 
dass  die  primären  und  secundären  Steine  bezüglich  des  Alters  der 
Patienten  ziemlich  gleichen  Schritt  halten. 

Beide  erreichen  nämlich  ihr  erstes  Maximum  in  der  Jugend  bis 
zu  20  Jahren,  ihr  zweites  im  Alter  von  60 — 70  Jahren,  doch  zeigt 
sich  dabei,  dass  in  der  Jugend  der  primäre  Stein,  im  Alter  das  Re- 
cidiv überwiegt.  Im  mittleren  Alter  und  jenseits  der  70.  Jahre  ist  eine 
Abnahme  in  der  Häufigkeit  beider  zu  bemerken,  eine  raschere  jedoch 
bei  den  primären  Steinen,  eine  langsamere  bei  den  Recidiven,  so  dass 
letztere  in  diesen  Lebensperioden  wieder  überwiegen. 

Eintritt  und  Zwischenzeiten  der  Recidive.  Die  meisten 
Recidive  treten  in  und  gleich  nach  den  ersten  3  Jahren  nach  der 
Operation  ein.  Dann  werden  sie  rasch  seltener;  im  Allgemeinen  um 
so  mehr,  je  länger  die  freien  Zwischenräume  sind.  Jedoch  verschwin- 
den sie  nie  ganz,  so  dass  selbst  im  hohen  Alter  noch  ein  Recidiv 
eintreten  kann,  wenn  in  der  Jugend  Steinbildung  vorhanden  war. 

Die  Zwischenzeiten  zwischen  den  Recidiven  lassen  bisweilen  eine 
gewisse  Regelmässigkeit  nicht  verkennen  (z.B.  4  durch  je  2  Jahre 
getrennte  Recidive),  im  Allgemeinen  jedoch  sind  diese  Zeiträume  so 
unregelmässig  und  von  so  individuellen  Verhältnissen  abhängig,  dass 
sich  nähere  Angaben  darüber  nicht  machen  lassen. 

Chemische  Beschaffenheit  der  Steine.  Den  häufigsten 
Bestandtheil  der  Recidive  bilden  phosphorsaurer  Kalk  und  phosphor- 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  45.  711 

saiue  Ammoniak-Magnesia^  den  der  primären  die  Harnsäure.  Letz- 
tere wird  also  in  den  Recidiven  häufig  durch  Phosphate  vertreten. 
Bilden  irgend  welche  fremden  Körper  den  Kern  eines  zweiten  Steines^ 
so  umhüUen  sie  sich  fast  immer  mit  phosphorsaurem  Kalk  resp. 
Ammoniak-Magnesia.  Eine  Wiederbildung  des  Steines  aus  oxalsaurem 
Kalky  dessen  primärer  Stein  ebenfalls  aus  oxaisaurem  Kalk  bestand^ 
sclieint^  wenn  überhaupt^  nur  äusserst  selten  vorzukommen. 

In  Betreff  der  Aussicht  auf  Recidive  theilt  Civiale  die  Steine 
in  zwei  Klassen.  In  die  erste  gehören  die  Steine  aus  Harnsäure  und 
ihren  Salzen^  femer  die  aus  oxaisaurem  Kalk  und  Cystin.  Wenn  diese 
Steine  sich  langsam  gebildet  haben  und  wenn  nach  ihrer  Entfernung 
eine  rasche  und  vollständige«Heilung  beobachtet  wurde,  dann  kann  man 
ziemlich  sicher  sein,  dass  die  Heilung  auch  von  Dauer  sein  werde. 
Wenn  jedoch  die  Hamsedimente  sehr  reichlich  unter  der  Form  von 
Kiystallen  oder  Gries  fortbestehen,  so  wird  man  kaum  hoffen  können, 
dass  die  eine  oder  andere  Operation  unbedingte  Heilung  bringen 
werde.  In  die  zweite  Klasse  gehören  die  aus  Phosphaten  bestehenden 
Steine,  welche  am  häufigsten  und  oft  mit  ziemlicher  Raschheit  reci- 
diviren. 

Sitz  des  Recidives.  Unter  240  Fällen  210  Mal  die  Blase; 
ungleich  seltener  der  Ureter,  die  Harnröhre,  das  Scrotum,  das  Peri- 
neum, die  nach  dem  Steinschnitt  zurückgebliebene  Wundfläche  u.  s.  w. 

Zahl  der  Steine.  Sowohl  beim  Recidiv,  als  bei  der  ersten 
Operation  findet  sich  überwiegend  nur  ein  Stein;  beim  Recidiv  ist 
aber  häufiger  eine  grössere  Zahl  von  Steinen  vorhanden  als  bei  der 
ersten  Operation,  bei  denselben  pflegen  endlich  die  grössten  Zahlen- 
werthe  vorzukommen. 

Behandlung.  Die  sorgfältigste  Operation,  die  bestbewährten 
Medicamente  gewähren  nicht  die  geringste  Sicherheit  gegen  Recidive. 
Man  hat  somit  genug  gethan,  wenn  man  bei  der  Operation  aufs 
Sorgfältigste  auch  die  kleinsten  Steintrümmer  entfernt,  wenn  man 
das  Zurückbleiben  von  Fisteln  auf  jede  Weise  zu  verhüten  sucht, 
wenn  man  die  Stauungen  und  Zersetzungen  des  Harns  nach  Kräften 
zu  mindern  versucht.  WUh«  Kooh  (Berlin). 


K.  W.  Barsow.    Ueber  Exstirpation  der  Zunge  von  der  regio 

inframaxillaxis  aus. 

(Militär-med.  Journal  1875.  Mal.  russisch.) 
Verf.  studirte  noch  unter  Prof.  Heppner's  Leitung  an  Leichen 
die  Operation  der  Zungenexcision  überhaupt  und  besonders  die  neue 
Billroth' sehe  Exstirpation  von  der  regio  suprahyoidea  aus  in  topo- 
graphisch anatomischer  und  chirurgischer  Hinsicht.  Zur  genaueren 
Erforschung  der  regio  hyomaxillaris  verfertigte  er  60  anatomische 
Präparate  mit  Gefässinjection.  Um  die  technische  Seite  genau  zu 
Studiren  ^  hat  er  die  Operation  wiederholt  an  frischen  Leichen  nach 
verschiedenen  Methoden  ausgeführt.    Zuletzt  beschreibt  er  einen  nach 


712  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  45. 

Killroth  von  Prof.  Heppner  ausgeführten  Fall  von  Exstirpatio 
linguae^  dem  Yerf.  assistirte.  Das  Resultat  dieser  sehr  eingehenden 
Untersuchungen  ist  folgendes: 

1)  Bei  Krebsaffectionen  der  hinteren  Theile  der  Zunge  verdient 
das  Messer  vor  allen  anderen  Methoden  den  Vorzug. 

2)  Die  Exstirpation  der  Zunge  durch  einen  Schnitt  in  der  regio 
submaxillaris  giebt  dem  Chirurgen  die  Möglichkeit^  die  Grenzen  der 
Affection  genau  zu  bestimmen  und  in  gesundem  Gewebe  zu  operiren, 
muss  deswegen  also  allen  anderen  Operationen  (Louis,  Boyer, 
Jäger,  Sidillot)  vorgezogen  werden. 

3]  Unter  den  von  der  regio  submaxillaris  her  operirenden  Me- 
thoden verdient  wegen  ihrer  Einfachheit  und  günstiger  topographisch 
anatomischer  Verhältnisse  die  Billroth' sehe  Operation  von  der  regio 
hyomaxillaris  her  den  Vorzug,  da  die  Regnoli' sehe  Operation  durch 
verticale  Trenniing  dieser  Gegend  zu  überflüssigen  Verletzungen  führt. 

4)  Die  Czerny'sche  Operation  setzt  eine  kleinere  Wunde,  ist 
aber  nur  bei  einseitiger  Zungenaffection  anzuwenden. 

5)  Bei  der  Billroth' sehen  Operation  muss  alles  Erkrankte  in 
der  Umgebung  der  Zunge  ohne  Vergrösserung  der  äusseren  Wunde 
entfernt  werden.  Erreicht  die  Geschwulst  der  Zungenwurzel  bei 
gleichzeitiger  Infiltration  der  Mundhöhlenbasis  und  der  nächsten 
Lymphdrüsen  einen  grossen  Umfang,  so  empfiehlt  Verf.  eine  Verlän- 
gerung der  hinteren  Winkel  der  Seitenschnitte  bis  zum  Winkel  des 
Unterkiefers  beiderseits,  oder  nur  auf  der  Seite  der  grösseren  Ge 
schwulst.  Die  Schnitte  dürfen  aber  nur  bis  zur  Fascie  gehen,  um 
Verletzung  der  a.  maxill.  ext.  vorzubeugen.  Im  oben  erwähnten  Falle 
machte  Heppner  eine  solche  Verlängerung,  welche  den  weiteren 
Gang  der  Ojperation  sehr  erleichterte. 

6)  Bei  gleichmässiger  VertheUung  der  Geschwulst  auf  beide 
Hälften  der  Zunge  empfiehlt  Verf.  gleich  Billroth  und  Czerny 
die  doppelte  Unterbindung  der  Art.  lingualis,  bei  Affection  nur  einer 
Hälfte  —  einseitige  Unterbindung  derselben. 

7)  Besondere  Aufmerksamkeit  ist  auf  Befestigung  des  Zungen- 
restes in  möglichst  normaler  Stellung  zu  verwenden.  — 

W.  Ornbe  (Charkow). 

HeinzeL  lieber  die  conservirende  Behandlung  der  Klniege- 
lenkschüsse ,  sowie  über  die  Indicationen  zur  primären  Am- 
putation, und  die  Diagnose  der  Knochenverletzung  bei 
penetrirenden     Schusswunden    des    Kniegelenks    nach    dem 

jetzigen  Standpuncte  der  Wissenschaft. 

(Deutsche  militfträrztl.  Zeitochrift  1875.  Hft.  6.) 

I.  Conservirende  Behandlung  der  Kniegelenkschüsse. 

H.  unterscheidet  die  conservirend  exspectative  und  die  con- 

servirend    operative    Behandlung    (Resection)    und    vei^leicht    die 

Resultate  beider  nach  umfassenden  statistischen  Erhebungen^   sowohl 


Centralblalt  für  Chirurgie.     No.  45.  713 

aus  der  einschlägigen  Litteratiir^  als  auch  namentlich  nach  dem 
reichhaltigen^  in  den  Zählkarten  der  Königl.  Militär-Medicinal- Ab- 
theilung des  Kriegsministeriums  niedergelegten  Material  des  letzten 
Krieges  1870 — 1871.  Wir  heben  daraus  Folgendes  hervor  und  ver- 
weisen bezüglich  mancher  interessanter  Einzelheiten  auf  das  Original: 

A.  Im  Ganzen  wurden  exspectativ  conservirend  behandelt 
191  Kni^elenkschüsse  (darunter  156  allein  aus  dem  letzten  Kriege]; 
von  diesen  wurden  geheilt  143,  starben  48  oder  25,1^.  Der  Ver- 
letzung nach  betrafen  dieselben: 

1.  Perforation  des  Kniegelenks  mit  einer  Oeffhung,  oder  zugleich 
mit  Ausgangsöffnung,  ohne  oder  mit  oberflächlicher  Verletzung  der 
Epiphysen  (durch  Schramm-  und  Binnenschuss) :  96  Fälle,  welche 
bei  obiger  Behandlung  eine  Mortalität  von  14,5^  ergaben. 

2.  Eröfihung  des  Kniegelenks  mit  Patellarschuss :  30  Fälle  mit 
einer  Mortalität  von  10^. 

3.  Eröffnung  des  Kniegelenks  mit  Schuss Verletzung  des  Femur 
oder  der  Tibia,  oder  beider  zugleich,  oder  in  Verbindung  mit  Verletz- 
ung der  Patella:  65  Fälle  mit  47,6^  Todesfällen.  —  Die  156  ex- 
spectativ behandelten  Kniegelenkschüsse  aus  dem  deutsch-französischen 
Feldzuge  hatten  eine  Gesammtmortalität  von  27,5^,  ein  Resultat, 
welches  auffallend  günstig  erscheint  gegenüber  denjenigen  im  letzten 
amerikanischen  Kriege,  in  welchem/ nach  den  Berichten  von  Chis- 
holm,  von  103  Fällen  50  geheilt  wurden^  und  nicht  weniger  als  53 
(=52^)  starben. 

B.  Von  den  operativ  behandelten  wurden  primär  resecirt  17, 
davon  geheilt  7,  todt  10=58,8^;  mit  Einschluss  von  noch  22  an- 
deren in  der  Litteratur  summarisch  aufgeführten  Fällen  (v.  Nuss- 
baum);  im  Ganzen  41  Fälle,  davon  geheilt  16^  todt  25=60,9)^. 

Secundär  resecirt  wurden  44,  davon  geheilt  3,  todt  41=93,1  % 
Von  Interesse  sind  die  JBndresultate  der  10  geheilten  (namentli- 
chen) Resectionen:  3  gehen  mit  Hülfe  eines  Stockes  und  erhöhter 
Sohle,  2  gehen  mit  Hülfe  zweier  Krücken,  1  geht  mit  Hülfe  einer 
Krücke  und  einer  Stützmaschine,  1  geht  mit  Hülfe  einer  Stützma- 
schine, 1  musste  wegen  Difformität  nachträglich  im  Oberschenkel 
amputirt  werden,  1  musste  wegen  beträchtlicher  Fissuren  in  der  Tibia 
nachträglich  im  Unterschenkel  amputirt  werden,  1  (Franzose)  blieb 
unbekannt.  —  In  5  von  diesen  Fällen  ist  vollkommene  Ankylose 
erzielt  worden.  — 

II.  Ueber  die  Indicationen  zur  primären  Amputation  bei 
penetrirenden  Schusswunden  des  Kniegelenks. 
So  verschieden,  wie  die  Ansichten  namhafter  Chirurgen  über  die 
Anzeigen  zur  primären  Amputation,  erweisen  sich  auch  die  Resultate 
nach  Zusammenstellungen  aus  den  letzten  europäischen  Feldzügen 
von  1848  an  bis  auf  die  Gegenwart  (nach  Lotzbeck).  H.  betrachtet 
als  feststehende  Indicationen  folgende :  Zermalmung  oder  vollständiger 
Verlust  des  Unterschenkels  bis  an  das  Gelenk  (durch  Vollkugel  oder 


714  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  45. 

Sprenggeschoss) ,  ferner  umfangreiche  Zerschmetterung  der  Knochen 
mit  so  weitgehender  Zerreissung  der  umgebenden  Weichgebilde^  dass 
eine  Restitution  nicht  möglich  ist,  und  endlich  drittens  lebensgefahr- 
liche und  nicht  anders  stillbare  Blutungen  aus  der  zerissenen  A.  und 
V.  Poplitea. 

Die  Erfahrungen  des  Krieges  von  1870 — 1871  über  die  Lethalität 
dieser  Operationen  sind  nach  den  Acten  des  Kriegsministeriums  fol- 
gende :  in  den  preussischen  Feld-  und  Keservelazarethen  sind  während 
des  Krieges  im  Ganzen  1148  Oberschenkelamputationen  vor- 
genommen worden,  darunter  nicht  weniger  denn  421  (36,6  )K^)  wegen 
Schussverletzung  des  Kniegelenks.  Die  letzteren  ergaben  102  Hei- 
lungen, 265  Todesfälle  (Rest  unbekannt),  mithin  eine  Mortalität 
von  72,2^. 

Im  Ganzen  wurden  von  den  1148  im  Oberschenkel  Amputirten 
281  geheilt,  686  starben,  bei  181  (Franzosen)  blieb  der  Ausgang 
unbekannt;  mithin  beträgt  die  Gesammtmortalität  70,9^. 

Darunter  waren  Primär- Amputationen  353,  mit  einer  Mortalität 
von  60,06^,  Secundär-Amputationen  734,  mit  einer  Mortalität  von 
77^6^.     61  waren  ohne  nähere  Angabe,  ob  secundär  oder  primär. 

Aus  den  mitgetheilten  Resultaten  einer  gewiss  recht  ansehnlichen 
Statistik  ist  es  dennoch  schwer,  ein  definitives  Urtheil  zu  gewinnen  über 
den  relativen  Werth  der  einzelnen  bei  Kniegelenkschüssen  in  An- 
wendung gezogenen  Behandlungsweisen.  »Die  begleitenden  Neben- 
umstände und  der  Scharfblick  des  erfahrenen  Chirurgen«,  sagt  H., 
»haben  im  gegebenen  Falle  zu  entscheiden,  welchem  der  hier  con- 
currirenden  3  Heilverfahren,  deren  Sterblichkeit  fast  gleichlautend 
erscheint,  der  Vorzug  gebührt,  ob  der  exspectativen  Behandlung  mit 
einer  Mortalität  von  61,3,  oder  der  primären  Resection  ^mit  einer 
Mortalität  von  60,9,  oder  der  primären  Amputation  mit  einer  Mor- 
talität von  59,4^.«  — 

III.  Erfahrungen  und  Rathschläge  bezüglich  der  Diagnose  der 

Knochenverletzungen  bei  Kniegelenkschüssen  bilden  den  Schluss. 

Arn.  HUlor  (BerUn). 

O.  Bull.     Doppeltgetheilter  Fuss  mit  1 1  Zehen. 

(The  Boston  med.  and.  surg.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  293). 
Während  bei  Thieren  ein  doppelter  Fuss  als  Missbildung  nicht 
zu  selten  ist,  findet  sich  beim  Menschen  kein  sicherer  Fall  dieser 
Art  beschrieben;  deshalb  verdient  folgende  Beobachtung  volles  Inte- 
resse. Ein  sonst  wohlgebildetes  Mädchen  zeigt  an  ihrem  linken  Fusse 
11  Zehen,  welche  in  zwei  Reihen  der  Art  angeordnet  sind,  dass 
gewissermassen  zwei  hinter  einander  stehende  unvollkommene  Füsse 
gebildet  sind ;  der  vordere  Fuss  hat  wie  normal  eine  grosse  und  4  klei- 
nere  Zehen,  der  hintere  6  gleich  grosse  Zehen,  beide  Füsse  sind  von 
einander  durch  einen  tiefen^  breiten  Raum  getrennt.  Die  Stellung  des 
vorderen  Fusses  ist  die  eines  hochgradigen  Talipes  equino-varus,  und 
es  wenden  sich  beide  ihre  Plantarseiten  zu ;  welchem  der  beiden  Füsse 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  45.  715 

die  einfache  Ferse  zukommt,  ist  schwer  zu  sagen;  nur  die  Zehen  des 
vorderen  Fusses  sind  activ  beweglich,  alle  sind  gut  auisgebildet^  frei^ 
nicht  mit  einander  verbunden ;  der  hintere  Fuss  scheint  seine  eigenen 
Metatarsal-  und  2 — 3  eigene  Tarsalknochen  zu  haben.  Ausserdem 
ist  das  ganze  Unke  Bein  dicker^  als  das  rechte  und  misst  z.  B.  im 
Umfange  am  Oberschenkel  1%''  mehr^  am  Knie  1",  unter  dem  Knie 
Vi '>  welche  Dickenzunahme  nicht  auf  Kechnung  der  Knochen^  son- 
dern der  Muskulatur  kommt.  Bei  leichter  Beugung  des  Knies  fühlt 
man  einen  festen  Strang,  welcher  an  der  Ausenseite  desselben  be- 
ginnt^ und  hinter  der  Fibula  bis  zum  Fersenbein  hinabsteigt.  Die 
linke  grosse  Schamlippe  hat  die  doppelte  Grösse  der  rechten.  —  Die 
Erfahrung  L  i  1 1 1  e '  s,  dass  congenitale  und  paralytische  Klumpfusse  häufi- 
ger auf  der  linken  Seite  beobachtet  wurden^  konnte  Verf.  des  kleinen  Beob- 
achtungsmaterials wegen  nicht  bestätigen,  dagegen  drängt  ihn  seine 
Erfahrung  zu  dem  Schlüsse,  dass  Polydactylie  die  linke  Seite  häufiger 
befalle  und  bringt  er  dafür  eine  Reihe  von  Beispielen  aus  der  Litte- 
ratur  bei,  darunter  auch  eine  doppeltgetheilte  linke  Hand.  Eine 
gute  Zeichnung  erleichtert  das  Verständniss.  PH»  (Stettin). 

E.  Moritz,   lieber  Plantar-Geschwüre. 

(St.  Petersburger  med.  Zeitschrift  1875.  Bd.  V.  p.  1.) 
Verf.  bespricht  in  einem  ^  im  Deutschen  ärztlichen  Vereine  zu 
St.  Petersburg  gehaltenen  Vortrage  die  verschiedenen  Arten  tiefgrei- 
fender Plantargeschwüre^  welche  gewöhnlich  unter  dem  Namen  Mal 
perforant  zusammengeworfen  werden.  Er  lässt  letzteres  mit  Recht 
nicht  als  eine  besondere  Krankheitsform  gelten  und  schlägt  daher  vor^ 
diesen  Namen  ganz  fallen  zu  lassen  und  die  Geschwüre  in  der  Fuss- 
sohle  wie  an  anderen  Stellen  nach  ihrem  Hauptcharacter  zu  benen- 
nen (Ulcus  plantare  e  clavo,  leprosum^  neuroparalyt.  etc.] .  Aus  dem 
aus  der  Litteratur  angeführten  casuistischen  Materiale^  welches  übri- 
gens nicht  vollständig  gesammelt  ist,  zieht  Verf.  den  Schluss^  dass 
die  meisten  Fälle  von  Mal  perforant  als  ulcerirte  Leichdorne 
aufzufassen  sind  und  dass  die  Malignität  der  Geschwüre  wesentlich 
aus  den  anatomischen  Eigenthümlichkeiten  der  Fusssohle  zu  erklären 
ist.  Die  neuroparalytische  Form  der  Plantargeschwüre  wird  nicht 
eingehender  gewürdigt  und  gegenüber  den  rein  localen  Druckge- 
schwüren als  die  seltenere  Form  erklärt  (s.  dagegen  die  vom  Bef. 
gesammelte  Casuistik^  Berl.  klin.  Wochenschr.  1875.  No.  30  u.  ff.  ref. 
Centralbl.  f.  Chir.  No.  43).  Zum  Schlüsse  werden  3  Krankheitsge- 
schichten mitgetheilt^  von  denen  die  beiden  ersten  ulcerirte  Leichdorne^ 
die  dritte  multiple  Druckgeschwüre  an  den  Zehen  von  nicht  näher 
bestimmtem  Character  betreffen.  P«  Bruns  (Tübingen). 

Nepveu.     Rupture  des  kystes  de  Tovaire  dans  le  peritoine. 

(Annales  de  Gyn6cologie.  Tome  IV.  1875.  Juillet.) 
Verf.  hat  ein  Material  von  155  Fällen^  grösstentbeils  aus  der  Litte- 
ratur gesammelt^   in  welchen  Kupturen  von  Eierstockscysten  eintra- 


716  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  45. 

ten.  Die  Richtung  des  Durchbruchs  vertheilte  sich  in  folgender 
Weise;  t28Mal  Durchbruch  in  die  Bauchhöhle^  tlMal  in  den  Darm, 
6Mal  in  die  Blase ,  iMal  in  den  Uterus  ^  2Mal  in  die  Scheide  und 
7 Mal  Durchbruch  der  Bauchwand.  Specielles  Augenmerk  hat  nun 
Verf.  auf  die  häufigsten  Rupturen  in  die  Bauchhöhle  gerichtet. 

Die  Ursachen  der  Rupturen  der  Cysten  liegen  entweder  in 
einem  Trauma  oder  in  Veränderungen  der  Cystenwäude. 
In  ersteren  Beziehungen  sind  zu  erwähnen  Brechmittel^  Hustenstösse, 
starkes  Bücken^  heftige  Anstrengungen^  starkes  Lachen^  vor  allem 
die  Muskelanstrengungen  während  der  Schwangerschaft  und  Geburt 
und  während  der  Arbeit;  ferner  chirurgische  Eingriffe^  Functionen, 
einfache  Genitalexplorationen,  Fuss-  und  Fauststösse,  Schläge  etc. 
Betreffs  der  Veränderungen  der  Cystenwände  seien  in  vielen  Fällen 
erstens  eine  entzündliche  Erweichung  beobachtet  worden, 
zweitens  in  einigen  Fällen  eine  Entzündung  der  Cysten  im  Wochen- 
bett in  Folge  von  Puerperalfieber,  drittens  Umwandlung  der  Cyste 
und  deren  Wände  in  Carcinom  etc.  (Verf.  geht  über  diese  jedenfalls 
wichtigsten  Ursachen  leicht  hinweg.) 

Die  Symptome  sind  meistens  scharf  ausgeprägte  nach  der 
Ruptur,  obwohl  in  etlichen  Fällen  der  Ruptur  weder  Symptome  vor- 
ausgingen noch  folgten.  In  den  meisten  Fällen  traten  heftige 
Schmerzen  auf;  dabei  eigenthümliche  Zufälle  von  Ohnmacht  oder 
Convulsionen,  oder  hysterische  Erscheinungen.  Der  Anblick  des  Unter- 
leibs ist  vollständig  verändert;  der  Tumor  verschwunden,  die 
Bauchwand  weich  und  eindrückbar,  veränderter  Percussionston,  deut- 
lichere Fluctuation  im  Unterleib.  Meist  folgt  letale  Peritonitis;  selten 
eine  anfangs  umschriebene,  später  allgemeine  Peritonitis.  Von  127 
Fällen  63  Todte,  davon  6  sofort  gestorben,  8  in  Zeit  von  12  Stunden 
—4  Tagen  und  8  innerhalb  6 — 12  Tagen.  Von  der  Hälfte  der 
übrigen  64  Fälle  wird  mehr  oder  weniger  völlige  Heilung  berichtet,  in 
einzelnen  trat  neue  Füllung,  ja  selbst  Ruptur  zum  2.  und  3.  Male  ein. 

Der  pathologisch  anatomische  Character  der  rupturirten 
Cysten  ist  leider  bisher  wenig  beachtet  worden.  Alle  Cystenvarie- 
täten  können  bersten.  Die  Perforation  ist  meist  einfach,  bisweilen 
mehr — 30fach;  die  betreffende  Stelle,  bald  am  hintern,  bald  am  obem 
Theil.  Der  Ruptur  von  Cysten,  welche  Eiter  oder  altes  Blut  oder 
gelatinöse  Massen,  fremde  Körper  etc.  enthielten,  folgten  stets  schwere 
Symptome,  der  von  serösen  Cysten  dagegen  verhältnissmässig  selten. 

Betreffs  der  Prognose  ist  sehr  bemerkenswerth,  dass  unter  127 
Fällen  nur  43  von  wirklicher  Heilung  vorliegen. 

Die  Behandlung  der  Rupturen  ist  nach  Verf.  noch  nicht  end- 
gültig festgestellt.  Bisherige  Methoden:  unmittelbare  Function  des 
Abdomen,  und  die  Ovariotomie.  Von  Entscheidung  bei  der  Behand- 
lung sei  der  nach  einer  Probepunction  festgestellte  Character  der  er- 
gossenen Flüssigkeit. 

Die  Arbeit  hat  besonderen  Werth  durch  ausführliche  Litteratur- 
angaben   nicht  blos   über  die  Rupturen  in  die  Bauchhöhle,  sondern 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  45.  717 

auch  über  die   am  Schluss  beigefügten  Fälle  von  Durchbrueh  in  die 
Nachbarorgane.  —  Leopold  (Leipzig). 


W.  Karpetschenko.     Studien  über  das  Wesen  und  die  Ur- 
sachen der  Darmbrucheinklemmung. 

Inaug.-Difls.  Petersburg  1875  (ruuisch). 

Vielfache  Einklemmungsyersuche  an  lebenden  Thieren^  todten 
Menschen-  und  Thierdärmen  (Hunde ^  Katzen^  Kaninchen^  Ratten 
etc.),  zu  denen  Wachs,  Fett,  Gyps,  Luft  u.  s.  f.  benutzt  wurden, 
brachten  Verf.  zu  folgenden  Schlüssen:  alle  bisherigen  Theorien, 
welche  den  Mechanismus  der  Einklemmung  von  Darmbrüchen  erklä- 
ren (Roser,  Busch,  Lossen),  sind  unzulässig;  eine  Umdrehung 
der  Darmenden  um  ihre  Längsaxe  im  Bruchringe  bildet  das  Haupt- 
moment; die  nähere  Ursache  derselben  ist  in  anatomischen  Verhält- 
nissen des  Darmcanales  zu  suchen.  Die  S carpa- Busch' sehe  Um- 
knickung  bildet  ein  wichtiges  Hülfsagens  beim  Einklemmungsacte; 
diese  Umknickung  des  Darmendes  am  Rande  des  Bruchringes  kommt 
durch  Ueberfüllung  des  Bruches  zu  Stande.  Beide  Enden  der 
Darmschlinge  werden  bei  der  Einklemmung  gleichzeitig  geschlossen. 
Die  Umdrehung  wird  durch  Anwesenheit  von  Gasen  in  der  Bruch- 
schlinge begünstigt.  Umfangreiche  Verwachsungen  der  Schlinge  mit 
dem  Bruchsacke  schützen  vor  Einklemmung,  sehr  alte,  grosse  Brüche 
können  deshalb  nicht  eingeklemmt  werden.  Die  Taxis  muss  in  Re- 
dressirung  der  Umdrehimg  des  einen  Endes  der  Schlinge  bestehen. 

Dieser  sehr  ausführlichen,  noch  unter  Prof.  Heppner*s  Leitung 
ausgeführten  Arbeit,  sind  3  Zeichnungen  beigegeben. 

W.  Grube  (Charkow). 

Kleinere  Mittheilungen. 

J.  Erueg.     Künstliche  Ernährung  durch  subcutane  Injectionen. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1S75.  No.  34.) 

Bei  einem  Geisteskranken,  welcher  Nahrung  verweigerte  und  bei  Application 
der  Schlundsonde  Suffocationsanfällle  bekam,  Klysmata  aber  herauspresste,  wurde 
Olivenöl  in  ganzen  und  halben  Unzendosen  subcutan  injicirt.  Wie  1869  Menzel 
und  Per  CO  schon  bei  Hunden  gefunden,  dass  flüssiges  Fett  binnen  längstens  48 
Stunden  ohne  besondere  Reaotionserscheinungen  völlig  resorbirt  wurde,  trat  auch 
hier  dasselbe  Besultat  ein,  und  wurde  der  Patient  wfthrend  einer  Zeit  von  39  Tagen, 
von  denen  er  9  gefastet  und  an  10  gegessen,  an  20  nicht  hinter  einander 
folgenden  Tagen  durch  subcutane  Injectionen  em&hrt.  Nach  Injection  eines  Eies 
entstand  eine  torpide  Entzündung  und  AbscessbUdung.  Obgleich  Patient  die 
Injectionen  für  »Eiweissextract«  hielt,  äusserte  er  sich  doch,  dass,  so  gerne  er  früher 
Fett  gegessen,  er  dasselbe  jetzt  nicht  mehr  möge.  ?•  Mosengeil  (Bonn). 

Buehle.     5  Transfusionen  mit  Lammblut. 

(Correspondenzbl.  d.  ärztl.  Vereine  in  Rheinland  etc.  etc.  1875.  No.  16.  p.  23.) 

Die  4  Patienten  litten  an  unerklärlichen  Formen  von  Anaemie.  Ein  Mann  starb 
10  Tage  nach  der  Operation  an  Septicaemie,  die  sich  aus  einer  Phlebitis  oberhalb 
der  Operationswunde  entwickelt  hatte.    Ein  Zweiter  erholte  sich  vollständiger  als 


718  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  45. 

vorher  bei  Eigenpräparaten  und  war  10  Monate  nach  der  Operation  arfoeitafthig  als 
Eisenbahnkarrer.  —  Ein  Mädchen  litt  seit  5—6  Jahren  an  täglichem  Erbrechen. 
Sie  verlor  einige  Tage  nach  der  Transfusion  das  Erbrechen,  bekam  Appetit  und 
erholte  sich  bis  zu  16  Pfd.  Gewichtszunahme.  Nach  2  Monaten  begann  wieder 
Erbrechen.  Die  4.  Kranke  war  bei  völliger  Appetitlosigkeit  so  anämisch  und 
hydrämisch,  dass  ihr  Tod  nahe  bevorzustehen  schien.  Wenige  Tage  nach  der 
Transfusion  fand  sich  Appetit  ein  und  blieb  in  steigender  Weise  der  Art,  dass  die 
Frau  völlig  arbeitsfähig  wurde.  Bei  nach  8  Monaten  wieder  eintretender  Anaemie 
und  Appetitlosigkeit  gab  die  Transfusion  wieder  Appetit  und  mehr  Kräfte,  Ge- 
wichtszunahme und  besseres  Aussehen  für  vier  Wochen.  Dann  neues  Sinken  der 
Kräfte  und  Tod  in  Marasmus.  Madelnng  (Bonn). 

Boisnot.     A  case  of  purpura  haemorrhagica  requiring  transfusion. 

(Philadelphia  med.  Times  1875.  No.  176.) 
Die  Transfusion  wurde  an  einem  7jährigen  Knaben  ausgeführt,  welcher  grosse 
Ecchymosen  an  den  Ohren,  am  Mund,  an  der  Nase  und  in  der  Lebergegend  hatte 
und  z  u  wiederholten  Malen  grosse  Quantitäten  Blut  aus  der  Nase ,  aus  Rachen 
und  Kehlkopf  verloren  hatte.  Drei  Tage  nach  der  Operation  noch  eine  auf 
Tamponade  der  Choanen  stehende  Nasenblntung ,  dann  fortschreitende  Besserung. 

Wllh.  Koch  (Berlin). 
Forbes.     Case  of  acute  (?)  tetanus  coutrolled  by  inhalationB  ofnitrite 

of  amyl. 
(Philadelphia  med.  Times  1875.  No.  189.) 
Das  Mittel  kam  circa  40  Stunden  nach  Ausbruch  des  Tetanus  zur  Anwendung, 
als  Trismus,  Opisthotonus,  Schlingkrämpfe,  wiederholtes  Zucken  der  Extremitäten 
aufgetreten  waren,  die  Körpertemperatur  102  F.,  der  Puls  133  und  die  Athmung 
32  per  Minute  betrugen.  5  Tropfen  2Mal  des  Tages  gegeben,  beruhigten  die  Hen- 
und  die  Muskelaction  vollständig.  Beim  Aussetzen  des  Mittels  vom  9.— 11.  Tage 
stellten  sich  sofort  die  Zufälle  in  der  früheren  Heftigkeit  wieder  ein,  so  dass  man 
noch  weitere  4 — 5  Wochen  mit  demselben  fortzufahren  für  gut  befand.  Die 
Heilung  erfolgte  nach  Verbrauch  einer  Unze  des  Mittels. 

WUh.  Koeh  (Berlin). 
O.  Schmiedeberg.     Ueber  die  Digitalinwirkung  am  Herzmuskel  des 

Frosches. 

(Beiträge  zur  Anatomie  und  Physiologie,  als  Festgabe  Carl  Ludwig  gewidmet  von 

seinen  Schülern.) 

Bei  der  Digitalinwirkung  ist  als  ausschliessliche  Ursache  des  systolischen 
Herzstillstandes  eine  directe  Muskelveränderung  anzunehmen.  Es  hat  den 
Anschein,  als  ob  die  Elasticität  des  Muskels  grösser  geworden  sei  und  als  ob  mit 
der  Zunahme  derselben  der  selbstständige  Uebergang  des  letzteren  in  den  diasto- 
lischen Zustand  immer  mehr  behindert  werde.  Bestätigt  sich  die  Annahme,  dass 
eine  Veränderung  der  Elasticität  mit  jenem  systolischen  Herzstillstand  in  ursäch- 
lichem Zusammenhang  steht,  so  würde  sich  daraus  ergeben,  »dass  auch  im  Ken- 
muskel  Elasticität  und  Contractilität  neben  einander  hergehen,  dass  aber  die 
Aeusserung  der  letzteren  von  der  ersteren  wesentiioh  beemflusst  werden  kann«. 

TIHmailns  (Leipng]. 
H.  Bresgen.     Ein   Fall  von  partiellem  Schichtstaar  nach  Yerleteung 

der  Linse. 
(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  33.) 

Ein  Knabe  erlitt  durch  einen  Nagel  eine  kleine  perforirende  Hornhautwunde, 
1  Ijinie  vom  Limbus  entfernt,  ihr  entsprechend  Perforation  der  Iris  ohne  Verletzuog 
des  Sphincter  und  eine  feine  Kapselwunde  mit  strichförmiger  Trübung  der  Corticalis 
bis  zum  Kern.  Heilung  unter  Druckverband  und  Airopinapplication.  Die  Trübung 
nach  5  Wochen  nur  am  Ende  des  Stichcanales  etwas  vergrössert.  Nach  Vs  ^^hr 
war  die  vordere  Corticalis  mit  Ausnahme  der  strichfOrmigen  TrQbung  ganz  pellucid ; 
hinter   der  Corticalis  eine  gleichmässig  saturirte  Trübung,    ein   Schichtstaar  im 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  45.  719 

vorderen  Linsenabscbnitt.  Bei  der  Operation  entleerte  sich  die  vordere  Corticalis 
mit  dem  Kern;  die  hintere  pellucide  Corticalis  blieb  zurück  und  wurde  prompt 
resorbirt.  Die  traumatisch  entstandenen  Schichtstaare,  über  die  v.  Gräfe  und 
Hirschmann  berichten,  waren  in  luxirten  Linsen  entstanden.  Wäre  im  vorlie- 
genden Falle  die  Trübung  nicht  erst  so  spät  nach  der  Verletzung  entstanden ,  so 
hätte  man  annehmen  können,  dass  Kammerwasser  durch  den  Stichcanal  in  die  Linse 
gedrungen  wäre  und  den  Staar  bedingt  hätte.  —  Anhangsweise  theilt  Verf.  casu- 
istische  Beobachtungen  über  hereditären  Schichtstaar  mit. 

Y«  Mosengefl  (Bonn). 

J.  SinowiefE.     Künstliche  Perforation  des  TrommelfeUs. 

(Moskauer  med.  Zeitung  1875.  No.  9.  p.  284,  russisch.) 

Verf.  hat  die  Myringotomie,  deren  Indicationen  er  ausführlich  erörtert,  in  30 
Fällen  ausgeführt:  16Mal  bei  Einziehung  des  Trommelfells  mit  grösserer  oder  ge- 
ringerer Entwickelung  der  hinteren  Falte,  2Mal  bei  Atrophie  desselben,  4Mal  bei 
serösem  Exsudat  in  der  Paukenhöhle,  7 Mal  bei  Myringitis  acuta  und  subacuta, 
IMal  bei  Vernarbung  der  Membran.  In  11  Fällen  wurde  die  Operation  3— 4Mal 
wiederholt,  da  die  Perforation,  trotz  beständiger  Luftdouche,  schnell  (in  3—4  Tagen) 
zuheilte. 

In  24  Fällen  Verbesserung  des  Qehörs,  Linderung  und  vollkommenes  Aufhören 
der  subjectiven  Symptome.  Besonders  empfiehlt  Verf.  die  möglichst  frühe  Aus- 
führung der  Operation  bei  Myringitis  acuta ,  da  der  Process  darnach  viel  schneller 
verlaufe.    Erfolglos  war  die  Operation  in  veralteten  Fällen. 

W.Cfmbe  (Charkow). 
J.  Wagner.     Seltener  Fall  einer  überzähligen  Halsrippe. 

(Sitzungsprotokolle  der  Gesellsch.  für  experimentelle  Wissensch.  an  der  Universität 

Charkow  1875.  p.  8,  russ.) 
Die  Rippe  war  am  Körper  des  7.  Halswirbels  mittelst  eines  wahren  Gelenkes 
befestigt.  Die  linke  Halsrippe  war  3  Ctm.  lang,  endigte  nach  vom  frei;  die  rechte, 
5  Ctm.  lang,  war  vom  mit  der  ersten  Brustrippe  verwachsen.  Mm.  scaleni  ante- 
riores —  normal ,  der  m.  scalenus  medius  befestigte  sich  mit  seinen  tieferen  For- 
tionen an  die  rechte  Halsrippe;  links  dasselbe  Verhältniss.  Lage  der  a.  subclavia 
normal.  Tuberculum  scaleni  wenig  entwickelt ;  dafür  konnte  aber  die  Verbindungs- 
stelle des  vorderen  Endes  der  HaUrippe  mit  der  ersten  Brustrippe  leicht  mit  dem 
Tuberc.  scaleni  verwechselt  werden  und  bei  Unterbindung  der  a.  subclavia 
Schwierigkeiten  verursachen.  Das  Präparat  wird  im  anatomischen  Museum  aufbe- 
wahrt. W.  Gmbe  (Charkow). 

Levis.     Hydrocele  of  the  neck  in  a  cbild. 

(Philadelphia  med.  Times  1875.  No.  176.) 
Die  Halscyste  reichte  vom  Ohr  bis  zum  Oberarm,  vom  Kinn  bis  zum  Schulter- 
blatt,   war  mehrftcherig  und  wurde  nach  voraufgegangener  Function  zu  etwa  ein 
Drittel  durch  Ecrasement  entfernt.    Tod  4  Tage  später  an  Septhaemie. 

Derselbe.     Gase  of  multiple  enchondroma  of  the  fingers. 

Ibidem.  No.  180. 
Eine  Reihe  verschieden  grosser  Enchondrome  am  unteren  Humerusende  und 
an  den  Fingern  eines  11jährigen  Knaben^  die  sich  seit  5  Jahren  allmälig  entwickelt 
haben.  Die  umfänglichsten  sitzen  an  der  Orundphalange  des  2.,  3.  und  4.  Fingers 
und  an  der  Mittelphalange  des  2.  und  3.  Fingers.  Geringere  Anschwellungen  am 
oberen  Ende  der  Metakarpalknochen.  Die  Metakarpo-Phalangealgelenke  relaxirt, 
die  Fingergelenke  in  der  Beweglichkeit  herabgesetzt.       Wilh«  Koeh  (Berlin). 

J.  Elopotowsky.     Verletzung  des  Thorax  mit  Prolapsus  eines  Lun- 
genstückes. 
(Beilage  zu  den  ProtocoUen  der  med.  Gesellsch.  zu  Woronesch  1875.  p.  128.) 
Ein  Sjähriger  Knabe  fiel  auf  ein  Messer ,   das  er  in  der  Hand  hielt :  1 V2  Zoll 
lange  Wunde  rechts ,   3  Zoll  vom  proc.  ensiformis  zwischen  der  6.  und  7.  Kippe : 


720  Ceniralblalt  für  Chirurgie.    No.  45. 

Vorfall  eines  faustgrossen  iLungenstückes ,  das  sich  bei  der  Inspiration  jedesmal 
aufblähte.    Kein  Pneumothorax.    Repositionsversuche  erfolglos. 

Anschwellung,  Röthe,  Schmerzhaftigkeit  des  vorgefallenen  Theiles;  allmäliges 
Schwinden  dieser  Symptome  mit  spontanem ,  langsamem  Kückschritt  des  Frolapaus 
und  Verkleinerung  der  Oeffnung  im  Laufe  eines  Monats. 

Die  Therapie  bestand  nur  im  Auflegen  beölter  Compresseik 

W.  Grabe  (Charkow). 

L.  Wysohinsky.     Ein  Fall  von  Schussverletzung  der  linken  Schulter. 

(Sitzungsberichte  der  med.  Oesellsch.  zu  Charkow  1875.  Beilage  No.  1.  p.  49.) 

Beschreibung  eines  Falles  aus  der  Klinik  des  Ref. :  comminutive  Fractur  am 
oberen  Dritttheil  des  Humerus  und  dem  Acromialende  der  Clavicida.  Verletzung 
des  Gelenks  durch  grobes  Schrot.  Sofortige  prim&re  Resection.  Nach  5  Wochen 
Entlassung  mit  guter  activer  Beweglichkeit  der  Extremität.  Hieran  anknüpfend, 
spricht  sich  Verf.  gegen  die  passiv  conservative  Behandlung  bei  Schussverletzungen 
überhaupt  aus  und  befürwortet  die  primären  Operationen  bei  denselben. 

W.  Grabe  (Charkow). 

Bucholts«      lieber  drei  im   Warschauer  Ujazdow' sehen  Militärho- 

spitale  operirte  Fälle  von  Uteruskrebs. 

(Deutsche  Zeitschrift  für  praktische  Medicin  1875.  No.  20.) 

Von  20  Kranken  mit  Uteruskrebs  wurden  3  operirt  und  verliesssen  anschei- 
nend genesen  das  Hospital,  10  erlagen  ihren  Leiden  und  7  wurden  auf  eige- 
nen Wunsch  entlassen.  In  dem  ersten  Falle  war  Patientin  noch  3  Jahre  nach  der 
Operation  (Chassaignac* scher  Ecraseur)  vollständig  gesund.  In  dem  2.  Falle 
war  bereits  nach  8  Monaten  Recidiv  vorbanden.  Die  3.  Patientin  im  Nov.  1S73 
operirt,  verliess  am  15.  Decbr.  1873  angeblich  geheilt  das  Hospital.  ^—  Bezüglich 
der  Diagnose  macht  Verf.  darauf  aufmerksam ,  dass  manche  Fälle ,  welche  zuerst 
für  Uteruscarcinom  gehalten  wurden,  nachträglich  sich  als  andere  Processe  erwie- 
sen. In  einem  solchen  Falle  mit  der  nach  Spiegelberg  pathognostischen  Un ver- 
schiebbarkeit der  Vaginalschleimhaut  besserte  sich  das  Aussehen  des  Mutterhalses 
unter  localer  Anwendung  von  Jodtinctur,  Ungt.  kal.  jod.,  Blutentziehungen  und  Cau- 
terisationen  sehr  schnell,  so  dass  die  jahrelang  sterile  Frau  seitdem  2mal  schwanger 
gewesen  ist.  Ebenso  machte  ein  Fall  von  Polyp  der  inneren  Schleimhaut  der  hin- 
teren Muttermundslippe  diagnostische  Schwierigkeiten.      Tillmanns  (Leipzig). 

C.  Maiznder.  Subcutane  Operation  bei  Anchylose  des  Kniegelenks. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  11.  p.  262.  —  British  med.  Associat.) 

Der  23jährige  Pat.  hatte  sich  vor  3  Jahren  die  Kniescheibe  in  3  Stücke 
gebrochen  und  das  steif  gewordene  Knie  noch  weitere  2  Male  verletzt,  er  ging  wie 
ein  Mann  mit  einem  Stelzfusse,  das  rechte  Bein  beim  Gehen  im  Bogen  schwingend. 
Das  Qelenk  war  der  Sitz  einer  unbeweglichen  Anchylose  zwischen  Kniescheibe, 
Ober-  und  Unterschenkel.  Nach  in  der  Narkose  gemachten,  kräftigen  Beugever- 
suchen, wobei  Adhäsionen  hörbar  gelöst  wurden,  folgte  starke  Reaction  ohne  Bes- 
serung der  Function.  Nach  14  Tagen  löste  M.  mittelst  starken  Tenotoms  die 
von  den  Patellarfragmenten  ausgehenden  Bänder  und  Adhäsionen  und  brachte  nun 
das  Bein  in  Beugestellung,  schon  am  4.  Tage  konnten  passive  Bewegungen  gemacht 
werden,  bald  folgten  active  und  nach  7  Wochen  konnte  Pat.  mit  kaum  merklichem 
Hinken  gehen.  Pilx  (Stettin). 

Orlginalmitthellangeny  Monographieen  und  Sepsratabdiüoke  wolle 
man  an  Dr.  H,  TlUmannt,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlang, 

BreUkopf  und  HarUH^  einsenden. 

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Druck  aad  Verlag  Ton  Breiikopf  und  Hirtel  in  Leipzig. 


Gentralblatt 


fOr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

Yon 

Dr.  L.  Lesser,  Dr.  IL  ScMe,  Dr.  E.  Tilliuiiis 

in  Berlin.  in  Berlin.  in  Leipcig. 

m 

Zweiter  Jahrgang. 


Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beäehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 


N=  46.  Sonnabend^  den  13.  Noyember.  1876* 


Inhalt  I  Ulrich,  Pathologie  und  Therapie  der  muskulären  RückgratsTeTliHimmungen.  — 
Rindfleisch,  Chronische  und  acute  Tuberculose.  —  Thierfelder,  Bedeutung  der  provleo- 
riscben  Knorpelverkalkung.  —  ZeCh,  Die  Phyblk  in  der  Eleotrotberapie.  —  HortelOUp, 
Behandlung  der  Syphilis  mittelst  Calomelr&ucherungen.  —  Kaialbars,  Trophische  und 
vasomotorische  Störungen  peripherer  Nervenverletzungen.  —  ZsIgmoiMlyy  Der  Gypssaok- 
verband.  —  Jacsche,  Aetiologle  der  acuten  eitrigen  Zellgewebsinflltration  nach  dem 
Steinschnitt.  —  Qrflnfcld,  Auto-Endoscopie  der  Urethra.  —  Bergeron,  Behandlung  der 
Yaricen. 

Bryant,  Bericht  über  Knochengeschwülste.  —  Anger,  Behandlung  der  Flexionscontractnr 
der  Finger.  —  Rosner,  Veraltete  incomplete  Luxation  der  ülna  nach  hinten.  —  HirSCh- 

berg,  Blasenectopie.  —  Bryant,  FlUle  von  Blasenstein. 


A.  S.   Ulrich.      Pathologie    und    Therapie    der  muskulären 

Rückgratsverkrümmungen. 

(Bremen,  C.  E.  MttUer's  Verlag.  1874.     109  S.  3  Taf.  Abbild.) 

Verf.  beginnt  im  t .  Kapitel  mit  einer  Eintheüung  der  Rückgrats* 
Verkrümmungen,  je  nach  dem  localen  oder  constitutionellen,  musku- 
lären, ossiculären  oder  gemischten  Ursprung  des  Leidens  und  stellt 
dann  zunächst  den  Kegriff  der  Kyphosis,  Lordosis,  Scoliosis  fest.  — 
Die  Rückwirkung  des  vorhandenen  Localleidens  auf  den  Gesammt- 
organismus,  sowie  die  Abhängigkeit  der  muskulären  von  den  ossicu- 
lären Affectionen  und  umgekehrt  ^  werden  besonders  betont.  Die 
muskulären  Rückgratsverkrümmungen  sind  die  häufigsten;  ihnen  ist 
speoiell  das  2.  Cap.  gewidmet,  in  welchem  Verf.  sich  eingehend  über 
die  Mängel  der  modernen  Kindererziehun^  verbreitet^  namentlich  in 
Rücksicht  auf  die  vernachlässigte  körperliche  Ausbildimg.  Er  stellt  das 
gewiss  sehr  berechtigte  Verlangen,  dass  kein  Kind  vor  dem  7.  Jahre 

46 


722  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  46. 

in  den  Schulunterricht  eintrete  und  dass  die  Gesammtstudienzeit 
des  Kindes  3 — i,  die  des  Jüngliogs  und  der  Jungfrau  6 — 8  Stunden 
täglich  nicht  überschreite.  Die  localen  und  allgemeinen  Folgen  des 
zu  anhaltenden  Stillsitzens  werden  in  düstern  Farben  geschildert  und 
zweckmässige  diätetische  VoTBchriften  für  Kinder  hinzugefügt,  wobei 
Verf.  besonders  auf  die  übliche  Bekleidung  kleiner  Mädchen  aufmerk- 
sam macht  und  Schnürleiber  und  Corsets,  namentlich  aber  auch  die 
tief  ausgeschnittenen  sog.  Leibchen  proscribirt^  welche  »nur  bis  an 
oder  sogar  noch  1 — 2"  unter  die  Schulterhöhe  reichen  und  die  freie 
Bewegung  der  Arme,  namentlich  die  Erhebung  derselben  in  der 
Seitenebene  ^  hindern«.  —  In  den  körperlichen  Uebungen  ist  jede 
Ueberanstrengung  schädlich,  jede  einseitig  vermehrte  Entwicklung  des 
Organismus  streng  zu  verhüten.  ^ — 

Eingehend  auf  die  einzelnen  Arten  der  Bückgratsverkrümmungen, 
bezeichnet  Verf.  als  Ursache  der  muskulären  Formen  der  Kyphosis 
vorzugsweise  lang  anhaltende  Stellungen  und  Lagen,  welche  Dehnun- 
gen der  Rückenmuskeln  bedingen.  Dadurch  werde  ein  Ueberwiegen 
der  Muskulatur  der  vorderen  Thoraxseite  herbeigeführt,  die  sehr  häufig 
noch  ganz  besonders  durch  unvernünftigen  Betrieb  gymnastischer 
Uebungen  vermehrt  werde.  In  dieser  Hinsicht  sei  auch  das  Tragen 
von  Schultornistern  schädlich.  — 

Nach  wenigen  kurzen  Bemerkungen  über  die  Lordosis  bespricht 
Verf.  3.  die  Scoliosis^  als  deren  hauptsächlichste  Ursachen  er  die  un- 
gleiche Uebung  der  Muskeln  beider  Körperhälften  (vorzugsweiser 
Gebrauch  der  rechten)  bezeichnet.  Er  beschreibt  verschiedene  Grade 
der  Scoliose,  deren  Abgrenzung  von  einander  übrigens  eine  vollkom- 
men willkürliche  und  fluctuirende  ist.  —  Verf.  sucht  dann  die 
i^hädliche  Wirkung  des  stärkeren  Gebrauches  namentlich  der 
rechten  oberen  Extremität  näher  zu  begründen.  Bei  jedem  Erheben 
des  Armes  sollen  Wirbel  und  Intervertebralknorpel  der  Lendengegend 
der  gleichnamigen,  der  Dorsalgegend  der  entgegengesetzten  Seite 
schäifer  aufeinandergepresst  werden,  wodurch  eine  Ueberbiegung  mit 
der  Convexität  hier  nach  links,  dort  nach  rechts  herbeigeführt 
werde.  —  Die  Torsion  der  Wirbel  erklärt  er  in  folgender  Weise:  auf 
jeden  in  dem  nach  rechts  convexen  Dorsaltheil  der  Wirbelsäule  be- 
findlichen Wirbel  wirkt  der  Druck  des  darüber  liegenden  Körpertheiles 
im  Sinne  einer  Seitwärtsschiebung  nach  der  convexen  Seite.  Diese 
Schiebung  ist  am  vorderen  und  hinteren  Ende  der  Wirbel  gleich 
stark,  aber  die  Abweichung  dieser  Enden  ist  verschieden,  weil  die 
Befestigung  d^r  Rückenwirbel  aneinander  auf  der  hinteren  Seite 
(durch  die  fest  aneinanderdrückenden  Gelenkfortsätze,  die  Muskeln, 
die  festen  ligg.  flava,  capsularia,  interspinaUa,  apicum  und  int»- 
transversalia)  ausserordentlich  viel  stärker  ist ,  als  auf  der  vordexen, 
wo  sie  allein  durch  das  ligam.  longitud.  anter.  (möglicherweise  auch 
etwas  durch  das  poster.)  beigestellt  wird.  Jene  wirkt  der  Seiten- 
schiebung der  Wirbel  nadi  rechts  sehr  kräftig  entgegen,  während  der 
Widerstand  der  letzteren  gegen  dieselbe  nur  ein  sehr  geringer  sein 


Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  46.  723 

kann.  Da  nun  ausserdem  in  Folge  der  nozmalen  Bückenkyphose 
»eine  Abnutzung  der  Vorderseite  des  Corpus  der  Wirbel  mit  fast  gänz- 
lichem Verschwinden  des  Vordertheils  des  Intervertebralknorpels  statte 
findet,  und  ausserdem  durch  die  abnorme  Krümmung  eine  ähnliche 
Abnutzung  der  linken  Seite  des  Wirbelkörpers  entsteht^  so  wird  die 
oben  erwähnte  relativ  schwache  Vorderseitsbefestigung  hierdurch  noch 
schwächer«.  Es  erklärt  sich  also  daraus  die  Drehung  der  Wirbelkörper 
nach  rechts  und  der  proc.  spin.  nach  links.    — 

Enthält  diese  Theorie  gewiss  manches  Wahre,  so  werden  freilich 
die  Behauptungen  des  Verf.,  die  er  bei  Besprechung  der  Scoliose  in 
Folge  schiefer  Stellung  des  Beckens  aufstellt,  gerechtes  Bedenken 
erregen  müssen.  Seiner  Meinung  nach  befindet  sich  nämlich 
bei  einer  sehr  grossen  Anzahl  von  Menschen  das 
Becken  in  schiefer  Stellung.  Die  eine,  meist  die  rechte  crista  ilei 
steht  höher  als  die  andere,  eine  Differenz,  die  meist  nur  gegen  1  Zoll, 
zuweilen  aber  auch  bis  2  Zoll  (?1)  betrage,  ohne  dass  die  Pa- 
tienten oder  ihre  Umgebung  es  jemals  gemerkt  hätten.  Die  gering- 
fugigsten  Umstände,  z.  B.  beim  Treppensteigen  stets  mit  demselben 
Fuss  voran  zu  treten,  öfteres  Ruhen  auf  demselben  Beine  etc.  sollen 
die  Ursache  hiervon  sein  können,  indem  dadurch  ungleiche  Uebung 
der  unteren  Extremität  veranlasst  wird,  welche  wieder  zu  ungleicher 
Entwickelung  der  letzteren  sowohl  in  Bezug  auf  Umfang  wie  auf 
Länge  (?!I)  der  Beine  führe.  (Selb&t  die  Richtigkeit  dieser  durch 
nichts  bewiesenen,  zum  mindesten  sehr  auffallenden  Behauptung,  die 
anderweitiger  Constatirung  doch  dringend  bedürftig  wäre ,  einmal  zu- 
gegeben, so  würde  eine  ungleiche  Länge  der  Beine  doch  immer  nur 
eine  statische  Scoliose  herbeiführen  können,  die  sich  bekanntlich  so 
gut  wie  niemals  fixirt  und  eine  andere  Therapie  als  eine  die  Verkür- 
zung des  einen  Beines  ausgleichende  Prothese  nicht  erfordert.    Ref.) 

Das  3.  Kap.  behandelt  die  Therapie  der  Rückgratsverkrümmuiigen 
im  Allgemeinen.  Nachdem  Verf.  die  beschränkte  Wirkungssphäre 
medieamentöser  (Eisen-Leberthran  etc.)  und  chirurgischer  Mittel  (My- 
otomien) sowie  der  Electricität  hervorgehoben,  dagegen  die  grosse 
Wichtigkeit  einer  geeigneten  Diätetik  im  weitesten  Sinne  des  Wortes 
betont  hat,  nachdem  er  Bädern  und  Douchen  einen  geringen  Werth 
eingeräumt,  eigentlich  orthopädischen  Curmethoden  und  Apparaten 
aber  so  gut  wie  jeden  Nutzen  abgesprochen,  wendet  er  sich  zur 
ausfuhrlichen  Besprechung  der  »gymnastischen«  Behaadlungs- 
weise.  Unter  Gvmnastik  will  er  aber  nicht  das  verstanden  wissen,- 
»was  z.  B.  in  Deutschland  leider  als  Tumkunst  in  die  Mode  gekommen 
ist«  und  was,  »Zufölligkeiten  ausgenommen,  nicht  anders  als  schädlich 
und  verderblich  auf  die  Gesundheit  und  Schönheit  des  Körpers  wirken 
kann<r,  sondern  die  »wissenschaftliche  Gymnastik,  geschaffen  von  Pehr 
Henrik  Ling,  neben  Linn6  und  Berzelius  der  glänzendste  Stern 
am  Himmel  Schwedens,  die  sobald  die  Menschheit  hinreichend  aufge- 
klärt worden,  zuletzt  einmal  über  den  ganzen  Erdboden  verbreitet  wer- 
den wird.«  —  Die  Gymnastik,  in  Deutschland  gewöhnlich  schwedische 

46» 


724  Centralblatt  fQr  Chirurgie.     No.  64. 

Heilgymnastik  genannt^  wirkt  durch  active^halbactive  und  passive  Bewe- 
gungen (unter  den  halbactiven  werden  solche  Uebungen  verstanden, 
bei  welchen  den  Bewegungen  des  Patienten  durch  den  Arzt  ein  grösserer 
oder  geringerer  Widerstand  entgengesetzt  wird)  und  sind  dieselben 
gerichtet:  1)  auf  die  allgemeine  Stärkung  der  Muskeln  und  Nerven; 
2)  auf  die  Beförderung  der  Bespirationsthätigkeit ;  3)  auf  die  Beför- 
derung von  Ernährung  und  Wachsthum,  Vermehrung  der  peristal-* 
tischen  Darmbewegungen  und  Erhöhung  der  Innervation  des  vegetativen 
Nervensystems  (Bewegungen,  welche  die  Bauchmuskeln  stärken); 
4]  auf  locale  Kräftigung  gewisser  Muskeln  des  Rückens  und  des 
Rumpfes.  Endlich  sollen  5]  individuell  vorhandene  Symptome  be- 
sonders berücksichtigt  werden. 

Das  4.  Cap.  schildert  nun  die  den  einzelnen  Zwecken  dienenden 
Bewegungen  und  Uebungen  genauer,  welche  bei  aller  Mannigfaltigkeit 
und  bei  allen  Nebenintentionen  schliesslich  sämmtlich  den  einen 
Endzweck  verfolgen,  eine  starke  Streckung  der  Wirbelsäule  und  des 
Rumpfes  herbeizufuhren.  Eine  Reihe  von  Beispielen  erläutert  die  Art 
und  Weise,  wie  eine  schwächere  und  stärkere  Contiaction  bestimmter 
Muskeln  und  Muskelgruppen  erzwungen  werden  kann.  Schliesslich 
werden  gegen  Kyphose ,  I^ordose  und  Scoliose  eine  Reihe  von  Ue- 
bungen bestimmt  vorgeschrieben,  welche  im  Original  nachgesehen 
werden  müssen. 

Das  Buch  ist  mit  warmer  Ueberzeugung  geschrieben  und  trotz 
mancher  Uebertreibungen  und  gewagter  Behauptungen  namentlich 
hinsichtlich  der  therapeutischen  Vorschriftten  wohl  der  Beachtung 
werth.  Schede  (Berlin). 


E«  Rindfleisch.     Chronische  und  acute  Tuberkulose. 

(Handbuch  der  spec.  Pathologie  und  Therapie,  herausgegeben  von  H.  v.  Ziemsaen. 

Bd.  V.  226  S.  1874.) 

lieber  die  vorliegende  Arbeit  K.'s  können  wir  leider  nicht  mit 
der  Ausführlichkeit  berichten^  wie  wir  wohl  möchten.  Es  sei  uns 
gestattet,  die  Hauptpuncte  aus  dem  allgemeinen  Theil  der  so  anregen- 
den Darstellung  des  Verf.  kurz  zu  sciziren,  welche  nicht  nur  für  den 
Anatomen,  sondern  auch  für  jeden  wissenschaftlichen  Praktiker  Ton 
ganz  besonderem  Interesse  sind.  — 

Bekanntlich  wurden  vorzugsweise  durch  Bokitansky  die  Lehren 
Laennec's  über  die  graulich  durchscheinende  Granulation  und  der^i 
Umwandlung  zum  gelben  Tuberkel  bei  den  deutschen  Klinikern  und 
Anatomen  eingebürgert.  Besonders  war  es  dann  Virchow,  welcher 
anderen  Anschauungen  Bahn  brach,  indem  er  betonte,  dass  nicht  alle 
käsigen  Massen  in  phthisischen  Lungen  aus  der  grauen ,  halbdurch- 
sichtigen Tuberkelgranulation  hervorgingen.  Er  unterschied  bezüg- 
lich des  Begriffs  )Dkäsig«  1)  käsig-entzündlich  (Eiter,  zellenreiche 
Neubildung),  2)  käsig-tuberkulös.  Als  Tuberkel  sollte  fortan  nur  der 
miliare  Tuberkel  angesehen  werden.     Von  weiterer  Bedeutung  für  die 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  46.  725 

Pathologie  der  Tuberkulose  waren  die  Villem in 'sehen  Versuche 
über  die  Uebertragbarkeit  der  Tuberkulose  durch  Impfung  von  Mi- 
liartuberkeln^ käsiger  Materie »  Sputis  etc.  bei  Kaninchen  und  Meer- 
schweinchen^ während  Buhl  die  Ansicht  aussprach^  dass  die 
Miliartuberkulose  als  eine  Resorptionskrankheit  aufzufassen  sei  und 
Virchow  besonders  darauf  aufmerksam  machte^  dass  bei  acuter 
disseminirter  Tuberkulose  irgendwo  im  Körper  ein  käsiger  Heerd 
bestände.  So  wurde  der  miliare  Tuberkel  etwas  seiner  Originalität 
beraubt,  er  wurde  Besorptionsknötchen,  um  so  mehr,  als  Waiden- 
burg bewies,  dass  es  für  das  positive  Gelingen  der  Impfungen 
gleichgültig  sei,  was  man  impfe,  wenn  nur  das  Gift  eine  feinkörper- 
liche Beschaffenheit  habe.  Von  Wichtigkeit  war  endlich  der  durch 
Cohnheim  und  Fränkel  gebrachte  Aufschluss  von  der  eigenthüm- 
lichen  Disposition  der  Kaninchen  und  Meerschweinchen,  nach  wMcher 
die  Entzündungsprodukte  bei  diesen  Thieren  überhaupt  rasch  ver- 
käsen ;  die  blosse  Erregung  eines  Entzündungs-  oder  Eiterungsheerdcs 
genüge,  um  die  Thiere  tuberkulös  zu  machen  oder  vielmehr,  dass 
sie  sich  selbst  tuberkulisiren.  — 

Wie  bei  gewissen  Thieren,  so  finden  wir  diese  Prädisposition  für  die 
Tuberkelbildung  nach  R.  auch  bei  einer  bestimmten  Gruppe  von 
Menschen,  bei  den  Scrophulösen.  Auch  hier  besteht  eine  Neigung 
»zu  einer  Verschleppung«  eines  acut  entzündlichen  Infiltrates  im  Binde- 
gewebe. Nach  Verf.  ist  das  scrophulöse  Exsudat  aus  eigenthümlich  gros- 
sen Zellen  zusammengesetzt,  vielleicht  entstanden  durch  Vergrösserung 
der  ausgewanderten  Blutkörperchen ,  welche  durch  Intussusception 
eiweissartiger  Substanzen  im  Bindegewebe  anschwellen,  in  diesem 
Seh  wellen  aber  absterben  und  allmälig  zerfallen.  Diese  Consequenzen 
sind  wichtig.  Der  scrophulöse  Katarrh  ist  darum  ganz  anders,  als 
ein  einfacher,  die  scrophulöse  Entzündung  im  Bindegewebe  anders, 
aU  bei  Individuen  mit  normaler  Constitution.  Bezüglich  des  Katarrhes 
ist  besonders  der  verschiedene  Grad  der  zelligen  Infiltration  ent- 
scheidend; bei  Scrophulösen  liegen  die  Zellen  sehr  dicht  unter  dem 
Epithel  in  dem  bindegewebigen  Parenchym  der  Mucosa,  sie  wandern 
zum  Theil  an  die  Oberfläche  aus,  werden  secemirt,  oder  gehen  in 
die  l^ymphanfänge,  oder  aber  es  bildet  sich  durch  fettigkömige  Ent- 
artung ein  Detritus,  welcher  sich  ebenfalls  der  Lymphe  beimischt.  In 
der  Entstehung  und  dem  Transport  dieses  Detritus  haben  wir  mög- 
licher Weise  die  Entstehung  und  den  Transport  des  Tuberkelgiftes. 
Auch  die  scrophulöse  Entzündung  im  Bindegewebe  hat  einen  »blei- 
bend infiltrativen  Charakter«.  Das  sehr  zellenreiche  Infiltrat  im 
Bindegewebe  erstarrt  mit  letzterem  zu  einer  dicken,  grau*  durchschei- 
nenden Masse,  welche,  da  sie  dem  Blut  unzugänglich  ist,  allmälig 
abstirbt.  So  entstehen  scrophulös-käsige  Entzündungen,  welche  man 
besonders  rein  am  Hoden  und  Gehirn  sieht.  Der  Zerfall  des  scrophu- 
lösen Infiltrates  erfolgt  durch  chemische  Metamorphose :  Fetttröpfchen, 
Eiweisskömchen ,  ungekannte  lösliche  Substanzen  werden  producirt 
und  verfallen  der  Resorption.    Diese  Erscheinungen  zeigen  eine  grosse 


726  Centndblati  fflr  Chinugie.    No.  46. 

Uebereinstimmung  mit  der  tuberkulÖBen  Piftdisposition  gewisser 
Yersuchs-Thiere ,  hier  wie  dort  liegt  der  Gnmd  derselben  in  dem 
besonderen  Ablauf  der  primären  Entzündung,  »welche  in  ihren  käsigen 
Infiltraten  und  eitrigen  Schleimhautsecreten  selbst  das  Gift  erzeugt, 
welches  in  die  Säftemasse  des  Körpers  au%enommeu,  die  Tuberkulose 
hervorbringt«.  Die  Selbsttuberkulisirung  der  Scrophulösen  kann  z.  B. 
dmrch  eitrige  Gelenkentzündung,  durch  einen  Dünndarmkatarrh  etc. 
erfolgen.  Die  käsigen  Lymphdrüsen-Intumescenzen,  nach  allen  älteren 
Autoren  das  pathognomonische  Product  der  Scrophulose,  sind  nach 
R.  stets  echt  tuberkulöse  Drüsen  (Schüppel),  mit  Riesenzellen, 
submiliaren  Knötchen  und  entzündlich  hyperplastischer,  wahrscheinlich 
secundärer  Entzündung  des  benachbarten  Drüsenparenchyms.  Die 
sogenannte  Lymphdrüsenscrophel  ist  somit  nach  R.  als  ein  tuberkulöses 
Phänomen  anzusehen.  Für  das  Gesammtverhältniss  der  Scrophulose 
zur  Tuberkulose  ergiebt  sich  nach  Verf.  »eine  ganz  ähnliche  Aufein- 
anderfolge der  Erkrankungen,  wie  wir  sie  bei  der  Invasion  einer  bös- 
artigen Neubildung  antreffen«.  — 

Weiter  wird  die  Anatomie  des  Tuberkels  erörtert.  Er  ist  aufeu- 
fassen  als  kleiner  umschriebener,  blutleerer  Heerd  scrophulöser  Entzün- 
dung mit  infiltrativem  Charakter,  Neigung  zur  Verkäsung.  Er  besteht 
aus  grosszelligem  Keimgewebe  als  dem  specifischen  Product 
scrophulöser  Tuberkulose.  Die  Zellen  sind  etwa  2 — 3Mal  so  gross 
als  weisse  Blutkörperchen ;  an  der  Peripherie  des  Tuberkels  findet  sich 
eine  kleinzellig  entzündliche  Wucherung,  welche  allmälig  in  normales 
Bindegewebe  übergeht.  — 

Bezüglich  der  Entstehungsgeschichte  des  miliaren  Tuberkels  ist 
zu  bemerken,  dass  derselbe  von  den  stabilen  Zellen  des  »Blutge- 
fassbindegewebes«  (Endothelien  der  Blut-  und  Lymphgefasse,  der  se- 
rösen Häute,  »fixen  Bindegewebskörperchen«)  ausgeht.  Die  im  Beginn 
auftretenden  Riesenzellen  sind  für  den  Tuberkel  ohne  pathc^nomo- 
nische  Bedeutung^  sie  sind  nichts  anderes,  als  eine  durch  Vermehrung 
des  Protoplasma  und  Kerntheiluug  zu  dem  bekannten  vielkemigen 
EJumpen  umgestaltete  Endothel-  resp.  Bindegewebszelle.  Die  Riesen- 
zellen  liegen  bei  den  kleineren  Tuberkeln  in  der  Regel  in  der  Mitte, 
bei  den  grösseren  mehr  an  der  Peripherie.  Sie  kommen  auch  in 
nicht  tuberkulösen  Neubildungen  vor,  andererseits  gehen  sie  durch 
Furchung  in  einen  entsprechend  grossen  Haufen  kleiner  Zellen  über, 
ohne  dass  deshalb  der  Charakter  der  ganzen  Neubildung  geändert 
würde.  Am  Omentum  majus  kann  man  das  Initialstadium  des 
Tuberkels  am  besten  studiren,  hier  sieht  man,  dass  ein  kleinster 
Tuberkel  dargestellt  wird  durch  eine  völlig  umschriebene  knotige 
Auftreibung  eines  einzelnen  völlig  frei  verlaufenden,  ge fäss- 
losen Bindegew ebsbälkchens  und  wie  diese  Auftreibung  ledigUch 
durch  eine  Wucherung  der  »fixen  Bindegewebskörperchen«  in  und  der 
Endothelzellen  auf  dem  ßindegewebsbälkchen  entsteht. 

Somit  ist  der  Tuberkel  ein  »durch  Resorption  reizender  Dinget 
erzeugter    minimaler    Entzündungsheerd,     das    Substrat    der    loca- 


Gentnlblatt  fflr  Chirurgie.  No.  46.  727 

len  Reizung  ist  eine  stabile  Zelle  des  »Blutgefassbindegewebsappt- 
rates«. 

An  den  Gefässen  selbst  zerfallen  die  Endothelhäute  durch 
Wucherung  in  ihre  Elemente^  durch  die  Neubildung  obliteriren  die 
Blut-  und  Lymphcapillaren.  Aus  »dieser  formativen  Heizung  der 
Gefitoswand«  combinirt  mit  der  bei  Scrophulose  statthabenden  man- 
gelhaften Blutfüllung  lässt  sich  vielleicht  die  absolute  Blutlosigkeit 
des  Tuberkels  erklären.  —  Ist  der  Tuberkel  über  das  erste  Stadium 
seiner  Entstehung  hinaus,  so  wird  er  selbst  zu  einem  Endzüudungs- 
reiz  für  das  Bindegewebe^  deshalb  die  Erscheinungen  der  gewöhn- 
lichen entzündlichen  Exsudation. 

So  fusst  also  die  menschliche  Tuberkulose  nach  R.  im  Wesentli- 
chen auf  der  Scrophulose^  über  deren  Wesen  wir  aber  noch  wenig 
aufgeklärt  sind.  Ein  Missverhältniss  der  Blutmenge  zum  Körpeigewicht 
scheint  R.  »ein  fundamentales  Ingredienz«  zu  sein,  combinirt  mit  einer 
Abnormität  der  gesammten  Vegetation,  die  sich  namentlich  in  dem  be- 
sonderen Ablauf  der  Entzündungen  kennzeichnet.  Die  Hauptgefahr  der 
Scrophulose  liegt  in  der  Möglichkeit  des  Hinzutretens  der  Tubercu- 
k>8e,  eine  Entzündung  irgendwo  genügt,  um  in  Folge  der  Resorption 
der  eigenen  Entzündungsproducte  die  Eruption  zahlreicher  metastati- 
scher Entzündungsheerde,  der  Miliartuberkel,  zu  veranlassen. 

Es  folgt  die  specielle  Darstellung  der  chronischen  Tuberkulose, 
der  Blutungen,  der  Pleuritis  etc.,  auf  welche  wir  nicht  näher  eingehen 
können.  Die  wichtigen  Hauptpuncte  aus  dem  ersten  TheU  der 
vorliegenden  Arbeit  dagegen  glaubte  Ref.  ausführlicher  mittheilen  zu 
sollen,  weil  sie  für  die  so  lebhaft  geführte  Discussion  der  Tuberkulose 
von  ganz  besonderer  Bedeutung  sein  dürften.  — 

TUlmanns  (Leip»g). 

A.  Thierf eider.     Ueber   die  Bedeutung    der   provisorischen 

Knorpelverkalkung. 

(Arch.  d.  Heilkunde  1875.  16.  Jahrgang.  Hft.  5  u.  6.) 

Verschiedene  Betrachtungen  und  Berechnungen  fuhren  den  Verf. 
in  Bezug  auf  die  pathologische  Verkalkung  zu  dem  Satz :  xJe  weiter 
ein  Gewebe  von  den  Canälen  der  Nahrungszufuhr  abli^t^  um  so 
träger  wird  es  von  der  Ernährungsflüssigkeit  durchströmt  und  um  so 
günstigere  mechanische  und  chemische  Bedingungen  bietet  es  für  die 
Ablagerung  von  Kalksalzen  dar«. 

Dasselbe  findet  bei  der  Knorpelverkalkung  an  der  Verknöcher- 
ungsgrenze  der  Diaphysen  beim  normalen  Wachsthum  statte  woraus 
sich  der  regelmässige^  säulenförmige  Aufbau  neuer  Knochensubstanz 
nach  Verf.  erklärt.  Jedes  gegen  den  Knorpel  aufsprossende  CapUlar- 
gefass  baut  sich  einen  Hohlcylinder  aus  Kalksalzen  und  zwar  vor- 
wiegend nach  mechanischen  Gesetzen.  A.  Bldder  (Mannheim). 


728  Centralblatt  fttr  Ghiruxgie.    No.  46. 

P.  Zech.     Die  Physik  in  der  Electro-Therapie. 

{Tübingen,  H*  Laupp'sche  Buchhdlg.  1875.     172  S.  mit  50  Holzschnitten.) 

Das  vorliegende  Buch,  welches  aus  Vorträgen  entstanden  ist,  die 
Z.  vor  einer  Anzahl  von  Aerzten  gehalten  hat,  geht  in  ausführlicher 
Weise  auf  die  physikalischen  Bedürfnisse  der  Electrotherapeutik  ein, 
indem  er  die  nothwendigen  physikalischen  Begriffe  in  klarer  Weise 
entwickelt  und  femer  liegende  Capitel,  sowie  veraltete  Apparate,  nur 
kurz  bespricht  oder  eben  nur  erwähnt;  rein  physiologische  oder  the- 
rapeutische Thatsachen  citirt  Verf.  nach  bewährten  Autoren,  da  er 
»selbstverständlich  kein  praktischer  Electrotherapeut  ist.« 

Von  besonderem  Werthe  dürfte  das  Buch  dadurch  sein,  dass 
Verf.  sich  der  Mühe  unterzogen  hat,  eine  Keihe  von  physikalischen 
Irrthümern,  welche  in  den  gelesensten  Schriften  über  Electrotherapeu- 
tik hier  und  da  zerstreut  sind,  aufzusuchen  und  in  rein  sachlicher 
Weise  nach  den  Lehren  der  Physik  zu  beleuchten  und  zu  berichtig^. 
So  vermisste  er  u.  a.  (p.  73)  bei  der  Deutung  der  Erb'schen  Versuche 
über  den  Widerstand,  welchen  ein  Strom  im  menschlichen  Körper 
erleidet  (Arch.  f.  Psych,  und  Nervenkr.  Bd.  IV.  Hft.  2.  p.  271),  die 
Berücksichtigung  der  Polarisation  und  der  dadurch  hervorgerufenen 
Gegenströme  innerhalb  des  menschlichen  Körpers  und  giebt  die 
Methode  an,  wie  bei  derartigen  Versuchen  auch  diesen  Factoren 
Rechnung  getragen  werden  kann. 

Auch  den  physicalischen  Vorgängen  bei  der  Galvanokaustik  ist 
eine  ausführliche  Besprechung  zu  Theil  geworden.  Z.  glaubt  als 
Physiker  unbedingt  das  Grove'sche  Element  in  der  von  Poggen- 
dorf  angegebenen  Form  empfehlen  zu  müssen.  —  Die  Tangenten- 
boussole  wird  für  den  Electrotherapeuten  nie  eine  grosse  Bedeutung 
gewinnen  können,  weil  die  Ableitung  eines  Resultates  aus  ihren 
Angaben  zu  complicirt  ist:  zur  Untersuchung  einer  Batterie  mit 
grossem  Widerstände  wird  man  stets  am  besten  die  Wasserzersetzung 
verwenden ;  bei  kleinem  Widerstand  (galvanokaustische  Batterie)  wird 
man  Glühversuche  an  rohem  Fleische  machen  oder  aus  der  bekannten 
electromotorischen  Kraft  und  dem  bekannten  Widerstand  durch 
Rechnung  zum  Ziel  kommen. 

Unter  den  Inductionsapparaten  hätte  der  von  Hirschmann  in 
Berlin  construirte  sehr  brauchbare  Apparat,  welcher  vor  dem  St  öh- 
rer'sehen  entschieden  den  Vorzug  verdient,  eine  Erwähnung  finden 
müssen. 

Zum  Schluss  giebt  Verf.  eine  Beschreibung  des  von  Brenner 
zusammengestellten  electrotherapeutischen  Gesammtapparates,  ausser- 
dem verschiedene  physikalisch-mathematische  Details  in  Anmerkungen 
und  eine  Zusammenstellung  von  Preiscouranten  renommirter  Anfertiger 
von  electrotherapeutischen  Apparaten.  Die  Ausstattung  des  Buches, 
sowie  die  Holzschnitte,  sind  gut.  SeellgmlUler  (Halle). 


Centrtlblatt  fflr  Chirurgie.    No.  46.  729 

Hortelonpi^     Traitement  de  la  syphilis  par  les  fumigations 

mercurielles. 

(La  France  m^dicale  1875.) 

Verf.  hat  die  Methode  ^  die  Syphilis  mit  Calomelräucherungen 
zu  behandeln^  aus  England  überkommen^  wo  sie  namentlich  von 
H.  Lee  sehr  ausgebildet  ist. 

Der  uöthige  Apparat  ist  einfach  herzustellen;  eine  wasserge- 
füllte  Metallschale,  welche  einen  kleinen  Tiegel  zur  Aufnahme  des 
Calomel  enthält,  wird  auf  eine  Spirituslampe  gesetzt;  man  beginnt 
mit  l  Grm.  Calomel  und  kann  allmälig  bis  zu  3  Grm.  steigen. 

Die  Kranken  liegen  in  einen  Bettbezug  vollständig  eingehüllt 
auf  einer  aus  Latten  zusammengesetzten  oder  wenigstens  vielfach 
durchbohrten  Bank ;  unter  ihnen  steht  der  Käucherapparat.  Nach  1 0 
Minuten  sind  sie  meist  in  Schweiss  gebadet.  In  einer  viertel  Stunde 
pflegt  das  Calomel  verdampft  zu  sein;  man  löscht  jetzt  die  Lampe 
und  lässt  den  Kranken  noch  weitere  10  Minuten  in  dem  Dampfe 
liegen.  Hierauf  wird  er  zu  Bette  gebracht,  doch  bleibt  er  noch  ^4 
Stunden  in  seinem  Ueberzug,  der  nur,  wenn  Athembeschw erden  ein- 
treten sollten,  momentan  gelüftet  werden  darf.  Verf.  hat  in  dieser 
Weise  1873  und  1874  145  Kranke  behandelt,  von  denen  12  die  Cur 
nach  den  ersten  Räucherungen  unterbrachen.  Von  den  übrig  bleiben- 
den 133  trat  bei  9  keine  Besserung  ein,  43  sind  wesentlich  gebessert 
(viele  von  diesen  hätten  ganz  geheilt  werden  können,  wenn  sie  die 
Cur  länger  fortgebraucht  hätten)  und  81  sind  völlig  geheilt  entlassen. 
Die  9  nicht  Geheilten  wurden  bis  auf  einen  im  Jahre  1873  behandelt. 

Von  den  81  geheilten  litten  98  (?  68)  an  breiten  Condylomen 
(meist  wuchernd  und  stark  nässend)  u.  z.  in  19  Fällen  am  weichen 
Gaumen  und  den  Mandeln,  in  13  an  den  Lippen,  in  21  am  Anus, 
in  22  am  Scrotum.  In  21  Fällen  fand  sich  Roseola,  in  24  papulöse 
Syphilide,  in  25  leichtere  Ulcerationen.  Es  gehören  demnach  die 
meisten  Symptome  den  früheren  Stadien  der  Syphilis  an. 

Obwohl  die  Räucherungen  (nach  dem  Rathe  der  Engländer) 
immer  noch  nach  dem  Verschwinden  der  Symptome  fortgesetzt  wur- 
den, hat  jeder  Kranke  durchschnittlich  doch  nur  13  gebraucht  u.  z. 
täglich  eine.  Nach  6  bis  7  Räucherungen  zeigte  sich  meist  schon 
Besserung.  So  kam  ein  Kranker  in  Behandlung,  dessen  Anus,  Peri- 
neum, Scrotum  und  Genito-Cruralfalte  mit  einer  zusammenhängenden 
Masse  von  oondylomatösen  Wucherungen  bedeckt  waren,  die  einen 
scheusslichen  Gestank  verbreiteten.  Nach  2  Räucherungen  war  der 
Geruch  beseitigt,  nach  4  waren  die  Wucherungen  auf  die  Hälfte 
reducirt,  und  nach  der  7.  war  nur  noch  eine  röthliche  Färbung  der 
Haut  übrig,  die  nach  einigen  Tagen  gänzlich  verschwand. 

Von  den  43  gebesserten  Kranken  zeigten  21  ähnliche  Erschei- 
nungen, wie  die  eben  besprochenen  Geheilten;  bei  22  waren  die 
Leiden  schwerer«     Aus  der  Zahl  der  21  ersteren  blieben  bei  2  breite 


730  Centealblatt  fOr  Chirurgie.    No.  46. 

Condylome  zwischen  den  Zehen,  bei  3  am  Anus^  und  16  wurden  faiB 
auf  Condylome  der  Mundschleimhaut  geheilt ;  es  waren  diese  letzteren 
ausnahmslos  starke  Raucher,  l^ei  den  23  anderen  war  die  Besserung 
eine  geringe;  Verf.  stellt  sie  mit  den  9  nicht  geheilten  zusammen. 
Einzelne  von  ihnen  litten  an  frühzeitigen  Erscheinungen  der  Syphilis ; 
es  waren  trockene  confiuirende  Syphilide^  gegen  welche  bis  56 
Käucherungen  ohne  Erfolg  angewandt  wurden.  Andere  litten  an 
Knoten-Sypluliden,  Rhypia  und  Ekthyma;  hier  wie  bei  allen  Formen 
der  tertiären  Lues  blieben  die  Räucherungen  unwirksam.  Um  die 
Wirksamkeit  der  Räucherungen  ganz  sicher  constatiren  zu  können^ 
unterliess  Verf.  daneben  jede  andere  Behandlung;  die  Condylome 
wurden  weder  gewaschen  noch  mit  Charpie  betupft.  Nur  wenn  sich 
die  Räucherungen  unwirksam  zeigten^  wurde  Jodkalium^  oft  mit  sehr 
gutem  Erfolg,  gegeben. 

Was  die  Art  der  Einwirkungen  mercurieller  Räucherungen  be- 
trifit,  so  legt  Bunstead  in  New- York  das  Hauptgewicht  auf  die 
Inhalation  der  Dämpfe.  Mit  ihm  spricht  Verf.  der  gesunden  Haut  jede 
erhebliche  Resorptionskraft  ab,  nimmt  aber  an,  dass  die  mit  feuchten 
Syphiliden  behaftete  Haut  stark  resorbire.  Einem  Kranken  mit  con- 
fluirendem  papulösem  Syphilid  (es  widersteht  diese  Form  sonst  immer 
den  Räucherungen)  liess  Verf.  ein  grosses  Vesicator  legen  und  ihn 
dann  den  Räucherungen  aussetzen;  nach  8  Tagen  waren  nur  noch 
blasse  Flecke  sichtbar.  Es  spricht  diese  Beobachtung  für  die  Ansicht 
des  Verf. 

Die  Räucherungen  werden  meist  sehr  gut  vertragen;  3  Mal  sah 
Verf.  Stomatitis  eintreten,  die  nach  dem  Aussetzen  der  Räucherungen 
schnell  verschwand,  lieber  Athemnoth  während  derselben  klagten 
zwei  Kranke;  Verf.  empfiehlt  die  Procedur  nur  in  grossen ^  vorher 
gut  gelüfteten  Zimmern  vorzunehmen,  auch  die  Kranken  nachher 
nicht  in  denselben  schlafen  zu  lassen.  Bei  dieser  Vorsicht  kann  man 
auch  schwächliche  Personen  unbedenklich  räuchern. 

Ob  die  Recidive  seltener  sind,  als  bei  anderen  Behandlungs weisen, 
wagt  Ref.  noch  nicht  zu  entscheiden;  von  den  105  im  Jahre  1873 
geräucherten  Pat.  sind  nachweislich  1 2  später  wieder  behandelt  worden. 
Die  Indicationen  für  seine  Behandlung  stellt  Verf.  in  folgender  Weise: 

Ausschliesslich  mit  Räucherungen  sind  frühzeitige  Ulcerationen, 
breite  Condylome,  Impetigo  und  eiternde  Ekthyma  zu  behandeln;  in 
Verbindung  mit  Jodkalium  sind  dieselben  bei  späteren  Formen  indicirt, 
bei  knotigen  und  borkigen  Syphiliden,  sowie  bei  tieferen  Ekthyma- 
pusteln.  A*6enMkiier  (Halle). 

F.   Kaulbars.      Trophische    und    vasomotorische    Störungen 

peripherer  Nerven  Verletzungen. 

Inaug.-Diss.  Jena  1874. 
Verf.  theilt  4  Fälle  von  traumatischer  Lähmung  der  oberen  Ex- 
tremität mit   (bei  den  beiden  ersten    sind   Krankengeschichten    von 


Centralblatt  für  Chinirgie.    No.  46.  731 

Nothnagel  benutzt).  Im  1.  Fall  entstand,  in  Folge  einer  durch 
Herabstürzen  von  einer  Treppe  hervorgerufenen  Luxatio  subcoracoidea, 
motorische  und  sensible  Lähmung  der  rechten  Oberextremität  mit 
bedeutender  Abmagerung  der  Musculatur  und  ausserdem  Queriurchung 
der  Nägel;  starke  Epithelabschilferung  in  der  Hohlhand  und  anfalls- 
weise auftretendes  Hitzegefiihl  (mit  auch  objectiv  erhöhter  Temperatur) 
in  der  ganzen  Extremität  neben  rosarother  Färbung  der  Hand.  Im 
2.  Falle  hatte  das  Anprallen  eines  Steines  gegen  die  rechte  Seite  des 
Kopfes  und  die  rechte  Schulter  eine  Lähmung  des  rechten  Armes 
mit  Atrophie,  besonders  in  der  Schultergegend  und  Erweiterung 
der  rechten  Papille  bei  verengter  (?)  Lidspalte  (offenbar  auf  trauma- 
tischer Reizung  des  rechten  Halssympadiicus  beruhend,  was  von 
Verf.  ganz  übersehen  ist.  Ref.)  zur  Folge.  Die  gelähmte  rechte 
Oberextremität  war  im  oberen  Theile  blässer,  als  die  linke,  im  unte- 
ren dagegen  blauroth  gefärbt,  am  intensivsten  am  Daumen  und  den 
2  ersten  Fingern.  Die  beiden  letzten  Fälle  betreffen  Drucklähmungen, 
durch  Schlafen  auf  dem  Arm  entstanden.  Im  4.  Falle  fand  sich, 
ausser  der  Lähmung  und  Atrophie  der  Muskeln  im  Gebiete  des  linken 
N.  radialis.  Blässe  und  Dünnheit  der  Haut  an  der  Dorsalseite  der 
ersten  3  Finger  und  der  entsprechenden  Metakarpalknochen. 

Seellginfiller  (Halle). 


A.  Zsigmondy.     Der  Gypssackverband ,  eine  neue  Methode 

des  Gypsverbandes. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  48.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Aente  lu 

Graz,  19.  Septbr.  1875.) 

(Wiener  allgem.  med.  Zeitung  1875.  No.  39.) 

Der  Verf.  beabsichtigt  mit  seiner  Modification  des  Gypscataplasma 
die  Ausführung  des  Gypsverbandes  zu  erleichtem,  und  denselben  für 
Kriegsfälle  besonders  tauglich  zu  machen.  Er  lässt  aus  einem  Lein- 
wand- oder  Flanellstück  einen  entsprechend  grossen  Sack  nähen, 
füllt  denselben  schwach  mit  Gypspulver,  näht  ihn  bis  auf  eine  kleine 
Oefihung  zu  und  bringt  dann  denselben  in  Wasser.  Die  Luft  ent- 
weicht durch  die  Oefihung,  der  gut  durchfeuchtete  Sack  wird  auf 
einem  Brett  ausgebreitet,  unter  das  zu  verbindenda  Glied  gebracht 
und  mit  Bindentouren  befestigt.  Um  den  Verband  leichter  und  zu 
gleicher  Zeit  fester  zu  machen,  bringt  Z.  Scheidewände  aus  Gewebs- 
lagen  oder  Schusterspähne  in  dem  Sacke  an. 

Wo  der  Verband  über  eine  winkelige  Beugung  angelegt  werden 
soll,  werden  Zwickel  aus  dem  Sacke  herausgeschnitten  und  dessen 
Wände  wieder  vernäht.  Winiwarter  (Wien). 


732  Centralblatt  ftlr  Chinixgie.    No.  46. 

Jaesche.      Zur  Aetiologie   der  acuten   eiterigen    Zellgewebs- 

Infiltration  nach  dem  Steinschnitte. 

(Vortrag,  gehalten  am  4.  Sitzungstage  des  lY.  Congresses  der  Deutschen  Gesell- 
schaft für  Chirurgie,  am  10.  April  1875.) 
{Arch.  f.  klin.  Chirurgie  1875.  Bd.  XVm.  Hft.  4.) 
J.  hatte  Gelegenheit,  eine  grosse  Anzahl  von  Steinschnitten  bei 
ndännlichen  Individuen  jedes  Alters  vom  2.  Lebensjahre  an  zu  machen, 
da  im  ganzen  Osten  Mittel-Russlands  die  Steinkrankheit  endemisch 
herrscht.  —  Während  ältere  Individuen  nach  Operationen  häufig  an  der 
durch  die  Grösse  des  Concrements  bedingten  Entartung  der  Harnorgane 
zu  Grunde  gehen,  überstehen  Kinder  die  Operation  sehr  gut.  —  Doch 
verlor  J.  3  Patienten  an  eitriger  Zellgewebsinfiltration,  als 
deren  Ursache  er  annimmt,  dass  bei  Verklebung  der  äusseren  Wund- 
flächen und  Undurchgängigkeit  der  Harnröhre  der  zersetzte  Urin  in 
das  Zellgewebe  der  Wunde  hineingetrieben  wird.  —  J.  machte  1871 
16  Lithotomieen  mit  2  Todten  (Tuberkulose  und  Peritonitis),  1872 
18  mit  2  Todten  (beide  Male  Peritonitis),  1873  12  mit  4  Todten 
(Cholera^  Wunddiphtherie,  Erysipel,  Phlegmone  mit  Peritonitis), 
1874  17  mit  2  Todten  (Nieren degeneration ,  Phlegmone  mit  Peritoni- 
tis); im  Ganzen  in  4  Jahren  68  Operationen  mit  10  Todten. 

Maas  (Breslau). 

J.  Grünfeld.     Auto-Endoscopie  der  Urethra. 

(Wiener  allgem.  med.  Zeitung  1875.  Nr.  36.) 

Zur  Selbstuntersuchung  der  eigenen  Harnröhre  verwendet  G.  ein 

gerades  Endoscop  mit  Conductor  oder   ein  gerades  gefenstertes  En- 

doscop,    einen  Planspiegel,    eventuell  im   Centrum  durchbohrt,    und 

directes   Sonnenlicht.      Der   Beobachter   sitzt  mit  dem  Rücken  gegen 

die   Lichtquelle,   hält  mit  einer   Hand  das  Endoscop  horizontal  oder 

schräg  nach  aufwärts,  mit  der  anderen  dirigirt  er  den  Spiegel  derart, 

dass  die  reflectirten  Sonnenstrahlen  in  das  Instrument  einfallen  können 

und  er  zugleich  das  Bild  dei   Urethra  im  Spiegel  wahrnehmen  kann. 

Die   Entfernung   des  Auges  des   Selbstbeobachters   von   dem   Spiegel 

beträgt  zwischen  60 — 70  Ctm. ;  Myopen  und  Hypermetropen  brauchen 

daher   entsprechende   Brillengläser  zur  deutlichen  Wahrnehmung  des 

Spiegelbildes.     Ein   zweiter   Beobachter  kann^die  Urethra  zur  selben 

Zeit  endoscopiren ,  wenn  sein  Auge  sich  hinter  dem  Spiegel  befindet 

und  durch  dessen  centrale  Oeffnung  direct  in  das  Endoscop  blickt. 

Winiwarter  (Wien). 

A.  Bergeron.    Traitement  curativ  des  varices  superficielles  des 
membres  et  de  la  cirsoide  par  le  simple  isolement  des  veiues. 

(La  France  m6dicale  1875.) 
Verf.  beschreibt  die  Methode  Rigaud's  (Nancy),  Unterschenkel- 
Varicen  durch  Isolation  der  Venen  zur  Heilung  zu  bringen ;  da  bereits 
150  Pat.  in  dieser  Weise  mit  gutem  Erfolg  behandelt  sind^  kann  die 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  46.  733 

Ansicht  Verneuil's,  der  die  Coexistenz  tiefliegender  und  oberfläch- 
licher Krampfadern   als  regelmässig  hinstellt^   wohl  nicht  allgemeine 
Geltung  haben.  —  Das  Verfahren  ist  folgendes:  nachdem  eine  Quer- 
falte abgehoben,    macht  man    auf  den    Yarix   einen    3   Ctm.  langen 
Längsschnitt 9   isolirt  mit  der  Hohlsonde   die  Vene  in  gleicher  Aus- 
dehnung und   schiebt  darunter   ein  2  Ctm.  breites  Grummiband^   das 
um   den   Unterschenkel  geschlungen  wird.      In  den   nächsten  Tagen 
bemerkt   man    eine    Zunahme    der   Resistenz    und   des    Volums    des 
Gefässes^   das  sich  in  einen  später  dünner  werdenden^  festen  Strang 
▼erwandelt.    Nach  der  dritten  Woche  pflegt  der  allmälig  immer  dünner 
werdende  Strang  durchzureissen ;   die  Heilung  ist  jetzt  im  Wesent- 
lichen vollendet.    Alle  Varicen  sind  verödet  und  belästigen  in  keiner 
Weise;    die  Patienten  können  gut  marschiren.      Auch   daneben   be- 
stehende  varicöse  Fussgeschwüre  pflegen   zur  Heilung  zu  kommen. 
Fieber  tritt  nach  der  Operation  nur  bei  Complicationen  ein   (Lymph- 
angoitis  etc.).     Unter  den  Fällen  Rigaud's  finden  sich  3  mit  tödt- 
lichem  Ausgang;  in  diesen  war  die  Vene  selbst  verletzt  worden.    Die 
Entblössung  an  sich  ist  gefahrlos.      Broca^  v.  Langenbeck    und 
OlHer  beobachteten  tödtlichen  Ausgang  nach  Entblössung  der  ven. 
axillaris  resp.  jugularis^   wo  wegen   rechtwinkligen  Einströmens  von 
Venen  die  Thromben  leicht  vom  Blutstrom  mitgerissen  und  zu  Embo- 
lieen   Veranlassung  geben  können:   man  halte  sich  daher  am  Unter- 
schenkel von  der  rechtwinkligen  Einmündungsstelle  der  ven.  saphena 
interna  in  die  v.  cruralis,  und  der  saphena  externa  in  die  v.  poplitea 
möglichst  fem.     Die  Heilung  der  Varicocele  durch  Venenentblössung 
(Rigaud  hat  in  allen  seinen  zahlreichen  Fällen  Heilung  erzielt)  wiid 
durch  eine  mitgetheilte  Krankengeschichte  illustrirt. 

Die  Scrotalhaut  wird  zur  Falte  aufgehoben  und  auf  die  erweiter- 
ten Venen  ein  Längsschnitt  gemacht.  Alle  Gefässe  werden  sorgfältig 
isolirt  und  hierauf  unter  das  ganze  Bündel  varicöser  Venen  ein 
Leinenband  gezogen.  Als  Verbandmaterial  benutzt  R.  nur  trockene 
Charpie.  Am  dritten  Tage  wird  das  Band  entfernt;  definitive  Hei- 
lung erfolgt  in  der  dritten  Woche.  Nutritive  oder  functionelle  Störun- 
gen sind  am  Hoden  nicht  beobachtet.  Es  folgen  Betrachtungen 
über  Thrombenbüdung  und  Phlebitis.  A.  Genzmer  (Halle). 


Kleinere  Mittheilungen. 


Th.  Bryant.     Report  ou  operative  surgery.     p.  341. 

(Guys  Hospital  Reports  1875.  Vol.  XX.) 

In  den  difsjährigen  Reports  setzt  Th.  Bryant  die  im  vergangenen  Jahre 
begonnenen  Berichte  Ober  Knochengeschwfllste  fort  und  referirt  über  eine  Reihe 
interessanter  »Krebse«  der  Kiefer  und  Röhrenknochen. 

Die  beiden  ersten  F&lle  betreffen  congenita! e  Tumoren  des  Oberkie- 
fers und  des  Unterkiefers. 

Fall  1)  4monatl.  Kind,  das  neunte  gesunder  Eltern,  zeigte  am  rechten  Ober- 
kiefer einen  orangegrossen  Tumor,  welcher  nach  Mund-  und  Nasenhöhle  hin 
prominirte.     Die  Geschwulst  war  bereits  bei  der  Geburt  beobachtet  worden  und 


784  CaatralblaU  für  Chiruigie.    No.  46. 

seitber  rasch  gewachsen.  3  Monate  sp&ter  erschienen  secundire  Tumoren  in  der 
Haut  des  Rumpfes  und  beider  Oberschenkel,  während  die  Oberkiefergeschwulst 
rapid  wuchs.    Tod  ly^  Monat  nach  der  Geburt. 

Fall  2)  Ömonatl.  Kind,  das  erste  gesunder  Eltern.  Schon  bei  der  Geburt 
wurde  an  der  rechten  Seite  des  Unterkiefers  eine  wallnussgrosse  Anschwellung 
beobachtet,  weiche  im  Verlaufe  von  5  Monaten  bis  zu  der  Grösse  einer  Orange 
gediehen  war.  Consistenx  weich,  pseudofluctuirend.  Rasches  Wachsthum,  Auf- 
bruch, Tod  14  Monate  nach  der  Geburt. 

Beiden  Referaten  sind  Abbildungen  beigefügt.  Leider  fehlen  die  mikrosko- 
pischen Befunde.  Gleichwohl  wird  man  nicht  fehlgehen ,  wenn  man  die  beiden 
»congenitalen  Krebse«  als  myelogene  Sarcome  deutet,  deren  intrauterines  Auftreten 
immerhin  su  den  Seltenheiten  gehört.     (Ref.) 

Folgen  2  Krankengeschichten,  welche  das  Auftreten  des  »Krebses«  im  kind- 
lichen Alter  illustriren  sollen. 

Fall  3}  Bei  einem  20  Monate  alten  Kinde  war  vor  Jahresfrist  im  Handteller 
eine  Geschwulst  aufgetreten  und  hatte,  allmälig  wachsend,  die  ganze  Mittelhand 
eingenommen.  Amputation  Aber  dem  Handgelenk.  Heilung  nach  1  Jahre  noch 
konstatirt. 

Fall  4)  Hier  war  das  Kind  15  Monate  alt,  kr&ftig  und  gesund.  Vor  6  Monaten 
hatte  die  Mutter  die  erste  Anschwellung  am  rechten  Handrücken  beobachtet. 
Rasches  Wachsthum ;  Amputation  des  Vorderarmes  \  Recidiy  in  der  Achselhöhle;  Tod- 

Auch  in  diesen  beiden  Fällen  hätte  der  leider  fehlende  mikroskopische  Befund 
wohl  eher  ein  Sarcom  oder  Enchondrom  als  einen  »Krebs«  konstatirt     (Ref.) 

Die  3  folgenden  Fälle  betreffen  Cancroide  der  Röhrenknochen, 
sämmtlich  in  der  Haut,  die  beiden  letzten  in  Fistelgängen,  entstanden  und  nach 
der  Tiefe  gewuchert. 

Fall  5)  67jähr.  Frau  hatte  am  Vorderarm  dicht  fLber  dem  Handgelenk  ein 
grosses  Krebsgeschwür,  welches  den  Knochen  bereits  ergriffen.  Ampntatio  anti- 
brachii  im  oberen  Drittel.     Dauernde  Heilung. 

Fall  6)  48jähr.  Mann  litt  seit  beiläufig  30  Jahren  an  Nekrose  des  Oberschenkels. 
Auf  einer  in  der  Kniekehle  mündenden  noch  nicht  geschlossenen  Fistel  hatte  sich 
ein  Cancroid  entwickelt,  welches  zur  Zeit  der  Aufoahme  ein  5  Zoll  langes,  4  Zoll 
breites  Geschwür  darstellte.     In  der  Tiefe  sah  man  den  ulcerirenden  Knochen. 

Amputation  des  Oberschenkels  in  der  Grenze  des  oberen  und  mittleren  Drittels. 
Torsion  der  Gefässe.  Heilung.  Im  abgesetzten  Stumpfe  fand  sich  ein  Total- 
Sequester  des  Femur,  eingebettet  in  eine  dicke  Knochenlade. 

Fall  7}  SOjähr.  Mann.  Ghrosses  fungöses  Geschwür  an  der  vorderen  — 
inneren  Seite  des  linken  Unterschenkels.  Vor  36  Jahren  beiderseitige  Periostitis 
der  Tibia  mit  Nekrose.  2  Jahre  vor  der  Aufnahme  war  am  linken  Unterschenkel 
das  letzte  nekrotische  Knochenstück  herausgekommen.  Seitdem  (leschwürsbildung 
an  der  Fistel.  Exarticulatio  genu  mit  Erhaltung  der  Fatella.  Heilung  nach  4  Mo- 
naten mit  brauchbarem  Stumpfe. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  der  Geschwürsfläche  durch  Dr.  Goodhart 
ergab  deutliche  Krebsmassen  mit  zahlreichen  Zellennestern  im  Centrum  des  Kno- 
chenschaftes, wohin  sie  augenscheinlich  von  der  Oberfläche  eingedrungen  waren. 

Diesen  beiden  Fällen  von  Cancroid  -  Entwickelung  in  Nekrosenfisteln  filgt 
Bryant  noch  2  aus  seiner  früheren  Praxis  bei.  Das  eine  Mal  handelte  es  sich 
um  eine  Nekrose  des  Os  calcis,  das  andere  Mal  um  eine  Tibia-Nekrose.  In  beiden 
wurde  die  Amputation  mit  Erfolg  ausgeführt. 

Unter  dem  vielversinrechenden  Titel  »Cancer  originating  in  Bona«  wird 
ein  weiterer  Fall  (No.  8}  beschrieben,  der  sich  indessen  nach  der  mikroskopischen 
Untersuchung  des  Dr.  Goodhart  schliesslich  als  Rundzellensarcom  darstellt 

2Sj ähriger,  im  Uebrigen  gesunder  Mann  litt  seit  einem  Jahre  an  Sohmenen 
im  linken  Knie ,  zu  welchen  sich  vor  einem  halben  Jahre  eine  Anschwellung  ober- 
halb des  Gelenkes  gesellt  hatte.  In  der  Nacht  vor  der  Aufnahme  war  in  Folge 
einer  pLötilichen  Muskeloontraetion  dar  Oberschenkel  dicht  über  dem  Knie  ge- 


Centnablatt  Air  Chinugie.   No.  46.  795 

broohAD.  Die  anfkngi' zweifelhafte  Diagnose  wurde  hiernach  auf  einen  den  Knochen 
serstdrenden  Tumor  gestellt  und  der  Oberschenkel  in  der  Grenze  des  oberen  und 
mittleren  Drittels  abgesetzt.  Torsion  der  Arterien.  Fat.  nach  4  Monaten  geheilt 
entlassen.  Die  Section  des  abgesetzten  Beines  ergab  eine  weiche,  mit  Blut  durch- 
tränkte Geschwulst,  welche  den  Femur  im  unteren  Drittel  total  zerstört  hatte. 
Abbildung  beigefügt.  —  Folgt  als  Fall  No.  9  Rundzellensarcom  des  Kopfes 
und  Halses  des  Femur. 

36j&hriger  Mann  litt  längere  Zeit  an  »Rheumatismus«  im  linken  HQftgelenk, 
hatte  sich  dasselbe  auch  einmal  bei  Gelegenheit  eines  Falles  distorquirt.  Bei  der 
Aufnahme  fand  man  den  linken  Trochanter  doppelt  so  dick  als  normal;  massig  hart, 
elastisch  an  Consistenz.  Hüft-  und  Kniegelenk  gebeugt.  Bei  zweifelhafter  Diag- 
nose wurde  dem  Fat  eine  Incision  eventuell  die  ßeseotion  vorgeschlagen.  Es 
zeigte  sich  der  Eingangs  erw&hnte  Tumor.  Resection.  Tod  10  Tage  später.  Das 
Mikroskop  (Dr.  Goodhart)  zeigte  die  Bestandtheile  des  Rundzellensarcoms  mit 
theilweiae  alveolärem  Bau. 

Diebeiden  letzten  Krankengeschichten  behandeln  zwei  »Feriosteal  Cancer 
of  Bone«. 

Fall  No.  10.  8j ähriges  Mädchen.  Periostale  Geschwulst  des  rechten  Unter- 
schenkels; Amputation  im  Kniegelenk.  Recidive  im  Rumpf  und  an  anderen 
Theilen.     Tod. 

Fall  No.  11.  36jährige  Frau.  Periostale  Geschwulst  des  Vorderarms.  Ampu- 
tation im  Ellenbogen.    Heilung. 

Mikroskopische  Befunde  fehlen.  Sehr  wahrscheinlich  handelte  es  sich  auch 
hier  um  periostale  Sarcome.  (Ref.)  Lossen  (Heidelherg) . 

AzLger.     Des  flexions  permanents  des  doigts  et  de  leur  traitement. 

(La  France  m^dicale  1875.) 

Verf.  heschreibt  einige  Fälle  von  Flexionscontractur  der  Finger,'  die  er  mit  Er- 
folg behandelte. 

1)  Narbencontraction  nach  Verbrennung  der  Handfläche.  Die  Finger  sind  in 
äusserster  Flexion  fixirt.  Durchschneidung  der  Narbenstränge  und  Fixation  in 
Streckung  mittelst  einer  Handschiene.  Nach  2  Monaten  ist  die  Vemarbung  be- 
endet. Wenn  auch  nicht  völlige  Streckung  möglich  ist,  sind  die  Finger  doch  gut 
beweglich. 

2)  Sogenannte  Retraction  der  fascia  palmaris  (D  u  p  u  y  t  r  e  n)  bei  einem  Schmied ; 
ein  Finger  hat  bereits  amputirt  werden  müssen.  Tiefe  Schnitte  durch  die  sich 
anspannenden  Stränge  und  gewaltsame  Streckung.  Die  Heilung  erfolgt  in  kurzer 
Zeit;  die  Finger  können  in  halbe  Streckung  gebracht  werden,  so  dass  Fat.,  vorher 
ganz  arbeitsunfUiig,  wieder  sein  Handwerk  betreiben  kann. 

3)  Flexion  des  4.  Fingers  durch  Retraction  des  tiefen  Flexor.  Durchschneidung 
der  Sehne  desselben  in  der  Höhe  des  1.  Interphalangealgelenkes :  sofort  kann  der 
Finger  aotiv  gestreckt  werden.  Nach  der  Heilung  ist  fast  normale  active  Beweg- 
lichkeit vorhanden. 

Verf.  meint,  dass  die  Tenotomie  bei  Fingercontracturen  viel  zu  selten  angewandt 
werde.  A«  ftMumer  (Halle). 

Bosner.    Veraltete  incomplete  LuxatioQ  der  rechten  Ulna  nach  hinten. 

Heilung. 

(Wiener  allgem.  med.  Zeitung  1875.  No.  32.) 

Der  18jährige  Mann  hatte  die  Verletzung  durch  Sturz  von  einem  Pferde  vor 
8  Wochen  acquirirt.  Arm  in  Viertelbeugung.  Ellbogengelenk  von  vorn  nach 
hinten  verdickt,  Trochlea  durchzufühlen,  Olecranon  nach  hinten  vorspringend,  in 
gleicher  Höhe  mit  den  Condylen,  Triceps  nach  hinten  concav  gespannt    Beweg- 


736  Centralblatt  fttr  Chirurgie.    No.  46. 

lichkeit  des  Gelenkes  sehr  beschränkt.  Naeh  wiederholten  Repositionsversachen 
Anderer  gelang  dem  Verf.  die  Einrichtung  in  der  Narkose  dnrch  Dorsalflexion. 
Function  nach  mehrwöchentlicher  Behandlung  rollkommen  gut. 

Winiwarter  (Wien). 

IL  HirBchberg.     Erfolgreiche  Operation  einer  Blasenectopie  bei  einem 

Vijährigen  Knaben. 

(Vortrag,  gehalten  am  2.  Sitzungstage  des  IV.  Congresses  der  deutschen  Gesellschaft 

für  Chirurgie  zu  Berlin,  am  8.  April  1875.) 

(Arch.  f.  kUn.  Chirurgie.  Bd.  XVIH.  Hft.  4.) 

H.  operirte  eine  voUständig  typische  Ectopia  vesicae  bei  einem  ^/^ährigen 
Knaben,  nachdem  er  die  vorhandenen  Ulcerationen  durch  Bepinseln  mit  einer 
3— 4pc.  Höllensteinlösung  und  innerlicher  Darreichung  von  Phosphoisäure  geheilt 
hatte.  Als  ersten  Act  der  Operation  machte  er  die  Bedeckung  der  Blasenschleim- 
haut  mit  einem  einfachen  Lappen,  die  wunde  Seite  der  Schleimhaut  zugekehrt. 
Schon  nach  dieser  Operation  hielt  das  Kind  in  der  Rückenlage  eine  kleine  Menge 
Urin.  Beim  Einfahren  des  Fingers  in  die  kleine  Höhle  fühlte  H.  von  unten  eine 
Einschnürung,  so  dass  er  auf  das  Vorhandensein  des  M.  Sphincter  yesicae  schloss. 
H.  präparirte  deswegen  die  Blasenschleimhaut  in  einer  Dicke  von  2  Mm.  ab,  frischte 
die  Ränder  an  und  nähte  sie  unter  dem  abgezogenen  Hautlappen  zusammen,  so  dass 
er  eine  vollständig  mit  Schleimhaut  ausgekleidete  Höhle  darstellte.  Leider  rissen 
die  Nähte  nach  einigen  Tagen  aus  und  die  Schleimhautlappen  retrahirten  sich ;  an- 
fangs hatte  aber  die  Operation  den  Erfolg,  dass  das  Kind  den  Urin  bis  IV2  Stunden 
halten  konnte.  Schliesslich  schnitt  H.  die  Vorhautschürze  quer  ein,  steckt  die 
Glans  penis  hindurch  und  vereinigte  die  Vorhaut  mit  dem  Decklappen.  Die  voll- 
ständige Vereinigung  dieser  Theile  gelang  erst  durch  4  Nachoperationen.  Das  Kind 
kann  in  der  Rückenlage  etwas  Urin  halten,  der  aber  beim  Schreien  und  Aufstehen 
abfliesst;  es  trägt  einen  Harnrecipienten.  Maas  (Breslau). 

Bryant.     Gases  of  stone. 

(Med.  tim.  and.  gaz.  187.5.  28.  August,  p.  235.) 

Eine  Reihe  von  8  Fällen  zur  Vervollständigung  des  vor  einiger  Zeit  herausge- 
gebenen Berichtes. 

1)  5jähriges  Mädchen;  Hamsäurestein  n/4  Zoll  lang;  Lithotripsie.    Heilang. 

2)  33j ähriger  Mann ,  schon  als  2 7^  ähriges  Kind  an  Stein  in  einem  Hospital 
behandelt.  Nach  Heilung  einer  Mastdarmfistel  Aufbruch  zweier  Stellen  vor  dem 
Anus,  der  alten  Operationsnarbe  entsprechend.  Dilatation,  Entfernung  zweier 
Steine  aus  der  Prostata.    Heilung. 

3)  11  jähriger  Knabe,  Einklemmung  eines  erbsengrossen  Steines  in  der  Harn- 
röhre, »hinter  dem  Scrotum«;  Incision;  Heilung. 

4)  15jähriger  Knabe  mit  einem  in  der  Harnröhre  eingeklemmten  Steine ;  beim 
Versuche  der  Extraction  von  einer  Incisionswunde  aus  rutscht  der  Stein  in  die 
Blase  zurück.    8  Tage  später  Lithotripsie.    Heilung. 

5)  Sjähriger  Knabe ;  stirbt  7  Y2  Stunde  nach  erfolgloser  Untersuchung  auf  einen 
Stein.  Der  rechte  Ureter  ist  obliterirt.  Niereneiterung  dieser  Seite.  Hamsäure- 
stein von  der  Grösse  einer  Baroelonanuss. 

6)  7)  8)  3  erfolgreiche  Lithotripsien,  ohne'  Besonderheiten. 

Bänke  (Halle). 


Orlginalmlttheilungen,  Monographieen  und  Separat&bdrücke  wolle 
man  an  Dr,  H,  TUtmamu,  Leipzig,  Harlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagahandlnng, 
BreUkopf  und  HärUl,  einsenden. 

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numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

Ni'  47.  Sonnabend^  den  20.  Noyember.  1875. 

Inkalt:  Fleck,  Benzoesäore,  Carbolsäure,  Salleylsaure,  Zimmtsäure.  —  BuchhOltz,  Anti- 
septica  nad  Bacterien.  —  v.  Mayer  und  Kolbe,  Antiseptische  Wirkung  der  Salicyl- 
säure  nnd  Benzoesäare.  —  Landsberger,  Handbuch  der  kriegschirargischen  Technik.  — 
Bardeleben,   Klinische  Mittheilungen   über   antiseptische  Behandlung.  —    R^naut,  Rotz. 

—  GhVCttek,  Yasomotorische  und  trophische  Neurosen.  —  Hatse,  Berns,  Transfasion.  — 
Gay,  Verbrühungen  und  Verbrennungen.  —  MOIIer,  Käsige  Entartungen  der  Lymphdrü- 
sen. —  Adams,  Behandlung  der  Nasenbrüche.  —  Pflug,  Struma  congenita.  —  Schkla- 
rewsky,  HeÜungsprocess  der  Rippenknorpelwunden.  —  Berger,  Schnellende  Finger. 

Enser,  Aneurysma  der  Innomlnata.  —  RIvIngton,  Zerreissung  der  art.  und  Ten.  po- 
plitea.  —  Fort,  Seltene  Verletzung  des  Schultergelenks.  —  Bell,  Williams,  Oelenkmaus. 

—  Suender,  Lithotomie.  —  Macleod,  Hydrocele.  —  Salzer,  Fremdkörper  In  weiblichen 

Genitalien.  —  KQster,  Anus  flstnlosus  congenitus. 


Fleck.     Benzoesäure,  Carbolsäure,  Salicylsäure,  Zimmtsäure. 

München,  S.  Oldenboorg,  1875.  8.  p.  80. 

Buchliolt2B.     Antiseptica  und  Bacterien. 

(Arch.  für  experim.  Pathol.  und  Pharmak.  1875.  Bd.  IV.  Hft.  3.) 

Aus  F.'s  detaillirten  Untersuchungen  ist  von  chirurgischem  In- 
teresse vor  Allem  hervorzuheben^  dass  die  Benzoesäure^  'wie  auch 
Salkowski  gefunden^  die  Carbolsäure  und  Salicylsäure  an  antizy- 
motischer  und  antiseptischer  Wirksamkeit  bei  Weitem  übertrifft,  und 
über  allen  dreien  die  Zimmtsäure  steht;  ferner  dass  Benzoesäurelö- 
sung  1  :  400,  in  3  leichten  chirurgischen  Fällen  geprüft^  »keine  rei- 
zende und  die  Wundheilung  störende  Einwirkung«  hatte.  Sehr 
abweichende  Resultate  von  denen  von  Kolbe^  Neubauer  u.  A. 
ergaben  die  speciell  mit  der  Salicylsäure  angestellten  Versuche  >be- 
züglich  ihres  Einflusses  auf  den  Eintritt  und  Verlauf  der  Alkohol- 
gährung  in  Bierwürze.  F.  fand,  dass  Salicylsäure  (ebenso  wie  Car- 
bolsäure und  Benzoesäure)  den  Eintritt  der  Gährung  nie  ganz  hindert, 

47 

J   I 


738  ^Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  47. 

höchstens  hinausschiebt^  und  unter  gewissen  Verhältnissen  selbst  bei 
sehr  grossen  Mengen  des  Zusatzes  den  Verlauf  der  Gähnmg  wenig 
oder  gar  nicht  beeinflusst.  Bemerkenswerth  ist^  dass  höhere  Gähr- 
temperatur  die  Wirksamkeit  aller  dieser  antiseptischen  Mittel  in  er- 
heblichem Grade  abschwächt.  So  reichten  14  Grm.  Salicylsäure  pro 
Hectoliter  Bierwürze  bei  30 — 35^C.  schon  nicht  mehr  hin^  die  Gahmngs- 
erscheinungen  zu  vermindern.  Entgegen  der  bisherigen  Anschauung 
fand  F.^  dass  die  Wirkung  dieser  Substanzen  in  gar  keinem  bestimm- 
ten Verhältniss  zur  Menge  der  Hefe  auch  nicht  zur  Menge  des 
Zuckers  steht,  sondern  nach  der  Menge  des  noch  ausserdem  in  der 
Würze  enthaltenen  N-haltigen  »Extractes«  sich  richtet,  welches  durch 
die  Säuren  geföUt  wird.  Wurde  Hefe  mit  Lösungen  jener  Säuren 
24  Stunden  digerirt,  alsdann  abfiltrirt,  einmal  ausgewaschen  und  nun 
extractreicher  frischer  Bierwürze  zugesetzt,  so  trat  in  allen  Gefasaen 
schon  nach  24  Stunden  und  bei  15 — 18°C.  Gährung  ein.  F.  schliesst 
dai*aus,  dass  die  Salicylsäure,  sowie  die  3  anderen  Substanzen,  kein 
Gift  für  die  Hefe  sind,  d.  h.  die  Hefeselbst  nicht  tödten,  sondern 
nur  dadurch  gährungshemmend  (antiseptisch)  wirken,  dass  sie  die  stick- 
stoffhaltige Hefenahrung  in  der  Gährungsflüssigkeit  binden  und  so  die 
Hefe  aushungern.  (Reine  Hefe  und  reine  Zuckerlösung  geben  be- 
kanntlich keine  Gährung,  —  so  wenig  wie  isolirte  Bacterien  und 
reines  Hühnereiweiss  Fäulniss  geben.     Ref.) 

Aehnlich  wie  Salicylsäure  wirkt  auch  schwefelsaure  Thon- 
erde  (Alaun). 

Conservirungsversuche  mit  Milch  und  Fleischsaft  ergaben, 
dass,  während  die  Salicylsäure  nur  die  Milchsäurebildung  (in  SaUcyl- 
säure-Molken)  hindert,  die  Benzoesäure  ausserdem  noch  der  Schimmel- 
bildung in  der  Milch  entgegenwirkt,  und  mit  der  ersteren  versetztes 
Fleischwasser  (0,1  :  100.)  nach  6  Tagen  Schimmelbildung  und  nach  4 
Wochen  Fäulniss  zeigte,  während  die  mit  Carbolsäure  und  Benzoe- 
säure versetzten  Gefasse  noch  nach  60  Tagen  unverändert  waren.  — 

Buchholtz  betrachtete  in  seinen  Versuchen  über  die  bacterien- 
tödten den  Eigenschaften  gewisser  Substanzen  als  Kriterium  der  Vi- 
talität nur  die  Vermehrungsfähigkeit  der  Organismen,  da  er  die 
Erfahrung  gemacht  hatte,  dass  Bacterien,  welche  sich  anscheinend 
ganz  inert  (im  gewöhnlichen  Sinne  »todt«)  verhielten >  z.  B.  in  den 
Bacterienniederschlägen  spontan  geklärter  Züchtungen,  bei  der  Ueber- 
tragung  in  frische  Nährsalzlösungen  »sich  ganz  munter  fortpflanzten.« 
Er  verfuhr  daher  so,  dass  er  1)  die  kleinste  Menge  der  Substanz  zu 
ermitteln  suchte,  welche  den  Eintritt  von  Vegetation  in  einer 
inficirten  Nährflüssigkeit  verhinderte,  und  2)  diejenige  Menge, 
welche  nöthig  war,  eine  bis  dahin  ungestört  vor  sich  gegangene  Cul- 
tur  zu  sistiren.  In  dem  letzteren  Falle  wurde  dann  der  Erfolg 
stets  durch  die  Transplantation  der  Bacterien  in  frische  Nährflüssig- 
keit controlirt.  —  Zu  der  Züchtung  bediente  er  sich  ausschliesslich 
folgenden  Recepts:  Aqu.  dest.  100,  käuflicher  Candiszucker  10, 
Ammon.  tart.  1,  Kaliphosph.  0,5.  (Der  käufliche  Zucker  enthält  eben 


Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  47. 


739 


schon  Kalk^   Magnesii^  und  Schwefelsäure.)   Die    üblichen    Cautelen 
wurden  dabei  nicht  ausser  Acht  gelassen. 

Das  Resultat  dieser  überaus  zahlreichen  Versuche  können  wir 
nur  im  schematischen  Auszuge  wiedergeben: 


Es  hinderten  die  Vegetation. 


Grad  der 
Yerdteiiiuig. 


X. 


Sublimat .     .     . 
Thymol    .     .     . 
Benzoesaures  Ka 
Kreosot    .     .     . 
Benzoestitre 
Salicylsfture  .     . 
Salicylsaures  Na 
Carbolafiure  .     . 
Saluaures  Chinin 
Borsäure  .     .     . 
Kupfervitriol 
Zinkvitriol    .     . 
Alkohol  (ohne  lu  ver 
dunsten)     .     .     . 


1 
1 
1 
1 
1 
1 
1 
1 
1 
1 
1 
1 


20000 

2000 

1666,6 

1000 

1000 

666,6 

250 

200 

200 

133,3 

133,3 

50 


1  :  50 


0,005 
0,05 
0,06 
0,1 

0,1 

0,15 

0,4 

0,5 

0,5 

0,75 

0,75 

2,0 

2,0 


Es  vernichteten  die  Vegetation: 


Orad  dsr 

X. 

YerdUnnnng. 

1  :  23000 

0,004 

:  5000 

0,02 

3333,3 

0,03 

666,6 

0,15 

t  312,5 

0,35 

1250 

0,4 

200 

0,5 

161,3 

0,62 

100 

1,0 

25 

4,0 

1  : 

4,5 

22,0 

Chlor  .... 
Jod  .... 
Brom  .... 
Schweflige  S&ure 
Salicylsäure  .  . 
Benzoesäure.  . 
Thymol  .  .  . 
Schwefelsäure  . 
Kreosot  .  .  . 
Carbolsäure  .  . 
Alkohol    .     .     . 


(in  künester  Zeitl) 


(in  wenigen  Stunden  I) 


(im  Laufe  einiger  Stunden !) 


Mit  Becht  betont  B.,  dass  die  gefundenen  Werthe  vor  der  Hand 
nur  für  die  von  ihm  benützte  Nährflüssigkeit  gelten,  da 
berechtigter  Grund  ist  zu  der  Annahme,  dass  das  Verhalten  vieler 
dieser  Substanzen,  z.  B.  der  Säuren,  in  anderen  Substraten,  als  albu* 
minösen  Faulstoffen,  Blut,  Eiter  u.  a.,  für  Bacterien  ein  wesent- 
lich anderes  sein  werde.  Selbst  zwischen  verschiedenen  Nähr- 
flüssigkeiten schon  fand  B.  sehr  auffällige  Differenzen  im  Verhalten 
der  Bacterien  gegen  diese  Antiparasitica.  [Dass  ebenso  die  gefundenen 
Werthe  nicht  auch  ohne  Weiteres  für  den  Process  der  Sepsis 
gültig  sind,  dürfte  gleichfalls  einleuchten.  Schon  aus  diesem  Grunde 
scheint  mir  die  im  Titel  gewählte  Bezeichnung  »Antisepticaa  nicht 
zutreffend  zu  sein.     Ref.]  Ära.  mUer  (Berlin). 


47* 


740  Centraiblatt  far  Chinugie.     No.  47. 

V.  Mayer  und  H.  Eolbe.    Ueber  die  antiseptischen  Wirktm- 
gen  der  Salicylsäure  und  Benzoesäure  in  Bierwürze  und  Harn. 

(Journal  f.  prakt.  Chemie  1875.  Bd.  XII.  p.  378.) 

In  ihrer  Erwiderung  auf  die  vorstehende  Arbeit  von  Fleck  ver- 
werfen die  Verff.  vor  Allem  die  Anwendung  der  Presshefe  (Fleck), 
weil  dieselbe  die  Gährung  viel  langsamer  einleite,  als  frische  Bier- 
hefe (Verhältnis  10  :  2)  und  Stoffe  enthalte,  welche  die  antiseptische 
Wirkung  der  Salicylsäure  hemmen.  Ihre  Versuche  bestätigen  aber, 
dass  die  Benzoesäure  in  der  Bierwürze  entschieden  besser 
gährungshemmend  wirkt.  Dagegen  zeigt  sich  in  Traubenzuckerlö- 
sung die  Sahcylsäure  kräftiger  wirksam.  Verff.  erweisen  nun  durch  Con- 
trolversuche,  dass  es  die  Phosphate  der  Bierwürze,  vielleicht  auch 
noch  andere  Stoffe  (Eiweiss)  sind,  welche  die  Ungleichheit  dieses 
Verhaltens  bedingen.  Ein  Plus  von  Sahcylsäure  bringt  ihre  antizy- 
motische  Kraft,  und  zwar  im  geraden  Verhältniss  zur  Hefen- 
menge (gegen  F.),  zur  Geltung.  F.^s  Theorie  von  der  Hefennahrung 
halten  sie  für  unbegründet,  seine  Versuche  für  nicht  streng  beweisend, 
da  Bierwürze  auch  ohne  Hefezusatz  in  Gährung  gerathen  könne.  — 
Beim  Harn  seien,  je  nach  dem  Säuregrade  und  je  nach  dem  Gebalt 
an  Farbstoff  und  Phosphaten,  sehr  verschiedene  Mengen  von  Salicyl- 
säure erforderlich. 

Hezüglich  der  Anwendung  in  der  praktischen  Medicin  be- 
tonen die  Verf.  noch  einmal,  dass  sowohl  Borax,  wie  phosphorsaures 
Natron  die  Salicylsäure  chemisch  binden  und  dadurch  unwirk- 
sam machen.  Dasselbe  finde  auch,  wie  Versuche  mit  Blutserum  bestä- 
tigten, durch  die  Alkalien  des  Blutes  statt  (vergl.  Salkowsky  und 
Zimmermann.  Ref.).  Dagegen  lässt  sich  die  Salicylsäure  in  phos- 
phathaltigen  Lösungen  in  Freiheit  halten  durch  Zusatz  von  Salzsäure, 
Acid.  Halleri  und  saurem  schwefelsaurem  KaU. 

Am.  HUler  (Berlin). 

Landsberger.     Handbuch   der  kriegschirurgischen  Technik. 

Tübingen,  H.  Lanpp'sche  Buchhandlung.  1875. 

(Vom  Central-Comit6  der  deutschen  Vereine  zur  Pflege  im  Felde  verwimdeter  oder 

erkrankter  Krieger  mit  dem  Preis  gekrönt.) 

Verf.  giebt  nicht  nur  die  bei  Kriegsverletzungen  in  Frage  kom- 
menden Operations-  und  Rehandlungsweisen ,  sondern  versucht  auch 
eine  Skizzirung  des  augenblicklichen  Zustandes  der  gesammten  kriegs- 
chirurgischen Wissenschaft.  Die  berührten  Fragen  werden  in  dersel- 
ben Weise  abgehandelt,  wie  sie  etwa  ein  Lehrer  besprechen  würde,  der 
auf  dem  Verbandsplatze  zu  orientiren,  in  den  Lazarethen  mit  dem  Detail 
bekannt  zu  machen  hat. 

Eine  einleitende  Abtheilung  enthält  Anweisungen,  in  welcher 
Art  die  ärztUche  Thätigkeit  auf  dem  Verbandplatze  zu  specialisiren 
und  zu  einer  mögUchst  ergiebigen  zu  gestalten  sei.  Darauf  werden 
alle  bei   der  Lazarethbehandlung  in   Frage  kommenden   Details   des 


Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  47.  741 

Aufifährlichen  erörtert ;  so  die  Wahl  und  Einrichtung  der  Hospitäler, 
die  Principien  der  Wundbehandlung,  die  wichtigsten  Verletzungen 
der  verschiedenen  Körperregionen,  endlich  die  accidenteUen  Wund- 
krankheiten. Den  Schluss  bUdet  die  Beschreibung  der  operativen 
Encheiresen. 

Alle  diese  umfänglichen  Vorwürfe  konnten  auf  200  Octavseiten 
in  ihren  Hauptsachen  nur  dann  berührt  werden,  wenn  der  Darstellung 
eine  dogmatische  Färbung  gegeben,  wenn  die  Verletzung  in  ihrer 
typischen  Form  beschrieben,  das  Heilmittel  dagegen  in  möglichster 
Bestimmtheit  normirt  wurde.  Man  exponirt  sich  bei'  diesem  Verfahren 
namentlich  in  therapeutischer  Beziehung  in  mannigfachster  Weise; 
man  deckt  sich  am  besten,  wenn  man  nicht  die  eigene  Ansicht  oder 
die  Lehre  einer  bestimmten  Schule  in  den  Vordergrund  stellt,  sondern 
seine  Rathschläge  nach  denjenigen  Normen  bemisst,  welche  die  neu- 
eren in  den  verschiedenen  Lagern  gesammelten  Erfahrungen  als  die 
zulässigsten  bezeichnet  haben.  Im  Festhalten  des  letzteren  Princips 
scheint  uns  der  Werth  des  Buches  zu  liegen.  Der  Verf.  kennt 
die  in  Folge  der  letzten  Feldzüge  entstandene  Litteratur  genau,  er 
weiss  in  derselben  mit  Kritik  zu  lesen  und  nur  diejenigen  Grundsätze 
herauszunehmen,  welche  sich  augenblicklich  der  Zustimmung  der 
Majorität  zu  erfreuen  haben.  Selbstverständlich  gebricht  die  Fähig- 
keit zu  solcher  Auswahl  Jedem,  der  die  Natur  und  den  Verlauf  der 
zu  behandelnden  Dinge  nur  selten  und  aus  der  Feme  zu  beobachten 
Gelegenheit  hatte. 

Wer  also  nicht  in  der  Lage  ist,  Specialstudien  auf  diesen  Ge- 
bieten getrieben  zu  haben  und  kurz  und  bündig  die  »10  Gebote«  der 
modernen  Kriegschirurgie  lesen  will,  findet  dielben  mit  einer  Be- 
stimmtheit und  Objectivität  besprochen,  wie  dies  in  andern  Compen- 
dien  ähnlichen  Umfangs  nur  selten  der  Fall  sein  möchte.  —  Nicht 
recht  statthaft  erscheint  es  Ref.,  die  Namen  der  lebenden  Fachge- 
nossen hinter  Beobachtungen  und  Vorschriften  zu  setzen,  die  zum 
Theil  schon  vor  Jahrhunderten  genau  ebenso  bekannt  waren,  wie  heute. 
Z.  B.  auf  p.  9 :  die  Netzvorfälle  »können  bei  der  Vernarbung  sich  von 
selbst  vollständig  retrahiren  (Billroth)«  oder  auf  p.  64:  Im  Fall  einer 
Blutung  suche  man  die  blutende  Stelle  direct  auf,  »selbst  wenn  viel 
Zeit  darüber  vergehen  und  manche  Muskelfaser  geopfert  werden  sollte 
(Roser)«.  Aehnliche  Citate  finden  sich  im  Originaltexte  vielfach. 

Wüh.  Koch  (Berlin). 

A.  Bardeleben.     Klinische  Mittheilungen  über  antiseptische 

Behandlung. 

(Vortragi  gehalten  in  der  Berl.  med.  Oesellsch.  am  12.  und  26.  Mai  1875.) 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  29.) 

In  drei  Jahren  sind  auf  der  Klinik  des  Verf.  387  Fälle  von  Be- 
deutung antiseptisch  behandelt  (134  grössere  Abscesse^  56  grosse 
Phlegmonen^  76  grössere  Amputationen^  2  t  grössere  Resectionen  von 


742  CentralUatt  fttr  Chiraigie.    No.  47. 

Gelenken,  23  groMere  Geschwulstexstiipationen,  77  oompUcitte  Frao- 
turen).  Von  diesen  387  ging  kein  Patient  an  Pyamie  oder  Septikamie 
zu  Grunde.  Erysipelaa  kam  noch  öfter  yot^  doch  scheint  der  Ver- 
lauf ein  milderer.  ▼•  Mtsengeü  (Bonn). 

Benaut.     Sor  lea  l^sions  anatomiqnes  de  la  morre  ^oine, 

aigQe  et  chroniqne. 

(Comptes  renduB  T.  81.  p.  411—414.) 
Virchow  betrachtet  die  für  die  Rotzkränkheit  charakteristischen 
Tumoren  als  Granulationsgeschwülste,  während  sie  Cornil  und 
Ranvier  zu  den  tuberkulösen  Bildungen  rechnen.  Nach  R.  gleichen 
die  Heerde  in  der  Lunge  am  meisten  den  metastatischen  pyaemischen 
Heerden ;  die  Lungenalveolen  sind  von  jungen  Zellbildungen  erfüllt, 
wie  bei  der  lobulären  Lungenentzündung  und  diese  pneumonischen 
Heerde  sind  an  der  Peripherie  von  frischen  Haemorrhagieen  umgeben. 
Zwischen  den  einzelnen  Rotzknoten  ist  das  Lungengewebe  vollständig 
gesimdy  ebenso  die  Pleura,  diese  selbst  in  den  so  häufigen  Fällen, 
wo  der  Knoten  unmittelbar  unter  der  Pleura  liegt.  Die  jungen 
Zellen  der  inselformigen,  pneumonischen  Heerde  sind  ausserordentlich 
verschieden  von  den  Tuberkel-Zellen.  Mit  Hülfe  verdünnten  Alkohols 
lassen  sich  die  Elemente  des  Rotzknotens  isoliren;  hierbei  zeigt  es 
sich,  dass  ihr  Kern  nicht  nur  lebhaft  sich  mit  Carmin  impraegnirt, 
sondern  auch  das  Bild  eines  knospentreibenden  Kerns  darbietet.  Formen, 
wie  sie  Ran  vier  von  Kernen  in  lebhafter  Bew^ung  begriffener 
Lymphkörperchen  beschrieben  hat.  Geht  der  Rotz  in  die  chronische 
Form  über,  so  verfettet  das  Centrum  des  Knotens  und  bildet  mit  der 
umgebenden  haemorrhagischen  Zone  einen  eigentlichen  Käseheerd, 
der  schliesslich  verkreiden  kann.  Gleichzeitig  entwickeln  sich  bei 
längerer  Dauer  des  Processes  zwischen  den  Knoten  sclerotische  Heerde 
in  der  Umgebung  der  Bronchien,  die  den  in  Umwandlung  begriffenen 
Knoten  benachbart  sind.  Sehr  ähnlich  sind  die  Knoten  auf  den 
Schleimhäuten.  Weiterhin  kann  es  hier  zu  Endarteritis  kommen,  die 
zur  Verengerung  des  Gefasskalibers  führt;  hierdurch  wird  der  Blutzu- 
fluss  erschwert,  es  entstehen  UIcerationen,  ähnlich  den  atonischen 
Geschwürsformen.  Damit  verbindet  sich  Lymphangitis  und  Lymph- 
adenitis. Die  Drüsentumoren  können  verkäsen,  auch  in  ihnen  findet 
sich  in  der  Peripherie  eine  haemorrhagische  Zone.  Die  Analogien 
zwischen  Rotz  und  Tuberkulose  sind  somit  nur  höchst  entfernte,  mehr 
nähert  sich  der  zu  Grunde  liegende  anatomische  Process  dem  der 
purulenten,  pyaemischen  Infection.  Vom  anatomischen  Gesichtspuncte 
betrachtet,  sind  nach  R.'s  Ansicht  Pyaemie,  Rotz,  Tuberkulose  und 
Syphilis  eine  zusammengehörige  Krankheitsgruppe,  ihr  gemeinsamer 
anatomischer  Charakter  zeigt  sich  in  der  Hervorrufung  von  Entzün- 
dungen, die  in  Knoten  angeordnet  sind  und  ausgesprochene  Tendenz 
zur  Verkäsung  haben.  Sie  alle  haben  ebenfalls  eine  gemeinsame 
Aetiologie,  Infection  des  Organismus  mit  einem  giftigen  Agens. 

J«  Mnnk  (Berlin). 


Centralblatt  fttr  Chinirgie.    No.  47.  743 

Rr.  ChvoBtek«      Weitere    Beiträge    zu  den    vasomotorischen 
und    trophischen    Neurosen.      Blasenbildung    an    der    Haut 

(Pemphigus). 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  32,  33.  34  u.  35.) 

Verf.  knüpft  an  einen  früher  von  ihm,mitgetbeilten  Fall  (Oesterr. 
Zeitschr.  für  prakt.  Heilkunde^  1872)  an,  in  welchem  in  Folge  von 
Haemorrhagie  in  den  Unken  Schläfenlappen  und  Linsenkern  zunächst 
rechtsseitige  Hemiplegie  und  Aphasie  eintrat,  und  etwa  4  Wochen 
später  am  äusseren  Bande  des  gelähmten  Fusses  unter  heftigen 
Schmerzen  mehrere  bis  wallnussgrosse  Pemphigusblasen  entstanden. 
Die  neuralgischen  Schmerzen  dauerten  noch  nach  Abheilen  der  Blasen 
fort.  —  Aus  der  in  betreffender  Hinsicht  äusserst  armen  Litteratur 
werden  Stellen  angefahrt,  die  auf  Abhängigkeit  der  Blasenbildung 
von  Nervenleiden  deuten:  Hebra's  Besprechung  des  Pemphigus 
hystericus;  Bock  und  Danielssen  erwähnen  das  Auftreten  und 
den  rapiden  Verlauf  des  Pemphigus  bei  Elephantiasis  Graecorum;  ferner 
die  auf  Pemphigus  leprosus  bezüglichen  Angaben  in  Neumann's 
Lehrbuch  der  Hautkrankheiten  (p.  461 — 465),  wobei  die  pathol.  Anat. 
der  Centralorgane  und  verdickten  Nervenstränge  geschildert  wird. 
Benedikt  weist  in  seiner  »Nervenpathologie  und  Electrotherapie« 
p.  391  auf  Zusammenhang  zwischen  Nervenleiden  und  Herpes  zoster, 
sowie  Pemphigus  hin;  Charcot  und  Samuel  rechnen  den  »Decu- 
bitus acutus«  zu  den  Tropho-Neurosen ;  Leyden  (Klinik  der  Rücken- 
markskrankheiten) führte  einzelne  Formen  der  Gangrän  auf  den 
trophischen  Einfluss  des  Nervensystems  zurück. 

Von  eignen  Beobachtungen  theilt  Ch.  zunächst  mit: 

I.  einen  Fall  von  Pempigus  der  rechten  Hand  und 
des  rechten  Vorderarms,  bedingt  durch  eine  Spinal- 
affection,  wahrscheinlich  Myelitis  chronica.  Eine  44jäh- 
rige  Patientin  hatte  vor  18  Jahren  den  rechten  Daumen  durch  ein 
Panaritium  verloren.  1871  trat  allmälig  Anaesthesie  des  rechten 
Armes  von  den  Fingerspitzen  bis  zum  Ellbogen  auf.  Greifen  und 
Halten  war  nur  unter  Controle  der  Augen  möglich.  Es  wurden  Blasen 
zuerst  am  Daumenstumpfe  beobachtet.  Der  Blasenbildung  ging 
ein  mehrstündiges  Brennen  an  betreffender  Stelle  voraus,  worauf 
sich  ein  rother  Fleck  zeigte,  auf  dem  sich  die  Blase  emporhob.  In 
der  Hand  und  im  Vorderarm  dumpfer  Schmerz,  besonders  bei  kühler 
Temperatur.  Die  Finger  konnten  nicht  vollständig  gestreckt  werden. 
Allmälig  trat  auch  Schwäche  und  leichtes  Ermüden  in  den  unteren 
Extremitäten  ein,  sowie  Beschränkung  des  Tast-  und  Localisations- 
Vermögens.  An  der  rechten  Brusthälfte  vom  war  Hyperästhesie.  Die 
electromusculäre  Contractihtät  und  SensibiUtät  rechts  am  Vorderarme 
theilweise  erhöht,  die  electrocutane  Sensibilität  stark  herabgeseta^. 
Die  binnen  kurzer  Zeit  zur  Heilung  führende  Behandlung  war  eine 
galvanische.   —   Ausser  den   Pemphigusblasen   hatte  im  vorliegenden 


744  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  47. 

Falle  noch  eine  trophoneurotische  Störung  der  Haut,  SchwjielenbilduDg 
der  Epidermis  an  den  Fingern,  bestanden. 

II.  Myelitis  des  unteren  Brustsegmentes.  Blasen- 
bildung am  rechten  Unterschenkel.  Tod  durch  Septikä- 
mie.  Ein  55jähriger  Fischer  war,  mehrmals  durchnässt,  bei  der  Arbeit 
geblieben,  wonach  Frost  und  Kückenschmerzen  auftraten;  nach  dem 
letzten  Male  in  der  unteren  rechten  Extremität  Ameisenlaufen. 
Minderung  des  Gefühl  Vermögens  und  Parese,  welche  Symptome  sich 
später  auf  die  linke  Seite  ausdehnten.  AUmälig  stellten  sich  auch 
schmerzhafte  Zuckungen  und  Krämpfe  ein.  Urin  musste  häufig 
entleert  werden,  doch  war  es  meist  nur  tropfenweise  möglich;  Stuhl 
verzögert;  Impotenz,  electromusculäre  Contractilität  an  den  Beinen 
herabgesetzt.  Bei  galvanischer  Behandlung  nahm  das  Leiden  zu, 
Schmerzen  heftiger,  Lähmung  dehnte  sich  aus,  befiel  die  Sphincteren, 
Fat.  musste  liegen  und  bekam  Decubitus  am  Kreuz;  zugleich  ent- 
standen Blasen  von  Haselnussgrösse.  Die  eine  wuchs  bis  zum 
Durchmesser  von  9  Ctm. ;  ihr  Inhalt  war  serös ;  nach  dem  Platzen 
wurde  der  Grund  gangränös.  Electromusculäre  Contractilität  und 
Sensibilität  sehr  geschwächt,  theilweise  ganz  au%ehoben,  mechanische 
Erregbarkeit  theilweise  gesteigert ;  electrocutane  Sensibilität  an  einzel- 
nen Stellen  nur  wenig,  an  andern  stärker  herabgesetzt ;  heftige  Schmer- 
zen, Zuckungen ;  Oedem  an  den  Beinen ;  schliesslich  durch  Schüttel- 
fröste eingeleitetes  remittirendes  Fieber ;  Icterus ;  Tod.  Die  Obduction 
zeigte  gelbe  Erweichungsheerde  der  peripherischen  Schichten  der 
Seitenstränge  im  unteren  Brustsegmente  des  Rückenmarks. 

in.  Spermatorrhoe,  Impotenz  in  Folge  grosser  Ex- 
cesse  in  Venere;  psychische  Störungen  als  Folge  davon. 
Während  der  Rückbildung  trat  vorübergehend  Blasen- 
bildung an  der  Haut  der  Unterschenkel  auf.  30jäbriger 
Ingenieur  hatte  seit  seiner  Jugend  enorm  onanirt  (erst  seit  ^j^  Jahr, 
als  die  Erectionen  ausblieben ,  aufgehört)  und  geschlechtlich  excedirt. 
Pollutionen,  Spermatorrhoe,  Abnahme  geistiger  Fähigkeiten  und  der 
Körperkraft;  Agrypnie,  abnorme  Sensationen,  Hyperaesthesie,  per- 
manente drückende  Kopfschmerzen,  Hypochondrie.  —  Galvanische 
Behandlung;  es  entstanden  während  derselben  an  der  äusseren  Seite 
der  Unterschenkel  juckende  Blasen,  die  nach  mehreren  Tagen  ein- 
trockneten. Allmälig  konnte  Patient  wieder  spazieren  gehen,  die 
Spermatorrhoe,  Erectionen  stellten  sich  wieder  ein,  die  psychische 
Alteration  verlor  sich  und  Heilung  erfolgte.  —  Der  Zusammenhang 
der  Blasenbildung  mit  der  Erkrankung  des  Nervensystems  ist  hier  nicht 
deutlich  nachzuweisen.  —  Verf.  erwähnt  noch,  dass  er  in  zwei  analogen 
Fällen  EpUepsie  habe  auftreten  sehen,  die  mit  Heilung  der  Geni- 
talstörung wieder  verschwand.  ▼•  Mosengeil  (Bonn). 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  47.  745 

O.  Hasse.     Ueber  Transfusion. 

{Vir eh.  Arohiv.  Bd.  LXIV.  p.  243.) 

H.  theilt  zur  Abwehr  der  P  an  um 'sehen  Angriffe  (cf.  Centralbl. 
f.  Chinu^e  1875.  No.  29)  die  Geschichte  seiner  Arbeiten  auf  dem 
Gebiete  der  Lammbluttransfusion  mit.  Er  erörtert  sodann  seine 
Hypothese  über  die  Wirkung  der  Transfusion.  Nach  ihm  ist  der  eigent- 
liche Zweck  dieser  Operation  eine  einmalige  Speisung  der  Verdau- 
ungsdrüsen  mit  den  zur  Lieferung  ihrer  Secrete  nöthigen  Blutbestand- 
theilen.  Als  Indication  für  die  Operation  darf  man  nach  H.  nicht 
einzelne  bestimmte  Krankheiten  aufstellen,  ebenso  nicht  die  reine 
acute  Anämie  bei  vorher  gesunden  Individuen.  Die  eigentliche  In- 
dication soll  vielmehr  die  chronische  Anämie  sein,  wo  die  Lei- 
stungsfähigkeit der  Mund-,  Bauchspeichel-^  Magen-  und  Darmdrüsen, 
der  Leberzellen  etc.  so  weit  erschöpft  ist,  dass  nur  noch  ein  geringes 
und  unwirksames  Secret  geliefert  werden  kann,  wo  fehlerhafte 
Blutmischung  in  Folge  fehlerhafter  Assimilirung  der  Nahrung 
und  fehlerhafte  Assimilirung  in  Folge  schlechter  Blutmischung  das 
Siechthum  unterhält.  Die  Transfusion  giebt  nicht  die  fertige  HeUung, 
sondern  sie  ermöglicht  die  Heilung.  Der  nach  Transfusionen  auf- 
tretende lebhafte  Durst,  der  starke  Appetit,  das  Aufhören  der  Dyspepsie 
und  weiter  das  schnelle  Zunehmen  des .  Körpergewichts  sollen  die 
Beweise  sein  für  die  Richtigkeit  obiger  Annahmen.  Demnach  genügen 
nach  H.  auch  äusserst  geringe  Quantitäten  von  Blut  zur  Transfusion 
20 — 30  Cctm.    Mit  50  Cctm.  ist  das  Maximum  des  Erlaubten  erreicht. 

Das  Blut  muss  sehr  langsam  und  allmälig  verabreicht  werden. 
H.  benützt  deshalb  Glaskanülen  von  so  feinem  Lumen,  dass  in  einer 
Minute  bei  dem  Druck  einer  Wassersäule  von  2  Mtr.  nur  30  Cctm. 
Wasser  durchlaufen  können.  Es  wird  mit  ihnen  dem  Kranken  (in 
4 — 5  Minuten]  das  Blut  so  langsam  gegeben,  dass  jeder  Pulsschlag 
nur  wenige  Tropfen  fremden  Blutes  zu  bewältigen  hat.  Eine  Gefahr, 
Gerinnsel  in  die  Vene  überzutreiben,  soll  bei  dem  Gebrauch  dieser 
Kanülen  nicht  existiren.  Tritt  Gerinnung  in  der  Kanüle  ein  (bei 
ihrer  Enge  sehr  leicht),  so  stockt  die  Transfusion. 

Bei  der  indirecten  Transfusion  von  Menschenblut  sind  nach  H. 
Verunreinigungen  und  Verderbniss  (Anfangsstadien  der  Fäulniss)  des 
Blutes  kaum  zu  vermeiden,  bei  directer  Ueberleitung  von  Thierblut 
soll  letztere  Möglichkeit  gänzlich  fehlen.  —  Madelmig  (Bonn). 


A.  W.  C.  Berns.  Beiträge  zur  Transfusionslehre. 

Freiburg  i.  Br.,  Fr«  Wagner'sche  Buchhandlung.  1874. 
Durch  subcutane  Einspritzungen  von  faulendem,  bacterienhaltigem 
Blute  wurden  Kaninchen  und  Hunde  in  den  Zustand  der  Septikaemie 
versetzt.  Zu  den  hierauf  vorgenommenen  Transfusionen  wurde  Blut 
von  derselben  Species  gebraucht  und  dasselbe  aus  der  Carotis  oder  der 
Femoralis  direct  in  die  Vena  jugularis  des  septikaemisch  gemachten 
Thieres  übergeleitet.     Zu  jedem  Versuche  dienten  3  Thiere ;  bei  dem 


746  Cantralblatt  für  Chirurgie.    No.  47. 

am  stärksten  fiebernden  wurde  die  Transfusion  gemacht,  das  andere 
zur  Controle  bestimmt  ^  das  dritte  gesunde  Thier  war  das  blutspen- 
dende. Die  Versuche  sprechen  durchaus  nicht  zu  Gunsten  der  Trans- 
fusion. —  Bei  den  Versuchen  mit  Kaninchen  (26)  war  in  der  Mehr- 
zahl kein  directer  Nutzen  von  der  Transfusion  zu  sehen,  die  Lebens- 
dauer der  transfundirten  Thiere  stand,  wenn  auch  nicht  viel,  so 
doch  in  etwas  derjenigen  der  Controlthiere  nach.  Aehnlich  warder 
Erfolg  bei  Hunden  (5). 

Sodann  wird  der  Einfiuss  der  Hammelblut-Transfusiou  in  zwei  Fäl- 
len von  ausgesprochener  Pyaemie  beim  Menschen  aus  der  C  zer  ny'schen 
Klinik  mitgetheilt.  Einmal  wurde  nach  schon  eingetretenem  Schüttelfroet, 
bei  complicirter  Fractur  des  Unterschenkels  amputirt  und  in  derselben 
Session  transfundirt;  das  andere  Mal  war  die  Amputation  des  Vorder- 
arms wegen  ausgedehnter  Caries  der  Handwurzel-  und  Mittelhand- 
knochen schon  vor  3  Wochen  gemacht  worden,  als  sich  plötzlich  hef- 
tige Schüttelfröste  einstellten,  worauf  dann  die  Transfusion  vorgenom- 
men wurde.  Beide  Fälle  endigten  in  wenigen  Tagen  tödtlich,  während 
auch  die  nächsten  Folgen  der  Transfusion  nicht  derart  waren,  das« 
man  von  einem  eigentlichen  Nutzen  derselben  sprechen  konnte. 

Ausser  diesen  beiden  Fällen  werden  noch  t6  TransfusionsftUle  aus 
den  Kliniken  von  Czerny,  Kussmaul  und  Hegar  angefügt. 
Die  Bemerkungen  über  Methoden  und  Indicationen  der  Transfusion 
enthalten  nichts  wesentlich  Neues.  Madelung  (Bonn). 


Q.  Gay.     Verbrühungen  und  Verbrennungen. 

(Bo8t.  med.  and  sing.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  349.) 
Der  folgende  Bericht  über  die  im  Bostoner  City-Hospitale  während 
der  letzten  10  Jahre  behandelten  Verbrennungen  berücksichtigt  nicht 
die  durch  Pulver-Explosion  hervorgerufenen  und  die  nach  Verbrennung 
zurückgebliebenen  DifTormitäten.  Von  den  204  behandelten  waren 
über  die  Hälfte  Frauen  (Hl),  aber  nur  10  imter  10  Jahren,  während 
z.  B.  in  Guy 's  Hospital  die  Mehrzahl  der  Aufgenommenen  Kinder 
waren.  Die  gewöhnliche  Ursache,  Verbrennung  mit  heissem  Wasser 
oder  Thee  oder  Kaffee,  stellte  das  grösste  Cobtingent  aller  Behandel- 
ten, aber  auch  die  grösste  Zahl  der  leichteren  Fälle.  26  Fälle  waren 
durchbrennendes  Gel  hervorgerufen,  hiervon  starben  18;  eine  gleiche 
Zahl  war  durch  Feuerfangen  der  Kleider  verursacht;  seltenere  Ur- 
sachen waren  Gasexplosion,  geschmolzenes  Metall,  Fall  ins  Feuer 
(bei  Epileptikern).  Die  Verbrennungen  waren  in  allen  Abstufungen 
vertreten,  vom  leichten  Erythem  bis  zur  Verkohlung.  Zu  dem  her- 
vorspringendsten Symptome,  dem  Schmerze,  welcher  nur  in  FäUen 
hohen  Shoks  fehlte,  gesellten  sich  häufig  Delirien  (besonders  bei 
den  tödtlich  verlaufenden),  recht  häufig  Uebelkeit,  Erbrechen, 
Schmerzen  im  Epigastrium,  seltener  Diarrhoe,  recht  selten  Blut  im 
Stuhlgange.  Von  Ck>mplicationen  sind  zu  verzeichnen :  Erysipel  5  Mal, 
Nachblutung  aus  dem  Handteller  1  Mal,  Pneumonie,  Bronchitis,  Ge- 


Gentralblatt  fOr  Chinugie.    No.  47.  747 

« 

himafifection^  Perforation  des  Trommelfells  ^  Urinretentioii  je  2  Mal, 
Lungengangrän,  Peritonitis,  Albuminnrie ,  Epistaxis ,  Iritis  je  1  Mal. 
Von  6  schwer  verletzten  Schwangeren,  kamen  5  innerhalb  24  Stunden 
zur  Geburt,  2  starben ;  2  Kinder  wurden  todt  geboren.  —  Von  den  204 
Patienten  starben  45,  davon  23  innerhalb  18  Stunden,  ^j^  der  Ge- 
storbenen waren  Frauen,  von  Kindern  bis  zum  10.  Lebensjahre  star- 
ben 4 — 40^,  eine  immerhin  geringe  Mortalitätsziffer  im  Vergleich 
mit  anderen  Berichten.  So  starben  z.  B.  in  England  1875  von  1909 
Verbrennungen  78^  und  in  Boston  innerhalb  10  Jahren  60  )K 
der  Kinder  unter  10  Jahren.  —  Die  Behandlung  bestand  in  Verbän- 
den mit  verschiedenen  öligen  oder  salbenartigen  Vehikeln,  ohne 
dass  einem  der  Mittel  eine  besonders  vortheilhafte  Wirkungsweise 
nachgerühmt  werden  konnte.     Sectionen  sind  nicht  gemacht  worden. 

Pilz  (Stettin). 

J.  Möller.    Ueber  die  käsigen  Entartungen  der  Lymphdrüsen. 

Inaug.-Disfl.  Bonn.  1875. 

Verf.  hat  unter  Prof.  Köster's  Leitung  das  in  der  Ueberschrift 
genannte  Thema  behandelt.  Er  unterscheidet  einen  käsigen  Stoff,  den 
die  Scrophulose  liefert,  und  welcher  durchaus  mit  Produkten  der  Tuber- 
kulose identisch  ist,  und  denjenigen,  der  bei  der  chronischen,  idio- 
pathischen Lymphdrüsen  Vereiterung,  bei  eingedickten  Abscessen  etc. 
entsteht.  Es  folgt  eine  Schilderung  der  mannigfachen  Veränderungen, 
welche  die  Lymphdrüsen  bei  den  verschiedenen  Dyskrasieen  (Syphilis, 
Tuberkulose  u.  s.  f.)  erleiden  und  welche  Veränderungen  schliesslich 
ihren  Ausgang  in  Verkäsung  nehmen  können.  Die  verkäste  Substanz 
zeigt  dann  eine  körnige  Beschaffenheit,  wobei  mikroskopisch  keine 
Entscheidung  möglich  ist,  ob  die  Körnchen  in  einer  fettigen  oder  einer 
albuminösen  Entartung  ihren  Ursprung  haben.  Verf.  hat  bezügliche 
Fettbestimmungen  vorgenommen;  bei  einer  Gruppe  fand  er  5 — 13^, 
bei  der  anderen  (Lymphomen  u.  s.  f.]  7 — 10^.  Es  ist  also  durch 
die  chemische  Analyse  kein  Grenzwerth  zu  bestimmen  und  handelt 
es  sich  bei  der  käsigen  Degeneration  nur  in  ganz  untergeordneter 
Weise  um  fettige  Metamorphosen.  r. Mosengeil  (Bonn). 


W.  Adams.     Behandlung  der  Nasenbrüche. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  420.) 

Einen  Fortschritt  in  der  Behandlung  von  Nasenbrüchen  ^  welche 
nicht  selten  eine  dauernde  Verunstaltung  des  Gesichts  und  Beein- 
trächtigung der  Athmung  und  Sprache  bewirken ,  glaubt  A.  dadurch 
angebahnt  zu  haben  ^  dass  er  die  Mittel  zu  einer  guten  Reposition 
und  einer  dauernden  Retention  gefunden  hat.  Er  bespricht  zuerst 
die  Fälle  ^  in  welchen  nur  die  knorplige  und  dann  in  welchen  auch 
die  knöcherne  Nase  gebrochen  ist.  Bei  ersteren  richtet  A.  in  der 
Narkose  mit  Hülfe    einer    starken   mit   glatten    Blättern   rersehenen 


748  Centralblatt  fttr  Chirurgie.    No.  47. 

Zange  das  vom  Vomer  abgedrängte  knorplige  Septum  in  seine  nor- 
male Stellung  und  benutzt  zur  Retention  ein  durch  eine  Schraube 
leicht  stellbares  Compressorium  ^  dessen  beide  Blätter  zu  jeder  Seite 
des  Nasenseptum  angelegt  resp.  angedrückt  werden.  Nach  2 — 3 
Tagen  wird  dasselbe  entfernt  und  in  jede  Nasenöffiiung  ein  elfen- 
beinerner Kegel  eingebracht;  der  so  stark  ist,  dass  er  gerade  die  Nasen- 
öfihungen  etwas  ausdehnt  und  das  Septum  stützt.  Sind  die  Nasenbeine 
mitgebrochen,  so  wird  in  der  Narkose  das  Septum  eingerichtet,  dann 
durch  entsprechenden  Druck  mit  den  Branchen  nach  oben  und  vom, 
resp.  seitlich,  unterstützt  durch  äusseren  Gegendruck  mittelst  des 
Daumens,  die  Stellung  der  Knochenfragmente  geregelt.  Als  Beten- 
tionsapparat  für  die  Nasenbeine  dient  eine  an  einem  Stirnbande  durch 
Schraube  stellbare  Pelotte,  welche  direct  auf  dieselben  einwirkt.  Dieser 
Apparat  kann  Tag  und  Nacht  Wochen  lang  bequem  getragen  werden. 
Nur  in  den  seltensten  Fällen  bedarf  es  einer  mehrmaligen  Reposition 
der  gebrochenen  Theile.  Leider  bekam  A.  nicht  frische  Fälle  in 
Behandlung,  aber  selbst  die  nach  mehreren  Wochen  in  Behandlung 
gekommenen  Kranken  erfreuten  sich  eines  guten  Heilresultates. 
3  Fälle  werden  als  Beleg .  ausführlicher  beschrieben.  Holzschnitte 
geben  die  Instrumente  und  die  Anlegungsweise  des  Stirnbandes  gut 
wieder  und  tragen  wesentlich  zur  Verdeutlichung  bei. 

Pilz  (Stettin). 


Pflug.     Struma  congenita.     Eine  comparative  Studie. 

(Deutsche  Zeitschr.  f.  Thiermed.  u.   yergl.  Pathol.  Bd.  I.  Hft.  5  u.  6.  p.  349—392.) 

P.  weist  an  einer  Reihe  von  Beispielen^  darunter  an  einem  selbst 
beobachteten  Falle  ^  nach^  dass  analoge  Verhältnisse^  wie  bei  der 
congenitalen  Struma  des  Menschen,  auch  bei  den  Thieren  vorkommen. 
Hier  tritt  sie  am  häufigsten  bei  Schafen  und  Ziegen,  seltener  bei 
Rindvieh,  Hunden  und  Pferden  auf.  Heredität  ist  nur  in  den 
seltensten  Fallen  die  Ursache  der  Krankheit;  P.  fuhrt  Beispiele  an, 
in  welchen  kropflose  Eltern  wiederholt  kropfige  Junge  zur  Welt 
brachten.  Meist  lassen  sich,  gerade  so  wie  beim  Menschen,  en zoo- 
tische (endemische)  Einflüsse  nachweisen;  dafür  sprechen  unter 
anderem  die  Beziehungen  der  angeborenen  Struma  zum  Cretinismus 
(Virchow,  Lebert  u.  A.),  welche  von  manchen  Autoren  auch  bei 
den  Thieren  als  bestehend  angenommen  werden.  —  Der  anatomi- 
schen Beschafienheit  nach  handelt  es  sich  in  beiden  Classen, 
Säugethier  und  Mensch,  meistens  um  Adenome  der  Thyroidea,  bis- 
weilen verbunden  mit  cystoider  und  vasculärer  Entartung  der  Drüse. 
Doch  kann  die  Yergrösserung  auch  auf  reiner  Hyperämie  oder  auf 
verzögerter  Rückbildung  des  drüsigen  Fötalorgans  beruhen.  In 
letzteren  Fällen  ist  die  angeborene  Struma  transitorischer,  in  den 
ersteren  stabiler  Art.  —  Auch  bei  Thieren  wird  die  Struma  sehr 
häufig  die  Ursache  des  frühen  Todes  der  Jungen;  kropfige  Neu- 
geborene sterben  gewöhnlich,   wenn  sie   nicht  schon  todt  zur  Welt 


Centralblatt  fQr  Cbirargie.    No.  47.  749 

kommen,  in  den  ersten  Stunden  nach  der  Geburt  an  Asphyxie, 
bedingt  durch  Compression  des  Laiynx  und  der  Trachea.  Auch  kann 
ein  grosser  congenitaler  Ejropf  ebenfalls  ein  Geburtshindemiss  abgeben. 
Bezüglich  der  histologischen  und  histogenetischen  Details  müssen 
wir  auf  das  Original  verweisen.  Am.  Hiller  (Berlin). 


S.  Schklarewsky.  HeiluBgsprocess  der  Rippenknorpelwunden. 

Inaug.-Difls.  Petersburg  ]875,  russisch. 

28  Versuche  an  Hunden  ergaben  Folgendes :  der  Heilungsprocess 
solcher  Wunden  ist  höchst  verschieden  bei  Eiterung  und  bei  prima 
intentio  der  Umgebung;  bei  ersterer  entsteht  eine  einfache  Bindege- 
websnarbe»  welche  sich  anfänglich  auf  Kosten  der  Granulationen  des 
Perichondrium  und  der  Umgebung,  nach  2 — 3  Wochen  auf  Kosten 
der  Knorpelelemente  selbst  durch  Zellenproliferation  und  spätere 
Umbildung  in  Bindegewebe,  entwickelt.  Bei  prima  intentio  zeigt  die 
Narbe  schon  nach  3  Monaten  faserknorpligen  Bau,  welcher  allmälig 
in  jungen  Hyalinknorpel  übeigeht.  Ein  Jahr  nach  der  Kesection 
unterscheidet  sich  das  ganze  Gewebe,  welches  den  entfernten  Knor* 
peltheil  ersetzt,  in  Nichts  von  dem  früheren.  Drei  mikroskopische 
Abbildungen  der  Knorpelnarbe  am  50.,  105.  und  354.  Tage  sind  der 
Arbeit  beigegeben.  W.  Grabe  (Charkow). 

O.  Berger.     Ueber  schnellende  Finger. 

(Deutsche  Zeitschrift  für  praktische  Medicin  1875.  No.  7  und  8.) 

Auf  Orund  der  in  der  Litteratur  vorhandenen  Casuistik  und  fünf 
eigener  Fälle  entwirft  B.  ein  kurzes  Bild  der  oben  genannten  Affection, 
ihrer  Aetiologie  und  Behandlung.  Bezüglich  der  Ursache  der  i»schnel- 
lendent  Finger  schliesst  sich  Verf.  der  Ansicht  Menzel' s  (Central- 
blatt für  Chirurgie  1874,  No.  22)  an,  nach  welcher  das  Leiden  vor- 
zugsweise durch  einen  circumscripten  Sehnentumor  combinirt  mit 
Sehnenscheidenenge  (oder  Riss  in  der  Scheide)  bedingt  ist.  Die  Ver- 
muthung  MenzeTs,  dass  der  Krankheit  eine  umschriebene  Tendo- 
vaginitis  mit  festen  Entzündungsproducten  zu  Grunde  liege,  bestä- 
tigte sich. besonders  in  einem  vom  Verf.  beobachteten  Falle,  bei  wel- 
chem man  an  der  Volarfiäche  des  Metacarpo-Phalangealgelenks  des 
erkrankten  schnellenden  Fingers  deutlich  Reibungsgeräusche  consta- 
tiren  konnte.  In  2  Fällen  beobachtete  Verf.  den  wohl  sicher  fest- 
gestellten Zusammenhang  der  Krankheit  mit  vorausgegangener  rheu- 
matischer Gelenkaffection,  an  welcher  auch  das  entsprechende  Meta- 
carpo-Phalangealgelenk  participirte  und  somit  die  Annahme  einer  Fort- 
pflanzung des  entzündlichen  Processes  auf  die  Sehnenscheide  nahe 
lag.  —  Therapeutisch  empfiehlt  B.  Ruhe  des  erkrankten  Gliedes 
(eventuell  durdb  einen  geeigneten  Verband),  Application  von  Tinct. 
Jodi,  warme  Handbäder  und  Electridtät.     Besonders  letztere  erwies 


750  GentndblaU  fOr  Chirurgie.    No.  47. 

sich  in  2  Fällen  sehr  wirksam :  die  Schmerzen  verminderten  sich^  die 
Motilität  besserte  sich  sehr  wesentlich,  so  dass  das  Schnellen  weit  sel- 
tener auftrat  und  die  active  Befreiung  der  schnellenden  Finger  aus 

der  fixirten  Stellung  leichter  von  statten  ging.  — 

Tiilmaims  (Leipug). 

Kleinere  Mittheiiungen. 

F.  Ensor.     Aneurysma   der  Innominata.     Ligatur  der  Subclavia  und 

Carotis.     Tod. 
(The  Lancet  1875.  Vol.  II.  p.  164.) 

Ueber  den  im  Centralbl.  Ko.  19.  p.  303  referirten  Fall  wird  weiter  berichtet: 
Am  24.  Oct.  sog  sich  Fat.  eine  Erkältung  zu ;  nach  einem  Frostanfalle  erfolgten 
allgemeine  rfaeumatiBche  Schmerzen ;  der  Impuls  über  der  Clavicula  ist  wieder  stär- 
ker, leiehte  Blutung  aus  dem  unteren  Theile  der  Carotis-Unterbindungsstelle  (Aco- 
nit), 31.  keftiger  Husten,  stftriLcre  Nachblut'ing  aus  der  Carotis  (Styptica),  der  aneu- 
rysmatische  Tumor  klopft  stärker,  Oedem  der  linken  Hand.  2.  und  5.  Nov.  Nach- 
blutungen, 7.  Puls  schwach,  Oedem  des  r.  Augenlides,  Cornea  trübe,  8.  Perforation 
der  Cornea  mit  Austritt  des  Augen-Inhalts;  schwache  r.  Faciallähmung,  10.  neue 
Nachblutung,  11.  Puls  schwach,  intermittirend,  12.  Coma.  Tod. 

Section  ergab  nur:  Grosses  Bluteoagulum  an  der  Unterbindungsstelle  der  Ca- 
rotis, ihre  Wand  eröffnet.  Die  Aorta  ascendens  allseitig  erweitert;  Aneur.  der 
Innominata  klein  orangengross.  Lungen  stellenweia  durch  frische  Pleuritische 
Adhäsionen  angelöthet,  besonders  rechts  oben ;  rechte  Subclavia  obliterirt,  fest  an  der 
1 .  Kippe  angewachsen ;  Aorta  descend.  an  der  Wirbelsäule  angelöthet,  an  einer  Stelle 
arrodirt,  hier  bestand  ein  wallnussgrosses  Aneurysma  und  es  war  der  10.  und  11. 
Brustwirbel  cariös.  Die  Lunge  mit  schaumigem  Schleim  erfallt.  Die  Pia  getrübt, 
Oehimmasse  blass  und  weich ;  die  Art.  commun.  post.  deztr.  war  obliterirt;  Leber  cir- 
rhotisch.  Diesem  nicht  erschöpfenden  Sectfonsberichte  fQgt  £.  nur  hinzu,  daas  auch 
er  sich  der  Ansicht  anschliesse,  dass  bei  Aneurysmen  als  ursächliches  Moment 
hauptsächlich  auf  Syphilis  und  Alkoholismus  zu  recurriren  sei. 

Pill  (Stettin). 

Bivington.    FaU  von  partieller  Zerreissung  der  Arteria  poplitea  und 

vollständiger  Ruptur  der  Vena  poplitea. 
(British  med.  Jonm.  1875.  Vol.  II.  p.  259.  ^  British  med.  Anoeiat.) 
Das  linke  Knie  eines  sitzenden  jungen  Mannes  wurde  durch  einen  heftigen 
directen  Anprall  von  vorn  nach  rückwärts  gedrängt.  Pat.  wurde  alsbald  im  London 
Hospital  auigenommen  und  Hess  sich  bei  ihm  eine  heftige  Quetschung  des  Kniees 
nachweisen,  keine  Fractur  oder  Luxation.  Schnell  aber  nahm  die  AnschweDung 
zu,  die  Sensibilität  des  Beines  erloseh,  die  Temperatur  sank.  Pulsation  konnte  in 
der  Tibialis  post  gefohlt  werden,  die  Auscultation  ergab  ein  leicht  klappendes  Ge- 
räusch im  Veriauf  der  PopUtea;  der  wahrscheinlichen  Arterienruptur  wegen  wurde 
die  Amputation  im  Oberschenkel  erfolgreich  gemacht.  Die  genauere  Untersuchung 
seigte^  jetzt  ausserordentlichen  Blutaustritt  in's  Zellgewebe  des  Unterschenkels ;  die 
hintere  Bandmasse  des  Kniegelenks  leicht  eingerissen,  der  Muse,  plantaris  ganz  ab- 
gerissen» die  Vena  poplit.  völlig  durchrissen,  die  Intima  und  Media  der  Art.  po|rfit. 
von  der  Adventitia  abgelöst,  der  condyl.  ext.  femor.  durch  eine  Spalte  fast  ganz 
ahgelöst,  ein  kleines,  dreieckiges  Knochenstück  bse  im  Gelenk ;  endlich  Bisse  am 
oberen  Theil  der  Tibia.  Pilz  (Stettin). 

ö.  Fort.     Seltene  Verletzung  des  Sehultergelenks. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  227.) 
Ein  in  der  Trunkenheit  gelsllener  Maurer  seigte  nach  3  Tagen  den  stark  ge- 
sehwoUentn  Oberarm  Inxirt;  der  leicht  redueirbare  Arm  M  immer  wied«  aus  den 


Cfontrelblatt  für  Cäunurgie.    No.  47.  751 

Gelenke  heraus;  die  genauere  Untersuchung  liess  jeUt  eine  Fractur  im  chirurgi- 
schen Halse  erkennen.  Fat.  konnte  nach  eingetretener  Heilung  seine  Arbeit  wie- 
der aufnehmen,  aber  nicht  den  Arm  seitlich  am  Kopfe  in  die  Höhe  heben;  drei 
Jahre  spftter  ging  der  Trinker  an  allgemeiner  Paralyse  zu  Grunde  und  es  ergab 
die  Section  der  Schultergegend:  den  Deltoideus  geschwunden,  früheren  Bruch  im 
anatomischen  und  im  chirurgischen  Halse ;  der  Galenkkopf  sass  fest  in  der  Pfume, 
das  untere  Bruchstück  war  mit  dem  Schafte  gut  vereinigt  und  hatte  ein  falachet  Ge- 
lenk gebildet  mit  der  unteren  Fiftche  des  proc.  coraeoid.  und  dar  entsprechenden 
Stelle  der  2.  und  3.  Rippe;  an  der  Aussenwile  dnr  ConsolidatioBsstelle  erstreckte 
sich  CaUus  bis  mm  Kopfe  hin.  Einen  einsigen  ähnlichen  Fall  findet  F.  ¥on  A. 
Cooper  beschiieben.  Fils  (Stettin). 

J.  Bell.  Entfexnung  einer  Gelenkmaus ;  Heilung. 

(The  Lancet  1875.  Vol.  II.  p.  311.) 

Der  39jährige  Mann  bemerkte  seit  19  Jahren  einen  Körper  im  Kniegelenke, 
der  in  der  letzten  Zeit  die  heftigsten  Beschwerden  verursachte.  Unter  anti- 
septischen Cautelen  entfernte  B.  durch  direeten  Einschnitt  den  Lambertsnuss  gros- 
sen, glatten  Körper ;  die  ersten  6  Tage  täglicher  Verband,  dann  alle  2 — 3  Tage ; 
am  4.  Tage  konnte  das  Drainrohr  entfernt  werden,  die  Temperatur  stieg  nie  über 
91,50  F.,  am  12.  Tage  volle  Heilung,  am  15.  Tage  Entlassung.    Pili  (Stettin). 

W.  WilliamB.  Kniegelenkmaus^  antiseptische  Entfernung,  Heilung. 

(The  Lancet  1875.  Vol.  U.  p.  312.) 

Der  22jährige  Arbeiter  bemerkte  seit  4  Jahren  die  ersten  Beschwerden  einer 
Gelenkmaus  im  rechten  Knie,  die  sich  so  steigerten,  dass  er  das  Bein  fast  gar 
nicht  gebrauchen  konnte.  Unter  antiseptischen  Cautelen  wurde  der  bohnengrosse 
knorpliche  Köq)er  aus  dem  Gelenke  durch  direeten  Einschnitt  entfernt.  Anschei- 
nend wurde  der  Verband  nur  4  Mal  gewechselt ;  am  15.  Tage  war  die  Schnittw^inde 
fest  vernarbt,  Fat.  ging  umher  und  konnte  bald  voDkommen  geheilt  entlassen 
werden.  Ftls  (Stettin). 

Suender,     Erfolgreiche  Lithotomie  bei  Steinrecidiv. 

(La  Gas.  de  Sanidad  müitar  1875.  No.  17.) 

Die  Operation  wurde  bei  einem  Soldaten  aasgefflhrt,  bei  dem  bereits  vor  einem 
Jahre  ein  Blasenstein  durch  Schnitt  entfernt  worden  war.  Eine  Hamfistel  am 
Damme  und  ein  chronischer  Blasenkatarrh  waren  xurdckgeblieben.  Der  Fat.  litt 
viel  wegen  des  sehr  schmerzhaften  und  häufigen  Harndranges.  Der  Urin  reagirte 
stark  alkalisch  und  enthielt  reichlichen  eitrigen  Sehleim.  —  Es  wurde  dun^  Bila- 
teralschnitt  ein,  wie  gewöhnlich  bei  Steinrecidiven,  ans  phosphorsaurem  Kalk  be- 
stehender  Stein  xu  Tage  befördert.  Die  gleichzeitige  Untersuchung  der  Blasen- 
Schleimhaut  ergab,  dass  dieselbe  verdickt  und  theilweise  mit  Kalk  incrustirt  war. 
Der  weitere  Verlauf  des  Falles  soll  günstig  gewesen  sein.  — 

Ullersperger  (Manchen). 

K.  MacLeod.     Suppurated   Haematocele ;    thickened   and   degenerated 

tunica  vaginalis ;  removal  of  the  latter ;  recovery. 

(The  Ind.  Med.  Gazette  1875.  Vol.  X.  No.  5.  p.  125.) 

Ein  34jähr.  kräftig  gebauter  Mensch  bekam  plötzlich  eine  starke  kinds- 
kopfgrosse  Anschwellung  einer  alten  und  schon  zweimal  punctirten  rechtssei« 
tigen  Hydrocele,  wozu  sich  innerhalb  5  Tagen  Schmerzhaftigkeit  der  Geschwulst 
und  febrile  Störungen  gesellten.  Die  fluctuirende  Geschwulst  wurde  incidirt  und 
sowohl  subcutan  befindlichem,  als  auch  innerhalb  der  Tunica  vaginalis  angesam- 
meltem, mit  Blut  und  Coagulis  gemischtem,  3  Finten  betragendem  Eiter  Ausgang 
verschafft.  Unter  antiseptischem  Verbände  wurde  das  Wundsecret  bald  sehr  spär- 
Uch,  allein  die  Höhle  zeigte  wegen  der  Dicke  und  Rigidität  ihrer  Wände  (der  Tu- 


752  CentralblaU  für  Chirurgie.   No.  47. 

nica  vag.)  keine  Neigung  sich  zu  schliessen.  7  Wochen  nach  der  Incision  ent- 
fernte daher  M.  das  verdickte  perietale  Blatt  der  Tunica  vaginalis  g&nzlich  durch 
Ausschälen  derselben  aus  dem  Hodensack  und  nähte  die  Scrotalhaut  über  dem 
zurückgebliebenen  Hoden  mit  Metallnähten  zusammen.  Der  Heilverlauf  war  durch 
Eiterverhaltung  (trotz  Drainage)  und  Eiterzersetzung  mit  begleitenden  Fieberan- 
filllen  etwas  protrahirt,  doch  verwuchs  die  Scrotalhaut  vollständig  mit  der  Hoden- 
oberfläche. Auch  die  vorher  bestandene  Verdickung  des  Samenstranges  bildete 
sich  nach  der  Operation  zurück.  M.  nennt  den  Erfolg  in  seinem  Falle  ausgezeich- 
net und  glaubt  seinem  Verfahren  vor  den  für  ähnliche  Fälle  vorgeschlagenen  Ver- 
fahren, nämlich  Nichts  zuthun  (Bryant),  partielle  Excision  der  Tunica  vaginalis 
(Syme)  und  Castration  (Erichsen)  den  Vorzug  geben  zu  dürfen. 

A*  Bürger  (London). 

Fr.  Salxer.     Eindringen    eines   Heurupfers    in    die    Genitalien  eines 
ISjahrigen  Mädchens;  manuelle  Entfernung ;  Lufteinirit  in  die  Bauch- 
höhle^ Peritonitis;  Heilung. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  33.) 

Ein  »Heurupfer«  (eiserner  Widerhaken)  hatte  sich  durch  Auffallen  des  Kindes 
so  in  dessen  Genitalien  geschoben,  dass  der  Widerhaken  im  vorderen  Laquear 
vaginae  steckte,  die  Spitze  hinter  der  Vaginalportion  den  hinteren  Laquear  durch- 
bohrt hatte.  Durch  Abdrängen  der  Weichtheiie  von  dem  Widerhaken  und  Decken 
desselben  mittelst  des  Fingers  gelang  unter  Kotation  leicht  die  Entfernung.  Es 
erfolgte  Heilung.  V.  Mosengeil  (Bonn). 

£•  Küster«     lieber  anus  fistulosus  congenitus. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Berl.  med.  Gesellsch.  16.  Juni  1875.) 
(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  33.) 

Verf.  versteht  unter  dem  von  ihm  gewählten,  passenden  Namen  diejenigen 
Fälle,  welche  sonst  mit  unter  die  Bezeichnung  Atresia  ani  cong.  eingereiht  wurden, 
wobei  zwar  die  natürliche  Oeffnung  verschlossen,  aber  eine  fistulöse  an  abnormer 
Stelle  (Damm,  Urethra,  Blase,  Vagina  und  Vulva)  vorhanden  war.  Für  Operation 
bietet  von  den  angedeuteten  Fällen  der  anus  fistul.  cong.  perinealis  und  vulvae  die 
günstigsten  Verhältnisse.    Zwei  dieser  geheilten  Fälle  wurden  vorgestellt. 

1)  Mädchen  mit  a.  f.  vulvae,  Mündung  zwischen  Hymen  und  hinterer  Commissur ; 
die  Abnormität  erst  im  5.  Monat  entdeckt.  Proctoplastik  in  der  Weise  ausgeführt, 
dass  in  der  Raphe  des  Dammes  ein  2^/%  Ctm.  langer  Schnitt  geführt,  bis  zum 
Rectum  eingedrungen,  dieses  bis  zur  Hälfte  seines  Umfanges  losgelöst,  mit  einer 
Scheere  dicht  an  der  hinteren  Scheidenwand  abgeschnitten,  dann  an  seiner  vorderen 
Wandung  lospräparirt,  in  die  äussere  Wunde  gezogen  und  eingenäht  wurde.  Die 
vom  und  hinten  klaffende  Hautwunde  wurde  ebenfalls  genäht.  —  Trotzdem 
prima  intentio  ausblieb,  behielt  der  After  seine  richtige  Lage  und  besteht  Conti- 
nentia  alvi. 

2)  Mädchen  mit  a.  f.  perinealis  hatte  seit  seiner  Geburt  mit  Stuhlbeschwerden 
zu  kämpfen.  Es  war  hinter  der  Commissura  post.  ein  feine  Oeffnung.  Im  vierten 
Monat  erfolgte  die  Operation T  der  Damm  wurde  auf  einer  Hohlsonde  gespalten  und 
die  Schleimhaut  an  die  äusseren  Wundränder  genäht.  Die  Schleimhautrinne  über- 
kleidete sich  binnen  7  Monaten  nicht,  wie  Goyrand  angiebt,  mit  Epidermis,  aber 
der  After  war  wohlgebildet,  functionirte  normal  und  hatte  das  Kind  keine  De- 
faecationsbeschwerden  mehr.  T«  Mosengeil  (Bonn). 

Orlginslmlttheilungen,  Bfonogrtphieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr,  H.  TiUmanna,  Leipzig,  Marlenstrasse  No.  3,  oder  an  die  Verlagsbandlung, 
BftiOtopf  und  HäHAy  einsenden. 

.    Draelr  und  Verlag  ton  Brtitkopf  and  Hirtel  in  Leipsig. 


Gentralblatt 


fttr 

CHIRURGIE 

herausgegeben 

Dr.  LLw,  Dr.  H.  ScMe,  Dr.  E.  Ti 

in  Barlin.  in  Berlin.  in  L«ipkig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.     Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,   bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

Ni'  48.  .  Sonnabend,  den  27.  Noyember.  1875. 

Inhalt:  Liebennelster,  PMbologie  und  Therapie  des  Fiebers.  —  Thlerfelder ,  Atlas 
der  pathologischen  Histologie.  —  Weigert,  Pockeoähnllche  Gebilde  in  parenchymatösen 
Organen  und  ihre  Beziehung  zu  Bacteriencolonien.  —  Oehme,  Jaborandi.  —  NawrOCkI, 
Einflnss  des  Blutdruckes  auf  die  Häufigkeit  der  Pulse.  -—  v.  Nustbauin,  Mittheilung  über 
Hospitalbrand.  —  Kunze,  Behandlung  des  fleberhafien  Gelenkrheumatismus.  —  TelSSler, 
Verband  für  Clavicularfracturen.  —  Rajewsky,  Diphtheritls  des  Darmcanals.  —  Verit^, 
Eczem  des  Anus.  —  Maunder,  Mastdarmflsteln.  —  Rose,  Stichwunden  der  Oberschenkel- 
gefässe.  —  Rlchardson  &  Porter,  Congenitale  Kniegelenks-Luxation.  —  Hoffmann,  Schuss- 
wunden des  Kniegelenks.  —  StokeS ,  Supracondylire  Oberschenkelamputation.  —  Nlcola- 
donl ,  Phlebarteriectasie  des  Fusses. 

BrOhl,  Methode  der  Harnstoffbestimmung.  —  Bolsmarln,  Vlpembiss.  —  Stamer  CKQrady, 
Geschwülste.  —  Bennett,  Schädelfractor  mit  Zerreissung  der  art.  mening.  med.  —  Marques, 
Aneurysma  der  art.  carot.  ext.  durch  Gompresslon  geheilt.  —  Albert,  Ovariotomie  in  Tirol. 
—  Dauphin,  Nierenstein.  —  Tarnler,  Mastdarmflsteln.  —  Ferrum  candens  bei  Mastdarm- 
flsteln. —  Eingeklemmte  Hernie.  —  Champlonnlire,  Stichwunden  des  Daumenballens.  — 

Hulke,  Traumatisches  arteriell-Tenoses  Aneurysma. 


Liebermeister,    Handbuch  der  Pathologie  und  Therapie  des 

Fiebers. 

(Leipzig,  F.  C.  Yf.  YogeL  1875.) 

Die  6  Abschnitte  des  Liebermeister'schen  Werkes:  l)  Ther- 
mometrie»  2)  Calorimetrie,  3)  Theorie  des  Fiebers,  4)  Wirkungen  und 
Symptome  des  Fiebers,  5)  Verlauf  und  Ausgänge  des  Fiebers,  6)  Be- 
handlung des  Fiebers  geben  eine  systematisch  geordnete  Uebersicht 
der  Fieberlehre  und  zwar  in  der  Weise,  dass  einerseits  die  historische 
Entwicklung  der  einzelnen  Puncte  Berücksichtigung  findet,  anderer- 
seits die  den  Anschauungen  des  Verf.  zur  Basis  dienenden  Arbeiten 
und  Versuchsreihen  in  ausgedehnter  Weise  in  den  Text  hineinge- 
nommen und  aus  ihnen  die  Lehren  entwickelt  werden.  Als  dritter, 
mehr  zurücktretender  Factor  ist  die  kritische  Beurtheilung  zur  Zeit 
noch  verbreiteter,  divergirender  Ansichten  zu  nennen.  Aus  einem 
derartigen  Handbuche  einen  Auszug  zu  geben,  erscheint  innerhalb 
der  Grenzen  dieses  Blattes  nicht  möglich. 

48 


754  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48. 

Hervorgehoben  sei  zunächst  der  Kernpunct  des  Ganzen ,  die 
Definition  des  Fiebers.  Das  Fieber  ist  ein  Complex  von  Symp- 
tomen,  welcher  beruht  auf  einer  Veränderung  in  der  Wärmeregulirung, 
vermöge  deren  die  Wärmeproduction  über  die  Norm  gesteigert,  und 
der  Wärmeverlust  so  angeordnet  wird,  dass  eine  abnorm  hohe  Kör- 
pertemperatur daraus  hervorgeht.  Dabei  findet  die  Wärme-Oekono- 
mie  des  Fieberkranken  unter  allen  Umständen  in  der  gleichen  Weise 
statt,  wie  beim  Gesunden.  Alle  Abweichungen  im  thermischen  Ver- 
halten des  Fieberkranken  lassen  sich  einfach  auf  die  Veränderung 
der  Regulirung  zurückfuhren.  (Die  Regulirung  des  Wärmeverlustes 
ist  beim  Fieberkranken  nicht  ganz  so  ausgiebig  als  beim  Gesunden.} 
Die  Steigerung  der  Körpertemperatur  ist  bewirkt  durch  eine  abnorme 
Steigerung  des  Stoäumsatzes.  Der  Harnstoff  hat  als  Maass  der  Oxy- 
dationsvorgänge und  der  Wärmeproduction  fast  keine  Bedeutung  für 
das  Fieber;  viel  wichtiger  sind  die  quantitativen  Veränderungen  der 
Kohlensäureproduktion  während  desselben.  Aus  der  Messung  dersel- 
ben sowie  aus  anderweitigen  calorimetrischen  Bestimmungen  ergiebt 
sich,  dass  im  Froststadium  die  Wärmeabgabe  vermindert,  die  Produc- 
tion  gesteigert  ist;  im  Hitzestadium  sind  beide,  Production  und  Ver- 
lust in  gleicher  Weise  gesteigert;  für  die  Zeit  der  sinkenden  Tem- 
peratur kann  die  Production  verschieden  gross  sein,  wird  aber  vom 
Verluste  überstiegen. 

Auf  Grund  dieser  Definition  ist  es  Liebermeister's  Ueberzeu- 
gung,  man  könne  eben  so  gut  an  der  Kartoffel  als  am  Frosch  das 
Fieber  studiren.  Eneiigisch  weist  er  die  derartigen  Versuchen  zu 
Grunde  liegende  Ansicht  zurück;  es  darf  nicht  ohne  weiteres  der 
Zustand  nach  Einführung  putrider  Substanzen  etc.  mit  dem  Fieber 
identificirt  werden. 

Die  Absicht  der  Wärmeentziehungen,  welche  bei  der  Therapie 
des  Fiebers  an  erster  Stelle  empfohlen  werden,  ist  nicht  im  allgemei- 
nen die  Temperatur  herabzusetzen,  sondern  möglichst  grosse  Inter- 
missionen  oder  Bemissionen  herbeizuführen.  Demnach  ist  die  wich- 
tigste Zeit  für  ihre  Anwendung  die  Nacht  und  demnächst  die 
Mittagszeit,  als  die  Zeiten  der  natürlichen  Remissionen.  Die  Tem- 
peraturgrenze, welche  eine  Wärmeentziehung  indicirt,  folgt  dem 
normalen  Laufe  der  Tagescurve.  Der  Nutzeffect  des  (oft  wiederholten) 
kalten  Bades  von  kurzer  Dauer  ist  der  grösste. 

Nach  dem  Vorgange  von  Buss  (St.  Gallen]  und  Immermann 
(Basel)  hat  L.  in  der  Tübinger  Klinik  die  Salicylsäure  bei  Kranken 
mit  Abdominaltyphus,  Scharlach,  Pneumonie,  Pleuritis,  Phthisis  an- 
gewandt und  dabei  die  günstigen  Angaben  von  Buss  und  Imme r- 
mann  vollständig  bestätigt  gefunden.  Die  Remission  des  Fiebers 
scheint  im  Durchschnitt  noch  etwas  früher  einzutreten,  als  nach 
entsprechenden  Chinindosen.    Die  Nebenwirkungen  sind  eher  geringer. 

Zum  Schluss  sei  noch  eine  Methode  zur  abgekürzten  Temperatur- 
bestimmung in  der  Achselhöhle  angeführt.  Wenn  man  eine  gewisse 
Zeit  nach  dem  Einlegen  des   Thermometers  in  die  Achselhöhle  den 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48.  755 

Stand  desselben  notirt^  und  dann  noch  einmal  genau  die  gleiche  Zeit 
yergehen  läset ^  und  wieder  notirt,  so  ist  zu  erwarten^  dass  bis  zu 
Ende  der  Temperaturbestimmung  das  Quecksilber  im  Ganzen  noch 
um  eben  so  viel  steigen  wird,  als  es  von  der  ersten  bis  zur  zweiten 
Notirung  gestiegen  war.  Wenn  z.  B.  eine  Minute  nach  dem  Einlegen 
das  Thermometer  35®,  nach  2  Minuten  36®  zeigt,  so  wird  es  überhaupt 
bis  37®  steigen.  Bänke  (Halle). 

A.  Tluerfelder.  Atlas  der  pathologischen  Histologie.  4.  Lie- 
ferung. Pathologische  Histologie  der  serösen  Häute  u.  Gelenke. 

(Leipzig,  Fnes's  Verlag  [R.  Keisland].  1875.) 

Die  vorliegenden  5  Tafeln  der  4.  Lieferung  des  Atlas  der  patho- 
logischen Histologie  schliessen  sich  würdig  den  vorhergegangenen  an ; 
auch  sie  zeichnen  sich  durch  dieselben  Vorzüge  aus,  welche  die  wis- 
senschaftliche Kritik  an  den  ersten  Lieferungen  bereits  anerkannte, 
auch  hier  dieselbe  Vollendung  der  gegebenen  Abbildungen. 

Die  1.  Tafel  der  vorliegenden  Lieferung  enthält  folgende  Abbil- 
dungen: 1]  frische  fibrinöse  Pleuritis,  2)  ältere  fibrinöse  Pleuritis, 
3)  fibrinöse  adhaesive  Fericarditis,  4)  alte  fibrinöse  Pleuritis,  5)  frische 
eitrige  Pleuritis,  6)  Pyothorax  und  7)  alter  abgesackter  Pyothorax. 

2.  Tafel:  1)  fibröse  adhaesive  Pleuritis,  2)  alte  fibröse  Pleuraver- 
dickung, 3)  Osteom  der  Pleura,  4)  acute  miliare  Tuberkulose  des 
Netzes,  5)  Tuberkulose  des  Bauchfells,   6)  Tuberkulöse  Pericarditis. 

3.  Tafel:  1)  Primärer  Endothel -Krebs  der  Pleura,  2)  Secundäre 
Krebse  der  Pleura,  3)  Hyperaemie  der  Kniegelenkszotten,  4]  Arthritis 
uratica,  5)  Gelenkzotten  bei  Argyrie. 

4.  Tafel:  1)  Chronische  Entzündung  der  Rippenknorpel,  2)  freier 
Gelenkkörper,  3)  Auffaserung  des  Gelenkknorpels,  4)  fibrinöse  Ar- 
thritis, 5]  eitrige  Arthritis,  6)  Ostitis  mit  consecutiver  Arthritis. 

5.  Tafel:  Fibröse  Anchylose  zwischen  Talus  und  Calcaneus, 
2)  Tuberkulöse  Kniegelenksentzündung,  3)  Tuberkulöser  Fistelgang 
der  Haut  über  dem  Os  naviculare,  4)  Ecchondrosis  spheno-occipitalis. 

Aus  den  erwähnten  Abbildungen  heben  wir  nur  folgende  beson- 
ders hervor. 

Die  Hyperaemie  der  Kniegelenkszotten,  überhaupt  die  Histologie 
der  Synovialmembran  und  der  Gelenkzotten  beschreibt  Verf.  in  Ueber- 
einstimmung  mit  der  Darstellung,  wie  Ref.  sie  (Arch.  für  mikroskop. 
Anatomie,  Bd.  X.,  Jahrg.  1874]  gegeben,  d.  h.  die  bald  faserige,  bald 
interfibrilläre  mncin-  oder  fettreiche  Grundsubstanz  der  Zotten  ist  mit 
Endothelien  bedeckt.  ^Die  zahlreichen  Tochterzotten  bestehen  lediglich 
aus  einer  Anhäufung  von  Endothelzellen  und  sind  vollständig  gefässlos.« 
—  Sehr  schön  ist  das  Präparat  von  Arthritis  uratica  mit  massenhaften 
Ablagerungen  von  Uratsalzen,  welche  in  Form  feinster  Nadeln  haupt- 
sächlich in  der  hyalinen  Grundsubstanz  des  Ejiorpels  sichtbar 
sind.  —  Von  besonderem  Interesse  ist  das  Verhalten  der  Gelenk- 
zotten   bei  Argyrie    (cf.  Riemer,    Arch.   d.  Heilk.,  Bd.  XVI}    von 

48» 


756  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48. 

einem  Tabeskranken  ^  welcher  während  7  Jahre  34^032  Grm.  Äig. 
nitr.  in  Pillenform  =  21^61  Grm.  metallisches  Silber  eingenommen 
hatte.  Das  Silber^  welches  wahrscheinlich  als  Silberalbuminat  durch 
den  Körper  wandert  und  dann  in  Form  kleinster  Körnchen  metalli- 
schen Silbers  in  den  verschiedensten  Organen^  aber  immer  im  Binde- 
gewebe, abgelagert  wird,  ist  im  Zottengewebe  ziemlich  gleichmässig 
vertheilt^  besonders  in  der  Spitze ,  und  verdeckt  die  zelligen  Ele- 
mente. —  Bezüglich  der  freien  Gelenkkörper  hat  Th.  2  Präparate 
abgebildet,  die  genetisch  durchaus  verschieden  sind.  Der  eine  freie 
Gelenkkörper  hat  einen  normal  knöchernen  Kern  und  eine  Umhül- 
lung, weldie  aus  faserigem  sklerotischem  Bindegewebe  besteht.  Der 
andere  stammt  von  au^efasertem  Knorpel;  bekanntlich  findet  man 
in  den  Spitzen  der  durch  Auf  faserung  der  Knorpel -Grundsubstanz 
entstandenen  sehr  ansehnlichen  Zotten  Anschwellungen  mit  ange- 
sammelten jungen  Knorpelzellen.  Solche  zellenhaltige  Knorpelstück- 
chen fallen,  wie  leicht  verständlich,  in  Folge  mechanischer  Insulte 
oder  der  fortschreitenden  Auffaserung  ab  und  werden  zu  freien  Ge- 
lenkkörpem ;  einen  solchen  stellt  Th.  in  der  anderen  Abbildung  dar. 
Ob  diese  letzteren  Gelenkkörper  noch  einer  bedeutenden  Vergrösse- 
rung  fähig  sind,  wenn  sie  vom  Mutterboden  abgetrennt  sind,  lässt 
Verf.  unentschieden. 

Femer  heben  wir  hervor  das  Präparat,  welches  eine  fibrinöse 
Arthritis  des  Tibio-Tarsalgelenks  und  der  Fusswurzel  (Gelenkverjau- 
chung nach  compl.  Unterschenkelfractur)  darstellt.  Die  Gelenkflächen 
der  Tibia  und  der  Fusswurzelknochen  waren  mit  Fibrinausscheidungen 
belegt,  wie  man  es  an  den  serösen  Häuten  kennt.  Auf  der  letzten 
Tafel  verdienen  besonders  die  schönen  Präparate  von  fibröser  Anchy- 
lose,  von  der  tuberkulösen  Kniegelenksentzündung  und  dem  tuber- 
kulösen Fistelgang  der  Haut  über  dem  os  naviculare  Erwähnung. 

Tillmanns  (Leipzig). 

C.  Weigert.     Ueber  pockenähnliche  Gebilde  in  parenchyma- 
tösen Organen  und  deren  Beziehung  zu  Bacteriencolonien. 

(HabUitaüonssdirift  1875.  Breslau.  46  S.) 
W.  findet  bei  Variola  (nur  sehr  selten  bei  der  sog.  hämorrha- 
gischen Form)  in  mehreren  inneren  Organen  z.  B.  in  der  Leber^  Milz, 
Nieren,  Lymphdrüsen  eigenthümliche  miliare  Heerde,  die  in  der  Mitte 
einen,  ein  Blutgefäss  füllenden  Bacterienhaufen  oder  Bacterienschlauch 
zeigen,  dessen  nächste  Umgebung  nekrobiotisch  ist,  wie  die  kernlosen, 
besonders  veränderten,  auf  Reagentien  nicht  mehr  in  gewöhnlicher  Weise 
antwortenden  Zellen  beweisen.  An  den  Grenzen  dieser  kleineu 
nekrobiotischen  Heerde  bemerkt  man  nun  anfangs,  d.  h.  in  früheren 
Stadien  der  Pocken,  keine  Reactionserscheinungen ,  später  aber  wohl. 
Diese  Heerde  sind  wahrscheinlich  in  ähnlicher  Weise  entstanden, 
wie  die  Efflorescenzen  der  Haut;  die  Unterschiede  sind  auf  die 
Verschiedenartigkeit  des  Terrains  —  einmal  das  weiche  Parenchym- 
gewebe,  das  andere  Mal  die  zähe  Haut  —  zu  beziehen.     Die  Zellen 


Centralblatt  fttr  Chirurgie.     No.  48.  757 

werden,  ohne  Unterschied  ihrer  physiologischen  und  morphologischen 
Dignität,  von  der  D^eneration  ergriffen  und  glaubt  Verf.  nachweisen 
zu  können,  dass  die  Heerde  in  der  That  als  praemortal  abgestorben 
aufzufassen  sind.  Eiterkörperchen ,  die  hin  und  wieder,  zuweilen 
zahlreich  sich  in  der  amorphen  Masse  finden,  sind  wohl  nachträglich 
erst  eingewandert.  Kleinere  Heerde  werden  wahrscheinlich  vollständig 
resorbirt.  Nach  Erwägung  aller  Einzelheiten  der  sorgfältigen  Unter- 
suchungen, auf  die  hier  nicht  genauer  eingegangen  werden  kann, 
glaubt  Verf.  diese  Gebilde  i^als  pocken ähnliche«  bezeichnen  zu  können. 

Verf.  behandelt  nun  die  Diagnose  der  Bacterien ;  nach  Darlegung 
der  Schwierigkeiten,  der  vielen  Möglichkeiten  der  Täuschung  und 
der  Bedeutung  der  Haematoxylinfärbung  für  die  Erkennung  der 
Bacterien,  kommt  er  zum  Schluss,  dass  die  centralen  Kömchenschläuche 
der  Heerde  in  der  That  als  Bacterien  aufzufassen  sind ;  da  diese  nun 
anÜBings  sich  immer  in  denHeerden  finden,  in  späteren  Stadien  z.  B.  beim 
Eintrocknen  der  Hautpusteln  aber  oft  fehlen,  weil  sie  dann  wahr- 
scheinlich längst  abgestorben  und  unkenntlich  geworden  sind,  so 
stehen  sie  wohl  in  Beziehung  zu  den  Heerden  und  zwar  in  der  Weise, 
dass  man  annehmen  kann,  »dass  die  Nekrose  eine  Folge  der 
Bacterienhäufungen  ist«.  Verf.  sucht  nun  hier  die  Ansichten  und 
Beweiskräftigkeit  der  Experimente  derer,  welcbe  in  den  Bacterien  Krank- 
heitserreger nicht  erblicken  können,  zu  widerlegen;  nachdem  Verf.  dann 
hervorgehoben,  dass  man  in  der  That  verschiedene  Arten  oder 
»Spielarten«  von  Bacterien,  giftige  und  unschädliche,  annehmen  dürfe, 
dass  das  gleiche  Aussehen  nicht  entscheidend  sei,  dass  die  Verschie- 
denheit und  die  Gleichheit  positiv  nachgewiesen  werden  müssten, 
dass  Bacterienvegetationen  im  Körper  auch  ohne  Entzündung  gedeihen 
könnten,  dass  es  nichts  unsicheres  gebe,  als  Transplantations-  und 
Züchtungsversuche,  dass  die  Variolabacterien  wahrscheinlich  andere 
Eigenschaften  haben,  als  die  gemeinen  Fäulnissorganismen,  glaubt  er 
schliesslich  annehmen  zu  dürfen,  dass  die  besondere  Eigenschaft  vor 
liegender  Bacterien  darin  bestände,  »lebendes  Gewebe  an  circumscripten 
kleinen  Heerden  in  kernlose,  todte  Masse  zu  verwandeln,  die  wahr- 
scheinlich eine  ziemlich  derbe  Consistenz  haben«  etc. 

Schliesslich  führt  Verf.  an,  dass  ähnliche  nekrobiotische  Heerde 
auch  bei  anderen  Krankheiten  vorkämen  z.  B.  bei  der  Diphtherie,  bei 
Endocarditis  ulcerosa^  »Blutvergiftungskrankheiten«  etc. 

Die  Frage,  ob  die  Heerde  in  parenchymatösen  Organen  gleich- 
zeitig mit  den  Hauteffiorescenzen  entstehen,  oder  von  diesen  erst 
abhängig  sind  oder  nicht,  in  welchem  Verhältniss  sie  überhaupt  zum 

Pockenprocese  stehen,  wird  unentschieden  gelassen. 

A*  Biider  (Mannheim). 

W.  Oehme.     Ueber  Jaborandi. 

(Deutsche  Zeitschrift  für  praktische  Medicin  1875.  No.  17.) 
Es  wurden    15  Versuche  angestellt    (2  bei   pleurit.   Exsudaten, 
4  bei  Laryngitis  catarrhal.,  1  bei  Lungen-Emphysem  mit  starker  Bron- 


758  Centralblatt  fttr  Chirurgie.    No.  48. 

cbitis  und  7  bei  Reconvalescenten  und  Gesunden) .  Das  Mittel  wurde 
als  Infus,  von  4,0 — 6,0  (auf  eine  Obertasse  siedenden  Wassers)  ge- 
nommen und  zwar  in  5  Fällen  tranken  die  Fat.  das  nicht  colirte  In- 
fus mit  dem  Satz  aus.  Von  den  15  Individuen  zeigte  sich  nur  bei 
3  eine  profuse  Scbweisssecretion,  während  bei  3  Fersonen  nicht  der 
geringste  Schweias  auftrat.  Bei  den  restirenden  9  Fällen  constatirte 
O.  eine  bald  reichlichere,  bald  geringere  Schweissansammlung.  Die 
Salivation  war  dagegen  in  allen  Fällen  sehr  evident,  während  Verf. 
weder  eine  vermehrte  Absonderung  der  Bronchialschleimhaut,  noch 
Diarrhoe,  noch  gesteigerte  Diurese  beobachtete.  Nur  in  einem  Falle 
stellte  sich  zugleich  mit  der  Scbweisssecretion  Schnupfen  ein.  Be- 
züglich des  Verhaltens  der  Körperwärme  und  des  Pulses  entsprechen 
die  Resultate  des  Verf.  ganz  den  Erfahrungen  aus  England:  nie  trat 
ein  Steigen  der  Körperwärme  auf,  in  den  Fällen  dagegen,  bei  wel- 
chen die  Scbweisssecretion  einigermassen  reichlich  war^  wurde  eine 
Temperaturemiedrigung  um  ^2^  ^-  bis  1,4°  C.  beobachtet,  welche 
jedoch  nicht  länger  als  3 — 4  Stunden  dauerte.  — 

Von  besonderem  Interesse  fiir  die  Beurtheilung  der  Einführung 
des  Mittels  in  die  ärztliche  Praxis  sind  die  Nebenwirkungen  des  Jabo- 
randi:  während  der  Schwitzperiode  Abnahme  des  Sehvermögens  ohne 
Veränderungen  der  Pupille  bei  3  Fällen,  Uebelkeit  und  Brechnei- 
gung in  10  Fällen,  wiederholtes  Erbrechen  in  2,  heftiges  Y4  —  ^2 
Stunde  anhaltendes  Brennen  in  der  Urethra  bei  4  Patienten.  — 

Den  Antagonismus  des  Jaborandi  zur  Belladonna  (Vulpian, 
Carville)  constatirte  Verf.  in  einem  Falle:  bei  einer  Person,  welche 
20  Minuten  nach  der  Einnahme  eines  Infus,  von  4,0  Jaborandi  reich- 
lichste Speichel-  und  Scbweisssecretion  zeigte,  injicirte  O.  0,0006 
Atropin  und  nach  Y4  Stunde  eine  2.  Dosis  von  0^0003  Atropin.  So- 
fort nahmen  Schweiss-  und  Speichelabsonderung  ab  und  Y3  Stunde  nach 
der  ersten  Einspritzung  waren  Mund  und  Lippen  trocken   und  am 

ganzen  Körper  keine  feuchte  Stelle  zu  entdecken. 

Tillmanns  (Leipaig). 


F.  Nawrooki.     Ueber  den  Einfluss  des  Blutdrucks  auf  die 

Häufigkeit  der  Herzschlage. 

(Beiträge  zur  Anatomie  und  Physiologie,  als  Festgabe  Carl  Ludwig  gewidmet  von 

seinen  Schülern.    1874.) 

y.  Bezold  und  Stezinsky  waren  bekanntlich  zu  dem  Resultat 
gekommen,  dass  bis  zu  einer  gewissen  Grenze  mit  dem  Steigen  des 
arteriellen  Blutdrucks  die  Frequenz  der  Pulse  wächst,  wenn  das  Herz  nach 
Durchschneidung  des  Halsmarks,  des  Halssympathicus  und  Halsvagus 
unter  der  Herrschaft  der  in  ihm  selbst  vorhandenen  Nerrencentra  steht. 

N.  hat  die  Frage  nach  dem  Einfluss  des  Blutdrucks  auf  die 
Häufigkeit  der  Herzschläge  nochmals  einer  eingehenden  Prüfung 
unterworfen.  Die  Versuche  zerfallen  in  drei  Gruppen:  1)  in  solche, 
in  welchen  das  Herz  nach  Durchschneidung  des  Rückenmarks ,  der 
Halssympathici  und  Halsyagi  nebst  den  Depressores  unter  dem  alleini- 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48.  759 

gen  Einflüsse  der  in  ihm  selbst  vorhandenen  Neivencentra  stand; 
2]  in  solche,  in  welchen  das  Herz  sich  unter  dem  Einflüsse  excitomoto- 
rischer  Nerven  befand,  wo  also  entweder  blos  die  Vagi,  oder  zugleich 
das  Rückenmark  zwischen  2.  und  4.  Brustwirbel  durchschnitten 
wurde;  3)  endlich  in  solche  mit  Durchschneidung  des  Bückenmarkes 
am  1.  Halswirbel  bei  erhaltenem  Vagus  oder  auch  Versuche  an  intac- 
ten  Thieren,  deren  Herz  also  sowohl  mit  hemmenden  als  auch  be- 
schleunigenden Nervenfasern  in  Verbindung  stand.  —  Verf.  kam  zu 
folgenden  Residtaten: 

Ad  1)  Die  Häufigkeit  der  Herzschläge  ist  an  und  für  sich  von 
der  Höhe  des  arteriellen  Blutdrucks  ganz  unabhängig.  — 

Ad  2)  Wenn  sich  das  Herz  noch  unter  dem  Einflüsse  excitomo- 
torischer  Fasern  befindet,  so  übt  der  Blutdruck  an  und  für  sich  keine 
Wirkung  auf  die  Pulszahl.  — 

Ad  3)  In  Uebereinstimmung  mit  den  Angaben  anderer  Autoren 
(Bernstein,  Ludwig,  Asp^  Knoll)  wird  der  Puls,  so  lange  die 
Vagi  intact  sind,  mit  steigendem  Blutdruck  seltener,  dagegen  mit 
fallendem  häufiger.  TUlmanns  (Leipzig). 

y.  NtUBSbaum.     Eine  Mittheilung  über  den  Hospitalbrand. 

(Aroh.  f.  klin.  Chirurgie  Bd.  XVIIL  Hft.  4.) 
Im  Stadtkrankenhause  zu  München  herrschte  seit  Decennien  die 
Pyaemie;  [als  ein  Mittel  gegen  diese  hat  v.  N.  erfolgreich  das  Caute- 
risiren  aller  Knochensägeflächen  mit  dem  Ferrum  candens  angewendet, 
kein  so  behandelter  Pat.  ist  an  Pyaemie  gestorben.  —  Im  Jahre  1872 
gesellte  sich  hierzu  noch  der  Hospitalbrand,  von  dem  1872  26)1^, 
1873  hO  ßi,  1874  80  ^  aller  Geschwüre  und  Wunden  befallen  wurden. 
Die  strengste  Durchführung  des  List  er' sehen  Verfahrens  beseitigte 
den  Hospitalbrand  rollständig.  —  Dagegen  trat  die  Pyaemie  trotz  des 
Li  st  er' sehen  Verbandes  nach  Knochenoperationen  auf,  so  dass 
V.  N.  die  Knochen  wie  vorher  cauterisirt.  Maas  (Breslau). 


Kunze.     Ueber  eine  neue  Behandlungsweise  des  fieberhaften 

Gelenkrheumatismus. 

(Deutsche  Zeitschrift  für  praktische  Medicin  1875.  No.  40.) 
Verf.  äussert  sich  über  die  Resultate  der  subcutanen  Carbolin- 
jectionen,  die  er  seit  2^2  Jahren  übt,  auch  schon  früher  veröffent- 
lichte, und  die  von  anderer  Seite  (Senator)  ebenfalls  erprobt  wurden. 
1 — 2  Gelenke  werden  auf  einmal  vorgenommen  und  1-^2  Spritzen 
einer  2^  Lösung  an  den  schmerzenden  Stellen  injicirt.  Es  entsteht 
kein  oder  nur  sehr  geringer  Beiz,  dagegen  wirkt  hier  das  Carbol  ge- 
radezu als  Aüästheticum,  meist  vorzüglicher  als  Morphium,  indem 
nach  einer  halben  bis  mehreren  Stunden  der  Schmerz  aufhört.  Schlaf 
erfolgt,  das  Gelenk  abschwillt^  und  nur  noch  etwas  steif  bleibt.  Nach 
einigen  Tagen  ist  die  rheumatische  Affection  des  betreffenden  Gelen- 


760  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48. 

kes  ganz  geschwunden,  das  im  weiteren  Verlaufe  auch  fast  nie  zum 
zweiten  Male  befallen  wird.  Die  Wirkung  des  Carbols  ist  eine  rein 
locale  und  beeinflusst  das  Fieber  nur  in  soweit^  als  dasselbe  Ausdruck 
der  localen  Entzündung  ist. 

Deswegen  giebt  Verf.  Chinin  in  Grammdosen  und  glaubt  durch 
diese  combinirte  Behandlung  den  Krankheitsverlauf  bedeutend  abkür- 
zen zu  können.  Pagenstedier  (Etberfeld). 

Teissier.     Fracture  de  la  clavicule. 

CGaz.  hebdom.  1875.  No.  4.) 
T.  hat  für  Clavicularbrüche  folgenden  Verband  ersonnen.  Auf 
die  Clavicula  von  der  Schulterhöhe  bis  zum  Stemum  wird  eine  5 — 6 
Ctm.  breite^  erweichte  Guttaperchaschiene  gel^t;  am  inneren  Ende 
dieser  Schiene  und  senkrecht  auf  sie  gerichtet  wird  eine  zweite,  eben 
so  breite,  hinzugefügt,  welche  die  obere  Hälfte  des  Stemums  bedeckt, 
an  der  Basis  der  kranken  Halsseite  nach  hinten  und  etwa  8  —  10  Ctm. 
längs  der  Wirbelsäule  herabläuft.  Eine  3.  Schiene  am  äusseren  Ende 
der  Clavicula  geht,  sich  auf  die  Schultern  stützend,  vom  Axillarrande 
aus  nach  hinten  und  endet  etwa  3  Ctm.  unter  der  spin.  scapulae.  Das 
Ganze  wird  durch  eine  Binde  fixirt,  welche  den  Ellbogen  mit  ein- 
schliesst.  Im  Falle  einer  complicirten  Fractur  kann  in  der  Clavicu- 
larschiene  ein  Fenster  angelegt  werden.  Fr.  Stelner  (Wien). 


A.  Rajewsky.     Ueber  Diphtherie  des  Darmcanals. 

(Centralblatt  für  die  med.  AVlßsensch.  1875.  No.  41.  p.  691—692.) 
Verf.  hat  viele  Fälle  von  Diphtherie  des  Darmes  bei  Menschen 
untersucht  und  gefunden,  dass  denselben  stets  ein  katarrhalischer 
Ftocess  vorausgeht,  dass  die  Gefasse  hyalin  entartet  sind  und  dass 
sich  in  den  fibrinösen,  körnig  veränderten  Exsudatmassen  der  Schleim- 
haut zahlreiche  Bacterien  finden.  Experimente  an  Kaninchen  zeigten, 
dass  sich  bei  ihnen  Diphtherie  durch  Einspritzen  bacterienhaltiger 
Flüssigkeit  nur  dann  erzeugen  lasse,  wenn  die  Schleimhaut  des 
Darmes  vorher  künstlich  entzündUch  gereizt  war.  Das  Nähere  der 
kurzen  Mittheilung,  welcher  eine  ausführliche  Beschreibung  folgen 
soll,  wolle  man  im  Original  nachsehen.  A«  Bldder  (Mannheim). 


Verit6.     De  Teczeme  anal. 

(La  France  m^dicaie  1875.) 
Bei  Beschreibung  des  trocknen,  mit  heftigem  Jucken  verbundenen 
After-Eczems  erwähnt  Verf.  sein  Vorkommen  bei  Frauen  zur  Zeit 
der  Menopause  im  Verein  mit  pruritus  vulvae  und  sein  häufiges  Zu- 
sammentreffen mit  Arthritis  urica.  Bazin  fend  es  bei  170  Arthriti- 
kern,  die  er  darauf  untersuchte,  46 mal.  Dieser  Umstand,  sowie  die 
Hartnäckigkeit  und  Trockenheit  des  Eczems  sollen  die  gichtige  Natur 
desselben  darthun. 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  48.  761 

Nicht  zu  verwechseln  mit  dem  eigentlichen  After-Eczem  ist  das 
feuchte  Eczem^  das  man  häufig  bei  Hämorrhoidal-Kranken  findet;  es 
weicht  jenes  nach  Beseitigung  der  Hämorrhoiden  und  des  begleitenden 
Mastdarmkatarrhs  9  während  die  trockne  Form  zu  den  hartnäckigsten 
üebeln  gehört,  durch  unerträgliches  Jucken^  schlaflose  Nächte  und 
seinen  Einfluss  auf  die  Genitalsphftre  oft  zur  tiefsten  Hypochondrie 
führt.  Verf.  empfiehlt  schliesslich  die  Bazin 'sehe  Behandlung;  6 — 8 
Grm.  Natr.  bicarb.  auf  500  Grm.  Seifenkrautsyrup  Morgens  und 
Abends  einen  Löffel  zu  nehmen.  Oertlich  braucht  er  eine  Salbe  von 
ferrum  sulf.  0,5  cetaceum  4,0  axungia  porci  30,0. 

Als  letztes  Mittel  ist  Arsenik  zu  versuchen,  gegen  restirenden 
Pruritus  eine  schwache  Sublimatlösung  in  Glycerin;  ausserdem  Brom- 
kalium innerlich  und  äusserlich.  A.  Oenimer  (Halle). 


Maiinder.    Double  fistula  in  ano  (Clinic.  society  of  London) . 

(Med.  tim.  and.  gaz.  1875.  28.  August,  p.  250.) 

M.  berichtete  über  eine  24jährige  Patientin  mit  zwei  Mast- 
darmfisteln, von  denen  die  eine  mit  dem  Messer,  die  andere  gleich- 
zeitig mit  der  elastischen  Ligatur  behandelt  wurde.  Die  Schmerzen 
der  ersten  Tage  bezogen  sich  zumeist  auf  die  Seite  der  Ligatur.  Am 
9.  Tage  fiel  dieselbe  ab.  Am  12.  Tage  war  die  mit  dem  Messer 
operirte  Fistel  in  eine  einfach  oberflächlich  granulirende  Wunde  ver- 
wandelt, während  die  andere  zu  einem  tiefen  Geschwür  mit  harten 
Rändern  geworden  war.  Am  22.  Tage  war  erstere  vollständig  ver- 
narbt ;  fünf  Wochen  später  erst  die  zweite.  Hutchinson,  Hulke, 
Thomas  Smith  berichten  über  ähnliche  Nachtheile  der  Ligatur, 
und  nur  Heath  empfiehlt  dieselbe  bedingungsweise,  für  hoch  hin- 
aufgehende Fisteln  zur  Vermeidung  einer  Blutung. 

Bänke  (Halle). 

E.  BoBe.     Ueber   Stichwunden   der  Oberschenkelgefasse  und 

ihre  sicherste  Behandlung. 

(Sammlung  klinischer  Vortrftge  No.  92.) 

Nach  Besprechung  der  UnzuverlAssigkeit  der  .Hunt  er 'sehen 
Unterbindung  bei  Verletzungen  der  Gefässe  entwickelt  R.  seine  An- 
sicht näher,  dass  nur  die  doppelte  Unterbindung  in  loco  von 
wirklich  sicherem  blutstillendem  Effecte  sei  und  giebt  die  Art  und  Weise 
seines  Verfahrens,  das  ihn  noch  nie  im  Stich  gelassen  habe,  genau  an. 
Im  Wesentlichen  besteht  dasselbe  darin,  dass  R.  nach  Entfernung 
der  provisorischen  Blutstillungsmittel  mit  dem  linken  Zeigefinger  in 
die  Wunde  eingeht,  wodurch  er  zugleich  die  Blutung  stillt  und  das 
Loch  in  der  Arterie  sucht.  Nun  wird  unter  fortwährender  Compres- 
sion  mittelst  des  linken  Zeigefingers  mit  der  rechten  Hand  die 
Wunde  trichterförmig   erweitert,  bis  der  freie  Zugang  zur  verletsten 


762  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  48. 

Gefösswand  eröffnet  ist.  Dann  wird  zunächst  das  centrale  Ende 
unterbunden,  und  nach  Entfernung  des  fast  erlahmten  Fingers  auch 
das  peripherische;  endlich  folgt  die  Exstirpation  des  zwischen  beiden 
Ligaturen  liegenden  Gefassstückes  und  sorgfältige  Untersuchung  des 
ganzen  Wundbodens ^  damit,  falls  noch  irgend  ein  G^fössast  bluten 
sollte,  auch  an  diesem  die  Unterbindung  sogleich  gemacht  werden 
kann.  Diese  Art  der  Ligatur  in  loco  biete  mehr  Sicherheit,  als  alle 
übrigen  Methoden ;  auch  sei  die  Blosslegung  der  Arterien  in  loco  das 
beste  diagnostische  Mittel,  um  zu  unterscheiden,  ob  der  Hauptstamm 
oder  nur  Nebenäste  verletzt  seien. 

.  Verf.  fasst  dann  seine  Ansichten  —  an  Stelle  der  1 1  »praktischen 
Regeln«  Stroh meyers  —  in  10  Sätze  zusammen,  welche  man  im 
Original  nachsehen  wolle. 

Im  weiteren  Verlaufe  des  Vortrages  bespricht  R.  die  bisher  noch 
sehr  widerspruchsvollen  Ansichten  über  die  Unterbindung  der  Haupt- 
venenstämme bei  Verletzungen.  Auch  hier  hat  R.  von  der  sorgfältigen 
doppelten  Unterbindung  nur  Gutes  gesehen  und  stellt  endlich, 
nach  genauer  Schilderung  eines  Falles  von  Unterbindung  der  Arteria 
und  Vena  femor.  dicht  unter  dem  Poupart 'sehen  Bande  mit  gün- 
stigem Ausgang,  in  weiteren  9  Puncten  seine  Ueberzeugungen  in  Be- 
zug auf  die  Venenligatur  zusammen,  wobei  er  mit  grossem  Nachdruck 
betont,  dass  man  nie  an  den  Ligaturfäden  auch  nur  im  geringsten 
zupfen  dürfe. 

Mehrere  interessante  Krankheitsfalle  illustriren  die  Behandlungs- 
methode der  Gefässverletzungen,  die  R.  selbst  am  Schlüsse  kurz  dahin 
zusammenfasst,  dass  er  sie  als  »blutdichte  Exstirpation  der  Arterien- 
stiche« empfiehlt.  A»  Bidder  (Mannheim). 

Bicliardson  und  Porter.    Congenitale  Kniegelenks-Luxation. 

(Bo8t.  med.  and  surg.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  321.) 

Die  folgenden  zwei  Beobachtungen  sind  von  besonderem  Interesse, 
nicht  nur  wegen  ihrer  Seltenheit,  sondern  auch  weil  sie  rein  waren 
und  nicht  complicirt  durch  Missbildungen,  Lähmung  und  Veränder- 
ungen der  Gelenkfiächen  und  weil  eine  einfache  Therapie  Hei- 
lung bewirkte.  Der  erste  Fall  betrifil  ein  normal  geborenes  im 
Uebrigen  gesundes  Mädchen;  dasselbe  zeigt  eine  volle  Verrenkung 
im  linken  Kniegelenke ;  in  der  Rückenlage  erscheint  der  Unterschen- 
kel in  vollkommen  senkrechter  Haltung  erhoben,  der  innere  Knöchel 
ist  dem  Nabel  zugewandt,  der  Fuss  selbst  nach  aussen  rotirt.  Die 
libia  und  mit  ihr  die  Fibula  ist  nach  vom  und  aussen  gerichtet.  Die 
Knochen  des  Ober-  und  Unterschenkels  sind  normal  gebildet,  die 
inneren  Gelenkbänder  des  Knies  erscheinen  stark  gespannt  (vielleicht 
etwas  schwächer  entwickelt).  Ueber  und  unter  dem  Knie  erbUckt  man 
eine  starke  Hautfiirche  mit  geröthetem  Grrunde;  nirgends  ist  eine 
Spur  von  Entzündungserscheinungen  wahrzunehmen.  —  Unter  leichtem 
Zuge  konnte  die  Verrenkung  gehoben  werden    (dabei   erschien   die 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48.  763 

linke  Patella  weniger  deutlich  markirt  als  die  rechte)  um  mit  Nachlaes 
desselben  sich  sogleich  wieder  herzustellen.  Die  Behandlung  bestand  in 
täglicher  einfacher  Bandagirung  des  eingerichteten  Kniegelenks.  Nach 
14  Tagen  be&ind  sich  das  Knie  in  normaler  Stellung^  war  aber  noch 
etwas  beweglicher,  als  das  rechte;  nach  weiteren  4  Wochen  war  ein 
Unterschied  zwischen  beiden  Knieen  nicht  mehr  zu  erkennen. 

Im  2.  Falle  bestand  bei  einem  sonst  gesunden,  normal  gebore- 
nen Mädchen  eine  Verrenkung  des  Unterschenkels  nach  vorn  und 
oben  in  stärkster  Dorsalflexion.  Auch  hier  genügte  ein  einfacher 
Zug  um  die  Luxation  auszugleichen  und  ein  einfacher  Verband  in 
dieser  Stellung,  um  binnen  Kurzem  rolle  Heilung  zu  bewirken. 
Verf.  betont,  gegenüber  Druitt,  die  Heilbarkeit  des  Leidens  (vergl. 
Centralbl.  f.  Chir.  1875.  No.  7  u.  No.  39).  PU*  (Stettin). 


HoflEtaianii.     lieber    Verletzungen    des    Kniegelenks    durch 
Kleingewehrprojectile  und  deren  Behandlung. 

(Deutsche  militärärztliche  Zeitschrift  1875.  Hft.  5). 

H.  hat  die  gesammte  neuere  Litteratur  über  Kniegelenkschuss- 
wunden in  sorgfältiger  Weise  gesammelt  und  kommt  nach  einer  detail- 
lirten  Vergleichung  der  mit  verschiedenen  Behandlungsmethoden  er- 
zielten Resultate  zu  folgendem  Eigebniss :  von  den  4  in  Anwendung 
gezogenen  Behandlungsweisen,  nämlich  der  rein  erhaltenden  Methode, 
der  Kesection,  der  Amputation  am  Oberschenkel  und  der  Exarticula- 
tion  des  Unterschenkels,  hat  die  Kesection  die  schlechtesten  Kesul- 
tate  geliefert;  die  Indicationen  dazu  seien  ohnehin  zu  wenig  zahlreich, 
um  ihr  eine  bleibende  Superiorität  zu  sichern.  Die  Exarticula- 
tion  des  Unterschenkels  dagegen  hat  alle  Aussicht,  bei  unverletz- 
tem Oberschenkelknochen  und  nur  massig  beschädigten  Weichtheilen 
die  Amputation  zu  ersetzen.  Zwischen  dieser  letzteren  und  der  erhalten- 
den Methode  werde  man  noch  lange  schwanken^  da  die  bisherigen  Erfah- 
rungen nicht  ausreichend  genug  seien,  um  die  Indicationen  für  jede 
derselben  zu  präcisiren.  Es  sei  jedoch  zu  berücksichtigen,  dass,  selbst 
wenn  mit  weiterer  Vervollkommnung  des  Verfahrens  die  conservirende 
Behandlung  von  Kniegelenkschusswunden  in  Zukunft  die  günstigsten 
Chancen  biete,  in  Kriegszeiten  doch  oft  genug  die  Ungunst  der 
Verhältnisse  der  Amputation  ihr  altes  Recht  verschaffen  werde. 

Am.  Hlller  (Berlin). 

W.  Stokes.     On  supra-condyloid  Amputation  of  the  thigh. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  sciencea  1S75.  Auguat.  p.  97.) 

Es  werden  zunächst  2  nichts  wesentlich  Neues  bietende  Kranken- 
geschichten von  Patienten  mitgetheilt,  bei  denen  die  oben  angeführte 
Operation  mit  sehr  gutem  Erfolge,  wie  2  beigegebene  Lithographien 
es  bezeugen  sollen,  gemacht  wurde.  St.  durchsägt  das  Femur  etwa 
V2 — V4  ^^'1  oberhalb  des  vorderen  oberen  Bandes  seines  Knorpel- 


764  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48. 

Überzugs,  erhält  ferner  die  durchsägte  Patella,  die  er  zur  besseren 
Befestigung  auf  der  unteren  Femurfläche  mittelst  eines  Catgutfadens, 
der  durch  die  Weichtheile  in  der  Nähe  des  unteren  Randes  der  Pa- 
tella und  der  hinteren  Fläche  des  Oberschenkelbeines  durchgestochen 
wird,  festnäht. 

Die  Vortheile,  welche  diese  Methode  mit  den  anderen  in  der 
Nähe  des  Kniegelenks  ausgeführten  tkeilt,  sind  folgende :  Der  Stumpf 
kann  als  Stütze  für  die  Anbringung  eines  künstlichen  Gliedes  dienen, 
wodurch  der  Kranke  in  den  Stand  gesetzt  wird,  mit  beweglichem 
Hüftgelenk  zu  gehen;  die  Neigung  zur  Sequesterbildung  ist  yermiiw 
dert,  ebenso  wie  die  Gefahr  und  die  Wahrscheinlichkeit  der  Ent- 
stehung einer  starken  Eiterung  und  Osteomyelitis. 

Specielle,  sie  vor  jenen  Methoden  aber  auszeichnende  Vortheile 
sollen  sein:  das  Bedecktsein  der  hinteren  Fläche  des  Lappens  mit 
Synovialhaut ,  wodurch  die  Neigung  zu  erschöpfender  Eiterung  und 
zu  purulenter  Infection  (?)  yermindert  werden  soll;  die  durüfaschnijt* 
tene  Patella  hat  weniger  Neigung  sich  zurückzuziehen,  verhindert 
deshalb  besser  Pyaemie;  der  Stumpf  wird  schöner  und  passender  zur 
Anbringung  einer  Prothese ;  der  normale  Ansatz  der  Extensoren  wird 
erhalten.  H^Braim  (Heidelberg). 


C.  Niooladoni«    Fhlebarteriectasia  spontanea  pedis. 

(Arch.  f.  klin.  Chirurgie  Bd.  XVIH.  Hft.  4.) 

Anknüpfend  an  den  in  demselben  Bande  des  Arch.  f.  klin.  Chi- 
rurgie mitgetheilten  Fall^  berichtete  N.  über  eine  Angiectasie des 
rechten  Fusses  und  Unterschenkels  bei  einem  2  2jährigen 
Mädchen;  das  Uebel  hatte  ohne  nachweisbare  Ursache  vor  3  Jahren 
angefangen.  Wegen  des  Näheren  auf  das  Original  verweisend ,  fähren 
wir  aus  dem  Status  an,  dass  der  Umfang  des  Fuss-  und  Chopar ti- 
schen Gelenks  an  der  kranken  Seite  um  2  Ctm.  gegenüber  der  ge- 
sunden vermehrt  war,  und  die  Temperatur  in  der  rechten  ersten 
Interdigitalfalte  29, 4°  C,  links  23,6°  C.  betrug.  N.  fuhrt  durch  Ver- 
gleichung  mit  dem  ersten  Falle  aus,  dass  die  grossen  Angiectasien ' 
der  Extremitäten  zuerst  mit  einer  cirsoiden  Erkrankung  der  Anasto- 
mosensysteme  der  Hohlhand  und  der  Fusssohle  (N.  schreibt  »Platt- 
fusses«)  beginnen.  Sie  stellen  zuerst  ein  Aneurysma  der  Anastomosen 
dar,  analog  den  racemosen  Aneurysmen  des  Kopfes.  —  Therapeutisch 
wurde  die  forcirte  Flexion  im  Hüft-  und  Kniegelenk,  ferner  die 
Digitalcompression,  Compression  der  Aneurysmen  durch  elastische 
Binden  und  Luftkissen, Tnstrumentalcompression  ohne  Erfolg  angewendet ; 
am  29.  Decbr.  v.  J.  die  Art.  cruralis  in  der  Mitte  des  Femur  unter- 
bunden. Hiemach  schwand  der  Venenpuls,  die  Randpartieen  des 
Aneurysma  der  Tibial.  post.  wurden  hart,  pulsirten  nicht  mehr;  im 
Ganzen  war  indessen  der  Erfolg  der  Unterbindung  nach  einiger  Zeit 
ein  kaum  nennenswerther.  Mm»  (Bniäau). 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48.  765 

Kleinere  Mittheilungen. 

Bruehl.    Ueber  eine  neue  bequeme  Methode  der  Harnstoffbestimmung. 
(Deutsche  Zeitschrift  für  praktische  Medicin  1875.  No.  28.) 

Bei  Gelegenheit  einer  grösseren  Reihe  yon  Harnstoffbestimmungen,  welche 
Verf.  ausführte,  wurde  der  von  Graham  Steell  in  Edinburgh  (Edinburgh  med. 
Journal  1874.  p.  146)  angegebene,  sehr  einfache  Apparat  benutzt.  Steell  war 
auch  der  erste,  welcher  mit  unterbromigsaurem  Natron  Harnbestimmungen  aus- 
führte. Der  erwähnte  Apparat  besteht  aus  folgenden  Theilen :  als  Entwick- 
lungsgef&ss  dient  eine  kleine  Flasche,  die  durch  einen  durchbohrten  Kautschuk- 
pfropfen verschlossen  ist.  Durch  denselben  geht  eine  gebogene  mit  einer  Kugel 
versehene  Glasröhre,  die  durch  ein  Stück  dünnen  Gummischlauchs  mit  einer  in 
einem  Stativ  (umgekehrt)  aufgestellten  graduirten  Bürette  mit  Glashahn  verbunden 
ist.  Die  Bürette  wird  mit  Wasser  gefüllt  und  taucht  in  ein  mit  HO  von  Zim- 
mertemperatur halbgefülltes  Glasgef&ss.  Die  Entwicklungsflasche  steht  in  einem 
Kühlgefäss.  Der  zu  untersuchende  Urin  wird  in  ein  kleines  Keagenzgl&schen 
gegossen,  in  die  zur  Aufnahme  der  Bromlauge  bestimmte  Entwicklungsflasche 
eingesetzt  oder  festgekittet.  Bei  Bereitung  der  Bromlauge  werden  100  Grm. 
Aetznatron  in  HO  gelöst  und  auf  1250  Grm.  verdünnt.  Die  durch  Einsetzen  in 
kaltes  Wasser  möglichst  stark  gekühlte  Lauge  wird  mit  25CC  Brom  versetzt,  kräf- 
tig geschüttelt  und  wiederum  gekühlt. 

Die  azotometrische  Stickstoffbestimmung  wird  nun  in  folgender  Weise  vorge- 
nommen : 

Von  dem  zu  untersuchenden  Harn  werden  je  nach  der  Concentration  3  oder 
5CC  in  das  kleine  Reagenzgläschen  und  etwa  30CC  der  Bromlauge  in  das  Ent- 
wicklungsgefäss  gegossen.  Nach  fester  Einsetzung  des  Kautschukpfropfen  wird 
das  Gefäss  in  kaltes  Wasser  gesetzt ;  nach  einigen  Minuten  wird  der  Gummischlauch 
mit  der  Bürette  verbunden  und  deren  Hahn  geöffnet.  Darauf  wird  das  Entwicklungs- 
gefäss  aus  dem  Wasser  genommen  und  etwas  geneigt,  sodass  ein  kleiner  Theil  des 
Urin's  aus  dem  Reagenzgläschen  ausfliesst  und  wird  mit  der  Bromlauge  leicht  ge- 
schüttelt. Diese  Procedur  wird  in  Pausen  mehrfach  wiederholt,  bis  der  Urin  völ- 
lig ausgeflossen  ist.  Erfolgt  keine  Gasentwicklung  mehr,  dann  wird  die  Flasche 
zur  Abkühlung  in  das  Kühlgefäss  gestellt.  Nach  1—2  Min.  wird  die  Bürette  in 
dem  Gefäss  gesenkt  und  gehoben,  bis  der  Wasserspiegel  in  beiden  gleich  ist, 
der  Hahn  der  Bürette  wird  geschlossen  und  das  Gummirohr  entfernt.  Das  Vo- 
lumen des  Stickstoffes  kann  nun  abgelesen  werden. 

TillmailllS  (Leipzig). 
Boismarin.     Morsure  de  vipöre^  mort;  traitement  ä  suivre. 
(Journal  de  med.  et  de  Chirurgie  prat.  1875.  Aoüt.  p.  350.) 

L:n  Anschluss  an  4  Fälle  von  Vipernbiss,  von  denen  der  eine  (12jähr.  Knabe) 
tödtlich  verlaufende  genauer  beschrieben  wird,  trägt  Verf.  seine  therapeutischen 
Ansichten  vor. 

Ein  Theil  des  Giftes  kommt  direct  in  die  Circulation  und  macht  die  bekann- 
ten Erscheinungen  (Uebelkeit,  Erbrechen,  Prostration). 

Ein  anderer  Theil  bleibt  in  der  Nähe  der  Wunde  und  verursacht  die  von  da 
mehr  oder  weniger  weit  sich  verbreitenden  Oedeme ,  deren  Serum  ein  vergiftetes 
ist  und  ebenfalls,  wenn  auch  langsamer,  in  die  Circulation  übergeht,  so  dass  In- 
dividuen, die  den  primären  Zufällen  widerstanden,  noch  nach  Tagen  zu  Grunde 
gehen  können. 

Wichtig  ist  also  die  Beschränkung  und  Abschliessung  des  Oedems  durch 
Ligatur  oberhalb,  durch  Erweiterung  der  ursprünglichen  Wunde,  Incisionen,  Scari- 
ficationen  oder  Functionen  der  geschwellten  Theile,  auch  durch  Schröpfköpfe, 
wobei  der  Ausfluss  durch  warme  Umschläge  zu  erhalten  ist. 

Die  allgemeine  Behandlung  beschränkt  sich  auf  die  bekannten  Reizmittel, 
worunter  das  Ammoniak  obenansteht,  das  aber,  auf  die  Wunde  direct  angewandt, 
keinen  Einfluss  zu  haben  acheint.  Pagensteoher  (Elberfeld). 


766  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48. 

Stamer  O'Q-rady.    Twelve  cases  of  excision  of  tumours. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  sciences  1875.  July.  p.  20.1 

Es  werden  in  dieser  längeren  Abhandlung  die  ausführlichen  Krankengeschich- 
ten von  12  Geschwulstexstirpationen,  meist  mit  guten  Abbildungen  des  Aussehens 
der  Neubildung  vor  der  Operation,  gegeben.  — 

I.  Geschwulst  (histologisch  nicht  untersucht)  der  Supraclaviculargegend ,  von 
welcher  ein  Theil  weit  hinter  der  Clavicula  hinabstieg,  ein  anderer  zwischen  Oeso- 
phagus und  Trachea  und  ein  dritter  zwischen  linker  Carotis  und  a.  subclavia  lag. 
Heilung.     2^/2  Jahre  später  ohne  Recidiv  gestorben. 

II.  Lipom  am  Hinterhaupt  und  im  Nacken.     Heilung. 

III.  Lipom,  mit  vielem  Bindegewebe  durchsetzt,  bei  ÖOjfihriger  Patientin,  in 
der  Parotisgegend.    Heilung. 

IV.  Gestielte,  seit  10  Jahren  bestehende  Geschwulst  in  der  Lumbargegend  bei 
einem  jungen  Mädchen.  Tod  74  Stunden  nach  der  Operation.  Herz  klein,  fettig 
degenerirt,  Wandungen  dünn.    Amyloide  Entartung  von  Leber  und  Niere.  — 

V.  Lipom  am  Damm.  Tod  an  Pyaemie.  Pat.  wollte  nach  Hause  gehen,  da 
die  Wunde  scheinbar  geheilt  war,  als  plötzlich  Fieber  mit  Frost  und  Schweissen, 
nebst  Schmerzen  in  der  Brust  und  verschiedenen  Gelenken  auftraten.  Section: 
Abscess  in  der  rechten  Lungenbasis.     Vereiterung  beider  Kniegelenke. 

VI.  Weiches  Carcinom,  in  grosser  Ausdehnung  den  Kücken  und  die  Lenden- 
gegend eines  45  Jahre  alten  Mannes  einnehmend.  Wunde  granulirte  gut;  nichts 
destoweniger  erholte  er  sich  nicht  mehr,  bekam  Athemnoth,  Schmerzen  in  der 
Hüfte  und  starb  bald  nachher  zu  Hause. 

VII.  Weicher  Krebs  in  der  Gegend  unter  dem  Ohre.     Heilung. 

VIII.  Lipom  in  den  Bauchdecken  eine  Hernie  vortäuschend.  Heilung  in  14Tagen. 

IX.  Lipom  in  der  Leiste  und  am  Schenkel  mit  der  Scheide  der  Femoralgefässe 
zusammenhängend.  Bei  der  Exstirpation  wurden  die  Gefässe  auf  mehrere  Zoll  hin 
frei  gelegt.     Heilung. 

X.  Fettgeschwulst,  8  Pfund  schwer,  an  der  äusseren  und  hinteren  Seite  des 
Schenkels.     Heilung. 

XI.  Lipom  mit  vielen  bindegewebigen  Septis  durchsetzt  in  der  Kniegegend: 
trotzdem  man  tief  in  die  fossa  poplitea  kam,  verschiedene  Venen  verletzte,  kam  die 
Heilung  dennoch  schnell  zu  Stunde. 

XII.  Melanotischer-  Tumor  von  £i-Grösse  über  der  fossa  supraclavicularis ;  die 
Heilung  ging  langsam  vor  sich ;  als  die  55jährige  Frau  V2  ^&hr  später  starb,  war 
noch  kein  Becidiv  wieder  aufgetreten.  H*  Braun  (Heidelberg). 

Bennett.      Fracture    of  the    skull  fatal   by  laceration  of  the  middle 

meningeal  artery. 
(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  Mai.  p.  479.] 
Ein  19jähriger  Mann  erlitt  Mittags  gegen  12  Uhr  durch  eine  fallende  Oerüst- 
stange  einen  Schlag  auf  den  Kopf,  wodurch  er  auf  einen  Haufen  Steine  hingeworfen 
wurde.     Anfangs  betäubt,   kam  er  bald  wieder  zu  Sinnen,   so  dass  er  mit  seinen 
Pferden   einen  weiten  Weg  nach  Hause  machen  konnte;   später  fand  man  ihn  im 
Stalle  liegend  und  brachte  ihn  um  5  Uhr  ins  Hospital    mit  kleinem,   schwachem 
Pulse,  langsamer  stertoröser  Respiration,  linksseitiger  Lähmung.  1  Stunde  später  Tod. 
Section  ergiebt  Bluterguss  über  den  ganzen  Scheitel  und  beide  Schläfen,  aus- 
serdem zwischen   Schädel  und  dura  mater  ein  starkes,   das   Gehirn  comprimiren- 
des,   und  durch  eine  Fissur  des  Schläfenbeines  entstandenes  Blutcoagulum ,  dass 
die  zerrissene  rechte  a.  meningea  media  einschliesst. 

H*  Brami  (Heidelberg). 
J.  A.  Marques.      Anivrisme   de   la   carotide   externe,    guiri   par  h 

compression  digitale. 
(Oaz.  hebdom.  1875.  No.  6.) 
Ein  SOjähriger  Portugiese  verspürte  seit  1  Jahre  leichte,  intennittiiende  Sehmer- 
zen im  Halse  und  rechten  Ohre.    Den  31.  August  1874  stellte  ein  Arzt  die  Diag- 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48.  767 

nose:  Aneurysma  der  Carot  extern,  dextr.  Es  wurde  die  Digitalcompression 
Tersucht.  In  den  ersten  10  Tagen  ward  die  Compression  5  Stunden,  in  den 
folgenden  25  Tagen  tÄgKch  10 — 12  Stunden  geübt.  Die  Geschwulst,  auf  welche 
eine  Eisblase  gelegt  wurde,  war  am  Ende  dieser  Zeit  hart,  kleiner,  doch 
pulsirte  sie  noch  immer.  Fat.  verlor  die  Geduld  und  reiste  fort.  —  Nach  einiger 
Zeit  steigerten  sich  aber  die  Schmerzen  im  Ohre  und  in  der  Geschwulst  zu  uner- 
träglicher Heftigkeit.  Fat.  Hess  sich  in's  Spital  aufnehmen.  Wieder  die  Digital- 
compression versucht,  am  1.  Tage  durch  7  Stunden  hintereinander.  Nach  halb- 
stundiger  Compression  bekam  Fat.  eine  Ohnmacht,  die  in  der  horizontalen  Lage 
schwand,  daher  später  immer  in  dieser  Lage  oomprimirt  wurde.  Auf  der  Geschwulst 
lag  eine  Eisblase;  innerlich  nahm  Fat.  Digitalis.  Die  Digitalcompression  wurde 
mit  2-  bis  12 tagigen  Fausen  fortgesetzt,  bald  durch  10  Stunden,  einmal  durch 
12  Stunden,  selbst  bis  zu  41  Stunden. 

Im  Beginn  der  6.  Woche  war  völlige  Heilung  erzielt,  doch  wurde  Vorsichts 
halber  auch  jetzt  noch  eine  Woche  lang  taglich  3  Stunden  comprimirt. 

Die  OhnmachtszufUle  im  Beginne  der  Behandlung,  wohl  auch  begünstigt  durch 
die  aufrechte  Fosition  des  Fat.,  blieben  späterhin  ganz  weg.  M.  erklärt  dies  aus 
der  allmäligen  Entwickelung  des  CoUateralkreislaufes ,  wodurch  die  anfangs 
während  der  Compression  der  einen  Carotis  eintretende  Gehimanaemie  beseitigt 
wurde.  —  Die  Schlaflosigkeit  nach  der  Heilung  glaubt  Verf.  ebenfalls  mit  der  stär- 
keren Blutzufuhr  zum  Gehirn  in  Zusammenhang  bringen  zu  müssen.  —  Innerhalb 
40  Tagen  war  die  Compression  im  Ganzen  283  Stunden  geübt  worden. 

Fr.  Stelner  (Wien). 

E.  Albert.     Die  Ovariotomie  in  Tirol. 

(Wiener  med.  Fresse  1875.  No  34  u.  35.) 

Die  erste  Ovariotomie  in  Tirol  wurde  von  Dr.  J.Lieb  l  ausgeführt ;  vorher 
wiederholte  Functionen.  Bei  der  Ovariotomie  wurde  ein  kindskopfgrosser,  harter 
Tumor  entfernt.  Eine  breite  Adhäsion  am  Dünndarm,  mit  dem  Messer  gelöst. 
Exitus  letal,  nach  4  Wochen  durch  Feritonitis. 

Die  2.  Ovariotomie  (Dr.  L  an  t  sehn  er)  betraf  eine  28jährige,  ledige  Fat.  — 
Dünne  Cystenwand,  keine  erheblichen  Adhäsionen.  Bei  einem  Hustenstoss  der 
Fat.  platzte  die  Cyste ,  deren  Inhalt  in  die  Bauchhöhle  floss.  Der  lange ,  dünne 
Stiel  in  der  Bauchwunde  mit  Acupressumadeln  befestigt.  Tod  durch  Feritonitis 
in  wenigen  Tagen. 

1874  operirte  A.  eine  25jährige  Fat.  Einfache  Cyste;  ohne  Adhäsionen;  kur- 
ier Stiel,  dÄher  versenkt.  Am  3.  Tage  Tod  durch  Feritonitis.  A.  schiebt  den  un- 
günstigen Ausgang  auf  die  schlechten  Spital  Verhältnisse. 

Bei  einer  2.  Fat.,  die  7 Male  zuvor  punctirt  worden  war,  machte  A.  die  Ova- 
riotomie (1875).  Adhäsion  der  Cyste  mit  clem  Netze,  theils  stumpf,  theils  mit  Messer 
getrennt;  Stid  in  die  Klammer  gelegt;  seine  Schnittfläche  mit  ferr.  cand.  cauterisirt 
und  mit  ferr.  sesquichlor.-Krystallen  bestreut.  An  der  Bauch  wunde  Knopfnähte. 
Langanhaltender  Meteorismus  und  andauerndes  Erbrechen,  Diarrhoeen  und  Blasen- 
katarrh verzögerten  späterhin  die  endliche  Heilung.  Fr«  Steiner  (Wien). 

M.  Dauphin.    Lythiase  renale.  Pyelite  suppur^e. 

(Fresse  m^dicale  Beige  1875.) 

Eine  40  Jahre  alte  Frau  bemerkte  im  Januar  1875  eine  Geschwulst  in  der 
rechten  Weiche,  die  allmälig  wuchs.  Ein  Arzt  incidirte;  es  entleerte  sich  eine 
grosse  Eitermenge.  Die  Incisionsöffnung  wurde  fistulös,  secernirte,  die  Umgebung 
war  andauernd  geschwollen  und  schmerzhaft.  Fat.  kam  sehr  herunter.  Da  eine 
Sondirung  der  Fistel  verweigert  wurde,  kam  nur  eine  begleitende  Diarrhoe  mit 
kurzem  Erfolg  in  Behandlung.  Es  stellten  sich  profuse  Schweisse  und  hektische 
Fieber  ein;  Fat.  starb  Ende  Mai  1875.  Die  Autopsie  zeigte  massenhafte  peritoni- 
tische  Adhäsionen.  Die  Fistel  führt  in  eine  weite  Höhle»  die  von  der  sehr  derben 
Kapsel  der  rechten  Niere  und  der  zu  einer  dünnen,  mehrf&cherigen  Schale  aus- 


768  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  48. 

gedehnten  eigentlichen  Nierensubstanz  begrenzt  wird.    Den  Inhalt  bildet  blutiger 
Eiter,  mit  zahlreichen  kalkartigen  Steinchen. 

Der  rechte  Urether  ist  in  seinem  oberen  Theile  stark  ausgedehnt,  in  seinem 
unteren  in  einen  fibrösen  Strang  verwandelt ;  als  Ursache  des  Verschlusses  findet  sich 
ein  4  Ctm.  langer,  IV2  Ctm.  breiter  Stein. 

Die  linke  Niere  zeigt  einen  geringen  Grad  von  interstitieller  Nephritis. 

A.  Genzmer  (Halle). 
Tarnier.     Fissure  ä  Tanue;  jodoforme. 

(Journal  de  m6d.  et  de  Chirurgie  prat.  1876.  Aodt.  p.  343.) 

Jodoform  aufgepulvert  und  mit  Wattetampon  in  das  Rectum  eingeführt,  brachte 
in  kurzer  Zeit  die  Heilung  einer  sehr  schmerzhaften  und  allen  anderen  Mitteln 
(Indsion  nicht  angewandt)  trotzenden  Fissur  zu  Stande.  Die  Linderung  der 
Schmerzen  war  sofort  da.  Pagensteeher  (Elberfeld). 

Fistules  k  Tanue.     Fer  rouge. 

(Journal  de  m^d.  et  de  Chirurgie  prat.  1875.  Aoüt.  p.  348.) 

Empfehlung  des  Glfiheisens,  in  sehr  ezacter  Weise  und  intensiv  angewandt  mit 
angeblich  rascher  Heilung.    AnfQhrung  von  drei  Fällen. 

Hernie  etrangl^e,  operee  et  guerie  chez  un  enfant  de  treize  mois ;  su- 

tiue  profonde  et  superficielle  apr^s  la  k^lotomie. 

Ibid.  p.  348. 
Bei  einem  13monatlichen  Knaben  wurde  eine  eingeklemmte  Leistenhernie  mit 
im  Abdomen  zurückgebliebenem  Hoden  nach  erfolglosen  Taxisversuchen  glücklich 
operirt.    Zur  Schliessung  der  Wunde  wird  oberflächliche  und  tiefe  Naht  abwechselnd 
(in  bekannter  Weise)  empfohlen.  Pagensteeher  (Elberfeld). 

L.  Championniere*   H^morrhagie  de  la  paume  de  la  main,  emploi  de 

Tappareil  d'Esmarch. 

(Journal  de  med.  et  de  Chirurgie  prat.  1875.  Aoüt.  p.  345.) 
1 5  Tage  nach  tiefer  Stichwunde  des  Daumenballens  durch  Olassplitter  mit  sich 
wiederholenden   gefährlichen   Blutungen,    und   nachdem    häufige  Misshandlungen 
der  Wunde  mit  Eisenchlorid  vorangegangen  waren,  wurde  unter  künstlicher  Anaemie 
die  angeschnittene  Arterie  doppelt  unterbunden. 

Pagensteelier  (Elberfeld). 
Hulke.    Arterio-venous  aneurism  in  the  thigh  caused  by  a  pistol-shot. 

(Clinic.  soc.  of  London.) 
(Med.  tim.  and.  gaz.  1875.  28.  August,  p.  251.) 
Der  44jährige  Patient  hatte  vor  3  Jahren  einen  Pistolenschuss  in  den  rechten 
Oberschenkel  erhalten ;  die  Eingangsöffnung  befand  sich  5  Zoll  senkrecht  unterhalb 
der  crista  oss.  iL  und  473  Zoll  von  der  spin.  ant.  sup.,*  die  unter  der  Haut  liegende 
Kugel  wurde  in  ihrer  Form  unverändert  auf  der  Innenseite  des  Schenkels  71/2  Zoll  un- 
terhalb des  Schambeines  bald  nach  dem  Unfall  herausgeschnitten.  Etwa  ein  Weinglas 
voll  Blutverlust.  Schnelle  Heilung  der  Wunden;  bettlägerig  war  Fat.  nur  den 
ersten  Tag.  Unter  Schmerzen  schwoll  allmälig  das  Bein  an.  Jetzt  Anschwellung  des 
ganzen  Beines  mit  Venenectasieen,  Unterschenkel-Eczem  und  einem  FussgeschwQr. 
Arterie  und  Vene  bis  zur  Verwundungsstelle  stark  erweitert,  letztere  pulsirt 
synchron  mit  der  Arterie,  und  sind  Geräusche  über  ihr  hörbar.  Compression  der 
Arterie  lässt  die  Geräusche  und  die  Pulsation  sofort  verschwinden.  Nach  vergeb- 
lichen Heilungsversuchen  mittelst  verschiedener  Compressorien  wird  Fat.  mit  einem 
elastischen  Strumpfe  entlassen.  Bänke  (Halle). 

Originalmittheilungen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H,  TillnumnSf  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlmig, 
Breiikopf  und  Härtely  einsenden. 


Drnck  und  Verlag  von  Breitkopf  und  Hftrtel  ia  Leipiig. 


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Dr.  L.  Lesser,  Dr.M.ScMe,  Dr.  H.  TUImbius 

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N2;  49»  Sonnabend,  den  4.  December.  1875e 


Inhalts  Schweninger,  Transplantation  und  Implantation  ^on  Haaren.  -^  Quisti  Urkund- 
liche Nachrichten  über  das  eiste  Auftreten  der  Syphilis  im  15.  Jahrhundert.  —  Marck« 
waM,  Verdauung  und  Resorption  im  Dickdarm.  —  Moslly  Salicylsäare  und  salicylsaures 
Natron.  —  Shilkln,  Extravasation  von  Blutkörperchen  durch  unverletzte  Gefässwände.  — 
Gosselin,  Knochenabscesse.  —  Nitsche,  Behandlung  von  Verbrennungen.  —  v.  Platen, 
£lnflu8s  des  Auges  auf  den  thierischen  Stoffwechsel.  —  Senftleban,  Ursachen  und  Wesen 
der  Hornhautaffection  nach  Durchschneidung  des  Trigeminus.  —  Watson,  Exstirpation  der 
SrhilddrGse.  —  v.  Braun-Femwaldy  Flexionen  des  Uterus.  —  Andrejew,  Aetiologie  der  fibrö- 
sen Oebarmuttergeschwülste.  —  Charles,  Behandlung  des  offen  gebliebenen  Urachus. 

Stroganow,  Complication  von  Elephantiasis  Arabum  mit  Krebs.  —  Balley,  Wachsthums- 
Hemmung.  —  Regnault,  Obliteration  beider  Gehörgänge  durch  Gyps.  —  Mac  Eweil^  Schädel- 
verletzungen und  Gehirnkrankheiten.  —  Gayraud,  Wirbelf ractur.  —  Parks,  Fremdkörper 
im  Larynx.  —  Fochler,  Rectumpolyp.  —  Trilat;  Completer  Dammriss.  —  GrDnfeldf 
Endoscop  bei  Harnröhreustricturen.  —  Bouteiller,  Scrotal-Phimose.  —  O'Leary ,  Nabel- 
bruch. —  Ashhursty  Ruptur  der  art.  iliaca.  —  Tapret  &  Chenat,  Abrelesung  der  unteren 

Oberschenkel-Epiphyse. 


E.  Schweninger.     Ueber  Transplantation   und  Implantation 

von  Haaren. 

(Zeitschrift  f.  Biologie  Bd.  XI.  p.  341—380.) 

Durch  zahlreiche  Versuche  nach  dem  Vorgang  von  R6verdin 
ist  erwiesen,  dass  lebensfähige  Epidermis  durch  Transplantation  zu 
Regeneration  und  Neubildung  Veranlassung  geben  kann.  Dagegen  la- 
gen über  Transplantation  von  Haaren  bisher  keine  genügenden  Versuche 
vor  und  doch  erscheinen  die  anatomischen  Verhältnisse  mit  der  Wur- 
zel ausgerissener  Haare  für  die  Transplantation  a  priori  nicht 
ungünstig;  auch  hier  haben  wir  Epithelialzellen  und  Theile  des 
rete  Malpighi;  denn  einmal  sind  die  äusserten  Zellenlagen  der  äus- 
seren Wurzelscheide  pigmentirt  und  genetisch  mit  den  untersten 
Zellen  des  Malpighi'scheh  Netzes  identisch  und  zweitens  ist  der 
Haarknopf  zuletzt,   d.  i.  ganz  unten,  von  Zellen  umgeben,  die  voll- 

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ständig  mit  denen  des  rete  Malpighi  übereinstimmen  und  ebenso  wie 
die  letzteren,  besonders  bei  dunkelhaarigen  Menschen  und  Thieren, 
eigentliche  Pigmentzellen  darstellen. 

Bekanntlich  sind  die  mit  Haarschäften  allein,  ebenso  wie  mit  ab- 
geschabter Epidermis  angestellten  Transplantationen,  vollständig  miss- 
glückt.  Schw.  prüfte  daher,  ob  eine  Transplantation  von  Haaren,  deren 
Wurzel  mit  ausgerissen  war,  eine  Wirkung  auf  die  Wundheilung 
äussert.  Diese  auf  der  v.  Nus sb au m' sehen  Klinik  angestellten  Ver- 
suche hatten  meist  ein  auffallend  günstiges  Resultat.  Das  Verfahren  be- 
stand darin,  dass  von  Menschen  ausgerissene,  mit  Wurzel  versehene 
Haare  auf  Granulationen  einfach  aufgelegt  oder,  was  seltener  geschab, 
in  dieselben  leicht  eingesteckt  wurden.  Dann  wurde  der  grösste  Theil 
des  herausragenden  Schaftes  abgeschnitten,  die  Transplantationsstelle 
mit  protective  silk  bedeckt  und  darüber  ein  leichter  Carbolverband 
angelegt.  Die  Transplantation  geschah  auf  möglichst  gute  Granula- 
tionen von  Verbrennungswunden,  Fussgeschwüren ,  nach  Abstossung 
gangränöser  Hautfetzen  u.  s.  w.  In  den  meist  günstigen  Fällen  war 
das  Resultat,  dass  von  einer  aufgelegten  Haarwurzel  aus, 
wenn  diese  von  der  äusseren  Wurzelscheide  umgeben  ist, 
auf  Geschwüren  Henarbungscentren  ausgehen  können, 
die  fest  und  innig  mit  den  darunter  liegenden  Granula- 
tionen verwachsen.  Selten  nach  24  Stunden,  meist  nach  3 — 5 
Tagen  zeigt  sich  über  den  Granulationen  ein  feines  Häutchen,  der 
Rand  desselben  verbreitert  sich  mehr  und  mehr,  nie  aber  über  Sech- 
sergrösse.  Die  Vergrösserung  geschieht  nicht  überall  gleichmässig, 
so  dass  dabei  Fortsätze  und  Zacken  entstehen,  die  besonders  in  der 
Nähe  der  Randbehäutung  sich  bilden,  wodurch  eine  rasche  Vereinigung 
der  gegenüberliegenden  Ränder  herbeigeführt  wird.  Bezüglich  der 
Haare  glaubt  Schw.,  dass  nach  vollendeter  Verwachsung  der  Haar- 
scheiden,  mit  der  unter-  oder  anliegenden  Fläche  die  Haarschafte  aus- 
fallen. Die  Benarbung  geschieht  ausschliesslich  nur  von  den  Rändern 
her,  also  da,  wo  Epithel  sitzt,  das  proliferiren  kann.  Die  Angaben  über 
Regeneration  des  Epithel  aus  Bindegewebs-  und  Wanderzellen,  müssen 
dem  gegenüber  zurücktreten,  wenigstens  spricht  für  letztere  nach 
Schw.  auch  nicht  eine  einzige  Thatsache. 

Eine  zweite  Versuchsreihe  beschäftigt  sich  mit  der  Implantation 
frisch  ausgerissener,  mit  Wurzel  und  Wurzelscheide  versehener  Haare 
in  die  vordere  Augenkammer.  Schon  Dooremal  hatte  nach  Im- 
plantation eines  Haares  in  die  vordere  Augenkammer  von  Hund  und 
Kaninchen  gesehen,  dass  von  der  umgebenden,  verdickten  Iris  aus 
eine  Wucherung  ausgehe,  die  aus.  ramificirten,  reichlich  vascularisirten 
Papillen  bestand.  Dann  hatte  Goldzieher  bei  Kaninchen  gefunden, 
dass  das  implantirte  Gewebe  sehr  bald  mit  der  Iris  verklebt  und  an 
seiner  Stelle  auch  nach  Wiederausammlung  des  Kammerwassers  liegen 
bleibt,  dort  anheilen,  schrumpfen  oder  weiter  wachsen  kann.  Schw. 
durchstach  mit  einer  feinen  Nadel  die  Cornea  meist  central,  führte 
dann  ein  von  den  Augenlidern  oder  der  Scfanau2e  auflgerissenes  Haar 


Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  49.  771 

in  die  Stichöffiiung  ein  und  brachte  es  möglichst  sorgfältig  auf  die  tot- 
dere  Irisfläche.  Ein  Occlusionsverband  erwies  sich  als  unnütz^  wenn  nur 
der  Haarschaft  nahe  der  Hornhaut  abgeschnitten  wurde.  Meist 
blieben  die  Haare  ohne  alle  Reaction  auf  der  Iris  liegen, 
selten  traten  starke  Reizerscheinungen  ^  wie  Eiterung  auf,  niemals 
ging  ein  Auge  an  Panophthalmitis  zu  Grunde.  In  1 2  Versuchen  er* 
wies  sich  die  Operation  in  der  Regel  als  ein  durchaus  geringer  Ein- 
griff. Ohne  alle  Reaction  blieben  die  Haare  sowohl  auf  der  Hinter- 
fläche  der  Hornhaut,  als  vom  auf  der  Iris  Tage  und  Wochen  lang 
liegen,  die  Hornhaut  selbst  zeigte  meist  nur  in  nächster  Umgebung 
des  Einstiches  eine  geringe  Trübung,  der  Haarschaft  blieb  in  ihr 
stets  beweglich.  Kommt  dagegen  das  Haar  mit  seiner  Wur- 
zelscheide auf  die  Iris  zu  liegen,  so  bildet  letztere  um 
die  Haarwurzel  herum  allmälig  einen  Ueberzug,  der  dann 
längs  des  Schaftes  nach  der  Hornhaut  zu  fortzieht.  Erreicht  die 
Spitze  dieses  kegelförmigen  Ueberzuges  die  Hornhaut,  so  kann  sich 
dort  eine  vollständige  vordere  Synechie  ausbilden.  Unter  dem  Mikroskop 
sieht  man  dann,  dass  das  pigmentreiche  Gewebe  der  Iris  oft  ziemlich  weit 
in  die  Hornhaut  hinein  sich  erstreckt;  allmälig  greifen  die  Faserzüge 
von  Hornhaut  und  Iris  in  einander  und  bilden  ein  zusammenhängen- 
des faseriges  Gewebe.  Von  den  Zellen  der  Haarwurzelscheide  aus 
entsteht  nach  ihrem  ursprünglichen  Typus  eine  selbständige  Wuche- 
rung; von  Seiten  der  die  Haarwurzel  umgebenden  Zellen  der  äusseren 
Wurzelscheide  tritt  leicht  Verwachsung  ein ;  es  verschmelzen  die  ver- 
ästeten Zellen  der  Iris  nicht  nur  eng  mit  den  Zellen  der  Wurzelscheide, 
sondern  schicken  auch  Fortsätze  in  sie  hinein.  Die  vollkommen 
normal  und  gut  erhaltenen  Epithelien  der  Wurzelscheide  nehmen  nicht 
selten  Pigment  aus  der  umgebenden  Iris  in  sich  auf.  —  Eine  Anzahl 

Zeichnungen  erläutern  die  angedeuteten  Verhältnisse. 

J.  Mank  (Berlin) . 


C.  Quist.     Die  neueren  urkundlichen  Nachrichten  über  das 
erste  Auftreten  der  Syphilis  im  15.  Jahrhundert. 

(Virchow's  Archiv  Bd.  LXIV.  p.  307.) 

Prof.  A.  Corradi  (Pavia)  hat  aus  italienischen  Quellen  eine  be- 
deutende Zahl  bisher  zum  grossen  Theil  ungedruckter^  sämmtUch  aber 
von  der  geschichtlichen  Forschung  noch  nicht  benutzter  Schriftstücke^ 
die  Syphihsepidemie  vom  Jahre  1490  betreffend^  veröffentlicht; 
die  wichtigsten  derselben  werden  mitgetheilt.  Mit  grösserer  Sicher- 
heit lassen  sich  aus  ihnen  die  schon  oft  gemachten  Schlüsse 
ziehen^  dass  die  Krankheit  sich  um  den  in  Frage  stehenden  Zeitpunct 
als  eine  vollkommen  neue  pathologische  Erscheinung  geltend  machte, 
dass  man  sich  über  ihren  Ursprung  anfangs  keine  Meinung  zu  bilden 
vermochte,  dass  man  9ehr  bald  des  Zusammenhanges  der  am  häufigsten 
an  den  Genitalien  auftretenden  primären  Afifection  mit  den  consecuti- 
ven  Symptomen  inne  ward,  dass  unter  den  letzteren  die  Hautefflores- 

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cenzen  die  erste  und  am  meisten  in  die  Augen  fallende  Stelle  ein-* 
nahmen^  dass  aber  auch  schon  damals  die  Gaumen-  und  Rachenaf- 
fectionen  sich  hinreichend  bemerklich  machten;  dass  auch  tiefe  Zer- 
störungen an  der  Nase  und  anderen  Theilen  yorkamen^  dass  die 
Mercurialbehandlung^  so  früh  sie  auch  aufgekommen  sein  mag^  doch 
in  der  allerersten  Zeit  nicht  geübt  wurde^  dass  bereits  in  sehr  früher 
Zeit  die  Meinung  vom  westindischen  Ursprünge  der  Seuche  sich  zu 
bilden  begann. 

Q.  kritisirt  femer  einige  Versuche  Anderer,  durch  neue  beige- 
brachte urkundliche  Schriftstücke  zu  beweisen,  dass  die  Syphilis  be- 
reits vor  den  Jahren  1494 — 1496  epidemisch  in  unserem  Erdtheil 
vorgekommen  sei.  Er  findet  einen  charakteristischen  Unterschied 
zwisdien  der  Zeit  vor  und  nach  der  für  die  Syphilisgeschichte  kriti- 
schen Epoche.  Dort  einige  vereinzelte  Fälle,  aus  welchen  nicht  ohne 
den  grössten  Zwang  die  constitutionelle  Syphilis  herausdemonstrirt 
werden  kann ,  hier  dagegen  gehäufte  Berichte  über  eine  neue ,  sich 
mit  ungemeiner  Schnelligkeit  über  den  ganzen  Welttheil  deutlich 
epidemisch  verbreitende,  aber  sofort  als  Syphilis  erkennbare  Krankheit. 

Madelimg  (Bonn). 

M.  Marckwald.  Ueber  Verdauung  und  Resorption  im  Dick- 
darme des  Menschen  (physiolog.  Institut  von  Prof.  Kühne). 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXIV.  p.  505.) 

Verf.  benutzte  zu  seinen  Experimenten  den  merkwürdigen 
Patienten  mit  grossem  Anus  praeternaturalis  an  der  Uebergangsstelle 
des  Coecum  in  das  Colon  asceudens^  an  welchem  Prof.  Simon  zuerst 
nachwies^  dass  grosse  Flüssigkeitsmengen  vom  Anus  aus  in  wenigen 
Minuten  und  ganz  schmerzlos  bis  in  das  Colon  und  zur  Ueocoecal- 
klappe  vordringen.  Bei  diesem  Pat.  war  es  möglich^  den  Blinddarm 
aus  dem  Scrotum,  in  welchem  er  gewöhnlich  lag,  durch  die  Fistel- 
öfinung  hervorzustülpen  und  Ileocoecalklappe  und  Eingang  in  den 
Processus  vermiformis  aufzufinden.  Die  Experimente  konnten  also 
an  einem  in  seiner  ganzen  Länge  zugänglichen  und  vollkommen  iso- 
lirten  Dickdarm  vorgenommen  werden.  Die  Schleimhaut  desselben 
zeigte  keine  Abnormitäten,  die  Temperatur  war  genügend  hoch,  die 
Peristaltik  eine  sehr  rege.  —  Weder  ausserhalb  noch  innerhalb  des 
Organismus  vermochte  der  Darmsaft  Stärkekleister  in  Zucker  umzu- 
wandeln. Im  Saft  des  menschlichen  Dickdarms  ist  kein  zucker- 
bildendes  Ferment  vorhanden.  Weder  Fibrin,  noch  coa- 
gulirtes  Hühnereiweiss  wird  im  menschlichen  Dickdarm  verdaut. 
Zwar  ergaben  die  Faeces  nach  Fibrin-  und  Eiweisseinführung  neben 
den  unveränderten  Eiweisskörpem  die  Büdung  von  Peptonen  und 
Tyrosin.  Der  faule  Geruch  aber,  die  Anwesenheit  der  Vibrionen, 
das  Auftreten  von  Indol  wiesen  auf  Fäulnissprocesse  hin,  welche 
ebenfalls  zur  Entstehung  dieser  Stoffe  führen  und  auch  die  über  50  % 
betragende   Abnahme  der  in  den   Darm  eingeführten   Massen  in  der 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  49.  773 

Hauptsache  erklären  konnten.  Noch  sichereren  Beweis  lieferte  die 
Berechnung  aus  dem  Stickstoffumsatz ^  welche  zeigte,  dass  bei  Ei- 
weisszufuhx  in  den  Dickdarm  kein  vermehrter  Eiweissumsatz  stattfand. 
Bei  Prüfung  der  Resorptionsfähigkeit  des  Dickdarms  ergab  sich,  dass 
die  Resorption  eine  ziemlich  langsame  ist  und  250  Grm.  H2O  min- 
destens 12  Stunden  zur  Resorption  erforderten,  dass  Peptone  in  con- 
centrirter  Form  und  grösserer  Quantität  den  Darm  stark  reizen  und 
Diarrhöen  erzeugen,  daher  nicht  zur  Resorption  gelangen.  Ueberlässt 
man  die  Bildung  von  Peptonen  der  Dickdarmfäulniss ,  so  findet  Re- 
sorption, wenngleich  in  sehr  beschränktem  Massstab,  statt.  Flüssiges 
Eiweiss  als  solches  geht  von  der  Dickdarmschleimhaut  aus  nicht  in 
die  Circulation  über,  weder  mit  noch  ohne  ClNa-Zusatz.  Kochsalz- 
zusatz bewirkt  im  Gegentheil  nur  locale  und  allgemeine  Reizerschei- 
nungen, Diarrhoen.  —  Der  Einfluss  des  Dickdarmsaftes  auf  Fette  wurde 
nicht  studirt.  —  Auch  diese  Experimente  bewahrheiten  die  von  Kühne 
und  Leube  gefundenen  Thatsachen.  Lange  wird  man  Kranke  allein 
durch  Fleisch-Pancreas-Klystiere  allerdings  nicht  ernähren  können. 
Die  Resorption  des  Dickdarmes  ist  zu  gering,  die  Ghrenze  für  die 
Einführung  grösserer  Massen  zu  schnell  erreicht,  die  Consistenz  der 
Klystiere  hindert  dieselben  höher,  als  in  den  Mastdarm  vordringen  zu 
lassen.  Bei  vorübergehenden  Krankheiten  im  oberen  Theil  des  Ver- 
dauungstractus,  sowie  nach  Operationen  im  Schlünde  und  Oesophagus 
werden  die  Klystiere  dennoch  eine  lebensrettende  RoUe  spielen  können. 

Madeinng  (Bonn). 

Moeli.      lieber  den  Ersatz  der    Salicylsäure  als  Antifebrile 

durch  das  salicylsäure  Natron. 

(Berliner  klin.  WochenBchrift  1875.   No.  38.) 

Verf.  empfiehlt  das  als  Antisepticum  weniger  stark  als  Salicylsäure 
wirkende  salicylsäure  Natron  als  Antifebrile.  Dosen  von  4 — 5  Grm. 
des  gelösten  Salzes,  dessen  übler  Geschmack  durch  Extr.  Liq.  und 
Nachtrinken  von  Portwein  corrigirt  wurde,  erwiesen  sich  als  die 
Fiebertemperatur  stark  herabsetzend,  besonders,  wenn  eine  zweite 
Dose  in  Zeit  von  4 — 16  Stunden  folgte,  wie  Buss  schon  für  die 
Wirkung  der  Salicylsäure  erwiesen.  Auch  per  Klysma  und  subcutan 
angewandt  zeigte  sich  das  Mittel  wirksam.  —  Der  Abfall  erfolgte  in 
der  Hälfte  der  Fälle  unter  reichlichem  Schweisse,  Ohrensausen  wurde 
öfter  bemerkt,  in  einzelnen  Fällen  Erbrechen.  Bei  Gesunden  schien 
keine  Temperaturbeeinflussung  aufzutreten.  Subcutan  bewirkt  das 
Mittel  grosse  Schmerzen,  wenn  es  nicht  ganz  neutral  ist.  Im  Gegen- 
satz zur  hohen  antrfebrilen,  aber  schwachen  antiseptischen  Eigenschaft 
des  Natronsalicylates  hebt  Verf.  die,  durch  früher  von  ihm  angestellte 
Versuche  gefundene,  geringe  antifebrile  Wirkung  der  stark  antisep- 
tischen Benzoesäure  hervor.  v.  Moseagell  (Bonn). 


774  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  49. 

M.  Shilkin.     Bedingungen  der  Extravasation  von  Blutkörpei^ 

chen  durch  unverletzte  Gefässwände. 

Inaug. -Dies.  Petersburg  1875  (russbch). 

Untorsuchungen  an  Froschzungen.  Diese  wurden  mechanisch 
ausgedehnt,  ferner  wurden  verschiedene  chemische  Stoffe  (ClNa,  Kali- 
Salze,  Chinin,  Morphium^  Codein^  Atropin^  Zucker  u.  s.  f.)  in  die  hin- 
teren Lymphsäcke  eingespritzt  oder  die  Zungenvenen  unterbanden. 
Jede  Beobachtung  dauerte  2 — 8  Stunden,  wonach  die  Zunge  mit 
Unterkiefer  abgeschnitten  und  in  Müller' scher  Flüssigkeit  gehärtet 
wurde.     Die  Schlussfolgerungen  sind: 

Extravasation  weisser  und  rother  Blutkörperchen  kommt  durch 
erhöhten  Seitendruck  des  Blutes  zu  Stande.  Beide  Arten  von  Kör- 
perchen  extra vasiren  auf  demselben  Wege  —  durch  das  Endothel.  Die 
rothen  treten  vereinzelt,  oder  in  seltenen  Fällen  zu  2 — 3  zusammen 
durch.  In  engen  Capillaren,  welche  nur  ein  rothes  Blutkörperchen 
durchlassen,  kommt  keine  Extravasation  vor.  Die  Extravasation  der 
rothen  Körperchen  wird  durch  Bildung  von  Fortsätzen  b^ünstigi. 
Bei  Unterbindung  der  Zungenvenen  extravasiren  nur  rothe  Blutkör- 
perchen. Bei  mechanischer  Dehnung  der  Zunge  oder  Unterbindung 
der  Venen  ist  die  Extravasation  der  rothen  Blutkörperchen  viel  stärker, 
als  nach  Injection  von  chemischen  Substanzen.  Einfuhrung  grosser 
Quantitäten  ClNa  etc.  hat  keinen  directen  Eiufluss  auf  Verstärkung 
der  Extravasation.  Bei  mechanischer  Zerrung  der  Zunge  hält  Injec- 
tion verschiedener  chemischer  Stoffe  die  Extravasation  nicht  auf.  In 
gewissen  Grenzen  kommt  auch  bei  normalen  Verhältnissen  eine 
Extravasation  von  Blutkörperchen  vor.  Weisse  Blutkörperchen  pas- 
siren  die  Gefässwand  rascher,  als  rothe.  W.  Gmbe  (Charkow). 


OoBselin«      Sur  les  faux  abces  des   es  et  Tost^ite  ä  forme 
neuralgique  qui  les  accompagne  ou  les  simule. 

(Bulletin  de  rAcad^mie  de  m6decine  de  Paris  1875.  No.  40.) 

Anknüpfend  an  die  von  Brodie  (1836)  und  später  von  Cru- 
veilhier  (1865)  näher  studirte  seltene  Form  der  Ostitis,  mit  Bil- 
dung tief  liegender  9  circumscripter  Abscesse  in  den  Epiphysen  der 
Röhrenknochen,  wirft  G.  die  Frage  auf,  ob  der  dieser  Krankheit 
eigenthümliche  Symptomen complex ,  insbesondere  die  langdauemdeu 
und  gewöhnlich  sehr  heftigen  Schmerzen,  bei  nachweisbarer  Hjrper- 
trophie  und  Verdichtung  des  Knochens,  immer  die  Gegenwart  von 
solchen  tief  liegenden  Abscessen  involvire  oder  auch  als  reine  Neu- 
ralgie bestehen  könne.  Diese  Frage  hat  insofern  eine  gewisse  prak- 
tische Bedeutung,  als  daran  wieder  die  weitere  Frage  sich  anknüpft, 
ob  in  solchen  Fällen  jedesmal  der  operative  Eingriff  indicirt  sei  oder 
nicht.  G.  fuhrt  nun  6  eigene  Beobachtungen  an,  in  denen  5  Mal 
wegen  genannten  Leidens  die  Eröffnung  des  hyperostotischen  Kno- 


Centralblatt  far  Chirurgie.     No.  49.  775 

chens  mittelst  Trepan  ausgeführt  und  t  Mal  sogar  auf  Wunsch  des 
Fat.  amputirt  worden  war.  Eiter  fand  sich  in  keinem  jener  5  Fälle ; 
4  Mal  wurden  kleine  abnorme  Hohlräume  constatirt^  welche  in  1  Falle 
mit  einer  hellen  serösen  Flüssigkeit  aui^efüllt  schienen^  in  einem 
andern  mit  einer  Schicht  consistenter  puriformer  Masse^  ähnlich  ein- 
getrocknetem Eiter,  ausgekleidet  waren.  In  dem  6.  Falle  ergab  die 
ection  des  amputirten  Knochens  —  die  hier  eine  Untersuchung  mit 
aller  Genauigkeit  gestattete  —  inmitten  der  stark  hyperostotischen 
Epiphyse  eine  ganz  kleine  Quantität  Eiter,  welche  »bei  der 
Operation  sehr  wohl  hätte  entgehen  können«. 

Weiterhin  werden  17  Fälle  aus  der  Litteratur  angezogen  von 
Brodie,  Nelaton,  Riebet,  J.  L.  Petit  u.  A.  Hierunter  waren 
nicht  weniger  denn  12  wahre  Abscesse,  einer  war  zweifelhaft, 
und  in  den  4  übrigen  Fällen  wurde  anstatt  Eiter  eine  »sero-pu- 
r u  1  e n t e  Flüssigkeit«  oder  nur  einfaches  »Serum«  oder  auch  »schwam- 
mige Massen«,  und  endlich  im  4.  Falle  keinerlei  Cavität  vorge- 
funden. In  einem  18.  Falle  —  gleichfalls  eine  Amputation  —  war 
der  Hohlraum  in  der  unteren  Tibia-Epiphyse  ausgekleidet  mit  einer 
pyogenen  Membran,  sonst  leer. 

Aus  diesen  Beobachtungen  schliesstG.,  dass  die  schleichend  ver- 
laufende »osteite  condensente«  der  Röhrenknochen  Jahre  lang  von  den 
reissendsten  Schmerzen  (»osteite  ä  forme  neuralgique«)  begleitet  sein 
könne,  ohne  dass  dieses  Symptom  noth wendig  auf  die  Gegenwart 
interstitieller  Abscesse  hindeute.  Häu%  (in  9  resp.  10  von  jenen 
24  Fällen)  finde  man  entweder  gar  keinen  Hohlraum,  oder  eine  mit 
Serum  resp.  puriformer  Masse  erfüllte  oder  auch  vollkommen  leere 
Höhle.  Und  dieses  ist  es,  was  G.  »falsche  Abscesse«  der  Röh- 
renknochen nennt. 

Bezüglich  der  zweiten  Frage  bemerkt  G. ,  dass  die  Eröffnung 
(Trepanation  oder  Meisselung)  an  sich  wenig  gefahrlich  sei  und  in 
allen  Fällen  Besserung,  ja  nach  Verlauf  von  Monaten  und  Jahren 
meist  sogar  Heilung  bewirke.  Am«  Hiller  (Berlin). 


NitBohe.     Behandlung  von  Verbrennungen. 

(Vortrag  auf  der  Naturforsoherveraammlung  in  Gras.  1875.) 

^MittheiluDgen  des  Vereine  der  Aerzte  in  Nieder-Oesterreich  1875.  Bd.  I.  No.  13.) 
Seit  10  Jahren  als  Arzt  an  einem  der  grössten  Eisenwerke  in 
Oesterreich  wirkend^  hatte  Verf.  vielfach  Gelegenheit  gehabt^  Ver- 
brennungen der  verschiedensten  Art  zu  behandeln.  —  Während  er 
das  continuirliche  Wasserbad  wegen  seiner  Zersetzung  und  Eiterung 
befördernden  Wirkung  verwirft,  gab  ihm  die  Beobachtung ^  dass 
Brandwunden  unter  einem  Anstrich  von  Leinölfirniss  wie  unter  einem 
Schorf  heilen  können,  die  Gelegenheit,  eine  neue  Behandlungsmethode 
von  Verbrennungen  zu  erproben.  Der  gewöhnliche  Leinölfirniss,  wie 
ihn  die  Tischler  gebrauchen,  wird  bereitet,  indem  man  Bleiglätte 
(Plumb.  oxyd.)   im  Veihältniss  von  1  :  25  mit  Leinöl  kocht,   bis  zur 


776  Centndblatt  far  Chirux^ie.    No.  49. 

völligen  Lösung  des  Bleioxyds.'  Dieses  gleichsam  verflüssigte  Blei- 
pflaster  soll  nun  bei  Feueiarbeitern  vielfach  als  Volksheilmittel  gegen 
Verbrennungen  in  Anwendung  sein.  Verf.  bestrich  Brandwunden 
mit  einer  dünnen^  rasch  trocknenden  Schicht  Leinölfimiss  und  legte 
eine  Wattelage  darüber.  —  An  einzelnen  Stellen  trat  dennoch  eine 
stärkere  Secretion  auf^  welche  den  Fimissschorf  sammt  der  Watte 
abhob.  N.  schnitt  deshalb  an  genannten  Stellen  Fenster  in  die  Watte 
und  bestrich  die  secernirenden  Partieen  öfters  mit  einer  schwachen 
LapislÖBung.  So  gelang  es  ihm^  dass  der  neu  aufgetragene  Fimiss 
schliesslich  haftete  und  die  Heilung  ohne  Granulationsbildung  und 
Entstehung  hässlicher  Narben  erfolgte.  — 

Späterhin  fügte  N.  Carbolsäure  zum  Firniss  im  Verhältuiss  von 
1  :  20  und  benutzte  carbolisirte  Watte  als  Deckmittel.  Die  Erfolge 
waren  sehr  günstig,  ohne  dass  das  Auftreten  einzelner  stärker  secer- 
nirender  Stellen  sich  hätte  ganz  vermeiden  lassen.  Verf.  suchte  die 
Ursache  in  der  reizenden  Wirkung  der  Carbolsäure  und  wandte  seine 
Aufmerksamkeit  der  Salicylsäure  zu.  —  Er  verfahrt  nunmehr  folgen- 
dermassen:  die  Brandfläche  wird  nicht  mit  Wasser  abgewaschen, 
sondern  man  entfernt  nur  etwaigen  Schmutz  und  ganz  gelöste  Epi- 
dermisfetzen  mittelst  Pincette  oder  durch  Abtupfen  mit  emem  Watte- 
bausch. Hierauf  wird  die  Wunde  dick  und  wiederholt  mit  Leinöl- 
firniss  bestrichen,  in  welchem  Salicylsäure  im  Verhältniss  von  1  :  10 
gelöst  worden  ist.  Noch  bestehende  Blasen  werden  nicht  eröfihet. 
Zur  Bedeckung  dient  Carbolwatte,  die  besonders  da^  wo  Blasen  vor- 
handen sind,  in  dicker  Schicht  aufgelegt  wird.  Der  ganze  Verband 
wird  durch  circuläre  Binden  festgehalten.  — 

Die  Salicylsäure  löst  sich  in  dem  Fimiss  im  genannten  Verhältniss 
von  1  :  10  in  der  Wärme  ganz  leicht  und  bleibt  auch  gelöst.  —  Als 
Beispiele  werden  zwei  hochgradige  Verbrennungen  in  ihrem  Verlauf 
beschrieben. 

1.  Fall.  Ein  Junge  fiel  in  einen  Trog  mit  siedendem  Wasser. 
Verbrühung  der  Kreuzbeingegend,  des  Gesässes,  eines  Theiles  der 
Oberschenkel  und  der  unteren  Bauchgegend.  Heilung  ohne  alle 
Eiterung  in  14  Tagen  ohne  nur  einen  Theil  des  Verbandes  erneuem 
zu  müssen.  Der  2.  Fall  betrifit  einen  Mann  mit  Verbrühung  beider 
unteren  Extremitäten  in  ihrer  Totalität  durch  Dampf.  Nach  1 2tägiger 
Behandlung  waren  sämmtUche  Brandflächen  mit  neu  gebildeter  Epi- 
dermis bedeckt.  Lesser  (Berlin). 

V.  Platen.    lieber  den  Einfluss  des  Auges  auf  den  thierischen 

StoflFwechsel. 

(Arch.  f.  d.  geB.  PhyBiologie  Bd.  XI.  p.  272-290.) 
Moleschott  hatte   zuerst  gefunden^   dass   Frösche  für   gleiche 
Einheiten   des   Körpergewichtes  und  der  Zeit  Vi2— V4  ^^hr  Kohlen- 
säure im  Licht  ausscheiden,    als  im   Dunkeln  und  dass  um  so  mehr 
Kohlensäure  ausgehaucht  wird,  je  grösser  die  Lichtstärke  ist.    Pf  lue- 


Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  49.  777 

ger  ^^eist  nun  in  einer  kritisclien  Beleuchtung^  die  der  Arbeit  P.'s 
vorangeht^  nach^  dass  die  Versuchsergebnisse  Moleschott's  nicht 
hinreichend  begründet  siud^  um  die  von  letzterem  daraus  gezogenen 
Schlüsse  zu  rechtfertigen.  Die  deshalb  unter  seiner  Leitung  von  P. 
angestellten  Untersuchungen  beschäftigen  sich  zunächst  mit  der  Be- 
trachtung des  Einflusses  von  hell  und  dunkel  auf  den  Stofl^echsel  der 
Kaninchen,  die  durch  Bedecken  der  Augen  bald  mit  weissen  und  bald 
mit  schwarzen  Gläsern  unter  die  erforderlichen  Bedingungen  versetzt 
wurden.  Die  Thiere  wurden  tracheotomirt,  die  Trachealkanüle  mit 
einem  Bespirationsapparat  in  Verbindung  gesetzt  und  innerhalb  der 
Versuchszeit  SaueistofFaufnahme  und  Kohlensäureausscheidung  be- 
stimmt. Aus  der  Gesammtzahl  der  Versuche  geht  hervor,  dass,  wenn 
nur  die  Thiere  unter  möglichst  gleiche  innere  und  äussere  Beding- 
ungen versetzt  werden,  unter  dem  Einfluss  des  Lichtes  eine  erheb- 
liche Steigerung  der  C02-Au8scheidung  und  O-Aufhahme,  also  des 
Gas-  und  Stoffwechsels  stattfindet,  und  zwar  um  etwa  Y7 — y^  der 
normalen  Durchschnittsgrösse.  J»  Mimk  (Berlin). 


Senftleben*     Ueber  die  Ursachen  und  das  Wesen  der  nach 
der  Durchschneidung  des  Trigeminus  auftretenden  Homhaut- 

affection. 

{Virch.  Archiv.  Bd.  LXV.  p.  69.) 

IKe  Frage  nach  der  Entstehungsursache  der  Homhautaffection^ 
welche  nach  Trigeminusdurchschneidung  auftritt^  ist  Gegenstand  zahl- 
reicher Untersuchungen  gewesen.  Ein  kurzes  Referat  stellt  die  Ke- 
sultate  derselben  übersichtlich  zusammen.  Sodann  theilt  S.  die 
Befunde  mit,  zu  denen  ihn  die  Wiederholung  jener  Versuche  und 
besonders  die  bisher  noch  nicht  angewendete  mikroskopische  Unter- 
suchung führte.  Die  nach  der  Trigeminusdurchschneidung  auftretende 
Homhautaffection  ist  nach  S.  unabhängig  von  dem  Einfluss  gewisser 
im  Trigeminus  verlaufender  Nervenfasern,  sowohl  vasomotorischer 
(Schiff)  als  auch  trophischer  (Meissner^  Büttner).  Die  Wider- 
standsfähigkeit des  Hbmhautgewebes  nach  Trigeminusdurchschneidung 
fand  S.  nicht  vermindert;  es  war  keine  erhöhte  Vulnerabilität  vor- 
handen und  der  Heilungsprocess  angelegter  Wunden  verlief  in  regel- 
mässiger Weise. 

Die  nach  der  Trigeminusdurchschneidung  auftretende  primäre 
Homhautaffection  ist  eine  Nekrose,  bedingt  durch  wiederholte  grobe 
Traumen,  welche  das  Auge  in  Folge  seiner  Anästhesie  treffen.  Die 
durch  fast  vollständige  Aufhebung  des  Lidschlages  bedingte  Verdun- 
stung auf  der  Oberfläche  der  Cornea  hat  nichts  mit  dem  Zustande- 
kommen der  Entzündung  zu  thun.  Die  circumscripte  Nekrose  der 
Hornhaut  wirkt  als  Entzündungsreiz  und  ruft  eine  secundäre,  von 
der  Peripherie  her  vorschreitende  Entzündung  der  Hornhaut  hervor. 
Die  gleichzeitige  Exstirpation  des  oberen  Sympathicus-Ganglion  ist 


778  Centralblatt  fttr  Chirurgie.     No.  49. 

von  keinerlei  EinflusB  auf  das  Zuslauidekommeii  und  den  Verlauf  der 
nach  der  Trigeminusdurchschneidung  auftretenden  Homhautaffec- 
tion,  wie  jüngst  noch  Sinitzin  behaupteie.  Hailelmig  (Bonn). 


P.  H.  Watson.     Exstirpation  der  Schilddruse. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  386.) 

Während  die  Ausschälung  der  Schilddrüse  bei  den  Chirurgen  der 
hohen  Mortalität  wegen  in  Misscredit  steht,  sucht  W.  auf  eigene  Er- 
fahrungen gestützt,  sie  wieder  in  Aufaahme  zu  bringen.  Die  hohe 
Gefahr  der  Blutung  sucht  er  dadurch  zu  vermeiden,  dass  er  nach 
Blüsslegung  der  Geschwulst  durch  einen  langen  Hautschnitt  in  der 
Mittellinie  vor  Eröffnung  der  die  Geschwulst  überkleidenden  Fascie, 
die  in  letzterer  eingeschlossenen  Schilddrüsengefässe  tastend  auf- 
sucht und  dann  nahe  der  Mittellinie  jederseits  mit  Hülfe  einer  Aneu- 
r}'smennadel  unterbindet.  Nachdem  so  die  Thyr.  sup.  und  inf.  jeder- 
seits geschlossen,  wird  die  umkleidende  Fascie  an  der  Vorderseite 
gespalten  und  jetzt  die  Geschwulst  mit  den  Fingern  unter  Zuhülfe- 
nähme  stumpfspitziger  gebogener  Scheeren  ausgelöst.  In  dieser  Weise 
hat  W.  seit  1871  5  Mal  die  Thyreoidea  mit  geringer  Blutung  glücklich 
entfernt;  in  einem  anderen  Falle  hatte  er  das  Unglück,  eine  in  der 
Furche  zwischen  Trachea  und  Oesophagus  laufende  starke  Vene  an- 
zuschneiden; beim  nach  Aussenziehen  der  Trachea  wurde  auch  diese 
verletzt  und  nun  erfolgte  schnell  der  Tod.  W.  betont,  dass  während 
zur  Nahrungsentziehung  für  Schilddrüsengeschwülste  die  Ligatur  der 
Thyreoidealgefösse  mehrfach  angerathen  und  auch  ausgeführt  worden 
ist,  dieselbe  als  regelmässiger  Vorakt  vor  der  Exstirpation  bisher  nicht 
als  Methode  angegeben  ist.       PH«  (Stettin)^ 

K.  V.  Braun-Femwald,     lieber  Flexionen  des  Uterus. 

(Wiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  27,  28,  30.) 

Nach  Erwähnung  der  angeborenen  Lageanomalieen  des  Uterus 
(seitlich,  von  einer  foetalen  Verdrängung  des  Uterus  durch  den  Mast- 
darm herrührend)  geht  B.  zu  den  erworbenen  über,  Anteflexio,  Relro- 
flexio  und  Anteversio,  Betroversio,  Lateroversio  dextra  et  sinistra.  Bei 
Ketroiie^io  ist  der  Uterus  öfter  grösser,  als  bei  Anteflexion.  Die  Flexio- 
nen sitzen  constant  an  der  Vereinigung  des  Cervix  mit  dem  Corpus. 
Lateroflexionen  für  sich  bestehend,  oder  mit  Anteflexion  (Tor- 
sion) combinirt.  Anteflexion  bei  Jungfrauen  physiotogisch.  Flexio- 
nen und  Versionen  meist  in  Combinationen  und  Uebergangsfor- 
men  vorkommend.  Das  submucöse  starre  Bindegewebe  des  normalen 
Uterus  bedingt  dessen  Geradestellung.  Wucherung  der  Schleimhaut, 
Ausbildung  zahlreicher  Ovula  Nabotfai  bedingt  Abnahme  der  Starr- 
heit ;  bei  Flexionen  Schwund  der  Muscularsdiicht  am  oberen  Mutter- 
munde.    Ursache  der  Ante-  und  Betroflexionen  li^  also  nftist  im 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  49.  779 

Uterus  selbst.  Gesch^vülste^  Adhäsionen  und  mangelhafte  puerperale 
Involution  können  auch  Flexionen  hervorrufen.  Bei  Anteflexionen 
rückt  der  Cervix  meist  höher,  bei  Retroflexionen  tiefer.  —  Der 
Contact  der  Schleimhäute  kann  Verengung,  selbst  Verwachsung  an 
der  Knickungsstelle  bedingen.  Durch  den  Druck  des  gebeugten 
Uterus  wird  Stauung  im  venösen  System,  secundär  Katarrh  er- 
zeugt, unter  Umständen  Hydronephrose,  wenn  der  retroflectirte  Uterus 
auf  die  Harnleiter  presst  (folgt  Beispiel) .  —  Bei  Verwachsung  des 
oberen  Muttermundes  kann  Hydrometra  in  den  klimacterischen  Jahren 
entstehen.  — 

Die  subjectiven  Beschwerden  bei  Flexionen  bestehen  in  Schmer- 
zen im  Kreuz,  Dysmenorrhoe,  Sterilität,  Beschwerden  beim  Uriuiren 
und  Defaeciren,  Unvermögen  zu  gehen  und  krankhaften  Mitempfin- 
dungen. Die  Kreuzschmerzen  entstehen  durch  Zerrung  des  Retractor 
uteri  bei  Ante-,  der  Ligg.  Vesico-uterina  bei  Retruflexion.  Als 
krankhafte  Mitempfindung  am  häufigsten  Neuralgie  des  N.  occipitalis 
magnus  oder  des  I.  und  II.  Trigeminusastes  (Migräne).  Betreffs  der 
Prognose  ist  zu  bemerken,  dass  dauernde  Heilung  der  Flexionen  nach 
einer  Schwangerschaft  in  der  Regel,  ohne  diese  ausnahmsweise  erfolgt. 
Therapeutisch  scheint  Verf.  im  Allgemeinen  den  H od ge' sehen  extrau- 
terinen Pessarien  von  Hartgummi  den  Vorzug  vor  anderen  zu  geben. 
Die  intrauterine  mechanische  Behandlung  weist  er  von  der  Hand. 
Erweiterung  des  Cervix  wird  mit  Reserve  empfohlen,  die  Excision 
einer  Schleimhautfalte  in  vorderer  oder  hinterer  Vaginalwand  und 
Einheilen  der  Muttermuridslippe  daselbst,  je  nachdem  Ante-  oder 
Retroflexion  bestanden,  wird  erwähnt,  ebenso  die  von  Sims  an- 
gegebene und  wieder  verlassene  künstliche  Befruchtung. 

T.MoseBgeil  (Bonn). 

N.  Andrejew.      Zur   Aetiologie   der   fibrösen    Gebärmutter- 

geschwülste. 

(Militärmed.  Journal.  1875.  Februar,  ruMisch.) 

Verf.  glaubt,  gestützt  auf  16  von  ihm  beobachtete  Fälle  von  Fi- 
broma uteri ,  ein  directes  aetiologisches  Verhältniss  zwischen  fibrösen 
Geschwülsten  und  Metritis  chronica  interstitialis  aufstellen  zu  können. 
Er  führt  4  Krankengeschichten  an>  aus  denen  ersichtlich  ist,  dass 
sich  die  ersten  Symptome  einer  Gebärmuttergeschwulst  nach  vorher- 
gegangenen acuten  Processen  in  der  Sexualsphäre  entwickelten.  In 
2  Fällen  hat  A.  selbst  das  Entstehen  von  Geschwülsten  nach  Metritis 
acuta  beobachtet.  Er  erklärt  die  Entstehung  von  Fibromen  durch 
circmnscripte  chronische  Metritis,  eine  örtliche  vermehrte  Production 
von  Bindegewebe,  welche  je  nach  der  Stelle,  an  der  sie  stattfindet 
und  der  eingeschlagenen  Richtung  die  Form  von  Fibroma  uteri  sub- 
peritoneale, submucosum  etc.  annimmt. 

Verf.  weist  auf  einen  analogen  Process  im  Herzen  hin ,  wo  sich 
a^cb  MyocaiwUiii  interstitialis  das  sogen.  Aneurysma  cordis  partiale 


780  Centralblatt  fSr  Chirurgie.     No.  49. 

chronicum  (Breschet)^  grosse  Geschwülste,  wdche  entweder  in  das 
Herz  hineinragen,  oder  auf  seiner  Aussenflache  zum  Vorschein  kom- 
men, entwickehi  (Oppolzer).  W.  Gnbe  (Chaikow). 

J.   Charles.     Behandlung  des  offen  gebliebenen  Urachus. 

(British  med.  Xoumal  1875.  Vol.  II.  p.  486.  —  British  med.  Asaociat.) 
Während  sich  in  der  Regel  einige  Zeit  Tor  der  Geburt  der  Ura- 
chus schliesst^  tritt  häufig  eine  vollständige  Obliteration  des  Urachus- 
canals  nicht  ein  und  es  finden  sich  verschiedenartig  gestaltete  Canal- 
reste  vor.  Cruveilhier  fand  einen  offenen  Urachus  nur  bei 
Verschluss  der  Harnröhre;  Ch.  nuicht  darauf  aufmerksam ^  dass  der- 
selbe sich  ebenfalls  dann  finden  könne,  wenn  ein  Hindemiss  für  den 
Abfluss  des  Urins  bestehe,  als  Concretionen,  enge  Phimose  etc.  In 
den  Fällen  mit  offenem  Urachus  hat  man  fast  regelmässig  durch  Cau- 
terien  oder  plastische  Operationen  Verheilung  versucht,  aber  erfolglos. 
Die  von  Redfern  vorgeschlagene  Circumcision  der  Vorhaut  erschien 
Ch.  rationell  und  wirklich  lieferte  sie  in  seinem  Falle,  d^r  einen 
Ijähr.  Knaben  betraf,  und  bei  dem  feste  Anlöthung  des  inneren  Prä- 
putialblattes  mit  der  Glans  bestand,  volle  Heüung.  Deshalb  räth 
Ch.,  erst  diesen  Weg  zu  versuchen  und  nur,   wenn  er  nicht  zum 

Ziele  führe,  an  den  Verschluss  der  Urachusöfinung  selbst  zu  denken. 

PÜÄ  (Stettin). 

Kleinere  Mittheilungen. 

V*  Stroganow.    Ueber  eine  Complication   von  Elephantiasis  Arabum 
mit  Krebs  und  über  die  Entwickelungsweise  des  letzteren. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXV.  p.  47.) 
Bei  Untersuchung  eines  Pr^>arates  von  Elephantiasis  tuberorillosa  fand  8.  an 
Tielen  Stellen  das  bei  Elephantiasis  gewöhnlich  beobachtete  Bindegewebe  von  reich- 
lichen, aus  Strängen  wahren  Epithels  bestehenden  Netsen  durchxogen.  Das  Epithel  war 
theils  in  den  perivasculären  Bäumen,  den  Saftcanälchen  und  den  Bindegewebsspalten 
enthalten,  theils  fanden  sich  Epithelheerde  im  Bindegewebe.  Verf.  glaubt  in  dem 
beschriebenen  Falle  das  Anfangsstadium  eines  Krebses  auf  dem  Boden  der  Elephan- 
tiasis zu  erkennen  und  hält  das  Epithel  in  diesem  Fall  für  in  den  Lympbbahnen 
selbst  gebildet  und  zwar  primär  aus  dem  Endothel.  Vielleicht  übte  die  der  Elephan- 
tiasis eigenthümliche  Aufquellung  des  Endothels  der  Lymphbahnen,  namentlich  nach- 
dem eine  unmittelbare  Berührung  mit  dem  physiologischen  Epithel  des  rete  Malpigbi 
eingetreten  war,  auf  eine  solche  krebsige  Entartung  der  Endothelielien  einen  be- 
fördernden EinflusB  aus.  —  Die  Arbeit  stammt  aus  dem  pathologischen  Institiit  su 
Strassburg.  Madeluag  (Bonn). 

Bailey.     Wachsthum-Hemmung. 

(Boston  med.  and  surg.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  244.) 
Eine  jetzt  18jährige  Negerin  bekam  im  12.  Lebensjahre  am  linken  Ellenbogen 
einen  Ausschlag,  der  sich  auf-  und  abwärts  verbreitete,  später  auch  auf  die  Schul- 
tergegend  überging ;  derselbe  trat  zu  verschiedenen  Zeiten  auf,  bestand  jetzt  am 
Arme  und  schien  Eczem-artig  zu  sein.  Angeblich  (?)  seit  dieser  2ieit  sollen  die 
linksseitigen  Extremitäten  im  Wachsthum  zurückgeblieben  sein,  der  Arm  um  Z" 
das  Bein  um  2—3"  Länge  und  ersterer  um  1''  in  der  Dicke.  Auffallend  war  die 
Kleinheit  der  Hand  und  des  Fusses;  ebenso  war  die  linke  Thofuseite  etwas  su- 


Centralblatt  ftr  Chiruigie.    No.  49.  7S1 

rüokgeblieben.  Der  Ailgemeinztutand  ist  nicht  befriedigend;  es  besteht  Dysme- 
norrhoe neben  schwacher  Menstruation,  starke  Palpitation  neben  Hypertrophie  des 
linken  Ventrikels  ohne  Klappenentartung.  Pilz  (Stettin). 

BegnatQt.     Oblit^ration  des  deux  oreilles  par  du  plätre  k  moules. 

(Revue  de  Th6rap.  m6d.-chir.  1875.  No.  20.) 

Bei  dem  Versuch,  von  den  Ohren  einer  schwerhörigen  alten  Dame,  behufs 
Anfertigung  von  Hörrohren,  einen  Oypsabdruck  zu  nehmen,  hatte  der  Fonner 
unterlassen,  wie  die  Ohrmuschel  so  auch  den  Gehörgang  zuvor  einzuölen.  In 
Folge  dessen  Hess  sich  der  Oyps  nach  dem  ErhSrten  zwar  von  der  Muschel,  aber 
nicht  aus  dem  ftusseren  Qehörgang  wieder  abheben.  B.  fand  alsbald  die  Unmög- 
lichkeit, diesen  mit  den  Haaren  innig  verschmolzenen  und  bis  an  die  Membr.  tym- 
pani  reichenden  »Fremdkörper« mechanisch  zu  entfernen.  Ein  Chemiker  rieth 
als  Lösungsmittel  citronensaures  Ammoniak  in  concentrirter,  neutraler  Lö- 
sung zu  benutzen.  Dieses  half  und  es  gelang  in  V2 — 1  stündigen  Pausen  den  er- 
weichten Qyps  binnen  24  Stunden  ohne  Beschftdigung  der  anliegenden  Weichge- 
bilde abzubröckeln.  — 

An  dem  anderen  Ohre  hatte  sich  auch  Süssmandelöl,  auf  den  Rath 
eines  Mechanikers  angewandt,  wirksam  erwiesen.  Am«  Hiller  (Berlin). 

W.  Mao  Bwen.    Beobachtungen  von  Schädelverletzungen  und  Gehirn- 

*  krankheiten. 

(Edinb.  med.  Journal  1875.  Aug.  p.  121  u.  ff.) 
Die  letzteren  betreffen  einen  Fall  von  Meningitis,  welche  anscheinend  nach 
leichtem  Stoss  eintrat,  und  2  Kranke,  die  nach  leichter  Verletzung  plötzlich  zu- 
sammenbrachen und  starben,  und  bei  denen  die  Section  Gehirnerkrankungen  als 
Ursache  des  Todes  nachwies.  Von  den  Schädelverletzungen  ;mögen  die  3  interes- 
santeren kurz  wiedergegeben  werden. 

1)  Bruch  der  Orbitalplatte  des  Stirnbeins  durch  Faustschlag. 

Der  22jährige  kräftige  Mann  hatte  im  Streite  einen  Schlag  mit  der  unbewaff- 
neten Faust  gegen  das  rechte  Auge  bekommen ;  derselbe  stolperte ,  war  einen 
Augenblick  verwirrt,  dann  aber  ganz  wohl ;  er  ging  nach  Hause,  unterhielt  sich  mit 
seiner  Familie  und  schlief  die  Nacht  gut ;  am  folgenden  Morgen  Klage  Ober  Kopf- 
schmerzen, die  in  der  nächsten  Nacht  sich  noch  verstärkten.  Am  folgenden  Tage 
erschien  die  Umgebung  der  rechten  Augenhöhle  geschwollen,  verfärbt,  der  rechte 
Bulbus  etwas  prominent;  die  Conjuncdva  injicirt,  die  Pupille  dilatirt;  das  Sehver- 
mögen erloschen;  Arm  und  Bein  rechts  schwer  beweglich;  die  Körpertempe- 
ratur erhöht.  Puls  frequent;  einige  Stunden  nachher  erfolgte  ein  Krampfanfall  und 
Tod.  Section :  Fractur  der  Orbitalplatte  des  rechten  Stirnbeins,  das  Fragment  war 
in  das  Gehirn  hineingedrfickt ;  reichlicher  Bluterguss  in  die  vordere  Schädelgrube ; 
die  Oefässe  des  rechten  Stirnlappens  blutreich,  hier  und  dort  Austritt  von  Lymphe. 

2)  Bruch  der  Orbitalplatte  des  Stirnbeins  durch  Fall. 

Ein  40jähriger  Mann  glitt  aus,  tiel  und  acquixirte  eine  neben  dem  rechten 
Augenbrauen  gelegene  Wunde,  in  der  keine  Fractur  nachgewiesen  werden  konnte ; 
es  bestanden  anscheinend  gar  keine  Beschwerden,  keine  Gehirnerscheinungen; 
auffallend  war  der  starre  Blick  und  die  Gedankenlosigkeit;  8  Stunden  später  er- 
folgte unter  Convulsionen  plötzlich  der  Tod.  Es  fand  sich  ein  Schrägbruch  der 
Orbitalplatte,  ein  reichlicher  Bluterguss  an  beiden  Seiten  des]  Bruchstücks ;  weitere 
Verletzungen  konnten  nicht  aufgefunden  werden. 

3)  Bruch  der  Siebplatte  des  Riechbeins. 

Nach  Fall  von  einer  Höhe  von  12'  aufs  Gesicht  war  der  32jährige  Mann  be- 
wusstlos;  an  der  flach  gedrückten  Nase  bestand  Gomminutiv-Fractur  der  Nasenbeine. 
1  Stunde  später  traten  Convulsionen  und  mit  ihr  starke  Blutung  aus  beiden  Na- 
senöffnungen ein;  der  Zustand  besserte  sich;  die  dilatirten  Pupillen  reagirten, 
Pat.  wurde  besinnlicher;  am  8.  Tage  ging  der  Puls  höher,  es  erschienen  Zuckun- 
gen im  Gesicht;  Fieber,  allgemeine  Krämpfe,  Bewusstlosigkeit,  Tod  am  14.  Tage. 
Section :  Gehirnhäute  in  der  vorderen  und  mittleren  Schädelgrube  entzündet,  stel- 


782  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  49. 

lenweis  mit  Eiter  bedeckt;  zu  beiden  Seiten  der  FaU  eerebri  Ansammlung  von 
Eiter  und  Blut,  nach  deren  Wegnahme  die  abgebrochene  Grista  galli  und  die  frac- 
turirte  Siebbeinplatte  erschienen;  gebrochen  waren  femer  oss.  nasi,  proc.  naaal. 
OS.  maxill.  sup-,  oss.  turbin.  Pill  (Stettin). 

E.  Gkkyrand.      Fractures    de    la  colonne    vertibiale    et   gangi^ne   du 

membre  inferieur  gauche  par  embolie  de  Tartöre  femorale. 

(Montpellier  m^dical  1875.  XXXV.  No.  3.  Septembre.) 

Ein  Südamerikaner  (Eingeborener)  erlitt  durch  direote  Gewalt  (Sturz  auf  den 
Rücken)  eine  Fractur  des  Körpers  des  zweiten  Lendenwirbels.  Das  Rückenmark 
war  nicht  verletzt,  da  keine  Lfthmungsencheinungen  Ton  Seiten  der  Extremit&ten 
oder  der  Blase  und  des  Mastdarms  auftraten.  Mehrere  "Wochen  später  entstand 
bei  demselben  Patienten  acuter  Brand  der  reehten  unteren  Extremität,  verursacht 
durch  Embolie  der  Femoralarterie ,  dem  Fat.  erlag.  Bei  der  Autopsie  fand  sich 
zunächst  ein  mächtiger  Embolus  in  der  Iliaca  externa,  der  nahe  bis  zum  Abgang  der 
art.  profunda  femoris  reichte ,  und  der  wohl  zweifellos  aus  dem  Herzen  stammte. 
Es  fanden  sich  nämlich  im  linken  Herzen  eine  Reihe  kleiner  wandständiger  Vege- 
tationen und  ein  ähnliches  Fibringerinnsel  von  Mandelgrösse  streekte  einen  Fort- 
satz durch  die  valvulae  semilunares  in  die  Art.  coronaria  oordis  dn.,  durch  deren 
vollständige  Obturation  der  Verf.  die  vorgefundene  fettige  Degeneration  der  linken 
Herzhälfte  erklärt.  Ausserdem  fand  sich  eine  quere  Fractur  des  zweiten  landen- 
wirbelkörpers  mit  ziemlich  bedeutender  Quetschung  des  oberen  Fragments;  die 
betreffenden  Wirbel  bildeten  einen  nach  vorne  offenen,  beinahe  rechten  Winkel. 
In  Betreff  der  Entstehung  der  Wirbelfracturen  nimmt  Verf.  im  Gegensatz  zu  Mal - 
gaigne  directe  Gewalt  als  häufigere  Ursache  an,  das  Fehlen  paralytischer  Erschei- 
nungen spräche  durchaus  nicht  immer  gegen  Fractur  des  Wirbelkörpers.  G.  führt 
für  seine  Ansicht  einige  von  ihm  beobachtete  Fälle  und  Befunde  bei  Autopsieen  an. 

Sonnenburg  (Strassburg  i./E). 
Parks.     Larynx  of  a  man  strangled  with  a  piece  of  meat. 

(Philadelphia  med.  Times  1875.  No.  199.) 

Ein  &0j ähriger  Mann  bekommt  beim  Diner  plötzlich  ErstickungflanflUle  und 
stirbt  in  wenigen  Minuten. 

Bei  der  Section  findet  man  einen  grossen  zwischen  120—160  Grm.  wiegenden 
Fleischbissen  fest  in  der  oberen  Larynxapertur  eingekeilt. 

Willi.  Keeh  (Berlin). 
Fochier.     PolipoB  multiplos  del  recto. 

(Anal,  de  la  Soc.  anatom.  espanola  1875.  No.  21.) 

Ein  im  Hospital  de  la  Cruz-Roja  beobachteter  Fall  von  sehr  massig  entwickel- 
ten sogen,  inneren  Hämorrhoidalgeschwülsten  bei  einem  18jährigen  Mädchen  seit 
Vt  Jahren  beobachtet.  Wegen  hochgradiger  Schmerzen  und  grosser  und  häufiger 
Blutverluste  wandte  F.  zur  Entfernung  der  Geschwülste  die  Ligatur  an.  Heilung 
in  3  Wochen.  Ein  Jahr  später  noch  kein  Recidiv.  Die  Geschwülste  zeigten  eine 
Wucherung  der  Drüsen  der  Mastdarmschleimhaut. 

Ullersperger  ^München). 

M.  M.  Trölat.     Dechirure  compl^te  du  perin^e.     Periiieorraphie   pra- 

tiqu^e  avec  succes. 
(Annaies  de  Gyn^cologie  lS7d.  Mars.) 

Tr.  operirte  einen  completen  Dammriss  bei  einer  30jährigen  Frau  nach  der 
hinlänglich  bekannten  Methode  der  AnfrischuDg  eines  dreieckigen  Lappeos  mit 
der  Spitze  nach  der  Vagina,  mit  der  Basis  parallel  den  grossen  Schamlippen. 
Scheidennähte  mit  Metalldraht,  entspannende  und  vereinigende  Dammnähte;  Rec- 
tumnähte  wurden  dadurch  unnöthig,  dass  die  tiefen  Dammnähte  die  Canalöffnung 
Rtark  hervorspringen  Hessen.  In  Folge  dessen  vereinten  die  untersten  Dammnähte 
das  neue  Dach  des  Rectum. 

Der  Fall  ist  dadurch  bemerkenswerth ,  dass  Tr.  vor  der  Operation  eine  voll- 
ständige Obstipation  zur  Schonung  des   Afters  herbeigeführt  hatte.     Nach   der 


Oentnlblatt  fdr  Ghimrgie.   No.  49.  7g3 

Op«ration  machte  diese  der  Kranken  solche  Beschwerden,  dass  Abführmittel  nöthig 
wurden,  welche  die  Verheilung  Tereitelten.  —  Nach  einer  späteren  Naohoperation 
erfolgte  Tollstandige  Heilung  mit  Continenx  der  Faeees. 

Dieser  Fall  spricht  far  die  von  Simon  und  Hirschberg  seit  längerer 
Zeit  nach  der  Operation  anempfohlene  leichte  Stuhlentleerung  durch  milde  Abführ- 
mittel und  Enthaltung  aller  Narcotica.  Leopold  (Leipzig). 

GrÜnfeld.     Befund  und   Behandlung  von    Hamröhrenstricturen    mit 

Hülfe  des  Endoscops. 

rWiener  med.  Wochenschrift  1875.  No.  39.) 

Bei  Untersuchung  der  Harnröhre  1 — 2  Ctm.  yor  der  Strictur  mittelst  des  ge- 
raden Endoskopes  mit  Conductor  sieht  man  die  Schleimhaut  als  Trichter,  dessen 
Centram  eine  dunkel  schattirte,  horisontale  kleine  Figur  darstellt,  von  welcher 
radiär  Falten  und  Wülste  ausgehen.  Die  Peripherie  des  Trichters  ist  in  Folge  des 
Druckes  vom  Tubus  hello:  und  gläniender.  Ist  der  Tubus  so  weit  vorgeschoben, 
als  es  überhaupt  möglich  ist,  so  schliesst  die  Schleimhaut  als  verticale  Wand  das 
hintere  Ende  ab ,  ist  glatt  gespannt ,  und  der  centrale  Fleck  des  Trichters  fehlt, 
wie  auch  der  periphere  heile  Olans.  DieFarbe  der  Schleimhaut  ist  blassröthlich  bis 
weiss ;  die  Strictur  erscheint  als  glänsend  weisser  kleiner  Kreis  mit  dunklem  Punct. 
Natürlich  kann  man  die  Strictur  im  Sehfeld  oentrirt  oder  ezcentrisch  betrachten.  — 
Um  die  Strictur  su  entriren  unter  endoskopischer  Beobachtung,  muss  man  gerade 
Bougies  anwenden ,  die  centrisch  eingeführt  werden ;  gebogene  werden ,  wenn  die 
Biegung  nur  nach  einer  Seite  geht,  nicht  als  kleiner,  dem  Durchmesser  ent- 
sprechender Kreis,  sondern,  als  schmales  Feld,  bei  Biegung  in  mehrfacher  Richtung 
eventuell  fast  das  ganze  Gesichtsfeld  beeinträchtigen.  Am  besten  entrirt  man  mit 
metallenen  Sonden.  — 

Schliesslich  empfiehlt  Verf.  die  Urethrotomia  interna  mit  Hülfe  des  Endoskops 
als  leicht  auszuführende  Operation.  T*  Mosengell  (Bonn). 

J.  Bouteiller.     Phimosis  scrotal. 

(Le  Mouvement  m6d.  1875.  No.  39.) 

In  der  PUnion  m6d.  de  la  Seine-Inf^rieure  1875.  No.  40  beschreibt  B.  folgende 
Anomalie  bei  einem  neugeborenen  Kinde,  welches  an  Harnverhaltung  litt  und  bei 
welchem  die  Hebamme  das  Geschlecht  nicht  zu  bestimmen  vermochte.  Es  war  ein 
normales  Scrotum  vorhanden,  dagegen  fehlte  anscheinend  der  Penis ;  es  fand  sich  an  des- 
sen Stelle  nur  eine  Stecknadelkopf  grosse  Oeffnung,  hinter  welcher  unter  der  Haut  ein 
kleiner  kugeliger  Körper  zu  palpiren  war.  B.  erweiterte  die  Oeffnung  durch  einen 
kleinen  T- Schnitt  und  konnte  nun  durch  Druck  eine  Art  rudimentären  Penis  her- 
vortreten lassen.  Am  3.  Lebenstage  urinirte  das  Kind  spontan,  wobei  der  Penis 
von  selbst  zwischen  den  Wundlefzen  hervortrat  und  wobei  das  Kind  sich  stetig 
die  Unterbauchgegend  benetzte.  B.  fand  nun  an  der  dorsalen  Penisfläche  eine 
Rinne,  welche  an  der  Stelle  aufzuhören  schien,  wo  sich  die  eingestülpte  Scrotal  haut 
an  die  Corona  glandis  inserirte.  —  Zwei  und  einen  halben  Monat  später  zeigte 
sich  der  Penis  merklich  gewachsen  und  war  nun  stetig  in  der  erweiterten  Oefihung 
sichtbar.  Es  bestand  keine  Incontinenz  des  Urins,  nur  benetzte  sich  das  Kind 
beim  Harnlassen  sowohl  Scrotum  wie  Abdomen.  Das  Kind  starb  später  an  einer 
Cholera  Infant,  im  Alter  von  8  Monaten  und  3  Tagen.  —  Die  Section  bestätigte  den 
Befund  der  Untersuchung  insofern,  als  in  der  That  nur  die  Glans  frei  in  der  Sero- 
talöffnung  prominirte,  der  Penis  aber  im  Scrotum  total  eingehüllt  blieb,  da  seine 
umgeschlagene  Falte  gerade  an  die  Corona  glandis  angeheftet  war.  Die  Blase  er- 
schien normal,  die  Urethra  war  nur  im  Bereiche  der  Glans  gespalten,  bildete  sonst 
einen  völlig  geschlossenen  Canal  und  lag  mit  ihrem  corpus  cavernosum  in  einer 
Rinne,  welche  von  den  corpora  cavernosa  penis  gebildet  wurde,  aber  an  deren 
oberen  (dorsalen)  Fläche,  statt  wie  normal  an  der  unteren.  Die  Länge  des  so 
herauspräparirten  Penis  betrug  gegen  Erwarten  doch  5  Ctm.  von  der  Blase  bis  zur 


784  Centralblatt  fOr  Ghirorgie.    No.  49. 

Eichel.  —  Aus  der  L'itteratur  citirt  B.  nach  dem  Dictionnaire  des  Sciences  vM. 
(Paris,  1815)  ähnliche F&lle  von  Brescheit,  J.  Saltzmann,  Ruysch,  Morgagni, 
Richerand,  Chopart.  Grossere  Analogieen  bietet  nach  Verf.  der  von  Oaultier 
de  Clauby  beschriebene  Fall,  ebenso  die  Befunde  von  Depaul  (Soci^t^  anatom. 
de  Paris  1842.  p.213)  und  die  von  Guyot  (Ibid.  1854.  p.  133).  Die  von  Daubeuf 
dem  Verf.  vorgeschlagene  Bezeichnung  seines  Falles  als  einer  epispadia  peno-scro- 
talis/  analog  der  öfter  beobachteten  hypospadia  peno-scrotalis,  hält  B.  nicht  für 
zutreffend.  Gewiss  aber  entspricht  der  von  ihm  selbst  gewählte  Name  einer  Phi- 
mosis  scTotalis  noch  weniger  der  hier  beschriebenen  Bildungshemmung  des  mem- 
brum  virile.  Lenser  (Berlin). 

Ch.  OXeary.     Nabelbruch,  Ruptur. 

(Boston,  med.  and  surg.  Journal  1875.  Vol.  U.  p.  182.) 

Eine  54jährige  Frau  bemerkte  vor  6  Jahren  dne  kleine,  allmälig  zunehmende 
Schwellung  am  Nabel;  der  mehrfach  gegebene  Rath,  ein  Bruchband  zu  tragen, 
wurde  nicht  befolgt;  schliesslich  lag  ein  grosser  Theil  des  Darmes  ausserhalb  der 
Bauchhöhle,  die  Geschwulst  reichte  bis  zur  Mitte  des  Oberschenkels,  dabei  hatte 
Pat.  keine  besonderen  Störungen  von  Seiten  des  Verdauungsapparates ;  nach  Fall  von 
der  Treppe  erfolgte  Ruptur  des  Bruchsackes;  derselbe  mass  jetzt  18"  an  seiner  Basis 
und  hatte  8"  in  der  Höhe,  der  Riss  selbst  2—3" :  der  in  Narkose  gemachte  Versuch, 
die  Eingeweide  in  die  Bauchhöhle  zurückzubringen  und  zurückzuhalten,  misslang; 
Naht  der  Wunde;  Kälte.    Peritonitis.    Tod.    Section  nicht  gestattet. 

PUs  (Stettin). 

Ashhurst.  Rupture  of  extemal  iliac  artery. 

(Philadelphia  med.  Times  1875.  No.  199.) 

Ein  39jähriger  Ingenieur  fällt  von  einem  Eisenbahnwagen,  trifit  auf  ein  Rad 
und  wird,  anscheinend  ohne  weitere  Folgen,  heftig  an  der  linken  Lendengegend 
getroffen.  9  Tage  später  nach  voraufgegangener  Steifigkeit  und  Schmerzen  in  der 
Gesässgegend ,  ein  Ohnmachtsanfall ,  ohne  dass  in  der  linken  Leisten-  und  Unter- 
bauchgegend etwas  Abnormes  zu  bemerken  war.  Deb  folgenden  Tag  ausgespro- 
chene Collapserscheinungen.  Die  linke  Art.  femoralis  pulsirt  schwach,  Pulsation 
und  unbestimmtes  Geräusch  der  epigastrischen  Gegend.  Geringe  Schwellung  in 
der  linken  Flanke  wie  bei  beginnendem  Psoasabscess.  Am  nächsten  Tage  ausge- 
sprochener länglicher  Tumor  links.  Kein  Eingriff.  Tod.  Section:  Vom  Becken 
zum  Zwerchfell  extraperitoneal  ein  massiges  Extravasat.  Die  linke  Arteria  iliaca 
7s  Zoll  unterhalb  der  Bifurcation  gerissen ;  die  stark  auseinander  gewichenen  Rias- 
enden  durch  einen  Theil  der  Adventitia  in  Verbindung.  Gerinnsel  am  peripheren 
Ende,  das  centrale  offen.  Wilh«  Koeh  (Berlin). 

Tapret  und  Chenet.     Abreissung   der  unteren   Epiphyse   und  eines 

Theils  der  Diaphyse  des  Femur. 

(Bulletin  de  la  soci6t6  anatom.  de  Paris  1875.  p.  25.) 

Ein  9j ähriger  Knabe  hatte  sich  binten  auf  einen  Fiaker  gesetzt;  sein  Fuss  kam 
während  der  Fahrt  in  die  Radspeichen.  Es  zeigte  sich  eine  quere  Wunde  in  der 
Kniekehle,  ein  Eiguss  im  Kniegelenke;  heftige  Blutung.  In  den  nächsten  Tagen 
ersdiien  nach  Wegnahme  eines  aus  der  Hautwunde  hernienartig  hervorgequollenen 
gangränösen  Muskelstacks  die  entbldsste  Diaphyse  des  Femur.  An  der  abgesetiten 
Extremität  fand  sich  obige  Verletzung,  die  knöcherne  Partie  gehörte  nur  der  In- 
nenseite an;  Art.  und  Vena  poplitea  waren  normal.  Pill  (Stettin). 

Originalmittheilangen,  Monographleen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H.  TiUmanns,  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  VerlagshandJung, 
BreUkopf  u$hd  Hättel^  einsenden. 


Draeli  «ad  Verlag  von  Breitkopf  und  Hirtel  ia  Leipiig. 


Gentralblatt 


fOr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

▼oa 

Dr.  l.  Lesier,  Dr.  I.  Mete,  Dr.  I.  Tlllniaiuu 

Ib  BarUii.  in  Berlin.  in  Leipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 

Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

Ni'  50t  Sonnabend,  den  11.  December.  1875« 


Inhalt:  Glrard,  Mltcroskoplsche  Untersuchungen  über  den  sogenannten  blauen  Eiter. 
(Original-Mlttheiinng.) 

Socin,  Barth,  Jahresbericht.  —  v.  Ewotzky ,  Entzündongsversuche  am  Knorpel.  —  Ba- 
ber,  Structur  des  hyalinen  Knorpels.  —  Schwarz,  Wirkung  der  Salicylsaure.  —  Reid,  Es- 
march*sche  Methode  bei  Aneurysmen.  —  Caspary,  Contagiositat  der  hereditären  Syphilis. 
—  Liicadi  Function  der  Tuba  Enstacbii  und  des  Gaumensegels.  —  Petersen ,  Dorsale  Dau- 
menluxatlon.  —  Wilde,  Schreibekrampf. 

Sehaepp,  Echinococceu.  —  Hamilton,  Casuistik.  —  Southey,  Tetanus.  —  De  Liplne,  Tod 

nach  Bienenstich.  —  Ferrler,  Subcutane  Injectionen  von  Ergotin  bei  Metrorrhagieen.  — 
Le  Gros  Ctarke,  Adenocele.  —  Dlickworth,  Natron  bicarb.  bei  Zahnschmerzen.  —  Rlohard- 
aon,  Hasenscharte.  —  Jonot,  Schussverletzung  des  Magens  und  der  Niere.  —  Heath,  Ein- 
geklemmter Nabelbruch.   —  Carmichael,  Penetrirende  Bauchwunde.  —   ThORltOn,  Innere 

Urethrotomie.  —  Bell,  Lepra  anaesthetica. 


Mikroskopische  Untersuchungen  über  den  sogenannten 

blauen  Eiter. 

Von 

Dr.  Glrardy 

Docent   in   Bern. 

Ueber  die  sogenannte  blaue  Eiterung  liegen  bis  jetzt  nur  sehr 
spärliche  mikroskopische  Untersuchungen  vor ;  eine  einzige  Arbeit  ent- 
hält genauere  Angabe  über  diesen  Gegenstand^  es  ist  der  Lücke'sche 
Aufsatz  in  Langenbeck's  Archiv  Bd.  IL  Lücke  fand  bekannt- 
lich als  Ursache  der  blauen  Färbung  der  Verbandstücke  zahllose 
Mengen  vibrionenartiger  niederer  Organismen^  welche  in  den  feuchten 
Compressen  und  in  der  Charpie  anwesend  waren. 

Den  blauen  Farbstoff  selbst^  das  von  Fordoz  entdeckte  Pyo- 
cyanin   konnte   er  zwar  aus  den  Verbandstücken  darstellen,  jedoch 

50 


786  Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  50. 

war  es  ihm  nicht  gelungen^  ihn  in  denselben  mikroskopisch  zu  sehen, 
und  er  meinte,  die  Vibrionen  selbst  seien  blau  gefärbt  und  bedingten 
die  Färbung  des  Verbandmaterials  durch  ihre  immense  Anzahl. 
Lücke 's  Aufsatz  war  schon  erschienen,  als  Fordoz  noch  einen 
zweiten,  gelben  Farbstoff  entdeckte,  welchen  er  Pyoxanthose  nannte. 
Dieser  Körper  entsteht  durch  allm&lige  Zersetzung  des  Pyocyanins 
an  der  Luft  und  unter  gewissen  Bedingungen.  (Bulletin  de  TAcad^ 
mie  des  sciences  1863.) 

Die  von  uns  über  das  Verhalten  dieser  beiden  Farbstoffe  in  den 
blau  gefärbten  Verbänden  angestellten  Untersuchungen  ergaben  fol- 
gende Resultate. 

In  den  rein  blauen  Flecken  fanden  sich  ausser  den  schon  er- 
wähnten niederen  Organismen,  welche  uns,  wie  Lücke,  entschieden 
schwach  bläulich  gefärbt  erschienen,  als  Hauptursache  der  blauen 
Färbung  mehr  oder  weniger  zahlreiche  Crystalle  von  Pyocyanin.  Nie 
haben  wir  sie  vermisst.  Sie  zeigen  sich  unter  folgenden  Formen: 
als  hellblaue  hexagonale  Tafeln,  manchmal  als  blaue  Nadeln  oder 
unregelmässige  Crystallgruppen,  als  sehr  kleine,  unregelmässige  Cry- 
ställchen,  welche  in  grosser  Anzahl  die  Gewebsfasem  schuppenartig 
bedecken,  endlich,  aber  selten,  als  schöne  dunkelblaue  Octaeder.  Neben 
dem  Pyocyanin  war  auch  regelmässig  eine  geringe  Menge  Ton  Pyo- 
xanthose  vorhanden,  gewöhnlich  iü  der  Form  von  kömig-crystalKni- 
schen,  hell  bis  dunkelgelben  Massen,  manchmal  in  deutlicheren 
Crystallgruppen,  wo  Pyocyanin  und  Pyoxanthose  durcheinander  ge- 
mischt sich  zeigten. 

Die  blaue  Farbe  der  blauen  £iterung  kann  nicht  aelten  in's 
Hellgrüne  übergehen.  Grüne  Färbungen  findet  man  an  den  Stellen, 
wo  ein  gelblicher  Eiterfleck  an  die  blauen  Partien  grenzt.  In  diesen 
grünen  Strecken  liess  sich  derselbe  Befund  wie  der  obige  constatiren, 
mit  Beimischung  von  Eiterkörperchen.  Der  Grund  dieser  grünlichen 
Färbung  liegt  auf  der  Hand. 

Aber  es  giebt  auch  grasgrüne  Stellen,  welche  ihr  Entstehen  nicht 
der  Beimischung  von  Eiter  verdanken,  z.  B.  auf  sogen,  hydropathischen 
Ueberschlägen,  oder  wo  nur  seröse  Flüssigkeit  das  Verbandmaterial 
imbibirt.  Es  findet  sich  dann  eine  Verminderung  des  Pyocyanin  und 
starke  Zunahme  der  Pyoxanthose-Crystalle. 

Endlich  kann  es  auch  vorkommen,  dass  der  blaue  Farbstoff  in 
so  geringer  Menge  vorhanden  ist,  dass  die  Verbandstücke  höchstens 
ganz  geringe  Spuren  von  bläulicher  Färbung  besitzen  und  einfach 
gelblich  erscheinen.  Hier  fehlen  zwar  keine  der  erwähnten  Gebilde, 
man  sieht  auch  zahlreiche  Vibrionen,  doch  weniger  als  in  blauen 
Flecken,  spärliche  und  kleine  Pyocyanincrystalle,  dafür  aber  sehr  viel 
Pyoxanthose. 

Um  nun  diese  Crystalle  leicht  zu  finden,  können  wir  folgende 
Methode  angeben:  man  benetzt  einen  Fleck  mit  Wasser,  drückt  ihn 
dann  aus,  und  setzt  den  ausgedrückten  Tropfen  unter  das  Mikroskop. 


Centralblatt  jfftr  Chirurgie.    No.  50.  787 

Sonst  ist  das  Zerzupfen  der  Leinwandfasem  in  destillirtem  Wasser 
auf  dem  Objeetträger  für  die  Untersuchungen  zu  empfehlen. 

Eine  bisher  noch  unbeachtete  Erscheinung  beim  sogen,  blauen 
Eiter  ist  noch  zu  erwähnen.  Es  lässt  sich  in  den  allermeisten  Fällen^ 
obgleich  nicht  immer^  ein  specifischer,  süsslich-aromatischer  Geruch 
wahrnehmen,  der  ganz  charakteristisch  ist.  Prof.  Lücke  wurde  da- 
rauf vor  3  Jahren  aufmerksam ;  wir  erkennen  ihn  so  sicher,  dass  wir 
die  blaue  Eiterung  seither  manchmal  diagnosticirten,  bevor  der  Ver- 
band aufgemacht  war,  oder  bei  Fällen,  wo  nur  die  genaueste  Unter- 
suchung einige  blaue  Fäden  erkennen  liess;  der  übrige  Verband  war 
dann  gelblich. 

Woran  dieser  Geruch  gebunden  ist  und  über  unsere  chemischen, 
mikroskopischen  und  experimentellen  Untersuchungen  der  blauen  Ei- 
terung werden  wir  nächstens  an  anderer  Stelle  ausführlicher  berichten. 

Socin  und  Barth.     Jahresbericht  über  die  chirurgische  Ab- 
theUung  des  Spitals  zu  Basel  im  Jahre  1874. 

Es  wurden  654  Kranke  behandelt  (469  Männer  und  185  Frauen), 
von  denen  jeder  Patient  im  Durchschnitt  2S^6  Tage  im  Spital  war. 
Im  Ganzen  kamen  17  Todesfälle  vor  und  zwar  11  bei  Männern  (2,6%) 
und  6  bei  Weibern  (3,6%).  Alter,  Gewerbe  und  Heimat  der  Kran- 
ken finden  in  einer  statistischen  Zusammenstellung  Berücksichtigung, 
ebenso  wie  über  die  Yertheilung  der  Erkrankungen  auf  die  einzelnen 
Körperabschnitte  eine  tabellarische  Uebersicht  gegeben  wird.  Von 
allen  interessanteren  Fällen  liegen  Krankengeschichten  vor. 

I.  Kopf  und  Ohr.     35  Fälle. 

Von  25  Kopfverletzungen  verliefen  1 1  ohne  Himsymptone,  6  mit 
Commotio  cerebri,  und  5  mit  länger  dauernden  Gehirnerscheinungen 
günstig  (alle  ohne  nachweisbare  Fractur).  Zwei  Fälle  von  Schädel- 
fractur  mit  Hirnverletzung,  Männer  von  34  und  59  Jahren,  endeten 
tödlich  (No.  1  und  2) ;  ebenso  ein  Fall  von  Hirnödem  nach  Sturz 
auf  den  Kopf  ohne  äussere  Verletzung  (Mann  von  62  Jahren  No.  3). 
Ein  Fall  von  Caries  des  Felsenbeins  (Trepanation)  bei  einer  35jähri- 
gen  Frau  (No.  4)  endete  durch  Pyämie,  Caries  des  Schädeldachs  und 
linken  Oberkiefers  bei  einem  17jährigen  Jüngling  (No.  5)  durch 
Meningitis  tuber culosa  tödlich. 

n.  Gesicht,  Nasen-  und  Mundhöhle.     48  Fälle. 

Nach  einer  Schussverletzung '  des  Gesichts  heilte  die  Kugel  in 
der  linken  Orbita  ein;  anfangs  bestehender  Exophthalmus  verlor  sich. 

15  Fälle  von  Tumoren  (darunter  9  Carcinome)  wurden  durch  Ope- 
ration geheilt,  darunter  1  Mal  totale  Oberkieferresection.  Schnelle 
Becidive  traten  3  Mal  nach  Lippenkrebs  ein,  1  Mal  nach  Fibrosarcom 
des  Oberkiefers. 

in.  Hals  und  Nacken.     24  Fälle. 

4  Mal  wurde  Struma  cystica  durch  Function  und  Jodinjection 
gebessert.      Struma  parenchymatosa  (2  Fälle)    wurde  durch  Eis   und 

50» 


788  CentralblaU  für  Chirurgie:    No.  50. 

Jodpräparate  innerlich  und  ^äusserlich  etwas  gebessert^  1  Mal  wurden 
vorher  bestehende  Erstickungsanfälle  durch  Tracheotomie  und  längeres 
Tragen  einer  Kanüle  dauernd  beseitigt. 

IV.  Wirbelsäule.     5  Fälle. 

In  zwei  Fällen  von  Contusion^  mit  Commotion  des  Marks  ver- 
bunden (in  einem  Falle  Schmerzen ,  im  andern  Parese  der  unteren 
Extremitäten ,  der  Blase  und  des  Mastdarms]  ^  trat  Besserung  ein. 
Eine  Fractur  des  6.  Halswirbels,  durch  Sturz  auf  den  Kopf  bei  einem 
21jährigen  Mädchen  entstanden  (No.  6)^  endete  nach  2  Tagen  tödlich. 
Von  2  Fällen  von  Wirbelcaries  wurde  der  eine  ungeheilt  entlassen,  der 
andere  (Luxation  des  l.  Lendenwirbels  —  Paraplegie)  endete  bei  einem 
15jährigen  Mädchen  todlich  (No.   7). 

V.  Brust  und  Rücken.  21  Fälle. 
Es  kam  ein  Fall  von  Pneumopericardium  bei  einem  20jährigen 
Mann  zur  Beobachtung,  nach  Sturz  aus  einer  Höhe  von  120';  Heilung. 
Die  Diagnose  durch  tympanitischen  Percussionsschall  in  der  Herzg^end 
und  rhythmische  plätschernde  Geräusche  an  Stelle  der  Herztöne 
sichergestellt. 

VL  Bauch.  13  Fälle. 
Von  10  Hernien  zeigten  4  Licarcerationserscheinungen ;  alle  4 
wurden  operirt.  Zwei  Mal  trat  Heilung  ein ;  eine  Frau  von  46  Jahren 
(Cruralhemie)  starb  21  Tage,  ein  Mann  von  70  Jahren  (Leistenhernie) 
8  Tage  nach  der  Operation,  beide  mit  anus  prätematuralis  (No.  8 
und  9).  Ein  Fall  von  Atresia  ani  congenita  mit  fistula  rectovaginalis 
wurde  bei  einem  2  Monate  alten  Kinde  durch  Ptoctoplastik  (Schnitt 
durch  die  hintere  Vaginalwand  bis  zur  Fistel  verlängert)  und  Vagi- 
nalnaht bis  auf  einen  nur  für  Vapores  permeabeln  Fistelrest  geheilt. 

VII — IX.  Harn-  und  Geschlechtsorgane.     47  Fälle. 

Ein  Fall  von  Prostatahypertrophie  endete  bei  einem  72jährigen 
Mann  durch  Cystitis  und  Pyonephrose  tödlich  (No.  10).  Von  7 
Fällen  von  Tripperstricturen  wurden  3  durch  Bougiren,  2  durch  in- 
nere Urethrotomie  mit  folgendem  Einführen  von  Zinnbougies  gebes- 
sert; 2  Patienten  entzogen  sich  der  Behandlung. 

Hydrocele  testis  (6  Fälle)  wurde  2  Mal  durch  ^  Function  nebst 
folgender  Jodeinspritzung  geheilt,  3  Mal  wurde  durch  den  Badical- 
schnitt  Heilung  erreicht,  nachdem  Jodinjection  entweder  erfolglos 
geblieben  war  oder  Verjauchung  zur  Folge  gehabt  hatte. 

Eine  uniloculäre  Ovarialcyste  wurde  bei  bestehender  Gravidität 
operirt;  Behandlung  nach  List  er  (natürlich  ohne  Drainage).  Kein 
Fieber;  am  8.  Tage  Abortus.  —  Heilung. 

Ein  Fall  von  Fibroma  mammae  und  1  Carcinoma  mammae  wur- 
den durch  Exstirpation  geheilt;  ein  2.  Fall  erwies  sich  als  nicht  mehr 
operirbar. 

Eine  kleine  Vesico-Vaginal-Fistel  heilte  spontan,  in  der  7.  Woche 
nach  der  Entbindung. 


Centralblatt  för  Chirurgie.    No.  50.  789 

X.  Becken  und  Lumbargegend.     9  Fälle. 
Ein  perityphlitischer  Abscess,  mit  Perforation  des  Colon  ascen- 
dens  führte  bei  einer  58jährigen  Frau  (No.   11)  zum  Tode. 

XL  Obere  Extremität.     157  Fälle. 

7  Fälle  von  Luxation,  darunter  2  der  Clavicula.  Eine  10  Wo- 
chen alte  complete  Luxation  des  Unterarms  nach  Hinten  machte  die 
Kesection  der  Humerusepiphyse  nöthig.  Li  st  er  —  Heilung.  Active 
Bewegungen  in  einer  Ausdehnung  von  30^  möglich. 

20  Gelenkwunden  und  offene  Fracturen  (meist  Fingerverletzun- 
gen) wurden  nach  List  er  behandelt,  kein  Todesfall. 

Von  4  Fällen  fungöser  Eilenbogengelenkentzündung  wurden  3 
mit  Besection  des  Gelenks  behandelt;  2  Mal  folgte  die  Amputation 
des  Oberarms.  Eine  42jäkrige  Frau  starb  2  Tage  nach  der  Amputa- 
tion plötzlich  an  Herzparalyse  (No.  12);  Sectionsbefund :  Insufficienz 
und  Stenose  der  MitraJis,  fettige  Entartung  des  linken  Ventrikels. 

7  Fälle  von  Tumoren. 

Ein  kindskopfgrosses  reddives  Spindelzellensarcom  und  ein  gros- 
ses Enchondrom  des  rechten  Oberarms  machten  die  Exarticulation 
nöthig^  im  2.  Falle  mit  ausgedehnter  Resection  des  Acromion.  Li  st  er. 
Heilung.  Ein  kindskopfgrosses  Fibrosarcom  des  linken  Humerus  führte 
bei  einem  24jährigen  Mädchen  (No.  13)  nach  einer  Frobepunction 
durch  Verjauchung  —  Septikämie  —  zum  Tode. 

XIL  Untere  Extremität.     198  Fälle. 

2  Luxationen.  Eine  frische  Luxatio  fem.  iliaca  wurde  durch  ex- 
treme Beugung,  Adduction  und  Rotation  nach  Innen,  und  darauf 
rasches  Uebergehn  in  Rotation  nach  Aussen  und  Streckung  reponirt. 
Bei  einer  4  Wochen  alten  Luxatio  femoris  ileo-ischiadica  gelang  die 
Reposition  nicht.  5  einfache  Fracturen  des  Oberschenkels  heilten 
bei  Gewichtsextension  mit  Verkürzung  von  0,  IV2*  2  bis  3  Ctm. ;  eine 
Doppelf ractur  mit  Verkürzung  von  5  Ctm. 

7  Gelenkwunden  und  offene  Fracturen. 

1  Mal  wurde  doppelte  Oberschenkelamputation,  1  Mal  primäre 
Fussgelenksresection,  1  Mal  die  Amputation  nach  Pirogoff  gemacht; 
eine  Durchstechungsfractur  des  Oberschenkels  und  eine  Stichverletzung 
des  Kniegelenks  wurden  conservativ  behandelt.  In  allen  Fällen  trat 
unter  Lister 'scher  Behandlung  Heilung  ein;  im  letzten  Fall  ohne 
Functionsstörung.  Eine  jauchige  Phlegmone  bei  einem  42jährigen 
Mann,  der  bereits  pyämisch  ins  Haus  kam  (No.  14]  führte  zum  Tode. 

5  Coxitiden  wurden  mit  Vo  1km an n 'scher  Extension  resp.  Tay- 
lor behandelt;  ein  IBjähriger  Knabe  (No.  15)  starb  im  Hause  an 
Phthisis  und  Albuminurie. 

Von  6  Fällen  fungöser  Kniegelenksentzündung  machte  einer  die 
Amputatio  fem.  nöthig;  Li  st  er  —  Heilung. 

Von  3  Fällen  fungöser  Fussgelenksentzündung  wurde  einer  nach 
vergeblicher  Resection  des  Gelenks  durch  Amputatio  cruris  (Li  st  er) 
geheilt. 


790  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  50. 

Wegen  Caries  pedis  (11  Fälle)  wurde  1  Mal  Resection  des  Cal- 
caneus  gemacht  (mit  Fisteln  entlassen]  1  Mal  nach  Fi rog off ^  1  Mal 
nach  Syme  1  Mal  nach  Chopart,  und  2  Mal  der  Unterscl^enkel  am- 
putirt;  Li  st  er.     Kein  Todesfall. 

Xin.     Verschiedene    Körpertheile     betreffende    Erkran- 
kungen.     18  Fälle. 

Unter  5  Fällen  multipler  Verletzungen  wurde  eine  complicirte 
Fractur  des  Unterschenkels  und  eine  complicirte  Fractur  des  Ober- 
schenkels unter  Li  st  er  conservativ  geheilt. 

Ein  Fall  multipler  Lymphosarcome  und  ein  Fall  allgemeiner 
Carcinose  (No.  16  und  17)  wurden  im  Hause  bis  zum  Tode  be- 
obachtet. 

Accidentelle  Wundkrankheiten. 

Ein  Fall  multipler  Pyaemie  war  nicht  im  Hause  entstanden. 

Von  12  Erysipelen  enstanden  10  im  Hause,  darunter  6  bei  Ope- 
rirten  (ob  unter  Lister'schem  Verbände,  ist  aus  dem  Bericht  nicht 
zu  ersehn) .    Die  Dauer  der  Erysipele  betrug  zwischen  4  und  7  Tagen ; 
«keins  verlief  tödtlich. 

5  Fälle  von  Delirium  tremens  gingen  unter  Chloralbehandlung  in 
Genesung  über.  Ein  Fall  von  Tetanus  (compl.  Fractur  des  Oberschen- 
kels bei  einem  9jährigen  Knaben)  ging  bei  Darreichung  von  durch- 
schnittlich 0,02  Morph,  und  2,6  Chloral  täglich,  im  Laufe  von  4  Wo- 
chen in  Heilung  über;  es  hatte  zeitweise  starke  Albuminarie  be- 
standen. 

Es  folgt  eine  Zusammenstellung  sämmtlicher  Operationen.  Un- 
ter 20  grossen  Amputationen^  davon  5  des  Oberschenkels,  und  8  grossen 

Resectionen  ausser  dem  unter  No.  XU.  erwähnten  kein  Tpdesfall. 

k.  Oenzmer  (Halle). 

V.  Ewetzky.     Entzündungs versuche  am  Knorpel. 

(Untersuchungen  des  pathol.  Instit.  zu  Zürich,   herausgegeben  von  Eberth.  1875. 

Leipzig.  Willi.  Engelmann.  Hft.  3.) 

Die  Arbeit  E.'s  giebt  die  detaillirten  Angaben^  welche  in  der 
vorläufigen  Mittheilung  im  Centralblatt  für  die  med.  Wiss.  1875, 
27.  März  (cfr.  Centralbl.  f.  Chir.   1875,  No.  17)  versprochen  wurden. 

E.  stellte  sich  die  Angabe,  an  dem  gefasslosen  Gewebe  die 
Frage  zu  beantworten:  betheiligen  sich  die  Gewebe  activ  bei  der 
Entzündung?,  können  ihre  Elemente  die  Quelle  des  Eiters  sein,  und 
wenn  nicht,  wie  verhaften  sie  sich  im  Allgemeinen  zum  Entzün- 
dungsvorgange? Die  bisherigen  Untersucher  nahmen,  mit  Ausnahme 
von  Ecker  und  Popp  eine  active  Betheiligung  des  Knorpels  bei  der 
Entzündung  in  mehr  oder  weniger  hohem  Grade  an.  llieoretische 
Bedenken  jedoch  forderten  ebenso  wie  die  zum  Theil  mangelhaften 
früheren  Untersuchungsmethoden  zu  erneuter  Prüfung  auf. 

Die  Untersuchungen  E.'s  wurden  zum  grössten  Theile  am  Scleral- 
knorpel  des  Frosches  angestellt.  Die  Zellen  desselben  sind  ge- 
wöhnlich  in  zwei  Schichten  gelagert,   und  liegen  nur  höchst  selten 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  50.  791 

zu  zweien  in  einer  Kapsel,  selten  besitzen  sie  zwei  Kerne.  Die 
Untersuchungsmethode  ist  folgende :  der  dem  ex8tirpirten  Bulbus  ent- 
nommene Knorpel  wird  10  bis  ^0  Minuten  lang  in  eine  0,5^  Gold- 
chloridlösung gelegt,  dann  in  mit  Essigsäure  versetztem  Wasser  der 
Einwirkung  des  Lichtes  ausgesetzt.  Nach  der  ßeduction  des  Goldes, 
welche  in  1  bis  3  Tagen  erfolgt,  wird  das  Perichondrium  und  das 
der  Knorpelinnenseite  aufliegende  Endothel  unter  dem  Präparirmi- 
kroskope  entfernt.  Da  die  Veränderungen  nur  langsam-  vor  sich 
gehen,  hat  £.  in  der  ersten  Woche  nach  dem  Eingriffe  den  Knorpel 
alle  zwei  Tage,  in  der  späteren  Zeit  mit  4-  bis  7tägigen  Intervallen 
bis  2  Monate  nach  der  Verletzung  untersucht. 

Es  sind  3  Reihen  von  Versuchen  gemacht:  1)  Durchstechung 
des  Scleralknorpels  mit  einer  feinen  Nadel.  2)  JSbenfalls  Durch- 
.  stechung  des  Bulbus  mit  einer  Nadel,  aber  mit  Liegenlassen  derselben 
durch  verschiedene  Zeit.  Der  Einstich  muss  dabei  ausserhalb  der 
Lider,  durch  die  Cutis  geschehen,  um  den  Lidschluss  nicht  zu  be- 
hindern. Die  Untersuchung  erfolgt  nun  entweder  während  der 
Fremdkörper  noch  im  Auge  verweilt,  oder  längere  Zeit  nach  Entfer- 
nung desselben  in  der  Heilungsperiode.  3]  Aetzung  des  Scleral- 
knorpels mittelst  eines  arg.  nitr.  Stiftes  durch  2  bis  30  Secunden, 
oder  vermittelst  eines  Chlorzinkstiftes  durch  2  Minuten. 

Nach  jeder  dieser  Reizungen  degeneriren  die  Zellen  an  der 
Applicationsstelle  und  in  deren  Umgebung.  Die  atrophischen  Zellen 
persistiren  in  der  Regel  ziemlich  lange;  die  Zellenhöhlen  verklei- 
nem sich,  ihre  Contouren  werden  undeutlich.  Die  Grundsubstanz 
wird  weicher  und  brüchiger,  auch  ist  an  den  Wundrändern  eine 
Einschmelzung  zu  constatiren.  Nicht  selten  sieht  man  in  der  Inter- 
cellularsubstanz  theils  radiär,  theils  parallel  verlaufende  Fasern ;  ferner 
kann  in  die  Grundsubatsnz  eine  Kalkablagerung  stattfinden.  Der 
Raum ,  auf  welchem  sich  diese  regressiven  Vorgänge  abspielen ,  ver- 
grössert  sich  noch  längere  Zeit  hindurch,  auch  nach  dem  Wegfallen 
des  Reizes;  er  wird  von  £.  atrophische  Zone  genannt. 

Von  dieser  Zone  nach  aussen,  d.  h.  nach  dem  gesunden  Knorpel 
zu,  tritt  sodann  die  Vacuolenzone  auf,  und  zwar  am  frühesten 
nach  chemischer  Reizung.  Der  Leib  der  in  ihr  vorhandenen  Zellen 
wird  durch  zunehmende  Vacuolenbildung  in  ein  Netz  feiner  Fäden 
verwandelt,  endlich  zuweilen  ganz  gesprengt.  Die  Zellen  gehen 
•  hierbei  entweder  zu  Grunde,  oder  erholen  sich  wieder.  Etwa  4 
Wochen  nach  der  Continuitätstrennung  mit  Liegenlassen  eines  Fremd- 
körpers sieht  man  besonders  schön  ein  System  ^von  Linien,  welches 
die  Zellen  in  der  atrophischen  und  der  Vacuolenzone  zu  verbinden 
scheinen.  Gegen  die  Vermuthung  Bubnoff's,  dass  diese  Linien 
als  Saftcanälchen  zu  deuten  seien,  führt  £.  an,  dass  auch  mit  den 
stärksten  Immersionslinsen  kein  deutliches  Lumen  zu  sehen  sei.  Die 
Zeit  des  Erscheinens,  welche  mit  der  Vacuolenbildung  zusammentrifft 
spricht  dafür,  dass  die  Linien  durch  Lockerung,  Zerspaltung  und 
Zerfaserung  der  Grundsubstanz  entstehen. 


792  Centralblatt  für  Clhirurgie.    No.  50. 

Nachdem  die  Yacuolenzone  verschwunden^  erscheint  in  dem  Ge- 
biete nach  aussen  von  ihr  eine  2  bis  6  Zellenreihen  breite  Prolife- 
rationszone.  Yergrösserung  der  ZeUen^  Eemtheilung^  Zellenthei- 
lung  folgen  hier  auf  einander.  Die  Zellen  haben  gewöhnlich  mehr 
oder  weniger  zahlreiche  Fortsätze;  einige  sind  yollkommen  sternför- 
mig; andere  mit  einer  geringen  Anzahl  von  Kernen  sind  rundlich 
und  haben  eine  gewisse  Aehnlichkeit  mit  den  Riffzellen  der  Epider- 
mis. Manchmal  erinnern  die  jungen  Elemente  ihrer  Form  nach  an 
Eiterkörperchen ;  Orts-  und  Formbewegungen  Hat  E.  jedoch  nicht  an 
ihnen  bemerken  können.  Die  Kapseln  verschwinden  mit  dem  Eintritt 
der  Proliferation  zunächst,  um  sich  später  entweder  um  einen  Hau- 
fen, oder  um  je  eine  einzelne  der  neugebildeten  Zellen  wieder  zu 
bilden.  Die  Zellen  der  Proliferationszone  dringen  endlich  in  die 
atrophische  Zone  ein;  in  gleicher  Weise  von  der  Wunde  aus  die 
wuchernden  Zellen  des  •  Perichondrium.  Als  ein  Netz  von  spindel- 
und  sternförmigen  Zellen  unterminiren  sie  die  erweichte  Grundsub- 
stanz mit  Benutzung  der  reducirten  Zellenhöhlen.  Von  ihnen  schnü- 
ren sich  kernhaltige  Ballen,  später  in  echte  Knorpelzellen  sich 
verwandelnd,  ab.  Directer  Uebergang  von  Zellen  des  Perichondrium 
in  Knorpelzellen  wird  ebenfalls  beobachtet. 

Da  die  atrophische  Zone  sich  erst  allmälig  entwickelt,  femer 
nach  der  Aetzung  mit  arg.  nitr.  immer  durch  eine  scharfe  Linie  vom 
Aetzbezirke  getrennt  ist,  nimmt  E.  an,  dass  der  einmalige  Insult 
hinreiche,  um  einen  verschieden  grossen  Gewebsbezirk  so  in  seiner 
Ernährung  zu  alteriren,  dass  die  Elemente  des  Knorpels  entweder 
sofort  absterben  oder  allmälig  degeneriren  und  endlich  zu  Grund, 
geben.  Die  Wucherung  folgt  nun  ihrerseits  nicht  der  Reizung  oder 
dem  Insulte,  sondern  der  Atrophie  auf  dem  Fusse  nach.  Mit  einiger 
Wahrscheinlichkeit  ist  daher  die  Abnahme  des  Wachsthumsdruckes 
durch  den  Schwund  einiger  Zellen  als  der  Reiz  anzusehen,  welcher 
die  Proliferation  hervorruft.  Die  Regeneration  des  Knorpels  erfolgt 
in  der  atrophischen  Zone  vom  gesunden  Knorpel  und  vom  Perichon- 
drium aus;  in  der  Wunde  geschieht  sie  durch  Vermittlung  des  letz- 
teren.    Ranke  (Halle). 

C.  Baber.     On  the  structure  of  hyaline  cartilage. 

(The  Journal  of  anatomy  und  physiology  1875.  Octbr.  Vol.  X.  p.  1.) 

Verf.  prüfte  die  vom  Ref.  (»Beiträge  zur  Histologie  der  Grelenke«, 
Max  Schultzens  Arch.  für  mikroskopische  Anatomie  Bd.  X. 
p.  401]  zuerst  heschriebene  künstliche  Auffaserung  der  homogenen 
hyalinen  Knorpelgrundsubstanz  durch  Kai.  hypermang.  und  10^ 
Kochsalzlösung.  Ausser  den  beiden  genannten  Flüssigkeiten  wandte 
Verf.  auch  Kalk-  und  Barytwasser  an.  B.  bestätigt  die  vom  Ref. 
gemachten  Angaben  und  schliesst  sich  deshalb  ebenfalls  der  Ansicht 
des  Ref.  an,  dass  der  hyaline  Knorpel  aus  Fasern  aufgebaut 
sei,     welche     durch     interfibrillären     Kitt     zusammen- 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  50.  793 

gehalten  sind.  Die  homogene  Structur  der  hyalinen  Knorpel- 
grundsubstanz ist  nur  scheinbar  und  bedingt  durch  die  interfibril- 
läre  Eättsubstanz.  Am  schnellsten  erzielte  Verf.  die  Auffaserung 
durch  Anwendunng  von  Barytwasser.  Im  Gegensatz  zu  den  Anga- 
ben des  Bef.  hat  B.  gefunden^  dass  Kochsalzlösung  dem  Kai.  hyper- 
mang.  vorzuziehen  sei.  Die  Faserung  der  hyalinen  Knorpelgrundsub- 
stanz liess  sich  auch  besonders  deutlich  durch  Anwendung  eines 
momentanen  Druckes  auf  das  Objectgläschen  demonstriren. 

TUlnuums  (Leipzig). 

J.  Schwarz.      Praktische  Mittheilungen  über  die  Wirkung 

der  Salicylsäure. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No!  27,  28  u.  29.) 

Sch.  verwendete  die  Salicylsäure  bei  Angina,  Diphtherie,  Ulcera, 
Combustio,  Variola,  in  Form  von  Gurgel-  und  Verbandwässem  so- 
wohl als  auch  innerlich  nach  nachstehender  Formel:  Glycerin,  Acid. 
salicyl.  aa  1,0 — 2,0,  Spirit.  vin.  rectif.  q.  s.  ut  f.  solutio;  Aq.  destill. 
300,0—400,0. 

In  schwereren  Fallen  von  Angina  tonsillar.  mit  Abscessbildung, 
zeigte  sich  von  der  Salicylsäure  ein  sehr  guter  Erfolg,  nach  3  Tagen 
schon  wesentliche  Besserung,  Heilung  in  1  Woche. 

Auch  bei  Diphtheritis  will  Sch.  vom  Gurgeln,  besser  Pinseln  mit 
Salicylsäurelösungen  ^sehr  gute  Erfolge  gehabt  haben.  Die  Behand- 
lung nahm  3 — 8  (als  Maximum}  Tage  in  Anspruch. 

Bei  Variola  als  Waschwasser  (Grm.  2,0  auf  400,0  Wasser)  Y4 — 
Y2Stündlich  mit  einem  Leinwandlappen  applicirt,  soll  die  Salicylsäure 
wiederholt  die  Pustelbildung  verhütet  haben.  In  andern  Fällen  er* 
starrte  das  Exsudat  in  den  Bläschen,  welche  bald  eintrockneten;  es 
kam  so  zu  keiner  Eiterung. 

Auch  bei  Fussgeschwüren  (scrophulösen  und  varicösen),  so  wie 
bei  Brandwunden  leistete  die  Salicylsäure  als  Verbandmittel  sehr  gute 
Dienste.  Die  Geschwüre  reinigten  sich  in  24  Stunden  und  die 
Heilung  erfolgte  verhältnissmässig  rasch.  Fr.  Stelner  (Wien). 


W.  Reid*   Esmarch's  blutaustreibende  Binde  zur  Behandlung 

von  Aneurysmen. 

(The  Lancet  1875.  Vol.  II.  p.  448.) 
Als  R.  bei  einer  Nekrosen -Operation  den  Schlauch  über  eine 
Stunde  ohne  schädliche  Folgen  in  Anwendung  gebracht  hatte,  kam  ihm 
der  Gedanke,  denselben  bei  einem  grossen,  linksseitigen  Popliteal- 
Aneurysma  zu  benützen,  bei  welchem  Ruhe,  Diät,  starke  Flexion  und 
verschiedene  Compressionsmethoden  ohne  Erfolg  geblieben  waren. 
Nach  geschehener  Einwicklung  mittelst  elastischer  Binde  von  den 
Zehen  bis  zum  Oberschenkel  hinauf,  in  der  Art,  dass  über  dem 
Aneurysma  selbst  die  Binde  nicht  comprimirend  angelegt  wurde,   er- 


794  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  50. 

folgte  die  Anlegung  des  elftstischen  Schlauches ;  die  Binde  selbst  wurde 
jetzt  entfernt.  Der  Unterschenkel  erschien  bleich,  die  Arterien  puls- 
los; nach  50  Minuten  klagte  Fat.  über  starke  Schmerzen  an  der 
Umschnürungsstelle^  deshalb  wurde  hoch  am  Oberschenkel  ein  Com- 
pressorium  in  Anwendung  gebracht^  und  mit  diesem  intermittirende 
Compression  bis  zum  nächstfolgenden  Abende  ausgeführt ;  der  elastische 
Schlauch  war  inzwischen  entfernt ,  zu  keiner  Zeit  erschien  der  Puls 
in  dem  pulslos  gewordenen  aneurysmatischen  Sacke  wieder;  derselbe 
war  sichtlich  verkleinert;  deutlich  konnte  Puls  in  der  Femoralis  bis 
zur  Umschnürungsstelle  gefühlt  werden^  aber  nicht  unter  ihr;  kleine 
Arterien  pulsirten  erkennbar  am  Kniegelenke,  besonders  an  der  In- 
nenseite. R.  weist  besonders  darauf  hin,  dass  der  complete  Abschluss 
des  Blutes  von  dem  Unterschenkel^  mit  Temperaturerniedrigung  und 
absoluter  Stagnation  im  Sack  zur  sicheren  Coagulation  beigetragen 
haben.  j^ü«  (Stettin). 


Caspary,     Ueber   die  Contagiosität  der  hereditären  Syphilis. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.    No.  41.) 

Verf.  wendet  sich  auf  Grund  von  Beobachtungen  gegen  Günz- 

burg,  welcher  im  Moskauer  Findelhaus  gefunden  hatte^  dass  in  den 

Jahren  1868—1870  von  31  Ammen,  welche  120  hereditär  syphilitische 

Kinder  gestillt  hatten,  keine  hierdurch  inficirt  i?^orden  sei,  wonach  er 

hereditäre  Lues  für  nicht  ansteckend  hält.  Ein  positives  Resultat^  wie 

C.  solche  beibringt,  beweist  mehr  für  eine  Ansicht,  als  viele  negative 

dagegen.    Bei  der  Gefährlichkeit,  welche  die  G  ü  n  z  b  u  rg '  sehe  These 

birgt,    ist  C.'s   Beweisführung  für  die  Contagiosität  der  hereditären 

Syphilis  an  der  Hand  von  selbst  wenigen  Fällen  höchst  wichtig. 

T.  Hosengeil  (Bonn). 

A.  Lucae.     Zur  Function  der  Tuba  Eustachii  und  des  Gau- 
mensegels. 

(Virch.  Archiv  Bd.  LXIV.  p.  476.) 

Die  Tuba  Eustachii  ist  nicht  als  eine  für  gewöhnlich  vollständig 
geöffiiete  Röhre  anzusehen.  Es  sprechen  hiergegen  sowohl  akustische 
Bedenken  als  auch  pathologische  Beobachtungen  an  Kranken  mit 
abnorm  offener  Tuba,  bei  welcher  aber  noch  keine  Schwerhörigkeit 
beobachtet  worden  ist.  Eben  so  wenig  haltbar  ist  aber  die  Annahme 
eines  luftdichten  Abschlusses  der  Tuba;  dieselbe  ist  vielmehr  lose 
geschlossen  und  öffnet  sich  mit  individueller  Verschiedenheit  bald 
leichter  bald  schwerer  bei  Luftdrucksschwankungen  im  Nasenrachen- 
raum und  in  der  Trommelhöhle. 

Es  ist  richtig,  dass  durch  die  Tubenmuskeln  während  des  Schling- 
aktes eine  »physiologische  Ventilationtt  des  Ohrs  stattfindet  (Troeltsch). 
Diese  Ventilation  kommt  aber  nicht  dadurch  zu  Stande ,  dass  die  für 
gewöhnlich  geschlossene  Tuba  wahrend  des  Schlingaktes  sich  öffioiet. 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  50.  795 

sondern  vielmehr   dadurch^   dass   die  für  gewöhnlich   offen   stehende 

Mündung  der  im  weiteren  Verlaufe  ganz  lose  geschlossenen  knorpelig- 

membrauösen   Tuba   durch  den  Schlingakt  kräftig  zusammengedrückt 

und  nach  demselben  wieder  geöf&iet  wird.     Einen   ähnlichen  ventili- 

renden  Einfluss   üben  auch  eine  Beihe  anderer  Bew^ungen,  wie  for- 

cirte  Kespiration^  Phonation  und  Aspiration  auf  das  Ohr  aus. 

Madelnng  (Bonn). 

Petersen.  Ueber  dorsale  Luxation  der  ersten  Daumenphalanx. 

(Vortrag,  gehalten  im  physiolog.  Verein  zu  Kiel  am  13.  Mai  1875.} 
(Mittheilungen  für  den  Verein  Schleswig-Hoht.  Aerzte  1875.  Juli.  Hft.  5.) 

Nach  einem  kurzen  BUck  auf  die  Litteratur  der  in  Rede  stehen- 
den Luxation  recapitulirt  P.  die  topographische  Anatomie  des  Me- 
takarpophalangealgelenkes  des  Daumens  und  die  yerschiedenen  Theo- 
rieen^  welche  zur  Erklärung  der  bekannten  Repositionsschwierigkeit 
aufgestellt  sind.  Er  hält  eine  Interposition  der  Kapsel  für  die  wahr- 
scheinlichste Ursache.  Dieselbe  kann  auf  verschiedene  Weise  zu  Stande 
kommen.  Der  Kapselriss  befindet  sich  an  der  Volarseite  meist  dicht  am 
Metakarpalknochen.  Durch  die  forcirte  Dorsalflexion  wird  daher  die 
Kapsel  mit  dem  lig.  intersesamoidale  und  den  Sesambeinen  aber  die 
Gelenkfläche  des  Köpfchens  herübergezogen.  Findet  jetzt  eine  Con- 
traction  der  mit  den  Sesambeinen  noch  zusammenhängenden  Muskeln 
statt,  zwischen  die  das  Köpfchen  hindurchgetreten  ist,  so  dass  an  der 
Ulnarseite  der  adductor  und  flexor  brevis  ulnaris,  an  der  Radialseite 
der  flex.  brev.  rad.  und  der  abductor  liegen,  so  wird  die  Kapsel 
zwischen  Volarrand  der  Phalanxbasis  und  den  Dorsalrand  des  Köpf- 
chens des  Metakarpalknochens  hineingezogen,  ist  also  interponirt, 
und  diese  Interposition  wird  durch  die  Elasticität  der  gespannten 
Muskeln  selbst  in  der  Chloroformnarkose  aufrecht  erhalten.  Sind  aber 
die  Muskeln  von  ihren  Insertionsstellen  abgerissen,  so  kann  die  In- 
terposition auch  auf  andere  Weise  zu  Stande  kommen.  Verf.  erinnert 
an  die  bekannte  Erscheinung,  wie  bei  Entfernung  von  Fingergelenk- 
flächen von  einander  die  Haut  durch  den  Luftdruck  in  die  ent- 
stehende Lücke  hineingedrängt  wird.  »Eine  solche  Entfernung 
der  Gelenkflächen  von  einander  findet  gewiss  auch  oft  während  der 
Entstehung  der  Luxation  statt.  Ist  die  Kapsel  nun  schon  zerrissen, 
dann  wird  bei  dieser  Abhebung  das  Kapselfragment  in  die  entstehende 
Lücke  hineingedrängt,  also  aspirirt.  Auch  ohne  Aspiration  ist  das 
Zustandekommen  der  Interposition  denkbar.  Wenn  der  Rissrand  auf 
dem  Dorsum  des  Metakarpalknochens  bei  der  Hyperextension  angekom- 
men ist  und  es  erfolgt  jetzt  als  secundäre  Bewegung  eine  Flexion,  dann 
kann  dabei  das  Kapselfragment  zwischen  Basis  der  Phalanx  und 
Mittelhandknochen  eingeklemmt  werdena. 

An  einem  Präparat,  bei  welchem  die  Kapsel  und  die  mit  ihren 
Muskeln  noch  in  Verbindung  stehenden  Sesambeine  interponirt  sind, 
demonstrirt  P.  alsdann,  wie  durch  Vermehrung  der  bestehenden 
Dorsalflexion  der  vordere  Rand   der   Phalanxbasis  vom   Metakarpal- 


796  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  50. 

knochen  abgehebelt  und  dadurch  der  Rissrand  der  Kapsel  frei  wird. 
Schiebt  man  nun  die  Phalanx  durch  Druck  von  hinten  und  oben  vor, 
bis  der  Rissrand  des  Kapselfragments  die  höchste  Kuppe  des  Meta- 
cervusköpfchens  erreicht  hat  (wobei  also  die  Phalanx  die  interponirt 
gewesene  Kapsel  vor  sich  herschiebt),  so  genügt  eine  schliessliche 
Flexion  zur  Reposition.  Letztere  gelingt  am  leichtesten,  wenn  man 
die  Phalanx  nicht  gerade ,  sondern  mehr  ulnarwärts  vorschiebt ,  weil 
der  ulnare  Theil  des  capit.  oss.  metac.  (von  P.  als  ulnarer  Condylus 
bezeichnet)  flacher  ist,  als  der  radiale  und  daher  das  Hinübergleiten 
der  Kapsel  leichter  gestattet.  Gelingt  die  Reposition  trotzdem  nicht, 
so  schlägt  P.  vor,  das  Gelenk  zu  eröffnen  und  die  interponirte  Kapsel 
mit  einem  Haken  hervorzuheben,  resp.  das  Köpfchen  des  Metakarpal- 
knochens  zu  reseciren.  —  Wenn  man  den  Daumen  wohl  in  die  rich- 
tige Stellung  bringen  kann,  derselbe  aber  wegen  der  interponirten 
Kapsel  stets  wieder  in  die  Luxationsstelle  zurückfedert,  so  empfiehlt 
er  mit  Hüter  das  Eingipsen  des  Daumens  in  der  normalen  Stellung; 
nach  14  Tagen  sei  die  Neigung  zum  Zurückfedern  verschwunden 
(Druckatrophie  der  eingeklemmten  Kapsel).  Andere  Male  haben  Tor- 
sionen des  Daumens,  wodurch  der  Riss  der  Bänder  und  der  Kapsel 
vergrössert  wurde,  zum  Ziel  gefuhrt.  Schede  (Berlin). 


H,  Wilde,     lieber  Schreibekrampf  und  analoge  Zustände. 

(Inaug.-Dlss.  Breslau  1875.) 

Einer  geschickten  Zusammenstellung  des  Bekannnten  lässt  Verf. 
4  Krankengeschichten  aus  der  Klinik  von  O.  Berg  er  folgen: 
1)  Cigarrenarbeiter-Krampf.  Eine  im  8.  Monate  schwangere 
28jährige  Frau,  welche  seit  3  Jahren  täglich  12  Stunden  lang  mit  Un- 
terbrechung einer  einzigen  Stunde  Cigarren  gewickelt  hatte ,  litt  seit  6 
Wochen  während  der  Arbeit  an  einem  Gefühl  von  »Erstarrung  und 
Ertödtung«  der  Fingerspitzen  beiderseits,  so  dass  sie  den  Cigarren 
keine  recht  ordentliche  Fa9on  geben  konnte.  Gleichzeitig  empfand 
sie  reissende  Schmerzen  in  sämmtlichen  Fingern,  Formicationen  und 
Kältegefühl  in  den  Spitzen.  Wenn  sie  trotzdem  die  Arbeit  fortsetzte, 
stellte  sich  ein  etwa  1  Minute  lang  anhaltender  nicht  zu  hemmender 
Ringkrampf  in  sämmtlichen  Fingern  beider  Hände  ein, 
so  dass  die  Fingerspitzen  nur  einen  Zoll  von  der  Vola  manus  entfernt 
blieben.  2)  Schreiblähmung  mit  Tremor.  3)  Melkerkrampf 
bei  einer  59jährigen  Viehmagd,  die  seit  25  Jahren  3  Mal  täglich 
^4  Stunden  lang  Kühe  gemolken.  Bald  nach  dem  Beginn  des  Mel- 
kens stellt  sich  in  den  Fingern  das  Gefühl  des  Eingeschlafenseins,  Ab- 
Sterbens  und  Formication  ein ;  die  Finger  werden  auffallend  kalt  und 
weiss  und  spreizen  sich  unwillkürlich  krampfhaft  auseinander,  wäh- 
rend der  Daumen  in  gestreckter  Stellung  krampfhaft  in  die  Hohlhand 
eingezogen  wird.  4)  Uhrmacher  kramp  f.  Ein  schwächlicher, 
scrophulöser  Uhrmacher  von  22  Jahren  litt  seit  6  Wochen  nur  wäh- 


Centralblatt  fflr  Chirurgie.   No.  50.  797 

rend  der  Berufsarbeit  an  einem  tonischen  Krampf^  welcher  die  Hand 
in  die  bei  der  Tetanie  gewöhnliche  Pfotchenstellung  brachte ;  Druck 
auf  Gefässe  und  Nerven  der  oberen  Extremitäten  rief  aber  keine  Spur 
des  Krampfes  hervor.  Nach  4wöchentlichem  Gebrauch  von  Eisen 
und  constantem  Strom  M'ar  Pat.  geheilt  und  war  dies  noch  2  Jahre 
später.  SeeligmUller  (Halle). 

Kleinere  Mittheilungen. 

L.  Sohnepp,     Ein  Beitrag  zur  Lehre  von  den  Echinococcen. 

(Inaug.-Diss.  Breslau  1S75.) 

Ein  25j&hrige8,  bisher  immer  gesundes  M&dchen  bemerkte  seit  einiger  Zeit 
eine  Geschwulst  an  ihrer  rechten  Brustdrüse.  Bei  der  ärztlichen  Untersuchung 
fand  sich  eine  pralle,  feste  Geschwulst  zwischen  Axillar-  und  Parasternallinie, 
deren  l&ngster  Durchmesser  schräg  vom  unteren  Rande  der  7.  bis  zum  oberen 
der  4.  Rippe  verlief;  die  Brustdrüse ,  nach  oben  verschoben ,  liess  sich  doch  nicht 
deutlich  vom  Tumor  abgrenzen;,  die  Haut  darüber  verschieblich  und  nur  an  einer 
Stelle  durch  Cataplasmen  geröthet.  Sonst  an  den  Brust-  und  Unterleibsorganen 
nichts  Abnormes  zu  finden.  Da  nach  sorgfältiger  Erwägung  nichts  übrig  blieb, 
als  eine  Cyste  zu  vermuthen,  so  wurde  Pat.  chloroformirt  und  ein  Einschnitt  ge- 
macht. 

Es  liess  sich  nun  eine  dickwandige  Cyste  biossiegen,  die  in  der  Parasternal- 
linie  an  einer  Stelle  aus  dem  Thorax  hervorgewuchert  war,  welche  vom  4.  bis  6.  In- 
tercostalraum  reichte  und  3  OCtm.  in  der  Ausdehnung  hatte.  Nach  Incision  des 
Sackes  entleeren  sich  viel  klare  !^iüssigkeit  und  Echinococcenblasen ,  und  man 
kam  an  der  besagten  Stelle  mit  dem  Finger  in  das  Innere  des  Thorax,  ohne  je- 
doch die  ganze  Ausdehnung  der  Cyste  hier  bestimmen  zu  können.  Der  ausserhalb 
li^ende  Theii  wurde  abgetragen,  die  Hautwunde  bis  an  die  Thoraxöffnung 
genäht  Anfangs  Fieber,  dann  schnelle  Heilung  bis  auf  eine  Fistel,  welche  sich 
erst  nach  längerer  Zeit  schloss.  Der  Defect  in  den  Rippen  ist  durch  festes  Ge- 
webe ausgefüllt. 

Es  lässt  sich  nun  schwer  entscheiden,  ob  der  Echinococcuas  von  dem  obem 
Leberrand  entstanden  und  dann  erst  in  den  Pleuraraum  gewachsen  ist,  oder  ob 
er  sich  in  dem  letzteren  zuerst  gebildet  und  darauf  erst  Brustwand  und  Pectoralis 
durchbrechend  nach  aussen  gelangte.  Jedenfalls  scheint  ein  ganz  analoger  Fall 
bisher  noch  nicht  beschrieben  worden  zu  sein.  A«  Bldder  (Mannheim). 

J.  Hamilton.     Cases  in  Surgery. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  April,  p.  273.) 
I.  Femoral  aneurism.  Ligature  of  the  external  iliac  artery. 

In  das  Richmond-Hospital  in  Dublin  wurde  im  October  v.  J.  ein  28  Jahre 
alter  Polizeimann  wegen  eines ,  direct  unterhalb  des  lig.  Poupartii  liegenden ,  etwa 
orangegrossen  Aneurysma's,  das  starke  Pulsationen  und  ein  diastolisches  Geräusch 
zeigte,  aufgenommen.  Bein  ödematös;  Verlauf  der  vena  femoralis  bei  Druck 
schmerzhaft.    Herzaction  und  Herztöne  normal. 

Die  Unterbindung  wurde  mit  dicker  Seide  ausgeführt  und  soll  bei  dem  fetten 
Manne ,  besonders  noch  wegen  einer  auf  dem  unteren  Ende  des  Gefässes  auflie- 
genden weichen  Drüse,  schwierig  gewesen  sein.  Fieber  darauf  anfangs  hoch;  dann 
gering;  am  14.  Tage  nochmals  Steigerung  der  Temperatur,  welche  erst  wieder  zur 
Norm  zurückkehrte,  nachdem  die  vorhin  erwähnte,  vereiterte  Drüse  entfernt  war. 
Am  15.  Tage  Lösung  der  Ligatur.    Anfang  Januar  Patient  geheilt  entlassen. 

U.  Surgical  treatment  of  enlarged  bursa. 
H.  empfiehlt  bei  länger  andauernder,   bedeutender  Flüssigkeitsansammlung  in 
einem  Schleimbeutel  der  Kniegegend,  nicht  ihre  Yertheilung  zu  erstreben,  sondern 


798  Centralblalt  für  Chirurgie.    No.  50. 

denselben  in  grosser  Ausdehnung  zu  spalten  und  mit  Lint  auszustopfen,  am  in  Folge 
der  darauf  entstehenden  Entzündung  und  Eiterung  Heilung  zu  erzielen.  Zum  Be- 
weis für  die  Vorzüge  dieser  Methode,  welche  H.  in  einer  betrftchtlichen  Anzahl  von 
Fällen  immer  mit  glücklichem  Erfolge  angewendet  hat,  folgt  die  Krankengeschichte 
eines  Mannes,  der  in  3  Wochen  Yon  einem  solchen  orangegrossen,  an  dem  Capitulum 
fibulae  sitzenden  Tumor  geheilt  war.  In  einem  zweiten,  daran  sich  anschliessenden 
Falle  wurde  der  ganze  pathologisch  veränderte  Schleimbeutel,  der  die  Grösse  einer 
Melone  besass,  exstirpirt,  um  die  Heilungsdauer  abzukürzen ;  nichts  desto  weniger 
nahm  dieselbe  doch  & — 9  Wochen  in  Anspruch. 

IIL  RemoTal  of  scirrhous  testide. 

Die  beiden  mitgetheilten  Krankengeschichten  «ollen  beweisen,  dass  im  Anschluss 
an  Schomsteinfegerkrebs  des  Scrotum  sich  ein  »scirrhous  testide«  entwickeln  kann. 

Im  1.  Falle  wurde  einem  Schornsteinfeger  ein  Krebs  des  Hodensackes  ent- 
fernt, wobei  der  Hoden  blossgelegt  wurde.  Nachdem  Patient  2  Monate  geheilt 
entlassen  war,  kam  er  mit  einem  neuen  Geschwür,  das  bis  auf  den  Hoden  ging, 
wieder ;  nach  der  Castration  zeigte  sich  der  Hoden  in  seinem  unteren  Tbeile  erkrankt. 

Bei  dem  2.  Kranken  fand  man  den  Krebs  des  Hodensackes  in  fester  Verbin- 
dung mit  dem  Hoden,  der  auch  nach  seiner  Entfernung  alle  Charaktere  eines 
Epithelialkrebses  darbot.  Beide  Hodengeschwülste  sind  jedenfalls  secundär  YOm 
Hodensack  aus  entstanden.  H*  Braun  (Heidelberg). 

Southey.     Clinical  society.     Idiopathic  tetanus. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  October  16.  p.  456.) 
Der  21jährige  Patient  hatte  14  Tage  vor  der  Aufnahme  in  das  St.  Bar- 
tholomew's  Hospital  mehrere  Stunden  hindurch  nasse  Kleider  getragen; 
zwei  Tage  später  brach  der  Tetanus  aus.  Geringe  Chloraldosen  hatten  anscheinend 
bisher  keinen  Einfluss  gehabt.  Der  spontan  stündlich  sich  einstellende  Opistho« 
tonus  wurde  schon  durch  die  leisesten  Reize  hervorgerufen.  Die  Behandlung  be- 
stand in  Abführmitteln  und  langen  warmen  Bädern.  Die  letzten  AnföUe  wurden 
am  18.  Tage  der  Erkrankung  beobachtet.  Trotz  der  sorgfältigsten  Untersuchnng 
wurde  eine  Wunde  nicht  aufgefunden.  Bänke  (Halle). 

De  Lupine.     Piq^e  d'abeille;  mort  quelques  minutes  apr^s. 
(Journal  de  m6d.  et  de  Chirurgie  prat.  1875.  Oct.  p.  448.) 

Ein  Bienenstich  auf  der  linken  Backe  eines  jungen  gesunden  Mädchens  führte 
rasch  zu  Athemnoth,  Gefühl  des  nahenden  Todes  und  Todesstarre  10  Minuten 
nach  der  Verletzung.  Sichtbar  war  eine  blaue  Verfärbung  Yon  Linsengrösse  an 
der  Stelle  des  Stiches  ohne  jede  Schwellung,  der  Stachel  war  gleich  entfernt  worden. 

Merkwürdig  ist,  dass  dasselbe  Mädchen  vor  IV2  Jshren  schon  einmal  von  einer 
Biene  gestochen  wurde,  2 — ^3  Stunden  für  todt  dalag  und  nur  sehr  langsam  genas. 
Die  Section  unterblieb.  Pagensteoher  (Elberfeid). 

Ferrier.     lujections  sous-coutan^es  d'ergotine  contre  des  metrorrhagies 

dans  un  cas  de  tumours  fibreuses. 
(Journal  de  m6d.  et  de  Chirurgie  prat.  Oct.  1875.  p.  446.) 
49jährige  Jungfrau  litt  seit  1  Monate  an  andauernden  Blutungen  durch  ein  Ute- 
rusmyom, die  einen  ganz  anämischen  Zustand  mit  ausgebreiteten  Oedemen  herbei- 
geführt hatten. 

Tägliche  Injectionen  in  die  Bauchhaut  von  20  Tropfen  einer  Lösung  von  2 
Ergotin  auf  15  gleiche  Theile  Glycerin  und  Wasser  stillten  die  Blutung  vollständig 
in  9  Tagen.  Die  Injectionen  wurden  noch  durch  IV2  Monate  alle  paar  Tage 
fortgesetzt,  und  die  Blutung  kam  nicht  wieder ;  die  Patientin  erholte  sich  vollständig. 

Pagensteeher  (Elberfeid,. 
Iie  Gros  Clarke.     Grosse  Adenocele  mit  Milchcyste. 

(Lond.  med.  chirurg.  Trans.   Bd.  LVII.  p.  95). 
Die  24jährige  Frau  hatte  seit  8  Jahren  eine  kleine  schmerzlose  Geschwulst  an 
ihrer  linken  Brust  bemerkt,   die  allmälig  wuchs,  jetzt  hauptsächlich  den  äusseren 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  SiO.  799 

und  unteren  Theii  derselben  einnahm»  von  hügliger  Gestalt  war  und  einen  Umfang 
Ton  26^2 '  darbot.  Obwohl  die  Frau  ein  TmonatLiches  Kind  n&hrte,  so  war  Milch  nur 
hie  und  da  spontan  aus  der  Brust  getreten ;  auf  Druck  liessen  sich  einige  Tropfen 
entleeren;  seit  2  Monaten  traten  heftige  zur  Brustwarze  schiessende  Schmerzen 
auf.  Durch  die  recht  blutige  Exstirpation  wurde  eine  11  Pfd.  schwere  Masse  ent- 
fernt. Während  die  Brustwarze  mit  weggenommen  wurde,  Hess  man  die  anscheinend 
gesunde  in  der  Tiefe  gelegene  Brustdrüse  grösstentheils  zurück.  Die  Geschwulst 
enthielt  eine  2  Finten  Milch  enthaltende  Höhle,  deren  Wandung  IV4— 2"  an  ver- 
schiedenen Stellen  stark  war.  An  einer  Stelle  drängte  eine  bucklige  Masse  vor, 
welche  eingeschnitten  eine  zweite  kleinere  mit  käseartiger  Masse  gefüllte  Cyste 
klarlegte ;  das  mitentfernte  Stück  Brustdrüse  ging  ohne  nachweisbaren  Unterschied 
in  die  Geschwulstmasse  über.  Die  mikroskopische  Untersuchung  ergab  in  der 
Cystenwand  ausser  reichlichem  Bindegewebe,  Blutgefässen,  Milchgängen,  acinöse 
Drüsenlager;  die  chemische  Analyse  ermittelte  die  normale  Zusammensetzung  der 
Milch  im  Cysteninhalte  mit  etwas  höherem  Albumingehalte.  Ein  Jahr  später  wurde 
die  Frau  wieder  entbunden ;  es  war  die  ersten  3—4  Tage  die  Brust  sehr  schmerz- 
haft und  gespannt)  doch  liess  diese  Erscheinung  in  den  nächsten  Tagen  nach. 
Verf.  bedauert  aus  Mangel  einer  präcisen  Diagnose  die  Brustwarze  mit  entfernt  zu 
haben.    Zwei  Holzschnitte  erläutern  den  Befund.  Pils  (Stettin). 

D.  Duckworih.     On  the  relief  of  toothache  by  bicarbonate  of  soda. 

(The  Practitioner  1875.  April.) 
In  einem  Falle  heftigster  Zahnschmerzen  (Caries)  blieb  die  locale  Application  von 
Chloroform  und  Carbolsäure  erfolglos,  während  nach  Anwendung  von  doppelt  kohlen- 
laurem  Natron  die  Schmerzen  augenblicklich  und  für  inmier  aufhörten  ( Vs  Drachme : 
1  Unze  Wasser).  In  solchen  Fällen,  wo  alkalinische  Mundwässer  die  Schmerzen  bei  cari- 
Ösen  Zähnen  erfolgreich  bekämpfen,  ist  nach  Verf.  wahrscheinlich  eine  im  Speichel  oder 
überhaupt  in  der  Mundflüssigkeit  befindliche  Säure  die  Ursache  der  Neuralgie. 

TlUmanns  (Leipzig). 

B.  W.  Biohardson.     Lessons  from  surgical  practice.  —  Hare-lip.  — 
(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  Mai.  p.  377.) 

B.  berichtet  über  zwei  Fälle  von  Hasenscharte,  die  er  nach  v.  Langenbeck's 
Methode  geheilt  hat.  In  dem  1 .  war  neben  Wolfsrachen  eine  einseitige  totale  Spalte 
vorhanden,  ebenso  auch  im  2.  Falle,  wo  jedoch  ausserdem  sich  auf  der  anderen  Seite 
nuten  ein  kleiner  Einkniff,  oben  eine  weisse  Narbe,  als  Best  einer  intrauterin  zu 
Stande  gekommenen  Heilung  der  Hasenscharte  zeigte. 

Als  Einleitung  dazu  beschreibt  er  die  Methoden  von  v.  Langenbeck  und 
Malgaigne,  ebenso  zwei  nicht  so  allgemein  bekannte  Modificationen  dieser 
Operation;  Abbildungen  erläutern  gut  die  Auseinandersetzungen.  Die  eine  von 
S6dillot  mitgetheilte  Modification  frischt  den  einen  Lippensaum  an,  während  sie 
auf  der  anderen  Seite  den  wie  bei  der  v.  Langenbeck' sehen  Methode  abgeschnit- 
tenen Lappen  in  der  Mitte  theilt,  die  obere  Hälfte  zur  Bildung  des  Nasenseptums, 
die  untere  zur  Vereinigung  mit  dem  gegenüber  gelegenen  Wundrand  benützt. 
Nach  der  anderen  von  Collis  angegebenen  Methode,  die  besonders  bei  ungleicher 
Höhe  der  die  Hasenscharte  bildenden  Bänder  ausgeführt  wird,  theilt  man  auf  der 
kürzeren  Seite  den  Lappen  ebenso,  benützt  aber  die  in  die  Höhe  gezogene  obere 
Hälfte  nicht  zur  Bildung  der  Septum's  sondern  zur  Vereinigung  mit  dem  gegen- 
über gelegenen  Wundrand,  also  zur  Erhöhung  der  Lippe.  Zeichnungen  dazu  sind 
im  Original  zu  finden.  —  H*  Braun  (Heidelberg). 

Jones.     Schussverletzung  des  Magens  und  der  Niere. 

(Bost.  med.  and.  surg.  Journal  1875.  Vol.  H.  p.  175.} 
Unter  vorstehender,  wohl  anfechtbarer  Diagnose  berichtet  J.  kurz  über  folgenden 
Fall.  Bei  Entladung  eines  Pistols  drang  eine  Kugel  in  der  Gegend  der  Cardia 
des  Magens  ein  und  soll  nun  durch  die  Gegend  der  linken  Niere  gegangen  und 
unter  der  Bückenmuskulatur  liegen  geblieben  sein;  Entfernung  am  2.  Tage;  pro- 
fuses Blutharnen,  Erbrechen  hörte  schon  am  2.  Tage  auf;  auch  die  Haematurie 
liess  bald  nach;  am  12.  Tage  konnte  Fat.  ausreiten.  Pilz  (Stettin). 


SOO  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  50. 

Heath«     Eingeklemmter  Nabelbruch ,   partielle  Reduction,   Darmrup- 
tur, Tod. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  II.  p.  298.) 
Eine  62jährige  Frau  hatte  vor  3  Jahren  eine  kleine,  allmälig  zunehmende 
Schwellung  der  Nabelgegend  bemerkt,  eine  eingetretene  Einklemmung  war  leicht 
behoben.  Jetzt  zeigte  der  seit  2  Tagen  acut  eingeklemmte  Bruch  eine  derartige 
Grösse,  dass  2  Hände  die  ^lappige  Geschwulst  kaum  umgreifen  konnten.  Nach 
Aetherisation  und  Anwenduung  des  Aspirators  (braune  Flüssigkeit  wurde  entfernt) 
Hess  sich  der  Bruch  nicht  reponiren ;  jetzt  wurde  eine  elastische  Binde  um  denselben 
und  Eis  auf  ihn  gelegt;  als  am  folgenden  Tage  die  Geschwulst  ungeändert  blieb, 
wurde  die  Binde  Ton  Neuem  umgelegt;  alsbald  erfolgte  Collaps  und  Tod. 

Section:  In  der  kleineren  Abtheilung  des  Bruchs  befand  sich  nur  Netz,  die 
grösste  enthielt  fast  das  ganze  Ileum,  einen  Theil  Jejunum  und  1  Zoll  Colon  transv. 
Das  letztere  stark  mit  Faeces  erfüllt,  zeigte  eine  Bupturstelle.  In  der  3.  Abtheilung 
befand  sich  etwas  Dünndarm;  die  Därme  waren  dunkelroth  gefärbt,  miteinander 
und  mit  dem  Bruchsacke  Terwachaen;  es  bestand  allgemeine  Peritonitis. 

Pilz  (SteUin). 

Carmiohael.     Extensive  abdominal  wound. 

(Chicago  med.  Journal  and  Exam.  1875.  p.  733.) 
Ein  72jähriger  Mann  war  von  einem  Ochsen  in  die  rechte  Seite  gestossen 
worden;  die  Wunde  verlief  quer  7  Zoll  lang.     Wiederholter  Vorfall  von   Darm 
und  Netz.    Eine  Stunde  später  Naht.     Heilung  ohne  Peritonitis  mit  nur  ober- 
flächlicher Eiterung  in  12  Tagen  unter  Wasserumschlägen.       Bänke  (Halle). 

Thomson.     Stricture  of  the  Urethra;  internal  ürethrotomy. 
(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  August,  p.  171.) 

T.  demonstrirte  der  Dublin  er  pathol.  Oesellsch.  das  Präparat  eines  Patienten, 
der  früher  an  Phthisis  behandelt  war  und  vor  10  Tagen  plötzlich  Schmerzen  im 
Leib  und  Harnverhaltung  bekommen  hatte.  Katheter  einzuführen  war  damals 
unmöglich.  Ein  kleiner  Tumor  am  Damm  war  fühlbar,  Scrotum  mit  Harn  infil- 
trirt.  Innerer  Urethralschnitt.  8  Tage  nach  der  Aufnahme  unter  Brusterschei- 
nungen Tod. 

Section  ergab  einen  wallnussgrossen  chronischen  Abscess,  der  auf  pars  mem- 
branacea  und  bulbosa  drückte  und  in  erstere  mit  feiner  Oeffhung  durchgebrochen 
war.  H.  Braun  (Heidelberg). 

J.    Bell.      Lepra    anaesthetica    des    linken    Arms.     Exarticulation. 

Heilung. 
(The  Lancet  1875.  Vol.  II.  p.  420). 
Die  34jährige  Frau,  welche  nie  ausserhalb  Edinburg  gelebt  hatte,  keine  Spur 
von  Syphilis  zeigte,  mit  einem  gesunden  Manne  verheirathet  war,  bemerkte  vor 
4  Jahren  knotige  Geschwülste  unter  der  Schulter,  die  später  auch  am  Arme  auf- 
traten, dann  ulcerirten  und  schliesslich  vernarbten;  nach  2  Jahren  erfolgte  eine 
neue  Eruption,  welche  sich  auch  über  Vorderarm  und  Hand  ausbreitete.  Jetzt 
ist  der  Arm  im  Ellenbogen  rechtwinklig  anchylosirt,  atrophisch,  die  Haut  dessel- 
ben in  ein  Narbengewebe  umgewandelt,  welches  bei  geringem  Beize  wieder  aufbricht. 
Die  Hand  erscheint  hypertrophisch,  die  Finger  knollenartig  verunstaltet,  d'er  3.  und 
4.  am  Nagelgliede  exulcerirt,  sondert  fötide  Flüssigkeit  ab.  Nach  der  Exarti- 
culation im  Schultergelenk,  die  gut  verlief,  erholte  sich  Pat.  ersichtlich. 

Pils  (Stettin). 

Originalmittheilungen,  Monogr&phieen  und  Separatabdrücke  woHe 
man  an  Dr,  H.  TOXman/nB^  Leipzig,  Marienstrasse  No.  3,  oder  an  die  Yerlagshandlong, 
Breithopf  und  Härtel,  einsenden. 


Druck  vnd  Vorlag  Ton  Br«itkopf  und  Hlri«l  ia  Lelpiig. 


Gentralblatt 


fllr 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

Ton 

Dr.  l.  Leser,  Dr.  I.  Scliete,  Dr.  H.  TUlim 

in  Berlin.  in  Berlin.  in  Leipzig. 

Zweiter  Jahrgang. 

,       _.  ,  -  , -  -     -— ■      - — -^ —    —   ,.  _   -  _     _^ 

Wöchendicli  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjähriger  Prä- 
numeration.    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

KE:'  51.  Sonnabend,  den  18.  December.  1875» 


Inhalt:  Tillmanns,  Untersuchungen  über  die  Lymphgefasse  der  Gelenke.  (Orig.-Mltth.) 
Haaby  Knochenwaehsthum.  —  Chirurgischer  Bericht  des  St.  O  eorge's  Hospital  für  1873. 

—  Hansen,  Fälle  aus  der  Praxis.  —  Schaff,  Zahnfleisch-  und  Wangenflsteln.  —  v.  Langen« 
lieck,  Totalexstirpation  des  Kehlkopfs.  —  Michel,  Verhalten  der  Bachenmündung  der  Tuba. 

—  Sayre ,  Verkrümmungen  der  Wirbelsäule.  —  Rlvlngton ,  Trennung  des  Handgriffs  vom 
Körper  des  Brustbeins.  —  Mackey,  Empyem  bei  Kindern.  —  Cohnheim,  Gongenltales  quer- 
gestreiftes MuskeUatcom  der  Nieren.  —  Silbermann,  Dilatation  der  weiblichen  Harnröhre.  — 

Carbolintoxication  geheilt  durch  Injectlon  von  Ammoniak.  —  LQhe,  Aetiologie  der  Rose.  — 
Oavy,  Chirurgische  Instrumente  und  Bandagen.  —  de  la  Vega,  Esmarch'sche  Methode  In 
Mexiko.  —  Or^,  Anaesthesie  durch  intrayenöse  CUoralli^fdctiOD.  —  EvanSy  Amylnitrit  bei 
Facialis-Neuralgie.  —  Robden,  Interessanter  Fall  von  Croup  des  Larynx  und  der  Trachea.  — 
Wulckow,  Casuistik  der  Nabelneubildungen.  —  Kruk,  Nabel-Hernie.  —  MearS,  Abdominal- 
geschwulst. —  LadmirSl,  Ausgedehnte  Harnblase  für  Ovarlaleyste  gehalten.  —  De  Vos, 
Behandlung  der  Urethritis.  —  BennsH,  Traamatische  Strictur  der  Urethra.  —  Boekel, 
Fremdkörper  im  Rectum.  —  PIck,  Fall  yon  Verletzung  des  Kniegelenks. 


hfciAi 


Untersuchungen  über  die  Lymphgefasse  der  (Gelenke. 

Von 

Dr.  H.  Tillmanns> 

PriTatdocent  für  Chirurgie  in  Leipzig. 

Unter  der  Leitung  von  Herrn  Prof.  Ludwig  habe  ich  im  phy- 
siologischen Institute  zu  Leipzig  experimentelle  und  histologische 
Untersuchungen  über  die  Lymphgefasse  der  Gelenke  angestellt^  deren 
Resultate  ich  hier  kurz  mittheilen  möchte.  In  einer  früheren^  ebenfalls 
im  hiesigen  physiologischen  Institute  vollendeten  Arbeit  (»Beiträge 
zur  Histologie  der  Gelenke«^  Max  Schultze's  Archiv  für  mikrosk. 
Anatomie  Bd.  X.  p.  424)  hatte  ich  mir  eine  spezielle  Mittheilung  über 
die  vorliegende^  damals  noch  nicht  abgeschlossene  Frage  vorbehalten. 

Die  Lymphgefasse  der  Gelenke  sind  meines  Wissens  noch  nicht 
genauer  beschrieben  worden.  Besonders  sind  es  Ludwig, 
Schweigger-Seidel  und  Böhm,  welche  sich  vergebens  bemüht 
haben,  den  Verlauf  der  Lymphwege  an  der  Innenfläche  der  Synovial- 
membranen festzustellen. 

51 


802  Centralblatt  fOr  Chirurgie.    No.  51. 

Weil  ich  bereits  früher  an  menschlichen  und  thierischen  Gelenken 
(Hund^  Kaninchen)  ohne  Erfolg  versucht  hatte ^  durch  directen 
Einstich  in  das  Gewebe  mittelst  feinster  Kanülen  die  Lymphwege 
zu  injiciren^  so  schlug  mir  Herr  Prof.  Ludwig  vor^  nochmals  seine 
von  ihm  und  Schweigger-Seidel  bereits  früher,  aber  erfolglos 
angewandte  Methode  zu  erproben,  nämlich  die  Gelenkhöhlen  mit 
gefärbten  Flüssigkeiten  anzufüllen  und  darauf  durch  Beugen  und 
Strecken  der  Extremität  die  Farbmassen  in  die  Lymphbahnen  zu 
treiben.  Nach  dieser  Richtung  hin  habe  ich  nun  Experimente  an 
Gelenken  von  Hunden  angestellt.  Es  wurde  z.  B.  der  Oberschenkel 
des  frisch  getödteten  Thieres  etwa  in  der  Mitte  amputirt,  dann  durch  die 
Markhöhle  mittelst  eines  spitzen  Meisseis  der  Zugang  zum  Kniegelenk 
gebahnt;  die  Gelenkkapsel  blieb  auf  diese  Weise  vollständig  unverletzt. 

Bevor  die  flüssigen  Farbmassen  (gelöstes  Berlinerblau,  Alcanin) 
in  das  Gelenk  gebracht  wurden,  habe  ich  die  Synovia  durch  eine  dem- 
nächst an  anderer  Stelle  näher  zu  beschreibende  Methode  mittelst 
Y2^  Kochsalzlösung  auszuwaschen  versucht.  Es  geschah  dieses  des- 
halb, weil  es  in  den  von  Ludwig  angestellten  Versuchen  den  An- 
schein gehabt  hatte,  als  ob  die  Synovia  ein  Hindemiss  für  das  Ge- 
lingen des  Experimentes  abgebe.  Die  Kochsalzlösung  wurde  sodann 
durch  destillirtes  Wasser  eliminirt,  um  eine  Fällung  des  Berlinerblau 
in  der  Gelenkhöhle  zu  verhindern.  Nachdem  alsdann  das  Gelenk  mit 
dem  flüssigen  Farbstoff  gefüllt  und  die  Markhöhle  des  Knochens  resp. 
das  Gelenk  fest  und  sicher  abgeschlossen  war,  versuchte  ich  1 — 2 
Stunden  lang  durch  Strecken  und  Beugen  der  Extremität  die  gefärb- 
ten Flüssigkeiten  in  die  Lymphwege  des  Gelenks  einzupumpen.  Auf 
diese  Weise  ist  es  mir  aber  ebenso  wenig  wie  Ludwig  gelungen, 
die  Lymphgefasse  darzustellen;  stets  erhielt  ich  nur  diffuse,  ver- 
schieden tiefgehende  Yertheilung  des  Berlinerblau,  des  Alcanin  im 
Gewebe  der  Synovialis.  Nur  im  intermuskulären  Bindegewebe  dea 
Oberschenkels  beobachtete  ich  Lymphgefässstämmchen,  welche  mit  den 
genannten  Farbstoffen  gefüllt  waren.  In  den  Versuchen  mit  Alcanin 
liess  ich  die  Gelenke  gefrieren  und  machte  dann  Durchschnitte  in 
verschiedensten  Richtungen.  Statt  Berlinerblau  und  Alcanin  habe 
ich  auch  Orleans  angewandt,  ebenfalls  ohne  Erfolg. 

Sodann  habe  ich  lebenden  Hunden  Berlinerblau  oder  indigo- 
schwefelsaures Natron,  z.  B.  in  die  Knie-  und  Ellenbogengelenke 
injicirt  und  dann  l\impbewegungen  angestellt,  ebenfalls  ohne  Er- 
folg. —  Weil  es  mir  nun  durch  Versuche  auf  die  angegebene  Weise 
unmöglich  schien,  zum  Ziele  zu  gelangen,  so  wählte  ich  wieder  die 
Methode  des  directen  Einstichs  in  das  Gewebe  mittelst  feinster  Ka- 
nülen, welche  u.  A.  Ludwig  bei  der  Injection  der  Lymphwege  an 
den  Fascien  und  Sehnen  angewandt  hat.  Als  Material  dienten  jetzt 
Gelenke  (Knie,  Schulter,  Metakarpo-Phalangealgelenke}  von  Ochsen 
und  Pferden,  weil  meine  Versuche  bei  Hunden  und  Kaninchen  steta 
vergebens  gewesen  waren.  Hier  gelang  es  mir  nun  in  der  That,  ein 
ungemein  reichhaltiges  Lymphgefässnetz  in  der  Synovialis  darzustel- 


Centralblatt  für  Chirurgie.     No.  51.  803 

len.  Als  Injectionsflüssigkeiten  dienten  ^j^^  SilberlÖBung  und  ge- 
löstes Berlinerblau.  Die  Lymphgefässnatur  der  injicirten  Gefässräume 
wurde  durch  Controll-Injectionen  der  Blutgefässe  und  an  Querschnit- 
ten festgestellt.  An  letzteren  sah  man^  besonders  nach  Entfernung 
des  Berlinerblau  durch  Zusatz  von  Kai.  caust.  (unter  dem  Mikros- 
kop),  dass  die  Injectionsmasse  in  regelmässigen,  Endothel  tragenden 
Canälen  gelegen  hatte. 

Besonders  wurde  sodann  die  Verdauungsmethode  angewandt^ 
um  das  Verhältniss  der  Wandung  des  Lymphgefässes  zum  Nachbar- 
gewebe zu  untersuchen.  Als  Kesultat  dieser  Untersuchungen  an 
mit  Pepsinlösung  verdauten  Schnitten  möchte  ich  mittheilen^  dass  mir 
ein  directer  Zusammenhang  der  elastischen  Fasern  des  Bindegewebes 
mit  den  Endothelplatten  des  Lymphrohres  höchst  wahrscheinlich  ist^  ein 
Zusammenhang,  welcher  das  Offenbleiben  der  Lymphwege  beim  An- 
schwellen des  Gewebes  und  den  Uebertritt  der  Gewebsflüssigkeiten  in 
die  Lymphbahnen  erklärt,  wie  es  z.  B.  Ludwig  vermuthet  (cf. 
Ludwig  und  Schweigger-Seidel,  die  Lymphgefässe  der  Fascien 
und  Sehnen,  Leipzig  1S72  S.  Hirzelj.  Bezüglich  der  von  mir  ange- 
wandten Yerdauungsflüssigkeit  erwähne  ich,  dass  ich  die- 
selbe nach  den  mir  von  Herrn  Prof.  Ludwig  gemachten  Angaben  dar- 
stellte. Der  Magen  eines  frisch  getödteten  Hundes  wird  24  Stunden 
lang  in  destillirtem  Wasser  aufbewahrt,  darauf  die  Schleimhaut  sorgfältig 
von  der  Submucosa  und  Muskularis  abpräparirt  und  dann  in  kleinste 
Stückchen  zerschnitten.  Letztere  werden  mit  Glycerin  übergössen  und 
nach  einigen  Tagen  filtrixt.  Von  dieser  Verdauungsflüssigkeit  fügte  ich 
etwa  10 — 12  Tropfen  und  mehr  zu  etwa  30  Cc.  einer  in  kleinen  Gläs- 
chen befindlichen  Salzsäurelösung  (1 :  500),  in  welche  die  zu  verdauen- 
den, auf  Korkplättchen  ausgespannten  Gewebsstückchen  aufgestellt  wur- 
den; der  Verdaungsapparat  wurde  bis  auf  38,0  bis  40^  C.  erwärmt.  So 
erhält  man  nicht  selten  sehr  schöne  Präparate :  das  fibrilläre  Bindegewebe 
mehr  oder  minder  homogen,  durchsichtig,  die  elastischen  Fasern  und 
die  Kerne  dagegen  sehr  deutlich  auegeprägt.  — 

Bezüglich  der  allgemeinen  anatomischen  Anordnung  der 
Lymphgefässe  der  Synovialmembranen  bemerke  ich  kurz  Folgendes :  die 
oberflächlichsten  Lymphgefässe  finden  sich  direct  unter  dem  Endothel. 
Die  feinsten  Capillarverzweigungen  der  Blutgefässe  liegen  nicht 
selten  über  den  oberflächlichsten  Lymphgefässen,  so  dass  dieselben  sich 
also  zwischen  das  Endothel  und  die  letzteren  schieben.  Ausdrücklich 
hebe  ich  hervor,  dass  natürlich  auch  die  feinsten  Capillaren  unter 
dem  Endothel  liegen.  Die  subendothelialen  Lymphgefässe  wenden 
sich  sodann  in  das  tiefer  liegende  Gewebe,  wo  sie  nicht  selten,  — 
ungemein  zahlreich  und  weit,  —  die  Blutgefässe  umspinnen.  An 
Querschnitten  durch  das  Sehnengewebe  wurden  die  injicirten  Lymph- 
gefässe bis  in  die  feinsten  Bindegewebs- Spalten  verfolgt.  — 

Nach  der  Darstellung  der  Lymphwege  durch  Einstich  habe  ich 
nochmals  versucht,  von  der  Gelenkhöhle  aus  durch  gefärbte  Flüssig- 
keiten die  Lymphwege  der  Synovialintima  zur  Darstellung  zu  bringen. 

51» 


804  Centralblatt  für  Chirurgrie.     No.  51. 

Durch  die  Güte  des  Herrn  Prof.  Thiersch  hatte  ich  Gelegen- 
heit, aus  menschlichen  Kniegelenken  mit  chronischem  Hydarthros 
seröse  Gelenkflüssigkeit  durch  Function  zu  gewinnen ;  dieselbe  wurde 
theils  mit  Carmin,  theils  mit  Berlinerblau,  oder  schwefelsaurem  Kup- 
feroxydammoniak oder  pikrinsaurem  Natron  gefärbt.  Es  wurden 
also  möglichst  günstige  Bedingungen  für  die  Resorption  geschaffen. 
Weder  durch  die  oben  erwähnten  Pumpbewegungen,  noch  durch 
elastische  Einwicklung  der  Gelenke  gelang  es  mir,  netzförmige 
Lymphgefasszeichnungen  an  der  Synovialintima  von  Hunden  zu  beo- 
bachten, sondern  nur,  wie  in  den  obigen  Versuchen,  diffuse  ver- 
schieden tiefgreifende  Vertheilung  der  Farbmassen  im  Gewebe  der 
Synovialmembran.  Intermuskuläre  Lymphgefässe  am  Oberschenkel 
sah  ich  dagegen  auch  hier  zuweilen  mit  den  in's  Gelenk  gebrach- 
ten Farbmassen  erfüllt.  — 

Einen  offenen  Zusammenhang  (Stomata)  der  Lymphwege  der 
Synovialmembran  mit  der  Gelenkhöhle,  wie  an  den  übrigen  serösen 
Häuten  (Peritoneum,  Pleura),  habe  ich  vorläu%  noch  nicht  darthun 
können.  Weshalb  es  mir  nicht  gelungen,  von  der  Gelenkhöhle  aus 
durch  Beugen  und  Strecken  der  Glieder  die  Lymphgefässe  der 
Synovialis  mit  Farbmassen  zu  füllen,  weiss  ich  nicht  genau  an- 
zugeben. MögKcher  Weise  dürfte  der  Inhalt  aus  den  subendothe- 
lialen Lymphbahnen  in  die  tieferen  sehr  rasch  abfliessen ;  deshalb  die 
beobachtete  Füllung  intermuskulärer  Lymphgefässstämmchen  am  Ober- 
schenkel der  Hunde.  Auch  bei  der  Injection  der  Lymphgefässe  durch 
Einstich  hat  man  nicht  selten  Gelegenheit  zu  beobachten,  dass  die 
oberflächlicheren  Gefässnetze  nach  einiger  Zeit  undeutlicher  werden 
und  in  dem  elastischen  Gewebe  ihr  Inhalt  in  die  tieferen  Bahnen  ab- 
fliesst.  —  Die  Lymphgefässe  der  Gelenkkapseln  habe  ich  niemals  in  den 
Knochen  übertreten  sehen.  Diese  Thatsachen  weiter  zu  verfolgen, 
wird  späteren  Untersuchungen  vorbehalten  bleiben.  Ebenso  wenig  habe 
ich  in  den  Synovialzotten,  im  Knorpel  Lymphgefösse  beobachtet. 

Schliesslich  bemerke  ich,  dass  ich  bei  der  Untersuchung  der 
Lymphgefässe  der  Gelenke  auch  meine  früheren  Angaben  über 
die  Histologie  der  Synovialis  nochmals  prüfte  und  ich 
kann  erklären,  dass  ich  dieselben  in  jeder  Beziehung 
aufrecht  halte,  d.  h.  also,  die  Gelenkkapseln  und  Schleimbeutel 
gehören  zu  den  serösen  Häuten,  haben  an  ihrer  Innenfläche  En- 
dothel, welches  die  von  mir  früher  beschriebenen  (1.  c),  durch  die 
Localität  bedingten  Eigenthümlichkeiten  zeigt.  Wie  an  den  übrigen 
serösen  Häuten,  so  liegen  auch  an  der  Synovialintima  die  Blut-  und 
Lymphgefässe  unter  dem  Endothel.  — 

Diese  kurzen  Mittheilungen  mögen  hier  genügen,  eine  aus- 
führliche Darlegung  meiner  Untersuchungen  wird  dem- 
nächst an  anderer  Stelle  erfolgen.  —  Herrn  Prof.  Ludwig, 
welcher  meine  Arbeiten  gütigst  leitete,  fühle  ich  mich  zu  aufrichtig- 
stem Danke  verpflichtet.  — 


Centralblutt  für  Chirurgie.    No.  51.  805 

O.  Haab.    Ueber  Knobhenwachsthum  und  dessen  kanstlicbe 

Steigerung. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  GeselUchaft  der  Aerzte  in  Zürich.    VI.  Sitzung  1875.) 
(Correspondenzblatt  f.  Schweiz.  Aerzte  1875.  No.  19.) 

Die  vom  Verf.  angestellten  Vereuche  über  Knochenwachsthum 
ergaben,  dass  wenigstens  für  die  Tibia  ein  interstitielles  Wachsthum 
nicht  anzunehmen  sei.  In  den  Knochen  eingetriebene  Metallstifte^ 
bei  noch  so  langer  Dauer  der  Versuche,  blieben  .stete  in  der  gleichen 
Entfernung  von  einander ,  aber  kamen  nach  und  nach  in  die  Mark- 
höhle zu  liegen.  Dasselbe  geschah  einige  Male  mit  zwischen  Periost 
und  Knochen  geschobenen  Silberplättchen.  Silbeninge  um  den 
Knochen  liefern  keine  zuverlässigen  Resultate,  weil  sie  zu  sehr  reizen 
und  zu  pathologisch^i  Veränderungen  fähren.  Aus  dem  Eindringen 
der  Stifte  aehliesBt  Verf.,  dass  Kesorption  von  der  Maikhöhle  und 
Apposition  vom  Periost  her  stattfinde.  ' 

Die  gleichen  Versuche  zeigten  ferner,   dass  wenn  man  die  Stifte 

in   der  Mitte  eingetrieben  hatte,   sehr  oft   der  betreffende  Knochen, 

entsprechend  den  vor  längerer  Zeit  bereits  mitgetheilten  Erfahrungen 

V.  Langenbeck's,  nach  einiger  Zeit  länger  erscheint,  als  auf  der 

gesunden  Seite;    hatte  man  die  Stifte  hingegen  ganz  nahe  der  Epi^ 

pkyse  angebracht,  so  trat  oft  Verkürzung  des  Knochens  ein.    Obiges 

Verhalten  bleibt  aber  nicht  auf  den  operirten  Knochen  loca-* 

lisirt,    sondern   auch    der    nächst   oberhalb   gelegene,    das    Femur, 

nimmt  an  der  Verlängerung  resp.  Verkürzung  Theil. 

9irard  (Bern). 

Chirurgischer  Bericht  des  St.  George's  Hospital  für  1873. 

(George' 8  Hospital  Reports  Vol.  7.  p.  319.) 
Von  2048  (?)  Patienten,  darunter  1285  Männer  und  760  Frauen 
starben   79  Männer  und  2S  Frauen;   8  wurden  fast  sterbend  einge* 
bracht;   die  Mortalitätsziffer  beträgt  mithin  4,8)1^,  die  mittlere  Auf-* 
enthaltsdauer  29,3  Tag. 

Von  728  VerletzujQgen  mit  48  Todesfällen  betreffen,  abgesehen 
von  22  Verbrennungen  (7  f),  den  Kopf  172  (17  f),  Gesicht  1,  Rücken 
40  (3  t),  Hals  und  Nacken  7  (darunter  3  Selbstmörder.  1  f], 
Brust  40  (4  f),  Unterleib  14  (l  f),  obere  Extremitäten  58  (3  f)  und 
untere  Extremitäten  353  (17  f).  Von  24  complicirten  Fracturen  starben 
8  (1  Oberschenkel-,  6  Unterschenkel-  1  Vorderarmfractur  nüt 
Tetanus].  Von  grösseren  Operationen  sind  zu  nennen:  Amputationen 
und  Exarticulationen  17  (5  f],  Resectionen  9,  Necrotomieen  24, 
Uranoplastik  4  (2  mit  vollem  Erfolge),  1  Lithotomie,  1  Colotomie 
(1  f);  1  traumatisches  Aneurysma  der  Radialis  wurde  durch  Unter- 
bindung beider  Gefässenden  geheilt.  Von  16  eingeklemmten  Brüchen 
bei   7    Männern  und  9   Frauen  betrafen    2  Inguinalhemien  Frauen 

und  starben  an  Peritonitis  nach  der  Operation  5.   (3  M.  und  2  Fr.] 

Pilz  (Stettin). 


806  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  51. 

Hansen.     Fälle  aus  der  Praxis  (mit  Vorstellung). 

(Mittheilungen  für  den  Verein  Schleswig-Holst.  Aerzte  1875.  Juli.  Hft.  5.) 

Kesection  des  rechten  Ellenbogengelenkes  wegen  traumatischer 
Gelenk  Vereiterung,  6  Wochen  nach  der  Verletzung  bei  einem  jungen 
Mädchen.  Vom  Huraerus  11,  von  der  Ulna  5  Ctm.  entfernt.  Be- 
handlung im  Gyps verband.  Keinerlei  Nachbehandlung,  aber  bei 
fortdauernder  eigener  XJebung  der  Kranken  sehr  gutes  functionelles 
Resultat.  Sie  verricntet  ohne  Anstrengung  alle  Arbeiten  einer  Dienst- 
magd auf  dem  Lande. 

2)  Ein  halbjähriges  Kind  zeigte  5  Groschen-  bis  Thalergrosse 
Teleangiectasieen  auf  beiden  Seiten  des  Gesichts,  von  denen  die  eine 
die  halbe  Unterlippe  einnahm,  sich  in  den  Mund  hinein  erstreckte 
und  am  Gaumensegel  endete.  Die  andere  Bankthaleigrosse,  über  dem 
Niveau  der  Haut  erhabene,  sass  vor  dem  linken  äusseren  Gehörgang 
einer  tiefer  gelegenen  erectilen,  beim  Schreien  des  Kindes  anschwel- 
lenden Geschwulst  auf.  Zwei  weitere  erstreckten  sich  zollbreit  vom 
Unterkieferrande  bis  zur  2.  Rippe.  Ausserdem  eine  ganze  Anzahl 
kleinerer  an  den  unteren  Gesichtstheilen.  Die  Teleangiectasieen  waren 
bald  nach  der  Geburt  als  kleine  flohstichartige  rothe  Flecke  zuerst 
bemerkt  worden  nind  hatten  seitdem  die  beschriebene  Entwickelung 
erreicht.  —  Durch  3malige  Operation  wurde  ein  Theil  der  Geschwülste 
mit  dem  Messer  entfernt,  dann  aber,  als  das  Kind  durch  Bronchial- 
katarrhe und  Durchfälle  sehr  herunterkam,  die  weitere  Behandlung 
aufgegeben. 

Nach  2  Jahren  wird  das  Kind  bei  einer  öffentlichen  Impfung 
wieder  vorgestellt.  Alle  Teleangiectasieen  waren  verschwun- 
den, anstatt  ihrer  sah  man  hin  und  wieder  im  Gesicht, 
besonders  aber  am  Halse,  grössere  runzelige  Stellen  von 
hellgelber  Farbe.  Nach  Aussage  der  Mutter  war  diese  spontane 
Heilung  schon  ^j^  Jahr  nach  der  letzten  Opeiution  vollendet  gewesen. 

Verf.  fugt  hinzu,  dass  er  nicht  ganz  selten  beobachtet  habe,  wie 
grosse,  anfangs  rasch  gewachsene  Teleangiectasieen  plötzlich  im 
Wachsthum  innehalten  können,  um  in  überraschend  kurzer  Zeit  mit 
Hinterlassung  eines  gelben  runzligen  Fleckes  und  event.  einer  deutlichen 
Atrophie  der  darunter  gelegenen  Weichtheile  ganz  zu  verschwinden. 
Namentlich  habe  er  bei  Impflingen  zuweilen  kleine  gelblich  pigmentirte 
Stellen  gefunden,  an  denen  die  ^aut  welk,  runzlig  und  ihrer  Elas- 
ticität  beraubt  gewesen  sei.  Die  Anamnese  habe  dann  fast  regelmässig 
die  Entwickelung  derselben  aus  anfangs  rasch  wachsenden  Telean- 
giectasieen ergeben. 

Die  Mutter  des  oben  erwähnten  Kindes  leidet  zufallig  an  einem 
durch  einen  ungeschickten  Aderlass  veranlassten  Varix  aneurysmaticus 
der  Ellenbeuge,  welcher  in  den  ersten  Monaten  ihrer  Schwangerschaft 
ausgeführt  wurde.  Schede  (Berlin). 


Centralblatt  mr  Chirurgie.    No.  51.  807 

J.   Scheff.      Ueber    Zahnfleisch-   und    Wangen-    oder   Bak- 

kenfisteln. 

(Wiener  med.  Presse  1875.  No.  32,.) 

In  dem  sonst  nur  Bekanntes  enthaltenden  Aufsatze  macht  Yerf, 
besonders  auf  das  Vorkommen  von  Fisteln  an  ungewöhnlichen  Stellen 
aufmerksam.  Dieselben  können  am  härten  Gaumen  (nahe  den  Zäh- 
nen) ,  in  der  Nasenhöhle  ^  der  Highmorshöhle,  am  inneren  Augen- 
winkel ausmünden  und  im  letztem  Falle  eine  üstul.  sacc.  lacrym. 
Yüitäuschen.  Im  Extrem  kann  die  jauchige  Infiltration  bis  zu  den 
Schädelknocben  dringen  imd  Tod  durch  Basilarmeningitis  her- 
beiführen. Auch  an  noch  entfernteren  Körpertheilen,  Hals,  Nacken, 
Brust  werden  derartige  Fisteln  beobachtet. 

Wurzelperiostitis  und  Fistelbildung  sind  auch  bei  Milchbacken- 
zähnen häufig;  dieselben  müssen  alsbald  extrahirt  werden,  da  leicht 
Kiefernekrose  entsteht,  wodurch  die  Existenz  der  bleibenden  Zähne 
bedroht  wird.  Fr.  Steiner  (Wien). 

B.  V.  Langenbeck.      Totalexstirpation    des    Kehlkopfs    mit 
dem  Zungenbein,  einem  Theil  der  Zunge,  des  Pharynx  und 

Oesophagus. 

(Demonstration  des  Präparates  in  der  Sitzung  der  Berl.  med.  Gesellschaft  am  28. 

Juli  1875.) 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  33.) 

Ein  Kehlkopfcarcinom  hatte  so  bedeutende  Ausdehnung  erlangt, 
dass  y.  L.  ausser  dem  ganzen  Kehlkopf  nebst  der  Epiglottis  das 
Zungenbein,  das  hintere  Dritttheil  der  Zunge,  den  vorderen  und 
seitlichen  Abschnitt  des  Pharynx  nebst  den  beiden  Arcus  pharyngo- 
palatini  und  einen  kleinen  Theil  des  Oesophagus  fortnehmen  musste. 
Der  Fall  betraf  einen  57jährigen  Pat.,  der  seit  vier  Jahren  an  Heiser- 
keit gelitten  hatte.  Unter  Suffocationsanfällen  kam  er  zur  Klinik,  wo 
zunächst  die  obere  Tracheotomie  ausgeführt  wurde.  Hustenanfälle 
und  reichliche  Expectoration  eitriger  Sputa  folgte  während  der  näch- 
sten 10  Tage.  Damach  heilte  die  Operationswunde  bis  auf  die  Tra- 
chealfistel,  in  welcher  die  Kanüle  lag;  der  Kehlkopf  nahm  an  Um- 
fang und  Empfindlichkeit  bei  Druck  zu.  Die  Inframaxillardrüsen 
rechts  geschwollen,  ebenso  die  Epiglottis  und  Ligg.  ary-epiglottica,  so 
dass  laryngoskopisch  die  obere  Kehlkopfshöhle  und  die  Rima  glottidis 
unzugänglich  waren.  Die  empfohlene  Exstirpation  des  Kehlkopfe  wurde 
anfangs  verweigert  und  erst  nach  einem  halben  Jahre  vorgenommen. 
Es  war  bis  dahin  die  Respiration  durch  die  Trachealkanüle  frei  ge- 
bUeben,  aber  der  Deglutitionsact  schliesslich  so  behindert,  dass  nur 
noch  flüssige  Nahrung  genommen  werden  konnte ;  die  Geschwulst  und 
die  Lymphdrüsen  in  der  Inframaxillargegend  beider  Seiten  waren 
sehr  gewachsen.  Die  Exstirpation  des  Kehlkopfes  erfolgte  in  der 
Narkose    mit    Zuhülfenahme    der    Tamponkanüle,    welche    eingelegt 


808  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  51. 

wurde,  nachdem  die  Trachealöffnung  nach  unte^  zu  erweitert  worden 
war.     Ein  querverlaufender  H|iut8chnitt^    2  Ctxn.  oberhalb  des  Zun- 
genbeins^    von    einem    Kopfnicker   zum  andern   reichend^    und  ein 
Längsschnitt  von  seiner  Mitte  abwärts  bis  dicht  an  die  Trachealfistel, 
gestatteten  die  Haut  in  zwei  Lappen  zur  Seite  zu  präpariren  und 
den  Kehlkopf  frei  zu  legen.     Die  Lymphdrüsen  wurden  exstirpirt. 
Mm«  mylohyoideus^  digastricus  und  hypoglossus  oberhalb  des  Zimgenbeins 
durchschnitten,  die  aa.  lingual,  unterbunden.  Wegen  Erkrankung  betref- 
fender Theile  musste  die  Kachenhöhle  eröffixet  werd^i.    Ein  scharfer 
Haken  zog  am  Zungenbein  den  Kehlkopf  nach  vom  und  unten,  ein 
durch  die  Zungenspitze  geführter  Faden  diese  nach  vom;   die  Zun- 
genwurzel wurde  dann  von    der  Halswunde  aus   2  Ctm.  über   dem 
Zungenbein  durchschnitten.      Seitlich  drang  man  neben  Zungenbein 
und  Schildknorpel  in  die  Tiefe;  die  aa.  thyreoideae  sup.  wurden  un- 
terbunden, die  seitliche  I%arynxwand  ward  durchschnitten,  ebenso  die 
Arcus  pharyngo-palatini  und  beiderseits  die  Carotis  ext.  unterbunden 
und   getrennt.     Ferner  waren  durchschnitten    die  nn.  linguales   und 
hypoglossi.     Schliesslich  hing  der  Kehlkopf  nur  noch  mit  der  Luft- 
röhre zusammen^  welche  dicht  über  der  Cartilago  cricoidea  durchtrennt 
wurde ;    so  dass  die  Tamponkanüle  in  der  Trachealfistel  liegen  blieb. 
Es  folgt  die  im   Original  nachzusehende   Beschreibung  der   grossen 
Operationswunde  und  der  entfernten  Theile.      Nach   Erwachen    des 
Fat.  wurde  ihm  du^cb  das  Schlundrobr  Uii^iu:^ein  eingefiösst;   die 
Tamponkanüle  durch   eine  gewöhnliche  vertauscht.     Die  Ernährung 
erfolgte  dreimal  täglich  durcb  die  Schlundsonde.    Die  völlige  Heilung 
war  zur  Zeit  des  Berichts  noch  abj^uwarten,   bei  welcher  vielleicht 
Schlingvermö^en  wiederkehrt  und  ein  künstlicher  Kehlkopf  eingelegt 
werden  kann.     Hervorzubeben  ist,    dass   die  im   v.   L. 'sehen   Falle 
vorausg^angene  Tracheotomie  e^  gestattete,  von  vornherein  die  Nar- 
kose anzuwenden.  Femer  erlai^bt  v.  L.'s  Verfahren,  alle  Gefasse  von 
obenher  frei  zu  legen  und  s^u  unterbinden,  also  die  Blutung  auf  ein 
Minimum   zu   besc^änKen.      Bei   BiUrotb' s    Scbnittführung,    die 
auch    Schmi^dt   anwandte»    wird   kein   Querschnitt,    nur   ein    vom 
Zungenbein  aus  senkr^cbt  herabsteigender  Schnitt  geführt  und  die  Heraus- 
lösung  des   Kehlkopfes  mittelst  Durchschneidung   der   Trachea   von 
unten  her  vorgenommen.     Ueber  ^i^  im   Original   angegebene   Be- 
schreibung des  Geschwulstpräparates  ist  daselbst  nacbzulesen. 

T.MoseBgett  (Bonnj. 

MioheL  Neue  Beobachtungen  üb^  das  Verhalten  der  Rachen- 
mündung  der  Tuba  und  «her  die  Thätigkeit  der  Muscula- 

tur  des  Schlundkopfes. 

(Berl.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  41  u.  42.) 

Verf.  bringt  zu  seinen  früher  xnitgetheilten  einige  neue  Resultate, 
die  er  theils  durch  directe  Besichtigung  des  ^chjbndgewölbes  mittelst 
des  Speculum  gewonnen  (er  empfiehlt  das  durch  Valtolini  modifi* 


Centralblatt  für  Chirargie.   No.  51.  809 

cirte  Charriäre'sche)^   theils  durch  Ansetsi^n  des  Spiegels  an  das 
Schlunddach,  oder  auf  rhinoskopischem  Wege  erzielte. 

Bei  einem  20jährigen  Patienten,  der  seit  seiner  Kindheit  an 
Ozaena  gelitten  und  schon  im  7.  Jahre  nekrotische  Knochen  aus  der 
Nase  verlor,  wurde  der  letzte  Sequester  von  M.  entfernt,  wonach  die 
ganze  knöcherne  Scheidewand,  crista  nasi,  die  Muscheln  und  das 
knorpelige  Septum  bis  auf  einen  schmalen  Streifen  vom  fehlten.  Man 
konnte  di^  Gewölbe  in  seiner  ganzen  Breite  von  einem  Tubenwulste 
bis  zum  anderen  i|nd  den  Ansatz  des  Gatunensegels  in  seiner  ganzen 
Breite  sehen.  M.  konnnte  daher  die  Veränderungen  beobj^hten, 
welche  an  de^  Tubenöffnungen  und  am  Yelum  beim  Schlucken  und 
Tonaiigeben  erfolgten.  Die  bei  Tonsillenhypertrophie  oft  bestehende 
Schwerhörigkeit,  welche  oft  nach  Exstirpation  der  Mandeln  beseitigt 
wird,  ist  nach  M.  darauf  zurückzuführen,  dass  die  Tubeneingänge 
wegen  der  sie  comprimirenden  TonsillengeschwiUste  beim  Schlucken 
nicht  mehr  geöffnet  werden  können.  —  Beim  |ntoniren  hoher  Töne, 
besonders  beim  Singen  und  Halten  derselben^  steigt  das  Velum  hoch 
empor,  falls  nicht  auch  hier  Geschwulst  oder  Schwellung  der  betref- 
fenden Partieen  ein  Hinderniss  abgiebt.  Am  genannten  Patienten 
konnte  Verf.  auch,  —  was  von  Anderen  noch  nicht  geschehen,  ' — 
einen  Spiegel  an  den  Schädelgrund  bringen  und  so  den  ganzen  Schlund 
bis  zur  Stimmritze  herab  betrachten  und  die  Vorgänge  beim  Sprechen, 
Schlucken  und  die  Stelle,  wo  die  Wände  des  Schlundkopfes  in  Berüh- 
rung treten,  beobachten.  Die  letzteren  Resultate  stehen  mit  Passa- 
vant's  Ansichten  über  die  Verschliessung  des  Schlundes  beim  Spre- 
chen in  Gegensatz.  Ueber  die  Details,  sowie  einen  vom  Verf.  nach 
dem  Princip  der  L er oy' sehen  Curette  construirten  Spiegel  zur  Be-r 
sichtigung  der  oberen  Fläche  des  Velum  und  hinteren  Nasenpartie  ist 
im  Original  nachzulesen.  ▼•  Mtsenifell  (Bonn). 

Sayre.     Deformities  of  the  spine:  posterior  angular  curva- 

ture.   Treatment  by  a  new  method. 

(New  York  med.  Journal  1875.  p.  225.) 

Verf.  behandelt  «usführlich  Ursachen  und  Diagnose  der  Ver- 
krümmungen des  Rückgrats  durch  cariöse  Processe  der  Wirbel,  ohne 
in  dieser  Beziehung  wesentlich  Neues  vorzubringen.  Nach  seinen 
Erfahrungen  sind  sie  mit  wei^igen  Ausnahmen  tiimmatischer  Natur, 
wenn  auch  Ursache  und  diagnosticirbare  Wirkung  häufig  zeitlich  weit 
von  einaAder  abstehen. 

Die  früher  von  ihm  benutzte  Taylor' sehe  Maschine  hat  nach 
seiner  Ansicht  den  Fehler,  dass  sie  beim  Essen  die  Kieferbew^gungeQ 
auf  den  leidenden  Theil  überträgt.  Um  dies  zu  vermeiden,  bringt  er 
im  Nacken  einen  gebogenen  Bügel  an,  der  sagittal  verlaufend  bis 
zum  Scheitel  reicht  und  hieif  eine  kurze  Querstange  trägt,  welche 
sich  der  Bundufig  des  Kop£es  sfoift  anschliesat.  Von  ihren  Enden 
aus  laMfei^  eli^tische  Gumnubrieman  um  Kinn    und  Hinterkopf.    — 


810  Centralblatt  fQr  Chinirprie.     No.  51. 

Sind  äuT  Brustwirbel  erkrankt,  ro  wird  die  Querstange  an  einem 
Stahlbogen  befestigt,  der  von  einer  Schulter  über  den  Kopf  zur  an- 
dern läuft  und  von  Achselringen  gehalten  wird.  Das  Untergestell 
der  T.  Maschine  fällt  dann  ganz  fort. 

Neuerdings  übt  S.  bei  Affectionen  der  Brust-  und  Lendenwirbel 
folgendes  Verfahren.  Er  hängt  das  Kind  in  Schlingen  auf,  die  bei- 
derseits unter  die  Achsel  greifen.  Dann  wird  es  vom  Gesäss  auf- 
wärts bis  unter  die  Arme  mit  Flanell  umwickelt  und  hierüber  ein 
fester  Gypsverband  angelegt.  Sobald  dieser  erhärtet,  wird  das  Kind 
aus  seiner  Aufhängung  befreit  und  kann  nun  ohne  Schaden  und 
Schmerzen  umhergehen.  Athmung,  Verdauung  und  andere  Functio- 
nen sollen  durch  diesen  Panzer  in  keiner  Weise  behindert  werden. 
Die  Erfahrungen  von  S.  über  diesen  Verband  erstrecken  sich  jedoch 
erst  über  die  Monate  Juni  bis  September  dieses  Jahres. 

Bei  der  Inspiration  sollen  Damm  und  Anus  sich  hervorwölben, 
weshalb  es  nothwendig  sei,  den  Fat.  beim  Sitzen  ein  Kranzkissen 
unterzulegen. 

Verf  glaubt,  dass  dieses  Verfahren   die   theuren  und  unsicheren 

Maschinen  bald  gänzlich  aus  dem  Felde  schlagen  wird. 

Hnnn  (Bonn). 

W.  Rivington.      Bemerkungen    über    Trennung    des  Hand- 
griffs vom  Körper  des  Brustbeines. 

(Lond.  med.  chir.  Transact.  1874.  p.  101. 

Luxation  des  Handgriffs  und  Fractur  des  Brustbeins^  nicht  selten 
unter  letzterer  Bezeichnung  zusammengefasst^  zeigen  regelmässig  das 
Manubrium  hinter  dem  Corpus  stemi  gelagert;  gleichwohl  hängt  es 
nur  von  der  Applicationsstelle  und  Richtung  der  einwirkenden  Gewalt 
und  von  der  relativen  Stärke  des  Sternalgelenks  und  der  Festigkeit 
des  Knochens  ab,  ob  eine  Luxation  oder  Fractur  entstehen  wird. 
Häufig  sind  diese  Verletzungen  mit  Bruch  der  Wirbelsäule  complicirt. 
Wenn  auch  die  Entstehungsursache  allgemein  auf  theils  directe,  theils 
indirecte  Gewalt  zurückgeführt  wird,  so  gehen  jedoch  über  den  Vor- 
gang bei  letzterer  die  Ansichten  sehr  auseirftuider.  Was  nun  die 
Continuitätstrennungen  des  Brustbeins  anlangt,  so  fand  man  bis  auf 
den  Fall  Sabatier's  jedesmal  an  dem  hinter  dem  Corpus  stemi  ge- 
legenen Manubrium  die  beiden  ersten  Rippen  in  normaler  Befestigung 
und  die  an  der  Hinterseite  befindliche  starke  Periostlage  abgestreift, 
aber  unzerrissen,  beide  Knochentheile  mit  einander  verbindend.  Für 
das  Zustandekommen  beider  Verletzungen  bei  Complication  mit  Bruch 
der  Wirbelsäule,  nehmen  einige  Beobachter  mit  Recht  an,  dass  das 
stark  zum  Brustbeine  herunter  und  angedrängte  Kinn  als  indirecte 
Ursache  in  einer  Reihe  von  Fällen  anzusehen  sei;  in  der  Mehrzahl 
derselben  aber  wird  die  starke  Dorsal-Flexion  oder  Extension  das 
ursächliche  Moment  abgeben.  Hierbei  wird  die  die  Wirbelsäule  tref- 
fende Gewalt  durch  die  Rippen  hebelartig  auf  das  Brustbein  über- 


Centralblatt  für  Chirurgie .     No .  5 1 .  811 

tragen  und  da  die  unteren  5  Rippen  grössere  Hebel  und  beweglicher 
sind,  so  geschieht  hierdurch  die  Abtrennung  und  Verschiebung  des 
Brustbeinkörpers.  Diese  Erklärung  dient  auch  für  die  Fälle,  welche 
bisher  durch  Contre-coup  erklärt  wurden.  Bei  einseitig  auf  den 
Rücken  wirkenden  Gewalten  oder  bei  Compression  des  Brustkorbs 
treten  zu  dieser  Hebelwirkung  noch  das  Rotationsvermögen  derselben 
wirksam  hinzu.  Der  Grund,  wanim  gerade  an  der  Verbindungsstelle 
des  Manubrium  und  Corpus  die  Trennung  erfolgt,  li^  im  anato- 
mischen Baue  dieser  Gegend.  R.,  welcher  eine  gelenkartige  Verbin- 
dung dieser  Stelle  zuerst  bei  der  Section  eines  Verletzten  mit 
Dislocation  des  Handgriffs  auffand,  erkannte  später,  dass  schon 
Maisonneuve  darüber  Beobachtungen  mitgetheilt  habe.  Darnach 
findet  sich  zwischen  Manubrium  und  Corpus  entweder  eine  fibro-car- 
tilaginöse  Zwischensubstanz,  deren  Elasticität  eine  geringe  Beweglich- 
keit beider  Stücke  gestattet,  »AmpHiarthrosis«,  oder  die  sich  zugewandten 
Enden  beider  Knochenstücke  besitzen  überknorpelte  Flächen  und  bilden 
eine  »Diarthrodie«.  An  dieser  Verbindungsstelle  wird  die  Knochenhaut 
des  Brustbeins  durch  feste  fibröse  und  sehnige  Faserzüge  verstärkt,  die 
besonders  stark  an  der  Vorderfläche  sind  und  hier  von  sehnigen  Aus- 
strahlungen des  M.  stemocleidomast.  und  pectoralis  herrühren ;  obwohl 
diese  Faserzüge,  an  der  hinteren  Fläche  meist  in  Längsrichtung  ver- 
laufend, schwächer  als  die  vielfach  querziehenden  an  der  vorderen 
Seite  sind ,  so  pflegen  sie  doch  selten  durchzureissen ,  weil  die  von 
hinten  her  wirkenden  Gewalten  durch  die  Rippen  hebelartig  auf  das 
leicht  convexe  Brustbein  übertragen  werden,  welches  gerade  an  der 
Verbindungsstelle  seinen  höchsten  Punct  hat.  Dass  in  der  Regel  das 
Periost  bis  zur  Höhe  der  3.  Rippie  abgestreift  wird,  hat  darin  seinen  ana- 
tomischen Grund,f  dass  dasselbe  bis  zur  3.  Rippe  lose  angeheftet  ist,  un- 
ter ihr  wieder  fester  verbunden  erscheint.  Während  Maisonneuve  die 
»diarthrodiale«  Form  häufiger  fand,  sprechen  R. 's  Untersuchungen  für  eine 
grössere  Verbreitung  der  »amphiarthrodialen« ,  denn  unter  100  Brust- 
beinen zeigten 

51  Arthrodie:  26  Männer,  17  Frauen,  4  Knaben,  4  Mädchen. 

26  Diarthrodie:  22        -      ,     9        -      ,  9         -       . 

6  Ossification:  4        -        (Alter  30,  36,  53,  65  J.),   2  Frauen 

(73,   76  J.) 
11  Zwischenformen:    ^9        -      ,     2  Frauen. 

Einige  Krankheits-  und  Sectionsberichte  werden  zur  Erhärtung 
des  Gesagten  näher  zergliedert.  Pila  (Stettin). 

Mackey.     On  empyema  in  children. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  September  29.  p.  355.) 

Klinischer  Vortrag  über  das  Empyem  bei  Kindern.  Der  Erguss 
bei  der  im  ganzen  seltenem  Pleuritis  der  Kinder  ist  relativ  häufig 
ein  eitriger;  unter  44  in  den  letzten  5  Jahren  in's  Kinderhospital  zu 
Birmingham  aufgenommenen  Fleuritiden  waren  13  Empyeme  (40  j|^], 


812  Gentxalblatt  für  Chirurgie.    No.  51. 

während  die  Zahlen  au8  HospitfUeni  für  Brwachaene  nur  gegen  5^ 
aufweisen.  IHe  operative  Behandlung  gieht  eine  bessere  Prognose 
als  bei  Elrwachsenen.  M.  zieht  bei  Kindern  einen  einfachen  Sdinitt 
vor;  eine  Draiaageröhre  sorgt  für  leiohten  Eaterabfluss;  Ausspülung 
der  Pleurahöhle  mit  Carbollösung.  IKe  Krankengeschichten  dreier 
geheilter  Fälle  find  beigefügt. Bänke  (Alle). 

J.  Cohnheim.      Congenitales    quergestreiftes    Muskelsaxcom 

der  Nieren. 

(Vir eh.  Archiv  Bd,  LXV.  p.  64.) 
Bei  einem  eiajährigep  Mädchen  entwickelte  sich  in  der  linken 
Lumbargegend  eine  Geschwulst^  die  rasch  wuchs,  das  Zwerchfell 
aufwärts,  die  Därme  nach  rechts  drängte,  die  Harnblase  yöllig  com- 
primirte  und  bei  dem  3  Monate  später  erfolgenden  Tod  die  Bauch^ 
höhle  fast  total  ausfüllte.  Die  Section  zeigte,  dass  der  Tumor  aus 
der  Unken  Nierensubstanz  nach  innen  und  vom  hervor  gewachsen 
war.  Von  dieser  Niere  selbst  war  mehr  als  die  Hälfte  erhalten, 
welche  als  kleines  glattes  Anhängsel  dem  Band^  der  Geschwulst 
aufsass.  Die  rechte  im  übrigen  normal  grosse  Niere  war  der  Sitz 
eines  kleinen  Tumors.  Die  Schnittflächen  der  aus  ein^r  grossen  Zahl 
meist  rundlicher  Knollen  zusammengesetzten  Geschwülste  erinnerten 
theils  an  markige  Knochensarcome ,  theils  an  grosse  Fibromyome 
des  Uterus.  Die  mikroskopische  Untersuchung  dagegen  zeigte  die 
Geschwulst  zum  bei  Weitem  grössten  TheU  aus  quergestreiften 
Muskelfasern  zusammengesetzt.  Nur  einzelne  Knoten  haben  den 
typischen  Bau  des  Bundzellensajrcoms,  einzelne  sind  Mischungen  beider 
Structurformen.  —  Die  Wichtigkeit  des  Falles  liegt  theils  in  der 
Grösse  und  Massenhaftigkeit  der  muskulären  Neubildung^  theils  darin, 
dass  in  der  Niere  noch  nie  eine  quergestreifte  Muskelfasern  haltende 
Neubildung  gesehen  wurde.  Der  Umstand,  dass  in  beiden  Nieren 
die  gleiche  Erkrankung  auftrat^  spricht  für  die  Auffassung  des  Pro- 
cesses  als  Titium  primae  formationis«  Da  die  erste  Urogenitalanlage 
unmittelbar  neben  den  Urwirbelplatten  gelten  ist,  aus  denen  sehr 
beträchtliche  Theile  der  Stammmuskulatur  ihren  Ursprung  nehmen, 
so  yermuthet  C,  dass  vermöge  einer  fehlerhaften  Abschnürung  einige 
von  den  Muskelzellen  sich  von  Anfang  an  der  ersten  Umierenanlage 
beiderseitig  beigemischt  haben ,  die  hernach  in  den  Si^on  fertigen 
Nieren  zu  pathologischer  Entwicklung  gelangt  sind.  — 

Madelung  (Bonn). 

O.  Silbermann.      Die    brfiske    Dilatation    der    weiblichen 

Harnröhre. 

(In»i»g.-I>W9.  Breslau  187«.  23  8.) 
Nach  eimer  historischen  Uebersicht  über  die  Entwicklung  dieser 
Methode,  um  deren  Auj^bildung  sich  Simon  ein  besonderes  Verdienst 
erworben  hat»  werden  unter  Zugrundelegung  von  meist  schon  veröffent^ 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  51.  813 

lichten  Krankheitsfallen  die  diagnostischen  und  therapeutischen  Vor- 
theile  des  Verfahrens  kurz  besprochen.  Da  diese  bereits  bekannt 
sind^  so  können  sie  hier  wohl  übergangen  werden.  In  Bezug  auf  die 
Nachtheile  der  Methode  geht  unter  Anderem  aus  der  Zusammenstel- 
lung des  Verf.  hervor,  dass  auf  48  Fälle,  in  denen  die  Dilatation 
angewandt  wurde,  8  Fälle  von  Incontinenz-  kommen. 

▲•  Bidder  (Mannheim). 


Kleinere  Mittheilungen. 

Bristoler  Königl.  Hospital.     Carbolintoxication,  Injection  von  Ammo- 
niak .   Oenesung . 
(The  Lancet  1875.    Vol.  IL  p.  45). 

Für  die  Fat.  war  zu  äusserem  Gebrauch  eine  Mischung  von  Carbolsäure  mit 
Leinöl  1  :  10  verschrieben;  dieselbe  genoss  davon  unbemerkt  ein  Unzenglas  voll, 
gestand  nach  V«  Stunde  ihre  Thorheit.  Der  sogleich  herbeigerufene  Arzt  fand  sie 
mit  feuchter  Haut,  dilatirten  Pupillen,  schwachem  Pulse,  nur  bei  lautem  Anrufen 
besinnlich;  schnell  wurde  der  Mageninhalt  durch  Magenpumpe  so  lange  ausge- 
waschen als  noch  eine  Spur  von  Oel  auf  dem  Wasser  sichtbar  war.  Während 
dieses  Actes  wurden  die  Erscheinungen  schwerer;  Pat.  war  ganz  unbesinnlich, 
stark  schwitzend,  der  unregelmässige  Puls  war  unzählbar,  jagend;  wegen  der 
tollen  Erschlaffung  der  Schlund-  und  Halsmuskeln  musste  die  Zunge  dauernd 
mittelst  Komzangen  vorgezogen  gehalten  werden.  Da  der  Zustand  fast  aussichts- 
los erschien,  so  nahm  man  seine  Zuflucht  zur  intravenösen  Injection  von  etwas 
verdünntem  Ammoniak:  nach  Einverleibung  von  2  Tropfen  hob  sich  vorübergehend 
der  Radialpuls  und  besserte  sich  der  Allgemeinzustand;  eine  2  Injection  hatte 
denselben  Effect,  die  3.  Injection  hatte  bleibenden  Erfolg;  die  Einspritzungen 
wurden  in  Zwischenräumen  von  15  Minuten  gemacht;  ein  gastrischer  Katarrh  in 
den  nächsten  Tagen  war  die  einzige  Folge.  Der  Urin  wurde  leider  nicht  unter- 
sucht.  PUx  (Stettin). 

Luhe.     Zur  Aetiologie  der  Rose. 

(Deutsches  Archiv  für  klinische  Medicin,  Heft  1,  p.  99.) 

Verf.  theilt  drei  Beobachtungen  aus  der  Privatprazis  und  dem  MilitärUzareth 
mit,  aus  denen  er  auf  ein  von  dem  Erysipelatösen  ausgehendes  und  durch  die  um- 
gebende Luft  sieh  mittheilendes  Contagium,  ähnlich  wie  bei  den  exanthematischen 
Fiebern,  schliesst,  da  er  sich  vergeblich  bemühte  in  den  betreffenden  Fällen  eine 
loeale  Quelle  zu  entdecken. 

Schliesslich  macht  er  noch  auf  die  überall  sich  wiederholende  Dauer  der  In- 
eabation  von  drei  Tagen  aufmerksam.  S^lUieilblirg  (Strassburg  i/E.). 

B.  Davy.     New  inventione  in  surgical  MechanisrnB. 

London,  Smith  Eider  A  Co* 

In  der  21  Seiten  enthaltenden  Broschüre  vereinigt  D.  anderweitig  von  ihm 
publicirte  und  demonstrirte  Instrumente  und  Bandagen  und  erläutert  den*  Text 
durch  zahlreiche  Zeichnungen ,  welche  besonders  bei  den  beschienten  Schuhen  für 
Klumpfflsse  zum  leichteren  Verständniss  beitragen.  PÜs  (Stettin). 

de  la  Vega.    Esquemia. 

(Anfiteatro  anatomieo  espaSol  1875.  No.  65.) 
Esmarch's  Methode  soll  im  April  1874  von  Montes  und  dann  von  Lic- 
caga  in  Mexiko  zum  ersten  Male  ausgeführt  worden  sein. 

menperger  (München). 


814  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  51. 

Ore.     Observation  d'un  cas  de   nevralgie    epileptiforme   de   la   face, 

traitee  par  la   section  des  nerfs  nasal  interne  et  nasal  externe  avec 

anesthesie  produite  par  injection  intra-yeineuse  de  chloial. 

(Comptes  rendus  T.  Sl.  p.  244.) 
Der  Fall  betrifft  eine  51  jährige  Frau,  deren  Gesichts-Neuralgie  seit  9  Jahren 
datirt  und  bei  der  nach  fruchtloser  Anwendung  innerlicher  Mittel  vor  3  Jahren  der 
N.  infraorbitaiis  und  dent.  ant.  resecirt  wurde.  Indess  vermochte  die  Operation 
nur  momentane  Erleichterung  zu  verschafi'en  und  nunmehr  wurde  Kesection  des 
N.  nasalis  int.  et  ext.  beschlossen.  Bei  der  an  narkotische  Mittel  so  gewöhnten 
Fat.  konnte  durch  Chloroform  eine  Anaesthesie  nicht  herbeigeführt  werden ;  des- 
halb wurde  Or6  ersucht,  eine  Chloralinjection  in  die  Venen  zu  machen.  In  Ge- 
genwart einer  Anzahl  Aerzte  wurde  von  O.  die  Injection  vorgenommen;  nachdem 
Fat.  4,5  Chloral  erhalten  hatte  (10  Minuten  nach  Beginn  der  Einführung),  zeigte 
sich  totale  Anaesthesie;  die  nun  vorgenommene  Besection  war  in  11  Min.  beendet- 
Während  der  ganzen  Dauer  der  Operation  bestand  vollständige  Anaesthesie  und 
Analgesie;  erst  nach  einer  halben  Stunde  liess  sie  nach;  es  trat  ruhiger  Schlaf 
ein ,  aus  dem  Fat  von  Zeit  zu  Zeit  immer  nur  fOr  einige  Minuten  erwachte.  Am 
folgenden  Tage  Euphorie,  es  war  auch  nicht  eine  üble  Erscheinung  der  überstan- 
denen  Narkose  aufgetreten.  Die  Neuralgie  des  Gesichtes  und  Auges  hat  nachge- 
lassen ,  die  Schmerzen  sind  auf  die  Oberlippe  beschränkt.  Es  ist  weder  Fhlebitis, 
noch  Thrombose,  noch  Haematurie  vorhanden.  J.  MnBk  {Berlin}. 

G.  H.  ETans.     Nitrite  of  amyl  in  facial  neuralgia. 

(The  Fractitioner  1875.  September.) 
Ausgehend  von  der  Annahme,  dass  durch  Inhalationen  von  Amylnitrit  eine 
Lähmung  der  vaso-motorischen  Nerven  zuerst  des  Gesichts  und  dann  des  Rumpfes 
und  in  Folge  dessen  eine  Vermehrung  des  Blutgehaltes  in  den  kleinen  Gefässen 
stattfinde,  wandte  Verf.  das  genannte  Mittel  in  3  Fällen  von  Gesichtsneuralgieen 
bei  Anaemischen  mit  vollständigem  Erfolge  an.  Die  Inhalationen  des  genannten 
Mittels  empfiehlt  E.  wegen  der  erwähnten  Wirkungsweise  für  jene  Fälle  von  Facial- 
Neuralgie,  welche  mit  Anaemie  verbunden  und  wahrscheinlich  durch  letztere  ver- 
ursacht sind.  TUlmanng  (Leipzig). 

Bohden.    Interessanter  Fall  von  Croup  des  Larynx   und  der  Trachoa 

bei  einer  Erwachsenen. 
(Deutsche  med.  Wochenschrift,  Frobenummer  1875.) 
Der  Fall  ist  bemerkenswerth  wegen  der  ungewöhnlichen  Grösse  der  ezpecto> 
rirten  Membranen.  Zuerst  wurde  ein  6,5  Ctm.  langer  und  1,5  Ctm.  breiter  Fetzen 
ausgehustet,  der  sich  als  Abguss  von  zwei  Dritteln  des  Tracheairohres  und  einer 
Hälfte  des  Larynx  (Stimmbänder,  Morgagni'scher  Ventrikel,  Hälfte  der  Epiglot- 
tis  deutlich  erkennbar)  erwies.  In  den  nächsten  Tagen  noch  mehrere  ähnliche 
Abgüsse  (z.  B.  andere  Kehlkopfhälfte).  Dabei  kein  Fieber,  Allgemeinbefinden 
war  ungestört,  nur  locale  Symptome,  d.  h.  Schmerzen  beim  Schlucken,  Husten, 
massige  Dyspnoe,  so  dass  Fat.  ambulatorisch  behandelt  wurde.  Affection  blieb 
streng  begrenzt,  überschritt  nicht  den  oberen  Rand  der  Epiglottis.  Unter  der  An- 
wendung von  Inhalationen  mit  Aqua  calcis  und  der  internen  Darreichung  von 
Kai.  chlor.,  war  Fat.  5  Tage  nach  der  ersten  Expectoration  von  Croupfetzen  Yoil- 
Btändig  geheilt.  TUlmanilB  (Leipzig). 

Wulokow.     Beitrag  zur  Casuistik  der  Nabelneubildungen. 

(Beri.  klin.  Wochenschrift  1875.  No.  39.) 
W.  theilt  einen  Fall  mit,  in  welchem  nach  einem  Stosa  in  die  Magengrube, 
den  sich  Fat.  durch  schnelles  Gehen  im  Dunkeln  beim  Anrennen  an  einen  steinernen 
Brückenpfeiler  zuzog,  heftige  Schmerzen  entstanden,  die  selbst  Bewusstlosigkeit 
zur  Folge  hatten.  Fat.  wurde  nie  wieder  ganz  wohl  und  suchte  wegen  Ver- 
dauungsstörung und  Schmerzen  Hälfe.  Die  Leber  schien  vergrössert,  und  Druck 
in  der  Lebergegend  schmerzte  sehr.  Am  Nabel  fand  sich  ein  kleines  Carcinom,  das 
sich  mit  der  Hautdecke  von  den  unterliegenden  Theilen  abheben  liess.  Condurango 


Centxalblatt  für  Chirurgie.    No.  51.  S15 

hielt  den  Tod  nicht  ab.    Die  Obduction  ergab  ein  Magenearcinom,  das  mit  dem 
des  Nabels  in  keiner  nachweislichen  Verbindung  stand.        v«  Mosengeil  (Bonn.) 

K.  Elruk.  Hemia  adumbilicalis. 

(Przegl^d  lekarski  1875.  No.  40.  polnisch.) 

Die  27  j&hrige  Fat.  bekam  eine  Hernie  links  vom  Nabel  bei  der  ersten  vor  7  Jahren 
stattgehabten  Schvangerschaft.  —  Jetzt,  d.  i.  drei  Tage  nach  der  4.  Geburt,  trat  in 
der  Hernie  eine  heftige  Incarceration  ein.  Nach  erfolglosen  Taxisversuchen  schritt 
Prof.  Bryk  zur  Hemiotomie,  wobei  sich  zeigte,  dass  die  Bruchpforte  I1/2  Zoll  vom 
Nabel  entfernt  war.  Die  beinahe  schwarz  geflbrbte  Dannschlinge  wurde  nach  Ein- 
schneidung des  incarcerirenden  Binges  leicht  reponirt,  das  degenerirte  Omentum 
dagegen  nach  mehrfacher  Unterbindung  abgeschnitten.  Heilung  unter  li  i  s  t  e  r  'schem 
Verbände  in  28  Tagen.  Obalinski  (Krakau). 

Mears.     Gase  of  encysted  dropsy  of  the  peritoneum. 

(Philadelphia  med.  times.  1875.  No.  200.) 

Eine  40jährige  Frau  bemerkte  3  Monate  nach  der  sechsten,  mit  Piacentaver- 
wachsung  und  schwerer  Blutung  einhergehenden  Geburt  in  der  rechten  Inguinal- 
g^gend  eine  frei  bewegliche,  leicht  abzutastende,  etwa  eigrosse  Geschwulst,  welche 
innerhalb  7  Jahren  das  kleine  Becken  und  den  Bauch  bis  zum  Nabel  ausfüllte, 
eine  glatte  mit  dem  Peritoneum  parietale  offenbar  ven^achsene  Oberfläche  und 
undeutliche  Fluctuation  bei  leerem  Percussionston  zeigte.  Dabei  Orthopnoe,  schwa- 
che aussetzende  Herzaction  und  Verfall  der  Kräfte  ohne  Fieber.  — 

Probe-Incision  und  Ablösung  der  vorderen  Cystenwand  vom  Peritoneum,  die 
im  oberen  Theile  aus  dem  fibrinbedeckten  grossen  Netz,  im  unteren  aus  fest  mit 
einander  verklebten  Darmschlingen  gebildet  wird.  Eine  Incision  in  diese  Wand  lie- 
fert 2  Gallonen  Eiters  und  führt  in  eine  Höhle,  deren  Wandungen  zunächst  aus 
mächtigen  Fibrinlagen  bestehen,  hinter  denen  man  Peritoneum  nicht  nachweisen 
kann.  Reinigung  der  Höhle  und  Drainage  derselben. '  Endresultat  nicht  angege- 
ben. Die  Angabe  einer  früher  vorhandenen  beweglichen  Geschwulst  in  der  Leisten- 
gegend liess  Alles  eher  als  einen  abgesackten  Abscess  vermuthen ;  dass  es  sich  nicht 
um  eine  vereiterte  Ovariencyste  handelte,  lehrte  der  während  der  Operation  g;e- 
machte  Befund.  Wilh«  Koch  (Berlin). 

Ladmiral.     Ausgedehnte  Blase  für  Ovarialcyste  gehalten. 

(Bulletin  de  la  soci6t6  anatom.  de  Paris  1875.  p.  24). 

Die  32jährige  Frau,  deren  Kegel  seit  4  Monaten  ausgeblieben,  die  aber  keine 
Schwangerschafts-Erscheinungen  darbot,  zeigte  eine,  angeblich  in  der  letzten  Zeit 
unter  Schmerzen  schnell  gewachsene  Geschwulst  im  Abdomen,  welche  in  der  Mit- 
tellinie gelegen,  4  Finger  breit  den  Nabel  überragte;  der  Muttermund  war  nicht 
abzureichen ;  ausserdem  bestand  Oedem  der  unteren  Extremitäten  und  äusseren 
Genitalien;  ein  Biasegeräusch  an  der  Herzspitze,  seit 4  Tagen  Athembeschwerden 
und  leicht  blutiger  Auswurf.  Die  Diagnose  wurde  zweifelhaft  gelassen,  ob  Schwan- 
gerschaft bestehe,  allein  oder  neben  ausgedehnter  Blase,  oder  Ovarialtumor.  Durch 
den  Katheter  wurden  2000  Grm.  Urin  entleert;  darnach  schien  der  Tumor  sich  etwas 
zu  verkleinern,  mehr  Urin  konnte  aber  nicht,  selbst  durch  Pressen  auf  die  Bauch- 
decken etc.,  erhalten  werden.  In  einer  der  nächsten  Nächte  traten  heftige  Athembe- 
schwerden und  blutiger  Auswurf  auf;  das  Gesicht  wurde  cyanotisch,  der  Puls  fre- 
quent,  die  Temperatur  36,5^,  welche  Erscheinungen  der  Compression  der  Geschwulst 
zugeschrieben  wurden.  Nachdem  mittels  Katheter  die  Blase  entleert  —  nur  100  Grm. 
wurden  gewonnen  —  erhielt  man  durch  die  Aspirationscanüle,  welche  4"  links  unter 
dem  Nabel,  etwas  nach  rechts  von  der  Mittellinie  eingestochen  war,  4,500  Grm. 
citrongelber,  urinöser  Flüssigkeit.  Bei  einem  plötzlichen  Hustenstosse  fühlte  man 
das  Anstossen  der  Canüle  an  die  Cystenwand,  und  alsbald  kamen  50  Grm.  leicht 
blutig  tingirte  Flüssigkeit.  Die  Erscheinungen  änderten  sich  nicht.  6  Stunden 
später  erfolgte  der  Tod.    Section :  Lungen  vielfach  angelöthet,  enthalten  viel  Blut ; 


816  Centrälblatt  für  Chirurgie.     No.  51. 

Valvul.  mitral.  atheromatOs ;  Nieren  blutreich ,  sonst  normal ;  Nierenbecken  und 
Ureteren  sehr  ausgedehnt,  letztere  bis  auf  12  Ctm.  Die  in  der  Mittellinie  gele- 
gene Geschwulst  von  der  Grösse  eines  einjährigen  Kinderkopfs,  wurde  allein  von 
der  Blase  gebildet;  dieselbe  war  mit  dem  Peritoneum  allseitig  fest  verlOthet;  an 
ihrer  hinteren  Fl&che  wäre  eine  kleine  Arrosion  der  Mucosa  zu  erkennen,  aber 
nicht  die  Punctionsstelle.  Der  Uterus  im  3.^4.  Monate  der  Schwangerschaft  ent- 
hielt in  seiner  Wandung  2  nussgrosse  Myome.  Pils  (Stettin;. 

De  Vo8.     Note  sur  un  mode  de  traitement  de  Fur^thrite. 

(Arch.  m^dic.  beiges  1875.  Heft  10.  p.  256—59.) 
Verf.  empfieht  eine  gesättigte  Lösung  von  Alumen  uat.,  welche  noch  eine  ge- 
wisse Menge  des  Pulvers  im  Ueberschuss  suspendlrt  enthält,  su  Injectionen  Mor- 
gens und  Abends  nach  der  üblichen  Vorschrift.  Im«  Hiller  (Berlin). 

E.  H.  Bennett.     Traumatic  stricture  of  the  Urethra. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  August,  p.  173.) 

Fünfzehn  Wochen  vor  Aufnahme  in  Sir  P.  Dun's  Hospital  zu  Dublin  hatte 
Patient,  ein  Matrose,  auf  einem  Schiffe  einen  Schlag  auf  das  Bein,  wodurch  er 
eine  fractura  tibiae  et  fibulae  erlitt,  und  einen  andern  auf  den  Damm,  woraus  eine 
Fistel  resultirte ,  erhalten.  Zur  Zeit  der  Aufnahme  war ,  da  seit  dem  Unfälle  jeg- 
liche ärztliche  Behandlung  gefehlt  hatte,  die  Fractur  noch  nicht  consolidirt;  aus 
der  Dammfistel  kam  mehr  Urin,  als  aus  der  Urethra.  Das  Bein  war  nach  4 
V^ochen  ziemlich  fest;  um  diese  Zeit  Schmerzen  in  der  Lendengegend,  Anfälle 
von  Nierenkolik,  Abgang  grösserer  nnd  kleinerer  Steine  aus  der  Fistel.  Perineal- 
Bteinschnitt,  dem  bald  unter  heftigen  Schmerzen  in  der  Lendengegend  Collaps  und 
Tod  folgte. 

Die  Obduction  ergab  als  Ursache  für  diesen  plötzlichen  Zufall  einen  eingekeil- 
ten haselnussgrossen  Stein  im  Ureter,  da  wo  dieser  aus  dem  Nierenbecken  her- 
vorgeht; ferner  einen  mit  diesem  communicirenden,  die  Niere  umgebenden  Abscess, 
der  sich  mit  seiner  Oeffnung  durch  das  linke  Mesocolon  in  die  Bauchhöhle  geöffnet 
hatte.    Die  andere  Niere  war  gesund.  H.  Brauil  (Heidelberg). 

J.  Boekel.    Corps  etrangers  du  rectum. 

(Gaz.  m6d.  de  Strasbourg  1872.  No.  9.) 
Ein  Mann  wurde  mit  Erscheinungen  von  innerer  Einklemmung  in  B.  's  Spital- 
abtheilung aufgenommen.  Am  nächsten  Tage  erzählte  er,  er  habe  sechs  Tage  früher 
wegen  einer  Wette  mehr  als  sechzig  Schnecken  sammt  der  Muschel  verschluckt, 
und  glaube  sie  jetzt  im  Mastdarm  zu  fühlen.  In  der  That  brachte  man  in  der 
Chloroformnarkose  70  Stück  heraus.  Der  wenig  veränderte  Zustand  der  Schnecken 
machte  es  aber  wahrscheinlicher,  dass  sie  ihm  in  der  Trunkenheit  von  Kameraden 
in  den  Anus  hinein  gestossen  worden  waren.  Olrard  (Bern). 

Piok.    Extensive  wound    of  the  knee -Joint  treated  by  Lister's 

antiseptic  metbod. 
(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  October  16.  p.  456. 
Der  18jährige  Patient  hatte  sich  mit  einer  Säge  eine  schwere  Verletzung  des 
linken  Knies  zugefügt:  die  4  Zoll  lange,  gerissene  Wunde  hatte  die  Patella  Ion- 
gitudinal  durchtrennt,  und  erstreckte  sich  über  1  Zoll  tief  in  das  Femur.  Nach 
sorgfältiger  Keinigung  Anlegung  des  Lister' sehen  Schellackpfla»terverbandes.  In 
den  ersten  Tagen  Fieber.  Nach  einigen  Wochen  Incision  einer  Senkung  am  Ober- 
schenkel.   HeUung  in  5  Monaten  mit  fester  Ankylose.  Bänke  (Halle). 

Originalmittheilangen,  Monographieen  und  Separstabdrücke  wolle 
man  an  Dr.  H,  Tillmanns,  Leipzig,  Marienstrasae   No.  3,  oder  an  die  YerUgsbandluiig, 

Breitkopf  und  Härtsl,  einsenden. 

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Ornek  nnd  Verlag  tou  Breitkopf  and  Hlrtel  in  Leipsig. 


Gentralblatt 


für 


CHIRURGIE 

herausgegeben 

Ton 

Dr.  L.  Lesser,  Dr.  IL  SM.  Dr.  i  TUlmaiim 

in  Berlin.  in  Berlin.  in  Leipsig. 

Zweiter  Jahrgang. 

'Wöchentlich  eine  Nummer.    Preis  des  Jahrgangs  20  Mark,  bei  halbjfthriger  Prä- 
numeration.    Zu  beäehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten. 

N=  52.  Sonnabend,  den  25.  December.  1875. 


Inhalt:  Rledlnger,  Aetlologie  der  Schenkelhalsfractnren  (Original-Mittbeüung).  — 
Berghmail;  Massage  bei  acuten  traumatischen  Gelenkkrankheiten.  —  Gurlt,  Die  Kriegs- 
chinirgie   der  letzten  150  Jahre  in  Preussen.  —  Thomas,   Chirurgische  Operationslehre. 

—  Deny,  Enchaiiuet,  Blutstillungs-Plncetten.  —  Schraoth,  Die  nnvenüokbaren  Verbände 
^er  neueren  Ghiiargie.  —  Tillaux,  Sehnennaht.  —  Slrodey,  Jaborandin.  —  Bernardf 
Anaesthetlca  und  Asphyxie.  —  Langgard,  Vergleichende  Untersuehongen  Über  Frauen-, 
Kuh-  und  Stutenmilch.  —  Anderson,  Galvanopunctur  bei  Aorten-Aneurysmen.  —  Hack, 
Exarticulation  des  Fusses  nach  Syme. 

Berger,  Multiple  Exostosen.  —  Martinoz  del  Rio,  Transfusion.  —  Jung,  Neurosen 
nach  acuten  Krankheiten.  —  Wllkes,  Garbunkel  der  Oberlippe.  —  Baader,  Acute  Ver- 
blutung bei  Scharlach.  —  Barton,  Strictur  des  Colon  und  Pylorus.  —  Marboux,  Contu- 
«ion  des  Perineum.  —  Felix,  Operation  der  Mastdarmflsteln.  —  Jastrow,  Uterusmyome. 

—  Byrd,  Instrument  für  Blasen-Scheiden-Fisteln.  —  Gurbski,  Elephantiasis  der  rechten 
Schamlefze.  —  M'Donnell,   Sarcom  der  Tibia.  —  Eiliot,   Aneurysma  femorale.  —  Ver- 
wachsene Finger.  — 


Zur  Aetiologie  der  Scheiikelhalsfractureii. 

Von 

Dr.  Biedinger, 

Priyatdocent  der  Chirurgie  in  Warzburg. 

Die  von  v.  Linhart*)  und  mir**)  besprochene  Ansicht^  dass 
Tiele  Fracturen  des  Collum  femoris  an  seiner  Insertion  in  die  Tro- 
«hanterpartie  nicht  durch  Contrecoup  entstehen,  wie  dies  von  Hepp- 
ner***)  u.  A.  behauptet  wurde,  oder  durch  Gewalten,   die  entweder 

*)  Vortrag  auf  dem  letzten  deutschen  Chirurgen-Congress  in  Berlin. 
**)  Riedinger,   Studien  über  Grund  und  Einkeilung  der  Schenkelhalsbrüche. 
Würzburg,  Staudinger' sehe  Buchhandlung  1874. 
*^)  C.  L.  Heppner.     Beobachtungen    und  Untersuchungen  über  eingekeilte 
'^Schenkelhalsbrüche.     Med.  Jahrbücher   (Beilage  zum   Wochenblatt  der  k.  k.  Ge- 
«ellschaft  der  Aerzte)  Bd.  XVII. 

52 


818  Centralblatt  ffir  Chirurgie.    No.  52. 

in  der  Längsrichtung  des  Schenkelhalses  oder  der  Femurdiaphyse 
wirken,  und  den  "Winkel,  welchen  beide  mit  einander  bilden,  zu 
Terändem  trachten,  sondern  Rissbrüche  sind,  indem  durch  starkes 
Anspannen  des  Ligament.  Bertini  beim  Rückwärtsbeugen  des  Stammes 
und  Auswärtsrotlen  des  Oberschenkels  'die  Linea  intertrochanterica 
anterior  abgezogen  wird,  diese  Ansicht  bin  ich  nun  im  Stande  durch 
einen  klaren  FsJl  aus  meiner  PriTat-Praxis  zu  erhärten.  Obwohl  die 
Experimente  an  der  Leiche,  dib  ich  früher  schon  beschrieben*) ,  die 
Ansicht  ebenfalls  bestätigten,  so  wird  es  doch  von  gewichtigem  In> 
teresse  sein,  auch,  praktische  Fälle  anfuhren  zu  können. 

Am  Z.'t)ecetähäT  d.  Js.  wurde  ich  zti  einem  sechzigjährigen  Be- 
amten gerufen,  der  des  Morgens,  als  er  nach  seinem  Bureau  gehen 
wollte^  auf  der  Strasse  ausgerutscht^  und  obwohl  er  durch  starkes 
Rückwärtsbeugen  des  Oberkörpers  das  Gleichgewicht  zu  halten  suchte^ 
auf  die  linke  Seite  gefallen  war.  Nach  dem  Sturz  spürte  er  starke 
Schmerzen  in  der  Gegend  des  rechten  Hüftgelenkes  und  konnte 
nicht  mehr  allein  aufstehen.  Als  man  ihn  aufgehoben  hatte,  ver- 
mochte  er  noch  einige  Schritte  zu  machen,  merkte  aber  uhter  leb- 
haften Schmerzen,  dass  das  rechte  Bein  bedeutend  kürzer  wurde  und 
hatte  beim  Auftreten  —  wie  sich  der  Kranke  bezeichnend  ättsdrüdct  — 
das  iQrefulil,  ^als  ob  ein  Gum^ball  unter  seinem  rechten  Flösse  liJ^e. 

Bei  der  Untersuchung,  die  ich  kurz  darauf  vomafam,  eigab  sich 
Fegendes : 

,  Üie  rechte  untere  Extremität  war  um  fast  sechs  Ctm.  verkürzt 
und  nach  auswärts  gerollt.  Der  Trochanter  major  steht  rechterseits 
hoher  als  links  und  ist  n^idh 'rückwärts  geneigt.  Die  mit'grös^ter 
Schonung,  vorgenommene  Flexion  und  l^tension  im  Hüftgelenk 
können  mit  Yerhültnissmässig  geringer,  die  Rotation  nach  aussen  und 
innen  aber  nur  mit  grosser,  Schmerzhaftigkeit  und  sehr  bes<^hrShkt 
ausgeführt  werden.  Die  Trochantergegend  ist  beim  Berühren 
schmerzhaft  und  fühlt  der  Kranke  längs  des  ganzen  Oberschenkels^ 
sowohl  an  der  Aussen-  wie  an  der  Innenseite,  ein  krampfhaftes  und 
mit  Schmörzen  verbundenes  liiehen.  Crepitation  war  nur  ganz  mi- 
nimal bei  der  Rotation  nach  innen  zu  fühlen,  sonst  nicht.  Selbst- 
ständige Bewegungen  im  Hüftgelenk  sind  unmöglich  und  nirgends 
Sugillationen  oder  dergleichen  zu  findeh. 

Es  lag  also  diesen ^SilBcheihuilgen  liach  zu  schliessen  eine  sogen, 
extracapsulaere  Fractur  des  Schenkelhalses  Vor  und  zwar  mit  Einkei- 
lung des  oberen  Fragmentes  in  die  Trochahterpartie.  Dafür  sprachen 
—  im  Gegensatz  zti  einer  sogen,  imptdntirten  intracapsulaeren  Frac- 
tur, die  bei  der  Differentialdiagnose  allein  in  Betracht  kommen 
kann  —  die  Schmerzhaftigkeit  in  der  Gegend  des  grossen  Trochanter,. 
das  Höher-  und  Rückwärtsstehen  desselben ,  die  Möglichkeit  einer 
ausgiebigen  FlexioioL  und  Extension  im  Hüftgelenk,  die  starke  Ver- 
kürzung der  Extremität  und  femer  der  Umstand,  dass  die  Difformität 

♦)  1.  c. 


Centxalblfttt  fClr  Chirurgie.    No.  52.  819 

im  Laufe  der  nächsten  Tage  sich  nicht  änderte^  sondern  ganz  gleich 
blieb. 

Was  nun  die  Entstehungsweise  der  angeführten  Fractur  betriffib^ 
so  dürfte  dies  vielleicht  einer  der  beweisendsten  Fälle  für  die  Richtig- 
keit obiger  Ansicht  sein.  Beim  Rückwärtsbeugen  des  Stammes  wurde^ 
durch  die  Anstrengung  des  Patienten^  das  Gleichgewicht  zu  halten^ 
das  Ligament.  Bertini  rechterseits  stark  angespannt  und  riss  dadurch  den 
Schenkelhals  an  seiner  Insertion  in  der  Trochanterpaxtie  ab.  Da  nun 
der  Kranke  auf  die  linke  Seite,  fid^  ein  Umstand,  den  er  genau  be- 
tont und  der  auch  dadurch  bestätigt  wird^  dass  die  Kleider  nur  an  der 
linken  Seite  mit  Schnee  versehen  waren  und  sich  daselbst  einige 
Contusionen  befanden^  so  hätte,  wenn  durch  das  Auffallen  eine  Frac- 
tur erzeugt  worden  wäre,  dieselbe  auf  der  linken  Seite  zu 
Stande  kommen  müssen.  Da  nun  aber  das  Gegentheil  eintrat,  näm- 
Uch  eine  Fractur  auf  d^  rechten  Seite,  und  die  Hyperextension  des 
Stammes  als  das  einzige  schädliche  Moment  übrig  bleibt  und  eine 
Beschränkung  dieser  Bewegung  hauptsächlich  durch  -das  Ligament. 
Bertini  bewirkt  wird,  so  kömmt  ihm  wohl  diese  Bolle  zu,  die  es  um 
so  leichter  spielen  kann,  als,  wie  ich  früher  schon  erwähnte*),  alle 
Factoren,  welche  die  Festigkeit  des  Schenkelhalses  erhöhen,  in  Weg- 
£elU  kommen.  Vor  allem  wirkt  die  Gewalt  von  vom  nach  rückwärts,  ako 
in  einer  Richtung,  wo  der  Schenkelhals  am  wenigsten  Widerstandsfähig- 
keit besitzt,  da  sein  grösster  Durchmesser  votL  oben  nach  abwärts  liegt, 
oder  mit  andern  Worten,  weil  der  Schenkelhals  von  vom  nadi  hinten 
platt  gedrückt  ist  und  »die  Widerstandskraft  eines  Hebelbalkens  mit 
dem  Quadrat  seiner  senkrechten  und  nicht  seiner  horizontalen  Di- 
mensionen wäohsta**).  Dasselbe  gilt  vom  Calcar  femorale***). 
Ausserdem  kommen  bei  dem  sechzigjährigen  Patienten  die  senüen 
Veränderungen  hinzu,  die  nicht  blos  die  Corticalis,  sondern  auch 
die  Spongiosa  sammt  dem  Schenkelspom  treffen  und  an  und  für 
sich  schon  auch  durch  andere  Schädlichkeiten  Fracturen  des  Schen- 
kelhalses so  leicht  erzeugen. 

Was  nun  das  Ligament.  Bertini  anlangt,  so  ist  es  jedenfalls  stark 
genug,  denselben  Act  auszufuhren,  den  wir  längst  am  Ligament,  caip. 
volar,  propr. ,  am  Ligament,  rhomboides ,  am  Ligament,  lateral,  in- 
tern, am  inneren  Knöchel  u.  s.  w.  kennen,  so  dass  die  Fractur  schon 
zu  Stande  gekommen  ist,  ehe  die  Patienten  umfallen,  und  v.  Pithaf) 
hat  gewiss  Recht,  wenn  er  sagt,  »dass  ein  leichtes  Straucheln,  eine 
plötzliche  Abduction  des  Beines,  ein  schnelles  Aufhalten  des 
fallenden  Körpers  auf  dem  ausgleitenden  Fusse  —  auch  ohne  Fall  — 


*)  1.  c. 

**]  cf.  Hyrtl,   Hindbuch  der  topogxaphischen  Anatomie   6.  Auflage.     Wien 
1872.  Bd.  n.  p.  565. 

***)  H.  J.  Bigelow,  MechaniBmuB  der  Luxationen  und  Fracturen  im  Hüftge- 
lenk.   UeberseUt  von  Dr.  £.  Pochhammer,  BerliUi  Hirschwald.     1873. 

f)    F.  Merkel,   Betrachtungen  über  daa  Os  femoria.  Virch.  Arch.   Bd.  L. 
Hft.  2.    N.  Folge.    Bd.  IX.  Hft.  2. 

52* 


820  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  52. 

genüge^  eine  Fractur  am  Schenkelhalse  zu  erzeugen.  Der  Fall  ist 
dann  Folge,  nicht  Ursache  des  Bruches«. 

Was  die  Einkeilung  und  erhebliche  Verkürzung  betrifft,  so 
scheinen  dieselben  erst  secundär  beim  Auftreten  zu  Stande  gekommen 
zu  sein,  was  auch  mit  den  Angaben  des  Kranken  übereinstimmt; 
obwohl  eine  Implantation  an  der  Linea  intertrochanterica  posterior 
ohne  anderweitige  Complication  sogleich  primär  auftreten  kann. 
Dieselbe  ist  jedoch  dann  meist  nur  eine  geringe. 

O.  Berghinan.     Ueber   die  Behandlung  acuter  traumatischer 

Gelenkkrankheiten  durch  Massage. 

(Nord.  med.  Archiv  Bd.  VII.  No.  13.) 

Verf.  sucht  durch  seine  Arbeit  zu  beweisen,  dass  die  gewohn- 
lichen Behandlungsmethoden  acuter  traumatischer  Gelenkaffectionen 
mit  verschiedenen  Unannehmlichkeiten  verknüpft  seien  ohne  immer 
zum  Ziel^  d.  h.  Heilung  mit  vollständiger  Beweglichkeit,  zu  fuhren. 
Besonders  sei  die  absolute  Ruhe  für  viele  Kranke  lästig  und  oft 
unmöglich  inne  zu  halten,  und  gerade  diese  Ruhe  verhindere  oder  ver- 
späte die  Wiederherstellung  der  freien  Beweglichkeit  der  befallenen 
Gelenke.  Die  Massage  biete  alle  Vortheile  der  gewöhnUchen  Anti- 
phlogose  ohne  deren  Nachtheile,  sie  sei  sogar  eine  antiphlc^stische 
Methode  par  excellence.  Das  Ziel  der  Antiphlogose  sei  ja,  die  Blut* 
stase  aufzuheben  oder  zu  vermindern  und  die  Resorption  oder  die 
Entleerung  der  zurückgehaltenen  Parenchymsäfte  oder  der  ausge- 
wanderten weissen  Blutkörperchen  zu  befördern  und  zu  dem  Zweck 
müsse  vor  allen  Dingen  die  Thätigkeit  der  Venen  und  der  Lymphge- 
fässe  in  Anspruch  genommen  werden.  Das  erreiche  man  am  besten 
durch  active  oder  passive  Bewegungen  der  Muskeln  oder  durch  solche, 
die  eine  Reizung  der  genannten  Gefasse  zu  Stande  bringen.  Schon 
in  einer  früheren  Monographie  hat  Verf.  zusammen  mit  Dr.  Hell- 
way  (Nord.  med.  Archiv  Bd.  V.  No.  1)  diese  Verhältnisse  ausführlich 
erörtert;  seitdem  hat  er  durch  eine  2 ^/«jährige  Erfahrung  die  Ueberzeu- 
gung  gewonnen,  dass  die  theoretischen  Anschauungen  sich  in  der 
Praxis  glänzend  bewähren. 

Verf.  hat  in  der  genannten  Zeit  145  Fälle  frischer  traumatischer 
Gelenkaffectionen,  Synovitiden ,  Distorsionen ,  Blutergüsse ,  u.  s.  w. 
behandelt,  in  welchen  die  Massage  immer  ein  gutes  Resultat  gegeben  hat. 
Unter  diesen  145  Fällen  betrafen  70  das  Talo-Crural-Gelenk,  8  ver- 
schiedene andere  Gelenke  des  Fusses,  41  das  Knie-,  10  das  Hand-, 

5  das  Ellenbogen-,  3  das  Schulter-,  2  das  Claviculo-Acromial-Gelenk, 

6  die  Finger-  und  Zehengelenke.  Das  Alter  der  Kranken  hat 
zwischen  6  und  70  Jahren  gewechselt.  Die  Zahl  der  »Sitzungen«, 
die  zur  vollständigen  Heilung  sich  als  nöthig  erwiesen,  war  verschie- 
den nach  dem  Zeitpuncte,  in  welchem  die  Patienten  in  die  Behand- 
lung traten.  In  Rücksicht  hierauf  hat  Verf.  seine  Patienten  in  zwei 
Categorien   eingetheilt,    in   solche,   die  in   den  ersten  4  Tagen  nach 


Centralblatt  für  Chirurgie.   No.  52.  g2 1 

der  Beschädigung  zur  Behandlung  kamen  —  104  Fälle  — ,  uud  solche, 
die  sich  nach  dem  4.^  aber  vor  dem  9.  Tage  der  Massage  vmterwarfen 
—  41  Fälle.  —  Zum  Vergleich  berichtet  er  dann  über  solche  Patienten, 
bei  denen  die  Behandlung  nach  9  Tagen  aber  vor  3  Monaten  ange- 
fangen hat,  —  38  Fälle.  Die  ganz  chronischen  Fälle  sind  ausgeschlossen. 
Es  zeigt  sich,  dass  die  Heilung  um  so  schneller  eintrat,  je  früher  die 
Behandlung  anfangen  konnte,  und  zwar  brauchte  die  erste  Reihe  im 
Durchschnitt  nur  12,44  Sitzungen,  die  zweite  17,60,  die  dritte  aber 
nicht  weniger  wie  44,68. 

Neun  Krankengeschichten  sind  ausfuhrlich  mitgetheilt,  um  zu 
zeigen,  dass  auch  unter  schwierigen  Verhältnissen  die  Massage  fast 
unglaublich  schnelle  Hülfe  bringt.  Eine  oder  zwei  Sitzungen  waren 
auch  in  anscheinend  sehr  ungünstigen  Fällen  meistens  hinreichend, 
um  den  Kranken  die  active  Uebung  auch  der  Gelenke  der  unteren 
Extremitäten  zu  gestatten.  Dr.  B.  hält  ebenso  wie  sein  Lehrer 
K.  Metzger,  den  möglichst  frühzeitigen  Gebrauch  der  erkrankten 
Gelenke  für  durchaus  nützlich. 

Nicht  wenige  von  diesen  Kranken  sind  der  Gesellschaft  schwed. 
Aerzte  während  der  Behandlung  und  nach  der  Heilung  vorgestellt 
worden.  Bossander  (Stockholm). 

E.  Gnrlt.     Die    Kriegschirurgie    der   letzten    150    Jahre    in 

Preussen. 

(Bede,  gehalten  zur  Feier  des  Stiftungstages  der  militäräztlichen  Bildungsanstalten 

am  2.  August  1875.) 
Berlin,  August  Hirschwald*  1875. 
Verf.  schildert  die  Entwicklung  der  militärärztlichen  Hildungsan- 
stalten  in  Berlin^  von  der  Gründung  der  später  zum  coUegium  medico- 
chirurg.  erweiterten  Anatomie  und  der  Charite  unter  Friedrich  Wil- 
helm I.  bis  zu  der  der  chirurgischen  Pepiniäre  am  2.  August  1795^  welche 
letztere  wesentlich  auf  Anregung  des  damaligen  Chefs  des  Mili- 
tärmedicinalwesens  Johann  Görcke  entstand.  Neben  interes- 
santen Seitenblicken  auf  die  frühere  sociale  Stellung  der  Aerzte  und 
Chirurgen^  welche  letztere  noch  unter  Friedrich  dem  Grossen  aus 
der  Barbierstube  hervorgingen,  erfahrt  ferner  die  allmälige  Entwick- 
lung des  Feldlazarethwesens  eine  eingehende  Beleuchtung.  Die  grosse 
Mangelhaftigkeit  seiner  Organisation  während  des  7jährigen  Krieges 
war  dem  Scharfblick  Friedrich's  des  Grossen  nicht  entgangen,  so 
dass  derselbe  noch  kurz  vor  seinem  Tode  einschneidende  Reformen 
anbahnte,  die  dann  von  seinem  Nachfolger  sehr  bald  wirklich  durch- 
geführt wurden.  G.  verbreitet  sich  dann  über  die  Thätigkeit  der  3 
hervorragendsten  Feldärzte  des  7jährigen  Krieges,  Schmucker, 
Bilguer  und  Theden,  und  hebt  namentlich  die  Verdienste  Bilg- 
uer's  um  die  conservative  Chirurgie  hervor.  Von  Interesse  ist  femer, 
das  Bilguer  schon  1782  (nach  dem  Vorgange  Brocklesby's)  die 
Errichtung  leichter  Holzbaracken,  vornehmlich  für  Typhus  und 
Ruhrepidemieen   empfiehlt,  welche  im  Bairischen  Erbfolgekriege  sehr 


822  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  62. 

zahlreidie  Opfer  gefordert  hatten.  In  der  Reihe  der  hervorragenden 
preussischen  Militärärzte  folgen  Mursinna  (f  1823),  welcher  seine 
Laufbahn  ebenfalls  noch  als  Barbiergesell  brennen,  und  Johann 
Göreke,  welcher  1793  das  erste  wandelnde  Feldlazareth  errichtete, 
die  ersten  auf  Federn  ruhenden  Krankentransportwagen  einführte  und 
die  Gründung  der  chirurgischen  Pepiniäre  veranlasste  (s.  o.).  Die 
Bedrängniss  in  den  unglücklichen  Jahren  1806  und  1807  wurde  die  Ver- 
anlassung zur  officiellen  Inanspruchnahme  der  freiwilligen  Kranken- 
pflege, deren  Organisation  sich  während  der  Befreiungskriege  mächtig 
entwickelte;  die  grosse  Anhäufung  von  Verwundeten  in  Königsberg 
nach  den  blutigen  Schlachten  von  Preußsisch-Eylau  und  Friedland 
machte  die  Erriditiing  dreier  grosser  Baracken  nothwendig  und  gab 
so  den  Anstoss  zur  ausgiebigeren  Benutzung  von  Baraekenlazarethen. 
War  somit  hierin  die  Noth  eine  gute  Lehrmeisterin  gewesen,  so  war 
man  sich  auf  der  anderen  Seite  schon  damals  der  Vortheile  eines 
systematischen  Krankenzesstreuungssystemes  vollkommen  bewusst  und 
machte  nach  Massgabe  der  vorhandenen  Mittel  den  lunfassendsten 
Gebrauch  davon.  Besonders  wurde  damals  der  Transport  der  Ver- 
wundeten zu  Wasser  cultivirt. 

Verf.  berührt  dann  die  Verdienste  F.  C.  v.  Gräfe *s,  Rust's, 
V.  Wiebel's,  B.üttner's,  Lohmeyers  um  die  Entwicklung  des 
preussischen  Militärmedicinalwesens  und  hebt  die  fundamentalen 
Veränderungen  hervor,  welche  dasselbe  unter  seinem  jetzigen  Chef 
erfahren  hat.  Ein  kurzer  Hinweis  auf  die  Fortschritte  der  Wissen- 
schaft (Gelenkresectionen)  und  der  Technik  der  Krankenpflege  im 
Kriege  (Krankentragercompagnien,  Sanitätszüge,  Genfer  Convention^ 
etc.  etc.),  deren  die  neueste  Zeit  sieb  rühmen  darf,  bildet  den  Schluss 

der  in  vieler  Hinsicht  anregenden  und  interessanten  Arbeit. 

Schede  (Berlin). 

L.  Thomas.     Traiti^  des  Operations  d'ui^ence. 

Paria,  Adrlen  Delahaye.  1875. 
Nicht  für  bereits  erfahrene  Chirurgen  hat  Verf.  s&ji  Buch  ge- 
schrieben, sondern  für  diejenigen  Aerzte,  welche,  ohne  sich  speciell 
mit  Chirurgie  zu  befassen ,  dodi  oftmals ,  besonders  auf  dem  Land, 
in  die  Lage  kommen,  dringende  Operationen  ausfuhren  zu  müssen; 
für  sie  soll  es  in  kurzen  und  bestimmten  Zügen  alle  Auskünfte  ent- 
halten, welche  sie  nothwendig  brauchen.  Diesen  Zweck  gemäss  ist 
auch  jede  kritische  Bemerkung,  jede  Streitfrage,  welche  keinen  un- 
mittelbaren praktischen  Werth  besitzt,  sowie  jeder  historische  Zusato 
mit  Absicht  weggelassen  worden.  Befand  sich  der  Verf.  gegenüber 
verschiedenen  Operationsmethoden  bei  der  gleichen  Indication,  so  hat 
er  nur  diejenige  beschrieben,  die  er  nach  seiner  Erfahrung  für  die 
beste  hält,  manchmal  selbst,  ohne  die  anderen  anzuführen.  Das 
Buch  giebt  auf  eine  Frage  nur  eine  Antwort  und  wer  darin  einen 
Rath  sucht,  wird  somit  von  der  Verlegenheit  befreit,  zwischen  2  oder 
3  Verfahren  zu  wählen. 


CentraU>latt  für  Chiruigie.    No.  52.  $23 

Indem  Verf.  aus  praktischen  Rücksichten  an  dieser  dogmatischen 
Schreibweise  festhielt,  konnte  er  allerdings  der  Gefahr  der  Einseitig- 
keit kaum  entgehen,  und  in  der  That  liegt  darin  die  Schattenseite 
des  sonst  sehr  zu  empfehlenden  Werkes.  Für  französische  Leser  hat 
dies  zwar  nur  geringe  Bedeutung^  es  wird  aber  den  deutschen  Lesern 
um  §0  mehr  auffallen;  eine  Reihe  in  Deutschland  allgemein  geübter 
Operationsmethoden  werden  z.  B.  verschwi^en  oder  höchstens  er- 
wähnt, während  umgekehrt  andere  allein  angegeben  sind,  welche 
deutsche  Chirurgen  gewöhnlich  nicht  anwenden;  man  merkt  es 
hauptsächlich  im  Capitel  der  Nothamputationen. 

Verf.  hat  sein  Buch  in  7  Abtheilungen  sehr  zweckmässig  einge- 
theilt,  welche  eben  so  vielen  dringenden  Indicationen  entsprechen: 
1}  Blutungen  (capilläre,  arterielle,  venöse);  2)  Erstickung  (wegen 
Ursachen  in-  und  ausserhalb  der  Luftwege};  3]  Darmeinklemmungen 
und  Kothverhaltung ,  Atresia  ani;  4j  Harnverhaltung;  5)  fremde 
Körper;  6)  Amputationen  und  7)  Anästhesirung.  Auf  eine  genaue 
Besprechung  der  Operationsanzeigen,  sowie  auf  eine  kurze  und  klare 
Darstellung  der  nothwendigsten  anatomischen  Verhältnisse,  hat  Verf. 
mit  Recht  viel  Gewicht  gelegt. 

Es  ist  hier  nicht  möglich,  jedes  Capitel  eingehend  duxchzomeh- 
men,  es  sollen  nur  einzelne  Absc^itte  Erwähnung  finden.  Bei  in- 
nerer Einklemmung  verwirft  Th.  dLe  Enterotomie  vollständig;  man 
soll  die  Laparotomie  vornehmen,  in&m  die  schwersten  Erscheinungen 
bei  diesem  Zustand  durch  die  Darmeinklemmung  selbst  und  nicht 
von  der  secundären,  an  sich  nicht  so  viel  bedeutenden  Kothverhaltung 
bedingt  sind;  die  Anlegung  des  künstlichen  Afters  würde  nur  den 
Folgezustand  imd  nicht  die  weit  schlimmere  primäre  Affection  heben ; 
sie  soll  für  die  Fälle  von  Darmverschliessung  ohne  Einklemmung  re- 
servirt  werden. 

Femer  will  Verf.  vom  äusseren  Petit* sehen  Bruchschnitt  nichts 
wissen;  er  verwirft  ebenfalls  (gewiss  mit  Unrecht,  Ref.]  die  capillären 
Functionen  der  Blase  bei  Urinverhaltung,  weil  man  sie  öfters  wieder- 
holen muss. 

Li  einem  Anhang  beschreibt  Verf.  ein  compendiöses  Instrumen- 
ten-Etui,  in  welchem  sich  alles  befindet,  was  für  irgend  eine  der  Notho- 
perationen nothwendig  sein  kann.  —  ttlrard  (Bern). 


Beny  et  Enchaquet.    De  Temploi  4es  pinces  dans  les  op6- 

xations     chirurgicales ,    envisagöes    surtout    comme     moye^ 

d'h^mostase  (d'apres  les  le9ons  profess^es  par  M.  P^a'n). 

(Gaz.  m6d.  1875.  No.  3  u.  4.) 

Die  Zangen,  deren  sich  P6an  (Höpital  Saint-Louis)  schon  seit 
längerer  Zeit  anstatt  der  üblichen  Schieberpincetten  zur  Blutstillung 
bedient,  haben  die  Form  der  gewöhnlichen  Komzange  und  können 
durch  einen  Mechanismus  ä  cr^maillere  fest  geschlossen  werden.     Die 


824  Centralblatt  fdr  Cbirurgie.    No.  52. 

fassenden  Schnäbel  sind  je  nach  Bedürfhiss  yerschieden  gefonnt 
(T-formig,  rhombisch  etc.).  In  einer  Anzahl  von  Fällen,  namentlich 
bei  Operationen  im  Gesicht  und  an  der  Zunge,  sowie  bei  der  Ex- 
stirpation  gestielter  oder  isolirbarer  Tumoren  erleichtem  diese  Zangen 
die  präventive  Blutstillung.  Während  der  Operationen  ersetzen  sie 
vollständig  die  Schieberpincetten ,  vor  denen  sie  sich  noch  durch 
leichtere  Handhabung  auszeichnen  sollen.  Endlich  dienen  sie  in  loco 
gelassen  zur  definitiven  Hämostase  und  machen  die  Unterbindung 
sowie  die  Torsion  der  Gefässe  vollständig  entbehrlich  (?).  Die  Dauer,, 
während  welcher  sie  liegen  bleiben,  beträgt  je  nach  dem  Caliber  der 
Gefässe  6 — 36  Stunden.  Sie  werden  zwischen  den  Yerbandstücken 
befestigt  und  nach  der  genannten  Zeit  vorsichtig  entfernt.  Bei  einer 
grossen  Anzahl  zum  Theil  sehr  ausgedehnter  Operationen,  wo  in  die- 
ser Weise  verfahren  wurde,  entstand  nie  eine  Entzündung,  nur  ein 
einziges  Mal  eine  leicht  zu  stillende  Nachblutung.  —  Eine  Anzahl 
theilweis  recht  interessanter  Krankengeschichten  sind  beigefügt. 

0,  Yolkmann  (Kettwig). 

C.  Schrauth.      Die    unveirückbaren    Verbände  der  neueren 

Chinu^e. 

München,  J.  1*  Finsterlin.  1875. 

Das  Hauptverdienst  der  Arbeit  ruht  in  der  Abhandlung  über  den 
Wasserglasverband,  in  welchem  Verf.  unter  andern  eine  neue  eigene 
Methode  der  Herstellimg  desselben  beschreibt,  die  darin  besteht,  dass 
durch  Wasserglas  gezogene  Papierstreifen  in  4 — 5facher  Lage  theils- 
der  Länge,  theils  der  Quere  nach  dem  Glied  applicirt  werden.  Wo  e& 
wünschenswerth  erscheint,  werden  Verstärkungsschienen  aus  3 — 4fach 
zusammengel^en  Papierstreifen  angebracht.  Der  Verband  erhärtet 
in  4 — 6  Stunden. 

Im  übrigen  enthält  der  Aufsatz  nichts  Originelles,  und  bringt 
nur  eine  allerdings  ziemlich  vollständige  und  übersichtliche  Zusammen- 
stellung älterer  und  modemer  unverrückbarer  Verbände,  von  der  sich 
freilich  die  reichliche  Hälfte  theils  ausführlicher,  theils  auch  in  wört- 
licher Uebereinstimmung bereits  in»Szymanowski,  der  Gypsverband 
mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Militärchirurgie,  Petersburg  1857» 
vorfindet,  wo  auch  die  bezügliche  ältere  Litteratur  weit  sorgfaltiger 
verzeichnet  ist.  Dies  gilt  besonders  von  dem  einleitenden  histori- 
schen Rückblick  auf  die  verschiedensten  älteren  Versuche  zur  Her- 
stellung permanenter  Verbände,  bis.  incl.  der  Erfindung  des  Gypsver- 
bandes  durch  Matthysen  (p.  1  — 14)  von  der  Beschreibung  des 
Dextrinverbandes  nach  Velpeau  und  des  Watteverbandes  nach 
Burggraeve  (p.  44),  des  Papierverbandes  mit  Kleister  nach  Lau  gier 
(p.  46],  des  Vanzetti'schen  Leim-  und  des  Smith'schen  Hutfilz- 
verbandes (p.  48  und  49).  Dem  Abschnitt  über  den  Seutin' sehen 
Kleisterverband  hat  Verf.  einige  Citate  deutscher  und  franzosischer 
Autoren,    sowie    einen  längeren,   wortlich  abgedruckten  Passus  aus 


Centralblatt  für  Gliirurgie.    No.  52.  825 

einer  Arbeit  seines  Vaters  hinzugefügt.  Auch  die  Besprechung  des 
Gypsverbandes  ist  durch  Citate  aus  Nussbaum's  chirurgischen 
Briefen,  Port's  Studien  zur  Kriegsverbandlehre,  Münzer,  eine  neue 
Methode  des  Gypsgusses  und  einige  Aussprüche  von  Strohmeyer, 
Dumreichjer,  Lücke  und  Billroth  bereichert.  —  Verf.  hat 
schliesslich  eine  kurze  Beschreibung  des  Guttaperchaverbandes ,  des 
Lorins er' sehen  Kittverbandes,  des  Cementverbandes  nach  Mit- 
scherliich  und  des  CoUodiumverbandes  nach  Luigi  Ciniselli  hin- 
zugefügt, t  Die  Mischung  von  Kleister  und  Gyps  nach  Safrague, 
der  GtiUertverband  von  Hammon,  der  Pergamentpapierverband,  und 

der  Parafin verband  von  Lawson  Tait  werden  kurz  erwähnt. 

Schede  (Berlin). 

TiUauz.     Suture  des  tendons. 

(S6ance  de  la  soci6t6  de  Chirurgie  du  20.  janv.  1875. 

Einem  Manne  wurden  durch  einen  Schlag  mit  einem  Haken  die 
Strecksehnen  des  Ring-  und  kleinen  Fingers  zerrissen;  die  Wunde 
vernarbte.  Fat.  fuhr  fort  zu  arbeiten ,  bis  I  Monat  später  die  2  ge- 
nannten Finger  in  die  Hohlhand   gebeugt  und  unbrauchbar  waren. 

T.  operirte  unter  Zuhülfenahme  des  Esmarch' sehen  Verfahrens, 
konnte  aber  nur  die  peripherischen  Sehnenenden  finden.  Er  legte  , 
nun  die  Sehne  des  Mittelfingers  frei,  machte  eine  Oefihung  in  der- 
selben, steckte  wie  durch  ein  Knopfloch  die  zuvor  angefrischten 
Sehnenenden  hindurch,  und  legte  eine  Metallnaht  an.  Die  beiden 
Finger  wurden  völlig  streckfahig. 

Polaillon  bemerkt,  es  habe  Denonvilliers  zuerst  den  Bath 
gegeben,  die  Vereinigung  mit  den  Nachbarsehnen  zu  versuchen,  wenn 
man  das  centrale  Ende  der  getrennten  Sehne  nicht  finde.  Velpeau 
berichtet,  dass  Missa,  da  er  die  beiden  Enden  einer  durchtrennten 
Mittelfingerstrecksehne  nicht  aneinander  bringen  konnte,  das  obere 
Ende  an  die  Sehne  des  Zeigefingers,  das  untere  (periphere)  an  die 
des  Bingfingers  befestigte,  so  dass  die  Muskeln  des  letzteren  die  Be- 
wegung des  verletzten  Fingers  mit  vermittelten,  was  auch  gelang. 
Malgaigne  tadelt  den  ersten  Theil  der  Operation,  da  die  Anhef- 
tung des  oberen  Endes  der  Mittelfingerstrecksehne  an  die  des  Index 

ersteren  in  der  Unabhängigkeit  der  Bewegung  stören  müsste. 

Fr.  Steiner  (Wien). 

Siredey.      De    Temploi    th^rapeutique    du    chlqrhydrate    de 

Pilocarpine. 

(Journ.  de  m^d.  et  de  chir.  prat.  1875.  October.  p.  440.) 
Das  aus  den  Summitates  jaborandi  (von  Pilocarpus  primatus)  dar- 
gestellte Alkaloid,  Jaborandin  oder  besser  Pilocarpin,  hat  eine  gleich- 
massigere  Wirkung  als   die   Blätter  selbst,    verhält  sich  aber   etwas 
anders. 

Die  Dosis  beträgt  nach  den  Untersuchungen  von  Dr.  Dumas 
(in  seiner  These)  und  des  Verf.  0,03 — 0,12,  wobei  toxische  Wirkungen 


826  Centi;alblatt  £Qx  Cbumgie.    Neu  52. 

nicht  zu  föxcl^ten  sind.  Be80Bde];8  henrortretend  ist  die  üijDwirkujQg' 
des  Mittels  auf  die  Speicheldrüsen,  die  bald  nach  dessen  Einverlei;- 
bung  beginnt^  so  dass  durch  etwa  5  Stunden  eine  rasch  anschwellencbe 
und  dan;n  langsam  schwächer  werdende  Salivation  besonders  aus  den 
Submaxillardrüsen  andauert,  durch  die  im  Mittel  etwa  755  Grm. 
Speichel  entleert  werden.  1  Stunde  nach  Begii^in  der  Salivation 
bricht  starker  Schweiss  aus,  der  durch  4  Stunden  langsam  abniinmt. 

Dabei  ist  gewöhnlich  galliges  Erbrechen  vorhanden,  die  Urinse- 
cretion  stark  ven;nindert,  der  Puls  langsam,  die  Temperatur  herabge- 
setzt, die  Pupille  dilatirt. 

In  therapeutischer  Hinsicht  sind  bisher  nur  Versuche  ohne  feste 
Resultate  untenciommen.  Pagenstecher  (Elberfeld). 

C«  Bemard.     Le9ons  sur  les  anesthesiques  et  sur  Tasphyxie. 

Paris,  €^«  BaiUl^re.  1875.  536  8.  mit  Abbildungen. 

Das  Buch  ist  aus  der  Umarbeitung  und  Vervollständigung  von 
Vorlesungen  hervorgegangen,  welche  B.  1869  und  1870  am  College 
de  France  gehalten  hat.  Es  verbreitet  sich  in  18  Capiteln  über 
Chloroform,  Opium,  Chloralhydrat  und  Kohlenoxydvergiftung.  Zahl- 
reiche Excurse  handeln  mehr  oder  minder  vollständig  vom  Aether,  von 
den  Alkaloiden  des  Opiums,  von  den  Absoj^ptionsverhältnissen  der  se- 
rösen Häute,  der  Lungen-  und  der  Darmfläche,  vom  Schlaf,  sowie  von 
vielen  anderen  das  Hauptthema  streifenden  Dingen,  welche  in  der 
Kürze  nicht  aufgezählt  werden  können.  —  Die  von  dem  berühmten 
Autor  auch  gelegentlich  seiner  früheren  Arbeiten  beliebte  Form  der  di- 
recten  Ansprache  wirkt  durch  Frische  und  Eindringlichkeit.  Zu  be- 
wundem bleibt  die  Manier,  wie  aus  einigen  wenigen  einfachen  Versuchen 
eine  grosse  Reihe  von  Thatsachen  mit  zwingender  Consequenz  abgelei- 
tet wird.  Man  würde  aber  irren,  wenn  man  in  dem  Gebotenen  einen 
Abriss  der  sichergestellten  Errungenschaften  über  besagte  Gegenstände 
zu  finden  meinte.  Der  Verf.  lässt  sich  meist  selber  reden  und  hat 
die  ausserordentlich  umfängliche  Litteratur  ^der  Narcotica  nur  in 
äusserst  fragmentarischer  Weise  herangezogen  und  gesichtet.  Die 
Folge  davon  ist,  dass  auch  wichtigste  Thatsachen  bisweilen  kaum 
angedeutet,  oft  aber  in  einer  Weise  interpretirt  werden,  welche 
unsem  augenblicklichen  Anschauungen  nicht  mehr  entspricht.  Da- 
neben finden  sich  Irrthümer  vertheidigt,  deren  Widerlegung  bereits 
vor  Jahren  gelungen  ist. 

Wirklich  Neues  wird  auch  der  Physiologe  und  Pharmakologe  nur 
in  bescheidenem  Maasse  und  auf  Gebieten  finden ,  welche  denen  in 
diesem  Blatte  zu  berücksichtigenden  gar  zu  fem  liegen.  — 

Nach  des  Ref.  Ansicht  handelt  es  sich  also  um  eine  Reihe  geist- 
voll geschriebener  Essays,  die  für  die  Eigenartigkeit  C.  Bernard' s 
wohl  Zeugniss  ablegen  können,  die  aber  weder  gründlich  belehren 
noch  wesentlich  neue  Gesichtspuncte  eröfihen. 

mili.  Koek  (Berlin). 


Centralblatt  fOr  Churujrgie.    No.  52.  827 

A.  Langgard.    Yei^leickende  Untersuchungen  über  Frauen-, 

Kuh-  und  Stutenmilch. 

(Virch.  Arch.  Bd.  LXV.  p.  1.) 

Nachdem  die  über  den  Unterschied  der  Menschen-  und  Kuhmilch 
angestellten  Untersuchungen  bisher  sich  darauf  beschränkt  hatten^  die 
quantitativen  Verhältnisse  der  Bestandtheile  beider  festzustellen,  die 
nicht  unerheblichen  Differenzen  in  der  procentischen  Zusammensetz- 
ung zu  kennzeichnen,  hat  Biedert  (Giessen)  auch  auf  die  qualita- 
tiven Differenzen  hingewiesen  und  gezeigt,  dass  der  wesentlichte 
Unterschied  in  der  chemischen  Verschiedenheit  der  beiden  Caseinsor- 
ten  bedingt  ist.  Kuhcasein  reagirt  sauer,  Menschencasein  neutral 
oder  leicht  alkalisch,  ersteres  ist  im  Wasser  fast  unlöslich,  letzteres 
löslich.  V^rdauungsversuche  zeigten,  dass  das  Menschencasei'n  in 
weit  kürzerer  Zeit,  als  das  Kuhcasein  verdaut  wird.  Diese  und  andre 
Befunde  Biedert's  hat  L.  bestätigt,  zugleich  aber,  da  er  Milchsorten 
aufzufinden  suchte,  die  in  ihrem  Verhalten  mehr  der  Frauen-  als  der 
Kuhmilch  ahnUch  sind,  die  Chemie  der  Stutenmilch  untersucht.  Als 
wesentlich  sei  erwähnt,  dass  das  Stutencasein  verschieden  vom  Kuh- 
casein, mit  dem  Menschencasei'n  zwar  nicht  identisch  ist,  jedoch 
demselben  in  seinem  chemischen  Verhalten  sehr  nahe  steht.  Ver- 
dauungsversuche ergaben,  dass  das  Stutencasein  weit  leichter  als 
das  Kuhcasein  und  fast  eben  so  schnell  wie  das  Frauencasein 
verdaut  wird.  Stutenmilch,  oder  da  diese  schwer  zu  beschaffen 
ist,  ein  aus  ihr  hergestelltes  Präparat  als  Kindernahrung  zu  ver- 
werthen,  erscheint  hiemach  nicht  unrationell.         Madelnngr  (Bonn). 


xrCall  Anderson.     Galvanopunctur  bei  Aorten- Aneurysmen. 

(British  med.  Journal  1875.  Vol.  11.  p.  517.) 

Verf.  knüpft  an  die  ausfiihrUche  Besprechung  zweier  eigener 
Beobachtungen  Bathschläge  för  die  technische  Ausführung.  Obwohl 
inducirte  und  continuirliche  Ströme  mit  Erfolg  angewandt  sind,  so 
räth  er  entschieden  zu  letzteren,  die  milder,  weniger  entzündungser- 
regend wirken;  er  selbst  benutzt  die  grosszellige  St  Öhr  er 'sehe 
Batterie.  Viel  Gewicht  legt  er  darauf,  dass  die  in  das  Aneurysma 
einzuführende  Nadel  bis  Y2"  ^^^  der  Spitze  entfernt  mit  isolirender 
Schicht  überzogen  sei,  damit  jegliche  Reizung  in  den  Weichtheilßn 
und  den  Gefässhäuten  vermieden  werde;  den  Misserfolg  in  einem 
früheren  Falle  schreibt  er  der  Nichtbeachtung  dieser  Vorsichtsmaassre- 
gel  zu.  Stets  sei  die  eingeführte  Nadel  mit  dem  positiven  Pole  zu  ve^r- 
binden,  weil  dieser  ein  kleines  aber  festes  Coagulum  gebe,  während  dpr 
negative  Pol  eine  reichliche,  weiche  Gerinnung  liefere.  £r  räth  darum 
auch  nur  die  eine  Nadel  einzuführen  und  den  negativen  Pol  in  der  Um- 
gebung der  Geschwulst  auf  die  Haut  zu  appliciren;  di^  Ströme  selbst 
Bollen  nicht  zu  stark  sein  und  die  Sitzungsdauer  nicht  zu  lange  wäh- 
ren.   Die  Dauer  der  Intervalle  zwischen  zwei  Sitzungen  hängt  natürlich 


828  Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  52. 

▼on  dem  erreichten  Effecte  ab ;  doch  pflege  das  durch  die  Electrolyae 
gesetzte  Coagulum  anfangs  noch  zuzunehmen.  Die  gehegte  Besorg- 
niss ,  dass  durch  sich  loslösende  Gerinnsel  Embolieen  henrorgerufen 
und  die  sich  bildenden,  im  Blute  weiter  kreisenden  Gase  schädlich 
wirken  könnten,  haben  sich  nicht  bestätigt ;  dagegen  dränge  sich  eine 
neue  Frage  auf,  ob  die  Consolidirung  in  einem  besonders  oberflächlich 
gelegenen  Theil  nicht  einer  Ausdehnung  in  einer  anderen  Richtung 
Vorschub  leiste.  —  Von  den  Fällen  selbst  möge  Folgendes  erwähnt 
werden.  Die  eine  Stunde  dauernden  Sitzungen  geschahen  bei  dem 
36jährigen  Manne  am  12.  und  23.  Januar,  8.  Februar  und  16.  April; 
die  Punctumadel  war  mit  dem  positiven  Pole  einer  4 — 8  Elemente 
enthaltenden  Batterie  verbunden  und  zwar  wurden  die  erste  halbe 
Stunde  4 — 6,  die  zweite  6 — 8  Elemente  benutzt;  während  der  Punctur 
bestanden  keine  Schmerzen,  doch  folgten  sie  derselben  in  massigem 
Grade  nach.  Ausser  der  subjectiven  Erleichterung  bewirkten  die  4 
Sitzungen  Verkleinerung  des  härter  gewordenen  Tumors,  der  nicht 
mehr  die  Körperoberfläche  überragte,  sodann  Abschwächung  der  Pulsa- 
tion  und  Aufhören  des  über  dem  Tumor  bestandenen  Geräusches.  Im 
2.  Falle,  der  1 V3  J&br  später  zur  Section  kam,  hatten  4  Sitzungen  am 
4.,  9.,  28.  April  und  27.  August  die  Verkleinerung  der  fest  geworde- 
nen Geschwulst  auf  Y4  ihrer  Grösse  bewirkt;  die  Pulsation  und  das 
Geräusch  waren  viel  schwächer  geworden.  Pat.  hatte,  aus  dem  Hospi- 
tale ausgetreten,  schwere  Arbeiten  trotz  ärztlichen  Abrathens  von 
Neuem  verrichtet  und  sich  argen  Schädlichkeiten  ausgesetzt.  Die 
Section  ergab,  dass  das  Aneurysma  die  pars  desc.  und  transv.  des 
Arcus  Aortae  umfasste  und  complet  erfüllt  war  mit  dichten ,  blassen, 
schichtweise  gelagerten  Fibrinmassen;  das  Blut  hatte  sich  einen 
schmalen  Gang  zwischen  Gerinnsel  und  Gefässwand  geschaffen ;  Per- 
foration in  die  linke  Pleurahöhle.  Pilz  (Stettin). 


W.  Hack.      Beiträge    zur    Exarticulation    des   Fusses   nach 
Syme.     Aus  der  chirurg.  Klinik  zu  Heidelberg. 

(Deutsche  ZeiUchrift  f.  Chirurgie  Bd.  V.) 

Simon  übt  die  Syme' sehe  Operation  mit  der  Modification^  dass 
er  vom  Unterschenkel  nur  die  Malleolen  absägt^  aber  die  Gelenkfläche 
der  Tibia  vom  Knorpel  bedeckt  zurücklässt,  wenn  sie  nicht  erkrankt  ist. 

Es  wird  dadurch  die  Gehfläche  möglichst  breite  bei  noch  nicht 
erwachsenen  Individuen  wird  das  Längenwachsthum  des  Unterschen- 
kels nicht  gestört  und  der  zurückbleibende  Knorpel  verzögert  die 
Heilung  nicht.  Verf.  berichtet  über  6  Fälle ^  in  welchen  Simon 
die  Exarticulation  noch  Syme  vornahm;  wiederholt  wurde  ödematöse, 
entzündlich  infiltrirte  und  von  Fisteln  durchsetzte,  auch  stark  ge- 
quetschte Haut  zur  Lappenbildung  verwendet,  ohne  dass  der  Erfolg 
dadurch  beeinträchtigt  worden  wäre.  In  3  Fällen  war  der  Lappen 
zu  gross  gebildet,  was  die  Anheilung  desselben  verzögerte.     2  Mal 


Centralblatt  für  Chirurgie.    No.  52.  829 

wurde  er  nachträglich  verkleinert  und  dannHeilung  erzielt^  das  3.  Mal, 
wo  vom  Unterschenkel  ein  Stück  von  Vj^  Ctm.  abgetragen  worden 
war,  löste  S.  den  Lappen  nachträglich  wieder  und  liess  ihn  durch 
4  Wochen  frei  herabhängen,  worauf  derselbe  so  gesch]:unipft  war, 
dass  er  gerade  passte.  Auch  hier  wurde  ein  brauchbarer  Stumpf  er- 
zielt.    In  keinem  der  6  Fälle  wurde  der  Lappen  gangränös. 

Gersuny  (Wien). 


Kleinere  Mittheilungen. 

F.  Berger.    Exostoses  multiples  sur  une  persoüne  dg6e. 

(La  France  mddicale  1875.  No.  46  u.  47.) 

Die  Beobachtung  multipler  Exostosen  der  Epiphysen  mit  Nekrosirung  eines 
dieser  Tumoren  bezieht  sich  auf  eine  Frau  von  57  Jahren ,  die  sich  in  Folge  von 
Knoten  in  der  Nähe  der  Gelenke  (Z wiewuchs)  während  ihrer  10  ersten  Le- 
bensjahre nur  kriechend  fortbewegt  hatte.  Später  war  sie  aufrecht  gegangen,  ob- 
wohl die  Geschwüre  allmälig  wuchsen  und  hatte  nur  mit  Beginn  der  Menstruation 
im  18.  Jahre  von  Neuem  Beschwerden,  die  nach  einem  Jahre  etwa  aufhörten.  Vor 
8  Monaten  stiess  sich  Fat.  an  die  Unke  Fersengegend ;  seither  wieder  Schmerzen  da- 
selbst. Behandlung  mit  Einreibungen,  —  Entzündung  der  Umgebung  —  Aufnahme 
ins  Spital. 

Es  zeigt  sich  unten  an  der  hinteren  Seite  des  linken  Unterschenkels  ein  Vor- 
Sprung  wie  bei  Luxation  des  Fusses  nach  vom.  Gelenkbewegungen  normal.  Haut 
über  dem  Tumor  und  Umgebung  geröthet,  eine  Ulceration  führt  in  eine  Höhle 
im  Tumor. 

An  der  oberen  Epiphysenlinie  der  rechten  Tibia,  am  Capitulum  fibulae  (Ansatz 
des  adductor  III.  —  I^edilectionsstelle)  und  der  unteren  Epiphyse  des  Femur 
derselben  Seite  ähnliche  Geschwülste;  am  linken  grossen  Trochanter  ein  4  bis 
5  Ctm.  hoher,  nach  hinten  hakenförmig  gekrümmter  Fortsatz.  Entstehung  in  frü- 
hester Jugend ,  Aufhören  des  Wachsthums  nach  der  Evolution  und  Lage  der  Ge- 
schwülste sprechen  für  multiple  Exostosen  der  Epiphysenlinien  bei  einem  früher 
rachitischen  Individuum.  Zur  Erklärung  der  bei  einer  der  Exostosen  eingetre- 
tenen Nekrosirung  nimmt  Verf.  an,  es  führen  diese  Geschwülste  gewissermassen 
ein  selbständiges  Leben  und  altem  früher,  als  das  übrige  Knochengerüst ,  in  Folge 
geringfügiger  Noxen  fallen  sie  dann  der  Nekrobiose  anheim. 

Der  Tumor  am  linken  Unterschenkel  wird  abgemeisselt ;  die  jauchende  Höhle 
enthält  mehrere  Sequester,  ist  von  einer  festen  Knochenschale  mit  Periost  umge- 
ben. Kleinere  Tumoren  in  der  Nähe  zeigen  einen  Knorpelbelag  und  Spongiosa 
im  Centmm. 

Im  Laufe  von  2  Monaten  tritt  Heilung  ein ;  Fat.  kann  jetzt  ohne  Beschwerden 
gehen.  A*  Gensmer  (Halle). 

Hartinez  del  Bio.     Transfusion  du  sang. 

(S^ance  de  la  Soci6t6  de  Chirurgie  du  3.  fivr.  1875.) 

Bei  einer  Dame,  die  an  erschöpfenden  Blutungen  in  Folge  eines  Uteruspolypen 
litt,  hatte  M.  den  Folypen  ohne  besonderen  Blutverlust  ecrasirt ;  trotzdem  bekam 
Fat.  darnach  schwere  Ohnmachtsanfälle,  Collaps. 

Bellina  transfundirte  in  eine  Armvene  der  Fat.  300  Grm.  defibrin.  und  fil- 
trirtes  Blut.    Rasche  Erholung.  Fr.  Steiner  (Wien). 

A.  Jung.     Die  Neurosen  nach  acuten  Krankheiten. 

Inaug.-Diss.  Breslau  1875. 
Ausser  Bekanntem  enthält  diese  Diss.  4  von  Oscar  Berger  beobachtete  Fälle 
von  1)  Hemiplegie  nach  Dysenterie:  Ein  2 7 jähriger  Soldat  stürzte  während 


^^a  Centralblatt  far  Chirurgie.    No.  52. 

der  !Recoiival«8oenz  von  schwerer  Dysenterie  plötzlich  bewusstloe  zusammen  und 
zeigte  beim  Erwachen  Lfthmung  der  ganzen  rechten  Körperhftlfte ,  welche  V2  ^>^ 
sp&ter  noch  in  hohem  Grade  fortbestand  und  eine  bedeutende  Herabsetzung  der 
electrocutanen  Sensibilität,  nicht  aber  der  electromusculären  Contractilität  er- 
kennen liees.  2)  Hemiplegie  nach  Variola:  Eine  34jahrige  Arbeiterfrau  zeigte 
im  Beginn  der  3.  Woche  einer  leichten  Variola  plötzlich  Hemiplegie  rechts  ohne  alle 
Cerebralsymptome,  ohne  Facialis-  und  Hypoglossus-L&hmung  und  ohne  Sprachstö- 
rung, mit  Yöllig  intacter  Sensibilität  aber  leichter  Herabsetzung  der  electrischen  Er- 
regbarkeit. Nach  4V2  Jahren  bestand  noch  Parese  der  unteren  Extremität,  während 
die  der  oberen  schon  in  den  ersten  Wochen  zurückgegangen  war.  Der  Heerd  ist 
wahrscheinlich  in  der  inneren  Kapsel  zu  suchen .  3)  Hemiplegie  nach  Typhus. 
Bei  einem  25jährigen  Soldaten  in  der  3.  Woche  der  Erkrankung  mit  Bewusstlosig- 
keit  eingetreten.  4)  Isofirte  Lähmung  des  linken  Deltamuskels  bei 
acutem  Gelenkrheumatismus  mit  rasch  zunehmender  Atrophie  und  Herab- 
setzung der  galvanischen  und  faradischen  Erregbarkeit. 

Seeligmttller  (Halle}. 
Wilkes.     Carbuncular  inflammatioii  of  the  lip. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  September  4.  p.  263.) 
3  Fälle  von  tödtlich  verlaufenen  Karbunkeln  der  Oberlippe,  betreffend  einen 
33jährigen  Mann,  eine  34jährige  Frau  und  einen  74jährigen  Mann.     W.  madit 
darauf  auftnerksam,  dass  die  Krankheit  in  den  3  Fällen  geschwächte  Individuen 
betraf,  und  bei  auffallend  schlechtem  Wetter  begann.  Bänke  (Halle). 

A.  Baader.     Acute  Verblutung  bei  Scharlach. 

(Correspondenz-Blatt  für  Schweizer  Aerzte  1875.  No.  21. 
Es  werden  davon  d  Fälle  mitgetheilt 

1)  Rachendiphtheritis,  Verjauchung  der  Halsdrüsen,  Arrosion  der  Carotis  in- 
terna, Perforation  in  den  Rachen. 

2)  Rachendiphtheritis,  Verjauchung  der  HalsdrOsen,  Arrosion  der  Jugularis  ex- 
terna. 

3)  Rachendiphtheritis,  Otitis  media,  Nekrose  des  Felsenbeins,  Arrosion  des 
Sinus,  transvers.  Girahl(  Bern). 

Barton.     Stricture  of  the  Colon  and  of  the  Fylorus.     Colotomy. 
(The  Dublin  Journal  of  med.  scienoe  1875.  Mai.  p.  485.) 

Patient  Utt  seit  Wochen  an.  Verstopfung,  fBr  welche  keine  Ursache  zu  fin- 
den war.  Leib  ausgedehnt,  in  den  Seiten  schmerzhaft;  rdohts  Sehall  gedtaqift« 
links  hell.  Finger  per  teetum  lässt  ebensowenig,  wie  eine  18  Zoll  weit  einge- 
fQhrte  Sonde,  etwas  Bestimmtes  feststellen!  Da  trotz  Abführmittel  die  Verstopf- 
ung anhielt,  Erbrechen  noch  dazu  kam,  entschloss  man  sieh  zur  Colotomie  in  der 
rechten  Seite.    Tod  am  folgenden  Tag. 

Bei  der  Section  fand  man  neben  ausgedehnter  Peritonitis  am  Anfang  des  Colon 
transversum  eine  enge  Stelle,  durch  eine  auf  3  Zoll  weit  eingelagerte  rigide  Masae 
bedingt,  die  B.  für  ein  entzündliches  Depositum  hält;  eine  geringe  Stenose  dxirch 
eine  ähnliche  Substanz  bedingt,  wurde  am  Pylorus  entdeckt. 

H*  Braun  (Heidelberg). 
M«  Harboni^    D'une  cons^quence  rare  de  la  contusion  du  perin^. 

(Revue  m^dicale  de  l'Est  1875.  Nancy,  Novembre.) 

Ein  Unterofficier  föllt  beim  Turnen  auf  eine  hölzerne  Barriere  und  sofort  zeigt 
sich  eine  bedeutende  Haematocele  des  Scrotums,  sowie  ein  bedeutender  Bluterguss 
am  Perineum.  Durch  Ansetzen  von  Blutegeln  wird  local  eine  Besserung  herbeige- 
führt und  während  der  ersten  [fünf  Tage  ist  der  Verlauf  ein  ganz  regelmässiger. 
Am  sechsten  Tage  erfolgt  eine  neue  Blutung,  die  eine  prall  gespannte  Geschwulst 
am  Perineum  zur  Folge  hat.  Es  wurden  wiederum  Blutegel  ( ! )  angesetzt ,  die 
dem  Kranken  zwar  Erleichterung  verschafften,  aber  local  keine  wesentliche  Aende- 
rung  zur  Folge  hatten.  Am  folgenden  Tage  erfolgte  ein  neuer  noch  bedeutenderer 
Bluterguss ,  so  dass  die  Hautdecken  auf  das  Aeusserste  gespannt  waren,  und  das 


Ce^tralblatt  fttr  Chinurgie.     No.  52.  g31 

Perineum,  so  zu  tia^en,  nur  eine  ehizige  grosse  Blutbeule  darstellte.  Die  Collaps- 
erscheinungen  von  Seiten  des  Patienten  lassen  das  erneute  Ansetzen  Ton  Blutegeln 
nicht  mehr  als  ztreckmässig  erscheinen;  es  werden  kalte  Umschläge  gemacht,  die 
Blutung  steht,  nach  14  Tagen  ist  fast  vollständige  Kesorption  eingetreten. 

Die  Quelle  der  Blutung  hält  Verf.  aUs  den  Symptomen  und  der  Beschaffen- 
heit der  Perinealgeschwulst  fßr  eine  venöse,  Weiss  aber  die  Ursachen  dieser  Nach- 
blutungen nicht  näher  anzugeben.  Auffallend  war  es  nach  dem  Verf.,  dass  durch 
den  FaÜ  auf  das  Perineum  die  sonst  so  gewöhnliche  Verletzung,  nämlich  der 
Urethra,  nicht  zur  Beobachtung  kam.  —  Sodnenlmrg  (Strassburg  i./£.) 

J.  Felix.     De  Y  Operation  de  la  fistule  k  Y  anus  par  la  section  Unfaire 

avec  les  fils-setons, 
(Annales 'de  la  Soci6t6  m6dicale  de  Gand  1875.  Mai.) 

Das  obige  Verfahren  zur  unblutigen  Spaltung  von  Analfisteln  besteht  darin, 
dass  ein  starker,  am  besten  seidener  Faden  durch  die  Pistel  geführt,  und  dann  in 
Bägeartigen  Zügen  rehr  rasch  hin  und  ker  gezogen  wird.  In  wenigen  Secunden  er- 
folgt die  Trennung  der  Qewebe  ohne  Blutung ;  zur  Vermeidung  der  Schmerzen  ge- 
nügt die  JiOcalanästhesie. 

Eine  Nachahmung  der  Pajot'schen  Methode  der  Embryotomie.    Ref.) 

Girard  (Bern). 
▲.  Jastrow«    Klinisches  über  Myome  des  Uterus. 

(Inaug.-Diss.  19  6.) 
Voh  9  im  Sommersemester  1875  in  der  Breslauer  gynäkologischen  Xlinik  zur 
Beobachtung  gekommenen  Myomen  des  Uterus  werden  die  kurzen  Krankenge- 
schichten mttgetheiit.  Die  itti  Anschluss  daran  gegebenen  Bemerkungen  über 
Aetiologie,  Symptomatologie  nnd  Therapie  der  Myome  enthalten  durchweg  nur 
Bekanntes.  0«  Tolkmann  (Kettwig). 

Byrd.    A  new  instrument  to   simplify   and  facilitate    the   Operation 

for  Vesico-Vaginal-Fistula. 
(New- York  med.  Journal  1875.  p.  259.) 

Um  bei  Operationen  von  Blasenscheidenfisteln  den  Verfall  der  Blasenwand  in 
die  Fistelöffnung  zu  verhindern,  benutzt  B.  einen  kleinen  Oummiballon  von  der 
Art,  wi(3  sie  als  Spielzeug  für  Sander  überall  zu  haben  sind.  Derselbe  wird  durch 
ein  Schaltstück  von  einem  härteren  Oummischlauch  mit  einer  dünnen  elastischen 
Bohre  verbunden.  Das  Ende  derselben  wird  an  einem  Draht  durch  die  FistelOff- 
nung  in  die  Blase  und  dann  zur  Urethra  herausgeleitet  und  angezogen,  bis  der 
Ballon  in  der  Blase  liegt.  Füllt  man  nun  denselben  mit  kaltem  Wasser,  so  wöl- 
ben sich  die  Fistelränder  hervor  und  man  kann  sie  leicht  abtragen. 

Zum  Schluss  soll  sich  der  ganze  Apparat  nach  Abfluss  des  Wassers  leicht 
durch  die  Urethra  entfernen  lassen. 

Bei  zwei  nicht  vom  Verf.  selbst  ausgeführten  Operationen  wurde  dieses  Ver- 
fahren mit  Erfolg  angewendet.  Hlirm  (Bonn). 

K.  Gurbski.     Elephantiasis  der  rechten  Schatnlefte. 

(Oazeta  lekarska  1875.  19.  Juli,  polnisch.) 
O.  operirte  bei  einer  70  jährigen  Jüdin  die  elephantiastisch  degenerirte  Scham - 
lippe,   die  gegen  ein  Pfund  wog  und  in  den  letzten  drei  Jahren  sich  entwickelt 
hatte.    Heilung.  —  Obalinskl  (Krakau). 

B.  M'Donnell«     Sarcoma  of  the  Tibia. 

(The  Dublin  Journal  of  med.  science  1875.  August,  p.  160.) 
Vor  8  Monaten  hatte  der  21  Jahre  alte  Kranke,   der  im  December  vorigen 
Jahres  in  Steeven's  Hospital  in  Dublin  aufgenommen  wurde,  einen  Stoss  ans 
Bein  erhalten,  der  ihm  heftige  Schmerzen  verursachte.  Es  wurde  damals  eine  Probe- 


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punction  gemacht,  die  zwar  keine  Ansammlung  unter  dem  Periost  ergab,  trota- 
dem  aber  ein  Verschwinden  der  Schmerzen  zur  Folge  hatte.  Jetzt  kam  der  junge 
Mann  ftusserst  anämisch  und  schwach  mit  einer  enorm  grossen,  blutenden  Ge- 
schwulst ins  Spital.  Amputation;  Heilung. ging  rasch  Yorw&rts.  Urin  zeigte  Eiweiss, 
kein  Blut;  es  traten  ferner  Schmerzen  auf  der  linken  Seite  des  Kückens  ein; 
schwere  Atbmung,  ohne  dass  Pleuritis,  Pneumonie  nachweisbar  war;  auch  Blasen- 
blutungen  stellten  sich  später  noch  ein.  Vor  14  Tagen  wurde  das  gesunde  Bein  plötzlich 
gelähmt,  sein  Gefühl  bedeutend  vermindert,  das  WärmegefOhl  ging  ganz  verloren ; 
Reflexbewegung  ziemlich  gut  auslösbar.  —  Tod  erfolgte  bald.  —  Bei  der  Obduc- 
tion  fand  man  die  Blase  ulcerirt,  ihre  Wandung  Verdickt;  zwischen  Blase  und 
Mastdarm  lag  ein  Tumor,  der  aus  denselben  kleinen  Rundzellen  zusammengesetzt 
war ,  wie  die  Geschwulst  der  Tibia ;  ein  gleicher  Knoten  fand  sich  in  der  Lunge 
und  im  Rückenmarkscanal,  durch  letzteren  liefen  zwei  sehr  verdünnte  Dorsalnerven. 
Nieren  gesund,  Leistendrüsen  kaum  vergrössert.  H«  BraiUl  (Heidelberg). 

EUiot.     Aneurysma  femorale. 

{Lancet  1875.  Vol.  II.  p.  412.) 

Ein  schwächlicher  37jähriger  Artillerist  fühlte  einige  Tage,  nachdem  er  schwere 

Gegenstände  gehoben  hatte,  Steifigkeit  im  linken  Beine,  besonders  vom  Knie  bis 

zur   Hüfte  hinauf,  welche  Erscheinunffen  an  Stärke  zunahmen;  schon  am  2.  Tage 

zeigte  sich  in  der  Leistengegend  eine  hühnereigrosse,  klopfende  Geschwulst ;  jetzt  am 

6.  Tage  maass  dieselbe  im  Scarpa' sehen  Dreieck  gelegen  4"  in  der  Länge  und 
5"  in  der  Breite;  sie  reichte  bis  unter  das  Poupart'sche  Band.  Die  einige 
Stunden  täglich  durchgeführte'  Digitalcompression  und  locale  Anwendung  von  Eis 
wurde  nicht  lange  ertragen,  ebenso  wenig  starke  Flezionsstellung ;  intermittirende 
Compression  mit  Toumiquet  führte  auch  zu  keinem  Ziele;  unterdessen  war  der 
aneurysmatische  Tumor  grösser  geworden,  die  Haut  darüber  geröthet,  das  Geräusch 
in  ihm  viel  lauter,  die  Pulsation  heftiger.  In  der  Narkose  wird  ohne  besondere 
Schwierigkeit  die  Ligatur  der  Iliac.  ext.  gemacht;  sogleich  erlischt  der  Puls  im  Sacke 
und  in  den  abwärts  gelegenen  Gefässen;  schnell  treten  peritonitische  Erscheinun- 
gen auf;  die  linke  Extremität  ist  5*^  F«  kühler;  am  4.  Tage  erfolgt  der  Tod. 
Section :  die  Operationswunde  oberflächlich  verheilt,  in  der  Tiefe  breitet  si^^b  eitrige 
Infiltration  zwischen  den  Muskeln  aus;  von  der  Darmbeingrube  ab  ist  las  Perito- 
neum bis  zur  Niere  hinauf  entzündet ;  ebenso  einige  Dannabschnitte.  Das  Aneu- 
rysma 372''  lang  und  breit  hatte  einen  Umfang  von  9";  sein  Inhalt  flüssig;  die 
Ligatur  lag  fest  an  der  Iliaca  ext.  2"  über  dem  Anfange  des  Sackes;  die  Art.  fem. 
war  1 V2"  vcit  in  die  Bildung  des  Sackes  hineingezogen  und  zwar  bestand  derselbe 
nur  aus  der  Adventitia,  die  Media  und  Intima  des  Gefässes  waren  zerrissen;  die 
Ven.  fem.  war  dem  Sac]^  adhärent,  die  art.  prof.  fem.  war  atheromatös;  geringe  A- 
therose  an  der  Valv.  mitr.  und  Aorta.  Pill  ^Stettin). 

Guy's  hospital.     Webbed  fingers. 

(Med.  tim.  and  gaz.  1875.  October  16.  p.  443.) 

Deformitäten  an  den  Fingern  waren  bei  Vater  und  Onkel,  und  bei  3  Ge 
fichwistem  der  16jährigen  Patientin  vorhanden.  Bei  ihr  handelte  es  sich  um  Tren- 
nung des  vollständig  durch  Weichtheile  verbundenen  2.  und  3.  Fingers  linker  Hand. 
Die  Finger  wurden  durch  zwischengeschobene  carboUsirte  Gaze  an  der  Wiederver- 
einigung gehindert;  es  gelang  die  Trennung  bis  zur  Mitte  der  ersten  Phalanx 
dauernd  zu  erhalten.  Ranke  (HaUe). 

Originalmitthellungen,  Monographieen  und  Separatabdrücke  wolle 
man  an  Dr,  H.  TlUmano»,  Leipzig,  Marlenstraase  No.  3,  oder  an  die  Verlagshandlung^ 
Breitkopf  und  HarUlj  einsenden. 


Dniek  und  Verlag  ron  Breitkopf  und  HSrtel>i&  Leipcig. 
Hierzu  Titel  und  Begister  für  Jahrgang  1875. 


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